wintersale15_finalsale Hier klicken Karnevals-Shop Reduzierte Hörbücher zum Valentinstag Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip WSV
Profil für M. Robert Ganser > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von M. Robert Ganser
Top-Rezensenten Rang: 1.037
Hilfreiche Bewertungen: 783

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
M. Robert Ganser "robertissimo" (Apetlon, Burgenland)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-19
pixel
Crazy Horse
Crazy Horse
Preis: EUR 5,99

5.0 von 5 Sternen Was, die Begleitband vom Neil Young hat auch mal eine Wahnsinnsscheibe gemacht? Mit Danny Whitten!, 19. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Crazy Horse (Audio CD)
Crazy Horse, Begleitband von Neil Young - das dürfte man fast schon zur Allgemeinbildung rechnen, zumindest zur popmusikalischen. Aber Crazy Horse - auch ohne Neil Young mit eigenen Alben: Wie bitte? Geneigte Leser/innen dieser Rezension mögen das nicht als Vorwurf betrachten, hervorragendes Album machte die Band nur ein einziges, und 1971 ist lange her. Aber um diese Platte geht es hier.

Ralph Molina, der bei der letzten Tour im Sommer 2014 das letzte aktive Mitglied aus der Originalbesetzung der Gruppe gewesen, an den Drums; Billy Talbot, der aufgrund einer schweren Erkrankung nicht mehr live dabei war, am Bass; Produzent Jack Nitzsche, der auch als Producer einiger großer Neil Young-Alben Geschichte geschrieben hat, hier als Pianist Bandmitglied; an einer der beiden Gitarren Nils Lofgren, der damals bei der CBS/Sony einen Vertrag als Solokünstler hatte, und hier mit freundlicher Genehmigung seiner Firma mitspielte; als Co-Produzent der große Bruce Botnick, legendärer Klangmeister bei Elektra, vor allem durch seine Arbeit mit den Doors und Love berühmt; und dann noch ein Gitarrist, Sänger und Songschreiber namens Danny Whitten, der bald nach der Veröffentlichung dieses titellosen Debütalbums die Band verlassen musste, und nicht viel länger danach an den Folgen seiner schweren Drogensucht starb.

Dass diese Platte hervorragend ist, hat mehrere Gründe - ihre starken, süffigen Songs, die kongeniale Produktion, das traumhafte Zusammenspiel einer optimal besetzt wirkenden Gruppe. Aber es ist vor allem Danny Whittens Beitrag, der diesem Album Außergewöhnliches verleiht, und ich sehe diesen Tonträger daher als so etwas wie das Testament dieses Musikers, der ein sehr guter Sänger mit einer sonoren Stimme war, und mindestens einen Song hinterlassen hat, der Popgeschichte geschrieben hat: "I Don't Want To Talk About It", wenn Sie die Versionen von Rod Stewart und anderen groß finden (ich übrigens auch), dann hören Sie sich bitte das Crazy Horse-Original in der Spieldauer von 5:18 an, Sie werden es nicht bereuen. Und dann "Downtown", das sich auf dem 1975er-Neil Young & Crazy Horse-Opus "Tonights The Night" als Live-Version unter dem Titel "Come On Baby Let's Go Downtown" findet, fantastisch sind beide Versionen. "Look At All The Things", "Dirty, Dirty" und "I'll Get By" sind ebenfalls exzellente Stücke, Country-Rock mit Esprit, ohne Süßlichkeit, rau und herzlich, nicht ohne bluesigen Einschlag, vor allem dann, wenn Ry Cooder als Gastmusiker mit seiner Slide Veredelung betreibt. Doch auch der Rest der Platte ist erstklassige Musik, Songs von Nils Lofgren, Jack Nitzsche und auch Neil Young, der das urige "Dance, Dance, Dance" beigesteuert hat.

Crazy Horse's Debüt ist eine abwechslungsreiche, stimmige und hinreißende Platte mit herrlichen Songs, eines der ganz großen Alben dieses Genres der frühen Siebziger, mit schönem Zeitlosigkeitsappeal. Und eine Würdigung eines Musikers wie Danny Whitten, der nicht vergessen werden sollte.


Exquisite Corpse
Exquisite Corpse
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen ... und es begann doch mit einem Geniestreich!, 18. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Exquisite Corpse (Audio CD)
Single/Maxi/EP lauten die Angaben zu diesem Tonträger, und das verstehe wer will bei einer Spielzeit von rund 34 Minuten. Für mich ist das ein Full length Album, auch wenn es nicht als das verkauft wird.

Diese Anmerkung hat meines Erachtens eine Bedeutung hinsichtlich der Qualität des hier Gebotenen: Sechs Songs, drei davon fast sieben Minuten lang, die anderen drei zwischen vier und fünf Minuten. Und allen kann man anhören, dass das "California Girls"-Quartett die vier Jahre seit der Gründung (2004) sehr gut genützt hatte, und es eine kluge Entscheidung war, John Frusciante maßgebliche Aspekte der Produktion zu überlassen, besser hätte die Musik hier nicht klingen können, und der gute Mann erkannte wohl auch optimal, was die Musik dieser Gruppe braucht. So kam dann 2008 eine Platte auf den Markt, die besser als das zweifelsohne sehr gute offizielle Debütalbum "The Fool" war, weil hier kein Leerlauf war: "Stars" bringt einen verträumten, aber auch wieder elegischen Auftakt, und bei "Elephants" zeigt die Gruppe dann, was sie an gesunder Power bieten kann, eines der stärksten Stücke von Warpaint, wohl kein Zufall, dass es in ihrem Zugabenblock einen festen Platz hat. "Billie Holiday" ist eine bezaubernd schöne Ballade, die in ihren sieben Minuten aber auch die Differenziertheit der Warpaint-Musik gut hinüber zu bringen versteht. "Beetles" klingt bei oberflächlichem Hören wahrscheinlich eher zerfahren und chaotisch, wer sich die Nummer aber näher gibt, wird bald merken, dass hier eine geschickt aufgebaute Dramaturgie dahinter steckt. Was sich ähnlich auch von "Burgundy" und "Krimson" sagen lässt, verquer gebaute Songs, deren Schönheit sich so richtig entfalten dürfte, wenn man sich dieser Musik voll hin gibt.

