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T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
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Suppen, die glücklich machen
Suppen, die glücklich machen
von Cornelia Schinharl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Köstlich, handlich, exquisit, 19. Januar 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Cornelia Schinharl, wie sie leibt und lebt. Aus jeder Seite und jeder Zeile spricht hier die Liebe zum Kochen und zu den Suppen. Die bekannte und preisgekrönte Autorin macht mit diesem Werk ihrem Ruf wieder alle Ehre.

Wer hätte gedacht, dass Suppen so vielfältig sein können? Mich hat die schiere Phantasie begeistert und beflügelt. Hier werden Zutaten fantasievoll kombiniert, Geschmacksknopsen angeregt. Und das Ganze ist auch noch mit nützlichen Informationen verbunden!

Ich möchte einmal methodisch auflisten, was mich begeistert - aber auch kritisch gemacht hat. Denn so ganz uneingeschränkt ist meine Begeisterung für dieses Kochbuch nicht.

Sehr gut: die thematische Gliederung nach Jahreszeiten, verbunden mit Informationen, welche Zutaten welche Wirkungen auf den Organismus haben. Wundervolle Fotos runden den Genuss ab. Wichtige Extra-Informationen stehen genau bei demjenigen Rezept, wo sie gebraucht werden. Das Buch ist vom Format her griffig, und abwischbar. Sehr praktisch und handlich.

Auch gut: Eine reiche Fülle an möglichen Varianten, Sonderzutaten, und besonders nett: Würzmischungen, Beilagen, Brote, Toppings. Langweilig wird einem mit diesem Buch also so schnell nicht!

Passabel: die Mengen und Zeitangaben. Die einzelnen Schritte sind - meistens - zutreffend und leicht nachzumachen. Allerdings wird hierbei ein wenig außer Acht gelassen, dass die Meisten von uns weniger geübt sind als die Autorin. Die Zeitangaben halte ich teilweise für utopisch, weil zu niedrig. Und auch der Sättigungsfaktor (also die Menge) ist eher optimistisch angegeben. Wir sind vier Personen, aber meine drei Männer würde ich mit diesen Suppenmengen nicht satt bekommen.

Kritisch: wieder einmal werden manche Dinge (also Wissen) einfach vorausgesetzt. Es ist allerdings weniger stark ausgeprägt als in anderen Büchern dieser Reihe und dieser Autorin! Aber immerhin, vier- bis fünfmal bin ich schier verzweifelt, weil ich weder wusste, wie die betreffende Zutat aussieht, noch, wo ich sie bekomme. Was ist überhaupt "Pancetta"??

Ferner finde ich die vielen Informationen zwar gut, aber sie sind im Buch zu verstreut und zu unsystematisch. Ich hätte mir nicht nur ein Rezept-Register gewünscht, sondern auch einen reinen Informationsteil, in dem man gezielt nachschlagen kann.

Die Varianten und Extra-Beilagen sind zwar schön, und regen Hunger und Phantasie an. Die Kehrseite ist aber, dass dies einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet, der nicht (!) angegeben ist. Und das alles "nur" für eine Suppe? Das muss wohl jeder selber wissen. Ich persönlich würde nicht für eine Suppe auch noch extra Brot backen...

Ich habe mich auch gefragt, wer bestimmt hat, zu welchem Rezept es Fotos gibt und zu welchen nicht. Teilweise konnte ich die Auswahl nicht nachvollziehen. Gemüsesuppe und Kürbissuppe sind ausführlich bebildert - aber ausgerechnet Borschtsch und Asia-Suppe nicht...? Hm!

Für mich persönlich kritisch war auch die Tatsache, dass im Herbst- und Winter-Teil die Rezepte in weißer Schrift auf dunklem Hintergrund gedruckt waren. Das war zwar stimmungsvoll und künstlerisch, strengte aber schon nach kurzer Lesezeit die Augen an.

Mein Fazit: immer noch ein schönes und tolles Buch. Aber man sollte es nicht unbedingt einem Anfänger in die Hand drücken. Eigenes Mitdenken ausdrücklich erwünscht!


Verlorenes Vertrauen: Katholisch sein in der Krise
Verlorenes Vertrauen: Katholisch sein in der Krise
von Klaus Mertes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grundsätzlich interessant, aber leicht verkopft geraten, 21. Dezember 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Ich habe ein wenig Angst, denn ich möchte mich mit meiner Meinung nicht in die sprichwörtlichen Nesseln setzen. Daher möchte ich von vornherein eines ganz klar unterscheiden und festhalten: meine Rezension hat zwei Aspekte, nämlich mein Urteil über das, WAS Pater Mertes schreibt, und WIE er es schreibt. Ohne Zweifel ist dies ein wichtiges und mutiges Buch, aber aufgrund der Schreibweise frage ich mich doch, an wen es sich eigentlich richtet.

