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Beiträge von Sarah O.
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Rezensionen verfasst von
Sarah O. "Sarahs Welt der Bücher" (NRW)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Canon IXUS 310 HS Digitalkamera (12 Megapixel, 4-fach opt. Zoom, 8,3 cm (3,2 Zoll) Display, Full HD, bildstabilisiert) pink
Canon IXUS 310 HS Digitalkamera (12 Megapixel, 4-fach opt. Zoom, 8,3 cm (3,2 Zoll) Display, Full HD, bildstabilisiert) pink

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr zufrieden, 8. Dezember 2013
Ich benutze die Canon IXUS 310 HS jetzt seit gut einem halben Jahr und bin mehr als zufrieden. Die Kamera erfüllt exakt die Ansprüche, die ich als Hobby-Fotografin für den mehrmals wöchentlichen Schnappschuss-Bedarf vor dem Kauf an eine neue Digitalkamera gestellt hatte. Das waren: Schnelles Einschalten und Auslösen, gute Qualität bei Nahaufnahmen/stabiles Bild, gute Qualität bei kurzen Videos, gute Farben auch bei weniger Licht, ausreichender optischer Zoom und, nicht zu vergessen, Handlichkeit. Das alles hat die Kamera für mich bisher optimal erfüllt.

Die Kamera ist zwar nicht die leichteste, den Unterschied zu meiner (sehr) alten Casio Exilim habe ich sofort gemerkt. Mit ihren 185 g ist sie aber auch lange kein Schwergewicht, immer noch sehr kompakt, verschwindet ohne merkliches Transportgewicht in der Handtasche und vor allem liegt die Kamera durch ihre - etwas ungewöhnliche - Form sehr gut in der Hand. Das Design ist insgesamt sehr schick und edel gestaltet, wozu nicht zuletzt auch der große Touchscreen mit hoher Auflösung beiträgt, der fast die gesamte Rückseite der Kamera einnimmt.

Zunächst hielt ich das für eine unnötige Spielerei, zumal ich bei Touch-Funktionen immer etwas skeptisch bin, ob sie in Sachen Geschwindigkeit und Genauigkeit mithalten können. Mittlerweile bin ich aber sehr überzeugt. Der Touchscreen reagiert gut auf die Bedienung, auch wenn er bei weitem nicht so leichtgängig ist wie beispielsweise bei einem neueren Smartphone. Die Größe und Auflösung des Displays macht aber vor allem das Anschauen der Schnappschüsse zu einem echten Vergnügen - da konnte für mich keine der anderen angeschauten Kompaktkameras mithalten.

Zudem schaltet die Kamera zügig ein, lässt sich recht intuitiv bedienen und bietet durch ihre halbmanuelle Ausstattung viele zusätzliche Möglichkeiten, neben dem Automatik-Modus auch selbst ein wenig an den Einstellungen zu experimentieren, sowie ein paar unterhaltsame Einstellungen wie den Fischaugeneffekt und farbhervorhebende oder -verändernde Funktionen. Das Bld wird gut stabilisiert und hat für meine Zwecke eine mehr als zufriedenstellende Qualität, auch bei Nahaufnahmen.

Was mir zusätzlich sehr wichtig war, waren scharfe Bilder bei wenig Licht. Da war ich bei meiner alten Digitalkamera oft schwer enttäuscht: Die Bilder waren einfach zu dunkel - doch wenn sich beispielsweise bei einem Schnappschuss meines schneeweißen Katers das Blitzlicht zuschaltete, kam ein großer leuchtender Haufen Weiß dabei heraus. Von meinem Kater keine Spur. Die Canon dagegen macht auch bei schwachem Licht hervorragende Bilder auf denen die Farben gut wiedergegeben werden. Ein weiterer Pluspunkt, nicht nur für den Vierbeiner, sondern auch auf Partys oder einfach mal zu späterer Stunde draußen oder in schattigeren Ecken.

Ein letztes Plus ist die Videofunktion. Für kurze Videos ist sie ideal geeignet - nach 10 Minuten ist allerdings Schluss. Dann muss ein neues Filmchen gestartet werden. Überzeugend ist dabei die HD-Qualität der Aufnahmen, die meine Ansprüche wirklich deutlich übertroffen hat. Auch mit der Tonqualität bin ich zufrieden.
Allerdings, auch wenn die Akkulaufzeit insgesamt zum Fotografieren ausreichend ist, wer längere Zeit unterwegs ist und vor allem plant, öfter Videos zu drehen, sollte über die Anschaffung eines Reserve-Akkus nachdenken - die Kapazität des Akkus ist das einzige kleine Manko, das ich bisher an der Kamera festgestellt habe.

Mein Fazit für diese Digitalkamera fällt aber insgesamt rundum positiv aus. Nach einem halben Jahr bin ich sehr zufrieden. Alle meine Ansprüche konnte diese Canon mindestens erfüllen, teilweise sogar übertreffen. Ich bin kein Profi, sondern nutze die Kamera wirklich nur als Hobby, aber von allen Modellen, die ich auf der Suche nach einer neuen Digitalen getestet habe, hat mich diese am meisten überzeugt. Wer sich vorher gut überlegt, wo die eigenen Ansprüche liegen, kann mit dieser Kamera eigentlich nicht enttäuscht werden. Sie hält, was sie verspricht!


Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
von Monika Zeiner
  Gebundene Ausgabe

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Spur zu aufgesetzt, 4. November 2013
„Die Ordnung der Sterne über Como“ von Monika Zeiner ist ein mit knapp über 600 Seiten recht umfangreicher Debütroman über Liebe und Freundschaft, der 2013 den Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat.

Inhaltlich geht es um Tom, Musiker aus Berlin, der kurz vor einer Konzerttournee durch Italien von seiner Frau verlassen wird. Doch bevor Tom völlig in seiner Depression versinken kann, spricht ihm unerwartet eine alte Freundin auf den Anrufbeantworter. In Italien könnten sie sich wiedersehen. Betty erinnert Tom an eine bessere Zeit vor vielen Jahren, als sie zu dritt, Betty, Tom und sein bester Freund Marc, glücklich waren. Während seiner Reise nach und durch Italien kehrt Tom zu diesen Erinnerungen zurück…

Sprachlich zeigt sich „Die Ordnung der Sterne über Como“ sehr bildgewaltig, reich an Metaphern und Vergleichen, und nur selten locker-leicht erzählend. Es ist anspruchsvoll geschrieben, teilweise einzigartig und schön, teilweise aber auch recht aufgesetzt. Die Hauptfiguren, verbandelt mit der Musik und moderne Menschen, mehr als 10 Jahre nach ihrer gemeinsamen Zeit, bekamen durch den Stil der Autorin häufig etwas Träges, Schwermütiges, oft schon drückend Depressives und Angestaubtes. Insgesamt herrschte ein alt wirkender Grundton vor, der nicht so recht zu den Protagonisten passen wollte.

Zeiner produziert eine anspruchsvolle Sprache mit langen, stark verzweigten Sätzen und einem Hang zum poetisch-philosophisch Nachdenklichen – durchaus lesenswert und dennoch: Durchgehend blieb das Gefühl, dass die Authentizität von Handlung und Figuren ein wenig dem gewollten literarischen Anspruch geopfert wurde. Man könnte meinen, die Figuren würden in längst vergangenen Zeiten leben, Jahrhunderte zurück, und nicht in der Gegenwart, so sehr fehlt dem Roman manchmal das Moderne.

Sicher hat die Geschichte an sich schon eine nachdenkliche Grundstimmung, gerade Tom zeigt auch klar erkennbare Depressionen, und trotzdem hätten die durchaus vorhandenen Lebensfreude widerspiegelnden Passagen zahlreicher sein können. Die Schwere, gerade im Miteinander der Protagonisten, empfand ich häufig als zu dominant.
Zudem wurden die 600 Seiten mit einer oft so langsamen, beobachtungslastigen und handlungsarmen Geschichte gefüllt, dass sie nicht frei von einigen Längen war. Nicht selten stopfte zu viel Alltagserzählung die Lücken, gerade bei der neben Tom zweiten Hauptfigur, Betty.

