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BecciBookaholic

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Ewiglich die Sehnsucht
Ewiglich die Sehnsucht
von Brodi Ashton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

5.0 von 5 Sternen Es sollte ewiglich weiter gehen..., 9. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ewiglich die Sehnsucht (Gebundene Ausgabe)
„Nichts ist gewaltiger als die Liebe…“ – diese Worte findet man direkt unter dem Klappentext. Und genau das war lange Zeit der Grund, warum ich es nicht gekauft habe. Ich ging einfach von einer furchtbaren Schnulze aus. Nach und nach habe ich unendlich viele positive Meinungen gelesen und es schließlich doch gekauft. Tja, es stand keine 2 Wochen in meinem Regal, es hat mich angezogen wie die Motte zum Licht. Und es war unglaublich…unsichtbare Hände haben mich bis in die späten Nachtstunden gewaltsam festhalten und mich hineingezogen in diese außergewöhnlich Liebesgeschichte, die mit soviel Emotion versehen ist, dass ich nicht selten um Fassung ringen musste.

Der Schreibstil ist besonders, sogar sehr. Der Autorin ist in dieser Hinsicht etwas gelungen, was ich nur selten erlebe. Ähnlich wie bei Maggie Stiefvater vermag sie unglaublich viel Emotion in und zwischen die Zeilen zu packen und den Leser somit direkt ans Zentrum der eigenen Gefühle „anzuschließen“. Es ist wie ein unsichtbarer Draht, welcher es ermöglicht nicht nur dabei zu sein, nicht mal nur mittendrin, sondern mehr und mehr eins mit der Geschichte zu werden. Hätte ich Zeit gehabt, hätte ich aufgrund dieser Tatsache das Buch mit Sicherheit an einem Tag durchgelesen. Ich konnte es sooo schlecht weglegen und bin auch jetzt drauf und dran sofort zu Teil 2 überzugehen. Allerdings wird mich die Durststrecke bis Teil 3, dann wahrscheinlich völlig fertig machen.
Eine weitere Besonderheit des Schreibstils von Brodi Ashton ist diese Ausdrucksstärke, ich hatte ab und an das Gefühl ein großes literarisches Werk zu lesen. Die Ästhetik, die das Schreiben haben kann, ist mir hier erstmals wieder aufgefallen – feinsinnig, ausdrucksvoll und leicht dichterisch hat sie mich in die Welt von Nikki entführt.

Die Geschichte ist klasse. Ich liebe Mythologie in all ihren Facetten und lese daher auch sehr gerne moderne Bücher, die so manche Mythen wieder zum Leben erwecken. Es hat meist eine düstere, undurchdringliche Seite, die schon vom Ursprung her eine Spannung erzeugt, der man sich schlecht entziehen kann. Hier wird ein relativ geringer, jedoch bedeutender Teil der Mythologie thematisiert, die Unterwelt. Es gibt wohl noch zig weitere Bezeichnungen und es ranken sich Geschichten, Sagen, Mythen usw. darum. Doch eines wissen wir sicher, es ist nichts Gutes. So begegnet man auch hier sehr zeitig der unendlichen Finsternis, der düsteren und doch geheimnisvollen Stimmung. Man wird quasi sofort in die Geschichte hineinkatapultiert und erfährt erst nach und nach die eigentlichen Gründe für die Situation der Hauptprotagonistin Nikki. Komischerweise fand ich das richtig klasse und überhaupt nicht verwirrend. Ich muss allerdings zugeben, dass es mich beinahe aus der Haut fahren lies, ewig nicht zu erfahren, wie es dazu kam, dass sie sich in Coles Arme begeben hat. Dies und die Spannung, die stetig steigt, haben mich förmlich zum Weiterlesen gezwungen. Warum um alles in der Welt verlässt jemand seine große Liebe? Was zwingt einen Menschen dazu sich in die Arme eines undurchsichtigen, geheimnisvollen Ewiglichen zu werfen? Der Handlungsschwerpunkt liegt in dieser Geschichte auf dieser unheimlich tiefen und schönen Liebesgeschichte zwischen Nikki und Jack, basierend auf dem Mythos von Orpheus und Eurydike. Doch ein Happy End scheint es für diese Misere nicht zu geben. Ausweglosigkeit, scheinbar unbändige Hoffnung, diese herzzerreißende Sehnsucht und die starken emotionalen Bande zwischen den Protagonisten, haben mich (beinahe) zu Tränen gerührt. Die Autorin hat zudem durch die verschiedenen Zeitabschnitte, die sich in „Vor der Nährung“ und „Zeit bis zur Rückkehr“ gliedert, eine zusätzliche Spannung erzeugt. Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter, als die Zeit immer knapper wurde und das Fünkchen Hoffnung zu erlöschen schien. Es ist alles so logisch und sinnvoll aufgebaut, dass es mich überhaupt nicht verwirrt hat, wie es oft bei derartiger zeitlicher Unruhe geschieht. Einfach toll!!

Die Personen sind wahnsinnig authentisch und einige Charakterzüge treiben an so mancher Stelle, die Geschichte erst in die Richtung, die sie schließlich ausmacht.
Nikki ist völlig gefühlsleer, als sie sich entscheidet, nach 100 Jahren in der Unterwelt und völlig ausgezehrt, noch einmal zurückzukehren. Diese Kraft bringt sie allein wegen der Erinnerung an Jack’s Gesicht auf. Sie hat keine Tränen mehr, das Lächeln ist ihr abhanden gekommen und auch sonst breitet sich eine unendliche Leere in ihr aus. Doch je mehr Zeit sie in der Oberwelt verbringt und vor allem mit Jack, desto mehr Emotionen kommen zurück und machen sie noch sehr viel sympathischer. Schon von Anfang an, war sie mir sehr sympathisch und ich wurde von heftigem Mitgefühl geplagt.
Jack wirkt zuerst wie der oberflächliche Quarterback, der die ein oder andere Liebschaft, neben seiner steilen Footballkarriere führt. Nahezu jedes hübsche Mädchen hatte wohl bereits nähere Bekanntschaft mit ihm. Doch seine Liebe zu Nikki zeigt etwas ganz anderes und macht ihn einfach wahnsinnig liebenswert. Er ist voller Gefühl und Hoffnung. Keine Sekunde hat er seit Nikki’s Verschwinden ohne einen Gedanken an sie verstreichen lassen. Er beweist Durchhaltevermögen, Kampfgeist und meine Schwäche für Selbstlosigkeit erfüllt er zudem in besonderem Maße, genauso wie Nikki.
Cole war von Anfang an der Störenfried, er stand im Weg und hat mich auch richtiggehend genervt. Er ist scheinbar die gefühlsleere Zerstörung in Person, der sich an anderen „ergötzt“. Doch was schlummert da tief in ihm? Kann er tatsächlich Nichts fühlen? Ist Nikki wirklich nur seine Spenderin? Diese undurchsichtige, geheimnisvolle Fassade, hat mich absolut neugierig gemacht. Obwohl ich normalerweise immer eine Schwäche für die „Bösewichte“ habe, mochte ich ihn trotzdem zu keinem Zeitpunkt. Was nicht heißen soll, dass er misslungen ist, im Gegenteil, er ist sogar wahnsinnig gut gelungen und zudem spielt er eine bedeutende Rolle im ganzen Handlungsaufbau.

FAZIT
Ich bin absolut hin und weg, ich möchte mich gar nicht trennen. Es hat mich wirklich sehr berührt, da es überhaupt nicht kitschig ist, sondern einfach richtig sehr ans Herz geht (und ein bisschen an die Nieren :D). Zum Glück habe ich Band 2 schon bereit liegen. Die Rezension ist mir ungewohnt schwer gefallen, weil man leicht zu viel verrät. Kurzum, ich bin begeistert und vergebe volle Punktzahl.


Ewiglich die Hoffnung
Ewiglich die Hoffnung
von Brodi Ashton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Hoffnung stirbt zuletzt..., 9. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ewiglich die Hoffnung (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte ewiglich weiterlesen. Es war unglaublich, umwerfend, unfassbar und wahnsinnig emotional. Es ist lange her, dass mich ein Buch so derart gefesselt hat, dass ich einfach wirklich nicht aufhören konnte zu lesen. Es ging nicht!!! Nicht einmal unter Zwang. Nun durchziehen dicke dunkle Augenringe mein Gesicht und ich bin noch immer völlig aufgewühlt von der jüngsten Entwicklung. Wer Teil 1 noch nicht kennt, sollte lieber nicht weiterlesen.

Der Schreibstil ist nach wie vor der absolute Hammer. Es ist unglaublich, wie man ohne detaillierte Beschreibungen, eine derartige Emotionalität in Worte legen kann, dass es einem als Leser den Boden unter den Füßen wegzieht. Diese bedrückende, düstere Stimmung, diese nagende Ausweglosigkeit und inmitten dieser Finsternis leuchtet ein helles Feuer der Liebe, aus dem sich ein klitzekleiner Funken Hoffnung nährt und so überwältigend wird, dass man mit Nikki zusammen nur noch das eine Ziel erkennt – Jack’s Rettung – und jede denkbare Handlung auf jene zweifelhafte Rettungsaktion ausrichtet. Ich war ganz und gar mit der Geschichte verschmolzen, so wie Nikki und Cole bei der Nährung. Da sich die Autorin sämtliche Umgebungsbeschreibungen nahezu gespart hat, ist es mir immer noch unbegreiflich, wie nah und real sich das Ewigseits in seiner vollen Pracht angefühlt hat. Angefangen von den Städten, dem Labyrinth und schließlich den grausamen Tunneln der Hölle. Ich war vor Ort und das nicht zu knapp. Brodi Ashtons Schreibstil ist ein wenig poetisch und daher so magisch und intensiv, dass der Übergang von der Realität in die Story verschwimmt.

