ARRAY(0xa4e777e0)
 
Profil für Sarah O. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Sarah O.
Top-Rezensenten Rang: 117
Hilfreiche Bewertungen: 3292

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Sarah O. "Sarahs Welt der Bücher" (NRW)
(TOP 500 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30
pixel
Grischa - Goldene Flammen
Grischa - Goldene Flammen
von Leigh Bardugo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel Potential, aber zu wenig Informationen, 3. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Grischa - Goldene Flammen (Gebundene Ausgabe)
"Grischa - Goldene Flammen" ist der Auftakt einer High-Fantasy-Trilogie mit russischen Zügen und der Debütroman der Autorin Leigh Bardugo. Insgesamt hat mir dieses Buch für Jugendliche/junge Erwachsene gut gefallen, trotz kleiner Schwächen.

Inhalt: Alina ist Kartografin in der Ersten Armee des Zaren, die sich darauf vorbereitet gemeinsam mit einigen Grischa, den Magiern des Reiches Rawka, die Schattenflur zur überqueren - einen in völliger Dunkelheit liegenden Korridor, der das Land in zwei Teile teilt und von bösartigen Kreaturen bewohnt wird. Ebenfalls dabei ist Maljen, ein Fährtenleser und ihr bester Freund seit Kindertagen, in den sie heimlich verleibt ist. Doch Maljen ist ein Frauenheld und sie selbst so unscheinbar, dass sie sich nicht traut, zu ihren Gefühlen zu stehen. Als sie bei der Durchfahrt der Schattenflur angegriffen werden, rettet Alina Maljen das Leben, allerdings auf übernatürliche Weise. Die Grischa unter ihrem Anführer, dem Dunklen, werden auf sie aufmerksam und schicken sie weit nach Osten, um bei ihnen in die Lehre zu gehen...

"Grischa" ist ein High-Fantasy-Roman, erinnert aber vor allem durch die Namensgebung vieler Figuren und Ortschaften sowie durch die Existenz eines Zaren an ein Russland vor einigen hundert Jahren. Was aber die Welt insgesamt angeht, so waren mir die Beschreibungen oft zu schwammig und ich finde mich auch jetzt am Ende und trotz Karte und kleinem Glossar kaum zurecht. Das Argument, dass es sich bei "Goldene Flammen" um den Auftakt einer Trilogie handelt, kann an dieser Stelle für mich auch nicht zum Tragen kommen, denn gerade von einem High-Fantasy-Roman muss ich erwarten können, dass ich während des Lesens alle Hintergrundinformationen bekomme, die ich zum Verstehen jeder Beschreibung benötige. Und dieses Gefühl hatte ich bei Grischa nicht. Oft waren es Kleinigkeiten, die sich aber schnell aufsummierten: Stickereien an verschieden farbigen Umhängen, Kriegsparteien, die mir schleierhaft blieben, die Grischa und ihre verschiedenen Orden und Fähigkeiten selbst, die zwar an einigen Stellen beiläufig einflossen, aber sich mir nie vollständig erschlossen.

Ich bin besonders enttäuscht über diese fehlenden beziehungsweise unvollständigen Informationen, da ich "Grischa" ansonsten nahezu perfekt fand. Die Charaktere, insbesondere natürlich die Ich-Erzählerin Alina, waren mir immer gut verständlich. Alina selbst ist zwar eine etwas weinerliche, nicht besonders starke und manchmal naive junge Frau, was mir allerdings in Anbetracht ihrer Vergangenheit als körperlich eher schwächliches, armes Waisenkind schlüssig erschien, sodass sie mit als harmonische Protagonistin mit sehr viel Entwicklungspotential, das im Laufe der Geschichte teilweise an die Oberfläche kommt, sehr gut gefiel. Auch andere Figuren wie Maljen, der Dunkle oder einige der Grischa, mit denen Alina lernt, haben mir sehr gut gefallen. Romantisch ist die Geschichte außerdem auch und zwar auch eine sehr angenehme, unaufdringliche, aber emotional dennoch intensive Art, die mich direkt mitnahm.

Sprachlich hat mich "Goldene Flammen" ebenfalls positiv überrascht. Der Stil ist flüssig und gut, auch wenn die russischen Begriffe zu Beginn ungewohnt sind. Auch der Aufbau hat mir gut gefallen, insbesondere die durch eine andere Perspektive und durch fehlende Namensnennungen unpersönlicher und fast märchenhaft wirkenden Kapitel "davor" und "danach", die Prolog und Epilog der Geschichte bilden, während der Rest aus Alinas Sicht in der Ich-Perspektive geschildert wird. Der Handlungsverlauf ist spannend gestaltet und die Geschichte birgt einige Überraschungen und eine oft sehr geheimnisvolle Stimmung. An manchen Stellen hätte ich mir vielleicht eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Situation gewünscht, denn "Grischa" ist zwar auf der einen Seite nie langweilig, wirkt dafür auf der anderen Seite manchmal ein wenig überhastet und dort hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, um mit Alina mithalten zu können.

Fazit: Eine High-Fantasy, bei der ein wenig die Hintergrundinformationen vergessen wurden, was es nicht immer leicht macht, zu folgen. Die Charaktere, die Grundidee und die Sprache sind aber erste Klasse und machen Lust auf mehr. "Goldene Flammen" ist daher hoffentlich nur der lesenswerte Auftakt einer sehr guten Trilogie - das Potential ist da, wenn auch in diesem Band noch nicht ganz ausgeschöpft. 4 Sterne


Böser Wolf: Der sechste Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 6)
Böser Wolf: Der sechste Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 6)
von Nele Neuhaus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Etwas oberflächlich und zu distanziert, 2. Januar 2013
"Böser Wolf" von Nele Neuhaus ist bereits der 6. Teil rund um das K11-Ermittlerteam aus dem Taunus. Nach "Eine unbeliebte Frau" (Teil 1) und "Mordsfreunde" (Teil 2), zwei eher schwachen Bänden am Anfang, lag der Höhepunkt dieser Krimi-Reihe für mich definitiv bei "Tiefe Wunden" (Teil 3) und "Schneewittchen muss sterben" (Teil 4), woran zunächst "Wer Wind sät" (Teil 5) und jetzt leider auch "Böser Wolf" als aktuell letzter Teil nicht mehr heranreichen konnten.

