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Sarah O. "Sarahs Welt der Bücher" (NRW)
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Peace Food - Vegano Italiano: Das Kochbuch (Einzeltitel)
Peace Food - Vegano Italiano: Das Kochbuch (Einzeltitel)
von Ruediger Dahlke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Italienisch und vegan - eine durchwachsene Umsetzung, 1. Dezember 2014
Länge:: 2:02 Minuten

„Peace Food – Vegano Italiano: Das Kochbuch“ von Ruediger Dahlke ist ein Kochbuch, das mir aufgrund meiner Vorliebe für die italienische Küche aufgefallen ist und mir – so zumindest meine Intention – als Nicht-Veganerin die Möglichkeit geben sollte, überzeugende Rezepte zu finden, die auf den Einsatz tierischer Produkte vollständig verzichtet.

Im Rahmen einer Kochrunde konnte ich die Zusammenstellungen dieses Buches auch bereits ausgiebig testen – zur Übersicht habe ich all meine so nah am Rezept wie möglich nachgekochten Gerichte bildlich festgehalten und in einem kurzen Video auch für die Leser dieser Rezension zusammengestellt.

Die optische Gestaltung des Kochbuches ist sehr klassisch gehalten. Schwarze Schrift auf weißen Grund und recht schnörkellose Bilder der Gerichte präsentieren sich dem Leser. Damit macht das Kochbuch zwar keinen besonders modernen Eindruck, allerdings ist alles leserlich und die Gerichte wirken ansprechend. Auch die Angabe einer Zubereitungsdauer bei den Rezepten sowie eine übersichtliche Zutatenliste sind positiv hervorzuheben.
Die Rezepte sind in vier Kapitel unterteilt: Bei „Antipasti“ werden Vorspeisen vorgestellt, anschließend im Kapitel „Primi Piatti“ ein erster Hauptgang sowie im Kapitel „Secondi Piatti & Contorni“ ein zweite Gang und Beilagen. Den Abschluss bilden die „Dolci“, Desserts und Gebäck.

Schon beim ersten Durchsehen fiel mir allerdings die große Zahl an Suppen und Eintöpfen auf, wobei gerade einmal drei davon feinere, pürierte Cremesuppen waren, während circa zehn weitere Rezepte aus oft Hülsenfrucht lästigen gröberen Zusammenstellungen bestanden, was recht einseitig wirkte. Zudem ziehen sich diese Rezepte gleichermaßen durch das zweite und dritte Kapitel, was die Unterteilung für mich nicht ganz sinnvoll erscheinen ließ.

Pasta-Rezepte gibt es zwar einige, ebenfalls sowohl im zweiten wie auch im dritten Kapitel, allerdings fehlen selbstgemachte Nudeln vollkommen, ebenso ein selbstgemachter Pizzateig oder ein selbstgemachtes Eis bei den Süßspeisen – bei einem Kochbuch, dass sich italienische Authentizität auf die Fahne geschrieben hat und dem Leser bereits in der Einleitung von der Pasta und Pizza zubereitenden italienischen „Mamma“ vorschwärmt, hätte ich das eigentlich als untersten Standard erwartet. Schöne selbstgemachte Ravioli hätten das Kochbuch jedenfalls für mich sicher deutlich aufgewertet.

Inhaltlich lag eine erste Fehleinschätzung des Buches meinerseits möglicherweise schon darin begründet, dass ich den Autor, Ruediger Dahlke, wie auch seine „Peace Food“-Bücher bisher nicht kannte. Bei der Einleitung jedenfalls erwartete ich eine kurze, gerne leidenschaftliche, Schilderung der Gründe für die Entstehung des Kochbuches, dann aber unbedingt auch eine ausführlichere Warenkunde, ein paar Einschätzungen zu Ersatzprodukten oder eine kleine Sammlung von Ratschlägen, speziell in Bezug auf Besonderheiten einmal der italienischen wie auch der veganen Küche. Stattdessen bekam ich knapp 30 Seiten lang einen Monolog des Autors mit sehr starkem esoterischen Einschlag zu lesen, der – reich an Wiederholungen - das italienische Lebensgefühl in den Himmel lobte, Heilversprechen zur veganen Ernährung ohne Angabe jeglicher wissenschaftlicher Quellen abgab und sich nicht zuletzt wie eine Kaffeefahrt durch das Ruediger-Dahlke-Buch- und Seminar-Angebot anfühlte. Passend zu diesem Eindruck ist die Zusammenstellung der bisherigen Veröffentlichungen des Autors am Ende des Buches leider auch genau so umfangreich geraten wie das gerade für ein spezialisiertes Kochbuch sehr mager ausfallende Glossar, das nur unzulänglich einige Produkte anschneidet.

Knapp 30 Seiten des ohnehin eher dünnen Kochbuches für eine solche Einleitung? Das sehe ich eher als verschwendet an. Mehr Rezepte oder Übersichten und Tipps für Bezugsquellen, nicht nur von veganen Ersatzprodukten, sondern auch von eher ungewöhnlichen Gemüsesorten, Mehlen und Zuckern hätten für mich einen deutlich größeren Mehrwert dargestellt.

Der Bezug einiger Lebensmittel stellte sich tatsächlich selbst für mich als mobiles Großstadtkind mit einigen Filialen größerer und kleinerer Supermarktketten, Wochenmärkten, Drogeriemärkten und sogar zwei recht großen gut sortierten Bio-Supermärkten in Reichweite als schwierig heraus. Vieles bekam ich erst nach längerem Suchen in mehreren Geschäften, doch zweimal musste selbst ich, obwohl ich mehr als motiviert war, die mir bis dahin noch unbekannten Zutaten zu testen, und dafür das Abklappern vieler Regale in Kauf nahm, das Handtuch werfen. Wie es dann erst für Bewohner ländlicherer Regionen aussieht, mag ich mir gar nicht ausmalen.

Allerdings empfinde ich es auch als fraglich, ob man zum Zubereiten weniger Desserts und Backwaren wirklich gut ein halbes Dutzend verschiedener Süßungsmittel verwenden muss. Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Befürwortern des Trends den normalen Haushaltszucker durch andere, teilweise stark überteuerte und dabei wenig ergiebige Zucker wie Reismalz oder Agavendicksaft zu ersetzen, vor allem nicht dann, wenn man sich wie in diesem Buch nicht auf ein, vielleicht zwei dieser Süßungsmittel konzentrieren kann. Selbiges gilt für den Einsatz diverser Mehle, die häufig nur in sehr wenigen Rezepten in Kleinstmengen auftauchen. „Vegano Italiano“ ist unter anderem nicht nur ein Kochbuch sondern auch eine Herausforderung an die Lagerkapazitäten einer durchschnittlichen Küche.
Eine Ursache für diese Uneinheitlichkeit mag es sein, dass die Rezepte nicht aus einer Feder stammen. Ruediger Dahlke zeichnet sich wohl nur für die Einleitung verantwortlich, die Rezepte allerdings stammen von vier weiteren Damen und Herren, die unter drei verschiedenen Kürzeln (zwei der Damen arbeiten im Team) Gerichte beisteuerten.

Beim Nachkochen der Rezepte fiel vor allem auf, dass diese nicht immer italienische Authentizität – jedenfalls zumindest in dem Rahmen, in dem es in der veganen Küche möglich wäre – vor Augen hatte. Das „Bruschetta-Brot“ war beispielsweise zwar schnell zubereitet und recht schmackhaft, allerdings war es für mich eher ein deutsches, halbdunkles Brot zum Frühstück. Mit der leichten italienischen Küche, die wie viele südländische Küchen vor allem auf helle Teigwaren aus Weizen setzt, hatte das stark sättigende Brot nicht mehr gemeinsam als den Namen, und ein Tomaten-Bruschetta wurde mit diesem Brot auch nicht mehr zur kleinen „Antipasti“ sondern zum vollwertigen Abendessen.
Auch die Verwendung von Vollkornnudeln in vielen Rezepten sticht ins Auge – zumindest beim Lesen des Rezepttextes. Auf den Bildern zu den jeweiligen Gerichten sieht es nicht danach aus, als hätten sich die Autoren hier in jedem Detail an ihre eigenen Rezepte gehalten.

