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Rezensionen verfasst von
Jenzo (Rheinland-Pfalz)

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Fair Youth (Vinyl+CD) [Vinyl LP]
Fair Youth (Vinyl+CD) [Vinyl LP]
Preis: EUR 20,98

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verträumte Melodien, verträumte Melodien und ja, verträumte Melodien..., 28. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Fair Youth (Vinyl+CD) [Vinyl LP] (Vinyl)
Eigentlich ist der Post-Rock-Hype schon lange vorbei und instrumentale Rockmusik hat es insgesamt gar nicht so leicht. Die Stimme, so sagen viele, gehört zur Musik dazu. Passt sie, ist der Zugang häufig schnell da, gefällt sie einem nicht, werden manche Dinge fast schon unhörbar. Die Stimme ist ebenfalls ein Instrument und gehört einfach dazu.
Dennoch gibt es unzählige Bands, die dieses Risiko eingehen, mal weniger oder überhaupt nicht auf Gesang zurückzugreifen und dennoch spannende Musik kreieren.

Maybeshewill aus Leicester/UK gehören dazu. Arbeiteten sie auf ihren ersten beiden Album noch mit Samples, um ihre Botschaften zu unterstützen, verzichtete man beim Vorgänger "I Was Here For A Moment, Then I Was Gone" vollständig darauf. Dennoch gab es ein abwechslungsreiches Album, das mal verträumt daherkam, aber auch immer wieder von härteren Gitarrenriffs gepackt wurde. Der Teufel lag im Detail und Übertracks wie "To The Skies From A Hillside" (was ein Stück!) oder "Red Paper Lanterns" gehören für mich noch heute zu den besten "Songs" der Band.

Auf ihrem aktuellen Album "Fair Youth" handhaben sie es genauso... zumindest was den Gesang angeht. Wobei...bei "Sanctuary" kommt ein Vocoder zum Einsatz. Egal...
Das Ergebnis in meinen Augen ziemlich durchwachsen. Sehr gleichförmig, fast schon zahnlos kommt das Album daher und nach den ersten Durchgängen gibt es zwar einige schöne Momente, doch Tracks, die von Sekunde 1 bis zum Ende hin fesseln, gibt es nicht. Mir fehlt es hier eindeutig an Dynamik, wobei Drummer James Collins, getaktet wie ein Uhrwerk, mal wieder einen lupenreinen Job macht. Die Produktion (erneut von Bassist Jamie Ward übernommen) klingt zwar ähnlich rund wie beim Album davor, jedoch auch ziemlich glatt. Das Piano bildet fast schon das Zentrum, Gitarrenriffs muss man hier und da übertrieben gesagt schon fast mit der Lupe suchen.
Dass Maybeshewill nach Schema F verfahren und gar nicht erst versuchen, hier etwas Neues zu schaffen, kann man noch nicht einmal behaupten. Um 2011 stieß Matthew Daily zur Band hinzu, der die Pianoläufe vom Band ablöste und seit dem als festes Mitglied gilt. Wie oben bereits erwähnt bekommt er auf "Fair Youth" auch einen großen Raum, den er ohne Zweifel ausfüllt. Natürlich gehört aus diesem Grund auch die Vorab-Single "In Amber" zu den Highlights des Albums. Auch gibt es Bläser, die live eingespielt wurden und nicht aus der Konserve kommen. Streicher sind ebenfalls wieder dabei.
Ohnehin geht es gut los... Besagtes "In Amber", "You And Me And Everything In Between" und der Titeltrack gehen gut rein, aber dann würde es doch mal Zeit für ein Brett. Gibt's aber nicht.
Danach scheinen die Ur-Mitglieder Gitarristen John Helps und Robin Southby phasenweise auf Standby zu gehen und das Album geht stattdessen ganz nett, recht gefällig voran und am Ende wird es mit "Permanence" oder "Volga" inklusive Chor sogar noch mal ganz schön.

"Fair Youth" ist unter'm Strich sicherlich kein schlechtes Album. Wer die poppigen Passagen des Vorgängers liebt und wer den Härtegrad eines "Critical Distance" nicht überschreiten will, ist hiermit sicher gut bedient. Wer aber ein wenig die Energie der ersten beiden Alben sucht und einfach ein wenig mehr Abwechslung im instrumentalen Kosmos braucht, sollte hier sicherlich nochmal kurz reinhören, bevor er zuschlägt.

Kurze Anmerkung: wer auf farbiges Vinyl steht, kann auf der Bandseite eine blaue Version abgreifen, der Shop des Labels Superball bietet lila. Beide Versionen sind auf 100 Stück limitiert.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2014 10:15 PM MEST


BioShock: Infinite (uncut) - [PlayStation 3]
BioShock: Infinite (uncut) - [PlayStation 3]
Wird angeboten von Preferito, Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 17,49

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Oh Columbia, Du unheiliges Dystopia!, 30. März 2013
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Endlich ist es soweit. Die Zeit des Wartens hat ein Ende und das neue BIOSHOCK ist erschienen.

Wir schreiben das Jahr 1912. Wir sind Booker DeWitt, ehemaliger Soldat und Pinkerton-Agent.
"Bringen Sie uns die Kleine und tilgen Sie die Schuld..."
Doch was haben wir uns zu Schulden kommen lassen und wer ist unser Auftraggeber?!
Fest steht dagegen: die "Kleine" ist Elizabeth, gefangengehalten in einem Turm, bewacht von einem riesigen metallischen Vogel, dem Songbird. Klingt nach einem Himmelfahrtskommando und das wird es auch wortwörtlich....

