Profil für M. Robert Ganser > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von M. Robert Ganser
Top-Rezensenten Rang: 1.201
Hilfreiche Bewertungen: 439

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
M. Robert Ganser "robertissimo" (Apetlon, Burgenland)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13
pixel
Metal Machine Music
Metal Machine Music
Preis: EUR 5,16

3.0 von 5 Sternen Irres Experiment, aber mit heutigen Hörgewohnheiten gehört nicht so übel, 7. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Metal Machine Music (MP3-Download)
Drei Sterne - ich dürfte zu den Wenigen gehören, die diese seit bald 40 Jahren heftig umstrittene Scheibe so beurteilen, da dieses Produkt seit seinem Erscheinen entweder (meistens) verdammt oder (recht selten) als verkannter Geniestreich gefeiert wird.

Wäre dieses Album zwischen 1971 und 1974 auf einem der Labels von Rolf-Ulrich Kaiser erschienen und statt Lou Reed der Name einer obskuren deutschen Band auf der Hülle gestanden, würde man es heute wahrscheinlich als Krautrockklassiker feiern. Aber bei einem Musiker, dem man 1975 als Solist - die kaum überschätzbaren Velvet Underground-Verdienste braucht man hier gar nicht zu erwähnen, das erübrigt sich wohl - Songs wie "Walk On The Wild Side", "Satellite Of Love", "Perfect Day" und nicht wenige weitere große Meisterwerke an Liedern zu verdanken hatte, fand man es einfach nicht witzig, 64 Minuten lang Geräuschorgien zu lauschen. Was den guten Mann tatsächlich zu diesem Werk veranlasst hatte, wird nach seinem Ableben im Vorjahr wohl für immer unbeantwortet bleiben, aber die Theorie, dass er damit seinen Vertrag mit RCA beenden wollte, scheint mir durchaus glaubwürdig, was ja auch durch die Unverkäuflichkeit dieses Doppelalbums schnell unter Beweis gestellt war.

Andererseits: Wer gut mit verfolgt hat, was in den letzten Jahrzehnten alles an neuer Rockmusik gekommen ist, ob jetzt Sonic Youth, Radiohead, Tortoise und viele andere in ihren experimentellsten, musikalisch extremsten Phasen, davor in den 80ern schon der Industrial, wird das alles nicht ganz so extrem erleben. Ich habe kürzlich bei einer langen Autofahrt auf einer Autobahn sowohl Coltranes "Ascension" als auch die Hälfte von "Metal Machine Music" gehört, das passte nicht schlecht zusammen. Mit Kopfhörern habe ich mir einen Track gegönnt, war schon ein faszinierendes Erlebnis, zumindest wenn man in der richtigen Stimmung ist. Wem nach schöner und melodiöser Musik ist, der wird wahrscheinlich auch anno 2075 noch nicht zu dieser Scheibe greifen. Was ja auch wieder irgendwie für dieses Werk spricht.


Elvis Presley-15 Original Albums
Elvis Presley-15 Original Albums
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 14,88

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Preiswert, außergewöhnlich und zeitlos! He's still the King!, 7. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Elvis Presley-15 Original Albums (Audio CD)
Wer Originalalbumcovers braucht, muss sich woanders bedienen, da gibt es genug andere CD-Angebote, und Booklets braucht auch niemand erwarten. Wenn man das weiß und sich damit begnügt, dass auf der Vorderseite der CD-Papphülle das Originalalbumcover klein abgebildet ist, auf der Rückseite der Hülle die Songtitel der jeweiligen LP aufgelistet sind, und danach die Bonus Tracks, weiters mit der Angabe der Gesamtspielzeit der CD zufrieden ist (weil die bei den einzelnen Songs nicht angegeben sind), aber dafür bei den Bonus Tracks die Bestellnummern der Sun Records-Singles angeführt kriegt, bei jedem Bonus Track wie auch bei jeder LP das Erscheinungsjahr erfährt und last but not least auch noch über (amerikanische) Chartplatzierungen informiert wird, der kann mit zwei Händen zugreifen bei diesem Preis! Zumal auch die Klangqualität keine Wünsche offen lässt, sehr gutes Remastering!

Irreführend ist die 15 Albums-Angabe und auch die falsche Angabe des Covers der "Elvis is back!"-LP aus 1960 (CD 8), da aber die weiteren 5 Alben Compilations waren, und deren Non Album-Tracks wiederum bei den Bonustracks aufscheinen, passt die Sache wieder.