Des Weiteren gab es einige Rezepte, die orientalische Assoziationen hervorriefen oder, zum Beispiel durch Currysaucen, sogar eher in den asiatisch/indischen Raum zu gehören schienen.
Daher empfand ich den kleinen Zusatz „90 vegane Rezepte der italienischen Küche“ als recht irreführend, impliziert er doch, dass sich hier echte italienische Rezepte finden ließen, obwohl die Rezepte oft mit veganen Ersatzprodukten von Sojamilch bis Tofu zubereitet und in Richtung „Vollwert“ angepasst wurden.

Auch auf kleinere Fehler in den Rezepttexten oder optimierbare Arbeitsabläufe sollte man achten. Es empfiehlt sich, den gesamten Rezepttext vor der Zubereitung aufmerksam zu lesen. Ein versierter Hobbykoch kann bei einigen Rezepten viel Zeit sparen, bei den „Auberginen-Rouladen“ lässt sich nur durch eine sinnvollere Abfolge der Arbeitsschritte die benötigte Zeit schnell halbieren.

Abgesehen davon waren viele Rezepte schmackhaft und sind gut nachzukochen, sofern man die Produkte beziehen oder ersetzen kann. Obwohl ich die Zusammenstellung zum Beispiel durch den hohen Suppenanteil nicht unbedingt als rundum gelungen empfinde, habe ich doch viele Rezepte gefunden, die mich angesprochen haben und bei der Zubereitung mehr oder weniger gehalten haben, was sie versprachen. Ein paar Enttäuschungen gab es, wie etwa der zu wenig nach Schokolade schmeckende „Schokoladenpudding“ oder die „Blumenkohlcremesuppe“, bei der ich den Nachgeschmack des eingesetzten Soja-Drinks unangenehm bis erschlagend fand. Allerdings gab es auch sehr positive Überraschungen wie die „Polenta mit Peperonata“, die „Schokocreme im knusprigen Teigbecher“, die „Panna Cocco“, die „Focaccia“ oder das „Risotto mit Pilzen“, die mich auch in der veganen Variante überzeugen konnten.

Fazit: Ruediger Dahlkes „Peace Food – Vegano Italiano: Das Kochbuch“ ist ein durchwachsenes Kochbuch. Die Zusammenstellung der Rezepte könnte durchdachter und ausgeglichener sein. Italienische Klassiker wie etwa selbstgemachte Pasta fehlen vollkommen, dafür wirken andere Rezepte wenig authentisch. Leider fehlt auch eine nennenswerte Warenkunde und das sehr lange Vorwort offenbart einen starken Hang zur Esoterik. Insgesamt vergebe ich daher knappe 3 Sterne. Ich hatte deutlich mehr erwartet.


Indigo - Das Erwachen
Indigo - Das Erwachen
von Jordan Dane
  Broschiert
Preis: EUR 10,99

4.0 von 5 Sternen Gelungener Auftakt einer Urban-Fantasy-Reihe, 4. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Indigo - Das Erwachen (Broschiert)
„Indigo – Das Erwachen“ von Jordan Dane ist der Auftakt einer Jugendbuch-Fantasy-Reihe, der durch sein zum Titel passendes strahlend blaues Cover direkt ins Auge springt.

Inhaltlich geht es um Folgendes: Rayne Darbys jüngerer Bruder Lucas flieht aus der psychiatrischen Einrichtung, in die ihre ältere Schwester Mia ihn nach dem Tod der Eltern einwiesen ließ. Rayne beschließt ihn zu suchen, doch das ist alles andere als ungefährlich, denn eine zweifelhafte Sekte, die Church of Spiritual Freedom, sucht ebenfalls nach Lucas und schreckt vor nichts zurück. Als Rayne in Gefahr gerät, ist es ein Junge namens Gabe, der sie rettet – indem er in blaue Flammen aufgeht. Es scheint eine Verbindung zu ihrem Bruder zu geben…

Die Grundidee der Romans empfand ich von vornherein als überzeugend. Die Autorin verbindet in „Indigo“ Fantasy mit der Idee einer evolutionären Weiterentwicklung der Menschheit, die sich in paranormalen Fähigkeiten von Gedankenmanipulation bis hin zum Kontakt ins Totenreich äußert. Die Verbindung gelingt Jordan Dane recht gut, die Umsetzung der ungewöhnlichen Idee funktioniert durch sehr bildhafte, gut vorstellbare Beschreibungen und einem Aufbau, der zwar noch einige Details im Ungewissen lässt, die Entwicklung der einzelnen Gruppierungen sowie die Herkunft der sogenannten Indigo-Kinder aber Stück für Stück logisch und glaubhaft erklären kann und dem Roman damit ein solides Grundgerüst verschafft.

Im Gegensatz zu der Fantasy-Idee, die mich durchgehend begeistert hat, fiel mir der Einstieg in die Handlung aufgrund eines anderen vermeintlichen Merkmals des Romans allerdings schwer: Es schien kitschig zu werden. Die Liebesgeschichte entwickelte sich jedenfalls zunächst so vorhersehbar und offensive, so plötzlich, dass sich ein Verständnis meinerseits für die großen Gefühle der Protagonisten nicht entwickeln wollte. Schon wieder so eine aus dem Nichts kommende Romanze zweier junger Menschen, die sich dennoch immer wieder abweisen, weil sie „gefährlich“ für den anderen sein könnten? Haben wir das nicht in diesem Genre schon zu oft gelesen?

Ich war also skeptisch, aber zum Glück fand der Roman doch noch den Notausgang aus dem Reich des Kitsches heraus und hinein in eine – zumindest halbwegs – glaubhafte, romantische Beziehung zwischen den Figuren, die sich auch nicht zu sehr in den Vordergrund drängte, sondern der Fantasy-Handlung noch genug Raum ließ. Das Nebeneinander von Action und Liebe funktionierte hier gut, was mich nach meinen anfänglichen Zweifeln tatsächlich selbst positiv überraschte.

Neben der ausgewogenen Handlung kann dieser Reihenauftakt auch mit seinen Charakteren überzeugen. Die Autorin begleitet parallel Figuren auf unterschiedlichen Seiten des Konflikts zwischen den Indigo-Kindern und ihren Verfolgern, die sie für eine Gefahr für die Menschheit halten, sie wegsperren und erforschen wollen. Auf beiden Seiten schafft Dane interessante Charaktere, manche außergewöhnlicher als andere, manche erschreckend fanatisch, manche unendlich liebenswürdig und manche herrlich bodenständig normal. Von Sympathieträgern zu Identifikationsfiguren über Figuren, die den Zweifel im Leser wecken, bis hin zu den klassischen Bösewichten ist alles dabei, wodurch sich wiederrum eine ausgewogene Mischung ergibt.

Besonders die Hauptfigur Rayne überzeugt durch ihre Menschlich- aber nicht Fehlerlosigkeit, während Gabe in der Rolle des spannenden, geheimnisvollen Protagonisten mit schwer einschätzbaren übernatürlichen Fähigkeiten einen gelungenen männlichen Gegenpart darstellt. Nebenfiguren wie Hauptfiguren zeigen Entwicklungen, die den Roman zusammen mit den Fantasy-Elementen, die sich im Laufe der Geschichte in ihrer Intensität deutlich steigern und durch ihr Ausmaß immer wieder überraschen, nicht langweilig werden lassen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich allerdings die etwas sprunghafte Entwicklung der Handlung, die teilweise dem häufigen Schauplatz- und Protagonistenwechsel geschuldet, teilweise aber auch auf einen Verlust des berühmten roten Fadens zurückzuführen ist. Gelegentlich wirkten Handlungen eher unzusammenhängend und waren dadurch nicht immer nachvollziehbar. Warum wird die eine Idee nicht weiterverfolgt? Warum erscheint eine gewisse Information erst jetzt, wo sie doch eine Situation vorher viel stimmiger gemacht hätte? Da fehlte manchmal die Durchgängigkeit.
Am Ende kommt noch eine etwas zu vorhersehbare Wendung hinzu, die sich den halben Roman über so klar angedeutet hatte, dass der wohl beabsichtigte Cliffhanger auf den letzten Seiten wirkungslos verpuffte.

Fazit: Jordan Dane verbindet in „Indigo – Das Erwachen“ eine gut durchdachte Fantasy mit einer frischen Liebesgeschichte. Fans der Urban-Fantasy ab 14 Jahren können hier durch abwechslungsreiche Charaktere und eine spannende Handlung voll auf ihre Kosten kommen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen für den Reihenauftakt und freue mich auf den zweiten Teil.