Und sich dieser Musik hin zu geben lohnt sich, weil Warpaint selber musikalisch vorführen, was für Hingabe steht. Ein Tonträger ohne Schwachstelle, eine Platte, die schon sechs Jahre vor ihrem phänomenalen zweiten titellosen Album von 2014 klar machte, was hier an Großem zu erwarten war.


Original Album Series: The Wishing Chair / In My Tribe, Blind Man's Zoo / Our Time in Eden / MTV Unplugged
Original Album Series: The Wishing Chair / In My Tribe, Blind Man's Zoo / Our Time in Eden / MTV Unplugged
Preis: EUR 13,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahnsinnig … schöne Spätachtziger- und Frühneunzigerpopmusik, 13. Oktober 2014
„Zehntausend Wahnsinnige“ – was stellen Sie sich bei so einem Bandnamen an Musik und Optik (Aussehen der Band) vor? Möglicherweise nichts anderes als vor rund 30 Jahren, als diese 1981 in Jamestown im Bundesstaat New York gegründete Formation ihre ersten Platten machte, und es Radiomoderatoren gegeben haben soll, die schon beim Namen ausstiegen: Hardcore-Punk? Ordinärer Rap? Metal der extremeren Sorte? Und ein Outfit wie die Misfits oder Kiss vor ihrem Abschminken? Oder eine Band, die den Dead Kennedys Konkurrenz machen hätte können?

Wer ein bisschen hin hörte und hin sah, durfte sich überraschen lassen: Folk-Rock-orientierter Pop, flüssig gespielt, und die Musiker richtige Landeier, die optisch so wenig zu Popstars taugten, dass sich selbst professionelle Stylisten die Arbeit sparen konnten. Wobei da auch die Sängerin keine Ausnahme machte, das brave American Girl aus der Nachbarschaft, keine Rock-Wildkatze oder ähnliches. Eine biedere, kreuzbrave Gruppe also, derart lieb, dass man sie aufgrund ihrer Belanglosigkeit schon wieder vergessen konnte? Nein, das eben nicht: Groove, Swing, gute Power, und viel Charme, das stand sehr wohl für die ihre Musik, und ihre frühen Platten auf kleinen Labels waren verdiente Achtungserfolge, um hier nur an John Peel zu erinnern, der ihnen schon 1983 Aufmerksamkeit schenkte.

1985 war es dann so weit – ein Deal mit dem legendären Elektra-Label, und hier beginnt die Geschichte dieser Box, welche das gewaltige Hauptwerk dieser Gruppe enthält, nämlich die fünf großen Alben von 1985 bis 1993. Guter Sound (wenn auch kein spezielles Remastering) und keine Bonus-Tracks, üblich simple Ausstattung, und pro Album zahlt der Kunde bei einem Gesamtpreis von € 16,98 pro Scheibe ganze € 3,40, was in Anbetracht der Qualität der Musik fast schon geschenkt ist.

„Wishing Chair“ (1985) wurde von Joe Boyd produziert, und wem Namen wie Fairport Convention, Sandy Denny, Fotheringay, Nick Drake, Kate & Anna McGarrigle und schließlich auch Incredible String Band selbst nur ein bisschen etwas sagen sollten, und auch weiß, dass dieser Mann im selben Jahr auch „Fables Of The Reconstruction“ von R.E.M. produzierte, bei dem müsste es hier klingeln. Das Feeling edlen Folkrocks, wie man ihn von den Genannten kannte und liebte, war hier in die Achtziger transformiert worden, wie Fossilien aus den Spätsechzigern und Frühsiebzigern klangen diese jungen Amis nicht. Sängerin Natalie Merchant hatte von Anfang an bei dieser Band heraus geragt, ihre sanfte, schöne, aber niemals banale und doch auch immer wieder sonore Stimme prägte am stärksten das ansonsten von hellen Rhythmusgitarren und subtilen Keyboards bestimmte Klangbild. Die Rhythm Section sorgte für einen gesunden Drive, gehetzt oder aggressiv klang es aber keinen Takt lang, lasch genau so wenig, wie bei allen guten New Wave- und Achtziger-Popgruppen jener Zeit. „Scorpio Rising“ war ein fantastischer Song, wo die Gruppe auch ihre Rocker-Qualitäten überzeugend unter Beweis stellte, während die meisten anderen Nummern ruhiger und romantischer blieben. Insgesamt überzeugten aber alle 15 Songs. Die Charts blieben noch in weiter Ferne.

„In My Tribe“ (1987) war dann die Platte, die das änderte und ändern musste – weil sie wesentlich stärkere Songs hatte, und in Summe ein Geniestreich war, was auch der dynamischen Produktion von Peter Asher (u. a. Linda Ronstadt, in den Sechzigern eine Hälfte von Asher & Gordon) geschuldet war. Ein wahres Feuerwerk von Songs, die einen mitreißen und gefangen nehmen, und um einiges vielfältiger als die Vorgängerplatte, die Bandbreite reichte vom Riff-Rocker „Don’t Talk“ über sanft swingende Nummern wie „Like The Weather“ und „The Painted Desert“ bis zu hymnischen und sakral getönten Stücken wie „City Of Angels“ und „Verdi Cries“. Würde mich jemand fragen, welches Album ich auswählte, wenn die Diskografie dieser Gruppe auf eine Platte reduziert werden müsste, dann wäre es diese, weil ich „Don’t Talk“ und „City Of Angels“ für die absoluten Tracks im Gesamtwerk der Maniacs halte, den letztgenannten Song auch wegen seines herrlich sozialkritischen, die Herausforderung von Nächstenliebe und Weltethos deutlich ansprechenden Textes, und dabei Schuldzuweisungen vermeidend. Eines der ultimativen Alben von 1987 war es zweifelsohne auch.

