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Sarah O. "Sarahs Welt der Bücher" (NRW)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Ewiglich die Hoffnung
Ewiglich die Hoffnung
von Brodi Ashton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packende Fortsetzung, atemberaubendes Ende, 11. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ewiglich die Hoffnung (Gebundene Ausgabe)
"Ewiglich die Hoffnung" von Brodi Ashton ist der zweite Band einer Contemporary-Fantasy-Trilogie aus dem Jugendbuchbereich (Altersempfehlung ab 14 Jahren). Wie schon der erste Band, "Ewiglich die Sehnsucht", konnte auch die Fortsetzung vollkommen überzeugen.

Inhalt: Jack ist an Nikkis Stelle in die Tunnel gegangen und, genau wie er damals während ihrer Nährung mit Cole, hält Nikki jetzt durch ihre Träume am Leben. Sie spürt, dass er schwächer wird, und beschließt, ihn im Ewigseits zu suchen und zurückzubringen. Doch allein kann sie die Reise ins Ewigseits nicht schaffen. Sie braucht Coles Hilfe und dieser willigt sogar ein, mit ihr gemeinsam nach Jack zu suchen. Doch kann Nikki ihm trauen? Was erwartet sie im Ewigseits?

Meiner Meinung nach ist "Ewiglich die Hoffnung" vor allem actionreicher als der Vorgänger. Besonders im Ewigseits selbst geht es richtig rund und oft überschlagen sich die Ereignisse. Das Einbringen des Ewigseits als Handlungsort der Geschichte hat mir aber auch neben dem dadurch verursachten Anstieg an Spannung sehr gut gefallen. Die Beschreibungen dieser andersartigen Welt gelingen der Autorin sehr anschaulich und überzeugen ebenso wie die Verbindungen dieses Ortes mit Elementen aus der griechischen Mythologie. In der Gestaltung des Ewigseits zeigen sich viel Kreativität, Phantasie und Liebe zum Detail und oft war ich als Leser schon allein von den äußeren Merkmalen dieser Welt beeindruckt und gefesselt. Die Fantasyelemente in Verbindung mit der griechischen Mythologie wirken sehr durchdacht und die gesamte Welt in sich schlüssig.

Wie schon im ersten Band ist Nikki die sympathische Ich-Erzählerin der Geschichte, die wieder ein wenig zwischen Gegenwart und vergangenen Erinnerungen springt. Ging es in den Rückblicken im ersten Band hauptsächlich darum, wie Nikki und Jack sich trennten und Nikki sich dazu entschloss, mit Cole ins Ewigseits zu gehen, sind es jetzt eher Erinnerungen aus Nikkis und Jacks früher gemeinsamer Vergangenheit - wie sie sich kennenlernten und näher kamen. So bleibt die sehr romantische Liebesgeschichte zwischen den beiden für den Leser auch außerhalb von Nikkis Träumen erhalten, obwohl Jack in diesem zweiten Band zwar zum Ziel der Suche, aber dennoch eher zur Nebenfigur wird.

An seiner Stelle nimmt Cole dafür jetzt einen deutlich wichtigeren Part an Nikkis Seite ein. Er begleitet sie nicht nur durch das Ewigseits, sondern schafft es auch aus Nikkis Ablehnung ihm Gegenüber leichte Ansätze einer Liebesgeschichte zu zaubern, auch wenn Jack nach wie vor über allem schwebt. Cole war für mich schon im ersten Band einer der interessantesten, vielschichtigsten Charaktere und dieser Eindruck setzte sich im zweiten Band nicht nur fort, sondern verstärkte sich noch zusätzlich. Cole ist wirklich für einige Überraschungen gut und als Leser wusste ich nie genau, was ich von ihm halten sollte. Für mich hat dieser Ewigliche von allen Charakteren den stärksten bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Schreibstil der Autorin ist wieder einmal sehr gelungen. Er ist für ein Jugendbuch angemessen, allerdings auch nicht zu einfach gehalten, sodass er auch für erwachsene Leser noch ansprechend wirken kann, flüssig zu lesen und abwechslungsreich. Sowohl die actionreicheren Passagen wie auch die emotionaleren sind sehr glaubhaft, bildlich gut vorstellbar und eindringlich geschrieben. Die Autorin schafft es eine spannungsgeladene Atmosphäre aufzubauen und sie mit einer gefühlvollen Liebesgeschichte und Charakteren mit viel Tiefe zu verbinden, ohne das eines davon zu kurz kommt.

Besonders beeindruckt hat mich das Ende dieses Bandes. Mit einer völlig unerwarteten Wendung krempelt die Autorin ihre Geschichte auf nur wenigen Seiten noch einmal vollkommen um, was sich allerdings nicht gezwungen sondern für die Handlung sehr stimmig angefühlt hat. Genau dieser Knall am Ende, der aus einem ganz ruhigen Moment heraus entsteht und sich dennoch harmonisch ins Gesamtbild einfügt und viele kleine Details aus der Vorgeschichte plötzlich wie selbstverständlich in einem anderen Licht erscheinen lässt, hat dem zweiten Band in meinen Augen das gewisse Etwas gegeben und ihn perfekt abgerundet. Die Autorin fasst ihre Helden nicht mit Samthandschuhen an, sondern mutet ihnen wie dem Leser einiges zu und dadurch kann ich es jetzt kaum noch erwarten, bis endlich der dritte Band erscheint und alles auflöst. Der Schluss hat mich einfach gepackt, so schrecklich unerwartet wie er kam, und fast atemlos zurückgelassen.

Fazit: Grandiose Fortsetzung. Auch der zweite Band der Ewiglich-Trilogie kann mit viel Gefühl, Action, Spannung und durchdachten Charakteren überzeugen. Mit dem Ewigseits kommt außerdem eine beeindruckend andersartige Welt hinzu. Nach einem atemberaubenden Finale kann man nur noch sehnsüchtig den letzten Band erwarten. 5 Sterne und mehr, wenn das ginge.


Für immer die Seele
Für immer die Seele
von Cynthia J. Omololu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwache Umsetzung einer guten Grundidee, 4. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Für immer die Seele (Gebundene Ausgabe)
‟Für immer die Seele“ von Cynthia J. Omololu ist der Auftakt zu einer Fantasy-Jugendbuch-Trilogie, der mit der Wiedergeburt ein Element zum Thema macht, welches bisher in ähnlichen Romanen kaum Verwendung fand. Die Trilogie versprach in ihrem ersten Band also durchaus Neues, konnte mich aber leider nicht überzeugen.

