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Rezensionen verfasst von
Sarah O. "Sarahs Welt der Bücher" (NRW)
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Shadow Falls Camp - Verfolgt im Mondlicht: Band 4
Shadow Falls Camp - Verfolgt im Mondlicht: Band 4
von C.C. Hunter
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Von Chamäleons und Eidechsen, 31. August 2013
„Verfolgt im Mondlicht“ von C.C. Hunter ist der vierte und damit vorletzte Band der „Shadow Falls Camp“-Reihe, in der es um ein Feriencamp für übernatürliche Jugendliche und die 16-jährige Kylie, eine Übernatürliche mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, geht.

Inhaltlich dreht sich dieses Mal alles um Kylies am Ende des letzten Bandes aufgedeckte Identität – ein Chamäleon soll sie sein. Doch was ist ein Chamäleon? Und was sind das für flüsternde Stimmen, die sie aus dem Wald zu rufen scheinen? Während ein neuer Geist zeigt, der Kylie auf die Spur eines Mordes bringt, muss sie sich langsam fragen, ob Shadow Falls Camp der richtige Ort für eine Übernatürliche wie sie ist…

Bisher war die „Shadow Falls Camp“-Reihe für mich ein einziges Auf und Ab. Den ersten Band, „Geboren um Mitternacht“, fand ich trotz der sich bereits dort andeutenden, schier unerträglichen Naivität und Ich-Bezogenheit der Protagonistin Kylie noch wirklich gut, was wohl hauptsächlich an der interessanten Idee einer Übernatürlichen mit nicht zuzuordnenden Fähigkeiten gelegen haben muss. Der zweite Band, „Erwacht im Morgengrauen“, war dann die große Enttäuschung. Eine haarsträubende Dreiecksbeziehung, eine Protagonistin, die sich ständig vom Wesentlichen ablenken lässt und eine kaum vorhandene Handlung machten die Fortsetzung für mich zur Qual. Nachdem der mit viel Mut dennoch begonnene dritte Band, „Entführt in der Dämmerung“, mich mit mehr Spannung und weniger Liebeschaos wieder versöhnlicher gestimmt hatte, ging ich dann recht motiviert an diesen vierten Band heran. Vielleicht war der zweite Band ja ein Ausrutscher, dem nun bis zum Ende eine spannende Geschichte auf solidem, wenn auch nicht überragendem, Niveau folgen würde? Leider habe ich mich in diesem Punkt geirrt. Das Auf und Ab setzte sich fort und, während der dritte Band wieder ein leichter Lichtblick war, fehlen mir für diesen zusammengeschusterten vierten Band beinahe die Worte.

Ich denke unter gewissen Voraussetzungen, die mir offenbar nicht liegen, kann man diesen „Shadow Falls Camp“-Band ganz gut lesen: Wenn man einfach die eigenen grauen Zellen vollständig abschaltet, bloß nicht über das Gelesene nachdenkt und erst recht niemals auch nur irgendeine Aussage hinterfragt. Denn die Figuren, allen voran die Hauptprotagonistin Kylie, haben bis auf wenige Ausnahmen in etwa einen Intelligenzquotienten auf dem Niveau von Toastbrot und auf dieser Basis führen sie auch ihre Unterhaltungen und Recherchen durch. So bin ich ziemlich sicher, dass jede/r Leser/in über 14 Jahren, also aus genau der Altersgruppe, auf die diese Reihe ausgelegt ist, ganz schnell den Zusammenhang zwischen Kylies Fähigkeiten, ihrem Gehirnmuster und der Bezeichnung „Chamäleon“ im Kopf hat – aber Kylie und ihre Mit-Camper nicht. Sie diskutieren zunächst lieber über zwei Dinge, nämlich erstens ständig darüber, dass das alles gar nicht sein kann (obwohl es nachweislich so ist) und zweitens darüber, was es wohl bedeutet, dass Kylie eine Eidechse ist. Hallo? Eine Eidechse? Wer denkt denn bei Chamäleons an Eidechsen? Hat ein Chamäleon nicht viel näherliegende, sofort ins Auge fallende Eigenschaften, die man vielleicht auf Kylie übertragen könnte? Die Autorin versucht aus Kylies Identität auf eine so hanebüchene Weise ein Geheimnis zu konstruieren und dieses aufrecht zu erhalten, solange es irgendwie möglich ist, selbst wenn sie dazu ihren Protagonisten jegliche Intelligenz nehmen und den Leser nervlich in den Wahnsinn treiben muss.

Das Gleiche gilt für die Liebesgeschichte. Daran ist nichts mehr romantisch, sie tritt einfach nur noch auf der Stelle und es ist fast grotesk, wie Lucas und Derek jedes Mal nacheinander abgespult werden. Ein entscheidendes Ziel der Autorin scheint auch hier zu sein, diesen Dreieckskampf um jeden Preis bis zum letzten Band der Reihe zu schleifen, auch wenn das Stillstand und Wiederholungen bedeutet.

Nebenbei: Das macht sie auch mit allen anderen Figuren. Selbst, wenn sie für den aktuellen Handlungsstrang kaum Bedeutung haben und es keine Neuigkeiten zu diskutieren gibt, werden wie in Dauerschleife Gesprächsrunden immer wieder abgespielt. Kylie redet erst mit Holiday, dann mit Burnett, dann mit Della und Miranda, dann mit Derek und Lucas. Zwischendurch grätschen mal die Eltern ins Geschehen oder die Reihenfolge ändert sich leicht, aber – und das ist das Entscheidende – schnell stellt sich das Gefühl ein, dass niemals, wirklich niemals, etwas wichtiges passiert, was die Handlung voranbringen könnte, bevor nicht die gesamte langweilige Gesprächspalette durchgespielt wurde. Nach einem wichtigen Ereignis beginnt sie dann natürlich wieder von vorn.

Was bei diesen Gesprächsrunden bezeichnend ist, ist leider auch, dass sie sich hauptsächlich um Nebensächlichkeiten drehen. In stetigen Abständen taucht, wie schon in vorangegangenen Bänden, ein Geist auf und verbreitet ein bisschen Panik, bringt Kylie auf die Spur eines Mordes, kann sich dann aber wieder nicht deutlich ausdrücken – und, dass die viel beschäftigte Kylie sich jetzt selbst in Recherchen stürzen würde, kann doch nun niemand ernsthaft erwarten. Es geht ja nur um einen Serienmörder, der möglicherweise noch andere bedroht. In Kylies Welt ist das wohl absolut nicht wichtig genug und das hat mich teilweise wirklich rasend gemacht.

Welche übernatürliche Kraft auch immer die Geister schickt, um Botschaften zu überbringen, sie sollte das lassen. Die Geister rücken nicht mit der Sprache raus, sondern verschwinden lieber wieder, und die Geisterseherin ist leider viel zu sehr mit sich selbst, ihrem Liebesleben, dem Liebesleben ihrer Camp-Leiterin, dem Liebesleben ihrer Freundinnen, dem Liebesleben ihrer Eltern und vielen anderen Dingen, die hauptsächlich sie selbst betreffen, beschäftigt, plaudert zwar ständig mit jedem, vergisst aber entweder die richtigen Fragen zu stellen oder beschließt gleich ihren Freunden und Verbündeten, warum auch immer, auf keinen Fall zu vertrauen, erzählt ihnen nichts, kümmert sich selbst aber auch nicht drum. Wen wundert es also, dass diese dermaßen aufgebauschte Handlung mit dem Geist und der Suche nach dem Mörder letztendlich vollkommen irrelevant war und innerhalb weniger Seiten ohne jede Substanz abgehandelt wurde. Das Ende dieses vierten Bandes als eine Enttäuschung zu bezeichnen, ist noch freundlich ausgedrückt.

