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Beiträge von T. Jannusch
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Rezensionen verfasst von
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Große Rätsel der Geschichte - Mythos und Wahrheit - Staffel 1 (Parthenon / SKY VISION) (2 DVDs)
Große Rätsel der Geschichte - Mythos und Wahrheit - Staffel 1 (Parthenon / SKY VISION) (2 DVDs)
DVD ~ Nostradamus
Preis: EUR 24,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider nur auf Boulevard-Niveau, 12. Oktober 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Eine Bewertung, die mir schwer fällt - denn einerseits sehe ich durchaus, dass diese DVDs als "Appetithäppchen" ihren Sinn haben mögen, und dass es allemal besser sein kann, sich für Geschichte zu interessieren, als für den geistigen Müll, der einem von den Medien sonst so geboten wird. Aber leider gehöre ich zu den Menschen, die sich mit einer hübschen Oberfläche nicht zufrieden geben, und die gerne auch mal tiefer forschen. Und insofern kann ich nur feststellen, dass ich mir von diesen DVDs deutlich mehr erhofft hätte.

Zunächst einmal möchte ich die wirklich spartanische Ausstattung bemängeln. Es ist noch nicht einmal ein Booklet dabei, geschweige denn Zusatz-Material auf den DVDs! Keinerlei "Making Of", Audiokommentare, oder sonstiges. Hinzu kommt, dass das Ganze ursprünglich eine britische (!) Produktion ist, wie man feststellen kann, wenn man den Abspann aufmerksam liest (zudem sind ja auch nahezu alle befragten Wissenschaftler englischsprachig). Und es gibt noch nicht einmal eine Original-Tonspur! Keine Untertitel, keine Klangformate, keine Hilfen für Hörgeschädigte. Einfach gar nichts. Nur manchmal hört man noch ein paar englische Worte "hinterherwehen", wenn die Synchronstimme schon fertig ist. Und dabei stellt man fest, dass der deutsche Text durchaus ins Reißerische verändert wurde.

Zu den Filmen selber - nun - ich würde sie etwa auf dem Niveau eines Boulevard-Magazins einordnen, vielleicht sogar noch einen Tick gröber aufgemacht als "Stern-TV" & Co. Missfallen hat mir dabei vor allem, dass im Vorspann zu jeder Episode oft "geschummelt" wurde. Da ist die Rede von "Rätseln", dabei gibt es oft gar keine. Beispiele? Leonardo da Vinci. "Wir lüften sein Geheimnis". Von wegen. Es wird nur dargelegt, bei welchen Wissenschaftlern aus früheren Jahrhunderten er sich inspiriert hat, und dass nicht alle seine Erfindungen auch auf ihn ursprünglich zurückgehen. Ja und? Das ist doch nichts Neues, das ist in der Wissenschaft gang und gäbe. Jeder muss sich auf die Arbeit seiner Vorgänger beziehen. Banaler geht's nicht. Zweites Beispiel: Johanna von Orléans. Sie wird einfach nur in ihre Zeitgeschichte eingeordnet, und es wird dargestellt, dass sie, aus militärischer Sicht, durchaus nicht entscheidend für den Sieg war. Also auch keinerlei "Rätsel" oder unglaubliche Enthüllung. Und so geht das in einem fort.

Halbwegs interessant waren noch die Episoden zu "Jack the Ripper" und "Robin Hood", bei denen ja die Frage der (historischen) Identität im Vordergrund stand. Hier wurden zumindest mögliche Lösungen präsentiert, die halbwegs schlüssig waren. Wobei ich wiederum aber weiß, dass gerade im Fall Jack the Ripper die hier vorgeschlagene Lösung durchaus nicht unumstritten ist. Völlig unterschlagen werden die (mindestens ebenso schlüssigen) Bezüge zu damals prominenten Personen. Man lese hierzu nur das entsprechende Buch von Patricia Cornwell.

Das verwendete Bildmaterial im Hintergrund hat auch so seine Eigenheiten. Bei vielen Filmchen hat man einfach bärtige Männer in Kostüme gesteckt, und mit Schwertern in der Hand auf einander losstürmen lassen. Wenig abwechslungsreich. Ein gewisser schreibender Mönch wird in sage und schreibe 3 (!) Filmen eingespielt, und soll jedesmal eine andere Person darstellen. Das nenne ich billig - da riecht man sozusagen den Sparzwang und die möglichst billige Produktion dahinter. Besonders fürchterlich fand ich die Darstellerin der Johanna von Orléans, eine sehr anämisch wirkende junge Dame mit fürchterlich schlecht sitzender Perücke. Geärgert hat mich auch das effektheischende Gestöhne der Opfer von Jack the Ripper - hier hätte ich den Ton lieber gleich ganz weggelassen.

Der "Sparzwang" bei den Filmchen war einfach unübersehbar. Zeittypisch gekleidete, weißhaarige Männer in ihren Studierstuben, von allerlei antiquiertem Gerät umgeben - das war noch das Interessanteste. Aber manchmal, besonders in den Filmen zu König Artus und Robin Hood, werden Szenen bis zu 6 mal (!!) wiederholt, einfach nur, um die Zeit zu füllen. Da habe ich mich doch gefragt, ob einen die Produzenten für blöd halten.