Die Geschichte ist eine pausenlose Hetzjagd, ich konnte kaum eine Minute verschnaufen. Eine unerwartete Wendung nach der anderen. Mehr Schnelligkeit und Handlungsfortgang hätte man wahrscheinlich gar nicht ertragen können. Zudem wurden nach und nach so manche Geheimnisse, Umstände und Sachverhalte rund um das Ewigseits aufgedeckt. Der mythologische Teil wird nahezu mühelos in die Geschichte eingebunden und erreicht somit ein hohes Level an Vielfalt und Einfallsreichtum. Alte Mythen und Sagen, die dem Leser wohl vorher schon bekannt waren, finden den ein oder anderen Platz in der Geschichte und die Logik hinter jeder „Aufklärungsarbeit“ ist wahnsinnig tiefsinnig.
Dazu diese ständige erdrückende Stimmung, welche mich beinahe um den Verstand brachte. Man landet schon in den ersten Seiten mitten in Nikki’s Alltag und somit in der völligen Verzweiflung, einem Berg von negativen Gefühlen. Schuld, schmerzhafter Sehnsucht, Hass und Zweifel. Der Titel ist hier Programm, der einzige Antrieb ist die scheinbar unerschöpfliche Hoffnung, die wie bereits erwähnt, aus dieser wunderschönen, reinen und tiefen Liebe zu Jack entspringt. Sie will ihn retten, um jeden Preis, doch dies ist nur mit Cole’s Hilfe möglich. Dann ist da noch diese unsichtbare und doch starke Verbindung zu ihm, die aus der Zeit der Nährung stammt und scheinbar versteckt in Nikki’s Innerem sitzt. Sie wirft tiefe Zweifel an den negativen Gefühlen zu ihm auf und versucht ein gefährliches Band des Vertrauens zu knüpfen. Doch kann sie ihm wirklich trauen? Inmitten dieser sowieso schon starken, vorwiegend negativen Emotionalität, hat die Autorin wieder einige sinnvolle Rückblicke aus der glücklichen Zeit zwischen Nikki und Jack eingewebt. Diese Passagen waren mein persönlicher Anker aus der düsteren Stimmung. Es hat diesen frischen Wind der jungen Liebe verströmt und so genug Futter für zwischenzeitliche Schwärmereien gelassen.
Das Ende bzw. die letzten Seiten haben mich dann völlig aus der Bahn geworfen. Es passieren so viele Dinge auf einmal und zudem so plötzlich und unvorhergesehen, dass ich mit rasendem Herz und weit aufgerissenen Augen, völlig ungehalten das Buch zugeschlagen habe und erst eine unsichtbare Hand mich wieder ins Hier und Jetzt zurück geholt hat. ;)

Die Personen machen allesamt eine starke und vor allem emotionale Entwicklung durch.
Nikki ist zu Anfang ein absolutes Häufchen Elend, was nur von der ewiglichen Hoffnung angetrieben wird. Ihre Gedanken und Gefühle drehen sich ausschließlich um Jack und der fixen Idee ihn höchstpersönlich aus den Fängen der Höllentunnel zu befreien. Trotz der absoluten Hassgefühle Cole gegenüber, regen sich im Laufe der Geschichte auch Emotionen, die sie eigentlich nicht zulassen möchte. Doch die Liebe zu Jack ist überwältigend und macht sie auch in den ausweglosesten Situationen stark. Sie ist eine Person, die man einfach mögen muss. Soviel Mut, Selbstlosigkeit, unbändige Kraft und die allgegenwärtige Hoffnung haben sie nach wie vor wahnsinnig liebenswert gemacht. Sie hat eine Art die Dinge anders zu sehen, sie mit Liebe zu betrachten ohne naiv zu wirken.
Cole ist unmöglich zu beschreiben, ohne die halbe Geschichte zu verraten. Er war mir in Teil 1 zu keinem Zeitpunkt sympathisch, eher berechnend, einnehmend, arrogant und einfach ein Störfaktor. Doch meine Neugier war geweckt und ich wollte hinter die Fassade schauen, was in Teil 2 auch teilweise gelang. Er zeigte tiefe Gefühle zu Nikki und legte eine sympathische gefühlvolle Seite an den Tag. Man hatte das Gefühl einen Blick in seine dunkle Seele zu erhaschen, die gar nicht so dunkel zu sein scheint. Gibt es also doch noch Helden? Ich entwickelte ein zeitweiliges Mitgefühl zu ihm, wollte den Antrieb hinter seinen Handlungen wirklich verstehen. Tja und den Rest müsst ihr selbst lesen.
Zwei Personen rücken ebenso in den Fokus der Geschehnisse Jack’s Bruder Will und Mrs Jenkins, Meredith’s Mutter. Sie spielen eine besondere Rolle in der Oberwelt. In gewisser Weise treiben sie Nikki voran und helfen ihr. Sie sind ihr Halt. Beide handeln im Endeffekt aus Liebe, was sich in unterschiedlicherer Weise nicht hätte zeigen können.

FAZIT
Ein geniales Meisterwerk. Es hat einfach alles. Unglaubliche Spannung mit einem rasanten und logischen Handlungsfortgang. Starke Emotionen, wunderbare Protagonisten, jede Menge unvorhersehbare Wendungen, Originalität und alles gestrickt um eine umwerfende und scheinbar doch so ausweglose Liebesgeschichte, die gleichzeitig herzerwärmend, wie -zerreißend ist. All diese Dinge gepaart mit einem Schreibstil, der besser nicht hätte sein können, wünsche ich mir 1. sofort den 3. Teil und 2. noch viele weitere Bücher von ihr. Der Oetinger Verlag scheint ein gutes Händchen für derartige Meisterwerke zu haben. Ich vergebe nicht nur eine Leseempfehlung, sondern eine Lesepflicht inklusive voller Punktzahl mit Einzug auf meine „Lieblinge-Liste“.


City of Bones: Chroniken der Unterwelt (1)
City of Bones: Chroniken der Unterwelt (1)
von Cassandra Clare
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Geniale Story mit Potenzial..., 9. Februar 2013
Die Chroniken der Unterwelt – City of Bones. Der Titel selbst hat mich so gar nicht angesprochen. Ich hatte direkt Bilder von den Filmen Blake und Underworld im Kopf. Als dann laut wurde, dass die Reihe oder zumindest erstmal der erste Teil verfilmt werden sollen, wurde ich neugierig. Nach einigen Stöbereien und Empfehlungen bzw. absoluten Schwärmereien, habe ich mir die Bücher mal näher angeschaut und nach nur 2 Tagen war Band 1 verschlungen.

Der Schreibstil ist mir zu ausladend, viel zu viele unnötige detaillierte Beschreibungen von Räumen, Gegenständen und Personen füllen scheinbar endlose Seiten. Gerade am Anfang war ich wirklich genervt davon und hatte das Bedürfnis die Geschichte ein wenig anzuschubsen. Diese Detailtreue hat den Fortgang der Handlung derart aufgehalten, dass ich mich gefragt habe, was an diesen Büchern so toll sein soll. Regten sich also in den ersten etwa 150 Seiten noch leise Zweifel, sollte ich spätestens ab diesem Zeitpunkt eines besseren belehrt werden. Kaum hatte ich mich an den Schreibstil gewöhnt, ging es auch Storytechnisch so richtig zu Gange.

Die Geschichte ist keine wirklich außergewöhnliche Sache, allerdings ist das Buch ja bereits 2008 erschienen und zu diesem Zeitpunkt waren derartige Geschichten sicherlich noch nicht so häufig. Wie dem auch sei, ich finde es wirklich super umgesetzt. Sämtliche Schattenwesen sind von wunderbaren und sehr phantasievollen Elementen durchzogen. Der Einfallsreichtum der Autorin ist nahezu grenzenlos. An dieser Stelle kommt ihr natürlich auch der erschöpfende Schreibstil zu Gute. Als die Geschichte einmal an Fahrt gewonnen hatte, konnte ich mich kaum mehr lösen. Es hat mich in einen Bann gezogen, den ich selbst nicht erklären kann. Ich war (und bin) nicht restlos begeistert, aber es entwickelte recht schnell einen gewaltigen Sog, dem ich mich nur schwer entziehen konnte. Viele Geheimnisse, Vergangenheitsgeschichten aus der ein oder anderen Perspektive, Halbwahrheiten, die unterschiedlichsten Charaktere und eine gewisse kampflustige und doch düstere Atmosphäre ließen mich immer neugieriger werden. Ich hatte zeitweise den Eindruck, dass ich erst um die nächste Ecke schauen müsste, ob nicht vielleicht irgendein scheußliches Schattenwesen dahinter lauert. Daraus entsprang wiederum eine ahnungsvolle, beinahe vorfreudige und doch angsteinflößende Stimmung, die eine kribbelige Spannung erzeuge und mich als Leser nahezu von selbst durch die Geschichte zu tragen vermochte.
Es gab einige unvorhergesehene Wendungen, manche waren markerschütternd und ließen mich mit offenem Mund zurück, andere eher enttäuschend. An der ein oder anderen Stelle, fand ich die Geschichte etwas zu vorhersehbar, es gab allerdings genügend dieser Wendungen, dass diese Dinge nicht wirklich ins Gewicht fallen.
Zudem waren einige blutige und rasante Kampfszenen dabei, die dem Ganzen eine Krone aufgesetzt und mich restlos überzeugt haben, dass es die absolut richtige Entscheidung war, diese Reihe zu lesen. Die düsteren Vorahnungen und sich schließlich darin entladenen Gefechte waren so passgenau getroffen, dass ich plötzlich mitten drin, statt nur noch dabei war. Die Autorin versteht es an den richtigen Stellen, die Spannung zurückzuholen und den Leser so an die Geschichte zu binden.

