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BecciBookaholic

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Die Verschworenen: Band 2
Die Verschworenen: Band 2
von Ursula Poznanski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniale Logik in starken Worten, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Verschworenen: Band 2 (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Ria und ihre Freunde finden unterirdisch Schutz bei dem Dornenclan. Nicht alle wissen jedoch vom weiteren Verbleib der ehemaligen Sphärenbewohner. Die Dornen schweben bald darauf zunehmend in Gefahr. Feindliche Clans verüben Angriffe und Gruppen von Sentinel streifen im Gebiet umher. Schnell müssen sie feststellen, dass sie auch hier nicht in Sicherheit sind. Aureljo begibt sich mit Eifer an die geplante Rückkehr in die Sphären, unterdessen forscht Ria nach Jordans Chronik und wird sogar fündig. Ihre Erkenntnisse sind jedoch undeutlich und verworren. Die Ausweglosigkeit und das fehlende Sonnenlicht unter der Stadt machen ihr schwer zu schaffen. Ihr einziger Lichtblick sind die heimlichen Treffen mit Sandor, der ihr mit jedem Ausflug mehr zu bedeuten scheint. Doch dann geschieht ein Unglück und nichts ist mehr wie es war…

Meinung
Es kam wie es kommen musste. Als ich „Die Verratenen“ damals beendet hatte, hätte ich schwören können, dass mir jede Sekunde des Wartens auf die Fortsetzung eine wahre Qual sein wird. Nun war es endlich soweit. Eine der besten Dystopien ging in Runde 2 und ich war erneut völlig sprachlos vor Begeisterung. Es war sogar noch besser als Teil 1, was ich bis dato nicht für möglich hielt.

Der Schreibstil ist ein Meisterwerk in sich. Frau Poznanski ist für mich eine absolute Schreibgöttin. Jede kleinste Zeile trägt die Atmosphäre und Handlung dieser Reihe so authentisch und passend, dass man nicht anders kann als der Realität völlig zu entgleiten. Die Kälte und der Kampf ums Überleben waren auch in diesem Teil ein ständiger Begleiter. Den Emotionsfluss hat die Autorin in ihrer üblichen Genialität wieder direkt an meine Synapsen geklemmt, sodass ich nicht nur einfach Leser war, sondern viel mehr Teil der Geschichte. Das Tempo war in diesem Band noch rasanter, was ebenso der Fülle an Emotionen zu verdanken ist. Diese Authentizität und Stärke ihrer Worte lies jede Seite zu einem Erlebnis der Sonderklasse werden. Ebenso begeistern konnte mich die Vielfalt der Schauplätze und deren Detailtreue. An jedem Ort, an den mich die Protagonisten führten, durchdrang mich die Schwere der Unbekanntheit und dennoch konnte ich jeden kleinsten Bestandteil erkennen, ohne dass Frau Poznanski ihn erwähnen musste. Es entwickelte eine Art Eigendynamik und die Bilder projizierten sich vor meinem inneren Auge immer deutlicher. Auch das schaffen Autoren selten - den Raum für mehr, der die eigene Fantasie zu Höchstleistungen anspornt.

Die Geschichte hat es mir bereits in Teil 1 angetan. Im Nachhinein musste ich feststellen, dass viele Dinge aus „Die Verratenen“, die ich für schmückendes Beiwerk hielt, schließlich einem so genialen Scharfsinn unterlagen, dass ich nicht selten völlig begeistert kurz inne hielt.
Frau Poznanski verarbeitet Zeile um Zeile so viele Details und Informationen, dass man ab und zu vermeintlich die Übersicht verliert beziehungsweise nicht gleich erkennt wohin so manche Geschehnisse führen sollen. Was sich dann im Laufe des Erzählstranges auftut ist gigantisch. Es war ein Wechselbad der Gefühle und genau das ist es, was mich an dieser Reihe so beeindruckt. In manchen Passagen kann man sich kaum retten vor Spannung und die Autorin schafft es immer wieder aus diesen Situationen das Maximale herauszuholen, sodass man kaum noch zu Atem kommt und schon das Umblättern der Buchseiten hinderlich wirkt.
Der Gegenpart dazu waren die ruhigen Analysen. Man konnte förmlich zusehen wie sich in diesen nachdenklichen Schritten ein Puzzleteil nach dem anderen zusammensetzte. Dies mündete meist in brillante Erkenntnisse. An jenen Stellen glaubte ich fast zu ertrinken in der Bedeutsamkeit der rasanten Wendungen. Wenn sich wieder ein Kreis schloss, konnte ich oft gar nicht fassen, welcher genialen Logik alles folgt. Als endlich Licht ins Dunkel kam und ich erkennen musste, dass ich alles was bisher war eher wie hinter einem Schleier erlebte. Erst dann, als ich die tatsächliche Wahrheit in ihrer rohen Form erfasste, bemerkte ich, dass ich die ganze Zeit über blind vor eigenen Erkenntnissen war. Es ist alles so gezielt eingesetzt, dass ich oft mit geweiteten Augen und offenem Mund nach Fassung ringen musste. Die gesamte Entwicklung der Geschichte verwob sich mit dem Vorankommen der Protagonisten zur Aufklärung ihrer misslichen Lage. Es beginnt sehr ruhig, düster und aussichtslos. Alles scheint auf eine Sackgasse zuzuführen und die Unsicherheiten weiten sich zu einer scheinbar unbezwingbaren Krise aus, bis man schließlich vor diesem einem Abgrund steht und alles keinen Sinn mehr ergibt. Doch plötzlich kommt die rettende Erkenntnis, obwohl sie die ganze Zeit greifbar war. Ein Ereignis jagt das nächste, das Spannungslevel steigt und steigt, bis es förmlich zum zerbersten gespannt ist und schließlich entlädt sich alles in einem derartig vollkommenem Abschluss, dass es einem den Boden unter den Füßen wegreißt.

Die Personen bleiben gewohnt authentisch. Vor allem die Protagonistin Ria ist ein echtes Juwel. Schon allein ihre Gabe, die Menschen in ihrem Umfeld derart „manipulieren“ zu können, beeindruckte mich nach wie vor. Sie scheint eine Meisterin der Emotionskontrolle zu sein und weiß dies auch feinsinnig einzusetzen. Ich mochte ihre Art von der ersten Sekunde an. Eine wahnsinnig intelligente, junge Frau, deren alles überdeckender Gerechtigkeitssinn sie zu genialen Denkleistungen anspornt. Sie wirkt in diesem Teil sehr grüblerisch, zieht ständig neue Schlüsse, hinterfragt alles und wirft bereits gewonnene Erkenntnisse zurück in die Wagschale, um die Dinge auch noch aus anderen Perspektiven zu betrachten. Ich mochte die Situationen in denen sie völlig in Gedanken versunken alles bis ins Kleinste analysierte. Wie schon erwähnt erlangt man als Leser so die nötige Ruhe, die zwischen den spannungsgeladenen Ereignissen für die nötige Erholung sorgt. Damit führte mich Ria so in wahre Begeisterungsströme. Es war in vielerlei Hinsicht wie detektivische Aufklärungsarbeit. Sie ist in ihren Bestrebungen rund um die Lösung ihrer verzwickten Lage so mutig, hartnäckig und stark, dass man beinahe glaubt, sie sei unbezwingbar. Doch auch für diese Sache hat die Autorin ein Schlupfloch - die Liebe. Hier führt sie Ria in ihrer fast überirdischen Logik wieder zurück in die Menschlichkeit, was es mir noch leichter machte, sie auch einfach zu lieben.
Aureljo war in seinen Handlungen schon von Band 1 an der beständigste. Er ist die gesamte Zeit über mit der Verwirklichung seiner Pläne beschäftigt und lässt sich durch nichts davon abbringen. Er ist so überzeugt von seiner Idee, dass kein Platz für Zweifel bleibt. Es grenzte schon an Starrsinn. Er war für mich nie ein wirklicher Sympathieträger, weil ich generell kein Fan von Nüchternheit bin. Auch wenn ab und an ein wenig Emotion hindurch scheint, war er doch die meiste Zeit der sachliche Anführer.
Sandor hingegen bekam in „Die Verschworenen“ mehr Raum. Auch wenn seine Entwicklung recht typisch für dieses Genre ist, mochte ich ihn. Jedoch konnte auch er mich nicht restlos in seinen Bann ziehen. Seine Bedeutsamkeit, die Handlung betreffend, hingegen schon. Er verursachte so manches geniales Schlüsselereignis. Ich schwankte ständig zwischen Sympathie, Abscheu, Ratlosigkeit und Entzücken. Gerade die Unbeständigkeit und damit wohl das krasse Gegenteil von Aureljo, brachten ihm diese unabdingbare Relevanz für den Handlungsstrang ein. Er ist das beste Beispiel dafür, dass man manche Emotionen nicht kontrollieren kann und auch nicht sollte. Sein Charakter spiegelt in vielerlei Hinsicht die gesamte Atmosphäre der Geschichte wider – ein Wechselbad der Gefühle.
Da Sympathie jedoch nichts mit der Bewertung an sich zu tun hat, kann man der Autorin einmal mehr auf die Schulter klopfen, denn soviel Tiefe und überragend ausgearbeitete Personen, gelingen nur selten. Auch jeder noch so kleine Nebencharakter trägt in wunderbarer Weise zum großen Ganzen bei. In diesem Buch ist einfach nichts dem Zufall überlassen und diese Art, wie alles einem tieferen Sinn folgt, liebe ich.

Fazit
Mit dieser Fortsetzung konnte mich Frau Poznanski erneut absolut begeistern. In „Die Verschworenen“ zeigt sie einmal mehr, welch genialer Logik diese Geschichte folgt. Jeder Zeile verleiht sie mit ihren starken Worten einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Die Realität wird zur Nebensache und man beschreitet mit absolut tollen Protagonisten den Weg in eine großartig erdachte Welt. Doch damit nicht genug, denn am Ende entlädt sich die kontinuierlich aufgebaute Spannung in einem brillanten Finale. Nach dem Ausgang dieses Mittelbandes schmachte ich nach dem Abschluss der Reihe, denn dieser verspricht überwältigend zu werden.


Ich fürchte mich nicht: Roman
Ich fürchte mich nicht: Roman
von Tahereh Mafi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich in jeder Zeile, 13. Dezember 2013
Inhalt
Sie ist ein Monster. Wer sie berührt bezahlt mit dem Leben. Sie ist eine weggesperrte Ausgestoßene. Niemand sollte sich ihr nähern.
Juliettes Leben war schon immer kompliziert. Mit ihrer seltsamen Gabe, wurde sie selbst von ihren Eltern verstoßen. Liebe, Zuneigung und die Gunst anderer Menschen blieben ihr, Zeit ihres Lebens verwehrt. All ihre Handlungen verbreiteten Angst und Schrecken.
Die Inhaftierung in eine vermeintliche Irrenanstalt sieht sie als Endstation. Doch schon bald wollen die Machthaber sie als Waffe benutzen. Diese Rechnung haben sie jedoch ohne Juliette gemacht, denn sie wird sich nicht so leicht geschlagen geben. Sie will kämpfen! Und sie ist nicht allein, an ihrer Seite ist Adam, der wohl einzige Mensch, der Juliette als den Menschen sieht, der sie ist.

