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Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
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Die Lücke im Gesetz: Wie Man Ungestraft Davonkommt
Die Lücke im Gesetz: Wie Man Ungestraft Davonkommt
von Ingo Lenßen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen reine Unterhaltung auf (höchstens) Vorabend-Boulevard-Niveau, 12. Juli 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Eines vorab: mir war der Autor, Herr Lenßen, vorher nicht bekannt. Erst durch die Beschäftigung mit dem Buch erfuhr ich von ihm - und dass er wohl schon öfters im (Privat-)Fernsehen aufgetreten ist. Genau dies merkt man dem Buch an. Es ist ziemlich genau auf diese Zielgruppe abgestimmt: Menschen, die Privatsender und Vorabend-TV schauen, die nur unterhalten werden wollen, und keinerlei fundierte Auseinandersetzung mit einem Thema erwarten. Insofern vielleicht gut gelungen. Da diese Rezension jedoch von mir als Person stammt, kann ich nicht verhehlen, dass das Buch mich nur wenig angesprochen hat.

Die ganze Aufmachung wirkte auf mich unseriös, und hat mir nicht gefallen. Überall diese Krimi-/Western-Schreibmaschinenschrift, Titelzeilen wie mit Heftpflaster eingeklebt, übergroße, dramatische Paragraphen-Zeichen, und das völlige Fehlen von erklärenden Sachtexten, geschweige denn weiterführender Literatur. Dickes Papier, recht große Schrifttype. Man ist schnell durch.

Es wirkte auf mich insgesamt eher lieblos zusammengestellt - es waren ja nur Beispiele, Fälle, aneinander gereiht. Fast eine "Nummernrevue". Erklärende, zusammenfassende Sätze nur ganz am Rande. Nur wenige "Fälle" gehen über mehr als eine Seite. Wie in einem Zettelkasten wird alles abgearbeitet. Ein Schnellfeuerwerk der Anekdoten.

Okay, ein Pluspunkt wäre vielleicht noch, dass das Buch nach Rechtsgebieten eingeteilt ist - Mietrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht, usw. Aber: die beiden Gebiete "Strafrecht" und "Zivilrecht" erhalten überproportional viel Raum, und dabei sind sie gar nicht die Spezialgebiete des Autors! Jedenfalls laut Klappentext. Andere Themen, die mich mehr interessiert hätten, wie Mietrecht und Arbeitsrecht, werden mit gerade einmal 5 Fällen pro Kapitel abgehandelt... die Logik dahinter erschloss sich mir nicht.

Überhaupt, die Information zum Autor ist denkbar dünn. Ein Vorwort, das aus keiner ganzen Seite besteht, und nicht "dünner" hätte formuliert werden können. Im Anhang dann: "weitere Informationen zu Ingo Lenßen". Und was finde ich da? Nur zwei Internet-Adressen! Das ist doch Schummelei! Keinerlei Lebenslauf, keine Liste von Veröffentlichungen, keine Biographie! Einfach nichts!

Ich kann das Buch einfach schwer einordnen. Ein echtes Sachbuch ist es jedenfalls nicht, da es wenig wirkliche Information beinhaltet. Es reiht lediglich Häppchen aneinander. Ein reißerischer Ratgeber, wie der Titel vermuten ließe, ist es gottlob auch nicht. Wie nach einer Tüte Chips, bleibe ich zum Schluss hungriger zurück als vorher.


AmazonBasics Executive Stylus Touchscreen-Eingabestift (pink)
AmazonBasics Executive Stylus Touchscreen-Eingabestift (pink)
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Überflüssiger Luxus?, 11. Juli 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich siedele meine Bewertung im mittleren Bereich an, da ich teilweise etwas anderes erwartet hatte. Doch ist das ein Fehler des Produktes?

Es ist wirklich nur (!) für die Bedienung von Touchscreens gedacht, was mich überrascht hat. Ich persönlich hätte mit einem "Mehrwert" gerechnet, also zum Beispiel einem integrierten Kugelschreiber. Die Bezeichnung "Stylus" hat mich wohl in die Irre geführt. Ich komme mir einfach merkwürdig vor mit einem "Stift" in der Hand, der wie ein Schreibgerät aussieht, der im Grunde aber nur meinen Finger ersetzt.

Der Stift ist elegant, leicht und klein. Die Oberfläche angenehm rauh, rutscht also nicht so leicht aus der Hand. Ich besitze einen Kindle Paperwhite mit Hülle, und der "Stift" lässt sich problemlos mit im Magnetverschluss verstauen. Insofern praktisch.

Der Clip ist in meinen Augen allerdings überflüssig. Er sitzt viel zu stramm, ich hätte Angst, ihn zu benutzen, um ihn nicht abzubrechen. Für die Hüllen von Lesegeräten taugt er eh nicht - die sind alle viel dicker als die "Spannweite" des Clips.

