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Rezensionen verfasst von
musiConnaisseur

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Procol Harum
Procol Harum

4.0 von 5 Sternen Debütalbum von Procol Harum zum 1. Mal auf CD, 30. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Procol Harum (Audio CD)
Hier bekommt man im Grunde die deutsche LP-Erstveröffentlichung auf Polydor in digitalisierter Form (Teldec/Cube, ca. 1986). Das bedeutet leider, dass sowohl der große Hit "A Whiter Shade of Pale" als auch "Good Captain Clack" nicht enthalten sind. Stattdessen beginnt das Album mit der zweiten Hitsingle "Homburg" (einziger Song in Stereo).
Der Klang ist erwartungsgemäß von gestern - genug Bass, aber etwas dumpf. Bei "Cerdes" wird es schon grenzwertig. "Kaleidoscope" wird komischerweise nicht richtig ausgeblendet, sondern endet abrupt nach 2 Minuten und 52 Sekunden.
Anstelle eines Booklets gibt es nur ein Einlegeblatt, dafür ist das Cover ganz witzig: Der "Smile Price"-Aufkleber, der in den 80er Jahren die Teldec-Schallplatte zierte, wurde einfach mitkopiert.

Fazit: Für Sammler und Fans von Procol Harum ist das Teil sowieso interessant, aber inzwischen auch für jeden anderen, der noch ein günstiges Exemplar findet. Wer jedoch bereits die CD von Westside (1998) hat, darf sich getrost damit zufriedengeben.


From the Vaults
From the Vaults

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Originelle Zusammenstellung mit vielen Krachern und ein paar sanften Songs, 1. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: From the Vaults (Audio CD)
… aus den Jahren 1972 bis 1983. Enthält alle Tracks der Doppel-EP "Live" von 1980, außerdem zehn mehr oder weniger seltene B-Seiten. Genauer gesagt: Heute sind es wohl keine Raritäten mehr, das war aber 1993 noch Stand der Dinge, als dieser Sampler von einem obskuren Label namens Sequel veröffentlicht wurde.
Ach ja, "Love hurts" ist auch mit drauf, falls es jemand noch nicht kennt. Weitere Single-Titel: "If you see my baby", "My white bicycle", "Holy roller" und "You're the violin". Eine Neuaufnahme von "Morning dew", die anscheinend bei älteren "It's Naz"-CDs weggelassen wurde, rundet die Sache ab.
Dass diese Compilation heute ziemlich begehrt ist, kann ich verstehen. Sie stammt nun mal aus der Prä-Remastering-Ära und hat ein nettes Fantasy-Artwork (anscheinend gefiel dem Künstler das Cover von "No mean city" besonders gut). Aber 60 Euro dafür!? So einen Wucherpreis würde ich nie bezahlen.


Magnum 2
Magnum 2

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die einzige Alternative zum drögen Original-Cover, 29. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Magnum 2 (Audio CD)
In den 80er Jahren wollten und durften gleich mehrere Labels die frühen Alben von Magnum nachpressen. Kein Wunder, denn Bob Catley, Tony Clarkin und Konsorten waren seinerzeit auf dem Gipfel ihrer Popularität. Als Sammler mit einer Vorliebe für alte CDs hat man die Qual der Wahl: Auf Castle gibt es alles mehrfach, daneben findet man eventuell eine Version von Jet (sehr selten), Bellaphon oder FM. Bei "Magnum II" war mir aber sofort klar, was ich haben musste, nämlich die '88er Ausgabe mit dem Raumschiff-Motiv von Rodney Matthews!

Und ich wurde nicht enttäuscht: Die CD klingt einwandfrei, vielleicht nicht so "fett" wie irgendein Remaster, aber darauf kann ich verzichten. Das Booklet enthält nur den Katalog von FM-Revolver und Werbung für weitere Magnum-Scheiben. Was soll's … Über die Musik haben andere Rezensenten schon viel Gutes und Richtiges geschrieben. Meiner Meinung nach ist die Mischung hier einfach perfekt. Das Album wird niemals langweilig und im Gegensatz zum Vorgänger "Kingdom of Madness" wird dem Hörer keine einzige Gurke serviert (ich sage nur "Baby rock me").