Insgesamt sind die Idee und auch die Umsetzung der Geschichte aber gut gelungen. Es ist eine Analyse von Liebe und Freundschaft, eine persönliche Weiterentwicklung durch die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Handlung steuert auf eine unerwartete Dramatik zu, was die Längen zum Teil aufwiegen konnte. Auch die Einflüsse der Musik und der Wechsel zwischen Berlin und Italien waren interessante Elemente des Romans.

Fazit: „Die Ordnung der Sterne über Como“ ist ein guter Debütroman mit einer interessanten Geschichte, die sich mit alter Liebe und Freundschaft befasst. Die 600 Seiten sind nicht frei von Längen und es zeigt sich auch, dass weniger manchmal mehr sein kann, auch bei einem bildgewaltigen Schreibstil. Gelegentlich wirkt es aufgesetzt. 4 Sterne.


Schwarzlicht
Schwarzlicht
von Horst Eckert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krimi mit politischen Intrigen, 1. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Schwarzlicht (Gebundene Ausgabe)
„Schwarzlicht“ von Horst Eckert ist ein in Düsseldorf angesiedelter Kriminalroman und der erste in dem Hauptkommissar Vincent Veih die Ermittlungen aufnimmt. Eine Fortsetzung dieser Figur in einem weiteren Krimi soll wohl bereits in Planung sein.

Zu Beginn aber einige Worte zum Inhalt von Veihs erstem Fall:
Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Walter Castorp, wird in einem Düsseldorfer Apartment tot aufgefunden. Schnell steht fest: Es war Mord. Hat dieser wohlmöglich etwas mit der in wenigen Tagen anstehenden Landtagswahl zu tun? Oder mit dem politischen Skandal, in den der Ministerpräsident verwickelt war? Die Ermittlungen in dem Fall übernimmt Vincent Veih, Sohn einer ehemaligen RAF-Terroristin und gerade erst zum Leiter des KK11 ernannt. Der politisch brisante Fall stellt ihn vor einige Probleme…

Zunächst muss ich anmerken, den auf dem Cover versprochenen „Thriller“ habe ich inhaltlich nicht wiederfinden können. Einen wirklich guten Kriminalroman mit gelungenen politischen Einflüssen, der Wahl vorausgehenden Intrigen und einem spannenden wie interessanten Mordfall mit sich anschließenden überzeugenden polizeilichen Ermittlungen – das habe ich ganz sicher gefunden. Doch, obwohl die Übergänge gerade bei Krimis und Thriller unbestreitbar fließend sind und es von Leser zu Leser wahrscheinlich persönlich abweichende Definitionen gibt, meine Erwartungshaltung bei dem Genre „Thriller“ ist eine andere, als wenn das Wörtchen „Kriminalroman“ das Cover ziert. Ich lese beides gerne, für einen Thriller jedoch fehlt „Schwarzlicht“ das Bedrohliche. Der anhaltend hohe Nervenkitzel durch einen weiterhin präsenten Täter, der jederzeit wieder gefährlich werden könnte, vielleicht auch eine Perspektive des Täters, die persönliche Bedrohung eines Protagonisten, das Angst machen – das sind Merkmale eines Thrillers, die ein auf Ermittlungen basierender Kriminalroman nicht hat – auch gar nicht braucht – und genau das trifft auch auf „Schwarzlicht“ zu.

Abgesehen von dieser kleinen Kritik an die gewählte Begrifflichkeit ist „Schwarzlicht“ allerdings ein wirklich gelungener Polit-Krimi. Der Mordfall ist außergewöhnlich, das mediale und politische Interesse daran wird überzeugend und spannend mit den Ermittlungen, geführt von dem in sich gespaltenen KK11 unter der neuen – und vorerst vorübergehenden – Leitung von Vincent Veih, verflochten und Intrigen sowie Versuche der subtilen Einflussnahme werden so eingebaut, dass sie auch den Leser mitnehmen in das Gefühl von Ungerechtigkeit und Frustration und ihn emotional stark involvieren. Selbst für regelmäßige Krimileser bietet dieser Roman noch einige neue Facetten – die Ermordung eines Ministerpräsidenten aus einer großen Partei, kurz vor einer Wahl, das ist schon ein ungewöhnlicheres Thema und wird hier zudem konsequent und mit unerwartetem Ausgang gekonnt umgesetzt.

Zwischendurch gibt es vielleicht den ein oder anderen Handlungsstrang zu viel, was als Abbild eines realen Bildes eines solchen Kriminalkommissariats durchaus zutreffend sein kann, den Leser eines fiktionalen Werkes aber schnell den Fokus nehmen und ihn ein wenig verwirren kann. Allerdings trat dies bei „Schwarzlicht“ nur gelegentlich auf, sodass es nicht als sehr störend empfunden wurde und, was das wichtigste ist, am Ende gelang dem Autor ein stimmiges Gesamtbild, das ohne unnötige Konstruktion eine glaubwürdige Zusammenführung der einzelnen Ereignisse ermöglichte.

Die sprachliche Umsetzung bei „Schwarzlicht“ kann man wirklich nur als sehr gut bezeichnen, der Stil ist flüssig, durch eine doch eher auffällige Abfolge von Aufzählungen und kurzen Sätzen aber auch alles andere als eintönig, gelungen auf die leicht depressive, nüchterne, manchmal wütende und nachdenkliche Grundstimmung der Hauptfigur zugeschnitten und insgesamt recht temporeich.

Vincent Veih stellt einen in sich charakterlich sehr runden Protagonisten dar, der sowohl durch eine ungewöhnliche Herkunft und einen holprigen Lebensweg in der Vergangenheit wie auch durch familiäre und persönliche Schwierigkeiten in der Gegenwart ein sehr starkes Profil erhält und durch eine teilweise sture bis rebellische, teilweise auch ein wenig zwiespältige Verhaltensweise einiges an Konfliktpotential mit in die Handlung bringt. Als Gegenpart zu den Versuchen der Einflussnahme aufgrund von politischen Interessen durch die Vorgesetzten ist er genau passend.

Fazit: Ein guter Kriminalroman – kein Thriller – mit politischen Einflüssen, einer starken Hauptfigur und unerwarteten Entwicklungen. Von mir gibt es dafür knappe 5 Sterne und eine Empfehlung für Krimifans. Ich würde mich auf eine Fortsetzung mit der Figur Vincent Veih sehr freuen.


Die Springflut: Roman (Die Rönning/Stilton-Serie, Band 1)
Die Springflut: Roman (Die Rönning/Stilton-Serie, Band 1)
von Cilla Börjlind
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Konstruktion unwahrscheinlichster Zufälle, 30. Oktober 2013
„Die Springflut“ von Cilla und Rolf Börjlind ist ein schwedischer Kriminalroman, geschrieben von einem Ehepaar, das sich ansonsten in ihrem Heimatland recht erfolgreich mit Drehbüchern den Lebensunterhalt verdient.

Um folgendes geht es nun in ihrem gemeinsam geschriebenen Kriminalroman:
Die Polizeischülerin Olivia widmet ihre Sommerferien einer freiwilligen Aufgabe, der Analyse eines „Cold Case“. Vor fast 24 Jahren war auf der Insel Nordkoster eine hochschwangere Frau ermordet worden. Obwohl es Zeugen gab, wurden die Täter nie gefunden, auch die Identität der Frau blieb unbekannt. Olivias mittlerweile verstorbener Vater war damals an den Ermittlungen beteiligt, genau wie ein Ermittler namens Tom Stilton, der aber untergetaucht zu sein scheint. Um bei ihrer Suche nach neuen Spuren weiterzukommen, muss Olivia Tom ausfindig machen…

Direkt nach seinem Erscheinungstermin war „Die Springflut“ in den deutschen Buchhandlungen präsent wie das neuste Werk eines Bestsellerautors. In einer großen Filiale stapelte es sich auf den Tischen, gleich mehrfach im Laden - ich konnte es kaum übersehen. Die Namen der Autoren sagten mir allerdings nichts, die Ankündigung als großer Auftakt einer neuen Reihe von Schwedenkrimis klang aber ganz vielversprechend, auch die optische Gestaltung und der Klappentext waren interessant. Als sich also die Gelegenheit ergab, das Buch zu lesen, habe ich nicht gezögert – und jetzt wünschte ich, ich hätte es getan.