Und die Musik passt 100 %ig, was soll man da eigentlich noch sagen? "That's All Right, Ma" und "Blue Moon of Kentucky", die erste Single auf Sun, feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag, und ich bin und bleibe ein Vertreter dieser Geschichtstheorie, dass mit dieser Scheibe die Geschichte des Rock'n'Roll und damit ein neues Zeitalter der populären Musik begann. Noch im selben Jahr legte er mit dem unvergessenen und genialen Producer Sam Phillips "Good Rockin' Tonight" und "I Don't Care If the Sun Don't Shine" nach, der Rest ist große Musikgeschichte. Einer der allergrößten Sänger der ganzen Pop- und Rockgeschichte, der in einer Bandbreite von "Jailhouse Rock" bis "Love Me Tender" grandios alles meisterte. Wer Ohren hat, soll (weiterhin) hören. Die Box liegt bei langen Autofahrten in meinem Wagen griffbereit ...


Let It Fly
Let It Fly
Preis: EUR 16,32

5.0 von 5 Sternen Edles Spätwerk, und macht so nebenbei die komplette Eagles-Diskografie überflüssig, 1. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Let It Fly (Audio CD)
Was soll das heißen, die ganze Eagles-Diskografie überflüssig machen? Das lässt sich am besten damit beantworten, was die Dillards von 1968 bis 1973 auf den Plattenmarkt warfen - vier große Alben, die kein Mensch kaufte, aber zum Besten gehörte, und bis heute gehört, was seinerzeit unter dem Begriff "Country-Rock" existierte, weil die Dillards außergewöhnliche vokale und songschreiberische Qualitäten hatten, ein Gefühl für erstklassige Covers und auch überdurchschnittlich begabt in instrumentaler Hinsicht waren. Und Power wie Charme hatten sie auch. Eine Schande und gewaltige Unverständlichkeit, wie eine solche Gruppe, ähnlich wie die Flying Burrito Brothers (die von 1968 bis 1972, bitte), beim breiten Publikum durchfallen konnte.
1972 starteten ein paar vergleichsweise eher mittelmässige Countryrocker mit gefälliger Musik, zweifelsohne guten, aber keineswegs sensationellen vokalen Qualitäten, hatten ein fähiges Management, und coverten einen Jackson Browne-Song wie "Take It Easy" so, dass er ein großer Hit werden musste, und mit der Karriere ging es steil bergauf. Ein paar Jahre später sollten die das "Hotel California" besingen, und die Welt kapierte nicht, dass das eine Hommage an den kalifonischen Obersatanisten Anton de la Vey war, und man kapierte es auch deshalb nicht, weil die Eagles als "Bubblegum-Version von Jackson Browne" (Lester Bangs, ein großer amerikanischer Musikjournalist, der die Eagles nicht ausstehen konnte) galten. Wie auch immer, musikalisch waren die Dillards immer das, was die Eagles werden hätten können und nie waren, aber erkannt hat es niemand.
Während die Eagles Dollarmillionen scheffelten, zogen sich die Dillards zurück, und tauchten erst in den späten Achtzigern wieder auf. Dieses Album wurde 1990 aufgenommen und veröffentlicht, produziert hatte es Herb Pedersen, der der Gruppe auf deren beiden ultimativen Alben "Wheatstraw Suite" und "Copperfields" angehört hatte. Die Dillards bestanden zu diesem Zeitpunkt aus ihren drei Stammmitgliedern Rodney Dillard, Dean Webb und Mitch Jayne, viertes Bandmitglied war Steve Cooley am Banjo und einigen Gitarren. Aufgenommen wurde in der alten Heimat Missouri, gemastered in L.A., und geboten wird 40 Minuten Country, Bluegrass, Rock und Pop von zeitloser Schönheit und Brillanz, in 12 Songs gegossen. Einen davon, nämlich "Close The Door Lightly", gab es bereits auf "Copperfields" anno 1970, was die Gruppe zur Neuaufnahme bewog, erscheint unverständlich, weil beide Versionen gleich gut sind. "Let It Fly" ist im Großen und Ganzen ein Coverversionenalbum, ganze drei der zwölf Songs stammen von Bandmitgliedern, aber es sind ausnahmslos erstklassige Kompositionen, die durch die grandiose Interpretation zu Juwelen werden, um nur "Ozark Nights" (von einem gewissen Jim Ratts) und "Big Ship" (Daniel Moore heißt hier der Autor) als zwei von mehreren Beispielen zu nennen, der soeben genannte Moore schrieb übrigens auch den Titelsong. Es war immer das besondere Talent der Dillards, aus einem Songs das Optimale herauszuholen, und so verwundert es nicht, dass ihre Version von Dylans "One Too Many Mornings" zu einem außergewöhnlichen Stück Musik gerät. Sollte es eines Tages Charts der besten Dylan-Covers geben, so würde dieser Track sicher eine Top Ten-Platzierung verdienen. Erwähnt muss noch die Schlussnummer "Wizard Of Song" werden, einer Eigenkomposition, wo die Gruppe sich selber und zugleich die Country-Radio-Szene auf die Schaufel nimmt.

1990 hörte man alles Mögliche, solche Musik aber am wenigsten. Was an der Brillanz dieser Platte aber nichts ändert, alleine schon, weil sie zeitloser und schöner ist als das Meiste, was damals im weiten Feld von Pop und Rock heraus kam, was sich ein Vierteljahrhundert später noch besser feststellen lässt als seinerzeit.