Leider fragt man sich mit der Zeit auch, was die Camp-Bewohner überhaupt machen. Zwischenzeitlich scheint die Autorin nämlich vergessen zu haben, dass die Jugendlichen dort am Anfang doch mal ein gewisses Tagesprogramm hätten haben sollen. Davon findet praktisch gar nichts statt. Deswegen kann ich auch nicht so genau sagen, womit unser Naivchen und Dummchen Kylie ihre Zeit so sehr vergeudet, dass es ihr nicht möglich ist, sich um wichtiges zu kümmern – wahrscheinlich mit Umarmungen und Plaudereien über ihr Beziehungsleben. Und sie jammert gerne. Ist auch schlimm, etwas ganz Besonderes zu sein, anscheinend einfach alles zu können, was in der übernatürlichen Welt möglich erscheint, beliebt zu sein und gleich zwei Traumtypen zur Auswahl zu haben. Schlimme Sache. Arme Kylie.

Sprachlich kann ich dieser Jugendbuchreihe leider nicht das geringste Lob aussprechen. In freundlichen Worten würde ich den Schreibstil als unspektakulär bezeichnen, in weniger freundlichen als zu kindlich und langweilig. Diesem Band fehlt jede Spannung und jeder Biss, zwischendurch kann man mal Schmunzeln, das war es aber auch schon. Die Handlung wirkt unausgeglichen und wenig rund, was sich an einem schnell abgehandelten Ende deutlich festmachen lassen kann. Was mich mitunter am meisten ärgert, ist, dass mich der schwache vierte Band vor eine schwierige Entscheidung stellt: Das Finale dennoch lesen oder die Reihe wirklich nach dem vorletzten Band abbrechen? Da bin ich noch unentschlossen, denn beides widerstrebt mir im Augenblick sehr.

Fazit: Ich bin mehr als enttäuscht über die Entwicklung dieser Reihe. Die Handlung findet keinen roten Faden, das meiste wirkt in die Länge gezogen, die Protagonisten verhalten sich oft unlogisch und – ich kann es nicht anders sagen – dumm. Spannung kommt kaum auf. Ich vergebe sehr knappe zwei Sterne.


Godspeed - Die Ankunft
Godspeed - Die Ankunft
von Beth Revis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein steiniger Weg zur neuen Heimat, 26. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Godspeed - Die Ankunft (Gebundene Ausgabe)
„Die Ankunft“ ist der dritte Band der dystopischen Jugendbuch-Trilogie „Godspeed“ aus der Feder der amerikanischen Autorin Beth Revis und bildet damit einen Abschluss der in weiter Entfernung im Weltall angesiedelten Science Fiction.

Inhalt: Das Shuttle der Godspeed landet endlich auf der Zentauri-Erde und Amy kann ihre Eltern und die anderen Eingefrorenen wecken. Anschließend scheint sich Juniors Misstrauen zu bestätigen – die militärisch Ausgebildeten unter den ehemaligen Sol-Erde-Bewohnern übernehmen, angeführt von Amys Vater, das Kommando. Das Verhältnis zu den Menschen von der Godspeed ist schwierig. Doch das soll nicht das einzige Problem für Junior und Amy bleiben, denn der Planet ist alles andere als eine friedliche neue Heimat.

Größtenteils hat „Die Ankunft“ meine Erwartungen erfüllt und kann auch mit den ersten beiden Bänden der Reihe problemlos mithalten. Die Reise zur Zentauri-Erde war für die Protagonisten wie auch für mich als Leser eine sehr spannende. Nach all der Zeit in der Enge eines Schiffes, so sinnlos in die Länge gezogen durch die Entscheidung und Diktatur eines Einzelnen, empfand selbst ich von meinem Standpunkt jenseits der Buchseiten aus die Situation als bedrückend und so frustrierend, dass ich Junior, Amy und den anderen die Freiheit eines ganzen Planeten mit jeder Faser gewünscht und vollkommen begeistert mitgefiebert habe bei ihrer Landung.

Eins schafft die Autorin nämlich mit Sicherheit: Durch ihre beiden Ich-Erzähler, Amy und Junior, ist der Leser immer nah dran am Geschehen, auch nah dran an den Gefühlen der Figuren, und erlebt ihre emotionalen Höhen und Tiefen von Frustration über Erleichterung bis zur Liebe ungefiltert mit. Die Atmosphäre dieses Buches – die Atmosphäre der gesamten Reihe – ist atemberaubend. Allein das Szenario der einsamen Godspeed im Weltall war klasse gewählt. Der Werdegang dieses Schiffes hat in den ersten beiden Bänden so viele Eindrücke hinterlassen und mich als Leser manchmal in einen Zustand der atemlosen Anspannung versetzt, und genau daran kann Beth Revis jetzt mit der Landung auf dem neuen rätselhaften Planeten anknüpfen und den Leser mit ihrem eher schnörkellosen aber durch die Ich-Perspektiven doch auch sehr nachdenklichen Stil erneut mitreißen.

Was für mich letztendlich den Unterschied zwischen einem sehr guten Abschluss und einem perfekten gemacht hat, steckte leider im Detail – eine überschaubare Ansammlung von Kleinigkeiten, die mich in ihrer Summe dennoch einfach nicht loslassen und bei mir den Eindruck erwecken, dass manche Wendung doch mit Gewalt erzwungen und manches Unglück doch zu sehr gewollt war. Ob es nun eine Figur war, die sich – unverständlicherweise von Amy teilweise gefördert - zwischen die Liebe von Amy und Junior zu drängen schien und dadurch im letzten Band noch die klischeehafte und beinahe obligatorische Dreiecksgeschichte herbeizuführen drohte, oder einige Fragen der Logik, durch die die Wendungen am Ende nicht in jedem Detail problemlos mit jeder zuvor getroffenen Aussage in Einklang gebracht werden konnten – manchmal wirkte es in der näheren Betrachtung einfach nicht ganz rund.

Das gilt auch für die Figuren, die entgegen ihrer Erfahrungen teilweise etwas zu starr und stur angelegt waren, sodass sie im Ergebnis doch zu vorhersehbar und zu direkt auf Konflikte und Krawall zusteuerten. Während ich den Menschen der Godspeed aufgrund ihrer auf einen isolierten Lebensraum beschränkten Erfahrung einiges an eingefahrenem Verhalten verzeihen, sie sogar verstehen konnte, muss ich bei den erweckten Ex-Eingefrorenen kritischer sein. Sie bestätigten einfach zu sehr die von Orion und Junior aufgrund von Angst und Vorurteilen aufgestellten Erwartungen und das konnte mich nicht überzeugen. Eine Entwicklung war zwar festzustellen, aber diese kam, so hatte ich das Gefühl, erst, nachdem Revis ihr Bedürfnis nach einer ordentlichen Konfrontation befriedigt hatte, selbst wenn diese dadurch ein wenig konstruiert, eine Spur zu gewollt und für den Leser ziemlich frustrierend wirkte.

Allerdings ist eine große Portion Frustration für mich bei dieser Trilogie ohnehin ein ständiger Begleiter, wenn auch in einem positiv-mitfühlenden Sinn. Die Ausweglosigkeit der Situationen, die Überflüssigkeit von Leid und Tod und die Hilflosigkeit gegenüber vielen Ereignisse wecken beim Leser neben der schönen, aber ebenfalls schwierigen Liebesgeschichte die mitreißende Sogwirkung dieser Reihe. „Godspeed“ ist keine einfache Geschichte, die spurlos an einem vorüber zieht, sondern nimmt sehr mit, macht oft traurig und wütend, was aber, um es positiv auszudrücken, auch dazu führt, dass der Leser involviert bleibt – und das gilt im Speziellen auch für den dritten und letzten Band. Oft konnte ich nur den Kopf schütteln aufgrund der Sinnlosigkeit mancher Aktionen und einem starken Gefühl von Wozu-das-alles – aber so schrecklich und schockierend es manchmal auch war, ich konnte kaum aufhören zu lesen.