Nein, ich kann insgesamt einfach nicht zufrieden sein mit diesen offenbar schnell zusammengezimmerten Filmen. Ihre Berechtigung haben sie vielleicht insofern, als sie einen gänzlich uninformierten Menschen langsam an das Thema "Geschichte" heranführen mögen. Wer aber wirklich etwas wissen will, dem rate ich - Finger weg.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 7, 2012 2:29 PM CET


Ruhige Zeiten: Roman
Ruhige Zeiten: Roman
von Lizi Doron
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebendige Geschichte (n), 7. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Ruhige Zeiten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eins vorab: ich möchte diesen Text weniger als "Rezension" verstanden wissen. Denn das käme mir nahezu unpassend vor. Ein solches Buch, das Authentizität und aus Leiden erlangte Lebensklugheit in sich vereint, zur Unterhaltung zu lesen und zu besprechen, nein, das fände ich falsch. Sagen wir, mit dem Erstellen dieses Textes möchte ich möglichst viele Leser auf dieses Buch aufmerksam machen, und es ihnen anempfehlen. Denn, seien wir mal ganz ehrlich: im Vergleich zu Lizzie Doron kann man den "Jungen im gestreiften Pyjama" von John Boyne in der Pfeife rauchen.

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, dieses Buch zu beschreiben. Es atmet Verständnis für die "kleinen Leute" aus jeder Zeile, und es macht die Schrecken der Shoah hautnah erlebbar - eben dadurch, dass es viele "Leerstellen" lässt, und das finde ich ein absolutes Kunststück. Die Erzählerin, Lea, genannt Leale, hat keine Vergangenheit und kaum Identität - außer derjenigen, die sie bei den zwei Männern ihres Lebens, Srulik und Sajtschik, gefunden hat. Als auch diese beiden sterben, verliert sie scheinbar gänzlich ihren Lebensmut. Sie lebt nur noch in ihren Erinnerungen, und streunt mit dem Leser darin herum. Wir machen mit ihr einen Streifzug durch ein Viertel in Tel Aviv, durch Zeiten, Episoden und Einzelschicksale. Dabei wird es für den Leser unmittelbar anschaulich, welchen Kraftakt es bedeutet haben muss, nach der Shoah wieder ein "normales Leben" zu führen - insofern man das überhaupt sagen kann.

Lea wurde von Mordechai in einem Krakauer Waisenhaus aufgelesen, ihre Eltern sind unbekannt, ebenso ihr gesamtes voriges Leben. Sie erinnert sich nur noch an ein Versteck in einem Erdloch, und an eine Frau, die ihr zu essen gab. Da verwundert es nicht, dass sie mit ganzem Herzen an den zwei Menschen hängt, die sie bei sich aufnahmen. Das war zunächst Srulik, der sie heiratete - danach Sajtschik, der sie - halb aus Mitleid - in seinem Friseursalon arbeiten liess. 30 Jahre lang war sie "die Maniküre", und als solche war sie Teil des Herzens ihres Viertels. Denn in Sajtschiks Salon spielte sich alles ab. Dort spielten Kinder, schütteten Frauen ihr Herz aus, trafen sich Überlebende, wurden Schicksale entschieden.

Lea ist dabei durchaus ein wenig naiv, und gerade das erschüttert den Leser bisweilen sehr. Sie hat nie wahrhaben wollen, dass Sajtschik schwul war - ebenso wenig versteht sie, warum die Opernsängerin beim Erscheinen des Deutschen flüchtet, oder warum Sajtschik beinahe Anfälle bekommt, wenn er Haare zusammenfegen soll. Mit schöner Regelmäßigkeit hatte ich beim Lesen einen dicken Kloß im Hals, was durch die schnörkellose, und dennoch gefühlvolle Sprache unterstützt wurde. Was für ein Buch.

Nur durch Zufall war ich auf dieses Buch aufmerksam geworden - eine Freundin hat es mir geschenkt. Ihr bin ich sehr dankbar. Denn Perlen wie diese sollten viel mehr Verbreitung finden. Das Buch wirkt noch lange in mir nach.


Fische füttern: Roman
Fische füttern: Roman
von Fabio Genovesi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,57

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erwachsenwerden auf Italienisch, 3. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Fische füttern: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Zugegeben, angesichts des Klappentextes und der Verlagsbeschreibung hatte ich mir nicht allzu viel erhofft. Radfahren, Angeln, ein junger Mann mit nur einer Hand, und ein langweiliges, italienisches Dorf, das auch noch Heimat einer Metal-Band sein soll - die leider völlig verkannt ist...? Konnte das gut gehen? Es konnte. Ich wurde sehr angenehm überrascht, da das Buch gänzlich unangestrengt allen diesen disparaten Versatzstücken so etwas wie einen Rahmen und einen ironischen Ton verleihen konnte.

Überhaupt war die Sprache eine der angenehmsten Überraschungen für mich. Der Autor trifft eine ganz eigene Mischung, die einen teils schmunzeln, dann wieder zustimmend nicken lässt - und die manchmal einfach nur wahr ist. Manchmal gerät er dabei gefährlich nahe in die Nähe des Slapstick-Humors, besonders wenn es um die fruchtlosen Bemühungen der Möchtegern-Metal-Band geht, oder um die skurrile Rentner-Gang. Doch wirkt dies ausgesprochen erfrischend! Immer wieder gibt es jedoch Passagen wie diese: "Ich glaube, das ist das Leben: ein Strom von Dingen, die alle an dir vorbeiziehen. Manches erwischst du, manches verlierst du, von manchem merkst du gar nicht, dass es schon vorbeigetrieben ist, und vielleicht wäre gerade das für dich das Richtige gewesen." Wie kann man ein Buch, das solche Sätze enthält, nicht lieben?