Inhalt: Eine Mädchenleiche wird am Flussufer gefunden. Bodenstein und Kirchhoff tappen im Dunkeln, denn anscheinend wird das Mädchen nirgends vermisst. Währenddessen plant die Fernsehmoderatorin Hanna Herrmann nach einigen Schwierigkeiten und Klagen gegen ihre Sendung diese mit einer großen Enthüllungsstory wieder auf Kurs zu bringen. Dabei wird sie allerdings selbst zur Zielscheibe...

Bevor ich mich an die Bewertung gesetzt habe, habe ich mir überlegt, ob ich hier verraten sollte, worum es in dem Buch wirklich geht, oder, ob die Enthüllung dieses Kerns der Geschichte einen bedeutenden Teil der Spannung ausmacht und daher nicht in eine Rezension gehört. Allerdings scheint es so zu sein, dass viele das Buch bereits schon aufgrund des Themas allein nicht hätten lesen wollen, wenn sie dieses vorher gekannt hätten - die Inhaltsangabe vom Verlag lässt darauf leider nicht schließen und auch ich war ziemlich überrascht, als ich bemerkte, in welche Richtung sich dieser Krimi entwickelte. Also, ohne mehr verraten zu wollen, im Großen und Ganzen geht es um Kindesmissbrauch.

Bereits in "Wer Wind sät" hatte ich das Gefühl, dass Nele Neuhaus sich immer mehr aktuellen, aber vor allem auch größer angelegten Fällen widmet, die für mein Empfinden den Rahmen eines Regionalkrimis fast schon sprengen. Auch in diesem Teil ist das wieder der Fall. Aus der Leiche eines unbekannten Mädchens entwickelt sich ein Fall, der mit der Zeit ein schier unüberblickbares Ausmaß annimmt, ohne jedoch - und damit beginnt mein größtes Problem mit diesem Buch - auch nur ansatzweise in die Tiefe zu gehen. Es schien mir fast so, als hätte die Autorin selbst es ein wenig mit der Angst zu tun bekommen, als sie ihre Figuren in dieses brisante Thema verstrickte, denn sie nähert sich den wirklichen Tätern dieses Mal kaum. Sie bleiben Schattenfiguren, weit im Hintergrund und quasi ohne greifbaren Charakter. Das war für mich eine Enttäuschung. Respekt vor einer Thematik wie dem Kindesmissbrauch ist sicherlich angebracht, aber wer sich entscheidet, einen Kriminalroman zu schreiben und dieses Thema dabei anzusprechen, sollte dann auch den Mut aufbringen, seine Protagonisten sinnvoll agieren zu lassen und sie auch dazu bringen, sich mit den Tätern direkt auseinanderzusetzen. Das passiert nicht, die Distanz bleibt groß.

Wie bei Nele Neuhaus üblich, gibt es wieder einige Nebenfiguren, teilweise auch sehr interessante, die in unzähligen Handlungssträngen langsam zu einem Gesamtbild verflochten werden. Leider macht dies das Buch gerade am Anfang etwas mühselig, denn die Spannung fehlt und bis man die einzelnen Figuren zuordnen kann, vergeht eine Weile. Einige Figuren verhalten sich zudem recht unlogisch, was aber bei diesem Fall leider auch für die Ermittler gilt. Die Entschlüsselung der Frage nach dem Täter beruht oft eher auf fixen Ideen als auf wirklicher Ermittlung. Alles wirkt konstruierter, als ich es von Nele Neuhaus gewohnt bin, und ist außerdem vorhersehbarer. Der Täter drängt sich dem Leser trotz Desinteresse und falschen Ansätzen von Seiten der Ermittler beinahe auf. Spannend war es zwar dennoch, aber nicht immer. Das Ende, an dem es mal wieder zu einer persönlichen Verstrickung von Ermittlern und Fall kommt, wirkte für mich dann auch einfach nur fehl am Platz. Es wirkte wie ein hektisches Anhängsel ohne Sinn.

Sprachlich kann ich Nele Neuhaus nicht kritisieren. Sie schreibt flüssig, hat einen guten Stil und wie alle ihre Romane ist auch "Böser Wolf" insgesamt angenehm zu lesen. Bei all der Distanz zwischen Ermittlern und Tätern hatte ich aber das Gefühl, die Autorin hoffe darauf, dass der Leser allein schon aufgrund der Betroffenheit, welche die Thematik selbst auslöst, an das Buch gefesselt wird. Das funktioniert aber nicht ganz. Es fehlt an vielen Stellen die Tiefe, eine direktere Auseinandersetzung mit den Charakteren und auch eine spannungsgeladene Atmosphäre wollte bei mir nicht aufkommen.

Fazit: "Böser Wolf" ist immer noch kein schlechter Krimi. Nele Neuhaus wählt allerdings ein schwierig zu bearbeitendes Thema, den Kindesmissbrauch, und versucht gleichzeitig, das Ganze auch noch in einem sehr großen Rahmen aufzuziehen. Ich empfand die Story als zu konstruiert und die Charaktere wie auch ihren Umgang miteinander im Rahmen der Ermittlung als zu distanziert - als ob die Autorin mitten in der Geschichte der Mut zur Auseinandersetzung mit ihren eigenen Figuren verlassen hätte. Insgesamt würde ich es "Böser Wolf" solide, aber nicht brillant nennen. Ich habe zwischen 3 und 4 Sternen geschwankt, doch die flüssige Sprache und ein durchaus vorhandener Bann, den das Buch auf mich auslöste und mich weitestgehend fesselte, veranlassen mich zu knappen 4 Sternen. Eine Leseempfehlung mit Einschränkung.


House of Night - Versucht: 6. Teil.
House of Night - Versucht: 6. Teil.
von P.C. Cast
  Audio CD
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Zumutung, Teil 2, 1. Januar 2013
Bereits meine Rezension zum 5. Teil der "House of Night"-Reihe, "Gejagt", hatte ich mit "Eine Zumutung" überschrieben. Zwar hatte ich die Hoffnung, es würde nach diesem gefühlten Tiefpunkt jetzt wieder besser werden, doch das war ein Irrtum. Auch "Versucht" bleibt auf diesem erschreckend niedrigen Niveau. Und der zweite Teil der Zumutung beginnt...

