Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY
Profil für Volker M. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Volker M.
Top-Rezensenten Rang: 19
Hilfreiche Bewertungen: 8870

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Volker M.
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30
pixel
Bosch BGS5POWER1 Bodenstaubsauger Relaxx'x ProPerform EEK A (beutellos, QuattroPower System, Hartbodendüse), schwarz
Bosch BGS5POWER1 Bodenstaubsauger Relaxx'x ProPerform EEK A (beutellos, QuattroPower System, Hartbodendüse), schwarz
Preis: EUR 275,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Starker Leisetreter, aber Praxismängel im Detail, 31. Juli 2015
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich verwende seit vielen Jahren einen Zyklonstaubsauger und war fest davon überzeugt, dass der Tornado im Haus eben auch Krach macht wie ein Tornado. Werbeversprechen wie "Relax" im Namen habe ich ehrlich gesagt nicht ansatzweise ernstgenommen. Umso erstaunlicher, wie unfassbar leise der Bosch tatsächlich ist, bei gleichzeitig extremer Saugleistung. Der Staubsaugerschlauch ist völlig strukturstabil und kann nicht zusammenfallen (ein echtes Problem bei meinem alten Gerät), allerdings hat dies auch deutliche Nachteile: Der Schlauch ist bei weitem nicht so flexibel und verhält sich recht störrisch. Für sehr enge Wohnungen kann das zum echten Problem werden, denn es beeinträchtigt erkennbar die Manövrierfähigkeit.

Neben den überzeugenden technischen Leistungsdaten kommt der Bosch mit einem modernen, aber nicht übertriebenen Design und solider Verarbeitung daher. Trotz seiner Größe ist er ausgesprochen wendig (lässt sich völlig frei am Platz drehen) und "gutmütig" beim Rollen. Die Bodendüse ist umschaltbar zwischen Teppich- und Hartböden und im Lieferumfang ist auch noch eine spezielle Hartbodendüse enthalten, die man aber umstecken muss. Die beiden austauschbaren Zusatzdüsen für Polster und Fugen werden am Saugrohr befestigt. Extrem praktisch ist auch der enorme Aktionsradius von über 11 Metern. Damit kommt man selbst in großen Wohnungen bis in die letzte Ecke.

Wie bei allen Zyklonstaubsaugern ist auch der Bosch beutellos, nur die Filter müssen von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Den großen Lamellenfilter reinigt das Gerät im Regelfall durch seine integrierte "SelfClean"-Funktion vollautomatisch. Die anderen Filter sowie das Flusensieb können bei Bedarf unter fließendem Wasser gesäubert werden.

Es gibt aber auch noch ein paar weitere Nachteile:

Die Saugleistung lässt sich nur mit einem Regler am Gerät selber reduzieren und nicht zusätzlich über einen Schieber am Rohr, der die Luftzufuhr steuert. Wenn man die Saugleistung nur kurz drosseln will, ist dies unpraktisch. Ich vermute, dass die neuen Energieklassen die früher übliche, aber sehr energieverschwendende Leistungsregelung über die Luftzufuhr heute verbieten. Auf der kleinsten Saugstufe, die für Gardinen geeignet sein soll, ist die Leistung noch so hoch, dass leichte Gardinen angesaugt und zerknittert werden.

Der Staubsauger ist mit 8,7 kg recht schwer und das merkt man auch, wenn man ihn hinter sich herzieht.

Wirklich nervig ist der Kabeleinzug: Das Kabel wird ohne Vorankündigung und ohne erkennbaren Grund immer wieder eingezogen, so dass es dann gespannt zwischen Sauger und Steckdose hängt. Man muss deshalb ständig aufpassen, dass nicht irgendwas umgerissen wird. Und jetzt kommt die Pointe: Wenn man das Kabel dann komplett einziehen lassen will, funktioniert das nicht! Man muss das Kabel vollständig herausziehen, bevor die Rückhaltung entriegelt wird. Neun Meter lang. Dass man wie früher üblich das Kabel durch kurzes Anziehen entriegelt und es dann automatisch aufgerollt wird, diese Technik beherrscht mein Bosch leider nicht.
Wegen der genannten Praxismängel kommen für mich deshalb trotz der grandiosen Saugleistung und dem wirklich sehr leisen Betrieb nicht mehr als drei Sterne zusammen.


Das Japan-Kochbuch: Bilder, Rezepte, Geschichten (Illustrierte Länderküchen)
Das Japan-Kochbuch: Bilder, Rezepte, Geschichten (Illustrierte Länderküchen)
von Kenichi Kusano
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentische Rezepte, 28. Juli 2015
Die Grafikerin Tian Tang hat bereits die Küche ihrer chinesischen Heimat sehr liebevoll und mit reichlich Familienbezug in einem ungewöhnlichen Kochbuch illustriert. Jetzt hat sie zusammen mit ihrem Mann Kenichi Kusano auch die japanische Küche entdeckt und ähnlich stilvoll bearbeitet.
Der Autor verrät zahlreiche Rezepte seiner Kindheit, die er mit original japanischen Zutaten macht, welche man allerdings meist auch in Deutschland beschaffen kann (Bonitoflocken für Dashibrühe, Nori- und Kombu-Algen, Misopaste). Bei einigen Zutaten, wie der Bittermelone, Gobo oder einigen Pilzarten wird die Beschaffung schon schwieriger. Leider lassen sie sich auch nicht ohne weiteres durch heimische Lebensmittel ersetzen. Das macht das Nachkochen zuweilen kompliziert, beschränkt sich aber auf die absolute Minderzahl der vorgestellten Rezepte. Die Auswahl ist in jedem Fall groß und gibt einen wirklich authentischen Überlick über die Vielfalt der japanischen Küche.

