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BecciBookaholic

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Gebannt. Unter fremdem Himmel
Gebannt. Unter fremdem Himmel
von Veronica Rossi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

4.0 von 5 Sternen Fantastische Dystopie..., 9. Februar 2013
„Gebannt“ von Veronica Rossi steht bereits seit seinem Erscheinungsdatum in meinem Regal, also schon viel zu lange, daher habe ich mich kurzerhand entschieden es endlich von meinem SuB zu erlösen. Auf den ersten Blick scheint es eine ganz normale Dystopie zu sein, allerdings schleichen sich nach und nach immer mehr Fantasyelemente ein.

Der Schreibstil ist recht flüssig und lässt sich gut lesen. Er ist zwar nicht außergewöhnlich und ebenfalls wenig bildhaft, konnte jedoch die detailliert erdachte Welt sehr gut wiedergeben. Der einfache Stil und die wechselnde Perspektive zwischen Aria und Perry, hat dem Ganzen die notwendige Schnelligkeit verliehen und der düstere Charakter konnte spürbar hindurchsickern.

Die Geschichte würde ich durchaus als außergewöhnlich bezeichnen. Das mühelose Verweben von einer Dystopie und absolut passenden Fantasyelementen, hätte die Autorin nicht besser hinbekommen können. Leider hatte ich starke Startschwierigkeiten. Ich konnte mich einfach nicht in die Protagonisten hineinversetzen und somit fiel mir das Folgen der Geschichte eher schwer. Hinzu kam der zeitige Wechsel der Perspektiven, welches zusätzliche Unruhe in den Handlungsverlauf gebracht hat. Dennoch gelang es mir nach etwa 100 Seiten endlich wie gebannt zu lesen und die fremde Welt nach und nach mit Begeisterung zu erkunden. Die von Veronica Rossi erschaffene Welt ist absolut genial und regt zum nachdenken an. Diese krassen Unterschiede zwischen der Biosphäre, in der Aria lebt und der Außenwelt, der Perry entstammt, sind gigantisch. Lebt man in den Biosphären unter einer Kuppel in einer Welt der Illusionen und Scheinwelten, ganz nach dem Motto: „Besser als die Realität“, kämpfen die Menschen in der Außenwelt ums nackte Überleben. Eine große Rolle in diesem Werk spielen auch genetische Veränderungen. Auch hier wurde ein krasser Unterschied herausgearbeitet, indem die künstliche Genmanipulation in den Biosphären zur Verkümmerung der natürlichen Sinne führt, wohingegen der natürliche Lauf genau das Gegenteil bewirkt. Das Ausmaß der übernatürlichen Sinne in der Außenwelt und das Verhalten der Menschen, die sie besitzen, hat mich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und richtiggehend fasziniert. Da unsere Welt nicht weit von Aria’s entfernt ist, von derartigen künstlichen Scheinwelten, weit weg von der Realität, nur dem Vergnügen erlegen, weg von Schmerz und allen negativen Eigenschaften, habe ich im Gegenzug pure Abscheu verspürt. Dieses widerwärtige Streben nach mehr - immer höher, immer weiter, immer schneller - welches die echten Werte des sozialen Gefüges vergessen lässt, ist auch heute schon mehr als genug vertreten. Das natürliche Feingefühl für die Emotionen anderer Menschen gerät nach und nach in Vergessenheit und das ist eine echte Schande. Es fällt immer mehr Menschen jetzt schon viel zu schwer sich Auge in Auge zu unterhalten und auf sein Gegenüber angemessen zu reagieren, stattdessen kommunizieren wir über sämtliche Medien und sind jederzeit erreichbar. Auch hier wird dies in extremer Form durch das „Smarteye“ ermöglicht. Veronica Rossi zeigt uns somit unsere Zukunft in zweierlei Hinsicht und das hebt die Geschichte doch ein wenig aus der Masse hervor.

Die Liebensgeschichte möchte ich unbedingt gesondert erwähnen, weil sie sehr zart, langsam und authentisch ist. Aria und Perry, wie sie verschiedener nicht sein könnten, treffen in einer Welt aufeinander, die kaum einen Raum für echte Gefühle übrig haben kann. Die kühle Abscheu, die Beide zu Anfang verspüren, wandelt sich erst bei näherem Hinsehen in etwas Wunderbares. Keine „Liebe auf den ersten Blick“ oder „Ich liebe dich für immer und ewig“-Kitsch. Nach einer vorsichtigen und relativ zeitintensiven Annäherungsphase, wächst ein zartes Pflänzchen der Liebe aus kargem Ödland empor und scheint keine Zukunft zu haben. Dieses Wissen um die Hoffnungslosigkeit ihrer Gefühle zueinander und die Loyalität gegenüber ihren Lieben, hat mich wirklich gerührt. Beide sind sehr streng mit sich und ihren Zielen, doch in Beiden lodert das Feuer der Sehnsucht und ein kleiner Hoffnungsschimmer sitzt tief in ihrem Inneren. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.

Die Personen empfand ich gerade zu Anfang eher dünn und mit wenig Tiefe. Dies hat sich aber nach und nach gegeben, trotzdem war es eine Sache, die mich sehr gestört hat.
Aria lernt man zuerst kennen. Sie befindet sich zu diesem Zeitpunkt in ihrer Heimat Reviere, einer der Biosphären und scheint in einer heiklen Situation zu stecken. Ihr gesamtes Auftreten wirkte auf mich emotionslos. Wie sie sich an ihr Smarteye klammert, wie sie sich und ihre beste Freundin einerseits ängstlich und zugleich berechnend in Gefahr begibt, hat mich einfach angewidert. Sie wirkte emotionslos, beinahe fremdgesteuert und dummgut. Sie erfüllt das komplette Klischee, was ich mir für einen derartigen Bewohner in einer abgeschotteten Welt der Illusion erschaffen hatte. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich mich absolut in ihr getäuscht habe, denn sie ist das genaue Gegenteil davon und ihre Beweggründe waren im Grunde sehr edel. Dennoch hat diese anfängliche Antipathie einfach ein Lesetief bei mir erzeugt. Sie macht im Laufe des Buches eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, lernt sich selbst, ihren Körper kennen und ihre wahren Fähigkeiten zu schätzen. Sie entdeckt sich und ihre Umwelt völlig neu und erwacht förmlich zu neuem Leben. Sie entwickelt ein extremes Durchhaltevermögen, scheint sich unglaublich schnell anzupassen und legt ihre Naivität fast völlig ab. Sie wird vorsichtiger, vorausschauend und sehr mutig.
Mit Perry hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Ein junger Wilder, ganz der Barbar, stürzt sich in eine Rauferei nach der anderen. Seine Gedanken drehen sich viel zu oft, um das erobern seines Stammes und somit den Tod seines Bruders. Er erfüllt in dieser Hinsicht ebenfalls das Klischee des barbarischen Wilden in der Außenwelt. Die Handlungstiefe hat mir zu diesem Zeitpunkt völlig gefehlt und er hat sehr unreif gewirkt. Er war sich sicher, dass sein Bruder nicht entscheidungsfreudig genug für die Sicherheit des Stammes ist und somit musste er weg. Er kam mir vor wie ein bockiger Teenager. Doch auch ihm, habe ich wirklich unrecht getan, denn er besitzt sehr viel Tiefe. Er ist voller Emotion, stark, ausdauernd, voller Mitgefühl, hat einen tollen Sinn für Gerechtigkeit und besitzt einen unbändigen Willen. Mit seiner Gabe hat er es in mancher Hinsicht leichter, doch sie ist auch eine Bürde. Es ist wunderbar zu erleben, wie er mit allem umgeht und die Sicht des Lesers auf die kleinen, besonderen Dinge im Leben lenkt. Er wurde mir von Seite zu Seite sympathischer und hat mich oft zum Nachdenken gebracht. Diese hartnäckige Vehemenz, die er in jede Sache legt, die er angeht und diesen kämpferischen Mut den er verströmt, haben mich restlos von seiner Persönlichkeit überzeugt. Wie er sich Aria nach und nach öffnet, ihr seine Emotionen und Gedanken versucht nahe zu bringen, sie fühlen lassen will, was er fühlt und seine Vergangenheit die er sachte Preis gibt, machen schließlich noch sehr viel Lust auf mehr.
Ich vermute, dass diese anfänglichen Antipathien gegenüber der Protagonisten und das erfüllen der „Klischees“ von Frau Rossi sogar beabsichtigt war. So kann man viel besser die Entwicklung erkennen.

FAZIT
Veronica Rossi hat mit „Gebannt“, dem ersten Teil einer Trilogie, ein einzigartiges Werk aus dem Genre der Dystopien erschaffen. Aber es ist sehr viel mehr als das. Durchzogen von fantastischen Elementen und einer Welt, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnte, hebt es sich aus der Masse empor und regt stark zum Nachdenken an. Auch wenn mich der Anfang überhaupt nicht überzeugen konnte, haben es die restlichen Seiten fast geschafft. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen.


Lost Land, Band 1: Lost Land, Die Erste Nacht
Lost Land, Band 1: Lost Land, Die Erste Nacht
von Jonathan Maberry
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Endzeit mal anders..., 9. Februar 2013
Zombies – die lebenden Toten oder auch Untote genannt, begleiten mich schon mehrere Jahre in Form von unzähligen Filmen. Auch Dokumentationen und Mythen habe ich anschauen „müssen“. Die meisten Filme zielen auf primitives Abschlachten und wenig Geschichte ab, der Grundtenor ist stets unheilvoll und die endzeitliche Stimmung hat mich dann doch meist in ihren Bann gezogen, so dass ich nicht mehr nur aus Solidarität zu meinem Mann derartige Szenarien angeschaut habe. ;)
Nun habe ich mit Lost Land meine Premiere in der „Zombieliteratur“ gelesen und bin durchaus angetan, sogar auf eine Art und Weise begeistert, die ich in dieser Form nun wirklich nicht vermutet hätte. Dieses erste Buch einer Trilogie von Jonathan Maberry birgt eine unglaublich tolle Story mit sehr viel Tiefe und nicht nur Stoff aus dem Albträume gemacht werden, sondern auch zum Nachdenken.