Endgame: Die Auserwählten
Endgame: Die Auserwählten
von James Frey
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Endzeitthriller, 2. November 2014
„Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey ist mehr als nur der Reihenauftakt zu einer neuen apokalyptischen Trilogie, die mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht mehr als klassisches Jugendbuch sondern in das neu gewachsene Genre der All-Age-Literatur einzuordnen ist. Darüber hinaus ist es angelegt als multimediales Großereignis, bestehend aus einer geplanten Verfilmung, für alle Figuren angelegte Profile in sozialen Netzwerken, Events in diversen Städten, einem Augmented-Reality-Game und nicht zuletzt einem im Roman versteckten Kryptorätsel, bei dessen Lösung ein Gewinn von 500 000 US-Dollar in Gold winkt. Dementsprechend groß wurde die Veröffentlichung von „Endgame“, in 30 Ländern weltweit am gleichen Tag, auch beworben, was einen gewissen Hype um das Buch auslöste.

Nichtsdestotrotz sehe ich das Kryptorätsel und all die interaktiven Zusätze in erster Linie als Erweiterungen zum Lesen, welche die Geschichte selbst aber nicht mehr oder weniger lesenswert machen sollten. Daher habe ich mich auch in erster Linie von der inhaltlichen Beschreibung dieses, wie ich es bezeichnen würde, endzeitlichen Action-Thrillers zum Kauf verleiten lassen und mich beim Lesen zunächst nur auf die Geschichte konzentriert – wie bei jedem anderen Roman auch – und mich nicht von der Suche nach kryptischen Hinweisen ablenken lassen.

Und darum geht es inhaltlich: 12 Meteoriten schlagen auf der Erde ein, an den Wohnorten von 12 ganz bestimmten Menschen – den aktuellen Spielern der 12 Geschlechter, in die sich die gesamte Erdbevölkerung unterteilt. Seit Jahrtausenden haben die Eingeweihten der Geschlechter auf dieses Ereignis gewartet und ihre Spieler dafür trainiert. Endgame hat begonnen. Jetzt müssen die Spieler aufbrechen und sich einem Wettkampf auf Leben und Tod rund um den Globus stellen. Nur einer kann gewinnen und so das Überleben seines ganzen Geschlechts sichern….

12 Spieler und jeder von ihnen wird zum Protagonisten dieses Romans. Es fordert schon einen aufmerksamen Leser, um den verschiedenen Charakteren und ihren Schicksalen zu folgen. Natürlich stehen nicht alle 12 gleichermaßen im Fokus der Geschichte – die einen sind wichtigere Hauptfiguren, die anderen agieren eher am Rand der Handlung, werden vielleicht erst in den weiteren beiden Teilen der Trilogie verstärkt in Aktion treten oder verabschieden sich mit der Zeit durch ihr eigenes Ableben vom Endgame. Darauf läuft es schließlich hinaus: Nur einer kann übrig bleiben.

Dennoch legt der Autor viel Wert auf die Ausbildung der Persönlichkeiten seiner 12 Spieler. Sie sind nicht nur eine international bunt gemischte Gruppe, sondern zeigen auch alle eine unterschiedliche Einstellung zum Endgame, zu ihrem Schicksal als Spieler, auf deren Schultern die Verantwortung für die Zukunft eines ganzes Geschlechtes liegt, und auch ihr Vorgehen ihren Mitspielern gegenüber unterscheidet sich. James Frey nimmt sich in einer ansonsten straff erzählten Geschichte Zeit, die Hintergründe jedes einzelnen Spielers anzuschneiden und ihre verschiedenen Eigenschaften mit ihrer Ausbildung, ihrem familiären Umfeld und persönlichen Eigenarten zumindest teilweise zu erklären. Der Autor erschafft dadurch ein wirklich umfangreiches Bild abwechslungsreicher Charakterzüge, die durch das allem übergeordnete Endgame unfreiwilliger Weise aufeinandertreffen.

Während des Endgames führt der Autor seine Figuren rund um die Welt. Die Handlungsorte sind eine der großen Stärken von „Endgame – Die Auserwählten“. Spannende Orte - historische Bauwerke alter Kulturen, bildhaft beschrieben - werden Teil der Reise der Spieler und ebenso Teil der Rätsel, die sie während des Endgames lösen müssen. Im Buch ist also nicht nur für den Leser ein Kryptorätsel versteckt, auch die Figuren selbst sind dabei, ihre eigenen Rätsel zu lösen. In der Art, wie sie dies tun, liegt für mich aber einer der kleinen Kritikpunkte, die ich bei diesem Roman anbringen könnte: Die Lösungen kommen teilweise zu schnell, teilweise auch vollkommen aus dem Nichts. Für den Leser sind der Erkenntnisgewinn der Figuren und die Zufälle, die dafür von Nöten sind, nicht immer ganz nachvollziehbar.

Hier muss der Leser wohl oder übel ein kleines Opfer bringen, das sich aus dem hohen Erzähltempo ergibt, da auf immerhin fast 600 Seiten dennoch die Geschichte von einem Dutzend Figuren wiedergegeben werden muss, die zwar gelegentlich zusammentreffen, sich größtenteils aber über den gesamten Globus verstreut aufhalten. Allerdings erzeugt diese hohe Geschwindigkeit auch Spannung, was durch die gewählte Sprache des Autors aus kurzen Sätzen, knackigen Formulierungen und Anspannung übertragende einprägsame Wiederholungen und Aufzählungen zusätzlich unterstützt wird, wodurch sie zu einem unverzichtbaren Merkmal dieser actionreichen Geschichte wird und maßgeblich zur Atmosphäre beim Lesen beiträgt. Die Figuren sind in Eile, für sie geht es um Alles oder Nichts, Leben oder Tod, nicht nur für sie selbst, sondern für einen großen Teil der Menschheit – dieses Gefühl von Dringlichkeit wird auch dem Leser vermittelt. Der Autor schafft es tatsächlich, den Spannungsbogen fast durchgehend hoch zu halten, die Schauplätze immer an den passenden Stellen zu wechseln oder andere Spieler überraschend wieder ins Geschehen eingreifen zu lassen. Es gibt kaum ein paar Seiten am Stück, die zum Durchatmen einladen würden, bevor die nächste Wendung erfolgt.

Das Endgame selbst ist ein weiteres interessantes Konstrukt, das als Grundidee eines apokalyptischen Romans dem multimedialen Gesamtpaket in nichts nachsteht. James Frey wählt hier den Ansatz einer übergeordneten Macht, welche die Menschheit geformt hat und weiterhin Einfluss nimmt. Dabei hält der Autor noch viele Informationen zurück, macht aber geschickt Andeutungen sowohl über diese übergeordnete Lebensform wie auch über deren Gründe für das Endgame, die neugierig machen und die Umsetzung insgesamt sehr gelungen erscheinen lassen. Frey bringt immer neue Aspekte auf, deutet neue Sichtweisen an und erweitert den Kenntnisstand der Figuren so, dass der Leser immer wieder umdenken und neue Vorstellungen über Endgame und die Macht dahinter entwickeln kann und muss, ohne dass der Autor sein Publikum jemals vollständig in Sicherheit wiegt, was die Richtigkeit der Vermutungen anbelangt. Es bleibt geheimnisvoll und rätselhaft.

Natürlich schließt die Idee des Endgames zusammen mit dem hohen, auf Action ausgelegten Tempo auch wenig freundlich gesinnte Aufeinandertreffen der Charaktere mit ein, da bei diesem Wettkampf am Ende nur ein Spieler am Leben bleiben kann. Die 12 Spieler sind mehr oder weniger alle dazu ausgebildet worden, zu kämpfen und zu töten. Somit ist die Altersempfehlung ab 16 Jahren auch durchaus angebracht, denn in „Endgame – Die Auserwählten“ geht kaum etwas friedlich und ohne Blutvergießen vonstatten. Der Autor erweist sich da in den Beschreibungen als alles andere als zimperlich und der Leser sollte es daher auch nicht sein, denn insgesamt passt die geschilderte Gewalt zur Idee des Romans und auch zum empfohlenen Alter.

Fazit: „Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey wurde durch das Marketing als multimediales Großereignis mit der Gewinnchance auf eine halbe Million US-Dollar zum Hype, dem der Roman an sich meiner Meinung nach aber auch gerecht werden kann. Zumindest Leser, die sich für eine Mischung aus Action-Thriller und Apokalypse begeistern, können hier spannende Stunden mit ausgefeilten Charakteren und großartigen Schauplätzen erleben. Ich bin von der ersten bis zur letzten Seite gebannt der außergewöhnlichen Idee gefolgt und würde am liebsten sofort erfahren, welche Wendungen sich der Autor in den folgenden beiden Bänden wird einfallen lassen. Ich vergebe 5 Sterne.