Fazit: In einer gerechten Welt hätte sich "Magnum II" 1979 mindestens genauso gut verkauft wie der drittklassig produzierte Abgesang von Led Zeppelin.


Collection
Collection
Wird angeboten von Filmexpress
Preis: EUR 25,00

4.0 von 5 Sternen "Rocka Rolla" und "Sad Wings Of Destiny" im Sparpaket, 10. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Collection (Audio CD)
Im Jahr 1989 wurde diese "Collection" von Castle Communications herausgebracht. Enthalten sind die beiden ersten Alben der Metal-Pioniere von Judas Priest in erstaunlich guter Klangqualität: kein Remastering, kein Rauschen und intakte Dynamik - was will man mehr? Allerdings wurde "Caviar and meths" (das letzte Stück auf "Rocka Rolla") aus unerfindlichen Gründen weggelassen und das Booklet ist, sagen wir mal: minimalistisch. Wenn man sich ein bisschen informiert hat, sieht man natürlich auch, dass hier einfach das Artwork des "Hero, Hero"-Samplers übernommen und mit großen Schriftzügen verunstaltet wurde. Aber für 5 bis 8 Euro kann sich niemand beschweren, zumal auf "Hero, Hero" drei Songs vom zweiten Album fehlen und die Tracks sinnlos durcheinandergewürfelt wurden.


Greatest hits 2
Greatest hits 2
Wird angeboten von Music-CD-Connect-ccm_Germany
Preis: EUR 49,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen CD aus den frühen Achtzigern mit Spitzen-Sound, 7. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Greatest hits 2 (Audio CD)
Verständlich, dass diese alte Polydor-Scheibe bei audiophilen Experten so beliebt ist. Ich besitze keine aktuellen Compilations von ABBA und habe daher keine Vergleichsmöglichkeit, aber wenn ich mir die Songs hier so anhöre, kann ich nicht begreifen, warum später alles noch dreimal remastert wurde.
Vom Inhalt her ist die CD leider identisch mit der LP von 1979. Es hätte sich angeboten, wenigstens "I have a dream" und "Voulez-vous" aus demselben Jahr noch mit draufzupacken (meinetwegen auch anstelle von "Rock me" und "Does your mother know", zwei ziemlich albernen Nummern). Wegen der Zusammenstellung also nur 4 Sterne. Lohnt es sich überhaupt, so viel auszugeben, wie mittlerweile für diesen Sampler verlangt wird? Ich würde empfehlen, stattdessen ein paar reguläre Studioalben als gebrauchte CDs aus der digitalen Steinzeit zu kaufen - "Arrival" und die letzten drei klingen angeblich auch ganz gut.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2014 10:30 PM CET


Indian Summer
Indian Summer
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 33,95