Dieses Mal erkundet man nicht erneut Rapture mit all seinen Geheimnissen, Mythen und absonderlichen Gestalten, sondern Columbia. Eine US-Amerikanische Himmelstadt, welche von Zachary Hale Comstock erschaffen wurde und der von seiner Bevölkerung als Prophet verehrt wird.

Zunächst einmal ist der Beginn ungewohnt freundlich. Keine Splicer, sondern sauber gekleidete Bürger, die den Alltag kommentieren und auch nicht mit Small-Talk geizen. Man erreicht Columbia am Tag einer Parade, schlendert über einen Jahrmarkt, kann sich dort in Minispielen mit der Steuerung vertraut machen und lässt das neue Setting einfach auf sich wirken.
Nach zwei Abenteuern in Rapture ist es eine gute Idee gewesen, dieses zu ändern, denn über Rapture wurde dann in vielen Stunden doch fast alles gesagt und eines sei verraten: so hell und freundlich wie zu Beginn bleibt Columbia nicht bis zum Schluss. Zwar tendiert der Gruselfaktor gen Null, jedoch erschaffen die Entwickler erneut eine beklemmende und anhaltend spannende Atmosphäre, die sich ohne zweifel mit den Vorgängern messen lassen kann.

Zurück zum Jahrmark, denn hier bröckelt schnell die Fassade Columbias und zeigte uns seine fragwürdigen Wertevorstellungen, Rassismus sowie fanatischer Religiösität und blinder Ergebenheit. Schnell ist die halbe Stadt hinter uns her und das Abenteuer bringt uns zu unterschiedlichsten Szenarien, die alle eindrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail dargestellt werden. Riesige Statuen, verschiedene Büsten, pachtvolle Bauten, Ballons, Zeppeline, aber auch die Kehrseite der Medaille, ein Abstieg in den Untergrund, die Slums... denn wo ein "Oben" ist, muss es auch ein "Unten" geben und die Menschen von "Unten" begehren auf, wollen Veränderung, wollen Revolution.

DAS GAMEPLAY...
ist unverkennbar BIOSHOCK. Links die Plasmide, welche hier "Vigors" oder schlicht Kräfte oder Gaben genannt werden, rechts die Bewaffnung. Die "Vigors" lassen sich jederzeit, sofern man diese gefunden hat, aufrufen und ändern, ganz ohne die bislang bekannten Genbanken.
Über zwei Kräfte kann gleichzeitig verfügt werden. Auch können zwei Waffen gleichzeitig getragen werden, Munition sammelt man für alle verfügbaren Waffentypen. Die Bewaffnung ist insgesamt recht stark (meist klassisches wie Revolver, Karabiner, MG, Schrotflinte), so dass man zeitweise selten auf seine Kräfte zurückgreift. Diese bringen insgesamt wenig Neues. Sechs von acht "Vigors" sind eine Adaption der bisher bekannten Plasmide. So können wir zwar wieder auf effektive Feuerstürme und Electrobolts zurückgreifen und aus dem von mir sehr geschätzten Insektenschwarm wurde ein Krähenschwarm, aber es hätte ruhig etwas mehr sein können. Dafür gibt es nun Kombos, die sich wirklich lohnen einzusetzen und so manche Kräftefalle sollte sich gegen Ende des Spiels als wahrer Segen entpuppen.

Die Gegnervielfalt ist ausreichend, lässt aber durchaus Luft nach oben - die in Columbia auch noch vorherrschen sollte - zu: "Motorized Patriot", die "Boys Of Silence" oder "Handyman" sind aus den Trailern bekannt. Ansonsten hat man es regelmäßiger mit Polizisten, Kämpfern der Vox Populi oder den "Firemen" zutun. Insgesamt hätten die Kämpfe etwas abwechslungsreicher gestaltet werden können, woran aber auch schon der Vorgänger etwas krankte. Auch ist es schade, dass man abgesehen vom "Motorized Patriot" nur selten auf andere schwergewichtige Gegner trifft.

Das Hacken kommt in BIOSHOCK Infinite nicht vor. Dennoch lassen sich über die Kraft "Posession" kurzzeitig nicht nur Gegner, sondern auch festinstallierte Anlagen oder bewaffnete Ballons, "Moskitos" genannt, gefügig machen.
Ich selbst vermisse das Hacken nicht, obwohl ich die Methode von Bioshock 2 schon wesentlich besser gefunden hatte als noch beim ersten Teil.
Verkaufsautomaten sind ohnehin zu Beginn zu Hauf zu finden und wer Zeit ins Suchen investiert, sollte doch durchaus selten in finanzielle Bedrängnis kommen.

Mit dem Sky-Hook, der sich als Nahkampfwaffe entpuppen wird, lässt sich nun über sog. Sky-Lines von A nach B schwingen. Manchmal muss sich so zum nächsten Ziel fortbewegt werden, sie eignen sich jedoch bei der ein oder anderen Schlacht auch zu taktischen Zwecken. Das Rasen mit den Sky-Lines macht Spaß, erlaubt eine noch viel größere Sicht auf Columbia und alles Drumherum. Vielleicht verlieren sie gegen Ende etwas an Reiz, runden aber die Geschichte und das Setting ab.

