Profil für Galarina > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Galarina
Top-Rezensenten Rang: 447
Hilfreiche Bewertungen: 3277

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Galarina (Woerth)
(TOP 500 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-23
pixel
Black Monday
Black Monday
von R. Scott Reiss
  Taschenbuch

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Packend geschriebener Ein-Mann-rettet-die-Welt - Thriller mit einigen Schwächen, 4. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Black Monday (Taschenbuch)
Bereits der Klappentext läßt klar erkennen, dass es sich bei R. Scott Reiss Thriller "Black Monday" um einen Ein-Mann-rettet-die-Welt-Roman handelt. Insofern wundert es auch nicht, dass die Erzählung ein klares Strickmuster aufweist.

Kurz nach der Endzeit-Prophezeiung der westlichen Welt durch einen Iman über Al Dschasira, beginnen Flugzeuge vom Himmel zu fallen, Maschinen und Kraftwerke still zu stehen. Eine neuartige Mikrobe, ein Nanovirus zerstört raffiniertes Öl und damit Treib- und Schmierstoffe. Die schnell entstehende Versorgungsnot führt dazu, dass Nachbarn und Freunde zu erbitterten Konkurrenten und Feinden werden, der Notstand wird ausgerufen. Die Experten schätzen, dass spätestens innerhalb von 50 Tagen eine Lösung gelingen muss - sonst versinkt die Welt im Chaos.

Der Virologe und Seuchenexperte Gregory Gerard wird herangezogen, um den Nanovirus unschädlich zu machen, wird aber schnell von seinem Auftrag entbunden, weil seine Untersuchungsergebnisse nicht in das Bild mächtiger Militärs und Politiker passt, die teils die Augen vor der Realität verschließen, teils ihre eigenen Machtbestrebungen verfolgen. Gerard muss erleben wie marodierende Banden und Plünderer die Straßen unsicher machen und auch seine Familie, seine ehemals glückliche und heile Welt bedrohen. Gerard macht sich selbst auf den Weg, um der Bedrohung ein Ende zu setzen, ihm folgt aber bereits ein skrupelloser Killer...

Wenn man einen Ein-Mann-rettet-die-Welt-Thriller liest, überrascht es den Leser nicht, dass die Erzählung einem klaren Muster gehorcht, die Charaktere klischeehaft ausgestaltet sind und die Handlung in einigen Punkten unrealistisch ist. Sofern das alles mitreissend und in einer angenehmen Sprache präsentiert wird, kann das durchaus unterhaltend sein. An diesen beiden Punkten mangelt es "Black Monday" auch nicht. Ärgerlich ist jedoch, dass fehlende Hintergründe zu logischen Brüchen führen und die Entwicklung ebenso einige überdeutliche logische Fehler aufweist.

Paramount hat bereits die Rechte zum Buch gekauft, das Umarbeiten in ein Drehbuch dürfte nicht schwierig sein, da das Buch in seiner gesamten Konzeption bereits sehr szenisch und verfilmbar aufgebaut ist.

"Black Monday" von R. Scott Reiss ist ein durchaus spannender Ein-Mann-rettet-die-Welt-Thriller, der abgesehen von den üblichen Klischees und einiger Vorhersehbarkeit auch viele logische Fehler enthält, die das Lesevergnügen auch dann deutlich herabsetzen, wenn man keinen anspruchsvollen Thriller erwartet.

Schwert und Harfe: Die große Irland-Saga
Schwert und Harfe: Die große Irland-Saga
von Frank Delaney
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Irlands Geschichten, Mythen und Legenden ungewöhnlich erzählt, 1. Januar 2008
Auch wenn ich schon einige historische Romane zur Geschichte der grünen Insel gelesen habe, bin ich natürlich an Frank Delaneys Roman "Schwert und Harfe" nicht vorbeigekommen und habe den Roman in Erwartung eines weiteren Werks über die irische Geschichte angefangen. Schnell musste ich feststellen, dass es sich in "Schwert und Harfe" zwar auch um die irische Geschichte dreht, vor allem aber um irische Mythen, Legenden und Geschichten. Stellt sich Ihnen da die Frage, was der Unterschied zwischen Geschichte und Geschichten und Überlieferungen ist? Oder gar nach dem Wertunterschied von Geschichte und Geschichten? Genau dieser Frage geht Frank Delaney in seinem Roman auch nach - und meines Erachtens ist die Diskussion dieser Fragen das, was das eigentlich besondere des Romans ausmacht.