Den schriftstellerischen Ansatz, den Fabio Genovesi mit diesem Buch verfolgt, kann ich nur innovativ nennen. Er wählt sich eine sehr begrenzte Zeit, nämlich ungefähr einen Sommer im fiktiven Muglione, dem Dorf am Ende der (italienischen) Welt. Diesen Sommer füllt er mit allerlei Episoden, die drei Perspektiven zugeordnet sind: erstens, Fiorenzo, der Einhändige, der Probleme mit dem Heranwachsen und mit der Liebe hat, und der gern angelt; zweitens, Tiziana, die studierte Sozialarbeiterin, die seit ihrer Rückkehr ins Dorf vor sich hin gammelt; und drittens, Mirko, das Radfahr-As, welcher insgeheim mit seinen Talenten eher ringt, als sie zu nutzen.

Für jede dieser Perspektiven lässt der Autor sich eine ganz eigene "Stimme" einfallen. Fiorenzo erzählt aus der Ich-Perspektive, und wirkt dabei in seiner Mischung aus Selbstüberschätzung und Naivität oft ausgesprochen drollig. Tiziana wird vom Autor mit "Du" angeredet; das hat einen sehr eigenen Effekt, der beinahe zynisch gerät. Doch dahinter spürt man die Absicht des Autors, Tiziana als "Gestrandete" in diesem Dorf zu schildern. Schließlich Mirko - er wird nur indirekt, aus der Sicht aller anderen, beschrieben; ferner lesen wir von ihm diverse Aufsätze und geheime Aufzeichnungen. Dennoch gerät dieser Junge sehr lebendig. Ich habe mit ihm gelitten - von Trainer, Radsport-Welt und den Zeitungen vergöttert, aber von den anderen Jugendlichen gehasst, weil er ihnen die Schau stiehlt. (Umso schöner die Wende, die Mirko im Laufe des Buches durchmacht.)

Ich möchte das Buch nicht einmal gerne "Roman" nennen. Es ist für mich viel eher ein Album mit allerlei absonderlichen Szenen, die sich alle im Laufe eines Sommers abgespielt haben. Manchmal sind die Verknüpfungen logisch und eng, dann wieder weniger. Doch im Laufe des Geschehens bleibt keiner, wie er anfangs war. Jeder macht Entwicklungen durch, was manchmal nicht ohne Schmerzen (physisch und emotional) abgeht. Wir sehen den drei Charakteren zu, begleiten sie, lachen, schmunzeln, leiden mit. Und am Ende wünschen wir ihnen alles Gute, für ihren Aufbruch zu neuen Ufern.

Ich habe das Buch gerade deswegen so gemocht, wenn nicht gar geliebt, weil es sich kaum in eine Schublade stecken lässt. Dorf-Satire? "American Pie" auf Italienisch? Abrechnung mit elterlichem Größenwahn? Hymne auf das Heranwachsen? Zarte Liebesgeschichte? Alles das, und noch mehr. "Da Capo", möchte man rufen.


Echoes of a Shattered Sky
Echoes of a Shattered Sky
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Ein wahres Schmuckstück für jeden Liebhaber von Klangkunst, 1. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Echoes of a Shattered Sky (Audio CD)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Der Name "Friedemann" war mir bislang völlig unbekannt. Das ist aber ein echtes Versäumnis, wie ich nach dem (bereits mehrfachen) Anhören dieser einmaligen und erlebnisreichen CD feststellen musste. Die Musik liegt auf einem schmalen Grat zwischen Jazz, Pop, Folk und Weltmusik, was aber gerade ihren Reiz ausmacht.

Gut, dass die Musik dem Bereich Jazz zugeordnet wird, hat insofern seine Berechtigung, als eben jazztypische Vorgehensweisen im Umgang mit Musikstilen und Instrumenten dominieren. Ich würde Friedemanns Ansatz geradezu "kosmopolitisch" nennen, sehr frei und kreativ im Umgang mit musikalischen Quellen. Außerdem verwendet er alle möglichen Arten von Gitarren auf diesem Album (wie er im Booklet erklärt), und reizt deren Möglichkeiten voll aus. Auch das ist jazz-typisch.

Die Grundstimmung des Albums würde ich schon melancholisch nennen - nur andeutungsweise erfährt man aus dem Booklet, dass es vor Kurzem eine private Katastrophe in Friedemanns Leben gegeben haben muss. Melancholisch, aber nicht pessimistisch! Die Musik verströmt im Gegenteil eher den Geist des Aufbruchs nach einer Krise, die Ruhe nach dem Sturm.