„Blind Man’s Zoo“ (1989) war die in den Billboard Album Charts höchstplatzierte Platte, einmal noch tat Peter Asher seinen Job. Mit „The Big Parade“ gelang ihnen ein bezauberndes Rockpoem von seltener Intensität, dessen Text die soziale Ader gut erkennen und einmal mehr besonders gut die textlichen Qualitäten zur Geltung kommen ließ. Die Lyrics der Maniacs waren niemals banal, und ihre Melodien konnten immer wieder herrliche Ohrwurmqualitäten haben, man nehme hier nur „Dust Bowl“ oder das traumhaft schöne „Please Forgive Us“. Die beiden Schlussnummern „Hateful Hate“ und „Jubilee“ waren durch kammermusikalische Arrangements und eine sakrale Stimmung geprägt. Alles in allem eine starke und schöne, rundum exzellente Platte, auch weil die Songtexte einige Nuancen an Sichtweisen dazu gewonnen hatten, was beispielsweise bei „Jubilee“ deutlich wurde, wo umschrieben wurde, wie amerikanische Christen die Geschichte von Sodom und Gomorrha falsch auslegen können.

„Our Time In Eden“ (1992) ist neben „In My Tribe“ eines der beiden definitiven Alben der Gruppe, weil hier das Songwriting außergewöhnliches Niveau erreichte: Ob „Noah’s Dove“, „These Are Days“, „Stockton Gala Days“, „Jezebel“ oder „Circle Dream“, hier schafften es einfach alle Tracks, restlos zu überzeugen. Wie sich diese Platte zu ihrer Zeit zu behaupten wusste, verdient ein eigenes Lob, man war im Zeitalter des Grunge angelangt, Britpop und Postrock waren in den Startlöchern, die Maniacs aber dennoch keine Band von gestern. Paul Fox war inzwischen ihr Producer geworden und blieb es auch noch bei der im Folgenden genannten Liveplatte. Geprägt war diese „paradiesische“ Platte aber auch durch ein weniger „paradiesisches“ Ereignis: Natalie Merchant kündigte ihren Austritt aus der Gruppe und den Beginn ihrer Solokarriere an. Es war abzusehen, dass ohne diese Sängerin, Texterin und bei so manchen großen Songs auch alleinige Songschreiberin diese Band nicht mehr sein könnte, was sie war. Müßig zu sagen, dass „Our Time In Eden“ das letzte große Studioalbum der 10.000 Maniacs war, jedenfalls ein unheimlich starker Abgang!

„MTV Unplugged“ (1993) war eine der ersten Platten dieser heute legendären Serie und eine der besten, weil das akustische Instrumentarium, insbesondere die Streicher, die Ästhetik der Maniacs-Songs noch viel besser zum Ausdruck brachten. Die Songzusammenstellung ist bei solchen Konzertereignissen immer wieder eine Frage der eigenen Erwartungen, aber wenn man vom Fehlen von „City Of Angels“ und „Hateful Hate“ absieht, ist das hier im Großen und Ganzen ein „Best Of“-Programm. Und Natalie Merchants grandiose Abschiedsvorstellung, wobei nicht unerwähnt werden darf, dass ihre Mitmusiker ihre Sache mehr als solide machten und die Gruppe mehrere Mitglieder mit feinen Songschreiberqualitäten hatte. Aber unter den 14 Tracks war neben 13 eigenen Songs noch für eine Coverversion Platz: „Because The Night“ … ja, stimmt schon, Bruce Springsteen und Patti Smith, und diskutieren wir nicht groß, wer da die beste Version gemacht hat; die schönste ist zweifelsohne diese hier!

Ob es wirklich der irreführend wirkende Bandname war, der dieser Band den großen Durchbruch vereitelte, oder andere Gründe dafür verantwortlich zu machen waren, sei dahin gestellt. Klar ist und bleibt jedenfalls, dass die auf dieser Box versammelten Hauptwerke der 10.000 Maniacs zum Schönsten und Genussvollsten gehören, was zwischen 1985 und 1993 aus den USA an Pop- und Rockmusik gekommen ist. Und mit Lyrics, die kaum Konkurrenz hatten, weil christliche, insbesondere biblische Begriffe von Merchant immer wieder verwendet wurden, und einige Songtexte stark christliche Ethik durchklingen ließen, es aber niemals in Predigerton abglitt, und sich damit von den meisten christlich orientierten Pop- und Rockmusikern abzuheben wusste. Songtexte, die Freude am Leben und Hoffnung auf eine bessere Welt zum Ausdruck brachten, ohne mit Hedonismus oder Politphrasen etwas zu tun zu haben. Mit anderen Worten, diese Band war zu ihrer besten Zeit mit ihrer großen Sängerin und Songtexterin (deren Musikverlag wohl nicht zufällig Christian Burial Music hieß) wahrhaftig außergewöhnlich, und das in einem Ausmaß, wie man es nur von wenigen Pop- und Rockbands der späte Achtziger und frühen Neunziger gekannt hat. Ich beschließe diese Rezension mit denselben Worten, die Lemmy Kilmister nach der Auflösung der Ramones diesbezüglich der Nachwelt hinterließ: Don’t forget them! (Und genießen Sie diese Box, wenn Sie die fünf CDs nicht haben, hier ist jeder Cent gut angelegt!)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 1, 2014 10:16 PM CET