Hm, mit der Bewertung der "ultra-sensitiven" Spitze ist es nicht ganz einfach. Die funktioniert nicht immer auf den ersten Versuch hin. Das mag aber auch am Gerät liegen - schon mehrfach habe ich in Rezensionen gelesen, dass die Touchscreen der Kindle-Modelle noch nicht ausgereift sein soll.

Ein Fazit? Kann man haben, muss man aber nicht.


Ich war Buddhist: Das Ende einer Pilgerreise
Ich war Buddhist: Das Ende einer Pilgerreise
von Martin Kamphuis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein komplizierter Typ schreibt seine Lebensgeschichte, 6. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch trägt seinen Titel meiner Meinung nach zu Unrecht. Denn er klingt reißerisch, so als würden viele Skandale und Insider-Geheimnisse verraten. Doch das ist es eher nicht. Martin Kamphuis, ein sehr komplizierter und mit sich selbst verkrachter Typ, erzählt ganz einfach von seiner lebenslangen spirituellen Odyssee, die schon in der Jugend begann, bis ins Erwachsenenalter dauerte, und erst mit dem Kennenlernen seiner heutigen Frau und mit der Annahme des christlichen Glaubens endete.

Der Buddhismus war "nur" ein Teil dieser Reise, ja, dieses beinahe verzweifelten Ringens. Zudem muss man bedenken, dass Herr Kamphuis hauptsächlich im tibetischen Buddhismus - ausgerechnet - unterwegs war. Der ist ja schon für den "Durchschnittsbuddhisten" ziemlich esoterisch und schräg. Ferner steht fest, dass er, wild durcheinander, Seminare, Retreats und Initiationen tibetischer Lamas "konsumierte", als gäbe es kein Morgen. Da sträubten sich mir so manches Mal die Nackenhaare!

Von diesen Riten und Prozeduren habe ich zwar schon gehört. Aber erstens sind sie eben im östlichen Kulturkreis entstanden, lassen sich also aus westlicher Sicht, ohne Kontext, kaum verstehen, geschweige denn konsumieren, ohne "Bauchschmerzen" zu bekommen. Man kann sie einfach nicht 1:1 übertragen! Zweitens sind sie eigentlich für Fortgeschrittene gedacht. Und nicht für "Backpacker" aus aller Welt.

Das alles will Martin Kamphuis nun nach nur zwei mehrwöchigen "Grundkursen" verdaut haben...? Aus meiner Sicht ist das schwer nachvollziehbar. Vor allem empöre ich mich ein wenig über die tibetischen Lehrer und Lamas. Sie lassen fast ohne Unterschied westliche Menschen (gegen Bezahlung!) an diesen Kursen teilnehmen. Sie vermitteln ein völlig unrealistisches Bild des Buddhismus. Sie setzen den leichtgläubigen Sinnsuchern Flausen in den Kopf. Die meinen dann, sie hätten nach einem Retreat die Weisheit mit Löffeln gefressen, und wähnen sich der "Erleuchtung" greifbar nahe. Wie Herr Kamphuis. Und der wunderte sich dann, warum er sich im Alltag immer noch nicht besser fühlte... unglaublich. Unverantwortlich!

Überhaupt - der Begriff "Erleuchtung" wurde von Herrn Kamphuis in denkbar oberflächlichster Weise gebraucht. Und was er nicht alles glaubte, was "der Buddhismus" so wolle und denke... Dabei ging ihm an keiner Stelle auf, dass er eben nur Blicke auf Ausschnitte geworfen hat - und die auch noch lediglich von Teilbereichen der buddhistischen Schulen...

Aber ist das sein Fehler? Oder der Fehler der zahlreichen "Anbieter" auf dem spirituellen Markt? Das macht es mir ungeheuer schwer, dieses Buch sachlich zu bewerten.

Fatal war sicherlich auch, dass Martin sich nie ganz auf den Buddhismus eingelassen hat. Er suchte munter weiter, probierte die diversesten esoterischen Praktiken und Therapien aus. Vor allem in Sachen Liebe hat er sich von einer Abhängigkeit und desaströsen "Beziehung" in die nächste fallen lassen. Und hat das dann auch noch mit dem Tantra gerechtfertigt... na bravo!!

Meiner Meinung nach war er nie wirklich Buddhist. Er hat auch nicht im Ansatz begriffen, dass Buddhismus eben kein "Mittel zum Zweck", keine Hintertür zur Erleuchtung ist. Buddhismus ist eine grundsätzliche Lebenseinstellung, ein Weg. Wenn man den nicht wirklich geht, dann kann man auch kein "Ergebnis" erwarten. Überhaupt ist dieses Erwarten von Ergebnissen ja eine sehr westliche Denkweise.