„Die Springflut“ ist in meinen Augen kein gelungener Kriminalroman. Ich lese gerne Krimis und Thriller – Spannungsliteratur gehört seit Jahren zu meinen bevorzugten Genres -, aber für mich ist vor allem die Glaubwürdigkeit der Handlung ein entscheidendes Merkmal für einen guten Roman. Werden Mordfall und Ermittlungen stimmig miteinander verwoben? Sind die Schlussfolgerungen der Figuren logisch? Kann ich am Ende die Motive nachvollziehen? Wirkt die Geschichte rund? Gerne darf ein Krimi mich am Ende überraschen, mich mit einer Wendung von meinen vorangegangenen Spekulationen weglocken, aber dennoch möchte ich die eben gestellten Fragen mit „ja“ beantworten können - und das kann ich nach dem Lesen von „Die Springflut“ einfach nicht einmal ansatzweise.

Bei dem neuen Werk aus Schweden mit dem Duo Olivia und Tom, Polizeischülerin und in der Versenkung verschwundener Ermittler mit psychischen Problemen gewaltigen Ausmaßes, bleibt es nicht bei dem einen Fall der durch eine Springflut vor über zwanzig Jahren ermordeten Frau. Prügelattacken auf Obdachlose und ein alter Bruch zweier Wirtschaftsgrößen kommen auch noch hinzu. Die einzelnen Fälle werden mehr schlecht als recht miteinander in Verbindung gebracht, was ganz einfach so viel bedeutet wie: Olivia stolpert von einem unfassbar unwahrscheinlichen Zufallsfund zum nächsten. In ihrer Masse waren diese ganzen Zufälle – einer nach dem anderen – nur noch absurd. Nicht nur, dass alle involvierten Personen irgendwie genau zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen „zufällig“ finden, sie steuern auch alle gleichzeitig 24 Jahre nach dem eigentlichen Mord plötzlich wieder auf einen Punkt zu, wie von Strippenziehern auffällig gelenkt: Die Autoren haben so sehr konstruiert, dass es nicht mehr natürlich wirken konnte.

Zunächst schien Stockholm ein Dorf zu sein, dann ganz Schweden und letztendlich die gesamte Erde. All die Zufälle kann ich mir jedenfalls nur noch durch die Vorstellung plausibel machen, dass die Erdbevölkerung bei „Die Springflut“ auf die Größe einer Schulklasse gesunken ist. Maximal 30 Menschen, mehr können es nicht sein, so „zufällig“ wie die Figuren selbst am anderen Ende der Welt plötzlich dem Richtigen über den Weg laufen. Nicht nur einmal, sondern immer wieder, und auch nicht irgendwann, sondern genau in diesem Sommer nach 24 Jahren, als Olivia beschließt, den Fall zu untersuchen.

Neben ein bisschen Sozialkritik schaffen es die Autoren vor allem, kein einziges Klischee auszulassen. Am Ende war ich einfach nur noch ernüchtert von der Plattheit der Auflösung des an sich so komplexen Falles, den jahrzehntelang niemand enträtseln konnte, und erwartete mit Schrecken das nächste Klischee. Beides war, in Anbetracht der Tatsache, wie einfach die Geschichte gestrickt war, nicht mehr schwer vorauszuahnen. Gerade für regelmäßige Krimileser ist nur eine Regel zu beachten: Es gibt keine unbeteiligten Figuren. Wann immer jemand gesucht wird, dessen Identität noch unbekannt ist, wird sich eine der bereits vorhandenen Figuren als dieser entpuppen. Wirkliche Ermittlungen gibt es kaum, denn fehlt eine Information, wird jemand darüber stolpern oder eine andere Person fragen, die just einen Tag zuvor die entscheidende Antwort rausgefunden hat – 24 Jahre nach dem Mord springen die Beweise aus den Büschen und werfen sich einer unerfahrenen Polizeischülerin vor die Füße. Was für ein zufällig zufälliger Zufallszufall.

Es gibt Krimis, die sind einfach nach diesem Prinzip aufgebaut. Einigen Lesern mag das gefallen, ich kann mit zeitlich perfekt abgestimmten Zufällen auf Dauer allerdings nichts anfangen und empfinde diese Art der Handlungsführung nicht als spannend.
Auch die Figuren konnten mich größtenteils nicht überzeugen. Es gab Ausnahmen, wie einen Mann namens Abbas, der mit seiner geheimnisvollen Art ein wenig Spannung erzeugen konnte, oder einen Jungen namens Acke, der emotional berühren konnte – obwohl man fairerweise sagen muss, dass hier auch wieder nicht ohne Klischees auf die Tränendrüse gedrückt wurde. Das waren allerdings Nebenfiguren. Die Polizeischülerin Olivia ließ jegliche Empathie vermissen und ihr Vorgehen war nicht immer nachvollziehbar, der emotional mehr als kaputte Tom war da schon besser gelungen, aber auch ihm fehlte es an Zugänglichkeit – die Figur blieb oberflächlich. Gerade der sich wiederholende Versuch Spannung aufzubauen, indem die Figuren nach einer ausdrücklichen Warnung dennoch beinahe trotzig in Gefahrensituationen hineingingen, ließ sie reichlich flach erscheinen.

Sprachlich ist „Die Springflut“ einfach gehalten. Kurze Sätze, keine großen Variationen, gelegentliche Wiederholungen und an der ein oder anderen Stelle Formulierungen, die sich wie eine eher holprige Übersetzung lasen und im Deutschen nach anderen Worten verlangten.
Als Perspektive wurde ein allwissender Erzähler gewählt, was dazu führt, dass nicht immer eindeutig ist, ob eine Information nun eine Beobachtung des Erzählers wiedergab oder noch von der Figur stammte, in dessen Kopf sich der Erzähler gerade noch befunden hatte. Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Protagonisten, zwischen denen recht zügig hin- und hergewechselt wird, was zwar ein gewisses Tempo für die Geschichte erzeugte, aber gelegentlich auch irritierte.

Fazit: „Die Springflut“ ist ein Kriminalroman, der hauptsächlich auf Zufällen basiert, die in ihrer Fülle nicht mehr glaubwürdig wirken. Leser, die sich an einer solch konstruierten Handlung nicht stören, könnten hier möglicherweise auf ihre Kosten kommen, ich leider nicht. Auch die sprachliche Umsetzung und die Figuren konnten das Gesamtbild nicht mehr verbessern und es ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Fall von Olivia Rönning und Tom Stilton nicht mehr in meinen Händen landen wird. 2 Sterne, mehr kann ich an diese Ansammlung von Zufällen nicht vergeben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 16, 2015 12:10 PM CET


Im Pyjama um halb vier
Im Pyjama um halb vier
von Gabriella Engelmann
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ungewöhlicher Stil, gewöhnliche Handlung, 29. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Im Pyjama um halb vier (Broschiert)
„Im Pyjama um halb vier“ ist ein Jugendbuch, vom Verlag empfohlen ab 12 Jahren und ein Gemeinschaftsprojekt der Autoren Gabriella Engelmann und Jakob M. Leonhardt.

Einige Worte zum Inhalt: Lulu ist bei Facebook auf der Suche nach Ben Schumann, dem besten Freund ihrer heimlichen Liebe Marco. Sie findet auch einen Ben, doch der gesuchte ist es nicht. Obwohl sie sich nicht kennen und hunderte Kilometer auseinander wohnen, schreiben sie sich beinahe täglich und beschließen sich, gerade weil sie sich nicht persönlich kennen, all die Dinge zu erzählen, die sie sonst niemandem erzählen würden. Mit der Zeit entwickeln sie Gefühle für den Fremden im Internet – kann das funktionieren?