Inhalt: Neferet und Kalona sind vorerst verjagt, aber nicht besiegt. Die Gruppe versteckt sich zunächst weiterhin im Benediktinerkloster. Stevie Rae hat unterdessen immer mehr Geheimnisse vor Zoe. Sie rettet Rephaim, einen Rabenspötter, vom Schlachtfeld des vergangenen Kampfes und versteckt ihn vor den anderen. Wohin werden diese Geheimnisse führen und werden Zoey und ihre Freunde einen Weg finden, Kalona endlich zu vernichten?

Dieser Band bietet wenig Neues. Die Handlung kommt nicht von der Stelle, stattdessen quälen Zoey und ihre Freunde die Leser/Zuhörer mit endlosem, an kein Ziel führendes Gerede, sie eiern ein wenig in Tulsa und der Weltgeschichte umher und kommen doch kaum weiter. Zoeys Männergeschichten nerven weiterhin, auch wenn sie ihre potentiellen Liebschaften mal wieder ein wenig reduziert, und sprachlich ist es beinahe wieder ein Rückschritt, denn vor allem Zoeys Gedankengängen zu lauschen, ist eine Qual. Der Wortschatz ist gruselig schlecht und an sich für einen Roman absolut nicht ausreichend.

Was mich bei diesem Teil am meisten gestört hat (abgesehen von dem eben genanntem Üblichen), sind die Perspektivwechsel. Das Autorinnen-Duo schmeißt sein gesamtes Konzept aus den bisherigen Bänden über den Haufen und lässt nun plötzlich auch andere Protagonisten erzählen, im Gegensatz zu Zoey allerdings nicht aus der Ich-Perspektive. Ich sehe darin keinerlei Bereicherung für das Buch - stattdessen führt es dazu, dass ich mir gleiche Vorgänge mehrfach anhören musste. Außerdem erübrigen sich dadurch jegliche Fragen, die zum Beispiel Zoey sich bezüglich Stevie Raes Treue und Geheimnissen stellt. Stevie Rae erzählt dem Leser das Ganze ohnehin aus ihrer Sicht.

Erst am Ende wird die Handlung besser. Zwar wirkt sie mittlerweile eindeutig zu konstruiert, aber wenigstens am Schluss nimmt sie noch einmal Fahrt auf und endet auf einem Höhepunkt, wie man ihn in solch mitreißender Form bei dieser Reihe kaum noch erwartet hätte. Leider ändert dies aber kaum etwas am Gesamtbild.

Fazit: Sprachlich schlecht, inhaltlich kaum mehr als sinnloses Gerede und zu wenig Fortschritt in der eigentlichen Handlung. Wieder nur ein Stern. Ich hoffe es wird wieder besser, denn jetzt, wo ich mich bereits bis zur "Halbzeit" durchgequält habe, werde ich die Reihe nicht mehr aufgeben, sondern bis zum bitteren Ende weiterverfolgen. Wer aber noch nicht angefangen hat, sollte sich das gut überlegen...eigentlich kann man an dieser Reihe nämlich nicht viel empfehlen.


House of Night - Gejagt: 5. Teil.
House of Night - Gejagt: 5. Teil.
von P.C. Cast
  Audio CD
Preis: EUR 9,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Zumutung, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: House of Night - Gejagt: 5. Teil. (Audio CD)
"Gejagt" ist der fünfte Band der "House of Night"-Reihe des Mutter-Tochter-Gespanns Kristin und P.C. Cast. Schon ab dem vierten Band bin ich von den Büchern auf die Hörbücher umgestiegen, da mich lediglich der Inhalt noch interessiert, ich aber keine Zeit mehr opfern möchte, um die vor sprachlichen Mängeln nur so strotzende Reihe selbst zu lesen. Band 5 ist für mich jetzt allerdings auch beim Hören eine einzige Zumutung gewesen und definitiv der schwächste Band der Reihe bis hierher.

Inhalt: Zoey versteckt sich vor Kalona in den Tunneln der roten Jungvampyre. Doch, auch wenn sie auf ein Rätsel stoßen, das möglichweise die Lösung zu Kalonas Vertreibung in sich birgt, sind Zoey und ihre Freunde nicht lange sicher. Kalonas Interesse an Zoey ist groß, denn die Vergangenheit verbindet die beiden, und seine Rabenspötter lauern ihnen schon bald auf...

Ich fand die Ich-Erzählerin leider schon immer unerträglich, aber in diesem Band toppt sie alles bisher Dagewesene. Zoey jammert die ganze Zeit herum, wie arm sie - die Auserwählte der Göttin, Mächtigste aller Jungvampyre, umgeben von treuen und ebenfalls mächtigen Freunden, Begehrteste aller Frauen - doch dran ist. Die Sprecherin der Hörbücher, Marie Bierstedt, fördert Zoeys Selbstmitleidsorgie auch noch großzügig, indem sie beinahe durchgehend in einem kaum zu ertragenden, weinerlichen Tonfall liest - schon bei dem Gedanken an dieses Gequäke bin ich von neuem genervt.

Geradezu lächerlich wirkt Zoeys Jammerei besonders wenn es um die Männer geht. Hatte Zoey im vierten Band eine wohltuend abstinente Phase von (fast) allen Männergeschichten, gibt es in diesem Band keine Dreiecks-, nein, auch keine Vierecksgeschichte, sondern eine Fünfecksnummer. Vier Typen, alle sehen aus wie personifizierte Götter und alle wollen Zoey. Diese versöhnt sich gleich zu Beginn wieder mit Erik - was mich zunächst freute, denn ein fester Freund hätte sie ja vielleicht dieses Mal von den andauernden Anschwärme- und Anschmachtereien abhalten können, aber Pustekuchen. Schon wenige Augenblicke nach der Versöhnung jault die arme, arme Zoey nur noch rum, wie schrecklich Erik sich manchmal benimmt und himmelt unentwegt abwechselnd Erik, Heath, Stark und Kalona an. Nicht, dass sie, die arme, arme Zoey, etwas dafür könnte, dass sie quasi von einem Typen zum nächsten hüpft. Nein, sie ist unschuldig! Die sind einfach alle so heiß und sexy und ... ja, man möchte sich übergeben. Ich habe mich über die gesamte Länge des Buches für Zoey fremdgeschämt. Einer muss es ja tun, wenn sie es schon nicht macht.