Dieses Sich-nicht-einlassen-Können zieht sich durch das ganze Buch. Ich habe es zwar mit kopfschüttelndem Interesse gelesen, empfand die Lektüre aber auch oft als anstrengend. Eben weil sich neue Methode an neue Methode und Reise an Reise reihte. Der Schreibstil war wenig differenziert, kaum mit Reflexion verbunden. Immer nur "und dann"... "und dann"... und schließlich "es schien so zu sein, dass"...!

Richtiggehend weh getan hat mir zum Schluss die radikale Kehrtwende, die Schwarz-Weiß-Malerei. OK, es sei ihm gegönnt, soll er als Christ glücklich werden. Aber nur, weil Jesus ihm (!) gut tut, für ihn (!) gut ist, muss doch der Buddhismus nicht automatisch schlecht oder "böse" gewesen sein... Dieser Mann kennt anscheinend nur Extreme.

Meine Bewertung pendelt sich auf drei Sterne ein. Denn interessant war das Ganze dann doch irgendwie... Allerdings würde ich genau überlegen, wem ich das Buch empfehle.


Grillgenuss für jede Jahreszeit
Grillgenuss für jede Jahreszeit
von Matthias F. Mangold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Luxus-Buch für Luxus-Probleme, 5. Juli 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Eines vorab: dieses Buch ist, wie eigentlich alle Kochbücher aus dem Kosmos-Verlag in letzter Zeit, ein wahrer Hingucker. Schon allein durch die künstlerische Gestaltung, ja, die Komposition, weiß es in jeder Hinsicht Eindruck zu schinden. Auch die allermeisten Rezepte lassen einem das Wasser nur so im Munde zusammenlaufen. Eine Höchstwertung bekommt das Buch von mir jedoch nicht, und dies aus mehreren Gründen.

Erstens - es ist einfach nicht für Durchschnittgriller mit Durchschnittsgeldbeutel gedacht. Sprich: vieles ist (mir) einfach zu teuer, und auch das muss man erraten. Lammlachs? Frisches Thunfischfilet?? Exquisite Gewürzmischungen??? Grills mit "Smoke-Box" ???? Apfelholz zum Räuchern????? Mal ganz abgesehen davon, dass ich bei vielen dieser Dinge nicht mal wüsste, wo ich sie bekäme (und dies auch nicht erklärt wird) - das riecht verdächtig nach vielen, versteckten Kosten. Und unter "Grillen" verstehe ich zumindest ein preiswertes Freizeitvergnügen.

Zweitens - es wird, wie in anderen Kochbüchern dieser Reihe auch, zu viel Wissen vorausgesetzt. Zwei Beispiele möchte ich nennen. Der schon weiter oben erwähnte "Lammlachs" hat mich gehörig in die Irre geführt. In meiner Naivität nahm ich an, es handle sich um Fisch - entdeckte dann erst beim Betrachten der Bilder und des Textes, dass dem wohl nicht so ist. Aha. Ein weiteres Beispiel war für mich die Gewürzmischung "Ras-El-Hanout". Zunächst einmal musste ich "erraten", dass es sich um eine Gewürzmischung handelt. Dann schaute ich im Register nach, um Näheres über diese ominöse Zutat zu erfahren. Und wohin gelange ich - zu einem Rezept, um Ras-El-Hanout selber herzustellen. Nur, damit war das Problem nicht gelöst. Denn eine Zutat für diese Mischung ist "Kubebenpfeffer"... (??) Noch nie gehört. Da war ich also genauso klug wie zuvor.

Drittens - und das ist für mich fast das entscheidendste Argument - das Buch eignet sich in keinster Weise, um spontan Partys zu feiern. Die allermeisten Rezepte erfordern lange und ausgeklügelte Vorbereitungen. Damit kann man zwar Freunde oder Chefs beeindrucken, aber wohl kaum improvisierte Zusammenkünfte und lockere Treffen bestreiten. Und somit frage ich mich letzten Endes, wer soll denn dieses Buch eigentlich nutzen? Zumal ich ein gutes Drittel der Rezepte eher in Pfanne oder Backofen verorten würde, als auf dem Grill...

Ich lande letztlich bei drei mehr oder weniger zerknirschten Sternen. Ich würde, der Schönheit der Gestaltung und des lukullischen Luxus wegen, gerne mehr Sterne geben. Aber gerade ein Kochbuch muss sich meiner Meinung nach an seiner Praktikabilität messen lassen. Und hier scheitert es oft kläglich.


