ARRAY(0xab896330)
 
Profil für T. Jannusch > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von T. Jannusch
Top-Rezensenten Rang: 572
Hilfreiche Bewertungen: 1009

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Hätte ich doch ...: Von den Sterbenden lernen, was im Leben wirklich zählt
Hätte ich doch ...: Von den Sterbenden lernen, was im Leben wirklich zählt
von Doris Tropper
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Elisabeth Kübler-Ross' Nachfahrin aus Österreich, 15. Dezember 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ich war skeptisch, schon bevor ich das Buch überhaupt in Händen hielt. Denn meiner Meinung nach hat Elisabeth Kübler-Ross, die "Grande Dame" der Sterbebegleitung, schon seit Jahren alles zu dem Thema gesagt, was es zu sagen gibt. Wozu dann also noch dieses Buch? Ich wurde angenehm überrascht. Die Autorin Doris Tropper bezieht sich zwar auf ihr berühmtes Vorbild, und wurde erkennbar von ihr inspiriert. Aber sie wählt dennoch einen ganz eigenen Ansatz für ihr Buch.

Bei Frau Kübler-Ross waren es eher die allgemeinen Erkenntnisse, und die Sterbephasen, von denen sie ausging. Sie flocht zwar auch hin und wieder Beispiele aus selbst erlebten Fällen ein, doch dienten diese eher als Zutat, als "Würze". Bei Doris Tropper ist es eher umgekehrt. Sie wählt sieben beispielhafte Begleitungen aus, die sie alle selber erlebt hat. Und im Vor- und Nachspann zu jedem "Fall" leitet sie ganz konkret Erkenntnisse ab, die auch für uns Nicht-Sterbende von Bedeutung sein könnten. (Übrigens noch ein Unterschied zu Kübler-Ross: sie schrieb ja eher für diejenigen, die selber in der Sterbebegleitung tätig sind - wohingegen Frau Tropper auch den Normalbürger erreichen möchte.)

Ich muss schon sagen, dass Frau Tropper ihre Fälle gut gewählt hat. Sie muss ja in den Jahrzehnten ihrer Tätigkeit schon Hunderte Menschen begleitet haben! Doch ihre sieben ausgewählten Geschichten decken eine bewegende Bandbreite ab, sowohl vom sozialen Hintergrund der Personen, als auch von ihren Krankheitsbildern und -verläufen her. Da ist das leukämiekranke zehnjährige Kind, der aidskranke junge Tänzer mittleren Alters, der 54jährige herzkranke GEschäftsmann, die Nachbarin von Nebenan, die einem wieder ausbrechenden Brustkrebs zum Opfer fällt, da ist auch eine 20jährige, die an Magersucht tatsächlich verstirbt, da ist ein Alzheimer-Patient, und eine hochbetagte Dame mit einem Lebensgeheimnis. Das Kunststück besteht nun darin, dass die Autorin jeden einzelnen dieser Fälle als in sich bedeutend und "wichtig" darstellt - sie zeigt dem Leser auf beeindruckende Weise, was jeweils an ganz unterschiedlichen Menschen für uns lehrreich sein kann.

Jedem "Fall" ist eine Art "Meditation" vorangestellt - ich weiß gar nicht, wie ich das anders nennen soll. Es sind kurze, manchmal arg verträumte oder blumige Texte, die in ein Thema einführen, wie z.B. Wünsche, Lebensplanung, oder die Freude an kleinen Dingen. Manchmal gerät die Autorin (aus sprachlicher Sicht) in diesen Texten allerdings gefährlich nahe an seichte Kalendersprüche oder Bildpostkarten.

Es folgt jeweils eine Erzählung zu der jeweiligen Begleitung, der jeweiligen Person. Hierbei ist Frau Tropper aus schriftstellerischer Sicht nicht ganz stringent vorgegangen - mal erzählt sie, nach Tagen, "wie" sie begleitet hat, dann driftet sie wieder in die Lebensgeschichte der Person ab, oder sie zieht Parallelen aus dem eigenen Leben, z.B.zu berühmten Künstlern, Filmen oder Büchern. Aber gerade diese Mischung hebt sich wiederum erfreulich von anderen trockenen Sachbüchern zum Thema Sterbebegleitung ab. Alles ist sehr unprätentiös und nachvollziehbar geschrieben - eben eher menschlich, nicht "fachlich".

Abgeschlossen werden die "Fälle" von jeweils einem Fazit und einer Nachbetrachtung, wobei sich mir der Unterschied nicht immer ganz erschlossen hat. Überhaupt neigt Frau Tropper ein wenig arg zu allerlei Resümees und Rückblicken. Doch das hält sich innerhalb dieses Buches aus der Gesamtsicht schon noch in einem vertretbaren Rahmen - so gerade eben. Die Autorin sagt ja selber, dass es kein Patentrezept zum Verstehen und Lesen ihres Buches gäbe. Ich habe sie dahingehend so verstanden, dass jeder aus diesem Buch das ziehen darf, was er mag. Und das finde ich auch gut so.

Ich habe das Buch wider Erwarten wirklich als erfrischend und nützlich empfunden. Ich bin selber in der Sterbebegleitung tätig, und konnte aus so mancher Geschichte noch eine Anregung mitnehmen. Andere Fälle wiederum, besonders die zu den beiden sehr alten Menschen, haben eher den Charakter einer Studie, sowohl zum Thema "Alter" als auch "Demenz". Alles sehr greifbar und praktisch.

Die volle Punktzahl mag ich aus verschiedenen Gründen allerdings nicht geben. Erstens, die Autorin selber kommt mir in diesem Buch einfach zu wenig vor. Sicher, es mag ihre Absicht gewesen sein, sich ganz zurückzuhalten und die Geschichten für sich sprechen zu lassen. Aber hier erfährt man ja fast nur den Namen der Autorin! keinerlei Klappentext zu ihr, zu ihrem Leben, ihrem Werdegang, kein Foto, keine Selbstdarstellung - einfach nichts. Nur aus dem Text selber kann man indirekt schließen, dass sie Österreicherin sein muss. Denn es fallen Begriffe wie "Sachertorte mit Schlagobers", "Burschen", "Matura" und natürlich die Erwähnung der Stadt Graz.

