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Rezensionen verfasst von
Frank Joericke "frankjoericke" (Trier)

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Betamännchen: Sind die Männer noch zu retten?
Betamännchen: Sind die Männer noch zu retten?
von Stefan Bonner
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Die Traurigkeit hinter dem Lächeln, 19. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ernest Hemingway sagte mal über F. Scott Fitzgerald: "Sein Stil singt von Hoffnung, doch seine Botschaft ist Verzweiflung."

Ähnliches lässt sich über dieses Buch sagen. Der ironisch-lockere Stil vermag nicht zu verbergen, dass die beschriebenen Zustände eigentlich todtraurig sind. Falls es nur einen Zweifel daran gegeben hat, dass es dem modernen Mann nicht nur an Testosteron, sondern auch an Entscheidungsfreude, Rückgrat und Charakterstärke ermangelt - dieses Buch beseitigt ihn.

Und genau darin besteht die Leistung von BETAMÄNNCHEN: Im Bemühen "urkomisch" zu sein (wie es im Klappentext heißt), haben Anne Weiss und Steffan Bonner ein wahrhaftiges Buch verfasst. Die Frage "Sind die Männer noch zu retten?" kann nach dieser Lektüre nur verneint werden.


Alchemie und Naturwissenschaft: Über die Entstehung neuer Ideen an der Reibungsfläche zweier Weltbilder. Gezeigt an Paracelsus, Robert Boyle und Isaac Newton
Alchemie und Naturwissenschaft: Über die Entstehung neuer Ideen an der Reibungsfläche zweier Weltbilder. Gezeigt an Paracelsus, Robert Boyle und Isaac Newton
von Lioba Wagner
  Broschiert
Preis: EUR 36,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schade, dass Kittsteiner dies nicht mehr erleben durfte, 16. Juli 2011
Historiker neigen dazu, Geschichte zu portionieren. Da gibt es die großen Blöcke namens Antike, Mittelalter und Neuzeit, die sich in Einheiten wie Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter aufteilen lassen, die sich ihrerseits in noch kleinere Abschnitte gliedern lassen, die wiederum undsoweiter undsofort. So verengt sich der Blick zunehmend, als würde man die Scheuklappen immer enger setzen. Für den Mediävisten endet die Geschichte mit Gutenbergs Druckpresse, dem Fall von Konstantinopel und der Entdeckung Amerikas. Für den Neuzeitforscher hingegen ist das Mittelalter bloß eine dunkle, erfolgreich überwundene Epoche.

Die Geschichtsdidaktik fördert dieses Denken in abgeschlossenen Einheiten, indem sie bereits in der Schule den Lauf der Welten als eine Aneinanderreihung von Brüchen (Revolutionen, Erfindungen, Entdeckungen, Paradigmenwechsel) vermittelt. Nur wenigen Historikern gelingt es, wie dem viel zu früh verstorbenen Heinz Dieter Kittsteiner in Die Stabilisierungsmoderne: Deutschland und Europa 1618-1715, die Kontinuität in der Veränderung zu zeigen.

Lioba Wagner schickt sich an, in Kittsteiners Fußstapfen zu treten. Sie räumt auf mit dem hartnäckigen Vorurteil, erst habe es die Alchemie und dann mit einem Mal, simsalabim, die moderne Naturwissenschaft gegeben. Jene Epoche, in der die Scientific Revolution stattfand (1500 bis 1730), war keineswegs ein radikaler Bruch mit dem Mittelalter (eben noch hermetisches, jetzt mechanistisches Weltbild), vielmehr konkurrierten Alt und Neu auf produktive Weise miteinander.

Am Beispiel dreier naturwissenschaftlicher Pioniere, Paracelsus (Medizin), Robert Boyle (Chemie) und Isaac Newton (Physik), zeigt Wagner auf, wie die geistige Zweisprachigkeit (das Denken innerhalb eines hermetischen Weltbilds einerseits und eines mechanistischen andererseits) und der damit einhergehende Methodenpluralismus den Fortschritt beförderte. Es gelingt ihr, plausibel (und sprachlich angenehm schnörkellos) darzustellen, dass die Alchemie eben nicht das zu überwindende Rückschrittliche war, sondern vielmehr ihren Beitrag dazu leistete, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Oder hätten Sie gewusst, dass dem Newton'schen Gravitationsgesetz eine alchemistische Idee zugrunde lag?


I Look To You
I Look To You
Preis: EUR 4,99

41 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Verpasste Emanzipation, 20. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: I Look To You (Audio CD)
Es gibt noch immer zahllose Interpretinnen, die schlechter singen als Whitney Houston. Und selbst wenn sie beim ein oder anderen Oktavensprung ins Straucheln gerät - geschenkt! Die Tragik dieses Albums besteht nicht darin, dass das exzessive Leben in ihrer Stimme Spuren hinterlassen hat, sondern darin, dass sie auf ihrem neuen Album dieses Leben glatt verleugnet.