Blue Matter
Blue Matter
Preis: EUR 18,98

5.0 von 5 Sternen Opus Magnum dieser britischen Blues-Rock-Institution, 10. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Blue Matter (Audio CD)
Dass Savoy Brown eine der langlebigsten und produktivsten britischen Bands sind, lässt sich alleine durch einen Blick auf ihre Diskografie bestätigen. Und wenn Kim Simmonds nichts Übles passiert, feiert die Band 2016 ihren 50. Geburtstag. Als Liveband immer beachtlich, auf Platten oft nicht über dem guten Durchschnitt, wenn auch immer authentisch, hat ihre Diskografie nur ein paar echt herausragende Alben - "Hellbound Train" etwa, "A Step Further" (der Titel war Programm), "Raw Sienna" und teilweise auch "Looking In" (mit dem grandiosen "Leaving Again"), und dann ihre dritte Scheibe, die großteils Ende 1968 aufgenommen und im Frühjahr 1969 veröffentlicht wurde.

"Blue Matter" war das zweite Album mit Chris Youlden als Sänger und Texter, und hier erreichte der Mann künstlerisch seinen Zenit - die gemeinsam mit Simmonds geschriebenen Songs "Train To Nowhere" und "Tolling Bells" zählen zum Allerbesten, was die Gruppe jemals herausgebracht hat, die beiden weiteren Youlden-Nummern "She's Got A Ring In His Nose And A Ring On Her Hand" und "Vicksburg Blues" sind ebenfalls Blues-Rock der Extraklasse, ansonsten singt Youlden noch bei John Lee Hookers "Don't Turn Me From Your Door" und der Coverversion eines gewissen Titus Turner "Grits Ain't Groceries (All Around The World)", letztgenannter Song fehlt unerklärlicherweise beim AutoRip bzw. bei der MP3-Version. Die drei Live-Nummern, die das Album abrunden, wären durch Youldens Gesang veredelt gewesen, schade, dass er nicht dabei war, aber Lonesome Dave macht seine Sache ganz gut, und Simmonds Gitarre und überhaupt das gesamte Ensemblespiel gleichen wieder einiges aus. Die Band klang recht geschlossen, was bei den permanenten Besetzungswechseln in dieser Gruppe hier eine Erwähnung wert ist (zwei verschiedene Bassisten auf diesem Album, Pianist Bob Hall auf einigen Tracks dabei ... Simmonds war schon 1971 das letzte verbliebene Mitglied der Urbesetzung). Chris Youlden war ein leidenschaftlicher, technisch versierter, ungemein beseelter Vokalist, der von seinem Talent her das Zeug zu einer großen Solokarriere gehabt hätte, und als Songtexter mit guten Bluesklischees einfallsreich und originell umzugehen wusste. "Train To Nowhere" und "Grits ..." bewiesen, dass der Band Bläserarrangements gut stehen konnten, wofür auch Mike Vernon, der bedeutendste Blues-Rock-Produzent der späten Sechziger in GB, eine Qualitätsgarantie abgeben konnte. Bliebe noch der Abwechslungsreichtum und die stimmungsmäßige Vielfalt der Platte zu würdigen, monoton geht's hier nicht zu.

Sollte in ca. 5 Jahren jemand auf die Idee kommen, die 10 besten britischen Blues-Rock-Alben der Spätsechziger zu adeln, dann müsste diese Scheibe meines Erachtens auf jeden Fall dabei sein. Wenn nicht gar unter den ersten 5 ...


House on the Hill
House on the Hill
Preis: EUR 13,60

5.0 von 5 Sternen Der zweite Geniestreich dieser englischen Ausnahmeband, anno 1971, 6. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: House on the Hill (Audio CD)
Audience machten von 1969 bis 1972 vier Alben. Zwei davon, nämlich ihr titelloses Debütalbum und die letzte LP "Lunch" waren durchaus hörenswert, die erste aber zu unausgegoren und die letzte überproduziert und zum Teil mit schwächeren Songs versehen. Weil die Band aber ihre hohen Qualitäten hatte, lassen sich beide Scheiben durchaus gut anhören. Zur ersten Garnitur zählen allerdings die zweite Platte "Friend's Friend's Friend" (siehe Rezension), Ende 1970 erschienen, und die im Herbst 1971 veröffentlichte dritte LP.

Wie die Vorgängerplatte hatte auch die dritte Scheibe ein wunderbares Cover und war hervorragend produziert. Und die Songs waren einmal mehr grandios geschrieben und ausgeführt, wie schon der siebeneinhalbminütige Opener "Jackdaw" zu verdeutlichten wusste - Howard Werth' intensiver Gesang, Keith Gemmells Saxofon- und Flöten-Einsätze, eine überraschende (und bei Audience überaus seltene) Fuzz-E-Gitarren-Einlage, und ein Aufbau zwischen Folk, Boogie, Jazz-Rock und zarten Flamenco-Anklängen, ohne dass die Nummer auch nur einen Takt lang zerfahren wirkte. Die Musik von Audience hatte einen Fluss, klang organisch und harmonisch, und unterschied sich alleine aus diesem Grund schon erheblich von den meisten im Prog-Bereich angesiedelten Produktionen, die einem solchen Anspruch nur wenig gerecht werden wollten. Alle weiteren Stücke hatten die gleiche Qualität, eine ausgefallene Nummer war das Instrumental "Raviole", wo die Gruppe schön locker (im besten Sinne gesagt) ein klassisches Motiv interpretierte. Die restlichen sieben Tracks waren Songs, fantasievoll aufgebaute und charmant wie swingend gespielte, wie man es von dieser Gruppe gewohnt sein konnte. Darunter befand sich auch eine Coverversion, nämlich Screamin' Jay Hawkins' "I Put A Spell On You", herrlich verfremdet, aber nicht verhunzt. "I Had A Dream" war eine Ballade der Extraklasse, und das Titelstück zeigte einmal mehr die instrumentale wie emotionale Bandbreite dieser Gruppe.