Der Schreibstil ist sehr locker und jugendlich. Ich habe direkt den 15-jährigen Benny vor Augen gehabt, wie er dieses unverblümte Gehabe eines Halbstarken an den Tag legt. Nicht selten musste ich über derartige Ausdrücke lachen, die sehr gut auch in den heutigen Jugendjargon passen. Die Dialoge zwischen ihm und seinem Bruder Tom waren ein absolutes Highlight für mich. Es war einerseits erfrischend anders und auflockernd, anderseits konnte es perfekt diese unheilvolle, angsterfüllte und scheinbar ausweglose Stimmung hervorheben. Der Autor hat in dieser Hinsicht den Schreibstil an die Entwicklung der Protagonisten bzw. speziell an Benny Imura’s Entwicklung angepasst.

Die Geschichte ist völlig anders, als ich erwartet hatte. Ich habe mit einer dieser typischen Filmstorys gerechnet á la Zombieland oder Dawn of the Dead. Weit gefehlt, hier tut sich etwas völlig anderes auf, was mich nicht selten innehalten lies und wirklich zum Nachdenken brachte. Die Zombies werden zwar typisch beschreiben – seelenlos, ohne Verstand, langsam, schlurfend, gierig nach lebendigem Fleisch etc., aber die konkrete „Hauptbedrohnung“ sind sie nicht (mehr). Das mag allerdings daran liegen, dass der Ausbruch der „Zombieseuche“ schon 14 Jahre zurück liegt und die Menschen sich rings um das Leichenland eine Art neue Zivilisation aufgebaut haben. So lernt man in den ersten Seiten das Leben kennen, dass die Menschen inmitten von Zäunen führen und vehement versuchen die lebenden Toten einfach auszublenden. Man erfährt hier und da Dinge über die Nacht des Ausbruchs, die in den meisten, mir bekannten Filmen thematisiert wird. Umso gebannter bin ich den Lauf der Geschichte gefolgt und habe mich regelrecht hinein gelebt und gedacht. Die Beweggründe der Menschen für ihr Verhalten waren höchst interessant geschildert und es gab so viele Arten der Verarbeitung bzw. mit der Situation umzugehen. Einfach grandios und ein Hauch gesellschaftskritisch.
Benny ist gerade 15 geworden und muss sich somit einen Job suchen, da er nicht wirklich fündig wird und sein Bruder Tom ein erfolgreicher Zombiejäger ist, entscheidet er sich nach langem Weigern dazu bei ihm in die Ausbildung zu gehen. Mit diesem Schritt beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und ein skrupelloser Kampf um Leben und Tod. Und dabei sind nicht die Zombies die größte Gefahr, sondern die Menschen selbst. Auch an dieser Stelle hat der Autor viel Wahrheit für unsere aktuelle gesellschaftliche Lage eingebaut. Wir brauchen keine Zombies um kaltblütige Mörder zu sein und hirnlose Taten zu verüben. Nicht umsonst hat der Mensch keine natürlichen Feinde - nur sich selbst.
Die letzten Seiten waren so spannungsgeladen, blutig, kämpferisch, rasant und gespickt von Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine hat mich ganz besonders aufatmen lassen, aber das solltet ihr lieber selbst lesen. ;)

Die Personen sind sehr authentisch und gut gelungen. Allerdings hatte ich zu Anfang ein Problem mit Benny. Ein aufmüpfiger Halbstarker, der vom Leben außerhalb der Stadt Mountainside keine wirkliche Ahnung hat, geht großspurig durchs Leben und hasst seinen einzigen Verwandten, der ihm noch geblieben ist, wegen zusammen gesponnener Halbwahrheiten. Er benimmt sich einfach so derart daneben, dass es mich an ein Kleinkind mitten in der Trotzphase erinnert hat. Das hatte auch nahezu nichts mehr mit Teeniealter und Pubertät zu tun, er ist einfach ein bockiges Kind, was seinen Willen nicht bekommt und sich deshalb schreiend auf den Boden wirft. Eine absolute Nervensäge. Der Grund, warum er seinen Bruder verachtet und für einen Feigling hält, liegt so viele Jahre zurück, dass er sich gar nicht der Wahrheit sicher sein kann, die er glaubt mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er hat zudem keinen blassen Schimmer von dem Job, den sein großer Bruder ausführt und das auch noch sehr erfolgreich. Selbst das Ansehen und die Achtung, die seinem Bruder Tom von allen entgegen gebracht wird, scheint er einfach auszublenden und bewundert lieber mit gehirnamputiertem Grinsen ein paar Kopfgeldjäger, die der ganzen Stadt von ihren grausamen Schlachttouren erzählen. Spätestens da konnte ich nur noch den Kopf über ihn schütteln. Doch er macht eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, die ihn mir dann doch sehr sympathisch gemacht hat. Er lernt nun die wirkliche Welt kennen und auch seinen Bruder, er nimmt sich einige von Tom’s Eigenschaften an und entwickelt viel Stärke, Willenskraft, Mut und Durchhaltevermögen. Sein Sinn für Gerechtigkeit wächst in einem unaufhaltsamen Drang, die zu bestrafen, die in vollem Wissen das Leben anderer Menschen gefährden und nehmen. Er lernt Würde, Achtung und ein hohes Maß an Menschlichkeit kennen und schätzen. Er wird definitiv erwachsen und zerbricht nicht an den Geschehnissen, sondern geht gestärkt und entschlossen daraus hervor.
Tom hingegen war mir sofort super sympathisch. Er weiß um die negativen Gefühle von seinem Bruder, die er ihm gegenüber hegt. Doch er hat eine Engelgeduld, eine unbändige Stärke, ist ein genialer und geübter Kämpfer, zudem scheinbar furchtlos, vergisst jedoch nie die wahren Werte, hat ein wahnsinnig großes Herz, ist intelligent, gewieft, entschlossen, zögert keine Sekunde und handelt so tiefgründig und emotional, dass ich nicht selten sehr gerührt war. Schon allein die Art und Weise, wie er Benny versucht an seine Tätigkeit heranzuführen ist genial. Er ist unsagbar selbstlos, dass er so lange Zeit damit lebt, dass sein kleiner Bruder glaubt er, Tom Imura, wäre Schuld am Tod seiner Eltern und gleichzeitig erweist er so vielen (lebenden) Toten auf eine wunderbare Weise die letzte Ehre. Er gibt sich dafür in Gefahren, die Mal um Mal seinen Tod bedeuten könnten und nicht nur das, die Art wie er es „regelt“, würde mir ein Stück meines Herzens nehmen. Man könnte daran so leicht zerbrechen und das tut er in gewisser Weise auch, aber sein Maß an Selbstlosigkeit und dieser tolle Gerechtigkeitssinn, außerdem die Werte und Normen der Menschlichkeit, die er vehement vertritt, trägt er so fest verankert, dass er den Schutzschild besitzt, der ihm an eine bessere Welt glauben lässt, selbst wenn es erst nach seinem Tod geschieht. Ein echter Traummann. ;)
Nix ist eine sehr gute Freundin von Benny, sie ist zwar in ihn verliebt, doch wird dies vorerst nicht erwidert. VORERST, denn da bahnt sich dann doch bald eine süße kleine Lovestory an, die für meinen Geschmack jedoch nicht so gut gelungen ist. Sie wirkt irgendwie fehl am Platz und wenig authentisch. Etwa so: „Wir sind jetzt grad verzweifelt, dann küsse ich dich eben mal und ach es war toll, jetzt liebe ich dich vielleicht doch!“ Da es aber sehr im Hintergrund verläuft, ist es nicht weiter schlimm. Nix selbst war mir sofort sympathisch, sie hat feste Ziele, tolle Ansichten und ist die Erste, die aus Benny ein paar sympathische Charaktereigenschaften hervorkitzelt. Für ihr Alter ist sie sehr intelligent, selbstsicher und weitsichtig. Sie denkt ganzheitlich und hat eine scharfe Logik. Die ist wirklich tough und doch mit einer tiefen Emotionalität durchzogen, was sie weicher und zerbrechlicher wirken lässt. Ein schönes Mädchen mit Ecken und Kanten – perfekt.
Der Bösewicht muss natürlich auch erwähnt werden, da er nicht selten die atemlose Spannung trägt – Rotaugen-Charlie. Schon beim ersten „Treffen“, habe ich tiefe Abscheu empfunden und je mehr die Geschichte fortgeschritten war, desto hasserfüllter waren meine Emotionen. Ich habe innerlich gekocht und war nicht wenige Male absolut fassungslos über solch kaltblütige Skrupellosigkeit ohne jede Reue. Dieses Monster hat definitiv kein Gewissen!!!! Seine Anhänger folgen ihm fast ausschließlich aus Angst und diese ist eine mächtige Waffe.

FAZIT
Eine unerwartete Story über Zombies und das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Hier erwartet einen kein Horrorszenario, bei dem alle 5 Minuten ein Mensch zerfetzt wird, es ist eher beiläufig gefährlich, unheilvoll, tiefgründig und absolut nicht klischeebehaftet. Außerdem macht der absolut tolle Humor das Buch zu einem echten Must-Read. Die Liebesgeschichte und der „Anfangs-Benny“ lassen allerdings keine Höchstbewertung zu, nicht ganz. Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung.


