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Sandman Slim: Höllendämmerung
Sandman Slim: Höllendämmerung
von Richard Kadrey
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

4.0 von 5 Sternen Spannung, Abwechslung, unvorhersehbare Ereignisse..., 18. Mai 2013
Zitat:
„Ich werde diesen Vorfall einfach auf die Liste mit den Sünden schreiben, für die ich später büßen muss. Gerade mal zehn Minuten auf der Erde, und schon kommt wieder was dazu.“
(S. 13)

„Er hat zwar keinen Körper mehr, aber vielleicht ist er trotzdem noch irgendwie damit verbunden.“
(S. 40)

„Wenn ich sie nicht so sehr hassen würde, würde ich sie wahrscheinlich mögen.“
(S. 314)

Inhalt:
Nach elf Jahren gelingt es Stark tatsächlich, der Hölle zu entfliehen. Nun will er nur noch eines: Rache! Er weiß genau, wer ihn in diese Situation gebracht hat. Die Mitglieder seines ehemaligen Zirkels, allen voran Mason und Parker, tragen die Hauptschuld. Sie sind ein unheilvolles Bündnis mit dem wirklich Bösen eingegangen. Und Starks Freundin, Alice, wurde von seinen ehemaligen Verbündeten ermordet. In der Hölle ist Stark gereift und stärker geworden. Seine einstigen Freunde werden nichts zu lachen haben…

Meinung:
Eigentlich hatte ich „Höllendämmerung“ ja gar nicht auf meinem Zettel. Eine liebe Freundin war so nett, mir das Buch zu schenken, damit ich mir selbst ein Bild machen konnte, ob es etwas für mich wäre. Und ja! Das Buch war definitiv mein Fall.

Gleich zu Beginn wurde ich wirklich in die Geschichte hineingeworfen. Stark erwacht auf einem Friedhof, angesengt und halb verbrannt. Das ist definitiv schon einmal ein guter Anfang für eine interessante Geschichte!
Im weiteren Verlauf wurde ich mehr und mehr in diese Handlung hineingesaugt, die einerseits so unglaublich, anderseits dennoch wieder real wirkt. Sarkastische Feststellungen von Stark trieben mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht ob der eigentlich natürlichen und real dargestellten Situationen. Obwohl ich diese zynischen Bemerkungen und Handlungen ab einem bestimmten Punkt dann doch nicht mehr ganz so glaubhaft und situationsgerecht empfand, konnte mich dies kaum in meinem Lesefluss stoppen. Zu interessant klang die Grundidee hinter dieser Geschichte.

Der Protagonist Stark ist alles in allem gesehen natürlich der absolute Mädchentraum, der einem östrogengesteuertem Wesen so manche schlaflose Nacht mit entsprechend schönen Träumen bescheren kann. Er ist selbstbewusst, weiß, was er will, gerät jedoch immer wieder in Situationen, die ihn an die Grenzen seiner Möglichkeiten treiben. Dennoch behält er stets den Überblick und handelt, zumindest aus seiner Sicht, zielorientiert. Doch genau das Ziel verliert er manchmal aus den Augen und reagiert impulsiv und intuitiv. Eigentlich mochte ich diesen Charakter in der Geschichte sehr gern. Dennoch ist mir aufgefallen, dass eine spürbare Entwicklung dieses Protagonisten im weiteren Verlauf nur sporadisch stattgefunden hat. Zu sehr waren seine Gedanken auf Rache und seine vermeintliche Unverwundbarkeit gerichtet und gefestigt.

Die Geschichte selbst ist aus Starks Sicht in Gegenwartsform erzählt. Gewürzt wird der Plot mit einigen Rückblicken in Vergangenheitsform zum besseren Verständnis. Dieser Stil hält das ganze Buch in fortlaufendem Auftrieb und hat mir kaum eine Verschnaufpause verschafft.

Ein Spannungsbogen war von Beginn an vorhanden und ließ mich über die Seiten fliegen. Nach einem wahrhaften Showdown ließ mich der Autor nochmals innerlich alles zusammenfassen und brachte diesen ersten Teil zu einem wirklich befriedigenden Abschluss.

Einige kleinere Ungereimtheiten wurden für mich zu Randgeschichten und ich konnte die Handlung wirklich genießen. Insgesamt hat der Autor hier eine sehr gelungene und interessante Basis für eine Fortführung der Geschichte geschaffen!

Urteil:
„Höllendämmerung“ ist mit Sicherheit kein Buch, bei dem man Tiefgründigkeit und Emotionen erwarten kann. Ich war, bis auf Kleinigkeiten, von diesem Plot gefesselt und in der Geschichte gefangen, auch wenn Teile davon für mich deutlich überzeichnet waren. Für dieses schöne Leseerlebnis vergebe ich an dieser Stelle solide 4 Bücher und freue mich auf die Fortsetzung!

Für alle Fans irrealer Geschichten, die dennoch real passieren könnten, sowie für alle, die Spannung und Abwechslung mit nicht unbedingt vorhersehbaren Entwicklungen lieben!

©his-and-her-books.blogspot.de

Göttin des Frühlings: Mythica 4
Göttin des Frühlings: Mythica 4
von P.C. Cast
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Sexy Neuinterpretation des Mythos um Hades und Persephone, 16. Mai 2013
Zitat:
„Er hatte vergessen, welche Macht und überwältigende Anziehungskraft göttliche Schönheit besaß. Seine Reaktion auf Persephone war animalisch, sein Verlangen wild. Er spürte, wie sich seine vergrabene Leidenschaft rührte. Begierden, die er vor Äonen verdrängt zu haben glaubte, begannen sich zu regen.“
(S. 134)

„Wie du weißt, habe ich viel Erfahrung mit den Gelüsten des Körpers. Ich spüre Verlangen und stille es. Aber Liebe? Diese am schwersten zu fassende Emotion? Ich habe gesehen, wie sie einen siegreichen Krieger in die Knie zwang und einer einzelnen Jungfrau mehr Kraft verlieh als Herkules, aber ich kann nicht behaupten, dass ich sie jemals wahrhaft gespürt habe.“
(S. 339)

Inhalt:
Demeter ist der Meinung, der Unterwelt fehle eine Göttin. Doch ihre Tochter Persephone ist zu unbesonnen. Das Leben unter den Göttern habe ihr nie gezeigt, wie es ist, eine Frau zu sein. Doch es gibt einen Ort, an dem sich das ändern könnte…

Lina Santoro betreibt eine besondere Bäckerei. Aber das Pani della Dea, das „Brot der Götter“, steht aufgrund einer Fehlkalkulation ihres Beraters kurz vor der Insolvenz.
Sie beschließt, die letzte Chance auf die Rettung ihres Lebenstraumes zu ergreifen: Die Erweiterung ihres Angebotes. Im Antiquariat „The Book Place“ sucht sie nach einem ganz besonderen Back-/Kochbuch.
Als sie sich zuhause durch die alten Bücher arbeitet, findet sie ein außergewöhnliches Rezept, das gleichzeitig der Göttin Demeter huldigt. Während des Abschlusses des Rituals findet sich Lina plötzlich in einem anderen Körper – der Göttin der Ernte von Angesicht zu Angesicht. Demeter unterbreitet ihr einen Vorschlag: Lina soll in Gestalt Persephones in die Unterwelt, die dringend weibliche Führung benötigt. Während dieser Zeit bringt die echte Persephone den Frühling und damit frischen Wind in Linas Unternehmen.

Nach einem kurzen Hin und Her stimmt Lina zu. Als sie jedoch in der Unterwelt eintrifft, fühlt sie sich nach kürzester Zeit übers Ohr gehauen. War alles, was Demeter ihr erzählt hat, nur eine Lüge?
Hades jedenfalls gleicht nicht der Person, die Demeter mit abfälligen Worten beschrieb. Er ist eher… interessant und sehr gutaussehend.

Meinung:
Nachdem mein letzter Ausflug in die Hades/Persephone-Thematik ein absolutes Fiasko war, griff ich guten Gefühls zur „Göttin des Frühlings“. Bislang konnte mich die Mythica-Reihe sehr gut unterhalten und ich freute mich auf das Buch. Endlich hatte ich meinen Unmut darüber, den Ausgang und Teile des Inhalts bereits zu kennen (vom deutschen Verlag wurde die Reihenfolge gewechselt und der deutsche Band 3 „Göttin des Lichts“ spoilerte ziemlich), überwunden und konnte mich voll und ganz auf die Unterwelt einlassen.

Zuvor jedoch bekam ich wie gewohnt einen kurzen Einblick in die Menschenwelt des „Königreichs Tulsa“ und die Probleme der Protagonistin Lina.