Meinung
Der Schreibstil ist sehr besonders. Im ersten Augenblick sogar eher befremdlich als angenehm. Die ganze Schriftführung und Aufteilung der Sätze ist völlig neu. Hinzu kommt die sonderbare Darstellung der Gedanken der Protagonistin Juliette. Die Autorin arbeitet gezielt mit Wortwiederholungen und durchgestrichenen Sätzen. Im Gesamtbild wirkt dies schließlich unglaublich echt und intensiv. Man fühlt sich als Leser direkt in das Seelenleben von Juliette versetzt. Somit werden zu Anfang detaillierte Beschreibungen unnötig und genau das hat mich absolut fasziniert.

Die Geschichte ist im Grunde recht simpel aufgebaut und auch eher typisch. Dennoch empfand ich nahezu jede Zeile als besonders. Schon zu Beginn gerät man Mitten in Juliettes Leben, wenn man es überhaupt noch so nennen kann. Man erfährt zwar von ihrer schrecklichen Vergangenheit, jedoch vorerst absolut nichts über die äußeren Zustände. Man gleitet in ihren Tag und damit in ihre tiefsten Empfindungen. Als aller erstes wurde mir das Herz wirklich schwer, denn ein Leben ohne Geborgenheit, Liebe und Zuneigung ist wohl kaum vorstellbar. Nach und nach lernt man Juliette und die Welt, in der sie lebt besser kennen. Erst nach einer Weile stellte ich fest, dass es sich tatsächlich um eine Dystopie handelt. Doch dies war fast schon nebensächlich, denn ich empfand in Vielerlei Hinsicht ein Flair von X-Men, was mich sofort begeistern konnte. Vor allem als man erfährt, dass die Protagonistin nicht die Einzige mit sonderbaren Fähigkeiten ist. Ich hing nur noch an den Seiten und wollte mich gar nicht wieder trennen. Es war einfach auch unglaublich spannend und genial umgesetzt. Die Autorin hat aus dieser recht einfachen Grundgeschichte soviel herausgeholt, dass ich gar nicht anders konnte, als durch die Seiten zu fliegen. Manchmal hielt ich kurz erstaunt inne und kaum schlug eine Erkenntnis wie ein Blitzschlag ein, lechzte ich schon nach der Nächsten. Ab einem bestimmten Punkt konnte man sich kaum noch vor Spannung retten und das in vielerlei Hinsicht. Wenn sich nicht gerade die Handlung überschlug, trumpfte die Liebesgeschichte auf. Diese einerseits ruhigen und sinnlichen Momente brachten auf emotionaler Ebene doch sehr viel Spannung mit sich, denn diese Gefühle blieben Juliette bis dato in ihrem Leben verborgen und nun kamen alle aufgestauten Empfindungen ans Tageslicht. Es war so rührend und genial beschrieben, dass ich tatsächlich ein wenig in Schwärmerei geriet. Man gönnt es ihr so, dass sie endlich Liebe erfahren darf und die Autorin hat daraus ein wahres Leseerlebnis gestrickt.

Die Personen, allen voran Juliette fügen sich perfekt in diese sehr gut durchdachte und vor allem umgesetzte Geschichte ein. Zugegeben, ich war am Anfang etwas irritiert. Die Protagonistin sticht sofort so intensiv hervor, dass man kaum erkennen kann, um was es geht. Was vor allem am Schreibstil und den damit verbundenen Eigenarten einhergeht. Ihre Vorliebe für Zahlen und verschiedene Mantras fällt in dieser Hinsicht schwer ins Gewicht. Man fühlt sich tatsächlich in eine Anstalt versetzt. Ich wollte schon meine erste Meinung über sie fällen und zwar, dass sie auf jeden Fall einen kleinen seelischen Knacks hat und durchaus als Verrückte durchgeht. Bis ich plötzlich hinter ihre Mauern direkt auf ihr Inneres schauen durfte und damit beinahe mit ihren Wahrnehmungen verschmolz. Man fühlt sich der Protagonistin ganz plötzlich unglaublich nah.

Obwohl dieses arme 17-jährige Mädchen kaum eine positive Emotion in ihrem Leben erfahren durfte, ist ihr ganzes Verhalten geprägt davon. Schnell stieg eine gewisse Bewunderung in mir auf. Nie geliebt oder berührt, nie geschätzt und immer als ein Monster gesehen, quält sie sich durch den Alltag. Doch sie bringt so unendlich viel Verständnis für andere auf. Beinahe von Selbsthass zerfressen versucht sie bereitwillig jedem eine Chance zu geben. Im Laufe des Buches lichtet sich das Dunkel in ihrem Inneren und ihr ganzes Verhalten, ihre Emotionen sind so wahnsinnig sinnlich und intensiv, dass ich erstaunt war. Es wirkt als habe sie all diese Dinge zum Schutz vor sich selbst eingesperrt und alles bricht mit der Veränderung der Umstände aus ihr hervor. Im Hinblick auf Adam, den sie von früher kannte und der einer der wenigen Menschen war, der auch Juliette als seinesgleichen und nicht als ein Monster sah, nahm ihr Leben eine schöne Wendung. Adam zeigt sich vorerst eher egoistisch und unbedarft, doch bald öffnet er sich und hervor kommt eine so einfühlsame und gutherzige Seite, dass ich ihn sofort mochte. Die Chemie zwischen ihm und Juliette stimmte einfach total. Es gibt noch einige erwähnenswerte Charaktere, die ebenso gut gelungen sind, aber ich möchte nicht zuviel verraten.

Fazit
Ein tolles Buch, was zu Anfang ein wenig befremdlich wirkt und schließlich mit absoluter Spannung und tollen Protagonisten zu fesseln vermag. Vor allem der außergewöhnliche Schreibstil macht diese Geschichte nicht zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, sondern zu einem ausgewachsenen Leseerlebnis. Die Autorin hat es geschafft aus einer recht einfachen Grundgeschichte etwas Einzigartiges zu zaubern.


Tanz auf Glas
Tanz auf Glas
von Ka Hancock
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unendlich traurig und sogleich wunderschön, 13. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Tanz auf Glas (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Ein Liebespaar wie es Schöner nicht sein könnte. Die Chemie stimmt ab der ersten Sekunde, sie scheinen wie füreinander gemacht zu sein. Doch sowohl Lucy Houston als auch Mickey Chandler haben ein schweres Schicksal zu tragen, was ein gemeinsames Leben in vielerlei Hinsicht unmöglich erscheinen lässt. Die Beiden finden jedoch ihren Weg und heiraten entgegen vieler Vorurteile. Sie führen eine sehr ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Bis es das Schicksal einmal mehr nicht gut mit ihnen meint. Ihr ohnehin schon schwieriges Leben nimmt eine drastische Wendung und stellt Lucy und Mickey erneut vor eine schreckliche Probe. Ist ihre Liebe stark genug?

Meinung
Dieses Buch ist wieder einmal recht ungeeignet für eine vollkommen normale Rezension. Ich werde wohl vielmehr wieder das zu Tage fördern, was mich während des Lesens beschäftigt und bewegt hat. Es stellt für mich auch tatsächlich eine kleine Premiere dar, die ich eigentlich recht gern vertuschen würde, aber als zukünftiger Leser sollte man wohl vorbereitet sein. Bisher gab es noch kein Buch bei dem ich über mehrere Seiten hinweg so weinen musste, dass mir die Tränen das weiterlesen erschwerten. Tanz auf Glas hat es geschafft. Woran genau das lag, werde ich gleich noch erläutern.

Der Schreibstil ist so wunderschön – gefühlvoll und zart. Er beschwört eine unglaubliche Vorstellungskraft herauf, die es nahezu unmöglich macht, sich nicht sofort wohlzufühlen. Man wird getragen von der liebreizenden, ruhigen und oft rationalen Art der Protagonistin Lucy, aus deren Sicht man die meiste Zeit liest. Eingeflochten in ihre tiefen Gedanken und Gefühle in denen sie ihr bisheriges Leben mit all seiner Vielfalt beschreibt, sind einige Textpassagen ihres Mannes Mickey. Diese Abschnitte sind in Tagebuchform verfasst und läuten meist ein neues Kapitel ein. Allein das Zusammenspiel der beiden Charaktere in dieser Form hat eine enorme Bedeutung für das ganze Buch. Die Welt um mich herum schien nicht selten still zu stehen.