Ich denke, bei einer solchen Beschreibung eines Buches, ist selbst für die jugendlichen Leser direkt klar, worauf diese Geschichte hinauslaufen wird. Zwar gibt es gegen Ende eine Überraschung, die nicht so leicht vorherzusehen ist und sehr gut umgesetzt wurde, aber es wird die einzige sein. Insgesamt es „Im Pyjama um halb vier“ ein klassisches „Junge-trifft-Mädchen/Junge-mag-Mädchen“-Buch, das durch einen durchgehenden Chat-Stil ein außergewöhnliche Element und durch eine bunte Gestaltung auch optische Besonderheiten mit sich bringt, aber inhaltlich eben doch recht vorhersehbar ist.

Zugegebenermaßen, ich bin mit Mitte Zwanzig auch etwas älter als die tatsächliche Zielgruppe und, obwohl ich viele Jugendbücher gerne lese und auch einige Erwachsene kenne, die dieses Buch hier geliebt haben oder lieben würden, ganz unabhängig von ihrem tatsächlichen Alter, muss ich sagen, dass ich persönlich für diese zuckersüßen Geschichten einfach nicht zugänglich bin, auch als Jugendliche schon nicht wirklich zugänglich dafür war. Doch auch bei dem Versuch einer objektiveren Betrachtung fehlt mir bei diesem Buch einfach einiges, dass es zu mehr machen würde, als zu einer netten Geschichte für zwischendurch.

Ben ist 17, Lulu, übrigens die Abkürzung für das leicht prollige Luca-Luisa, soll 16 Jahre alt sein. Hätten die Figuren das aber nicht irgendwann selbst erwähnt, ich wäre nicht zu dieser Einschätzung bezüglich ihres Alters gekommen. Zuerst wirkten sie sehr kindlich, vor allem Lulu. Sie ist beinahe ein Klischee-Mädchen: Oberflächlich, Modepüppchen, Ballerina, kein Verständnis für Videospiele. Dass der Chantalismus-mit-Bindestrich, der ihren Vornamen darstellt, noch dazu ein etwas neuerer Trend ist, wofür eine 16-jährige vielleicht doch ein wenig zu alt ist, ist dann noch eine Zugabe an Klischee und nicht ganz stimmiger Glaubwürdigkeit.
Auch Ben hat in Sachen Authentizität so seine Schwierigkeiten. Zwar wirkt er älter als Lulu, aber während auch bei ihm manchmal das kindliche durchkommt, wirken beide zusammen häufig zu erwachsen, reden in fast geschwollener Sprache über hoch-philosophische Themen und moralische Grundsatzdiskussionen – in denen beide natürlich ausschließlich eine reine, weiße Weste präsentieren, obwohl sie in Wirklichkeit lügen, was das Zeug hält. Sympathisch Figuren? Nö, größtenteils nicht.

Neben dem in Jugendbüchern fast obligatorischen Thema des ersten Freundes und des ersten Males haben die beiden wenig Altersgerechtes zu besprechen. Schule, Freunde oder Hobbys sind höchstens am Rande mal Thema. Interessant wurde die Handlung dadurch leider nur selten, nur in der Nähe des offen gehaltenen Endes wurde sie kurzzeitig richtig stark. Das hat mir gut gefallen. Davor fehlt ihr oft der rote Faden. Teilweise arg konstruierte Pinnwand-Diskussionen mit anderen Freunden lockern das Gesamtbild zwar auf, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die privaten Nachrichten zwischen Ben und Lulu sich in die Länge ziehen.

Die Chat-Form dieses Romans bedingt es einfach, dass es genau genommen gar keine Handlung gibt, jedenfalls keine direkte. Sie findet nur als indirekte Wiedergabe in Bens und Lulus Gesprächen statt. Das ist ziemlich trocken (Lulu und ihr Freund, Ben und seine Freundin, der Sinn des Lebens…) und endet in der Regel damit, dass Ben und Lulu nicht mehr miteinander reden und sich anschließend gegenseitig anbetteln es doch wieder zu tun. Der Roman geht hier an sich nicht schlecht mit der Frage um, ob das Gegenüber im Internet immer das ist, wofür man es hält, gerade, wenn es dann um ein persönliches Treffen geht, fehlten mir aber die Vorsichtsmaßnahmen, gerade bei einem Jugendroman für junge Leserinnen, und die Zweifel wurden zugunsten einer ordentlichen Portion Naivität und süßem Kitsch begraben.

Sprachlich ist der Roman flüssig zu lesen, für Jugendliche empfand ich die Wortwahl von Ben und Lulu allerdings nicht immer als glaubhaft. Es war mir oft zu gewählt ausgedrückt. Das hat nichts damit zu tun, dass ich bei einem Roman in Chat-Form die übliche Vernachlässigung der deutschen Rechtschreibung fordern würde, wie man sie bei realen Jugendlichen erwarten müsste – das wäre für jeden Leser eine Zumutung. Dennoch hätte es Ben und Chantalismus-Lulu sicher nicht geschadet, ein wenig lockerer zu sprechen, vielleicht doch die ein oder andere Internetabkürzung häufiger zu verwenden und ihre Smiley-Kenntnisse, bei jedem Jugendlichen garantiert vorhanden, großzügiger auszuschöpfen. Da die Chat-Form eigentlich das Einzige ist, das „Im Pyjama um halb vier“ von der Masse abhebt, hätte man sich auf die Glaubwürdigkeit dieses Elements vielleicht stärker konzentrieren können.

Fazit: Abgesehen von einem gelungenen Ende hat mir persönlich der rote Faden gefehlt und die Figuren waren nicht authentisch genug. Die Chat-Form ist ungewöhnlich, hätte aber konsequenter genutzt werden können. Mehr als eine nette Geschichte für zwischendurch, die ich allerdings nur jungen Mädchen (oder jung-gebliebenen Leser im Allgemeinen), die wirklich auf klassische Junge-trifft-Mädchen-Liebesgeschichten stehen, empfehlen könnte, ist leider nicht daraus geworden. 3 Sterne.


Der Seelenfänger
Der Seelenfänger
von Chris Moriarty
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Inhaltlich überladen, emotional leer, 9. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Seelenfänger (Gebundene Ausgabe)
"Der Seelenfänger" von Chris Moriarty ist der Auftakt einer Jugendbuch-Reihe, die versucht mit Magie und einer Kriminalgeschichte das New York des frühen 20. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Leider bleibt es bei dem Versuch…

Zum Inhalt: Sascha Kessler, ein jüdischer Junge aus einer der ärmeren Gegenden New York Citys, entdeckt im Alter von 13 Jahren, dass er Magie erkennen kann. Da diese in der Stadt verboten ist und von den Inquisitoren, einer Art Spezialabteilung der Polizei, überwacht wird, macht ihn das für die Behörde zu einem wertvollen Lehrling. Seine Anstellung beim seinem Ausbilder Wolf, einem der bekanntesten Inquisitoren, bedeutet auch für den Jungen eine große Chance. Doch gleich an seinem ersten Tag beginnt die Jagd auf einen Dibbuk, eines der gefährlichsten magischen Wesen. Ob Sascha wirklich helfen kann, diesen Fall zu lösen?

Eigentlich hat „Der Seelenfänger“ alles, was ein guter Jugendfantasy-Roman braucht. Eine gute Grundidee, ein gut gewähltes allgemeines Setting – die Ansiedlung der Handlung im New York des frühen 20. Jahrhunderts ist ungewöhnlich und nicht uninteressant. Auch die Figurenkonstellation mit dem unerfahrenen Sascha, der eigentlich aus einer der Magie nicht abgeneigten Familie stammt und plötzlich zum Inquisitor ausgebildet werden soll, an der Seite des großen, legendengleichen Inquisitors Wolf ist an sich gut gelungen. Für Sascha stellt dies nicht nur aufgrund seiner jungen Jahre und des Konfliktes zwischen den Werten seiner Familie und denen der Polizei in Bezug auf die magische Welt eine Herausforderung dar, sondern ist vor allem auch eine massive finanzielle Verbesserung und eine Absicherung für die Zukunft. Denn Saschas Familie, jüdische Einwanderer, lebt in schlichten, armen Verhältnissen – seine neue Anstellung ist der Zugang zu höheren sozialen Schichten.

