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Rezensionen verfasst von
Etheriel "ART IS RESISTANCE" (Dinslaken)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Hyperion
Hyperion
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Zurück zur Post, 3. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hyperion (Audio CD)
Dirge haben mal als Industrial-Metal-Projekt a la Godflesh angefangen. Davon ist natürlich nur noch in Nuancen etwas geblieben. Was mindestens seit And Shall the Sky Descend passiert lehnt sich an Neurosis in ihren bedeutensten Tagen an und ist Post-Metal erster Güte.
Und das nachdem ich das Genre 2012 beinah schon abgeschrieben hatte. Aber mit den Veröffentlichungen von Cult of Luna und MotA scheint noch ordentlich Leben im Knochenmark Genres zu sein. Nachdem Dirge mit Elysian Magnetic Fields sich noch 2011 eher in eine Metalorientiertere Richtung wandten ohne ganz den Fuß aus der Tür zu nehmen, geht der Blick mit Hyperion 2014 ganz klar zurück zum Post-Metal.

Zähflüssig und wuchtig wie im Genre nicht anders zu erwarten, reißt bereits der Opener Circumpolaris den geneigten Hörer in die Tiefe. Überlagerungen von Gitarrenwänden und organisch gemächliche Drums dominieren die Musik von Dirge.
Dazu brüllt Marc T., das letzte verbliebene Gründungsmitglied und somit wohl der Kopf der Band, aus Leibeskräften, wie eh etwas in den Hintergrund gemischt, gegen den grandiosen Klangmoloch an. Von Beginn an treiben Dirge ein Wechselspiel zwischen fast schon monotoner Wucht und wohl eingepflegter Zerbrechlichkeit. Eine Dualität die mit dem fragilen weiblichen Gesang in Venus Claws einen weiteren Höhepunkt erlebt.

Die Band beherrscht ihr Handwerk, aber sie protzt nicht damit. Wo andere Vertreter des Genres sich, zusehends im Versuch Isis nachzueifern, in einem progressiven Selbstzweck verlaufen bleiben Dirge relativ schlicht dafür um so emotionaler und so schließt sich Hyperion tatsächlich den Veröffentlichungen von Mouth of the Architect und Cult of Luna als grandioses sehr emotionales Album an, wobei die Emotionalität sowohl bei CoL als auch bei MotA zuletzt positiv Fragmente aufwies. Dirge hingegen zelebieren die Entropie. Hyperion ist nicht wütend sondern ein fahl, erkaltender und resignierter Spaziergang über die Oberfläche einer zerstörten Welt. Vielleicht liegt es daran, dass ich vor kurzem Die Straße las, dass ich glaube, den Ascheeregen auf diesem Album förmlich hören zu können. Oder es ist doch Teil des Albums. So oder so, Hyperion bleibt Grandios.


Terrestrials
Terrestrials
Preis: EUR 20,75

4.0 von 5 Sternen OK, 3. April 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Terrestrials (Audio CD)
Also sowohl Sunn O))) als auch Ulver kann ich recht gut und gerne hören. Monoliths and Dimensions gehört zu den großartigsten Werken extremer bzw. avantgardistischer Musik der letzten 10 Jahre, wohingegen Ulvers letzte VÖs eher ein wenig im Schatten früherer Werke standen, aber ich ehre die großen Scheiben bis mindestens zur Blood Inside und ich traue beiden Projekten großes zu, aber Terrestrials ist trotz oder gerade Aufgrund des langen Produktionszeitraumes zwar gut aber nicht überragend. Konzeptionell ist das ganze in drei Stücke unterteilt die einen langgezogenen Sonnenaufgang beschreiben. Während der Opener Let There Be Light sehr langsam angeht und nur schwer anders als dämmerich zu bezeichnen ist, ist das Ende Eternal Return klar, hell und warm. Eternal Return, das Aufleuchten und die ewige Wiederkehr der Sonne strahlt in hellen klaren Tönen und erinnert etwas Angels of Darkness, Demons of Light II von Earth. Dazwischen liegt mit Western Horn eben das Dazwischen.

Musikalisch beginnt Terrestrials sehr ruhig und verhalten, die sphärische Instrumentierung nimmt Stück für Stück zu und wirkt in Teilen von Western Horn wie ein sich einstimmender Orchestergraben vor der Vorstellung. Die Erwartungshaltung wirkt gespannt und steigert die Aufmerksamkeit des Hörens.
Das Konzept Sonnenaufgang/Konzert geht durchaus auf, dennoch muss man sagen, dass sowohl Sunn o))) als auch Ulver bereits besseres abgeliefert haben. Letztendlich wird das in Gold und Rot aufgemachte Terrestrials wohl eher Sunn O))) als Ulver Fans erfreuen, aber auch die Sunn O))) Anhänger(zu welchen ich mich auch eher zähle) werden wohl sagen, dass konnten Greg Anderson und Stephen O'Malley schon besser. 7/10


Fahr zur Hölle, Mister B.
Fahr zur Hölle, Mister B.
von Clive Barker
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zurück zu alter Stärke, 28. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fahr zur Hölle, Mister B. (Broschiert)
Clive Bakers letzte Ergüsse für Erwachsene hielten sich in Grenzen. Mal davon ab, dass in den letzten Jahren nicht viel erschien, waren seine letzen beiden Romane Galileo(Eine viel zu lange Schnulze mit Fantasyelementen, die nicht wirklich zum Kern der Story durchdringt) und Coldheart Canyon(Der Versuch eines Erotik-Horror-Romans -besser als Galileo aber nicht die Klasse seines Frühwerkes) auch noch mehr mäßiges Material eines einst überragenden Horror- und Fantasyautors, der sich zunehmend Malerei, Computerspielen und Kinder- und Jugendliteratur widmete.