Wen der Rabe ruft
Wen der Rabe ruft
von Maggie Stiefvater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Maggie Stiefvater sorgt für Gänsehaut, 26. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Wen der Rabe ruft (Gebundene Ausgabe)
„Wen der Rabe ruft“ von Maggie Stiefvater ist der Auftakt einer neuen Urban-Fantasy-Reihe, die wie schon die vorangegangenen Bücher der amerikanischen Erfolgsautorin im Bereich der All-Age-Literatur anzusiedeln ist und vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen wird. Stiefvater begibt sich mit diesem auf insgesamt vier Bände ausgelegten Mehrteiler in den Bereich des Paranormalen: Wahrsager, Geister und alte Energien tief unter der Erde sorgen für Gänsehaut…

Kurz zum Inhalt: Blue ist die Tochter einer Wahrsagerin und hilft jedes Jahr in einer Aprilnacht ihrer Familie dabei, die Seelen der Menschen zu begrüßen, die bald sterben werden, obwohl sie selbst nicht über die Gabe verfügt, Geister zu sehen. Doch in diesem Jahr sieht Blue einen einzigen: Den Geist eines Jungen namens Gansey. Bedeutet das, dass sie für den Tod dieses Unbekannten verantwortlich sein wird? Immerhin lebt sie seit ihrer frühesten Kindheit mit einer Prophezeiung: Wenn sie ihre wahre Liebe küsst, wird dieser Junge sterben.
In der gleichen Stadt suchen vier Jungen nach einem alten Energiepfade, einer Ley-Linie, an der einer Legende nach Glendower, ein mächtiger walisischer König, begraben liegen und auf seine Erweckung warten soll. Einer dieser Jungen ist Gansey…

Mit ihrer Trilogie über die Wölfe in Mercy Falls, die in Deutschem unter den Titeln „Nach dem Sommer“, „Ruht das Licht“ und „In deinen Augen“ erschienen ist, ist Maggie Stiefvater eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen geworden. Die Hoffnung, aber damit einhergehend auch die Erwartung, war groß, dass sie mich mit ihrer neuen Reihe ebenso begeistern würde. Schon nach wenigen Kapiteln fiel jedoch auf, dass „Wen der Rabe ruft“ sich deutlich von „Nach dem Sommer“ unterscheidet. Die Liebesgeschichte, die nach dem Klappentext und auch nach den ersten Seiten fast schon ein wenig zu offensichtlich scheint, nimmt einen überraschend unvorhersehbaren Gang und die Romantik, die in Stiefvaters letzter Trilogie deutlich im Mittelpunkt stand, ist in diesem Reihenauftakt weit weniger vordergründig.

Stattdessen beweist die Autorin hier, dass sie ihre atmosphärisch starke Sprache auch meisterhaft dafür einsetzen kann, den Leser mit unheimlichen Szenarien das Fürchten zu lehren. Mit düsteren Wäldern, wandelnden Geistern und der Gabe des Wahrsagens erzeugt Maggie Stiefvater in „Wen der Rabe ruft“ immer wieder eine schauderhafte Gänsehaut beim Leser und erzählt ihre Geschichte dabei so spannend und mitreißend, dass zumindest ich dieses Buch selbst zu spätester Stunde nicht aus der Hand legen konnte. Die Autorin versteht es einfach wie nur wenige, mit ihren Beschreibungen ihre Handlungsorte so deutlich im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken und sein Interesse mit ihren Figuren und ihrer Geschichte, nicht zuletzt auch mit der Art, wie sie mit der Unwissenheit des Lesers spielt, an den Roman zu fesseln.

Die Protagonisten und ihre Konstellationen zueinander sind dabei nicht nur abwechslungsreich sondern auch durchaus komplex. Die befreundeten vier Jungen Gansey, Adam, Noah und Ronan, Schüler eine teuren Privatschule, könnten unterschiedlicher kaum sein und die Autorin baut ihre Handlung zusätzlich mit Bedacht auf, lässt einiges zunächst im Dunkeln und legt deutlich erkennbar wenig Wert auf umfassende Erklärungen zu Beginn, sodass der Leser sich in die Dynamik und die Beweggründen der Gruppe und jedes Einzelnen erst langsam einfinden kann und sich vielleicht auch immer wieder an einer Ecke, einer merkwürdig erscheinenden Äußerung, die unkommentiert im Raum stehen bleibt, oder einer fast offensichtlichen Ungereimtheit, die keiner zu bemerken scheint, stoßen wird. Doch der aufmerksame Leser wird hier belohnt, denn im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, dass Maggie Stiefvater nichts dem Zufall überlässt – auch nicht die Irritation des Lesers.

Ähnlich verfährt sie mit der weiblichen Hauptfigur, Blue, die gemeinsam mit ihrer Mutter und einer in den ersten Kapiteln fast unüberschaubar wirkenden Zahl von Tanten und Freundinnen der Mutter, allesamt mehr oder weniger erfolgreiche Wahrsagerinnen, in recht unkonventionellen familiären Verhältnissen lebt und dennoch, als einzige ohne hellseherische Fähigkeiten, ein verantwortungsvolles Mädchen zu sein scheint. Blue hat mir als Protagonistin nicht nur unglaublich gut gefallen, sondern durch ihre sehr speziellen Fähigkeiten auch weitere Geheimnisse in die Geschichte eingebracht.
Der Fantasy-Anteil der Handlung ist dabei in Form der geistersehenden Wahrsagerinnen aus Blues Haushalt von vorn herein greifbar und wird – zumindest von diesem Teil der Figuren – auch nie in Frage gestellt, was im Genre der Urban-Fantasy ja nicht immer üblich ist. Maggie Stiefvater verknüpft anschließend die paranormalen Elemente und die Suche nach speziellen „Energien“ mit einer walisischen Heldensaga und schafft dadurch einen Mix, der in Umsetzung wunderbar funktioniert und sich zu einer spannenden, wendungsreichen Geschichte zusammensetzt, die ihre Intensität von Seite zu Seite steigen kann.

Abschließend möchte ich noch eines meiner Highlights dieses Reihenauftakts erwähnen: Chainsaw. Wer oder was sich hinter dieser „Kettensäge“ verbirgt, darf allerdings jeder Leser ebenso selbst herausfinden wie Antworten auf die Fragen, was es mit Blue und Gansey auf sich hat, wie man Ley-Linien findet und welche Sprache Bäume sprechen.

Fazit: Maggie Stiefvater beginnt ihre neue Reihe mit einem echten Page-Turner. „Wen der Rabe ruft“ ist spannend und verzaubert den Leser mit einer atemberaubend intensiven Atmosphäre. Durchdachte Fantasy-Elemente, eine ordentliche Portion Gänsehaut dank hohem Gruselfaktor und liebeswerte wie geheimnisvolle Charaktere vervollständigen das Bild eines Highlights für alle Fans der All-Age- und Urban-Fantasy. Der zweite Band „Wer die Lilie träumt“ sollte am besten direkt bereit liegen – man muss einfach weiterlesen. Ich vergebe restlos begeistert 5 Sterne.


Er ist wieder da
Er ist wieder da
von Timur Vermes
  Audio CD
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genialer Sprecher in gelungener Satire, 22. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Er ist wieder da (Audio CD)
Der Debütroman des Journalisten Timur Vermes wurde in Deutschland zum Bestseller. Die originelle Idee, Adolf Hitler in heutiger Zeit wie nach einer Zeitreise erwachen zu lassen, hat auch mich neugierig gemacht und ließ mich zum von Christoph Maria Herbst gelesenen Hörbuch greifen.

Zum Inhalt: Im Sommer 2011 erwacht Adolf Hitler, gerade noch seinem Ende im Führerbunker entgegenblickend, in Berlin. Der Krieg ist offensichtlich zu Ende und auch sonst scheint sich in Deutschland einiges verändert zu haben. Hitler beschließt in dieser Welt, die ihn unverständlicher Weise für einen Doppelgänger seiner selbst hält und ausgesprochen komisch findet, erneut die Macht zu ergreifen. Und so landet Hitler beim Fernsehen – als neuer Star einer Comedy-Show…

Die Handlung beginnt ohne große Umschweife. Hitler erwacht in Berlin, er ist wieder da, 2011. Warum weiß der Leser nicht und auch der Ich-Erzähler Adolf Hitler persönlich hat keine Ahnung, was ihn plötzlich 66 Jahre in die Zukunft befördert hat. Das ist allerdings auch nicht wichtig. Er ist da und nach den ersten Hürden der Eingewöhnung wieder voller Tatendrang – die Rückkehr an die Spitze wird vorbereitet, was Hitler in diverse urkomische Situationen und das ein oder andere Mal an die Grenze seiner Geduld bringt.