Die Geschichte war in erster Linie nur eines: grauenvoll traurig. In gewisser Weise fand ich einige Stelle sogar ein wenig zu weit hergeholt, doch für Logik war hier kein Platz. Es griff alles so perfekt ineinander, dass jede Handlung, jedes Ereignis schließlich eine tiefere Bedeutung erlangte. Ich verspürte manchmal sogar ein winziges Flair von Fantasy, was wahrscheinlich nicht beabsichtigt war. Ich möchte auch gar nicht verraten um was genau es sich dreht, denn die Geschichte lehrt uns so enorm viele Dinge, die jedem im realen Leben begegnen können und die so oft furchtbar selbstverständlich wirken. Es handelt schlichtweg vom Leben und der Liebe. Von den guten und den schlechten Tagen. Von Werten und Normen, vom Umgang miteinander. Vom Geben und Nehmen. Von Leben und Tod, Hoffnung und Abschied. Von Geborgenheit und Zuversicht, vom Annehmen und Loslassen.
Im Mittelpunkt der ganzen Geschehnisse bäumte sich immer wieder eine Botschaft auf, die so simpel und dennoch oft schwer umsetzbar ist. Das was man anderen gibt, bekommt man oft doppelt und dreifach zurück. Schenkt man viel Liebe, ist warmherzig und gut, so wird es Menschen geben, die es einem in einer solchen Masse zurückgeben, dass man gar nicht weiß wohin damit. Sicher ist einem nicht jeder wohlgesinnt, dennoch ist es trotz aller negativen Gefühle so wichtig einander zu achten und jedem Menschen so gegenüber zu treten, wie man es auch für sich selbst von anderen erwartet.
Weiterhin tut sich in diesem Buch eine Thematik auf, die mich schon viele Jahre beschäftigt. Die Kluft zwischen rationalen und emotionalen Handlungen. Warum lassen sich Gefühl und Verstand oder Herz und Kopf so selten miteinander vereinbaren? Gerade durch den Protagonisten Mickey wird man unweigerlich vor diese Frage geführt.
Für mich zeigt sich einmal mehr, wie wenig Verstand und Logik mit einer Handlung aus reiner Emotion gemein haben. Es sind gewiss unsere Gefühle, die uns die schönsten Erlebnisse bescheren und gleichzeitig in die tiefsten Abgründe ziehen, doch warum fällt es in diesen Momenten so schwer noch rational zu denken und es somit vielleicht auszubalancieren? Es klingt ja tatsächlich sehr leicht, einfach mal den Kopf einzuschalten, aber wer möchte an Tagen des größten Hochgefühls oder in tiefer Trauer darüber nachdenken, was in diesem Augenblick denn tatsächlich das Richtige wäre?
Die Frage ist wohl auch, wann genau wird es Zeit den Verstand abzuschalten und das zuzulassen, was sich jeglicher Logik entzieht? Dies betrifft so viele Bereiche des täglichen Lebens, aber vor allem das Thema Partnerschaft und Ehe. Sobald die Liebe ins Spiel kommt, verändert sich scheinbar alles. Ist Liebe allein ausreichend um durch jede Krise zu kommen? Handelt man überhaupt noch rational? Das mag jetzt alles sehr einseitig klingen, aber gerade in diesem speziellen Fall, ist die Liebe so essentiell, wie die Luft zum Atmen. Sie ist in vielerlei Hinsicht alles, was für Mickey und Lucy wirklich eine Bedeutung hat. Was passiert mit einem, wenn man sein passendes Gegenstück findet? Wirft man sein bisheriges Leben weg, um eben dieses in die Hände der Person zu geben, für die man die Welt bedeutet? Fragen über Fragen. Ob der passende Zeitpunkt oder nicht, es scheint alles vollkommen egal zu sein. Denn diese zwei Menschen verschmelzen zu einer und die Chemie stimmt so sehr, dass sie bereit sind alles zu teilen. Das kann nur richtig sein, oder?
Diese Liebesgeschichte wirft nicht nur diese vielen Fragen auf, sie gibt schließlich sogar auf vieles eine Antwort. Ob nun richtig oder falsch, das ist natürlich eine individuelle Sache. Denn in diesem Fall, scheint alles so falsch zu sein und doch fühlt es sich richtig an. Genau diese Liebe, diese starken, reinen und wunderschönen Emotionen, die durch die Seiten fließen wie ein zarter Seidenfaden, haben mich schlussendlich so oft zum weinen gebracht.

Diese Emotionen wiederum sind hauptsächlich den Personen zu verdanken. An der Stelle muss ich sagen, ich habe selten so derart liebevoll ausgearbeitet Charaktere erlebt, die nicht nur Tiefe und Authentizität besitzen, sondern schlichtweg Lebensform annehmen. Die Familie von nebenan mit dem schweren Schicksal. Allen voran die Protagonistin Lucy hat mich so stark in ihren Bann gezogen, dass meine Tränen wohl echtem Mitgefühl entsprangen. Wie kann ein Mensch so unendlich gütig sein? Natürlich bin ich mir im Klaren, dass es sich um einen fiktiven Charakter handelt, dennoch sind mir solche Menschen nicht fremd. Lucy ist der Inbegriff von Ruhe, Geduld und Warmherzigkeit. Sie ist stark, ausdauernd, gefühlvoll und in ihren Entscheidungen wie ein Fels in der Brandung. Nichts kann diese Frau brechen. Ihr Leben, ihre Wahrheit und alles was sie ausmacht hinterlassen tiefe Spuren. Sie nimmt die Menschen wie sie sind, versucht niemals jemanden zu verurteilen und führt ihre Liebsten stets zu einem Punkt, an dem sie all ihre Emotionen loswerden können und dennoch am Ende den richtigen Weg gehen. Sie ist so oft die Brücke zwischen Kopf und Herz. Natürlich hat auch Lucy Momente in denen sie nur auf sich bedacht ist und genau das ist das Gesunde und wundervolle an ihrer Art. Sie verzeiht so vieles, ist niemals nachtragend und einfach in den richtigen Situationen für ihre Mitmenschen da. Jedem Menschen begegnet sie mit einer gewissen Erfurcht und versucht deren vermeintliche Schwächen schließlich schlüssig zu einer Stärke umzuwandeln. Das ist auch der Grund, warum sie perfekt zu Mickey passt und umgekehrt. Mickey konnte mich auch fast vom ersten Augenblick an für sich einnehmen, er besitzt sehr viel Humor und eine wahnsinnig warmherzige Art. Er ist sehr charmant und ein hoffnungsloser Romantiker, dem selbst nicht klar ist zu welch bedingungsloser Liebe er im Stande ist. Ich möchte gar nicht mehr viel über ihn sagen, weil ihr eine bezeichnende Sache, einfach selbst kennenlernen solltet.
Auch Lucy’s Schwestern Lily und Priscilla sind absolut wundervolle Menschen. Alle drei sind sie so unterschiedlich und doch im Herzen eins. Ich war abwechselnd gerührt, entzückt und furchtbar traurig.

Fazit
„Tanz auf Glas“ ist ein Werk zum Nachdenken, zum Schwärmen und zum Weinen. Man begegnet einem ganz besonderen Liebespaar, die wunderbare Emotionen und scheinbar grenzenlose Traurigkeit in sich vereinen. Dieses Buch besitzt unendlich viel Tiefe und Gefühl. Inmitten dieses sanftmütigen und wunderschönen Schreibstils, kann man sich verlieren und die berührenden Ereignisse rund um Lucy und Mickey mit einem lachenden und einem weinenden Auge erleben.


Gespalten: Zwischen Intoleranz und Akzeptanz
Gespalten: Zwischen Intoleranz und Akzeptanz
von Nils Tauber
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Absolut ehrlich und einprägsam..., 2. Dezember 2013
Der Beginn des Buches hat mich erst einmal geschockt. Der Schreibstil wirkte unausgereift, richtiggehend abgehackt und viele Wortwiederholungen brachten mich zum Zweifeln. Mein Lesefluss kam überhaupt nicht ins Rollen und ich tat mich sehr schwer mit den Schilderungen des Autors rund um sein Leben warm zu werden. Selbst der rote Faden schien absolut nicht vorhanden zu sein, doch dann klappte ich das Buch kurz zu, besann mich darauf, dass es eine Lebensgeschichte ist und ein realer, fühlender Mensch dahinter steht.
Ich bin wohl oft zu sehr in meinem Fantasygenre vertieft, als das ich mich für Derartiges öffnen konnte. Kaum hatte ich sozusagen meine „Reset-Taste“ betätigt, zeigte sich mir der Autor als das Kind, was er in diesem Teil des Buches war. Plötzlich fing alles an einen Sinn zu ergeben, die Art des Schreibens verband sich mit der jeweiligen Thematik und Altersstufe. Das fiel mir auch sehr viel später kurz vor Ende noch einmal deutlich auf. Der Schreibstil wird mit seinem Autor und damit auch der Hauptfigur des Buches „erwachsen“. Anfangs unbeholfen, sehr verschüchtert und stets auf Abwehrhaltung tröpfelten die Worte abgehackt durch das Buch, doch je mehr Erlebnisse und bezeichnende Abschnitte in seinem Leben Einkehr hielten, desto bedeutsamer und weicher wurde die Wortführung.

Nicht selten musste ich schwer Schlucken, weil Nils Tauber eine Sicht auf die Welt bekommen hat, die man als „Normaler“ vielleicht nicht erhascht. Schnell geriet ich ins Kreuzfeuer meiner eigenen Gedanken, denn auch ich erkannte mich in einigen Situationen wieder als das nicht so tolerante Kind oder den lästernden Teenie. Es ist beängstigend, wie schnell man ein Urteil über Menschen fällt, die äußerlich nicht dem vermeintlichen Ideal entsprechen. Doch das wirklich wichtige ist doch der Kern. Was nützt schon eine schöne Hülle, wenn das Innere einfach schrecklich hässlich ist? Toleranz und Akzeptanz sind zwei schwierige Begriffe in unserer Gesellschaft, da man selbst sich meist auf einem schmalen Grad befindet. Es liegt in unsere Natur auch Oberflächlichkeiten zu betrachten und danach zu urteilen. So sehr man sich auch anstrengt diese Dinge muss man lernen. Kinder sind meist zwar unverbraucht und ehrlich, aber genau das macht sie auch grausam. So gilt es, wie Nils Tauber in seinem wunderbaren Nachwort sagt, sich als Eltern vor Augen zu führen, dass die eigenen Kinder zu schätzen lernen, was es bedeutet mit anderen Menschen gut und fair umzugehen. Im Endeffekt sind wir doch alle gleich. Wir sind alles Menschen, die sich tief im Herzen nach Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung sehnen. Ohne ein soziales Gefüge und Mitmenschen, die einem das Leben erst lebenswert machen, wären wir alle nichts. Wir sind definitiv "Herdentiere" und so sollte es jedem Einzelnen von uns etwas Wert sein die Herde mit all ihren Glieder zu schützen. Der Autor beschreibt auch die vielen Situationen in denen ihn Worte sehr verletzt haben und sein Leben maßgebend beeinflussten. Auch hier fand ich mich oft auf der Gegenseite wieder, denn man sagt schnell Dinge, die gar nicht so gemeint waren, das Gegenüber vielleicht sogar einfach falsch aufgefasst hat. So schräg wie einem der Schnabel auch gewachsen sein mag, die richtigen Worte an richtiger Stelle zu finden ist auch ein großer Lernprozess, der wohl niemals im Leben ein Ende findet. Man sollte sich selbst immer vor Augen führen, was ein einziges Wort kaputt machen kann, denn wie wir alle wissen, sind Worte mächtig. Zu nahezu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, dass mir jemand viele wichtige Geheimnisse anvertraut. Dinge, die sonst keiner kennt. Das mochte ich an diesem Buch wahnsinnig gern. Für jeden zugänglich und dennoch so absolut ehrlich und persönlich, dass ich nach dem Lesen in eine kleine „Grübelkrise“ geriet. Gerade das Thema Glaube und "vom richtigen Weg" abkommen schwirren nun in meinem Kopf herum. Manchmal benötigt man eine komplett andere Sicht auf die Dinge, um von seinem eigenen Tunnelblick loszukommen. Ich denke, ich werde noch eine Weile mit Nils Tauber’s ganz persönlicher Lebens- und auch teilweise Leidensgeschichte im Kopf umher laufen. In diesem Buch findet man so viele Erlebnisse und Begebenheiten, wie sie Millionen von Menschen nahezu täglich passieren und dazu muss man nicht mal ein Handicap haben. Die Behinderung des Autors steht auch nicht ständig im Vordergrund, sie ist bezeichnend und zieht sich logischerweise durch sein ganzes Leben und somit das Buch, dennoch passieren ihm viele Dinge, die jedem von uns widerfahren könnten. Er legt wahnsinnig toll dar, wie es jeder schaffen kann, seinen Weg zu finden und dabei ist man meist seines eigenen Glückes Schmied. Ich bin wirklich berührt davon, dass ich an dieser Lebensgeschichte teilhaben durfte und freue mich noch immer über die tiefsinnigen Worte, die Nils Tauber vor allem am Ende gefunden hat. Es zeigt nicht nur, dass er mit seinem schwierigen Start und vielen falschen Abzweigungen doch angekommen ist im Leben, sondern auch, dass es sich lohnt zu kämpfen und auf die Menschen zu zählen, die immer für einen da sind. In guten wie in schlechten Tagen. An dieser Stelle habe selbst ich in meinem relativ wohlbehütetem Leben den Drang, all meine Liebsten zu umarmen und ihnen zu Danken, dass es sie gibt und sie mich immer ertragen haben und es noch viele Jahre tun werden. Jeder Mensch ist so individuell und doch ist es uns allen auf irgendeine Weise vergönnt geliebt zu werden. Die Liebe ist so Facettenreich, dass eigentlich jeder Einzelne von uns darin ersticken könnte, nur sind wir oft blind oder abgelenkt von dem was andere für uns bereit halten.