Im Alter von neuen Jahren trifft Ronan O'Mara im Jahr 1961 erstmals in seinem Elternhaus einen alternden, reisenden Geschichtenerzähler, der seine Zuhörer schnell gefangen nimmt mit Erzählungen über Irlands Mythen und Legenden. Aufgrund einer blasphemischen Geschichte wird er von Ronans Mutter des Hauses verwiesen. Ronan hat er jedoch so beeindruckt, dass er beginnt alles über den Geschichtenerzähler zu sammeln und versucht ihn wiederzutreffen. Eine Suche, die ihn viele Jahre seines Lebens auch während seines Geschichtsstudiums begleitet, bis es zu einem erneuten Treffen mit dem Mann kommt, der die ganze Zeit von Ronans Suche wusste und ihm immer wieder Geschichten aus den Jahrtausenden irischer Geschichte zukommen ließ.

Die Mythen, Legenden und Geschichten über Irlands Land und Leute sind in die Geschichte um Ronan und seine Familie und deren leider recht vorhersehbares Familiengeheimnis eingewoben, häufig so, dass gerade bei entscheidenden Ereignissen in Ronans Leben wieder eine Geschichte erzählt wird. Dadurch bedingt versinkt der Leser weder in Ronans Geschichte noch in die Geschichten über Irlands Land und Leute, die meistens sehr vereinfacht und kurz gehalten sind, und daher die historische Entwicklung nur oberflächlich aufzeigen können. Die Geschichten über Irlands Vergangenheit sind stilistisch im Stil eines Geschichtenerzählers gehalten und erzählen Historie jenseits von Quellennachweisen. Der Geschichtenerzähler baut seine Geschichten auf fiktiven Personen auf und erzählt in einem eher einfachen Erzähl- und Sprachstil. Dabei gelingt es zwar Land und Leute, Irlands Seele plastisch zu machen, ein Verständnis für Kultur und Volk zu schaffen und alte Erzähltradition erlebbar werden zu lassen, der historisch interessierte Zuhörer und Leser wird aber mehr Inhalte in anderer Erzähltechnik erwarten.

Frank Delaneys Roman "Schwert und Harfe" verknüpft die Genres historischer Roman und Familien-Saga. Er ist ein Muss für Freunde Irlands, ein wunderschönes Leseerlebnis für Menschen, die gerne Kamingeschichten lesen und hören und eine interessante Auseinandersetzung für historisch interessierte Leser über die Frage, wie Geschichte am besten transportiert wird: über reines Faktenwissen oder über Überlieferungen, Geschichten jenseits von Quellennachweisen.

Der Duft der Farben: Roman
Der Duft der Farben: Roman
von Preethi Nair
  Gebundene Ausgabe

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Humorvolle Liebeskomödie in allerbester Hollywood-Manier über eine Frau zwischen zwei Kulturen, 27. Dezember 2007
Aufgrund von Rezensionen und des Klappentextes hatte ich vor Beginn der Lektüre des Romans "Der Duft der Farben" von Preethi Nair die Erwartung, eine sensible Studie über das Leben einer Frau zwischen westlicher und östlicher Kultur lesen zu dürfen. Deshalb überraschte mich auch sofort die lockere, humorvolle Sprache der Autorin. Nach einigen Seiten musste ich feststellen, dass es sich definitiv nicht um eine leise, sensible und lebensweise Studie über eine Frau zwischen zwei Kulturen handelt, sondern um eine Komödie à la Hollywood. Da mir die Sprache und der Humor der Autorin gefielen, habe ich trotz dieser ersten Enttäuschung mit veränderter Erwartungshaltung weiter gelesen.

Nina ist eine in London aufgewachsene Inderin, die immer die Wünsche ihrer Eltern erfüllt hat. So ist sie Anwältin statt Malerin geworden und lebt, mittlerweile auf die Dreißig zugehend, immer noch bei ihren Eltern. Lediglich gegen eine arrangierte Ehe hat sie sich bisher erfolgreich gewehrt, in Anbetracht ihres Alters wird der Widerstand jedoch immer schwieriger. Als ihr innerer Druck sich ausgerechnet während ihrer Arbeitszeit entlädt, verliert sie ihren Job, wagt es aber nicht, dies ihrer Familie einzugestehen. Anstatt zur Arbeit geht sie zur Tate Gallery, um sich die geliebten Werke von Matisse anzusehen. Per Zufall erhält sie die Möglichkeit für drei Monate günstig ein Atelier anzumieten und beschließt, eine Auszeit zu nutzen, um sich über ihr weiteres Leben und ihre Möglichkeiten klar zu werden. In der Enttäuschung über die geplatzte Beziehung zu ihrem Freund stimmt sie den Wünschen ihrer Familie nach einer arrangierten Ehe zu. Von nun an führt sie ein Doppelleben: tagsüber arbeitet sie in ihrem Atelier, abends bereitet sie eine traditionelle indische Hochzeit vor. Durch ihr Doppelleben verstrickt sie sich in ein Netz von Lügen, das sie zu ersticken droht, als sich ihre Bilder in der Londoner Kunstwelt herumsprechen. Glücklicherweise bekommt sie von unerwarteter Seite Hilfe und begegnet dabei einem Mann, der ihr das Gefühl gibt, etwas besonders zu sein...