Zweitens, so manches Mal ist mir die Blumigkeit des Stils doch ein klein wenig aufgestoßen. Ich möchte damit wohlgemerkt die Tätigkeit der Autorin nicht verunglimpfen! Sie versieht ihren Dienst erkennbar mit Engagement und Hingabe. Allerdings ist sie keine wirkliche "Schriftstellerin", was ich nun wirklich nicht böse meine. Man verstehe mich bitte nicht falsch. Ich erwähnte oben schon den Vergleich "Kalendersprüche". Vielleicht sollte ich abschwächend eher sagen, dass die Autorin manchmal ein wenig idealistisch ist, was die "Übertragbarkeit" der Erkenntnisse für Normalbürger angeht.

Und drittens sind mir die Literaturhinweise definitiv zu mager. Bei einem solchen Buch hätte ich eine deutlich längere Liste erwartet. Und ich war höchst erstaunt, dass sie im Text selber zwar Elisabeth Kübler-Ross mehrfach erwähnt, im Literaturverzeichnis jedoch nur einmal (!) - und dann auch noch ein weniger bekanntes Werk über Kinder...

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, keine Frage. Ich denke allerdings insgesamt eher, dass es solche Leser ansprechen wird, die noch gar keine Erfahrung mit diesen Themen haben. "Alte Hasen" oder Menschen aus Pflegeberufen würde ich das Buch allerdings nur bedingt empfehlen.


Dinner for one, Murder for two: Ein neuer Fall für Pippa Bolle (Ein Pippa-Bolle-Krimi, Band 2)
Dinner for one, Murder for two: Ein neuer Fall für Pippa Bolle (Ein Pippa-Bolle-Krimi, Band 2)
von Auerbach & Keller
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Well done, Pippa!, 14. Dezember 2012
Dieses Buch hat mich gelehrt, was es heißt, einmal die sprichwörtlichen Fünfe gerade sein zu lassen. Denn einerseits sehe ich genau, was man ihm alles "vorwerfen" könnte; andererseits haben aber für mich die glänzende Unterhaltung und das Liebenswerte überwogen. Ich "muss" einfach die vollen fünf Sterne geben. Auch deshalb, weil ich der Meinung bin, dass man einen humorvollen Krimi nicht an Messlatten legen sollten, die dafür gar nicht gemacht sind - sprich, an "hoher Literatur" oder Weltklasse-Thrillern.

Ich hatte ja vorab schon ein wenig Sorgen. Die beiden Autorinnen, "Frau Auerbach" und "Frau Keller" (sehr witzig gewählte Pseudonyme!), sind noch recht neu auf dem Krimi-Parkett. Wenig Zeit ist vergangen seit dem ersten Buch um Pippa Bolle. Außerdem wurde im ersten Band Goethe auf die Schippe genommen, im zweiten ist es nun Shakespeare. Na?, fragte ich mich, roch das nicht ein klein wenig nach einem "Rezept", das ausgeschlachtet werden sollte? Doch meine Sorge war unbegründet, das Buch konnte mich aus sich heraus überzeugen. (Obwohl mir die Frage erlaubt sein darf, wie der Faden in Band 3 wohl weitergesponnen wird - kann man das Ganze dann wieder an einem Schriftsteller aufhängen? Und muss Pippa wieder ein Haus hüten?? Wir werden sehen.)

Wieder ist die Abwesenheit eines Hausbesitzers der Grund, warum Pippa einen Ortswechsel vornimmt. Diesmal geht es nach England, was ja auch Sinn macht, wenn man mit der Story Shakespeare aufs Korn nehmen will. Pippa soll das Haus ihrer Oma hüten, und gleichzeitig eine Theatertruppe betreuen, die im benachbarten Hotel für ein Festival den "Hamlet" probt. Die Geschichte läuft, im Vergleich zum Klappentext (der ja, ehrlich gesagt, ein wenig schummelt) eher langsam an. Denn die dort "versprochene" Leiche gibt es erst im letzten Drittel des Buches. Allerdings ist trotzdem Spannung vorhanden, halt nur auf andere, leise, und liebenswerte Art.

Das Buch besteht viel eher aus Stimmungen, aus Atmosphäre, und kleineren und größeren "Rangeleien", die sich, fast wie ein Gewitter, in der Theatertruppe aufbauen. Auch auf das gesamte Dorf haben die exzentrischen Schauspieler eine eher Unruhe stiftende Wirkung, was wirklich köstlich beschrieben ist! Die allererste Leiche ist übrigens - ein Hund! Wie überhaupt die Tiere (die Pippas Oma gehören) in diesem Buch eine erfreuliche Rolle spielen. Sie tragen sogar zur Auflösung bei! Selbst wenn die durch und durch englische Atmosphäre nicht gewesen wäre, spätestens hier habe ich mich in das Buch verliebt. Das Buch nimmt dann im letzten Drittel noch einmal so richtig Fahrt auf - was aus dramaturgischer Sicht wiederum "Sinn macht". Denn alle vorher beschriebenen Unruhen und Zwischenfälle reichten der örtlichen Polizei nicht aus, um von einer wirklichen Straftat auszugehen. Erst ab dem ersten zweifelsfrei Ermordeten, dem Regisseur Hasso von Kestring, geht es so richtig "rund" in dem Buch. Wer Shakespeare kennt, wird die eine oder andere Wendung schmunzelnd wiedererkennen. Man stolpert als Leser ein wenig atemlos den Figuren hinterher, bis zum in jeder Hinsicht überraschenden, aber dennoch "runden" Ende.