Wesentlich elementarer sind die "Risse" (im Zeit-Raum-Kontinuum?!), die Elizabeth erzeugen bzw. öffnen kann. Die sorgen nicht nur in Gefechten für Vorteile, da auf verschiedene Objekte zurückgegriffen werden kann wie beispielsweie Medikits, Waffen, MG-Stellungen oder Deckungen, sondern erlauben auch völlig überraschende Szenarien und Handlungsstränge.
Elizabeth erweist sich ohnehin als tatkräftige Unterstützung. Wer glaubt, sie sei ein Klotz am Bein, den man fortwährend beschützen müsse, liegt falsch. Sie sucht selbständig Deckung, versorgt uns mit Waffen, Munition und Medikits, knackt Schlösser und findet immer wieder nicht unerhebliche Geldbeträge oder weist uns auf das ein oder andere Detail hin.
Eine echte Bereicherung, auch gerade was die Bindung des Spielers zum Spiel betrifft. Sie freut sich, sie leidet, sie wird wütend oder weckt DeWitts Beschützerinstinkt. Elizabeth steht im Zentrum des Spiels und füllt dieses voll aus.

WAS DIE GRAFIK ANGEHT...
muss man sagen: nichts für Grafikfetischisten.
Das ganze ist Vergleich zum Vorgänger vielleicht minimal aufpoliert. Aus der Distanz sehen die meisten Sachen hervorragend aus, aus der Nähe z.T. etwas grobpixelig, ganz besonders, wenn es mal etwas dunkler wird. Das Wasser weiß wie gewohnt zu gefallen, die Lichteffekte gefallen mir sehr gut.
Die Textturen sind eher matschig, aber gut lesbar. Allerdings sind in meinen Augen alle grafischen Schwächen weit entfernt von den vermeintlichen PS2-Vergleichskrakeelern.
Die Mimik der meisten Menschen ist etwas starr und ausdruckslos, dafür wurde sich bei Elizabeth wirklich viel Mühe gegeben, ihre unterschiedlichen Stimmungen einzufangen.

DER SOUND...
ist gut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Der Soundtrack bzw. die Scores, zum Großteil wieder von Garry Shymann komponiert, sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Waffen und "Vigors" klingen gut. Im Menü empfiehlt es sich jedoch zu Beginn manuell nachzubessern und nach persönlichen Vorlieben zu ändern. Die Hintergrundmusik überschallte doch arg die Dialoge.
Die deutsche Synchronisation ist sehr gelungen. Nichts wirkt gekünstelt oder umständlich übersetzt.

FAZIT:
Bioshock Infinite ist alles andere als eine Enttäuschung und eine sehr gelunge Fortführung der Serie.
Natürlich konnte man sich anhand der vielen Trailer und Vorab-Gameplay-Videos mehr Innovation erhoffen als es am Ende geworden ist. Die Skylines sind letzten Endes doch nur Mittel zum Zweck, die altbekannten Plasmide tauchen letztlich doch in ihrer bekannten Form auf und manche Gegebenheiten erscheinen nicht logisch: wer wirft Geld in Mülleimer? Warum kann ich anfangs unbehelligt Registrierkassen plündern, später aber nicht? Wozu sollten die "Vigors" ursprünglich dienen?
Ich selbst vermisste surreale Sequenzen wie beispielsweise den Martha-Stewart-Verschnitt, welche die Veranda ihres brennenden Hauses kehrte oder den Kampf gegen Handyman, den man mit Elizabeth gemeinsam samt Brücke hatte abstürzen lassen. Beides konnte im ersten Video 2010 bestaunt werden.
Mir persönlich hätte auch etwas weniger Physik und mehr Ideologisches, vielleicht noch tiefergehende Auswüchse und Erscheinungsformen des Fantismusses sehr gut gefallen.

Aber das alles sind im Vergleich zum Gesamterlebnis BIOSHOCK eigentlich nur Lappalien. Es gibt spannende, detaillreiche und wirklich einfallsreiche Szenarien, die Story mit ihrer Grundidee und ihren Wendungen schafft es wieder, den Spieler sprichwörtlich zu packen, die Charaktere Booker und Elizabeth, die uns mitleiden und mitfiebern lassen, schaffen es, die Spannung über die gesamte Spielzeit aufrechtzuerhalten, der transportierte Zeitgeist wird greifbar, revolutionäre Massen, die zeitgleich faszinieren und verstören und vieles, sehr vieles andere entbehren für kleinere Schwächen und Ungereimtheiten. Wer sich Zeit nimmt, Columbia zu entdecken und zu bestaunen, sich die ganze Anspielungen, Ideen und Kleinigkeiten nicht entgehen lassen möchte, dem bietet sich ein Spielvergnügen zwischen gut 12 - 18 Stunden, je nach Tempo.
BIOSHOCK wird eine Referenz bleiben und heißer Anwärter auf das "Spiel des Jahres" sein - und das völlig zurecht!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2013 8:46 PM MEST


Key
Key
Preis: EUR 17,05

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewohnt starkes Album oder gar nichts neu macht der Mai, 18. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Key (Audio CD)
"Key" ist das dritte Album der schwedischen Post-Rock-Band und bietet dem Hörer gewohnt hohe Qualität.
Überzeugten bereits die Vorgänger "In Never Out" und "It's Not Me, It's You!" mit melancholischen Melodien, großartigen Spannungsbögen und hypnotisierender Monotonie, so bleibt sich das Quartett aus Norköpping auch auf "Key" treu.

