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Beiträge von Ophelia
Top-Rezensenten Rang: 1.031
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Rezensionen verfasst von
Ophelia (Helsingör)
(VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Seite: 1-10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17
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Jane Austen's Pride & Prejudice (15th Anniversary Edition) [6 DVDs] [Collector's Edition]
Jane Austen's Pride & Prejudice (15th Anniversary Edition) [6 DVDs] [Collector's Edition]
DVD ~ Allison Steadman
Preis: EUR 28,99

28 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stolz und Vorurteile gegenüber der alten/neuen deutschen Synchro., 8. August 2010
Dies ist keine Rezension, sondern eher eine Warnung bzw. Kunden-Information. Gerichtet vor allem an jene, die sich evtl. so wie ich, bei Bekanntwerden dieser "Neu"erscheinung Luftsprünge erlauben wollen. Beim Gedanken an eine nagelNEUE Synchro wurde ich unruhig und erlaube mir direkt bei KSM nachzufragen.
Tja, nix mit neuer Synchro, sondern ein Aufguss der alten deutschen Synchronisation.
UNFASSBAR!
Ich weiß nicht, ob man sich wirklich darüber freuen darf:
Das legendäre Pride & Prejudice 1995, die geniale englische Miniserie der BBC, wurde bisher in der DEUTSCHEN Fassung stets um 40 Minuten gekürzt angeboten.

TaTaa!*trommelwirbel *:
Nun wurden NUR die bisher unsynchronisierten (da herausgeschnittenen) Sequenzen mit den originalen DAMALIGEN deutschen Stimmen tatsächlich neu deutsch synchronisiert!

----Denkpause----

Ähh... es handelt sich hier also lediglich um die gnadenlose Erweiterung der bisher verstümmelten deutschen Fassung Stolz und Vorurteil .
Oder?
Also weiterhin grauenvoll eingesprochen, aber nicht mehr verstümmelt.
Immerhin.
Es wäre aber doch ein wesentlicherer Schritt gewesen, hätte man die Serie komplett und von vorne bis hinten neu eingesprochen, mit etwas talentierteren Sprechern, versteht sich?
Es ist natürlich trotzdem ein Fortschritt, da die undenkbaren Kürzungen und Schnitte von früher nun wenigstens weg sind. Aber... wenn ich mir vorstelle, dass die blecherne deutsche Stimme von Lizzy nun auch weiterhin exakt das Temperament einer Schlaftablette ausstrahlen wird, nur an manchen Stellen plötzlich stimmlich um 15 Jahre gealtert? Hmm.. Und da Austen also noch immer in vielen Passagen auf Abwege geführt und schlicht falsch übersetzt sein wird und ihre Sprache des Pfeffers bzw. der Ironie beraubt bleibt, will ich diese neue Fassung ehrlich gesagt nicht mal Probehören.
Andererseits warten auch schon lange einige Fans auf eine ungekürzte deutsche Fassung und es sind nicht ja nicht alle so mäkelig wie ich. ;-)

Es gibt immerhin ungekürztes Bildmaterial, vom HD Master ist der orig. englischer Ton anwählbar und deutsche Untertitel sind endlich FREI zuschaltbar.

Ich werde mir die Box für viele Euros mit Sicherheit nicht zulegen, da mir mit der 6er DVD Box , die ungekürzte englische Originalfassung mit den deutschen Unertiteln bereits zur Verfügung steht. Auf die deutsche Synchro bin ich aus genannten Gründen nicht scharf.
Wer aber der englischen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, oder Untertitel hasst, oder wem die deutsche Synchro bisher keine Probleme bereitet hat, kann ja zuschlagen.
Es würde mich interessieren was jemand erzählt, der sich's tatsächlich angehört hat.

Eins noch, bevor ich jetzt hier weiter der "notorischen Mäkelei" bezichtigt werde, oder sich Leute über mein "Eschauffieren" beschweren:
Ein jeder sollte selbst wissen, ob ihm diese neue/alte Synchro reicht, oder ob er lieber beim Original bleibt. Ich schaue die meisten Filme einfachheitshalber lieber mit deutscher Synchro, aber hier mache ich definitiv eine Ausnahme.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 2, 2012 11:47 AM CET


30 Days of Night (2 DVDs im Digi-Pak) [Special Edition]
30 Days of Night (2 DVDs im Digi-Pak) [Special Edition]
DVD ~ Josh Hartnett
Wird angeboten von toppreis321
Preis: EUR 14,04

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz,, 7. August 2010
kommt dieser knallbrutale, spannend inszenierte und ästhetisch wunderschön in ungesättigte Farben getauchte, "Schlitzerfilm" daher.
Hä? Schlitzerfilm? Erklärung folgt unten.

Der Ort des Geschehens: Barrow, ein kleines abgeschiedenes Kaff am äußersten Zipfel von Alaska.... Schnee, Dunkelheit, Stürme, Frost. Es ist der Tag, an dem zum letzten Mal ein Sonnenstrahl das kleine Nest erreicht und viele Bewohner verlassen im Zeitraum um die Wintersonnenwende den Ort. Nur 150 Einwohner bleiben, während der andauernden 30 Tage Dunkelheit.
Der Alltag um den Protagonisten, ein Polizist in der Ehekrise, wird kurz skizziert und kleine Begebenheiten machen dem Zuschauer bald deutlich, dass hier in Barrow etwas Böses seinen Anfang nimmt. Es häufen sich in kürzester Zeit Sabotageaktionen, welche klar als Versuche den Ort von der Außenwelt abzuschneiden, erkennbar sind. Eben Oleson, der Polizist, hat sich darum zu kümmern, während seine Frau sowohl ihn, als auch den Ort, verlassen will, aber dummerweise das letzte Flugzeug verpasst, während der 30-tägigen Polarnacht wird keines mehr starten.
Falle zugeschnappt.
Schon am Abend bestellt ein verwahrloster Fremder in einem Restaurant mit Nachdruck "rohes Fleisch". Dann rotten sie sich zusammen, die Herren Vampire, um ENDLICH mal wieder in Ruhe und ungeniert trinken zu können.
----

Ich finde ja eigentlich, dass man bei der Comic-Adaption "30 Days of Night" nicht gerade von einem Vampirfilm sprechen kann. Nur weil welche darin auftauchen, sind sie nicht Genre bestimmend. Das da ist, wenn ich mich als Horrornovizin nicht irre, ein typischer Slasher und die Vampire sind ersetzbar. Man könnte sich beispielsweise statt derer, eine kleine Horde vernarbter Typen vorstellen, die im schwarz-rot-gestreiften Pulli rum rennen und alles was sich bewegt, Mann, Weib, oder Kind, schlitzen anstatt beißen. Guut sie sind vielleicht ETWAS intelligenter als Freddy und Co, aber von distinguierten oder gar nonchalanten Vampiren zu sprechen, wäre vermessen. Auch wenn sie in Frack und Abendkleid auftreten sind sie eher prolliger und wenig zurückhaltender Natur, unmanikürt, mit extrem schlechten Zähnen, und dem Fauchen und Fletschen eines fantasyartig überzeichneten Raubtiers. Allein der Chef hatte ein ansatzweise "grafenhaftes" Auftreten und artikuliert sich. In die Tiefe ging hier aber nix, gaanz, ganz am Rande erfährt man mal kurz was darüber was der Clan der Vampire über Jahrhunderte plante. Hier gibt es weder Charakterzeichnung, noch ein erotisch-barock angehauchtes Szenario zwischen Mensch und Vampir (wie in Coppolas's Dracula ), zeigt auch keine menschlich-tragische Seite des Vampirismus, bzw die zumindest angedeutete, kindliche Unschuld des Vampirkindes (wie in Interview mit einem Vampir ), auch fehlen die typischen, romantisch angehauchten, augenzwinkernden Blicke in die nostalgische 19. JH Gruselwelt (wie in Dracula). Von einem Vampirfilm erwarte ich aber zumindest stilvollen Grusel, keine rohe Gewalt. Vampire umgarnen ihr Opfer, spielen mit ihm, oder machen es sogar an! Und der Tod kommt zwar eiskalt, aber elegant und hinterlässt HÖCHSTENS ein Anstandströpfchen Blut, welches dann entweder dezent am Hals des Opfers, oder malerisch am arroganten Kinn des Nosferatu, klebt. Nein, nicht mal Tischmanieren haben sie hier. Hier haben wir Vampire mit Karies, die aussehen, als hätten sie Spaghetti mit Tomatensoße direkt aus der Schüssel gegessen. Überall Blut! Sie sind getrieben vom Hass auf die Lebenden, aber von der Tragik des unstillbaren Verlangens BLUT zu trinken kam bei mir nichts an. Die dunklen melancholischen Blicke der Damen & Herren Blutsauger wären sehr gut gelungen, auch diese verfremdete Augen und Nasenpartie.... aber sobald einer vor denen den Mund aufmacht - ähhh- etwas befremdlich und grausam. Wenn man die verschiedenen Reviews hier liest....nun, so mach hartgesottener Horror- bzw Splatterfan kommt hier, scheint's, trotz üppiger Hau- Stech- und Beißszenen nicht auf seine Kosten. Vielen bleibt der Film viel zu harmlos, die Vampire gar zu albern. *Schulter zuck* Albern fand ich sie nur ganz manchmal, aber seltsam und ungewöhnlich schon... Atheistisch sind sie, Kreuz und Weihwasser dürfte ihnen schnuppe sein. Und sie sind wirklich böse. Die gruseligsten Momente waren aber für mich stets die, wenn sie nur als huschende Schemen zu erkennen waren. Ansonsten wurde Grusel durch Brachialgewalt etwas übertüncht. Aber klar, das ist dem Genre geschuldet und dies ist nun mal meines Erachtens ein Slasher mit anziehender Spannungs- bzw. Angstschraube und wichtig: detaillierten, blutspritzenden Gewaltmomenten. Unterstützt von Shredder, Grabenfräse, Hackebeil wird hier nichts ausgelassen. Sämtliche Arbeitsgerätschaften einer Kleinstadt in Alaska kommen irgendwann mal brachial zum Einsatz. Vampircharakteristika hätte nur Gelegenheit zum Trocknen, des von Regisseur D. Slade angestrebten Angstschweißes auf der Zuschauerstirn, gegeben. Oder gar die Luft rausgenommen? Die Spannung baut sich hauptsächlich dadurch auf, dass die rasch dezimierten Einwohner mehr und mehr von den Verfolgern in die Enge getrieben werden und im Versteck verzweifelt versuchen unentdeckt zu bleiben bzw. teils tragisch, um ihr Überleben (vergeblich) kämpfen müssen. Das ist nervenzehrend und sehr atmosphärisch gemacht. Und im Nachmittagsprogramm (O-Ton eines von der Gewalt/Grusel Enttäuschten) würde ich dieses blut&schockgefrostete Werk wirklich nicht haben wollen.