4.0 von 5 Sternen Unbekannter alter Kram, der unbedingt entdeckt werden muss (Folge 3952), 21. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Indian Summer (Audio CD)
Soll heißen: Wieder so eine obskure Prog-Rarität aus den besten Jahren, sprich von 1971. Und aus England, wie man sich denken kann. Indian Summer nahmen damals ihr einziges Album für das kurzlebige RCA-Tochterlabel Neon auf, das ebenso wie Vertigo dem anspruchsvollen bzw. experimentierfreudigen Rock-Nachwuchs eine Plattform bieten sollte. Rodger Bain, der schon das Debüt von Black Sabbath für Vertigo produziert hatte, saß auch hier an den Reglern und machte seine Sache gut. Leider hat es der Band nicht viel genützt - als Musiker waren Indian Summer den Konkurrenten von der Heavy-Fraktion zweifellos überlegen, andererseits fehlte ihnen wohl ein erfolgversprechendes "Alleinstellungsmerkmal".
Egal, heute zählt nur noch die Qualität dieser Longtracks, und die ist fast durchweg mehr als beachtlich. In den ausgedehnten Passagen ohne Gesang läuft die Band zur Höchstform auf und glänzt durch schwungvolles Ensemblespiel wie aus einem Guss, garniert mit herrlichen Solos von Gitarre oder Hammondorgel. Ab und an schwebt der warme Klangteppich eines Mellotrons unaufdringlich im Hintergrund - wahrlich der vertonte "Indian Summer": Der Name bringt die Stimmung auf den Punkt, die in solchen Momenten hervorgerufen wird. Sehr erfreulich.
Anders als die prominenten Zeitgenossen (Genesis, Yes ...) verzichtete man auf kompositorische Klimmzüge, dafür kommt eben das jazzig-groovige Element immer wieder zum Tragen. Nun könnte jemand vermuten, dass vielleicht der Sänger der Schwachpunkt dieser Band war - weit gefehlt. Bob Jacksons kehlige Stimme erinnert bisweilen an Steve Winwood; der Mann intoniert angemessen pathetisch, ohne sich lächerlich zu machen, und verfügt bei Bedarf auch über die spektakuläre "Ian-Gillan-Sirene". Ich finde nicht, dass er emotional viel rüberbringt, aber das soll kein Vorwurf sein.

Fazit: Schwachpunkt dieses Albums ist "Black Sunshine", ein schwerfälliger Song mit erratischem Zwischenspiel. Der Rest ergibt zwar kein epochales Meisterwerk, aber eine Dreiviertelstunde Musik ohne Durchhänger. Völlig in Ordnung ist auch die CD von Repertoire (1993) mit ihrem runden, weichen Sound - also gute 4 Sterne.


Der Spiegel
Der Spiegel

7 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen 218,40 Euro pro Jahr gespart, weniger Altpapier ... und andere gute Gründe, 30. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Spiegel (Zeitschrift)
Ich habe schon vor Jahren aufgehört, mir dieses Magazin (oder auch die Süddeutsche Zeitung) zu kaufen. Infos zum laufenden Euro-Wahnsinn, die im SPIEGEL stehen müssten, findet man mittlerweile sogar eher im Handelsblatt. Und wer sonst noch wissen will, wie unsere vermeintliche Demokratie wirklich tickt, sollte lieber die einschlägigen Bücher lesen - gibt ja inzwischen genug davon. Darin erfährt man erst von offiziell unerwünschten Tatsachen, welche die Massenmedien "mit Niveau" gehorsam totschweigen. Dass z. B. im maßlos verschuldeten Bremen der Rechtsstaat bereits vor einer hochgradig kriminellen Sippe mit "Migrationshintergrund" kapituliert hat, war dem SPIEGEL noch keine Zeile wert.
Tja, als Journalist mit guten Kontakten zur politischen und anderweitigen "Elite" und Blick auf die eigene Karriere weiß man heute ganz genau, wo strikte Selbstzensur geboten ist. Darüber kann auch der Umstand nicht hinwegtäuschen, dass es im SPIEGEL jede Woche kritische Artikel und Reportagen gibt - wobei sich diese auffallend oft mit Einzelschicksalen befassen und stark auf emotionale Betroffenheit abzielen. Auf Dauer müsste man ein Thema wie "Opfer der Justiz" aber viel gründlicher anpacken.

Was mich auch stört, sind die merkwürdigen Anpreisungen und Kampagnen, mit denen der SPIEGEL die Öffentlichkeit so gerne manipuliert. Da ermuntert man den Leserpöbel, seine Lebenszeit mit amerikanischen "Qualitätsserien" zu verplempern. Was soll das? Da wird einer vulgären Trulla wie Charlotte Roche oder dem selbsternannten Philosophen Richard David Precht (der nur anderer Leute Ideen verwurstet) zu einem Bestseller verholfen, Thilo Sarrazins neues Buch dagegen kurz niedergemacht und sein Millionenpublikum als krawallige Dumpfbacken hingestellt; da huldigt man wochenlang dem sentimentalen Freiheitsquatscher Joachim Gauck, um ihn ins höchste Amt zu befördern.
Nach Beginn des Ausuferns der sogenannten Euro-Krise war es so weit, dass sich mein Unbehagen in Fassungslosigkeit verwandelte: Der SPIEGEL ist seither zu einem Propaganda-Vehikel verkommen, das die Politik unserer Volksverräter (Dauer-"Rettung" einer zwangsverordneten Schrottwährung) verständnisvoll begleitet und vor allem durch die unsäglichen Artikel und Kolumnen in seiner Online-Ausgabe hemmungslos unterstützt - offenkundig, um die Bürger durch derartige Gehirnwäsche langfristig weichzuklopfen und auf bevorstehende Schandtaten einzustimmen.