Die Personen sind der Hauptgrund, warum ich die ersten eher holprigen Seiten gern auf mich genommen habe. Jede einzelne von Ihnen, wäre es absolut wert erwähnt zu werden. Da dies leider den Rahmen sprengt, beschränke ich mich etwas.
Clary’s Welt gerät aus den Fugen, als sie erkennt, dass sie keine gewöhnliche Sterbliche ist. Sie erfährt, dass ihr gesamtes Leben auf einer Lüge aufgebaut ist und ihre Mutter schwere Steine der Vergangenheit zu tragen hat. Sie ist eine Schattenjägerin im Exil und wollte Clary vor dieser gefährlichen Welt schützen. Clarissa Fray wird jedoch ohne Umschweife in die Abgründe ihrer Abstammung geworfen und lernt ihresgleichen kennen. Sie ist eine sehr sympathische Person. Sie zeigt Durchhaltevermögen, ist auf eine charmante Art stur und weiß einige Situationen mit jugendlichem Humor zu entschärfen. Sie hat das Mundwerk an der richtigen Stelle und ebenso ihr Herz. Loyal und selbstlos steht sie für die Menschen ein, die sie liebt und schätzt. Sie ist stets fair und nimmt in schwierigen Situationen kein Blatt vor den Mund. Für Wahrheit und Gerechtigkeit steht sie ein und das mit vollem Einsatz.
Simon ist Clary’s bester Freund aus den frühsten Kindheitstagen und steht ihr in dieser schwierigen Zeit mit Witz und Cleverness zur Seite. Er ist absolut liebenswert, loyal und selbstlos. Er begibt sich für sie in größte Gefahr, löst die Dinge aber stets auf eine Art, die man einfach mögen muss. Einen solchen Freund würde ich mir auch wünschen. : )
Jace ist der geheimnisvolle, undurchdringliche Schattenjäger. Er wirkt hart, gerissen, kampflustig und gefühlskarg. Eine harte Schale umgibt ihn und so stellt er sich mühelos seinem Schicksal als Schattenjäger, einer der besten seiner Art und das ist ihm auch mehr als bewusst. Nicht nur seine Fähigkeiten scheinen ihm ein übermäßiges Selbstbewusstsein zu verschaffen, sondern auch sein unverschämt gutes Aussehen. Ich mochte ihn eigentlich sofort. :D Er strahlt eine überhebliche und doch sehr charmante Arroganz aus. Mit viel Witz und einer recht anzüglichen Art, konnte er mich direkt auf seine Seite ziehen. Vor allem aber auch der zarte und weiche Kern, der tief in ihm verborgen liegt und nur selten leicht durchschimmerte, hat es mir angetan. Ich möchte nun gern noch etwas mehr über ihn erfahren. Die Sicherheit derer, die er liebt und schätzt ist ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Damit erfüllt er auch meine Schwäche für Selbstlosigkeit und ist somit bisher mein Lieblingscharakter in dieser Reihe.

FAZIT
Nach leichten Startschwierigkeiten und einem gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, bin ich nun auch im „Chroniken der Unterwelt – Fieber“. Es ist eine mitreißende und süchtigmachende Fantasystory, die es auf jeden Fall lohnt zu lesen. Ich freue mich jetzt schon auf die Verfilmung und bin gespannt, was mich in den Fortsetzungen erwartet.


City of Ashes: Chroniken der Unterwelt (2)
City of Ashes: Chroniken der Unterwelt (2)
von Cassandra Clare
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich einfallsreiche Fortsetzung...., 9. Februar 2013
Die Welt der Schattenjäger hat mich gefangen genommen und sie lässt mich jetzt auch nicht wieder los. Es ist mir unbegreiflich, dass ich den Anfang von Teil 1 tatsächlich als die pure Einöde in einem pingelig detaillierten Schreibstils empfand, denn jetzt ist es so unfassbar spannend und mitreißend, dass ich beinahe vergesse zu atmen. So langsam schleicht es sich in meinen Alltag ein, immerzu denke ich von Abend zu Abend, bis ich endlich weiterlesen kann. Böse Böse!!! :D Tja daher nerve ich euch jetzt erstmal mit einer "Chroniken der Unterwelt"-Rezension nach der anderen. ;)

Der Schreibstil ist zugegebenermaßen noch der Selbe. : ) Weiterhin gibt es einige, relativ unnötige Beschreibungen der verschiedensten Dinge und das gleich über mehrere Abschnitte. Allerdings hat es mich einfach nicht mehr gestört, im Gegenteil. Durch die unendliche Fülle von Geschehnissen, war es eine willkommene Abwechslung, dass sich, z.B. ein Zimmer vor meinem inneren Auge so derart real entfalten konnte, dass ich den Zauber auch in den kleinen Dingen wahrnahm. War mir dies in Teil 1 noch verborgen geblieben, so konnte ich in diesem Band in den unendlichen Weiten der Detailtreue schwelgen. Und ja, ich habe es tatsächlich genossen.

Die Geschichte ist einfach genial und nach wie vor voller schier endloser Fantasie. Es prasseln so viele Eindrücke auf einen ein, dass man nahezu atemlos versucht, den Geschehnissen zu folgen und damit in einen rasanten Spannungsfluss hineingerät. Gefühlstechnisch befand ich mich irgendwann also nur noch in einem reißenden Strom der Verzückung, der mich hinab in die dunklen Untiefen gezogen hat, um mich schließlich hier und dort an einen „Fels der Realität“ aufschlagen zu lassen, dass alle Luft aus meinen Lungen gepresst wurde und ich beinahe keuchend wieder zur Besinnung kam. Nicht selten brauchte ich eine kurze schöpferische Pause, um mich von den sich überschlagenden Ereignissen zu erholen. Es war kein Stück vorhersehbar, von absolut kreativen und sinnigen Handlungsfolgen beherrscht und mit einer klaren Logik versehen, dass ich restlos begeistert war und bin. Eine derartig aufwendige und umfangreiche Geschichte in so spielend leichter Klarheit zu gestalten, ist eine wahre Meisterleistung. An dieser Stelle muss ich nochmals die genialen und vor allem dämonischen Gefechte erwähnen. Ich habe jede einzelne, widerwärtige und grausame Schattengestalt vor mir gesehen und mir lief eine kalte Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Ich mag es sowieso, wenn es kampftechnisch zur Sache geht, aber Frau Clare besitzt die Fähigkeit es zum Leben erwecken zu lassen.

Die Personen sind nach wie vor wahre Schätze. Ich würde es begrüßen einige der zahlreichen Charaktere in meinem Freundeskreis zu haben. ;)
Clary war mir bereits in Teil 1 super sympathisch und besitzt nahezu ausschließlich positive Eigenschaften. Im Laufe von „City of Ashes“ entwickelt sie sich weiter, sie wird etwas härter, entwickelt eine scheinbar unbändige Stärke, sehr viel mehr Selbstvertrauen und ihre Selbstlosigkeit nimmt ein Maß an, dass eher an Selbstzerstörung grenzt. Daher tut sie alles Menschen- oder eher „Schattenjägermögliche“, um ihre Lieben vor dem Tod zu bewahren, was sich als nicht sonderlich einfach herausstellt. Sehr interessant ist auch die Entwicklung ihrer Gefühle zu Simon und Jace, denn nur in diesen Dingen ist sie zerbrechlich, zart und sehr zögerlich. Würde sie so enthusiastisch ihre Gefühle vertreten, wie sie Leben schützt, wäre ihr Leben vielleicht etwas leichter. Doch genau das ist es, was sie mir noch sympathischer macht. Sie macht es sich eben in keiner Hinsicht leicht.
Jace ist und bleibt mein Liebling. Die Autorin hat mit ihm einen Charakter erschaffen, der es mir einfach unmöglich macht ihn nicht zu mögen oder zumindest zu schätzen. Er ist so unglaublich selbstlos, er würde lieber sterben, als nicht für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Zudem wird er in „City of Ashes“ etwas weicher, er legt seine Gefühlswelt ein Stück weit offen und zeigt weitere Facetten, die sich gepaart mit seiner, nach wie vor charmanten Überheblichkeit, in perfektem Einklang befinden. Die logische und irgendwie auch berechnende Vorgehensweise ist ebenfalls eine Eigenschaft, die er bis zur Perfektion beherrscht und somit die Geschichte nicht selten in eine andere Richtung gedrängt hat, die einem mal mehr oder auch mal weniger gut vorkam. Das wiederum hat die Spannung angeheizt und die vorfreudige, erwartungsvolle Stimmung ist zurückgekehrt, die ich bereits in Teil 1 wirklich überragend fand.
Es gibt noch soooo viele tolle Protagonisten, die absolut erwähnenswert sind, da dies allerdings zu weit führen würde, nenne ich mal die Namen: Simon habe ich ja bereits in der Rezension zu „City of Bones“ näher erläutert. Dann wären da noch Alec und Isabelle, wobei ich für Alec eine besonders starke Sympathie empfinde, er ist einfach in jeder Hinsicht loyal und selbstlos, zudem der Fels in der Brandung, wenn die Gefühle überzukochen drohen. Genauso klasse ist Magnus Bane, der Hexenmeister.

FAZIT
JAAAAAAA….ich kann den Hype jetzt verstehen, ich kann ihn sogar fühlen. Ich möchte jetzt nichts lieber als mir sofort Teil 3 zu schnappen und solange zu lesen, bis ich einfach alles erfahren habe, was es zu erfahren gibt!!!! Ich kann auch dazu nur noch sagen: LESEN!!!!!


City of Glass. Die Chroniken der Unterwelt 3
City of Glass. Die Chroniken der Unterwelt 3
von Cassandra Clare
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Geniale Fortsetzung..., 9. Februar 2013
Ich bin begeistert und gleichzeitig froh, dass ich es erstmal hinter mich gebracht habe. Mir ist schon ganz schwindelig vom vielen Lesen. Aber es musste sein und es hat sich natürlich total gelohnt. Band 3 ist bisher eindeutig der Beste von allen. 717 Seiten pure Spannung, Emotion, Kampfeslust, Finsternis und scheinbar unerschöpfliche Fantasie.

Zum Schreibstil muss ich nicht mehr viel sagen. Er ist mir einfach viel zu ausschweifend und beschreibend. Ich würde nicht mal eine übertriebene Bildhaftigkeit unterstellen, sondern vielmehr das Gefühl, als liest man eine Landschaftsbeschreibung oder einen Bericht. Dennoch ist diese erschöpfende Art keine schlechte Sache, vor allem bei derartigen Geschichten nicht, die sowieso mit einer unendlichen Fülle von Geschehnissen und Informationen gespickt sind. Denn nur dann ist es überhaupt möglich, diese umfassenden Anschauungen zu realisieren.