Abschließend bleibt noch zu sagen, ich bewundere Nils Tauber aus tiefstem Herzen. Es gehört sehr viel Mut und Willensstärke dazu, eine derart persönliche und emotionale Sache an die Öffentlichkeit zu bringen und das in vielen auch unangenehmen Details. Sein ganzes Leben mit all dem Schmerz, den Demütigungen und auch den ganzen positiven Gefühlen auszubreiten und einer großen Masse zur Verfügung zu stellen, hat nichts als absoluten Respekt verdient. Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden und Betroffene daraus Stärke gewinnen. Jeder sollte sich diese Geschichte zu Herzen nehmen.

FAZIT
Nils Tauber’s Biografie spricht viele vermeintliche Tabuthemen auf eine Art und Weise an, die sehr einprägsam ist. Er erzählt alles so natürlich und ehrlich, dass man sich persönlich angesprochen fühlt und man glaubt einen Schatz hüten zu müssen. Inmitten eines sehr umgangssprachlichen und auch etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstils, erheben sich schließlich Normen und Werte, die jeder von uns kennen und schätzen sollte. Sein Leben war nicht immer einfach und doch ist er das beste Beispiel dafür, dass man aus Fehlern lernen kann. Wer persönliche Schicksale mit viel Tiefgang und Substanz und schließlich sogar einer kleinen Moral mag, der wird dieses Buch verschlingen.


Die Macht des Schmetterlings
Die Macht des Schmetterlings
von Matt Dickinson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung bis zu letzten Sekunde..., 12. September 2013
Inhalt
Zufall oder Schicksal?
Diese Frage stellt man sich ab und zu selbst, wenn Dinge geschehen, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen.

Es beginnt alles so harmlos. Um 7:37 Uhr schlüpft ein junger Schmetterling aus seinem Kokon um seinen ersten Flügelschlag zu tätigen. Wo ein Leben beginnt, wird auch immer eines enden. Das dies jedoch durch eine Verkettung unvorhersehbarer Ereignisse geschieht ist nicht unbedingt üblich, dennoch möglich. Denn der blaue Eichen-Zipfelfalter erschreckt ein junges Kaninchen, was gerade zum ersten Mal seinen Bau verlässt. In ängstlicher Hast hüpft er zwischen die Beine eines Rennpferdes, welches sich verletzt und so das Rennen nicht gewinnen kann. Stattdessen gewinnt ein anderes Pferd und schenkt damit einem liebenden Familienvater ein hübsches Sümmchen, womit er seiner Tochter ein riesiges Bündel Luftballons kauft. Leider ist die Freude nur von kurzer Dauer, denn in einem winzigen Augenblick der Unaufmerksamkeit entgleiten dem Mädchen die Luftballons und zerstören wenig später das Triebwerk eines Flugzeuges, was in einer absoluten Katastrophe endet…

Meinung
Diese Rezension kann ich gar nicht auf vollkommen herkömmliche Weise schreiben, weil meine Unterteilungen gar nicht passen. Beginnen möchte ich mit dem Cover. Ist es nicht wunderschön? Schon allein deshalb gehört es in mein Regal, allerdings ist das nicht der Grund, warum ich es gekauft habe. Da war mal wieder ein anderer Blogger schuld, mit einer grandiosen Rezension.

Dieses Buch ist kein Lesevergnügen im eigentlichen Sinne, sondern viel mehr ein Rausch, fast ein Zwang. Einmal angefangen kann man sich einfach nicht mehr lösen. Das liegt nicht zuletzt am Schreibstil, der sehr kurzweilig und klar ist. Deutlich und ohne große Umschweife schildert der Autor fast nüchtern die Ereignisse. Es ist alles so präzise und eindeutig, dass man sowieso keinerlei Ablenkung vertragen könnte. Hinzu kommt, dass die Kapitel meist nur 1 – 2 Seiten umfassen und immer völlig andere Personen und Orte betreffen. Man gewöhnt sich dennoch recht schnell an das Hin – und Herwechseln, was auch einfach daran liegt, dass man mit keinem Protagonisten warm werden muss. Dazu aber später mehr.

Die Geschichte ist im Grunde absolut komplex und genial durchdacht. Die vielen Verkettungen und Verbindungen zu den ganzen verschiedenen Menschen muss man erstmal als Leser erfassen können, aber eine solche umfassende Story zu entwerfen, bei der nachher jedes Detail stimmt, ist schon sehr originell. Verschwörungs – und Chaostheorien haben schon immer schnell meine Aufmerksamkeit erweckt. Man kann sich Stunden um Stunden mit dem „Was wäre wenn…?“ befassen, ohne das es jemals langweilig wird. Es war also für mich einmal mehr absolut faszinierend zu sehen, wie etwas Kleines beginnt und zu einem derart großen und einschneidenden Erlebnis anschwillt. Wenn auch nur eine Sache nicht so verlaufen wäre, wäre alles anders gekommen. Grandios, ich liebe auch solche Filme. Während des Lesens sind aufgrund dieser Tatsache natürlich Fragen entstanden. Um überhaupt einschätzen zu können, ob es authentisch ist, war man gezwungen bei jeder neuen Verkettung kurz zurückzublicken oder „in die Zukunft zu schauen“, um überhaupt den Überblick zu behalten. Man verarbeitet noch das bereits Geschehene und prüft es auf Wahrscheinlichkeit und möglichen Wahrheitsgehalt, gleichzeitig überlegt man wohin es noch führen könnte. Das klingt für den Moment anstrengend, war es aber nicht. Es war ein Prozess, der wie von selbst kam und sich in dieses Konstrukt der Geschichte eingefügt hat. Das man eine derartige Aufnahmefähigkeit entwickelt, war mir auch erst später bewusst. Dieses Buch lebt ausschließlich von seiner Spannung. Seite um Seite wird man gehetzt und förmlich gezwungen weiterzulesen. Ich habe tatsächlich erst wieder an etwas anderes gedacht, als ich fertig war. Natürlich muss man sagen, es könnte zwar alles genauso passieren, die Wahrscheinlichkeit geht wohl aber eher gegen Null.

Normalerweise würden jetzt die Personen kommen, aber das kann ich beim besten Willen nicht bewerkstelligen, weil es 1. viel zu viele sind, ich glaube ich weiß nicht mal mehr alle Namen und 2. man keine Verbindung aufbaut. Man fühlt zwar mit den einzelnen Leuten und fiebert auch mit, aber es gleicht eher einem „Betroffensein“ wie nach einer Nachrichtenerstattung über sämtliche Katastrophen. Doch das ist keinesfalls negativ, sondern vielmehr notwendig. So wird einem der Blick auf das Wesentliche nicht verwehrt, nämlich die Verkettungen der Ereignisse, die schlussendlich in etwas Schreckliches münden. So wie es war, war es sehr gut.

FAZIT
Rasant, spannend, ein wahrer Leserausch. Keine Sekunde in der nichts geschieht, ein Ereignis jagt des nächste und man gerät völlig außer Atem. Grob angerissene Charaktere fügen sich in den Handlungsstrang ein, der absolut im Vordergrund steht, was in diesem Falle sehr wichtig ist. Schlag um Schlag führt eins zum anderen, ohne etwas mit unwichtigen Informationen hinauszuschieben. Auch das Ende ist einfach wahnsinnig passend, es beginnt wie es anfängt und so schließt sich der Kreis und man schlägt das Buch zu und hält zufrieden, wenn auch ein wenig aufgewühlt erst einmal kurz inne.


Das verbotene Eden: Magda und Ben: Roman
Das verbotene Eden: Magda und Ben: Roman
von Thomas Thiemeyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wahnsinnig genialer Abschluss!!!!, 10. September 2013
Inhalt
Der Frieden zwischen Männern und Frauen scheint in weite Ferne zu rücken. Auf beiden Seiten herrscht Sturheit in den Rängen der Anführer. Der erbitterte Kampf der Geschlechter ist auf dem Höhepunkt angelangt und scheint ins bodenlose auszuufern. Inmitten dieses Meeres aus Wut, Hass und Missgunst begegnen sich eine alte Frau und ein alter Mann, die ihren Augen nicht trauen können. Vor 65 Jahren waren Magda, die oberste Heilerin und Ben, der Prior der Abtei ein junges Liebespaar. Durch die verheerende Seuche wurden sie gewaltsam getrennt, doch eines scheint niemals zu vergehen: ihre Liebe. Hat diese starke Verbindung auch nach so vielen Jahren noch die Kraft sie zusammen zu führen? Wird die Liebe einen über Jahrzehnte geführten Konflikt lösen können?

Magda und Ben sind nicht die Einzigen, die scheinbar von der Seuche genesen sind. Immer mehr Männer und Frauen erkennen, dass ein Miteinander der einzige Weg zum Frieden ist. Wird die Liebe schließlich siegen oder ist nun endgültig der Tag des jüngsten Gerichtes angebrochen?

Meinung
Ich habe die beiden ersten Teile geliebt! Deshalb war schnell klar, dass Teil 3 in meinen Besitz gehört, sobald er erscheint. Das hat nicht ganz funktioniert, aber nun war es soweit und ich bin absolut sprachlos. Warum, werdet ihr gleich lesen.