Optisch ist der Film schlicht, aber sehr stylisch.
Das ganze Setting ist genial....die Atmosphäre...die schneebedeckte Szenerie, wie das Licht eingesetzt wird und die ungewöhnlichen Bilder aus der Vogelflugperspektive... das eingetupfte Rot.
Die Musik ist schräg, wundervoll und geladen, mal huscht sie übers Dach....mal röhren E-Gitarren, während der Schnee sanft fällt.... jedenfalls betont sie sphärisch auf sehr aufregende Art die Bilder, derweil ich versuche in der Sofaritze zu verschwinden.
Das Kunstvolle hier, tröstet mich auch über ein etwas unglaubwürdiges Finale hinweg.

[ Uund...kleiner Spoi*ler...
...dass es am Ende doch noch eine romantische Szene gibt, wo ausgerechnet ein Vampirmännchen mit 'nem blonden Polizistenmädel schmusend und händchenhaltend im Sonnenschein sitzt -...also das schockte mich dann doch. Ich dachte das wäre allein die groteske Idee von Biss-Autorin Stephenie Meyer gewesen, aber nein, nur die Wildblumenwiese fehlte. Und auch hier beißt Edwa- äh Eben das Mädel vor lauter Anständigkeit nicht. Nein.
Da hat Regisseur David Slade abgeschrieben und sich dann noch flugs die Verfilmung von Eclipse unter den Nagel gerissen. ;-) ]

Resümee:
Dass Blut im Schnee mit einem schwarzen Rahmen drumrum gut aussieht, wissen wir spätestens seit dem Märchen der Geb. Grimm. Gut, wir haben hier einen Horrorfilm, der so gut aussieht wie Schneewittchen, ungefähr so aufgebaut ist wie ein Freddy Krüger (oder?), nägelbeißend spannend ist und brutal daher kommt. Gespickt mit gewöhnungsbedürftig seltsamen Vampiren, welchen allerdings leider nur eine bedrohliche Nebenrolle zugestanden wird. Die Schauspieler sind gerade noch Mittelklasse, das reicht noch knapp für einen solchen Film.
Stilvoller Grusel wird durch rohe Gewalt, Verfolgungswahn und Existenzkampf ersetzt. Dafür gibz aber stilvolle Bilder.
Huhhh....also so richtig gut schlafen konnt' ich in der Nacht die den 30 Tagen Night folgte, ehrlich gesagt nicht. :-o)

DVD1: Der Film ist ungekürzt. 112:53 Min. (106:48 Min. o.A.)
Es gibt einen Audiokommentar, bei dem allerdings NICHT David Slade, sondern die beiden Hauptdarsteller und der Produzent Rob Tapert zu Wort kommen.

DVD2:
-Making of
- Interviews
- Deutscher und Englischer Kinotrailer
- B-Roll
- Infos zu Cast & Crew
- Bildergalerie
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 22, 2010 2:07 PM CET


30 Days of Night [2 DVDs]
30 Days of Night [2 DVDs]
DVD ~ Josh Hartnett
Wird angeboten von Online-Versand-Grafenau GmbH
Preis: EUR 9,99

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz..., 4. August 2010
Rezension bezieht sich auf: 30 Days of Night [2 DVDs] (DVD)
...kommt dieser knallbrutale, spannend inszenierte und ästhetisch wunderschön in ungesättigte Farben getauchte, "Schlitzerfilm" daher.
Hä? Schlitzerfilm? Erklärung folgt unten.

Der Ort des Geschehens: Barrow, ein kleines abgeschiedenes Kaff am äußersten Zipfel von Alaska.... Schnee, Dunkelheit, Stürme, Frost. Es ist der Tag, an dem zum letzten Mal ein Sonnenstrahl das kleine Nest erreicht und viele Bewohner verlassen im Zeitraum um die Wintersonnenwende den Ort. Nur 150 Einwohner bleiben, während der andauernden 30 Tage Dunkelheit.
Der Alltag um den Protagonisten, ein Polizist in der Ehekrise, wird kurz skizziert und kleine Begebenheiten machen dem Zuschauer bald deutlich, dass hier in Barrow etwas Böses seinen Anfang nimmt. Es häufen sich in kürzester Zeit Sabotageaktionen, welche klar als Versuche den Ort von der Außenwelt abzuschneiden, erkennbar sind. Eben Oleson, der Polizist, hat sich darum zu kümmern, während seine Frau sowohl ihn, als auch den Ort, verlassen will, aber dummerweise das letzte Flugzeug verpasst, während der 30-tägigen Polarnacht wird keines mehr starten.
Falle zugeschnappt.
Schon am Abend bestellt ein verwahrloster Fremder in einem Restaurant mit Nachdruck "rohes Fleisch". Dann rotten sie sich zusammen, die Herren Vampire, um ENDLICH mal wieder in Ruhe und ungeniert trinken zu können.
----

Ich finde ja eigentlich, dass man bei der Comic-Adaption "30 Days of Night" nicht gerade von einem Vampirfilm sprechen kann. Nur weil welche darin auftauchen, sind sie nicht Genre bestimmend. Das da ist, wenn ich mich als Horrornovizin nicht irre, ein typischer Slasher und die Vampire sind ersetzbar. Man könnte sich beispielsweise statt derer, eine kleine Horde vernarbter Typen vorstellen, die im schwarz-rot-gestreiften Pulli rum rennen und alles was sich bewegt, Mann, Weib, oder Kind, schlitzen anstatt beißen. Guut sie sind vielleicht ETWAS intelligenter als Freddy und Co, aber von distinguierten oder gar nonchalanten Vampiren zu sprechen, wäre vermessen. Auch wenn sie in Frack und Abendkleid auftreten sind sie eher prolliger und wenig zurückhaltender Natur, unmanikürt, mit extrem schlechten Zähnen, und dem Fauchen und Fletschen eines fantasyartig überzeichneten Raubtiers. Allein der Chef hatte ein ansatzweise "grafenhaftes" Auftreten und artikuliert sich. In die Tiefe ging hier aber nix, gaanz, ganz am Rande erfährt man mal kurz was darüber was der Clan der Vampire über Jahrhunderte plante. Hier gibt es weder Charakterzeichnung, noch ein erotisch-barock angehauchtes Szenario zwischen Mensch und Vampir (wie in Coppolas's Dracula ), zeigt auch keine menschlich-tragische Seite des Vampirismus, bzw die zumindest angedeutete, kindliche Unschuld des Vampirkindes (wie in Interview mit einem Vampir ), auch fehlen die typischen, romantisch angehauchten, augenzwinkernden Blicke in die nostalgische 19. JH Gruselwelt (wie in Dracula). Von einem Vampirfilm erwarte ich aber zumindest stilvollen Grusel, keine rohe Gewalt. Vampire umgarnen ihr Opfer, spielen mit ihm, oder machen es sogar an! Und der Tod kommt zwar eiskalt, aber elegant und hinterlässt HÖCHSTENS ein Anstandströpfchen Blut, welches dann entweder dezent am Hals des Opfers, oder malerisch am arroganten Kinn des Nosferatu, klebt. Nein, nicht mal Tischmanieren haben sie hier. Hier haben wir Vampire mit Karies, die aussehen, als hätten sie Spaghetti mit Tomatensoße direkt aus der Schüssel gegessen. Überall Blut! Sie sind getrieben vom Hass auf die Lebenden, aber von der Tragik des unstillbaren Verlangens BLUT zu trinken kam bei mir nichts an. Die dunklen melancholischen Blicke der Damen & Herren Blutsauger wären sehr gut gelungen, auch diese verfremdete Augen und Nasenpartie.... aber sobald einer vor denen den Mund aufmacht - ähhh- etwas befremdlich und grausam. Wenn man die verschiedenen Reviews hier liest....nun, so mach hartgesottener Horror- bzw Splatterfan kommt hier, scheint's, trotz üppiger Hau- Stech- und Beißszenen nicht auf seine Kosten. Vielen bleibt der Film viel zu harmlos, die Vampire gar zu albern. *Schulter zuck* Albern fand ich sie nur ganz manchmal, aber seltsam und ungewöhnlich schon... Atheistisch sind sie, Kreuz und Weihwasser dürfte ihnen schnuppe sein. Und sie sind wirklich böse. Die gruseligsten Momente waren aber für mich stets die, wenn sie nur als huschende Schemen zu erkennen waren. Ansonsten wurde Grusel durch Brachialgewalt etwas übertüncht. Aber klar, das ist dem Genre geschuldet und dies ist nun mal meines Erachtens ein Slasher mit anziehender Spannungs- bzw. Angstschraube und wichtig: detaillierten, blutspritzenden Gewaltmomenten. Unterstützt von Shredder, Grabenfräse, Hackebeil wird hier nichts ausgelassen. Sämtliche Arbeitsgerätschaften einer Kleinstadt in Alaska kommen irgendwann mal brachial zum Einsatz. Vampircharakteristika hätte nur Gelegenheit zum Trocknen, des von Regisseur D. Slade angestrebten Angstschweißes auf der Zuschauerstirn, gegeben. Oder gar die Luft rausgenommen? Die Spannung baut sich hauptsächlich dadurch auf, dass die rasch dezimierten Einwohner mehr und mehr von den Verfolgern in die Enge getrieben werden und im Versteck verzweifelt versuchen unentdeckt zu bleiben bzw. teils tragisch, um ihr Überleben (vergeblich) kämpfen müssen. Das ist nervenzehrend und sehr atmosphärisch gemacht. Und im Nachmittagsprogramm (O-Ton eines von der Gewalt/Grusel Enttäuschten) würde ich dieses blut&schockgefrostete Werk wirklich nicht haben wollen.