Die japanische Küche ist sehr stark saisonal geprägt. Es ist absolut unüblich, Speisen zuzubereiten, die nicht in die Jahreszeit passen. Daher ist auch dieses Buch nach Jahreszeiten gegliedert. In kurzen Zwischenkapiteln erzählt Kenichi Kusano Interessantes zu einigen japanischen 'Nationalgerichten' und würzt sie mit ein paar Familienanekdoten, die allerdings bei weitem nicht so interessant sind wie die Geschichten, die Tian Tang über ihre chinesische Familie zu berichten wusste. Allerdings kann man an seinen eher ereignisarmen Erzählungen sehr schön erkennen, wie subtil japanische Kommunikation ist. Am Wichtigsten ist in Japan oft das, was nicht gesagt wird. Das macht die Sache aber auch manchmal etwas anstrengend...

Die einfachen Rezepte sind ausführlich beschrieben und wirklich leicht nachzuvollziehen, wenn man die Zutaten hat. Ich möchte nochmal betonen, dass das in der Regel kein unüberwindbares Problem ist, jedoch man muss eventuell auf Internetquellen zurückgreifen, wenn man keinen wirklich gut sortierten Asienladen in der Nähe hat. Dann wird man aber reichlich belohnt, denn es gibt kaum eine Küche, die so sehr Wert legt auf frische, unverfälschte Lebensmittel und deren Eigengeschmack, wie die japanische. Ich hätte mir zwar noch ein paar hübsche Serviervorschläge gewünscht, denn gerade in Japan ist die fast schon künstlerische Präsentation von Speisen fast so wichtig wie das Essen selbst, aber man kann nicht alles haben. Die Rezepte, die ich ausprobiert habe, waren auf jeden Fall genauso, wie ich sie aus Japan kenne. Ein sehr empfehlenswertes Kochbuch für Japanfans.


Mars: Der rote Planet zum Greifen nah
Mars: Der rote Planet zum Greifen nah
von Giles Sparrow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So sieht guter Wissenschaftsjournalismus aus!, 26. Juli 2015
Ich hatte gedacht, schon Einiges vom Mars gesehen zu haben, aber dieses Buch hat mich geradezu umgehauen. Als wäre Yann Arthus-Bertrand unter die Astronauten gegangen. Niemals, nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich erwartet, wie vielfältig und ästhetisch die Landschaften auf dem Roten Planeten und wie unfassbar detailreich die Aufnahmen sind, die Raumsonden übermittelt haben. Der Victoria Krater auf dem Titelblatt ist keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel: Die Auflösung der besten Marskarte, über die wir verfügen, würde ein Fußballfeld abbilden und die besten Einzelfotos aus dem Orbit erreichen eine Pixelgröße mit einer Kantenlänge von zwei Metern. Die Landefahrzeuge, von denen es bislang immerhin sieben erfolgreich auf die Marsoberfläche geschafft haben, zeigen Landschaften, die denen auf unserer Erde verblüffend ähneln und doch ist der Mars ganz und gar anders. Die höchsten Berge des Sonnensystems wachsen hier 21 Kilometer in den Himmel, es gibt Täler, neben denen der Grand Canyon wie ein Spielzeug aussähe, Staubstürme, die den gesamten Planeten einhüllen und unter den Polkappen warten riesige Reserven an Wassereis.

Auch wenn die Schauwerte im Vordergrund stehen, so sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Forscher aus den Fotos und anderen Messdaten gewonnen haben, die zweite Sensation des Buches. 50 Jahre Marsmissionen haben einerseits eine unglaubliche Fülle an Informationen geliefert, andererseits sind eben doch viele Fragen offen: Ist der Mars plattentektonisch aktiv? Oder war er es überhaupt jemals? Wieviel Wassereis bergen die Polkappen und ließe sich dieses Wasser wieder verflüssigen? Gibt es auch auf dem Mars eine Klimaerwärmung? Und wie steht es mit dem Leben auf dem Roten Planeten? Bisher sind alle diese Fragen - und noch einige mehr - unbeantwortet. Am meisten haben mich aber die unglaublich vielfältigen Geländestrukturen fasziniert und die Theorien, die über ihre Entstehung angestellt wurden. Immer wieder wird eines der wichtigsten Prinzipien der Wissenschaft erkennbar, nämlich dass Annahmen nur so lange 'richtig' sind, bis sie widerlegt wurden. Gerade was die Marsformationen angeht, haben Theorien oft eine recht kurze Halbwertzeit, was sie aber nicht weniger faszinierend macht.

Das Buch ist in drei große Kapitel gegliedert. Zunächst entwickelt Giles Sparrow die Geschichte des Mars, von den mythologisch geprägten Anfängen in der Antike, über den Beginn der wissenschaftlichen Erforschung in der Renaissance bis hin zu den überaus erfolgreichen Marsmissionen, vor allem der NASA. Was für ein langer Weg liegt zwischen den "Marskanälen", die man im 19. Jahrhundert durch Teleskope zu sehen glaubte, bis zu den gestochen scharfen Aufnahmen des High Resolution Orbiters! Kapitel Zwei zeigt alle wichtigen Regionen des Mars in Übersichts- und Detailaufnahmen. Dieser Mars-Atlas ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern liefert auch noch jede Menge spannende Informationen von Marsmissionen aus den jeweiligen Gebieten. Das dritte Kapitel beschreibt sämtliche Marssonden, die bisher auf den Weg geschickt wurden. Unerreicht ist dabei die NASA, die als einzige Agentur erfolgreich Landefahrzeuge auf den Mars gebracht hat. Überhaupt ist die Zahl der Missionen insgesamt überraschend hoch. Auch wenn alleine über ein Dutzend sowjetischer Projekte als Totalschaden endeten, so bleiben doch eine ganze Reihe sehr eindrucksvoller Missionen, die sich ins kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt haben. Und das alles in nicht einmal einem Menschenleben. Wohin die Reise geht, wird im Anschluss an das letzte Kapitel kurz angerissen, aber ob und wann diese Projekte Realität werden, das steht wohl in den Marsstaub geschrieben...