Die Geschichte ist einfach übermächtig und sehr kreativ. Der Drang, der mich nahezu nötigte weiter zu lesen, entsprang vor allem auch aus der Tatsache heraus, dass man als Leser von den Geschehnissen förmlich erdrückt wird. Um diese „Last“ ablegen zu können, hätte ich am liebsten manchmal bis zum Ende vorgeblättert und geschaut, wie es ausgeht. Es gab einige sinnige und wichtige Verzögerung im Haupthandlungsstrang. Man wurde quasi vom eigentlichen Ziel der Handlung abgelenkt, um schließlich auf hell erleuchtetem Pfad wieder zurückgeführt zu werden. Das kam mir dann teilweise so unwirklich und fremd vor, dass ich kurz überlegen musste, wofür genau das jetzt gut war. Ich bin also ständig auf diese Spielereien der Autorin hereingefallen und musste mich jedes Mal aufs Neue von meinem Schock oder dem wohlwollenden Grinsen erholen. Auch wenn es mich teilweise geärgert hat, war es doch von großem Nutzen, um die Spannung am höchsten Punkt zu halten und damit jegliche lange Weile zu vertreiben, die bei so manchen „nervigen Problemchen“ hätte aufkommen können. Da nahezu das gesamte Geschehen in der Hauptstadt Alicante in Idris stattfindet, lernt man eine andere Seite der Schattenjäger kennen, ihre Heimat, die Welt, die ein jeder von ihnen im Herzen zu tragen scheint. Der Autorin ist damit ein gewisser Umbruch gelungen, es wurde geheimnisvoller, friedvoller und gleichzeitig kämpferischer und eine trügerische Ruhe vor dem Sturm breitete sich aus. Einige wenige Dinge konnte ich mir zusammenreimen und manchmal wollte ich die Protagonisten einfach nur wachrütteln, weil ihnen etwas entging, was einfach völlig eindeutig war. Aber auch das empfand ich eher positiv, da ich immer gespannter und aufgeregter dem Tag der Erkenntnis entgegen gefiebert habe. Der dann schließlich auf äußerst fiese Art und Weise ins unermessliche hinausgezögert wurde. Ich wäre beinahe aus der Haut gefahren.
Die Kämpfe waren wieder erste Klasse!!!! Sie waren eins ums andere ungestüm, wahnsinnig mitreißend, berührend und geprägt von grausamer Authentizität, durchzogen mit beinahe uneingeschränkter Fantasie.

--AB HIER KÖNNTEN VERSTECKTE SPOILER AUFTAUCHEN--
Die Personen muss ich jetzt doch mal im Detail aufführen, denn eine solche Vielfalt von unglaublich tollen Charakteren, die die gesamte Zeit über einer absolut stetigen und wunderbaren Entwicklung unterlagen, ist eine wirklich Meisterleitung. Hier kommen also meine Favoriten:
Clary ist für mich eine absolute Sympathieträgerin. Sie besitzt so viel Gefühl und Tiefe, dass man sie einfach gern haben muss. Zudem entwickelt sie sich von einem eher verunsicherten Menschenmädchen, zu einer Schattenjägerin mit unbändigem Willen, einer Stärke und soviel Durchhaltevermögen, wie es mancher Erwachsener in 40 Jahren nicht aufbauen kann. Doch sie lebt auch von und für ihre Freunde, denn deren Vertrauen in ihre Stärke, lässt diese unbändigen Kräfte aus ihrem Inneren ans Tageslicht gleiten und sich in einer Woge der Selbstlosigkeit entfalten. Dies wiederum führt in gewissenweise beinahe zur Selbstzerstörung, denn sie hängt mehr an den Leben derer, die sie liebt, als an ihrem eigenen. Sie würde es jederzeit für ein anderes eintauschen. So begibt sie sich nicht selten in halsbrecherische Situationen, aus denen sie sich nur selten allein befreien kann. Doch der letzte Hoffnungsschimmer oder der letzte Schlag zwischen Sieg oder Niederlage, gehörte beinahe immer ihr. Sie gibt den Menschen um sich herum soviel, selbst denen, die sie zutiefst verabscheut. Sie steht für Fairness, Gerechtigkeit, Toleranz, Loyalität und die Wahrheit ein. Koste es was es wolle!!
Jace ist einfach toll. Er ist und bleibt mein Liebling und jetzt in Teil 3 sogar noch viel mehr. Er ist kein klassischer Bad Boy, sondern eher ein gebrochenes Seelchen, was sich eine große Mauer errichtet hat, das wiederum auf eine Art, die ich einfach klasse finde. Diese absolut überhebliche Arroganz auf eine derart charmante Art, die er in Teil 1 noch stark zeigt, schwächt zwar etwas ab, aber zurück bleibt ein geheimnisvoller Kämpfer, der voller Emotionen ist und diese nach und nach offen legt. Er wird in „City of Glass“ richtiggehend süß. Die kurzen Momente der emotionalen Offenbarungen waren eine wahre Pracht, allerdings hat mich seine ruhelose Entschlossenheit, gepaart mit dieser wundervollen Ausprägung der Selbstlosigkeit einfach gefangen genommen. Die Autorin hat sämtliche seiner Gefühlsregungen in jedem Detail seiner Gesichtszüge aufgefangen und dem Leser schließlich enthüllt. Er ist also einerseits in seiner gefühlsmäßigen Entwicklung sehr viel reifer und offener geworden, andererseits verschließt er sich mehr und mehr, verbirgt Geheimnisse und startet wahnwitzige Alleingänge. Auch so manche Art der Problemlösung und der Sicherstellung des Schutzes anderer Personen, waren eher undurchdacht. Dennoch ist es gerade das, was seine Entwicklung so toll macht. Er lernt sich auf andere Menschen zu verlassen und diese Stärke zu nutzen, anstatt sich wie ein junger Wilder ins Getümmel zu stürzen. Er lernt zu schätzen, was es bedeutet geliebt zu werden und das aufrichtig.
Simon macht auch eine bahnbrechende Entwicklung durch. Bei ihm würde ich sagen, dass er erwachsen wird. Er lernt in dieser Zeit der Entbehrungen, und die hat er am allermeisten, was es bedeutet ein Leben zu haben bzw. überhaupt lebendig zu sein. Das er in den schwierigsten Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen vermag, wurde schnell klar, aber wofür oder für wen er diese Dinge tut, ist ihm erst später bewusst geworden. Es ist so toll zu sehen, dass er erkennt, dass man manchmal Dinge loslassen muss, um sie zu behalten oder zu schützen. Sein Selbstbewusstsein macht einen riesigen Sprung und dies wiederum führt zu der Art Ehrlichkeit, die ihm selbst das Leben erleichtert. Er kann nun offen seine Gefühle zeigen, ist nicht mehr so kindlich und kann sich so in jeder Hinsicht Respekt verdienen. Er wird Teil dieser Welt und wächst über sich hinaus, ohne seinen jugendlichen Humor zu verlieren. Er ist ebenfalls so unsagbar selbstlos und hat eine starke Handlungstiefe, dass er das anfängliche kindische„nervige Streber“-Image vollends abgelegen konnte.
Alec ist mein liebster Nebenprotagonist und er entwickelt sich, gerade in diesem Band in eine wunderbare Richtung der Selbsterkenntnis und legt seinen ängstlichen Schutzschild ab. Er überwindet seine eingefahrenen Gefühle, wird offener und weniger verbissen. Er war schon von Anfang an ein sehr emotionaler Charakter, der sich aufgrund dieser Tatsache jedoch stark verschlossen hat und eher versuchte Wut zu schüren, als seine wahren Gefühle preis zu geben. Dennoch ist die Art und Weise, wie er seine Geschwister die gesamte Zeit über behandelt, wie er die Stellung des großen Bruder versucht einzunehmen, einfach genial. Ich mochte ihn von der ersten Sekunde an und das hat sich nur verstärkt. Er reißt seine kühlen Mauern ein und lässt diese wunderbare Warmherzigkeit heraus, die schon so lange in ihm schlummert. Er erkennt sich nun selbst an, lernt sich selbst zu schätzen und kommt mit sich ins Reine.
Luke ist eine tragende Figur für Clary. Er ist der loyale Beschützer. Er nimmt nahezu von Beginn an eine väterliche Rolle ein, nicht nur speziell für Clary, sondern für beinahe all seine „Schützlinge“, er opfert sich förmlich auf, hat somit schon immer ein hohes Maß an Selbstlosigkeit aufgebracht und zahlt zudem einen hohen Preis. Er tut wirklich einfach alles, was in seiner Macht steht, um den Schutz seiner Lieben zu gewährleisten.
Isabelle scheint ein stürmischer, wunderschöner und kämpferischer Teenager zu sein. Sie wirkt auf den ersten Blick sehr oberflächlich und unsympathisch. Aber auch bei ihr ist das eine vollkommene Fassade, die nach und nach bröckelt und eine wirklich tolle Art zum Vorschein bringt. Sie taucht in den schwierigsten Situationen auf, um ihr Leben für sämtliche Familienmitglieder zu geben. Sie ist mutig, stark und schreckt vor nichts zurück. Sie geht oft sehr hart mit sich ins Gericht, was ihre Kämpfe und Taten betrifft, umso erfrischender ist ihr Selbstbewusstsein hinsichtlich ihres Aussehens. ;)
Magnus Bane ist genial. Er ist ebenfalls ein Charakter, der sich hinter einer perfekten Mauer versteckt. Er lässt den knallharten Geschäftsmann heraushängen, dem es nur um Geld und Anerkennung zu gehen scheint. Doch das ist absolut nicht zutreffend, er handelt nahezu ausschließlich aus emotionalen Gesichtspunkten und ist durchaus ein Gutmensch. Auch wenn er ständig vorgibt, eine Gegenleistung zu verlangen, hätte er es am Ende sowieso getan. Er ist aufopferungsvoll, glamourös, stark, redegewandt, selbstbewusst und aufrichtig. Er hat eine Schwäche für schöne Männer und macht kein Geheimnis daraus. ;) Egal in welcher Situation der „Lightwood-Clan“ seine Hilfe benötigte, er war stets zur Stelle und das mit Leib und Hexenmeisterseele.
Zum Schluss kommt noch der „Bösewicht“ Valentin, denn auch er ist ein echtes Schmuckstück, was die reine Charakteristik betrifft. Er hat stets diese überraschende und geheimnisvolle Atmosphäre um sich. Finsternis und Furcht breiten sich in jeder Szene aus, in der er auftaucht. Auch ein gewissen Groll und die Angst, die er versprüht, machen ihn zu dem was er ist. Er ist nicht nur skrupellos, sondern auch sehr clever und vor allem berechnend. Keine seiner Handlungen scheint auf einer banalen Ebene abzulaufen, er hat stets etwas Düsteres und Dämonisches in der Hinterhand und verfolgt seinen irrsinnigen Plan so vehement, dass er am Ende vergisst, wie kraftvoll die Liebe und der Hass sein können. Er fühlt sich derart im Recht und versucht stets seine Überlegenheit zu demonstrieren. Er ist ein fehlgeleitetes Genie mit einer guten Grundidee, aber den falschen Idealen. Seine Widerwärtigkeiten gingen mir durch Mark und Bein, dennoch ist seine Rolle von tragender Bedeutung und zudem sehr gelungen.

FAZIT
Diese Reihe sollte wirklich jeder lesen. Es steckt einfach unfassbar viel dahinter. Ein derart aufwendiges und vielseitiges Werk, was von Buch zu Buch besser wird und einen absoluten Lesezwang hervorruft, wenn man einmal begonnen hat, muss einfach jeder gelesen haben. Ich frage mich immer noch, warum ich es nicht eher gelesen habe. Ich hoffe, dass alle Teile verfilmt werden, dann darf ich die tolle Story noch einmal erleben und natürlich bin ich auf sämtliche Fortsetzungen gespannt.