Seinen Kultstatus erlangte Barker zu Recht mit den sechs Bänden der Bücher des Blutes und den darauf folgenden Büchern Spiel des Verderbens, Das Tor zur Hölle - Hellraiser und Cabal. Die Anzahl der Verfilmungen des Frühwerkes spricht derweil für sich. Fahr zur Hölle, Mister B schlägt mehr in die Kerbe des Frühwerkes Barkers als alles was in den folgenden Jahren von ihm erschien.
Schon allein der knappe Umfang von 256 Seiten überrascht den gängigen Barkerleser, weil dieser in den letzten Jahren kaum etwas unter 900 bis 1000 Seiten auf den Markt gebracht hatte. Das deutsche Cover wirkt dazu noch erschreckend billig, was aber wohl eine Entscheidung des deutschen Verlags war, denn die englische Version sieht stimmiger aus.

Inhaltlich erinnert das Buch bereits früh an Geschichten aus den Büchern des Blutes...
Wobei es Stellen in dem Buch gibt, insbesondere auf den ersten 50 Seiten bei welchen man das Gefühl autobiografischer Anspielungen bekommt. Warum schreibt Barker und welchen katharsischen Zweck erfüllten die Gewaltphantasien seiner frühen Werke.

Zum Inhalt:
Jakabok Botch hatte eine verdammt miserable Kindheit, einen despotischen und brutalen Vater und eine lieblose Mutter. Sein einziger Halt war es sich seine Wut und seinen Hass von der Seele zu schreiben. Diesem unwirtlichem Lebensraum wurde Jakabok als Teenager brutal entrissen und geriet in eine Welt in welcher er wiederholt angegriffen, verfolgt und gedemütigt wurde. Selbst seine erste Liebe verriet ihn nach kürzester Zeit. Ganz unschuldig an dieser Behandlung ist Jakabok derweil zwar nicht, aber auch seine Herkunft und sein Aussehen tragen durchaus zu dieser Behandlung bei. Sein Verhalten und seine Einstellung tragen derweil nicht gerade zu vielen Freunden bei, Jakabok hasst alles und jeden und vielleicht sich selbst am meisten. Aber hatte er je eine andere Chance, hatte er eine Wahl?
Jakabok ist immerhin ein Dämon in der realen Welt.

Zum Stil:
Es gibt einen großen Pluspunkt und einen kleinen Minuspunk.
+ Der große Pluspunkt ist ein klassischer Baker Pluspunkt. Er verkehrt die klassischen Rollenmuster von Fantasy- und Horrorfiguren. Der Dämon wird zur Identifikationsfigur mit einer vermenschlichten Geschichte, wie schon in seinen Frühwerken lösen sich die Begrifflichkeiten von Gut und Böse auf und jene die eigentlich die Guten sein sollten sind böser als die Bösen. Jakabok Botch alias Mr. B. ist einer jener Antihelden wie fast nur Barker sie erfinden kann, und die für den modernen Fantasyhorrorroman prägend sein sollten. Ketchum gelingt in Beuterausch etwas ähnliches, aber ohne Fantasy.
- Der eigenwillige Stil des Buches selbst, die Wendung dem Buch eine Persönlichkeit zu geben und es als Ich-Erzähler auftreten zu lassen wirkt einerseits und beinhaltet wichtige Storyelemente, doch durch eine wiederkehrende Ansprache entzerrt sich auch der Lesefluss des ansonsten sehr mitreißenden Buches(ich war an einem Tag durch).

Fazit:
Eines der besseren Barkerbücher, dass sich zurück zu alter Stärke bewegt, diese jedoch nicht ganz erreicht. An ein zweites Cabal oder Tor zur Hölle glaube ich nicht mehr, obwohl ich immer noch hoffe das Barker irgendwann die ursprünglich angedachte Fortsetzung schreibt.
Die epochalen Werke wie Gyre und Imagica waren zwar großes Kino aber auch von geradezu ausufernder Länge.
So wie hier mag ich Barker lieber. Natürlich will ich auch den letzten Abarat-Band, aber Bücher in diesem Stil sind es die Barker groß gemacht haben und welche ihm zu Recht seinen Ruf als Horrormodernisierer einbrachten.


Twilight
Twilight
Preis: EUR 19,01

4.0 von 5 Sternen Sehr krasser Anfang eines Triptychons, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Twilight (Audio CD)
'The Twilight Trinity is and always will be - Blake Judd - W - N.Imperial'(Linernotes Monument to Time End)
Das Gesetzt der Zahl, drei Menschen, drei Ecken, drei Alben. Heute 2014 knapp vor der Veröffentlichung des dritten und letzten Albums frage ich mich, ob es von Anfang an geplant war dass diese Drei mit wechselnden Mitstreitern drei Alben machen und dann abdanken.
Das vorliegende Debüt stammt aus dem Jahr 2005 beinhaltet 9 Stücke die ca. 44 Minuten füllen und ist das 'vermutlich' am meisten im Black Metal verhaftete Album der Band. Die Produktion ist der klassische 2nd Wave dumpfe Blechbüchsensound. Die Gitarren zittern grell, das Geschrei hallend hinter die Gitarren gemischt, der Rhythmus bestechend einfach.
Dabei gibt es mit Exact Agony, Take Life auch den Klassiker unter den Black Metal Nummern den temporeichen Song im Humppa-Rhythmus. Dagegen liefert Winter Before eine schleppende siebenminütige Drohgebärde mit klagendem Krächtzsprechgesang. Der eher thrashige Song mit in den Vordergrund gemischter nicht zittrig-hellen Gitarre ist ebenfalls mit Hopeless Etheride enthalten. Abgeschlossen wird das Album mit dem achteinhalbminütigem Beyond Light das sich über weite Strecken in gesanglosem doomigen Black Metal ergeht, die wenigen Vokals werden dann massiv darübergerüplst was schon ein ziemlicher Bruch mit dem bisherigem Klang des Albums ist. Mir fehlt irgendwie noch ein Dark Ambient Stück auf der Platte, warum?