Sehr gut gefallen hat mir an diesem Buch mancherlei. Erstens nimmt man Pater Klaus Mertes zu 100 % seinen eigenen Glauben ab. Er spricht über "seine Kirche" immer noch respektvoll, und macht glaubhaft, dass er die Vertrauenskrise gerne als Chance zum Wiederaufbau nutzen möchte. Zweitens ist er wirklich sehr gebildet und belesen; er bringt viele Beispiele aus der Kirchengeschichte, aus der Literatur bekannter Mystiker und Kirchenväter etwa. Und er vergleicht sogar das christliche mit dem muslimischen Offenbarungsverständnis - und zwar ohne zu werten. Sehr wohltuend! Drittens fand ich noch sehr schön, dass er wirklich ehrlich ist. Er schildert Missstände und eingefahrene Strukturen genau so, wie sie sind. Nicht reißerisch-anklagend, sondern neutral und beschreibend. Einem Jesuitenpater hätte ich, ehrlich gesagt, so viel Kritikfähigkeit gar nicht zugetraut.

Nun jedoch zu meinen Kritikpunkten - die dazu führen, dass ich nur drei Sterne gebe statt der vollen Punktzahl. Ich wiederhole es gerne noch einmal - meine Kritik bezieht sich auf den Stil, und auf das Buch als Produkt, nicht auf die angesprochenen Themen!

Pater Klaus Mertes kann es leider nicht verleugnen, er ist eben Akademiker. Demenstprechend ist sein Buch strukturiert wie eine akademische Abhandlung, wie eine Monographie in einem wissenschaftlichen Verlag. Sehr sachlich-logisch ist das ganze Buch aufgebaut: Schilderung der akuten Krise im Jahr 2010 - dann eine Auflistung der Missstände in der Kirche, ziemlich streng durchdekliniert - und in einem dritten Schritt eine "theologische und persönliche Vergewisserung", also ein Rückbezug auf das, was für ihn eigentlich "katholisch sein" ausmacht.

Die Struktur des Buches verlangt schon eine gut aufrecht erhaltene Aufmerksamkeitsspanne vom Leser. Es ist kein Buch, das sich zur Unterhaltung oder zum "Infotainment" in einem Rutsch weglesen liesse. Man muss als Leser geübt darin sein, einem Argumentationsfaden zu folgen. Und das auch schon mal über Absätze oder Kapitel hinweg. Keine ganz leichte Aufgabe!

Auch sein Satzbau, seine Wortwahl, ja der ganze Sprachduktus richtet sich eigentlich ebenfalls an Akademiker. Manche Sätze musste ich mit höchster Konzentration zwei- bis dreimal lesen, um zu verstehen, was er jetzt von mir wollte. Hinzu kommt, dass er verschiedenste Begrifflichkeiten aus der katholischen Welt nicht näher erläutert - ich als Nicht-Katholik hatte so meine Probleme mit Ausdrücken wie "Enzyklika", "Pastoral" oder "Diözese", usw.

Es scheint mir letzten Endes ein Buch zu sein, das nur von einem kleinen Personenkreis wirklich gelesen und verstanden (!) werden kann. Vom Durchschnittskatholiken, vom Durchschnittsleser - ich weiß einfach nicht. Aber um im Umfeld dieser akuten Krise der Kirche wirklich wirksam zu sein, hätte das Buch ein breites Publikum verdient. Ich finde es schade, dass Klaus Mertes (in meinen Augen) an seiner eigenen Zielsetzung vorbei schreibt. Nämlich breitenwirksam "wach zu machen" und Wege aufzuzeigen. Dennoch finde ich das Buch inhaltlich wertvoll. Ich würde es nur nicht jedem empfehlen.


Der einzige Ausweg: Ein Barcelona-Krimi (suhrkamp taschenbuch)
Der einzige Ausweg: Ein Barcelona-Krimi (suhrkamp taschenbuch)
von Antonio Hill
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Das kommt mir spanisch vor..., 7. Dezember 2013
Zugegeben, ganz "umgehauen" hat mich dieser Krimi nicht. Aber immerhin für zwei Tage ziemlich gut unterhalten! Es ist solide Krimi-Kost, die allerdings am Ende viele Fragen offen lässt. So etwas muss man schon mögen!

Ich halte nichts davon, Inhaltsangaben wiederzukäuen. Das kann jeder leicht nachlesen. Ohnehin hat das ja mit der Qualität eines Buches wenig zu tun. Ich möchte lieber beschreiben, was für mich das Besondere an diesem Buch war.