Auf I LOOK TO YOU will sie den Eindruck erwecken, sie wäre die alte. Das Mädel aus "I wanna dance with somebody"-Zeiten - clean wie eine polierte Tanzdiele, punktgenau wie ein geeichtes Metronom. Soul war das nie, eher das musikalische Pendant zum Blockbuster-Kino - effektvoll, überladen, doch als Ganzes in sich stimmig. Pop halt.

Pop aber lebt von Makellosigkeit, duldet - anders als Rock oder Country - keine Fehler, keine Unebenheiten, keine Schwächen. Diesen Perfektionsanspruch jedoch kann die Whitney des Jahres 2009 gar nicht erfüllen, mögen die Tontechniker auch noch so sehr die Soundregler strapazieren. Dafür wäre die Whitney von heute prädestiniert für den Soul. Der hat bekanntlich seine Wurzeln im Blues. Und Blues gab es genug in ihrem Leben: eine zerrüttete Ehe mit einem notorischen Schläger, anhaltende Depressionen und immer wieder Drogenabstürze.

Ein GUTES Komponistenteam hätte dieses "Material" genutzt und ihr Songs auf den Leib geschrieben, die Whitneys Zerrüttung in Worte und Töne fassen. Und ein GUTES Produzenteam hätte diese Rohdiamanten behutsam eingefasst, d.h. auf Feinschliff und Prunk verzichtet. Leider hatte Whitney Houston kein gutes Team, sondern nur die üblichen Verdächtigen, die zwar wissen, wie ein zeitgemäßes R&B-Album zu klingen hat, aber nicht in der Lage sind, die Persönlichkeit eines Interpreten zum Ausdruck zu bringen.

Und das ist schade. Denn mit ihrem neuen Album hätte Whitney Houston sich von ihrem alten, längst überholten Image emanzipieren können (so wie es Marvin Gaye 1971 mit WHAT'S GOING ON getan hat). Sie tut es nicht. Das Ergebnis ist trostlos: I LOOK TO YOU klingt, als hätte Mariah Carey einen schlechten Tag gehabt.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 13, 2012 3:07 AM CET


Ram
Ram
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 21,30

48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Lennon in McCartney, 27. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Ram (Audio CD)
Sein erstes Soloalbum, schlicht "McCartney" betitelt, hatte er irgendwo in einer schottischen Hütte unter Einsatz bescheidenster Mittel eingespielt. Was heute als "unplugged" gefeiert würde, fiel damals - im Zeitalter der Phil Spector'schen "Wall of Sound" - mitleidslos durch. Schlimmer noch: Ausgerechnet der jüngere George Harrison, den McCartney stets mit der Arroganz eines älteren Bruders behandelt hatte, erzielte mit "All Things Must Pass" (das eben jener Spector produziert hatte) den künstlerischen und kommerziellen Erfolg, der McCartney zunächst verwehrt blieb. Entsprechend groß war der Druck. McCartney stand unter Zugzwang - und fand die richtige Antwort.
RAM ist ein Dokument der Wut. Es zeigt einen Menschen, der mit dem Rücken zur Wand steht, der sich beweisen muss, dass er das Komponieren nicht verlernt hat. Dass er eben doch der Kopf der Beatles war - musikalisches Wunderkind und Rocker in einer Person. Also finden sich auf RAM schlichte Rock'n'Roll-Kracher wie "Eat At Home" neben ausgefeilten (aus heutiger Sicht etwas überladenen) Songgemälden wie "Onkel Albert/ Admiral Halsey". Am besten aber ist McCartney dann, wenn er seinen Melodien vertraut und ihnen einfach ihren Lauf lässt. Über fünf, sechs Minuten eine Stimmung entfaltet, die den Zuhörer in seinen Bann zieht. Es ist schwer zu erklären, worin die Faszination von Songs wie "Monkberry Moon Delight" liegt. An den rotzfrechen weiblichen Backgroundchören? An McCartney Stimme, die klingt, als schreie er sich den Leibhaftigen aus dem Leib? An der Komposition, die sich vom ersten Takt an ins Ohr schleicht und trotzdem nie penetrant wirkt? Wahrscheinlich ist es die Mischung aus allem. Sentiment mit Soul (statt mit Kitsch). Härte mit Gefühl (statt mit Gewalt). RAM klingt, als habe McCartney den Part von Lennon einfach mitübernommen. Ein Fall von musikalischer Schizophrenie, der ein Meisterwerk hervorbrachte - so wütend, so zerrissen, so vielschichtig klang McCartney nie wieder.


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