Neue Impulse geben sie dem Genre mit diesem Album nicht, aber mal ehrlich: wer möchte das überhaupt?

Pg.lost beginnen das Album mit "Spirits Stampede", das in manchen Momenten an Explosions In The Sky erinnert, jedoch wie von den Schweden gewohnt mit etwas mehr Wucht und dem markanten Falsett von Bassist Kristian Karlsson daherkommt.
"Vultures" hätte in seiner Form auch auf dem Vorgänger Platz gefunden und überzeugt mit einer, in Relation zur übrigen Diskographie, ungewohnten Brachialität, die ihren Höhepunkt im darauffolgenden "Terrains" findet. Hier gibt es sogar, für das Genre ganz ungewohnt, sogar einen dezenten Cowbell-Einsatz, welcher jedoch sehr cool und überhaupt nicht albern eingebaut wird.

Natürlich bieten pg.lost auch auf ihren stärksten Tracks stereotype Laut-Leise-Strukturen, aber wen kümmert's, wenn diese so fachmännisch dargeboten werden...

"Sheaves" demonstriert die gelungene Monotonie, die mit gelegentlichen Gitarrenimpulsen versehen wird.
"I Am A Destroyer" entfaltet seine Wirkung ansteigend über die komplette Laufzeit von 9 Minuten, während "Gathering" für mich den melancholischen Ruhepol des Albums darstellt, auch wenn dieser gegen Ende von einer kurzen Gitarrenwand aufgebrochen wird.
Erwartungsgemäß schließt "Key" mit einem Track, der die 10-Minuten-Marke knackt ("Weaver"), denn das wurde auf den beiden Vorgängern ebenso gehandhabt. Hier vermag es einige Längen zu geben, wofür das Finale aber durchaus entschädigt.

Auch wenn sich am Ende sagen lässt, dass man hier alles so oder ähnlich auch von den Schweden bereits gehört hat und man die bekannten Post-Rock-Diskussionen heranziehen kann, erweist sich "Key" als Genre-Album ohne große Schwachstellen, wenn man von einigen Klischees absieht und ist nicht nur für die Liebhaber von pg.lost ein Muss, sondern auch die Fans melancholischer Klanglandschaften; selbstredend auch für die, die selbst im Jahre 2012 noch keine Berührung mit Post Rock hatten.
Kritiker dürfen natürlich Abstand nehmen und trotz aller Lobhudelei muss man auch eingestehen: zur Bekehrung eignet sich "Key" nicht.


I Was Here for a Moment,Then I...
I Was Here for a Moment,Then I...
Preis: EUR 11,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles bleibt anders, 26. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: I Was Here for a Moment,Then I... (Audio CD)
Maybeshewill aus Leicester/UK sind die Gitarristen John Helps und Robin Southby sowie Bassist Jamie Ward und James Collins am Schlagzeug. Sie selbst beschreiben ihre Musik als instrumentale Rockmusik mit elektronischen Einflüssen. Mit "I Was Here For A Moment, Then I Was Gone" veröffentlichen sie ihr drittes Album und nach wie vor ist es schade, daß die Band so unbekannt ist und fast nur Freunden des Post Rocks ein Begriff ist.

Die Produktion übernahm Bassist Ward. Diese ist druckvoll, wenn auch im Vorgleich zu den Vorgängern etwas glatt. Der rohklingende Sound, die teilweise etwas "matschigen" Drums gehören der Vergangenheit an und es klingt etwas epischer als gewohnt.
Das Album beginnt mit einem Piano-Intro und bewegt sich im Spannungsfeld der vorab erhältlichen Singles "To The Skies From A Hillside" und "Critical Distance". Samples, die schon fast charakteristisch waren, fehlen hier komplett. Nicht zuletzt deswegen wird "I Was Here For A Moment, Then I Was Gone" etwas näher zu den übrigen Post Rock-Bands gerückt, auch wenn man sagen muß, das Maybeshewill auch vorher keine Sonderstellung innehatten, obwohl sie ihre "Trademarks" haben, nämlich harte Gitarrenriffs, die auf fragile Piano-Keyboardklänge treffen und das hier vermisste gute Händchen für die Auswahl einprägender Samples.

Insgesamt gerät "I Was Here For A Moment, Then I Was Gone" sehr homogen, an der ein odere anderen Stelle vielleicht einen Ticken zu gleichförmig, was Maybeshewill aber mit teilweise sehr schönen Melodien und wegblasenden Gitarrenriffs kompensieren.

Unbedingt anspielen: "To The Skies From A Hillside", "Red Paper Lanterns", "Farewell Sarajevo".


Chuckles and Mr.Squeezy (Ltd.Digipak)
Chuckles and Mr.Squeezy (Ltd.Digipak)
Preis: EUR 14,88

37 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Experimentierfreudigkeit, die polarisiert, 29. April 2011
Bereits im Vorfeld gab es genug Stimmen, die verlauten ließen, daß "Chuckles & Mr. Squeeze" das Ende von Dredg bedeuten würde. Wie beim Vorgänger wurde "Ausverkauf und Kommerzialisierung" geschrien. Poppig, elektronisch und catchy sind Dredg im Jahre 2011 und dies sei inakzeptabel.