Inhalt: Die 16jährige Cole, eine begabte Cellistin aus San Francisco, hat Visionen von vergangenen Zeiten. Als sie mit ihrer Schwester Kat bei einem Ferientrip den Tower of London besucht, erlebt sie in einer dieser Visionen eine Hinrichtung so real mit, als sei sie selbst die zum Tode Verurteilte gewesen. Nur einer scheint sie zu verstehen: Der gutaussehende Griffon. Er erzählt ihr von der Wiedergeburt und davon, dass es einige Menschen gibt, die Akhet, die sich an jedes ihrer früheren Leben erinnern. Auch Cole ist zu einer Akhet geworden und wird bald herausfinden, was sie und Griffon bereits in der Vergangenheit verband...

Eine Widmung auf den ersten Seiten des Buches weist darauf hin und die Autorin schreibt es auch selbst in ihrem Blog: Die Inspiration für die Grundidee des Romans rund um das Thema Wiedergeburt und die Unsterblichkeit einer Seele bekam sie durch den früheren Tod eines Jungen aus dem Bekanntenkreis, der ebenfalls Griffon hieß und zum Vorbild ihrer Romanfigur wurde. An sich ein interessanter, persönlicher Hintergrund, der vielleicht sogar neben der spannend klingenden Grundidee noch ein bisschen mehr dafür sorgte, dass ich dieses Buch wirklich mögen wollte. Leider folgte die Ernüchterung recht schnell, denn abgesehen von der Grundidee hat der Roman wenig zu bieten und ich wurde gleich mehrfach enttäuscht. Die Schwächen in der Charakterentwicklung, in der Sprache und vor allem viele kleine Verstöße gegen die von der Autorin selbst erdachte Logik ihrer Akhet-Welt haben mir den Spaß am Lesen von ‟Für immer die Seele“ fast vollständig genommen.

Ich möchte mir den Charakteren beginnen. Cole, die Ich-Erzählerin selbst, war zunächst das perfekte Mädchen. Intelligent, gebildet, kultiviert, begabt, hübsch...machen wir es doch kurz: Sie ist langweilig. Wie, um sie noch perfekter erscheinen zu lassen, steht ihr gleich zu Anfang ihre Schwester gegenüber – Kat, die oberflächliche Tussi, die nur an Shoppen und bloß nicht an Bildung interessiert ist. Zwei unverrückbare Stereotypen, die sich im Laufe des Romans leider auch nicht in ansprechender Weise weiterentwickeln. Während Kat, die trotz ihrer Oberflächlichkeit menschlicher wirkte und mir dadurch sympathischer war als ihre über-perfekte Schwester, nur noch sporadisch auftaucht, wechselt Cole beinahe sprunghaft ihre Wesenszüge. Mal ist sie klug und feinfühlig, mal unglaublich naiv, sogar regelrecht dumm und, was mich besonders störte, holt zwischendurch wie aus dem Nichts einige Selbstzweifel hervor, insbesondere wenn es um ihrer Beziehung zu Griffon geht, in denen sie dann ausgiebig schwelgt. Leider wirkte die Handlung durch ihre spontanen Anflüge außergewöhnlicher Dummheit extrem konstruiert.

Mit der Ich-Erzählerin bin ich nicht warm geworden, ebenso wenig mit der Liebesgeschichte zu Griffon. Die beiden haben sehr schnell eine starke Verbindung zu einander, von der ich erwartet hatte, dass sie sich möglicherweise noch durch eine emotional prägende Beziehung in der Vergangenheit, in einem anderen Leben, erklären würde. Immerhin kündigt der Klappentext ja bereits eine gewisse Vorgeschichte an, die auch kommt, aber beim besten Willen nicht im geringsten taugt, um die enge Verbundenheit zu erklären und das Kitsch-Niveau somit ein wenig herunterzufahren. Positiv an der Liebesgeschichte war, dass es sich einmal nicht um eine Dreiecksgeschichte handelte – jedenfalls in diesem Band noch nicht. Griffon ist allerdings auch noch ein schwieriger Charakter, der abgesehen davon, dass er ebenfalls sehr perfekt und gutaussehend ist, kaum besonders begehrenswert auf mich erschien. Er ist unnahbar, verschwindet häufig, ohne Kommentar.

Andere Nebencharaktere blieben sehr eindimensional, so zum Beispiel neben der bereits erwähnten Schwester auch Coles Mutter. Leider konnten mich auch die Akhet im Allgemeinen nicht überzeugen. Die Idee der Wiedergeburt ist zwar gut, aber die Autorin unterteilt die Gruppe der Wiederkehrenden, die sich dessen auch bewusst sind, scharf und kompromisslos in Gut und Böse. Die Guten sind so gut, dass sie jedes ihrer Leben dafür aufwenden, die Welt zu retten, die Bösen sind so böse, dass sie nichts als Rachegedanken hegen und sogar solchen Hass entwickelten, dass sie zu den großen (realen) Tyrannen und Verbrechern der vergangenen Jahrhunderte wurden. Gerade mit dem Bezug auf lebende und historische Personen hebt die Autorin ihre Akhet auf eine weltpolitische Ebene, die mir nicht zusagte. Weitere Erklärungen zu den fast beiläufig eingeworfenen Namen und Gedanken über Konsequenzen ihrer Wiederkehr werden anschließend auch ausgespart, sodass ich hier einfach das Gefühl nicht los werde, dass die Nummer für den Rahmen dieses Jugendbuchs schlicht zu groß war.

Ein für mich dann erheblicher Schwachpunkt von ‟Für immer die Seele“ sind die Logikfehler. Die Autorin stellt die Regeln für ihre Fantasy-Elemente recht schnell und an sich klar zusammen. Akhet sind selten und können willkürlich überall auf der Erde wiedergeboren werden. Sie können sich an alle vorherigen Leben ihrer Seele erinnern, haben aber nicht alle ihre Leben auch in dem Bewusstsein geführt, wiedergeboren zu werden. Dazu mussten sie erst zum Akhet werden – eine Wandlung, die Cole zur Zeit des Romans begonnen hat. An sich ist es kein kompliziertes Modell und dennoch ist es teilweise unlogisch umgesetzt. Sei es dadurch, dass zu viele Akhet mehrfach aufeinander treffen, oder durch ein Geschenk aus alten Zeiten, dass eigentlich nicht aufbewahrt worden sein kann – es sind viele Kleinigkeiten, die einer genauen Betrachtung hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit den Regeln der Akhet-Welt nicht standhalten können und mich in der Summe sehr oft zum Kopfschütteln brachten.