Ich habe wirklich vieles an diesem Buch gemocht. Einerseits den in jeder Hinsicht durchdachten Bezug zu Shakespeare. Die Autorinnen haben sich sogar die Mühe gemacht, dem Buch ein "Dramatis Personae" voranzustellen, samt passenden Hamlet-Zitaten! Das nenne ich Fleißarbeit. Auch das Setting "passte" einfach zur Handlung. Diese Dinge hätten nur in England so geschehen können - wenn überhaupt...! Kritische Leser, oder hartgesottene Krimifans mögen einwenden, dass das Lokalkolorit an manchen Stellen schon fast überwiegt. Mich hat das wenig gestört, da ich das Buch sowieso weniger als Krimi, sondern als Unterhaltungsliteratur einordne. Außerdem hat mir der Witz wunderbar gefallen. Er liegt eher im Verborgenen, in den Reaktionen der Leute auf stressige oder unerwartete Situationen. Und in den Kommentaren Pippas zu Hasso von Kestring...! Zu guter Letzt möchte ich noch das Talent der Autorinnen erwähnen, "telling names" zu erfinden. Die Wortspielereien in der Namensgebung so mancher Figur waren für mich das Sahnehäubchen.

Aspekte, die ich kritisch sehe, möchte ich nicht verschweigen. Sie können allerdings nicht an meiner Wertung "rütteln". Erstens, wie ich bereits sagte, ist das Buch wesentlich weniger "Krimi" als man erwarten könnte. Der Leser kann kaum mitraten, unter anderem auch aus dem Grund, weil viele für die Ermittlung wichtige Details nicht sofort genannt werden, sondern erst in späteren Kapiteln "nachgereicht" werden. Zweitens, wie schon im ersten Band: Pippa "ermittelt" eigentlich nicht. Sie ist keine Detektivin. Weder unfreiwillig, noch offiziell. Sie ist einfach nur zufällig vor Ort, hat vielleicht ein wenig mehr Witz und Hintersinn als die anderen Beteiligten. Doch die Ermittlungen werden, ganz offiziell, von der ortsansässigen Polizei, sogar von einer Kommissarin, geführt! Pippa trägt vielleicht einen oder zwei Aspekte bei, mehr nicht.

Drittens, das Buch ist auf Deutsch geschrieben - in der Handlung kommen aber manche Aspekte und Witze vor, die eigentlich der Mehrsprachigkeit bedurft hätten, um wirklich "rüberzukommen". So soll Pippa ja die Theatertruppe unter anderem deshalb betreuen, weil die Teilnehmer international sind, und teilweise nur schlecht Englisch können. So manches Wortgefecht verliert dadurch natürlich an "Biss", da alles nur auf Deutsch wiedergegeben wird. Außerdem benutzen manche von Pippas englischen Freunden Redwendungen, bei denen ich doch die Stirne gerunzelt habe - das waren eindeutig deutsche Formulierungen, und die wären in England so nie gefallen! (Zum Beispiel redet die Kommissarin an einer Stelle von "Teufel und Beelzebub", wobei das Sprichwort auch noch falsch gebraucht ist. Es müsste eigentlich heißen, "den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", und nicht "den einen und den anderen kaufen", oder so ähnlich...)

Aber meine Kritikpunkte sind letztlich "Meckern auf hohem Niveau". Ich persönlich hatte ein wirklich "rundes" Leseerlebnis, und werde das Buch sehr gerne weiterempfehlen. Allerdings mit den entsprechenden Hinweisen.


So it goes: Roman
So it goes: Roman
von Michael Tucker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungener Mix aus "Der Stadtneurotiker" und "Love Story", 10. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: So it goes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Gefühl, dieses Buch konnte so nur in Amerika geschrieben werden. Auf kontinentaleuropäische Verhältnisse scheint es kaum übertragbar, weder von den Figuren, dem Setting, noch der Handlung her. Alles steckt voller Referenzen an spezifisch amerikanische Vorbilder - die Figuren, insbesondere der "tragische Held" Herbie Aaron, scheinen direkt aus einem Film von Woody Allen entsprungen; und die sehr dialoglastige Handlung könnte so auch im Skript einer Screwball- Sitcom oder anderen Seifenoper stehen. Ganz zu schweigen von typisch amerikanischen Verhaltensweisen, besonders unter Schauspielern. Es wird sich dauernd verabredet und ausgegangen (in Amerika scheint kein einziger Mensch mehr selber zu kochen), es geht um berufliche Kontakte, Beziehungen, und jede Menge Alkohol und Sex.

Das mag sich im ersten Moment negativ anhören - soll jedoch nur unterstreichen, dass dieses Buch von dem abwich, was ich laut Titel, Klappentext und Leseprobe erwartet hatte. Vor allem der deutsche Titel hatte mich zunächst auf eine (relativ) falsche Fährte geführt. "So it Goes" ist ja ein recht bekanntes, literarisches Zitat, das aus dem berühmten Roman "Slaughterhouse Five" (Schlachthof Fünf) von Kurt Vonnegut stammt. In jenem Buch ist das Zitat so etwas wie ein "running gag", und taucht immer dort auf, wo jemand (oder etwas) stirbt. Ich hatte also, auch aufgrund des Klappentextes, eine Geschichte rund um das Sterben von Annie, Herbies Frau, erwartet. Doch das war es dann nur zum Teil.

Annie stirbt bereits innerhalb der ersten 50 Seiten des Romans, und zwar relativ flott und komplikationslos. Was danach kommt, gleicht teilweise einer Odyssee, und teilweise eben auch einer echt amerikanischen Sitcom. Herbie reist durch Amerika, spielt Golf, trinkt viel, und bringt - so ganz nebenbei - die Karriere von Olive in Gang, die er noch kurz vor Annies Tod kennengelernt hatte. Ganz unterschwellig nähert er sich dabei noch der Tatsache, dass er sich wieder verlieben möchte, und zwar ausgerechnet in ebenjene Olive, die doch so viel jünger ist als er. Schon wieder ein Element, das mich an Woody Allen überdeutlich erinnerte... der geriet ja auch durch die Liebe zu einer viel jüngeren Frau in die Schlagzeilen. Der Originaltitel ist letztlich sehr viel passender: "After Annie", also "Nach Annie". Genau das ist es, nicht weniger und nicht mehr - "was danach geschah".