Fazit: Die „Godspeed“ erreicht in „Die Ankunft“ ihr Ziel und begeistert ein letztes Mal mit ihren starken Protagonisten und schockierenden Wendungen. Kein einfaches Ende, aber – abgesehen von kleinen Unebenheiten im Detail – ein starkes und mitreißendes. Gute 4 Sterne.


Das Labyrinth jagt dich
Das Labyrinth jagt dich
von Rainer Wekwerth
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Fortsetzung, die alle Erwartungen erfüllt, 25. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Labyrinth jagt dich (Gebundene Ausgabe)
„Das Labyrinth jagt dich“ von Rainer Wekwerth ist der zweite Band einer deutschen Jugend-Science-Fiction-Trilogie. Der erste Band, „Das Labyrinth erwacht“, konnte mich durch ein hohes Spannungsniveau und interessante Charaktere uneingeschränkt begeistern. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an seine Fortsetzung – ob er diesen gerecht werden konnte?

Zunächst einige Worte zum Inhalt: Fünf der sieben Jugendlichen haben es bis in die dritte Welt geschafft, doch der Kampf gegen die Zeit, gegen das Labyrinth und auch gegeneinander geht weiter. Nur vier Portale warten auf Jeb, Jenna, León, Mary und Mischa als Weg in die nächste Welt. Wieder wird einer von ihnen zurückbleiben…

So abrupt wie der erste Band nach den ersten beiden Welten endete, geht es jetzt in der dritten Welt auch weiter. Nahtlos schließt sich diese an die Ereignisse des letzten Bandes an, die fünf verbliebenen Jugendlichen sind direkt wieder mitten drin in ihrer Suche nach den Toren. Spannend wie im ersten Band geht es weiter. Wo sind die Portale, wie werden die jungen Leute dorthin gelangen? Die wichtigste Frage von allen natürlich beschäftigt die Protagonisten wie den Leser in jeder liebevoll gestalteten Welt gleichermaßen: Wer wird es dieses Mal nicht schaffen?

Die fünf der ursprünglich sieben Hauptfiguren, die der Leser jetzt noch durch die Welten begleiten kann, sind abwechslungsreich und in ihrer Entwicklung glaubwürdig, wie schon im ersten Band. Nicht immer machen sie in ihrem inneren Kampf zwischen Freundschaft, sogar Liebe, und dem eigenen Überlebenswillen einen sympathischen Eindruck, nicht immer handeln sie nach moralischen Gesichtspunkten fair oder richtig. Aber wer könnte das unter den hier erdachten Umständen schon von sich behaupten?

Die Welten haben strenge Regeln: Ein Portal wird jedes Mal fehlen. Ein junger Mitstreiter muss zurückbleiben, allein seinem ungewissen Schicksal in der surrealen Umgebung überlassen werden. Zwischen den Jugendlichen schließen sich Allianzen, Liebe ist im Spiel, ständig muss einer fürchten, auf der Strecke zu bleiben. Unter diesen Gesichtspunkten mag sich nicht jeder immer „richtig“ verhalten, stattdessen dominiert in diesem Roman die Glaubwürdigkeit. Jede Entwicklung eines Charakters ist gut durchdacht, glaubhaft vermittelt und sowohl der ursprünglichen Konstitution der Figur wie auch ihrer Anpassung an die Umgebung und der Ausnahmesituation geschuldet. Die Charaktere sind und bleiben eine große Stärke dieser Reihe. Sie gehen unter die Haut.

Die Welten sind weiterhin abwechslungsreich gestaltet. Mal ist die Bedrohung von außen groß, die Welt physisch gefährlich, mal beansprucht sie den Verstand und greift die Psyche an. Was ist überhaupt real, was sind nur Illusionen? Dieser zweite Band lüftet nur wenige Geheimnisse, lässt dem Leser aber viel Raum für Vermutungen. Kleine Hinweise spicken den Weg der Protagonisten, es bleibt spannend, wie sich das am Ende alles zu einem logischen Ganzen zusammen fügen wird. Wer steckt hinter diesem grausamen Spiel, warum hat es ausgerechnet die sieben jungen Leute getroffen, die anscheinend nichts gemeinsam haben?
In der Natur der gesamten Grundidee liegt es natürlich, dass viele Geheimnisse noch erhalten bleiben müssen – ein Abschluss, und sei es auch nur ein Teilabschluss, der über das Ende einer der Welten hinausgeht und die großen Fragen hinter der Existenz des Labyrinth aufdeckt, ist hier noch nicht zu erwartet. Dennoch nähert man sich diesen Lösungen Schritt für Schritt an und das ist umso spannender, je weiter die Charaktere voranschreiten.

Die Erinnerungen der Charaktere an ihre Leben vor dem Labyrinth, die ihnen zu Beginn komplett genommen waren, kehren langsam zurück, bei einigen schneller und sehr deutlich, bei anderen bleiben es noch Schatten, einzelne Bilder oder Gedanken. Auch diese Erinnerungen und der Aufbau des Romans, die Art, wie sie Welt um Welt in die Handlung eingeflochten werden, sind spannend, mitreißend und so packend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Ein flüssiger, unaufgeregter Schreibstil, der die Atmosphäre der Handlung gelungen aufgreift und die Welten in ihren Details plastisch beschreibt rundet den gelungenen Gesamteindruck am. Selbiges gilt auch für die wechselnden Perspektiven, die dafür sorgen, dass kein Charakter zur Nebenfigur verkommt, sondern alle gleichberechtigt erscheinen, was die Spekulationen um ihre Reihenfolge ihres Ausscheidens nur noch erschwert. Jede Figur, die unterwegs zurückblieb, egal wie schwierig ihr Charakter war, habe ich schmerzlich vermisst. Umso mehr trieben mich beim Lesen die Fragen nach ihrem Schicksal um. Es schien klar, dass das Zurückbleiben den Tod bedeuten würde – doch ist das auch tatsächlich so? Der zweite Band traut sich, einige Erkenntnisse aus dem Vorgänger noch einmal gehörig auf den Kopf zu stellen. Man kann sich beim Labyrinth nie ganz sicher sein…

Fazit: Riesige Erwartungen bravourös erfüllt. Starke Charaktere mit viel Tiefe und ausgefeilte Welten machen auch die Fortsetzung zu einem spannenden Lesevergnügen. Ich kann es kaum noch erwarten, dass die großen Geheimnisse des Labyrinths gelüftet werden und erwarte den dritten Band schon jetzt sehnsüchtig – bis zum Sommer 2014 werde ich mich wohl leider gedulden müssen. Für den zweiten vergebe ich aber definitiv 5 Sterne. Die Reihe ist genial.


Die Auslese - Nur die Besten überleben: Roman (Die Auslese-Trilogie, Band 1)
Die Auslese - Nur die Besten überleben: Roman (Die Auslese-Trilogie, Band 1)
von Joelle Charbonneau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dystopisches Highlight, 25. August 2013
„Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist der Auftakt einer dystopischen Trilogie, angesiedelt in einem postapokalyptischen Amerika in der Zukunft.