Cassia & Ky - Die Ankunft. Band 3
Cassia & Ky - Die Ankunft. Band 3
von Ally Condie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Alles hat ein Ende..., 9. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Reihe von Ally Condie war für mich von Anfang an kein Highlight, dennoch fand ich Teil 1 recht gut gelungen und die Idee war nett und ausbaubar. Leider ist dann „Die Flucht“ (Band 2) absolut daneben gegangen. Ich habe mich damals schon wirklich durch das Buch gequält, daher ist der Grund für das Lesen von „Die Ankunft“ und somit dem letzten Teil der „Cassia&Ky“-Trilogie, ausschließlich meiner Neugier zuzuschreiben.

Der Schreibstil ist recht einfach und flüssig, fast ein wenig zu subtil. Es gibt also wieder einige Beschreibungen, die man sich hätte sparen können. Dieses Ausschmücken unnötiger Details hat die ohnehin schon eher schlecht umgesetzte Idee noch um einiges langatmiger gemacht. Daher habe ich mich auch in diesem Band schnell gelangweilt. Das Hineinfinden in die Geschichte war einfach, ich konnte mich zügig an viele Details erinnern, allerdings war Teil 2 Story technisch schon nicht wirklich umfangreich, dass dies keine große Hürde darstellte.

Die Geschichte ist überschaubar und mit wenig Umfang. Auf den ersten 250 Seiten passiert fast nichts. Man liest aus drei Perspektiven – Cassia, Ky und Xander. Jeder hat seine Aufgabe in der Erhebung erhalten und alle drei Protagonisten verbringen scheinbar endlose Stunden damit, sich Gedanken über das „Was wäre wenn?“ oder „Was wohl der jeweils andere gerade macht/ ob es ihm/ihr gut geht?“ besteht. Man schaut also in das langweilige Alltagsleben und fragt sich, wohin das wohl alles führen mag.
Es ist eine schreckliche Seuche ausgebrochen, die es zu besiegen gilt, ein Heilmittel muss gefunden werden und dazu trägt jeder der Drei einen Teil bei. Xanders Geschichte ist hierbei die Interessanteste und hat das Lesen ab und an etwas schöner gestaltet. Wohingegen Cassia’s Part absolut leer und langweilig wirkte. Als sich die drei Schicksale schließlich vereinen, kommt durchaus ein gewisses Spannungslevel auf. Man hat das Gefühl bald ein großes Geheimnis zu lüften und möchte schnell erfahren, was es mit dem Steuermann und der Seuche wirklich auf sich hat. Es kam mir stets so vor, als würde ich eine wichtige Sache übersehen und müsste nur genauer hinschauen, um endlich Kenntnis darüber zu erlangen. Leider wurde ich auch in dieser Hinsicht mehr als enttäuscht. Die aufkeimende Spannung war schnell verpufft und es folgten leere Dialoge und langweilige Nebensächlichkeiten. Als schließlich alles aufgeklärt wurde, war ich wieder vollkommen unzufrieden, fast schon ein wenig verärgert. Sinnentleerte Floskeln und ebenso viele Zwischenhandlungen, die zu absolut nichts führten. Es ist eine so vielversprechende Idee, aus der schlichtweg viel zu wenig herausgeholt wurde. SCHADE!!! Die gesamte Geschichte ist weder gesellschaftskritisch, noch kann ich mir irgendetwas daraus mitnehmen. Vielleicht ist es daher einfach nicht meine Reihe.

Die Personen haben wenig Tiefe und Authentizität. Da die Protagonisten die Geschichte erst zum Leben erwecken, war es für mich umso schwieriger dem Verlauf zu folgen. Die Handlungsweisen haben oft keinen Sinn ergeben und wirkten wenig sympathisch. Zumindest Cassia und Ky kann ich nicht einmal näher ausführen, weil ich weder eine Entwicklung erkennen konnte, noch eine tief greifende Charakteristik. Auch die Liebesgeschichte, die zart und schön begann, wirkt plump und unglaubwürdig.
Xander war schon in Teil 1 und 2 mein persönlicher Sympathieträger und auch in diesem Band konnte er mich durchaus überzeugen. Er ist Arzt (Medic) und besitzt ein hohes Maß an Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Seine eigenen Bedürfnisse setzt er hinter die der Patienten und erfüllt aufopferungsvoll und mit absoluter Hingabe seine Pflicht. Dennoch ist er ein gebrochener Mann und hat durchaus mein Mitleid erregt. Er scheint sein Glück einfach nicht finden zu können und gibt nahezu alles auf, was ihm etwas bedeutet hat. Mit ihm habe ich gelitten und das Beste gehofft. Wäre seine Rolle nicht gewesen, hätte ich wohl zum ersten Mal über den Abbruch eines Buches nachgedacht.

FAZIT
Alles in allem ist „Die Ankunft“ eine echte Enttäuschung. Da ich nach „Die Flucht“ nicht allzu hohe Erwartungen hatte und dennoch den Ausgang der Geschichte kennen wollte, bin ich jedoch froh, dass ich es gelesen habe, gleichzeitig aber, dass es nun vorbei ist.
Für jene, denen die Reihe bisher zugesagt hat, wird auch dieser Teil sicher keine Enttäuschung sein. Wer allerdings, wie ich, nicht richtig warm werden konnte, wird auch an Band 3 leider keinen Gefallen finden.


Kyria & Reb, Band 01: Bis ans Ende der Welt
Kyria & Reb, Band 01: Bis ans Ende der Welt
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Princess auf Abwegen..., 9. Februar 2013
Ich weiß gar nicht mehr, wann ich Kyria&Reb gekauft habe, allerdings liegt es schon einige Monate in meinem Regal herum. Es musste einfach erlöst werde, vor allem weil der 2. Teil jetzt im Januar erschienen ist. Nach dem Auslesen, habe ich mich nur noch gefragt, warum ich dieses Schätzen so lange habe warten lassen. Das war ein echter Fehler.

Der Schreibstil ist sehr speziell und etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich mochte ihn von der ersten Sekunde an. Er ist sehr jugendlich und ein wenig fremdartig, dennoch flüssig, humorvoll und wunderbar einfach, sodass man locker leicht über die Seiten fliegen konnte und das Ende viel zu schnell erreicht war. Zudem ist nahezu jede Zeile von einer zielführenden Cleverness durchzogen, was sehr viel Tiefe in die Geschichte bringt.
Nicht nur witzige, sondern auch sehr kluge Sprüche werden einem geboten. Ein wenig seltsam war es, dass in der wörtlichen Rede sehr häufig englische Worte vorkamen, aber das hat den jungen Protagonisten eine zusätzliche Leichtigkeit verliehen. Die Dialoge zwischen Kyria und Reb waren einfach genial. Das gegenseitige Necken, die kurzen „abgehackten“ Sätze und dieser jugendliche Humor, haben mich wirklich in ihren Bann gezogen.
Die Namen und Bezeichnungen von Menschen und Städten sind ein echter Sprachmix und genau das war es, was anfangs etwas fremdartig wirkte. Nach einer kurzen Phase des Einlesens, war jedoch auch das sehr angenehm.

Die Geschichte ist zumindest in einer Hinsicht absolut außergewöhnlich. Die Frauen regieren die Welt. Ich fand die Vorstellung grundsätzlich eher befremdlich. Die Art und Weise, wie die Damen leben und was sie vor allem aus den Männern machen, hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich bin aber generell kein Fan von mächtigen Damen.
Es beginnt sehr rasant. Schlag auf Schlag wird man mit allerlei Geheimnissen, Intrigen und Machenschaften konfrontiert, wobei Kyria, die Hauptprotagonistin, nicht selten Opfer ist. Sehr gelungen fand ich ebenfalls, dass das Zusammentreffen der beiden Hauptprotagonisten nicht endlos in die Länge gezogen wurde. Schnelle und präzise Entscheidungen wurden getroffen und Pläne so energisch geschmiedet, wie ausgeführt. Daher kam zu keiner Zeit lange Weile auf. Gerade auch die Flucht aus NuYu (New Europe) ging so eilig von statten, dass man kaum die Möglichkeit hatte darüber nachzudenken, welche Gefahr hinter den ganzen Geschehnissen lauern könnte. Mal um Mal war ich derart überrascht über sämtliche Entwicklungen, dass ich aus dem Staunen kaum mehr heraus kam. Allerdings war ich in manchen Dingen einfach misstrauischer als die Protagonisten und als dann gar nichts Schlimmes passiert ist, war ich auch wieder erstaunt. Die Autorin hat eine Art, den Leser immer nur mit kleinen Informationen zu füttern, das große Ganze versteht man so erst sehr spät, aber genau das verursacht diese Schnelligkeit und Spannung.
Die Maßnahmen von New Europe für die Menschen, die sich ihrer Macht entziehen sind mir wirklich ein wenig an die Nieren gegangen, weil wir von derartigen „Geschützen“ absolut nicht weit entfernt sind. Was gibt es Schlimmeres als furchtbare Seuchen aus dem Labor? Viren, die gezüchtet wurden um zu Töten - Menschen auf die grausamste Weise, die man sich vorstellen kann, dahinzuraffen. Derartige Widerwärtigkeiten zur Machtausübung zeugen von absoluter Kaltherzigkeit.
Das wunderbare an dieser Geschichte ist, dass erst vermuten lässt, dass die Autorin der Männerwelt nicht sonderlich angetan ist, im Handlungsverlauf aber durch scharfen Verstand und tolle anschauliche Beispiele das Gegenteil bewiesen wird. Männer und Frauen sind definitiv gleich wertvoll und wichtig. Das wir manchmal weder mit, noch ohne einander leben können, liegt einfach in unserer Natur und das ist auch gut so. Am Ende hat jeder seine Stärken und Schwächen, die es zu vereinen gilt. Diese Aussage kommt zwischen den Zeilen sehr deutlich zum Vorschein.