In stiller Wut: Kriminalroman (Theo-Matthies-Reihe 2)
In stiller Wut: Kriminalroman (Theo-Matthies-Reihe 2)
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Theo Matthies ist zurück!, 1. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Etliche Rezensenten sagten bereits, dass sich die Autorin im Vergleich zum ersten Band sogar noch gesteigert habe. Dem kann ich zustimmen! Manches ist noch flüssiger und packender geworden.

Wieder wird Theo Matthies, der sympathische und unkonventionelle Bestatter, misstrauisch. Gleich zwei Tote, die er unter die Erde bringen soll, sind unter merkwürdigen Umständen gestorben. Und er kannte sie auch noch! Nun zwingt er sich, doch noch zum Klassentreffen zu gehen. Denn die Gründe für diese Verbrechen müssen in der Vergangenheit liegen...

Das Buch ist allein deswegen packender geworden, weil diesmal Theo persönlich betroffen ist. Es geht um Mobbing während der Schulzeit, so viel darf man wohl verraten. Ein Thema, das wesentlich alltäglicher ist als die Motive aus dem ersten Krimi von Christiane Fux (dort ging es um unerkannte Verbrecher aus der Nazi-Zeit). Theo muss sich selbst an die Nase fassen, und sich fragen, wie er zu den Ereignissen von damals steht. In teils wirklich emotional ergreifenden Rückblenden wird zudem geschildert, wer wie und wo alles gemobbt wurde. Diesen Passagen konnte ich mich kaum entziehen.

Ich finde außerdem, dass die Autorin einfach ein wirkliches "Händchen" für Spannungsbögen hat. Sie schreibt nicht reißerisch, sondern logisch aufeinander aufbauend ihre Szenen. Mit viel Herzblut für Hamburg, das wieder großartig beschrieben wird. Mit vielen liebenswerten Charakteren. Und, wieder wie im ersten Band, mit vielen interessanten Details aus dem Bestattergewerbe.

Ich muss allerdings dennoch einen Stern abziehen. Teils kann die Autorin dafür, teils nicht. Erstens, im ersten Drittel sind mir ein paar "Nachlässigkeiten" des Lektorats aufgefallen. Es gab diverse Beschreibungen und Erklärungen, die mehrfach vorkamen - so als habe man "vergessen", dass das im letzten Kapitel schon erklärt wurde. Zweitens, es war zwar nett, dass zum Schluss die ganze Truppe wieder versammelt war, und nach Theo suchte. Doch manche Figuren wurden dafür einfach zu kurz vor Schluss eingeführt. Es war schade, dass sie kaum Raum bekamen. Besonders bei Fatih, dem vegetarischen Türken, fand ich das schade!

Drittens, und dafür kann die Autorin nun wirklich nichts - die Formatierung dieses E-Books war eine einzige Katastrophe. Man konnte die Schriftart nicht einstellen. Auf fast jeder Seite gab es Dutzende Bindestriche, wo sie nicht hingehörten - auch mitten im Wort. Und Sinnabschnitte innerhalb der Kapitel wurden nicht getrennt; jedes Kapitel war im Fließtext geschrieben. Manchmal brauchte ich ein paar Zeilen, um zu merken, dass die Szene gewechselt hatte. Das hat den Lesefluss erheblich gestört! Ich hätte nicht übel Lust, mein Geld zurück zu verlangen.

Nun ja. Für die Geschichte insgesamt gebe ich guten Gewissens vier Sterne, mit deutlicher Tendenz nach oben! Und ich rate neuen Lesern dazu, sich vorerst die Printausgabe zu besorgen.


Bezüglich Enten und Universen: Roman
Bezüglich Enten und Universen: Roman
von Neve Maslakovic
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bezüglich Gähnen und Zuklappen, 24. Mai 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich hätte auch gnädig sein können, indem ich dem Buch wenigstens drei Sterne verleihe. Immerhin, es sind nette Ideen dabei. Doch bei genauem Nachdenken - nein, das fand ich nicht gerecht. Weder einer Autorin, noch zukünftigen Lesern ist damit gedient, ein Buch "wegzuloben". Insgesamt fand ich das Buch leider, mit allem Respekt, strunzlangweilig.

Die Information zur Autorin ist denkbar dünn. Im Umschlag steht nur, sie sei promovierte Wissenschaftlerin - sie habe im "Space Lab" an der Uni Stanford geforscht. Und - wiederum sorry - genau das merkt man auch. Dieses Buch wurde nicht von einer "Autorin" geschrieben, sondern von jemandem, der den Plan hatte, "ich schreibe jetzt mal ein Buch". Und das ist ein Unterschied!