Ein wunderschönes, ausgesprochen ästhetisch fotografiertes Buch, spannend und informativ von der ersten bis zur letzten Seite. So sieht guter Wissenschaftsjournalismus aus!


Mein Insektenhotel: Wildbienen, Hummeln & Co. im Garten
Mein Insektenhotel: Wildbienen, Hummeln & Co. im Garten
von Melanie von Orlow
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gibt mehr als der Titel verspricht, 24. Juli 2015
Der Titel führt ein wenig in die Irre. Nicht dass man im Buch nicht präzise Anleitungen für den Bau und "Betrieb" verschiedener Typen von Insektenhotels bekäme, aber der Rahmen ist viel weiter gesetzt. Dieses Buch befasst sich ausführlich mit der Ökologie unserer Bienen, Wespen und Hummeln, wobei ein besonderer Fokus auf den solitären Arten liegt, die teilweise sehr komplexe Verhaltensweisen zeigen. Solitäre Bienen und Wespen bilden keine Staaten, sondern sind Einzelkämpfer, die nur in seltenen Fällen Kolonien gründen. Diese Kolonien sind organisiert wie ein Outlet-Center: Jeder verwaltet seine eigenen Brutzellen, nur haben es Parasiten schwerer einzudringen, da immer jemand aufpasst. In der Gruppe lebte es sich sicherer. Und damit sind wir bei dem Thema, das für jeden Insektenhotelbesitzer über kurz oder lang zum Zentrum des Interesses werden wird: Parasitismus. Besonders solitäre Bienen und Wespen neigen dazu, entweder Opfer oder Täter in diesem endlosen Spiel zu sein. An heißen Tagen geht es in einem Insektenhotel zu wie in einem schlechten Krimi. Zwangsräumungen, Diebstahl, Mord, Vergewaltigung, Betrug, Hinterlist, Intrigen. Jede friedliche Pollensammlerin hat eine feindlich gesinnte Gegenspielerin, die das Gelege mit ihren eigenen Nachkommen impft. Dabei sind die Strategien so vielfältig wie komplex. Melanie von Orlow beschreibt zahlreiche raffinierte Methoden, um in fremde Nester zu kommen: Manche Wespen lassen sich lebendig in die Wände von Brutzellen einmauern, um dann später "einzubrechen", andere lassen den Wirtsnachwuchs erst groß werden, bevor aus den Eiern der Parasiten kleine Killermaschinen schlüpfen und ihr Werk mit einer kräftigen Fleischmahlzeit beginnen. Wieder andere Parasiten müssen erst einmal sämtliche arteigene Geschwister in der Brutkammer umbringen, bevor sie sich an den angelegten Nahrungsvorrat machen. Die Autorin beschreibt Beobachtungskästen, in deren gläsernen Röhren man solche Dramen mit etwas Geduld sogar selber beobachten kann.

Neben sehr ausführlichen Anleitungen zum Bau von verschiedenen Insektenhotels auf der Basis von Pflanzenstängeln, Holzblöcken oder Lehm gibt es auch Informationen zu Nisthilfen für Hummeln. Auffällig ist der starke Praxisbezug, mit vielen Tipps, wie man den Gästen ihren Aufenthalt noch schmackhafter macht. Zu einem geeigneten Standort gehören ein passendes Nahrungsangebot, möglicherweise technische Hilfe (wie die Einflug-Klappen zum Schutz vor Wachsmotten in Hummelburgen) und die Verwendung der richtigen Materialien. Viele kommerzielle Nisthilfen sind übrigens für den beabsichtigten Zweck wenig geeignet. Auch hier gibt es Tipps zur richtigen Auswahl.

Ein großer Teil des Buches umfasst kurze Artenmonografien von Bienen, Wespen und Hummeln, die allerdings zum großen Teil selten oder nie in den Standard-Insektenhotels nisten werden. Deshalb mein Hinweis, dass der Titel etwas in die Irre führt. Dennoch bekommt der Leser Informationen, wie er auch diesen Arten gute Nistbedingungen schaffen kann, sei es durch die Anlage von Steingärten, offenen Bodenflächen oder die Pflanzung von geeigneten Gräsern, in deren Stängeln sie nisten. Die Auswahl der vorgestellten Arten zeigt wieder das große Praxiswissen der Autorin, denn sie beschränkt sich auf die häufigen bzw. gut identifizierbaren Spezies. Trotzdem gibt es immer die Gefahr von Verwechslungen mit ähnlichen Arten, denn von den etwa 1300 in Deutschland lebenden Bienen und Wespen werden gerade einmal 60 im Buch beschrieben. Die Autorin weist auf einige ähnliche und verwandte Arten hin, aber selbst wenn die Artbestimmung letztlich nur den Experten vorbehalten bleibt, so kann man doch fast immer bis auf Gattungsebene auflösen. Interessant ist sowieso in den meisten Fällen das Sozial- und Brutverhalten und das unterscheidet sich meistens nicht grundsätzlich innerhalb einer Gattung.