Leider ist auch die Handlung, selbst wenn man Zoeys immer wiederkehrendes Gequatsche bestmöglichst ausblendet, nichts als eine Zumutung. Logik ist ein Fremdwort. Kalona könnte ein interessanter Charakter sein, aber er bleibt blass und verhält sich sinnlos. Zoey dagegen kommt alles zugeflogen. Ein großes Rätsel (dessen Existenz Zoey ebenfalls einfach zufliegt) muss gelöst werden - kein Problem, denn die Erklärungen dazu sind zwar an den Haaren herbeigezogen, aber die Antworten auf alle Fragen lauten eigentlich: Zoey, Menschen aus Zoeys unmittelbarem Umfeld und Ort in Zoeys unmittelbarer Umgebung. Hat Nyx gut eingefädelt. Da Zoey aber ständig ganz entspannt mit Nyx reden kann und Nyx alle Vamypre, denen Zoey begegnet, reich mit Gaben beschenkt hat, fragt man sich langsam, wie Kalona dieser Allmächtigen jemals gefährlich werden konnte und warum sie die Sache durch ihre Super-Zoey nicht einfach direkt löst, anstatt Umwege über andere Vampyre zu gehen.

Zoey ist ihrer Göttin natürlich treu ergeben, hat wie immer, abgesehen von ihrem Männerverschleiß, eigentlich keine Makel und alle lächeln sich andauernd an. Die Nebencharaktere bleiben alle blass und sind maximal dazu da, den Leser weiter zu nerven, wenn sie alle reihum sinnlose Dinge "sagen" und dann ihr "Lächeln lächeln" und ihr "Grinsen grinsen". Sprachlich ist auch "Gejagt" eine Zumutung aus Jugendslang und Kleinkinderniveau - nur wenn Zoey ihre Elemente beschwört, kann sie sich plötzlich sehr altertümlich und geschwollen ausdrücken, was einfach nur unharmonisch und schrecklich gewollt wirkt. Wieder wird viel geredet, vieles wiederholt, doch die Handlung macht erneut keine Fortschritte, die mit dem Umfang des Buches auch nur in einer annähernd akzeptablen Korrelation stehen könnten.

Fazit: Ja, ich könnte noch Weiteres an diesem (Hör-)Buch kritisieren, aber ich spare es mir. Langsam weiß ich auch nicht mehr, warum ich mir diese Qualen noch antue. Die Geschichte hat was, sodass ich gerne wissen wollen würde, wie sie endet, aber der Weg dahin wird für mich immer anstrengender. Die Handlung kommt nicht vom Fleck, stattdessen werden unnötige Gedanken und Dialoge ständig wiederholt. Die Hörbücher sind gekürzt - dazu kann ich, obwohl ich mich sonst immer für eine ungekürzte Lesung aussprechen würde, nur sagen: Nicht genug! 1 Stern. Der Tiefpunkt ist jetzt (hoffentlich) erreicht.


Noir
Noir
von Jenny-Mai Nuyen
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mutig und faszinierend anders, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Noir (Broschiert)
"Noir" von Jenny-Mai Nuyen ist ein spannender, düsterer Fantasy-Roman der mich mit einer gehörigen Portion Mystik vollkommen für sich einnehmen konnte.

Inhalt: Ninos Eltern starben bei einem Autounfall als er noch ein Kind war. Er selbst besitzt die Gabe zu erkennen, wann jemand sterben wird. Auch sein eigener Tod steht kurz bevor, denn er hat gesehen, dass er mit 24 Jahren sterben wird, und sein Geburtstag rückt näher. Auf der Suche nach einem Ausweg interessiert sich Nino für das Paranormale, hält das meiste allerdings für Scharlatanerie. Doch er gerät an einen Mann, der sich Monsieur Samedi nennt, der ihn dazu bringt, seine Ansichten zu überdenken, und ihm Hoffnung macht. Fasziniert ist Nino aber auch von einer jungen Frau, die für Samedi arbeitet. Sie umgibt ein Geheimnis und sich in sie zu verlieben, bringt ihn in Gefahr...

Mit "Noir" entfernt sich Nuyen eindeutig von ihren bisherigen Veröffentlichungen. Dies sind in erster Linie High-Fantasy-Romane für Jugendliche und unterscheiden sich somit in beiden Punkten von ihrem neuen Roman. Denn "Noir" spielt nicht in einer völlig erdachten Welt, sondern im modernen Berlin und ist zudem nicht als Jugendbuch einzustufen sondern zweifelsohne ein Roman für eine erwachsene Leserschaft. Ein so radikaler Schnitt mit der eigenen literarischen Vergangenheit ist mutig, aber er ist der Autorin auch hervorragend gelungen. "Noir" ist mit seiner düsteren Stimmung ein Roman, wie ich ihn noch nicht gelesen habe, und konnte mich mit seiner Einzigartigkeit an sich fesseln und begeistern.

Der Handlungsverlauf teilt sich in zwei Stränge auf. In den "normalen" Kapiteln wird Ninos Geschichte aus der dritten Person erzählt. Diese werden unterbrochen durch von einem zersplitterten Bild, dem ähnlich, welches das Cover zeigt, eingeleiteten und auch durch ein anderes Schriftbild hervorgehobenen Kapiteln, die mit "Jetzt" überschrieben sind, und nicht nur aus der Ich-Perspektive geschildert sind, sondern auch deutlich diffuser, später rasanter und gerade zu Beginn schwer einzuschätzen sind. Ich war beeindruckt davon, wie die Autorin diese verschiedenen Stränge zusammenführt, denn das Ende ist atemberaubend und gemeinsam mit einer auch insgesamt sehr gelungenen Sprache, zeugt dieser Aufbau für mich von einem großen Talent und einer bemerkenswerten Kreativität, die das Lesen für mich zu einer absoluten Freude machten.

Sehr angetan war ich auch von der Hauptfigur des Buches. Nino ist nicht unbedingt ein sympathischer Protagonist, aber durch seine zynisch-bissige Art unterhaltsam und zudem sehr facettenreich. Sein Charakter allein ist schon spannend, doch auch die meisten Nebencharaktere können mit ihm mithalten, insbesondere natürlich Monsieur Samedi und seine Bediensteten, zu denen Noir gehört. Die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen den beiden, die sich dann rasant steigert, hat mich überzeugen können. Allerdings muss man wohl auch eine kleine Warnung aussprechen: Wer moralische Unantastbarkeit bei seinen Protagonisten sucht, wird von denen in diesem Roman wahrscheinlich weniger angetan sein. Drogen, Gewalt und Sex spielen in "Noir" keine unwesentliche Rolle, unterstützen die Geschichte aber und sind dadurch nicht etwa unnötiges und verwerfliches schmückendes Beiwerk für Aufmerksamkeit.