Optisch ist der Film schlicht, aber sehr stylisch.
Das ganze Setting ist genial....die Atmosphäre...die schneebedeckte Szenerie, wie das Licht eingesetzt wird und die ungewöhnlichen Bilder aus der Vogelflugperspektive... das eingetupfte Rot.
Die Musik ist schräg, wundervoll und geladen, mal huscht sie übers Dach....mal röhren E-Gitarren, während der Schnee sanft fällt.... jedenfalls betont sie sphärisch auf sehr aufregende Art die Bilder, derweil ich versuche in der Sofaritze zu verschwinden.
Das Kunstvolle hier, tröstet mich auch über ein etwas unglaubwürdiges Finale hinweg.

[ Uund...kleiner Spoi*ler...
...dass es am Ende doch noch eine romantische Szene gibt, wo ausgerechnet ein Vampirmännchen mit 'nem blonden Polizistenmädel schmusend und händchenhaltend im Sonnenschein sitzt -...also das schockte mich dann doch. Ich dachte das wäre allein die groteske Idee von Biss-Autorin Stephenie Meyer gewesen, aber nein, nur die Wildblumenwiese fehlte. Und auch hier beißt Edwa- äh Eben das Mädel vor lauter Anständigkeit nicht. Nein.
Da hat Regisseur David Slade abgeschrieben und sich dann noch flugs die Verfilmung von Eclipse unter den Nagel gerissen. ;-) ]

Resümee:
Dass Blut im Schnee mit einem schwarzen Rahmen drumrum gut aussieht, wissen wir spätestens seit dem Märchen der Geb. Grimm. Gut, wir haben hier einen Horrorfilm, der so gut aussieht wie Schneewittchen, ungefähr so aufgebaut ist wie ein Freddy Krüger (oder?), nägelbeißend spannend ist und brutal daher kommt. Gespickt mit gewöhnungsbedürftig seltsamen Vampiren, welchen allerdings leider nur eine bedrohliche Nebenrolle zugestanden wird. Die Schauspieler sind gerade noch Mittelklasse, das reicht noch knapp für einen solchen Film.
Stilvoller Grusel wird durch rohe Gewalt, Verfolgungswahn und Existenzkampf ersetzt. Dafür gibz aber stilvolle Bilder.
Huhhh....also so richtig gut schlafen konnt' ich in der Nacht die den 30 Tagen Night folgte, ehrlich gesagt nicht. :-o)

DVD1: Der Film hat FSK 18 und ist ungekürzt. 112:53 Min. (106:48 Min. o.A.)
Es gibt einen Audiokommentar, bei dem allerdings NICHT David Slade, sondern die beiden Hauptdarsteller und der Produzent Rob Tapert zu Wort kommen.

DVD2:
-Making of
- Interviews
- Deutscher und Englischer Kinotrailer
- B-Roll
- Infos zu Cast & Crew
- Bildergalerie
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2014 10:51 AM CET


Braun Silk-épil 3 / 3270 Epilierer SoftPerfection Legs & Body
Braun Silk-épil 3 / 3270 Epilierer SoftPerfection Legs & Body
Wird angeboten von CG Hard- und Software GmbH ( alle Preise inkl. MwSt, AGB unter Verkäufer-Hilfe)
Preis: EUR 56,32

4.0 von 5 Sternen GUT, wie Stiftung Warentest auch meint - aber nicht seht gut., 5. Juli 2010
Kundenmeinung aus dem Amazon Vine - Club der Produkttester-Programm (Was ist das?)
Zum EPILIERER:
Nun, mit diesem neue Modell wurde das Epiliergerät nicht gerade neu erfunden. Mein altes (ebenfalls von Braun) ist weit über 10 Jahre alt und tat immer seinen Dienst: Nämlich mit 20 rollenden Pinzetten die störenden Härchen (weitestgehend) MITSAMT der Wurzel auszuzupfen.

Und da liegt es : Viele Firmen werben extra damit, Ihre Epilierer täten nicht so weh und das wird klar als ein Vorteil angesehen. NUR... leider sind die Softies unter den Epilierern aber auch die, welche die Haare leider des öfteren lediglich knapp über der Haut abreißen, anstatt sie mitsamt der Wurzel auszuzupfen! Und NUR bei entwurzelten Haaren hat frau wirklich glatte Beine & wochenlang Ruhe. Wobei das mit wochenlang und gar 6 Wochen eh ein Gerücht ist. Das gilt für die wenigen Weibchen, die (*hehe* ebenfalls auf dem Kopf) blondes & dünnes Haar haben.

Nun, der neue hier in babyrosa ist nicht schlecht. Gut, wie Stiftung Warentest auch meint. Aber nicht sehr gut.
Denn auch dieser hier reißt leider einige Haare NUR AB anstatt AUS. Die "SOFT LIP TIPS" mögen ihn EINE SPUR besser machen, als meinen alten. Und klar besser als die andere Fabrikate, welche ich testete. Überzeugt bin ich dennoch nicht. Deshalb wird sich mein Prozedere nicht ändern: Ich werde weiterhin ca alle 4 Wochen epilieren, und trotzdem auch zwischendurch einen Nassrasierer verwenden. Zwei Minuten und fertig. Der wirkt übrigens auch hervorragend als Peeling, das hilft damit die nachwachsenden feinen Härchen nicht in die obere Hautschicht einwachsen können, und so glatt und gründlich wie eine gute Gilette-Klinge schafft es nun mal kein Epilierer der Welt. Zumindest keiner, den ich bisher getestet habe.
Die ganz feinen und kurzen Härchen nimmt der nämlich nicht. ;-p

Die Massageröllchen mit den pinkenen Noppen:
Sie streichen recht fest über meine Haut und sollen durch ihnen angenehmen Massageeffekt das Ziepen ausblenden. Allein, das Ziepen ist eh nicht schlimm, es ist eher ein Kribbeln, mag aber auch daran liegen, dass ich schon seit ewigen Zeiten regelmäßig epiliere. Und mich stört dieser Rollen-Überbau. Ich hab ihn kurzerhand abgemacht und das Epilieren geht dadurch tatsächlich etwas ziepender, dafür aber schneller und effektiver voran.
Sie können leicht abgemacht werden. ICH werde darauf verzichten.
Habt keine Angst vor Schmerzen, zumindest gewöhnt sich die Haut bald daran.

Grundsätzliche N A C H T E I L E des Epilierens:
- Zeitaufwand... Das dauert einfach..... gähn.
- rote Pünktchen und leichte Schwellungen (ca 1-2 Tage lang sichtbar! Ist aber ein guter Beweis für wirklich ausgerissen Haare!)
- SSSRRRR .... das Ding ist laut. Ich möchte nicht wissen, was sich die Nachbarn denken, wenn ich ihn auf dem Balkon zum Einsatz bringe. :-D
- einzelne Härchen bleiben stehen, bzw. noch schlimmer, werden nur abgerissen statt ausgezupft.

Grundsätzliche V O R T E I L E des Epilierens:
+ Ausgerissene Haare sind erst mal GANZ WEG!
+ Die Nachwachsenden sind weicher und kommen sporadischer.

Zum RASIERAUFSATZ:
Das Teil hier hat auch einen Trocken-Rasieraufsatz:
TRIMMER: Hm. Falls es mal Wildwuchs gibt, bestimmt hilfreich. Hiermit kann man längere Haare auf die optimale Epilierlänge trimmen. Längere Haare soll man nämlich lieber nicht epilieren, da es 1. schwerer geht und 2. viel mehr schmerzt. Hab ich noch nicht getestet, wird irgendwann nachgeholt.
TROCKENRASIERER: Huah... Trockenrasieren mag ich nicht. Punkt. *Gänsehaut hab*

Bikinizone? Autsch! Lieber nicht....Da ist mir ab und an Heißwachs mit einigen kurzen *ratsch* lieber, oder der gute alte Nassrasierer, der am gründlichsten, und auch überall wo man will, arbeitet.

Vielleicht lass ich den Neuen irgendwann mal an meine Achseln..... Aber dann würde ich erst mal gern hören, wie die männlichen Vine Tester damit bei ihren Brusthaaren vorankamen. ;-)

Fazit:
Gutes Teil. Liegt gut in der Hand. Langes Kabel. Zupft recht ordentlich. Kombiniert mit Nassrasur ist der Silk - épil 3 für mich optimal.
Den perfekten Epilierer gibt es leider wohl noch nicht.
Leider gibt es keine Schutz- bzw. Aufbewahrungshülle für das Gerät und das Zubehör!