Allein der der Hauptfigur steckt damit schon jede Menge Vielschichtigkeit, die nur darauf wartete, herausgekitzelt zu werden, und zusammen mit dem spannenden Plot hätte Moriartys magische Welt also zumindest von der Idee her ein richtig großer Wurf werden können, doch die enttäuschend schwache Umsetzung macht diese Aussicht leider schon nach wenigen Seiten zunichte.

Selten habe ich mich bei einem Roman so sehr über verschenktes Potenzial geärgert wie bei diesem Exemplar. Die Autorin scheint vor allem anderen beim Schreiben mit einer Priorität vorgegangen zu sein: Schnell muss es gehen! Jede Situation muss flott abgehandelt werden, teilweise fehlen gar sämtliche Übergänge. Die aufeinanderfolgenden Ereignisse werden zackig aufgelistet und anders als eine Liste liest sich der schlagartige Wechsel von einer Situation zur nächsten auch nicht. In diesem Fall hat dieses Vorgehen auch rein gar nichts mit dem Erzeugen von Spannung durch ein schnelles Erzähltempo zu tun, es wirkt stattdessen einfach nur plan- und lieblos.

Der gesamte Schreibstil macht dabei einen reichlich unsteten Eindruck. An einigen, leider im Vergleich sehr wenigen, Stellen schafft es die Autorin, ihrem Setting Leben einzuhauchen und somit das New York von vor rund 100 Jahren vor den Augen des Lesers neu entstehen zu lassen. Detaillierte Beschreibungen mit Gespür für die die Stimmung einfangenden Merkmale der Umgebung bleiben jedoch leider die Ausnahme. Trotz unheimlicher Idee und einigen nächtlichen, gruseligen Momenten hatte ich genau ein einziges Mal Gänsehaut – zu wenig, in Anbetracht der Vielzahl von Möglichkeiten, bei denen es genauso hätte sein müssen, aber einfach keinerlei Gefühlsregung zustande kam, weil die Beschreibungen zu schnell kamen und gingen und zu oberflächlich blieben.

Vor allem die Charaktere aber auch der recht komplexe Handlungsverlauf mit vielen Figuren – teilweise der historischen Realität entliehen und Rollen in der magischen Welt angepasst – leiden unter der überstürzten Erzählweise. Blasse Protagonisten wirkten austauschbar, Dialoge gestelzt und der Bösewicht ist so unübersehbar böse, dass es langweilt. Die Handlung, für ein Jugendbuch mit gerade einmal 350 Seiten tatsächlich sehr umfangreich, wirkt durch die Schnelligkeit der Erzählung oft wirr und leblos. Es fehlen einprägsame Momente, die Wirkung auf den Leser erzielen könnten, denn vor allem auf der emotionalen Seite bleibt der Roman dem Leser in vielerlei Hinsicht einiges schuldig. Man kann nicht mit den Figuren lachen, sie berühren einen nicht – ihre Schicksale lassen den Leser kalt. Vor allem diesem Punkt hätte die Autorin sprachlich viel mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Auch bei einem Jugendbuch reicht es nicht, herunterzurasseln, was die Protagonisten tun: Wie sie es tun ist mindestens ebenso entscheidend. Was sie dabei fühlen, wie es ihnen dabei geht, ihre Beweggründe – ein Blick hinter die Kulissen. Doch das wurde versäumt.

Fazit: Ich bin mehr als enttäuscht von „Der Seelenfänger“. Chris Moriarty hatte eine tolle Idee, verortet in einem ungewöhnlichen Setting mit großem Potenzial, aber was nützt das alles, wenn es sprachlich mager umgesetzt wird und so emotional ist wie ein Sachbuch? Kein Gefühl, teilweise wirr – so konnte kein guter Roman aus der Idee werden. Ich kann es nicht weiterempfehlen. Leider nur knappe 2 Sterne.


Du. Wirst. Vergessen.: Roman
Du. Wirst. Vergessen.: Roman
von Suzanne Young
  Broschiert
Preis: EUR 14,00

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schleichender Weg in die Dystopie, 2. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Du. Wirst. Vergessen.: Roman (Broschiert)
„Du. Wirst. Vergessen.“ von Suzanne Young ist der erste von zwei Bänden mit einer dystopischen Grundidee, die im Vergleich zu den meisten anderen Büchern dieses aktuellen Trend-Genres sehr nah – sowohl zeitlich wie auch inhaltlich – an unserer realen Gegenwart bleibt.

Zum Inhalt: Die Selbstmordrate ist unter Jugendlichen stark gestiegen, Auch Sloanes Bruder Brady hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen. Um das Problem zu bekämpfen, wurde das „Programm“ entwickelt, unterstützt von der Regierung und den Eltern. Die Jugendlichen werden beobachtet. Wer Anzeichen von Depressionen zeigt, muss damit rechnen ins „Programm“ gebracht zu werden – die Rückkehrer haben alle Erinnerungen verloren. Daher vermeidet es Sloane, so wie alle anderen auch, ihre Gefühle zu zeigen. Nicht einmal vor ihren Eltern kann sie ehrlich sein. Nur bei ihrem Freund James ist sie offen, doch eines Tages bricht James zusammen. Wird Sloane es schaffen, dass er sich an sie erinnert, wenn er aus dem „Programm“ zurückkehrt? Oder könnte sie damit leben, wenn er es nicht tut?

„Du. Wirst. Vergessen.“ schafft es dem aktuellen Dystopie-Trend neues hinzuzufügen. Nicht durch die verlorenen Erinnerungen – das ist kein seltenes oder besonders neues Motiv. Doch „Du. Wirst. Vergessen.“ stellt in seiner Position zwischen unserer Gesellschaft und der dystopischen Zukunftsvision einen Sonderfall dar. Denn, während die meisten Dystopien neue Gesellschaftsstrukturen präsentieren und dem Leser in den Hintergrundinformationen nur nebenbei Einblick darauf gewähren, wie sich diese entwickelt haben, ob durch Konflikte, gar Kriege, oder Naturkatastrophen apokalyptischen Ausmaßes, zeigt Suzanne Young genau diesen Übergang zwischen unserer Realität und einer dystopischen Zukunft. Dabei sind ihre Überlegungen sehr gut durchdacht, gleichzeitig aber auch denkbar unspektakulär, sodass tatsächlich auch eine gefühlte Nähe zwischen Gegenwart des Lesers und der hier erschaffenen Welt entstehen kann.

Es müssen nicht immer die großen Kriege oder Katastrophen sein, die Gesellschaften durch bedenkliche Entscheidungen Schritt für Schritt zum Negativen verändern. Hier ist der Auslöser ein plötzlicher Anstieg der Zahl von Suiziden bei jungen Menschen. Die Lösung zur Eindämmung dieser ist das „Programm“. Da die Rückkehrer nach ihrer Behandlung keine Anzeichen von depressiven Erkrankungen mehr zeigen, gilt es als Erfolg, zumindest bei der Regierung und den besorgten Eltern. Die Jugendlichen selbst sehen jedoch die andere Seite. Sie verlieren Freunde, denn die Behandelten erinnern sich nicht, haben sogar stark veränderte Persönlichkeiten, werden optisch verändert – neue Kleidung, neue Frisur. Doch öffentlich Kritik zu üben oder Gefühle zu zeigen, kann bedeuten, dass man selbst der Nächste ist, der ins „Programm“ muss.