Libertatia
Libertatia
Preis: EUR 14,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Freiheit, die Pop anno 2014 meinen soll!, 31. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Libertatia (Audio CD)
Nach "DMD KIU LIDT", das leider wesentlich mehr ein Kritiker- als Verkaufs-Erfolg war (wobei gegen das Erstgenannte nichts zu sagen ist, aber das Zweitgenannte wäre genauso verdient gewesen) und dem Schrumpfen des Quintetts auf ein Trio schien die Zukunft der Band offen. Aber Aufgeben hätte meiner Einschätzung nach nicht zu dieser Band gepasst. Und sie gab nicht nur nicht auf, sondern schaffte es sogar, sich neu zu erfinden, und klingt auf ihrem neuen Opus käuferfreundlicher, sprich massenkompatibler als je zuvor. Aber um nichts schlechter, im Gegenteil. Und ich rufe es aus: Diesmal wünsche ich ihnen Verkäufe in Platinsphären, ganz im Ernst! Weil diese Platte Musik bietet, die jeder hören kann (und soll), der Pop anno 2014 auf Spitzenniveau hören, genießen und dazu auch noch tanzen will!

Wenn Pop etwas ist, das sich über all die Dekaden immer wieder aufs Neue erfindet, dann statuiert dieses Album diesbezüglich ein Exempel. Wie kann, soll und darf Pop mit deutsch-englischen Texten 2014 klingen? Dieses Album halte ich für eine wunderbare Antwort auf diese Frage. So leicht es zu hören ist, so komplex ist es wieder in seinen textlichen/vokalen Finessen, einmal mehr eine Fundgrube für "denglische" Lyrik, was jeder der 10 Tracks optimal zur Geltung bringen lässt.

Der Titelsong gibt zuerst einmal die Richtung vor und klingt schon wie eine Bestimmung, und eine positive Grundstimmung, die sich vom defätistischen und nihilistischen Grundton des großen Vorgängeralbums stark abhebt, ohne auch nur ansatzweise banal zu werden. "Dance the ECB" zeigt die neue Dancefloor-Orientierung der Gruppe, wo die Zeile "Zwing sie zum Tanzen" am stärksten nachwirkt. "Au Revoir" kreuzt Disco mit Chanson, hat eine fast schon schlagerhaft klingende Melodie, was hier nicht als Warnung, sondern als Kompliment gesagt sein will. "Post Shakey Time Sadness" zeigt einmal mehr Denglisch, Hooklines und ein charmantes Flair, wie es in dieser Kombination keine andere Band im deutschsprachigen Europa zustande bringen dürfte. "Acab" wird "AC/AB" ausgesprochen, so entspannt und dennoch dynamisch klang Andreas Spechtl bisher selten, und eine Zeile wie "All cats are beautiful" (was den Songtitel entschlüsselt) trifft einfach ins Schwarze. Schön, wie er hier u. a. Peter Weibel ("Liebe ist kein Hospital") zitiert. "Chain Gang" und "Alles leer" erinnern in ihrer Funkyness an den großen Falco, und lassen so nebenbei nicht vergessen, dass die "Berliner Band" eigentlich (auch) eine österreichische ist. "Eigentlich wissen es alle" ist eine Ballade getragenen Tempos und folkigen Sounds, die dann im zweiten Teil an Dramatik zunimmt, ohne deshalb in Bombast auszuarten. "Radio Libertatia" ist vom Sound her die farbigste Nummer des Albums, bombastischer Rock'n'Roll klingt an, und das im Text umschriebene Radio gleicht hier eher einem Weltradio als einem Provinzsender. "Antananarivo" klingt wie die Vertonung eines Weltreiseberichtes, ohne festzulegen, wo man daheim ist. Wahrscheinlich überall. Und Ja, Panik sind offensichtlich überall daheim, als begnadete musikalische Universalisten und Poplyriker, für die es in der gegenwärtigen Musikszene keinen direkten Vergleich gibt, was sie mit ihrem neuen Meisterwerk unterstreichen.

Ein abschließendes Wort an Pop- und Rockfans über 50, wenn nicht 60 (ich selber bin derzeit 58): Wenn Sie auf der Suche nach exzellentem Pop von heute, der einerseits viel Großes aus verschiedenen Dekaden verarbeitet, andererseits aber ganz und gar nichts mit Retro zu tun hat sind, dann können Sie hier fündig werden! Und vielleicht wirkt's sogar als musikalischer Jungbrunnen, wer weiß ...