Hector Salgado, ein Argentinier in Spanien. Auch deswegen hatte ich mich für das Buch interessiert, weil hier ja verschiedene Kulturen aufeinanderprallen. Nicht alles, was Spanisch spricht, ist auch gleich! Tja, Hector ist ruppig, trinkfest, raucht viel, und neigt zu Aggressionen. Auch Hector leidet unter dem spurlosen Verschwinden seiner Frau - eine (bewusste?) Parallele zu den Büchern um Roy Grace von Peter James...? Hector hat allerdings einen anderen Charakter. Er benimmt sich manchmal ein wenig wie der berühmte Elefant im Porzellanladen, und neigt zu Zynismus - wenn er etwa sagt, dass Argentinier Erfahrung haben mit dem spurlosen Verschwinden von Leuten... ein bitterböser Satz! Insgesamt war mir Hector jedoch sympathisch.

Das Buch war insgesamt schon gut aufgebaut. Immer wieder wird klar, dass es in der Vergangenheit zu einem ungeheuren Vorfall gekommen sein muss - als nämlich 8 Mitarbeiter der Firma "Alemany Kosmetik" an einem Motivations-Wochenende teilgenommen haben. Alle diese damaligen Teilnehmer bekommen eigene Kapitel mit eigenen Sichtweisen. Das hat das Buch belebt und aufgelockert. Sehr gut!

Es ging also gar nicht so sehr um Hector im Vordergrund. Denn ein weiterer Kunstgriff des Autors lenkt den Leser von Hector ab: in einem zweiten Handlungsstrang ermittelt die hochschwangere Leire Castro heimlich weiter, was das Verschwinden von Salgados Frau angeht. Sie ist dabei pfiffig und hartnäckig. Mir hat sehr gefallen, dass man hier als Leser letztlich seine eigenen Schlüsse ziehen muss... die allerdings in eine bestimmte Richtung deuten.

Der Tonfall des Buches war auch ziemlich eigen. Die Schreibweise hat mich an gewisse "hard-boiled" Krimis der amerikanischen Tradition erinnert. Immer wieder fallen Ausdrücke wie "am Arsch sein" oder "dafür muss man Eier haben"... Auch die Offenheit des Buches gegenüber Abweichungen vom sexuellen Mainstream war erstaunlich. Es gibt hier eine offen geführte Homo-Ehe, ebenso wie eine S/M- Beziehung.

Was mir weniger gefallen hat, war die Tatsache, dass doch weniger Barcelona-Flair aufkam, als ich dachte. Manchmal joggt Hector am Strand, oder er bewegt sich zwischen diversen U-Bahn-Stationen oder Straßennamen. Aber an und für sich hätte dieser Krimi in jeder anderen Stadt spielen können. Ein wenig schade! Allerdings gibt es diverse Anspielungen auf aktuelle Probleme in Spanien: wie z.B. die zahlreichen Latinos, oder die nordafrikanischen Einwanderer. Sowie die Beziehung Spanier / Katalanen.

Ich vermute, dass es sich bei Hector Salgado um eine Figur handelt, die man über längere Zeit begleiten müsste, um sie richtig ins Herz zu schließen. Es gibt bereits einen ersten Band, den ich zu 90 % geneigt bin, zu lesen. Als Fazit zum "Einzigen Ausweg" sage ich: wer Krimis mit einer etwas härteren Gangart mag, die routiniert geschrieben sind - der bediene sich bitte!


The Uncommon Reader: (Fremdsprachentexte)
The Uncommon Reader: (Fremdsprachentexte)
von Ernst Kemmner
  Broschiert
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wunderbar leichtfüßige Geschichte in erschwinglichem Format, 4. Dezember 2013
Ich möchte meine Bewertung ganz klar einteilen und trennen. Denn ich kannte die Geschichte schon - die "Souveräne Leserin", die deutsche Fassung also, gehörte vor wenigen Jahren zu meinen absoluten Lieblingen. Für die Originalausgabe hatte ich mich interessiert, weil bei einer Übersetzung immer viele Feinheiten verloren gehen. Zudem kannte ich die "Rote Reihe" von Reclam noch nicht.

Die Geschichte an sich ist mir immer noch 5 Sterne wert! Die Queen, die plötzlich zur Leserin aus Leidenschaft wird, und damit nicht nur Wohlgefallen erregt - das ist nicht nur eine Hommage an die Literatur, sondern gleichzeitig eine satirische Abrechnung mit dem rigiden Protokoll der britischen Monarchie, und auch mit dem ganzen Zirkus, der um Autoren und die Literatenszene allgemein betrieben wird.

Im englischen Original kommt vieles deutlich besser zur Geltung: die gestelzte Sprechweise der Queen zum Beispiel, mit ihrem königlichen "one". Oder der wunderbar trockene, sarkastische Gatte ihrer Majestät - "Jolly good. Wonders never cease." Was habe ich gelacht! Auch wurden mir die sozialkritischen Anteile der Handlung deutlicher - das übersteigerte Klassenbewusstsein in England beispielsweise, das einem Küchenjungen nicht zutraut, mit der Queen zu verkehren. Oder der Dünkel, der selbst senile, inkontinente Greise noch an ihre Posten und Pöstchen kettet.