Dabei haben sich Merkel und ihr grimmiger, finanzmarkthöriger Schwaben-Gollum längst als verblendete Fanatiker entpuppt, die sich aufführen, als wären sie wieder die Marionetten von Helmut Kohl. Zugunsten der "Euro-Rettung" pfeifen sie auf Demokratie, Verfassung und Souveränität und sind bereit, unser Land endgültig zu ruinieren. Ich werde wohl noch erleben, wie sich die gewissenlosen Abwracker ins größte Pensionärsparadies aller Zeiten verabschieden. Meiner Generation hinterlassen sie einen Scherbenhaufen, aber vor allem tun mir unsere Kinder und Jugendlichen leid. Die haben keine Ahnung, was auf sie zukommt - im SPIEGEL werden sie es auch nicht erfahren, denn dort betrachtet man sie nur noch als zahlenden Leser-Nachwuchs, den es frühzeitig zu ködern gilt.
Und was macht eigentlich die "Opposition" in Berlin? Weitestgehende Gleichschaltung ist angesagt, auch wenn hie und da gemault wird; wir sehen eine Versammlung kastrierter Politstatisten, die die fatalen Beschlüsse des Zentralkomitees zuverlässig abnicken. Statt nun dieses grauenhafte Schmierentheater mit aller Schärfe anzuprangern, beteiligt sich der SPIEGEL an der Mär von der Alternativlosigkeit und verbreitet Schreckensszenarien für den Fall eines Ausstiegs aus der Katastrophenwährung. Da freut sich doch das Eurokraten-Gesindel in Brüssel und Luxemburg, ganz zu schweigen von den unverschämten Vertretern der Bettelstaaten und den Chefs der globalen Finanzmafia!

Fazit: Ab und zu kann man ja in die Bücherei gehen und den SPIEGEL dort querlesen. Wenn einem dann beim Interview mit einem beliebigen Euro-Prediger wieder mal die Galle überläuft, einfach zurückblättern: Es werden immer noch Briefe von Lesern abgedruckt, die den saturierten Hamburger Meinungsmachern ein bisschen Kontra geben - nicht dass jemand auf die Idee kommt, wir hätten in Deutschland keine wirkliche Meinungsfreiheit ...


Electrip
Electrip
Wird angeboten von green-brain
Preis: EUR 17,00

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jazz? Rock? Psychedelische Kollektivimprovisation? Auf jeden Fall immer noch ein faszinierender Trip, 17. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Electrip (Audio CD)
Wir schreiben das Jahr 1969. In der Nachkriegs-BRD machen sich ein paar Bands mit reichlich komischen Namen auf, musikalisches Neuland zu erkunden, das kein vernünftiger Mensch je zuvor betreten hat. Sie heißen Can, Amon Düül, Amon Düül II oder eben Xhol Caravan. Ihre ersten LPs, die den Anfang einer eigenständigen jungen Szene markieren, tragen auch ganz komische Titel: "Monster Movie", "Psychedelic Underground", "Phallus Dei" und "Electrip". Jede davon sollte man wenigstens einmal gehört haben, wenn man sich für die Stunde null deutscher Rockmusik interessiert. Was man von diesem kuriosen Zeug mit Sicherheit noch öfter hören will? Ich sage: "Electrip", das Werk einer fast vergessenen Gruppe hoffnungsloser Hippies aus Wiesbaden, die drei Jahre lang zusammen kifften und musizierten. Bereits 1970 entstanden ihre letzten Studio- und Live-Aufnahmen, die aber erst ein, zwei Jahre später auf dem Ohr-Label erschienen (da hieß die Band nur noch Xhol). Im Rückblick ist klar, dass die Musiker mindestens eine solide Plattenfirma gebraucht hätten, um weitermachen zu können. Vielleicht wäre die Band einen ähnlichen Weg wie Can gegangen, hätte man sich professioneller verhalten und gelegentlich zum Komponieren aufgerafft.