Der Schreibstil ist einfach und klar. Er umschreibt keine unnötigen Details und dennoch hatte ich immer ein klares Bild vor Augen. Die Worte scheinen alle mit Bedacht gewählt und so begegnen einem ab und zu „Lebensweisheiten“, die einen als Leser in tiefere Gedankengänge reißt. Nicht selten musste ich kurz innehalten und bestimmte Stellen erneut lesen. Nicht weil ich sie nicht verstanden habe, sondern weil sie so schön und wahr sind, dass ich sie am liebsten für immer in meinem Kopf verankern möchte. Ich bin kein Fan von Zitaten, aber in dieser Stelle, möchte ich zumindest eines dieser unzähligen Textstellen zeigen:

„…Die Liebe natürlich. Ohne sie sind wir nichts. Sie ist die größte Macht im Universum. Menschen, Tiere, Pflanzen, ja sogar die Elemente fühlen sich voneinander angezogen. Nur so konnte Leben entstehen. Anziehungskraft ist die Uhrfeder jeder Veränderung. Wenn sich nichts aufeinander zubewegt, verharrt alles im Stillstand. Ohne Veränderung keine Entwicklung. Neues kann nur entstehen, wenn Altes vergeht. Ohne Tod keine Wiedergeburt. Das ist der Kreislauf des Lebens. Wenn wir uns den elementaren Gesetzen der Natur verweigern, sind unsere Tage auf diesem Planeten gezählt.“ (Das verbotene Eden, Magda und Ben, Seite 311)

Dieses Zitat zeigt nicht nur Thomas Thiemeyers wunderschönen Schreibstil, sondern ist ebenso bezeichnend für die absolut originelle Geschichte. Von Band 1 an, war ich begeistert über die grandiose Grundidee. Doch Idee hin oder her, davon gibt es durchaus genug in ähnlicher Genialität, doch hier ist vor allem auch die Umsetzung wirklich besonders. Von den ersten Zeilen an, hatte mich der Autor wieder auf seiner Seite, im Bann der Geschichte. Diesmal lässt er einen Blick in die Vorgeschichte der verheerenden Seuche zu. Er erzählt im ersten Teil die Erlebnisse einer jungen Liebe in unserer Zeit, kurz vor der Epidemie, die den Hass zwischen den Geschlechtern und somit das Ende unserer Zivilisation hervorruft. Ich kann kaum in Worte fassen, wie mich dieser Teil bereits vom Hocker gerissen hat. Die ganze Atmosphäre, die aufwühlenden Geschehnisse um die Vorboten und den Ausbruch der Krankheit, die Entwicklung und Reaktionen der Menschen. Endzeitstimmung, wie sie spannender und authentischer kaum sein könnte. Ein unheilvolles Knistern in der Luft, gepaart mit dieser Alltagspräsenz, hat mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken gejagt. Es wirkte alles so greifbar und nah, dass ich kaum noch meine Gedanken, von derer der Protagonisten unterscheiden konnte. Die Vorgeschichte spielt, wie bereits erwähnt, in unserer Zeit und ist somit allein schon stilistisch gesehen ein gewagter Sprung. Doch diesen hat der Autor mit Bravur gemeistert. Sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2080 dieser Geschichte, habe ich es genossen und der Stil ist völlig unterschiedlich und deshalb einfach brillant. Nach dem nervenaufreibenden ersten Part, ist man kaum zu Atem gekommen und befindet sich mitten im Krieg. 65 Jahre später schürt der Konflikt zwischen den Geschlechtern weiterhin den Hass. Die Stimmung ist aufwühlend und wirkt verfahren. Einige bereits aus Band 1 und 2 bekannte Charaktere versuchen mit aller Macht dem ganzen ein Ende zu setzen und so manchem Anführer die Scheuklappen von den Augen zu reißen. Es ist Zeit zu erkennen, dass Männer und Frauen untrennbar zusammen gehören. Wenngleich wir so unterschiedlich sind, ohne einander wäre die Welt eben nicht die Selbe. Immer wieder hat mich die Authentizität mit offenem Mund zurück gelassen. Alle Zeichen stehen so positiv und nur wenige Querdenker und durch Wut und Hass verblendete, verbitterte Menschen verhindern den Frieden. Das ist so absolut bezeichnend menschlich, dass man nur einmal unsere aktuellen Nachrichten verfolgen braucht, um zu erkennen, dass sich niemals etwas ändern wird. Thomas Thiemeyer verknüpft also soviel Wahrheiten über uns Menschen miteinander, die uns allen zu denken geben sollten. Er vollführt mühelos einen Zeitsprung, den man zwar deutlich spürt, trotzdem werden aber die Grundfesten des menschlichen Daseins unverkennbar beibehalten. Diese gesamte Trilogie wird mir noch lange in meinem Gedächtnis bleiben, weil es einfach dazu anregt über unsere bestehende Gesellschaft und alles was darin passiert nachzudenken.

Die Personen sind sehr vielfältig, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir einige Charaktere aus Band 1 und 2 wieder treffen. Diese Tatsache hat mich sehr gefreut und jeder einzelne von ihnen ist bezeichnend und absolut wichtig für diese genial durchdachte Geschichte. Vor allem der Ausgang wäre ohne so manchen Charakterzug undenkbar gewesen. Alle sind miteinander verknüpft und man erkennt schnell, dass Leben oft untrennbar miteinander verbunden sind. Trotz Distanz vergisst man so manchen Menschen niemals wieder und das muss nicht zwangsläufig die Liebe zwischen Mann und Frau betreffen. Diese Menschen hinterlassen spuren in unserem Inneren, die für immer bleiben, ob positiv oder negativ. Aufgrund der Fülle der Personen (und weil es langsam sowieso zu lang wird), sei erwähnt, dass Magda und Ben, in Band 1 und 2 noch Randfiguren, sich zu etwas entfalten, was der gesamten Trilogie ein Krönchen aufsetzt. Sie sind der Rahmen – Anfang und Ende. An ihnen erkennt man, wie einen Menschen das Leben zeichnet. Was sich verändert, wenn sich das Umfeld wandelt. So hinterlassen nicht nur andere Menschen Spuren, sondern auch die Bedingungen zu denen wir unser Dasein auf dieser Erde bestreiten. Man bekommt vor allem durch Magda und Ben in beiden Zeitabschnitten unendlich viele wichtige Informationen über die Geschichte, die nicht direkt gefehlt haben, aber nun den Kreis schließen. Sie sind der Kern und waren es rückblickend schon immer. Ihre Entwicklung schließt alles in sich ein, erklärt selbst Handlungsweisen anderer Protagonisten und somit sind an dieser Stelle nicht dieser und jener Charakterzug wichtig, sondern was die Beiden grundlegend bewirkt haben, im gesamten Verlauf der Geschichte. Wer hätte am Anfang gedacht, dass sich etwas derart Großartiges in dieser Trilogie auftut? Ich weiß meine Begeisterung gar nicht mehr auszudrücken.

FAZIT
Neben den ohnehin schon genialen Bänden 1 und 2, hat Thomas Thiemeyer einen Abschluss geschaffen, der hätte besser nicht sein können. In meinen Augen eine der besten Trilogien, die derzeit im Umlauf sind. Sie vereint Spannung und Fiktion mit Fakten und Gesellschaftskritik. Alles fügt sich wie von selbst zusammen, die Personen, ob jung oder alt, bekannt oder neu, die Zeit, ob 2015 oder 2080, einfach alles ist wahnsinnig genial durchdacht. Es ist eine Dystopie vollkommen nach meinem Geschmack, denn es zeigt uns Menschen in unserer rohsten Form. Es zeigt wie wir sind, wie wir immer sein werden, weil man Fundamente niemals ändern kann. Denn im Grunde sind wir alle gleich, nur die Richtung entscheiden wir selbst. Der Autor regt absolut zum Nachdenken an und man nimmt sich etwas mit. Bleibt noch zu sagen: LESEN!!!


Angelfall: Roman (Heyne fliegt)
Angelfall: Roman (Heyne fliegt)
von Susan Ee
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Böse in schöner Hülle..., 6. September 2013
Inhalt
Ich habe die Engel gesehen. Wunderschön, scheinbar sanftmütig…reine Wesen. Man könnte meinen sie senden uns den ewigen Frieden, diese strahlenden Engelswesen. Doch sie bringen den Tod und Verderben. Sie haben unsere Welt zerstört, unsere Städte in Schutt und Asche gelegt und sie dürsten nach unserem Blut. Sie wollen uns zerstören, sie sind eine Übermacht und das strahlen sie aus. Ich sehe es in ihren Augen. Das sind keine himmlischen Geschöpfe, sie kommen direkt aus der Hölle. Diese Bastarde haben meine Schwester entführt und ich werde sie dem Erdboden gleich machen, wenn ich sie nicht zurück bekomme. Sie ist doch so hilflos. Wie kann man ein 7-jähriges Mädchen, was ohne seinen Rollstuhl aufgeschmissen ist nur verschleppen? Sie ihrer Familie berauben?
Ich werde sie finden, koste es, was es wolle….
Und dieser verstümmelte Engel wird mir dabei helfen. Soll er mich mitten in das Nest dieser Dämonenbrut bringen, ich werde es denen schon zeigen, mit wem sie sich angelegt haben. Ich werde meine Familie wieder zusammen bringen…es sollte nie wieder eine Trennung geben!

Meinung
Um dieses Buch kursiert ein totaler Hype und da ich derart anfällig auf so etwas bin, musste ich es natürlich auch haben. Gesagt getan, es ist schon bald bei mir eingezogen und siehe da, auch schnell gelesen.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten. Es gibt keine ausufernden Beschreibungen oder eine detailliert ausgeschmückte Welt, trotzdem kann man sich gerade die Engelswesen in ihrer Verschiedenheit und die apokalyptische Begebenheit wirklich gut vorstellen. Vor meinem inneren Auge projizierte sich von Anfang an eine düstere Zukunft, die einen besonderen Reiz ausstrahlte. Susan Ee ist es gelungen mit wenigen Mitteln unglaublich viel zu erschaffen. Man hat Raum für eigene Gedanken und dennoch stellt sich einem alles authentisch dar. Die brutale, ungeschönte Wahrheit begegnet einem als Leser dabei nicht selten. Man sollte also nicht wirklich zart besaitet sein.