Die Personen sind sehr gelungen, wenn auch anfangs keine Charmebolzen. ;)
Kyria „Die Herrin“ ist wohlbehütet aufgewachsen, erfährt aber zu ihrem 17. Geburtstag, dass sie an einer Erbkrankheit leidet, die früher oder später zum Tod führen wird. Schon als Kind war sie bei jeder Kleinigkeit im Heilhaus untergebracht und stets sehr bemuttert worden. Sie merkt allerdings schon sehr früh, dass sie dem bestehenden Männerideal und dem vorherrschenden System nicht viel abgewinnen kann. Als sie Reb zum ersten Mal begegnet verspürt sie sofort ein tiefes Vertrauen und flüchtet schließlich mit ihm in die Subcultura (Außenbezirke). Sie hat eine herrische und dennoch weiche Art. Ihr Leben lang wurde ihr ein völlig verschobenes Bild von der Wirklichkeit vorgelebt, jedoch passt sie sich sehr schnell an die Veränderungen an. Ihr Selbstvertrauen ist durch die ewige Sorge nachhaltig geschwächt. Sie traut sich wenig zu und hat bei Kleinigkeiten Angst um ihr Leben. Am Anfang hat sie mich damit schon etwas genervt. Im Laufe der Geschichte lernt sie vor allem aber durch Reb eine andere Seite der Welt und sich selbst kennen. Sie benimmt sich durchaus noch eine Weile wie das verwöhnte Prinzesschen aus gutem Haus. Ihr Entsetzen und Ekel über die Lebensweise in den Außenbezirken fand ich dabei aber sehr amüsant. Ihre Entwicklung ist dann schlussendlich aber wunderbar. Sie wird in kürzester Zeit zu einer starken und selbstbewussten Persönlichkeit.

Reb „Der Rebell“ war mir von Anfang an total sympathisch. Er ist aufmüpfig, überheblich und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Nicht selten fällt es ihm leicht seine Mitmenschen zu verärgern. Der großspurige Frauenheld, scheut keine Gelegenheit sich den ein oder anderen Flirt zu genehmigen. Zum Leidwesen von Kyria, denn sie erkennt recht schnell ihre Gefühle zu ihm. Doch da schlummert noch mehr in ihm. Eine tiefe Zerrissenheit und eine Vergangenheit, um die ihn keiner beneidet.

Die Liebesgeschichte ist wunderbar, authentisch und entwickelt sich sehr langsam. Durch die ständigen Neckereien und Stänkereien am Anfang der Geschichte wird man gut bei Laune gehalten. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp, der die Spannung in dieser Hinsicht sehr anheizt, denn man ahnt ja aufgrund des Buchtitels schon den Ausgang der Sache. Dieser war jedoch für ein Jugendbuch sehr überraschend. Ich fand es super, denn es war einfach anders und so unvorhergesehen.

FAZIT
Eine deutsche Dystopie, die es absolut lohnt gelesen zu werden. Nach einer kurzen Phase, in der mir alles etwas befremdlich vorkam, hab ich dieses Werk förmlich verschlungen. Es enthält viele Werte und Inhalte, die über das Lesen hinaus Stoff zum nachdenken bieten. Ich war absolut positiv überrascht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst dachte, es sein ein zweites „Cassia&Ky“. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung. Zur Höchstbewertung reicht es also nicht ganz, aber es fehlt nur ein winziger Hauch..


Kyria & Reb - Die Rückkehr
Kyria & Reb - Die Rückkehr
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Princess und Rebellenlümmel, 9. Februar 2013
„Leben ist zäh.“ Tja, das ist es wirklich. Doch man ist bekanntlich seines eigenen Glückes Schmied und genau das war zauberhaft authentisch in dieser Geschichte dargestellt. Doch damit nicht genug, Teil 2 von Kyria&Reb ist spannend, mitreißend, emotional, dramatisch und skrupellos. Es zeigt eine fremde Welt in all ihren wunderbaren und gleichzeitig grausamen Facetten, inmitten dieser Zerrissenheit bäumt sich eine stürmische junge Liebe auf.

Der Schreibstil ist nach wie vor etwas ganz Besonderes. Ich hatte mich bereits bei Teil 1 schnell daran gewöhnt und diese Andersartigkeit sogar schätzen gelernt. Auch in diesem Band hat mich die außergewöhnliche, etwas schroffe und jugendliche Art verzaubert und in seinen Bann gezogen. Frau Schachts Stil ist absolut passend für diese Geschichte, denn er trägt das Ganze. So wie die Autorin uns Stück für Stück NuYu (New Europe) zeigt, passt sie auch die Art des Schreibens an. Je mehr man erfährt, desto weitreichender und subtiler wird auch der Schreibstil, allerdings auf eine sehr angenehme Art und Weise.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und ein Geheimnis nach dem anderen wird aufgedeckt. Es kam mir teilweise so vor, als wäre ich mitten in einer Mordkommission und würde mit den Protagonisten gemeinsam Indizien sammeln. Es war stets eine unheilvolle Stimmung zu verspüren, man hatte das Gefühl Niemandem mehr trauen zu können und Teil von etwas Großem und abgrundtief Bösem zu sein. Oft schien die Lösung so einfach, doch am Ende steckte soviel mehr dahinter. Ich war vor allem auf den letzten Seiten wie gebannt und wollte endlich Erkenntnisse und Erklärungen für derartige Unmenschlichkeiten. So viele Geheimnisse, Intrigen, Lügen, Verdächtigungen, Anschläge, Doppelleben und Pläne haben die Spannung nahezu die ganze Zeit auf einem guten Level gehalten. Zwischendurch gab es allerdings Passagen, deren Sinn ich für das große Ganze bis zum Ende nicht gesehen habe. Ich vermute sie sollten etwas Ruhe in die aufbrausende und ereignisreiche Zeit bringen, für mich waren es allerdings eher unnötige Unterbrechungen im Handlungsfortgang. Das hat mich dann zeitweise in eine kleine Flaute fallen lassen und das Weglegen fiel mir nicht schwer. Zum Glück waren nur sehr wenige dieser Augenblicke vorhanden und ab Seite 200 bin ich nur noch durch die Seiten geflogen.
Ich war auch bei diesem Teil begeistert über die Tiefe und Intention der Story. Man kann einfach soviel für sich selbst mitnehmen. Armut/ Reichtum, Angst vor Seuchen, totale Kontrolle, Kommunikation, Politik, Obrigkeiten, Hungersnot, Korruption, Werte und Normen einer Gesellschaft und so vieles mehr wurde hier behandelt und zu einer absolut lohnenswerter Story gesponnen.

Die Liebesgeschichte ist ein absolutes auf und ab der Gefühle. Teil 1 hat in dieser Hinsicht sehr viel versprochen und im Großen und Ganzen, hat Band 2 diese Erwartungshaltungen auch erfüllen können. Ab und an, hat mich dieses ewige Hin und Her genervt, vor allem weil die Beweggründe nicht immer deutlich herausgearbeitet waren. Die gemeinsame Zeit von Kyria und Reb war sehr süß, dennoch stürmisch und voller Leidenschaft. Die eigentliche Erkenntnis über ihre Gefühle und Empfindungen zueinander kamen jedoch stets in Verbindung mit anderen Personen. Die Entwicklung der Beziehung war somit eher zurückhaltend und etwas zäh, aber genau das hat es authentisch gemacht. Zuneigungsbekundungen gab es allerdings nicht nur zwischen den Beiden. Küsse wurden, meiner Meinung nach, sogar sehr großzügig verteilt, was ich etwas merkwürdig fand. Ob zum Dank, zur Begrüßung, zum Abschied oder ganz spontan, die Münder sämtlicher Charaktere haben sich absolut zur Genüge gefunden. Diese Tendenz war bereits in Teil 1 zu bemerken. Nicht, dass mich das sonderlich gestört hätte, aber es wirkte irgendwann einfach abgestanden und übertrieben.