Es hätte so schön sein können - der Klappentext ließ mich viel erhoffen. Zwei Universen, die plötzlich voneinander erfahren. Ein angehender Autor aus Universum A, der in Universum B nach seinem Doppelgänger forscht. Zwei Welten, die sich unterscheiden. Und aus deren Unterschieden man etwas lernen könnte. Doch leider, das Ganze ist völlig verkopft geraten. Es liest sich (jedenfalls für mich) nicht wie eine "Handlung", sondern wie ein Plan. Wie lauter Thesen, die aneinander gereiht wurden. Als echtes Buch, als Roman, völlig "blutleer".

Die Menschen, die in diesem Buch vorkommen, geraten einfach nicht zu wirklichen Menschen. Sie halten ellenlange Mono- und Dialoge, nur um die neueste "These" innerhalb der sehr bucheigenen "Logik" zu untermauern. Es fühlte sich an wie in manchen Star-Trek-Folgen, die einfach so abstrus sind, dass man sie noch nicht einmal logisch angreifen kann. Man nimmt es hin, und schüttelt den Kopf. Sehr, sehr schade!

Wie gesagt, einige Ideen waren ganz nett. Das eine Universum ist total ökologisch geworden, das andere nicht. In dem einen gibt es nur noch Einbahnstraßen und Fahrräder, im anderen noch Autos. Hier Kaffee, dort Säfte und Tee. Hier normale Tiere, dort "designte". Und, der wichtigste Punkt: in Universum B gibt es noch Bücher, in Universum A hingegen nur noch "Omnis" - also elektronische Publikationen.

Hier setzt auch für mich ein weiterer, großer Kritikpunkt an. Ich will wirklich niemandem etwas unterstellen - aber, mit Verlaub, es wundert mich überhaupt nicht, dass dieses Buch von Amazon höchstselbst verlegt wurde (ja, es ist nämlich in keinem "richtigen" Verlag erschienen!). Diese "Omnis" werden das ganze Buch hindurch gelobt und gepriesen. Es werden die Vorteile von elektronischen zu "klassischen" Büchern durchdekliniert. Und die Geräte werden beschrieben. Sorry, aber das ist für mich eine ziemlich unverhohlene Werbung für Amazon selbst, und seine Produkte! Dass das noch keinem anderen Rezensenten aufgefallen ist, ist mir ein absolutes Rätsel. Jedenfalls - Punktabzug.

Mein persönliches Fazit lautet - liebe Neve Maslakovic, machen Sie es nicht so wie ihr Held Felix, der seinen Job kündigen will, um hinfort nur noch Bücher zu schreiben. Manchmal ist es besser, wenn man Buchliebhaber bleibt.


Zeit der Zikaden
Zeit der Zikaden
von Andreas Séché
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der bislang "reifste" Séché, 19. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Zeit der Zikaden (Gebundene Ausgabe)
Andreas Séché ist ein Autor, bei dem es sich lohnt, die Entwicklung zu verfolgen. Zwar sind seine Bücher unabhängig voneinander lesbar, dennoch ziehen sich bei ihm gewisse Themen durch sein Werk. Und es gelingt ihm von Buch zu Buch besser, in der sprichwörtlichen Kürze die literarische Würze walten zu lassen.

Auch das neueste Buch, "Zeit der Zikaden", ist ein ausgesprochen fein ziseliertes Kunstwerk. Auf nicht einmal 200 Seiten gelingt es dem Autor, eine Art Fabel zum Leben erwachen zu lassen. Denn die Bedeutung der Geschichte geht weit über die reine Handlung hinaus. Die Liebe spielt, wie schon in den ersten beiden Büchern, eine große Rolle, ist hier aber eher "Zutat". Die "Zikaden" sind das bislang politischste Buch - dem Leser wird vermittelt, wie Leidenschaft und Musik dazu beitragen können, eine Diktatur zu stürzen.

Das Ganze spielt im fiktiven Syrakesh, einem orientalischen Inselstaat. Der arme Selim wird per Zufall zum Lehrling eines Geigenbauers. Dann schlägt das Schicksal zu - Syrakesh wird zur Diktatur, Selims große Liebe muss fliehen, und sein Meister wird ermordet. Doch Selim gelingt es, am Leiden und an der Leidenschaft zu wachsen. Letztlich ist es sein Geigenspiel, mit dem er die Revolution entfacht.

Das Buch ist ein wirklich "typischer Séché". Die Erzählung wird mit mehreren "Fäden" oder Strängen erzählt, sowohl in Vergangenheit, als auch Gegenwart. Ganz in gemütlich-orientalischer Manier. Man trinkt Tee, und sitzt am Feuer. Man erinnert sich, und blickt nach vorne. Durchzogen wird das ganze, traumschöne Gewebe dann wieder von den berühmten Sach-Kapiteln, die es auch in früheren Büchern gab. Diesmal dreht sich alles um die Musik, die Entwicklung der Geige als Instrument, und um berühmte Geiger. Ganz nebenbei lernt man also noch etwas!