Man merkt in jedem Kapitel, ja in fast jeder Zeile, dass der Autor selber Schauspieler ist. Diese ganze "Szene" hat er schon sehr überzeugend dargestellt, mit sämtlichen Überspanntheiten und Exzessen, die man erwarten könnte. Wie man an Rollen kommt, was Agenten eigentlich tun, wie Proben ablaufen, welche Exzentriker sich in einem Ensemble so tummeln, und so weiter und so fort. Das fand ich schon ziemlich faszinierend, und auch gut zu lesen! Außerdem besteht das Buch zu gefühlten zwei Dritteln aus Dialogen, und zwar ohne lästige "Redebegleitsätze". Ziemlich authentisch, locker, flapsig, und durchaus nicht unkomisch. Nahezu eins zu eins drehbuchtauglich.

Viele Leser waren enttäuscht, was ich einerseits gut nachvollziehen kann. Denn auf den ersten Blick hat das Buch sein angekündigtes Ziel verfehlt. Aber eben nur auf den ersten! Man muss schon genauer "hinlesen", sich einfühlen in Herbie, dann merkt man, dass eben doch nahezu sein gesamtes Handeln noch auf Annie, seine große Liebe, bezogen ist. Das scheint in vielen Details durch. Man beachte nur, wie er wütend auf die Golfbälle eindrischt! Und wie er sich geradezu davor "drückt", eine neue Liebe einzugehen. Erst auf den allerletzten Seiten löst sich diese Spannung. Und obwohl das Buch genau da endet, wo es "spannend wird", kann man sich das Weitere doch denken. Wie ich finde, ein schöner Abschluss.

Kritikpunkte habe ich eigentlich kaum. Ich musste mich allerdings erst "einlesen" in dieses Buch, da die geschilderte Welt mir doch sehr, sehr fremd ist. Ich fand die Figuren nicht leicht zugänglich, aber sie waren stets mit einem heftigen Augenzwinkern geschildert. Man muss all diese Exzentriker wahrlich nicht "mögen", kann aber ihren Weg nachvollziehen. Und das ist auch, was der Autor gewollt haben mag. Er hat "seiner" Welt, und indirekt wohl auch seiner Frau, sdie ebenfalls Schauspielerin ist, ein Denkmal gesetzt. Für ein Erstlingswerk - Hut ab!


Die Hure Babylon: Roman
Die Hure Babylon: Roman
von Ulf Schiewe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Geschichtsstunde als "Roman", 8. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Hure Babylon: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich möchte vorab klarstellen, dass meine Bewertung von "nur" drei Sternen ein Geschmacks- und kein (!) Werturteil darstellt. Ulf Schiewe schreibt historische Romane auf seine ganz eigene Art und Weise, die nicht unbedingt mit dem übereinstimmte, was ich gewohnt war. Er weicht ab von dem, was im historischen Genre "gängig" ist - für mich weniger leicht verdaulich, aber durchaus nicht "schlecht"!

Bei den meisten Autoren von historischen Romanen stehen ganz klar die Figuren und ihre dramatischen "Irrungen" im Vordergrund - also beispielsweise die verstoßene Hure, der naive Idealist, oder das einsame Findelkind. Im Grunde sind es Geschichten, die so auch heute spielen könnten - die aber, aufgrund einer Vorliebe des jeweiligen Autors, in die Vergangenheit versetzt wurden. Ohne das negativ zu bewerten, stelle ich fest, dass in solchen Büchern die Historie eben ein "Rahmen" ist, der das Ganze ein wenig exotischer machen soll. Ganz anders bei Ulf Schiewe!

Bei Ulf Schiewe ist die Vergangenheit selbst der eigentliche "Held" des Buches; in diesem Falle ist es der zweite Kreuzzug. Er geht also genau andersherum vor: er hat sich in eine ferne Zeit "verbissen", und sucht nun nach Figuren, die dort hinein passen könnten. Sein Hauptaugenmerk liegt also auf einer realistischen Darstellungsweise, auf viel Hintergrundwissen, und dessen möglichst getreuer Übermittlung. Sicher liegen ihm auch seine Figuren am Herzen, aber sie treten doch über weite Strecken in den Hintergrund. Ich habe sie vielmehr als "Schachfiguren" empfunden, nicht als Personen, ohne die die Geschichte so nicht hätte funktionieren können. (Wie gesagt - kein (!) Werturteil!)

Was nun dieses spezielle Buch betrifft, hatte die Technik des Autors zur Folge, dass wesentlich mehr Schlachten, taktische Manöver, und blutige Einzelheiten vorkamen, als ich das erwartet hatte. Wenn man das mag - kein Problem! Ich sage ja auch nicht, dass das Buch "unspannend" gewesen wäre. Man hat sich gut in diese Zeit versetzen können. Aber es war halt viel weniger "Roman", weniger Liebesgeschichte, als man laut Klappentext hätte denken können.

Arnaut und Ermengarda heißen die beiden Hauptfiguren des Romans - sie eine provenzalische Fürstin, er ihr Geliebter. Sie erleidet zwei Fehlgeburten, und dies reicht aus, Arnaut an der Rechtmäßigkeit ihrer Liebe zweifeln zu lassen, zumal Ermengarda ja offiziell mit einem Anderen (aus politischen Gründen) verheiratet ist. Er schließt sich dem Kreuzzug an, um "Buße zu tun". Ermengarda ist dagegen, es kommt zum Streit, und zu einem Zerwürfnis.

Doch wer nun erwartet, den beiden (sich immer noch) Liebenden durch das ganze Buch zu folgen, und ihre persönliche Geschichte mitzuerleben - der liegt nicht ganz richtig. Das Buch ist wiederum in 5 "Bücher" unterteilt. Das jeweils erste Kapitel berichtet von Ermengarda in der Ich-Perspektive, alle weiteren begleiten den Kreuzzug, und zwar "en detail". Arnaut kommt dabei nicht immer vor - immer nur gut dosiert dort, wo er eine Rolle in einer Schlacht spielt. Schade, das war schon der erste Negativpunkt für mich. Ich hätte gerne mehr von Ermengarda erfahren, das "ich" im historischen Roman fand ich sehr erfrischend.