Gebannt. Unter fremdem Himmel
Gebannt. Unter fremdem Himmel
von Veronica Rossi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

4.0 von 5 Sternen Fantastische Dystopie..., 9. Februar 2013
„Gebannt“ von Veronica Rossi steht bereits seit seinem Erscheinungsdatum in meinem Regal, also schon viel zu lange, daher habe ich mich kurzerhand entschieden es endlich von meinem SuB zu erlösen. Auf den ersten Blick scheint es eine ganz normale Dystopie zu sein, allerdings schleichen sich nach und nach immer mehr Fantasyelemente ein.

Der Schreibstil ist recht flüssig und lässt sich gut lesen. Er ist zwar nicht außergewöhnlich und ebenfalls wenig bildhaft, konnte jedoch die detailliert erdachte Welt sehr gut wiedergeben. Der einfache Stil und die wechselnde Perspektive zwischen Aria und Perry, hat dem Ganzen die notwendige Schnelligkeit verliehen und der düstere Charakter konnte spürbar hindurchsickern.

Die Geschichte würde ich durchaus als außergewöhnlich bezeichnen. Das mühelose Verweben von einer Dystopie und absolut passenden Fantasyelementen, hätte die Autorin nicht besser hinbekommen können. Leider hatte ich starke Startschwierigkeiten. Ich konnte mich einfach nicht in die Protagonisten hineinversetzen und somit fiel mir das Folgen der Geschichte eher schwer. Hinzu kam der zeitige Wechsel der Perspektiven, welches zusätzliche Unruhe in den Handlungsverlauf gebracht hat. Dennoch gelang es mir nach etwa 100 Seiten endlich wie gebannt zu lesen und die fremde Welt nach und nach mit Begeisterung zu erkunden. Die von Veronica Rossi erschaffene Welt ist absolut genial und regt zum nachdenken an. Diese krassen Unterschiede zwischen der Biosphäre, in der Aria lebt und der Außenwelt, der Perry entstammt, sind gigantisch. Lebt man in den Biosphären unter einer Kuppel in einer Welt der Illusionen und Scheinwelten, ganz nach dem Motto: „Besser als die Realität“, kämpfen die Menschen in der Außenwelt ums nackte Überleben. Eine große Rolle in diesem Werk spielen auch genetische Veränderungen. Auch hier wurde ein krasser Unterschied herausgearbeitet, indem die künstliche Genmanipulation in den Biosphären zur Verkümmerung der natürlichen Sinne führt, wohingegen der natürliche Lauf genau das Gegenteil bewirkt. Das Ausmaß der übernatürlichen Sinne in der Außenwelt und das Verhalten der Menschen, die sie besitzen, hat mich mehr und mehr in seinen Bann gezogen und richtiggehend fasziniert. Da unsere Welt nicht weit von Aria’s entfernt ist, von derartigen künstlichen Scheinwelten, weit weg von der Realität, nur dem Vergnügen erlegen, weg von Schmerz und allen negativen Eigenschaften, habe ich im Gegenzug pure Abscheu verspürt. Dieses widerwärtige Streben nach mehr - immer höher, immer weiter, immer schneller - welches die echten Werte des sozialen Gefüges vergessen lässt, ist auch heute schon mehr als genug vertreten. Das natürliche Feingefühl für die Emotionen anderer Menschen gerät nach und nach in Vergessenheit und das ist eine echte Schande. Es fällt immer mehr Menschen jetzt schon viel zu schwer sich Auge in Auge zu unterhalten und auf sein Gegenüber angemessen zu reagieren, stattdessen kommunizieren wir über sämtliche Medien und sind jederzeit erreichbar. Auch hier wird dies in extremer Form durch das „Smarteye“ ermöglicht. Veronica Rossi zeigt uns somit unsere Zukunft in zweierlei Hinsicht und das hebt die Geschichte doch ein wenig aus der Masse hervor.

Die Liebensgeschichte möchte ich unbedingt gesondert erwähnen, weil sie sehr zart, langsam und authentisch ist. Aria und Perry, wie sie verschiedener nicht sein könnten, treffen in einer Welt aufeinander, die kaum einen Raum für echte Gefühle übrig haben kann. Die kühle Abscheu, die Beide zu Anfang verspüren, wandelt sich erst bei näherem Hinsehen in etwas Wunderbares. Keine „Liebe auf den ersten Blick“ oder „Ich liebe dich für immer und ewig“-Kitsch. Nach einer vorsichtigen und relativ zeitintensiven Annäherungsphase, wächst ein zartes Pflänzchen der Liebe aus kargem Ödland empor und scheint keine Zukunft zu haben. Dieses Wissen um die Hoffnungslosigkeit ihrer Gefühle zueinander und die Loyalität gegenüber ihren Lieben, hat mich wirklich gerührt. Beide sind sehr streng mit sich und ihren Zielen, doch in Beiden lodert das Feuer der Sehnsucht und ein kleiner Hoffnungsschimmer sitzt tief in ihrem Inneren. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.

Die Personen empfand ich gerade zu Anfang eher dünn und mit wenig Tiefe. Dies hat sich aber nach und nach gegeben, trotzdem war es eine Sache, die mich sehr gestört hat.
Aria lernt man zuerst kennen. Sie befindet sich zu diesem Zeitpunkt in ihrer Heimat Reviere, einer der Biosphären und scheint in einer heiklen Situation zu stecken. Ihr gesamtes Auftreten wirkte auf mich emotionslos. Wie sie sich an ihr Smarteye klammert, wie sie sich und ihre beste Freundin einerseits ängstlich und zugleich berechnend in Gefahr begibt, hat mich einfach angewidert. Sie wirkte emotionslos, beinahe fremdgesteuert und dummgut. Sie erfüllt das komplette Klischee, was ich mir für einen derartigen Bewohner in einer abgeschotteten Welt der Illusion erschaffen hatte. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich mich absolut in ihr getäuscht habe, denn sie ist das genaue Gegenteil davon und ihre Beweggründe waren im Grunde sehr edel. Dennoch hat diese anfängliche Antipathie einfach ein Lesetief bei mir erzeugt. Sie macht im Laufe des Buches eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, lernt sich selbst, ihren Körper kennen und ihre wahren Fähigkeiten zu schätzen. Sie entdeckt sich und ihre Umwelt völlig neu und erwacht förmlich zu neuem Leben. Sie entwickelt ein extremes Durchhaltevermögen, scheint sich unglaublich schnell anzupassen und legt ihre Naivität fast völlig ab. Sie wird vorsichtiger, vorausschauend und sehr mutig.
Mit Perry hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Ein junger Wilder, ganz der Barbar, stürzt sich in eine Rauferei nach der anderen. Seine Gedanken drehen sich viel zu oft, um das erobern seines Stammes und somit den Tod seines Bruders. Er erfüllt in dieser Hinsicht ebenfalls das Klischee des barbarischen Wilden in der Außenwelt. Die Handlungstiefe hat mir zu diesem Zeitpunkt völlig gefehlt und er hat sehr unreif gewirkt. Er war sich sicher, dass sein Bruder nicht entscheidungsfreudig genug für die Sicherheit des Stammes ist und somit musste er weg. Er kam mir vor wie ein bockiger Teenager. Doch auch ihm, habe ich wirklich unrecht getan, denn er besitzt sehr viel Tiefe. Er ist voller Emotion, stark, ausdauernd, voller Mitgefühl, hat einen tollen Sinn für Gerechtigkeit und besitzt einen unbändigen Willen. Mit seiner Gabe hat er es in mancher Hinsicht leichter, doch sie ist auch eine Bürde. Es ist wunderbar zu erleben, wie er mit allem umgeht und die Sicht des Lesers auf die kleinen, besonderen Dinge im Leben lenkt. Er wurde mir von Seite zu Seite sympathischer und hat mich oft zum Nachdenken gebracht. Diese hartnäckige Vehemenz, die er in jede Sache legt, die er angeht und diesen kämpferischen Mut den er verströmt, haben mich restlos von seiner Persönlichkeit überzeugt. Wie er sich Aria nach und nach öffnet, ihr seine Emotionen und Gedanken versucht nahe zu bringen, sie fühlen lassen will, was er fühlt und seine Vergangenheit die er sachte Preis gibt, machen schließlich noch sehr viel Lust auf mehr.
Ich vermute, dass diese anfänglichen Antipathien gegenüber der Protagonisten und das erfüllen der „Klischees“ von Frau Rossi sogar beabsichtigt war. So kann man viel besser die Entwicklung erkennen.

FAZIT
Veronica Rossi hat mit „Gebannt“, dem ersten Teil einer Trilogie, ein einzigartiges Werk aus dem Genre der Dystopien erschaffen. Aber es ist sehr viel mehr als das. Durchzogen von fantastischen Elementen und einer Welt, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnte, hebt es sich aus der Masse empor und regt stark zum Nachdenken an. Auch wenn mich der Anfang überhaupt nicht überzeugen konnte, haben es die restlichen Seiten fast geschafft. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen.


Lost Land, Band 1: Lost Land, Die Erste Nacht
Lost Land, Band 1: Lost Land, Die Erste Nacht
von Jonathan Maberry
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Endzeit mal anders..., 9. Februar 2013
Zombies – die lebenden Toten oder auch Untote genannt, begleiten mich schon mehrere Jahre in Form von unzähligen Filmen. Auch Dokumentationen und Mythen habe ich anschauen „müssen“. Die meisten Filme zielen auf primitives Abschlachten und wenig Geschichte ab, der Grundtenor ist stets unheilvoll und die endzeitliche Stimmung hat mich dann doch meist in ihren Bann gezogen, so dass ich nicht mehr nur aus Solidarität zu meinem Mann derartige Szenarien angeschaut habe. ;)
Nun habe ich mit Lost Land meine Premiere in der „Zombieliteratur“ gelesen und bin durchaus angetan, sogar auf eine Art und Weise begeistert, die ich in dieser Form nun wirklich nicht vermutet hätte. Dieses erste Buch einer Trilogie von Jonathan Maberry birgt eine unglaublich tolle Story mit sehr viel Tiefe und nicht nur Stoff aus dem Albträume gemacht werden, sondern auch zum Nachdenken.