Inhalt: Nach einem verheerenden Krieg sind weite Teile Amerikas unbewohnbar. Die Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, sie nach und nach wieder mit Kolonien zu besiedeln und das Land nutzbar zu machen. Die 16jährige Cia lebt mit ihrer Familie in einer der kleineren Kolonien. Sie macht gerade ihren Schulabschluss und träumt davon auf die Universität zu gehen, doch nur wenige Schüler werden dazu ausgewählt, an der „Auslese“ teilzunehmen, einer Reihe von Tests, die über die zukünftigen Studenten entscheiden. Cia ist zunächst überglücklich, als sie erfährt, dass sie für die Auslese in die Hauptstadt reisen darf, auch wenn das bedeutet, dass sie ihre Familie vielleicht nie wieder sieht. Doch ihr Vater, der vor vielen Jahren selbst die Auslese absolviert hat, warnt sie. Es könnte gefährlich werden – tödlich – und sie darf niemandem vertrauen…

Dystopien mit jugendlichen Protagonistinnen, nicht selten Trilogien, gibt es mittlerweile auf dem Buchmarkt wie Sand am Meer. Um aus dieser Masse herauszustechen, muss ein Buch schon eine ganz besonders überzeugende Zukunftsvision liefern und glücklicherweise hat die amerikanische Autorin Joelle Charbonneau genau das mit „Die Auslese“ geschafft. Der Auftakt ihrer dystopischen Trilogie bietet eine abwechslungsreiche, spannende Handlung in einem glaubwürdigen, mit einer gut durchdachten Hintergrundgeschichte versehenen Szenario einer postapokalyptischen Zukunft. Die Gesellschaft und ihre Aufgaben, das Leben der Menschen in kleinen und größeren Kolonien, die sich nach und nach wieder vernetzen und Lebensraum neu erschließen, sind insgesamt eine gut vorstellbare Situation der Menschheit nach einem zerstörerischen Krieg, der große Teile der Welt verseuchte und unbewohnbar machte. Bis hinein in die Details ist diese Grundidee, auf der die Autorin ihre Dystopie aufbaut, gelungen umgesetzt.

Trotz jugendlicher Protagonistin (Cia ist 16 Jahre alt) und einer dadurch jungen Zielgruppe setzt die Autorin auf realitätsnahe Schilderungen, die ihrer düsteren Idee der Auslese Leben einhauchen. Nur die besten Schüler, die klügsten Köpfe und stärksten Anführer sollen die Möglichkeit haben, die Universität zu besuchen und dadurch in Zukunft wichtige Posten für die Gesellschaft zu übernehmen. Aus der Vergangenheit, aus dem verheerenden Krieg voller Fehlentscheidungen, will die Gesellschaft gelernt haben, auf welche Fähigkeiten es ankommt, damit sich so etwas nicht wiederholt – doch ihre Methoden sind für den Leser nicht leicht zu verdauen.
Die Autorin strukturiert die einzelnen Testphasen sehr gut, mit jeder Seite folgt der Leser der Ich-Erzählerin Cia tiefer hinein in die erschreckende Erkenntnis, dass die Auslese nicht harmlos ist. Grenzen scheinen weder die Tester noch die anderen Kandidaten zu kennen, der Untertitel „Nur die Besten überleben“ ist Programm. Es wird unheimlich und teilweise auch sehr blutig und grausam, wodurch das Buch trotz des Alters der Protagonistin sicher nicht als reines Jugendbuch, sondern eher in der Zielgruppe der (jungen) Erwachsenen beziehungsweise als All-Age-Buch zu sehen ist.

Bei den Charakteren liegt der Fokus deutlich auf der Ich-Erzählerin Cia, mit vollem Namen eigentlich Malencia Vale. Sie ist ein vielschichtiger Charakter, in den sich der Leser schnell hineinfühlen kann. Sie hat sowohl starke als auch menschlich-schwache Momente und ist dadurch eine sehr real und glaubhaft wirkende Figur, die sich durch einen facettenreichen Charakter auszeichnet. Sie vertraut sowohl auf ihren Instinkt, gebraucht aber auch ihren Verstand, ist klug und handelt überlegt. Dabei ist Cia im Vergleich zu vielen anderen weiblichen Hauptfiguren ähnlicher Romane erfrischend wenig naiv. Sie beobachtet, lernt aus ihren Fehlern und denen anderer und findet ein glaubhaftes Maß zwischen Misstrauen und dem Glauben an das Gute, obwohl besonders letzterer hart auf die Probe gestellt wird, während die erschreckende Entwicklung der Auslese voranschreitet, da sie Cia gemeinsam mit dem Leser in schockierende Situationen und zu menschlichen Abgründen führen wird.
Mir hat dieser eine sympathische Charakter und das Verfolgen seiner starken Entwicklung so viel Spaß gemacht, dass Cia allein schon ein ausreichend überzeugendes Merkmal wäre, um diese Dystopie zwischen vielen anderen hervorstechen zu lassen.

Doch auch die Nebencharaktere überzeugen, ebenso wie eine zarte Liebesgeschichte, die allerdings die eigentliche Handlung nie in den Hintergrund drängt.
Auch Schreibstil und sprachliche Vielfalt hinterlassen einen überdurchschnittlich starken Eindruck und tragen mit einer flüssigen, abwechslungsreichen und sehr eindringlichen Sprache zum gelungenen Gesamtbild der Dystopie bei. Ein auffallend häufiger Gebrauch indirekter Rede anstelle direkter Dialoge verdeutlicht dabei noch einmal die Bedeutung Cias für diese Geschichte und festigt ihren Standpunkt im Fokus der Handlung, was mich gerade bei der gewählten Ich-Perspektive sehr überzeugen konnte.
Der Leser wird durch tiefgehende Gefühle, spannende Wendungen und mitreißende Überraschungen intensiv in die Handlung mit einbezogen und nimmt förmlich selbst an der atmosphärisch überzeugend geschilderten Welt und dem Schrecken der Auslese teil. Keine Sekunde möchte an dieses Buch aus der Hand legen und am Ende ist jeder Tag, den man auf die Fortsetzung warten muss, eigentlich schon zu viel. Meine Vorfreude ist jetzt schon riesig.

Fazit: „Die Auslese – Nur die Besten überleben“ von Joelle Charbonneau ist ein starker Auftakt einer neuen dystopischen Trilogie. Ein glaubhafter Aufbau der postapokalyptischen Gesellschaft sowie ein sich an Spannung und Schrecken stetig steigernder Handlungsverlauf voller unerwarteter Wendungen begeistern. Nichts ist, wie es scheint. Eine überzeugende Protagonistin und eine zarte Liebesgeschichte runden die Geschichte ab und hinterlassen ein eindrucksvolles Gesamtbild und große Vorfreude auf den zweiten Band. Sehr empfehlenswert, für jeden Dystopie-Fan ein Muss. 5 Sterne


Friedhof der Unschuldigen: Roman
Friedhof der Unschuldigen: Roman
von Andrew Miller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Kurz vor der Revolution..., 22. August 2013
In seinem Roman „Friedhof der Unschuldigen“ befasst sich der britische Autor Andrew Miller mit einer Zeit wenige Jahre vor dem Beginn der französischen Revolution.

Jean-Baptiste Baratte kommt Ende des 18. Jahrhunderts als junger Ingenieur nach Paris. Von höchster Stelle erhält er einen heiklen Auftrag. Er soll den „Friedhof der Unschuldigen“ mitten in Paris auflösen, die Gebeine der Toten bergen und abtransportieren und die Kirche abreißen. Die Faulgase verpesten die Luft der umliegenden Straßen, dennoch hängen die Anwohner an ihrem Friedhof. Baratte muss sein Vorhaben nach Möglichkeit geheim halten…

Mit dem Friedhof der Unschuldigen wählt der Autor einen realen Kern für seine ansonsten fiktive Geschichte. Den Friedhof gab es wirklich mitten in Paris, doch durch die stark wachsenden Bevölkerungszahlen, viele Seuchen und Hungersnöte hatte der innerstädtische Friedhof wie viele anderen auch Ende des 18. Jahrhunderts schon längst seine Kapazitäten überschritten. Die Faulgase der Toten, darunter viele Arme, die zuletzt zu Tausenden in Massengräbern beigesetzt worden waren, verpesteten die umliegenden Straßen so sehr, dass der Friedhof geschlossen werden musste. Anschließend wurde der Friedhof geräumt, die geborgenen Gebeine waren die ersten, die in die noch heute zu besichtigenden Pariser Katakomben gebracht wurden.