Wipers Box Set
Wipers Box Set
Preis: EUR 39,23

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gitarrenrock der Extraklasse vom besten Rocktrio der Welt anno 1979-1983, 9. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wipers Box Set (Audio CD)
Wenn 2014 anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums des Rock'n'Roll es vielleicht Umfragen gibt, wer die 10 allerbesten Rockgitarristen dieser sechs Jahrzehnte sind, würden Jimi Hendrix und Eric Clapton wohl im Spitzenfeld liegen, würde wahrscheinlich die Pionierrolle von Link Wray noch immer nicht ausreichend gewürdigt werden, und es für keine Top 10-Platzierung reichen, womit die weiteren 8 Namen wohl jene von sicher verdienten, aber auch recht populären Gitarreros sein würden. Und es wäre ein Wunder, wenn Greg Sage dabei wäre. Aber verdient wäre das, und wie!

Ob man die Wipers je so richtig als Band verstehen konnte, sei dahin gestellt - der gute Mann spielte nicht nur die Gitarre, sondern war der Sänger, Songschreiber und auch noch - als gelernter Tontechniker, bitteschön - Produzent des Trios. Aber der Bassist und der Drummer machten ihre Sache sehr gut, das soll nicht unerwähnt sein. Die Wipers hatten ihre Wurzeln im Punk, aber auch viel Blues verinnerlicht, spielten aufgrund ihres Tempos und ihrer Energie in der Hardcore-Liga, und Sage war nicht nur der virtuoseste, sondern vor allem soundtechnisch der mit Abstand größte Gitarrist in dieser Szene. Was er aus den Effektgeräten herausholte, war nie Effekthascherei und auch keine Verzierung, sondern veredelte die Songs. Das famose Debütalbum "Is This Real?" enthielt beispielsweise das fantastische "D-7", das Nirvana live gerne coverten, und nicht nur Kurt Cobain verehrte diese Gruppe aus Oregon. Die zweite LP "Youth Of America" halte ich für das definitive Album der Wipers, der lange Titelsong, der hinreißende Opener "No Fair" und die hochexplosive Schlussnummer "When It's Over" zählen zum Besten, was die Gruppe schaffte, wahre Sternstunden des Hardcore und, in einem weiteren Spektrum gesehen, des Frühachtziger-Gitarrenrocks im Untergrund, einem Sound, der Lichtjahre von der Synthetik des Rock jener Ära entfernt war, zugleich aber nichts mit Retro zu tun hatte. "Over The Edge" war 1983 das letzte Album der Frühphase dieser damals wie heute weitgehend übersehenen Gruppe, alleine schon der irrwitzige Titelsong mit einem Riff, das man nie vergisst, wenn man sich von ihm mal mitreißen ließ, verleiht dem insgesamt exzellenten Album seinen Glanz.

Die Bonustracks gehen schwer in Ordnung, Greg Sage besorgte selber das Mastering, womit für Topqualität auch beim Klang gesorgt ist. Alles in allem meine uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle, die wissen wollen, wie verdammt gut die vor 30 Jahren unterbewertetste Band der Welt heute noch klingt. Wird wahrscheinlich zum 100. Geburtstag des Rock'n'Roll noch einiges hergeben, was Grege Sage und seine Mitstreiter zwischen 1979 und 1983 der Nachwelt hinterlassen haben.


Roots and Branches/Tribute to the American Duck
Roots and Branches/Tribute to the American Duck
Preis: EUR 17,85