Aber ob nochmal so etwas Großartiges wie "Electrip" dabei herausgekommen wäre? Allein die ersten drei Stücke verdienen mindestens 7,5 Sternchen. Es herrscht ein wunderbarer Flow, alle Beteiligten scheinen telepathisch miteinander verbunden zu sein. Die Musik wird von den zwei kompetenten Bläsern nie erdrückt, der emsige Schlagzeuger rackert mit jazziger Subtilität und lässt pausenlos die Becken zischen, auch der Mann an Orgel und E-Piano versteht sein Handwerk, ob er nun beiläufig mitgroovt oder solo spielt. Außerdem erzeugt er Intensität, indem er Töne einfach länger hält, wo andere Keyboarder schneller in die Tasten hauen würden - sehr ungewöhnlich. Aber alles wirkt organisch, und wenn die Improvisationen in einen rauschhaft-urwüchsigen Klangdschungel münden, nervt es niemals.

Das folgende "Raise up high" trägt nicht ganz so gut über die Gesamtlänge von knapp 18 Minuten. Es beginnt als Song; "Öcki" am Mikrofon gibt den aggressiven Mick Jagger und steigert sich in eine wahre Urschrei-Ekstase hinein, worauf sich die anderen Xholisten entsprechend austoben. Wow! Eine chaotische Free-Form-Passage schließt sich an, wird heftig und schrill, dann wird erst einmal die Bremse gezogen. Allmählich nimmt die Band wieder Fahrt auf, der stets präsente Bass tritt hier besonders hervor. Doch es kommt nicht mehr zu einem melodisch-gelösten Jamming, stattdessen wirbelt die Musik bald wie ein überdrehter Brummkreisel dahin - "rasender Stillstand" der bewusstseinserweiternden Art. Das Ende ist erreicht, als es nicht mehr "higher" geht (oder weil gleich die Instrumente auseinanderfallen). Dass danach jemand wie ein kleines Kind auf einem Cembalo herumklimpert, ist aus psychedelischer Sicht nur konsequent, genauso wie der Muezzin-Gesang auf "Walla Mashalla", dem kurzen, verhaltenen Schlusstitel.

Die feine CD von Garden of Delights (dickes Booklet; Sound ist authentisch, aber keineswegs dumpf) enthält zwei Bonustracks: eine Single, die Monate vor der LP erschien, als der Band noch ein Gitarrist und ein "richtiger" Sänger angehörten. Nicht schlecht, allerdings handelt es sich um herkömmlichen Soul und Blues, der eher auf die frühere Inkarnation der Gruppe namens Soul Caravan verweist.

Fazit: Eine Scheibe, die sich ohne weiteres unter Krautrock einsortieren lässt. Mancher mag diese Aufnahmen als konfus, schräg und veraltet betrachten. Von dilettantischem Geschrammel kann hier freilich keine Rede sein. Ich finde, "Electrip" schafft es wie kaum ein anderes Album, dass man sich wehmütig nach einer Zeit zurücksehnt, die man nie erlebt hat. Wer sich darauf einlässt, wird hoffentlich auch ein Lebensgefühl registrieren, das man in der heutigen Musik (um nicht zu sagen Gesellschaft) mit der Lupe suchen kann: Aufbruch, Freiheit, Spaß, totale Hingabe und "alles ist möglich".