Häufig zeichnet sich die Handlung von "Noir" durch das Rätselhafte aus. Der Leser bewegt sich innerhalb dieses Netzes aus Nicht-Verstehen, Düsternis und Übernatürlichem und wird zusammen mit Nino nur langsam in diese mysteriöse Welt eingeführt. Für mich entstand so eine greifbare Spannung und eine unheimliche Atmosphäre, die immer wieder Gänsehaut hervorrief. "Noir" ist ein Roman, der beim Lesen eine gewisse Aufmerksamkeit fordert, denn auch in den vermeintlichen Kleinigkeiten liegt manchmal eine Tiefe verborgen, die einem besser nicht entgehen sollte.

Fazit: Kein Wunder, dass dieses Buch gespaltene Reaktionen auslöst. Es ist ganz anders, als die bisherigen Bücher der Autorin. Leser, die nicht nur das Gewohnte suchen, sondern sich gerne auch einmal auf neues Terrain begeben und auf kleine Experimente einlassen, kann dieses Buch vielleicht ebenso begeistern wie mich. Es ist düster, manchmal ein einziges Rätsel, aber es ist spannend, intensiv und kaum aus der Hand zu legen. 5 Sterne


Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause: Höhepunkte eines Schülerlebens
Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause: Höhepunkte eines Schülerlebens
von Malte Pieper
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen zu alltäglich, zu geschwollen, 1. Januar 2013
"Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause" von Malte Pieper ist eine humorvoller/humorvoll gemeinter Rückblick eines Abiturienten auf die Schulzeit.

Der Autor erzählt anekdotenhaft von seinen Erlebnissen als Schüler eines Gymnasiums, gegliedert in von skizzenhaften Zeichnungen begleiteten Kapiteln wie "Der Lehrer", "Die Schüler", "Der Unterricht"....
An sich sind einige der erzählten Geschichten durchaus amüsant, doch was mir immer wieder auffiel, war ihre Alltäglichkeit. Denn einen Großteil der Geschichten habe ich in meiner Schulzeit ebenfalls erlebt. Hätte man die Namen ausgetauscht, waren e die gleichen Dinge, die auch mich als Schülerin regelmäßig geärgert oder amüsiert haben, doch mit einigen Jahren Abstand erscheint mir das meiste davon kaum noch so komisch wie damals, als ich selbst noch in dieser Situation war.

Von daher konnte ich bei diesem Roman nicht allzu häufig wirklich lachen und alles wirkte sehr langatmig. Durch den Aufbau aus kurzen, unzusammenhängenden und trotz Unterteilung etwas willkürlich wirkenden Geschichten, hat das Buch zudem kein Ziel. Ich habe es oft für Tage und sogar Wochen zur Seite legen können, ohne das Bedürfnis zu verspüren, weiterzulesen. Leider fehlte dem Humor oft auch die Lockerheit. Sprachlich wirkte es gelegentlich auf eine sehr aufgeblasene Art geschwollen, was ebenfalls nicht angenehm war und zur Langeweile, die dieses Buch über große Strecken verbreitete, beitrug.

Fazit: Der Humor ist nicht spitz genug, um mich zu begeistern, und dem Schreibstil fehlt die Lockerheit. Mich hat es leider nicht überzeugen können. Das Lesen zog sich und war eher anstrengend als unterhaltsam. Leider nur 2 Sterne


Legend - Fallender Himmel
Legend - Fallender Himmel
von Marie Lu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der letzte Schliff fehlt, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Legend - Fallender Himmel (Gebundene Ausgabe)
"Legend - Fallender Himmel" ist der erste Band einer als Trilogie angekündigten Jugendbuch-Reihe aus dem Bereich Dystopie, der zudem so stark beworben wurde, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn auch in der großen Masse der aktuellem erscheinenden Bücher in diesem Genre direkt zu bemerken. Nach dem Lesen bin ich aber zwiegespalten. Sicher hatte ich auch wieder einmal sehr hohe Erwartungen, denen gerecht zu werden wahrscheinlich für jedes Buch eine Herausforderung dargestellt hätte. Aber selbst wenn ich versuche, meine enttäuschten Erwartungen auszublenden und das Buch rückblickend ganz objektiv zu betrachten, muss ich sagen: "Legend" ist nicht überragend.

Inhalt: Day ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik. June ist die am besten ausgebildete Nachwuchshoffnung der Republik im Kampf gegen Rebellen wie Day. Ohnehin schon motiviert den berüchtigten Day aufzuspüren und gefangen zu nehmen, wird June jetzt auch noch vom Wunsch nach Rache angetrieben. Bei einem Einbruch wurde Junes Bruder getötet und Day scheint der Mörder zu sein. Doch als June ihn endlich gefunden hat, lernt sie einen ganz anderen Jungen kennen, als sie erwartet hatte, und muss anfangen, ihre Loyalität der Republik gegenüber in Frage zu stellen...

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass "Legend" eine solide Dystopie ist, die sich - einem angenehmen Schreibstil und durchaus gelungenen Wechsel der Perspektiven von Kapitel zu Kapitel mit zwei Ich-Erzählern in Form von Day und June sei Dank - flüssig lesen lässt und sicherlich auch unterhält. Es gibt keine Tiefen, das Problem ist aber: Wirkliche Höhen gibt es auch nicht. In der Flut der Dystopien wirkt "Fallender Himmel" einfach ein wenig blass, wie eine schnell erdachte Geschichte, die auf den von "Die Tribute von Panem" angeführten, aktuellen Erflogszug aufspringen musste. Der Geschichte fehlt dabei meiner Meinung nach leider ein herausstechendes Merkmal, das den Leser - abgesehen von der Werbemaschinerie - dazu bringen könnte, dieses Buch jeder anderen Dystopie, die gerade den Markt flutet, vorzuziehen.