La merditude des choses [FR Import]
La merditude des choses [FR Import]
DVD ~ Johan.de Graeve Koen Heldenbergh

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Drama - gekleidet in die ausgeleierte und vollgeko*zte Jogginghose einer schrecklich netten Familie, 28. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: La merditude des choses [FR Import] (DVD)
Dieser belgische Film <<Die Beschi*senheit der Dinge>> von Regisseur Felix van Groeningen, entstand nach dem gleichnamigem autobiografischen Roman von Dimitri Verhulst .
Im flämischen (niederländischsprachigen) Original heißen Film und Buch "De Helaasheid der Dingen" "Helaasheid" kann man vielleicht mit "Leiderkeit" wörtlich übersetzten, "Beschi*senheit" trifft es aber recht gut. Beschi*sen sind die Umstände, unter denen der 13-jährige Gunther Strobbe in den 80ern aufwachsen muss, fraglos. In einer miefigen Kleinstadt in Flandern, zusammen mit einem wüsten Vater und dreien, nicht minder wüsten, Onkels. Sie sind allesamt feist, faul, ungewaschen, langhaarig und gescheitert. Ihr einziger Lebensinhalt: Sich möglichst schnell und konsequent zu Tode zu saufen. Und dabei Spaß zu haben - Nacktfahrradrennen, Weltrekordversuch im Dauerbiertrinken, Tour de France-Saufen, Darts-Spielen mit Billard-Queues usw.
Die Handkamera unterstützt das direkte & distanzlose Erzählen und der Film ist wirklich sehr beweglich, er springt unlinear, mal schwarz-weiß, mal farbig, von der Gegenwart in die Vergangenheit und in die Zukunft, dabei schafft er den Riesenspagat, sowohl urkomisch, gleichzeitig aber auch wirklich extrem deprimierend zu sein. Das ist ganz klar ein Drama, was die Beschi*senheit der Dinge betrifft, aber doch ist es auch irgendwie eine Komödie, obendrein eine Sozialstudie. (Und wenn ich oben die "schrecklich nette Familie" erwähnte, bitte nicht täuschen lasen, die Bundys wirken neben den Strobbes wie gebildete Wohlstandsbürger, aber sehr gestellt wirkende.;-) Hier haben wir vier aus dem Leben gegriffene, unmanirierte Hardcore-Alkoholiker: Der Vater Celle und seine drei Brüder Petrol, Beefcake und Koen. Ihre Nichtsnutzigkeit sucht wahrlich ihresgleichen. Rülpsend suhlen sie sich wohlig im täglichen Suff, in diversen Trinkspielchen und männliche Rivalitäten münden oft in deftigem Händel. Allgegenwärtig ist der Geldmangel, die Perspektivlosigkeit, der Dreck, die Gewalt... und mitten drin ein Kind, oder angehender Jugendlicher, der 13-jährige Gunther Strobbe, dessen einziger Halt seine alte Großmutter zu sein scheint, bei der man sich fragt, wie solch eine zarte, kleine Person, wie eine zierliche Festung, dieser brutalen, entfesselten Männerwirtschaft nicht nur standhalten, sondern sie gewissermaßen sogar zusammenhalten kann. Sie, liebenswürdig, bebrillt und grau schafft es, die einzige mütterliche und versorgende Figur in Gunthers Leben zu sein. Alle anderen Frauen sind selbstverständlich längst weit, weit weg geflohen, auch Gunthers Mutter.
Dass Gunther in der Schule Probleme hat, ist klar, leider bekommt er von dort höchstens halbherzige Lösungsangebote. Dass aber die unpädagogisch motivierten und sinnlosen Strafarbeitsaufsätze, die Gunther fast täglich verpasst bekommt, letztlich unerwartet fruchten und zu geliebten Vorübungen für einen angehenden Schriftsteller mutieren, nennt man, glaube ich, Ironie des Schicksals.
Der Film zeigt wirklich Szenen, wo man zu hassen beginnt, angesichts der erbärmlichen Bedingungen, unter denen ein Junge groß werden muss, gleichzeitig, und das ist erstaunlich lässt der Film uns in der nächsten Szene wieder das Herz aufgehen, wärmt und man mag die Strobbes mit ihrer schrägen Geselligkeit einfach irgendwie trotzdem. Man versteht, dass doch auch Liebe und eine gewisse Art von Stolz und Anstand den Strobbes innewohnt. Man versteht ihre Hilflosigkeit. Das mag ich. Mir ist diese Familie sogar auf irgendeine Weise wesentlich sympathischer, als die Bundys. Sagt das jetzt was über mich aus? ;-)) .... Jedenfalls... hier wird nicht einfach verurteilt oder hin gezeigt, "Guckt mal: Pfui!!!" (Obwohl "Pfui" es schon irgendwie trifft. ;-)) sondern der Blick auf die Strobbes ist offen. Klar, die stehen ganz weit unten, subproletarischer geht es wohl nicht. Zimperlich darf man hier als Zuschauer nicht sein. Es werden SÄMTLICHE Körperflüssigkeiten, die im Menschen vorkommen, für den Zuschauer anschaulich vergossen. Das bunte Schimpfwortsortiment erstreckt sich breitest und schonungslos, mit Zuhilfenahme aller fäk*len und se*uellen Details, und ich habe wirklich, weder im Film, geschweige denn in Echt ;-), soviel Alkohol fließen, und auf diverseste Arten wieder abfließen sehen. Das alles ist aber irgendwie auch sehr lustvoll inszeniert. :-D
Bukowski würde blass vor Neid.
Das textliche Niveau der vorgestellten belgischen Trinklieder und die Eindrücke der Speisefolge machten mich grinsen & staunen. Wenn der Humor dann mal wieder in den tiefsten Keller abrutschte, hielt ich mir unwillkürlich die Hand vor den Mund, da mir der Lacher gleich ganz fürchterlich fies in der Kehle festzustecken drohte- *hust * Während der Film sich dann gewissermaßen weiter ausko*zt, fing ich mich dann bald wieder, durch das unwillkürlich in mir erneut aufkeimende Entsetzen.

Die Quintessenz dieser Entwicklungsgeschichte ist die Frage, ob man als Erwachsener den "Staffelstab des Lebens" vom Vater unwillkürlich annehmen muss? Darf man selbst Vater werden?? Jedenfalls ist nach einer solchen Kindheit das Leben in vielerlei Hinsicht vorgezeichnet.
Die Schauspieler leisten allesamt Überzeugungsarbeit. Gunther kann als Kind (Kenneth Vanbaeden) das Schweigen über die Demütigungen glaubhaft machen, um dann später als Erwachsener (Valentijn Dhaenens), in den Furchen seines Gesichts, die Spuren dieser hart gewordenen Verletzungen zu zeigen.

Was ist das jetzt? Zotig oder feinsinnig? Beides!
Knallhart, lebensecht und doch grotesk. Tieftraurig, dann unerwartet heiter, bis hin zu schenkelklopfend komisch. Sehr unappetitlich, aber doch beunruhigend rührend und seltsam poetisch.
Kultige 80er Ausstattung mitsamt Vokuhilas und weißen Socken in ausgelatschten Slippern gibt's obendrauf.

Die vielen Ster*chen müssen sein. Amazon lässt die Rez sonst nicht durch. ;-)
Dies ist eine bewusst verfasste Vorab-Rezi. Infos zur DVD werden ZU GEGEBENER ZEIT nachgereicht.


Die Beschissenheit der Dinge / The Shittiness of Things [Holland Import]
Die Beschissenheit der Dinge / The Shittiness of Things [Holland Import]
DVD ~ Bert Haelvoet
Wird angeboten von DaaVeeDee-DEU
Preis: EUR 39,99

19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Drama - gekleidet in die ausgeleierte und vollgeko*zte Jogginghose einer schrecklich netten Familie, 19. Juni 2010
Dieser belgische Film "Die Beschi*senheit der Dinge" von Regisseur Felix van Groeningen, entstand 2009 nach dem gleichnamigem autobiografischen Roman von Dimitri Verhulst .
Im flämischen (niederländischsprachigen) Original heißen Film und Buch "De Helaasheid der Dingen" "Helaasheid" kann man vielleicht mit "Leiderkeit" wörtlich übersetzten, "Beschi*senheit" trifft es aber recht gut. Beschi*sen sind die Umstände, unter denen der 13-jährige Gunther Strobbe in den 80ern aufwachsen muss, fraglos. In einer miefigen Kleinstadt in Flandern, zusammen mit einem wüsten Vater und dreien, nicht minder wüsten, Onkels. Sie sind allesamt feist, faul, ungewaschen, langhaarig und gescheitert. Ihr einziger Lebensinhalt: Sich möglichst schnell und konsequent zu Tode zu saufen. Und dabei Spaß zu haben -Nacktfahrradrennen, Weltrekordversuch im Dauerbiertrinken, Tour de France-Saufen, Darts-Spielen mit Billard-Queues usw.
Die Handkamera unterstützt das direkte & distanzlose Erzählen und der Film ist wirklich sehr beweglich, er springt unlinear, mal schwarz-weiß, mal farbig, von der Gegenwart in die Vergangenheit und in die Zukunft, dabei schafft er den Riesenspagat, sowohl urkomisch, gleichzeitig aber auch wirklich extrem deprimierend zu sein. Das ist ganz klar ein Drama, was die Beschi*senheit der Dinge betrifft, aber doch ist es auch irgendwie eine Komödie, obendrein eine Sozialstudie. (Und wenn ich oben die "schrecklich nette Familie" erwähnte, bitte nicht täuschen lasen, die Bundys wirken neben den Strobbes wie gebildete Wohlstandsbürger, aber sehr gestellt wirkende.;-) Hier haben wir vier aus dem Leben gegriffene, unmanirierte Hardcore-Alkoholiker: Der Vater Celle und seine drei Brüder Petrol, Beefcake und Koen. Ihre Nichtsnutzigkeit sucht wahrlich ihresgleichen. Rülpsend suhlen sie sich wohlig im täglichen Suff, in diversen Trinkspielchen und männliche Rivalitäten münden oft in deftigem Händel. Allgegenwärtig ist der Geldmangel, die Perspektivlosigkeit, der Dreck, die Gewalt... und mitten drin ein Kind, oder angehender Jugendlicher, der 13-jährige Gunther Strobbe, dessen einziger Halt seine alte Großmutter zu sein scheint, bei der man sich fragt, wie solch eine zarte, kleine Person, wie eine zierliche Festung, dieser brutalen, entfesselten Männerwirtschaft nicht nur standhalten, sondern sie gewissermaßen sogar zusammenhalten kann. Sie, liebenswürdig, bebrillt und grau schafft es, die einzige mütterliche und versorgende Figur in Gunthers Leben zu sein. Alle anderen Frauen sind selbstverständlich längst weit, weit weg geflohen, auch Gunthers Mutter.
Dass Gunther in der Schule Probleme hat, ist klar, leider bekommt er von dort höchstens halbherzige Lösungsangebote. Dass aber die unpädagogisch motivierten und sinnlosen Strafarbeitsaufsätze, die Gunther fast täglich verpasst bekommt, letztlich unerwartet fruchten und zu geliebten Vorübungen für einen angehenden Schriftsteller mutieren, nennt man, glaube ich, Ironie des Schicksals.
Der Film zeigt wirklich Szenen, wo man zu hassen beginnt, angesichts der erbärmlichen Bedingungen, unter denen ein Junge groß werden muss, gleichzeitig, und das ist erstaunlich, lässt der Film uns in der nächsten Szene wieder das Herz aufgehen, wärmt und man mag die Strobbes mit ihrer schrägen Geselligkeit einfach irgendwie trotzdem. Man versteht, dass doch auch Liebe und eine gewisse Art von Stolz und Anstand den Strobbes innewohnt. Man versteht ihre Hilflosigkeit. Das mag ich. Mir ist diese Familie sogar auf irgendeine Weise wesentlich sympathischer, als die Bundys. Sagt das jetzt was über mich aus? ;-)) .... Jedenfalls... hier wird nicht einfach verurteilt oder hin gezeigt, "Guckt mal: Pfui!!!" (Obwohl "Pfui" es schon irgendwie trifft. ;-)) sondern der Blick auf die Strobbes ist offen. Klar, die stehen ganz weit unten, subproletarischer geht es wohl nicht. Zimperlich darf man hier als Zuschauer nicht sein. Es werden SÄMTLICHE Körperflüssigkeiten, die im Menschen vorkommen, für den Zuschauer anschaulich vergossen. Das bunte Schimpfwortsortiment erstreckt sich breitest und schonungslos, mit Zuhilfenahme aller fäk*len und se*uellen Details, und ich habe wirklich, weder im Film, geschweige denn in Echt ;-), soviel Alkohol fließen, und auf diverseste Arten wieder abfließen, sehen. Das alles ist aber irgendwie auch sehr lustvoll inszeniert. :-D
Bukowski würde blass vor Neid.
Das textliche Niveau der vorgestellten belgischen Trinklieder und die Eindrücke der Speisefolge, machten mich grinsen & staunen. Wenn der Humor dann mal wieder in den tiefsten Keller abrutschte, hielt ich mir unwillkürlich die Hand vor den Mund, da mir der Lacher gleich ganz fürchterlich fies in der Kehle festzustecken drohte- *hust * Während der Film sich dann gewissermaßen weiter ausko*zt, fing ich mich dann bald wieder, durch das unwillkürlich in mir erneut aufkeimende Entsetzen.