Ein besonderes Kunststück stellt für mich die Tatsache dar, dass er oft innerhalb eines Stückes mehrfach den Charakter wechselt. Zum Beispiel in Nr. 3, "Dancing on the Blue Lake". Es beginnt wie ein Folk-Song, mit der einer Ukulele ähnelnden Oktav-Gitarre. Sehr spritzig und beschwingt. Dann gibt es jedoch eine "Bridge", die eher zum New-Age-Stil passen würde. Und kurz vor Schluss hören wir mindestens 30 Sekunden Musik, die eine Art Hommage an Status Quo darstellen. Ganz unverkennbar wird hier deren Welthit "The Wanderer" zitiert. Eine grandiose musikalische Collage! Ganz ähnlich Nr. 2, "On the Shropshire Hills", das durch einen Englandaufenthalt geprägt wurde. Hier gibt ebenfalls die Oktav-Gitarre die Rolle der folkloristischen "Zutat". Doch in eine Schublade lässt sich das Stück auf keinen Fall stecken - wie die ganze CD nicht.

Es gibt schon Anklänge - aber "vergleichen" lässt sich Friedemann mit nichts, was ich bisher gehört habe. In seltenen Momenten erinnert er mich an Acoustic Alchemy, dann wieder an Celtic- oder Folk-Music, im nächsten Augenblick schon wieder an Meditationsmusik. Sehr schön finde ich auch, dass "sein" Instrument, die Gitarre, auf dieser CD zwar "den Ton angibt", aber keineswegs die anderen Musiker, wie Cello und Piano, "an die Wand spielt". Ebenfalls ausdrücklich erwähnen möchte ich die wirklich beeindruckende Gestaltung von Cover und Booklet insgesamt - dunkle Wolken mit blutrotem Rand, das stellt eine perfekte Versinnbildlichung des musikalischen Inhalts dar.

Dies ist mit Sicherheit nicht die letzte Scheibe von Friedemann, die ich gehört habe.


Die Muse des Mörders
Die Muse des Mörders
von Sarah Wedler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mehr als ein reines "Remake", 28. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Muse des Mörders (Gebundene Ausgabe)
Man kann dieses Buch auf zwei Arten lesen, und jede davon hat ihren eigenen Sinn und Wert. Genau darin liegt das Kunststück, was die beiden Jung-Autorinnen mit diesem erstaunlichen Debüt vollbracht haben.

Erstens: man könnte das Buch "ganz normal" als Krimi oder vielmehr Thriller auffassen, und ohne weitere Vorkenntnisse als solchen lesen. Alles ist so, wie man das von einem modernen Stück Spannungsliteratur erwartet: mehrere Handlungsstränge, die in schnellem Schritt miteinander verflochten werden, und deren Sinn und Zusammenhang man erst im Laufe des Buches versteht. Mehrere wichtige Figuren, die alle gleich viel Gewicht bekommen. Diverse exotische "Settings". Nacht und Nebel, Brutalität und Spannung. Und auch noch ein Hauch tragischer Liebe. Was will man mehr.

Die zweite mögliche Lesart finde ich persönlich allerdings noch interessanter: nämlich den Bezug zum klassischen Original, dem "Fräulein von Scuderi" von E. T. A. Hoffmann. Auch ich wurde damals in der Schule mit diesem angeblich ersten deutschen Kriminalstück "beglückt"; meine Deutschlehrerin war sogar ein großer Fan des Fräuleins. Ich gebe zu, ich habe mir extra vor Beginn der Lektüre der "Muse des Mörders" noch einmal eine Ausgabe des Originals gekauft (und gelesen!), um einen direkten Vergleich zu haben. Mein Fazit: selten ist ein "Remake" besser gelungen, selten hat eine Neuversion mehr Sinn gemacht.

Im Bereich der Filmkunst ist es ja oft so, dass ein "Remake" sich oft allein darin erschöpft, den Schauplatz in die Moderne zu legen, und die Sprache und Lebensumstände anzupassen. Mehr oder weniger "Kosmetik" also. Doch die beiden Debüt-Autorinnen D'Arachart und Wedler gehen da noch einen ganzen Schritt weiter. Sie entwirren die Teile der Novelle, die schon immer dramaturgisch schwer zu verstehen waren, und geben ihnen ein logisches Gerüst. Sie versehen diverse Figuren mit privaten Hintergründen - die mir schon immer gefehlt haben. Und sie interpretieren manche Situationen sehr (!) ironisch neu, was mir ausgesprochen gut gefallen hat.

So wird zum Beispiel die Audienz beim französischen König (aus dem Original), bei der über Verbrechensbekämpfung diskutiert wird, zu einer gut besuchten Lesung eines aufstrebenden Jung-Literaten... was habe ich geschmunzelt! Oder: die derzeit offizielle Mätresse des Königs (im Original "die Maintenon") wird zur Gattin des Polizeipräsidenten...herrlich. Es gibt noch diverse andere Beispiele.

Der Schauplatz wird von Paris nach Wien verlegt, und auch das fand ich gut gewählt. In der Neuzeit ist wohl wirklich Wien in etwa der Ort, der dem damaligen Paris in puncto Dekadenz und schwüler Atmosphäre am nächsten kommt. Das heutige Paris finde ich größtenteils verstädtert und entmystifiziert. Es wäre der Handlung um einen getriebenen Mörder, um Gift, Dolche und Wahnsinn, einfach nicht mehr gerecht geworden.