Als Produkt, als Buch der "Roten Reihe", bekommt das Buch von mir allerdings einen Stern weniger. Sicher kann man sich fragen, an wen sich die "Rote Reihe" eigentlich wendet. Vermutlich eher an Schüler, auch des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses wegen. Mich hat das Layout der Seiten manchmal ein wenig gestört. Die Vokabeln als Fußnoten nahmen oft die Hälfte oder mehr des Raumes ein; das hemmt schon ein wenig den Lesefluss. Ich wüsste allerdings auch nicht, wie man das besser lösen könnte.

Auch das Nachwort hat nicht meine reine Begeisterung hervorgerufen. Es teilt sich auf in Angaben zu Leben und Werk des Autors (zu überblicksartig), und eine reine Nacherzählung der Handlung. Das war für mich überflüssig. Jedoch, wie ich bereits sagte - es mag sein, dass genau dies im Blick auf die Zielgruppe "Schüler" beabsichtigt war. Allerdings ist diese Nacherzählung auch schon wieder so ausführlich, dass vermutlich so mancher bequeme Schüler sein Referat darauf aufbauen wird, ohne das Buch wirklich zu lesen.

Insgesamt überwiegt für mich der positive Eindruck dieses schmalen Bändchens. Jeder Leser, der sich sonst nie an das Original getraut hätte, kann hier mit einfachen (auch finanziellen) Mitteln ein Gespür dafür bekommen, wie das Buch ursprünglich gedacht war. Lesern, die im Englischen "sattelfest" sind, würde ich allerdings eher zu einer normalen Ausgabe raten.


Notizen einer Verlorenen: Roman
Notizen einer Verlorenen: Roman
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein typischer Thriller, 2. Dezember 2013
Mir hat an diesem Buch besonders gefallen, dass die Autorin versucht, neue Wege zu gehen, was den handelsüblichen "Thriller" betrifft. Ich kenne Heike Vullriede schon aus einem vorigen Buch ("Der Tod kann mich nicht mehr überraschen", dort ging es um eine tödliche Erkrankung.) Sie ist sich selbst insofern treu geblieben, als sie auch hier gewissermaßen eine These in den Mittelpunkt stellt, bzw. einen Themenkomplex. Es geht rund um die Themen Selbstmord / Freitod / unterstützter Selbstmord, welche in emotionaler Sprache und immer sehr nah an den Figuren beleuchtet werden. Dabei ist es für mich eher Zufall, dass das Buch in der Gestalt eines Thrillers daherkommt.

Sarah, eine seelisch gepeinigte junge Frau von 33 Jahren, ist die Erzählerin dieser Geschichte - zumindest in Rückblenden aus ihrem "roten Notizbuch". Denn Sarah ist schon zu Beginn des Buches tot. Auch dieser Kunstgriff hat mir gefallen, da es der Autorin eben nicht vorrangig um Spannung ging ("Wird sie es tun?") sondern um den Weg hin zu einer Entscheidung.

Ich möchte nicht zuviel vorweg nehmen, indem ich die Handlung nacherzähle. Ohnehin würde das dem zukünftigen Leser die Arbeit abnehmen. Nein, man soll und muss bei diesem Buch mitdenken, und nach jeder schockierenden Wendung in der Handlung neu entscheiden, wie man selber gehandelt hätte. Gesteigert wird die Dramatik der Ereignisse nämlich auch noch dadurch, dass sich Sarah mitten in der tiefsten Verzweiflung verliebt... So nah beieinander liegen eben oft Glück und Tragik.

Toll fand ich auch, dass das Buch multimedial durch eine begleitende Website ergänzt wird, auf der man mehr zu Sarah erfährt. Das hat mir sehr geholfen - ansonsten hätte ich Sarahs Qualen nicht so gut nachvollziehen können, da ich weder ein chronischer Schmerzpatient bin, noch größere persönliche Katastrophen in meinem Leben zu verarbeiten hatte. Wirklich verstehen kann man einen Selbstmörder allerdings wohl nie, solange man nicht selbst in dessen Lage ist.

Schade fand ich nur, dass es so manche "Leerstelle" im Roman gibt, also Stellen, die nicht völlig erklärt oder durchleuchtet werden. Wie man hört, soll aber eine Fortsetzung in Vorbereitung sein - so werden die absichtlich ein wenig "offenen" Stellen verständlicher. Auch das Ende hätte ich mir ein wenig geradliniger gewünscht - da überstürzen sich die Ereignisse ein wenig, was es aber für mich, angesichts der an sich schon dramatischen Thematik, nicht gebraucht hätte. Insgesamt hat das Buch die vier Sterne aber mehr als verdient, da es so wunderbar abseits vom üblichen Thriller-Einheitsbrei liegt. Bitte mehr davon, liebe Heike!


Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
von Benjamin Constable
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr Fragen als Antworten, 30. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diesmal habe ich absolut keine Lust, eine lange Rezension zu schreiben. Und zwar aus dem Grund, weil das Buch vor allem eines bei mir zurücklässt: Ratlosigkeit. Ich weiß weder genau, ob es mir gefallen hat, noch, was das Ganze eigentlich sollte. Wessen "Schuld" das nun ist, vermag ich nicht recht zu beurteilen. Vielleicht war es der vielbeschworene falsche Zeitpunkt für mich und das Buch? Oder meine Erwartungen waren einfach zu hoch?

Die Leseprobe hatte ich geradezu verschlungen, und hatte den Eindruck, es handle sich um ein postmodernes Kabinettstückchen, ein Verwirrspiel und literarisches Rätsel - in etwa vergleichbar mit "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino, das zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Vermutlich war diese Erwartung einfach zu hoch gegriffen. Ich würde das Buch allerhöchstens als Jugendbuch, als Schnitzeljagd, als unentschlossenen Rahmen für diverse Schnipsel bezeichnen - so leid es mir auch tut.

Ich will gerne zugeben, dass das Buch in der Tat für Verwirrung sorgt - allerdings auf eine für mich unbefriedigende Weise. Eine scheinbar tote junge Frau schickt ihren Freund durch Briefe und E-Mails auf eine Schnitzeljagd quer durch Paris und New York, die ihn dazu bringen soll, mehr über sie zu erfahren, und ihre Lieblingsplätze und -dinge zu erkunden. Das wäre an sich ja noch nett gewesen - aber für mich war die Geschichte schon damit überfrachtet, dass auch noch völlig haarsträubende Mordgeschichten in diese Briefe und Mails eingeflochten wurden. Anfangs dachte ich noch, hier gäbe es literarische Anspielungen zu entdecken - eine der ersten versteckten Mails von Tomomi las sich ein wenig wie eine Geschichte von Paul Auster. Aber das war es dann auch schon. Alle weiteren Briefe und Mails waren nur noch langatmig, kamen nicht zum Punkt, und ließen teilweise keinerlei Zweck erkennen.

Gefrustet haben mich noch weitere Aspekte; z. B. dass man so gut wie nichts über die Protagonisten erfährt. Nur in gut versteckten Nebensätzen erfährt man das Alter von Tomomi und ihrem Freund Ben. Bens Beruf, den ich nicht einmal als solchen bezeichnen würde, findet man auch eher per Zufall heraus. Ansonsten scheinen beide eher ziellos in die Welt hinein gelebt zu haben. Und das mit 33 Jahren (Tomomi) und 38 Jahren (Ben)? Wovon haben sie eigentlich gelebt?? Und wieso kann Ben auf einmal auf eine halbe Weltreise gehen, einfach so, ohne seinen Job zu gefährden?? Sie rauchen, gehen spazieren, sitzen in Bars. Und reden doch meist aneinander vorbei. Sehr verquere Situation!

Das Ende war für mich verdreht und übers Knie gebrochen. Und auch sprachlich hatte ich an sehr vielen Dialogen etwas auszusetzen - gegen Ende hin waren die Gespräche einfach nur noch mühsam zu lesen, es gab viel zu viele "Tut mir leid" und "Ich dachte, dass du dachtest, dass..." - gäääähn. Was ich dem Buch noch zugute halten möchte, ist die an sich gute Grundidee, die netten Ortsbeschreibungen, und ein paar (wenige) gelungene Nebencharaktere. Ansonsten weiß ich, wie gesagt, nicht so recht etwas mit dem Buch anzufangen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 10, 2013 8:30 PM CET


Stoner: Roman
Stoner: Roman
von John Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leise und beharrlich wie atmosphärisches Rauschen, 24. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Meine Güte, Anna Gavalda und Tom Hanks wurden mit jubelnden Zitaten auf das Cover gepackt - da war meine Erwartungshaltung und Messlatte hoch gesteckt. So ganz kann ich den allgemeinen Jubel und Rummel immer noch nicht nachvollziehen, obwohl mir das Buch insgesamt gut gefallen hat.

Durch das Vorwort und einige Bemerkungen zur Biographie des Autors erfährt man, dass dieser sich wohl in der Handlung und in seinem Helden gespiegelt haben mag, aber nicht bewusst auf tatsächliche Verhältnisse anspielen wollte. Genau das strahlt das Buch für mich aus: eine leise Beharrlichkeit, ein wie beiläufiges Reflektieren einer Epoche, und eine gewisse anrührende Atmosphäre.