Neben offensichtlichen Logikfehlern sorgen oft auch unlogisches Verhalten der Protagonisten und besonders Coles Veranlagung, nie die richtigen Fragen zu stellen oder ihre Erkenntnisse mitzuteilen, für den Eindruck einer eher konstruierten Handlung. Hinzu kommen kurz gehaltene Beschreibungen von einigen Schlüsselstellen, deren Ablauf ich mir auch nach mehrfachem Lesen nicht klar wurde.

Der Schreibstil ist ansonsten abgesehen von ein, zwei Stolpersteinen recht angenehm und lässt sich flüssig lesen. Störend war für mich lediglich ein etwas zu exzessiver Umgang mit einer sehr flachen Lautsprache. Das gefühlt häufigste ‟Wort“ im Vokabular der intelligenten Cole lautet: ‟Öh...“.

Was mir sprachlich gefallen hat, waren die Rückblicke in die vergangenen Leben von Cole. Die optisch hervorgehobenen Textabschnitte zeichneten sich durch sehr viel mehr atmosphärische Beschreibungen aus, als der Gegenwartsteil des Romans. Zudem hatte ich den Eindruck als könnte Cole hier endlich mal ihre Eindrücke und Gefühle greifen und so artikulieren, dass sie mich als Leser auch erreichten. Ich hätte mir einen derart detaillierteren Umgang mit Beschreibungen häufig auch an anderen Stellen des Buches gewünscht.

Fazit: Keine Frage, ich bin enttäuscht. Mich haben die Charaktere nicht erreicht, die Liebesgeschichte nicht berührt und die Logikfehler in den Wahnsinn getrieben. Das Buch punktete zunächst durch eine gute Grundidee, konnte dieser aber mit der Umsetzung nicht gerecht werden. Nur 2 Sterne, wenn auch nur knapp am dritten vorbei, und von mir leider eher keine Empfehlung.


Weiß wie Schnee. Rot wie Blut. Grün vor Neid.: Schneewittchens wahre Geschichte
Weiß wie Schnee. Rot wie Blut. Grün vor Neid.: Schneewittchens wahre Geschichte
von Gabriella Engelmann
  Audio CD
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Selbst für ein Märchen zu kitschig, 4. Februar 2013
"Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid" von Gabriella Engelmann, als Hörbuch gelesen von Cosma Shiva Hagen, ist der Versuch einer modernen Schneewittchen-Version. Ich habe mir davon recht viel versprochen, da ich schon viele begeisterte Stimmen gehört hatte.

Inhalt: Sarahs Vater muss aus beruflichen Gründen oft verreisen. Das schöne Mädchen, das kurz vor einem Modelvertrag steht, lebt dann bei seiner Stiefmutter Bella. Diese träumt aber selbst davon, die Schönste zu sein und nutzt alte Kontakte, um Sarah verschwinden zu lassen, doch das Mädchen kommt bei den "Zwergen" unter...

Um mit dem anzufangen, was mir bei diesem Hörbuch mit Sicherheit positiv aufgefallen ist, muss ich zunächst die Sprecherin loben. Cosma Shiva Hagen kannte ich als Hörbuch-Sprecherin bisher nicht, finde sie aber sehr überzeugend. Die Stimme ist angenehm, der jeweiligen Situation angepasst, gut akzentuiert und sehr flüssig. Ebenfalls überzeugen konnte das Sprachniveau dieser Märchenadaption, das zwar der jugendlichen Zielgruppe angepasst einfach gehalten, aber in sich stimmig ist. Es gibt zwei verschiedene Perspektiven: Sarah als Ich-Erzählerin und Bella, die Stiefmutter, in der dritten Person, wobei in diesen Kapiteln ganz unpersönlich von "der Frau" und "dem Mädchen" gesprochen wird. Diesen Wechsel fand ich sehr gelungen und besonders die sehr ungewöhnliche Umsetzung der unpersönlichen Perspektive in den Kapiteln der Stiefmutter ist recht einzigartig und interessant.

Inhaltlich musste ich mir mehrfach vor Augen führen, dass es sich bei "Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid" erstens um eine Märchenadaption und zweitens um ein Jugendbuch handelt. Dennoch konnte es mich nicht richtig überzeugen.
Zuerst einmal sind die Figuren alle sehr schwarz-weiß gezeichnet. Die Stiefmutter ist durch und durch die "Böse", Sarah ist die ebenso vollkommene "Gute". Das reicht nicht nur von soweit, dass Sarah einfach nett und freundlich ist und immer versucht es allen recht zu machen, nein, sie ist auch noch tierlieb, protestiert gegen die böse Kosmetikindustrie und kauft, zusammen mit den "Zwergen", eine WG aus sieben Freunden, nur noch Bio-Gemüse.

Sie ist also so etwas wie eine ziemlich verkitschte Instanz moralischer Unantastbarkeit und, obwohl ich schon einiges dieser charakterlichen Eintönigkeit der Rolle des Buches als Märchenadaption zuschreibe und damit mehr toleriere, als ich es bei anderen Romanen würde, konnte es mich nicht unterhalten, da die Charaktere nicht echt wirkten. Märchenfiguren sind meistens relativ stereotyp in Gut und Böse unterteilt, aber, wenn Schneewittchen schon seinen Weg in die reale Welt gefunden hat, warum dann nicht auch mit einer realen Persönlichkeit? Oder wenigstens mit einer ein bisschen weniger perfekten?

Auch die WG der Zwerge ist recht langweilig. Ecken und Kanten fehlen der Geschichte vollständig, glaubhaft ist an ihr nichts. Leider verhält sich auch niemand so, wie man es im realen Leben erwarten würde, die Polizei wird nie eingeschaltet und Sarah ist fürchterlich naiv. Die Liebesgeschichte konnte nicht punkten, da sie kaum greifbar war und sehr konstruiert wirkte. Der Traumtyp verhielt sich seltsam und war als solcher kaum greifbar. Erst war er da, dann war er wieder weg. Ich war sowohl von der Ich-Erzählerin als auch von der Realitätsferne dieses doch angeblich modernen Märchens oft genervt und leider auch gelangweilt.

Fazit: Gut hörbar, aber für mich zu kitschig mit zu perfekten, stereotypen Charakteren. Da es eine moderne Schneewittchen-, und damit Märchenversion ist, konnte ich ein wenig über den Kitsch hinwegsehen, langweilig und unglaubhaft war es dennoch manchmal. 3 Sterne.