Weil Twilight im Nachblick mit ihren Alben eine kleine Kunde der Entwicklung des Black Metals lieferten:
*Das vorliegende Debüt weißt die urtümliche klassische Schiene aus mit einem Schwerpunkt auf der 2nd Wave
*Das zweite Album Monument to Time End die sehr populären Derivate der Gegenwart besonders Post-Black-Metal
*Und das kommende dritte Album III: Beneath Trident's Tomb soll experimentelles massives Werk Zukunftsweisend werden, so kündigte zumindest N.Imperial die Scheibe an. (Ich denke eigentlich es ist eine weitere Chance die Möglichkeiten des Black Metal erneut auszuloten und aufzuzeigen)

Natürlich bewegt sich das Debüt auf hohem Niveau, es ist spielerisch ein gutes Album und das Songwriting orientiert sich sehr offensichtlich an Hellhammer, Celtic Frost, Darkthrone, Burzum und Mayhem (Von Venom vernimmt man wenig), im Vergleich mit dem Nachfolger muss man sagen, dass Twilight das doomig postige etwas besser zu Gesicht steht.


Information Overload Unit
Information Overload Unit

5.0 von 5 Sternen Klangmoloch aus Samples, Filtern und Geschrei, 24. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Information Overload Unit (Audio CD)
Mit The Second Annual Report of.. von Throbbing Gristle, Black Album von Boyd Rice und Chance Meeting von Nurse With Wounds ist IOU von SPK eines der Urwerke des Industrials: Mit einem Sammelsurium aus größtenteils undefinierbaren Soundsamples, hallendem Geschrei, Sprachsamples z.T. mit groteskem oder pornografischen Inhalt und Filtereffekten vor einem dumpf pochendem Rhythmus legten SPK mit ihrem Debüt eine Klangcollage hin die einem geradezu unwirklichen Horrorscore entspricht. Heute kommt sowas noch ab und an aus Japan. Wenn man weiß, dass SPK-Gründer Graeme Revell seinen damaligen Mitstreiter Ne/H/il kennenlernte als Revell als Pfleger und Ne/H/il als Patient in einer Psychiatrie waren wundert einen die Lärmorgie wenig Das Stücke wie Berufsverböt dabei schon tanzbar anmuten und Ideen von Haus Arafna vorwegnehmen überrascht da in diesem Klangmoloch schon mehr. Der Rest sind dröhnende und klirrende Klanglandschaften welche SPK damals Live wohl nicht umsonst mit Pathologie-Aufnahmen illustrierten.


Void Mother [Explicit]
Void Mother [Explicit]
Preis: EUR 8,49

5.0 von 5 Sternen Eines der Metal-Highlights 2013, 22. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Void Mother [Explicit] (MP3-Download)
Das Jahr 2013 hat mir ein paar echte Glanzstücke für meine CD-Sammlung in Sachen Metal beschert: Last City Zero, Eros/Anteros, The Primitive World, Sunbather und das faszinierende Void Mother.

Obscure Sphinx sind wohl die Newcomer der letzten Jahre, die sich aber bisher gegen einen Labelvertrag wehren und von daher schon ein Dasein als gering beworbener Geheimtip fristen und da ändert dann auch der verdiente Sieg beim New Blood Award Bandcontest des Summer Breeze 2012 nichts. Ich hab erst mit Void Mother was von den fünf Polen mitbekommen und mir die CD von der Band direkt geordert.

Wäre Void Mother auf einem mittleren bis großem Label erschienen, ich denke der Erfolg wäre nicht aufzuhalten gewesen. Stimmige Melodien und opulente Arrangements mit der attraktiven und charismatische Zofia Fraae am Mikro. Ich weiß noch nicht mal einen stimmigen Begriff um die Musik stilistisch einzuordnen. Es gibt in der Idee des Openers 'Lunar Caustic' z.B. klare Parallelen zu Cult of Luna und Neurosis um die Jahrtausendwende. Dieses Hardcore-Doomgebräu mit Hang zum großen tragischen Melodien und emotionaler Tiefe legt den Begriff Post-Metal nah, aber Obscure Sphinx bedienen sich derweil einer Menge mehr Pathos. Die Ausgefeiltheit der Arrangement legt einem gedanklich schon eher symphonisch orientierter Bands wie Within Temptation(the Presence of Goddess) bis hin in progressive Gefilde deren Ideenreichtum an das große Grenzgängerwerk von the Gathering(Wating for the Bodies...) erinnert. Neben dieser Eindrucksvollen Mischung aus Progressive, Hardcore, Doom- und Symphonic Metal nimmt die Band auch mal den Fuß vom Gas und zaubert mit Stücken wie Velorio oder Void Musik die so direkt von frühen Dead Can Dance hätte stammen können.
Und währenddessen pendelt Zofia Fraae Stimme erschreckend Punktgenau zwischen harten Shouts, tiefen Growls und sphärischem Gesang(nur das englisch leidet gelegentlich). Wenn es Alben gibt mit welchen man Void Mother vergleichen sollte, dann ein paar wirklich sehr große Scheiben: Tiamat - Wildhoney, Neurosis - A Sun That Never Sets, Callisto - True Nature Unfolds, My Dying Bride - Like Gods of the Sun... irgendwo dazwischen 'Female Fronted', mit Hang zur opulenten Symphonie ordnen sich Obscure Sphinx mit Void Mother ein. Vor zwanzig Jahren hätte man vermutlich das Etikett Gothic Metal an die CD geheftet, heute versucht man es mit Post-Metal und beides greift einfach zu kurz. Obscure Sphinx sind eine eigenständige Band in einem Kosmos aus Dark Wave Elementen, Doom Metal und Hardcore.
Sowas gibt es heute nicht noch mal und sollte schon deshalb zumindest beachtet werden, die Tiefe und Qualität der Musik spricht für sich und lässt auf weitere Glanztaten der polnischen Band hoffen. Allerdings wünsche ich der Band auch alsbald ein Label, dass ihnen die künstlerische Freiheit lässt und Verträge für Einzelalben abschließt, damit der internationale Verkauf etwas anzieht, denn das Schattendasein, dieser Band scheint mir eine Schande. Translation Loss bietet sich z.B. vom Backkatalog des Labels an.
9/10