Schwarze Hunde
Schwarze Hunde
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der ganz große Wurf, 20. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Schwarze Hunde (Taschenbuch)
... gelang dem Autor nicht mit diesem Roman. Doch Ian McEwan gehört eben zu jenen Vertretern "anspruchsvoller Gegenwartsliteratur", die von Berufskritikern routinemäßig bejubelt werden, auch wenn (oder gerade weil) sie in erster Linie ihre sprachliche und konstruktive Meisterschaft vorführen, wie es hier der Fall ist. Man muss McEwan aber zugutehalten, dass er im vorliegenden Werk ziemlich glaubwürdige, sympathische Hauptfiguren agieren lässt, anders als etwa im "Liebeswahn", einem spannenden, aber völlig grotesken Psychothriller zum Thema "Stalking". An dieses Buch musste ich denken, weil McEwan dort nochmals ein Motiv anklingen lässt, das in "Schwarze Hunde" das zentrale Thema darstellt: Zwei gegensätzliche Weltanschauungen prallen aufeinander, wobei die wissenschaftlich-rationale Denkweise dem Mann zugeordnet wird, während die Frau den spirituellen, intuitiven Standpunkt vertritt. So wie immer halt - umgekehrt wäre es doch mal originell. Der Ich-Erzähler Jeremy, Schwiegersohn der beiden entfremdeten Ehepartner, mag sich auf keine Seite schlagen und bekennt sich zur Macht der Liebe, die ihm eine Familie und damit sein Lebensglück bescherte, nachdem er jahrelang bindungsunfähig und vergeblich auf der Suche nach Ersatzeltern gewesen war.

Es fällt auf, dass der Autor mehrere Elemente einführt, die er dann später wieder aufgreift: Gewalt in der Familie, Auswirkungen des 2. Weltkriegs, Kommunismusbegeisterung in den 50ern versus Maueröffnung in Berlin. Dadurch erhält der Roman noch eine hintergründige Struktur und erscheint zugleich gewichtiger, als er tatsächlich ist. McEwan wollte zwar diverse zeitgeschichtliche Begebenheiten, Schauplätze und Lebensphasen einbeziehen, andererseits kein gewaltiges Familienepos schreiben. Ich finde, mit der Verdichtung hat er es übertrieben: "Schwarze Hunde" ist nur 220 schmale Seiten lang; da die Handlung mitsamt den Erinnerungen von Bernard und June aber einen Zeitraum von 43 Jahren umfasst, musste sich der Autor auf episodisches Erzählen beschränken. Die durchaus interessanten Figuren werden dabei zu wenig entwickelt, sie sind dem "Bauplan" und der Grundidee ihres Erfinders stets untergeordnet. Zum Schluss tauchen noch einmal die titelgebenden Tiere auf - "das Böse" in den Augen von June Tremaine erscheint nun gespenstisch überhöht als ewig drohende Heimsuchung im Bewusstsein des Erzählers. Sehr effektvoll, aber wie hätte McEwan diese Geschichte auch sonst zu Ende bringen sollen?

Fazit: Wer schon einmal in Südfrankreich war und die beschriebene Gegend aus eigener Anschauung kennt, kann dem Roman sicher noch etwas mehr abgewinnen. Außerdem bietet er genug Material für subtile Interpretationen, aber das überlasse ich doch lieber einem eifrigen Doktoranden der Anglistik.