"Mein Insektenhotel" ist also ein Buch, das mehr gibt als der Titel verspricht. Ein wunderbarer Einstieg in die komplexe Verhaltensbiologie der Insekten und Anregung für eigene Entdeckungen in der Natur.


Toscana: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
Toscana: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps.
von Michael Müller
  Taschenbuch

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoher Praxisbezug, 21. Juli 2015
Man merkt gleich, dass dieser Reiseführer schon in der 16. Auflage erscheint. Nicht nur vom Umfang (fast 800 Seiten dick), sondern auch von der Detailtiefe schlägt er alle mir bekannten Reisehilfen um Längen. Es ist in Ansätzen auch ein Kulturführer, mit Hinweisen zur Geschichte, Kunst und Küche, allerdings liegt der Fokus stärker auf reiserelevanten Informationen. Das Buch ist kein Baedeker, sondern ein echtes Reise-Handbuch mit sehr starkem Praxisbezug. Wie komme ich hin? Wo übernachte ich? Wo parkt mein Auto? Was gibt es zu essen? Was gibt es zu sehen? Und was kostet mich der Spaß? Das steht zwar ansatzweise auch im Baedeker, aber die Anzahl der vorgestellten Hotels und Restaurants ist im Müller-Reiseführer um Dimensionen größer und die Bandbreite der "Etablissements" hat ihren Schwerpunkt eher im mittleren und unteren Preissegment. Das ist in der Toskana übrigens immer noch nicht richtig billig - man muss schon mit 60-100 € pro Nacht im DZ rechnen, ohne übertriebenen Luxus erwarten zu dürfen.
Nach den allgemeinen Reiseinformationen zu Transport (enthält einige nützliche Insidertipps und sollte man auch lesen, wenn man schon mal in Italien war!), Infrastruktur und Landesgeschichte, folgen die nach Regionen aufgeteilten Steckbriefe von Städten und Dörfern. Auch kleinere Ortschaften sind aufgenommen worden, wenn sie nur irgendwie touristisch von Interesse sind. Die Anfahrtbeschreibungen sind sehr präzise, innerhalb größerer Städte meistens unterstützt von übersichtlichem Kartenmaterial, wo vorhanden werden Internetadressen genannt und natürlich Öffnungszeiten, Eintrittspreise etc., obwohl man sich auf die leider nicht 100%ig verlassen kann. Das ist aber wirklich nicht die Schuld des Autors... Jedes Kapitel ist immer gleich aufgebaut. Auf eine kurze Einführung mit einer geschichtlichen und touristischen Bewertung folgen Abschnitte zu Unterkunft, Verpflegung und den jeweiligen Sehenswürdigkeiten. Sehr hilfreich sind die aus persönlichen Berichten gespeisten Bewertungen von Hotels und Restaurants. Aus leidvoller Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass man diesbezüglich in der Toskana auch richtig ins Klo greifen kann und da sind die zahlreichen "Geheimtipps" ausgesprochen hilfreich.
Die Einschubtexte auf gelbem Grund befassen sich meistens mit interessanten Details oder Geschichten rund um den jeweiligen Ort oder seine Bewohner.

Obwohl der Reiseführer geradezu überquillt vor Informationen, ist die Orientierung durch Farbmarkierungen am Rand und die wiederkehrende Struktur sehr leicht. Fotos zeigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und helfen durch den Wiedererkennungswert ebenfalls bei der schnellen Suche. Auch wenn im Zeitalter von Navigationsgeräten eine Straßenkarte auf den ersten Blick nicht mehr ganz so wichtig erscheint, ist die beiliegende Karte im Maßstab 1 : 250 000 zur geografischen Orientierung mehr als nützlich. Sie hat in der Tat bei uns immer griffbereit auf dem Armaturenbrett gelegen.

Und auch wenn man sich zum tausendsten Mal über die mangelnden Parkplätze, engen Straßen, rabiaten Touristenfänger, das manchmal äußerst mäßige Essen und die überteuerten Herbergen geärgert hat, so bleibt die Toskana trotzdem immer eine Reise wert. Mit diesem ausführlichen Reiseführer ist man zumindest nie alleinegelassen, auch wenn die Vollständigkeit notgedrungen mit einem höheren Gewicht einhergeht. Ideal für Individualtouristen und besonders Spontanurlauber.


Philips S7780/64 Series 7000 Nass- und Trockenrasierer
Philips S7780/64 Series 7000 Nass- und Trockenrasierer
Preis: EUR 226,19

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leicht, leise und gründlich, 19. Juli 2015
Die Hersteller überbieten sich jedes Jahr mit ihren neuen Modellen und es ist nicht leicht, diese (vermeintliche) Vielfalt zu überblicken. Hinzu kommt, dass Marketingbegriffe wie "5-Direction DynamicFlex Heads", "Aquatec Wet & Dry-Versiegelung" oder "GentlePrecision Scherköpfe" ja nicht wirklich hilfreich sind und oft eher verwirren als aufklären. Das Ergebnis zählt. Und das Allerwichtigste bei einem Elektrorasierer ist für mich nun mal die Gründlichkeit. Da bin ich mit diesem Modell mehr als zufrieden. Sowohl trocken als auch nass rasiert der Philips auch an ungünstigen Stellen wie unter dem Kinn und am Hals sauber und vor allem ohne Hautirritationen.