Sternenreiter: Kleine Sterne leuchten ewig
Sternenreiter: Kleine Sterne leuchten ewig
von Jando
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn das Leben mal so einfach wäre..., 3. Februar 2013
"Sternenreiter - Kleine Sterne leuchten ewig" von Jando ist ein dünnes, illustriertes Büchlein mit gerade einmal 130 Seiten. Von vielen wurde es bereits gelobt, mich hat es allerdings leider nicht richtig packen können.

Inhalt: Mats sieht seine Familie immer seltener, denn er arbeitet viel. Eines Tages hat er einen schweren Unfall, dem ein längerer Krankenhausaufenthalt folgt. Ein merkwürdiger kleiner Junge, den er dort im Krankenhaus kennenlernt, hilft ihm, sein Leben zu überdenken...

Der kleine Junge bleibt in "Sternenreiter" das Geheimnisvolle. Er tauchte einfach im Krankenhaus auf, wohnt dort seitdem und teilt den anderen Patienten seine Lebensweisheiten mit, die im Roman sogar durch ein anderes Schriftbild hervorgehoben werden. Das hat mir für den Lesefluss weniger gefallen. Außerdem problematisch war für mich das Gefühl, nicht selbst entscheiden zu dürfen, welche Aussage, welche Abschnitt einer Unterhaltung oder einer Beschreibung, ich selbst wichtig finde. Alles war vorgegeben. Diese besonders hervorgehobenen Zitate weckten dann in mir aber auch eine Erwartung im Bezug auf ihre Wichtigkeit, die sie meistens nicht halten konnten. Sie wirken sehr weise und sind schön formuliert, waren mir allerdings meistens ein wenig zu einfach und zu platt. Mats scheinen die Denkanstöße des selbstlosen, so unschuldig und doch nicht naiv wirkenden Jungen zu helfen, mich haben sie meistens nicht erreichen können.
Bei vielen Weisheiten habe ich gedacht: 'Wenn's doch nur so einfach wäre.' Denn so sehr der Kern der Lebensweisheiten sicherlich richtig war, die tatsächliche Realität eines Familienvaters schienen sie für mich nicht zu treffen. Es ist ein verträumter Ansatz, ein wenig pathetisch, der meine pragmatische Ader nicht überzeugen konnte.

Der Schreibstil von "Sternenreiter" erinnert tatsächlich eher an ein Märchen, als an einen Roman. Große Teile der Handlung werden sehr schnell, oft nur indirekt durch Dritte, erzählt. Als Stil ist dies verglichen mit anderen Romanen mal eine Abwechslung und durchaus nicht uninteressant, doch für diese Geschichte hat es mir weniger gefallen. Ich war doch sehr distanziert, der entfernte Beobachter. Selbst der Ich-Erzähler blieb mir immer ein wenig fremd. So ging die Geschichte an sich mit ihrer Aktualität und einer ansprechenden Sprache zwar schon ans Herz, stockte aber auf halbem Weg aufgrund der Distanz und der Einfachheit der Lebensweisheiten. Mir fehlte der Tiefgang, der echte Tiefgang.

Zu guter Letzt gibt es einige Zeichnungen, die den Roman unterstützen. Sie sind sehr kindlich gehalten und passen somit zum Buch, auch wenn sie mich persönlich, wie auch das Titelbild künstlerisch überhaupt nicht ansprechen und mich auch nicht zur näheren Betrachtung einluden.

Fazit: Ein mittelmäßiger Roman. Sehr kurz gehalten, schnell erzählt, mit schönen Lebensweisheiten, die mir allerdings oft doch zu platt waren. Vieles wirkte gewollt, konnte mich aber nicht erreichen. Mir fehlte echter Tiefgang. 3 Sterne


Wo Licht war
Wo Licht war
von Anna Carey
  Broschiert
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine naive Eve in einer guten Dystopie, 30. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wo Licht war (Broschiert)
‟Wo Licht war“ ist der erste Band der ‟Eve & Caleb“-Trilogie der amerikanischen Autorin Anna Carey, einer dystopischen Jugendbuch-Reihe, die mich mit ihrem Auftakt zwar noch nicht ganz überzeugen konnten, aber mit einer interessanten Grundidee Lust auf mehr macht.

Inhalt: Nach einer Seuche, an der ein Großteil der Einwohner in den USA gestorben sind, regiert ein König in der ‟Stadt aus Sand“ das Land. Wie die anderen weiblichen Waisenkinder lebt auch die 18-jährige Eve in einer von der Außenwelt isolierten Schule, in der sie gerade ihren Abschluss macht und dann auf einen Beruf vorbereitet werden soll. Doch am Abend vor ihrer Abschlussfeier entdeckt Eve die Wahrheit: Die jungen Frauen werden gefangen gehalten, um Kinder zu gebären. Sie flieht aus der Schule und trifft in der Wildnis auf Caleb...

Die Grundidee des Romans fand ich an sich sehr überzeugend und bis auf ein paar Kleinigkeiten auch sehr gut durchdacht. Es hat ausreichend Merkmale einer kontrollierenden Gesellschaft und mit der Ausbeutung der Waisenkinder als Brutkästen und Arbeitssklaven außerdem ein sehr nachdenklich machendes und erschreckendes Motiv, sodass sich insgesamt beim Lesen sehr schnell die düstere Atmosphäre einer Dystopie einstellt. Die Entstehung dieser erdachten Zukunftswelt ausgehend von einer Seuche ist zudem glaubwürdig und wird gut in die Handlung eingebaut.

Was die Ich-Erzählerin Eve angeht, bin ich schon unschlüssiger. Auf der einen Seite hat sie sehr willensstarke Züge, legt eine teilweise auch ganz unterhaltsame Bockigkeit an den Tag und akzeptiert die Falschheit ihrer angelernten Vorstellungen manchmal sehr schnell, wodurch sie weniger naiv wirkt, als manch andere weibliche Hauptprotagonisten im Jugendbuchbereich. Leider trifft dies aber eben nur manchmal zu, denn in anderen Situationen ist sie beinahe anstrengend hilflos, naiv und wäre verloren, hätte sie nicht fast immer jemand psychisch und physisch stärkeren an ihrer Seite, der bereit ist Klein-Eve am Händchen zu packen und mitzuschleifen. Ich konnte mich daher oft nicht entscheiden, ob ich Eve sympathisch oder unsympathisch, gelungen oder misslungen finden sollte. Auch am Ende bin ich mir mit meinem Urteil über sie nicht sicher. Sie ist eine tolle Protagonistin, deren Entwicklung großartig und bemerkenswert ist, aber an anderer Stelle nervte sie mich zu Tode und ich hasste sie dafür, dass andere, bessere Charaktere wegen ihrer Dummheit zu Schaden kamen.