Die Quintessenz dieser Entwicklungsgeschichte ist die Frage, ob man als Erwachsener den "Staffelstab des Lebens" vom Vater unwillkürlich annehmen muss? Darf man selbst Vater werden?? Jedenfalls ist nach einer solchen Kindheit das Leben in vielerlei Hinsicht vorgezeichnet.
Die Schauspieler leisten allesamt Überzeugungsarbeit. Gunther kann als Kind (Kenneth Vanbaeden) das Schweigen über die Demütigungen glaubhaft machen, um dann später als Erwachsener (Valentijn Dhaenens), in den Furchen seines Gesichts, die Spuren dieser hart gewordenen Verletzungen zu zeigen.

Was ist das jetzt? Zotig oder feinsinnig? Beides!
Knallhart, lebensecht und doch grotesk. Tieftraurig, dann unerwartet heiter, bis hin zu schenkelklopfend komisch. Sehr unappetitlich, aber doch beunruhigend rührend und seltsam poetisch.
Kultige 80er Ausstattung mitsamt Vokuhilas und weißen Socken in ausgelatschten Slippern gibt's obendrauf.

Dies ist eine bewusst verfasste Vorab-Rezi. Infos zur DVD werden ZU GEGEBENER ZEIT nachgereicht.
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METRODOME ENTERTAINMENT Seraphine [DVD]
METRODOME ENTERTAINMENT Seraphine [DVD]
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 14,31

69 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Putzen und Malen, 15. Mai 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: METRODOME ENTERTAINMENT Seraphine [DVD] (DVD)
Séraphine Louis, auch Séraphine de Senlis genannt, geboren 1864, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der naiven Kunst in Frankreich.

"Seraphine" ist kein Film, der in seinen immerhin 131 Minuten, eine verwickelte oder große Geschichte erzählt, hier gibt es keine plötzlichen Wendungen oder atemlos machende Schicksalsschläge. Selbst wenn der I. WK den ruhigen Fluss des Erzählens kurz durchbricht, sieht man vom Krieg nur das, was Séraphine im Vorbeigehen und aus dem Augenwinkel heraus, davon wahrnimmt.
Er zeigt eine Abfolge von eigentlich eher alltäglichen und unspektakulären Momenten des Lebens der autodidaktischen Malerin Séraphine Louis, und ihre schicksalhaften Begegnungen mit dem Kunstmäzen Wilhelm Uhde.
Es sind die vielen Kleinigkeiten, die den Film und seine Geschichte kraftvoll und interessant werden lassen. Die guten Darsteller und die schönen Bilder tun das übrige.

Zur Handlung:
1914, das verschlafene Nest Senlis in Frankreich. Mit sehr wachen Augen und im Kontrast dazu, extrem schwerfälligem, aber dennoch kraftvollem Schlurfe-Gang, macht sich eine Frau mittleren Alters täglich auf den Weg, um ihre paar Sous als Zugehefrau, Wäscherin oder Metzgergehilfin zu verdienen. Aber anstatt sich davon Essen, oder Kohlen für den Winter zu kaufen, oder endlich mal ihre Miete zu bezahlen, investiert Séraphine ihr Geld im Dorfladen hauptsächlich in weißen Firnis. Sie braucht ihn für ihre selbstgemixten Farben, denn eigentlich lebt sie, um zu malen. In aller Heimlichkeit. In der Natur lässt sie sich inspirieren und trösten. Hier kann die einsame Frau aufatmen, die von anderen eher verspottetet und ausgeschlossen lebt. Tags sucht und klaut sie sich heimlich so Sachen wie Tierblut, Kerzenöl oder Teeblätter zusammen, um nachts in ihrer schlichten Kammer daraus ihre Farben anzurühren. Sie mischt sie mit Pigmenten aus Wurzeln, Beeren und Dreck und singt dazu laut lateinische Kirchenlieder. Dann beginnt sie zu malen..... Séraphine nimmt ihre Welt absolut über die Sinne wahr und so malt sie auch: Sinnlich, selbstvergessen und absolut selbstverständlich. Mal mit dem Pinsel, oft mit den Fingern. In diesem Moment steht sie über ihrem elenden Leben. Ihre wahre Inspiration ist ihr Schutzengel, oder war es die Mutter Gottes? Jedenfalls wird ihr "befohlen" zu malen.... und ihr Wahlspruch lautet: "Wer der Berufung folgt, wird Gott im Topf finden." Und es stimmt auch, sie muss sich eigentlich wenig um ihr leibliches Wohl kümmern. Oft findet sie sich morgens auf dem Fußboden liegend wieder, vor ihrem fertigen Bild erwachend.

Der "Boche" Wilhelm Uhde, ein deutscher Kunstsammler, zieht für eine gewisse Zeit hierher nach Senlis, um in Ruhe zu schreiben. Durch Zufall entdeckt Uhde bei benachbarten Kunstliebhabern ein Gemälde, welches die anderen wegen seiner primtiven Machart belächeln, ihm aber sofort ins Auge sticht, mehr noch, es bezaubert ihn. Als er erfährt, dass das Bild von seiner verschroben-ruppigen Zugehefrau Séraphine stammt, ist er verblüfft und lässt die zurückgezogen und in Armut lebende Frau fortan nicht mehr in Ruhe putzen. Sie hat mit ihren Bildern seinen untrüglichen Kunstinstinkt geweckt, welcher ihn schon Picasso und Rousseau entdecken ließen, bevor diese berühmt wurden und er treibt die verschlossene und misstrauische Frau an, an sich zu glauben, stetig zu malen und sich weiter zu verbessern. Als die Weltkriegsfront mit den Deutschen sich dem Ort nähert muss Uhde ihn verlassen und Séraphine wieder ihrem Schicksal überlassen.
....

Ein leicht bitterer Unterton wohnt dem Film inne, der genauso schleppend beginnt, wie der eigentümliche, schlurfende Gang, den Yolande Moreau ihrer Séraphine verpasst hat. Er bleibt auch weiterhin still, poetisch und unpathetisch. Der Zuschauer wird sich aber mehr und mehr an das etwas träge Erzähltempo gewöhnen, denn die Bilder sind auf das Tempo Séraphines angepasst und das wirkte auf mich im Verlauf mehr und mehr stimmig und ließ ihn mir trotzdem niemals lang, oder gar langweilig erscheinen.
Yolande Moreau sah ich zuletzt im genialen Louise Hires a Contract Killer. Nun zeigt sie abermals, dass sie sehr eindrücklich und zart in ihrer Wuchtigkeit spielen kann. Und der Hammer: Sie gleicht der Künstlerin, die sie hier verkörpert, fast aufs Haar!
Ulrich Tukur (Das weiße Band ) als Wilhelm Uhde spricht wohl akzentfrei französisch und gibt den sensiblen, introvertierten & ernsten Gegenpart sehr überzeugend. Er ist ihr Entdecker, wird ihr Mentor, Freund und Händler.