Hier die positiven Punkte:

+ Die Verarbeitung ist tadellos und der Rasierer liegt aufgrund einer leichten Gummierung sicher in der Hand.

+ Mit 163 g ist der Rasierer spürbar leichter als sein Vorgänger.

+ Sehr angenehm ist das leise Betriebsgeräusch. Das nervtötende Summen von Schwingkopf-Geräten kennt der Philips glücklicherweise nicht.

+ Der Rasierer ist schnell und bequem unter fließendem Wasser zu reinigen. Im Lieferumfang ist aber auch eine Reinigungsstation mit 3 Reinigungskartuschen enthalten, die den Rasierer reinigt, ölt und gleichzeitig auch auflädt. Alternativ - und vor allem auf Reisen sinnvoll - kann der Rasierer auch wieder mit dem beiliegenden Netzkabel direkt aufgeladen werden. Bei den Vorgängermodellen musste man tatsächlich immer eine separate Ladestation mitnehmen! Wer nur auf diese glorreiche Idee gekommen war...?
Netzspannungen zwischen 100 und 240 V werden automatisch angepasst.

+ Eine stabile Transporttasche (Hartschale) schützt den Rasierer auf Reisen. Das ist auch notwendig, da es leider die Abdeckkappe zum Schutz der Schereinheit nicht mehr gibt. Praktisch ist die Reisesicherung gegen unabsichtliches Einschalten während des Transports.

+ Im Lieferumfang ist ein Trimmer-/Bartstyler-Aufsatz mit 5 Einstellungen (1 bis 5 mm) enthalten. Mit der Gesichtsreinigungsbürste kann jede Lotion oder Reinigungsmilch einmassiert werden. Dieser Aufsatz erweitert damit den Rasierer um eine neue Funktion, die ich allerdings nicht getestet habe. Ich benutze ehrlich gesagt weiterhin meine Hände dafür...

Es gibt aber auch ein paar Punkte, die mir negativ aufgefallen sind. Allerdings ist es wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau:

- Es ist zwar ein Lithium-Ionen-Akku verbaut, aber bei einer Ladezeit von 60 Minuten hält er beim Rasieren nur rund 50 Minuten durch. Ältere und andere Modelle sind da ausdauernder.

- Auf einen integrierten Trimmer wurde verzichtet. Es muss immer der separate Aufsatz umgesteckt werden.

- Auf eine Abdeckkappe zum Schutz der Schereinheit wurde verzichtet.

Insgesamt hat mich dieses Modell überzeugt: Leicht, leise und gründlich.
Wer auf die Reinigungsstation verzichten kann, sollte sich die günstigere, ansonsten baugleiche Variante S7520/50 anschauen.


Severin AT 2260 Automatik-Langschlitztoaster "Supreme", edelstahl gebürstet / schwarz
Severin AT 2260 Automatik-Langschlitztoaster "Supreme", edelstahl gebürstet / schwarz
Preis: EUR 34,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer hat den Längsten?, 17. Juli 2015
Dieses Toaster-Modell verdient seinen Namen Langschlitztoaster zurecht: Es können Brotscheiben mit bis 25 cm Länge getoastet werden. Das reicht auch für Wagenrad-Bauernbrote oder große American Sandwichtoasts.

Hier die aus meiner Sicht wesentlichen Punkte für meine Bewertung:

+ Ansprechendes Design mit einem gebürsteten Edelstahlgehäuse.

+ Die Verarbeitung ist solide und passgenau.

+/- 7-stufiger Bräunungsgrad. Es wird - statt mit einem üblichen Drehrad - digital über Plus/Minus-Tasten eingestellt. Leider befindet sich die Anzeige an der Seite und ist somit außerhalb des Blickfelds.

+/- Die Überbreite bringt es mit sich, dass der Toaster wuchtiger und platzfordernder ist als "normale" Geräte mit zwei parallelen Toastschlitzen.

+ Das Toastergebnis ist sehr gleichmäßig (s. Bild; hier mit einem "übergroßen" American Sandwich-Toast). Um die Bildung von Acrylamid zu vermeiden, den Bräunungsgrad nicht zu hoch einstellen. Stufe 4 ist ideal.

+ Neben dem normalen Toastbetrieb gibt es noch zwei weitere Verwendungsarten: Mit der Defrost-Stufe, wird die eingestellte Toastzeit verlängert, um gefrorenes Toastbrot aufzutauen und mit der Aufwärmstufe kann man bereits getoastetes Brot nochmals kurz erwärmen.

+ Zum Aufbacken von Brötchen gibt es noch integrierte Halter zum Hochklappen.

+ Mit der Zeit sammeln sich am Boden Krümel, die bequem über die seitlich herausziehbare Krümelschublade entfernt werden können.

+ Das Gehäuse wird im Betrieb nur lauwarm - am Toastschlitz muss man natürlich aufpassen.

Fazit: Schönes Design, wirklich breiter Toastschlitz und ein sehr gleichmäßiges Bräunungsergebnis. Braucht wegen der Überbreite etwas mehr Platz als "normale" Toaster.