Aber Moment mal, die Band macht seit Jahren das, was sie möchte und scheut sich nicht, Erwartungshaltungen zu untergraben.
Progressiv sind sie schon länger nicht mehr und spätestens seit "Information" weiß man, daß die US-Amerikaner auch Spaß an Popsongs haben.

Dennoch klingt "Chuckles & Mr. Squeeze" nach gezwungener Andersartigkeit. Die Markenzeichen der Band, Slideguitar und das kraftvolle Drumming Dino Campanellas wurden kompromisslos über Bord geworfen. Stattdessen herrschen Synthesizer und ein programmiert klingendes Schlagzeug.
Dies funktioniert zum Teil wie in "Down Without A Fight", in dem der Einfluß von Produzent Dan The Automator aus jeder Note herauszuhören scheint. Generell muß die neue Eingängigkeit nicht unbedingt Massenwarencharakter haben, sondern bildet viel mehr die Schnittstelle zu "The Pariah, The Parrot, The Delusion" (z.B. "Somebody Is Laughing", "The Thought Of Losing You")
Was sich Dredg jedoch beim Opener "Another Tribe", der gerade boygroup'esk abschreckt oder "Where I'll End Up", einem Song, der jede Schlagerparty bereichern würde, gedacht haben bleibt schleierhaft.
Bei so viel Ärger verblassen auch vermeintliche Akustikperlen wie "Kalathat", das mich weitaus weniger berührt als beispielsweise das herzergreifende "Cartoon Showroom" oder das gitarrenlastigere, zur Blaupause der Kollaboration Dredg/Dan The Automator gut geeignete "Upon Returning".

Schade. Ich selbst bin ein großer Freund von elektronischen Einflüssen, Dan The Automator hat gemeinsam mit DJ Shadow das trashig-unterhaltsame "Bombay The Hard Way" geschaffen und neue Wege zu beschreiten gefällt mir immer mehr als ständige Selbstzitate und das Haften an vergangenen Großtaten.
Trotzdem wirkt "Chuckles & Mr. Squeeze" wie ein Experiment des experimentierens wegen. Es ist trotz der steril wirkenden Instrumentierung nicht einmal seelenlos und dennoch lässt es kalt. Gitarrist Mark Engles selbst sagte, daß "Chuckles & Mr. Squeeze" eher als Projekt von Produzent und Band zu sehen ist, was mit der nächsten Veröffentlichung vielleicht überhaupt nichts zu tun haben könnte, was die Frage offen lässt, warum man es als "Dredg" herausgibt.
Ich selbst muß nicht alle Wege gehen, die meine favorisierten Bands anlegen und somit ist dieses Album für mich schon jetzt die Enttäuschung des Jahres.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 18, 2011 5:45 PM CET


We Were Exploding Anyway
We Were Exploding Anyway
Preis: EUR 15,06

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Post Rock-Disco?!?, 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: We Were Exploding Anyway (Audio CD)
Häufig sind Worte Schall und Rauch, was natürlich auch immer auf immer diffizilere Genreisierungen trifft.
Mit der Kategegorisierung "Post Rock" konnte sich die Band aus Sheffield/UK niemals anfreunden, eher im Gegenteil und so halten sie mit ihrer Meinung über dieses Genre und viele Bands bis heute nicht hinter'm Berg.

Da wundert es wenig, daß sich 65DaysOfStatic auf "We Were Exploding Anywhere" weiter distanzieren und fast schon ein lupenreines Dance-Album an den Start bringen. Offbeat-Drums, Samples und Synthies gehörten bislang zwar zu den Markenzeichen der Band, jedoch wurden sie nie derart exzessiv eingesetzt wie hier.
Dies ist freilich nicht jedermanns Sache und dennoch liefern die Jungs ein rundes viertes Album ab, das eindeutiger denn je auf die Dancefloors abzielt, auf denen man - im Vergleich zu den vorangegangenen Alben, die solche Eindrücke nur kurze Zeit später häckselten - von Anfang bis Ende eines Titels auch wirklich bleiben kann.

Auf "We Were Exploding Anyway" geht es dementsprechend über eine Gesamtspielzeit von 57 Minuten fast nur nach vorn. Egal ob mit "Mountainhead" fast schon hypnotisch gestartet wird oder man den Hörern mit "Crash Tactics", "Weak4" oder "Go Complex" ein elektronisches Brett nach dem anderen liefert - man kann sich diesem Feuerwerk nur schwer entziehen.
Zumindest im Ansatz entspanntere sphärische Gegenpole bilden "Come To Me" und "Debutante", im Übrigen die einzigen beiden wirklichen "Songs", bei denen Vocals vernommen werden. Bei "Come To Me" liefert die Robert Smith (The Cure), der 65DOS schon als Vorband im Programm hatte und hier wohl in Gegenleistung tritt. Ob er der Nummer nun etwas geben kann, was niemand anderem gelungen wäre, bezweifle ich jetzt einmal, was den Track jedoch nicht abwerten soll.