Der Film scheut sich erfreulicherweise, irgendetwas an seinen Figuren zu erklären und setzt auch sonst bei der Inszenierung auf wenig Effekte. Auch die Homosexualität Wilhelm Uhdes wird, glaub ich, höchstens einmal zart angedeutet, erst recht nie ausgesprochen. Das weiß ich zwar wirklich sehr zu schätzen, es führt aber leider auch dazu, dass das komplizierte psychologische Seelenleben Séraphines ebenfalls nur vage angedeutet bleibt, was ich, gerade gegen Ende des Filmes, etwas schade finde. Manche Einstellungen kommen einem bisweilen bei soviel Zurückhaltung etwas lang vor, wirken jedoch dadurch gleichzeitig extrem ungekünstelt!
Die Filmmusik ist wunderschön bleibt aber sehr zurückgenommen, oft ist der Film einfach still und vertraut ganz den Bildern.
Die ziemlich statische Kamera bleibt ebenfalls stets distanziert und agiert als eine Art stiller Beobachter. Einzig wenn sie die Künstlerin bei der Arbeit zeigt, geht sie ins Detail und wird intim: Die Beleuchtung taucht Séraphine dann in ein warmes Licht und erlaubt auch dem Zuschauer durch Nahaufnahmen ihr nahe zu sein. Die Kamerabilder sind mit ihren ansonsten ganz kühlen Farben ein Genuss. Ich würde sie authentisch nennen, nicht nur was sie an zeittypischen Details von Mode und Mobiliar einfangen, sondern auch in deren Darstellung in ihrer Alltäglichkeit, mit ihren Gebrauchsspuren und in ihrer Schlichtheit. Die Kargheit eines Schlafzimmers, in diesem kleinen französischen Ort, mit den gelblichen Laken.... viele kleine Dinge werden im jeweiligen Ausschnitt festgehalten. Kleine Augenblicke z.B. wenn die Vermieter Séraphines, beim dürftigen Abendessen im dunklen schmucklosen Raum, dem unwirklich erscheinenden Gesang der musegeküssten Obermieterin lauschen. Auch wenn bisweilen wenig gesprochen wird, wird dennoch viel erzählt.
Der Blick der Kamera fängt auch immer wieder für den Zuschauer kleine unscheinbare Details aus der Natur ein, welche die Künstlerin für ihre ausschließlich floralen Motive inspirieren, oder in ihr den Wunsch nach einer neuen Farbnuance wecken.

Fazit: Einfach & wunderschön!
Einfach wunderschön, sind übrigens auch wirklich die Gemälde von Séraphine Louis.

Regie - Martin Provost
Frankreich 2009
Seraphine - Yolande Moreau
Wilhelm Uhde - Ulrich Tukur
Anne-Marie Uhde - Anne Bennent

Deutsche Fassung :Séraphine
Nun halte ich die deutsche DVD in Händen.
Hmpf.
Ich hab mich auf das "Behind the Szenes" gefreut. Nun, es bietet einen Blick hinter die Kulissen, ist nett anzusehen bietet aber NULL Infos, nur (schöne) Bilder mit (schöner) musikalischer Untermalung und ansonsten Schweigen. DAUERT GERADE MAL 8 MINUTEN. Das ist die einzige Ausstattung, außer dem deutschen und französischem Trailer. Ansonsten gib es lediglich eine Trailershow mit x-beliebigen Filmen. Pf! Das ist echt zu mager für den gesalzenen Preis!
Enttäuschend ist aber vor allem die Menüführung: Man kann nur durch Vorabwahl zwischen den Sprachen (deutsch und französisch) wählen. Während des Filmes kann man NICHT die Sprachen switchen!! Und schlimm: Entscheidet man sich für französisch, bekommt man deutsche ZWANGSUNTERTITELUNG. Ansonsten gibt es keine Untertitelauswahl. Das ist ärgerlich und traurig.
Aber der Film ist soo traumhaft, da ist es mir fast schon wieder egal. :-D


Das Kabinett des Doktor Parnassus (2 DVDs)
Das Kabinett des Doktor Parnassus (2 DVDs)
DVD ~ Heath Ledger
Wird angeboten von Filmwelt
Preis: EUR 10,95

42 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Pakt mit dem Teufel, 1. Mai 2010
Hmm - dieser Film gehört wohl am ehesten noch dem Fantasy Genre an. Aber typisch Fantasy ist der Film nicht wirklich. Er ist im heutigen realen London angesiedelt und verkörpert mit den fahrenden Gauklern trotzdem auch einen Hauch von Mittelalter, aber auch Märchenhaftes lässt sich hier finden, sowie die immer wieder eingesprenkelten gehörigen Spritzer Skurrilität in den bizarren Bildern, vor allem HINTER dem Spiegel, welche bei einem Terry Gilliam (Monty Python), als Regisseur, natürlich nicht fehlen dürfen. (Dieser magische Spiegel des Dr. Parnassus ist übrigens die Schnittstelle zwischen der Realität und einer fiktiven Welt. ) Aber hier wird.... wie soll ich's nennen... eher altmodische PHANTASIE gezeigt, keine reine Pixel-Fantasy.

VIEL ZUM INHALT, ABER FAST OHNE SPOILER:
Der über 1000 Jahre alte Dr. Parnassus, in ergrauter Würde von Christopher Plummer verkörpert, zieht mit seinem mittelalterlich anmutenden, klapprigen Varieté-Wagen und seiner süßen 15-jährigen Tochter Valentina, durch das heutige England. Als Gehilfen haben sie den echten Zwerg namens Percy, sowie den, etwas tollpatschigen und schwer in Valentina verliebten, hübschen Anton dabei. Viel Geld verdienen die vier nicht, die Leute haben keine Lust auf verstaubte, in merkwürdige Kostüme gekleidete Gaukler, deren abgeblättertem Charme, die konsumkranken Städter nichts abgewinnen können. Ihre Hauptattraktion ist ein geheimnisvoller Spiegel, wenn man ihn durchschreitet, kann man eine andere Welt betreten.
Da naht der kecke und fiese Mr. Nick, der kein geringerer als der Teufel selbst ist. Der großartige Tom Waits spielt ihn mit Genuss, das kann man sehen! Jedenfalls schloss Dr.P ehemals einen Pakt mit ihm, wie damals schon Dr. Faust mit Mephisto. Für seine Unsterblichkeit versprach Dr. P. dem Teufel Mr. Nick im Gegenzug aber nicht etwa seine Seele, sondern fatalerweise jedes seiner Kinder sobald es 16 Jahre alt wäre. Er dachte wohl er würde nie eines zeugen... Tja, falsch gedacht. Die Last erschlägt ihn fast. Sein einziges Kind, die nichts ahnende 15-jährige Valentina, wird ja bald Geburtstag haben. Doch der spielsüchtige Mr. Nick lässt sich doch noch mal auf einen neuen Deal ein: Wer zuerst 5 Seelen gewinnt, dem wird die Tochter gehören.
TOP die Wette gilt!

DER SPIEGEL UND MEINE EINSCHÄTZUNG: Das Besondere was Dr Parnassus und seine rollende Wanderbühne zu bieten hat, ist dieser Zauberspiegel, durch den man fantastische Welten betreten kann. Und zwar sieht diese Welt immer so aus, wie sie der Durchschreitende selbst in seinem Kopf hat. Man kann also in seine eigene Gedankenwelt eintauchen. Ein IMAGINARIUM. Wenn also die shoppingsüchtige Hausfrau durch den Spiegel tritt, kann sie dahinter Schuhe kaufen ohne Ende und herrlich ihrem Hedonismus frönen, wird aber bald auch irgendwann an ihre ganz persönliche Grenze geführt, wo sie sich entscheiden muss. Im Zweifel halt für den Teufel.
Es wird hier auch so manch lange Leiter des Wahnwitzes erklommen, die uns sofort an Monty Python erinnert und, ja.... entweder man kann hier auf Wolken gehen, oder man fällt unter Umständen tief.
HIER fangen die beiden, Mr. Nick und Dr. P., ihre Seelen und versuchen sich gegenseitig zu überbieten.
Da baumelt plötzlich ein geheimnisvoller Fremder unter einer Londoner Brücke. Tony (Heath Ledger in seiner letzten Rolle). Er hat sein Gedächtnis verloren und bleibt einfachheitshalber bei der Künstler-Truppe. Wenn er, charismatisch und charmant in seinem weißen Anzug, auf die Bühne steigt, stehen plötzlich die Leute Schlange! Nicht nur die goldige Valentina verliebt sich blitzartig in ihn, er bringt vor allem das Geschäft zum Florieren.
Die Russenmafia taucht auch noch auf. Uuund korrupte Politiker. ...
Ja. Genau. Hier zerfasert sich die Erzählung leider etwas, und wie öfters bei Gilliam entgleiten ihm die Erzählfäden bisweilen und die überladene Geschichte schwebt immer wieder etwas lose im Raum. Manchmal verliert sie sich gar im abstrusen Labyrinth der Ideen. Und, ha! es rumpelt und holpert schon ziemlich, wenn sie am Ende wieder am Boden aufkommt. ;-) Rührend ist es trotzdem. Bei so lustvoll und fähig spielenden Schauspielern, bezaubernden Bildern, satirischen Seitenhieben und bizarren Einfällen hinter dem Spiegel (z.B. ein obersexy Bullen-Ballett oder anderem Hokuspokus), ist mir das ziemlich egal. Lieber eine paar unterhaltsame und sanft scheppernde Bauchlandungen im Film, als perfektes Kino ohne echte Seele (Beispiele gefällig?). Und Seelen fängt das Kabinett des Dr. Parnassus nicht nur, es HAT Seele!

DEN PLÖTZLICHEN VERLUST VON LEDGER hat Gilliams wirklich gut kompensiert. Zum Glück waren die Realszenen schon fast komplett abgedreht, so konnte er drei Freunde Ledgers gewinnen, die ohne Gage hinter dem Spiegel spielten: Colin Farrell, Jude Law und Johnny Depp. Die drei ersetzten Tony bzw. Ledger in der Traumwelt: Bewusst theatralisch verfremdet und doch in stimmiger Angleichung an Ledgers Mimik und Gestik. Cool gemacht und sogar eher ein Gewinn für den Film, als eine Katastrophe, die sein Tod für den Film ja erst zu sein schien. Wer hätte das gedacht? Dass die Umbesetzung nicht nur klappt, sondern SO gut aufgeht? (Wäre ich eine Zynikerin, würde ich gar behaupten Heath Ledgers Tod war ein Glück für den Film. *wegduck* Mich würde trotzdem interessieren, ob Gilliam nicht auch über Joseph Gordon-Levitt nachgedacht hat? Der ist nicht nur ein recht guter Darsteller, vor allem gleicht er Ledger auf unfassbare Weise.)