Ireland Glenkeen Garden
Ireland Glenkeen Garden
von W. Michael Satke
  Taschenbuch
Preis: EUR 389,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Menschen geformt, von der Natur geschaffen., 16. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Ireland Glenkeen Garden (Taschenbuch)
Das Grundstück, das Ulrike Crespo 1990 in der Nähe von Cork erwarb, hält sie und ihren Mann Michael Satke nun seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt. Aus der Wildnis am Meer entstand ein ausgedehnter Garten mit abwechslungsreichen Gartenräumen, gliedernden Strukturen und zahlreichen Kunstwerken. Der Garten sei "fertig", behaupten beide in ihren Vorworten zu dem opulenten Bildband, stellen dann aber sofort fest, dass ein Garten selbstverständlich niemals fertig ist. Aber Glenkeen Garden ist von der Phase des Gestaltens in die Phase des Erhaltens übergegangen.

Wie groß Glenkeen wirklich ist, lassen die Besitzer zwar offiziell im Dunkeln, aber anhand einer Luftaufnahme lässt sich die Größe mit etwa 100 000 Quadratmetern abschätzen. So groß wie ein eigenes Stadtviertel. Und damit hier erst gar keine Ambitionen für Nachahmer geweckt werden: Dieser Garten ist nur etwas für Menschen, bei denen Geld keine Rolle spielt. Die Wella-Erbin Ulrike Crespo hat zwar den Großteil ihres Besitzes in eine Sozialstiftung überführt, für den Bau und Erhalt von Glenkeen Garden war aber ganz offensichtlich noch genug übrig. Die Dokumentation zeigt den gigantischen Aufwand, der bei der Umsetzung des Projekts getrieben wurde, was auch kein Wunder ist, bei den gigantischen Ausmaßen des Grundstücks. Es wurde einerseits an nichts gespart, andererseits haben die Gestalter trotz nahezu unbegrenzter Möglichkeiten zu keinem Zeitpunkt Landschaft oder Natur vergewaltigt. Glenkeen ist kein Prestigeprojekt, sondern eine Herzensangelegenheit. Das wird auf jeder Seite der insgesamt neun Bände klar, die in der großformatigen Kassette zusammengefasst sind.

Jeder der neun Bände sieht Glenkeen jeweils mit anderen Augen. Oliver Jiszda gibt beispielsweise der Landschaft bei Nacht durch gezielt eingesetzte Scheinwerfer eine mystisch-magische Atmosphäre. Auf einem der Fotos verrät sich, dass es in der Tat Autoscheinwerfer sind, die er verwendet. Kaum jemand würde ahnen, dass dies in dem wilden, urwüchsigen Gelände überhaupt möglich ist.
Andere Fotografen wiederum entdecken eigene Strukturen im Wuchs der Pflanzen und in der urtümlichen Naturlandschaft. Ob es die dschungelhaften Gunnera-Wälder sind oder das tropisch-üppige Unterholz, der Leser staunt regelmäßig über die vom Golfstrom verwöhnte Pflanzenwelt Irlands. Doch selbst wenn hier Palmen gedeihen, so ist Grenkeen Garden niemals exotisch, sondern bleibt der irischen Flora grundlegend verhaftet. Einheimische Gehölze und Stauden dominieren und werden nur ergänzt durch "passendes" Material aus dem Sortiment von Gärtnereien.

Ulrike Crespo hat ihren Garten ebenfalls in Fotografien festgehalten und diese sagen mehr über ihre Beziehung zu Glenkeen und der Natur in Irland, als die eher knapp gehaltenen Vorworte. Ihr Stil ist geprägt vom Blick auf das Detail, mal in aquarellhaften, mit Wischtechniken verfremdeten Bildern, mal erkundet sie die Schönheit im Kleinen mit intensiven Nahaufnahmen, über und unter Wasser. Sensibel nähert sie sich jeder Pflanze, so als wollte sie deren eigentliches Wesen erfassen. Sie zeigt keinerlei Ambitionen, diesen wunderbaren Garten zu überhöhen, sondern ihre Motive wirken auf mich überaus bescheiden und introvertiert. Ich habe mich öfter gefragt, warum jemand seinem Garten eine derart aufwendige Publikation widmet. Ich glaube in genau diesen Fotos findet sich die Antwort: Glenkeen Garden ist Crespos und Satkes Lebenswerk. Etwas, das sie überdauern soll und wird. Diese monumentale Bestandsaufnahme in neun Bänden ist gleichzeitig Dokumentation, eigenständiges Kunstwerk und Teil des Gartens, den sie geschaffen haben. Die Sorgfalt, die bei der Buchproduktion ins Detail gelegt wurde, bis hin zur Farbe der Fadenheftung und der Qualität des Papiers, das nicht reflektiert und trotzdem jedes kleine Detail wiedergibt, diese Sorgfalt zeigt den Stellenwert der Publikation. Man kann sie nicht losgelöst sehen von den letzten 25 Jahren Aufbauarbeit. Sie ist ein vorläufiger Schlusspunkt: So ist Glenkeen Garden. So soll es bleiben. Selbst die Pflanzpläne eines Piet Oudolf (auch bei den Gartenarchitekten haben die Beiden nur die allererste Riege herangezogen) sind veröffentlicht und wer mag, kann sich das Ergebnis der Planung ein paar Seiten später gleich selber anschauen. Aber es ist dennoch kein Werk, bei dem die Dokumentation im Vordergrund steht. Die zweisprachigen Texte (Deutsch/Englisch) werden ausgesprochen sparsam und wenn, dann oft sehr grafisch eingesetzt. Bild und Layout stehen dominant im Vordergrund. Vieles von dem, was ich hier beschreibe, muss sich der Leser daher erst selber erarbeiten, durch genaues Beobachten, mit Blick auf Details. Schlüsse ziehen aus den vorhandenen Informationen. Recherchieren, wo sie zu vage bleiben. Man wird neugierig auf die Menschen hinter diesem Projekt und auch ich habe einiges recherchiert, bevor meine Fragen beantwortet waren.