Während der Produktion der Nachfolgeplatte "Lunch", die offensichtlich kommerzieller werden musste, weil "The House On The Hill" ein kommerzieller Flop war, verließ Gemmell die Gruppe, und bald nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums löste sich Audience auf. Was nichts daran ändert, dass mehr als vier Jahrzehnte später dieses Album noch genauso großartig ist wie 1971. Eine Platte zum Genießen mit hohem Zeitlosigkeits-Appeal.


Friend's Friend's Friend
Friend's Friend's Friend

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spritziger GB-Pop der Edelsorte, Jahrgang 1970, 5. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Friend's Friend's Friend (Audio CD)
Audience waren eine britische Band mit starkem Bezug zur Schweiz, und traten dort oft auf. Im damals populären und lesenswerten Musikmagazin "Pop" war öfter als einmal über sie zu lesen, und meine Erinnerung geht an einen Artikel, der um 1971 erschienen sein dürfte, wo die Gruppe ihre Definition von "Popmusik" zum Besten gab. Und das war echt urig: Nicht, was wahrhaftig unoriginell gewesen wäre, dass es sich hier um eine Formulierung von "populärer Musik" handle (was bis heute gängige Definition ist), sondern dass es an Popcorn angelehnt wäre, oder wie das Aufspringen der Körner sein solle, wenn es so richtig schön knackst beim Popcornmachen, und dann hat man was Heißes in der Hand, und gleich darauf im Magen ...

Audience veröffentlichten ihr zweites Album Ende 1970 auf dem Charisma Label, hatten mit ihren Labelmates Genesis wenig gemeinsam, mit Van der Graaf Generator noch weniger (trotz Saxofon), und auch mit Lindisfarne nicht viel. Schwermut war ihnen fremd, ihre Musik war von einer Fröhlichkeit und Unbeschwertheit, die es ansonsten in der damaligen Szene kaum gab, und wenn, dann rief der Prog-Freak gleich "Kommerz!" ... konnte das aber bei diesem Quartett nicht, denn ihre Stücke hatten Rhythmuswechsel, innerhalb einzelner Songs manchmal auch melodische Akzentuierungen, die jeden Primitivitätsvorwurf abweisen konnten. Mit einem Fuß standen sie im Prog, mit dem anderen im soliden Pop, und im Ganzen war ihre Musik spritzig, schwungvoll, charmant und mit einem Augenzwinkern gespielt.

"Friend's Friend's Friend" hatte eines der einfalls- und geschmackvollsten Fold-Out-Covers seiner Zeit (was bei den zahllosen Veröffentlichungen mit Klappcover in jenen Jahren schon bemerkenswert ist), die Platte war im Gegensatz zum Debütalbum grandios produziert, und während das anhörbare Debütalbum keinen einzigen herausragenden Song zu bieten hatte, ist auf dieser Platte ein jeder einer: "Nothing You Do" ist ein fetziger Aufreißer, eine Mitsinghymne im besten Sinn, und mit "Belladonna Moonshine" hebt die Gruppe dann ab, der schnelle Mittelteil ist mitreißend, und wie Howard Werth im Text die Geschichte eines armen Säufers erzählt, ist auch nicht schwach. "It Brings A Tear" ist eine mittelschnelle Ballade, die dann zum Höhepunkt des Albums führt, dem fast neunminütigen "Raid": Die ersten Minuten ein schnell gespielter Song, der dann mit langsamem Tempo in ein Instrumental übergeht, wo Saxofonist Keith Gemmell seine Improvisationsleidenschaft entfaltet, aber alles weit entfernt von prätentiösen Jazz-Rock-Exzessen der Frühsiebziger bleibt. Musik, die sich einfach genießen lässt, und die angenehm mitzureißen weiß. Die restlichen Stücke halten das Niveau, sind fantasievoll und zugleich ungemein locker ausgeführte Nummern, wobei das fünfeinhalbminütige Instrumental "Ebony Variations" eine Sonderstellung einnimmt, und sich besonders gut zeigt, wie Bassist Trevor Williams und Drummer John Connor gemeinsam mit Werths Akustikgitarre einen herrlichen, nur vordergründig simplen Rhythmus hinlegten, und Gemmell nicht nur mit dem Saxofon, sondern auch mit der Flöte virtuoses Gehabe vermied, und stattdessen auf beste Art und Weise zu unterhalten verstand.

Und die Musik von Audience war Entertainment im besten Sinne. Macht viereinhalb Jahrzehnte später nicht weniger Spaß als damals, diese spritzige Mixtur aus Rock, Folk und Jazz. Eine Platte wie ein guter Freund, um es in Anlehnung an den Albumtitel zu sagen.


The Beau Brummels
The Beau Brummels
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Abschiedswerk einer der unterbewertetsten Popgruppen aller Zeiten, 5. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Beau Brummels (Audio CD)
Bands und Solisten, die ungleich mehr Erfolg verdient hätten als sie tatsächlich hatten, bietet die mittlerweile 60-jährige Pop- und Rockgeschichte en masse. Das ist zunächst nur logisch, weil es immer mehr als erstklassigen Platten und Live-Acts gab als Plattenkäufer und Auftrittsmöglichkeiten sowie Konzertbesucher. Diesbezüglich Kriterien mit dem Anspruch auf weitgehende Objektivität zu entwickeln ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Dazu kommt, dass so manche Unterbewertete von der Geschichte gemacht werden, mit anderen Worten, über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte immer wieder Kultstatus haben, auch wenn das nicht viel mit Verkaufszahlen und Unmengen von Konzertbesuchern zu tun hat.