ZUSAMMENFASSEND:
Irre, romantisch, surreal, verzweifelt, wahnwitzig, charmant, haarsträubend, bunt, schräg, bezaubernd, merkwürdig, gemein, rührend, nostalgisch, komisch......etwas verzettelt und leider nicht richtig spannend.
Terry Gilliam ist selbst eine Art "Dr Parnassus". Einer, der versucht im Kino zu zaubern, aber es gelingt ihm nicht ohne Einbußen in der Gesamtwirkung. Mir ist ein gewisses Versagen aber lieber, als eine abgegriffene, zu glatte oder eine womöglich unfreiwillig komische Gut /Böse Geschichte. Und hier ist nichts abgegriffen, schwarz/weiß oder glatt.
Und der Schein trügt hier sowieso.
Und höchstens UNFREIWILLIG VERZETTELT, dafür aber FREIWILLIG KOMISCH.
Das ist ein kleiner, aber feiner, Unterschied.
Gilliams Kabinettfilm ist nicht immer einfach zu verstehen, oder überhaupt ganz zu verstehen und geschmacklich sicherlich nicht für jedermanns Gaumen geeignet.
FÜNF Sterne ist mir dieser charmant-verrückte Spaß jedenfalls trotzdem alle mal wert!

Dr Parnassus - Christopher Plummer (Penner oder Messias? ;-))
Tochter Valentina - Lily Cole (hübsches Naivchen)
Zwerg Percy - Verne Troyer ( gerissener Assistent)
Der sweete Anton - Andrew Garfield (verliebter Tollpatsch)
Mr. Nick - Tom Waits ( ja, der Teufel halt)
Der geheimnisvolle Tony - Heath Ledger bzw...Johnny Depp, Colin Farrell & Jude Law (Das Überraschungsei)

Regisseur Terry Gilliam ist der Macher von so genialen Sachen wie Time Bandits , Brazil, 12 Monkeys , König der Fischer und Fear and Loathing in Las Vegas .
Mal sehen was aus dem in den 90ern dramatisch gescheiterten "Don Quichotte" wird, den Gilliam als Nächstes verfilmen will.

ZUR DVD:
+Eine wie erwartet technisch einwandfreie DVD: "Limited Edition" mit 2 DVDs im Digipack.
+Untertitel: N U R Deutsch & Deutsch für Hörgeschädigte!
+Das 50 minutige Bonusmaterial auf der DVD Nummer zwei hört sich zwar erst mal super und umfangreich an, viele der Extras besitzen aber wenig wirklichen Informationsgehalt. Der AUDIOKOMMENTAR von Terry Gilliam, sowie Ledgers vielleicht letztes Interview, waren für mich persönlich das Interessanteste.
Für den Preis, der in kürzester Zeit von 15 Euro auf 10 Euro purzelte, ist das aber eine wirklich mehr als ordentlich ausgestattete DVD, die noch dazu im Menü nett gestaltet ist!
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2012 8:37 AM MEST


Séraphine [FR Import]
Séraphine [FR Import]
DVD ~ Yolande Moreau
Wird angeboten von CULTURE EMPIRE
Preis: EUR 14,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Putzen und Malen, 22. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Séraphine [FR Import] (DVD)
Séraphine Louis, auch Séraphine de Senlis genannt, geboren 1864, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der naiven Kunst in Frankreich.

"Seraphine" ist kein Film, der, in seinen immerhin 131 Minuten, eine verwickelte oder große Geschichte erzählt, hier gibt es keine plötzlichen Wendungen oder atemlos machende Schicksalsschläge. Selbst wenn der I. WK den ruhigen Fluss der Erzählung kurz durchbricht, sieht man vom Krieg nur das, was Séraphine im Vorbeigehen und aus dem Augenwinkel heraus, davon wahrnimmt.
Er zeigt eine Abfolge von eigentlich eher alltäglichen und unspektakulären Momenten des Lebens der autodidaktischen Malerin Séraphine Louis, und ihre schicksalhaften Begegnungen mit dem Kunstmäzen Wilhelm Uhde.
Es sind die vielen Kleinigkeiten, die den Film und seine Geschichte kraftvoll und interessant werden lassen. Die guten Darsteller und die schönen Bilder tun das übrige.

Zur Handlung:
1914, das verschlafene Nest Senlis in Frankreich. Mit sehr wachen Augen und im Kontrast dazu, extrem schwerfälligem, aber dennoch kraftvollem Schlurfe-Gang, macht sich eine Frau mittleren Alters täglich auf den Weg, um ihre paar Sous als Zugehefrau, Wäscherin oder Metzgergehilfin zu verdienen. Aber anstatt sich davon Essen, oder Kohlen für den Winter zu kaufen, oder endlich mal ihre Miete zu bezahlen, investiert Séraphine ihr Geld im Dorfladen hauptsächlich in weißen Firnis. Sie braucht ihn für ihre selbstgemixten Farben, denn eigentlich lebt sie, um zu malen. In aller Heimlichkeit. In der Natur lässt sie sich inspirieren und trösten. Hier kann die einsame Frau aufatmen, die von anderen eher verspottetet und ausgeschlossen lebt. Tags sucht und klaut sie sich heimlich so Sachen wie Tierblut, Kerzenöl oder Teeblätter zusammen, um nachts in ihrer schlichten Kammer daraus ihre Farben anzurühren. Sie mischt sie mit Pigmenten aus Wurzeln, Beeren und Dreck und singt dazu laut lateinische Kirchenlieder. Dann beginnt sie zu malen..... Séraphine nimmt ihre Welt absolut über die Sinne wahr und so malt sie auch: Sinnlich, selbstvergessen und absolut selbstverständlich. Mal mit dem Pinsel, oft mit den Fingern. In diesem Moment steht sie über ihrem elenden Leben. Ihre wahre Inspiration ist ihr Schutzengel, oder war es die Mutter Gottes? Jedenfalls wird ihr "befohlen" zu malen.... und ihr Wahlspruch lautet: "Wer der Berufung folgt, wird Gott im Topf finden." Und es stimmt auch, sie muss sich eigentlich wenig um ihr leibliches Wohl kümmern. Oft findet sie sich morgens auf dem Fußboden liegend wieder, vor ihrem fertigen Bild erwachend.

Der "Boche" Wilhelm Uhde, ein deutscher Kunstsammler, zieht für eine gewisse Zeit hierher nach Senlis, um in Ruhe zu schreiben. Durch Zufall entdeckt Uhde bei benachbarten Kunstliebhabern ein Gemälde, welches die anderen wegen seiner primtiven Machart belächeln, ihm aber sofort ins Auge sticht, mehr noch, es bezaubert ihn. Als er erfährt, dass das Bild von seiner verschroben-ruppigen Zugehefrau Séraphine stammt, ist er verblüfft und lässt die zurückgezogen und in Armut lebende Frau fortan nicht mehr in Ruhe putzen. Sie hat mit ihren Bildern seinen untrüglichen Kunstinstinkt geweckt, welcher ihn schon Picasso und Rousseau entdecken ließen, bevor diese berühmt wurden und er treibt die verschlossene und misstrauische Frau an, an sich zu glauben, stetig zu malen und sich weiter zu verbessern. Als die Weltkriegsfront mit den Deutschen sich dem Ort nähert muss er ihn verlassen und Séraphine wieder ihrem Schicksal überlassen.
....

Ein leicht bitterer Unterton wohnt dem Film inne, der genauso schleppend beginnt, wie der eigentümliche, schlurfende Gang, den Yolande Moreau ihrer Séraphine verpasst hat. Er bleibt auch weiterhin still, poetisch und unpathetisch. Der Zuschauer wird sich aber mehr und mehr an das etwas träge Erzähltempo gewöhnen, denn die Bilder sind auf das Tempo Séraphines angepasst und das wirkte auf mich im Verlauf mehr und mehr stimmig und ließ ihn mir trotzdem niemals lang, oder gar langweilig erscheinen.
Yolande Moreau sah ich zuletzt im genialen Louise Hires a Contract Killer. Nun zeigt sie abermals, dass sie sehr eindrücklich und zart in ihrer Wuchtigkeit spielen kann. Und der Hammer: Sie gleicht der Künstlerin, die sie hier verkörpert, fast aufs Haar!
Ulrich Tukur (Das weiße Band ) als Wilhelm Uhde spricht wohl akzentfrei französisch und gibt den sensiblen, introvertierten & ernsten Gegenpart sehr überzeugend. Er ist ihr Entdecker, wird ihr Mentor, Freund und Händler.

Der Film scheut sich erfreulicherweise, irgendetwas an seinen Figuren zu erklären und setzt auch sonst bei der Inszenierung auf wenig Effekte. Auch die Homosexualität Wilhelm Uhdes wird, glaub ich, höchstens einmal zart angedeutet, erst recht nie ausgesprochen. Das führt aber leider auch dazu, dass das komplizierte psychologische Seelenleben Séraphines ebenfalls nur vage angedeutet bleibt, was ich etwas schade finde. Manche Einstellungen kommen einem bisweilen bei soviel Zurückhaltung etwas lang vor, wirken jedoch dadurch gleichzeitig extrem ungekünstelt!
Die ziemlich statische Kamera bleibt ebenfalls stets distanziert und agiert als eine Art stiller Beobachter. Einzig wenn sie die Künstlerin bei der Arbeit zeigt, geht sie ins Detail und wird intim: Die Beleuchtung taucht Seraphine dann in ein warmes Licht und erlaubt auch dem Zuschauer durch Nahaufnahmen ihr nahe zu sein. Die Kamerabilder sind mit ihren ansonsten ganz kühlen Farben ein Genuss. Ich würde sie authentisch nennen, nicht nur was sie an zeittypischen Details von Mode und Mobiliar einfangen, sondern auch in deren Darstellung in ihrer Alltäglichkeit, mit ihren Gebrauchsspuren und in ihrer Schlichtheit. Die Kargheit eines Schlafzimmers, in diesem kleinen französischen Ort, mit den gelblichen Laken.... viele kleine Dinge werden im jeweiligen Ausschnitt festgehalten. Kleine Augenblicke z.B. wenn die Vermieter Séraphines, beim dürftigen Abendessen im dunklen schmucklosen Raum, dem unwirklich erscheinenden Gesang der musegeküssten Obermieterin lauschen. Auch wenn bisweilen wenig gesprochen wird, wird dennoch viel erzählt.
Der Blick der Kamera fängt auch immer wieder für den Zuschauer kleine unscheinbare Details aus der Natur ein, welche die Künstlerin für ihre ausschließlich floralen Motive inspirieren, oder in ihr den Wunsch nach einer neuen Farbnuance wecken.