Die Geschichte spielt in Los Angeles, 120 Jahre in der Zukunft. Eher am Rande erfährt man von der Zerstörung großer Teile der USA durch eine Flut und einem Krieg, der zwischen der Republik und den Kolonien entbrannt ist. Das Leben in der Kolonie selbst wird dominiert von einem Virus, der Angst vor Erkrankung, Quarantäne und Tod. Auch Days Familie, für die er aus dem Untergrund heraus immer noch sorgt, ist als Teil der armen Bevölkerung davon bedroht. Day musste seine Familie verlassen, da er bei dem Test, dem sich alle Zehnjährigen in der Republik stellen mussten und der über ihr weiteres Leben entscheidet, durchfiel und seinem von der Republik vorgesehenen Schicksal nur durch Flucht entkommen konnte, während June in diesem Test die Höchstpunktzahl erhielt und seitdem als Wunderkind gehandelt wird.

An sich bietet diese Gesellschaft alles, was eine Dystopie benötigt, aber die richtige Atmosphäre wollte bei mir dennoch nicht aufkommen. Eine Art von Zukunftsflair stellt sich aufgrund der größtenteils sehr alltäglich wirkenden Technik nicht ein und auch die Hauptcharaktere, zwei gerade einmal Fünfzehnjährige, von denen einer in nur fünf Jahren zur Kampf- und Killermaschine ausgebildet wurde, während der andere das alles in der gleichen Zeit im Untergrund selbst erlernt haben soll, wirkten auf mich ein wenig zu blass und nicht immer glaubwürdig. Durch den Verlust von Junes Bruder, ihrem einzigen Verwandten seit dem Tod ihrer Eltern, bekommt zumindest sie zwar ein wenig Tiefe, wie Day wirkt aber auch sie etwas zu starr und zu vorhersehbar in ihrer Entwicklung und ihrer Beziehung zueinander, als dass ich mich wirklich für einen der beiden hätte begeistern können. Auch bot der Roman insgesamt zu wenige Entwicklungsmöglichkeiten und dem staatlichen System fehlt ebenfalls noch ein wenig der letzte Schliff, was vielleicht aber die Folgebände noch nachreichen werden. Bedauerlicherweise war ausgerechnet Junes Bruder für mich am Anfang einer der aussichtsreichsten Nebencharaktere, der nur leider schon früh aus der Handlung gestrichen wurde.

Fazit: Nein, "Legend" ist nicht schlecht. Es ist gut geschrieben und - auch wenn etwas vorhersehbar - ist die Handlung meistens spannend. June und Day konnten mich als Hauptprotagonisten allerdings nicht richtig überzeugen und die erdachte Dystopie wirkte etwas zu gewöhnlich. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen - meine persönliche Enttäuschung tendiert eindeutig zu den 3, aber mit etwas Objektivität entscheide ich mich doch für 4 Sterne.


Während ich schlief: Roman
Während ich schlief: Roman
von Anna Sheehan
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr berührend - ein wundervolles Buch, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Während ich schlief: Roman (Taschenbuch)
"Während ich schlief" von Anna Sheehan ist ein Roman mit Science-Fiction-Elementen, für Jugendliche wie für Erwachsene gleichermaßen geeignet, der mich sehr beeindruckt hat.

Inhalt: Als Rose aus ihrem künstlichen Schlaf erwacht, ist niemand mehr da, den sie einst kannte. 62 Jahre sind vergangen, ihre reichen Eltern sind tot, ihren langjährigen Freund Xander, der kurz vor ihrem Schlaf zu ihrer ersten großen Liebe wurde, ist unauffindbar und anstatt in ihrem Zimmer steht die Kammer, in der sie schlief, im Keller ihres alten Wohnhauses. Vor ihr steht ein fremder Junge namens Bren. Die plötzliche Rückkehr der Fitzroy-Tochter für einigen Wirbel, denn sie ist die Erbin eines Megakonzerns und, während Rose versucht sich in der veränderten Welt zurecht zu finden, trachtet ihr bereits jemand nach dem Leben...

In einem Interview habe ich gelesen, dass die Autorin von dem Märchen "Dornröschen" zu "Während ich schlief" inspiriert wurde. Das Buch beginnt dort, wo das Märchen eigentlich schon endet. Rose erwacht durch einen Kuss aus ihrem Schlaf und plötzlich hat sich die ganze Welt verändert. Für Rose fühlt es sich, abgesehen von einer schwerwiegenden körperlichen Erschöpfung, an, als wäre kein Tag vergangen, seit sie von ihren Eltern in die Stasis, den künstlichen Schlaf versetzt wurde, doch in Wirklichkeit hat sie 62 Jahre lang keiner aufgeweckt. Das allein ist schon eine beängstigende Vorstellung und die Art, wie die Autorin dies anhand des Schicksals ihrer jungen Ich-Erzählerin umsetzt, ist in meinen Augen einzigartig und sehr berührend.

Rose ist kein Charakter, den man sofort verstehen kann. Durch den langen Schlaf ist sie geschwächt und insgesamt ein sehr trauriger, aber auch sehr stiller Charakter. In ihrer Einsamkeit versucht sie Halt bei Bren zu finden, der aber wenig Interesse an ihr zeigt. Stattdessen klammert sie sich an ihre Vergangenheit und ihre große Liebe Xander, den sie nicht aus dem Kopf bekommt. Nach und nach wird in "Während ich schlief" aus Rose' Kindheit und Jugend erzählt und neben einer sehr bezaubernden Liebesgeschichte zwischen Rose und Xander kommt dabei auch häppchenweise das gesamte unvorstellbare Ausmaß von Rose' Schicksal ans Licht, das mich sehr berührt und während des Lesen oft frustriert, wütend und traurig gemacht hat. Rose' Charakter ist im Gesamtbild sehr schlüssig und macht das Buch zusammen mit dem Tiefgang und der sehr gelungenen Handlungsführung, die den Leser immer wieder vor neue Überraschungen stellt, zu einem echten Juwel.

Action steht zwar nicht im Vordergrund dieser emotionalen Geschichte, kommt aber nicht zu kurz, denn ein Roboter, aus dessen Sicht einige Kapitel geschrieben wurden, verfolgt Rose mit dem Auftrag, sie zu töten. Diese kurzen Zwischenkapitel aus einer anderen Perspektive sind eine weitere große Stärke des Romans. Die Spannung ist hier fast greifbar und verursacht Gänsehaut.
Insgesamt darf natürlich auch der sehr harmonisch wirkende und perfekt an die Ich-Erzählerin angepasste Schreibstil der Autorin, der Rose' Schicksal für den Leser zu einer erlebenswerten Reise mit greifbarer, emotionaler Stimmung und fesselnder Spannung macht, nicht unerwähnt bleiben. Auch facettenreiche Nebencharaktere, unter denen besonders Rose' Mitschüler Otto, das Ergebnis einer experimentellen Kreuzung von menschlicher und außerirdischer DNA, heraussticht, werten das Buch zusätzlich auf.