Die Beau Brummels werden dahingehend seit Jahr und Tag in wahren Kennerkreisen genannt, und einen Status kann ihnen schon seit 1965 niemand nehmen: Diese Band aus San Francisco, ursprünglich ein Quintett, war plattenmäßig die allererste Antwort auf die "British Invasion", also auf das Auf-den-Kopf-Stellen der amerikanischen Musikszene durch die Beatles, Stones & Co. Mit Ausnahme der Beach Boys, die sich bald aber auch künstlerischer entwickeln sollten ("Pet Sounds"!), wurde im Laufe des Jahres 1964 alles anders, und ein paar Monate vor dem bahnbrechenden Debüt der Byrds aus L.A. hatte die erste bedeutende Gruppe aus der zukünftigen Hippie-Metropole Frisco ein Debütalbum mit schönen und swingenden Pop- und Rocksongs am Markt ("Introducing ..."). Ein paar Monate später schoben sie ihr Meisterwerk "Volume 2" nach, die beiden LPs boten ein paar mittlere Hits, und die Plattenfirma dachte 1966 dann, dass ein Album mit Coverversionen den gewünschten großen Erfolg bringen würde. Das Gegenteil war der Fall. 1967 dann eine wunderschöne Psychedelic-Folk-Pop-Platte ("Triangle"), der der Erfolg genauso verweigert blieb wie das 1968er Opus "Bradley's Barn", einem der allerersten Country-Rock-Alben. Zu jenem Zeitpunkt war die Gruppe auf ein Duo geschrumpft, aber es waren die beiden Musiker, welche die Gruppe immer maßgeblich ausgemacht hatten, nämlich Gitarrist und Hauptsongschreiber Ron Elliott und Sänger Sal Valentino. Letztgenannter war mit einer außergewöhnlichen Stimme gesegnet und zählt zu den allerbesten, und, ja, einmal muss man es noch sagen, unterbewertetsten Vokalisten, die es im Pop und Rock jemals gab. Elliott hatte das Talent zum Verfassen von Liedern in bester Buddy Holly- und Lennon-McCartney-Tradition mit solidem Folk-Feeling, die Gruppe als Ganzes spielte nicht nur traumhaft gut zusammen, sondern wusste vokal auch durch mehrstimmige Gesangssätze zu begeistern. Die Beau Brummels klangen meistens wie eine grandiose Kreuzung zwischen den Beatles und den Byrds in jenen Jahren, und warum sie beim breiten Publikum so durchfielen, zählt zu den großen Geschichten unerklärbarer Erfolgslosigkeit.

Valentino und Elliott ließen es nach dem Flop von "Bradley's Barn" gut sein, wobei Elliott danach immerhin die Ehre hatte, für die Everly Brothers Songs zu schreiben. Ganz war das Kapitel aber doch noch nicht abgeschlossen: Auf den Monat genau 10 Jahre nach ihrem Debütalbum, nämlich im April 1975 veröffentlichten sie ihr Reunion-Werk mit dem schlichten Titel "The Beau Brummels", der Quartettbesetzung gehörten neben Valention und Elliott Drummer John Petersen und Bassist Declan Mulligan, beide von der Originalformation, an. Das einzige Beklagenswerte an diesem Album war wohl die bescheidene Spielzeit von 31 Minuten, ansonsten aber ließ die Platte keine Wünsche offen: Mit Lenny Waronker und Ted Templeman hatte das Album prominente wie exzellente Produzenten, die von ihrer Arbeit mit Little Feat, den Eagles und Randy Newman (und noch einigen anderen mehr) her bekannt und geschätzt waren, und man hätte annehmen können, dass die Zeit nun für diese Gruppe reif gewesen wäre. Aber nein, diese zehn hinreißenden, in grandioser Poptradition gespielten Songs blieben in den Plattenregalen liegen. "Tell Me Why" war ein Remake ihres 1965er-Glanzstücks "You Tell Me Why" von "Volume 2", es ließ sich gut hören, was sich in diesen zehn Jahren an Aufnahmetechnik entwickelt hatte, die weiteren neun Songs waren aktuellen Datums, hervorheben lässt sich keiner, sie sind alle von so hohem Niveau, dass diese Platte meines Erachtens als eines der 10 besten Pop- und Rockalben von 1975 betrachtet werden kann. Edler Softrock mit subtilem Folk- und Country-Touch.

Mit diesem Produkt endete die Geschichte einer der edelsten Verlierer der gesamten Popgeschichte. Die Ehre, dass dieses Album fast vier Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung nicht das Geringste von seiner Qualität verloren hat, bleibt aber. Und das mag irgendwie dann doch wieder mehr wert sein als ein paar Platinalben.


Wintertochter
Wintertochter
DVD ~ Nina Monka
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellenter deutscher Spielfilm ... mit Ursula Werner, 5. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Wintertochter (DVD)
Selten gelingen Spielfilme, die Kinderprobleme thematisieren, derart gut, wobei es hier nicht nur die Geschichte ist, die den Film so gut werden lässt. Es ist ein Roadmovie mit Herz und Hirn, die Kameraarbeit verliert sich nicht in Perfektionismen, sondern bringt zur Geltung, was gesagt sein will und soll. Weiters gehört zu einem so guten Film auch ein erstklassiges Drehbuch und kompetente Regiearbeit, was beides hier geboten wird, alleine schon durch die Verknüpfung der beiden verschiedenen, aber doch wieder von gleicher Intensität getragenen Sehnsüchte beider Personen. Und last but not least die passenden Schauspieler, und auch die hat man hier: Nina Monka spielt ihre Rolle überaus authentisch, auch die Rollen der weiteren Darsteller sind sehr gut besetzt.