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit den Dillards durch die frühen Siebziger ... und weiterhin brillant!, 27. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Wheatstraw Suite" und "Copperfields" hatten Kritiker und Bluegrass-/Country Rock-Freaks begeistert, die breite Käuferschicht allerdings kaum. Zwei Jahre nach der phänomenalen "Copperfields" meldeten sich die Dillards wieder auf der Szene zurück, mit längeren Haaren und zum Teil mit Bärten, optisch ganz eine Band ihrer Zeit. Und musikalisch auch, die Bluegrass-Elemente traten leicht in den Hintergrund, countrygetönter Softrock war das nun über weite Strecken. Die Gruppe spielte in Quintettbesetzung, statt Herb Pedersen kam Billy Ray Lathum, und einen fixen Drummer gab es nun auch, Paul York mit Namen. Ausverkauf, oder Richtungslosigkeit, wie ein Kritiker im deutschen Sounds über "Roots And Branches" in der Rezension der Folgeplatte "Tribute To The American Duck" geschrieben hatte?
Nein, sage ich hier dazu. Schon gut, Dean Webbs Mandolinenspiel, Mitch Jaynes Bassläufe und Rodney Dillards Gesang klangen nicht anders als zu früheren Zeiten und auf den vorherigen Platten, aber was war es, das den Dillards zum ersten und zum letzten Mal ein Top 100-Album bescherte (Platz 75), und darüber hinaus eine 30-Tage-US-Tour als Support zu Elton John, von ebendiesem ausgesucht? Simple Antwort: Diese Platte und ihre Qualität. "Redbone Hound" beginnt mit elektrisch verstärktem, echt urig klingendem Banjo, ein herrlich schwungvoller Opener. "Forget Me Not" ist das, was man im besten Sinn eine Edelschnulze nennen kann, Herzschmerzthematik in einer Art und Weise, für die man sich nicht schämen braucht, weil Tracks wie dieser den schmalen Grat zwischen schleimigem Kram und echt schöner Musik gut bewältigen. "One A.M." ist für mich der Höhepunkt der Platte, ein traumhaft schönes Liebeslied, durch Rodney Dillards Leadvocals und das fast schon bombastische, aber doch nie überladene Arrangement geprägt. "Last Morning" stammt von Shel Silverstein, der in jenem Jahr durch "Silvia's Mother" von Dr. Hook weltberühmt wurde, auch hier entfalten die Fünf wieder ihre Interpretationskunst, was genauso für die restlichen fünf Tracks gilt. Diese geschmackvollen, aber zugleich so dynamisch gespielten Arrangements, dieses Countryfeeling in jedem Song, aber nie zu dick aufgetragen, und diese mehrstimmigen Gesangssätze, die Rodneys Leadvocals so kongenial abrunden ... was für eine Band! Dafür gab es seinerzeit wenig Konkurrenz, mit fallen an amerikanischen Bands spontan nur die extrem unterbewerteten Big Star (R.I.P., Alex Chilton!) und die damals zur selben Zeit gestarteten Eagles ein, aber das erste Eagles-Album finde ich im Vergleich zu "Roots And Branches" ziemlich schwach. Nun, das Publikum sah es anders. Möchte noch die Schlussnummer "Man Of Constant Sorrow" erwähnen, wo die Gruppe a capella aus diesem Traditional eine Hommage an ihre Heimat Missouri macht, indem ein von Rodney geschriebener Text verwendet wird.
1973 brachte die Gruppe dann "Tribute To The American Duck" heraus, erneut Pop und Rock mit einer saftigen Prise Bluegrass, wie auch Country und Folk, aber keine Chartspositionierung und keine große Tour mehr, was für lange Jahre dann das letzte Album der Band bleiben sollte. Am Niveau der 10 Tracks lag es nicht, dass es so kam, die Fünf hatten sogar den Humor für sich neu entdeckt, und das nicht nur bei der ulkigen Schlussnummer "What's Time To A Hog", sondern schon beim Opener "Music Is Music", dessen Text offensichtlich den "Ist das noch Country?"-Puristen gewidmet war. Aber wie es schon immer war und immer sein wird - Musiker, die zwischen einigen Sesseln sitzen, gehen ein Risiko ein. Wie gut die Dillards in der Countryszene sozialisiert waren, zeigt beispielsweise der Umstand, dass eine Größe wie John Hartford an dieser Platte mitwirkte. Das ganze Album ist eine bunte Angelegenheit, und an die frühen Bluegrasszeiten der Gruppe schließen "Dooley" und (wenn auch mit Einschränkungen) "Hot Rod Banjo" an, zweimal grandioser Bluegrass, was sonst.
Diese beiden Alben auf dieser einen CD, übrigens tadellos remastered, dokumentieren vorzüglich, was für eine große Band die Dillards Anfang der Siebziger Jahre waren. Allen, die erstklassige Songmusik im weiten Feld von Pop, Rock, Country und Folk mögen, einmal mehr wärmstens zu empfehlen!