Classic Album Selection (1979-1984)
Classic Album Selection (1979-1984)
Preis: EUR 25,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So sollte ein günstiges Box-Set gestaltet sein, 19. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Seit ein paar Jahren wird man ja von Box-Sets überschwemmt. Der musikalische Inhalt variiert natürlich wenn jede x-beliebige Band die zwei Hits hatte oder irgendwann einmal als Kult galt mittlerweile ein eigenes Set hat.
Eine typische Variante dieser Vermarktung sind die Original Album Series von Sony wie z.B. von den Sisters mit drei bis fünf Alben in Pappschubern in einer Pappbox ohne Begleitinfos. Dafür jedoch zu einem Preis für welchen man sonst gerade mal ein Album bekommt. Natürlich bleibt es bei manchen Bands ärgerlich weder die Texte noch die grafische Aufarbeitung der Musik zu bekommen. Das stört mich z.B. bei der Box von Paradise Lost aufgrund der fehlenden Gestaltung und von Patti Smith aufgrund der fehlenden Texte.

Dagegen gehalten werden dann solche exquisiten Sammlereditionen wie das Boxset von Naked City oder Johnny Cash, zu dann jedoch auch entsprechenden Preisen.
Beides hat seine Berechtigung, die eine Variante ist für Musikinteressierte als Alternative zum Download sinnvoll, die andere für Sammler, Extrem-Fans und Komplettisten.

Universal wählen ein sehr gutes Maß für ihre Boxveröffentlichungen. Wie auch bei Soundgarden kommt schon der Pappschuber liebevoller als die Sonyvariante daher. Der Karton ist stabiler und grafisch besser auf das Bandkonzept abgestimmt. Die einzelnen CDs sind in Gatefold-Pappschubern, welche den Vinylveröffentlichungen der jeweiligen Alben nachempfunden sind verpackt. Jede dieser kleinen Verpackungen hat genug Raum für die CD und zerkratzt diese somit nicht. Es gibt die bei LP-Schubern vorhandene Öffnung zur Innenseite als Aufmachungsgag und eine zweite Taschen die jeweils das komplette Booklet der CD enthält. Dabei ist die Veröffentlichte Variante mit fünf CDs von Universal nur marginal teurer als jene Boxveröffentlichungen von Sony.
Für die Aufmachung des Sets alleine schon mal *****

Zu den Alben:
Enthalten sind die ersten fünf regulären UK Studioalben der Band und damit das Schaffen von 1979 bis 1984(Ohne Singles und ohne das three Imaginary Boys US Remake Boys don't Cry). Die Band welche sich schon damals als Rob Smith mit wechselnden Gästen entpuppte, lediglich Laurence Tolhurst hatte alle fünf Alben über als Schlagzeuger bestand, schuf mit diesen Alben einige Vorzeigewerke des Dark Wave.

Im Detail:
Three Imaginary Boys (1979)
Irgendwie hing ,Three Imaginary Boys' noch tief in der Ursuppe des Post-Punk. Hochmelodiös, ja geradezu popig mit enormer Tanzbarkeit und Eingängigkeit, ohne lange sphärische Düsterpassagen, dafür mit schnellen und kurzen Stücken. Ähnlichkeiten mit der Prä-Joy-Division-Band Warzaw oder Adam and the Ants drängen sich geradezu auf. Neben dem unvermeidlichem Hit 10:15 Saturday Night ist das Album auch sonst angefüllt mit kleinen Post-Punk/70s Poppunkperlen. Die Wahl des Albums mag ich eigentlich nicht anzweifeln, da hier aber die Singles aus dem Jahr 1979 fehlen sind ein paar echte Klassiker der Phase nicht vorhanden, die auf der US-Alternativeveröffentlichung Boys Don't Cry drauf waren: Boys don't cry, Juming Someone Elses Train und Killing an Arab werden schmerzlich vermisst.****

Seventeen Seconds (1980)
Gemeinhin könnte man sagen SOUND GEFUNDEN.
So stellt man sich the Cure vor. War tIB noch deutlich Punkbeeinflusst ist Seventeen Seconds gemächlicher und düsterer, die Melodien sind reduzierter als auf three Imaginary Boys aber vorhanden. Das Keyboard kommt etwas nach vorne, der Bass sitzt besser und die Thematik ist depressiver. Stücke wie secrets" oder at night" malen einen tiefdunklen Abgrund.