Ich weiß gar nicht, was ich als "Hauptattraktion" des Buches bezeichnen soll. Es wirkt auf mich wie "aus einem Guss", es hätte gar nicht anders geschrieben werden können. Sicherlich wird das Buch wieder von der wundervollen Sprache getragen. Leser, die Zitate sammeln, werden bei diesem Séché einerseits verzweifeln - denn sie könnten eigentlich gleich das ganze Buch abschreiben. Jedes Wort an seinem Platz, jede Erkenntnis perfekt eingepasst. Wirklich traumhaft.

Als besonderen Pluspunkt empfinde ich, dass das Buch auf einer allgemeineren Ebene als der der Liebesgeschichte gelesen werden kann. Es ist insofern der "reifste Séché", als man einen direkten Bezug zum "arabischen Frühling" erkennen kann. Eine poetische Aufarbeitung, sozusagen. Das Buch ist also für breite Gruppen von Lesern geeignet. Und trotz seiner Kürze kann es jeglichen Ansprüchen genügen. Mehr als ein Häppchen! Einziger Nachteil: was soll danach noch kommen...? :-))


Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner: Roman
Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner: Roman
von Edward Kelsey Moore
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Südstaaten-Flair pur!, 16. Mai 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich gebe zu, im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig über den deutschen Titel. "Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner"? Das kratzt höchstens an der Oberfläche der Geschichte, und bringt überhaupt nicht das Wesentliche zum Ausdruck. Der Originaltitel trifft es da schon eher: "The Supremes at Earl's All-You-Can-Eat". Wobei wiederum schade ist, dass eine wichtige Anspielung in Europa längst nicht so gut rüberkommt. Die "Supremes" waren ein berühmtes, schwarzes Gesangstrio um Diana Ross in den 60er und 70er Jahren - hierzulande meines Wissens leider bei weitem nicht so bekannt wie in Amerika.

Warum "die Supremes"? Hier kommen wir dem Kern des Buches schon viel näher. Denn es geht um die jahrzehntelange Geschichte einer Frauenfreundschaft, von den 50ern bis ins Heute. Es geht um die drei farbigen Frauen Odette, Barbara-Jean und Clarice, um ihre Ehemänner, ihre Liebschaften, ihre Streitigkeiten, und um ihren allsonntäglichen Treffpunkt, Earl's Diner, das "All-You-Can-Eat". Es geht um herrlich schräge Nebencharaktere, alltägliche (und weniger alltägliche) Katastrophen, und vor allem auch um eine Aufarbeitung des Konflikts zwischen Schwarzen und Weißen in Amerika. Dabei wird Zeitgeschichte gekonnt mit eingebunden - die Ermordung Martin Luther Kings steht dabei sicher im Zentrum.

Ich möchte das Buch nicht zerreden, frage mich aber gleichzeitig, wie ich nur all die farbigen, charaktervollen, schreiend komischen und prall lebendigen Szenen beschreiben soll, die sich vor dem Leser abspielen. Das Buch ist für mich kein Roman gewesen, sondern eher ein hautnah erlebtes Südstaaten-Panorama, das mir wirklich oft zu Herzen ging. Ich fühle mich, als hätte ich mit den drei Frauen wirklich gelebt.

Besonders gekonnt fand ich die Erzähltechnik. Der Autor, selber ein farbiger US-Amerikaner, benutzt gleich zwei erzählerische Ansätze. Einerseits schreibt er aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, und dann, alle drei Kapitel, wieder aus der Ich-Perspektive von Odette, die so etwas wie die Nabe im Mittelpunkt des Frauentrios ist. Dies erlaubt es ihm, ganz nach Belieben in der Handlung vor- und zurück zu springen, ganz wie es die Dramaturgie erfordert. Und manche Szenen werden dadurch aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert, gewinnen so an Glaubwürdigkeit und Tiefe.

Warum heißt es nun im Deutschen "Mrs. Roosevelt"? Die Mit-Erzählerin Odette hat von ihrer Mutter eine seltsame Gabe "geerbt"; sie kann Verstorbene sehen und sich mit ihnen unterhalten. Unter anderem eben auch die ehemalige Präsidentengattin Eleanor Roosevelt - diese erscheint immer dann, wenn jemand kurz davor ist, zu sterben. Und sie hat ein Alkoholproblem. Klingt schrill? Ist es auch! Außerdem gibt es im Buch noch eine herrlich verrückte Wahrsagerin, die mit dem Jenseits auf Tuchfühlung geht, damit jedoch beim Leser eher Heiterkeit hervorruft.