Was ich dem Autor allerdings zugute halten muss, ist seine exemplarische Recherche. Das Buch platzt beinahe vor realistischen und treffsicher ausgesuchten Details. Da geht es allerdings auch schon mal um taktische Entscheidungen, um Angriffsmanöver, die sich mir nicht immer erschlossen haben - und eben auch um Gemetzel und Foltermethoden. Und es geht darum, was für ein Irrsinn der Kreuzzug eigentlich war - sowohl aus menschlicher, als auch aus politischer Sicht. Man lernt viel über die damalige Kriegsführung, und die Verbissenheit aller Beteiligten.

Der Autor versteht es, dramatische Konflikte zu schildern, das will ich nicht bestreiten. Mehr als einmal gibt es brenzlige Situationen, die nur haarscharf gut ausgehen. Es gibt einige Stellen, wo es "menschelt", wo Beziehungen unter den Teilnehmern des Kreuzzuges entstehen. Und wo auch Konflikte ausgetragen werden. Zart dosiert gibt es auch Liebschaften, ja sogar Hochzeiten - doch leider sehr spärlich. Das Hauptaugenmerk liegt, wie schon gesagt, auf dem Verlauf des Kreuzzuges. Das war mir oft zu trocken, zu militärisch.

Der Autor hat in der Leserunde zudem verraten, dass das halb offene und ein wenig pessimistische Ende von vornherein feststand. Im Interesse dieses so gewollten Endes hat er auch hin und wieder mal gekürzt, gerafft, und umgeschrieben. Wenn man genau "hinliest", kann man das spüren. Ein weiterer Punkt, der nicht jedem gefallen muss.

Ich möchte abschließend bemerken, dass dieses Buch für mich durchaus eine Erfahrung war. Es ist sicherlich gut geeignet für Hardcore- Historien-Fans, die die ewige "Verklärung" des Mittelalters ein wenig leid sind. Für Leser, die bereit sind, sich in eine andere Zeit versetzen zu lassen, und zwar mit allen Konsequenzen. Weniger geeignet ist es nur für Leser wie mich, die eigentlich zarter besaitet sind, und ihre "Geschichte", ihren Plot, ihre Romantik wollen.


Einmal Buddha und zurück: Roman (Das Besondere Taschenbuch)
Einmal Buddha und zurück: Roman (Das Besondere Taschenbuch)
von Anne Donovan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Der Titel ist eigentlich eine Mogelpackung, 5. Dezember 2012
Ich hatte mir deutlich mehr von diesem Buch erhofft - aber zu mehr als drei Sternen, die in diesem Fall für "ganz passable Unterhaltung" stehen, mag ich mich nicht aufraffen.

Das Buch ist nun wirklich nicht "schlecht". Die Idee dahinter bleibt nach wie vor originell: Ein Maler und Anstreicher aus Glasgow, mittleren Alters und verheiratet, eine Tochter, entdeckt plötzlich den Buddhismus für sich. Er verändert seine Ansichten und Gewohnheiten völlig, was - vorübergehend - zum Bruch mit seiner Familie führt. Doch meiner Ansicht nach wurde diese gute Idee nur unzureichend durchdacht, nicht konsequent zu Ende beschrieben. Letzten Endes habe ich das Buch so empfunden, dass die Idee mit dem Buddhismus nur eine "nette Hintergrundfolie" abgab. Eigentlich ist das Buch eine Familiengeschichte, mit den üblichen Selbstfindungsproblemen aller Beteiligten. Und das hätte sich auch an jedem anderen Thema als dem Buddhismus entzünden können.

Zugegeben, das, WAS die Autorin über den Buddhismus schreibt, ist gut recherchiert, und weitestgehend zutreffend. Obgleich sie dem Leser natürlich verschweigt, dass diese Form des Buddhismus, die Jimmy für sich entdeckt, nur eine von vielen ist. Sie ist in keinster Weise repräsentativ! Doch das sollte man wahrscheinlich nicht so eng sehen. Ich bin in diesem Punkt nur deshalb empfindlich, weil es auch "meine" Religion ist (und auch ich schwärme nicht gerade für die tibetische Richtung, respektiere sie aber).

Das Buch ist in meinen Augen einfach ungeschickt aufgebaut, was den Plot betrifft. Die einleitenden Kapitel, sagen wir, das erste Drittel, drehen sich rund um Jimmys plötzliche "Bekehrung", und sind insofern wirklich nett. Doch danach driftet das Buch ab, es wird mehr und mehr eine reine Familiengeschichte daraus. Die Schwiegermutter stirbt, die Ehefrau nimmt sich einen Geliebten, die Tochter möchte Popstar werden. Und so weiter. Die Ausgangsidee wird leider aus den Augen verloren. Und auch das Ende ist ein wenig übers Knie gebrochen, und hat mich nicht überzeugt - schon allein von der Wahrscheinlichkeit her. Es gibt zu viele lose Fäden.

Auch, was den Schreibstil betrifft, bin ich nicht gänzlich zufrieden. Schön ist die Idee, die Geschichte aus drei Perspektiven zu erzählen: Jimmy, seine Ehefrau Liz, und deren Tochter Anne-Marie. Doch auch dies scheint mir nicht wirklich durchdacht. Die Perspektiven wechseln sich zwar ab, aber erstens bekommen die beiden weiblichen Stränge viel mehr Raum als Jimmy, und zweitens sind sie auch besser gelungen. Ich muss es leider sagen, die männliche Perspektive nehme ich der Autorin nicht recht ab. Sorry.

Was bei mir von diesem Buch bleibt, ist leider nicht viel mehr als ein flüchtiger Eindruck von einem durchaus vorhandenen schriftstellerischen Talent. Frauen- oder Teenager-Dramen könnte die Autorin vermutlich viel besser schreiben. Doch von der männlichen Perspektive sollte sie in Zukunft definitiv die Finger lassen.