Die Grundidee des Romanes ist eng verknüpft mit Preethi Nairs eigenem Leben. Preethi Nair hat ihren Beruf als Unternehmensberaterin aufgegeben, um sich der Schriftstellerei zu widmen und zunächst sogar einen eigenen Verlag gegründet, um ihre Bücher zu verlegen. Insofern ist "Der Duft der Farben" sicher ein sehr persönliches Buch. Preethi Nair hätte allerdings besser daran getan, ihre Protagonistin Nina schreiben zu lassen, statt zu malen, denn die Passagen, in denen von ihrer Leidenschaft zur Malerei und ihren Gefühlen beim Malen berichtet wird, wirken uninspiriert und unglaubwürdig. Für mich lag der eigentliche Reiz des Romans in der einfallsreichen und humorvollen Sprache der Autorin, die in ihrem Roman die typischen Eigenheiten der Kulturen in Szenen mit feinem Witz und Humor verpackt. Insofern habe ich zumindest im ersten Teil eine schöne Komödie genossen, die in einigen Szenen durchaus mit Tiefgang überzeugte. Leider entwickelte sich der Roman etwa ab der Hälfte sehr vorhersehbar (und damit eigentlich in allerbester Hollywood-Liebeskomödien-Manier), was ich persönlich sehr schade finde, wenn ich an das gute Sprachgefühl der Autorin denke.

Preethi Nairs Roman "Der Duft der Farben" ist eine Liebeskomödie in allerbester Hollywood-Manier über eine Frau auf der Suche nach der eigenen Identität zwischen östlicher und westlicher Kultur und bietet leichte, amüsante Unterhaltung für zwischendurch. Es bleibt zu hoffen, dass Preethi Nairs nächster Roman ebenso mit Sprache und Humor überzeugt, aber weniger voraussehbar ist.

Der Schläfer: Thriller (Gabriel Allon-Reihe)
Der Schläfer: Thriller (Gabriel Allon-Reihe)
von Daniel Silva
  Gebundene Ausgabe

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt ihn noch, den intelligenten und spannenden Spionagethriller!, 26. Dezember 2007
Ich freue mich immer wieder, wenn ich mal wieder einen intelligenten und spannenden Thriller jenseits von Serienkillern und Triebtätern zu lesen bekomme. Nur zufällig fiel mir Daniel Silvas Spionagethriller "Der Schläfer" in die Hand und konnte mich so fesseln, dass ich ihn in einem Zuge durchgelesen habe.

Ein brutaler Anschlag auf die israelische Botschaft in Rom erfordert Nachforschungen des israelischen Geheimdienstes, um den Drahtzieher hinter dem kaltblütigen Unternehmen aufzuspüren. Schnell kommt der israelische Agent Gabriel Allon einem Mythos auf die Spur: Chaled al-Chalifa, der Sohn und Enkel eines berüchtigten palästinensischen Freiheitskämfers scheint hinter dem Anschlag zu stecken. Nur wenige Informationen über seine Person liegen vor, lediglich ein Foto aus Kindertagen bezeugt seine Existenz. Unbeirrbar folgt Allon den Spuren Chaled al-Chalifas und entdeckt, daß dieser einen noch verheerenderen Coup plant. Doch Allons Leben und das der Angehörigen von Chaled al-Chalifa sind bereits seit langer Zeit miteinander verbunden und längst hat der Attentäter Allon in das Netz seiner Pläne verwoben und stellt ihn vor die grausame Wahl das Leben hunderter Unschuldiger oder das seiner geliebten Frau zu retten...

Leider wusste ich nicht, dass "Der Schläfer" bereits der fünfte Teil einer Reihe um den israelischen Agenten Gabriel Allon ist, glücklicherweise tat es meinem Lesevergnügen keinerlei Abbruch, da Daniel Silva im Roman selbst ausreichend Informationen aus der Vergangenheit des Agenten einflicht und abgesehen davon im Anhang eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Lebens von Gabriel Allon enthalten ist.

Reizvoll an Daniel Silvas Thriller ist nicht nur die packende Handlung, die so tragend ist, dass der Autor ohne die Ansammlung der üblichen Cliffhanger auskommt, und der interessante Protagonist, sondern vor allem, dass Daniel Silva sich in seinem Roman mit der israelisch-palästinensischen Geschichte kritisch auseinandersetzt.

Daniel Silvas intelligenter und packender Spionagethriller "Der Schläfer" ist brandaktuell und versteht seine Leser in atemberaubender Spannung gefangen zu nehmen. Mein erster Thriller von Daniel Silva wird sicher nicht der letzte sein!