Die Personen haben sich deutlich vermehrt. :D Man lernt also einige neue „Gesichter“ kennen, die der Geschichte absolut zuträglich sind. Auch bereits vorhandene oder kurz erwähnte Charaktere rücken in den Fokus der Geschehnisse. So bekommt Kyria eine wichtige Freundin, eine Chefin, eine Aufpasserin und weitere ihr wohlgesinnte Menschen. Ein paar süße und gewitzte Bengelchen aus der Subcultura erwecken ihren Sinn für soziales Verhalten zu neuem Leben und giftige Kunden rufen sie zu ungewohntem Gehorsam.
Kyria macht generell eine wundervolle Entwicklung durch. Schon in Teil 1 wurde sie von der überbehüteten, naiven Elitezicke zu einer starken und eigenständigen Persönlichkeit, die sich an jede Lebenslage anzupassen weiß. In diesem Band webt sie in ihre ohnehin schon tolle Art ihre Erfahrungen ein und trifft präzise und sinnvolle Entscheidungen für sich und ihre Mitmenschen. Sie zeigt einen unglaublich starken Willen und beweist auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Sie bietet den übelsten Halunken die Stirn und zeigt den Ärmsten ihr Mitgefühl. Ihr Gerechtigkeitssinn und die Jagd nach der Wahrheit lassen sie nicht verbissen werden, im Gegenteil, sie lernt das zu schätzen, was wichtig ist. In jeder Rolle, in die sie schlüpfen muss, beweist sie eine Souveränität, die mich ab und an wirklich überrascht hat. Sie versucht stets das Beste zu erreichen und stellt ihre Belange an letzte Stelle. Dass dies auf Dauer kein Ausweg ist, zeigen ihre zeitweise herzzerreißenden Gefühlsausbrüche, die sie mir noch um einiges sympathischer gemacht haben. Soviel Emotion ist in jeder Hinsicht einfach wunderbar.
Reb ist nach wie vor der humorvolle Rebellenlümmel mit immer frechen Sprüchen auf den Lippen und wenig Achtung gegenüber Respektspersonen. Wenn er auftaucht, wird es definitiv niemals langweilig. Diesmal darf man auch einige Passagen aus seiner Perspektive genießen und recht tief in sein Gefühlsleben schauen. Ich muss gestehen, dass ich ihm am Liebsten manchmal einen kleinen Schubs gegeben hätte. Sein Selbstwertgefühl ist sehr geschwächt und er sieht sich nicht würdig geliebt zu werden, stattdessen versucht er sich und sein Ego zu belohnen, sei es durch waghalsige Wagenrennen oder aufreizende Verehrerinnen. Doch da schleicht sich immerzu eine klammernde „Princess“ in seine Gedanken und löst ungewohnten Frieden in ihm aus. Er kann sich Kyria nicht entziehen und straft sich viel zu oft mit Entscheidungen, die er für das Beste hält, aber nur Kummer hervorrufen. Zuckersüß ist seine Erkenntnis der Liebe zu Kyria, ein wenig naiv und doch felsenfest, sickert nach langem Hin und Her die Wahrheit auch in seinen Verstand. Das seltsam wohlige Gefühl im Bauch, der zarte Schleier, der sein Herz umfasst schlummert schließlich schon viel länger in ihm. Dennoch waren mir auch danach einige Reaktionen und Handlungen zu zögerlich beziehungsweise abweisend. Nach gerade erwähnter Erkenntnis habe ich mir das etwas anders gewünscht und als störend empfunden. Es war einfach ein unnötiges Herauszögern, denn erst durch fremde Hilfe hat der sonst so entschlossene Rüpel die Kurve bekommen.

FAZIT
Auch in Teil 2 bekommt man sehr viel geboten. Ein kleiner Krimi, waghalsige Wagenrennen, das Leben in den verschiedenen Schichten, von Luxus, über gutbürgerlich bis hin zum Bettler war alles dabei. Authentizität und ein außergewöhnlicher Schreibstil runden das Ganze zu einer absolut lesenswerten Geschichte mit wenigen Mängeln ab.
Hinter diesem wunderschönen Buchdeckel wartet also eine total gelungene Fortsetzung. Ich habe vor kurzem gelesen, dass damit die Reihe abgeschlossen ist, was ich ein wenig Schade finde, da doch noch einige ungeklärte Sachverhalte vorliegen. Lassen wir uns also überraschen, ob vielleicht nicht doch noch etwas kommt. Ich wäre nicht abgeneigt. ;)


Saeculum
Saeculum
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verheißungsvoller Wald, 9. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Saeculum (Broschiert)
Eine ganze Weile ist seit meinem letzten Thriller vergangen. Saeculum klingt schon total verheißungsvoll und spannend, daher konnte ich nicht vorbeigehen. Außerdem mag ich Ursula Poznanskis Schreibstil wahnsinnig gern und die positiven Stimmen haben ihr übriges getan. Für mich war es der erste Jugendthriller und ich bin begeistert.

Der Schreibstil ist einfach klasse. Sie schreibt in einer stimmungsvollen Authentizität, sodass man sich ganz und gar in den Schauplätzen verliert und die Emotionen fließen so natürlich, wie das Blut in den Adern. Gerade bei einem Thriller, jagt einem diese schriftstellerische Gabe eine Gänsehaut nach der anderen über die Haut. Auch hier hatte ich Mühe die Realität im Auge zu behalten, ich war ganz und gar Teil der Gruppe und habe mich schlussendlich selbst gefragt, auf welcher Seite ich stehe. Schon allein die Tatsache, dass die Autorin die Geschwindigkeit der Geschichte über den Schreibstil steuert ist wunderbar. Geht es schnell und wild zu, sind es eher kürzere Sätze, wird es ruhiger und emotional, sind sie länger und ausschmückender. Die Beschreibungen von Personen und Landschaft hätten realer nicht sein können. Schon ganz zu Anfang habe ich diese unheilvolle Stimmung verspürt und konnte mir nach und nach jeden Zweig, jeden Stein und jeden Grashalm vorstellen, ohne dass es aufdringlich beschrieben wurde. Eine echte Meisterleistung.

Die Geschichte ist klasse und außergewöhnlich. Zugegeben, am Anfang war es für mich leicht befremdlich, wie die Protagonisten eine unumstößliche Ernsthaftigkeit in diese mittelalterliche Convention legen können. Ich musste das ein oder andere Mal wirklich schmunzeln und habe somit die Gefühle des Protagonisten Bastian ganz und gar geteilt.
Es beginnt alles scheinbar harmlos und soll hauptsächlich Spaß und die Auszeit aus der Realität bringen. Doch schon sehr zeitig wird klar, dass dies kein Vergnügen werden kann. Das erdrückende Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, hat mich schon sehr bald beschlichen und ich habe die bösen Omen gesehen. Die ganze Story ist so wahnsinnig gut durchdacht und strukturiert, dass man zu keinem Zeitpunkt ahnen konnte, was als nächstes kommt und beinahe an den Rande des Wahnsinns gelangt ist, weil man auch als Leser nicht mal annähernd durchschauen konnte, was noch Fakt und was Fiktion ist. Ich wurde mit jeder Seite neugieriger und wollte sogleich eine Aufklärung, um diesen schrecklichen Zwiespalt, den man mit den Protagonisten gemeinsam erleben musste, aufzulösen. Glaubt man an das Übernatürliche oder gibt es doch eine harmlose Erklärung? Ich bin doch eher der rationale Typ, aber auch bei mir kamen früher oder später Zweifel auf und ich habe tief in mich hineingehorcht. Will ich den Pfad des Unerklärlichen beschreiten oder doch weiterhin an meine Vernunft appelliere? Die Authentizität und die dauerhafte Spannung, die einer Starkstromleitung glich, haben ihr übriges getan und ich wurde voll und ganz von der Geschichte verschlungen, bis mich die Dunkelheit umhüllt hatte und nur noch das leiste Knistern eines entfernten Feuers in meinen Ohren nachhallte. Genial fand ich ebenso die vielen kleineren Geschehnisse, die man eigentlich nur am Rande mitbekam und die dennoch eine klare Linie hin zum großen Ganzen bildeten. Der Ausgang der Geschichte beruhte schlussendlich auf so vielen Kleinigkeiten und Details, die einem erst „vor Ort“ wie Schuppen von den Augen fallen. Es ist als glaubt man den Weg zu kennen und plötzlich verändert sich der Blickwinkel um wenige Millimeter und schon entsteht ein völliges anderes Bild. Ich bin einfach nur begeistert über einen derartigen Einfallsreichtum und eine ebenso grandiose Umsetzung.

Die Personen sind absolute Diamanten. Jeder einzelne Protagonist trägt die Geschichte auf seine ganz eigene Weise und jeder noch so kleine Charakterzug hat eine essentielle Bedeutung für das Gesamtwerk. Allen voran Bastian und Iris, aus deren Sicht die Handlung abwechselnd betrachtet wird.
Bastian ist der „Musterschüler“, ein Strebertyp mit Brille, wie er im Buche steht. Um etwas Ablenkung von seinen Büchern und Abstand von seinem tyrannischen Vater zu bekommen, entschließt er sich das Abenteuer seiner Lebens einzugehen und begibt sich mit einer Gruppe junger Leute auf eine mittelalterliche Convention irgendwo im Nirgendwo. Er wirkt anfangs etwas zimperlich und verweichlicht, außer es geht um seine Leidenschaft, die Medizin, routiniert und rational trifft er Entscheidungen und versucht in jeder Situation seine Hilfe anzubieten. Er geht völlig unvoreingenommen, wenn auch etwas blauäugig, an die Sache heran. Ich mochte ihn sofort, schon allein, weil er der Medizin verfallen ist und seine Gründe für das Studium äußerst liebenswert sind. Er entwickelt nach und nach ein sehr gutes Gespür für die neuen Leute in seinem Umfeld und ist stets auf die Sicherheit Anderer bedacht. Er traut sich bald schon sehr viel mehr zu, entwickelt ein wahnsinnig hartnäckiges Durchhaltevermögen und sein Beschützerinstinkt nimmt starke Ausmaße an. Geradlinig versucht er jeden Zwist mit Verständnis und Beständigkeit in das richtige Licht zu rücken. Er lässt sich nicht von seinen Anschauungen abbringen und lernt sich endlich durchzusetzen und Widerwillen zu leisten. Er bricht in gewisser Weise aus seinem goldenen Käfig aus. Dennoch sieht er in jedem das Gute und bestärkt sich selbst in diesen Dingen, indem er wirklich jedem eine Chance gibt, egal wie merkwürdig der erste Eindruck auch erscheint.
Iris ist ein verrücktes Mädchen mit einer merkwürdigen Frisur, spielt am liebsten Gedankenverloren auf ihrer Harfe, doch diese Zeit der Freiheit scheint bei ihr sehr begrenzt zu sein. Was ängstigt sie? Was beschäftigt sie? Welche dunklen Schatten der Vergangenheit liegen ihr schwer auf der Seele? So viele Fragen rund um eine mehr oder weniger seltsame Erscheinung. Meine Neugierde war augenblicklich geweckt und sie wirkte tausendmal interessanter als die unglaublich schöne Lisbeth oder die kühle Sandra. Ich wollte sie direkt kennen lernen und aus ihrer Situation holen. Was immer es ist, ich wollte helfen. Die Düsternis und die kleinen Momente der Vorahnung, die sie umgeben und gleichzeitig die witzige und dennoch direkte Art, wie sie den Leuten entgegentritt, haben mich sofort überzeugt. Sie ist auch sehr rational und geradlinig in ihren Ansichten, vertritt fest und vehement ihre Meinung, spaltet sich eher von der Gruppe ab, um ihren ganz privaten Frieden zu finden und öffnet sich schließlich ganz zaghaft nach und nach. Eine wunderbare und sehr gelungene Person, die einen Weg aus der Dunkelheit sucht und ihre Freiheit in Körper und Geist zurückerobern möchte. In so mancher Situation hatte ich das Gefühl, ich könnte die lieblichen Klänge ihres Harfenspiels hören und war zum ersten Mal verzaubert, von etwas, was nicht übernatürlichen Ursprungs ist.