Ein Traum von Musik: 46 Liebeserklärungen
Ein Traum von Musik: 46 Liebeserklärungen
von Elke Heidenreich
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsam und reichhaltig, 26. November 2012
Dieses Buch war für mich wie eine Pralinenschachtel - man konnte sozusagen wahllos hineingreifen, und hatte doch immer ein köstliches kleines Kabinettstück in der Hand. Womit ich nicht sagen möchte, dass alle an dem Buch beteiligten Autoren die gleiche Methode gewählt hätten...! Oder dass sie auch nur im Ansatz das gleiche Verhältnis zur Musik hätten.

Sehr, sehr nützlich war für mich der Anhang, weil ich - ich gebe es verschämt zu - etliche der Autoren nicht kannte. Es sind ja sage und schreibe 46 Personen, die Elke Heidenreich dazu gebracht hat, einen Artikel für dieses Buch beizusteuern. Ein wenig hat man schon den Eindruck, sie habe ihr persönliches Adressbuch gescannt, und alle angeschrieben, die ihr etwas schulden. Der Anhang erklärt jedenfalls, wer wer ist. Viele sind Musiker, manche aber auch Theater-Intendanten (Elke Heidenreich war selber jahrelang bei der Kölner Kinderoper beschäftigt), manche Journalisten, und auch Politiker. Schon allein das Inhaltsverzeichnis legt also Zeugnis ab von einem erfüllten und kontaktreichen Leben, das die Initiatorin des Buches, Elke Heidenreich, bisher geführt hat. (Wer sich übrigens wundert, warum Campino von den Toten Hosen in diesem Buch auftaucht: Elke Heidenreich ist seine Tante.)

Das Buch hat mich wirklich verzaubert. Einerseits durch die Vielfalt, die es ausstrahlt. Denn die Autoren sind ihre Aufgabe ganz unterschiedlich angegangen. Mancher hat einfach Episoden aus seiner Kindheit zusammengetragen. Viele Musiker haben den Werdegang ihrer musikalischen Prägung und Erziehung nachgezeichnet (nicht nur Eltern, auch Lehrer sind hier oft wichtig). Einige wenige haben Erzählungen verfasst. Andere beziehen sich auf bestimmte Anekdoten aus ihrem Leben. Und einer hat sogar ein Gedicht verfasst...!

Auch die Art und Weise, wie Musik ein Leben prägen kann, ist in überragender Fülle geschildert. In überraschend vielen Geschichten spielt zum Beispiel die Erfindung des Radios eine bedeutende Rolle - jedenfalls, bevor es "musikalische Konserven" in erschwinglicher Form gab. Manche Autoren haben eine lebenslange Liebe zu einem bestimmten Komponisten. Bei wieder anderen spielte die Musik den "Lebensretter". Und eine dritte Gruppe ist berühmten Musikern selbst begegnet (z. B. Udo Jürgens Sammie Davis Jr. ).

Ich bin allerdings der Meinung, dass man schon selber vom "Musik-Virus" infiziert sein muss, um an diesem Buch Gefallen zu finden. Denn sonst wird man manche Anspielungen oder musikalische Fachausdrücke (besonders bei den Artikeln der Berufsmusiker) nicht richtig einordnen können. Ansonsten ist das Buch aber jeden einzelnen Cent wert! Es ist so reichhaltig, dass man es gewissermaßen nie "zu Ende" lesen kann, sondern immer wieder gerne zur Hand nimmt.


Du hast es in der Hand: 5 einfache Rituale für ein glücklicheres Leben (Einzeltitel)
Du hast es in der Hand: 5 einfache Rituale für ein glücklicheres Leben (Einzeltitel)
von Werner Tiki Küstenmacher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut gelungenes "Appetithäppchen", 25. November 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Ich hatte bislang vieles über Werner Tiki Küstenmacher gehört, aber noch nie etwas von ihm gelesen. Ich stolperte per Zufall über diesen neu erschienenen Ratgeber, und habe es einfach einmal versucht. Vor allem das ungewöhnliche, beinahe quadratische Format hatte mich angesprochen, sowie der griffig formulierte Titel, und die Abbildung der Hand. Das versprach ein praktisches Buch zu werden.

Mein Fazit lautet, dass es ein gut brauchbares Buch ist - es enthält gewissermaßen fünf Bücher in einem, nämlich 5 Kapitel zu jeweils einem Finger der Hand, der für eine bestimmte Methode, einen Ansatz, steht. Im Wesentlichen geht es darum, sein Leben zu entrümpeln und positiv zu verändern - und zwar anhand von Erinnerungshilfen, die sich an die 5 Finger der Hand halten. Man kann die Kapitel alle hintereinander lesen, wobei ich das allerdings für fast zu viel halte. Denn sie sind inhaltlich zwar gut verständlich, aber auch "dicht" geschrieben, und enthalten sehr viele Informationen.

Sehr gut finde ich einiges an diesem Buch. Die Einleitung ist sehr informativ, sie ist nicht nur Geplänkel, wie bei vielen Büchern, sondern eine wirklich gute Erklärung, wie dieses Buch zu nutzen ist. Ferner gibt es immer wieder Info-Kästen in den Kapiteln, in denen das Wichtigste zusammengefasst ist. Es gibt lebensnahe Beispiele, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, und viel Verständnis für Anfängerfragen. Besonders schön ist das allerletzte Kapitel, das nicht einem Finger gewidmet ist, sondern sozusagen der Umsetzung der 5-Finger-Methode im Alltag. So etwas hat mir bei vielen Ratgebern immer gefehlt! Genauso würde ich das Buch auch sehen: als eine Anregung, aus der man sich sein persönliches "Menü" zusammenstellen kann.