Die Kathedrale des Meeres
Die Kathedrale des Meeres
von Ildefonso Falcones
  Gebundene Ausgabe

58 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fesselnder historischer Roman im mittelalterlichen Barcelona - eine Hommage des Autors an Barcelona und seine Einwohner, 25. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Kathedrale des Meeres (Gebundene Ausgabe)
Bereits der Titel des historischen Romans "Die Kathedrale des Meeres" von Ildefonso Falcones weckt Erinnerungen an Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde". In der Tat haben beide Romane einiges gemeinsam: beide Romane handeln im Mittelalter, das Leben des Protagonisten ist eng mit dem Bau eines Gotteshauses verbunden und beide Romane haben Schmökerqualitäten, die den einen bereits zu einem Weltbestseller gemacht haben, den anderen zumindest zu einem Bestseller in seinem Ersterscheinungsland Spanien. Beide Romane erzählen uns aber eine völlig unterschiedliche Geschichte.

Katalonien im 14. Jahrhundert: Bernat Estanyol sieht sich gezwungen mit seinem kleinen Sohn Arnau vor seinem grausamen und ungerechten Lehnsherren in das mittelalterliche Barcelona zu fliegen. Im aufstrebenden Barcelona finden Vater und Sohn Unterschlupf in der Töpferei seines Schwagers. Der Vater hofft darauf sich ein Leben als freier Bürger erarbeiten zu können, während sein Sohn Arnau durch die Straßen und Gassen Barcelonas zieht. Durch eine Intrige seines Cousins und seiner Cousine wird Arnau in der Familie ausgegrenzt, lernt dadurch aber auch Joan kennen, der für ihn wie ein eigener Bruder wird. Die beiden Außenseiter erleben den Bau von Santa Maria del Mar, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird. Sie bewundern die Arbeit der Bastaixos, der Lastenträger, die den Bau mit Steinen versorgen und unterstützen diese durch Wassergaben. Als Arnau und Joan zu Waisen werden, sind die Bastaixos die einzigen stützen der Kinder und der vierzehnjährige Arnau schleppt erstmals einen der riesigen Felsblöcke des Montjuic zum Hafen. Während der Bau der Kathedrale voranschreitet und Arnau bis zum Seekonsul der Stadt Barcelona, einem der angesehensten Bürger der Stadt, aufsteigt, muss das Volk von Barcelona viel erleiden: die Willkür des Adels lässt die Menschen um das tägliche Überleben kämpfen und auch die Pest hält in Barcelona Einzug. Arnau macht sich auf seinem Weg vom Steinträger zum Geldwechsler und schließlich zum Seekonsul nicht nur Freunde und so droht schließlich eine bösartige Intrige seine Zukunft zu zerstören...

Mit Arnau Estanyol hat Ildefonso Falcones einen Protagonisten für seinen Roman geschaffen, der ein Sympathieträger ist, mit dem es sich lachen und leiden lässt. Zwar ist Arnau meines Erachtens in seiner Ausgestaltung zu modern geraten, dennoch versteht der Autor den Leser so zu faszinieren, dass dieser Makel schnell verschmerzt ist, weil das Interesse an Arnaus Schicksal deutlich höher ist. Auch einige der weiteren Schlüsselfiguren sind dem Autor teils zu modern teils zu klischeehaft geraten und die Figurenzeichnung hätte einer deutlich höheren Aufmerksamkeit bedurft. Dennoch merkt man dem Roman "Die Kathedrale des Meeres" an, dass dieser mit viel Herzblut und einer großen Leidenschaft für Barcelona, seine Geschichte und seine Einwohner geschrieben wurde. So wird auch Barcelona und sein Volk zum heimlichen Helden der Geschichte und zum eigentlichen Grund, warum ich diesen Roman für empfehlenswert halte. Ildefonso Falcones macht detailliert und ausführlich katalanische Geschichte lebendig und erläutert dem Leser auf angenehme Weise interessante Details katalanischer Rechtssprechung des Mittelalters.

Ildefonso Falcones versteht es die Geschichte von Arnau Estanyol bis zum Ende mit vielen Wendungen spannend zu gestalten, auch wenn diese nicht immer vollständig überzeugen können. Es empfiehlt sich, Personen, die in Arnaus Leben auftauchen immer volle Aufmerksamkeit zu schenken. So mancher der zunächst als unwichtige Nebenfigur erscheint, taucht im weiteren Geschehen mit tragender Rolle wieder auf. Sprachlich ist "Die Kathedrale des Meeres" zwar flüssig, aber schlicht und unpoetisch gehalten.

Der Scherz Verlag hat den gebundenen Roman mit Schutzumschlag mit einem Nachwort des Autors, in dem er zwischen Fakten und Fiktion differenziert, und einer Stadtkarte Barcelonas im 14. Jhdt. mit ausführlicher Legende herausgegeben.