„Du. Wirst. Vergessen.“ setzt mit dieser Idee nicht in ferner Zukunft an, sondern in einer der Gegenwart sehr nahen Zeit. Doch, obwohl sich eigentlich nur ein einziges Element verändert hat (die Selbstmordrate) und besorgte Erwachsene aus richtigen Gründen (die Heilung der Depressionen) das Falsche unterstützen (das „Programm“), ist das Leben der Jugendlichen davon schon stark negativ beeinflusst und damit für den Leser sehr erschreckend. Dabei hat dieses eine dystopische Merkmal allerdings noch Grenzen. Zum Beispiel die Volljährigkeit. Noch ist die Gesellschaft nicht so weit gegangen die Mündigkeit der Menschen im Erwachsenenalter zu schränken. Noch ist das „Programm“ auch lokal beschränkt. Doch es weitet sich aus und gewinnt an Einfluss. Genau diese Entwicklung hinein in die Dystopie ist einer der Kernaspekte dieses Buches.

Das zweite und vordergründige Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen in dieser schwierigen Welt. Sloane, James und ihre Freunde kämpfen gegen die negativen Gefühle, der Roman wird dadurch hauptsächlich bestimmt von einer nachdenklichen, oft traurigen Stimmung und weniger von actionreichen Sequenzen. Die Ausweglosigkeit ist greifbar in der Gefühlswelt der Protagonisten und von der Autorin atmosphärisch ebenso gut umgesetzt, wie die intensive Liebesgeschichte zwischen Sloane und James, dem ehemals besten Freund ihres Bruders Brady. Sein Selbstmord verbindet und belastet die beiden und vermutlich ist es von vorn herein nur eine Frage der Zeit, bis das „Programm“ auch dieses wundervolle Paar entzweit. Es folgen spannende Entwicklungen, zartes Herantasten und viele schockierende und traurige Momente. „Du. Wirst. Vergessen.“ ist nicht nur sprachlich stark geschrieben, es lebt auch von den starken Gefühlen der Protagonisten und einer bedrückenden Grundstimmung.

Neben der guten Sprache überzeugen auch die Charaktere, allen voran die Ich-Erzählerin Sloane, eine aufgeweckte 17-Jährige, die zwar Schwächen zeigt aber nicht durch Naivität oder gar Dummheit negativ auffällt, sondern ganz im Gegenteil mit Charaktertiefe und Facettenreichtum überzeugt. Mit ihr mit zu fiebern fällt leicht, ihre Trauer und ihren Schwermut zu verstehen ebenfalls.
Die Autorin vereint eine gute Mischung aus Liebe, Wut und einer ausdrucksstarken Persönlichkeit in ihrer Hauptfigur. Das „Programm“ stellt dabei eine weitere Herausforderung dar, indem es die Notwendigkeit schafft, zwischen Bachgefühl und Wissen unterscheiden zu müssen, wenn die Erinnerungen fort sind. Wie Sloane und die anderen mit den Auswirkungen des Programms umgehen, wie die Autorin sich das „Programm“ überhaupt vorstellt, ist sehr lesenswert und die Fortsetzung wird von mir jetzt mit Spannung erwartet.

Fazit: „Du. Wirst. Vergessen.“ ist eine sprachlich intensive und mit starken Charakteren umgesetzte Romanidee, die sich mit einer dystopischen Idee zur Bekämpfung von Selbstmorden und Depressionen befasst und zeigt, wie ein solches Element eine Gesellschaft, die im Kern noch nah an der heutigen Zeit liegt, nach und nach zum Negativen verändert. Das ist der Autorin sehr gut gelungen, besonders durch eine eher nachdenkliche Grundstimmung. „Du. Wirst. Vergessen.“ setzt mehr auf die emotionalen Aspekte als auf große Action. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. 5 Sterne.


Phobia: Thriller
Phobia: Thriller
von Wulf Dorn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

15 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Spannungsarmer Thriller, leider nur Mittelmaß, 1. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Phobia: Thriller (Gebundene Ausgabe)
„Phobia“ von Wulf Dorn ist ein Psychothriller und für mich das erste Buch des in den letzten Jahren recht bekannt gewordenen deutschen Autors. Der Plot klang für mich zunächst sehr interessant, aber was daraus wurde, konnte mich nicht mehr überzeugen.

Zunächst ein paar Worte zum Inhalt: Sarah Bridgewater lebt mit Mann und Sohn in einem der nobleren Stadtteile Londons. Ihr Mann Stephen befindet sich auf Geschäftsreise – denkt sie. Doch an diesem Abend kommt er unverhofft früher nach Hause. Mit Schrecken muss Sarah jedoch feststellen, dass der Mann, der Stephens Wagen fährt, seinen Anzug trägt, jetzt in ihrer Küche steht und behauptet Stephen zu sein, nicht Stephen ist. Was will dieser Mann von ihr und ihrem Sohn? Woher weiß er so viel über die Familie? Und was ist mit dem echten Stephen passiert? Sarah ist verzweifelt und sucht Hilfe bei ihrem Jugendfreund, dem ehemaligen Psychiater Mark Behrendt…

Wie einleitend bereits erwähnt, ist die Idee hinter der Geschichte durchaus interessant. Ein Psychopath, der besessen davon ist, ein anderer zu sein und zwar Familienvater Stephen, der mit seinem kleinen Sohn und seiner Frau ein ansehnliches Leben im Londoner Vorort lebt. Nicht alles ist perfekt – Stephen ist oft auf Geschäftsreise und Sarah musste aufgrund einer Angsterkrankung ihren Beruf aufgeben -, doch warum hat sich jetzt dieser Mann ausgerechnet ihre Familie ausgewählt? Wie lange hat er sie schon beobachtet, was treibt ihn an, sich als Stephen auszugeben? Das sind – zumindest zu Beginn – die zentralen Fragen dieses Psychothrillers. Dazu noch die Frage nach dem Verbleib des echten Stephen – was braucht es für einen guten Thriller mehr? Wie wäre es mit mehr Konsequenz und weniger Nebenschauplätzen? Das sind nämlich meine großen Kritikpunkte an „Phobia“, außerdem hatte ich gelegentlich Probleme mit der Glaubwürdigkeit und Logik hinter den Figuren.

Ein Punkt nach dem anderen: Was meine ich, wenn ich von mangelnder Konsequenz spreche? Die Rolle des Täters, nennen wir ihn im Folgenden „Nicht-Stephen“, ist am Anfang sehr gut festgelegt und darin steckte auch der größte Teil der Spannung. Er dringt in Stephens Kleidung ins Haus ein, weiß alles über die Familie, besteht darauf, Stephen zu sein, vehement – aber nicht für lange. Der Klappentext und auch der Inhalt der ersten Seiten war, was das anging, eher irreführend. „Nicht-Stephen“ fällt so schnell aus seiner Rolle, dass man ihm diese Besessenheit, die er am Anfang verkörperte, diesen Willen und Glauben tatsächlich Stephen zu sein und damit auch seine Rolle als Psychopath, kaum noch abkaufen kann. Schnell flachte die Spannung ab und gipfelte in Ernüchterung, denn die Auflösung, die Motivation des Täters und seine wahre Persönlichkeit sind denkbar unspektakulär, etwas flach und nicht besonders einfallsreich. Die Idee der Übernahme von Stephens Identität hatte mir gut gefallen, aber dabei ist der vermeintliche Psychopath eben nicht geblieben. Und das fand ich inkonsequent.

Die bereits erwähnten Nebenschauplätze verdankt der Leser dann vor allem Mark Behrendt. Der wohl schon aus „Trigger“ bekannte Protagonist reist gebrochen vom eigenen Schicksal nach England zur Beerdigung seines ehemaligen Professors. Dass Sarah ihn um Hilfe bittet, verbindet Behrendt zwar mit dem aktuellen Fall, seine eigene Tragödie ist aber zunächst beinahe omnipräsent und drängt das Rätsel um „Nicht-Stephen“ viel zu sehr in den Hintergrund. Für das aktuelle Geschehen hat Behrendts Lebensgeschichte nur leider kaum Relevanz, nahm ihm deswegen zu nicht unerheblichen Teilen die Spannung und sorgte für unnötige Längen.
Als sich dann auch noch „Nicht-Stephen“ quasi eine Nebenbeschäftigung sucht und das Stephen-Sein ein wenig ruhen lässt, wird es endgültig zu viel. Der rote Faden und ein deutlicher Fokus auf die Haupthandlung haben hier eindeutig gefehlt.