Einige Kritiken befassen sich meiner Meinung nach weniger mit Vermes‘ Roman an sich, sondern zu sehr mit der Frage, ob und wie Hitler als Hauptfigur in diesem Roman dargestellt werden darf. Es ist sicher verständlich, dass Hitler heute in der rückblickenden Betrachtung selten menschliche Züge erhält – in Anbetracht der deutschen Geschichte sieht man das Monster, den Unmenschen, die Bestie. Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass Hitler nicht nur ein Mensch, sondern offenkundig einerseits überzeugend genug war, um eine ausreichend große Schar von Anhängern hinter sich zu sammeln, und gleichzeitig für viele andere doch zu lächerlich, um wirklich als ernste Bedrohung wahrgenommen zu werden.

Genau das ist eine Diskrepanz, die der Autor in seiner Satire mit einem perfekten Spagat pointiert einfängt. Er erlaubt seinem Ich-Erzähler zu menscheln, lässt ihn sympathische Züge zeigen und im ersten Augenblick vielen durch seinen vermeintlich schwarzen Humor aus der Seele sprechen. Genau dies wurde häufig als Kritik zu Vermes‘ Roman angeführt: „Die Figur wirkt zu sympathisch.“ – „Die Figur hat mit ihren gesellschaftlichen Analysen recht!“ – „So darf Hitler nicht dargestellt werden!“
Geht man allerdings tiefer, ist zu erkennen, dass der Autor es nie versäumt, Hitlers Überzeugungen dermaßen zu überziehen und ihn sich so sehr in seine hysterischen Ausbrüche hineinsteigern zu lassen, dass die Lächerlichkeit und die Fehler in dessen Gedankengut eindeutig werden. Es ist gelungene Satire, als solche gut zu erkennen und, ja, wirklich unterhaltsam und lustig.

Daher stellte sich für mich die Frage danach, ob es moralisch zu verantworten ist, über den Ich-Erzähler dieses Hörbuchs, einen neu zum Leben erweckten Adolf Hitler, der sich über die Zustände im modernen Deutschland echauffiert, zu lachen, praktisch zu keinem Moment. Man sollte sogar über ihn lachen, denn seine Ausbrüche über Politiker, Gesellschaft und Kultur sind genial, die Monologe zu keinem Zeitpunkt langweilig und die Interaktionen Hitlers mit anderen Figuren des Romans urkomisch. Gekrönt wird die Handlung vom Sprecher des Hörbuchs. Christoph Maria Herbst spricht den Ich-Erzähler durchgehend im typischen Hitler-Dialekt – unverwechselbar, authentisch und mit jeder Menge Leidenschaft. Zusammen mit den absurden Situationen, in die sich der machthungrige, aber doch so wenig ernst genommene Neu-Komiker Hitler begibt, sind die Lacher von Anfang bis Ende garantiert. Der Humor ist dabei oft böse, schwarz und bissig – in Kombination mit dem überragenden Christoph Maria Herbst einfach perfekt.

Was mich dazu verleitet, dennoch nicht die höchstmögliche Bewertung abzugeben, ist die Tatsache, dass mir die Handlung gelegentlich recht sprunghaft erschien. Da sich diese Rezension ausschließlich auf das Hörbuch bezieht, kann ich nicht beurteilen, ob es an möglichen Kürzungen der Hörfassung lag oder generell ein Problem des Romans ist. Zwischendurch entgingen mir die Übergänge und einige Zusammenhänge, so als hätte zwischen der einen und der anderen Szenerie noch ein kleines Stück sein sollen, das nicht vorhanden war.

Fazit: Abgesehen von einer leicht sprunghaften Handlung, war „Er ist wieder da“ für mich nicht zuletzt auch dank des Sprechers Christoph Maria Herbst eine unterhaltsame Satire, die mich sehr zum Lachen gebracht und mir einige kurzweilige Stunden beschert hat. Das Hörbuch ist absolut zu empfehlen, ich vergebe sehr gut 4 Sterne.


Teardrop: Band 1
Teardrop: Band 1
von Lauren Kate
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Atlantis und die Tränen eines Mädchens, 7. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Teardrop: Band 1 (Gebundene Ausgabe)
„Teardrop“ ist der Auftakt einer neuen Young-Adult-Reihe der amerikanischen Autorin Lauren Kate. Nachdem sie sich in ihrer vorrangegangenen Tetralogie den Engeln gewidmet hatte, wendet sie sich in ihrem neuen Werk der sagenumwobenen versunkenen Stadt Atlantis zu.

Kurz zum Inhalt: Die 17-jährige Eureka hat ihre Mutter bei einem schweren Unfall verloren, den sie selbst nur knapp überlebte. Dennoch hat sie nicht eine Träne vergossen – als Kind musste Eureka ihrer Mutter versprechen niemals zu weinen und daran hält sie sich.
Als Eureka gerade dabei ist den traumatischen Tod ihrer Mutter zu überwinden, taucht erst der gutaussehende Ander immer wieder in ihrer Nähe auf, dann verhält sich auch noch ihr langjähriger bester Freund Brooks immer merkwürdiger und Eureka erfährt, dass ihre Mutter ihr rätselhafte Gegenstände hinterlassen hat. Langsam dämmert es ihr: Es gibt Geheimnisse, von denen ihre Mutter ihr nie erzählt hat – und nun schwebt Eureka in großer Gefahr….

Zunächst fand ich die Grundidee ziemlich interessant. In der Urban-Fantasy – gerade im Jugendbuch-Segment – sind, da sich der Trend schon über Jahre hält, mittlerweile mehr oder weniger alle Themen zumindest schon einmal angeschnitten, wenn nicht sogar so häufig behandelt worden, dass sie mit der Zeit die Grenze der Überreizung erreicht haben. Vampire, Werwölfe, Hexen, Feen und, ja, auch Unterwasserwesen sind in der Buchhandlungen mehrfach als Protagonisten zu finden – aber Atlantis? Die mystische versunkene Stadt? Sicher ist auch das keine neue Idee, aber zumindest versprühte der Roman zusammen mit dem wirklich bezaubert schönen und gleichzeitig düsteren Cover eine Hauch von Frische. Mein Kopfkino freute sich auch Unterwasserwelten voller Magie, dargestellt in bildhaften Beschreibungen einer nicht mehr ganz unerfahrenen Autorin….

Nun, leider blieb es bei dieser Vorfreude. Denn trotz rund 500 Seiten an der Seite der 17-jährigen Hauptfigur Eureka erreichte dieser Fantasy-Roman, dessen Handlung in Louisiana im Süden der USA angesetzt ist, nie wirklich die Ebene von fantastischen Elementen, Magie und ungewöhnlichen Wesen, wie ich es auch bei einer Urban-Fantasy, also der Mischung einer Fantasy-Welt mit unserer realen, erwarten würde. Alles blieb bis hin zu den vielleicht letzten 100 Seiten in seiner Schilderung sehr zurückhaltend, erst dann wird es richtig spannend.

Eureka findet nur langsam mehr über ihre Rolle in einer übernatürlichen Welt heraus. Dann, recht plötzlich, nähert sich der Roman auch schon seinem großen Finale und es scheint zu spät, Eureka und den Leser die Rätsel Stück für Stück entschlüsseln zu lassen oder sie mit der wirklichen Fantasy-Welt zu konfrontieren. Stattdessen werden die Eckpfeiler des Erdachten dem Leser hier von der Autorin wie ein großer Haufen durch eine kurze Erzählung vor die Füße geworfen – auf Hintergründe oder nähere Erklärungen so mancher Details muss noch verzichtet werden, denn da sind die letzten Seiten auch schon ausgelesen und der erste Band hat sein zwar fulminantes, aber dennoch gefühlt recht lückenhaftes Finale erreicht.