Die Geschichte ist toll. Man kann es nicht anders sagen. Die geflügelten Wesen begegnen einem in unzähligen Geschichten. Meist sanftmütig, himmlisch und den Friede bringend. Oder zumindest Gut und Böse, doch was sich hier auftut hat ganz und gar nichts Gutes mehr an sich, bis auf die äußere Erscheinung. Mich hat diese Vorstellung von Anfang an fasziniert. Wunderschöne Engelswesen, die nichts als Zerstörung und Zerfall mit sich bringen. Tod, Blut, Verderben – das Ende der Welt hervorgerufen durch skrupellose, besitzergreifende Rachengel der Superlative. Sie scheinen sich selbst im Licht der Welt zu sehen, als Übermacht und die „cleveren Äffchen“ auf der Erde sind nichts als Nutztier, Marionetten, die von jeher nur Spielzeug waren. Eine interessante Ansicht, denn wer weiß schon, wer bei uns die Fäden in der Hand hält?! Nicht umsonst schwirren in unseren Köpfen Worte wie Schicksal, Bestimmung oder Fügung. Entscheiden wir selbst über unsere Leben oder sind sie vielmehr verknüpft mit anderen oder gar mit einer höheren Macht? Wer weiß das schon. Eine ganze Weile bin ich auf dem Fluss dieser durchaus gut durchdachten und mitreißenden Geschichte geschwommen. Es gab kaum einen Augenblick in dem nichts passiert ist und das Spannungslevel war nahezu immer auf Höchststufe. Doch im letzten Drittel wurden mir doch einige Dinge suspekt, ein wenig zu viel des Guten bzw. Bösen. Eins sei an dieser Stelle gesagt, zerfetzte menschliche Überreste, Blut und Tod sollten einem nicht allzu viel ausmachen, denn davon gibt es hier ein Übermaß. Auch das Erreichen der Ekelgrenze, samt Entleerungen von Mageninhalten sämtlicher Charaktere kommt nicht zu kurz. Im Großen und Ganzen trifft es krank, abgedreht und freakig ganz gut. Vor allem auch das Ende mit Showdown lassen einem dann doch teilweise das Blut in den Adern gefrieren. Ich muss zugeben, ich mochte es, sehr sogar.

Die Personen, allen voran Penryn, sind sehr gelungen. Schon vor dem Ende der Welt hat die 17-jährige Penryn kein einfaches Leben. Ihr Vater hat sie verlassen und geblieben sind ihr eine zerbrechliche, an den Rollstuhl gefesselte kleine Schwester und eine völlig verrückte Mutter. Seit die Apokalypse hereingebrochen ist, liegen beide komplett in ihrer Verantwortung, was das Ganze nicht gerade einfacher Macht. Ein täglicher Kampf ums Überleben hat begonnen und nirgendwo ist man mehr sicher. Doch Penryn ist stark, mutig und hat einen unerschütterlichen Willen. Ich mochte sie von Anfang an. Nichts scheint sie auf die Knie zwingen zu können und ihre Ziele wird sie immer erreichen, koste es was es wolle. Sie schreckt vor nichts zurück, wenngleich ab und an eine zerbrechliche Seite von ihr durchscheint. Die Zeit hat sie hart gemacht und ihr Schutzwall ist nahezu unbezwingbar. Kein Gegner ist ihr zu stark, kein Weg zu weit und keine Mauer zu hoch. Sie trägt Sorge für ihre Familie und beschützt diese mit ihrem Leben. Hierbei geht sie Risiken ein, die ein hohes Maß an Selbstlosigkeit verlangen. Die Engel haben sich definitiv mit der Falschen angelegt.
Raffe, der „gefallene Engel“ befindet sich eine Weile in ihrer Obhut. für Penryn ist das alles pure Berechnung, zumindest am Anfang, doch dann ist er ihr mehr Nütze als sie je zu glauben gewagt hat. In ihrem Inneren erhebt sich ein Konflikt über ihre Ansicht der weltzerstörerischen Racheengel. Sind sie tatsächlich alle gleich? Raffe macht vorerst den Anschein eines echt überheblichen Arschlochs. Diese Fassade versucht er auch mit Mühe und Not zu halten, doch als Leser weiß man es zu zeitig besser. So richtig mochte ich ihn nicht, obwohl seine Charaktereigenschaften auf mich in den meisten Fällen ansprechend wirken. Er beschützt Penryn und hilft ihr auf ihrem Weg zum Ziel. Er lässt dabei nicht selten den unnahbaren, gefühl- und skrupellosen Engel heraus hängen, doch seine Taten strafen ihn Lügen.

Erwähnt werden muss auch Penryn’s Mutter. Mein erster Gedanke war: Was für eine irre Frau! Wenn man eine solche Mutter hat, braucht man definitiv keine Feinde mehr. Es wurde immer bizarrer und das abgedrehte Weib erschien in den seltsamsten Situationen auf der Bildfläche. Sie scheint auch eine innige Verbindung zu so manchem Dämon zu haben. Diese Dame ist schlichtweg absolut neben der Spur. Wirkte es anfangs einfach krank, muss ich gestehen, dass mich manches bald schon stutzig machte und die Neugier erwachte. Steckt da mehr dahinter als einfache Geisteskrankheit? Leider wird man absolut im Dunkeln stehen gelassen und das hat mich sehr genervt. Es soll ja noch einige Teile geben, aber ein wenig mehr Aufklärung in diesem und anderer Aspekten, wäre nicht schlecht gewesen.

FAZIT
Wer mitreißende und spannende Endzeitgeschichten mit einem Hang zur Abgedrehtheit mag, ist hier genau richtig. Es geht in jeder Hinsicht zur Sache, Blut fließt in Strömen, verstümmelte Leichen und abartige Kreaturen springen einem förmlich entgegen und das Böse ist auf dem Vormarsch. Inmitten der Apokalypse erhebt sich eine wahnsinnig tolle Protagonistin und mischt das Geschehen auf. An manchen Stellen war es zu viel des Guten (Bösen) und ein bisschen zu viele Fragen blieben ungeklärt. Dennoch oder gerade deshalb will ich eigentlich sofort die Fortsetzung!!! Eine Leseempfehlung gibt es von mir in jedem Fall.


Die Auslese: Nur die Besten überleben - Roman
Die Auslese: Nur die Besten überleben - Roman
von Joelle Charbonneau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Ein Auftakt der Extraklasse, 26. August 2013
Inhalt
Die Menschheit hat sich selbst zerstört. Die Kinder und Jugendlichen des Vereinigten Commonwealth lernen schon zeitig die Sieben Stadien des Krieges kennen. Um zukünftig die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, werden jedes Jahr Jugendlichen aus allen Kolonien ausgewählt um an der Auslese teilzunehmen. Bei dieser, geht es darum in einem langwierigen Prüfungsprozess, diejenigen herauszufiltern, die Führungsqualitäten besitzen. Nur 20 von Ihnen werden ausgewählt, um zu neuen Anführern an der Universität in Tosu-Stadt ausgebildet zu werden.

Cia, Malencia Vale, ist eine von den Glücklichen, die zur diesjährigen Auslese ausgewählt wurden. Mit Stolz und Zuversicht blickt sie nun in ihre Zukunft, bis sie erkennt, worum es in diesen Prüfungen tatsächlich geht. Führen oder Sterben! Bald schon wird ihr klar, dass nur die Besten diesen skrupellosen Testmarathon lebend verlassen…

Vertraue niemanden…
Es wird immer Kandidaten geben, deren Missgunst dich zerstören kann…

Sei auf der Hut…

Meinung
Der Schreibstil ist wunderbar. Er ist flüssig, sehr ansprechend und so weitreichend, dass man sich beinahe schon zu Beginn in der Geschichte verliert und es nicht mehr wagt sich zu lösen. Die Autorin vermag es somit bereits in den ersten Seiten zu fesseln und die Spannung immer weiter und weiter aufzubauen, bis man vor Erschöpfung ein Ende herbeisehnt, bei dem sich diese angestaute Spannung endlich entlädt. Ihre Erzählweise aus Cia’s Sicht hält an den richtigen Stellen Informationen hinter den Berg, die einen vor Neugierde beinahe platzen lassen. Sie beschreibt die Umgebung und Personen sehr genau und erzeugt so ein klares Bild der von ihr erdachten Welt. Die Details sind an den richtigen Stellen eingewebt und man fühlt sich nicht überinformiert. Besonders beeindruckt haben mich die eingehenden Beschreibungen der Natur. So war es mir beinahe selbst möglich den Wind in den Haaren, den Staub auf der Haut oder das frische, grüne Gras unter meinen Füßen zu spüren. Die Liebe und Verbundenheit zur Natur war ein sehr angenehmer Nebeneffekt zu all den aufreibenden Geschehnissen.

Die Geschichte ist nicht komplett neu. Die Anzahl an Dystopien wächst nahezu täglich und sich in dieser Fülle noch abzuheben, fällt denkbar schwer. Dennoch ist es Frau Charbonneau gelungen einen solchen Sog zu erzeugen, dass die Eigendynamik der Geschichte weit über ein Level der Durchschnittlichkeit herausragt. Sie regt zu tiefen Gedanken an und lässt dem Leser so den Raum und die Möglichkeit, sich aus seiner Unbekümmertheit zu befreien und die Dinge zu sehen, die oft erst aus einem anderen Blickwinkel sichtbar werden. Sie führt uns in eine fiktive Zukunft, die elementar auf den Mauern unserer heutigen Gesellschaft ruht. Krieg, Zerstörung, Katastrophen, Ausrottung, Hunger, Seuchen – all diese Dinge könnten uns in nicht allzu ferner Zukunft in den Ruin treiben. Unsere Erde, wie wir sie kennen, in ein Ödland verwandeln. Und schließlich kann es nur mit Hilfe von uns Menschen, die selbst maßgeblich Schuld an dem Desaster sind, wieder zu neuem Glanz erblühen. In Cia’s Welt ist dies der Fall, es wird mit Nachdruck an der Neuerschaffung des natürlichen Umfeldes der Erde gearbeitet und dazu bedarf es schlauer Köpfe und Führungspersonen, die die Fehler der Vergangenheit erkennen und vermeiden.
Von Zeile zu Zeile hetzt die Autorin den Leser in einer unaufhörlichen Flut an unvorhersehbaren Geschehnissen durch die Seiten. Ich kenne wenige Geschichten, die mich so oft überrascht haben, wie diese. Nicht selten, musste ich kurze Verschnaufpausen einlegen, um mir klar zu werden, was da gerade über mich und den Handlungsverlauf hereingebrochen ist und ebenso oft war ich starr vor Entsetzen. Gerade zum Ende hin häufen sich Geheimnisse, Zweifel und Ängste der Protagonisten, die einen als Leser beinahe vor Spannung und Neugier bersten lassen. Hatte man sich gerade von einem Schock erholt, kam schon die nächste knifflige Situation auf einen zu. Dies erzeugte eine Atmosphäre der Extraklasse. Dieses Knistern in der Luft, die angespannte und unheilvolle Stimmung sind mir durch und durch gegangen. Wem kann man trauen? Was ist echt und was ein Test? Ist alles nur Berechnung? Was steckt hinter all diesen Handlungen? Was machen die anderen Kandidaten? Was lauert hinter der nächsten Ecke? Man erwartet irgendwann stets das Schlimmste und viele Hindernisse, dennoch passiert es genau dann, wenn man absolut unvorbereitet ist und das Abschätzen des Ausmaßes wird nahezu unmöglich.
Man lernt eine Welt kennen, die an Vorstellungskraft, Eigensinn und Originalität schwer zu übertreffen ist. Jede Szene, ob in den Kolonien, in Tosu-Stadt oder den unerschlossenen Gebieten, war so passgenau durchdacht und dargestellt, dass der Unterschied zur Realität kaum mehr sichtbar war. An diesem Punkt ist zu erwähnen, dass genau das – die Verschmelzung von Fakt und Fiktion, der maßgebliche Faktor für eine herausragende Dystopie darstellt. Man verbindet wie automatisch seine Gedanken mit denen der Protagonisten, hinterfragt sich selbst und unsere Zeit, stellt Unterschiede und Gemeinsamkeiten fest. Man nimmt sich etwas Individuelles für sein Leben mit und wird zum Nachdenken angeregt. Eine tiefgründige Botschaft eingewebt in ein Abenteuer, was es absolut in sich hat. Zum Ende lässt sich sagen, dass es wahnsinnig viele ungeklärte Fragen gibt, die mich wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen werden. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Fortsetzung und hoffe dort die nötigen Antworten zu erhalten.