Lina ist eine erfolgreiche Geschäftsführerin einer kleinen schnuckeligen besonderen Bäckerei. Besonders, weil sie stark italienisch angehaucht ist und zu den Backwaren Wein serviert wird. Lina ist 33 und überzeugter Single, der die Enttäuschung über die Männerwelt nach ihrem Ex-Mann nicht gelindert wurde. Sie lebt für ihren Lebenstraum und würde alles für dessen Rettung tun. So gerät sie in Gestalt der jungen Göttin Persephones in die Unterwelt. Entgegen aller Erwartung ist Hades nicht mürrisch und unansehnlich, sondern sehr sexy und alles andere als langweilig. Da beginnt auch schon das Problem: Lina ist schließlich nicht in die Unterwelt gekommen, um einen Mann zu suchen, sondern um ihr eine Göttin zu liefern. Allen guten Vorsätzen zum Trotz spürt Lina, dass hinter Hades‘ rauer Fassade ein ganz besonderer Gott steckt.

Im Gegensatz zu Lina fand ich Hades gerade am Anfang interessant. Zug um Zug hat die Idee der Autorin jedoch überhandgenommen und Hades ist teilweise zu einem „Weichei“ mutiert, das ich am liebsten in den Tartarus geschickt hätte. Natürlich passt diese Charakteristik in Frau Casts Interpretation des Mythos. Sie zeigt Hades als zurückgezogenen, von allen anderen Unsterblichen gemiedenen Gott, der sich von der Oberflächlichkeit der anderen Götter abgewandt hat, weil er weiß, was wahre Liebe bedeutet. Auch wenn das romantisch klingt, so war es für mich nicht immer authentisch.

Mein Liebling der Geschichte war Eurydike, die von der Autorin ebenfalls mit einer kompletten Neuinterpretation ihrer Lebensgeschichte versorgt wurde. Ihr Charakter brachte mich ein ums andere Mal zum Schmunzeln und ihr Schicksal rührte mich zutiefst.

P.C. Casts Schreibstil ist wie immer gewohnt locker und leicht. Mit teils sehr bildhaften Vergleichen ließ sie die Unterwelt in meinem Kopf entstehen, führte mich über den beeindruckenden Palast von Hades zu einem Spaziergang im Elysium.
Die Geschichte wird in dritter Person aus Sicht von Lina und Hades in Vergangenheit erzählt, jedoch finden sich ein ums andere Mal auch kurze Seitenblicke in die Nebencharaktere.
Mit der Interpretation der Götter-Sterbliche-Thematik hatte ich dieses Mal ein kleines Logikproblem, das auch der Versuch einer Erklärung seitens „Demeter“ nicht aus meinem Kopf verbannt werden konnte. Doch je mehr ich mit Hades und Lina/Persephone mitfieberte, geriet es immer mehr in den Hintergrund.

Nun zum erotischen Teil der Geschichte, die bei den „Mythicas“ nunmal dazugehören: Bevor man aber zu den Ü18-Szenen kommt, muss man erst einmal gut die Hälfte des Buches lesen. Dann aber packt einen die kribbelnde Atmosphäre. Frau Cast beschreibt auch diese wie immer sehr feinfühlig und genau im richtigen Maße anrüchig.

Die Message der Autorin ist die der anderen Teile: Erwecke die Göttin in dir und lebe deine Weiblichkeit aus! Zu dieser gesellt sich in der Unterwelt natürlich die Frage, was Liebe bedeutet: Liebt man den Körper oder die unsterbliche Seele des Menschen?

Nach einem mal romantischen, mal zickigen oder auch sehr erotischen Hin und Her war das Ende einfach göttlich und ich konnte das Buch mit einem lauten „Hach!“ zuklappen.

Urteil:
Auch dieser vierte Band von P.C. Casts „Mythica“-Serie konnte mich wieder sehr gut unterhalten. Ihre sexy Neuinterpretation des Mythos rund um Hades und Persephone konnte mich mitreißen und ich fieberte bis zuletzt mit den Protagonisten. Für die gelungene Unterhaltung gibt es trotz kleiner Fragen knappe 4 Bücher.

Ein Muss für die Fans der Vorgänger. Die Göttin des Frühlings kann zwar vom Humor nicht ganz mit meinem Liebling „Göttin der Liebe“ mithalten, kommt jedoch in Sachen Prickeln und Lesespaß wieder beinahe an diese heran.
Wer erotisch angehauchte Geschichten mag und der Mythologie wohlgesonnen ist, sollte sich die Mythica-Serie genauer anschauen.

Die Serie:
1. Mythica - Göttin der Liebe
2. Mythica - Göttin des Meeres
3. Mythica - Göttin des Lichts
4. Mythica - Göttin des Frühlings
5. Mythica - Göttin der Rosen
6. Mythica - Göttin des Sieges
7. Mythica - Göttin der Legenden

©his-and-her-books.blogspot.de

Enders: Roman (Starters-Enders)
Enders: Roman (Starters-Enders)
von Lissa Price
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Sog aus Spannung, Hoffnung, Nervenkitzel, Emotionen und fantastischen Überraschungsmomenten, 13. Mai 2013
Zitat:
„Ich sah keinen Ausweg. Gegen einen Feind, der in meinem Kopf saß, konnte ich nicht ankämpfen.“
(S. 49)

„Die Persönlichkeit in dieser Hülle – das bin immer noch ich. Was macht mich denn aus? Haut? Die lässt sich mit einem Laser glätten. Muskeln? Dafür gibt es Aufbaupräparate. Fett? Kann man reduzieren. Ich hoffe, dass ich mehr als das bin. […] Dass ich bin, was ich denke, was ich glaube. Was ich fühle.“
(S. 115)

Inhalt:
Prime Destinations ist dem Erdboden gleichgemacht. Doch die Stimme des Old Man tönt immer noch in Callies Kopf und macht ein normales, unbeschwertes Leben mit ihrer „Familie“ in der Villa der verstorbenen Helena unmöglich.

In einem Einkaufszentrum lotst der Old Man Callie zu ihrer Zielperson – dem Körper von Reece, die sie bei Prime kennengelernt hat – und die in den Händen des Old Man zu einer starken Waffe geworden ist.

Callie wurde im letzten Moment von einem Starter gerettet, der aber gleich darauf flüchten muss. Callie trifft sich kurz darauf mit Blake und bricht ihr Versprechen, ihm nichts von der früheren Übernahme zu erzählen. Aber Blake ist mit seinem wahren Ich nicht mehr derselbe.
Callie sieht ein, dass sie alleine ist – mit einem Mann im Kopf, der sie mit einer unglaublichen Geschichte erpresst. Doch was, wenn er die Wahrheit sagt?

Als Callie seinen Befehlen folgt, gelangt sie in die Hände des Jungen, der sie vor der Explosion gerettet hat und sich als Sohn des Old Man ausgibt: Hyden ist ein Genie und größter Gegner der Entwicklung seines Vaters. Gemeinsam nehmen er und Callie den Kampf gegen die Überreste von Prime auf.

Meinung:
Lange, lange musste ich auf diese Fortsetzung warten und hatte bis zum letzten Moment nicht an den frühen deutschen Erscheinungstermin geglaubt.
Endlich konnte ich „Enders“ in den Händen halten und musste noch am selben Tag mit dem Lesen beginnen.

Der Vorgänger „Starters“ war zwar schon eine ganze Weile her, aber bereits während der ersten Seiten vergegenwärtigte mir Callie ihre bisherige Geschichte und ich befand mich wieder mitten in ihrem Leben: Einem Leben nach der Körperübernahme, ein Leben als reiche Starter, die ihre Zeit genießen könnte. Dennoch kümmert sie sich um ein paar Straßenkids, die nicht so viel Glück hatten wie sie selbst. Von ihnen erfuhr sie auch den Namen, den man den Spendern gegeben hatte: Metallos, wegen dem Chip in ihrem Kopf. Und dieser lässt sie nach wie vor nicht los. Der Old Man braucht Callie, um ihren Chip genauer untersuchen zu können. Und ihm ist jedes Mittel recht. Aus Liebe geht Callie auf die Erpressung ein, was aber danach alles geschieht ist ein Gefühlsauf- und –ab und eine wahres Feuerwerk an Überraschungen.
Callie sinniert nach wie vor über die Worte ihres „Vaters“, die das Ende von „Starters“ bildeten. Oder war er eine Einbildung oder gar eine Lüge des Old Man? Der Mann ist schließlich zu allem fähig. Callie findet Unterstützung für ihren Kampf in Hyden, zu dem sie sich immer mehr hingezogen fühlt.