Leider kann ich auch nicht behaupten, dass die ersten 400 Seiten mit besonders großartigen Randhandlungen gefüllt waren. Rückblickend war der Fortschritt der Handlung für den Umfang der Geschichte recht überschaubar. Eureka ist zwar eine nicht uninteressante Protagonistin, ihre sich wiederholenden Schilderungen von den süßen Halbgeschwistern, dem emotional schwer zugänglichen Vater, der bösen Stiefmutter und der ihrer Meinung nach überflüssigen Psychotherapeutin langweilen mit der Zeit allerdings zunehmend, wodurch das depressive Mädchen einen recht eindimensionalen Charakter vermittelt. Auch die anderen Figuren bleiben eher blass. Egal ob der geheimnisvolle Schönling Ander, der plötzlich so veränderte beste Freund Brooks oder die ewig nach dem nächsten Date suchende Freundin Cat – keiner zeigt eine nennenswerte Entwicklung oder besondere Tiefe, nur Ander zeigt hin und wieder interessante Ansätze und eine weitere Nebenfigur zeigt echtes Potential.

Sprachlich ist „Teardrop“ leider ebenfalls nur durchwachsen. Zumindest in der deutschen Übersetzung holpert so mancher Satz deutlich, wirkt nicht rund. Auch insgesamt macht die Sprache selbst für ein Jugendbuch einen eher einfachen Eindruck. Zwar bindet die Autorin viele Details in ihre Beschreibungen ein, aber so recht packen konnte sie mich nie, was auch daran liegen mag, dass zu viel Alltägliches und zu wenig Fantastisches Teil ihrer Erzählungen ist. Gelungen fand ich allerdings die Einbindung regionaler Eigenheiten der in Louisiana angesiedelten Kultur, da diese hin und wieder mein Interesse wecken konnten.

Fazit: „Teardrop“ konnte meine Erwartungen an eine Urban-Fantasy rund um das versunkene Atlantis leider nicht erfüllen. Die Geschichte wie auch die Figuren blieben zu blass und zeigten zu wenig Fortschritt. Nur die letzten 100 Seiten machen Hoffnung, dass sich die Fantasy-Elemente in dieser Reihe doch noch in der Vordergrund bringen können – im nächsten Band. Für den Auftakt vergebe ich auch dank des spannenden Endes noch knappe 3 von 5 Sterne.


Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
Die Analphabetin, die rechnen konnte: Roman
von Jonas Jonasson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dem Stil treu geblieben, 30. Mai 2014
„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist nach dem Bestsellererfolg „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ der zweite Roman des schwedischen Autors Jonas Jonasson.

Zum Inhalt: Nombeko, ein Mädchen im südafrikanischen Slum, kann nicht lesen, ist aber im Kopfrechnen jedem überlegen. So schafft sie es raus aus dem trostlosen Armutsviertel, ist am Bau von Atomwaffen beteiligt und gelang über Umwege nach Schweden, wo Zwillinge leben, von denen nur einer existiert – der andere nicht…

Die eindeutig beabsichtigte Ähnlichkeit der Titel, die sich auch in der Covergestaltung wiederfindet, deutet es schon an: In neue Gefilde wagt sich Jonasson nicht vor. Er bleibt seinem Schema aus einer weltumspannenden Handlung über längere Handlungszeiträume treu. Auch an Absurdität steht das zweite Werk dem erfolgreichen Debüt in nichts nach.

Wer den Hundertjährigen mochte, wird in der Analphabetin, verkörpert durch die Südafrikanerin Nombeko, eine Nachfolgerin finden, deren Geschichte stilistisch weder eine Weiterentwicklung noch einen Rückschritt darstellt. Die distanzierte Sprache mit überwiegend indirekter Rede, der auf Missverständnissen und unerwartete Direktheit in skurrilen Situationen beruhende Humor, die Kreativität, die sich in den einzelnen liebevoll erdachten und wie zufällig eingestreuten Figuren verbirgt – die Gemeinsamkeiten beider Romane überwiegen deutlich.

Die intelligente Nombeko selbst ist zwar völlig anders als der naiv-gutgläubige Allan, zu einem „normalen“ Leben verhilft ihr dies allerdings auch nicht. Zwar tangiert ihre Lebensgeschichte nicht annähernd so viele und ebenso bedeutende und bekannte historische Ereignisse und Persönlichkeiten, wie Allans es getan hat, und umfasst auch nicht diesen gewaltigen zeitlichen Umfang von 100 Jahren, mit dem der Debütroman aufwarten konnte, weit herum kommt die Hauptprotagonistin jedoch ebenfalls und zusammen mit den Holgers, Zwillingen, die sich eine Identität teilen, ergeben sich Konstellationen, die – fast – mit einem Elefanten, unfähigen Gangstern und einem Koffer voller Geld mithalten können.

Dennoch: Obwohl ich den Roman mit Freude und vielen Lachern gelesen habe, ganz erreichen konnte er seinen Vorgänger, den Hundertjährigen, nicht. Ob dies jetzt an der etwas zurückgenommenen weltgeschichtlichen Verwicklung lag, daran, dass Nombeko mit ihrer unschuldig wirkenden und dabei doch oft sehr berechnenden Überlegenheit nicht den Charme des alten Sprengstofffreundes Allan hatte, oder schlicht und ergreifend mit dem Gefühl zusammenhing, nur die zweite Version einer bereits dagewesenen Geschichte zu lesen, kann ich nicht eindeutig sagen. Es war eine Mischung aus jedem dieser Punkte sowie Längen in der Handlung, die das Debüt nicht aufwies, die dazu führten, dass „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ zwar gut, aber doch nicht mehr so überraschend anders und brillant war wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Fazit: Wer „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mochte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch an „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ Gefallen finden, denn obwohl das zweite Werk nicht ganz so rund wirkt wie das Debüt, überwiegen die Parallelen. Jonas Jonasson bleibt seinem Stil bis in die Details hinein treu. Überzogen skurrile Situationen und ein oft böser Humor zeichnen auch dieses Buch aus und unterhalten denjenigen, der nicht nach Realität und bedingungsloser Glaubwürdigkeit sucht, erneut auf hohem Niveau. Ich vergebe gute 4 Sterne.


Der Distelfink: Roman
Der Distelfink: Roman
von Donna Tartt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

110 von 129 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöne Sprache, dünner Inhalt, 21. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen Schlag verändert. Ein Gemälde aus dem Museum, „Der Distelfink“, das er heimlich mitgehen ließ, begleitet ihn von nun an, während er bereits in jungen Jahren den Boden unter den Füßen verliert.

Unter normalen Umständen würde ich den Inhalt klarer anschneiden. Bis zum ersten Wendepunkt der Geschichte, nie mehr als ein guter Klappentext, kurz zusammenzufassen, worum es geht, um dem zukünftigen Leser einen Einblick zu geben, halte ich an sich nicht nur für legitim sondern fast für notwendig. Doch bei diesem Roman fällt mir das schwer, denn der Anfang ist mit seiner Tragik, seinem Tempo und seiner Emotionalität eigentlich schon der beste Teil des gesamten 1000-Seiten-Werkes und, auch wenn dieser Anfang bereits gut 200-300 Seiten umfasst, wird der Klappentext des Verlags dort für meinen Geschmack bereits zu konkret.

Was die Autorin anschließend dokumentiert, ist der Abstieg des jungen Ich-Erzählers Theo, der sich über verschiedene Stationen seines noch jungen Lebens von einer Depression zur nächsten, von einer Trunkenheit zur nächsten und von einem Drogenrausch zum nächsten manövriert und dabei auf Nebendarsteller trifft, von denen kaum eine Entwicklung ausgeht und die in den meisten Fällen eine so sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen, dass ihre Undurchschaubarkeit für den Leser zwar auch regelmäßig Überraschungen mit sich bringt und sie als Charaktere spannend macht, sie aber insgesamt auch blass und austauschbar wirken lässt.

Die Autorin verliert den roten Faden ihres Romans – die Verbindung zwischen Theo, der Entwicklung seines Lebens und dem Gemälde als Symbol – zu oft aus den Augen. Theos Geschichte schweift ab und kreist in sich wiederholenden Situationen, die das Lesevergnügen mit der Zeit immer zäher machen. Wenn das Gemälde dann einmal wieder in den Fokus rückt, ist es meist nur für kurze Zeit – lange habe ich darauf warten müssen, dass die Autorin zum längst überfälligen Finale kam. Dieses wirkte dann allerdings zu überzogen und passte weder von der zeitlichen Folge (was für ein Zeitsprung!) noch vom inhaltlichen Rahmen her zum Rest des Romans. Internationale, organisierte Kriminalität und ein überstürzter Gangster-Road-Trip schafften einen eher kitschigen als runden Abschluss. Also blieb der Anfang der inhaltlich stärkste Abschnitt des Distelfinken.