Glenkeen Garden ist von einer undurchdringlichen Wildnis zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Von Menschen geformt, von der Natur geschaffen.


Die verbotenen Evangelien - Apokryphe Schriften: Erweiterte und bebilderte Ausgabe mit dem Judas-Evangelium und den Evangelium der Maria Magdalena
Die verbotenen Evangelien - Apokryphe Schriften: Erweiterte und bebilderte Ausgabe mit dem Judas-Evangelium und den Evangelium der Maria Magdalena
von Katharina Ceming
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kirche in der Findungsphase, 14. Juli 2015
Ein kleiner Dämpfer gleich zu Beginn: Dan Brown Fans werden eher enttäuscht werden, wenn sie sich hier die Bestätigung unerhörter Details aus Jesu Familiengeschichte erhoffen. Die Herausgeber referenzieren zwar einige Male auf den Bestsellerautor, aber sie stellen absolut klar, dass die apokryphen Evangelien keinen Hinweis auf eine Ehe mit Maria Magdalene oder "göttliche" Nachkommen geben und auch sonst keine dramatischen Enthüllungen bieten. Überhaupt stellen die apokryphen Evangelien das christliche Weltbild zu keiner Zeit in Zweifel, sondern ergänzen und komplettieren aus unterschiedlichen Motivationslagen das schon Bekannte. Katharina Ceming und Jürgen Werlitz sind Wissenschaftler genug, um nicht auf den Zug der Sensationsgier aufzuspringen und das ist auch überhaupt nicht nötig, denn ihre Ausführungen zur Entdeckungsgeschichte der Apokryphen, der Kanonisierung des Evangeliums durch die Großkirche, den verschiedenen christlichen Strömungen in der Zeit des 1. und 2. Jahrhunderts, der Textforschung und -interpretation sind ein Lehrstück dafür, wie man trockene Wissenschaft spannend und lebendig in eine allgemeinverständliche Form bringt. Mich interessiert die Geschichte der Religionen sehr und dieses Buch hat mir mehr Einblicke verschafft, als so mancher verkopfte Beitrag, der mehr vernebelt als wirklich klärt.

Die Herausgeber haben eine Auswahl der apokryphen (= nicht kanonisierten) Evangelientexte vorgenommen, die zum einen repräsentativ für die unterschiedlichen Glaubensströmungen ist, aus denen diese Texte entstanden sind, zum anderen aber die Vielfalt der Textkategorien und Inhalte widerspiegeln. Die umfangreiche Einleitung befasst sich mit der Entdeckungsgeschichte, die bis in die Renaissance zurückreicht, jedoch durch die Funde von Nag Hammadi einen entscheidenden wissenschaftlichen Impuls bekam. Spätestens dann setzt eine textkritische und archäologische Bearbeitung ein, die zu bemerkenswerten Erkenntnissen geführt hat. Es lässt sich heute ein ziemlich klares Bild über die widerstreitenden Strömungen innerhalb der Urkirche zeichnen, bis hin zu der Frage, warum bestimmte Texte kanonisiert wurden und andere nicht. Wie schon gesagt, werfen keine der apokryphen Evangelien das christianische Weltbild über den Haufen, aber sie bedienen bestimmte Bedürfnisse innerhalb der christlichen Gemeinden. Sehr oft versuchen sie Widersprüche in den kanonisierten Texten aufzulösen oder füllen legendarisch thematische oder zeitliche Lücken in der kanonisierten Christusgeschichte, wie beispielsweise mit den Kindheitsevangelien. Es gibt Spruchsammlungen, die gnostische Ideen transportieren, andere Evangelien integrieren sogar ziemlich unverschlüsselt Gedankengut des Buddhismus und Hinduismus, wie das besonders für die syrische Frühkirche typisch ist. Wenn man diese Texte liest, und vor allem die ausgesprochen informativen Einführungen durch die Herausgeber jeweils zu Beginn der Evangelientexte, dann entsteht das Bild einer Kirche in der Findungsphase. Die Generation der Augenzeugen ist gestorben und die Großkirche versucht nun, das Andenken an den historischen Jesus in geeigneter Weise zu speichern. Das ist ein langwieriger Prozess, der sich über fast 200 Jahre zieht und die Tatsache, dass viele der hier vorgestellten Texte zwar nicht kanonisiert, aber über Jahrhunderte im kirchlichen (und teilweise sogar liturgischen!) Kontext benutzt wurden, zeigt mehr als deutlich, wie sehr hier Bedürfnisse der Gemeinden bedient wurden. Es ist bedauerlich, dass das ursprünglich gut erhaltene Judasevangelium durch unsachgemäße Behandlung (und Geldgier) so starken Schaden genommen hat, dass wesentliche Teile nicht mehr rekonstruierbar sind, denn gerade an diesem hochinteressanten Text lassen sich viele Aspekte der gnostischen Denkrichtung ablesen, indem Judas zum "Erleuchteten" wird, der als Einziger Jesu Bestimmung zum Tod erkennt und sich zum Werkzeug macht - mit dem Segen seines Herrn. Das sind bemerkenswert differenziertere Töne als die manchmal etwas simple Schwarz-Weiß-Malerei mancher kanonisierter Evangelien. Überhaupt sind die gnostisch beeinflussten Texte die bei Weitem interessantesten. Aber es gibt auch Beispiele für eher populistische apokryphe Evangelien, wie beispielsweise das Pilatusevangelium, das vor allem in recht aufdringlicher Weise die "Unschuld" der römischen Justiz am Tod Christi belegen will. Ein geradezu pikantes Detail ist übrigens der Umstand, dass einige christliche Feste, wie Maria Himmelfahrt, auf apokryphen Traditionen beruhen.