Hyden hasst seinen Vater mehr als alles andere. Mit seiner Intelligenz stellt er auch dessen größten Feind dar. Auf Hydens Seite steht ebenfalls ein alter Bekannter, der meinen ersten unentschlossenen Eindruck schnell widerlegte. Dennoch konnte man sich bei Hyden niemals sicher sein, auf welcher Seite er steht. Er hat viele Geheimisse. Welche Pläne verfolgt er wirklich? Warum darf man ihn nicht berühren?
Die Folgen dieser Tatsache in Sachen zwischenmenschliche Beziehung sind verstörend – vor allem für Callie.

Die Romanze zwischen den beiden wirkte nicht übertrieben oder aufdringlich, sondern durch den Hinderungsgrund erfrischend anders und regt durchaus zum Nachdenken an.

Frau Price hat sehr große Kreativität bewiesen und mich mit zahlreichen Wendungen überrascht. Rückwirkend betrachtet erscheint so vieles in „Starters“ in einem ganz anderen Licht und ergibt einen neuen Sinn. Diese Tatsache lässt mich tief beeindruckt zurück.

Der Schreibstil der Autorin ist nach wie vor flüssig und locker leicht. Durch die viele wörtliche Rede und die recht kurzen Kapitel rast man durch die Seiten. War der Anfang noch etwas zögerlich und ich hatte das Gefühl, das nichts so wirklich passierte und künstlich in die Länge gezogen wurde, entwickelte sich die Geschichte zu einem rasanten Abenteuer mit unzähligen Überraschungen. Die Spannung steigt kontinuierlich an, immer mit der Frage nach Freund oder Feind im Hinterkopf, was das Mitfiebern zusätzlich erhöhte.

Callie erzählt in „Enders“ ihre Geschichte wieder in Ich-Perspektive/Vergangenheit. Zu Beginn fanden sich noch die in Band 1 zahlreich vorhandenen Vergleiche mit Märchencharakteren (das Märchenschloss mit der bösen Stiefmutter – S.8, Aschenputtels verlorener Schuh, S.24), diese gingen im Verlauf der weiteren Handlung aber verloren.

Ein Vergleich mit Band 1 ist sehr schwer möglich. War „Starters“ durch seinen Weltenentwurf noch so neu und schockierend, ging es in diesem zweiten Band eher um die „Rebellion“, um den Kampf gegen Prime oder besser gesagt dessen Führung, die mit der Technologie durchaus weitere Pläne hat.

Das Ende fand ich – wie auch die Entwicklungen und den Showdown davor – sehr gut gelungen. Für einen abschließenden zweiten Band findet alles zu einem zufriedenstellenden Ende, lässt aber durchaus etwas Raum für eigene Gedanken.

Urteil:
„Enders“ kann seinem Vorgänger „Starters“ durchaus das Wasser reichen. Nach einem leichten Einstieg und einer kurzen Ruhephase fällt man in einen Sog aus Spannung, Hoffnung, Nervenkitzel, Emotionen und fantastischen Überraschungsmomenten. Eine kleine Romanze webt sich zart in dieses Gebilde ein und lässt daher auch die Herzen höher schlagen. Ein krönender Abschluss der Dilogie um die Körperspenderin Callie, der es trotz des für mich schleppenden Einstiegs dank seiner Antworten und überraschenden Wendungen auf die Höchstwertung schafft. Daher knappe 5 Bücher für Lissa Price‘ „Enders“.

Wer von Callies Geschichte als Körperspenderin begeistert war, darf sich ihren Kampf gegen den Kopf von Prime nicht entgehen lassen! Ihr werdet nach „Enders“ so vieles mit anderen Augen sehen! Lasst euch überraschen!

Die Serie:
Starters
Enders

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Zeitenzauber - Die goldene Brücke: Band 2
Zeitenzauber - Die goldene Brücke: Band 2
von Eva Völler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen kurzweiliger Lesespaß im alten Paris - für alle Fans des ersten Teils!, 11. Mai 2013
Inhalt:
Anderthalb Jahre nach ihrer Akkreditierung als Zeitwächter sind Anna und Sebastiano immer noch ein Paar. Wichtige Klausuren sind geschafft und Anna sehnt sich nach ihrem Liebsten. Doch der Anruf, der kurz nach diesem Gedanken eingeht, ist ein Notruf: Sebastiano ist bei einem Sondereinsatz im alten Paris gestrandet und Anna muss ihm helfen.

Frisch im Jahre 1625 angekommen, wirft sie nicht nur der Gestank der damaligen Zeit aus der Bahn. Als sie Sebastiano endlich findet, werden Annas schlimmste Albträume wahr.

Bereit, um ihre Liebe zu kämpfen, macht sich Anna an ihre Aufgabe… und gerät in historische Intrigen und Machtkämpfe der besonderen Art. Sie kann keinem trauen.

Meinung:
Nachdem ich mich von „Der magischen Gondel“ sehr gut und vor allem humorvoll unterhalten fühlte, war die Fortsetzung der Geschichte für mich ein Muss.

Gleich zu Beginn befinden sie die Protagonistin Anna und ihr Freund Sebastiano im alten Venedig auf einer Mission. Der Rettung einer historisch immens wichtigen Person, die mir ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert und Sebastianos Eifersucht überquellen ließ.

Nach diesem schnellen Einstieg fuhr die Autorin das Tempo etwas herunter und ließ ihre Protagonistin Anna getrennt von Sebastiano auftreten. Daher geht ein Großteil der von mir in Band 1 geliebten humorvollen Dialoge und amüsanten Sticheleien, sowie auch die emotionalen Szenen, verloren.

Anna hat sich meiner Meinung nach eher ins Negative entwickelt: Sie erzählt die Geschichte weiterhin in Ich-Perspektive/Vergangenheit, doch die sarkastischen/lustigen Gedanken behielt sie für sich. Sie ist definitiv selbstbewusster als im ersten Band, doch dies trägt leider nicht dazu bei, sie mehr zu mögen. Das naiv-kindliche Denken war ebenfalls etwas, was ich vermisst habe.
Nach ihrer Akkreditierung zum Zeitwächter läuft mit ihrem Sebastiano alles nach Plan. Anna macht sich Gedanken um ihr Leben nach den Abi-Klausuren, am besten natürlich an Sebastianos Seite. Auch während des weiteren Verlaufs der Geschichte verzehrt sie sich in Gedanken nach ihrem Sebastiano, doch leider finden die wenigen emotionalen Szenen auf einer ganz anderen Ebene statt. Mehr will ich darüber aber nicht verraten.

Sebastiano hat sich in „der goldenen Brücke“ stark verändert. Dies gehört natürlich zum Plot und war von der Autorin ein guter Gedanke. Leider tritt Sebastiano dort sehr in den Hintergrund und die Szenen, in denen das Liebespaar aufeinandertrifft, gleichen einem Gefühlsauf- und –ab, das für mich nicht authentisch war, obwohl Frau Völler diese begründet hat.

José, der „Alte“ von Venedig, hat trotz der veränderten Kulisse seine Auftritte in „Zeitenzauber 2“. Doch so sehr ihn Anna drängt, Grundsatzfragen zu beantworten, so sehr sie sich darüber ärgert, dass sie selbst nach 18 Monaten immer noch nichts Genaueres über „ihren Job“ weiß, gibt sie stets auf und nimmt die Ahnungslosigkeit als gegeben. Ich hätte so gerne endlich mehr erfahren.

Das Setting des alten Paris hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin hat gut recherchiert und die Unterschiede sehr gut erläutert. Ihre sehr detaillierten Beschreibungen ließen die Stadt und ihre Bewohner in Gedanken wachsen, wobei mir diese dann irgendwann zu viel wurden und mich von der eigentlichen Handlung abdriften ließen. Gesamt gesehen ist die Atmosphäre des alten Venedigs weniger aufdringlich erschienen.
Selbstverständlich haben die Charaktere wieder ihre Aufgaben zu erfüllen, es gibt diverse fehlgeschlagene Übertritte und jeder Menge Detektivarbeit für den Leser. Denn nicht die offensichtlich „Bösen“ haben immer ihr Händchen im Spiel.

So konnte mich Frau Völler trotz allem an das Buch fesseln. Sie hat sich einen interessanten historischen Hintergrund ausgewählt und drückt dieser einen eigenen Stempel auf. Der Schreibstil ist einfach und flüssig, wie es bereits in Band 1 der Fall war. Zeitweise kam mir das Buch wie ein Reisebericht vor, aber das ist es ja eigentlich auch.

Die Mission findet einen Abschluss und das Buch zu einem zufriedenstellenden Ende. Trotzdem bin ich gespannt, in welche Kulisse uns das nächste Abenteuer der Zeitwächter führen wird.