Neben diesen größeren Kritikpunkten sind es dann noch einige kleine Unglaubwürdigkeiten, die verhindert haben, dass ich mit diesem Thriller wirklich warm wurde – wobei „Thriller“? Nach einem spannenden Anfang muss man auf den namensgebenden „Thrill“ doch größtenteils verzichten. In kleinen Dosen kam er zwar noch gelegentlich zurück, aber für ein Buch dieses Genres war ich beim Lesen doch zu oft zu entspannt, von Nervenkitzel selten eine Spur.
Hinzu kommt eine ziemlich kontrollierte angebliche Angstpatientin in Form von Sarah, bei der mir doch einiges an Charaktertiefe gefehlt hat.
Nicht ungewöhnlich für Thriller, bei denen die behördlichen Ermittler nicht die Hauptrolle spielen, ist es, diese irgendwie aus der Handlung herauszuhalten oder als unfähig darzustellen. Das kann funktionieren, in der Offensichtlichkeit wie es hier versucht wurde, war es aber nicht glaubhaft. Die Polizisten stellen klar erkennbar die falschen Fragen und ignorieren so viele Fakten, dass es einfach nicht mehr logisch erschien.

Und jetzt zum Positiven. Der Schreibstil ist sehr gut, das Buch liest sich ohne sprachliche Stolpersteine. Gerade der Anfang war auch in Sachen Spannungsbogen sehr überzeugend, bedauerlich nur, dass er anschließend deutlich einbricht und auch die wechselnden Perspektiven nur gelegentlich ein wenig Spannung zurückholen können. Auch wenn mir „Nicht-Stephens“ Motive letztendlich zu schwach, zu zusammengeschustert und zu gutmenschlich erschienen, die Art, wie sie vermittelt wurden, ist wiederrum gut gelungen und gehört dadurch am Ende wenigstens zu einem dieser Momente, in denen eine gewisse Spannung festzustellen war.

Fazit: Alles in Allem ist „Phobia“ echtes Mittelmaß. Es hapert an Glaubwürdigkeit, Konsequenz bei den Figuren und einem roten Faden für die Handlung. Eine gute Sprache und ein spannender Anfang können zwar einiges ausgleichen, aber nicht überdecken, dass diesem „Thriller“ oft der „Thrill“ fehlt. Ich vergebe eher knappe 3 Sterne. Bei der Grundidee wäre mehr drin gewesen, doch die Geschichte schweift einfach zu oft ab.


Grischa, Band 2: Eisige Wellen
Grischa, Band 2: Eisige Wellen
von Leigh Bardugo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender, düsterer und unheimlicher, 27. September 2013
„Grischa – Eisige Wellen“ ist nach „Goldene Flammen“ der zweite Band einer High-Fantasy-Trilogie mit russisch angehauchter Szenerie. Die Reihe, offiziell aus dem Jugendbuchbereich aber uneingeschränkt All-Age-geeignet, wird geschrieben von der in Amerika lebenden Autorin Leigh Bardugo und konnte mich jetzt ein zweites Mal begeistern.

Zunächst ein paar Worte zum Inhalt:
Alina und Maljen sind nach ihrem Sieg über den Dunklen auf der Flucht und versuchen jenseits der Wahren See ihre Identität zu verschleiern. Denn die Unsicherheit bleibt. Sollte der Dunkle den Schattenflur überlebt haben? Selbst weit entfernt von ihrer Heimat Rawka kann sich Alina nicht sicher fühlen. Ihre Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten, denn die Gerüchte über den Dunklen nehmen zu und er könnte mächtiger sein als jemals zuvor. Rawka ist in Gefahr und Alina auch, denn um seine Pläne in die Tat umzusetzen, braucht der Dunkle ihre Kräfte….

Die „Grischa“-Trilogie hebt sich nicht nur durch die in zarten Farben gestalteten Cover von anderen Reihen im Jugendbuchbereich ab. Zunächst einmal ist sie eine der wenigen High-Fantasy-Reihen, denn unter den Jugendbüchern ist die Welt des Über- und Unnatürlichen deutlich stärker - wenn nicht gar fast ausschließlich - durch die Urban- und Contemporary-Fantasy repräsentiert, also durch ein Genre, in dem Fantasy-Elemente in unsere (in der Regel moderne) Welt eingebunden werden. In der „Grischa“-Trilogie befinden wir uns in einem Reich mit mittelalterlichen Strukturen, das nicht Teil unserer Welt ist. Was „Grischa“ jedoch auch hier aus dem üblichen High-Fantasy-Setting herausstechen lässt, sind Anlehnungen an die russische Geschichte und Sprache, die sich sowohl in der Herrschaftsform Rawkas selbst finden (es ist ein Zarenreich) als auch in zahlreichen Namen von Personen und Orten. Es handelt sich also zwar um High-Fantasy, dennoch gibt es aber Wiedererkennungspunkte mit einer historischen, russisch beeinflussten Welt, was ich als Grundkonzept auch beim zweiten Band sehr gelungen und immer wieder spannend finde.

Auch durch den sprachlich sehr gelungenen Aufbau der Reihe schafft die Autorin es, sich von der Masse abzuheben. So beginnt und endet auch der zweite Band, wie schon der erste, mit einem Prolog und einem Epilog, die in einem neutralen, fast märchenhaften Stil gehalten werden und ganz distanziert von einem Jungen und einem Mädchen erzählen. Diese Kapitel runden den Roman ab und sorgen sowohl am Anfang wie auch am Ende für eine besondere Atmosphäre, die dazwischen von Alina als starker Ich-Erzählerin aufgenommen wird. Diese kleinen Elemente, die Berührungspunkte zu einem russischen Zarenreich oder die ungewöhnlichen Kapitel im Märchenstil, sind das, was „Grischa“ als Reihe zu etwas Besonderem macht, und zusammen mit einer sehr erwachsenen Sprache, gespickt mit eindrucksvollen Beschreibungen in bildgewaltigen Momenten, wird „Grischa“ dadurch auch für Fantasy-Fans jeden Alters zum absoluten Lesevergnügen.

Dennoch kann ich nicht abstreiten, dass ich mit einer gewissen Skepsis an die Fortsetzung herangegangen bin. „Goldene Flammen“ ließ sicherlich einige Fragen offen, war aber insgesamt mit seinem offenen Ende sehr rund und hätte wundervoll als Einzelband funktionieren können. Musste die Frage nach dem Schicksal des Dunklen also wirklich noch einmal aufgerollt werden? Sie musste vielleicht nicht, aber ich bin froh, dass Bardugo es getan hat. Was ich im ersten Band noch kritisiert hatte – mein einziger Kritikpunkt in einem ansonsten nahezu perfekten Roman - , war die teilweise etwas unvollständige Versorgung des Lesers bezüglich der Informationen über die Magie und Struktur der Grischa als Gemeinschaft verschiedener Orden mit mannigfaltigen Eigenschaften und Kombinationen von Aufgaben und Farbcodes, die zu überblicken für mich als Leser schwierig war. Davon ist in „Eisige Wellen“ kaum noch etwas zu spüren, was zum Einen auch daran liegen mag, dass das Leben im Kleinen Palast unter den Grischa nicht mehr die größte Rolle spielt, allerdings taucht die Autorin auch noch einmal viel tiefer in die Welt Rawkas ein.

Alina und Maljen bereisen viele Orte und treffen auf magische Wesen und politische Intrigen. An wessen Seite das alles passiert, soll hier nicht näher beschrieben werden, denn sowohl die Rolle des Dunklen als auch die weiterer Personen ist ein unverzichtbarer Teil des Spannungsaufbaus innerhalb der Geschichte. Nur so viel sei verraten: Der Dunkle macht seinem Namen noch einmal alle Ehre. Unheimlicherer, düsterer und erschreckender war „Grischa“ bisher nie. Ansonsten geht es um Politik, religiöse Kulte, die Macht im Zarenreich und die Herrschaft über die Grischa im Kleinen Palast. Die wunderschöne, zarte Liebesgeschichte zwischen Alina und Maljen wird konfliktreicher werden und leiden – gleich an mehreren Stellen geht diese Fortsetzung emotional gewaltig unter die Haut.