Egal aus welchem Blickwinkel man dieses Buch liest, ob als religionsgeschichtlich Interessierter oder als gläubiger Christ, der Erkenntnisgewinn ist garantiert. Die hervorragend aufgearbeiteten Hintergrundinformationen, die trotz aller Unübersichtlichkeit bemerkenswert klar dargestellt sind, bieten eine sehr neutrale und differenzierte Sicht und verschweigen auch nicht die Schwierigkeiten in der Analyse antiker Texte. Selten hat mich ein Buch inhaltlich so überrascht wie dieses. Eine echte Entdeckung.


Die Amphibien und Reptilien Europas: Alle Arten im Porträt
Die Amphibien und Reptilien Europas: Alle Arten im Porträt
von Dieter Glandt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im besten Sinn eine Enyklopädie, 12. Juli 2015
Manchmal erweist sich ein Thema, für das ich mich interessiere, als viel komplexer und vielfältiger als gedacht. So hat es mich mehr als überrascht, wie zahlreich die Amphibien und Reptilien in Europa wirklich sind. Fälschlicherweise habe ich von Deutschland auf den Rest Europas extrapoliert, aber in den südlichen Ländern gibt es deutlich mehr Arten als bei uns und, das hat mich noch viel mehr verblüfft, vor allem bei den Schwanzlurchen sind die Verbreitungsareale oftmals sehr klein und grenzen sich ungewöhnlich scharf von regional benachbarten und dennoch eng verwandten Arten ab.
Den Begriff "Europa" fasst Dieter Glandt für sein Lexikon übrigens sehr großzügig, indem er die Kanaren und die ostgriechischen Inseln ebenfalls einbezieht, obwohl diese geologisch zu Afrika und Asien gehören. Gerade auf den Inseln gibt es zahlreiche Lokalarten, die sich von ihren Festlandsverwandten unterscheiden.

Das bereits 2010 als "Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien" herausgegebene Buch ist in der Neuauflage signifikant größer und dicker geworden, sodass man das Wort "Taschen" zu Recht gestrichen hat. Durch das neue Layout hat die textliche Übersichtlichkeit gewonnen und die Abbildungen sind deutlich größer, was vor allem bei einigen Froschlurchen und den Echsen ausgesprochen hilfreich ist, die sich oftmals nur in Details unterscheiden. Hier gleich ein wichtiger Hinweis: Das Lexikon enthält keinen Bestimmungsschlüssel und ist daher nur eingeschränkt zur Artenbestimmung geeignet (es geht, ist aber aufwendig). Hier bietet sich vielmehr für die Exkursion der (taschentaugliche) "Grundkurs Amphibien- und Reptilienbestimmung" vom selben Autor an, der sämtliche im Lexikon vorgestellte Arten abdeckt und daher absolut komplementäre Informationen bietet. Schwierige Arten, wie z. B. der Teichmolch mit seinen zahlreichen Unterarten und der teilweise unklaren Systematik, werden überhaupt erst durch den Bestimmungsschlüssel komplett zugänglich.
Alle Arten werden im Lexikon mit mindestens einer Abbildung des adulten Tieres vorgestellt, manchmal auch mit mehreren Fotos, z. B. bei deutlichem Geschlechtsdimorphismus oder wenn Land- und Wasserformen sehr abweichen. Neben Informationen zur regionalen Verbreitung (oftmals durch Karten unterstützt) findet sich sehr ausführliche Beschreibungen des Phänotyps ("Aussehen") und der Lebensweise. Besonders die Kapitel zur Lebensweise liefern sehr spannende Beschreibungen, auch zu im Freiland beobachtbarem Verhalten, die noch ergänzt werden durch das Kapitel mit Tipps zum Auffinden der Tiere im Gelände. Typische Biotope und Verstecke bieten die Chance, auch scheue Exemplare aufzustöbern (immer unter Berücksichtigung des Naturschutzes, versteht sich). Überhaupt ist der Naturschutz ein wichtiger Aspekt in den Artenportraits. Neben dem aktuellen Schutzstatus gibt der Autor auch Hinweise zu geeigneten Schutzmaßnahmen, die oftmals wie eine Ermahnung an die jeweiligen Landesbehörden wirken. Viele, um nicht zu sagen zu viele Arten befinden sich seit Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen im Rückzug und zumindest einige der Gründe ließen sich durch unterstützende Eingriffe mildern oder sogar beseitigen. Auch Deutschland bildet da keine Ausnahme. Hier beobachte ich oft genug, dass Naturschutzgebiete abgeriegelt und "sich selbst überlassen werden" (schließlich muss die Natur ja vor dem Menschen geschützt werden). Das ist vielleicht kostengünstig, aber gerade für Amphibien und Reptilien meistens sehr kontraproduktiv. Truppenübungsplätze mit ihren offenen, gestörten Böden, den versumpften Fahrrinnen, den Trockenrasenlandschaften, sind ideale Biotope, die bald verschwinden, sobald sie offengelassen werden und verbuschen. Solche Rückzugsgebiete müssen gepflegt werden und Bücher wie die "Amphibien und Reptilien Europas" können daher auch eine wichtige Hilfe sein, wertvolle Biotope zu erkennen und zu erhalten.

Von Umfang und Eindringtiefe zweifellos das beste Werk zum Thema.


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30