Urteil:
„Zeitenzauber 2 – Die goldene Brücke“ kommt nicht ganz an seinen Vorgänger heran. Annas humorvolle Erzählweise ist größtenteils einer erwachseneren und älteren Version gewichen, der charmante Anteil von Band 1 ging dadurch verloren. Nichtsdestotrotz habe ich mich im alten Paris wohl gefühlt und konnte ein paar nette Lesestunden mit Anna und „Sebastién“ verbringen. Dafür gibt es gute 3 Bücher.

Ein Must-Read für Fans kurzweiliger Unterhaltung, die sich dem Charme des alten Paris nicht entziehen und einen historischen Ausflug in die Zeit der Musketiere unternehmen wollen und Intrigen und Machtgebärden nicht abgeneigt sind.

Die Serie:
Die magische Gondel
Die goldene Brücke

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Die Stadt der Regenfresser
Die Stadt der Regenfresser
von Thomas Thiemeyer
  Broschiert
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Abenteuer und Spannung, gepaart mit Mythen und Wissenschaft, 11. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Regenfresser (Broschiert)
Zitat:
„Humboldt warf einen Blick auf seine drei Mitstreiter. Eliza, seine treue Begleiterin, die ihm schon auf so vielen seiner Reisen zur Seite gestanden hatte, Charlotte, in deren Adern das abenteuerlustige Blut seiner Familie strömte, und natürlich Oskar, der Junge, der ihm viel ähnlicher war, als er selbst es ahnte. Jeder Einzelne von ihnen hatte es verdient, hier zu stehen.“
(S. 271)

Inhalt:
Berlin 1893
Der Kleinkriminelle Oskar wittert große Beute und bestiehlt geschickt einen vornehmen Herrn. Dieser schnappt ihn aber wenig später trotz seines ausgeklügelten Fluchtplans.
Kurz darauf wacht Oskar gefesselt im Haus des reichen Herrn auf, der ihm ein Angebot macht: Oskar solle ihn auf seiner nächsten Expedition begleiten. Denn der reiche Herr stellt sich als Carl Friedrich von Humboldt vor, Sohn des berühmten Entdeckers Alexander von Humboldt. Und er hat eine Vision: Er will alle Orte der Welt erforschen und DAS Standardwerk der Zukunft darüber schreiben. Und er hat ein neues Ziel.
So entscheidet sich Oskar, sich gemeinsam mit dem Mann auf die Spuren der legendären Regenfresser zu machen.

Doch auch andernorts hat jemand ein Auge auf dasselbe Ziel geworfen: Max, seines Zeichens Redakteur beim „Global Explorer“ erhält den Auftrag, mehr über den Verbleib des in Peru stationierten Korrespondenten Harry Boswell herauszufinden, dessen Aufnahmen auf Metallplatten den Chef des Explorers sowie von Humboldt von dieser Reise nach Südamerika überzeugen konnten. Denn sie zeigen eine Stadt am Abgrund, zwischen deren Gebäude fliegende Maschinen ihre Bahnen ziehen.

Somit ist der Startschuss für ein Abenteuer und ein Wettrennen nie da gewesener Art gefallen… Sie alle tauchen ein in eine Welt voller Wissenschaft, Wunder, Magie und einer uralten Prophezeiung.

Meinung:
Bisher genoss ich Abenteuerromane lediglich als Verfilmung, aber auf die „Chroniken der Weltensucher“ war ich nicht nur aufgrund des vom Klappentext angekündigten Abenteuers neugierig. Seit dem „Verbotenen Eden“ bin ich begeistert von Herrn Thiemeyers Stil und seiner Art, seine Gedanken auf gekonnte Weise zu vermitteln.

Auch „Die Stadt der Regenfresser“ trägt diesen besonderen Stil: Eine einfach gehaltene, nicht ausufernde Sprache, die genau im für mich richtigen Maße ausgeschmückt ist. Die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin und ehe ich mich versah, lag der erste der 3 Teile dieses Buches schon hinter mir.

Herr Thiemeyers Werk trägt einen klassischen Aufbau. In mehreren Handlungssträngen erfährt der Leser im personalen Stil genaueres über die Beweggründe der Hauptcharakterere. Diese haben mich allesamt angesprochen, hatten Tiefe und spielen durch ihre verschiedensten Hintergründe alle eine wichtige Rolle.

Gleich nach dem Prolog lernen wir den jungen Oskar kennen. Dass er ein Waisenkind ist und von einem auf den anderen Tag lebt merkt man ihm kaum an. Er ist intelligent und macht sich viele Gedanken. Als Fan der großen Entdecker und Leser von Abenteuergeschichten ist er schnell von der Expedition überzeugt. Erstmals spürt er Anerkennung, doch mit dieser kommen auch Zweifel, welche Rolle er bei der Sache tatsächlich spielen soll. Denn die zu Beginn so arrogante Charlotte behandelt ihn so wie alle anderen feinen Herrschaften von oben herab – und Oskar steht kurz vor dem Aufgeben. Aber auch Charlotte ändert sich und gemeinsam treten sie ihr größtes Abenteuer an. Und insbesondere Oskar wächst über sich hinaus.

Der Wissenschaftler von Humboldt spricht dagegen eher das „ältere“ Publikum an. Er erinnerte mich stark an den Vater von Indiana Jones – ich hatte unauslöschlich das Bild von Sean Connery im Kopf: intelligent, stets die Lösung so gut wie parat, rettet er alle aus den ausweglosesten Situationen.
Für mich war dieser Vergleich kein bisschen abwegig, lässt sich Thomas Thiemeyers Werk durchaus mit den Abenteuern von „Indy“ vergleichen. Eine längst vergangene Zeit, in der noch große Entdeckungen zu machen waren, in der viel Unbekanntes auf der Welt lag, weiße Flecken auf der Landkarte keine Seltenheit waren, ist die beste Voraussetzung für weltverändernde Expeditionen.
Basierend auf Mythen und Legenden erschuf der Autor eine fantastische Reise voller Herausforderungen, verflocht darin viele der heutzutage allseits bekannten wissenschaftlichen Beweise und andere Tatsachen und gab ihnen so einen neuen Hintergrund, der mich – insbesondere auf den letzten Seiten – sogar zum Schmunzeln brachte.

Doch so „wissenschaftlich“ sich dies alles jetzt anhört, darf man „die Magie“ und den fantastischen Anteil des Buches nicht außen vor lassen. Diese Magie tritt hauptsächlich in Form der Voodoo-Priesterin Eliza auf, der so treuen Begleiterin von Humboldts. Mit ihren Visionen, ihrer „Telepathie“ würzt sie die Geschichte nicht nur, sondern bereitet die Basis für weiteres „abergläubisches Wissen“, das den Abenteurern ein ums andere Mal eine große Hilfe ist.

Jeder der Charaktere, auch die Gegenspielerin Valkrys, wuchsen mir während des Buches ans Herz. Jeder von ihnen war überaus wichtig für die Mission, die sich beim Zusammentreffen der Handlungsstränge herauskristallisierte.
Das Ende ist für alle Altersklassen - und vermutlich für das Genre der Abenteuerromane – zufriedenstellend, ein kleiner Ausblick auf die Zukunft macht aber absolut neugierig auf mehr.

Urteil:
„Die Chroniken der Weltensucher“ ist nicht nur eine Reihe für abenteuerlustige Jungs. „Die Stadt der Regenfresser“ ist ein fantastischer Serienauftakt und befriedigt jeden Lesegeschmack. Abenteuer und Spannung, gepaart mit Mythen und Wissenschaften, gewürzt mit einem Hauch „unwissenschaftlicher“ Magie in einem Setting, das den Abenteurer in jedem Leserherz weckt. Dazu Charaktere für Jedermann. Dafür gibt es natürlich fünf Abenteuerbücher.

Ein Must-Read für Lesefans aller Art, die sich auf Abenteuer in einer alten Welt einlassen können und von einer Prise Wissenschaft und Beweise nicht abgeschreckt sind.