Der Schreibstil ist sehr locker und jugendlich. Ich habe direkt den 15-jährigen Benny vor Augen gehabt, wie er dieses unverblümte Gehabe eines Halbstarken an den Tag legt. Nicht selten musste ich über derartige Ausdrücke lachen, die sehr gut auch in den heutigen Jugendjargon passen. Die Dialoge zwischen ihm und seinem Bruder Tom waren ein absolutes Highlight für mich. Es war einerseits erfrischend anders und auflockernd, anderseits konnte es perfekt diese unheilvolle, angsterfüllte und scheinbar ausweglose Stimmung hervorheben. Der Autor hat in dieser Hinsicht den Schreibstil an die Entwicklung der Protagonisten bzw. speziell an Benny Imura’s Entwicklung angepasst.

Die Geschichte ist völlig anders, als ich erwartet hatte. Ich habe mit einer dieser typischen Filmstorys gerechnet á la Zombieland oder Dawn of the Dead. Weit gefehlt, hier tut sich etwas völlig anderes auf, was mich nicht selten innehalten lies und wirklich zum Nachdenken brachte. Die Zombies werden zwar typisch beschreiben – seelenlos, ohne Verstand, langsam, schlurfend, gierig nach lebendigem Fleisch etc., aber die konkrete „Hauptbedrohnung“ sind sie nicht (mehr). Das mag allerdings daran liegen, dass der Ausbruch der „Zombieseuche“ schon 14 Jahre zurück liegt und die Menschen sich rings um das Leichenland eine Art neue Zivilisation aufgebaut haben. So lernt man in den ersten Seiten das Leben kennen, dass die Menschen inmitten von Zäunen führen und vehement versuchen die lebenden Toten einfach auszublenden. Man erfährt hier und da Dinge über die Nacht des Ausbruchs, die in den meisten, mir bekannten Filmen thematisiert wird. Umso gebannter bin ich den Lauf der Geschichte gefolgt und habe mich regelrecht hinein gelebt und gedacht. Die Beweggründe der Menschen für ihr Verhalten waren höchst interessant geschildert und es gab so viele Arten der Verarbeitung bzw. mit der Situation umzugehen. Einfach grandios und ein Hauch gesellschaftskritisch.
Benny ist gerade 15 geworden und muss sich somit einen Job suchen, da er nicht wirklich fündig wird und sein Bruder Tom ein erfolgreicher Zombiejäger ist, entscheidet er sich nach langem Weigern dazu bei ihm in die Ausbildung zu gehen. Mit diesem Schritt beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und ein skrupelloser Kampf um Leben und Tod. Und dabei sind nicht die Zombies die größte Gefahr, sondern die Menschen selbst. Auch an dieser Stelle hat der Autor viel Wahrheit für unsere aktuelle gesellschaftliche Lage eingebaut. Wir brauchen keine Zombies um kaltblütige Mörder zu sein und hirnlose Taten zu verüben. Nicht umsonst hat der Mensch keine natürlichen Feinde - nur sich selbst.
Die letzten Seiten waren so spannungsgeladen, blutig, kämpferisch, rasant und gespickt von Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Eine hat mich ganz besonders aufatmen lassen, aber das solltet ihr lieber selbst lesen. ;)

Die Personen sind sehr authentisch und gut gelungen. Allerdings hatte ich zu Anfang ein Problem mit Benny. Ein aufmüpfiger Halbstarker, der vom Leben außerhalb der Stadt Mountainside keine wirkliche Ahnung hat, geht großspurig durchs Leben und hasst seinen einzigen Verwandten, der ihm noch geblieben ist, wegen zusammen gesponnener Halbwahrheiten. Er benimmt sich einfach so derart daneben, dass es mich an ein Kleinkind mitten in der Trotzphase erinnert hat. Das hatte auch nahezu nichts mehr mit Teeniealter und Pubertät zu tun, er ist einfach ein bockiges Kind, was seinen Willen nicht bekommt und sich deshalb schreiend auf den Boden wirft. Eine absolute Nervensäge. Der Grund, warum er seinen Bruder verachtet und für einen Feigling hält, liegt so viele Jahre zurück, dass er sich gar nicht der Wahrheit sicher sein kann, die er glaubt mit eigenen Augen gesehen zu haben. Er hat zudem keinen blassen Schimmer von dem Job, den sein großer Bruder ausführt und das auch noch sehr erfolgreich. Selbst das Ansehen und die Achtung, die seinem Bruder Tom von allen entgegen gebracht wird, scheint er einfach auszublenden und bewundert lieber mit gehirnamputiertem Grinsen ein paar Kopfgeldjäger, die der ganzen Stadt von ihren grausamen Schlachttouren erzählen. Spätestens da konnte ich nur noch den Kopf über ihn schütteln. Doch er macht eine wahnsinnig tolle Entwicklung durch, die ihn mir dann doch sehr sympathisch gemacht hat. Er lernt nun die wirkliche Welt kennen und auch seinen Bruder, er nimmt sich einige von Tom’s Eigenschaften an und entwickelt viel Stärke, Willenskraft, Mut und Durchhaltevermögen. Sein Sinn für Gerechtigkeit wächst in einem unaufhaltsamen Drang, die zu bestrafen, die in vollem Wissen das Leben anderer Menschen gefährden und nehmen. Er lernt Würde, Achtung und ein hohes Maß an Menschlichkeit kennen und schätzen. Er wird definitiv erwachsen und zerbricht nicht an den Geschehnissen, sondern geht gestärkt und entschlossen daraus hervor.
Tom hingegen war mir sofort super sympathisch. Er weiß um die negativen Gefühle von seinem Bruder, die er ihm gegenüber hegt. Doch er hat eine Engelgeduld, eine unbändige Stärke, ist ein genialer und geübter Kämpfer, zudem scheinbar furchtlos, vergisst jedoch nie die wahren Werte, hat ein wahnsinnig großes Herz, ist intelligent, gewieft, entschlossen, zögert keine Sekunde und handelt so tiefgründig und emotional, dass ich nicht selten sehr gerührt war. Schon allein die Art und Weise, wie er Benny versucht an seine Tätigkeit heranzuführen ist genial. Er ist unsagbar selbstlos, dass er so lange Zeit damit lebt, dass sein kleiner Bruder glaubt er, Tom Imura, wäre Schuld am Tod seiner Eltern und gleichzeitig erweist er so vielen (lebenden) Toten auf eine wunderbare Weise die letzte Ehre. Er gibt sich dafür in Gefahren, die Mal um Mal seinen Tod bedeuten könnten und nicht nur das, die Art wie er es „regelt“, würde mir ein Stück meines Herzens nehmen. Man könnte daran so leicht zerbrechen und das tut er in gewisser Weise auch, aber sein Maß an Selbstlosigkeit und dieser tolle Gerechtigkeitssinn, außerdem die Werte und Normen der Menschlichkeit, die er vehement vertritt, trägt er so fest verankert, dass er den Schutzschild besitzt, der ihm an eine bessere Welt glauben lässt, selbst wenn es erst nach seinem Tod geschieht. Ein echter Traummann. ;)
Nix ist eine sehr gute Freundin von Benny, sie ist zwar in ihn verliebt, doch wird dies vorerst nicht erwidert. VORERST, denn da bahnt sich dann doch bald eine süße kleine Lovestory an, die für meinen Geschmack jedoch nicht so gut gelungen ist. Sie wirkt irgendwie fehl am Platz und wenig authentisch. Etwa so: „Wir sind jetzt grad verzweifelt, dann küsse ich dich eben mal und ach es war toll, jetzt liebe ich dich vielleicht doch!“ Da es aber sehr im Hintergrund verläuft, ist es nicht weiter schlimm. Nix selbst war mir sofort sympathisch, sie hat feste Ziele, tolle Ansichten und ist die Erste, die aus Benny ein paar sympathische Charaktereigenschaften hervorkitzelt. Für ihr Alter ist sie sehr intelligent, selbstsicher und weitsichtig. Sie denkt ganzheitlich und hat eine scharfe Logik. Die ist wirklich tough und doch mit einer tiefen Emotionalität durchzogen, was sie weicher und zerbrechlicher wirken lässt. Ein schönes Mädchen mit Ecken und Kanten – perfekt.
Der Bösewicht muss natürlich auch erwähnt werden, da er nicht selten die atemlose Spannung trägt – Rotaugen-Charlie. Schon beim ersten „Treffen“, habe ich tiefe Abscheu empfunden und je mehr die Geschichte fortgeschritten war, desto hasserfüllter waren meine Emotionen. Ich habe innerlich gekocht und war nicht wenige Male absolut fassungslos über solch kaltblütige Skrupellosigkeit ohne jede Reue. Dieses Monster hat definitiv kein Gewissen!!!! Seine Anhänger folgen ihm fast ausschließlich aus Angst und diese ist eine mächtige Waffe.

FAZIT
Eine unerwartete Story über Zombies und das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Hier erwartet einen kein Horrorszenario, bei dem alle 5 Minuten ein Mensch zerfetzt wird, es ist eher beiläufig gefährlich, unheilvoll, tiefgründig und absolut nicht klischeebehaftet. Außerdem macht der absolut tolle Humor das Buch zu einem echten Must-Read. Die Liebesgeschichte und der „Anfangs-Benny“ lassen allerdings keine Höchstbewertung zu, nicht ganz. Ich bin wirklich wahnsinnig gespannt auf die Fortsetzung.


Cassia & Ky - Die Ankunft. Band 3
Cassia & Ky - Die Ankunft. Band 3
von Ally Condie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Alles hat ein Ende..., 9. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Reihe von Ally Condie war für mich von Anfang an kein Highlight, dennoch fand ich Teil 1 recht gut gelungen und die Idee war nett und ausbaubar. Leider ist dann „Die Flucht“ (Band 2) absolut daneben gegangen. Ich habe mich damals schon wirklich durch das Buch gequält, daher ist der Grund für das Lesen von „Die Ankunft“ und somit dem letzten Teil der „Cassia&Ky“-Trilogie, ausschließlich meiner Neugier zuzuschreiben.

Der Schreibstil ist recht einfach und flüssig, fast ein wenig zu subtil. Es gibt also wieder einige Beschreibungen, die man sich hätte sparen können. Dieses Ausschmücken unnötiger Details hat die ohnehin schon eher schlecht umgesetzte Idee noch um einiges langatmiger gemacht. Daher habe ich mich auch in diesem Band schnell gelangweilt. Das Hineinfinden in die Geschichte war einfach, ich konnte mich zügig an viele Details erinnern, allerdings war Teil 2 Story technisch schon nicht wirklich umfangreich, dass dies keine große Hürde darstellte.