Fazit: Einfach & wunderschön!
Einfach wunderschön, sind übrigens auch wirklich die Gemälde von Séraphine Louis.

Regie - Martin Provost
Frankreich 2009
Seraphine Yolande Moreau
Wilhelm Uhde Ulrich Tukur
Anne-Marie Uhde - Anne Bennent

Deutsche Fassung :Séraphine
Nun halte ich die deutsche DVD in Händen.
Hmpf.
Ich hab mich auf das "Behind the Szenes" gefreut. Nun, es bietet einen Blick hinter die Kulissen, ist nett anzusehen bietet aber NULL Infos, nur (schöne) Bilder mit (schöner) musikalischer Untermalung und ansonsten Schweigen. DAUERT GERADE MAL 8 MINUTEN. Das ist die einzige Ausstattung, außer dem deutschen und französischem Trailer. Ansonsten gib es lediglich eine Trailershow mit x-beliebigen Filmen. Pf! Das ist echt zu mager für den gesalzenen Preis!
Enttäuschend ist aber vor allem die Menüführung: Man kann nur durch Vorabwahl zwischen den Sprachen (deutsch und französisch) wählen. Während des Filmes kann man NICHT die Sprachen switchen. Und schlimm: Entscheidet man sich für französisch, bekommt man deutsche ZWANGSUNTERTITELUNG. Ansonsten gibt es keine Untertitelauswahl. Das ist ärgerlich und traurig.
Aber der Film ist soo traumhaft, da ist es mir fast schon wieder egal. :-D
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 2, 2010 10:08 PM MEST


Two Lovers
Two Lovers
DVD ~ Joaquin Phoenix
Preis: EUR 7,97

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie aus dem Stoff für eine romantische Komödie ein echtes Drama wird, 3. April 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Two Lovers (DVD)
Lange habe ich auf diesen Film gewartet und ihn, ehrlich gesagt, sehr, sehr wehmütig betrachtet, denn dies wird wohl unwiderruflich der letzte Film sein, in dem Joaquin Phoenix als Schauspieler zu sehen ist. Kürzlich ist er ja leider ganz aus dem Filmgeschäft ausgestiegen. Es gibt wenige Schauspieler, die mich in den letzten Jahren so sehr mit ihren Rollen fasziniert haben, wie er mit den seinen, und es gelang ihm auch in seine letzten Rolle, mich erneut stark zu berühren. Was ihn ausmacht ist seine Sensibilität, seine ungaubliche Intensität und die Fähigkeit sich problematischen Männerfiguren zu stellen und sie mir vielem Facetten auszustatten, ohne dass es je aufgesetzt wirkt. James Gray, der sich offensichtlich an europäischen Filmemachern orientierende Regisseur von "Two Lovers", hat das Drehbuch und die Rolle ganz auf Phoenix zugeschnitten und hätte den Film ohne ihn erst gar nicht gemacht!

Joaquin Phoenix spielt, wie könnte es anders sein, abermals einen gebrochenen Charakter: Leonard, seit Monaten komplett aus der Bahn geworfen, lebt seit der Trennung mit seiner Verlobten, nach einem psychischem Zusammenbruch und mehreren Selbstmordversuchen wieder bei seinen nervig-lieben Eltern und trauert weiterhin über die Maßen um seine Verflossene. Isabella Rosselini spielt seine Mum!
Den Kuppelversuch der Eltern mit Sandra (Vinessa Shaw), einer an ihm interessierten jungen und hübschen Tochter einer befreundeten jüdischen Familie, nimmt er hin. Verabredet sich sogar erneut mit ihr. Leonard bleibt aber eine verlorene Seele im Alltagsdschungel in Brooklyn. Und er trifft dort auf eine Seelenverwandte, die ebenfalls verloren und liebesbedürftig-angekränkelt nach dem Weg sucht. Die sprunghafte Schöne steht plötzlich in seinem Treppenhaus: Seine neue Nachbarin, die exzentrische Michele (Gwyneth Paltrow ) und als wäre es ein bloßer Reflex verliebt er sich Hals über Kopf in die unglücklich an einen verheirateten Mann gebundene Michele. Sie erwidert seine Gefühle nur freundschaftlich, lässt ihn aber doch sehr nahe an sich heran. Leonard sucht das Kribbeln bei Michele und lässt trotzdem parallel das weitere Annähern an die Wunschkandidatin seiner Eltern, die brave Sandra, zu. Mehr noch er füllt diese Ersatz-Liebe gar mit Leidenschaft, mit Hoffnung auf Heirat und Kinder und Kram. Aber will er den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach? Sandra oder Michele? Drei Mal dürft ihr raten... Wer sich gleich zwei Lover zulegt, muss sich über Verwirrungen nicht wundern. Aber was ist am Ende stärker, Bürgertum und Familienbande, oder der Ruf der Freiheit?
Wenn man dies so liest, klingt der Plot vielleicht nicht gerade wahnsinnig spannend, aber die Akteure haben genug Spröde und Überraschung als Reibungsfläche parat und die Regie lässt den dreien sehr viel Zeit und Raum und gestattet tiefe Blicke. Gerade Phoenix und Paltrow spielen mit soviel Herz und Seele, sie zeigen die ganzen Beschädigungen, die sie sich im Laufe des Lebens in eben Herz und Seele eingefangen haben, so wird ein echtes Drama aus dem Beziehungskistenrennen.
Sandra, das Mauerblümchen, quasi der Spatz in der Hand von Leonard, darf man nicht vergessen, sie wurde von Vinessa Shaw wirklich sehr lebendig und mit viel Ausstrahlung dargestellt.

Ich beobachtete fasziniert diese Pärchen-Szenarios, welche sich still und leise und immer auch sehr ernst abspielen und der Film hat mich ehrlich sehr aufgewühlt. Der Film hat Sogwirkung! Bei der Schlusseinstellung hatten sich mir sämtliche Härchen aufgestellt. Der Stoff der nach romantischer Komödie riecht, wird gänzlich entromantisiert und aus der Komödie wird schon fast eine Tragödie. Die Kamera arbeitet toll daran mit: Leonard bleibt stets im Schatten, seine Fröhlichkeit, seine Teilnahme am Leben wird, nicht nur durch Phoenix Schauspiel, als aufgesetzt sichtbar: Leonard bleibt immer außerhalb des Lichts, man könnte fast vergessen, dass er in einer Großstadt (New York) lebt, immer eine dunkle einsame Straße und das quirlige Leben und das Licht ziehen buchstäblich an ihm vorbei. Es dominieren die Schatten. Schnelle Schnitte gibt es nicht. Man achte auch darauf, in welchen Situationen Leonard die Kamera im Rücken hat. Einfach fein gefilmt, in Sekundenbruchteilen wird etwas erklärt, ohne dass ein Wort fällt. Ich liebe das! Und die vielen Kleinigkeiten (z. B. Fotowand, Jugendzimmer)! Auch die Musik unterstützt dezent die Kontraste.
Kleiner Spoiler gefällig? Das ziemlich unvorhersehbare Ende..... Ist es happy? Irgendwie schon, wenn auch mit bitterer Note im Abgang.

Fazit:
Schwache Menschen - gefühlstark in Szene gesetzt.
Also (k)ein Liebesfilm... er entzieht sich total den Erzählmustern des Liebesfilms, er meidet die Klischees nicht unbedingt, aber er enttarnt sie.
Trotzdem ein Film über die Liebe, ihre Enttäuschungen, Sehnsüchte, Projektionen und Lügen. Ein ungewöhnlicher Beziehungsreigen, wo die Figuren tragisch und manchmal seltsam komisch aneinander vorbeilieben. Er bietet einen entlarvenden Blick auf Beziehungen, ein ehrlicher, aber auch ein sanfter, keiner der restlos ernüchtern will.
Ein wahrlich sonderbarer Film, aber einer der seine allesamt irgendwie schrägen Antiheldenfiguren wirklich immer sehr ernst nimmt, sie niemals verheizt für einen billigen Witz, sie nie demütigend bloßstellt, oder mahnend den Zeigefinger schwenkt. Nein. Und ein für mich, durch Phoenix jähes Ausscheiden als Filmschauspieler, ein natürlich umso kostbarerer Film! *doppel schnief*
Filmkenner dürfen netterweise kleine ausgestreute Huldigungen an alte Filmklassiker entdecken.
James Gray werde ich mir jedenfalls merken!

Two Lovers 2008
Regie - James Gray
Joaquin Phoenix - Leonard
Gwyneth Paltrow- Michelle
Vinessa Shaw - Sandra
Isabella Rossellini - Leonards Mutter
Moni Moshonov - Vater

Zur popligen DVD:
+Es gibt den Film mit deutschem oder englischem Ton, je in DD5.1.
+NUR deutsche Untertitel, leider KEINE englischen!
+KEIN Bonus, außer paar geschnittenen Szenen.
+Dafür gibt es wenigstens einen AUDIOKOMMENTAR vom Regisseur, der, soweit ich ich ihn verfolgte, wirklich sehr aufschlussreich ist.
+Filmtipps.

EDIT 2012: Nun ja, nach dem Schreck durch I'm Still Here kommt nun nach 4 Jahren ja doch mal wieder (der reguläre?) Wiedereinstieg ins Filmgeschäft: The Master. Puhh Gott sei Dank. Phönix erhebt sich aus der Asche!
Kommentar Kommentare (85) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 26, 2010 12:10 PM MEST


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