Ich würde jedoch ausdrücklich davor warnen, das Buch auf die Geistergeschichte reduzieren zu wollen! Das war für mich zwar eine herrlich würzende Zutat, beschreibt aber den Kern des Buches nicht. Es geht um Liebe, Leidenschaft, Zeitgeschichte, und viel Humor. Es geht darum, wie drei Frauen über alle Widrigkeiten hinweg über Jahrzehnte befreundet bleiben. Und es geht um glänzende Unterhaltung. Ich kann das Buch wirklich nur wärmstens empfehlen! Wer bekannte Südstaaten-Romane wie "Die Bienenhüterin" oder "Vom Winde verweht" mochte, der wird dieses Buch lieben. Und ich finde die Vergleiche nicht zu hoch gegriffen.


Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate: A Trip Through Death, Sex, Divorce, and Spiritual Celebrity in Search of the True Dharma
Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate: A Trip Through Death, Sex, Divorce, and Spiritual Celebrity in Search of the True Dharma
von Brad Warner
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,20

5.0 von 5 Sternen Ein ziemlich irrer Trip, 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Untertitel lautet "A trip through death, sex, divorce, and spiritual celebrity in search of the true dharma". Ein wenig vollmundig. Aber ein "Trip", jawohl, das ist dieses Buch nun wirklich! Ein ziemlich irrer sogar.
Der Titel des Buches ist allerdings ein wenig irreführend. "Wrapped in Karma, Dipped in Chocolate" - der Autor gibt selber zu, diese Zeile teils der Werbewirksamkeit wegen anderswo entlehnt zu haben.

Aber teilweise stimmt es dann eben doch wieder: der Autor ist ein bekannter amerikanischer Zen- und Meditationslehrer, Punkrock-Musiker (!), und allgemein eher Lebenskünstler. Er beschreibt in diesem Buch ein ganzes Jahr seines Lebens, und zwar das für ihn desaströse 2007. Er verlor nacheinander erst seine Mutter, dann seine Großmutter, seinen Job, und seine Ehefrau (als Ehefrau). Und inmitten all diesen privaten Getümmels ging er seinen zahlreichen Verpflichtungen als Zen-Lehrer nach, leitete Retreats und gab Vorträge.

Das Spezielle an diesem Buch ist nun, dass er jede Gelegenheit ergreift, auf den Zen-Bezug in seinem Leben einzugehen. Und das wirkt nicht gekünstelt, sondern absolut überzeugend, und imme "aus dem Leben gegriffen". Als Mutter und Großmutter sterben, schreibt er z. B. Einschübe über die Sicht auf Tod und Leben im Zen. Als er eine Affäre hat (jawohl!), beschreibt er seine persönliche, durch jahrzehntelange Zen-Praxis gefärbte Haltung zu Sex und Liebe. Und als er seinen Job zu verlieren droht, geht es um "rechten Lebenserwerb" aus buddhistischer Perspektive.

Das Buch ist also ein Mittelding zwischen einjähriger Biographie, ja sogar Tagebuch, und reinem Sachbuch. Der Begriff "Trip" bietet sich dabei schon deshalb an, weil das Ganze eine unglaublich respektlose, bunte und schillernde Mischung ist - aber auch, weil Brad Warner viel um die Welt reist.

Die Idee zu diesem Buch kam ihm mitten in einer schwierigen Meditationsklausur - mitten im größten Chaos seines Lebens. Insofern kann man das Buch sicher auch als Versuch verstehen, sich selbst zu "therapieren", und sich etwas von der Seele zu schreiben. Allerdings genoss er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad als Autor, und konnte sich sicher sein, dass dieses Buch gedruckt werden würde. (Band 1: "Hardcore Zen", Band 2 "Shut up and sit down").

Meine persönliche Meinung? Für ein allgemeines, nicht-buddhistisches Lesepublikum finde ich das Buch nur bedingt geeignet. Obwohl ich persönlich es großartig fand! Aber Brad Warner hält sich einfach nicht lange mit Vorreden und Erklärungen auf. Er schreibt knackig, präzise, und immer auch ein wenig provokant. Für grundlegendere Informationen verweist er selber auf seine ersten beiden Bücher.

Die Würze der Lektüre liegt nun darin, genau diese (absichtlichen) Provokationen und Bezüge zu aktuell in der buddhistischen Welt kursierenden Themen und Skandalen zu erkennen und zu genießen. Brad Warner schlachtet hier so einige "heilige Kühe", was ich ungeheuer mutig, aber eben auch authentisch fand. Es geht allerdings über weite Strecken schon um Insider-Wissen. Man sollte z. B. von Zen-Meister Dogen und dem "Shobogenzo" schon einmal gehört haben, ebenso von der Unterscheidung zwischen Soto- und Rinzai-Zen. Sonst wird man schnell verwirrt.