Die Geschichte ist überschaubar und mit wenig Umfang. Auf den ersten 250 Seiten passiert fast nichts. Man liest aus drei Perspektiven – Cassia, Ky und Xander. Jeder hat seine Aufgabe in der Erhebung erhalten und alle drei Protagonisten verbringen scheinbar endlose Stunden damit, sich Gedanken über das „Was wäre wenn?“ oder „Was wohl der jeweils andere gerade macht/ ob es ihm/ihr gut geht?“ besteht. Man schaut also in das langweilige Alltagsleben und fragt sich, wohin das wohl alles führen mag.
Es ist eine schreckliche Seuche ausgebrochen, die es zu besiegen gilt, ein Heilmittel muss gefunden werden und dazu trägt jeder der Drei einen Teil bei. Xanders Geschichte ist hierbei die Interessanteste und hat das Lesen ab und an etwas schöner gestaltet. Wohingegen Cassia’s Part absolut leer und langweilig wirkte. Als sich die drei Schicksale schließlich vereinen, kommt durchaus ein gewisses Spannungslevel auf. Man hat das Gefühl bald ein großes Geheimnis zu lüften und möchte schnell erfahren, was es mit dem Steuermann und der Seuche wirklich auf sich hat. Es kam mir stets so vor, als würde ich eine wichtige Sache übersehen und müsste nur genauer hinschauen, um endlich Kenntnis darüber zu erlangen. Leider wurde ich auch in dieser Hinsicht mehr als enttäuscht. Die aufkeimende Spannung war schnell verpufft und es folgten leere Dialoge und langweilige Nebensächlichkeiten. Als schließlich alles aufgeklärt wurde, war ich wieder vollkommen unzufrieden, fast schon ein wenig verärgert. Sinnentleerte Floskeln und ebenso viele Zwischenhandlungen, die zu absolut nichts führten. Es ist eine so vielversprechende Idee, aus der schlichtweg viel zu wenig herausgeholt wurde. SCHADE!!! Die gesamte Geschichte ist weder gesellschaftskritisch, noch kann ich mir irgendetwas daraus mitnehmen. Vielleicht ist es daher einfach nicht meine Reihe.

Die Personen haben wenig Tiefe und Authentizität. Da die Protagonisten die Geschichte erst zum Leben erwecken, war es für mich umso schwieriger dem Verlauf zu folgen. Die Handlungsweisen haben oft keinen Sinn ergeben und wirkten wenig sympathisch. Zumindest Cassia und Ky kann ich nicht einmal näher ausführen, weil ich weder eine Entwicklung erkennen konnte, noch eine tief greifende Charakteristik. Auch die Liebesgeschichte, die zart und schön begann, wirkt plump und unglaubwürdig.
Xander war schon in Teil 1 und 2 mein persönlicher Sympathieträger und auch in diesem Band konnte er mich durchaus überzeugen. Er ist Arzt (Medic) und besitzt ein hohes Maß an Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft. Seine eigenen Bedürfnisse setzt er hinter die der Patienten und erfüllt aufopferungsvoll und mit absoluter Hingabe seine Pflicht. Dennoch ist er ein gebrochener Mann und hat durchaus mein Mitleid erregt. Er scheint sein Glück einfach nicht finden zu können und gibt nahezu alles auf, was ihm etwas bedeutet hat. Mit ihm habe ich gelitten und das Beste gehofft. Wäre seine Rolle nicht gewesen, hätte ich wohl zum ersten Mal über den Abbruch eines Buches nachgedacht.

FAZIT
Alles in allem ist „Die Ankunft“ eine echte Enttäuschung. Da ich nach „Die Flucht“ nicht allzu hohe Erwartungen hatte und dennoch den Ausgang der Geschichte kennen wollte, bin ich jedoch froh, dass ich es gelesen habe, gleichzeitig aber, dass es nun vorbei ist.
Für jene, denen die Reihe bisher zugesagt hat, wird auch dieser Teil sicher keine Enttäuschung sein. Wer allerdings, wie ich, nicht richtig warm werden konnte, wird auch an Band 3 leider keinen Gefallen finden.


Kyria & Reb, Band 01: Bis ans Ende der Welt
Kyria & Reb, Band 01: Bis ans Ende der Welt
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Princess auf Abwegen..., 9. Februar 2013
Ich weiß gar nicht mehr, wann ich Kyria&Reb gekauft habe, allerdings liegt es schon einige Monate in meinem Regal herum. Es musste einfach erlöst werde, vor allem weil der 2. Teil jetzt im Januar erschienen ist. Nach dem Auslesen, habe ich mich nur noch gefragt, warum ich dieses Schätzen so lange habe warten lassen. Das war ein echter Fehler.

Der Schreibstil ist sehr speziell und etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich mochte ihn von der ersten Sekunde an. Er ist sehr jugendlich und ein wenig fremdartig, dennoch flüssig, humorvoll und wunderbar einfach, sodass man locker leicht über die Seiten fliegen konnte und das Ende viel zu schnell erreicht war. Zudem ist nahezu jede Zeile von einer zielführenden Cleverness durchzogen, was sehr viel Tiefe in die Geschichte bringt.
Nicht nur witzige, sondern auch sehr kluge Sprüche werden einem geboten. Ein wenig seltsam war es, dass in der wörtlichen Rede sehr häufig englische Worte vorkamen, aber das hat den jungen Protagonisten eine zusätzliche Leichtigkeit verliehen. Die Dialoge zwischen Kyria und Reb waren einfach genial. Das gegenseitige Necken, die kurzen „abgehackten“ Sätze und dieser jugendliche Humor, haben mich wirklich in ihren Bann gezogen.
Die Namen und Bezeichnungen von Menschen und Städten sind ein echter Sprachmix und genau das war es, was anfangs etwas fremdartig wirkte. Nach einer kurzen Phase des Einlesens, war jedoch auch das sehr angenehm.

Die Geschichte ist zumindest in einer Hinsicht absolut außergewöhnlich. Die Frauen regieren die Welt. Ich fand die Vorstellung grundsätzlich eher befremdlich. Die Art und Weise, wie die Damen leben und was sie vor allem aus den Männern machen, hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich bin aber generell kein Fan von mächtigen Damen.
Es beginnt sehr rasant. Schlag auf Schlag wird man mit allerlei Geheimnissen, Intrigen und Machenschaften konfrontiert, wobei Kyria, die Hauptprotagonistin, nicht selten Opfer ist. Sehr gelungen fand ich ebenfalls, dass das Zusammentreffen der beiden Hauptprotagonisten nicht endlos in die Länge gezogen wurde. Schnelle und präzise Entscheidungen wurden getroffen und Pläne so energisch geschmiedet, wie ausgeführt. Daher kam zu keiner Zeit lange Weile auf. Gerade auch die Flucht aus NuYu (New Europe) ging so eilig von statten, dass man kaum die Möglichkeit hatte darüber nachzudenken, welche Gefahr hinter den ganzen Geschehnissen lauern könnte. Mal um Mal war ich derart überrascht über sämtliche Entwicklungen, dass ich aus dem Staunen kaum mehr heraus kam. Allerdings war ich in manchen Dingen einfach misstrauischer als die Protagonisten und als dann gar nichts Schlimmes passiert ist, war ich auch wieder erstaunt. Die Autorin hat eine Art, den Leser immer nur mit kleinen Informationen zu füttern, das große Ganze versteht man so erst sehr spät, aber genau das verursacht diese Schnelligkeit und Spannung.
Die Maßnahmen von New Europe für die Menschen, die sich ihrer Macht entziehen sind mir wirklich ein wenig an die Nieren gegangen, weil wir von derartigen „Geschützen“ absolut nicht weit entfernt sind. Was gibt es Schlimmeres als furchtbare Seuchen aus dem Labor? Viren, die gezüchtet wurden um zu Töten - Menschen auf die grausamste Weise, die man sich vorstellen kann, dahinzuraffen. Derartige Widerwärtigkeiten zur Machtausübung zeugen von absoluter Kaltherzigkeit.
Das wunderbare an dieser Geschichte ist, dass erst vermuten lässt, dass die Autorin der Männerwelt nicht sonderlich angetan ist, im Handlungsverlauf aber durch scharfen Verstand und tolle anschauliche Beispiele das Gegenteil bewiesen wird. Männer und Frauen sind definitiv gleich wertvoll und wichtig. Das wir manchmal weder mit, noch ohne einander leben können, liegt einfach in unserer Natur und das ist auch gut so. Am Ende hat jeder seine Stärken und Schwächen, die es zu vereinen gilt. Diese Aussage kommt zwischen den Zeilen sehr deutlich zum Vorschein.

Die Personen sind sehr gelungen, wenn auch anfangs keine Charmebolzen. ;)
Kyria „Die Herrin“ ist wohlbehütet aufgewachsen, erfährt aber zu ihrem 17. Geburtstag, dass sie an einer Erbkrankheit leidet, die früher oder später zum Tod führen wird. Schon als Kind war sie bei jeder Kleinigkeit im Heilhaus untergebracht und stets sehr bemuttert worden. Sie merkt allerdings schon sehr früh, dass sie dem bestehenden Männerideal und dem vorherrschenden System nicht viel abgewinnen kann. Als sie Reb zum ersten Mal begegnet verspürt sie sofort ein tiefes Vertrauen und flüchtet schließlich mit ihm in die Subcultura (Außenbezirke). Sie hat eine herrische und dennoch weiche Art. Ihr Leben lang wurde ihr ein völlig verschobenes Bild von der Wirklichkeit vorgelebt, jedoch passt sie sich sehr schnell an die Veränderungen an. Ihr Selbstvertrauen ist durch die ewige Sorge nachhaltig geschwächt. Sie traut sich wenig zu und hat bei Kleinigkeiten Angst um ihr Leben. Am Anfang hat sie mich damit schon etwas genervt. Im Laufe der Geschichte lernt sie vor allem aber durch Reb eine andere Seite der Welt und sich selbst kennen. Sie benimmt sich durchaus noch eine Weile wie das verwöhnte Prinzesschen aus gutem Haus. Ihr Entsetzen und Ekel über die Lebensweise in den Außenbezirken fand ich dabei aber sehr amüsant. Ihre Entwicklung ist dann schlussendlich aber wunderbar. Sie wird in kürzester Zeit zu einer starken und selbstbewussten Persönlichkeit.