Es ist aber Ursula Werner, die dem Film besondere Qualität verleiht: Wie sie die alte Frau spielt, die mutig die Reise in ihre Vergangenheit antritt, die den schweren, aber auch unverzichtbaren Weg in die wohl entscheidendste Phase ihrer Lebensgeschichte geht, kann einen unmöglich kalt lassen. Dabei schafft es nicht nur Werner, sondern auch der ganze Film, dem Abgleiten in ein Melodram zu entgehen. Eine hochrespektable Leistung!

Mir ist es ein persönliches Bedürfnis, das hier in Bezug auf Ursula Werner zu schreiben, und zwar im Zusammenhang mit meinem Verriss von "Wolke 9". Dort hatte diese Schauspielerin kaum die Möglichkeit, ihr Talent unter Beweis zu stellen, die Gründe dazu habe ich in meiner Rezension zu besagtem Film angeführt. In diesem Film hier hat sie diese Chance und nützt sie bestens. Was einmal mehr die Theorie bestätigt, dass gute Schauspieler alleine noch keinen guten Film ausmachen können, wenn vom Buch und von der Regie her nur wenig Qualität kommt.


Projections Mono Limited Edition CD
Projections Mono Limited Edition CD
Preis: EUR 22,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Blues-Rock-Meilenstein, NYC 1966, 4. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für diejenigen, die diese Platte kennen (und dann wohl auch lieben), und einfach nur wissen wollen, was diese Edition klanglich und verpackungsmäßig zu bieten hat, kurz und schmerzlos erklärt: Schöner, sauberer und kräftiger Mono-Sound, der dafür Verantwortliche heißt Bob Irwin, von Sundazed ein geschmackvolles und informatives Coversleeve, die CD selber wie einst das Etikett der Verve-LP aus 1966 mit der Bestellnummer FTS-3008. Noch Fragen?

Wenn Sie nicht wissen, mit welcher Platte Sie es hier zu tun haben, erkläre ich es Ihnen gerne: Einer der größten Plattenproduzenten der Sechziger, Tom Wilson, hatte für MGM/Verve ein paar Alben mit neuartiger Pop- und Rockmusik zu liefern. Und 1966 sollte sein besonderes Glücksjahr werden: In Los Angeles hatte er eine Gruppe entdeckt, die bis dahin Ungehörtes (und auch Unerhörtes) zum Besten gab, sich Mothers Of Invention nannte, geführt von einem gewissen Frank Zappa, und während man damals seine Plattenkarriere noch mit einer Single anfangen musste, gelangt es Wilson, die Plattenfirma davon zu überzeugen, dass es mit einem Doppelalbum auch ginge! Anschließend widmete sich Wilson einer ähnlich ungewöhnlichen Gruppe in New York, die sich The Velvet Underground nannte, ebenfalls ein Debütalbum, wo gegenüber der Plattenfirma Überzeugungsarbeit zu leisten war, und die Platte mit der Banane kennt heute jeder. Nicht aber die dritte LP, die Wilson für Verve in jenem Jahr machte. The Blues Project waren mit den Mothers und mit den Velvets auch nicht direkt zu vergleichen - fast spießbürgerlich wirkten sie im Vergleich zu diesen beiden Wahnsinnspartien, nicht nur von der Optik her, die fünf liebenswürdigen New Yorker jüdischer Herkunft, die im Gegensatz zu den Velvets ihre Instrumente ordentlich spielten. Also eine zwar begabte, aber doch auch wieder uninteressante, weil nur brave Band? Eben nicht.
"Projections" ist das einzige Studio-Album der Blues Project in ihrer klassischen Besetzung, und das einzige, das wirklich hervorragend ist und die Jahrzehnte locker überdauert hat. Keyboarder Al Kooper war schon durch seine Zusammenarbeit mit Bob Dylan zu verdienter Berühmtheit gelangt, Danny Kalb hatte sich als technisch überaus versierter Bluesgitarrist schon einen guten Namen gemacht, Gitarrist Steve Katz, Bassist und Flötist Andy Kulberg und Drummer Roy Blumenfeld waren ebenfalls überdurchschnittlich gute Musiker, und als Gruppe spielten sie fantastisch zusammen. Und sie waren mehr als eine Bluesband - sie machten den einen oder anderen Abstecher in Richtung Folk-Rock, frühen Country-Rock, ja sogar Jazz-Rock. Ihr im Frühjahr 1966 erschienenes Debütalbum war eine Live-Platte, ihre dritte LP auch ("Live At The Cafe Au-Go-Go" bzw. "Live At Town Hall"), dann zerbrach diese Besetzung, die in anderen Formationen aufgenommenen Alben hatten dieses Niveau nicht mehr annähernd.