Dieses reale Ereignis aus der nahen Vorzeit der französischen Revolution nutzt der Autor nun für einen sehr bildhaften Roman, in dem es hauptsächlich um Umbruch, Veränderung und die nahende Zukunft geht. Das teilweise makabre Szenario des Friedhofs und der Ausgrabungen nutzt er dabei als Kulisse für eine düstere, schwere Atmosphäre. Der Friedhof macht die Menschen krank, bringt das schlechte in ihnen hervor. Die Veränderung wird sie retten, so der Tenor. Dennoch, trotz des Gestanks, liegt den Menschen etwas an der längst geschlossenen Begräbnisstätte. Sie verbinden sie mit ihrer Vergangenheit und das stellt Baratte zunächst vor Probleme.

Der Autor erschafft eine sehr authentische Stimmung und fängt den historischen Kontext seiner Geschichte gut ein, ohne ihn jedoch näher zu thematisieren. Er nutzt viele Ereignisse als Metaphern für die Veränderung, die sich auch in Baratte widerspiegelt, während er ein Gleichgewicht zwischen einem modernen Ich, das er zunächst gern wäre, und einem Ich sucht, mit dem er sich wohlfühlt. Der Autor setzt in diesem Roman auf Metaphern als Träger der Tiefgründigkeit, die er mit einer ausdrucksstarken, aber auch anspruchsvollen Sprache und detailreichen, bildgewaltigen Beschreibungen umsetzt, oft über Umwege und Doppeldeutigkeiten. Darin verliert er sich vielleicht sogar ein wenig, denn die ganze Atmosphäre des Romans lässt sich kaum anders als mit Schwere beschreiben. Es ist (be)drückend, dunkel und gelegentlich ein wenig träge. Zu viele Längen kommen auf.

Während die Figuren, insbesondere der Protagonist Baratte, bei manchen Ereignissen emotional regelrecht explodieren und impulsiv handeln, wirken sie an anderer Stelle zu entfernt und hölzern, können den Leser nicht erreichen. Gerade im Mittelteil konnte der Roman durch eine gewisse Distanziertheit nicht überzeugen, es setzte Langeweile ein. Erst nach einem einschneidenden Ereignis im Leben des Protagonisten erlangt die Handlung den Schwung des Anfangs wieder. Das Ende gelingt dem Autor dann hervorragend: Überraschend, bildgewaltig und sehr einfühlsam – mit einer Spur Kitsch, die aber nach all der drückenden Schwere gar nicht als störend empfunden wurde, sondern als Erleichterung.

Fazit: „Friedhof der Unschuldigen“ ist ein anspruchsvoll, sehr bildgewaltig geschriebener Roman, angesiedelt kurz vor dem Einsetzen der französischen Revolution. Der dementsprechend bereits einsetzende Wandel wird gut thematisiert, es gelingt dem Autor aber nicht immer, Längen zu vermeiden. Gute 4 Sterne


Stolen Mortality
Stolen Mortality
von Jennifer Benkau
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vampirroman mit neuen Ideen, 18. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Stolen Mortality (Taschenbuch)
„Stolen Mortality“ von Jennifer Benkau ist ein Vampirroman, der in einer schottischen Kleinstadt angesiedelt ist. Nachdem ich von den Dystopien der Autorin, „Dark Canopy“ und der Fortsetzung „Dark Destiny“, begeistert war, war ich sehr gespannt auf ihre neuste Veröffentlichung – und die Urban-Fantasy konnte meine hohen Erwartungen erfüllen.

Inhalt: Jamian ist ein Kienshi und wie schon sein Vater vor ihm der Wächter über den kleinen schottischen Ort Glen Mertha, wo er dafür sorgt, dass die ansässigen Vampire sich an die Gesetze halten. Gerade wurde Jamian jedoch selbst vom Senat verurteilt. Für einen Fehler, den sein jüngerer Bruder Junias begangen hat, soll ihm durch ein Gift die Sterblichkeit genommen werden. Als Jamian noch versucht, sich mit seiner Strafe abzufinden, taucht plötzlich eine fremde Vampirin in Glen Mertha auf. Laine hält sich an keine Gesetze und selbst die anderen Vampire warnen ihn, doch Jamian ist von ihr fasziniert….

Vampirromane mögen mittlerweile viele Leser abschrecken: Oh, bitte, nicht noch einer! Die Thematik ist in der Urban-Fantasy der letzten Jahre – nicht zuletzt auch dank Stephenie Meyers „Twilight“-Saga – ordentlich durchgekaut worden und nach etlichen Versuchen ein wenig ausgelutscht. Kann da eigentlich noch was Neues kommen? Auch ich habe mich das bei „Stolen Mortality“ gefragt. Durch „Dark Canopy“ bin ich zum absoluten Fan der Autorin geworden – und dann kommt als nächstes ein Vampirroman? Ich war skeptisch. Aber Jennifer Benkau konnte mich mit ihrer Interpretation der Blutsauger überzeugen. Auch bei Vampiren ist noch Platz für neue Ideen.

In „Stolen Mortality“ sind die Vampire nämlich nicht allein – und nein, es sind auch nicht die fast schon standardmäßig ihren Weg begleitenden Werwölfe, die ihnen in einem beschaulich gewählten Setting einer schottischen Kleinstadt begegnen. Mit den Kienshi hat die Autorin eine zweite Gattung erdacht, menschlich und doch übernatürlich, die sich gut organisiert, geführt von einem Senat, der Aufgabe angenommen haben, die Vampire zu überwachen. Kienshi und Vampire sind dabei nicht zwangsläufig verfeindet. So lange nichts Schlimmeres passiert, belauert man sich, aber lässt sich zufrieden.

Auch ein zweiter Aspekt dieses Romans ist neu: Unsterblichkeit als ein erstrebenswertes Geschenk ist als Idee bekannt, „Stolen Mortality“ jedoch konzentriert sich auf die negativen Gesichtspunkte und so wird die Unsterblichkeit zur Strafe. Für immer 19 sein – mit dieser Aussicht muss Jamian leben. Zu sehen, wie die Menschen um ihn herum altern, irgendwann im Verborgenen leben zu müssen, da die dauerhafte Jugend sonst nicht mehr zu verbergen ist, das ist Jamians Zukunft. Als Leser fand ich es bedrückend, aber zugleich auch erfrischend, dass nach der Verherrlichung der Unsterblichkeit auch mal die andere Seite in den Mittelpunkt gerückt wird. Eine Seite, über die bestimmt jeder Leser von Vampirromanen schon einmal nachgedacht hat, die aber in der Regel nicht näher thematisiert wird oder im Vergleich zu der glorifizierten Aussicht ewig zu leben zu kurz kommt.

Des Weiteren punkteten bei mir die Charaktere. Jamian und Junias sind ein Brüder-Duo, das unterschiedlicher kaum sein könnte, sich aber dennoch gut ergänzt. Hinzu kommt die geheimnisvolle Vampirfrau Laine, die schwer zu durchblicken ist. Die Protagonisten sind nicht unbedingt die Sympathieträger, die beim Leser ein Gefühl von Liebe auf den ersten Blick auslösen werden. Sie sind schwierig. Schwierig im Sinne von wütend, von unberechenbar, von stur und eigensinnig. Aber sie sind auch abwechslungsreich und vor allem absolut authentisch. Die sich entwickelnden Liebesbeziehungen sind auf der einen Seite leidenschaftlich und wild, auf der anderen zart und romantisch.

Der Schreibstil von Jennifer Benkau ist nach wie vor hervorragend. Spannungsgeladen, einfühlsam und flüssig geschrieben reißt der Roman den Leser mit. Dazu kommen ein charmanter Handlungsort in Schottland und leichte Einflüsse einheimischer Sprachen oder – im Falle der älteren Vampire – zeitgemäßer Eigenarten, die eine gewisse Natürlichkeit übermitteln.