Caleb ist dagegen schon der etwas leichter zu fassende Gegenpol, der Beschützer, der zur richtigen Zeit zur Stelle ist. Die Beziehung zwischen ihm und Eve entwickelt eine besondere Dynamik, nicht zuletzt deswegen, weil man Eve und ihren Mitschülerinnen in der Schule immer beigebracht hatte, Männer für alles, was sie sind, zu verachten und zu fürchten. Daher kann Eve sich nur langsam auf Caleb einlassen, was aber zu einer sehr romantischen Liebesgeschichte und einer interessanten Konstellation in der Wildnis, in den Höhlen, in denen Caleb und andere Jungen leben, führt. Neben den beiden Hauptfiguren gab es noch einige andere sehr gelungene Nebencharaktere, von denen für mich insbesondere Eves ehemalige Mitschülerin Arden heraussticht. Sie ist diejenige, die als erste herausgefunden hatte, was die Mädchen erwarten würde, die erste, die allein geflohen ist. Eine starke Einzelkämpferin, die nichts von Eves Naivität abbekommen hat und sich in dem Roman dennoch weiterentwickelt, wie keine andere Figur.

Schwächen hatte der Roman allerdings wiederum in der Handlungsführung, was sich insbesondere in einem eher schwachen Mittelteil mit deutlichen Längen zeigte. Spannung und Action gibt es hauptsächlich am Anfang und am Ende, wobei mich eben dieses herausragend gute und völlig überraschende Ende für einen Großteil der Längen in der Mitte der Geschichte entschädigte.

Sprachlich ist ‟Wo Licht war“ leider ausbaufähig. Es ist nicht schlecht geschrieben, der Stil ist recht flüssig und einen Jugendroman vom Niveau her angemessen, doch manchmal fehlt der letzte Schliff und ein wenig die Genauigkeit im Detail. Es waren kleine Unaufmerksamkeiten im Ausdruck, die meine Vorstellungskraft vor große Herausforderungen stellte. Besonders auffällig war das in einigen spannungsgeladenen Passagen, wo ich mich gelegentlich fragte: Kann das jetzt wirklich so funktionieren? Ist das logisch? Hat der Mann gerade vielleicht drei Arme? Fragen, die ich nicht definitiv beantworten kann, die mich beim Lesen aber sehr beschäftigten. Hier hätte es bei den Beschreibungen ruhig ein bisschen mehr sein dürfen.

Fazit: Gut, aber nicht perfekt. Eine gute Grundidee für eine spannende Dystopie, leidet unter einer wechselhaften Ich-Erzählerin, leichten sprachlichen Mängeln und ein paar Längen. Insgesamt habe ich es gern gelesen, besonders das Ende war fantastisch, daher knappe 4 Sterne.


Überman
Überman
von Tommy Jaud
  Audio CD

4.0 von 5 Sternen Hörbuch: Der Sprecher reißt es raus!, 30. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Überman (Audio CD)
‟Überman“ ist der dritte Teil der ‟Simon Peters“-Reihe von Tommy Jaud. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern habe ich den letzten Band der Reihe nicht gelesen sondern als Hörbuch gehört und das macht tatsächlich einen großen Unterschied.

Inhalt: 5 Jahre sind vergangen, seit Simon Peters Millionär wurde. Er lebt mit Annabelle zusammen, die gerade verkündet hat, ihren Job aufzugeben und stattdessen zu studieren, und alles könnte so schön sein, hätte Simon nicht gerade erfahren, dass er pleite ist und noch dazu hohe Schulden beim Finanzamt hat. Und das kurz vorm angekündigten Weltuntergang am 21.12.2012. Könnte er damit nicht vielleicht Geld verdienen?

Der Unterschied zwischen einem Hörbuch und den selbst gelesenen Buch ist bei Tommy Jaud tatsächlich beachtlich. Der Autor liest das Hörbuch selbst und bringt sprachliche Facetten ein, die sowohl die Handlung als auch die Charaktere des Romans in besonderem Maße unterstützen. Obwohl ich also zum Beispiel sicher bin, dass das Niveau von ‟Vollidiot“ und ‟Millionär“,was den Humor angeht, dem von ‟Überman“ deutlich überlegen ist, hatte ich bei den beiden ersten Büchern nie das Gefühl, so sehr von der Handlung mitgerissen zu werden, wie es beim ‟Überman“-Hörbuch der Fall war. Das Vorlesen, die Stimmveränderungen und Hintergrundgeräusche dabei, geben der Lebensgeschichte des ‟Vollidioten“ Simon Peters ein ganz anderes Flair und lassen den bissigen Humor der Hauptfigur erst richtig zum Vorschein kommen. Tommy Jaud macht seine Sache als Sprecher darüber hinaus insgesamt sehr gut und gestaltet die Lesung abwechslungsreich, so dass ich selbst dann noch gut unterhalten war, wenn die Handlung selbst ein wenig ins stocken geriet.

Was den Humor angeht, so war ‟Überman“ zunächst durchaus auf dem gleichen Niveau wie die Vorgänger: trocken, bissig, schwarz. Simon Peters, wieder der Ich-Erzähler in Jauds Geschichte, ist in seiner gewohnt unsympathischen, Freunde vergraulenden Manier zurück – eine Ausgeburt an sozialer Kompetenz, Freundlichkeit und brillanten Ideen war er ja ohnehin noch nie. Und so findet Simon auch garantiert jeden Fettnapf, den es zu finden gibt, und benimmt sich unausstehlich wie eh und je. Ich liebe Tommy Jauds Bücher für diese Art von bitter-bösem Witz in der Kombination mit einem schwierigen Protagonisten und einer Prise Absurdität und da kann sich auch ‟Überman“ größtenteils einreihen.

Erst im letzten Drittel des Buches wurde mir das Absurde zu viel. Simon Peters ist verzweifelt und greift zu verschiedenen Mitteln, um sich aus seiner prekären Situation zu befreien, und überdreht dabei mit der Zeit leider ein wenig. Der Humor geht ein wenig verloren, wenn Peters zum Irren mutiert, mit dem man dank vollkommener Verwirrung und Unzurechnungsfähigkeit eigentlich nur noch Mitleid haben möchte, anstatt drüber zu lachen. Sprachlich ist ‟Überman“ - und bleibt es auch über die gesamte Länge – allerdings sehr gut gelungen. Der Autor überzeugt mit einer rasanten Sprache und unterhaltsamen Neologismen und Wortzusammenstellungen.