Was "Projections" so außergewöhnlich macht, sind seine Stücke und deren Zusammenstellung. "I Can't Keep From Crying" eröffnet die Platte, eine heiß kochendes Blues-Rock-Feuerwerk mit süffiger Orgel, scharfen Licks von Kalb, von Al Koopers Gesang akzentuiert. Diese Nummer zeigt gleich, wie einfallsreich und zugleich einfühlsam diese Band alte Bluesnummern (diese hier stammte von Blind Willie Johnson) bearbeiten konnte. Nur vier der neun Stücke dieses 50 Minuten langen Albums sind Eigenkompositionen, davon drei von Kooper und eine von Katz: "Steve's Song" ist einer der absoluten Höhepunkte nicht nur dieses Albums, sondern des ganzen Repertoires der Band, und ein zeitlos brillantes Liebeslied: Nach einer bezaubernden instrumentalen Einleitung singt Katz in seiner dunklen Stimme von seiner Beziehung, kontrastiert durch eine sonore Orgel und getragen von einem Bassriff, das alles zusammen hält. Dann gibt fetzigen Rhythm and Blues, Chuck Berry's "You Can't Catch Me" steht am Programm, den Rest der damaligen A-Seite der LP füllte ein Track mit Spieldauer 11:20: "Two Trains Running" von McKinley Morganfield, besser bekannt unter dem Namen Muddy Waters. Wie Koopers Orgel und Kalbs Gitarre und Gesang ein simples Riff über 11 Minuten lang variieren, und von zarten und leisen Stellen bis zu wuchtigen und lauten alles aufbieten, ohne dass es in überlanges Jam ausartet, ist immer wieder hinreißend anzuhören.
Mit "Wake Me, Shake Me" wurde im seligen Vinyl-Zeitalter die zweite Seite eröffnet, eine Al Kooper-Rocknummer mit Soul-Touch, was auch der treibende Bass unterstreicht. "Cheryl's Going Home" ist mit zweieinhalb Minuten der kürzeste Track und ist eine flotte Version eines Folksongs von Bob Lind, wieder dominiert Katz' Stimme und Koopers Orgel ähnlich wie bei "Steve's Song", das Stück hat im Ganzen fast schon Country Rock-Flair. Und dann kommt früher Jazz-Rock, ruhig und sanft dahin swingend, eine Instrumentalnummer, deren Thema eine Flöte anspielt und variiert, deshalb heißt die Al Kooper-Komposition auch so: "Flute Thing", Andy Kulbergs dicke musikalische Visitenkarte auf diesem Album. Danny Kalb wiederum glänzt mit der Version von Jimmy Reeds "Caress Me Baby" als Sänger und vor allem als Gitarrist - was er in diesen 7 Minuten heraus lässt, deutet schon an, was bald einmal von Eric Clapton, Rory Gallagher und vielen anderen kommen wird. "Fly Away" beschließt die Platte, ein schöner und schwungvoller Folk-Rock-Song von Al Kooper, geprägt von seiner Stimme und Akustikgitarrensound mit Mundharmonika.

Warum diese fantastische Platte die Musikwelt nicht auf den Kopf gestellt hat, mag seine Gründe haben, vor allem jenen, dass die Blues Project Frühstarter waren, und dieses Album für einen ganz großen Erfolg musikalisch wohl zu komplex war. Jedenfalls war es viel mehr als Blues-Rock. Und wenn dieses New Yorker Quintett auch keine solche "Freak Show" wie die beiden oben erwähnten Labelmates waren - eine innovative und wegbereitende Gruppe in der Pop- und Rockgeschichte der zweiten Hälfte der Sechziger waren sie mit Sicherheit genauso. Für mich ist "Projections" 48 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung der gleiche Hörgenuss wie zu früheren Jahrzehnten - ein Klassiker und Meilenstein eben ...


Eight Miles High/Makes No Sense At All (Single)
Eight Miles High/Makes No Sense At All (Single)
Preis: EUR 3,96

5.0 von 5 Sternen Eine der phänomenalsten Coverversionen der Rockgeschichte, 3. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die 80er Jahre waren für diejenigen, die sich auskennen und sich die Mühe machten und machen, sich auch weit abseits der Charts (die aber auch so manche große Musik zu bieten hatten) nach erstklassiger Pop- und Rockmusik umzusehen, ein gewaltiges Jahrzehnt. So manche Musiker, die das mit zu verantworten hatten, sind heute nur noch Insidern bekannt. Wozu auch dieses fantastische Trio aus Minneapolis zählt, das heute kaum jemandem mehr etwas sagen würde, gäbe es nicht gelegentliche Erwähnungen durch Alternative Rock-Größen wie die Foo Fighters und die Pixies, die gerne zugeben, dass sie ohne diese Gruppe nicht geworden wären, was sie sind.
1984 hatten Hüsker Dü mit ihrem außergewöhnlichen Doppelalbum "Zen Arcade" auf dem SST-Label verdiente Aufmerksamkeit erlangt, und Ende jenes Jahres brachten sie eine Single auf dem Markt, deren A-Seite die Coverversion einer damals 18 Jahre alten klassischen Byrds-Nummer war: "Eight Miles High", bei den Kaliforniern um Roger McGuinn und Gene Clark ein traumhaft schöner, swingender Folk-Rock-Song mit psychedelischem Touch, wurde hier zu einer brutal hin gesägten und gebrüllten Hardcore-Attacke, ohne aber die Melodiösität des Originals zu zerstören. Ein Musterbeispiel, wie sich ein Musikstück in eine andere Zeit transformieren lässt, ohne das Original zu beschädigen, zugleich aber voll in der Zeit bleibt, in die es gehört. Und die 80er hatten an Hardcore und Punk nicht wenig Großes zu bieten, vor allem aus den USA. Was die Band live los ließ, zeigt der zweite Track hier, die damalige B-Seite "Masochism World", eine Lärmorgie mit Niveau.
Hüsker Dü wurden nicht leiser und auch kaum ruhiger, aber melodiöser in den folgenden Jahren. "Makes No Sense At All" war der Ende 1985 erschienen LP "Flip Your Wig" ausgekoppelt, nicht aber das nicht einmal zwei Minuten kurze, ausgesprochen smarte "Love Is All Around", nochmal eine Coverversion (nein, nicht von den Troggs, Sonny Curtis heißt der Autor).
Gut, dass es diese beiden wunderbaren Singles auf diese Art und Weise gibt, Rockjuwelen wie diese sollen nicht in Vergessenheit geraten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2015 12:52 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-19