Auch wenn man es auf dem abschließenden 10-Minüter "Tiger Girl" mit dem Intro etwas zu monoton gemeint hat, entschädigt der Song mit einem tollen Mittelteil und einem herzzereißenden Finale.
Wenn man der Band nun entstellen möchte, daß das Album stumpf und eintönig durch die Boxen pumpt, könnte man dies mit Leichtigkeit tun. Auf der anderen Seite schaffen sie es aber auch, die Trademarks zu bündeln und auf ein neues Level zu bringen.
Hut ab, 65DaysOfStatic, so sieht konsequente Weiterentwicklung aus und ihr seid hier so straight und kompromißlos, daß es egal scheint, daß der ein oder andere Fan enttäuscht abspringt... ihr explodiert ja sowieso.


Self Preserved While the Bodies Float Up
Self Preserved While the Bodies Float Up
Preis: EUR 10,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eigenwilliger Viertling ohne Rücksicht auf die Fanbase, 5. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Oceansize aus Manchester/England sind bislang dafür bekannt, daß der aktuelle Release dem Vorangegangen nicht unbedingt ähnlich ist. Dies ist auch bei Album Nr. 4 so.
War "Frames" ein ausuferndes Stück mit post rock'esken Zügen gibt es auf "Self Preserved While The Bodies Float Up" allerhand kurze Nummern und die kürzeste Laufzeit bislang.

Ob man das nun gut oder schlecht findet und ob man weiterhin das bärenstarke Debüt "Efflorece" zum Maßstab nimmt oder jedes Album neu wirken lässt, ist natürlich individuell.

Fakt ist, daß das aktuelle Album unkommerziell und eigenwillig daherkommt und polarisieren wird, wie kein Werk der Engländer bisher.
Wer befürchtete, hier ginge es ähnlich ruhig zu Werke wie auf der "Home And Minor EP", kann jedoch aufatmen, denn gleich der Opener "Part Cardiac" ist laut und scheppernd. Dennoch hat die von Mike Vennart engegengebrüllte Nummer eher Introcharakter.
Auch das bereits im Vorfeld veröffentlichte "Superimposer" qualifizierte sich als typische Oceansize-Vorabsingle, auch wenn die Gesangslinie äußerst gewühnungsbedürftig ist.
Daß es aber auch weiter nicht minder krachig bleibt demonstrieren das schnelle "We Built A Rocket Then" und das mit Gastkeifer Simon Neil (Biffy Clyro) gespickte "It's My Tail And I'll Chase If I Want To", das zumindest Fans der Schotten beweist, daß Neil solche Shouteinlagen nicht verlernt hat wie es die letzten beiden Platten haben weismachen wollen.
Diese Songs sorgen auch für die meiste Verwirrung, aber im positiven Sinne, denn hier treten Oceansize dermaßen hart auf die Tube wie seit "Everyone In Position" nicht mehr (auch wenn dort alles eher im Midtempo vorzufinden ist).
Negative Verwirrung bereitet dann die Mitte des Albums, denn "Ransom" kommt so gar nicht aus dem Quark und plätschert ruhig vor sich her und wirkt fast wie ein Brückenschlag zwischen "Home And Minor" und "SPWTBFU". Völlig Ratlosigkeit stellt sich dann bei "A Penny's Weight" ein, daß mit eigenwilliger Melodie und ruhiger Instrumentierung scheinbar komplett an der bisherigen Zielgruppe vorbeirauscht.
Auf der Habenseite lassen sich darüber hinaus noch "Oscar Acceptance Speech" und "Silent/Transparent". Beides ruhig-progressive Rockstücke, die sich langsam entfalten. Die Instrumentalpassagen mögen einige langweilig finden, andere hingegen könnten sich positiv an "Frames" erinnert fühlen.
Schade daß im vergleich zu den Vorgängern auf epische Schlußstücke verzichtet wird. "Pine" hätte das Zeug dazu gehabt, hört aber nach knapp fünf Minute bereits auf und das abschließende "Superimposter" groovt zwar, verglüht aber recht unspektakulär im Orbit der Neo-Progger.
Die limited Edition wartet neben einem 32-seitigen Booklet im Hardcover-Digipak zudem mit dem Bonustrack "Cloke" auf. Ein ruhiger Track, der nicht unbedingt schlecht, aber verzichtbar ist.

Unter'm Strich ist "SPWTBFU" ein eigenwilliges Album, das sich nicht jedem Hörer erschließen und wohl zu gleichen Anteilen als "Top" und "Flop" eingestuft werden wird. Auch diese Rezension hat einen variablen Stern, der nach Tagesform zwischen zwei und vier rangiert.
Handwerklich ist das Album wie gewohnt tadellos, aber jede einzelne Nummer lädt hier zu angeregten Diskussionen ein.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 17, 2010 7:36 PM MEST


Age of the Fifth Sun
Age of the Fifth Sun
Preis: EUR 18,12

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stillstand ist Rückschritt, 9. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Age of the Fifth Sun (Audio CD)
Knappe zwei Jahre nach dem selbstbetitelten Album sind die Iren von God is An Astronaut bereits mit ihrem fünften Longplayer am Start.
Was das Genre des Post Rocks angeht, ist dieses häufig mit den provokanten Thesen "dieses Genre ist langweilig und gleichförmig" und "sofern man eine Band kennt, kennt man auch hundert andere" konfrontiert. Daß diese wie so viele andere eine Frage des Blickwinkels, mindestens aber des Geschmacks sind, muß man freilich nicht diskutieren...