Mit diesem Album beginnt eigentlich die Reihe der drei überragenden Veröffentlichungen in Folge und damit auch das Monument the Cure. ,a forest' gilt bis heute als eines der großen Hits der Band und ist bis heute ein Evergreen der Dark-Wave-Szene.
Rückblickend wurden the Cure hier schon zu einem der großen Namen die über die Ränder der Szene hinaus strahlten, neben Depeche Mode, Sisters of Mercy und vielleicht noch the Smiths und New Order. *****

Faith (1981)
Noch einen Schritt tiefer in den Abgrund. Faith ist eines der kältesten und düstersten Werken von the Cure, in all der Abgründigkeit nah bei Closer von Joy Division. Die Single Primary ist so was der zügige Lichtblick des Albums. Das nihilistisch-depressive Meisterwerk von Rob Smith und seinen Cure ist gewiss kein Album für gut gelaunte Stunden, aber im tiefdepressiven die Welt verachtenden minimalistischen Sound der frühen 1980er Jahre ein Stück welches als ein perfektes Album beschrieben werden muss und nicht selten als das Gegenstück zur Disintegration benannt wird.*****

Pornography (1982)
Ich weiß nicht ob sich damals irgendwer gedacht hat, dass es noch tiefer gehen könnte, doch es ging. Zu den Aufnahmen soll die Band in den Büros der Plattenfirma gehaust haben um Geld zu sparen und LSD sowie Alkohol im Überfluss konsumiert haben. Der depressive Nihilismus von Faith wird in seiner Intensität noch einmal. Dagegen ist der Sound nicht mehr so klirrend kalt, eher trüb und aggressiv. Insbesondere das Schlagzeug klingt dauerhaft angefressen: hart z.B. in der Single ,the Hanging Garden', bedrohlich z.B. in ,Siamese Twins und erdrückend in ,Cold'. Von der Warte aus vielleicht auch das the Cure Album mit der größten Wut im Bauch. Das sich diese Wut auf die Welt und das Leben als solches richtet macht Rob Smith gleich zu beginn des Albums mit den Worten It doesn't matter if we all die" klar.*****

The Top (1984)
Die Abkehr von dieser Abwärtsspirale kam 1984, die Bandmitglieder betätigten sich mittlerweile als Produzenten und Musiker in anderen Bands und ,the Top' erschien fast schon nebenher. The Cure hatten nach drei immer weiter nach unten gerichteten Alben den Weg heraus gewählt und begannen mit musikalisch psychedelischen Experimenten. Arabische Tonleitern, die Rückkehr der Popmelodie.
In dieser Vielfalt wirkt das Album gerne mal Orientierungslos und hat auch den einen oder anderen Schwachpunkt, insbesondere wirken einige Songs unfertig. Natürlich sind die Singles ,Shake Dog Shake' und ,The Caterpillar' grandiose Nummern und auch darüber hinaus sind geniale Stücke wie das temporeiche ,Give me it' enthalten, aber in der Gesamtheit fällt das Album gegenüber den Vorgängern ab und auch die Nachfolgescheiben bis hin zum überragenden ,Disintegration' welche sich zunehmend der Popidee widmeten erscheinen im direkten Vergleich durchgängiger und konstanter. ***1/2


Bei STOPP ist Schluss!: Werte und Regeln vermitteln (1. bis 10. Klasse): Werte und Regeln vermitteln. Klasse 1-10
Bei STOPP ist Schluss!: Werte und Regeln vermitteln (1. bis 10. Klasse): Werte und Regeln vermitteln. Klasse 1-10
von Thomas Grüner
  Broschiert
Preis: EUR 22,45

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Alptraum der Kindheit, 14. Februar 2014
Von diesem Buch ist als Methodenbuch für die pädagogische Unterrichtsgestaltung grundsätzlich abzuraten. Die Umsetzung der hier verfochtenen Methoden sind mit dem Grundgesetzes und einem humanistischem Menschenbild vermutlich nicht vereinbar.

Inhaltlich werden fragwürdige Methoden postuliert deren Erfolg auf Kosten der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen geht. Die moralische(Kohlberg), kognitive(Piagets) und psychosoziale(Erikson) Entwicklung von Kindern wird hier außer acht gelassen.
Diese Methoden werden vor dem Hintergrund eines prähumanistischen Menschenbildes verfochten, das achtjährige Kinder in Gut und Schlecht einteilt und ein Bewusstsein über die eigene Position in dieser Wertung unterstellt. Grundrechte aller Schüler sollen hier zu Privilegien der 'guten Kinder' umfunktioniert werden(z.B. Partizipation). Andere zur Einführung vorgeschlagenen Sanktionen und Privilegien unterstützen die Separation und Stigmatisierung der Schüler und Reduzieren diese auf die Einteilung in Gut und Schlecht. So tragen die Einführung separater Pausenräume für 'gute Schüler' oder die Befreiung von Diensten 'guter Schüler' zulasten 'schlechter Schüler', welche diese Dienste übernehmen sollen zu einer dauerhaften Separation der Gruppen bei.