Schön finde ich ferner, wie eng sich die Autorinnen an das Original gehalten haben, was die Abfolge der Ereignisse betrifft. Man erkennt wirklich alles wieder, ohne dass es wie ein "Abklatsch" wirken würde. Die Handlung wirkt im Gegenteil in der Moderne logischer, nachvollziehbarer, "möglicher". Das liegt auch nicht zuletzt daran, dass die beiden Hauptprotagonisten, eben Madeleine Scuderi, die Literatin, und der leitende Polizeibeamte, Dominik Greve, mehr "Hintergrund" bekommen. Für sie werden teils eigene Handlungsstränge hinzu erfunden, was die Sache sehr "rund" gemacht hat.

Warum gebe ich dann nur vier Sterne? Das liegt an einem eher vagen Gefühl, an ein paar Kleinigkeiten, und vor allem an der Sprache. Ein paar Einzelheiten der modernisierten Handlung waren mir dann doch einen Hauch zu klischeebeladen. Warum musste es ausgerechnet einen Ausflug in die Sado-Maso-Szene geben? Einen Beamten, der seine Frau betrügt? Eine ungewollte Teenager-Schwangerschaft? Und eine so traurig-nüchterne Beerdigung? Auch rein sprachlich hätte manches "eleganter" sein können. Wenn in brenzligen Situationen Sätze fallen wie "Bitte, vertrau mir", und wenn Leute permanent "den Kopf schütteln" und "seufzen" oder "tief Luft holen", dann finde ich das einfach nur platt.

Doch insgesamt werte ich diese Kritikpunkte eher als Ausrutscher. Das Buch hat mir wirklich gut gefallen, und ich würde es ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen.


Herbst-Winter-Gemüse: Wohlfühl-Rezepte für kalte Tage
Herbst-Winter-Gemüse: Wohlfühl-Rezepte für kalte Tage
von Anne Rogge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bunt und ansprechend, jedoch mit kleinen Macken, 25. September 2012
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Es ist so eine Sache mit den Kochbüchern von Kosmos - auch dieses ist wieder knapp an meiner persönlichen Höchstwertung vorbeigesaust. Es enthält zwar sehr fantasievolle Rezepte, die durchaus leicht nachzukochen sind; es werden Vorschläge für alternative Zubereitungsarten gemacht; die ganze Gestaltung ist von nahezu künstlerischer Qualität. Aber: wieder habe ich das Gefühl, dass es sich nicht unbedingt an Anfänger richtet.

Doch ich will zuerst die positiven Seiten näher beleuchten. Ich finde es schon allein aus Gründen des Umweltschutzes erfreulich, sich wieder verstärkt heimischen Gemüsesorten zuzuwenden - die dann erstens frischer sind, und zweitens weniger Transportkosten und damit verbunden Umweltbelastung verursachen. Rüben, Kohl, Rote Bete, Kürbis und Salate, wir alle kennen sie, doch sie führen ein eher stiefmütterliches Dasein in unseren Küchen. Dieses Buch von Anne Rogge zeigt auf ausgesprochen kreative Weise, dass heimisch nicht gleich "langweilig" sein muss. Und vor allem: dass man auch mal ohne Fleisch auskommen kann.

Wie im Impressum nachzulesen, hat die Autorin die begleitenden Fotos selbst geschossen, und dafür sogar schon Preise im Bereich Food-Fotografie eingeheimst. Das wundert mich nun kein bisschen. Man könnte das Buch fast als Kunst- oder Bildband betrachten, so hoch professionell sind Layout und Gestaltung insgesamt.

Ferner gibt es viele kleine Hinweise zwischendurch, was zum Beispiel das Tragen von Handschuhen, oder das Verwenden besonderer Hilfsmittel betrifft. Diese Hinweise sind mit "das ist wirklich wichtig" betitelt, und finden sich zumeist am Rand, stehen also dem eigentlichen Rezept nicht im Wege.

Es lässt sich aber leider nicht vermeiden, auch über die kleinen "Macken" dieses Kochbuchs zu sprechen. Heimische Gemüse, schön und gut - aber gut ein Drittel davon war mir persönlich völlig unbekannt. Da hätte es geholfen, nicht nur Fotos von den Gerichten und Kochschritten, sondern auch einmal von den Zutaten allein und im Ursprungszustand zu haben. Beispiel "Postelein" (mal ehrlich, haben Sie schon jemals (!) davon gehört? Ich nicht!). Es wird nicht einmal erklärt, ob es eher ein Gemüse, oder ein Salat ist. Es kommt nur einmal, in einem oder zwei halben Sätzen, im Vorwort zum Kapitel "Wintersalate" vor. Kein Wort zum Aussehen, noch zu Beschaffungsquellen. Das fand ich schon recht ärgerlich. Ferner gibt es zwar ein Rezept-Register, aber kein (!) Zutatenregister. Auch dies wäre hilfreich gewesen.

Diese "Fragezeichen im Kopf" entstanden bei mir übrigens nicht nur bei manchen Gemüsen, sondern auch bei anderen Zutaten. Mehrfach werden, wie schon im "Vegetarischen Kochbuch" von Cornelia Schinharl, vermutlich teure und exotische Zutaten wie bspw. Käsesorten verwendet. Genauer gesagt: aus dem Text und den Bildern habe ich mir dann erschlossen, dass es sich um Käse handeln muss. Urprungsland? Beschaffung? Und vor allem: Preis? Fehlanzeige. Ich als relativer Koch-Ungeübter konnte daraus für mich nur den Schluss ziehen, dass die Autorin die "Otto-Normalverbraucherin" am heimischen Herd ein wenig aus den Augen verloren hat.