Mit seinem historischen Roman "Die Kathedrale des Meeres" ist Ildefonso Falcones ein Werk gelungen, das katalonische Geschichte äußerst unterhaltsam vermittelt, und seine Leser einlädt, für einige Stunden im mittelalterlichen Barcelona zu versinken. "Die Kathedrale des Meeres" wartet ebenso mit informativen Elementen wie auch mit echten Schmökerqualitäten auf und ist daher für eine breite Leserschaft empfehlenswert.

Der Seidenfächer. 6 CDs
Der Seidenfächer. 6 CDs
von Lisa See
  Audio CD

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hörbuchrezension: Einfühlsame Lesung über eine Frauenfreundschaft im China des 19. Jhdts., 10. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Seidenfächer. 6 CDs (Audio CD)
Inhalt: *****
Lisa See zeigt uns mit ihrem historischen Roman anhand der beiden Protagonistinnen Lilie und Schneerose wie Frauen im ländlichen China des 19. Jahrhunderts gelebt haben. Lilie und Schneerose wachsen in einer Welt auf, in der sich der Wert eines Mädchens über die Schönheit der gebundenen Füße definiert. Je schöner die gebundenen Füße, umso besser die Chance auf eine Verheiratung über dem vorherigen Status. Der Wert der erwachsenen verheirateten Frau ergibt sich aus der Geburt und Erziehung des ersten Sohnes der Familie. Lilie und Schneerose stammen aus unterschiedlichen Verhältnissen und werden bereits im Kindesalter von einer Ehevermittlerin und einem Wahrsager als "laotong", als Weggefährtinnen verbunden. Kontakt halten die beiden auch nach ihrer Verheiratung mit 17 Jahren über gegenseitige Besuche und Briefe in der Frauenschrift Nushu. Die wichtigsten Nachrichten schreiben die beiden auf einen Seidenfächer, den sie sich gegenseitig als Botschaft zuschicken und so enthält dieser Seidenfächer ihre Geschichte von Beginn ihrer Verbindung bis zu ihrem Tod. Der Roman gibt nicht nur Einsicht in Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit, sondern auch in die konventionelle Sichtweise von Lilie.

Lisa See erzählt die Geschichte von Lilie und Seerose mit großem Einfühlungsvermögen und entführt die Leser und Hörer in eine fremde, exotische Welt, in der nicht alles bunt und schillernd ist. Auch vor der Schilderung uns grausam erscheinender Gebräuche wie dem Binden der Füße macht sie keinen Halt. Das bewegende Schicksal der beiden Frauen und die Tiefe ihrer Freundschaft und Verbindung wird in einer schlichten, aber sehr schönen Sprache erzählt, die bewirkt, daß die Leser umso mehr berührt werden.

Sprecherin: *****
"Der Seidenfächer" wird von Judy Winter sehr gefühlvoll vorgelesen. Ihre Stimme passt Judy Winter nicht nur dem Alter der Erzählerin sondern auch den jeweiligen Szenen feinfühlig an. Allerdings empfehle ich die CDs nicht zum Autofahren, da Judy Winter die alte Lilie mit brüchiger Stimme spricht, was bei Fahrgeräuschen das Zuhören erschwert.

Aufnahme: ****
Zum Teil sind zwischen den Kapiteln deutliche Unterschiede in der Aufnahmelautstärke festzustellen.

Meine Gesamtwertung: *****

Das glückliche Schwein: Das außergewöhnliche Leben des Christopher Hogwood
Das glückliche Schwein: Das außergewöhnliche Leben des Christopher Hogwood
von Sy Montgomery
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tierisch menschliches Buch, an dem jeder Tierfreund seine helle Freude haben wird!, 2. Dezember 2007
Seit vielen Jahren schon liebe ich die Bücher von James Herriot und bin immer wieder auf der Suche nach etwas ähnlichem. Sy Montogomerys Erzählungen über ihr Leben mit dem Schwein Christopher Hogwood sind zwar ganz anders, aber sie tragen den gleichen Charme in sich wie James Herriots Erzählungen über seine Tiere.

Die Naturforscherin Sy Montgomery und ihr Mann nahmen eines Tages ein kränkliches, zurückgebliebenes Ferkel auf, das sie Christopher Hogwood nannten. Ihre Erzählung berichtet von der Sorge darüber, ob Christopher überhaupt überlegt, über die Entwicklung zu einem prächtigen Schwein, das zum Mittelpunkt der Familie wurde und viele interessante Kontakte zu anderen Menschen hervorrief. Gleichzeitig berichtet Sy aber auch über sich selbst, ihre Leidenschaften als Naturforscherin, ihre Beziehung zu ihren Eltern und zu ihrem jüdischen Mann und fesselt den Leser mit interessanten und nachdenkenswerten Aspekten ihres Lebens. Ihre Erzählung ist voller Humor und Herzenswärme, in einer einfachen, natürlichen und authentischen Sprache, so dass man es als Leser mehr als bedauert, wenn man dieses kleine Büchlein zu Ende gelesen hat.