Dem Gegenüber wird dem Lehrkörper eine absolutistische Macht über die Klasse zugesprochen. Eltern und Schüler haben sich den Vorstellungen, dem Urteil und der Einschätzung des Lehrkörpers zu beugen. Sie seien als pädagogisch unqualifizierte Individuen nicht in der Lage diese zu beurteilen, geschweige denn in Frage zu stellen (Woher Lehrerinnen und Lehrer ihre Hoheitsberechtigung erhalten sollen bleibt indes unbeantwortet). Eine Methode wie die Striche verdeutlicht diese Diskrepanz zwischen einer Konditionierung basierend auf einer reaktionären Überzeugung und einer vollwertigen Erziehung vor dem Hintergrund einer wertschätzenden Erziehung, und da ändert dann auch die Aussage, man solle doch nur das Verhalten verurteilen und nicht die Person nichts mehr, denn diese Unterscheidung wird hier nicht in die Methoden transferiert. Und Methoden wie der Klassenrat widersprechen dieser Vorstellung ganz offensichtlich, da hier die Sanktion in der Vorführung des nonkonformen Individuums besteht.

Der Klassenrat - 'Die Chance...'
Man stelle sich das vor:
Ein feste Gruppe von Menschen -sagen wir mal so etwa 30 Personen- die mindesten fünf Tage die Woche mindestens einen halben Tag miteinander verbringt.
Alle vier Wochen kommt ein Tribunal aller Beteiligter zusammen und bewertet das gegenseitige Verhalten der letzten Wochen. Anonymisiert werden Urteile über die anderen Mitglieder der Gruppe gefällt. Die Überwachung durch die Gruppe erscheint sich damit umfassenden auf die gesamte miteinander verbrachte Zeit zu erstrecken. Beurteilt werden soll das Verhalten, dass schließt jedoch nicht aus, dass Sympathien und Antipathien in die Bewertung einfließen und Außenseiter deshalb eine schwierigere Ausgangslage haben.

Die Person die am besten abschneidet wird mit Beifall belohnt und als goldenes Vorbild für den Rest der Gruppe durch einen Außenstehende und völlig unabhängige Instanz hervorgehoben. Die Person die am schlechtesten abschneidet muss sich vor der Gruppe entschuldigen. Rechtfertigungen, Erklärungen sind untersagt, da sie von der unabhängigen Instanz als Ausflüchte und Lügen angesehen werden - unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt der Aussage, welcher nicht überprüft wird. Der Entschluss der Gemeinschaft liegt hier über der Unschuldsvermutung, de facto wird hier von einer grundsätzlichen Verdorbenheit des Individuums ausgegangen(Tatsächlich wird im Buch Individualität als moderner Mythos bezeichnet.).

Die Gruppe hat entschieden wer sich Entschuldigen muss. Eine Entschuldigung allein reicht allerdings nicht aus, der Entschuldigung muss die Erkenntnis des eigenen Fehlverhaltens zugrunde liegen. Erkennt die Person kein eigenes Fehlverhalten, wird es von den Gruppenmitgliedern über mögliche Gründe der gemeinschaftlichen Verurteilung informiert und muss sich erklärend hierfür entschuldigen und das eigene Verhalten als Fehlverhalten anerkennen.

Und da, in diesem Moment der Schwäche und Verletzlichkeit, der Angst und des Unbehagens kommt diese paternalistische Machtinstanz, die sich außerhalb des Systems der Gruppe positioniert hat und verlangt dem Individuum die völlige Offenlegung der eigenen Emotionen ab. Die ausgeübte Macht der paternalistischen Instanz greift in das Innenleben des Individuum erforscht es und fordert die Offenlegung von Geheimnissen sowie die Gewissensprüfung. Die Vulnerabilität des Einzelnen wird hier Nutzbar gemacht, die Angst und das Unbehagen werden zum panoptischen Machtkonstrukt über den Einzelnen. Die Würde des Menschen wird dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet. Das ist die Pervertierung der gestalttherapeutischen Methode von Perls heißem Stuhl.

"Derjenige, welcher der Sichtbarkeit unterworfen ist und dies weiß, übernimmt die Zwangsmittel der Macht und spielt sie gegen sich selber aus; er internalisiert das Machtverhältnis, in welchem er gleichzeitig beide Rollen spielt; er wird zum Prinzip seiner eigenen Unterwerfung."(Foucault - Überwachen und Strafen)

Das Individuum wird also gebrochen und auf die Gemeinschaft eingeschworen und die Gemeinschaft wird in absolutem Konformismus kleinlichster Regeln eines absolutistischen Systems vereinheitlicht. Das diese sektiererischen Erziehungsmethoden oberflächliche Erfolge erzielen verwundert nicht.
Das Individuum versucht die Situation der Bloßstellung zu umgehen und internalisiert die von der Gruppe postulierten Verhaltensweisen. Das hierüber hinzukommend auch die permanente Überwachung internalisiert wird ebenso die anhaltende Angst und schlimmer noch das grundlegende Gefühl der generellen Lebensführungsschuld begünstigt natürlich die Ausprägung eines extremen Konformismus. Das sich das Konstrukt an einer Moral der kollektiven interpersonalen Konkordanz ausrichtet birgt die Gefahr der moralischen und sozialen Stagnation und Regression.(Kohlberg - Die Psychologie der Moralentwicklung/ Erikson - Identität und Lebenszyklus.) Ob sich, je nach Handhabung der Methoden hieraus auch Dissoziationen aufgrund der massiven Einwirkung auf die Psyche und der Unterdrückung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung ergeben können scheint diskussionswürdig.

Das alles mit Kindern ab dem Grundschulalter?
Die psychologische und soziale Brutalität dieser Methoden in den Händen von supervisorisch, psychologisch, gestalttherapeutisch oder mediatorisch nicht ausgebildeten Menschen?