Wheatstraw Suite
Wheatstraw Suite
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 53,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bluegrass goes Pop oder eines der allerbesten Countryrock-/Americana-Alben aller Zeiten, 26. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wheatstraw Suite (Audio CD)
Wer sich in den Sixties in den USA für Folk, Country und vor allem für Bluegrass interessierte, kannte diese Gruppe wohl mehr oder weniger gut: 1963 das exzellente Debüt "Back Porch Bluegrass", im Jahr darauf ein fantastisches Livealbum mit dem urigen Titel "Live!!! Almost!!!", und dann 1965 noch mit dem edlen Fiddler Byron Berline das hörenswerte Album "Pickin' & Fiddlin'". Dann kamen Jahre, welche die populäre Musikszene tiefgreifend verändern sollten: Nach Beat und Folkrock kamen Psychedelic und musikalische Fusionen in alle Richtungen. Für eine arrivierte Band bedeutete das meistens, entweder altmodisch zu werden (bzw. zu bleiben) oder sich so gut als möglich dem Geist der neuen Zeit anzupassen, was leicht zum Anbiedern und zum Hineinbegeben in musikalische Gefilde, denen man nicht wirklich gewachsen war, werden konnte.
Die Dillards gingen keinen der beiden Wege, sondern einen dritten und großartigen: Sie erfanden sich nach dem Abgang von Doug Dillard, der mit dem Ex-Byrd Gene Clark ein wunderbares Projekt beginnen sollte, mit dem neuen Banjospieler und auch Sänger Herb Pedersen regelrecht neu, indem sie nicht nur eine Bluegrassband blieben, sondern zugleich zusätzlich eine Pop- und Rockband wurden. Vom Bluegrass das Feeling und den Charme, vom Pop die Naivität und den Schwung, und vom Rock den Power. Wenn sich über dieses 1968 erstveröffentlichte Album etwas Kritisches sagen ließe, dann nur in Bezug auf die Spielzeit - 28 Minuten sind nicht gerade das Wahre. Andererseits sage ich, dass ich nach x-maligem Hören dieser Platte über Jahrzehnte noch immer keine einzige überflüssige, schwache oder gar schlechte Sekunde entdecken kann. "Wheatstraw Suite" ist ein einziges musikalisches Feuerwerk: Mit dem Traditional "I'll Fly Away" eröffnen die Vier in 39 Sekunden a capella das Album, gefolgt vom beschwingten "Nobody Knows" und den beiden ebenfalls schwungvollen Songs "Hey Boys" und "The Biggest Whatever". Gesanglich hatten sie sich im Vergleich zu früher noch einigermaßen gesteigert, und wie Banjo und Mandoline das Klangbild bestimmen, hat mir viel mehr als mit Verzierungen zu tun. Wenn im darauf folgenden langsameren "Listen To The Sound" dann noch Streicher hinzukommen, wird es noch immer nicht kitschig, sondern bleibt es einfach schön, was auch für das fast schon epische "Lemon Chimes" gilt. Alle Eigenkompositionen, welche die Platte bietet, sind Meisterwerke des Songwritings, aber drei Songs, die nicht aus der Feder von Bandmitgliedern stammen, zählen zu den brillantesten Coverversionen, die in den Sechzigern veröffentlicht wurden: "Reason To Believe" von Tim Hardin, "I`ve Just Seen A Face" von den Beatles und das an den Schluss gestellte "She Sang Hymns Out Of Tune" von einem wenig bekannten Songschreiber namens Jesse Kincaid.
Eine meiner absoluten Inselplatten, wird mich, wenn ich 100 werden und noch gut hören und fühlen (und, na ja, denken auch) sollte, wahrscheinlich genauso begeistern wie heute und schon seit Jahrzehnten.


Back Porch Bluegrass+Live Almost
Back Porch Bluegrass+Live Almost

5.0 von 5 Sternen Grandioser Frühsechziger-Bluegrass von vier Hillbillies, 25. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Back Porch Bluegrass+Live Almost (Audio CD)