Sy Montogmerys Geschichte um Christopher Hogwood "Das glückliche Schwein" ist ein humorvolles, nachdenkenswertes und interessantes Buch für alle Tierliebhaber, das auch ideal als kleines Geschenk geeignet ist.

Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor
Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor
von Heinrich Pleticha
  Gebundene Ausgabe

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensible Auseinandersetzung mit Problemen des Älterwerdens, Pflegebedürftigkeit u der resultierenden familiären Belastung, 30. November 2007
Der Titel von Renate Dorresteins Roman "Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor" klingt nach einer herzhaften Geschichte zum Lachen mit vielleicht einigen nachdenklichen Momenten. Das ist es nicht. Renate Dorrestein erzählt uns eine Geschichte, die zum Lachen wäre, wenn sie nicht zum Weinen wäre.

Heleen, Ende 40, führt an und für sich ein glückliches Leben. Sie betreibt mit ihrem Mann, den sie auch nach vielen Ehejahren noch liebt, eine gut gehende Gärtnerei, hat einen 17-jährigen Sohn, der langsam flügge wird und eine 14-jährige Tochter. Dieses Glück wird zwar etwas getrübt, da sie mit den Wechseljahren zu kämpfen hat und ihr die Lust abhanden gekommen ist, dennoch führt sie ein recht zufriedenes und glückliches Leben. Bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter einen Gehirnschlag bekommt und zum Pflegefall wird. Für Heleen beginnt eine Odyssee durch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Der psychische Druck geht teilweise über Heleens Belastbarkeitsgrenze, zumal die Beziehung zur Mutter nie unbelastet war und Heleen sich hin- und hergerissen fühlt zwischen Mitleid und Abwehr. In der Auseinandersetzung mit ihrer Mutter gewinnt Heleen eine neue Sicht auf ihr eigenes Älterwerden. Ihre Kinder werden selbständig, ihr Sohn Storm ist über beide Ohren verliebt und ihre Tochter Lizzy hat einen Verehrer - auch wenn dieser Heleen überhaupt nicht gefällt. Die Last auf Heleen ist so groß, dass sie dringlich eine Auszeit bräuchte, um sich selbst zu finden und die Beziehung zu ihrem Mann nicht zu gefährden.

Obwohl Renate Dorrestein ihre Protagonistin Heleen die Geschichte in lockerer, leichter Sprache, manchmal ironischem, manchmal gar zynischem Ton erzählen lässt - zum Lachen ist das vielleicht nur dann, wenn man von Heleens Situation Jahrzehnte entfernt ist. Andernfalls bleibt einem das Lachen von Beginn an im Hals stecken. Im Gegensatz zu Bridget Jones hat Heleen ihren Mr. Darcy oder Mr. Right schon lange gefunden, und die Diätprobleme werden von Faltenproblemen abgelöst, aber das Leben hält noch schwierigere Situationen vor. Von Seite zu Seite erfahren wir, wie sich Heleens Belastung verschlimmert. Zum Einen weil ihr die Zeit schlicht und ergreifend gar nicht mehr reicht, um alles zu regeln was ansteht, zum Anderen weil sie den geistigen Verfall ihrer immer sehr selbständigen Mutter von Tag zu Tag erleben muss und das Ausmaß dessen erst erleben muss, um zu ahnen in welcher Welt ihre Mutter nun lebt. Für den einfühlsamen Leser ist es durchaus hart, den Fortgang der Geschichte zu verfolgen, aber faszinierend und lohnend. Obwohl ich mir gerade leichtere Lektüre zum Lesen gewünscht hatte, konnte ich mich nicht mehr von diesem Buch lösen.

Renate Dorresteins Roman "Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor" ist eine locker und leicht geschriebene, sensible Auseinandersetzung mit den Problemen des Älterwerdens, mit Pflegebedürftigkeit und der daraus entstehenden Belastung für die Familie. Nicht lustig, aber sehr lesenswert.