Die Serie:
1. Die Stadt der Regenfresser
2. Der Palast des Poseidon
3. Der gläserne Fluch
4. Der Atem des Teufels
5. Das Gesetz des Chronos

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Chroniken der Weltensucher 01. Die Stadt der Regenfresser
Chroniken der Weltensucher 01. Die Stadt der Regenfresser
von Thomas Thiemeyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Abenteuer, Spannung, Mythen und Wissenschaft, gewürzt mit einem Hauch Magie, 11. Mai 2013
Zitat:
„Humboldt warf einen Blick auf seine drei Mitstreiter. Eliza, seine treue Begleiterin, die ihm schon auf so vielen seiner Reisen zur Seite gestanden hatte, Charlotte, in deren Adern das abenteuerlustige Blut seiner Familie strömte, und natürlich Oskar, der Junge, der ihm viel ähnlicher war, als er selbst es ahnte. Jeder Einzelne von ihnen hatte es verdient, hier zu stehen.“
(S. 271)

Inhalt:
Berlin 1893
Der Kleinkriminelle Oskar wittert große Beute und bestiehlt geschickt einen vornehmen Herrn. Dieser schnappt ihn aber wenig später trotz seines ausgeklügelten Fluchtplans.
Kurz darauf wacht Oskar gefesselt im Haus des reichen Herrn auf, der ihm ein Angebot macht: Oskar solle ihn auf seiner nächsten Expedition begleiten. Denn der reiche Herr stellt sich als Carl Friedrich von Humboldt vor, Sohn des berühmten Entdeckers Alexander von Humboldt. Und er hat eine Vision: Er will alle Orte der Welt erforschen und DAS Standardwerk der Zukunft darüber schreiben. Und er hat ein neues Ziel.
So entscheidet sich Oskar, sich gemeinsam mit dem Mann auf die Spuren der legendären Regenfresser zu machen.

Doch auch andernorts hat jemand ein Auge auf dasselbe Ziel geworfen: Max, seines Zeichens Redakteur beim „Global Explorer“ erhält den Auftrag, mehr über den Verbleib des in Peru stationierten Korrespondenten Harry Boswell herauszufinden, dessen Aufnahmen auf Metallplatten den Chef des Explorers sowie von Humboldt von dieser Reise nach Südamerika überzeugen konnten. Denn sie zeigen eine Stadt am Abgrund, zwischen deren Gebäude fliegende Maschinen ihre Bahnen ziehen.

Somit ist der Startschuss für ein Abenteuer und ein Wettrennen nie da gewesener Art gefallen… Sie alle tauchen ein in eine Welt voller Wissenschaft, Wunder, Magie und einer uralten Prophezeiung.

Meinung:
Bisher genoss ich Abenteuerromane lediglich als Verfilmung, aber auf die „Chroniken der Weltensucher“ war ich nicht nur aufgrund des vom Klappentext angekündigten Abenteuers neugierig. Seit dem „Verbotenen Eden“ bin ich begeistert von Herrn Thiemeyers Stil und seiner Art, seine Gedanken auf gekonnte Weise zu vermitteln.

Auch „Die Stadt der Regenfresser“ trägt diesen besonderen Stil: Eine einfach gehaltene, nicht ausufernde Sprache, die genau im für mich richtigen Maße ausgeschmückt ist. Die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin und ehe ich mich versah, lag der erste der 3 Teile dieses Buches schon hinter mir.

Herr Thiemeyers Werk trägt einen klassischen Aufbau. In mehreren Handlungssträngen erfährt der Leser im personalen Stil genaueres über die Beweggründe der Hauptcharakterere. Diese haben mich allesamt angesprochen, hatten Tiefe und spielen durch ihre verschiedensten Hintergründe alle eine wichtige Rolle.

Gleich nach dem Prolog lernen wir den jungen Oskar kennen. Dass er ein Waisenkind ist und von einem auf den anderen Tag lebt merkt man ihm kaum an. Er ist intelligent und macht sich viele Gedanken. Als Fan der großen Entdecker und Leser von Abenteuergeschichten ist er schnell von der Expedition überzeugt. Erstmals spürt er Anerkennung, doch mit dieser kommen auch Zweifel, welche Rolle er bei der Sache tatsächlich spielen soll. Denn die zu Beginn so arrogante Charlotte behandelt ihn so wie alle anderen feinen Herrschaften von oben herab – und Oskar steht kurz vor dem Aufgeben. Aber auch Charlotte ändert sich und gemeinsam treten sie ihr größtes Abenteuer an. Und insbesondere Oskar wächst über sich hinaus.

Der Wissenschaftler von Humboldt spricht dagegen eher das „ältere“ Publikum an. Er erinnerte mich stark an den Vater von Indiana Jones – ich hatte unauslöschlich das Bild von Sean Connery im Kopf: intelligent, stets die Lösung so gut wie parat, rettet er alle aus den ausweglosesten Situationen.
Für mich war dieser Vergleich kein bisschen abwegig, lässt sich Thomas Thiemeyers Werk durchaus mit den Abenteuern von „Indy“ vergleichen. Eine längst vergangene Zeit, in der noch große Entdeckungen zu machen waren, in der viel Unbekanntes auf der Welt lag, weiße Flecken auf der Landkarte keine Seltenheit waren, ist die beste Voraussetzung für weltverändernde Expeditionen.
Basierend auf Mythen und Legenden erschuf der Autor eine fantastische Reise voller Herausforderungen, verflocht darin viele der heutzutage allseits bekannten wissenschaftlichen Beweise und andere Tatsachen und gab ihnen so einen neuen Hintergrund, der mich – insbesondere auf den letzten Seiten – sogar zum Schmunzeln brachte.

Doch so „wissenschaftlich“ sich dies alles jetzt anhört, darf man „die Magie“ und den fantastischen Anteil des Buches nicht außen vor lassen. Diese Magie tritt hauptsächlich in Form der Voodoo-Priesterin Eliza auf, der so treuen Begleiterin von Humboldts. Mit ihren Visionen, ihrer „Telepathie“ würzt sie die Geschichte nicht nur, sondern bereitet die Basis für weiteres „abergläubisches Wissen“, das den Abenteurern ein ums andere Mal eine große Hilfe ist.

Jeder der Charaktere, auch die Gegenspielerin Valkrys, wuchsen mir während des Buches ans Herz. Jeder von ihnen war überaus wichtig für die Mission, die sich beim Zusammentreffen der Handlungsstränge herauskristallisierte.
Das Ende ist für alle Altersklassen - und vermutlich für das Genre der Abenteuerromane – zufriedenstellend, ein kleiner Ausblick auf die Zukunft macht aber absolut neugierig auf mehr.

Urteil:
„Die Chroniken der Weltensucher“ ist nicht nur eine Reihe für abenteuerlustige Jungs. „Die Stadt der Regenfresser“ ist ein fantastischer Serienauftakt und befriedigt jeden Lesegeschmack. Abenteuer und Spannung, gepaart mit Mythen und Wissenschaften, gewürzt mit einem Hauch „unwissenschaftlicher“ Magie in einem Setting, das den Abenteurer in jedem Leserherz weckt. Dazu Charaktere für Jedermann. Dafür gibt es natürlich fünf Abenteuerbücher.

Ein Must-Read für Lesefans aller Art, die sich auf Abenteuer in einer alten Welt einlassen können und von einer Prise Wissenschaft und Beweise nicht abgeschreckt sind.

Die Serie:
1. Die Stadt der Regenfresser
2. Der Palast des Poseidon
3. Der gläserne Fluch
4. Der Atem des Teufels
5. Das Gesetz des Chronos

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Der Märchenerzähler
Der Märchenerzähler
von Antonia Michaelis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bewegende, "andere" Geschichte, mitunter zu bildgewaltig, 4. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Märchenerzähler (Gebundene Ausgabe)
Zitat:
„Er hebt sie auf seine Arme wie ein Kind. Sie ist schwer und leicht zugleich. Sein Herz pocht im Rhythmus der Angst, als er sie trägt, hinaus in die Nacht. Halt dich doch fest. Hilf mir doch ein einziges Mal!“
(S. 11)

„Doch sie hörte hinter den Wolken eine uralte Dunkelheit lauern, die Dunkelheit aller Märchen, die Kehrseite.“
(S. 45)

„Und sie begriff mit einem Mal, dass all ihre bisherigen Abenteuer nichts gewesen waren als ein Spiel. Dies hier – was immer es war – war ernst.“
(S. 50)

Inhalt:
Anna findet in ihrer Schule eine alte Puppe. Wie sich später herausstellt, gehört diese Puppe ihrem geheimnisvollen Mitschüler Abel Tannatek, der von den meisten nur als polnischer „Kurzwarenhändler“ bezeichnet wird. Übersetzt heißt das unter Schülern, dass Abel Drogen und vieles mehr vertickt. Irgendetwas scheint Anna dennoch an Abel anzuziehen. Bisher hat sie ihn kaum wahrgenommen. Und schließlich ist er doch der Bad-Boy an der Schule, ein Außenseiter.
An diesem Tag folgt Anna ihm nach dem Unterricht. Sie sieht, wie Abel seine kleine Schwester Micha von der Grundschule abholt. Micha und Abel gehen in die Uni-Mensa. Anna folgt ihnen unauffällig. Es gelingt ihr irgendwie, in der Mensa direkt einen Tisch neben den Beiden zu bekommen. Und dann hört sie das erste Mal diese Geschichte, das Märchen von der kleinen Klippenkönigin. Abel erzählt es seiner kleinen Schwester. Sofort fühlt sich Anna mit den beiden Geschwistern verbunden.
Als Abel eine Klausur schwänzen will, weil Micha ihren Wohnungsschlüssel vergessen hat, springt Anna ein. Tatsächlich kommt sie Abel langsam näher. Dann taucht Michas leiblicher Vater auf. Die Situation scheint verfahren. Zwischen der Geschichte um die Klippenkönigin und der Realität scheinen die Grenzen zu verschwimmen. Anna findet sich plötzlich in einem Geflecht aus Hoffnung, Verdächtigungen und Verzweiflung wieder…