An solchen Diskussionen ist das Trio, bestehend aus den Kinsella-Brüdern Torsten und Nils, sowie Schlagzeuger Lloyd Hanney, aber prinzipiell nicht unschuldig, denn wenn man deren Debüt "The End Of The Beginning" von 2002 mal außen vorlässt, lassen sich auf den darauffolgenden drei Alben und auch hier, deutliche Parallelen, Stilmittel und sonstige Ähnlichkeiten, nur schwer von der Hand weisen. Dies muß grundsätzlich nichts Schlechtes sein, da man mit "All Is Violent, All Is Bright" und zuletzt mit "God Is An Astronaut" zwei astreine Scheiben veröffentlichte, die 2005 gespickt war von wunderschönen Melodien und 2008 Breitwandsoundohrenkino auf Albumlänge präsentierte, der die "Trademarks" der Band fast schon in Perfektion gipfeln ließ.

Daher ist es nur allzu schade, daß die drei auf "Age Of The Fifth Sun" einfach nichts anders machen als zuvor, denn nur zu oft ertappt man sich bei dem Gedanken, daß man hier Vieles schon mal gehört hat, egal ob es sich um Melodienteile handelt oder elektronische Effekte, was den Gesamteindruck merklich nach unten sacken lässt.
Natürlich gibt es hier weder einen Totalausfall, noch sonstiges akustisches Fallobst, aber bei aller Homogenität mag die Platte an dem ein oder anderen einfach vorbeirauschen und so klingen beispielsweise "In the Distance Fading", "Lost Kingdom" und das abschließende "Paradies Remains" einfach nur abgestanden, mindestens aber so als wären die Songs aus der Zeit von "All Is Violent, All Is Bright", nur das diese es qualitativ nicht mit auf dieses Album geschafft hätten, nicht unbedingt, weil sie schlechter sind, sondern die anderen Titel stimmiger im Gesamtkontext wirken.
Wenn man mal von der für GIAA untypischen Rohheit der einsetzenden Gitarre beim Titeltrack absieht, ohnehin einer der Höhepunkte, bleiben die Iren einfach den Erwartungen nach einem Schritt nach vorne, sofern man die gehegt hatte, alles schuldig.
Glücklicherweise wartet die zweite Hälfte mit etwas ansprechenderem Material auf - wenn auch der Opener "Worlds In Collision" unbedingt zu den stärkeren Titeln zählt - denn "Parallel Highway" bleibt bei aller Vertrautheit doch hartnäckig in den Gehörgängen und "Shining Through" besticht durch die melodiöse Schön- und Zerbrechlichkeit, die GIAA zu kreieren verstehen. Auch der eben bereits erwähnte Titel"song" ist so gut, daß er bedenkenlos zweimal genannt werden darf und ist aufgrund seines Gitarrenriffs zumindest in Teilen wohl das Härteste, was in acht Jahren Bandgeschichte auf den Hörer losgelassen wurde.

Wer die anderen Platten mag, kann hier jedoch ohne zu Zögern zugreifen und sooo unangenehm sind Konstanten in der Musikbranche hin und wieder auch nicht. Wer dagegen den frommen Wunsch nach Weiterentwicklung äußert und das zwingend an einen Kauf koppeln möchte, sollte erst mal Reinhören, vielleicht sogar ganz Abstand nehmen.
Ob man nun abschließend sagen möchte, daß sich die Iren einfach treu bleiben und man bekommen möchte, was man erwartet oder GIAA seit 2-3 Alben einfach nur stagnieren, Altbekanntes aufkochen, ist wie so oft, Geschmackssache.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 14, 2010 12:46 PM CET


Stone Temple Pilots
Stone Temple Pilots
Preis: EUR 22,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wie eine Reise mit der Zeitmaschine, 20. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Stone Temple Pilots (Audio CD)
Irgendwie sind sie ja nicht totzukriegen, unsere alten Helden des 90er Alternative Rocks...
Während die einen sich wenigstens wieder zu Konzerten zusammenfinden (Rage Against The Machine), die anderen trotz Verlustes des Frontmannes mit neuem Sänger neues Material veröffentlichen (Alice in Chaines) oder sich einstige Identifikationsfiguren wie Chris Cornell sich dem timbaland'schen Klangkosmos entziehen wollen, um wieder mit den alten Mitgliedern zu rocken (Soundgarden), sind auch nun die Stone Temple Pilots wieder da.
War zumindest Scott Weiland nie wirklich weg von der Bildfläche (Gastauftritte bei The Crystal Method oder Sänger der Supergroup Velvet Revolver), traten die übrigen Mitglieder kaum mehr in Erscheinung, abgesehen vom kurzen Engagement der DeLeo-Brüder Dean und Robert in Richard Patricks (Filter) Supergroup Army Of Anyone. Drummer Eric Kretz eröffnete in der Zwischenzeit ein eigenes Tonstudio.