Die Personen, allen voran Cia, hätten authentischer und detaillierter nicht sein können.
Malencia Vale ist eine Person bei der ich als erstes nur eines verspürt habe – Bewunderung. Sie sieht zuerst, wie es sehr typisch in diesem Genre ist, nur das Gute im bestehenden System, ist stolz dazu zu gehören und wünscht sich nichts sehnlicher als eine der Auserwählten für die bevorstehende Auslese zu werden. Bald darauf erkennt sie erste Unstimmigkeiten und ihre Sicht auf die Dinge wird kritischer. Sie macht eine starke Entwicklung durch. Ihre Intelligenz und Bedachtheit sind so ausgeprägt, dass ihre Schlussfolgerungen und Gedankengänge oft absolutes Erstaunen bei mir ausgelöst haben. Sie denkt ganzheitlich und sieht die Dinge in ihren fundamentalen Bestandteilen. So rückt ihr Fokus oft auf Geschehnisse und Handlungen, die anderen niemals auffallen würden. Sie löst Probleme im Gleichklang mit der Findung der Ursache. Oberflächigkeit und Unbedachtheit scheinen ein Fremdwort für sie zu sein. Hinzu kommt ihre sehr stark ausgeprägte Empathie, die ihr nicht selten das Wesen eines Menschen offenbart und somit vor schrecklichen Fehlern bewahrt. Dennoch besitzt sie die gesamte Zeit über eine kleine Schwäche, die ihr beinahe zum Verhängnis wird. Sie sieht stets das Gute im Menschen und verdrängt damit oft ihre logischen und absolut richtigen Schlussfolgerungen. Sie ist als Gutmensch erzogen und will sich diese Eigenschaft nicht nehmen lassen. In solchen Situationen sollte man oft wohl eher auf den Verstand als auf das Herz hören. Dennoch ist diese „Schwäche“ eine Sache, die sie noch sehr viel sympathischer macht. Ihre Gedanken und Gefühle verschmolzen bald schon mit meinen und ich war in sämtliche Problemlösungen involviert. Ich war so gebannt von den ganzen Herausforderungen, dass ich mir gleichzeitig selbst Gedanken über die Ergebnisse und Auswege gemacht habe. Cia baut zu nahezu jedem der anderen Charaktere eine gewisse Bindung auf, sie kümmert es, wie es anderen ergeht, sie analysiert Handlungsweisen, erweist jedem ein gewisses Maß an Respekt und lernt aus den Aktionen der Konkurrenten. Im Laufe des Buches entwickelt sie einen scheinbar unbezwingbaren Überlebenswillen, eine Stärke und ein Durchhaltevermögen, dass mich nur noch Staunen lies. Ob die Geschehnissen, die hinter ihr liegen Schuld sind oder dieser Kampfgeist einfach nur tief in ihr verborgen war, wird nicht ganz klar. Eines ist sicher, Malencia Vale besticht mit so viel Charakter, dass man sie einfach mögen muss. Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Autorin eine wahnsinnige Vielfalt an Personen eingebaut hat. Jeder Einzelne trägt etwas Besonderes und Essentielles zur Geschichte bei. Vom offensichtlichen Fiesling, über die arrogante Schmeichlerin, die Träumer und Denker, bis hin zu berechnenden, kaltblütigen Verrätern, ist einfach alles dabei.

FAZIT
Diese Dystopie ist eine atemberaubende, sich bis zum Ende steigernde Geschichte, die mit so viel Tiefe und Authentizität aufwartet, dass es einem die Sprache verschlägt. Frau Charbonneau hat mit diesem Buch eine Zukunft erschaffen, die sehr komplex und originell ist. Inmitten dieser erdachten Welt zeigt sich eine wahnsinnige Vielfalt an tollen Charakteren, die „Die Auslese“ nicht nur lesenswert machen, sondern einen solchen Sog erzeugen, dass man es einfach lesen muss. Für mich verdient es eindeutig die Höchstbewertung.


Ashes - Brennendes Herz
Ashes - Brennendes Herz
von Ilsa J. Bick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endzeit im großen Stil, 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Ashes - Brennendes Herz (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Alex’ Schicksal scheint besiegelt. Die 17-jährige hat einen riesigen Tumor im Kopf und möchte nach all den Therapien ihren inneren Frieden finden. Sie macht sich auf zu einer Wanderung in den Bergen. Dort trifft sie auf zwei Wanderer, ein junges Mädchen, Elli mit ihrem Großvater Jack und deren Hund Mina. Mitten im Gespräch durchzuckt sie ein schmerzhafter, alles beherrschender Blitz. Eine Druckwelle zwingt sie in die Knie und sie sieht ihr Ende nahen. Als sich alles scheinbar wieder normalisiert hat existiert die Welt, wie wir sie kennen nicht länger, der Jack ist sofort tot und seine Ellie stark verängstigt, doch auch Alex hat sich verändert. Auf der Flucht begegnen Ihnen merkwürdige Dinge, die Menschen tun plötzlich grausame Dinge. Was ist hier passiert?
Alex begibt sich auf eine Reise der Erkenntnis und erfährt dabei nicht nur was geschehen ist, sondern auch Liebe. Sie lernt Tom kennen und zu dritt versuchen sie in dieser neuen, gefährlichen Welt zu überleben. Doch das ist alles andere als einfach…

Meinung
Ich habe „Ashes“ sehr lange vor mir hergeschoben und bin schließlich mehr als froh, dass ich es jetzt endlich gelesen habe. Es wäre eine Schande, es noch länger im Verborgenen ruhen zu lassen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und flüssig. Es hat den nötigen Biss und Humor, jedoch auch eine sanfte, zarte Art. Dieser Kontrast vermag die neue diffuse Welt nahezu perfekt zu beschreiben. Man ist immer in diesem Zwiespalt – die Welt existiert zwar nicht länger, aber die Menschen und deren Gefühle sind noch immer echt und stark. Frau Bick lässt die Emotionen in Strömen fließen und so war ich an manchen Stellen auch nah an fließenden Tränen.

Die Geschichte ist völlig anders als erwartet, der Klappentext verrät in einer Hinsicht zu viel und in anderer zu wenig. Was sich hier auftut ist großartig und grausam zugleich. Die Ausweglosigkeit schwingt in jeder Zeile mit und die Angst vor dem nächsten Tag war der stete Begleiter. Ich versetze mich immer sehr stark in die Personen hinein und verschmelze irgendwann derart mit Geschichten, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht, diesmal war es so extrem, dass ich teilweise an mir selbst zweifeln musste. Ich liebe Dystopien! Es hat mich in vielerlei Hinsicht mitgenommen und berührt. Der gesamte Handlungsablauf ist so genial durchdacht und von einer Spannung durchzogen, die mir durch Mark und Bein ging. Die Idee eines derartigen Szenarios ist nicht direkt neu, aber die Art und Weise, wie die Autorin das Ganze umgesetzt hat, ist einfach gigantisch. Nicht nur jede Menge unvorhergesehene Wendungen, sondern auch Verzögerungen und verheißungsvolle Gedankengänge der Protagonistin haben das Spannungslevel stets im Alarmbereich gehalten. Ich habe meist etwas Furchtbares in genau den falschen Situationen erwartet und etwas Wunderbares ebenso. Irgendwann war ich so an die Geschichte gefesselt, dass ich wirklich mitgelitten habe. Die Angst, die unerschöpfliche Hoffnung, die wachsende Zuneigung der Protagonisten und die ruhelosen Gesamteindrücke, lasteten wie ein schweres Gewicht auf mir und haben mich gleichzeitig in kleinere Schwärmereien gebracht. Wie kann sich etwas Gutes, etwas Reines in solchen Zeiten entwickeln, um dann brutal und unerbitterlich zerrissen zu werden? „Das kann doch jetzt nicht wahr sein?“ war wohl mein Standardgedanke. Genial empfand ich auch die Bedeutung mancher Gegenstände oder kleinerer unscheinbarer Situationen, die sich schließlich in den Fokus katapultieren und dort ein wahres Leuchtfeuer der Erkenntnis hervorrufen. Es ist auch so viel an Geschichte und Potenzial vorhanden, dass ich mir sicher bin, dass mich die beiden nachfolgenden Teile ebenso vom Hocker hauen. Sie fängt jede Menge „kleinere“ Handlungsstränge an und vereint diese zum großen Ganzen, allerdings sind auch zum Ende noch einige offen geblieben und machen absolut neugierig auf mehr.
Absolut mein Geschmack waren so manche Kämpfe und Zusammentreffen der unschönen Art. Es war blutig, grausam, bestialisch und das alles mit einer Hingabe beschrieben, dass man als Leser beinahe um sein eigenes Leben bangen musste. Die Detailtreue hat mich zum ersten Mal nicht gestört und ich war gleichermaßen fasziniert wie geschockt.