Meinung:
Mit ihrem ausufernden und überdetaillierten Schreibstil hat es mir Frau Michaelis anfangs wirklich nicht leicht gemacht, in diese Geschichte zu finden. Nebensächlichkeiten gerieten förmlich zu sehr in den Vordergrund und ich fieberte einem Fortgang der Geschichte selbst entgegen. Dennoch hatte es die Autorin geschafft, dass ich auf jeden Fall weiterlesen wollte. Die Handlung geriet mir zu Beginn zu sehr in den Hintergrund. Ich hatte Verständnisfragen und keine passenden Antworten. Die Begeisterung von Anna für den Kurzwarenhändler Abel war mir erstmal ein wenig schleierhaft, ich konnte diese im weiteren Verlauf dennoch akzeptieren.

Die Geschichte selbst spielt in Greifswald, im tiefsten Winter, der sich nun auch schon ewig hinzieht. Ein personaler Erzähler schilderte mir aus Annas Sicht in Vergangenheitsform seine Eindrücke. Anfangs empfand ich diesen Plot sehr komplex und ich war teilweise überfordert aufgrund der extrem tiefgründigen Beschreibungen. Ich bin aber auch froh, dass ich an der Geschichte dran geblieben bin! Ab ungefähr der Hälfte des Buches hatte ich mich entweder an die Überdetaillierung gewöhnt oder die Autorin hatte sich dem dann spannenden Fortgang angepasst. Egal! Ab diesem Zeitpunkt konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Jetzt gab es ein turbulentes Auf und Ab der Gefühle, die Gedanken zu möglichen Entwicklungen schossen hin und her und der rote Faden war sehr deutlich erkennbar. Ab dem zweiten Teil fühlte ich mich auch mehr in die Gedankenwelt der Protagonisten eingebunden. Bis dahin ließen mich die Charaktere meistens außen vor…

Genau, die Protagonisten… Annas Leidenschaft für Abel konnte ich von Beginn an wirklich nicht unbedingt verstehen. Bisher hatte sie ihn ja nur am Rande wahrgenommen. Was war der Auslöser für ihr plötzliches Interesse? Die Puppe? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Auf einmal bemerkt sie hinter dieser mysteriösen Person tatsächlich einen Menschen. Und auf einmal interessiert sie sich für das Tun und Handeln von Abel. Sie akzeptiert seine Besonderheiten und lässt sich auf ihn ein. Ob ihr das tatsächlich immer gut tut? Nein! Sie wird sogar schwer von ihm enttäuscht und verliert dadurch fast den Bezug zur Realität. Dieser Auslöser hat auch mich wirklich mitgenommen. Dennoch befand sich Abel in meiner Sympathiehitliste nicht unbedingt im oberen Bereich. Kann Anna wieder zu Abel finden, diesem unnahbaren, nicht durchschaubaren Typen, der alle, die ihm freundlich gesinnt sind, von sich weist? Lest es selbst und ihr werdet verstehen, was ich meine!

Mein absoluter Liebling in diesem Buch ist eindeutig Micha, die kleine Schwester von Abel. Ihre kindliche Naivität ließ oftmals ein Lächeln auf meine Lippen zaubern. So einfach kann die Welt sein, wenn man noch ein Kind ist…
Insgesamt war Micha der Charakter, der die Geschichte zwar nicht offensichtlich, aber dennoch vorangetrieben hat, denn die heimliche Hauptrolle gehört eindeutig ihr. An ihrem Wohlergehen richten sich sämtliche Handlungen der anderen Protagonisten aus. Sie hat mich mit ihrem kindlichen Charme ziemlich verzaubern können und sie genießt meine gesamte Sympathie.

Im Buch gibt es zwei Handlungsstränge, die auf Anhieb zwar nicht zueinander zugehörig erscheinen, dennoch aber zielstrebig aufeinander zusteuern. Die Geschichte der Klippenkönigin hat mehr mit der Realität zu tun, als ich anfangs gedacht hatte. Eine traurige Realität, melancholisch, hoffnungsvoll und voller Zweifel. Dennoch gehören beide Gedankengänge unwiderruflich zusammen und gestalten den gesamten Plot mit weiterem Fortlauf zunehmend spannend.

„Der Märchenerzähler“ beeindruckt insbesondere durch seine Andersartigkeit. Man erkennt hier nicht auf den ersten Blick, in welche Richtung die Geschichte steuern wird und welches Ende man erwarten kann. Im Endeffekt hatte ich viele schöne Lesestunden mit dem Buch und bin froh, dass ich es gelesen habe. Für alle, die ein äußerst emotionales Ende nur schwer verkraften können: Haltet Taschentücher bereit!

Urteil:
Der Einstieg fiel mir zwar schwer, überdimensionierte Beschreibungen taten ein Übriges, dennoch fühlte ich mich vom Fortlauf der Geschichte eingefangen. Für dieses „andere“ Leseerlebnis verbunden mit vielen Stunden des Hin- und Hergerissen-seins vergebe ich an dieser Stelle knappe 4 Bücher. Wenn man die Anfangshürden überwunden hat, gibt es kein Halten mehr…

Für alle Liebhaber detailliert dargestellter Beschreibungen, die dennoch die nötige Spannung und Emotionalität für einen ungetrübten Lesegenuss benötigen. Ein Must-Read für alle, die den Schreibstil der Autorin von Haus aus lieben.

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Angelfire - Auf den Schwingen des Bösen: Roman
Angelfire - Auf den Schwingen des Bösen: Roman
von Courtney Allison Moulton
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Überraschende Wendungen, Action und Spannung pur!, 2. Mai 2013
Zitat:
„Ein dämonischer Reaper wollte gern ein Valentins-Date mit mir und hatte dann seine verrückte Exfreundin umgebracht, um mir das Leben zu retten. Morgen würde ich losgehen und mir was gegen Psychosen besorgen.“
(S. 133)

„Es war so schwer für mich, ihn jeden Tag zu sehen und mich nach ihm zu verzehren, doch dabei hatte ich ganz vergessen, dass er das Gleiche empfand wie ich. Es war so schmerzlich für uns, getrennt zu sein, doch ich fragte mich, ob wir jemals stark genug sein würden, um zusammen zu sein.“
(S. 149)

Inhalt:
Die Probleme der Preliatin Ellie reißen nicht ab. Erst Angriffe von Nycteriden, mächtigen dämonischen Reapern, die die Preliatin lebend an Bastian ausliefern sollen. Dann taucht auch noch Cadan mitten am Tag in der Schule auf – eine Warnung im Gepäck – und benimmt sich sehr merkwürdig und nicht ganz dämonenhaft.

Zu allem Übel hält Will an seiner Meinung über die Unantastbarkeit eines Erzengels fest.
Auch mit der himmlischen Unterstützung von Marcus und Ava scheint nicht alles in Ordnung zu sein. Ist Ava wirklich das, wofür sie alle halten? Oder trüben Ellies Gefühle für Will ihre Einschätzungsfähigkeit? Das Team macht sich auf die Suche nach einer Reliquie, die Bastian helfen soll, den geborgenen Enshi zu befreien. Die Antworten, die Ellie findet, sind anders als erhofft. Und dabei geht das Übel erst richtig los…

Meinung:
Der erste Band von Frau Moultons „Angelfire“-Trilogie hat mich positiv überrascht. So war das Lesen der Fortsetzung natürlich Pflicht und ich war sehr gespannt, wie es mit Ellie und Will weitergeht.

Recht schnell befindet sich der Leser wieder mitten in dämonischen, actionreichen Kämpfen, die die Autorin wieder fantastisch ausgearbeitet hat. Wie auch im Rest des Buches trifft sie den perfekten Punkt zwischen detaillierter und ausufernder Beschreibungen, was ihr gesamtes Setting sehr real und vorstellbar macht.

Die Protagonistin Ellie befindet sich in diesem Band auf einer emotionalen Achterbahnfahrt. Sie wagt die Gratwanderung zwischen ihrer Bestimmung als Preliatin und dem Leben des Menschenmädchens Ellie. Kapitel für Kapitel überschnitten sich diese zwei Personen mehr und mehr und Ellie schafft es nicht, das Preliatinnen-Dasein aus ihrem normalen Leben herauszuhalten. Ein einschneidendes Erlebnis stürzt sie in ein tiefes Loch mit schockierenden Folgen, aus dem sie nur ihr Beschützer herausholen kann.