Fazit: Es hat mich gut unterhalten. Insbesondere gegen Ende wurde die Handlung etwas zu absurd, doch das schwindende Witzniveau wird weitestgehend von einem überragenden Hörbuchsprecher (dem Autor selbst) ausgeglichen. Das Hörbuch kann ich daher für ein paar amüsante Stunden jedem empfehlen – ob das auch für das Buch gilt, kann ich in diesem Fall nicht beurteilen. 4 Sterne


Millionär: Der Roman
Millionär: Der Roman
von Tommy Jaud
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Kleine Längen, trotzdem zum Schreien komisch, 29. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Millionär: Der Roman (Taschenbuch)
"Millionär" ist die gelungene Fortsetzung von Tommy Jauds "Vollidiot". Obwohl Simon Peters mich mit seinem ganz besonderen "Charme" dieses Mal nicht genauso überzeugen konnte, wie im ersten Teil, hat es mir insgesamt gut gefallen und war für viele Lacher gut.

Inhalt: Simon Peters ist pleite, perspektiv- und arbeitslos. Also nicht ganz arbeitslos: Sein "Büro" ist ein Internetcafe und sein "Job" sind Beschwerde-Mails an diverse Unternehmen. Doch als eine nervige Mieterin in die frisch renovierte Luxus-Wohnung über ihm einzieht, muss er handeln. Der Plan: Millionär werden. So schnell, wie möglich...

Ja, Simon Peters is back. Und er ist immer noch ein "Vollidiot", natürlich immer noch Single und andauernd übel gelaunt, woran selbstverständlich alle anderen Schuld sind. Der sympathisch-unsympathische Ich-Erzähler stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste, während er die Welt verbessert. Da es sonst nämlich keiner macht, schreibt er Beschwerden - einen Grund sich zu beschweren, findet Simon grundsätzlich immer. Zum Lacher wird der Vollidiot durch seinen Erfinder Tommy Jaud, dessen bissiger, schwarzer Humor perfekt zu seinem Hauptprotagonisten passt und bestens unterhält.

Dennoch können auch die besten Witze nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Millionär" in meinen Augen ein wenig schwächer ist, als "Vollidiot". Zwar war die Hass-Liebe zu unserem - seiner Meinung nach - unfehlbaren Dauernörgler direkt nach wenigen Seiten wieder da, aber "Millionär" hatte ein paar Längen, die besonders im Mittelteil auffielen. Es dauert relativ lange, bis Simon beschließt zum Millionär zu werden. Natürlich kommt dabei auch wieder eine gewisse Absurdität ins Spiel (im Vergleich zum "Vollidiot" haben die unrealistischen Anteile ebenfalls zugenommen), aber insgesamt sind Witzniveau und -dichte am Anfang und am Ende deutlich höher.

Der Schreibstil ist ansonsten aber wieder ein absolutes Vergnügen, die bösen Kommentare des Herrn Peters sind einfach nur göttlich und zum Schreien komisch. Daher sind kleine Längen, sobald es wieder rund geht, schnell vergessen und die Geschichte reißt mit.

Fazit: Der Vollidiot wird zum Millionär. Wie? Auf ziemlich amüsante Weise, mit viel trockenem Humor - so wie man es von Jaud gewohnt ist. Trotz kleiner Längen sehr lesenswert, aber bitte unbedingt nach "Vollidiot". 4 Sterne


Shades of Grey - Gefährliche Liebe: Band 2 - Roman
Shades of Grey - Gefährliche Liebe: Band 2 - Roman
von E L James
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wie Christian Grey zum Schoßhund wurde..., 27. Januar 2013
"Shades of Grey - Gefährliche Liebe" ist der zweite Band von E L James' zum Bestseller gehypten und von Medien und Lesern gleichermaßen teils gelobter, teils verrissener Trilogie. Den ersten Teil fand ich ganz nett, den zweiten im Vergleich leider enttäuschend...

Inhalt: Trotz ihrer Versuche ein Leben ohne Christian aufzubauen, kann Ana ihn nicht vergessen. Als er sie einlädt, sich noch einmal mit ihm zu treffen, willigt sie ein und schon sind die beiden wieder zusammen. Doch die Beziehung ist erneut in Gefahr, denn eine ehemalige Affäre von Christian beginnt Ana nachzustellen..

Zum Inhalt war es das eigentlich schon. Der Anblick eines Buches mit mehr als 600 Seiten könnte eventuell zu dem Irrglauben verleiten, dass hier mehr passieren müsste, daher möchte ich kein Geheimnis daraus machen, wie die Autorin die Seiten voll bekommt: Mit Wiederholungen. Das hat mich im ersten Band der Trilogie schon gestört, in dem fast jede der - entgegen dem durch die Medien verursachten Eindruck - in ihrer Anzahl doch überschaubaren Sex-Passagen gleich klang, im zweiten Band dehnen sich die Wiederholungen allerdings auf fast jede Situation aus. Die Dialoge zwischen Ana und Christian laufen in derart kopiert wirkenden Mustern ab, dass ich aus einem Dauer-Déjà-vu-Zustand gar nicht mehr herauskam und quasi durch Monotonie pausenlos zu Tode gelangweilt wurde.

Leider ist es ja auch nicht so, dass das, was wiederholt wird, besonders lesenswert wäre. Ana und Christian zicken sich an, streiten darüber, wer wen dominiert, und präsentieren dabei eine charakterliche Eintönigkeit und Sturheit sondergleichen. Wenn sie nicht diskutieren, wird entweder - falls es doch jemand noch nicht mitbekommen haben sollte - "subtil" darauf hingewiesen, wie unfassbar reich der unfassbar gutaussehende und unfassbar alles-könnende Christian Grey ist oder der Leser wird mit den Gefühlsregungen von Anas gespaltenem Innenleben aus dem Lesebrillen tragenden Unterbewusstsein und der Sex-süchtigen "inneren Göttin" belästigt. Oder natürlich, wie könnte ich das vergessen, die beiden haben Sex. Während ich die Frequenz der Sex-Szenen im ersten Band noch eher harmlos und die mediale Berichterstattung daher völlig übertrieben fand, besteht dieser Band jetzt aus kaum etwas anderem und es wirkte einfach nur noch wie ein billiger Porno. Die beiden "bespringen" sich, wo sie gehen und stehen, nach jeder Unterhaltung, selbst wenn das letzte Schäferstündchen erst drei Seiten zurückliegt - oder kurz: Immer.