Fazit: „Stolen Mortality“ ist ein Vampirroman, der dem Urban-Fantasy-Genre durch die Kienshi, die Wächter der Vampire, neue Ideen verschafft. Es ist spannend, intensiv und nicht aus der Hand zu legen. 5 Sterne


Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln: Der Altmann ist tot
Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln: Der Altmann ist tot
von Frl. Krise
  Audio CD
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lehrerinnen als Kriminalermittler?, 18. August 2013
„Der Altmann ist tot – Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln“ ist der erste Krimi-Versuch der beiden Lehrerinnen aus Berlin, die unter ihren Pseudonymen erfolgreich bloggen und Bücher mit unterhaltsamen Schulgeschichten veröffentlich haben.

Zum Inhalt: Schlechte Nachrichten für das Kollegium der Berliner Problembezirk-Schule – Lehrer Altmann ist tot, gefunden an einer Treppe zur Spree in der Nähe des Reichstags. Ist er dort etwa mitten in der Nacht runter gestürzt? Frau Freitag und Frl. Krise haben einen anderen Verdacht: Mord. Genügend Verdächtige gäbe es immerhin…

Bisher habe ich nur „Chill mal, Frau Freitag“ gelesen und konnte darüber sehr lachen. Kurze Schul-Anekdoten, als Buch zusammengefasst aus dem Blog der Autorin und Lehrerin. Auch „Der Altmann ist tot“ versucht gelegentlich mit ähnlichem Witz an diese Vorerfolge anzuschließen – immerhin kennt man Frau Freitag und Frl. Krise genau dafür: Bissiger Humor mit Geschichten aus dem Berliner Problembezirk, schlechte Sprache und kulturelle Differenzen unverblümt aufs Korn genommen, nicht bösartig, sondern mit Witz und Ehrlichkeit. Nur, was bei den kurzen Anekdoten funktioniert, reicht bei diesem Roman absolut nicht. Die wenigen lustigen Stellen gehen unter, werden überschüttet von einem riesen Haufen Langeweile – dem Todfeind eines jeden Krimis.

Die Kriminalhandlung ist einfach hanebüchen, ohne Hand und Fuß, an den Haaren herbeigezogener Unfug und von Anfang bis Ende stinklangweilig. Frau Freitag und Frl. Krise „ermitteln“ auch nicht wirklich, sondern phantasieren erst ein bisschen und finden dann durch mehr glückliche Zufälle und unerwartete Begegnungen, als in einer Großstadt wie Berlin in Jahrhunderten möglich sein dürften, irgendwie den richtigen Weg durch ihre selbst zusammengestellte Reihe der Verdächtigen. Genug Feinde des Altmanns präsentieren sich ja. Cousins einer ehemaligen Schülerin, denen die Gerüchte über ein Verhältnis der beiden ganz und gar nicht gefallen; eine Lehrerin, die freimütig über die Affäre mit ihrem Kollegen im Internet schreibt; die junge, schwangere Ehefrau, die sich längst von einem anderen trösten lässt…

Trotz all der Möglichkeiten geht ohne Zufälle nichts bei den beiden selbst ernannten Ermittlerinnen und abgesehen davon füllt der Kriminalfall, so flach wie er ist, nicht einmal annähert ein Buch. Das ist wohl auch den bloggenden Lehrerinnen aufgefallen, denn die Palette von Nebenhandlungen ist beachtlich – leider sind auch die alle recht langweilig. Witz kommt in der Sprache zwar gelegentlich auf, aber das reichte nicht. Fast lehrerhaftes und sehr aufgesetzt wirkendes Sinnieren über Kultur und Religion wirkte zudem absolut deplatziert und gewollt.

Da sich diese Rezension auf das Hörbuch bezieht, jetzt noch ein paar Worte zu der Umsetzung und den beiden Sprecherinnen Carolin Kebekus als Frau Freitag und Joseline Gassen als Frl. Krise. Zunächst war ich skeptisch, ob die mir ansonsten eher aus dem TV bekannte Kebekus als Sprecherin überzeugen könnte. Jetzt muss ich sagen: Ja, kann sie. Und sie ist dabei noch der Lichtblick des gesamten Hörbuchs, denn Kebekus verkörpert Frau Freitag einfach hervorragend und mit einer klaren, abwechslungsreichen Stimme, der man gerne zuhört.

Enttäuscht hat mich dagegen Joseline Gassen als Frl. Krise. Ihre Stimme wird als „temperamentvoll“ beschrieben – wenn man eine weibliche Version des Kinder in den Tiefschlaf versetzenden Märchenonkels „temperamentvoll“ nennen möchte, dann stimmt das sogar. Leider variiert sie ihre Stimme, abgesehen von gelegentlicher Schnappatmung und einem leichten Nasehochziehen, auch deutlich zu wenig. Kann sie keinen Akzent sprechen, klingen alle Figuren gleich. Während Frau Freitag und Frl. Krise bei den von Kebekus gelesenen Kapiteln (leider zu wenige) gut auseinanderzuhalten sind, ist das bei Gassen kaum möglich.

Das stört besonders in den reinen Dialog-Passagen, die teilweise, wenn sie lang genug sind, von beiden Sprecherinnen im Wechsel gelesen werden, zwischendurch aber auch mal nur von Joseline Gassen übernommen werden. Dann funktionieren sie nicht mehr, denn, wenn mir der Text nicht sagte, wer hier gerade sprach, konnte ich es anhand der Stimme nicht unterscheiden. Leider ist für mich auch vollkommen unverständlich, warum diese reinen Dialoge nicht immer im Wechsel gelesen wurden, sondern so beliebig mal von beiden, mal von einer – mal bekam der Kioskbesitzer „Onkel Ali“ sogar noch einen eigenen Sprecher, dann wieder nicht. Insgesamt war die Hörbuchumsetzung also leider fast genauso enttäuschend wie die Geschichte selbst.

Onkel Ali war übrigens noch eine der ansprechenderen Figuren der Geschichte. Über ihn konnte man gelegentlich lachen, wie auch über die Schüler. Wenn sich die Handlung zwischenzeitlich mehr mit Frau Freitag und ihrer Klasse beschäftigte, konnte sie durch Witz punkten. Frau Freitag als nicht immer voll motivierte Lehrerin ist ebenfalls einfach lustig und verschafft der ansonsten etwas staubig wirkenden Geschichte ein wenig Elan und Spritzigkeit.

Fazit: Manchmal zum Lachen, manchmal zum Fremdschämen, manchmal zum Einschlafen. Die beiden bloggenden Lehrerinnen aus dem Problembezirk haben Humor, aber glaubhafte oder spannende Kriminalfälle erfinden können sie nicht. Die Hörbuchumsetzung ist zudem sehr durchwachsen. Während Carolin Kebekus als Frau Freitag überzeugt, enttäuscht Joseline Gassen als Frl. Krise eher. Ich vergebe knappe 3 Sterne.


Wenn die Nacht in Scherben fällt
Wenn die Nacht in Scherben fällt
von Anika Beer
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fantasy voller Träume, 17. August 2013
„Wenn die Nacht in Scherben fällt“ von Anika Beer ist ein Urban-Fantasy-Roman für Jugendliche, der seine Leser in die Traumwelt entführt…

Inhalt: Nele ist mit ihren Eltern gerade erst nach Erlfeld gezogen, als sie einen merkwürdigen Traum hat. Schon immer konnte sie als Klarträumerin ihre Träume nach ihren Vorstellungen gestalten, doch Seth, der Junge, der ihr im Traum begegnet, entstammt nicht ihrer Phantasie. Lebt er in der Traumwelt?
In der Schule lernt Nele Jari kennen, einen verschlossenen Jungen, mit dem sie sich direkt anfreundet. Doch Jari verschwindet spurlos. Nur Nele kann ihn retten und verhindern, dass die Traumwelt zerstört wird…

Den Inhalt dieser Urban-Fantasy zusammenzufassen ist gar nicht so einfach, denn hier laufen zwei Welten parallel, Traumwelt und Realität, und in beiden entwickeln sich um Nele herum spannende Ereignisse, von denen ich nicht zu viel verraten möchte. Wie schon bei Anika Beers Debütroman „Als die schwarzen Feen kamen“ ist auch hier die Fantasy-Welt wieder recht abstrakt gewählt. Alltägliches – im Debüt waren es die Schatten, im zweiten Roman sind es die Träume – bildet den Ausgangspunkt für eine fantastische Parallelwelt mit Berührungspunkten zur Realität. Ein Fantasy-Roman, der ohne die klassischen Fantasy-Elemente oder –wesen wie Magie, Vampire und Ähnlichem auskommt.