Insgesamt machen die Charaktere einen sehr ausgereiften Eindruck und sind für ein Jugendbuch in ihrem Verhalten bereits sehr Erwachsen. Niemand, der sich nicht mehr zu den Teens zählen kann, sollte aufgrund der Altersempfehlung „ab 14 Jahren“ davor zurückschrecken, dieses Buch in die Hand zu nehmen, denn strenge Differenzierungen zwischen der Eignung für Jugendliche oder Erwachsene müssen gerade bei dieser Trilogie aufgrund der exzellenten Sprache und der Vielschichtigkeit der Charaktere an sich nicht gezogen werden.
Was den Spannungsverlauf angeht, so steigert sich „Eisige Wellen“ mit jeder Seite und gipfelt in einem unglaublichen Finale, das beinahe atemlos werden lässt. Mit großer Spannung erwarte ich jetzt den dritten Band, denn am Ende des zweiten ist es nicht mehr wie nach dem ersten Band: Hier muss definitiv noch eine Geschichte zu Ende erzählt werden.

Fazit: „Eisige Wellen“ kann sich im Vergleich zu seinem Vorgänger „Goldene Flammen“ noch einmal steigern. Es wird spannender, düsterer und unheimlicher. Insgesamt ist „Grischa“ eine Trilogie, die sich sowohl durch die Reife ihrer Charaktere wie auch durch stilistische, sprachliche Elemente und den Aufbau ihrer Welt als High-Fantasy mit Berührungspunkten zum historischen russischen Zarenreich deutlich von anderen abhebt. Sehr empfehlenswert. 5 Sterne


Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
von Benjamin Constable
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirklichkeit oder Einbildung? Ein ewiges Rätsel..., 22. September 2013
„Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ von Ben Constable ist ein Roman, der zugleich verwirrt und nachdenklich macht. Was ist real, was Einbildung? Das ist manchmal schwer zu sagen…

Inhalt: Ben Constables Freundin Tomomi Ishikawa hat sich das Leben genommen. In einem Brief, der unter seiner Tür durchgeschoben wurde, teilt sie ihm dies mit. Doch damit nicht genug, weitere Nachrichten von ihr folgen, versteckt an unterschiedlichsten Orten, auf die sie Hinweise hinterlässt. Sie führen Ben Constable auf eine Schnitzeljagd durch Paris und New York und zu grausamen Geheimnissen in Tomomi Ishikawas Leben. Wie gut kannte er seine Freundin überhaupt? Sind ihre Geschichten wahr oder erfunden? Ben Constable weiß es schon bald nicht mehr…

Den Roman von Benjamin Constable einem Genre zuzuordnen fällt nicht gerade leicht. Es hat Elemente eines Thrillers, die Jagd nach Tomomi Ishikawas Vergangenheit ist ohne Frage spannend und die gewonnenen Erkenntnisse teilweise sehr schockierend. Was das angeht, so hat der Roman meine Erwartungen, die ich rein aus dem Klappentext heraus entwickelt hatte, absolut erfüllt. Doch dahinter steckt mehr. „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ spielt mit der Verwischung von Realität und Fiktion. Weder scheint der Protagonist immer zu wissen, was der Wahrheit entspricht – ob überhaupt etwas der Wahrheit entspricht? – noch kann der Leser diese Frage nach Wirklichkeit oder Einbildung beantworten.

Was direkt zu Beginn auffällt: Autor und Protagonist tragen denselben Namen. Und nicht nur das – sie sind gleich alt, in England geboren, lebend und arbeitend in Paris, mit dem bisher weitestgehend unerfüllten Wunsch, als Autor Fuß zu fassen. All das kann man nicht nur über die Figur Ben Constable lesen, sondern es findet sich auch in der Biographie des Autors Benjamin Constable. Die Geschichte wird zudem eingeleitet durch ein Gespräch zwischen Tomomi Ishikawa und Ben Constable, darüber, dass er gerne mal ein Buch über sie beide schreiben würde. Wie passend. Versetzt sich der Autor also selbst, als Ich-Erzähler, in seine Geschichte? Es scheint so. Oder?

Selbst in der Geschichte wird die Frage nach Realität oder Fiktion auf mehreren Ebenen immer wieder gestellt. Sind Tomomi Ishikawas Offenbarungen über ihre Vergangenheit, auf deren Spuren Ben Constable wandelt, wahr oder entspringen sie ihrer Vorstellungskraft? Ist sie wirklich tot? Was steckt hinter der Schnitzeljagd? Oder hinter dem imaginären Kater Cat. Dass Cat imaginär ist, steht außer Frage, nur Ben Constable kann ihn sehen – für ihn ist er aber sehr real. Eine imaginäre Katze, die zwar nicht spricht, wenn es sein muss, aber mal die Führungsrolle übernimmt. Das klingt schräg? Ist es auch! Der Roman ist verwirrend, schwer zu deuten und lässt den Leser mit vielen offenen Fragen zurück, allerdings, und das macht ihn zu etwas besonderem, lässt er ihn auch nicht mehr los.

Benjamin Constable hat es geschafft, mich innerhalb weniger Seiten in seinen Bann zu ziehen. Nie wusste ich wirklich, wohin der Roman führen würde – vorherzusehen ist wenig, wo man doch nicht einmal weiß, was echt ist und was nicht. Doch schon allein durch die wunderschöne Sprache, die bildhaften Beschreibungen, die Ben Constable mit einer leichten Lethargie und tiefen Traurigkeit der Figuren verbindet und immer wieder durch frohe, humorvollen oder schockierende Momente aufbrechen lässt, ist der Leser gefangen. Das hat mich begeistert, ebenso wie die wiederkehrenden Elemente, die Symbolik hinter den Worten, eine große Faszination ausübten und den Schreibstil zu etwas einzigartigem machten, das man nur zu gerne erleben wollte.

Die Schauplätze sind vielfältig, eine Reise durch Paris und New York in all ihren Facetten, und immer intensiv beschrieben, mit Liebe zum Detail und sprachlicher Präzision.
Abgerundet wurde der Roman durch die Tiefe und Vielschichtigkeit der Figuren. Freundschaft, Liebe, Traurigkeit, Depression und Tod – alles ist dabei. Selten kann man die Absichten der Charaktere durchschauen, oft nicht einmal verstehen, und nur langsam setzen sich die Puzzlestücke zusammen, aber nie vollständig. Der Roman und seine Protagonisten geben am Ende viel Stoff zum Nachdenken.

Eine leichte Lektüre für zwischendurch ist „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ sicher nicht. Das Buch hat einen gewissen Anspruch und fordert Aufmerksamkeit, unterhält aber gleichzeitig auch durch subtilen Humor mit einem Hang zum Skurrilen und große Bilder für die Vorstellungskraft des Lesers. Ich kann nicht sagen, dass ich einen solchen Roman erwartet hätte, denn so etwas Verwirrendes hätte ich mir nicht vorstellen können. Und dennoch hat es mich begeistert, einfach, weil es etwas ganz besonderes war. Ein Roman der lange in Erinnerung bleibt.

Fazit: „Die drei Leben der Tomomi Ishikawa“ ist ein ungewöhnlicher Roman. Verwirrend und voller Rätsel, ständig auf der Suche zwischen Realität und Einbildung, dabei wundervoll geschrieben und sowohl zum Lachen wie auch zum Weinen. Die Geschichte berührt, unterhält und regt zum Nachdenken an, wenn man sich denn auf das skurrile Abenteuer einlassen kann. Es lohnt sich. Ein außergewöhnlicher Roman, dem ich, auch wenn er ein wenig Chaos in meinem Kopf hinterlässt, nur 5 Sterne geben kann.


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