Noch ein ganz banaler Punkt, der mir negativ ins Auge fiel: das Format dieses Bandes. Es ist ein Softcover, also kein richtiger Fest-Einband. Da halte ich es für sehr unglücklich, ein so kleines, aufrechtes Rechteck-Format zu wählen. Denn man kann es nicht offen auf den Tisch legen, ohne dass es automatisch wieder zuklappt. Man muss ständig nach Gegenständen suchen, um die Seiten zu beschweren, damit es offen auf dem Tisch liegenbleiben kann. Das war bei "Vegetarisch gut gekocht" anders; dieses Buch hatte ein langes (!) Querformat, und blieb dadurch, durch sein Eigengewicht, besser offen liegen.

Insgesamt kann ich aber mit 4 Sternen für dieses im wahrsten Sinne des Wortes "bunte" Kochbuch gut leben. Es hat mir großen Appetit gemacht, und alles, was ich bisher nachgekocht habe, hat auch gut geschmeckt. Nur - ich würde es nicht unbedingt einem Koch-Novizen schenken wollen.


DER TOD KANN MICH NICHT MEHR ÜBERRASCHEN - Drama & Schicksal
DER TOD KANN MICH NICHT MEHR ÜBERRASCHEN - Drama & Schicksal

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein (recht gelungener) buddhistischer "Roman", 24. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch liegt für mich auf einem schmalen Grat zwischen philosophisch-religiöser Abhandlung und "tatsächlichem" Roman. Die Autorin, selbst mit buddhistischem Hintergrund, hat hier versucht, buddhistisch inspirierte Gedanken über Leben, Tod und das "Loslassen-Können" in eine Romanhandlung zu verweben. Dabei herausgekommen ist ein sehr gut lesbares Buch, das den Leser tief betroffen macht - das als Roman, als "Buch an sich" jedoch noch besser hätte sein können.

Ich möchte zukünftige Leser nun nicht verschrecken, die vom Buddhismus nichts wissen. Es ist nicht so, dass die Autorin quasi mit der Brechstange ihre Thesen und Ansichten zu vermitteln sucht. Aber wenn man es weiß, und sich ein wenig mit Buddhismus auskennt, dann sind die Bezüge einfach nicht von der Hand zu weisen. Man kann das Buch selbstverständlich auch ohne diesen Bezug lesen - doch dann entgeht einem doch ein gut Teil der Aussage.

Worum geht es eigentlich? Um einen Mann mittleren Alters, Marvin Abel, der sich unvermittelt mit einer tödlichen Diagnose konfrontiert sieht: Hirntumor, und auch noch der schlimmste, ein Glioblastom. Das Buch beschreibt, überwiegend aus Marvins Perspektive, seine noch verbleibende kurze Lebenszeit zwischen Diagnose und seinem tatsächlichen Tod. Anfangs verläuft die Handlung dabei noch ziemlich dicht an der Chronologie (Krankenhaus, Chemotherapie, Besuche); dies löst sich jedoch im letzten Drittel etwas auf. Die Handlung nimmt am Schluss eine sehr unerwartete Wende, wodurch der Titel des Buches letztlich sehr ironisch erscheint: der Tod kann einen eben doch immer (!) überraschen, auch wenn man vorher noch so abgeklärt war.

Ich habe aus diesem Buch etliches mitnehmen können. Gut getroffen fand ich zum Beispiel die verschiedenen Positionen und Verdrängungsmechanismen, welche Marvins Besucher einnehmen. Die Ehefrau tut beinahe so, als sei nichts, der Bruder will Geld, der Kollege gibt zu, Abläufe in der Firma manipuliert zu haben, für andere ist er schon so gut wie tot, die meisten sind hilflos, und so weiter. Ich weiß, dass alle diese Reaktionen tatsächlich vorkommen können, und fand sie realistisch geschildert.

Marvins eigene Entwicklung fand ich teilweise ein wenig abstrus, das mag aber auch daran gelegen haben, dass ein Hirntumor eben die Persönlichkeit des Menschen, bis hin zu Wahnvorstellungen, verändert. Nur hätten hier meiner Meinung nach andere schriftstellerische Mittel, wie eine Schilderung durch ein Familienmitglied, noch besser gewirkt.

Alles spitzt sich bis zu den letzten Szenen des Buches hin zu. Marvin durchläuft relativ typische Stadien, wie sie in der Psyche eines Sterbenden so ablaufen: über Verdrängung, Wut, Verhandeln, bis hin zu Resignation und Annahme. Schade fand ich dabei nur, dass im letzten Drittel des Buches, wie bereits erwähnt, etliches aus der Chronologie der Ereignisse gestrichen wurde. Das hat dem Buch seine Glaubwürdigkeit als "Roman" ein wenig geschmälert.

Vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb auch für ein breiteres Publikum gut geeignet: es überfordert nicht durch eine ausufernde Rahmenhandlung (die ich mir persönlich allerdings doch ausführlicher gewünscht hätte), es schildert typische Abläufe, es menschelt zwischendurch ziemlich stark, und es macht seelische Nöte verständlich. Es regt die Gedanken an, ohne zu sehr als Pamphlet rüberzukommen. Nur eine vollständige Durchdringung des Themas aus allen Blickwinkeln sollte man nicht erwarten.


Geheime Tochter: Roman
Geheime Tochter: Roman
von Shilpi Somaya Gowda
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Als Unterhaltung brauchbar - mehr aber auch nicht, 24. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Geheime Tochter: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein Unterhaltungs- und Frauenbuch, und als solches würde ich es als mittelgut gelungen bezeichnen. Es behandelt Themen, die wohl eher die weibliche Leserschaft ansprechen werden: ungewollte Kinderlosigkeit, Adoption, kulturelle Differenzen, Eheprobleme, die Suche nach den eigenen Wurzeln, Schuld, Vergebung, Versöhnung. Und vor allem: die Rollen von Müttern und Töchtern.

Die Autorin hat selber indische Wurzeln, wurde aber in Toronto geboren, und lebt heute in Kalifornien. Genau dies merkt man auch, meiner Meinung nach: sie siedelt ihre Geschichte zwischen zwei Kulturen an, und zwar den Paaren Somer und Kris in den USA, und Kavita und Jasu in Indien. Die Geschichte ist aber auf sehr typisch amerikanische, „unterhaltungslastige“ Art und Weise angelegt, vor allem, was das Verhalten und die Entwicklung der Figuren angeht (hier insbesondere der Männer). Der Leser, der sich schon intensiver mit Indien befasst hat, wird es merken: Indien gerät in diesem Buch zu wenig mehr als farbiger Kulisse, das eigentliche Verständnis der Autorin liegt bei den amerikanischen Charakteren und Verhaltensweisen. Das mag man so oder so beurteilen – sicher ist ein Unterhaltungs-Bestseller keinem Sachbuch gleichzustellen. Dennoch darf mir die Bemerkung erlaubt sein, dass ich von einer indischstämmigen Autorin mehr erwartet hätte.

Das Buch ist durchgehend im Präsens geschrieben, was prinzipiell ein guter Einfall ist. Das Präsens ist, gerade bei Familiengeschichten, ein wenig aus der Mode gekommen – hier sorgt es jedoch für mehr Unmittelbarkeit. Schwieriger hingegen finde ich die Technik, die Handlung permanent und abwechselnd auf die zwei Familien „aufzusplitten“, und das auch noch über große zeitliche Lücken hinweg. So mussten zwangsläufig manche Figuren zu kurz kommen. Besonders die amerikanische Adoptivmutter Somer blieb mir persönlich sehr fremd.

Gut gelungen hingegen sind etliche „farbige“ Details, wie Ess- und Kleidungsgewohnheiten. Soziale Missstände hingegen können, schon allein vom Umfang des Buches her, nur angerissen werden. Der Handlungsfaden des Buches ist überwiegend auf den Unterhaltungsaspekt abgestimmt – die Zweifel des adoptierten Kindes, seine Selbstfindung, und seine – letztlich unbestimmt bleibende – Suche nach seinen leiblichen Eltern. Dies muss man wiederum der Autorin zugute halten: sie hat der Versuchung erfolgreich widerstanden, ein reines Happy End herbeizufabrizieren.

Sicher, das Buch spricht einen ganz bestimmten Nerv an, und wird sich sicherlich brauchbar verfilmen lassen. Es hat, gerade zum Ende hin, sehr emotionale Anteile, die jedoch meines Erachtens zu Lasten der Wahrscheinlichkeit gehen. Wie so oft, bleibt die Bewertung dieses Buches letztlich Ansichtssache.


Do Nothing Till You Hear From Me
Do Nothing Till You Hear From Me
Preis: EUR 16,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber nicht überragend, 13. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Do Nothing Till You Hear From Me (Audio CD)
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Musik zu beurteilen, ist ein noch schwierigeres Unterfangen, als Literatur zu rezensieren. Musik ist noch viel mehr Geschmackssache, und die wenigsten von uns werden Berufsmusiker oder Musikjournalisten sein. Dennoch, ich traue mir schon ein gewisses Urteil im Bereich Jazz & Swing zu, da ich selber seit Jahrzehnten singe, unter anderem eben auch seit langem in einem Jazz-Chor.

Zu dieser CD. Wieder mal ein alternder Rocker, der es mit Swing-Klassikern versucht. Der letzte war meines Wissens Rod Stewart mit seinen Alben zum "Great American Songbook", und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir dessen Herangehensweise an diese Musik besser gefallen hat. Allerdings muss man Chris Thompson zugute halten, dass er es wahrhaftig nicht "nötig hatte"; seine Karriere ist über Jahre hinweg stabil verlaufen. Und somit kann man diese Scheibe wahrscheinlich als wohlmeinendes Experiment betrachten - das zwar nicht vollständig misslungen ist, aber dennoch so seine Eigenheiten hat.

Man spürt schon, dass er sich für dieses Experiment engagiert hat. Er hat sogar selber den Text für das beiliegende Booklet verfasst, und seine Frau (!) hat die Zeichnungen beigesteuert. Ferner beteuert er glaubwürdig, erst versuchsweise ein paar Probeaufnahmen gemacht zu haben, und dann erst zu weiteren überredet worden zu sein. OK, das nehme ich ihm ab.