1962 machten nicht nur die Beatles, die Beach Boys, die Rolling Stones und Bob Dylan ihre ersten als bemerkenswert registrierten Schritte auf Konzertbühnen und in Plattenstudios, sondern auch vier Bluegrass-vernarrte Burschen aus Salem im US-Bundesstaat Missouri, die sich nach L.A. begaben, um von dort aus die Musikwelt zu erobern. Eine sonderlich erfolgreiche, geschweige denn weltberühmte Band wurden sie in 50 Jahren nicht, aber eine der besten und wichtigsten, weil musikalisch herausragendsten Gruppen im Bluegrass-Country-Pop-Rock-Bereich waren und sind sie, und werden es wohl auch bleiben.
Banjospieler Doug Dillard, sein singender und Gitarre spielender Bruder Rodney, Mandolinenspieler Dean Webb und Bassist Mitch Jayne nahmen noch 1962 ihr Debüt "Back Porch Bluegrass" auf: 15 Tracks mit der Bandbreite zwischen rasanten, mit beachtlichem technischen Können, aber ungemein lockerem Feeling gespielten Stücken, und schönen, ruhigen Balladen. Instrumentalstücke und gesungene Nummern halten sich in etwa die Waage, und schon auf ihrem ersten Album zeigt die Gruppe ihr Talent zu vielseitigem und einfallsreichem Harmoniegesang. Ihre Plattenfirma war (und blieb bis 1970) Elektra Records, damals noch ein reines Folk- und Country-Label, das sich erst ab 1966 dem Rock öffnete (Love, Doors etc.). Die Platte ist purer Bluegrass, wer die Dillards nur von ihrer Pop- /Rock-Phase ab 1968 kennt, sollte sich auf diesen puritanischen Sound einstellen. Es lohnt sich aber, und wer Abwechslung von diversem Pop-Rock-Einerlei sucht, kann hier bestens fündig werden - Musik, die einerseits Lichtjahre vom Mainstream entfernt, andererseits aber schön und stimmig ist, und frei von Kitsch und Unsinn. Und Energie hatte die Gruppe wie eine erstklassige Rock'n'Roll-Band, angefangen von der superschnellen Banjo- und Mandolinen-trächtigen Eröffnungsnummer "Old Joseph" bis zum atemberaubenden Abschluss "Duelin' Banjo (Hootin' Banjo)", dazwischen die erwähnte Vielfalt. Alles in allem ein exzellentes Debütalbum, das sich aufgrund des hohen Zeitlosigkeitsfaktors solcher Musik auch nach exakt 50 Jahren sehr gut hören lässt.
Wer wissen wollte, was diese Gruppe live drauf hatte, erlebte sie entweder in den USA (wohl hauptsächlich an der Westcoast) live, oder besorgte sich 1964 "Live!!! Almost!!!". Wer die vielen Rufzeichen für eine Übertreibung hält, wird es nach Anhören dieses Albums wahrscheinlich anders sehen: Technikdemonstrationen waren schon die Studioaufnahmen nicht, diese Musik hat Seele, und bei Liveaufnahmen merkt man das noch besser als sonst. Neben der Power und den erstklassigen Instrumental- und Gesangsleistungen zeigt diese Platte aber noch eine weitere Qualität dieser Gruppe, nämlich ihren Humor, ihren Pep, ihren wunderbar lockeren Umgang mit dem Publikum! Das war vor allem dem Bassisten Mitch Jayne zu danken, der herrliche Ansagen zum Besten gab, wie beispielsweise vor dem Dylan-Cover "Walkin` Down The Line", wo er sich in hinterwäldlerischer (tja, Hillbillies eben) Manier über Dylans Gesangskünste äußert, oder zum Traditional "Pretty Polly", wo er zum (zusätzlichen) Geschichtenerzähler wird. Und bei der Begrüßung des Publikums nach der Eröffnungsnummer offenbart er der Zuhörerschaft, dass die Dillards Hillbillies sind. Wenn das nicht ehrlich war, lieber Mitch! "Live!!! Almost!!!" ist eine jener erstklassigen Liveplatten aus den Sechzigern, an die heute erinnert werden muss, weil eine solche Ladung an musikalischer Substanz, Spielfreude, Charme und Humor heute ganz schön selten geworden ist, und zwar in allen Spielarten der populären Musik.
Mitch Jayne starb 81-jährig 2010, Doug Dillard 2012 im Alter von 75 Jahren, Rodney Dillard und Dean Webb sind mit eigenen Projekten noch heute aktiv. Die Dillards gab es als aktive Band bis in die Neunziger hinein, und wer ihre weitere Diskografie verfolgt, darf feststellen, zu welchen Überraschungen sie noch fähig waren.