Der Autor war selber Dozent an einer amerikanischen Universität des Mittelwestens - dementsprechend sind ihm auch, meiner Meinung nach, die Passagen, die an der Universität spielen, am besten geglückt. Hier habe ich mit Spannung an den Seiten geklebt, denn die akademischen Querelen und Rangeleien um Posten und Lieblingsstudenten sind ziemlich gut getroffen.

Weniger gelungen finde ich das Privatleben Stoners, der sich allzu lethargisch verhält angesichts seines privaten Desasters. Seine Ehefrau hat er unklug gewählt, sie scheint hysterisch und mit diversen psychischen Problemen behaftet. Doch nie zieht er daraus auch nur irgendeine Konsequenz! Ebenso untätig bleibt er, als seine Frau ihm mit voller Absicht die eigene Tochter entfremdet und quasi aus dem Haus grault. In diesen Aspekten hat das Buch wohl nur zu seiner Erscheinungszeit weitere Relevanz gehabt - es atmet einen typischen Mief und Verhaltenskodex aus, die in weiten Teilen überholt sind.

Überhaupt war das Buch für mich vom Spannungsbogen her ungleichgewichtig aufgebaut. Erst ab ca. der Hälfte entwickelte es für mich einen Lesesog, den es braucht, um länger im Gedächtnis zu bleiben. Es steigerte sich konsequent hin bis zum wirklich anrührenden Ende. Hier wird ein Sterben und ein Lebensrückblick wirklich einfühlsam und meisterhaft geschildert; alle Achtung!

Das Buch wird eigentlich von seiner Sprache getragen, die zwar auf den ersten Blick einfach scheint, sich aber dadurch auszeichnet, dass sie sich durch unaufdringliche Eleganz in die Gehirnwindungen des Lesers eingräbt. Besonders gegen Ende hin, als es um die Krankheit und das Sterben Stoners geht, wird die Formulierkunst des Autors sichtbar. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, sind die letzten Kapitel einfach nur schön.

Tja, wie erklärt man sich diesen Überraschungserfolg? Auch bei anderen amerikanischen Autoren, die heutzutage so bejubelt werden (wie beispielsweise J. R. Moehringer) habe ich den Hype nicht verstanden. Oft ist es nur gepflegte Langeweile, die diesen Büchern entströmt. Vielleicht typisch für Amerika, das sich hinter seiner grellbunten und hektischen Fassade nach Einfachheit sehnt...? Immerhin zeichnet "Stoner" aber eine tiefe Menschlichkeit und sprachliche Kunstfertigkeit aus, die allerdings nicht übertünchen kann, dass manches heutige Leser nicht mehr erreicht. Kann man das Buch empfehlen? Ja, wenn man den Adressaten wirklich gut kennt, dann schon.


Biokiste vegetarisch
Biokiste vegetarisch
von Cornelia Schinharl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder..., 24. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Biokiste vegetarisch (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
...den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter...
Dieses Motto könnte über dem Biokisten-Kochbuch stehen. Es widmet sich in den verschiedenen Abschnitten den jeweils saisonfrischen Gemüsen, und wie man sie fantasievoll und schmackhaft zubereiten kann.

Das Kochbuch ist ganz in bester Kosmos-Manier verfasst, und durchdrungen von der Professionalität der Autorin Cornelia Schinharl, die ja schon mehrere Kochbücher herausgebracht hat - alle auf demselben hohen Niveau. Die typischen Kennzeichen sind dabei: liebevolle und künstlerische Gestaltung des Bandes (ein großes "Bravo" an die Fotografen!), griffiges und abwischbares Format, üppige Bebilderung, fantasievolle - und machbare!- Rezepte, wichtige Hinweise an den richtigen Stellen, und ausführliche Register.

Bei Saison-Kochbüchern besteht der einzige Makel ja immer darin, dass man nicht immer alles kochen kann, wenn man das Thema "Saisonfrische" ernst nimmt. Das scheint sich die Autorin zu Herzen genommen zu haben. Diesmal gibt es zu jeder Jahreszeit Einmach- und Konservierungsvorschläge, um die gerade "auslaufenden" Gemüsesorten noch länger verfügbar zu halten. Schade nur, dass es ausgerechnet zu diesen Rezepten dann keine(!) Fotos gab.

Ein großer Pluspunkte sind für mich diesmal die Quellcodes, mit deren Hilfe man sich (pro Kapitel) weitere wichtige Hinweise auf Smartphone oder Tablet herunterladen kann. Witzig und innovativ! Auch sehr zu begrüßen: wo immer möglich, sind Varianten der Rezepte angegeben, ebenso wie vegane Ausführungen. Überhaupt wird selbst dem nicht-vegetarischen Leser das Thema sehr locker nahegebracht - nicht missionierend, sondern schlicht über Geschmack und Nährstoffe. Wirkungsvoll und appetitanregend!