FAZIT
Ein genial durchdachter und unglaublich spannender Thriller, der mich bis in meine Träume verfolgt hat. Wunderbare Protagonisten führen einen auf den Spuren des Mittelalters durch einen Wald, der seinen ganz besonderen Zauber versprüht. Eine derartige Fülle an Emotionen erlebt man in dieser Form nur selten und selbst ich, war mir meiner Empfindungen irgendwann nicht mehr sicher. Ein absolutes Mustread!!!


Dark Canopy
Dark Canopy
von Jennifer Benkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

5.0 von 5 Sternen Atemberaubend gut!!, 15. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Dark Canopy (Gebundene Ausgabe)
Ich bin absolut platt. Dieses Buch hat mich so sehr in seinen Bann gerissen, dass ich mal wieder an leichtem (oder auch schwerem) Realitätsverlust leide. Nachdem ich es zugeklappt hatte, wusste ich gar nicht mit meinen Emotionen wohin und musste gaaanz tief durchatmen.

Der Schreibstil ist toll. Nicht zu ausschweifend, aber auch nicht zu kurz. An den richtigen Stellen spielt die Autorin mit der Sprache, so baut sie ab und an etwas Umgangssprache in die wörtliche Rede ein und verleiht so der recht düsteren Stimmung eine gewisse Leichtigkeit. Man sieht die Person, die gerade spricht dann direkt vor sich und kann sich beinahe ein Bild über ihre Eigenschaften machen. Ich war ab der ersten Sekunde gefangen und konnte die gesamte Zeit über locker leicht eintauchen und mitschwimmen.

Die Geschichte ist atemberaubend. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass ich Dystopien liebe. Diese Story hatte so viel Schnelligkeit und war wahnsinnig ereignisreich, dass ich kaum eine Verschnaufpause hatte. Die Zeit flog an mir vorbei und ich konnte es wirklich sehr schlecht weglegen. Es hat mich so unglaublich beeindruckt, wie viel Tiefe diese Story beinhaltet. Ich war wirklich ständig überrascht und es gab etliche unvorhersehbare Wendungen, dass mir pausenlos der Mund offen stand. Und ich habe so mitgelitten. Es hatte die ganze Zeit etwas sehr Düsteres an sich. Die Verdunklung durch „Dark Canopy“ hat sich derart in meine Gedanken gebrannt, dass sich diese Stimmung in meinem Inneren ausgebreitet hat und mich erschaudern lies. Der Weg der beiden Spezies, der schließlich ineinander übergeht, war nicht leicht zu beschreiten. Jede „Rasse“ führt ihr eigenes Leben, geprägt von jeder Menge Vorurteilen und Geschichten über den jeweils anderen, die es nahezu unmöglich scheinen lassen die Sicht der Dinge, zu verändern oder in eine positivere Richtung zu schieben. Die Entwicklung und der generelle Verlauf waren wahnsinnig gut durchdacht und so glaubwürdig, dass ich anfing mich in beide Sichtweisen hineinzuversetzen und selbst in eine Art Zwiespalt zu geraten, weil einfach beides nachvollziehbar war. Kaum wollte ich der einen Seite recht geben, kam der nächste Hammer von der anderen. So viel Unvereinbarkeit gepaart mit jeder Menge Emotion, hat mich vor Begeisterung wirklich umgehauen und stellenweise so tief berührt, dass ich Mühe hatte nicht in Tränen auszubrechen. Vor allem das Ende ist furchtbar traurig und lässt mich schon ein wenig ruhelos zurück.

Die Personen sind ebenfalls derart gut gelungen, dass ich weit über das Lesen hinaus über die Protagonisten und ihre Handlungsweisen nachgegrübelt habe.
Joy – was für eine Frau, eine Rebellin durch und durch. Wenn mich auch einige ihrer Handlungen erschaudern ließen, hat sie sich meinen absoluten Respekt verdient. Gerade am Anfang konnte ich manchmal nur den Kopf schütteln, aber zu diesem Zeitpunkt wusste sie es auch nicht besser. So viel Stärke, Durchhaltevermögen und Ehrlichkeit einer so jungen Person ist schlichtweg bewundernswert. Sie ist zudem unglaublich selbstlos und stellt ihre Gefühle die gesamte Zeit über hinten an. Mit ihrer direkten Art hat sie nicht selten die Gabe, die Menschen um sich herum zu verletzen. Mir war sie trotzdem sofort sympathisch. Sie kämpft für das Richtige, auch wenn sie so ab und an ihren Liebsten vor den Kopf stößt. Mir hat es ab und an beinahe das Herz zerrissen, wenn ich ihren inneren Zwiespalt miterleben durfte. Sie hat sich stets für den schweren Weg entschieden, entgegen ihrer Wünsche. Nur wenige Menschen besitzen eine solche Willensstärke.
Neél – der kaltherzige, brutale Percent, der erschaffen wurde, um zu kämpfen und zu töten. Erfüllt er anfangs das grausame Klischee, erfährt man im Laufe der Geschichte so viel mehr über ihn. Wie sollte es bei mir auch anders sein, ich mochte ihn natürlich sofort. Auch bei ihm konnte ich anfangs nahezu nach jedem Abschnitt entsetzt den Kopf schütteln und doch hat er eher Mitleid in mir ausgelöst, als pure Abscheu. Man ist, wer man ist und das lässt sich niemals leugnen. In seinem Fall ist diese Tatsache leider äußerst tragisch. Nicht selten musste ich schwer schlucken, wenn er den Leser an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lies, denn die waren so tiefschürfend und ergreifend, dass sich ein dicker Kloß in meinem Hals bildete und es etwas Enger in meiner Brust wurde. Dass er anders ist, wie Joy sagt „besonders“, wird schnell klar und macht ihn unsagbar liebenswert, wenngleich er nicht selten den Befehlshaberton beibehält. Ein wunderbarer, gelungener Charakter.
Matthial – der Sohn des Clanführers und Joy’s Freund, der die ganze Welt in Bewegung setzen würde für „seine“ Joy. Leider hinterließ er immer einen bitteren Beigeschmack, anfangs konnte ich nicht definieren, warum, später bildete sich aufgrund seiner Verhaltensweisen eine richtige Antipathie gegen ihn aus, die sich im Laufe der Geschichte nur mehr festigte. An dieser Stelle muss ich sogar sagen, dass ich die Passagen aus seiner Sicht nicht wirklich gern gelesen habe. Sie waren nicht sehr häufig und doch sehr bedeutend für den Storyverlauf, doch irgendwie wurde ich mit ihm nicht wirklich warm. Das hat dem großen Ganzen aber absolut keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, er gab mir oft zu denken, wie ich an dieser und jener Stelle gewisse Handlungen zu verstehen hatte. Er gab mir eine weitere Sicht auf die Dinge, vor allem auch auf Joy. Ich war oft so damit beschäftigt die Beziehung zwischen Joy und Neèl zu analysieren und in den Geschehnissen um die Beiden zu versinken, dass ich an diesen Stellen wieder klarer „sehen“ konnte.

Die Lovestory ist anders und gefällt mir richtig gut. Keine weichen Knie, keine Liebesschwüre, keine Schmetterlinge – einfach keine unsterbliche Liebe auf den ersten Blick. Das erste Aufeinandertreffen, die ersten Trainingseinheiten und der generelle Beginn der Beziehung sind eher brutal und auch etwas unschön. Ich hatte bei so mancher Beschreibung beinahe selbst Schmerzen. Die Entwicklung geht jedoch so langsam und glaubwürdig vonstatten, dass ich sie als ganz besonders empfand - kein Kitsch, einfach wunderschön und nachvollziehbar.

FAZIT: Der absolute HAMMER. Ein Must-Read für alle Dystopiefans. Ich freue mich riesig auf die Fortsetzung. Frau Benkau hat eine Geschichte erschaffen, die mich so schnell nicht wieder loslassen wird. Also LESEN!!!


Plötzlich Fee - Herbstnacht: Band 3 - Roman - (Heyne fliegt)
Plötzlich Fee - Herbstnacht: Band 3 - Roman - (Heyne fliegt)
von Julie Kagawa
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Unerschöpfliche Fantasie..., 2. November 2012
Zum Schreibstil verliere ich nicht viele Worte: wunderschön, fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde und ist, wie schon in den Vorgängern, der Schlüssel zu meiner ganz persönlichen Steige ins Nimmernie.