Problematisch wird natürlich auch hier wieder die begrenzte sprachliche Begabung der Autorin, denn nicht nur inhaltlich ist das Buch überhaupt nicht abwechslungsreich, sondern auch sprachlich wirken ähnlichen Abschnitte viel zu oft wie geklont. Das war auch schon im ersten Band ein großes Problem, weswegen er mich trotz einer gewissen Sogwirkung der Liebesgeschichte nie richtig überzeugen konnte, der zweite Band hat aber nicht einmal eine solche Sogwirkung zu bieten, sodass er für mich größtenteils schlecht geschriebene Langeweile verkörperte. Die Liebesgeschichte hat durch das Gezänk der beiden fast jeden Reiz verloren und auch die Versuche durch Christians Ex-Freundin und Stalkerin ein wenig Spannung zu erzeugen, konnten nie für längere Zeit mitreißen. Jedes Mal, wenn es etwas emotionaler oder spannender wurde, verpuffte das Gefühl schnell wieder. Christians Lebensgeschichte, die nun nach und nach ans Licht gebracht wird, konnte dagegen manchmal für kurz Lichtblicke sorgen, indem sie der Handlung doch noch ein wenig Tiefe gab, auch wenn hier das pseudo-psychologische Analysieren seines Verhaltens ein wenig platt ist.

Die Charaktere konnten ansonsten leider nicht punkten. Ana bleibt das langweilige, naive und anstrengende Mädchen, deren "innere Göttin" mich an den Rand meiner nervlichen Belastungsgrenze brachte. Wie kann ein einziger Buchcharakter nur so nerven wie diese Frau und ihr göttliches Alter Ego? Christian, der doch ganz heiße Typ aus Band Eins, wird durch seine langweilige Freundin immer blasser und mit der Zeit vom dominanten Kontrollfreak zum zahmen Schoßhündchen domestiziert. Der Charakter verabschiedet sich von jedem Bisschen Profil, dass er jemals hatte. Mehr als eine viel zu kitschige und durch die beiden Partner mit an sich vollkommen unvereinbaren Lebensvorstellungen nicht glaubwürdige Liebesgeschichte bleibt leider nicht übrig.

Fazit: Leider schlechter als der erste Band. Sex wird als Lückenfüller genutzt und das so oft, dass es selbst für einen flachen Porno einfach nur noch unglaubwürdig ist. Die kitschige Liebesgeschichte besteht eigentlich nur noch aus Wiederholungen und krampfhaften Versuchen Spannung aufzubauen. Profillose Charaktere vervollständigen das Bild. Nur noch ganz knappe 2 Sterne


Bittere Wunder
Bittere Wunder
von Christina Meldrum
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Verdrängung eines Familienschicksals, 24. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Bittere Wunder (Taschenbuch)
"Bittere Wunder" von Christina Meldrum ist ein Jugendroman, von dem ich eigentlich einen anderen Inhalt erwartet hatte. Dennoch hat mich die Mischung aus Religion, Pflanzenkunde, Mythologie und menschlichen Abgründen nach kurzen Startschwierigkeiten überzeugen können.

Inhalt: Die 15-Jährige Aslaug lebt allein mit ihrer Mutter in einem entlegenen Haus, wo sich die beiden Frauen hauptsächlich mit dem versorgen, was sie in der Natur finden können. Als Aslaugs Mutter stirbt, muss Aslaug ihre isolierte Welt verlassen und zieht zu ihrer Tante und deren beiden Kindern, die sie bisher nicht kannte. Dort lernt Aslaug ein streng religiöses Leben kennen und muss sich mit ihrer eigenen Herkunft auseinandersetzen. Unerwartete Ereignisse machen das Leben dort jedoch schwer für Aslaug und vier Jahre später ist sie wegen Mordes angeklagt...

"Bittere Wunder" ist ein Roman, der in der realen Welt, in den USA zwischen den Jahren 2003 und 2007, spielt, sich aber mit einem, eigentlich sogar mit zwei sehr extremen Lebensmodellen befasst, die auf mich so fremd wirkten, wie ein Fantasyroman, und dadurch eine große Faszination auf mich ausübten. Zum Einen ist da das Leben von Aslaug und ihrer Mutter, am Rande der modernen Zivilisation in einer fast autarken, eigenen kleinen Welt. Aslaug wird von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet, lernt alte Sprache und alles über die verschiedenen Pflanzen in ihrer Umgebung. Später wechselt sie in die zweite Fast-Parallelwelt, eine streng religiöse, beinahe fanatische Gemeinschaft, die ihre Tante als Pastorin anführt. Auf beiden Stationen in Aslaugs Leben gibt es Abgründe, die kaum vorstellbar sind und mich beim Lesen teilweise sehr mitgenommen haben.

Durchsetzt ist der Roman neben den Kapiteln, in denen Aslaugs Geschichte mit ihr als Ich-Erzählerin wiedergegeben wird, von schlichten Kapiteln in reiner Dialogform von den Vernehmungen der Zeugen während Aslaugs Gerichtsverhandlung 2007. Der radikale Wechsel von Erzählstil und Perspektive ist gut gelungen, verleit der Geschichte insbesondere durch die Gerichtsverhandlung ein gewisses Tempo und erhöht die ansonsten eher weniger vorhandene Spannung, indem der Leser zunächst rätseln muss, worin Aslaugs Vergehen überhaupt besteht. Wer ist gestorben? Wen soll Aslaug ermordet haben, vier Jahre nach dem Tod ihrer Mutter? Hier überschlagen sich vor allem am Ende des Romans noch die Ereignisse, was mir dann, während ich zu Beginn doch erhebliche Startschwierigkeiten hatte, sehr gut gefallen hat, denn die Geschichte ist tiefgehender als zunächst vermutet.

Meine Startschwierigkeiten mit "Bittere Wunder" lagen sicherlich zunächst an der Ich-Erzählerin Aslaug. Nach rationalen Gesichtspunkten lassen sich die Gedanken und Taten des Mädchens oft nicht erklären, was aber im Zusammenhang mit Aslaugs isoliertem Leben mit einer kranken Mutter und deren ausgeprägten Gemütsschwankungen mit der Zeit tatsächlich einen sehr stimmigen Charakter ergab. Insbesondere ihre symbolträchtige Auslegung vieler Situationen mit Verbindungen zur Natur und den Eigenschaften von Pflanzen war manchmal ein wenig trocken, gefiel mir allerdings mit der Zeit als wiederkehrendes Merkmal immer besser. Später werden diese gedanklichen Ausflüge in die Pflanzenwelt noch ergänzt durch oft sehr, manchmal zu ausladenden Diskussionen über Religion und Mythologie, die ich persönlich zwar interessant fand, aber für ein Jugendbuch doch recht langatmig.