Fazit: Für mich ein nahezu perfektes Buch, das durch seine Ich-Erzählerin und deren auf eine sehr greifbare, ehrlich wirkende, tiefe Traurigkeit besticht, auch mit wenig Action einen an fesselnder Spannung kaum zu überbietenden Handlungsverlauf aufbaut und eine sehr durchdachte Welt präsentiert. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Eine Fortsetzung zu diesem wunderbaren Roman soll in Arbeit sein, er funktioniert allerdings auch sehr gut als Einzelband, obwohl ich wirklich nur zu gerne mehr von diesen ausgereiften, interessanten Charakteren gelesen hätte. Ohne jede Diskussion bekommt "Während ich schlief" von mir 5 Sterne.


Dicke Hose
Dicke Hose
von Mia Morgowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 0-8-15-Chick-Lit, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Dicke Hose (Taschenbuch)
"Dicke Hose" von Mia Morgowski hat mich, die ich eigentlich schon seit geraumer Zeit einen größeren Bogen um alles mache, das nach Chick-Lit aussieht oder klingt, mit seinem süßen Cover bestochen. Auch die Idee eines ausnahmsweise mal männlichen Protagonisten hat mir gut gefallen und Hoffnung gemacht. Leider habe ich mich getäuscht...

Inhalt: Alex ist eigentlich Makler für Luxusimmobilien in Hamburg, aber als solcher nur mäßig erfolgreich. Wenn er seinen Job behalten will, muss er sich noch einmal richtig ins Zeug legen. Allerdings hat er erst einmal Urlaub und freut sich schon auf seinen Ski-Trip...bis sein Kumpel Florian krank wird und ihn bittet, für ihn in der Luxusboutique seines Vaters einzuspringen. Miucci ist gar nicht Alex' Welt. Mit Handtaschen und bunten Klamotten hat er nichts am Hut. Doch um die attraktive Chefin zu beeindrucken, lässt Alex sich ordentlich was einfallen...

Normalerweise zeichnet einen Chick-Lit-Roman in der Regel eine etwas zickige, naive Anfang- bis Mittdreißigerin als Hauptprotagonistin aus, die sich unprofessionell und dämlich verhält und lügt, wo auch immer sie nur kann, wodurch sie von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, aber irgendwie doch den tollsten Job und den perfektesten Typen abbekommt. Die klischeehafte Art solcher Romane lässt mich vor ihnen zurückschrecken, denn über dumme, unsouveräne Protagonistinnen, die sich unglaubwürdig, aber vorhersehbar bis zum Geht-nicht-mehr verhalten, kann ich einfach nicht lachen. Irgendwie habe ich geglaubt, bei einem männlichen Macho könnte das anders sein und es könnte sich vielleicht sogar ein halbwegs glaubwürdiger Charakter entwickeln. Was auch immer mich zu dieser Hoffnung veranlasst hat, es war falsch. Die nervigen Eigenschaften der weiblichen Protagonistinnen können eins-zu-eins auf Alex übertragen werden.

Alexander Held, angeblich Makler in einem erfolgreichen Hamburger Immobilienbüro, ist in meinen Augen ein schrecklich undurchdachter, unstimmiger und ohnehin bis zum Ende unsympathischer Charakter. Das einzig Gute - neben dem süßen Cover und dem witzigen Daumenkino unten auf den Seiten - am ganzen Buch sind die teilweise sehr bissigen Kommentare des Ich-Erzählers, die er in seiner leicht prolligen Art über so ziemlich alles macht, besonders über Frauen, im Speziellen Diven. Leider wurde es aber nicht nur bei diesem sprachlichen Witz belassen, sondern der Roman wurde zusätzlich mit Chick-Lit-üblicher Situationskomik auf niedrigem Fettnäpfchen-Niveau vollgestopft - und das ruinierte von Anfang an den Aufbau eines stimmigen Charakters. Alex ist Hamburger Luxus-Immobilienmakler, Anfang 30, und kennt angeblich nicht eine einzige Modemarke. Kein Gucci, kein Prada, kein Versace. Die Preise dazu kennt er ohnehin nicht und aussprechen kann er auch nichts. Seine sprachlichen Fähigkeiten sowie sein Talent im Umgang mit Kunden tendieren ohnehin des Öfteren gen null, abgesehen von seinem höchst aussagekräftigen Lieblingslaut "Äh".

Während sich Alex durch die Gegend "äht", groteske (und völlig unnötige) Lügengeschichten spinnt und von einem schlechten Schenkelklopfer-Witzchen zum nächsten eiert, verhält er sich unglaubwürdig naiv und quälte mich als Leser mit seiner unglaublichen Dummheit. Nervlich war ich schon nach einem Bruchteil des Romanumfangs fast am Ende. Zudem sind die Fettnäpfchen-Situationen, in die Alex unglaubwürdigerweise stolpert, vorhersehbar und wirken, als seien sie nach einer Check-Liste für Chick-Lit-Witzchen abgearbeitet. Was mich besonders störte, war außerdem, dass teilweise sogar die Logik der gesamten Geschichte für einen einzigen müden Lacher über den Haufen geworfen wurde - nicht nur die Glaubwürdigkeit des Hauptprotagonisten, die ohnehin schon nach wenigen Seiten nicht mehr zu retten war. So ist die gesamte Handlung einfach nur bis zur Unerträglichkeit konstruiert und ich konnte nicht darüber lachen. Erst recht nicht über eine völlig unnötige Nebenhandlung mit einer jedes von Alex' Klischees über Frauen bestätigenden heiratswütigen Figur namens Tanja, die überhaupt keinen Raum in der Geschichte hatte und diese nur unnötig immer wieder unterbrach. Hier musste wohl zwanghaft eine Dreiecksbeziehung hereingewurstet werden.