Die Geschichte, dazu fällt mir eigentlich nichts mehr ein. Ich kann mich nur wiederholen. Es ist für mich einfach unbegreiflich, wie eine einzige Person in einer Geschichte mit soviel Fantasie und Einfallsreichtum auftrumpfen kann ohne, dass es auch nur 1 Sekunde langweilig wird. Man sollte meinen nach knapp 1500 Seiten, hängt einem das komplette Nimmernie mit all seinen Bewohnern zum Hals raus, aber das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, ich könnte mich direkt in den 4. Teil stürzen. Eine Kleinigkeit gab es im Verlauf der Geschichte, die mir von Anfang an klar war und die Protagonisten bis zur letzten Sekunde im Dunkeln tappten, entweder war es so gewollt oder aber es wurde zuviel verraten, was auf eben diesen Ausgang hindeutet. Das war zwar etwas schade, allerdings nicht der Rede wert, da drum herum soviel passiert ist und man eine Wendung nach der nächsten durchlebt hat, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein war. Beeindruckend empfand ich auch, dass Szenen auf späteren Geschehnissen aufbauten, dies hat die Autorin aber so selbstverständlich eingefügt, dass es einem erst so richtig bewusst wurde, wenn sich der Kreis dann geschlossen hat. Diese „Aha-Effekte“ mag ich besonders gern. Man hat alles verstanden und es gab eine logische Handlungsfolge, aber es hat oft ein winziger Teil gefehlt, der dem Ganzen am Ende den besonderen Reiz verliehen hat. Die fulminanten Endszenen haben mich emotional wirklich mitgerissen, nicht selten hatte ich, wie auch Meghan, einen dicken Kloß im Hals und musste mich anschließend erst einmal wieder in die Realität zurückholen…Nein Rebecca , du bist nicht im Nimmernie, das ist alles nur wundervolle Fantasie! :D…bei jeder Verletzung, bei jeder drohenden Niederlage, die unausweichliche Ausweglosigkeit, dann das Licht am Ende des Tunnels, die Erkenntnisse, die neuen Wege, all das hat mich meist so bewegt, dass ich den gedanklichen Verlauf mit vollführt habe und beinahe eigene Lösungsvorschläge hätte bringen können. Ich habe mich teilweise so verkrampft beim Lesen, dass erst beim Beenden des Buches eine spürbare Anspannung von mir abgefallen ist. Es ist aber auch der reine Wahnsinn wie Frau Kagawa, z.B. schon allein das Eiserne Reich beschreibt, man fühlt sich schlichtweg hineinkatapultiert. Der ätzende Säureregen, die Eisernen Wesen und die wunderschöne Abscheulichkeit der Landschaft. Gigantisch!! Die Ausbreitung des eisernen Reiches hat mich übrigens an „das Nichts“ in „Die unendliche Geschichte“ erinnert.

Die Personen – Meghan Chase – bleibt sympathisch und verliert ihre Naivität, was sie einerseits zwar sympathischer und reifer wirken lässt, jedoch hat mir die Leichtigkeit etwas gefehlt. Die Stimmung war daher ab und an so düster und vernünftig, dass es wie eine Last wirkte. Allerdings trägt Meghan auch fast die gesamte Zeit über eine große Verantwortung und eine solche Bürde kann für einen so jungen Menschen, durchaus belastend sein. Außerdem spielen sich diese ganzen Dinge in etwa einem Jahr ab. Daher ist ihre Entwicklung auch eine logische Schlussfolgerung aus den Geschehnissen.
Der Winterprinz ist, nach wie vor, mein Liebling. Natürlich wurde ich vor allem wieder von seiner Charakterstärke gefangen genommen. Herzerweichend empfand ich auch diese bedingungslose Liebe zu Meghan, ich behaupte mal frech, dass es so etwas im menschlichen Dasein nicht gibt, höchstens zwischen Mutter und Kind. Egal wie ihre Entscheidungen ausgefallen sind, er wäre ihr bis ans Ende der Welt gefolgt, sogar bis in den Tod. Ebenso zauberhaft sind seine emotionale Intelligenz und seine präzise Aufmerksamkeit. Er ist ein Killer, keine Frage, er nimmt die Gefühle und Regungen der Gegner wahr, bevor sie sich derer überhaupt bewusst sind, aber auch bei Meghan ist er stets über ihr Gefühlsleben im Bilde.
Robin Goodfellow – Puck – ohne ihn wäre die Geschichte nur halb so lesenswert. Er trieft vor Sarkasmus und Selbstbewusstsein, ist immer mutig und kennt anscheinend keine Angst. Für ihn ist alles ein großes Abenteuer und jede Herausforderung eine willkommene Abwechslung. Die frechen Sprüche und der Umgang mit seinem „Eisbubi“ Ash sind eine wahre Pracht. Man lernt in diesem Teil allerdings auch eine ernste Seite von ihm kennen, die ihn nur noch sympathischer macht.
Und schlussendlich – Grimalkin – ihn muss ich einfach nochmals erwähnen. Leider bekam man ihn auch in diesem Teil eher selten zu Gesicht, aber wenn er da war, hat er mir die Lesezeit versüßt. Diese selbstverständliche Arroganz, sich seiner selbst und den eigenen Handlungen so sicher zu sein und stets zu denken, dass sein Weg der einzig richtige ist, ist wirklich entzückend.

„Nur fürs Protokoll“, meldete sich Grimalkin, als wir im Gänsemarsch in die Finsternis eintauchten. „Ich halte das für keine gute Idee. Aber da offenbar niemand mehr auf den Kater hört, werde ich warten müssen, bis wir uns verirrt haben, um dann anzumerken, dass ich es euch ja gleich gesagt habe.“ (Zitat, S. 309)

Die Liebesgeschichte muss ich natürlich auch noch mal erwähnen. Ash entzieht sich den Gefühlen zu Meghan nicht länger und kehrt endlich sein warmes Inneres nach außen. Wie ich bereits in „Winternacht“ erwähnt habe, trägt Ash die ganze Zeit eine „Schutzfassade“ mit sich herum, die nun bröckelt und seinen wahren Charakter enthüllt, der in den beiden Vorgängern nur zwischen den Zeilen zu lesen war. ;) Ich finde die Story um Ash und Meghan äußerst gelungen, nicht zu kitschig und doch tiefgründig und echt. Umso mitreißender und gefühlvoll empfand ich den Ausgang der Geschichte und bin wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung.

Nach 3 Büchern habe ich nun auch endlich den Sinn der deutschen Titel erfasst.
(Vorsicht, evtl. Spoiler enthalten)
Sommernacht: Meghan erkennt, dass sie eine Sommerfee ist und lernt den Sommerhof, ihre Magie und die Wesen des Sommers kennen.
Winternacht: Meghan lernt die Welt von Ash kennen – den Winterhof und seine Bewohner
Herbstnacht: Im Herbst verblüht alles, das Laub fällt von den Bäumen – es herrscht Verfall, es riecht sogar oft faulig durch das nasse Laub, dennoch ist der Herbst sehr schön anzusehen. Hier bezieht es sich auf den Verfall des Nimmernie, welches durch das Eiserne Reich verseucht wird. Die Pflanzen usw. sterben, aber eine eiserne Schönheit bleibt.
Frühlingsnacht: Dem Ende nach zu urteilen, erblüht das Nimmernie nun in neuem Glanz und ist wieder voller Leben. So auch im „normalen Frühling“, die Pflanzen erwecken wieder zu neuem Leben.
Wenn ich mir das so überlege ist das eine tolle Idee und total treffend! Aber wer weiß, ob das der Grund ist, ich spinne ja auch gern mal etwas rum. :)

FAZIT
Nicht zu fassen, dass es jetzt tatsächlich noch eine Steigerung gab. Ich habe es zwar von anderen Bloggern gehört, aber trotzdem nicht für möglich gehalten und doch hat sich Julie Kagawa in „Herbstnacht“ wieder selbst übertroffen. Es ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, sondern eine gigantische! Mehr, mehr, mehr….

Auch auf meinem Blog zu finden: [...]


Shades of Grey - Befreite Lust: Band 3 - Roman
Shades of Grey - Befreite Lust: Band 3 - Roman
von E L James
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weil ich es kann...3.Teil ;), 2. November 2012
Ich wurde also nun zum 3. Mal hinein geSOGen in die „wunderbare“ Welt von Mr. Christian Grey. Und nun? Mein Unterbewusstsein hat nahezu die ganze Zeit vehement den Kopf geschüttelt und mir wohlweislich klar gemacht, dass ich den Schinken zum Fenster hinauswerfen soll. ABER NEIN!! Ich habe durchgehalten und wurde am Ende belohnt. Von meiner inneren Göttin möchte ich gar nicht sprechen, ich glaube die hat im letzten Eck mit ihrem Schnarchen den gesamten Wald niedergemäht. Irgendwo jenseits der 400 Seiten, begann dann die Handlung. Was davor passiert ist? Öhm…*grübel*…Alltagswahnsinn á la RTL?