Die Glocken von Vineta: Historischer Roman
Die Glocken von Vineta: Historischer Roman
von Charlotte Lyne
  Taschenbuch

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnlicher, facettenreicher Roman über die versunkene Stadt Vineta und die Geschichte eines gescheiterten Traums, 18. November 2007
Sagen ranken sich um das Atlantis der Ostsee: Vineta, eine Stadt, die es nach heutiger Sicht der Fachwelt unter Berücksichtigung der schlechten, aber vorhandenen Quellenlage gegeben haben muss. So wie Atlantis fand auch die Vineta - Sage immer wieder Eingang in die Literatur und wurde bereits von Heinrich Heine, Lawrence Norfolk, Selma Lagerlöf und Günter Grass in ihren Werken verarbeitet. In ihrem Debütroman "Die Glocken von Vineta" macht Charlotte Lyne Vineta und seinen Untergang zum zentralen Thema. Sie zeigt uns dabei Vineta als freie Stadt im Mittelalter, stolz, reich und schön, die sich in den Auseinandersetzungen um die Macht in dieser Epoche zunächst neutral hält und sich dem Herrschaftsanspruch der christlich-römischen Kirche widersetzt. Dennoch machen die Konflikte zwischen Heiden und Christen keinen Halt vor den Toren der Stadt. Charlotte Lynes Roman ist aber viel mehr als die mögliche Geschichte der untergegangenen Stadt Vineta. Es ist die Geschichte zweier ungleicher Brüder, eine Geschichte von Liebe, Verbundenheit, Zerwürfnis und Hass in Parallelität zur Geschichte Vinetas.

Vineta, im 12. Jahrhundert: Die ungleichen, aber eng verbundenen Zwillinge Warti und Bole Sliwosz wachsen als Söhne eines vermögenden Bernsteinhändlers heran. Als der Vater bei einem Schiffsunglück ertrinkt, tritt Warti, der Ältere der beiden, das Erbe an, während Bole sich als Fischhändler verdingt. Bole heiratet Jula, die aufgrund des frühen Verlusts ihrer Eltern keine Aussicht hat, sich reich zu verheiraten. Warti begegnet auf einer seiner Handelsreisen nach Nowgorod der jungen rothaarigen Schönheit Natalia, Magd von Wartis Handelspartner, die aufgrund eines Schocks in der Kindheit die Sprache verloren hat. Die heimatlose Natalia willigt ein, mit Warti nach Vineta zu gehen. In Vineta nehmen die Spannungen zwischen Christen und Heiden zu und die schwierige Lage verschlimmert sich, da der dänische König die wohlhabende Stadt als große Bedrohung sieht, die er beseitigen will. Bole, der von seinem Bruder unabhängig sein will und in seinen bisherigen Geschäften glücklos war, heuert beim dänischen Hof als Spitzel an, um seine Familie ernähren zu können. Seine Verbindung mit den Dänen macht ihn immer mehr zum Außenseiter in einer Stadt, die nicht nur durch die herrschenden Machtkämpfe sondern auch durch Naturgewalten bedroht ist...

Charlotte Lyne erzählt die Geschichte der Brüder Sliwosz und die Geschichte Vinetas wortgewaltig in einer klaren, schönen, wo notwendig auch drastischen Sprache, die Stadt, Bewohner vor allem aber die Protagonisten so plastisch werden lässt, dass sie dem Leser förmlich vom Papier entgegen zu springen scheinen. Während Warti eher einem klassischen Helden gleicht, ist Bole der passive Held, schwankend und oft unentschlossen in seinem Charakter. Liebe thematisiert die Autorin in ihrem Roman in vielerlei Facetten und schließt dabei auch die Liebe in Abhängigkeit vom Trieb nicht aus.

So viel Charlotte Lyne ihren Lesern gibt, so sehr fordert sie diese auch. Die unaufhaltsambare Annäherung an die Katastrophe und die schonungslose Darstellung der Geschehnisse sind nicht immer leicht zu verdauen und fordern einen Leser, der bereit ist, sich mit dem Roman und seinen Botschaften auseinander zu setzen, da das, was die Autorin bietet, weit über den gängigen Unterhaltungsroman hinaus geht.

Der Blanvalet Verlag hat "Die Glocken von Vineta" als Taschenbuch im Sondereinband herausgegeben. Hinter dem geschmackvollen Cover verbirgt sich neben dem Roman eine Karte, ein hilfreiches Glossar, Übersetzungen und Erklärungen lateinischer Redewendungen und ein Nachwort der Autorin, in dem sie einige Erläuterungen zur historischen Quellenlage liefert.

Charlotte Lynes Debüt "Die Glocken von Vineta" ist ein außergewöhnlicher und facettenreicher historischer Roman, der als spannender Unterhaltungsroman gelesen werden kann, dem interessierten Leser aber deutlich mehr als das bietet. Allen, die gerne gehobene historische Romane lesen, kann ich nur empfehlen, sich von Charlotte Lyne auf eine Reise nach Vineta entführen zu lassen und die Geschichte eines gescheiterten Traums zu erleben. Sie werden es nicht bereuen.