Die Personen oder eher die Protagonistin Alex war mir sofort sympathisch, gebeutelt vom Leben und absolut bemitleidenswert macht sie sich auf die Reise, ihre wohl letzte Reise. Sie wirkt distanziert, ohne Lebenswillen und ausgelaugt. Sie widersetzt sich „dem Monster“ in ihrem Kopf nicht länger und genießt die scheinbare Ruhe in den Bergen.
Dass ihre Welt plötzlich aus den Angeln gehoben wird, gibt ihr neuen Mut und Lebenswillen. Sie entdeckt nach dem „Anschlag“ einige Veränderungen an sich und es beginnt eine tolle Entwicklung. Sie ist anfangs sehr unsicher, stellt sich immer wieder ihren Tod vor bzw. deutet Zeichen ihres herannahenden Todes. Sie ist etwas verschlossen, schwierig und möchte ihr eigenes Ding durchziehen. Doch schon bald lernt sie, dass es Menschen auf dieser Erde gibt, für die es sich immer zu kämpfen lohnt. Nicht nur sie selbst ist wertvoll und sollte gerettet werden, sondern auch die, die sie liebt bzw. lieben lernt. Sie verbringt eine kurze glückliche Zeit mit Tom und Ellie, lernt dort zu Vertrauen, sich geborgen zu fühlen, Sicherheit zu haben. Sie löst sich ein Stück weit von ihren Fesseln. Ihre Krankheit begleitet sie dennoch, sie spricht nicht darüber, macht sich aber Sorgen wie es weitergeht und gerät nicht selten in einen kleinen Zwiespalt. Oft genug jedoch wird dies von anderen Sorgen verdrängt. Denn nicht nur ihre Krankheit schlummert im Verborgenen, sondern auch die Veränderung, sie kann Dinge riechen, die scheinbar sonst keiner wahrnimmt. Ist das der Anfang vom Ende?
Sie entwickelt nicht nur Willensstärke, sondern auch Durchhaltevermögen, strategisches Denken und wie man Sachen zu seinem Vorteil nutzt. Sie wird zu einer richtigen Überlebenskünstlerin und nicht selten auf die Probe gestellt, denn Tom und Ellie sind nicht die einzigen Menschen, die ihr bald mehr bedeuten als sie ahnt. Sie passt sich nahezu jeder Situation perfekt an, lernt schnell und bringt eine unbändige Stärke hervor. Ich konnte so oft mit ihr fühlen, ich habe sie verstanden, in jeder Hinsicht und habe mich derart über mich selbst gewundert, denn nicht alles entspricht meinen „Werten“. Wie man soviel Unglück auf einmal erfahren kann, ohne daran zu zerbrechen gleicht einem Wunder, dennoch ist es völlig plausibel dargestellt und jede Handlung, jeder kleinste Schritt, den Alex tut, führt sie näher an eine Persönlichkeit, die sie ohne ihre Schicksalsschläge sowieso geworden wäre. Es blitzen schon zu Anfang sehr viele zarte Keime der späteren Eigenschaften hervor, daher war es nicht unrealistisch. Im Gegenteil!

FAZIT
Eine absolut mitreißende, grausame und gleichzeitig herzzereißende Geschichte mit einer absolut tollen Protagonistin. Die Veränderung der Welt, wie wir sie kennen, ist wahnsinnig komplex dargestellt und erfüllt einen als Leser mit tiefschürfenden Gedanken. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen.


Entbrannt: Band 4
Entbrannt: Band 4
von Jessica Shirvington
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es soll niemals enden..., 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Entbrannt: Band 4 (Taschenbuch)
Inhalt
Die Welt schien für einige Sekunde still zu stehen, als das scheinbar unausweichliche geschieht. Phönix ist es tatsächlich gelungen seine Mutter Lilith, der Inbegriff des Bösen, des Todes und der Verführung aus der Hölle zu befreien. Nun steht Violet eine schwere Prüfung bevor, nicht nur der Kampf gegen die wohl mächtigste Verbannte aller Zeit liegt ihr als schwere Bürde auf den Schulter, nein, auch die Gunst der Grigori muss sie sich in der New Yorker Akademie erst noch verdienen. Tiefes Misstrauen säumt die Ränge des Grigori Rates und ihre Anführerin Josephine ist Violet nicht wohl gesonnen. Ihr steht der denkbar größte und ihr wohl letzter Kampf bevor. Noch immer hofft sie Phönix auf ihre Seite zu ziehen, tief in ihrem Innern glaubt sie seine wahren Gefühle zu erkennen. Doch ihr bleibt keine Zeit, denn sobald der nächste Kampf über sie hereinbricht, ist die Chance für beide gering, lebend aus dieser Sache herauszukommen. Trotz der bewegten Zeiten, geben Lincoln und Violet endlich ihren Gefühlen füreinander nach und erkennen ihre tiefe Liebe so an, wie sie es schon für so lange Zeit herbeisehnen. Doch die Konsequenzen sind schwerwiegend und verändern alles. Niemals wird irgendetwas wieder wie vorher sein….

Meinung
Was habe ich auf diese Fortsetzung gewartet. Furchtbare Qualen musste ich ausstehen und das halbe Jahr hat sich gezogen wie ein unglaublich zäher und großer Kaugummi. Doch dann war es schneller da als ich dachte und ich bin freudestrahlend durch die Gegend gesprungen. Und nun? Jetzt ist es schon wieder vorbei und eine tiefe Traurigkeit breitet sich wieder aus – erneut heißt es WARTEN! Ja ihr lest richtig, es war wieder toll, warum? Das erfahrt ihr jetzt:

VORSICHT FORSETZUNG, wer die Vorgänger noch nicht gelesen hat, könnte hier gespoilert werden!!!

Der Schreibstil bleibt gewohnt genial. Das absolut unumstößliche Talent der Autorin, Gefühle in Worte zu fassen, lies mich Zeile um Zeile in die Geschichte fließen, bis kaum noch etwas von meinen eigenen Emotionen übrig war. Gebannt und völlig eins mit Violet war ich versunken und bin erst wieder aufgetaucht, als ein jähes und grausames Ende mich ereilte. Was auch immer ihren Worten diese derartige emotionale Präsenz verleiht, ist die goldene Essenz für eine wahnsinnig gute Reihe, die sicher nahezu jeden in seinen Bann ziehen würde.

Die Geschichte nimmt einen relativ vorhersehbaren Lauf, weil man einfach weiß und ahnt, dass die Mutter des Bösen absolut nichts Gutes bedeuten kann. Doch diesmal hat sich Frau Shirvington einer anderen Taktik bedient. Sie verschachtelt die Geschehnisse derart aufwendig und genial, dass man ständig abgelenkt ist und schließlich doch wieder völlig vom Hauptszenario überrumpelt wird. Es gibt wieder jede Menge Verschwörungstheorien, Mutmaßungen und Pläne, auch im Hintergrund läuft so viel ab, was man mehr oder weniger zwischen den Zeilen oder im Kontext herausliest. Erst ganz zum Ende hin erkennt man so manche Intension der teilweise halsbrecherischen Handlungen. Das Spektakel entlädt sich schließlich in einer schier endloses Verblüffung, man tappt ständig im Dunkeln und ist völlig überrumpelt von den ganzen kleinen Handlungssträngen, die sich zuguterletzt alle auf einmal zu einem vereinen. Ich war teilweise so entsetzt und geschockt, dass ich erst in ruhigeren Zwischenszenen, die ebenfalls passgenau eingebunden waren, die eigentliche Reichweite der Ereignisse erkennen und verstehen konnte.
Auch in Sachen Liebe konnte man wieder Einiges erleben, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, macht man als Leser alles mit. Ich war schon seit dem 2. Teil absolut tief berührt von dieser wunderschönen und absolut ergreifenden Liebesbeziehung zwischen Lincoln und Violet. Doch es hatte immer diesen bitteren Nachgeschmack, ein schier endloses Hinhalten und Verzögern ist absolut unerträglich und in dieser Geschichte einfach so unglaublich passend und unausweichlich. Man will es als Leser so sehr, dass es funktioniert und doch sind die Beweggründe stets die richtigen. Es ist nicht wie in vielen Büchern, dass es einfach nur noch nervt und man denkt: „Stellt euch nicht so an!“. Nein absolut nicht. In diesem Teil sind die Szenen zwischen den Beiden immer so emotional, dass sich ein dicker Kloß in meinem Hals bildete. Es wirkt so verzweifelt, so ausweglos und dennoch ist diese tiefe Verbundenheit, die Verwandtschaft beider Seelen so herzerwärmend schön, dass ich absolut niemals genug davon kriegen konnte. Wie schon erwähnt besitzt die Autorin diese besondere Gabe, die Dinge und vor allem die Gefühle zu benennen, was vor allem diese Szenen zu einer wirklich besonderen Sache macht. Es wertet die gesamte Geschichte noch einmal auf und untermalt die grausamen Geschehnisse. Es geht in diesen Büchern um das Zusammenspiel von Gut und Böse, Licht und Finsternis und genau das bildet Jessica Shirvington in einer absolut grandiosen Art und Weise ab.

Die Personen entwickeln sich in vielerlei Hinsicht weiter, gerade Violet, mit der ich in Teil 1 nicht sofort warm wurde, macht riesige Sprünge, sie lernt mehr und mehr ihre besonderen Fähigkeiten zu schätzen und zu nutzen. Sie verarbeitet die Geschehnisse rund um ihre Mutter, akzeptiert die Gefühle zu Lincoln auf eine Art, die sie für unumstößlich richtig hält. Sie entwickelt eine so unbändige Stärke und Selbstlosigkeit, dass sie einen weiteren riesigen Sympathiesprung macht. Ihre Beweggründe sind die meiste Zeit richtig und dennoch bricht es einem beinahe das Herz, wenn man schließlich die Konsequenzen sieht. Doch Violet lässt sich davon nicht niederringen, sie versteht es sich auf das zu fokussieren, was ihr eine Sicht auf die Dinge verleiht, an die man als „Normalsterblicher“ gar nicht denken würde. Macht ist eine Bürde und genau das erkennt sie. Auch wenn das bedeutet, dass sie ihre große Liebe und ihren Seelenverwandten Lincoln nicht auf die Art haben kann, wie ihr gesamtes Inneren es gerne hätte. Das Verlangen und die Sehnsucht sind allgegenwärtig. Lincoln macht die ganze Sache im Prinzip nicht leichter, auch wenn er immer der Beherrschte ist und Violets Anker darstellt. Er ist loyal, einfühlsam und stark. Obgleich er genau die gleichen Qualen erleidet, wenn er den Abstand erzwingt, ist er doch immer derjenige der Verständnis für Violet hat und sie auffängt. Schon ab dem ersten Band war er mir wahnsinnig sympathisch. Er hat diese sanfte und starke Art, bei der man sich einfach sicher und geborgen fühlt. Endlich wird auch er ein wenig offener und verschiebt seine Prioritäten. War ihm früher die Loyalität zur Akademie der Gregori das Wichtigste, ist es nun Violet der er sich in jeder Hinsicht hingibt.
Auch von Phönix hat man einiges zu erwarten. Ich mochte ihn in bisher keinem Teil, ob es sich diesmal geändert hat, solltet ihr lieber selbst lesen.

FAZIT
Diese Reihe ist und bleibt für mich ein absolutes Meisterwerk. Ich liebe den Schreibstil, ich liebe die Personen, ich liebe einfach ALLES an diesen Büchern und wer sie nicht liest, ist selbst Schuld. Es ist wirklich schade, dass so Wenige sie kennen, aber ich werde nicht eher ruhen, bis ich nicht mindestens die halbe Buchbloggerwelt zum Lesen dieser Schätze genötigt habe!!! Euch erwartet so viel, ihr lernt Gut und Böse im Einklang, sowie im absoluten Chaos kennen. Eine der schönsten und dramatischsten Liebesgeschichten vermag euch zu verzaubern. Jeder einzelne Charakter hat etwas ganz besonderes und fügt sich wie selbstverständlich in die aufreibenden und unglaublich spannenden Geschehnisse ein. LESEN!!!


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