In „Wenn die Nacht in Scherben fällt“ geht es um Träume, um Wächter, die darauf achten, dass die träumenden Menschen morgens wieder zurück finden, und um eine Traumwelt, die nicht aus den Fugen geraten darf, denn sie ist zerbrechlich. Die Welt, die Anika Beer entwirft, wirkt dabei neu – selbst für Vielleser im Bereich der Urban-Fantasy wie mich sind die gewählten Elemente und die Bilder, welche die Autorin im Kopf des Lesers erzeugt, unverbraucht und überraschend. Die Verbindung der Traumwelt mit der realen Welt gelingt wunderbar, sie bewahrt aber auch das Geheimnisvolle und überlässt einzelne Bereiche der Träume ohne weitere Erläuterungen der Phantasie des Lesers. Die Welt wirkt dabei sehr offen, so als wäre dort noch viel mehr, doch dem Leser wird nur eine kleine Tür geöffnet: Er darf sich ein wenig in der Traumwelt umsehen.

Die Dreieckssituation der Protagonisten, das muss man bei aller Neuartigkeit und Frische der Fantasy-Elemente eingestehen, ist alles andere als neu. Zwei Jungen, ein Mädchen – Seth und Jari sind zwar völlig verschieden und ihre Absichten dem Leser insofern bekannt, als dass dieser niemals hin- und hergerissen sein kann bei der Frage, welchen der beiden er als an Neles Seite sehen möchte, aber die Dreiecksgeschichte wird im Ansatz dennoch nach bekannten Mustern aufgebaut und kann dabei nicht wirklich punkten. Das ist der größte, aber auch schon einzige Kritikpunkt an diesen Einzelband. Die Figuren haben mich weder mit ihren Charakteren im Einzelnen noch mit ihren Beziehungen zueinander hundertprozentig erreicht.

Nele ist ein bunter Vogel und könnte eigentlich ein ganz interessanter Charakter sein, wirklich aus sich heraus kommt sie aber nicht. Auch Jari, Seth und die andere Nebenfiguren wirken ein wenig blass, auch wenn ihre Hintergrundgeschichten teilweise mitreißend sind. Auch die leichten Ansätze einer Liebesgeschichte bleiben recht nebensächlich – sind aber dann, wenn sie einmal auftauchen, sehr schön und auf eine subtile Art romantisch.

Stärken hat der Roman dagegen eindeutig bei der bildgewaltigen und atmosphärischen Sprache. Die Beschreibungen sind sehr eindringlich und überzeugen durch Kreativität, die den Leser direkt mitnimmt. Die wundervollen Ideen erreichen durch phantasievolle Bilder mit gut durchdachten Details, die oft einfach nur beeindruckend sind und der Vorstellungskraft viele Anreize geben, den Leser und lassen ihn tief in die Welt der Träume vordringen.

Fazit: „Wenn die Nacht in Scherben fällt“ begeistert wie schon der erste Roman der Autorin durch eine neuartige Fantasy-Welt. Detailreiche Beschreibungen erschaffen ein bildgewaltiges Lesevergnügen, das mit Spannung punkten kann, auch wenn die Charaktere nicht immer die Erwartungen erfüllen. Sehr gute 4 Sterne


Das Erwachen: Dunkle Götter 1
Das Erwachen: Dunkle Götter 1
von Michael Manning
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Inkonsequenter Auftakt, 15. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Erwachen: Dunkle Götter 1 (Broschiert)
„Das Erwachen“ ist der erste Band einer insgesamt mit fünf Bänden geplanten High-Fantasy-Reihe und gleichzeitig auch das Debüt des amerikanischen Autors Michael G. Manning, der die ersten Bände seiner Magier-Saga „Dunkle Götter“ als E-Books über Amazon selbst veröffentlichte und damit erfolgreich wurde. In Deutschland hat nun der Piper-Verlag den Auftakt der Reihe über den jungen Magier Mordecai, genannt Mort, auf den Markt gebracht.

Zum Inhalt: Der 16jähirge Mordecai, kurz auch Mort genannt, wächst als Sohn eines Schmieds im Herzogtum Lancaster auf. Bisher haben ihm seine Zieheltern seine wahre Herkunft verschwiegen: Sie hatten seine Mutter schwerverletzt gefunden, als er noch ein Säugling war, nachdem sie einem heimtückischen Anschlag, dem auch sein Vater, ein mächtiger Magier zum Opfer fiel, entkommen war. Bei einem Ausritt mit seinem Freund Marc, dem Sohn des Herzogs, zeigt sich erstmals, dass auch Mort magische Fähigkeiten besitzt. Für ihn beginnt eine spannende und gefährliche Zeit am Hofe der Lancasters, in der er sich selbst das Zaubern beibringt und auch erfährt, wer er wirklich ist…

Die Grundidee hinter der Reihe ist eigentlich gut. Ein junger Magier, der seine wahre Herkunft nicht kennt, entdeckt und entwickelt seine Fähigkeiten, wird dabei – natürlich – irgendwann auch mit den Mördern seiner Eltern konfrontiert und muss kämpfen, verliebt sich und wird vom Sohn des Schmieds zum Mitglied der höheren Gesellschaft. Da steckt Potential drin, das aber leider nur zum Teil genutzt wurde. Vielleicht ist es der Unerfahrenheit des Autors zuzuschreiben, da es sich bei „Das Erwachen“ um ein Debüt handelt, aber gleich mehrere Aspekte der Handlung und der Sprache weisen Schwächen auf, die den Eindruck des Buches trotz Spannung und interessanter Idee stetig verschlechterten.

Einer dieser Aspekte ist das mittelalterliche Setting, das sich durch Adel, Untertanen, mittelalterliche Kleidung und Waffen, vor allem aber auch durch die steifen Vorschriften des Hoflebens auszeichnet. Ein solches Setting ist bei High-Fantasy-Romanen wirklich keine Seltenheit – ganz im Gegenteil fällt mir spontan kein Beispiel ein, in dem es nicht mittelalterlich zuginge. Für eine authentische Stimmung und das entsprechende Lesegefühl wäre es aber wichtig, dieses Grundgerüst in der Handlung auch konsequent einzuhalten, doch damit geht der Autor eine Spur zu fahrlässig um. Insbesondere der Umgang der Figuren miteinander wird gelegentlich sehr gewollt locker, zu jugendlich, zu modern. Dadurch bekommt der Roman einen etwas kindlich-albernen Einschlag, der für mich eine magische, blutige und gefährliche High-Fantasy nur bedingt unterstützen kann. In seltenen Fällen war Morts Art für einen Schmunzler gut – in den meisten Fällen wirkte sie deplatziert und unglaubwürdig.

Ähnliches gilt auch für die sprachliche Seite des Romans. Der Schreibstil wirkt unausgereift, einfach ein wenig unsauber. Der Autor findet keinen durchgehenden Stil sondern schwankt sehr zwischen leicht geschwollenem Ausdruck und Flapsigkeit – Konsequenz fehlt einfach an allen Ecken und Enden. Ein solch uneinheitlicher Stil macht es für den Leser grundlos schwer, sich in das Buch einzufühlen.