Das geheime Spiel
Das geheime Spiel
von Kate Morton
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

126 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön angelegte geheimnisvolle Familiensaga mit Krimielementen, 15. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Das geheime Spiel (Taschenbuch)
Mit ihrem Debütroman "Das geheime Spiel", der im australischen Original unter dem deutlich besser zur Handlung passenden Titel "The Shifting Fog" und in England und Amerika unter dem Titel "The House at Riverton" erschienen ist, führt uns die Literaturwissenschaftlerin Kate Morton nach England in die Zeit um den ersten Weltkrieg. Ihr Roman ist Familiensaga, Gesellschaftsroman, Romanze und Krimi zugleich und ist eine Hommage an Romane, die Elemente der Gruselliteratur einsetzen wie z. B. "Rebecca" von Daphne du Maurier, "Der blinde Mörder" von Margaret Atwood, "Die dreizehnte Geschichte" von Diane Setterfield und viele mehr.

"Das geheime Spiel" erzählt uns die Geschichte der adligen Geschwister Hannah und Emmeline Hartford aus Sicht ihrer ehemaligen Dienstbotin Grace Bradley. Grace kam kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach Riverton Manor und war schnell von den beiden Schwestern fasziniert. Eines Tages brachte der Bruder der beiden Schwestern den Dichter Lord Robert Hunter nach Riverton Manor - eine Bekanntschaft, die das Leben der beiden Schwestern, aber auch das Leben von Grace nachhaltig prägen sollte. Graces Bemühungen, Unheil von den beiden jungen Frauen fern zu halten, sind nicht von Erfolg gekrönt und so wurde Grace in eine Familiengeheimnis hineingezogen, das sie 75 Jahre bewahrt hat und dem sie sich erst im Alter von 98, als die Geschichte der Hartford-Schwestern verfilmt werden soll, stellt.

Die Erzählperspektive, die Kate Morton gewählt hat, bringt ihre Tücken mit sich. So ist es einerseits zwar recht schön, die Geschichte aus Sicht von Grace erzählt zu bekommen, in manchen Passagen aber auch reichlich unglaubwürdig. Auch wenn Dienstboten zur damaligen Zeit vieles vom Familienleben ihrer Herrschaft mitbekommen haben, waren sie zweifellos nicht bei intimen Diskussionen ihrer Herrschaft von Beginn bis Ende dabei, ganz zu Schweigen davon, dass es nicht Usus war, mit seiner Herrschaft einen intimen persönlichen Kontakt aufzubauen. Auch erscheint es seltsam, dass sich Grace nach einer Spanne von 75 Jahren noch wortwörtlich an die damaligen Dialoge erinnern kann. Schön ist, dass uns diese Erzählperspektive dem interessanten Charakter Grace näher bringt, obwohl die Autorin m. E. das Potential dieser Figur nur zum Teil ausschöpft. So ist es mir beispielsweise vollkommen unverständlich, dass Grace, als sie nach 2/3 des Buches ihre Verbindung mit dem Haus Riverton, die der Leser schon lange erahnt hat, entdeckt, kaum Reaktion zeigt und auch keine Konsequenzen zieht. Die Gespräche mit der Produzentin eines Films über die Hartford-Mädchen und einer der Schauspielerinnen tragen in keiner Weise zum Film oder zur Handlung des Buches bei und bringen uns die Charaktere der Hartfords nicht näher.

Das Ambiente des Vorkriegsenglands einzufangen, gelingt der Autorin recht gut. Auch die Geschichte selbst ist schön angelegt und wird von ihr langsam und in einer schönen Sprache vorangetrieben und enthüllt. Gelegentliche Längen hätten durch ein aufmerksames Lektorat sicher vermieden werden können. Wer viel liest und gerne Filme schaut, wird die in der bis zu den letzten Seiten aufgehobenen Enthüllung des Familiengeheimnisses enthaltene überraschende Wende nicht unbedingt sehr überraschend finden.

Die Anleihen, die Kate Morton bei "Das Haus am Eaton Place" und "Der blinde Mörder" genommen hat, sind überdeutlich. Wer "Das Haus am Eaton Place" noch kennt, wird als Butler von Riverton Manor nie Mr. Hamilton sondern immer Mr. Hudson vor Augen haben und die Köchin Mrs. Townsend wird im Geiste wie Mrs. Bridges aussehen. Dies empfand ich jedoch nicht als störendes Kopieren, sondern eher als Reminiszenz. Die Anleihen an Bücher wie "Der blinde Mörder" oder "Rebecca" hingegen sind ein wenig kritischer zu betrachten, da sie den Leser, der diese Werke kennt, schnell kommende Ereignisse vorausahnen lassen.

Insgesamt sehe ich "Das geheime Spiel" von Kate Morton, als schön angelegte geheimnisvolle Familiensaga mit Krimielementen mit einigen Schwächen, dennoch habe ich das Buch recht gerne gelesen und werde sicher nach einem weiteren Roman von Kate Morton Ausschau halten.

Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21-23