Einige wenige Dinge stören mich aber auch an dem Buch, bzw. sie haben mich einfach weniger angesprochen. Es ist zwar löblich, dass der Autor sämtliche Illustrationen selbst gezeichnet hat - aber der Comic-Stil ging mir manchmal ein wenig am Thema vorbei, war mir zu "kindlich". Zweitens, die Schrift finde ich einfach zu klein. Dann hätte ich lieber ein größeres Format, und eine größere Schrifttype, für das Buch gewählt. Drittens, besonders die Auswahl der Schreibschrift für die Zwischenüberschriften finde ich ungünstig. Sie ist zu verschnörkelt für diese winzige Größe; oft konnte ich die Satzzeichen nicht richtig erkennen, und musste den Satz wiederholt lesen, um seinen grammatischen Sinn zu erfassen. Und viertens, das Literaturverzeichnis hätte gerne ausführlicher sein können. Denn dieses Buch regt zum Nachdenken an!

Insgesamt hat mir das Buch aber Appetit auf "mehr" von Werner Tiki Küstenmacher gemacht. Ich halte ihn für einen sehr lebensnahen Autor, dem es wirklich um seine Leser geht, nicht "nur" um den Verkauf seiner Bücher. Sicher kommt das auch daher, dass er ursprünglich ausgebildeter Theologe ist.


Die schönsten Dinge: Roman
Die schönsten Dinge: Roman
von Toni Jordan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die unwahrscheinlichsten Dinge, 6. November 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Scheinbar habe ich mir bei diesem Buch selber im Weg gestanden. Es hat mir einfach nicht gefallen, wobei das nur bedingt am schriftstellerischen Können der Autorin liegt. Sicher spielt in meine Enttäuschung mit hinein, dass ich ihr erstes Buch ("Tausend kleine Schritte") schon kannte, und dementsprechend vergleichbar Großes erwartete. Zweitens konnte ich der teils wilden Handlung einfach nur bedingt logisch folgen - mein Verstand funkte dauernd dazwischen, und bemängelte diese und jene Unwahrscheinlichkeit, oder logische Lücke. Sicher soll dies keinen realistischen Roman darstellen, sondern eine (Gauner-) Komödie. Dennoch, besonders zum Ende hin haben sich für mich die Fragezeichen in meinem Kopf addiert.

Ich habe die Autorin der "Tausend kleinen Schritte" durchaus "wiedererkannt", das war nicht das Problem. Der Stil hat großen Wiedererkennungswert - die Erzählweise ist leichtfüßig, mit lockeren Dialogen, durchgängig allerdings mit sehr weiblicher Sicht der Dinge. Die Prise Humor hier und da hat auch nicht gefehlt, konnte aber für mich das Ganze nicht zusammenhalten. Was allerdings wieder schön war, waren die Liebes- und Verführungsszenen. Genau wie in ihrem Erstling, hat es auch hier die Autorin geschafft, unkitschig und wirklich schön eine körperliche Anziehung zu schildern.

Für mich hapert es vor allem anderen einfach am Plot, und dem persönlichen Hintergrund der Hauptfigur, den ich so einfach nicht glauben mag. Eine Hochstaplerin, die von einem potenziellen Opfer enttarnt zu werden droht, und die deswegen ganz plötzlich "ernst machen" muss; so etwas kennt man aus diversen Filmen, und besonders aus Fernseh-Serien der 60er (so fühlt es sich jedenfalls für mich an). Doch gleich die ganze Familie...??! Das war zwar alles fantasievoll geschildert - die Kinder werden von klein auf "trainiert", es gibt Notfallpläne für alles und jedes, keine einzige Person übt einen normalen Beruf aus, ja, Della soll nicht einmal zur Schule gegangen sein... sorry, da bin ich irgendwann "ausgestiegen". Vor allem wurde die Hintergrundgeschichte der Familie nur immer mal am Rande gestreift; dadurch war sie für mich einfach zu "dünn", zu sehr herbeifabuliert.

Ich kann sehr gut verstehen, dass andere Leser hier anders urteilen mögen. Man kann sicherlich über diese Aspekte "hinweglesen", und sich einfach unterhalten lassen. Aber bei mir streikt es, wenn ich glauben soll, dass man innerhalb von 4 Tagen sich genügend Wissen anlesen (!) kann, um einen biologischen Feldversuch "in echt" zu simulieren. Niemals! Gleiches gilt für eine Szene in der Universität. Ich habe selber studiert, allerdings nur an einer "Provinz-Uni". Dennoch halte ich es für absolut undenkbar (mit gefühlten tausend Ausrufezeichen), erst recht an einer Elite-Uni, sich einfach so einzuschleichen, Schaukästen zu knacken, und ein Büro zu okkupieren...

Noch ein gewichtiger Kritikpunkt an diesem Buch ist für mich das Ende, oder besser gesagt, das gefühlte letzte Drittel. Hier geschieht zu viel, vor allem zu viel Unwahrscheinliches. Am Ende war mir überhaupt nicht klar, wer nun wen betrogen hat und warum; ich habe das Buch mit mehr Fragezeichen geschlossen, als ich es begonnen hatte. Und so etwas sollte eigentlich, gerade bei einer Komödie, nicht passieren.

Ich mag letzten Endes einfach nicht mehr als zwei Sterne geben. Damit will ich, wie gesagt, nicht das Können der Autorin verunglimpfen. Es ist einfach nur so, dass diese Geschichte "als Geschichte" mich nicht erreicht hat.


Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg: Fundstücke eines Wohnungsauflösers
Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg: Fundstücke eines Wohnungsauflösers
von Hans-Jürgen Heinicke
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührende Mischung aus Fallstudien und Hintergründigem, 3. November 2012
Ich hatte mich von vornherein für dieses Buch interessiert, da ich vermutete, zwischen der Tätigkeit des Autors und meiner könnte es gewisse Parallelen geben. Und ich hatte Recht. Ich habe gerade eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen, und in diesem Rahmen auch ein Praktikum bei einem ambulanten Pflegedienst gemacht. Meine Erkenntnisse decken sich zum großen Teil mit denen des Autors: Wohnungen erzählen etwas über Menschen, gerade die Wohnungen alter Leute, die noch ganz andere Einstellungen zu Gegenständen und zum Leben überhaupt hatten.