Reb „Der Rebell“ war mir von Anfang an total sympathisch. Er ist aufmüpfig, überheblich und hat immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Nicht selten fällt es ihm leicht seine Mitmenschen zu verärgern. Der großspurige Frauenheld, scheut keine Gelegenheit sich den ein oder anderen Flirt zu genehmigen. Zum Leidwesen von Kyria, denn sie erkennt recht schnell ihre Gefühle zu ihm. Doch da schlummert noch mehr in ihm. Eine tiefe Zerrissenheit und eine Vergangenheit, um die ihn keiner beneidet.

Die Liebesgeschichte ist wunderbar, authentisch und entwickelt sich sehr langsam. Durch die ständigen Neckereien und Stänkereien am Anfang der Geschichte wird man gut bei Laune gehalten. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp, der die Spannung in dieser Hinsicht sehr anheizt, denn man ahnt ja aufgrund des Buchtitels schon den Ausgang der Sache. Dieser war jedoch für ein Jugendbuch sehr überraschend. Ich fand es super, denn es war einfach anders und so unvorhergesehen.

FAZIT
Eine deutsche Dystopie, die es absolut lohnt gelesen zu werden. Nach einer kurzen Phase, in der mir alles etwas befremdlich vorkam, hab ich dieses Werk förmlich verschlungen. Es enthält viele Werte und Inhalte, die über das Lesen hinaus Stoff zum nachdenken bieten. Ich war absolut positiv überrascht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst dachte, es sein ein zweites „Cassia&Ky“. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung. Zur Höchstbewertung reicht es also nicht ganz, aber es fehlt nur ein winziger Hauch..


Kyria & Reb - Die Rückkehr
Kyria & Reb - Die Rückkehr
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Princess und Rebellenlümmel, 9. Februar 2013
„Leben ist zäh.“ Tja, das ist es wirklich. Doch man ist bekanntlich seines eigenen Glückes Schmied und genau das war zauberhaft authentisch in dieser Geschichte dargestellt. Doch damit nicht genug, Teil 2 von Kyria&Reb ist spannend, mitreißend, emotional, dramatisch und skrupellos. Es zeigt eine fremde Welt in all ihren wunderbaren und gleichzeitig grausamen Facetten, inmitten dieser Zerrissenheit bäumt sich eine stürmische junge Liebe auf.

Der Schreibstil ist nach wie vor etwas ganz Besonderes. Ich hatte mich bereits bei Teil 1 schnell daran gewöhnt und diese Andersartigkeit sogar schätzen gelernt. Auch in diesem Band hat mich die außergewöhnliche, etwas schroffe und jugendliche Art verzaubert und in seinen Bann gezogen. Frau Schachts Stil ist absolut passend für diese Geschichte, denn er trägt das Ganze. So wie die Autorin uns Stück für Stück NuYu (New Europe) zeigt, passt sie auch die Art des Schreibens an. Je mehr man erfährt, desto weitreichender und subtiler wird auch der Schreibstil, allerdings auf eine sehr angenehme Art und Weise.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf und ein Geheimnis nach dem anderen wird aufgedeckt. Es kam mir teilweise so vor, als wäre ich mitten in einer Mordkommission und würde mit den Protagonisten gemeinsam Indizien sammeln. Es war stets eine unheilvolle Stimmung zu verspüren, man hatte das Gefühl Niemandem mehr trauen zu können und Teil von etwas Großem und abgrundtief Bösem zu sein. Oft schien die Lösung so einfach, doch am Ende steckte soviel mehr dahinter. Ich war vor allem auf den letzten Seiten wie gebannt und wollte endlich Erkenntnisse und Erklärungen für derartige Unmenschlichkeiten. So viele Geheimnisse, Intrigen, Lügen, Verdächtigungen, Anschläge, Doppelleben und Pläne haben die Spannung nahezu die ganze Zeit auf einem guten Level gehalten. Zwischendurch gab es allerdings Passagen, deren Sinn ich für das große Ganze bis zum Ende nicht gesehen habe. Ich vermute sie sollten etwas Ruhe in die aufbrausende und ereignisreiche Zeit bringen, für mich waren es allerdings eher unnötige Unterbrechungen im Handlungsfortgang. Das hat mich dann zeitweise in eine kleine Flaute fallen lassen und das Weglegen fiel mir nicht schwer. Zum Glück waren nur sehr wenige dieser Augenblicke vorhanden und ab Seite 200 bin ich nur noch durch die Seiten geflogen.
Ich war auch bei diesem Teil begeistert über die Tiefe und Intention der Story. Man kann einfach soviel für sich selbst mitnehmen. Armut/ Reichtum, Angst vor Seuchen, totale Kontrolle, Kommunikation, Politik, Obrigkeiten, Hungersnot, Korruption, Werte und Normen einer Gesellschaft und so vieles mehr wurde hier behandelt und zu einer absolut lohnenswerter Story gesponnen.

Die Liebesgeschichte ist ein absolutes auf und ab der Gefühle. Teil 1 hat in dieser Hinsicht sehr viel versprochen und im Großen und Ganzen, hat Band 2 diese Erwartungshaltungen auch erfüllen können. Ab und an, hat mich dieses ewige Hin und Her genervt, vor allem weil die Beweggründe nicht immer deutlich herausgearbeitet waren. Die gemeinsame Zeit von Kyria und Reb war sehr süß, dennoch stürmisch und voller Leidenschaft. Die eigentliche Erkenntnis über ihre Gefühle und Empfindungen zueinander kamen jedoch stets in Verbindung mit anderen Personen. Die Entwicklung der Beziehung war somit eher zurückhaltend und etwas zäh, aber genau das hat es authentisch gemacht. Zuneigungsbekundungen gab es allerdings nicht nur zwischen den Beiden. Küsse wurden, meiner Meinung nach, sogar sehr großzügig verteilt, was ich etwas merkwürdig fand. Ob zum Dank, zur Begrüßung, zum Abschied oder ganz spontan, die Münder sämtlicher Charaktere haben sich absolut zur Genüge gefunden. Diese Tendenz war bereits in Teil 1 zu bemerken. Nicht, dass mich das sonderlich gestört hätte, aber es wirkte irgendwann einfach abgestanden und übertrieben.

Die Personen haben sich deutlich vermehrt. :D Man lernt also einige neue „Gesichter“ kennen, die der Geschichte absolut zuträglich sind. Auch bereits vorhandene oder kurz erwähnte Charaktere rücken in den Fokus der Geschehnisse. So bekommt Kyria eine wichtige Freundin, eine Chefin, eine Aufpasserin und weitere ihr wohlgesinnte Menschen. Ein paar süße und gewitzte Bengelchen aus der Subcultura erwecken ihren Sinn für soziales Verhalten zu neuem Leben und giftige Kunden rufen sie zu ungewohntem Gehorsam.
Kyria macht generell eine wundervolle Entwicklung durch. Schon in Teil 1 wurde sie von der überbehüteten, naiven Elitezicke zu einer starken und eigenständigen Persönlichkeit, die sich an jede Lebenslage anzupassen weiß. In diesem Band webt sie in ihre ohnehin schon tolle Art ihre Erfahrungen ein und trifft präzise und sinnvolle Entscheidungen für sich und ihre Mitmenschen. Sie zeigt einen unglaublich starken Willen und beweist auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. Sie bietet den übelsten Halunken die Stirn und zeigt den Ärmsten ihr Mitgefühl. Ihr Gerechtigkeitssinn und die Jagd nach der Wahrheit lassen sie nicht verbissen werden, im Gegenteil, sie lernt das zu schätzen, was wichtig ist. In jeder Rolle, in die sie schlüpfen muss, beweist sie eine Souveränität, die mich ab und an wirklich überrascht hat. Sie versucht stets das Beste zu erreichen und stellt ihre Belange an letzte Stelle. Dass dies auf Dauer kein Ausweg ist, zeigen ihre zeitweise herzzerreißenden Gefühlsausbrüche, die sie mir noch um einiges sympathischer gemacht haben. Soviel Emotion ist in jeder Hinsicht einfach wunderbar.
Reb ist nach wie vor der humorvolle Rebellenlümmel mit immer frechen Sprüchen auf den Lippen und wenig Achtung gegenüber Respektspersonen. Wenn er auftaucht, wird es definitiv niemals langweilig. Diesmal darf man auch einige Passagen aus seiner Perspektive genießen und recht tief in sein Gefühlsleben schauen. Ich muss gestehen, dass ich ihm am Liebsten manchmal einen kleinen Schubs gegeben hätte. Sein Selbstwertgefühl ist sehr geschwächt und er sieht sich nicht würdig geliebt zu werden, stattdessen versucht er sich und sein Ego zu belohnen, sei es durch waghalsige Wagenrennen oder aufreizende Verehrerinnen. Doch da schleicht sich immerzu eine klammernde „Princess“ in seine Gedanken und löst ungewohnten Frieden in ihm aus. Er kann sich Kyria nicht entziehen und straft sich viel zu oft mit Entscheidungen, die er für das Beste hält, aber nur Kummer hervorrufen. Zuckersüß ist seine Erkenntnis der Liebe zu Kyria, ein wenig naiv und doch felsenfest, sickert nach langem Hin und Her die Wahrheit auch in seinen Verstand. Das seltsam wohlige Gefühl im Bauch, der zarte Schleier, der sein Herz umfasst schlummert schließlich schon viel länger in ihm. Dennoch waren mir auch danach einige Reaktionen und Handlungen zu zögerlich beziehungsweise abweisend. Nach gerade erwähnter Erkenntnis habe ich mir das etwas anders gewünscht und als störend empfunden. Es war einfach ein unnötiges Herauszögern, denn erst durch fremde Hilfe hat der sonst so entschlossene Rüpel die Kurve bekommen.

FAZIT
Auch in Teil 2 bekommt man sehr viel geboten. Ein kleiner Krimi, waghalsige Wagenrennen, das Leben in den verschiedenen Schichten, von Luxus, über gutbürgerlich bis hin zum Bettler war alles dabei. Authentizität und ein außergewöhnlicher Schreibstil runden das Ganze zu einer absolut lesenswerten Geschichte mit wenigen Mängeln ab.
Hinter diesem wunderschönen Buchdeckel wartet also eine total gelungene Fortsetzung. Ich habe vor kurzem gelesen, dass damit die Reihe abgeschlossen ist, was ich ein wenig Schade finde, da doch noch einige ungeklärte Sachverhalte vorliegen. Lassen wir uns also überraschen, ob vielleicht nicht doch noch etwas kommt. Ich wäre nicht abgeneigt. ;)


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