Es gab auch winzige Mängel in diesem Buch, die ich nur am Rande erwähnen möchte, da sie meine Bewertung letztlich nicht weiter beeinflussen. Der Informationsteil war mir persönlich ein wenig zu schmal geraten - nur jeweils eine Doppelseite zu so wichtigen Themen wie Sojaprodukte, Bio-Ernährung oder vollwertigen Beilagen. Doch das mag jeder Anwender anders beurteilen. Auch schade, aber schon deutlich weniger störend als in anderen Kochbüchern der Kosmos-Familie: wieder werden Bezugsquellen für seltene Zutaten nicht angegeben. Und seltene Gemüse auch nicht näher erklärt. Ich mag insofern ein untypischer Vegetarier sein, aber ich wüsste nicht, wie "Portulak" (??) oder Topinambur und Pastinaken eigentlich aussehen. Nun, wenigstens wurde diesmal erklärt, dass es sich bei "Ras-El-Hanout" um eine marokkanische Gewürzmischung handelt...

Insgesamt ist das Kochbuch aber eine sehr runde Sache, die ich mit Genuss durchblättert und durchkocht habe. Selbst meine Familie, die eigentlich an ihrem Fleisch hängt, konnte ich teilweise zum Umdenken und "Umschmecken" bewegen. Das Buch ist sowohl Anfänger- als auch Hardliner-tauglich.


Lolita
Lolita
von Vladimir Nabokov
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lieben und Leiden, 23. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Lolita (Gebundene Ausgabe)
"Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele: Lo - li - ta." Immer noch, auch bei der mittlerweile zweiten Lektüre, haut mich dieser Beginn völlig aus den Socken, und trifft mich irgendwo zwischen Magengrube und Herz. Diese Zeilen kennzeichnen auch die ganze Zwiespältigkeit des Buches. Als Leser schwankt man ständig zwischen emotionaler Betroffenheit und abgrundtiefer Verdammung. Gerade das, zusammen mit der sprachlichen Kunstfertigkeit, macht für mich den Weltrang dieses tabubrechenden Klassikers aus.

Ein 40jähriger, der sich in eine 12jährige verliebt, und deren Mutter heiratet, um ihr nahe zu sein. Nach dem überraschenden Tod der Mutter schnappt er sich das Kind, reist mit ihm quer durch Amerika, nutzt es aus, spioniert ihm nach, liebt, leidet, rast. Mal ganz abgesehen von den moralischen Fragen, kann so etwas einfach nicht gut gehen. Es endet dramatisch, und "Humbert Humbert" schreibt seinen Bericht als Rückblick, während er bereits im Gefängnis sitzt.

Für mich ist das der genialste Kunstgriff des Autors überhaupt. Die Rückblick-Technik, zusammen mit dem verschrobenen Charakter des Pädophilen, führen zu einer Ausdrucksweise, die es in sich hat. Humbert fährt alle ihm möglichen sprachlichen und rhetorischen Kunststücke auf, rechtfertigt sich, umspielt, beschreibt, witzelt. Ich bin sicher, man könnte das Buch zehnmal lesen, und hätte immer noch nicht alle Sprachspielereien, Anagramme etc. gefunden...! Großartig auch, dass er eigentlich "alles" sagt, ohne einen einzigen vulgären oder pornographischen Ausdruck zu verwenden. Genial gemacht! Gleichzeitig ist das Buch aber auch eine überaus beißende, satirische Darstellung des amerikanischen Mittelstandes der 50er Jahre. Bitterböse, aber zutreffend!

Als ich das Buch als Teenager zum ersten Mal las, blieb ich an der Oberfläche, und las rein auf den Plot, das Tabu und die Auflösung hin. Mittlerweile traue ich mich aber zu sagen, dass das Buch für mich eben auch eine Liebesgeschichte ist. Wenngleich auch eine, die fürchterlich verläuft, und noch fürchterlicher endet. Aber Humbert Humbert hat seine Dolly wirklich geliebt, und merkt dies erst, als es zu spät ist. Letztlich schimmert in der Gefängniszelle auch so etwas wie Selbstkritik durch, und eine abgrundtiefe Sehnsucht nach dem Möglichen und Verlorenen. Das berührt mich grundsätzlich sehr...

Ein Teil von mir hat sich Humbert Humbert genähert, seine Qual nachvollzogen. Im Grunde ist dieser Mann schon zu Lebzeiten bestraft gewesen. "Lolita" macht für mich deutlich, was nur wahre Kunst zu schaffen imstande ist: gleichzeitig aus zwei Perspektiven zu sehen, ohne eine davon zu verabsolutieren. Meine Sünde, meine Seele: Lo. Li. Ta.


Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi)
Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi)
Preis: EUR 19,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts ist, wie es scheint - und das ist auch gut so!, 18. November 2013
Selten habe ich einen Krimi oder Thriller gelesen, der mich so sprachlos zurückgelassen hat - und zwar im positiven Sinne! Fast möchte ich gar keine Rezension schreiben, weil ich das Gefühl habe, dem Buch niemals mit Worten gerecht werden zu können. Aber anderen Lesern nicht von diesem grandiosen Lese-Erlebnis zu erzählen, wäre ein ebensolches schändliches Versäumnis.

Dies war mein erster Harry Hole, aber sicher nicht mein Letzter! Das Buch enthielt alles für mich, was ich erwartet hätte, und noch viel mehr. Starke Charaktere, großzügig dosierte Spannung, atmosphärische Beschreibungen, und eine unglaubliche Anzahl an überraschenden Wendungen. Den Inhalt möchte ich gar nicht weiter zerreden, sondern lieber auf die positiven Seiten eingehen.

Sehr gut war zum Beispiel, dass das Buch eigenständig ist, und ich die vorigen Bände nicht vermisst habe. Allerdings wurde dem Hole-Neuling auch nicht alles "vorgekaut", es blieb genug Raum, um neugierig auf die anderen Bände zu werden. Es wurde deutlich, dass Harry Hole ein Getriebener ist - und dass er trotzdem, oder auch gerade deswegen (?), der beste Ermittler ist.

Ein sehr findiger Kniff des Autors war natürlich, im ersten Drittel völlig offen zu lassen, ob Harry überhaupt auftaucht. Er wird erst durch dramatische Ereignisse dazu gezwungen, doch wieder zu ermitteln. Angesichts von Harrys sehr eigenem Charakter war das logisch, und fühlte sich überzeugend an. Überhaupt: der Autor hat ein wirklich unglaubliches Händchen für unerwartete Wendungen! Derart raffinierte Cliffhanger, und auch noch in dieser Anzahl, habe ich noch nicht erlebt! Oft saß ich da und rieb mir die Augen vor Verblüffung. wie bitte?! Hatte ich da jetzt etwas falsch verstanden?! Schnell zurück geblättert. Doch nein, beim genauen Lesen stellte ich fest - es war vieles interpretierbar. Der Autor spielt in einem hohen Grad mit den Erwartungen des Lesers, und das kann ich nur meisterhaft nennen!

Dann wieder war ich überaus positiv überrascht von der rein literarischen Qualität des Buches. Doch, ich würde es sogar ein zweites Mal lesen wollen, "obwohl" ich jetzt den Fortgang und die Auflösung kenne. Es gab so viele tolle sprachliche Bilder, Vergleiche, dichte Stimmungen. Oslo im abendlichen Sonnenuntergang. Leere Krankenhausflure, die von Geistern bevölkert sind. Die professionellen Verstrickungen eines Psychiaters. Eine Beinahe-Vergewaltigung. Verführung, Schuld und Zweifel. Und und und. Einfach genial!

Das Buch ist auch kein reiner Thriller. Ich würde sagen, dass es zu gleichen Teilen Krimi UND Thriller ist. Denn eigentlich werden im Buch zwei (!) Verbrecher gejagt und zwei Absichten verfolgt. Der eine wird enttarnt und gestellt. Der Handlungsfaden um den anderen jedoch bleibt völlig offen, und erfährt noch auf der allerletzten Seite eine beklemmende Wendung...garstig gut! Mir ist außerdem aufgefallen, dass - sei es bewusst oder unbewusst - besonders im ersten Drittel des Buches Anklänge an berühmte Vorgänger des Genres vorhanden sind. Vor allem an "Das Schweigen der Lämmer". Für mich hat das den Reiz der Lektüre noch gesteigert.

Nur der deutsche Titel hat mich irritiert. Koma? Um den Koma-Patienten geht es eigentlich nur am Rande. Den Originaltitel finde ich da viel aufschlussreicher: "politi", in der englischen Fassung "police". Genau das ist es. Es geht um einen Killer, der sich an der Polizei rächt. Und um diverse moralische Verirrungen von Polizeibeamten. Was man sich bei der Übersetzung gedacht hat, erschließt sich mir nicht völlig.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Zum Beispiel solchen Lesern, denen Wallander immer eine Spur zu zahm war. Oder die offene Enden und lose Fäden mögen. Die sich völlig in den Bann eines Buches begeben wollen, weil sie überhaupt keine Chance haben, selber auf die Lösung zu kommen. Die gehobene Kriminalliteratur schätzen. Harry Hole ist für mich der beste Beweis, dass Thriller kein Schund sein müssen.
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