Ich finde es allerdings schade, dass dieses Buch als Taschenbuch erschienen ist. Das weckt beim Leser falsche Erwartungen, und wird dem Wert des Buches nicht ganz gerecht. Es ist sicherlich nicht leicht einzuordnen - größtenteils ist es Sachbuch, dann wieder anteilsweise Lebensgeschichte des Autors. Und eine Prise Philosophie kommt auch noch hinzu. Doch gerade diese Mischung hat für mich die Faszination ausgemacht.

Hans-Jürgen Heinicke wurde, laut Impressum, von einem Journalisten beim Verfassen des Buches unterstützt. Von daher kann ich natürlich nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob alle Formulierungen oder die Struktur des Buches auf den Autor zurückgehen. Ich stelle allerdings fest, dass eine wohltuend lesbare Sprache gewählt wurde, die sehr nah am Alltag ist, aber dennoch immer wieder Geistesblitze und auch komische Momente fassen kann. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Das Buch ist sicherlich ein wenig eigen. Man darf keine Anekdotensammlung erwarten, und es sind auch keine reinen "Fallgeschichten". Das Buch beginnt mit einem sachlichen Kapitel, wie der Autor zu seiner Tätigkeit als "Sachverständiger für Nachlässe", so die offizielle Bezeichnung, kam. Es folgen einige Kapitel von besonderen "Fällen", die jedoch in lockerem Plauderton geschrieben sind, und innerhalb der Geschichte auch immer wieder mal in allgemeine Betrachtungen abschweifen. Abgeschlossen wird das Buch dann von einem Kapitel mit Betrachtungen über Tod und Endlichkeit, auch wieder durchbrochen von Erlebnisse aus verschiedenen, von ihm erlebten Wohnungsauflösungen.

Dieses Buch hat auf mich vor allem durch seine interessante Mischung "gewirkt". Es enthält ganz verschiedene Betrachtungsweisen. Einerseits die rein geschäftlichen Aspekte des Wohnungsauflösens, die wesentlich vielschichtiger sind als erwartet. Dann wieder Betrachtungen über den Menschenschlag, der einem solchen Beruf nachgeht. Ausführliche "Begehungen" der Wohnungen, wobei der Autor den Leser an die Hand nimmt, und man sich alles sehr bildlich vorstellen kann. Und nicht zuletzt natürlich Gedanken darüber, wie die Menschen gelebt haben mögen, die in diesen Wohnungen teils lebten, teils hausten, teils Luftschlösser bauten.

Sensationelle Hintergründe darf man hier nun nicht erwarten. Es ist ein Buch der vielen, leisen Töne, die den aufgeschlossenen Leser aber zum Nachdenken anregen. Was wird von mir eines Tages bleiben? Was macht mein Leben aus? Sollte man nicht sein Glück genau jetzt, im Leben, ergreifen, und nicht für eine ungewisse Zukunft horten? Es ist weniger ein Buch über Verlust und Tod, als ein Buch über das Leben. Das hat mich tief berührt! Ich werde das Buch sehr gerne weiterempfehlen.


Halleluja!: Ein Papst-Krimi
Halleluja!: Ein Papst-Krimi
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Großartige Satire!, 20. Oktober 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Halleluja!: Ein Papst-Krimi (Kindle Edition)
Dieses Buch hat mir einfach Spaß gemacht! Ich finde, dass es eine nahezu perfekte Symbiose darstellt aus Krimi (obwohl dessen Anteile geringer sind als bei "Klassikern" des Genres), Situationskomödie und Satire. Zudem ist es als E-Book wirklich perfekt geeignet - die "Leichtigkeit" des Inhalts verträgt sehr gut das Umblättern per Knopfdruck, und das "Mit-Sich-Herumtragen".

Ein "Papst-Krimi"... als solchen würde ich es nur halb bezeichnen. Sicher, der sehr lockere und sympathische Papst Petrus macht sich Gedanken um die Dinge, die rund um den Vatikan vor sich gehen. Teils nimmt er auch selber die Zügel in die Hand. Doch die Ermittlungsarbeit ist eigentlich auf das ganze Team verteilt, zu dem auch die Pressesprecherin Giulia (sehr rassig!) und der persönliche Sekretär Francesco (sehr schüchtern!) gehören.

Krimi? Hm! Würde ich diesen Punkt ausführlich begründen, würde ich zu viel verraten. Ich umreiße es lieber nur grob. Das Buch ist eine grandiose Satire, und gekonnte Veralberung der Bücher von Dan Brown. "Da-Vinci-Code", "Sakrileg", "Illuminati"... und wie sie alle heißen mögen, aus allen diesen Büchern werden Motive aufgegriffen und sehr ironisch recycelt. Zumindest habe ich es als Ironie empfunden. Zumal hier durchaus kritische, aber wesentlich realistischere Betrachtungen über Kirche und Menschen angestellt werden, als bei Dan Brown selbst.

Die wahre Würze erhält das Buch aber erst aus den herrlich gezeichneten, teils auch überzeichneten, Charakteren, und den teils wirklich schreiend komischen Dialogen. Papst Petrus ist durchaus sinnenfreudig, und lässt sich seine Sportzeitung und seine heißgeliebten Cornetti in den Vatikan schmuggeln. Vorbei an seinem "Hausdrachen", Schwester Immaculata. Ein besonderes Bonbon ist dabei die Tatsache, dass der Schlagabtausch der beiden wie ein Fußballspiel gezählt wird - am Ende des Buches steht es 3:1für Immaculata, wenn ich mich nicht verzählt habe... einfach köstlich!! Auch die Pressesprecherin, sowie der Privatsekretär, sind sehr detailreich und ironisch erdacht - doch das alles bezieht sich wiederum sehr (!) auf Dan Brown, von daher werde ich nicht zu viel verraten.

Man kann nicht sehr viel "über" dieses Buch sprechen, sonst zerredet man es. Ich empfehle es jedenfalls jedem, der einmal neue Lesewege beschreiten möchte. Den Autoren ist eine geniale Mischung gelungen. Ich habe mich gleichzeitig gut unterhalten, aber auch zum Nachdenken angeregt gefühlt. Und ich bin froh, dass nicht nur ich die Bücher von Dan Brown überzogen zu finden scheine...!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20