Reflektor
Reflektor
Preis: EUR 5,55

28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Edle Kreativität auf der Höhe der Zeit - ihr Opus Nr. 4, 25. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Reflektor (Audio CD)
Amazon AutoRip sei dank, dass ich die bezahlte CD zwar erst in ein paar Tagen in der Hand halten (und auch die Lyrics mitlesen werde können, erwarte ich mal), die Musik aber am späteren Abend des Erscheinungstages schon hören kann.
Bei wohl keiner anderen zeitgenössischen Rockband sind die Erwartungen so hoch, wenn es um ein neues Album geht. Das liegt sicher auch daran, dass die Kanadier bis jetzt ihren Drei-Jahres-Rhythmus schön konsequent eingehalten haben, also nach dem Debüt von 2004 die Zweite anno 2007, die Dritte musste 2010 kommen, und die Vierte nicht 2012 oder 2014, sondern eben 2013. Muss eigentlich für die Gruppe selber ein Druck sein, um das einzuhalten. Aber es ist nicht nur der Turnus, bei dem auf die Alben von Arcade Fire Verlass ist: Sie verstehen es auch, sich pro Album sowohl musikalisch als auch optisch neu zu erfinden.

Das 2013er-Werk hat stärkere Dancefloor-Betonung als jede ihrer bisherigen Platten, was schon der siebeneinhalbminütige Titelsong klar macht: Es swingt und groovt, was das Zeug hält, und ist dabei doch nur die Ruhe vor dem Sturm, denn auf dem darauf folgenden "We Exist" rockt die Band los - bohrende Basslinie und ein simples wie klischeefreies Rock-Riff, und ein Refrain wie bei einem Gassenhauer (im guten Sinn natürlich). "Flashbulb Eyes" ist der kürzeste Song der Platte, kinderliedartige Melodie und verspielt wirkende psychedelische Sounds charakterisieren ihn. "Here Comes The Night Time" ist vielleicht der allerstärkste Song des ganzen Albums, sechseinhalb Minuten treibender Rock mit traditioneller Rock'n'Roll-Melodik im besten Sinne, einfach ein fantastischer Song, der in den letzten zwei Minuten förmlich explodiert. Dürfte in den nächsten Jahren einer ihrer Live-Klassiker werden. "Normal Person" ist ein herrlicher Rockkracher mit bratzigen Gitarren, nennen wir's ruhig Schweinerock (positiv definiert, bitte!), und eine Melodie und ein Gesang, Rock'n'Roll der Extraklasse! "You Already Know" versprüht Live-Atmosphäre, der Boogierhythmus und die vielschichtigen Vocals prägen dieses Stück. "Joan Of Arc" lässt an die "pastoralen" Anklänge so mancher Songs der ersten beiden Alben erinnern, mit einer Melodie, die beste Ohrwurmqualitäten zu entwickeln vermag, am Schluss steigert sich der Song ins Bombastische, um abrupt in Stille zu enden. "Here Comes The Night Time II" ist der nächste Track, und wie man das bei Arcade Fire schon gut kennt, sind ihre "Reprise"-Tracks auf einem Album schön unterschiedlich gegenüber dem ersten Stück, und im Unterschied zum ersten Song ist das ein schöner, ruhiger Song mit geschmackvollem Stringarrangement. Zwei über je sechs Minuten dauernde Songs folgen, die thematisch ins antike Griechenland führen: "Awful Sound (Oh Eurydice" und "It's Never Over (Oh Orpheus)", und wieder erweisen sich Butler, Chassigne & Co. als Meister der differenzierten Melodik und verstehen es exzellent, das ganz locker und unverkrampft hinüber zu bringen, wie sie auch an Sounds ein breites Spektrum aufbieten, ohne dass es überladen wirkt. Der nächste Track dauert wieder sechs Minuten, und da denkt man als Leser vorher bei "sechs" schon fast an etwas anderes, wenn das Stück doch tatsächlich "Porno" heißt ... Arcade Fire beim Schweinigeln oder was? Natürlich nicht, denn erstens ist es eine schöner, cooler Electropopsong, und zum Zweiten hat der Text (soweit ich ihn ohne Beilage näher verstehen konnte) sicher nichts mit Glorifizierung von dem Zeug zu tun, wenn Win Butler mehrmals etwas von "feel something wrong" singt. Also kein Fremdkörper auf dem Album, auch "Afterlife" nicht, weder musikalisch (der Groove, den man von dieser Gruppe vom Debüt an liebt) noch textlich (metaphysische und sonstige philosophische Fragen und Songthemen, hier ums Leben nach dem Tod), Banalitäten überlassen sie gerne anderen. "Supersymmetry" beschließt die Platte und ist mit über 11 Minuten das längste Stück, das die Gruppe bislang auf Studioalben veröffentlicht hat: Eine schöne Ballade mit quirligem Rhythmus, aber nur bis zur sechsten Minute, danach folgt eine subtile Klangcollage, wie man sie beispielsweise von Radiohead seit "Kid A" kennt, oder aus seligen alten Krautrockzeiten vor rund vierzig Jahren.

Arcade Fire bleiben eine außergewöhnlich kreative und einzigartige Band, und sollte dieses Album in einigen Monaten zur Platte des Jahres gekürt werden, wäre das höchstwahrscheinlich sehr verdient. Für mich, der ich langsam auf den 60er zugehe, ist es eine Riesenfreude, solche Platten zu genießen, wo es junge Musiker/innen von heute grandios verstehen, das Beste aus mehreren Dekaden von Rock und Pop zu verarbeiten. Arcade Fire-Fans aller Länder, freut euch (mit mir)!


Live In Concert
Live In Concert
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Glückstreffer und Spätsechziger-Singer-Songwriter-Juwel, 7. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live In Concert (MP3-Download)
Was Tim Hardin mit seinen beiden ersten Studioalben der Nachwelt hinterlassen hat, habe ich an anderer Stelle bereits ausgeführt. Es war gewaltig. Aber live galt der sperrig wirkende Musiker schon ab 1966 als unberechenbar, und als seine Plattenfirma 1968 eine Live-Platte als drittes Album veröffentlichte, durfte man zu Recht kritisch darauf reagieren: Hatte da einer schon sein Pulver verschossen? Die Liveplatte zum Kaschieren des eigenen Burnouts?
Nach Anhören dieser Platte konnte man mehr als beruhigt sein: So unterschiedlich die Konzertdarbietungen von Tim Hardin seinerzeit auch immer gewesen sein mögen - hier gibt es nur überaus gelungene Sachen zu hören. Versionen eigener Songs wusste er in bisweilen gewagter Weise zu variieren, wie es damals selbst Dylan noch nicht tat, unterhielt sein Publikum aber immer noch gut genug. Aber dass er nie ein Entertainer war, wusste ja ein jeder. Diese Edition hier erweitert das Originalalbum von 1968 um damals nicht veröffentlichte Tracks, ohne deshalb Füllmaterial zu bieten. Beispielhaft erwähne ich hier "Lenny's Tune", das von Nico unter dem Titel "Eulogy To Lenny Bruce" (auf deren exzellentem "Chelsea Girls"-Album) bekannter sein dürfte, ein wunderbar intensives 7-Minuten-Stück, welches das Jazz-Feeling dieses zwischen Folk, Blues und Country pendelnden Musikers noch deutlicher zum Vorschein bringen lässt als viele seiner sonstigen Lieder. Bliebe noch zu sagen, dass seine Begleitmusiker hier kongeniale Arbeit leisteten, wie man es in ähnlicher Weise damals und später auch bei Tim Buckley und Van Morrison erfahren durfte.
Wer hören will, wie dieser Ausnahmemusiker in seiner Blütezeit in seinen wohl besten Momenten live klingen konnte, der/die höre!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-13