Bei Stopp ist Schluss!: Werte und Regeln vermitteln
Bei Stopp ist Schluss!: Werte und Regeln vermitteln
von Thomas Grüner
  Taschenbuch

1.0 von 5 Sternen Der Alptraum der Kindheit, 14. Februar 2014
Von diesem Buch ist als Methodenbuch für die pädagogische Unterrichtsgestaltung grundsätzlich abzuraten. Die Umsetzung der hier verfochtenen Methoden sind mit dem Grundgesetzes und einem humanistischem Menschenbild vermutlich nicht vereinbar.

Inhaltlich werden fragwürdige Methoden postuliert deren Erfolg auf Kosten der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen geht. Die moralische(Kohlberg), kognitive(Piagets) und psychosoziale(Erikson) Entwicklung von Kindern wird hier außer acht gelassen.
Diese Methoden werden vor dem Hintergrund eines prähumanistischen Menschenbildes verfochten, das achtjährige Kinder in Gut und Schlecht einteilt und ein Bewusstsein über die eigene Position in dieser Wertung unterstellt. Grundrechte aller Schüler sollen hier zu Privilegien der 'guten Kinder' umfunktioniert werden(z.B. Partizipation). Andere zur Einführung vorgeschlagenen Sanktionen und Privilegien unterstützen die Separation und Stigmatisierung der Schüler und Reduzieren diese auf die Einteilung in Gut und Schlecht. So tragen die Einführung separater Pausenräume für 'gute Schüler' oder die Befreiung von Diensten 'guter Schüler' zulasten 'schlechter Schüler', welche diese Dienste übernehmen sollen zu einer dauerhaften Separation der Gruppen bei.

Dem Gegenüber wird dem Lehrkörper eine absolutistische Macht über die Klasse zugesprochen. Eltern und Schüler haben sich den Vorstellungen, dem Urteil und der Einschätzung des Lehrkörpers zu beugen. Sie seien als pädagogisch unqualifizierte Individuen nicht in der Lage diese zu beurteilen, geschweige denn in Frage zu stellen (Woher Lehrerinnen und Lehrer ihre Hoheitsberechtigung erhalten sollen bleibt indes unbeantwortet). Eine Methode wie die Striche verdeutlicht diese Diskrepanz zwischen einer Konditionierung basierend auf einer reaktionären Überzeugung und einer vollwertigen Erziehung vor dem Hintergrund einer wertschätzenden Erziehung, und da ändert dann auch die Aussage, man solle doch nur das Verhalten verurteilen und nicht die Person nichts mehr, denn diese Unterscheidung wird hier nicht in die Methoden transferiert. Und Methoden wie der Klassenrat widersprechen dieser Vorstellung ganz offensichtlich, da hier die Sanktion in der Vorführung des nonkonformen Individuums besteht.

Der Klassenrat - 'Die Chance...'
Man stelle sich das vor:
Ein feste Gruppe von Menschen -sagen wir mal so etwa 30 Personen- die mindesten fünf Tage die Woche mindestens einen halben Tag miteinander verbringt.
Alle vier Wochen kommt ein Tribunal aller Beteiligter zusammen und bewertet das gegenseitige Verhalten der letzten Wochen. Anonymisiert werden Urteile über die anderen Mitglieder der Gruppe gefällt. Die Überwachung durch die Gruppe erscheint sich damit umfassenden auf die gesamte miteinander verbrachte Zeit zu erstrecken. Beurteilt werden soll das Verhalten, dass schließt jedoch nicht aus, dass Sympathien und Antipathien in die Bewertung einfließen und Außenseiter deshalb eine schwierigere Ausgangslage haben.

Die Person die am besten abschneidet wird mit Beifall belohnt und als goldenes Vorbild für den Rest der Gruppe durch einen Außenstehende und völlig unabhängige Instanz hervorgehoben. Die Person die am schlechtesten abschneidet muss sich vor der Gruppe entschuldigen. Rechtfertigungen, Erklärungen sind untersagt, da sie von der unabhängigen Instanz als Ausflüchte und Lügen angesehen werden - unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt der Aussage, welcher nicht überprüft wird. Der Entschluss der Gemeinschaft liegt hier über der Unschuldsvermutung, de facto wird hier von einer grundsätzlichen Verdorbenheit des Individuums ausgegangen(Tatsächlich wird im Buch Individualität als moderner Mythos bezeichnet.).

Die Gruppe hat entschieden wer sich Entschuldigen muss. Eine Entschuldigung allein reicht allerdings nicht aus, der Entschuldigung muss die Erkenntnis des eigenen Fehlverhaltens zugrunde liegen. Erkennt die Person kein eigenes Fehlverhalten, wird es von den Gruppenmitgliedern über mögliche Gründe der gemeinschaftlichen Verurteilung informiert und muss sich erklärend hierfür entschuldigen und das eigene Verhalten als Fehlverhalten anerkennen.

Und da, in diesem Moment der Schwäche und Verletzlichkeit, der Angst und des Unbehagens kommt diese paternalistische Machtinstanz, die sich außerhalb des Systems der Gruppe positioniert hat und verlangt dem Individuum die völlige Offenlegung der eigenen Emotionen ab. Die ausgeübte Macht der paternalistischen Instanz greift in das Innenleben des Individuum erforscht es und fordert die Offenlegung von Geheimnissen sowie die Gewissensprüfung. Die Vulnerabilität des Einzelnen wird hier Nutzbar gemacht, die Angst und das Unbehagen werden zum panoptischen Machtkonstrukt über den Einzelnen. Die Würde des Menschen wird dem Wohl der Gemeinschaft untergeordnet. Das ist die Pervertierung der gestalttherapeutischen Methode von Perls heißem Stuhl.