Meine Motivation während des Lesens wurde dabei kurz nach dem starken Auftakt, als ich gerade in der ersten langen, langen Phase aus Drogen und Alkohol festhing und verzweifelt die Spannung suchte, noch einmal deutlich gesteigert: „Der Distelfink“ wurde als Gewinner des renommierten Pulitzer Preises bekannt gegeben. Leider konnte ich aber trotz größter Mühe und größtem Durchhaltevermögen auf den langen, langen 1000-und-ein-paar-Seiten nichts finden, dass mich jetzt befähigen würde, diese Auszeichnung oder den Hype um das Buch nachzuvollziehen. Möglicherweise haben dabei die Erwartungen, die mit der langen Bearbeitungszeit von mehr als zehn Jahren, in denen man nichts von der Autorin hörte, einhergingen sowie der gigantische Umfang des Werkes und die mit Sicherheit vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten Tartts nicht nur mitgewirkt, sondern auch eine größere Rolle gespielt als der eigentliche Inhalt.

Sprachlich ist „Der Distelfink“ wirklich gelungen. So wurde die Lektüre für mich dann auch eher ein Lesen um des Lesens Wille. Schöne Worte aneinandergereiht, auf den Punkt gebrachte Beschreibungen mit einem hervorragenden Gespür für die einprägsamen Details und nicht zuletzt auch die Fähigkeit den jugendlichen Ich-Erzähler und die anderen jungen wie alten Charaktere im Roman (fast immer) glaubwürdig agieren zu lassen, machten „Der Distelfink“ zu einer erzählerisch runden Reise. Wären die schön geschriebenen Dialoge doch nur nicht zu oft inhaltlich leer und die detailreichen Beschreibungen nicht zu oft der Ersatz für einen deutlichen Handlungsfortschritt – der Roman wäre perfekt. So, wie er ist, empfand ich ihn leider als 300 bis 400 Seiten zu lang - der Roman war inhaltlich zu wenig dicht.

Fazit: Pulitzer-Preis-Träger 2014, Bestseller und Auslöser eines Hypes um ein einziges kleines Kunstwerk. „Der Distelfink“ ist der erste Roman von Donna Tartt nach rund zehn Jahren. Sprachlich hat er auch mir sehr gut gefallen, inhaltlich flachte der Roman jedoch nach dem bewegenden Beginn spürbar ab und verlor sich in Wiederholungen, Rauschzuständen und leeren Gesprächen. Theo und sein gestohlener Distelfink waren zu selten gemeinsam im Mittelpunkt des Geschehens. Ich vergebe gute 3 Sterne für einen gut geschriebenen, aber zu langen Roman, der deutlich eher auf den Punkt hätte kommen können.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 26, 2014 11:22 PM CET


Ewiglich die Liebe
Ewiglich die Liebe
von Brodi Ashton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein würdiger Abschied von den Ewiglichen, 17. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Ewiglich die Liebe (Gebundene Ausgabe)
„Ewiglich die Liebe“ ist das Finale der „Ewiglich“-Trilogie, einer Urban-Fantasy-Reihe aus der Feder der amerikanischen Autorin Brodi Ashton. Nach meiner großen Begeisterung für „Ewiglich die Sehnsucht“ und „Ewiglich die Hoffnung“ wurde der dritte und letzte Band nicht nur lange herbeigesehnt, sondern die Erwartungen waren auch entsprechend hoch. Findet die Autorin einen würdigen Abschluss für Nikki, Jack und den Ewiglichen Cole?

Bevor ich diese Frage – zumindest für mich – beantworte, vorab einige Worte zum Inhalt:
Nikki ist verzweifelt. Während Cole ihr geholfen hat, Jack aus den Tunneln des Ewigseits zu befreien, hat er sie gleichzeitig hinters Licht geführt. Durch eine List hat er ihr Herz gestohlen, um seine eigenen Pläne in die Tat umzusetzen. Nikki, die die hundertjährige Nährung des Ewiglichen überlebt hat, soll nun selbst zur Ewiglichen werden, die Königin Adonia stürzen und dann an seiner Seite über das Ewigseits herrschen.
Nikki und Jack bereiten sich darauf vor, ihr Herz zurückzubekommen, um ihre Wandlung zur Ewiglichen aufzuhalten, und das Ewigseits ein für alle Mal zu besiegen.

Der zweite Band der Trilogie endete mit einem Knall, als Cole nach der gelungenen Rettung von Jack in Nikkis Zimmer erschien und den kleinen Kompass mitnahm. Als er ihr dabei offenbarte, dass es sich bei dem unbekannten Gegenstand um ihr Oberweltherz handelte und er sie während ihres Aufenthalts im Ewigseits ohne ihr Wissen zu einer Ewiglichen gemacht hatte, schockierte das nicht nur Nikki. Auch der Leser wurde von dieser Wendung vollkommen überrascht und, dass er Nikki in eben diesem Moment notgedrungen verlassen musste, weil ihm die Seiten von „Ewiglich die Hoffnung“ ausgingen, kann sicherlich als besonders kluger Schachzug der Autorin betrachtet werden. Durch die starken Emotionen am Ende des zweiten Bandes, der nur wenige Seiten zuvor noch so ruhig und glücklich hätte enden können, wurden diese letzten Momente unvergesslich und die Vorfreude auf den finalen Band vervielfachte sich.

Umso erfreulicher war es jetzt am Beginn des dritten Bandes festzustellen, dass Ashton nicht nur ein starkes Ende sondern auch einen richtig packenden Anfang schreiben kann. Ohne einen nennenswerten Zeitsprung setzt „Ewiglich die Liebe“ genau in dem Moment wieder an, der dem Leser noch so intensiv in Erinnerung ist: In Nikkis Zimmer, wo sie nun - selbst noch schwer erschüttert - Jack einweihen muss. Coles Verrat und der Verlust ihres Oberweltherzens sind direkt wieder präsent, erwecken auch im Leser die intensiven Gefühle des zweiten Bandes wieder zum Leben und fesseln ihn an die Geschichte. Gleich von der ersten Seite an direkt gepackt vom Schicksal der Figuren, fliegt der Roman anschließend nur so dahin. Es gibt kaum Momente zum Durchatmen – in ihrem Finale setzt die Autorin auf höchste Spannung, auf viele Wendungen, die die verzweifelte Situation Nikkis mit jedem Mal noch verstärken, und nicht zuletzt auch auf die ganz großen Gefühle.

Die Liebesgeschichte zwischen Nikki und Jack macht natürlich wieder einen Teil der zentralen Handlung aus, doch obwohl sehr vordergründig bleibt diese zarte, glaubwürdige Beziehung über die gesamte Zeit erfrischend wenig kitschig und drängt sich nie so sehr in den Mittelpunkt, dass sie die Entwicklung der spannenden Geschehnisse um das Ewigseits und Nikkis Schicksal zu sehr überlagern würde. Das durchdachte und dezent mit Elementen der griechischen Mythologie durchzogene Fantasy-Szenario der Parallelwelt der unsterblichen Ewiglichen bleibt im Fokus der Geschichte und glänzt passend zum großen Finale noch einmal mit seiner düsteren Atmosphäre aus Schatten und Grausamkeit kombiniert mit fantasievollem und unwirklich erscheinendem Gelände und eingewobener Magie. Brodi Ashton kann dieses Ewigseits mit ihren bildgewaltigen Beschreibungen und einem insgesamt fantastischen Stil noch einmal aufleben lassen.

Neben Nikki und Jack kommt auch Cole in diesem Roman nicht zu kurz. Den Ewiglichen als reinen Bösewicht zu sehen, fiel mir schon immer schwer; selbst nach seinem unvorstellbar hinterhältigen Verrat gegenüber Nikki konnte ich die Sympathie für ihn nicht völlig ablegen, was mich zugegebenermaßen in einen ziemlichen Zwiespalt brachte. Daher hat mir besonders gut gefallen, dass die Autorin im letzten Band noch einmal sehr genau darauf achtet, die verschiedenen Facetten dieses ambivalenten Charakters zu zeigen. Hinter seiner Coolness, den lockeren, teilweise arroganten Sprüchen und dem ungebrochenen Wunsch, die Macht im Ewigseits zu erlangen, zeigt sich ein Jahrhunderte altes Schicksal, viel Traurigkeit und Einsamkeit. Diese Seite von Cole, wie sie in „Ewiglich die Liebe“ mit viel Gefühl beschrieben wird, rundet diesen Charakter tatsächlich ab, erklärt seine Motivation und lässt den Leser tief hinter die Fassade blicken.