Will hat sich in seiner Art, seiner Liebe und Hingabe kaum verändert. Auf mich wirkte er lange etwas unbesonnen, was seine Handlungen angeht. Dieser Umstand wird aber aufgeklärt und führt Ellie und Will in eine weitere Runde im Kampf um ihre Liebe.
Denn seit Will Ellies wahres Ich kennt geht er auf Distanz – zumindest bis beide es nicht mehr aushalten und wieder aufeinander zugehen – bis das Gewissen erneut die Überhand gewinnt.
So tragisch-romantisch sich das auch anhören mag – mein Fall war es nicht. Umso erfreuter war ich über jeden Auftritt von Bastians Gefolgsmann Cadan:

Im Gegensatz zu Will ist er humorvoll, waghalsig, zeigt Emotionen, ohne sich danach sofort wieder zu verschließen. Die Dialoge zwischen Ellie und Cadan waren einfach fantastisch humorvoll. Auch wenn Cadan ein dämonischer Reaper ist, weiß er – wie auch schon in Band 1 – welche Konsequenzen manchen Aktionen folgen und trifft freie Entscheidungen. Und er konnte mich nicht nur mit seinen Handlungen überraschen. Mein absoluter Lieblingscharakter.

„Angelfire – Auf den Schwingen des Bösen“ ist in zwei Teile untergliedert. Liegt in Teil 1 das Hauptaugenmerk auf der Beziehung der Protagonistin, ging es in Teil 2 actionreich und von Überraschungen geprägt voller Spannung zur Sache. Ich konnte nicht anders, als das ein oder andere Mal ungläubig einen Absatz zu wiederholen, weil ich nicht fassen konnte, was Frau Moulton getan hatte. Das Ende ist zum Schreien und Davonlaufen und so kann ich nur auf ein baldiges Erscheinen des Trilogie-Finales hoffen.

Urteil:
Frau Moulton kann auch mit „Auf den Schwingen des Bösen“ das Niveau des ersten „Angelfire“-Bandes halten. Hatte die erste Hälfte des Buches noch ein paar Längen und war von einem emotionalen Hin und Her der Charaktere geprägt, wartete die zweite Hälfte mit Spannung, überraschenden Wendungen und actionreichen Szenen auf und wurde zum Pageturner schlechthin. In Summe ergibt das gute 4 Bücher für Ellie und Will.

Ein Must-Read für Fans des ersten Bandes. Wer Ellie und Will noch nicht kennt, sollte dies dringend nachholen und sich mit der Preliatin und ihrem Beschützer in den Kampf um die Welt und das Verhindern der Apokalypse stürzen – es wird euch gefallen!

Die Serie:
1. Meine Seele gehört dir
2. Auf den Schwingen des Bösen
3. Englischer Titel: Shadows in the Silence

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Bitterzart: Roman
Bitterzart: Roman
von Gabrielle Zevin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "einzigartiger" Trilogie-Auftakt mit besonderer Atmosphäre, 30. April 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bitterzart: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zitat:
„Schokolade ist nicht die Lösung für alles, Nana“
„Aber für verdammt viele Dinge“, gab sie zurück.
(S. 69)

Inhalt:
New York 2083
Die Stadt ist pleite und alles ist teuer geworden. Durch die vielen Verbote floriert der Schwarzmarkt, insbesondere der illegale Handel mit Schokolade oder Kaffee. Bestechungen und dubiose Geschäfte sind an der Tagesordnung.

Anya Balanchine ist seit dem Tod ihres Vaters Vollwaise und das inoffizielle Familienoberhaupt. Ihre kränkliche Großmutter (der gesetzliche Vormund) ist ans Bett gefesselt. So muss sich Anya neben Schulbesuch und Problemen mit Jungs noch um ihre jüngere Schwester Natty und ihren 3 Jahre älteren Bruder Leo kümmern, der bei dem tödlichen Unfall der Mutter ein Gehirntrauma erlitten hat.

Der Rest der „Familie“ ist Anya ein Dorn im Auge. Sie versucht, ihre Geschwister zu schützen, indem sie sich aus dem Familiengeschäft fernhält: dem illegalen Handel mit Schokolade – dem Erbe ihres Vaters, einem ehemaligen Mafiaboss und Clan-Oberhaupt.

Doch einmal hineingeboren, kann sich ein Balanchine nicht gänzlich verstecken. Und so zieht sich die Schlinge um Anya immer weiter zu – eine Freundschaft oder gar Beziehung zu dem Sohn des stellvertretenden Oberstaatsanwalts scheint aussichtslos.

Meinung:
2083, Zukunft, unzählige Verbote und Einschränkungen, sogar eine verbotene Liebe – der Klappentext klingt nach einer vielversprechenden Dystopie. Dazu das Flair von Gangstern, Mafia oder Prohibition. Perfekt!
So war es mir nicht möglich, an „Bitterzart“ vorbeizukommen.

Nach einem verwirrenden Einstieg (die russisch (?) angehauchten Namen, die Dominanz von fremdländischen Begriffen zur Erläuterung des Settings) trugen ihren Teil dazu bei - was aber sofort auffiel, war der besondere Stil der Autorin oder vielmehr die Perspektive:

Die Protagonistin Anya erzählt ihre Geschichte in Ich-Perspektive in Vergangenheitsform. WIE sie diese aber erzählt, ist so speziell, dass ich überlegen musste, an was dies denn liegt. Anfangs hatte ich das Gefühl, eine alte Anya sitzt in ihrem Sessel und erzählt aus ihrem Leben („damals, als ich 16 war“, „zu der Zeit, als…“). Dann wurde die Form greifbarer und ich fand mich praktisch in den Memoiren von ihr wieder: „Ich verzichte lieber darauf, eine lange Liste von Beleidigungen runterzutippen.“ (S.31)

Dieser Stil macht eindeutig das Besondere an dem Buch aus, trifft aber vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Vieles wird dadurch vorweg genommen, was ich sehr schade fand.

Trotz der erwähnten Ich-Perspektive bekam ich keinen richtigen Draht zur Protagonistin Anya. Als Tochter des verstorbenen Oberhaupts des Balanchine-Clans hatte sie alles andere als eine normale Kindheit. Unzählige Beerdigungen, alleine der Verlust von Mutter und Vater, zeichnen sie aus. Sie ist sehr gefühlskalt, bzw. „stark für ihre Geschwister“. Sie genießt ihren Status nicht gerade, will mit dem Familiengeschäft nichts zu tun haben, besitzt jedoch dank der Machenschaften ihres Vaters einige Privilegien. Die Liebe zu ihm ist stets präsent. Unentwegt handelt Anya nach seinen Ratschlägen, nach seinen Prinzipien und zitiert ihn im Laufe des Buches einige Male.
Sie versucht ebenfalls, zu ihren Prinzipien zu stehen, was teilweise zu einen großen Hin und Her führt. Denn sie muss sich entscheiden: Zwischen dem, was gut für ihre kleine Familie ist und ihren Gefühlen für den Sohn des wichtigsten Staatsmannes: Win.

Win war mir von der ersten Sekunde an sympathisch. Ich mochte seine lockere und unvoreingenommene und dennoch realistische Art. Er ist der Sohn des Staatsanwalts, hat aber absolut kein Problem mit Anyas Verwandtschaft. Er ist hilfsbereit und lässt sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen. Auch als er mehr über Anya erfährt, steht er ihr bei und aus der Freundschaft wird mehr.

Dieses Mehr war für mich allerdings nur selten greifbar. Es gab keine wirklich emotionalen Momente, nicht das große Drama, das ich aufgrund des Klappentextes erwartet hatte. Die Beziehung war da. Punkt.
Genau wie diese Tatsache war auch vieles andere einfach da, wurde nicht erklärt, es gesellten sich zu meinen anfänglichen immer mehr Fragen, ein roter Faden war oftmals nicht ersichtlich.

Nichtsdestotrotz fand ich das Setting, das Frau Zevin erschaffen hat, fantastisch: Eine Welt ohne Schokolade, bzw. deren illegaler Beschaffung. Illegaler Kaffeekonsum in zwielichtigen „Mondscheincafés“, der oftmals zu folgenschweren Konsequenzen führt. Auch wenn ich nur einen Hauch „Mafia-Flair“ schnuppern durfte, gefiel mir die „Prohibitions-Atmosphäre“ sehr gut.

Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig zu lesen. Sie bindet viel wörtliche Rede in ihre Geschichte ein und macht sie dadurch sehr lebendig. Die Vielzahl an „Baustellen“, die die Autorin öffnet, hält das Spannungsniveau auf einem niedrigen Level, es kommt aber nie Langeweile auf. Die Anzahl an überraschender Wendungen oder „Warum?“-Momenten war schockierend hoch, so dass ich gezwungen war, weiter zu forschen.

Gegen Ende hin hat sich das gesamte Niveau des Buches für mich verändert. Anya wirkt plötzlich stark und erwachsen, trifft „echte“ Entscheidungen und stellt sich Konsequenzen. Zu ihnen gehören Überlegungen über die Zukunft, die mich sehr neugierig machen.
Daher werde ich um „Zartherb“ nicht herum kommen.

Urteil:
„Bitterzart“ ist anders, „einzigartig“, genau wie es der Klappentext verspricht. Doch die hohen Erwartungen, die dieser heraufbeschwört, konnten meinem Empfinden nach nicht gehalten werden. „Bitterzart“ ist meiner Meinung nach KEINE Dystopie, lediglich die Jahreszahl deutet auf die Zukunft hin. Für mich hatte die Geschichte zu viele „Baustellen“, zu viele Dinge, die Frau Zevin uns mitteilen wollte, sodass der rote Faden beinahe verlorenging. Dennoch hat es mir Spaß gemacht, in Anyas Leben einzutauchen und ich hatte unterhaltsame Lesestunden, die mich auf jeden Fall neugierig auf mehr gemacht haben. Diese belohne ich mit sehr guten 3 Büchern.

Wer das Flair des Verbotenen liebt, sollte sich durchaus mit den Memoiren der Mafia-Tochter Anya auseinandersetzen. Lest in die Leseprobe – wenn sie euch überzeugt, gefällt euch auch der Rest.

Die Serie:
Bitterzart
Zartherb
(Erscheinungstermin Herbst 2013)
englischer Titel: In the Age of Love and Chocolate
(Erscheinungstermin: September 2013)

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Calling Crystal Die Macht der Seelen 3: Roman
Calling Crystal Die Macht der Seelen 3: Roman
von Joss Stirling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Spannung, Action, eine große Portion Humor und überraschende Wendungen, 29. April 2013
Inhalt:
Crystal begleitet ihre Schwester Diamond nach Denver, wo Diamand an einer Savant-Konferenz teilnehmen will. Während eines Spaziergangs zurück zum Hotel werden die beiden überfallen.
Ein Polizist eilt ihnen zu Hilfe, der sich als Diamonds Seelenspiegel entpuppt: Trace Benedict.
Die beiden schwelgen sofort auf Wolke 7 und Crystal kommt sich mit ihrer „eingeschränkten“ Savant-Fähigkeit noch überflüssiger vor als sonst.
Zu allem Überfluss hat sie nicht gerade den besten Draht zu Trace‘ Bruder Xav, dem Heiler. Als Xav dann auch noch versucht, mit Crystal mental zu kommunizieren, einen Versuch zu wagen, ihre Seelenspiegel-Tauglichkeit auszutesten, ist das Maß übervoll. Denn Crystal wird übel, sobald ihre mentalen Schutzmauern fallen.
Xav entdeckt etwas in ihrem Kopf, aber Crystal weigert sich von Xav genauer überprüft zu werden und kehrt zurück in ihre Heimat Venedig.
Kurz vor der Hochzeit von Diamond und Trace geschieht das Allerschlimmste, was Savants passieren kann…

Meinung:
Dem Trilogie-Abschluss der „Macht der Seelen“ habe ich schon entgegen gefiebert. War in „Finding Sky“ die Welt der Savants noch so neu und musste ich mich mit der Protagonistin auf die Suche nach Antworten machen, spielten in „Saving Phoenix“ die Savants schon eine wesentlich größere Rolle und waren von Anfang an kein Geheimnis.

So ist es auch in dem letzten Band „Calling Crystal“ der Fall. Nur dass Joss Stirling in dieses letzte Abenteuer der Benedicts große Dramatik eingebaut hat – für die gesamte Familie. Ich wurde schon auf den ersten Seiten mit dem Seelenspiegel-Kontakt von Diamond konfrontiert. Wie wir von den vorhergegangenen Bänden wissen, ist es aber immer die Ich-erzählende Protagonistin, die nach ihrer besseren Hälfte sucht. Was im Falle von Crystal nicht ganz so unproblematisch läuft wie bei ihrer Schwester Diamond.

Denn die junge Crystal ist als Savant „eine Niete“. Sie kann nicht telepathisch kommunizieren, selbst wenn es jemand in ihrer Nähe tut, wird ihr übel und sie übergibt sich. Sie taugt nach eigener Aussage nur dazu, verlorene Dinge wiederzufinden. Das ist ihre doch sehr minderwertige Gabe. So steht sie stets im Schatten ihrer sechs Geschwister, insbesondere dem von Diamond, einer Streitschlichterin unter den Savants.
Ihr Vater war Crystals einziger Bewunderer in der Familie. Mit seinem Tod versank auch Crystals Selbstbewusstsein. Die eigentlich meist doch freundlich gemeinten Neckereien von Xavier Benedict drosseln dieses noch mehr und sie hält sie für dieselben Sprüche, mit denen man sie aufgrund ihres Aussehens stets gemobbt hat. So ist die Grundlage jeder Art von Beziehung zwischen den beiden quasi im Keim erstickt. Nur zuliebe ihrer Geschwister einigen sich die beiden auf eine Art Waffenstillstand. Crystal entwickelt sich in „ihrem Buch“ in eine so unerwartete und fantastische Richtung, dass sie mir die Liebste aus dem „Macht der Seelen“-Club geworden ist.

War mir Xav in den vergangenen Büchern eher als Witzbold denn ernstzunehmender Protagonist in Erinnerung, mutierte er in „Calling Crystal“ zu einem wahren Liebling. Die Autorin hat ihm Tiefe und eine Erklärung für sein Verhalten gegeben. Dennoch lässt er die Witzeleien nicht, was ich in dem Fall auch sehr bedauert hätte. Die Wortgefechte Crystal-Xav zogen sich quer durch alle Seiten und lockerten die Geschichte auf besondere Weise auf.

Ich war gespannt darauf, welchen Hintergrund Joss Stirling ihrer letzten Protagonistin gibt. Beinahe hatte ich befürchtet, eine Kopie eines der beiden Vorgänger geliefert zu bekommen. Aber ich wurde sowas von überrascht.

Natürlich war von Anfang an klar, dass Crystal ihren Seelenspiegel finden muss. Ebenso lag die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Gegenstück um einen der Benedicts handelt, recht schnell war auch klar, welcher der Brüder der Auserwählte sein wird. Darum war dieses Buch anders: Nicht „Wann finden sich die Seelenspiegel?“ war hier die Frage, sondern: „Wann und unter welchen Umständen finden sie es heraus?“. Und mit diesem und dem weiteren überraschenden Verlauf der Geschichte konnte mich die Autorin überzeugen.

Joss Stirlings Sprache ist weiterhin sehr einfach gehalten und orientiert sich an der jugendlichen Protagonistin Crystal, die in Ich-Perspektive/Vergangenheit erzählt. Im Gegensatz zu Band 2 ist das Niveau etwas höher, was mit der „besseren“ Herkunft von Crystal erklärt werden kann. Die Autorin arbeitet viel mit lockerer wörtlicher Rede, was das Lesetempo enorm steigert.

Auch das Setting hat mir sehr gefallen. Der Hauptteil der Geschichte spielt in Venedig und so schwingt gleich eine romantische Atmosphäre mit, die dem gesamten Seelenspiegel-Thema das besondere Etwas gibt.

Das letzte Buch einer Trilogie sollte zu einem für den Leser zufriedenstellenden Ergebnis führen. Frau Stirling hat es geschafft, meine im Vorfeld aufgetretenen Bedenken bezüglich des Rests des Benedict-Clans zu zerstreuen und führt die gesamte Familienbande zu einem besonders zufriedenstellenden Ende.

Urteil:
„Calling Crystal“ gibt noch einmal einen anderen Blickwinkel auf die Savants und die Seelenspiegel, ein Einblick, der mir sehr gut gefallen hat. Spannung, Action, eine große Portion Humor und überraschende Wendungen machen das locker-leichte Leseerlebnis beinahe perfekt. So sind Xav und Crystal zu meinen Lieblingen der Reihe geworden und erhalten sehr gute 4 Bücher von mir.

Ein würdiger Abschluss der Trilogie und ein absolutes Must-Read für Fans der ersten Teile, denn für mich war „Calling Crystal“ besser als seine Vorgänger.

Die Serie:
Finding Sky
Saving Phoenix
Calling Crystal

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