"Derjenige, welcher der Sichtbarkeit unterworfen ist und dies weiß, übernimmt die Zwangsmittel der Macht und spielt sie gegen sich selber aus; er internalisiert das Machtverhältnis, in welchem er gleichzeitig beide Rollen spielt; er wird zum Prinzip seiner eigenen Unterwerfung."(Foucault - Überwachen und Strafen)

Das Individuum wird also gebrochen und auf die Gemeinschaft eingeschworen und die Gemeinschaft wird in absolutem Konformismus kleinlichster Regeln eines absolutistischen Systems vereinheitlicht. Das diese sektiererischen Erziehungsmethoden oberflächliche Erfolge erzielen verwundert nicht.
Das Individuum versucht die Situation der Bloßstellung zu umgehen und internalisiert die von der Gruppe postulierten Verhaltensweisen. Das hierüber hinzukommend auch die permanente Überwachung internalisiert wird ebenso die anhaltende Angst und schlimmer noch das grundlegende Gefühl der generellen Lebensführungsschuld begünstigt natürlich die Ausprägung eines extremen Konformismus. Das sich das Konstrukt an einer Moral der kollektiven interpersonalen Konkordanz ausrichtet birgt die Gefahr der moralischen und sozialen Stagnation und Regression.(Kohlberg - Die Psychologie der Moralentwicklung/ Erikson - Identität und Lebenszyklus.) Ob sich, je nach Handhabung der Methoden hieraus auch Dissoziationen aufgrund der massiven Einwirkung auf die Psyche und der Unterdrückung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung ergeben können scheint diskussionswürdig.

Das alles mit Kindern ab dem Grundschulalter?
Die psychologische und soziale Brutalität dieser Methoden in den Händen von supervisorisch, psychologisch, gestalttherapeutisch oder mediatorisch nicht ausgebildeten Menschen?


Retribution (Digipak)
Retribution (Digipak)
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grundsolide, 3. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Retribution (Digipak) (Audio CD)
Böse Zungen nennen Ektomorf einen innovationslosen Max Cavelara Rip Off: Tief gestimmte Stakkatogitarre, heiser wütender Brüllgesang und synkopisch groovender Rhythmus. Wenn man so will passt das auch auf Soulfly oder die Hitalben von Sepultura: Chaos a.d. (1993) Oder Roots.
Anders formuliert kann man auch sagen Ektomorf haben einen festen Stil(Naja wer bei 'Watch me' nicht an Jumpdafuckup denkt, hat wohl was verpasst), der sich an Groove Metal oder auch hartem Nu Metal mit Folkelementen orientiert. Eine Beschreibung die z.B. auch auf die frühen Ill Nino passen würde, deren Sänger Cristian Machado sich auf 'Numb & Sick' ein sehr gelungenes Duett mit Zoltan Farkas liefert.

Zoltan der weitestgehend alleiniger Songwriter der Band ist, scheint in seinem Stil auch zufrieden zu sein. Die großen Entwicklungen der Band beschränkte sich in den letzen Jahren auf Nuancen in den dominanten Instrumenten (Der Bass rückt diesmal wieder in den Hintergrund und die Gitarre wieder nach vorne) und dem vereinzelt vorkommenden Akustiknummern, hier die nette aber dann doch recht unauffällige Ballade Collapsed Bridge, sowie den gelegentlichen Akustikparts.

Also weitestgehend alles beim alten im Hause Ektomorf.
Ein paar Nummer stechen hervor, so schreit z.B. das wirklich fetzige hardcorelastige und an Destroy Everything von Hatebreed erinnernde Groovemonster, 'Who the **** You Are' nach Tanzfläche und Moshpit, die melodiöse Wechselhafte Nummer 'Lost & Destroy' wäre vor 15 Jahren noch ebenso ein echter Hit geworden wie das erwähnte Duett. Und das düster angestrichene 'Save Me' rockt in einem wundervollen Wechselbad aus bedrohlicher Atmosphäre und Wutausbruch. Auch das anschließende 'Whisper' groovt dann noch mal in wirklich guter Outcastmanier durch die Bude.
Der Rest des Albums bringt vornehmlich das was man von Ektomorf erwartet 'rohe gebündelte Wut mit folkloristischen Elementen', das kann über die volle Distanz mal langweilig sein und ich ertappe mich beim skippen(Besonders das Slayercover 'I Hate You' missfällt mir aufgrund seines mäßigen 1:1Copy-Versuchs) aber mit den fünf wirklich gelungenen Nummern und dem netten Rausschmeißer ist das Album dennoch OK.

Für Fans der Band selbst natürlich ein sehr gelungenes Album. Für die Genreinteressierten am Sepultura(mit Max)-Groove-Metal oder frühe-Soulfly-frühe-Ill-Nino-Nu-Metal ebenfalls ein Schmankerl, insbesondere weil Ill Nino sich in den letzten Jahren anscheinend in Belanglosigkeit und Überproduktion verlaufen haben.
Mit der letzen Soulfly kann die Scheibe durchaus konkurrieren, krankt aber stellenweise an einer ähnlichen Beliebigkeit über die volle Distanz(wobei ich Retribution schon eine deutliche Spur besser finde).

7/10 Grundsolide mit ein paar sehr gelungenen Höhepunkten aber auch zwei Ausreißern nach unten (I Hate You und Watch Me)


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