Auch von der Sprache sollte man sich nicht abschrecken lassen. Brad Warner schreibt in reinster Umgangssprache, teils drastisch und deftig, aber immer lebendig und mit Themenbezug. Wer im Englischen, zumal im amerikanischen Englisch, nicht so sattelfest ist, sollte lieber zu einer Übersetzung greifen.

Brad Warner ist zweifellos eine Klasse für sich! Mir hat er mit seiner respektlosen, derben Art aber auch Mut gemacht. Es darf eben jeder Buddhist sein, auch ein Skeptiker, Draufgänger und "Berufsjugendlicher". Von mir volle 5 Sterne für eine gelungene Mischung aus Tagebuch, Information, Unterhaltung, Authentizität und Lebenshunger!


Schamland: Die Armut mitten unter uns
Schamland: Die Armut mitten unter uns
von Stefan Selke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anspruchsvoller Blick hinter die Kulissen, 22. April 2013
Ich hatte mich aus mehreren Gründen sehr für dieses Buch interessiert. Erstens wächst seit Jahren mein Interesse an gut gemachten Sachbüchern, und zweitens finde ich, dass das Thema "Armut in Deutschland" viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Ich lese zudem gerne Bücher, die mich zum Nachdenken zwingen. Trotzdem möchte ich dem Buch nur drei Sterne geben, was aber weniger am Inhalt liegt. Doch von vorn.

Keine Frage, die Thesen und Inhalte, die der Soziologe Stefan Selke hier anspricht, sind brisant und überfällig. Armut ist in Deutschland ein echtes Thema geworden, ebenso die Spaltung der Gesellschaft in 2 Klassen, sowie die teils sinnlos um sich greifende Mildtätigkeitseuphorie. Der Autor konnte mich ferner von der Ernsthaftigkeit seiner Absicht überzeugen - im Vorwort beschreibt er ausführlich, dass er keine Lösungen zu bieten habe, sich aber seit Jahren mit den "Tafeln" etc. beschäftige, und zum Nachdenken anregen wolle. So weit, so gut.

Dennoch finde ich das Buch als Produkt, als gemachtes Werk, teils ein wenig sperrig. Ich habe mich manchmal gefragt, wer denn das lesen soll - der typische Durchschnittsleser bestimmt nicht. Denn obwohl der Autor im Prolog beteuert, auf "Soziologensprache" verzichten zu wollen, kann er offenbar einfach nicht aus seiner Haut. Man merkt auf jeder Seite, dass er Akademiker ist, und dass er es gewöhnt ist, vor Publikum zu reden. Genau danach klingt nämlich auch die Sprache in diesem Buch.

Der Prolog, sowie weite Teile des Buches, lesen sich wie eine typische Abhandlung in einer akademischen Festschrift. Der Autor verkneift sich zwar weitestgehend Fachtermini, aber der Satzbau ist weit ausholend, viele Passagen und Formulierungen wiederholen sich, und auch die gewählten Metaphern und Bilder klingen eher nach jemandem, der an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. Zudem wimmelt es von Fußnoten, Anhängen und Zitaten von Fachkollegen. Der Soziologe XY habe hier festgestellt, die ForscherinYZ habe da und dort dies geschrieben, der Publizist ABC meine dies und jenes, und so fort. Puh! In einem Aufsatz mag das alles ja noch angehen, aber in einem Buch, das in einem allgemeinen Publikumsverlag erscheint, finde ich diese Vorgehensweise teils verfehlt.

Zudem finde ich den Aufbau des Buches nicht wirklich geglückt. Einen Prolog zu schreiben, ist üblich und angemessen. Darauf folgen erstens ein Abschnitt mit Fallbeispielen unverschuldet in Armut geratener Menschen, danach eine stilistisch gewagte "Collage": aus lauter Zitaten hat der Autor hier einen "Chor der Tafelnutzer" zusammengeschnitten. Doch - danach wiederum zwei Abschnitte in teils verstiegener Sprache, die einerseits auf historische Hintergründe von Armut eingehen, andererseits Folgen der gegenwärtigen Entwicklung aufzeigen. Das alles kam schon im Prolog ausreichend vor! Zumindest für meinen Geschmack. Man hätte lieber nur einen (!) theoretischen Teil anfertigen sollen, und danach dann die Fallbeispiele und die Collage.

Es ist einfach kein Buch, das sich leicht herunterlesen lässt. Oder, anders gesagt: um ausreichend Menschen mit diesem Buch zu "erreichen", um eine Diskussion in Gang zu bringen, ist das Buch nicht eingängig genug geschrieben. Wobei ich noch einmal betonen möchte, dass ich nicht (!) den Inhalt und die Absicht des Autors meine, sehr wohl aber seinen Schreibstil und den Aufbau. Ich finde das, was er eigentlich sagen will, mutig und bedenkenswert. Doch für mich hätten dafür auch 100 Seiten gereicht.


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