Die Vorab-Single "Between The Lines" erzeugt von vornerein mächtig Druck, nutzt sich jedoch leider recht schnell ab.
Dennoch scheint die Zeit irgendwie fast stehen geblieben zu sein, auch wenn sich das selbstbetitelte Comeback phasenweise etwas altbacken anhört. Den größten Unterschied scheint jedoch das strikte Vermeiden Weilands zu sein, sich in Eddi Vedder (Pearl Jam)-ähnlichen Vocals zu verlieren, was eines der größten Kritikpunkte an den STP in den 90ern war. Im Gegenteil, trotz langjähriger Polytoxikomanie klingt seine Stimme kraftvoll und unangegriffen.
Zu den gefälligsten Tracks zählen zweifelsohne die coole Midtempo-Nummer "Take A Load Off" und das nicht minder relaxte "Hickory Dychotomie, beides sehr gute Beispiele, wie unangestrengt sich dieses Album anhört, denn die Band macht nichts anders als vor zehn Jahren und das taten sie ja auch verdammt gut, wobei sie ein gutes Stück entspannter wirken und sicherlich auch einige jahre weiser.
Pluspunkte gibt es auch für popaffine Songs wie "Cinnamon" und das völlige Vermeiden schmieriger Halbballaden, auch wenn man in der Vergangenheit bewiesen hat, daß man selbst so etwas mit Stil vollführen kann ("Sour Girl" - super Song).
Leider bietet die Scheibe allerdings auch Füllmaterial wie "Dare If You Dare" oder das nervige "Bagman", was die Dynamik des Albums merklich bremst und am Ende im sehr durchschnittlichen "Maver" endet, welches das Balladenriff nur mit viel Wohlwollen um Haaresbreite umschifft.
Größtenteils beackern die Piloten hier Midtempo-Terrain, so daß beispielsweise das flottere "Fast As I Can" gegen Ende ebenfalls nochmal punkten kann, obwohl man der Meinung sein könnte, daß der Song gar nicht zu den besten des Albums gehört.

Neue Impulse verabreichen die STP dem mittlerweile stark in den Hintergrunde getretenen Alternative Rock wahrlich nicht und somit wendet sich diese Comebackscheibe mehr an alte Fans, Nostalgiker und die jugendlichen Rockhörer, die wissen wollen, wozu deren Tanten und Onkels in den 90ern in kleinen versifften Clubs die Mähnen schüttelten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 23, 2010 11:32 PM MEST


Heligoland Ltd (Dieser Artikel wird in 4 unterschiedlichen Covervarianten ausgeliefert)
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zurück zu neuen Ufern?!?, 2. Februar 2010
Fast auf den Tag genau sieben Jahre ist es her, daß Massive Attack mit dem zwiespältig aufgenommenen "100 Window" weiter an ihrem Legendenstatus feilten. "Heligoland" knüpft auch nur bedingt an den sterilen düsteren Elektrosound des Vorgängers an, sondern man geht um einiges reduzierter zu Werke.

Zudem darf gefeatured werden... Gerade mal "Rush Minute" und "Atlas Air" bleiben fest in Del Najas Hand, während sich bei den übrigen Tracks der bewährte Horace Andy, Martina Topley-Bird, Tunde Adebimpe (TV On The Radio), Damon Albarn, Guy Garvey (Elbow) und Hope Sandoval das Mikro in die Hand geben. Bei diesem großspurigen Namedropping ist es fast schon ein wenig schade, daß Daddy G bis auf dem durch die vorab erschienene "Splitting The Atom-EP" bekannte recht unausgegoren wirkende Titeltrack gar nicht zu hören ist und das auf der letzten Tour präsentierte grandiose "Heartcliff Star" auf "Heligoland" überhaupt nicht stattfindet.

Am herausragendsten sind zum einen das arg relaxte "Rush Minute" und das abschließende "Atlas Air", dessen Livedarbietung fast schon intergalaktisch war, was aber auch in der hiesigen Version, in der fast schon auf das elektronische Gerüst reduziert wird, zu fesseln vermag. Zudem erwies sich die Nominierung von Topley-Bird als echter Glücksgriff, die "Babel" zu einem schrägen und gleichsam coolen Stück wachsen lässt, daß richtig zu kicken versteht und in "Psyche" dank eines recht abstrakten Soundteppichs bis in die hintersten Gehirnwindungen stößt.
Auch Hope Sandovals Auftritt in der zwischengeschalteten Single "Paradise Circus" sollte unbeding erwähnt werden, zumal dieser Titel der vorangegangen 18-jährigen Band-Diskographie noch am ähnlichsten ist. Ein lasziv vorgetragenes Highlight, vielleicht der reguläre Chilltrack auf "Heligoland".

Die anderen fünf Songs glänzen dann aber eher durch Momentaufnahmen. So blitzt bei "Flat Of The Blade" fast schon radiohead'esker "Amnesiac"-Charme auf oder die Erkenntnis, daß mit "Pray For Rain" auch in seiner fast schon ermüdenden Monotonie doch ein richtig cooler Opener gewählt wurde und die Tatsache, daß Damon Albarn mich nach dem ersten Hören immer zu nerven weiß, mich am Ende aber doch fast immer kriegt, was aber hier daran liegt, daß "Saturday Come Slow" über eine schleichende Melancholie verfügt, die von Mal zu Mal beklemmender wird.

"Heligoland" kann auf den ein oder anderen sicherlich ähnlich enttäuschend wirken wie "100 Window" (was ich bei Songs wie "Future Proof", "Butterfly Caught" oder "Antistar" bis heute nicht verstehen kann), da hier weder unbeirrt "Back To The Roots" gegangen wird, aber auch keine wirkliche Loslösung betrieben wird wie es vielleicht Portishead vor knapp zwei Jahren getan haben.
Dennoch besticht es durch ein hohes Maß an Professionalität, Erfahrung, großartigen Momenten, geradlinigen Beats und einem ausgezeichnetem Händchen für passende Features.


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