Der Schreibstil ist mein Lieblingsthema in dieser Reihe. Oder auch nicht. Am ALLERSCHLIMMSTEN war dieses ständige „Mr. Grey“, „Mrs. Grey“, Frau, Mann, „O Christian, Christian, Christian“, „mein armer ARMER Christian“, „der kleine arme süße verängstigte Junge“. Dann gab es, wie schon in Teil 2, ganze Wortgruppen die dauernd aufgetaucht sind. Und diese ständigen Liebesbekundungen fand ich derart übertrieben. Die gesamten Interaktionen zwischen Ana und Christian schreien bereits nach bedingungsloser Liebe, aber nein, es muss ununterbrochen darauf hingewiesen werden. Der 3. Band ist definitiv der kitschigste diese Reihe. Aber ich darf mich nicht beklagen, ich wollte es so und wusste, dass der Schreibstil nicht der Brüller ist. ;)

Die Geschichte versprach mit dem Cliffhanger am Ende des 2. Teils SO VIEL und was war? Bis auf eine kleine Verfolgungsjagd und nahezu vorhersehbaren „Wendungen“ war es eine ganze Weile schlicht und einfach langweilig und eintönig. Im letzten Drittel oder sogar Viertel hat mich die Story dann noch ins Boot oder in den Charlie Tango? geholt und ich bin nur so über die Seiten geflogen. Ganz besonders interessant war natürlich Christians Gutenachtgeschichte, der Epilog und die „50 Shades of Christian“. Wäre das Buch gleich aus seiner Sicht geschrieben worden, wäre es sicher sehr viel „fesselnder“ gewesen. ;)
Man hat endlich „Erlösung gefunden“, was die Neugier auf Mr. Grey’s Vergangenheit angeht, darf sich weiterhin jeder Menge Tabu-Themen widmen und den Launen der beiden Hauptprotagonisten frönen. Für mich war alles keine Überraschung mehr, die Handlungsabfolge gleicht weiterhin einer ebenfalls sehr berühmten Reihe und für mich bleibt es weiterhin das „Twilight für Perverse“. Am Ende des 2. Teils, fehlte mir nur noch ein Detail zum endgültigen Verschnitt der Vampir-Saga und *bing*, die „kleine (Seifen)Blase“ ist nicht geplatzt. ;)

Die Personen zeigen sich beide in ihren verschiedensten Facetten, wobei ab und an ein kleiner Rollentausch vonstatten ging. Plötzlich war es Ana, die Christian „führt“ und die Dinge in ihrem Rhythmus verrichtet. ;) Sie versucht sich zunehmend gegen ihn zu behaupten und gewinnt ab und an die Oberhand. Nach wie vor, bietet sie ihm genau in den Momenten die Stirn, die er nicht dulden kann. In Teil 1 und 2, trug dies unumstößlich zur Heilung seiner „kranken Seele“ bei.
Doch nicht zuletzt wegen seiner zügellosen Wut und Angst um seine geliebte Ana, bringt Christian sich zunehmend in eine Abseitsposition, die Ana in heftige Zweifel und ebenfalls Wut versetzt. Zeitweise geht er in sein Schneckhäuschen der Kontrolle zurück und entzieht sich der Verantwortung. Dieser gesamte Prozess endet allerdings in einer wirklich befriedigenden Ausschüttung seines Herzen. Er offenbart sich Ana und den Leser vollends.
Ein wenig zu weich wurde mir der gute Mr. Grey dann aber doch. ;)

FAZIT
Es ist und bleibt Unterhaltungsliteratur. Ich bereue nach wie vor keine Zeile, weil ich mich dennoch befriedigend bis gut unterhalten gefühlt habe. Leider war dieser 3. Band kein "gebührender" Abschluss, aber auch kein schlechter. Nachdem ich Teil 2 beinahe 4 Punkte gegeben habe, werden es hier gerade so 3. - das Ende hat in mir jedoch ein leises "Verlangen" nach mehr, aus der Sicht von Mr. Grey geweckt. ;)

Auch auf meinem Blog zu finden: [...]


Das Mondgeheimnis
Das Mondgeheimnis
von Stefan M. Fischer
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schicksalhaftes Drama, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Mondgeheimnis (Broschiert)
Insgesamt ist "Das Mondgeheimnis" von Stefan M. Fischer eine sehr gelungene Sache.

Der Schreibstil ist anders, ich kann nicht mal sagen wie, aber er ist besonders. Ich mochte ihn von den ersten Zeilen an. Er ist zwar einfach und jugendlich, dennoch auf eine Weise außergewöhnlich. Der Autor vereint Jugendlichkeit und eine spezielle Art den Sinn der Dinge aufzuzeigen. Etwas mühsam empfand ich den ständigen Perspektivwechsel. Es ist zwar aus Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben, dennoch muss man ständige Gedankensprünge zur jeweiligen Person vollführen. Dadurch kommt eine gewisse Unruhe auf, die das „Versinken“ in die Geschichte erschwert.

Die Geschichte ist düster, traurig und regt zum Nachdenken an. Der Einstieg in die Geschichte war grandios, ich war direkt mittendrin und mitgerissen. Nahezu sofort umspülte mich diese düstere Stimmung, die mich auch äußerst neugierig gemacht hat. Die junge Alena hat in ihrem Leben schon so viel Schreckliches erlebt und es nimmt einfach kein Ende. An manchen Punkten empfand ich es ein wenig zu überspitzt, denn dass ein einziger Mensch an so viele falsche Leute gerät und stets die Missgunst Anderer auf sich zieht, wollte mir nur schwer in den Kopf. Was wohl auch daran liegt, dass ich immer sehr gut behütet wurde. Generell ist ihr Einzelschicksal eine wirkliche Tragödie. Es hat mich, zugegebener Maßen, an einigen Stellen ziemlich mitgenommen, aber auch, weil ich nicht der Typ für Dramen bin, die wirklich passiert sein könnten, denn davon erlebt man im realen Leben schon genug. Dennoch war es eine willkommene Abwechslung, nicht zuletzt, weil die Geschichte sowohl mitreißend und spannend, als auch gefühlvoll und warm ist. Der Storyverlauf ist einwandfrei durchdacht und vom guten alten „roten Faden“ durchzogen. An einigen Stellen empfand ich es allerdings zu vorhersehbar. Gerade die ganze Sache mit Martin und die Geschehnisse um Petr und Magda. Ich sehe es zudem sehr positiv, dass der Handlungsort ein völlig anderer ist. Die Namen der Personen störten mich zwar anfangs etwas, da sie eben so unüblich sind, aber im Laufe der Geschichte war es einfach erfrischend anders. Ich lese ja meist Bücher mit englischen oder deutschen Namen. Alles in allem eine lesenswerte Geschichte.

Die Personen sind sehr facettenreich. Es ist nahezu von allem etwas dabei, der Psycho, der Macho, das dicke Dummerchen, die distanzierte Schöne, der Künstler usw.
Alena, um deren Schicksal es sich dreht, war mir, trotz ihrer „Macken“ recht schnell sympathisch, aber wer konnte es ihr auch verdenken? Trotz das sich erst zum Ende hin alles aufgelöst hat, ging die ganze Zeit über eine entwaffnende Unschuld von ihr aus. Ich hatte stets ein gutes Gefühl, was sie betraf. Ob ich mit meinem Gefühl jedoch recht hatte, solltet ihr selbst lesen. ;) Das sie sich in all dem Dunkel, eine eigene Welt für ihren persönlichen Rückzugsort erschaffen hat, ist herzerweichend traurig und macht sie so zerbrechlich. Ich wollte sie manchmal am liebsten in den Arm nehmen.
Vlado, bei ihm musste ich mir quasi ständig ein Schnauben oder Augenrollen verkneifen. Er ist derart realistisch unsympathisch gestaltet, dass es einem die Fußnägel hoch rollt. Selbst als er ab und an seine weichen und guten Seiten zeigte, konnte ich mich absolut nicht mit ihm anfreunden. Furchtbar!
Ondrej, auch seine verträumte Person und dieser sorglose, detailverliebte und „sinnsuchende“ Charakter, war nicht so mein Fall. Natürlich ist es toll, wenn man in den kleinen Dingen des Lebens die Schönheit sieht und sich von ihnen inspirieren lässt, aber diese Künstlerseelchen sind einfach nichts für mich. Aber nur weil ich ihn nicht so sympathisch fand, heißt das nicht, dass er nicht gelungen ist, im Gegenteil, er ist sogar sehr authentisch,
Magda, ist hingegen total mein Geschmack. Sie kann sich selbst auf die Schippe nehmen, scheut sich nicht auszusprechen, was sie denkt, ist aber dennoch sehr warmherzig und gefühlvoll. Sie tat mir auch ab und an wirklich Leid.
Petr, auch er ist mir relativ zügig sympathisch gewesen. Sein opportunistischer Charakterzug und so manche Mauern, die er sich ebenfalls zum Selbstschutz hochgezogen hat, beruhen auch nur auf seinem zarten, sich nach Liebe und Anerkennung sehnenden Wesen. Wenn der Grundcharakter stimmt, kann ihn eine starke Persönlichkeit auf den richtigen Weg bringen. Seine Personenbeschreibung ließ mich hingegen leicht schaudern, aber für sein Aussehen kann er ja nichts. ;)

Die Liebesgeschichte ist schön gestaltet und auch überhaupt nicht aufdringlich. Dadurch wirkt sie sehr authentisch und durchbricht die düstere Stimmung. Es ist sehr gut, dass sie nicht unmittelbar im Zentrum der Geschichte steht, denn so verleiht sie dem Ganzen in den richtigen Momenten die dringend notwendige Leichtigkeit. Wäre es nicht so gewesen, hätte mich das ganze wohl zu sehr belastet.

FAZIT: Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Es hat viele Facetten, ist spannend, mitreißend und hat sowohl düstere als auch lichte Momente. Aufgrund einiger kleiner Dinge vergebe ich 4 Sterne.


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