Auch die Perspektiven der Erzählung sind nicht zu Ende gedacht. Zunächst wählt der Autor – mit Ausnahme vom Prolog - die Ich-Perspektive und lässt seinen Hauptprotagonisten Mordecai rückblickend für den Leser erzählen. Das ist zusammen mit fiktiven Schriften entnommenen Sacherläuterungen über die Geschichte der Magier an jedem Kapitelanfang gut gelungen. Der Leser spürt zum Beispiel durch kleine Hinweise auf Späteres, das Mort in seinem Erkenntnisstand schon weiter ist und von Vergangenem berichtet. Doch dann zerstört der Autor diese Erzählsituation, indem er auf andere Figuren wechselt und aus deren Perspektiven in der dritten Person erzählt. Offenbar wollte er gerne erzählen, was sie erlebten, ohne, dass Mordecai eingeweiht war – das funktioniert aber bei der gewählten Perspektive nicht und im Gesamtbild wirkt es wie ein schwacher Versuch den begrenzten Blickwinkel von Mordecai auszuweiten.

Abgesehen von diesen Inkonsequenzen ist die Geschichte nicht schlecht. Die Charaktere agieren sinnvoll, die Idee wurde in einer spannenden Handlung gut verwirklicht und zeigt Potential für eine mehrbändige High-Fantasy-Saga, die, wenn sie ihren etwas kindlichen Touch verlieren sollte, eine interessante Magierwelt aufbauen könnte.
Mit den Göttern, den eigentlichen Namensgebern der Reihe („Dunkle Götter“), ist das allerdings im ersten Band noch so eine Sache. Sie sind nur Randfiguren und werden nie so thematisiert, dass ich als Leser ihre Rollen einordnen könnte. Alles ist noch ein wenig schwammig.

Die Charaktere sind ein Pluspunkt des Romans. Besonders der Protagonist Mordecai hat Charme und Witz und zeigt sich als experimentierfreudiger und ehrgeiziger Magie-Lernender in Eigenregie. Seine Ausrutscher beim Üben der Magie sind unterhaltsam, seine Erfolge beachtlich und spannend. Auch die Nebencharaktere haben ihre Stärken, wobei gerade die „Bösen“ keinen bleibenden Eindruck hinterlassen können. Hier fehlen die Facetten, alles ist entweder schwarz oder weiß. Das ist ein wenig langweilig.

Fazit: Ein guter Anfang, aber definitiv noch ausbaufähig. Einiges wirkt unrund, bei Handlung und Sprache gleichermaßen. Die Grundidee selbst ist interessant und die Umsetzung weitestgehend spannend, sodass ich insgesamt für ein unterhaltsames Lesevergnügen mit Schwächen 3 Sterne vergeben möchte.


Höllenflüstern: Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin 3
Höllenflüstern: Riley Blackthorne - Die Dämonenfängerin 3
Preis: EUR 2,99

5.0 von 5 Sternen Zwischen Himmel und Hölle, 13. August 2013
„Höllenflüstern“ ist der dritte Band der vierbändigen Urban-Fantasy-Reihe „Die Dämonenfängerin“ um die junge Riley Blackthrone. Nach „Aller Anfang ist Hölle“ und „Seelenraub“ überzeugt die amerikanische Autorin Jana Oliver auch dieses Mal.

Inhalt: Rileys Feinde sind zahlreicher geworden. Nicht genug, dass sie sich selbst dafür hasst, auf den gefallenen Engel Ori hereingefallen zu sein, jetzt suchen auch noch die Dämonenjäger nach ihr. Vorübergehend konnte sie sich bei Mort, dem Totenbeschwörer, bei dem nun auch ihr Vater ist, verstecken, aber das ist keine endgültige Lösung. Sie könnte aus der Stadt fliehen, doch zusammen mit ihrem Freund Peter beschließt sie, ihren Namen wieder rein zu waschen, indem sie aufklärt, was mit den Dämonen in Atlanta los ist….

„Höllenflüstern“ war für mich der bisher beste Band der Reihe. Zwar waren schon die ersten beiden wirklich stark, in diesem war ich aber emotional am meisten eingebunden. Die Autorin lässt Riley tiefer in ihre Gefühlswelt abtauchen und erlaubt ihr immer mehr von ihrer verletzlichen Seite zeigen, was einen guten Kontrast zu ihrem härteren Image als Dämonenfängerin darstellt. Natürlich kommt auch ihre andere Seite nicht zu kurz. Die Dämonen legen in diesem dritten Band eine ordentliche Show hin. Atlanta wird zu einem noch gefährlicheren Pflaster, als es ohnehin schon war, und ist plötzlich von Dämonenscharen bevölkert, die Jäger wie Fänger vor ganz neue Herausforderungen stellen.

An Spannung ist „Höllenflüstern“ dadurch kaum zu überbieten – es ist nur schwer aus der Hand zu legen. So viele Rätsel sind zu lösen, so viele geheime Machenschaften aufzudecken – und Riley ist mittendrin im Kampf zwischen Himmel und Hölle. Ori lässt sie, obwohl jetzt eine steinerne Figur auf dem Friedhof, nicht in Ruhe, sondern spukt in ihrem Kopf herum und ruft sie zu sich. Ihre Nacht mit ihm hat Spuren hinterlassen. Bei ihr selbst, bei Beck und letztendlich sogar bei den Jägern des Vatikans, denn für die gilt Riley, auch Dank ihres Ex-Freundes Simon, jetzt als höchst verdächtig.

So ist die junge Protagonistin größtenteils auf der Flucht vor jedem und muss versuchen, ihre Unschuld zu beweisen. Ihr verkorkstes Beziehungsleben mit einem Ex-Freund, der sie bezichtigt für die Hölle zu arbeiten, und einem gefallenen Engel, der die genau dazu verführen wollte, muss neben all den Geheimnissen der Dämonenwelt und ihrer Rolle zwischen Himmel und Hölle natürlich auch endlich ein wenig aufgeräumt werden und führt dabei – man möchte sagen „endlich“ – zu einer Figur der Reihe, die wahrscheinlich jeder Leser schon lange an Rileys Seite gesehen hat: Beck.

Der etwas verschrobene, bissige, aber auch sehr fürsorgliche zweite Protagonist und Ex-Partner von Rileys Vater bekommt in „Höllenflüstern“ endlich seinen großen Auftritt. Seine Entwicklung hat mir am besten gefallen. Er fängt Riley auf, wenn sie zu schwächlich wird, was manchmal leider der Fall ist, und zeigt sich zunehmend von seiner angenehmeren Seite. Dabei gibt es auch ein paar wirkliche süße Elemente, die neben den ganzen blutigen, brutalen Schlachten mit den Dämonen und den derben Sprüchen zum Schmunzeln bringen. In Beck steckt eindeutig mehr, als man denkt.

Sprachlich bedeutet Becks Weiterentwicklung vor allem eins: Weniger Umgangssprache. Im ersten Band hatte mich diese zusammen mit einer nicht sehr gelungenen Übersetzung, die sich zum Beispiel durch viele „Yeah“s auszeichnete, noch sehr gestört. Schon beim zweiten Band war der sprachliche Sprung beachtlich, doch der dritte legt hier noch einmal nach und verbindet Sprache und Inhalt anhand der Entwicklung seiner Protagonisten miteinander, was mir sehr gut gefallen hat.
Was den beschreibenden Teil angeht, bleibt die Reihe stark wie am Anfang. Jana Oliver versteht es einfach, den Leser in ihrer düstere Vision eines dämonischen Atlantas hineinzuziehen und ihn durch großartige Bilder und enorme Spannung bis zum Ende nicht mehr loszulassen.

Fazit: Dämonisch, höllisch und auch himmlisch gut. „Höllenflüstern“ hat alles, was gute Urban-Fantasy ausmacht. Viel Spannung, Scharen von Dämonen, facettenreiche Protagonisten und jede Menge Entwicklungen. Es liegt jetzt am vierten Band, „Engelsfeuer“, der Reihe die Krone aufzusetzen, denn „Höllenflüstern“ hat alles auf den Weg gebracht, was ein starkes Finale brauchen kann. 5 Sterne für einen überzeugenden dritten Band.


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