Leider hat die Handlung dabei auch noch deutliche Längen und viele Witzchen wiederholen sich. Der wirklich recht gute, wenn auch Genre-angepasst einfache, Schreibstil sorgt wenigstens dafür, dass sich das Buch recht schnell lesen und flüssig lesen lässt, auch wenn man dabei möglicherweise nervlich ein wenig leidet. Die Liebesgeschichte ist wieder ganz nett gemacht, konnte das Buch für mich dann allerdings auch nicht mehr retten, zumal das Ende für meinen Geschmack noch einmal alles, was der Roman zuvor an Konstruktion einer unsinnigen Handlung aufgefahren hatte, überbot.

Fazit: Trotz männlichem Ich-Erzähler ein Parade-Beispiel für sehr flache Chick-Lit. Eine unglaubwürdige Hauptfigur, deren Verhalten nicht im Mindesten zu ihrer Hintergrundgeschichte passen will, hangelt sich von einer Lüge und von einem Fettnäpfchen zum anderen. Abgesehen von ein paar bissigen Sprüchen, ist das Witz-Niveau niedrig und bietet nichts Neues. Der Roman hat Längen und die Handlung ist unerträglich konstruiert. Für wahre Chick-Lit-Fans, die nicht nach Glaubwürdigkeit suchen, vielleicht eine unterhaltsame Lektüre, für mich aber leider eine Nerven kostende Qual. Ich kann es nicht empfehlen und gebe - auch nur knappe - 2 Sterne.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 28, 2013 10:50 AM CET


Sternenfeuer: Vertraue Niemandem: Roman
Sternenfeuer: Vertraue Niemandem: Roman
von Amy Kathleen Ryan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atemberaubende Science-Ficiton zwischen Sternen, 23. Dezember 2012
"Sternenfeuer: Vertraue Niemandem" ist nach "Sternenfeuer: Gefährliche Lügen" der zweite Band einer Jugend-Science-Fiction-Trilogie von Amy Kathleen Ryan und hat mich wie schon der erste Band vollkommen überzeugt.

Inhalt: Kieran versucht sich als Kommandant der Empyrean zu behaupten und Pläne zu schmieden, wie sie ihre Eltern von der New Horizon, auf der diese nach wie vor gefangen gehalten werden, befreien können. Doch er verliert an Rückhalt in der Crew aus Kindern, denn viele, vor allem auch seine ehemalige Freundin Waverly, fordern endlich demokratische Wahlen und erkennen seine selbsternannte Stellung als Kapitän nicht an. Doch auf dem Schiff selbst gibt es noch andere Probleme. Seth konnte aus seiner Zelle fliehen. Während Kieran ihn selbst als Gefahr für das Schiff ansieht, hegt Seth einen ganz anderen Verdacht: Ein Saboteur von der New Horizon hat sich auf der Empyrean eingeschlichen...

Wie schon der erste Band, hat mich auch "Vertraue Niemandem" direkt in seinen Bann gezogen. Die von Amy Kathleen Ryan erdachte Science-Fiction-Welt, die sich für mich besonders durch die Abgeschiedenheit der beiden Raumschiffe von allem anderen kennzeichnet, eine jahrzehntelange Reise entfernt von jedem anderen menschlichen Wesen, hat auch im zweiten Teil eine große Faszination auf mich ausgeübt. Im Gegensatz zum ersten Band ist der zweite in geringem Maße weniger actionreich, allerdings ebenso spannend. Die Handlung wirkt alles in allem erneut sehr ausgereift, bis ins kleinste Detail durchdacht und lebt wie schon im Vorgängerband oft von einer sich schnell auf den Leser übertragende, teilweise wütend machende, mitreißende Ausweglosigkeit der Situationen, welche die junge Crew der Empyrean, die ausnahmslos aus Kindern und Jugendlichen besteht, zudem häufig an ihre Grenzen und darüber hinausbringen oder auch schlichtweg überfordern.

Was die Handlung angeht, so stehen neben der Suche nach dem Saboteur und den Plänen zur Rückholung der Eltern von der New Horizon in diesem Band hauptsächlich Macht- und Wertefragen so wie auch die Beziehungen der Hauptprotagonisten zueinander im Mittelpunkt. Deren Kreis hat sich in Bezug auf die Erzählperspektiven zudem um eine Person erweitert: Seth, der natürlich schon im ersten Band eine große Rolle spielte, bekommt nun, wie es bei Waverly und Kieran schon von Anfang an war, seine "eigenen" Kapitel. Ebenso hat sich die Dynamik der Perspektivwechsel verändert. Waren im ersten Band immer mehrere Kapitel aus der Sicht einer Person, entweder Kieran oder Waverly, erzählt, so wechselt die Perspektive in "Vertraue Niemandem" deutlich häufiger, eine Veränderung, die mich allerdings nicht störte, denn die einzelnen Protagonisten agieren in diesem Band auch viel mehr miteinander, was durch die räumliche Trennung von Kieran und Waverly im ersten Band nicht gegeben war. Der dritten Person als Erzähl-Perspektive bleibt die Autorin allerdings treu und dennoch erzeugt sie mit ihrem hervorragendem Schreibstil, der weit über das übliche Qualitätsmaß eines Jugendromans hinaus geht, eine greifbare Atmosphäre, die den Leser den Protagonisten sehr nahe bringt und ihn mitfiebern lässt.

Die Charaktere der drei Jugendlichen sind erneut sehr tiefgehend und vielschichtig. Keiner ist eine moralisch einwandfreie, rundum liebeswerte Figur, die sich zweifelsfrei als "das Gute" definieren ließe. Durch ihre, aus der distanzierten Sicht eines Leser, nicht immer "richtigen" Verhaltensweisen, die oft durch ihre Überforderung und Verzweiflung vorangetrieben werden, wirken sie allerdings auch sehr real und deutlich interessanter, als ein schwarz-weißer Charakter mit immer tadellosem Verhalten es jemals sein könnte. In diesen fehlbaren Charakteren liegt meiner Meinung nach einer der größten Stärken der "Sternenfeuer"-Trilogie, ebenso wie in dem Mut der Autorin ihre Figuren auch tatsächlich leiden zu lassen.

Fazit: Nur wenige Bücher können mich so fesseln, wie die "Sternenfeuer"-Reihe. Nach dem ersten Band hat mich jetzt auch dieser zweite vollständig überzeugt. Eine Sience-Ficiton-Dystopie, die man gelesen haben muss, denn so ausdrucksstarke Charaktere und eine derart real und glaubhaft wirkende Handlung findet man selten. Ich war wieder begeistert. 5 Sterne


Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-30