Aber - er ist und bleibt für mich ein Rocker; das hört man einfach. Ich sage nicht, dass er schlecht singt. Aber seine Stimme "swingt" weniger, als man es erwarten dürfte; Unsicherheiten versucht er, durch ausuferndes Vibrato wett zu machen. Ferner finde ich ungünstig, dass man zu mehr als einem Drittel solche Songs ausgesucht hat, die am oberen Rand seines stimmlichen Spektrums liegen. Als Fan von Chris Thompson mag man das dadurch entstehende, rauchige Flair mögen - aber einem Jazz-Puristen sträuben sich da schon ein wenig die Nackenhaare. (Als Gegenbeispiel möchte ich noch einmal auf Rod Stewart hinweisen; der war in der Songauswahl ein wenig klüger - sie liegen überwiegend in seinem mittleren Spektrum.)

Sehr gewundert hat mich, dass zwei Songs mit aufgenommen wurden, die eigentlich gar keine Jazz-Nummern sind. Solche Fusionen mögen mitunter glücken; hier finde ich sie eher befremdlich. "Take These Chains" ist und bleibt ein Country-Song, das hört man vom ersten Takt an. Es wurde nur mit Jazz-Instrumenten unterlegt. Der Effekt ist sehr eigenartig. Auch "Davy's on the road again" wird wohl eher für solche Hörer reizvoll sein, die es noch aus Chris' Zeit mit "Manfred Mann's Earth Band" kennen. Ich hingegen bin da nicht vorbelastet, und für mich klingt es ein wenig nach dem Motto "was nicht passt, wird passend gemacht". Auch die Tatsache, dass ein eigener Chris-Thompson-Song aufgenommen wurde ("True Love Wins Again"), ist wohl eher dem freundschaftlichen Verhältnis aller beteiligten Musiker geschuldet.

Wie ich schon eingangs sagte, wird letztlich jeder Hörer selbst urteilen müssen. Ich urteile als Jazz-Liebhaber, und finde diese ganze stilistische Gratwanderung nur teilweise gelungen. Nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend.
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Donnerstags im Fetten Hecht: Roman
Donnerstags im Fetten Hecht: Roman
von Stefan Nink
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Um die Welt in 80 Tragen, 12. September 2012
Haben Sie Lust auf zwar weitgehend sinnfreie, dafür aber gekonnt gemachte und profund recherchierte Unterhaltung? Wollen Sie eine Weltreise der anderen Art erleben, die vor Katastrophen nur so strotzt? Wollen Sie aber gleichzeitig in die Atmosphäre der bereisten Orte eintauchen, so als wären Sie selber da? Dann ist dies das richtige Buch für Sie!

Nein, man sollte sich wahrhaftig nicht fragen, ob all das so passieren könnte. Oder ob Menschen, sprich: insbesondere der Protagonist, so etwas tatsächlich mitmachen würden. Der Lokaljournalist Siebeneisen, dessen Vornamen man übrigens nie erfährt, wird von seinem "Freund" O'Shady, genannt Schatten, auf eine Weltreise geschickt: er soll sieben Miterben suchen, da Schatten sonst die ungeheure Summe von 50 Millionen Euro nicht ausgezahlt würde.

Das Buch wäre nur halb so lustig, wenn auf diesem Himmelfahrtskommando nicht allerlei schief gehen würde. Siebeneisen erhält von Schatten nämlich immer nur äußerst nebulöse Hinweise zum jeweils nächsten zu findenden Erben - per Fax und Internet. Hinzu kommt, dass Schatten ausgesprochen geizig ist, und so entpuppen sich manche im Voraus gebuchten Details als - nun ja - wenig erbaulich...

Doch das wirkliche Sahnehäubchen an diesem Buch sind die gekonnt recherchierten Hintergründe. Der Autor Stefan Nink hat bereits zahlreiche Reisebücher veröffentlicht, und seine Expertise in diesem Bereich trieft aus jeder Seite. Er versteht es auf unnachahmliche Weise, den jeweils bereisten Flecken Erde gleichzeitig in den Fokus zu nehmen, aber auch so dezent bis mitteldezent zu veralbern, dass man als Leser seine helle Freude hat. Boxende Känguruhs in Australien, Geierangriffe in Nepal, grölende Chinesen auf einem Oktoberfest, ein tobendes Nashorn in der afrikanischen Steppe... die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Zu keinem Zeitpunkt jedoch hat man als Leser das Gefühl, die Witze würden nur um ihrer selbst willen gerissen. Nein, der Witz nimmt den Leser mit ins Boot, und weckt - letzten Endes - Verständnis für Siebeneisens Zwangslage, und für so manche menschliche Schwäche.

Durch dieses Buch bin ich nur so geflogen, und war beinahe traurig, als es zu Ende war. Obwohl - ein Ende ist es auch wieder nur halb, weil... Nein! Das werde ich nicht verraten. Lesen Sie selbst. Begleiten Sie Siebeneisen auf seinem irrwitzigen Trip. Fluchen Sie über Schatten, wundern Sie sich über so manchen Einheimischen. Und freuen Sie sich auf eine eventuelle Fortsetzung.
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