Das Ende, das tatsächliche Ende auf den letzten Seiten des letzten Bandes einer geliebten Reihe, ist – jedenfalls für mich – immer das Schwierigste. Glaubwürdig sollte es sein, zufriedenstellend. Brodi Ashton hat für mein Empfinden die Gratwanderung zwischen Glück, Glaubwürdigkeit, Romantik, einer Spur Melancholie und Abschied punktgenau gemeistert. „Ewiglich die Liebe“ ist nicht nur ein würdiger Abschluss, sondern auch einer, der am Ende noch einmal genau die richtigen, einprägsamen Worte findet, die denjenigen, die die Reihe intensiv verfolgt haben, mit Leichtigkeit in Erinnerung bleiben werden. Gerade von den letzten Seiten war ich, wie auch schon im ersten und im zweiten Band, noch einmal richtig begeistert. Starke Enden schreiben kann diese Autorin ganz sicher und ich würde mich sehr freuen, bald neue Geschichten von ihr zu lesen.

Fazit: Brodi Ashton führt im großen Finale der "Ewiglich"-Trilogie alles zusammen. Spannend wie eh und je entführt sie den Leser ein letztes Mal in die Welt der Unsterblichen. Bildgewaltig, romantisch, berührend - kein Fan der Urban-Fantasy sollte sich diese Trilogie entgehen lassen. Mich hat letzte Band begeistert wie schon die ersten beiden Bände und ich beende diese Trilogie zufrieden - und ein wenig traurig, weil für mich eine der schönsten Fantasy-Liebesgeschichten zu Ende gegangen ist. Wie bereits "Ewiglich die Sehnsucht" und "Ewiglich die Hoffnung" verabschiede ich "Ewiglich - Die Liebe" und damit die gesamte Trilogie mit weiteren 5 Sternen.


Roter Mond: Roman
Roter Mond: Roman
von Benjamin Percy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Werwölfe als Gesellschaftskritik, 14. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Roter Mond: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Roter Mond“ von Benjamin Percy ist ein stark gesellschaftskritisch geprägter zeitgenössischer Fantasy-Roman, der die aktuelle, vom Terrorismus beeinflusste Geschichte der USA in eine alternative Wirklichkeit überträgt, in der Werwölfe und Menschen gemeinsam auf der Erde leben.

Zunächst noch einige Worte zum Inhalt: Als sein Vater zum Kriegsdienst einberufen wird, besteigt Patrick ein Flugzeug, das ihn nach Portland zu seiner Mutter bringen soll. Damit beginnen die schlimmsten Stunden seines Lebens, als sich während des Fluges ein Passagier, ein Lykaner, verwandelt und ein Blutbad anrichtet. Der terroristische Anschlag bleibt nicht der einzige…
Claire, eine junge Lykanerin, muss fliehen, als bewaffnete Männer in ihr Elternhaus eindringen. Ist das eine der ersten Gegenmaßnahmen der Regierung?
Chase Williams nutzt unterdessen die wachsende Angst in der Bevölkerung für seinen Wahlkampf. Der radikale Politiker hat große Ziele…
Das ganze Ausmaß der Anschläge ist dagegen noch lange nicht erreicht. Im Untergrund sammeln sich die Terroristen, um das Land endgültig ins Chaos zu stürzen.

Der Roman beginnt stark. Benjamin Percys Idee, die Erdbevölkerung als Mischung aus Menschen und Werwölfen darzustellen, gelingt und ergibt ein glaubwürdiges Gesamtbild. Lykaner existieren in diesem Szenario schon lang. Aufgrund einer Infektion und Mutation haben sie die Fähigkeit sich in ein wolfartiges Wesen zu verwandeln entweder durch Geburt oder durch Übertragung durch einen anderen Werwolf erhalten. Zwar leben sie zwischen den Menschen in der Regel ein normales, menschliches Leben, doch sie sind gezwungen, ihre Instinkte durch Medikamente zu kontrollieren, was von der Regierung überwacht wird.

Als die Lykaner sich gegen diese Einschränkungen ihrer Rechte auflehnen, kommt es zum Krieg und zu terroristischen Untergrundkämpfern – das System gerät in einen Ausnahmezustand. Was der Autor hier aufbaut, diese Dynamik aus wachsender Gewalt, zunehmender Überwachung, Angst und Hass, der sich mit der Zeit nicht mehr nur gegen die Terroristen selbst richtet, sondern kollektiv gegen alle Lykaner, die dadurch wiederum unter immer mehr Einschränkungen zu leiden haben, ist beeindruckend durchdacht und wird von ihm kompromisslos auf die Spitze getrieben, bis hin zum zerstörerischen Bürgerkrieg gewaltigen Ausmaßes. Percy bindet zudem wie selbstverständlich für die Lykaner modifizierte Versionen kontrovers diskutierter realer Handlungen und Gesetze wie etwa den „Patriot Act“ in seine fiktive Welt ein und sorgt auch dadurch dafür, dass „Roter Mond“ nie vollständig in den Bereich der reinen Fantasy wechselt, sondern immer einen aktuell-gesellschaftskritischen Bezug behält und diesen auch deutlich herausarbeitet.

Neben der Grundidee glänzt dieser Roman auch mit seinen vielfältigen und interessanten Charakteren. Patrick, Claire, Chase und einige andere bewegen sich auf verschiedenen, teilweise auch wechselnden Seiten dieses großen Konflikts und bieten nicht nur durch ihr persönliches Schicksal individuell spannende Entwicklungen. Durch ihre unterschiedlichen Rollen, die unterschiedlichen Parteien, die sie in diesem Krieg repräsentieren, geben sie dem Leser auch jeweils Einblick in die Situationen aus allen denkbaren Blickwinkeln.
Der Wechsel zwischen ihnen trägt neben dem zügigen Stil, der durch eine hohe Ereignisdichte, eine schnelle Sprache aus kurzen Sätzen, viel Blut und eine Mischung aus persönlicher Ebene und der großen politischen Bühne gekennzeichnet ist, zur hohen Spannungskurve dieses Romans bei. Die gewählte Gegenwartsform und viele unerwartete Wendungen steigern zusätzlich die mitreißende Wirkung der düsteren Atmosphäre.

Der Schwachpunkt von „Roter Mond“ ist leider ausgerechnet das Ende. Nach einem starken Anfang und wiederkehrenden Spannungselementen, die kleinere Längen regelmäßig aufbrechen und den Leser von neuem fesseln können, flacht die Schlussszene deutlich ab. Zunächst scheint der Autor auf einem guten Weg zu sein, die Handlungsstränge und Figuren in einem gewaltigen Showdown zu vereinen, doch dann verstreicht die Gelegenheit ungenutzt. Stattdessen wirken eine Figuren wie fallengelassen, die großen Enthüllungen werden am Ende zu beiläufigen Erwähnungen. Sicher kann das Ziel eines so groß aufgebauten Szenarios kein rundum abgeschlossenes, leichtes Ende sein – dafür ging die Geschichte zu weit und stellte die Welt zu sehr auf den Kopf. Doch auch für ein offenes Ende fehlten einigen Figuren am Ende die Perspektiven, sie verschwanden zu still von der Bildfläche. Sollte es irgendwann einmal eine Fortsetzung zu diesem ansonsten grandiosen Roman geben, könnte dieser das ohne Höhepunkt auslaufende Ende vielleicht wieder auffangen – und nachdem ich den Buchdeckel zugeklappt habe, habe ich direkt recherchiert und herausgefunden, dass der Autor sich diese Option für die – fernere – Zukunft tatsächlich offengehalten hat. Doch bis dahin ist „Roter Mond“ ein Einzelband, dessen Ende leider als solches nicht richtig funktioniert hat.

Fazit: Wäre bei „Roter Mond“ von Benjamin Percy nicht ausgerechnet das Ende die größte Schwäche, wäre dieser Roman perfekt. Die hier aufgebaute Fantasy-Welt ist nicht nur spannend, sondern reizt zudem durch einen gesellschaftspolitischen Bezug, der auch unsere reale Welt kritisch hinterfragt. Wozu kann der Terrorismus einer Minderheit eine Gesellschaft führen? Die Antwort die Percy in „Roter Mond“ liefert, ist schockierend – und wirkt zudem trotz Werwölfen erschreckend real. 4 Sterne.


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