2 (Expanded & Remastered)
2 (Expanded & Remastered)
Preis: EUR 7,97

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Band vergeudet ihr Talent: zu viele Songluschen und verquastes Kunstgewerbe, 17. April 2012
Rezension bezieht sich auf: 2 (Expanded & Remastered) (Audio CD)
Anfang der 70er Jahre waren Chicago wohl die populärste amerikanische Band im eigenen Land. Nicht ohne Grund: Auf der Bühne präsentierten sie sich verlässlich und spielfreudig, und die beiden Doppel-LPs aus dieser Zeit schienen alle Versprechen ihres erstaunlichen Debütalbums einzulösen, das auch heute noch hörenswert ist. Chicago wirkten auf den ersten Blick wie eine kraftstrotzende, vor Virtuosität und Kreativität nur so überquellende Jazzrock-Combo, die alle erdenklichen Stilvarianten locker beherrschte. Es ließ sich ja nicht nur das studentische Publikum davon beeindrucken, selbst dem Jazzmagazin "Down Beat" war das Septett eine Titelstory wert. Klar, hier waren endlich mal begabte Musiker am Start, die nicht durch Drogengeschichten und vorzeitiges Ableben auffielen. Drei der Jungs konnten singen, der Gitarrist hatte sogar eine Stimme wie Ray Charles und war auf seinem Instrument Jimi Hendrix ebenbürtig. Und die straffe "horn section" war nicht etwa zur Dekoration da, sondern integraler Bestandteil des Gruppensounds bzw. -konzepts. So weit, so gut. Es empfiehlt sich aber, diese frühe Phase genauer zu betrachten. Die Leute, die sich überhaupt noch an die Band erinnern, behaupten ja in der Regel: Chicago machten bis 1974 richtig gute Musik und verkamen dann allmählich zu routinierten Schnulzenlieferanten. So einfach ist es leider nicht. Ich würde manche spätere Mainstream-Nummer dem vorziehen, was auf "Chicago II" und "Chicago III" größtenteils geboten wird. Wo liegt nun das Problem?

Tatsache ist, bereits im Sommer 1969 - ein halbes Jahr nach "Chicago Transit Authority" und nach zahlreichen Auftritten - ging die Band voller Selbstvertrauen wieder ins Studio, um ein zweites Doppelalbum einzuspielen. Und es kam, wie es kommen musste: 67 Minuten überwiegend schwaches Songmaterial, große Ambitionen, "anspruchsvolle" Suiten und diverse Texte nach dem Motto "Wir haben der Welt was zu sagen". Dazu noch ausgefeilteres Gebläse, das Gitarre und Orgel massiv in die zweite Reihe verbannte. Kopfschüttelnd und orientierungslos bleibt man als Hörer zurück: Da gibt es Beiträge von Terry Kath wie "The road", eine reine Übung in Vertracktheit, und "In the country", das gut anfängt und dann zu einem souligen Brei aus Wechselgesang und "Iiiii doooo love you" mutiert, daneben Songs mit dem Charme verlängerter Reklamejingles wie "Wake up sunshine" und "Fancy colours" von Robert Lamm, dem produktivsten Songschreiber der Band, der außerdem das mehrteilige "It better end soon" beisteuerte. Das Stück selber scheint ebensowenig enden zu wollen wie der Vietnamkrieg, der im Text so vehement angeprangert wird. Prägende Zutaten sind hier ein dissonantes Stakkato-Riff, eine melodische Anspielung auf das Deutschlandlied und zunehmend wirre Flötentöne. Ich muss wohl nicht weiter erklären, warum "The unknown soldier" von den Doors oder "War pigs" von Black Sabbath die Jahrzehnte besser überstanden haben.

Immerhin schaffte es die Plattenfirma, aus dem ganzen Wust ein paar charttaugliche Singles herauszufischen. "25 or 6 to 4" und "Make me smile" (mit aufgesetzt wirkender Gospel-Inbrunst) sind allemal rockige Ohrwürmer, hinterlassen jedoch einen ruppigen, gehetzten Eindruck. Der verwaschene Klang macht die Sache auch nicht besser; dies betrifft leider einen Großteil des Albums. Der Vorgänger "CTA" klingt einwandfrei, aber in diesem Fall hat man für die Neuauflage anscheinend auf die falsche Quelle zurückgegriffen - so ein "Remastering" braucht niemand. Wer die Scheibe trotz allem unbedingt haben will, sollte lieber gleich in die teure Audio-DVD investieren. Zur Bewertung: Mehr als zwei Sterne sind nicht drin, der zweite gilt generell der instrumentalen Profiarbeit, einigen Passagen und Gitarrensolos zwischendurch, dem netten Einstand "Where do we go from here" von Peter Cetera und dem zeitlos schönen, von Bach inspirierten "Colour my world" (ebenfalls ein Hit).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 9, 2013 12:39 AM MEST


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