Die Altersempfehlung des Verlags, der das Buch für eine Zielgruppe ab 12 Jahren angesetzt hat, kann ich daher nur bedingt unterstützen. Weder im Schreibstil noch in der Geschichte selbst habe ich diese Altersgruppe erkennen können, denn beides ist insgesamt doch recht anspruchsvoll, zumal sich hinter der sehr symbolhaften Ausdrucksweise und der religiösen Interpretation eine sehr handfeste, dunkle Familiengeschichte verbirgt, mit einer von den Protagonisten größtenteils verdrängten Realität, die meistens nur nebenbei ans Licht kommt. Bei sehr jungen Lesern hätte ich mir hier vielleicht eine direktere Auseinandersetzung mit der Thematik gewünscht, da die Wirklichkeit, mit der Aslaug als Ich-Erzählerin ohnehin schon Probleme hat, sonst untergehen könnte. Als Erwachsene vermutet man bei Lesen natürlich schon so einiges, sodass auch aus Andeutungen heraus verstanden werden kann, was sich in dieser Familie tatsächlich ereignete. Ich weiß jedoch nicht, ob auch 12jährige schon eine solche Sensibilität für die Thematik haben und würde das Buch daher eher für über 14jährige empfehlen.

Der Schreibstil ist wie gesagt ohnehin eher anspruchsvoll, ebenso wie der Inhalt insbesondere durch die Verbindung von Mythologie, Natur, Religion und Wirklichkeit mit sehr vielen bildhaften Vergleichen nicht immer leicht nachzuvollziehen ist. Oft haben diese Vergleiche und Diskussionen, die sich wohl vor allem auch aus dem persönlichen Leben der Autorin erklären lassen, ein wenig den Fokus von der sehr mitreißenden Hintergrundgeschichte genommen, was mir für die Emotionalität wiederum nicht ganz so gut gefiel. Allerdings punktet hier besonders das Ende, das sicherlich auch einige Fragen offen lässt - so etwa, ob Aslaug den Teufelskreis ihrer Familiengeschichte nun durchbrechen konnte oder doch eher fortsetzen wird?

Fazit: Sehr symbolhafte Aufarbeitung einer schrecklichen Familiengeschichte mit Natur, Religion und Mythologie. Insgesamt sehr interessant, wenn ich mir auch gerade für ein Jugendbuch manchmal eine etwas direktere Auseinandersetzung gewünscht hätte. Vieles bleibt offen und der Roman noch eine ganze Weile in Erinnerung. Keine leichte, aber doch eine lesenswerte Lektüre. 4 Sterne


Mercy 4: Befreit
Mercy 4: Befreit
von Rebecca Lim
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Übereiltes Finale, 20. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Mercy 4: Befreit (Gebundene Ausgabe)
"Befreit" ist der letzte Teil der "Mercy"-Tetralogie von Rebecca Lim. Nach der positiven Entwicklung im dritten Band hatte ich für das Finale noch einmal eine Steigerung - möglicherweise sogar den besten Band der Reihe - erwartet. Daraus wurde allerdings leider nichts...

Inhalt: Mercy ist endlich wieder sie selbst und mit Ryan vereint. Doch Luc ist immer noch hinter ihr her und das Paar schwebt in Gefahr. Außerdem sind "Die Acht" geschwächt und können den Kampf gegen Luc nicht aufnehmen, denn einige von ihnen sind verschwunden - möglichweise entführt von Luc und seinen Unterstützern. Mercy und Ryan versuchen sie zu finden...

Eigentlich hätte doch endlich alles so schön werden können. Nachdem Ryan Mercy in den letzten beiden Bänden unentwegt gesucht hat und jeweils nur für einige wenige Augenblicke gegen Ende bei ihr gewesen ist, sind die beiden jetzt von Anfang an zusammen. Zeit für Romantik? Nicht wirklich. Zwar gibt es ein paar schöne Momente zwischen den beiden, in denen die Autorin auch durchaus beweist, dass sie eine romantische und atmosphärisch intensive Liebesgeschichte schrieben kann, aber die meiste Zeit über reden Ryan und Mercy über ein einziges Thema - und das heißt "Trennung". Die Dialoge wiederholen sich dabei in einer so stupiden Art und lassen mehrfach jegliche Weiterentwicklung vermissen, dass ich oft - zu oft - einfach nur noch genervt von diesem "Liebespaar" war.

Inhaltlich ist "Befreit" sicherlich der ereignisreichste Band der Reihe. Ryan und Mercy rasen nur so von einem actionreichen Abenteuer ins nächste, während sie die anderen Erzengel finden und befreien müssen. Leider wirkte die Handlung durch ihre Schnelligkeit allerdings des Öfteren auch ein wenig konfus. Es war nicht gerade leicht, sich gleichzeitig in die völlig veränderte Ich-Erzählerin Mercy mit ihren neuen Fähigkeiten als Erzengel und den zügigen Handlungsverlauf mit unzähligen neuen Charakteren hineinzufinden. Wurden in den drei ersten Bänden die meisten Informationen aufgrund der spannungstragenden Geheimnisse um Mercys Identität noch zurückgehalten, prasseln sie jetzt plötzlich alle auf den Leser ein. Hier hätte ich mir für dieses Finale vielleicht lieber zwei anstatt einen weiteren Band gewünscht, um der Geschichte noch folgen zu können. Durch die Geschwindigkeit, mit der am Ende erzählt wurde/werden musste, wurde "Befreit" leider auch ein wenig oberflächlicher als die Vorgänger.

Sprachlich hat mich auch der letzte Band der Reihe allerdings wieder überzeugt. Lim berührt den Leser durch einen nachdenklichen, bildhaften Stil mit vielen ruhigen Passagen. Die Sprache liest sich insgesamt flüssig und unterhält. Insbesondere der Charakter der Ich-Erzählerin Mercy besitzt zudem sehr viel Tiefe, während der Leser langsam das Ausmaß ihres Schicksals erfährt. Leider bleibt Ryan neben dem Erzengel Mercy ein blasses Menschlein, das charakterlich nicht mithalten kann.
Das Ende war dann vorhersehbar und damit auch ein wenig enttäuschend. Es wirkte wie die Notlösung mit dem Auftrag alle Leser möglichst glücklich zu machen, hat mich aufgrund von mangelnder Harmonie mit dem Rest der Geschichte aber nicht richtig überzeugen können.

Fazit: Leider nicht der beste Band der Reihe. Ein etwas eilig erzähltes Finale mit enttäuschender Liebesgeschichte und blassem männlichen Protagonisten. Ich hätte mir mehr erwartet. 3 Sterne


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