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Charlousie LeseLust & LeseLiebe "Charlousie" (Deutschland)

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Falling into you - Für immer wir
Falling into you - Für immer wir
von Jasinda Wilder
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Vom Leiden und Lieben - atemberaubend, manchmal leider etwas kitschig, 27. August 2014
Aber wenn man sich nach jemandem so sehr sehnt, ihn so sehr braucht, dass es einen komplett ausfüllt, und wenn man für diesen Menschen alles tun würde, wirklich alles – das ist was anderes. Wenn einem jemand unter die Haut geht, man denjenigen in der Seele hat und mit der Luft einatmet und man irgendwann nicht mehr unterscheiden kann, wo man selbst aufhört und der andere anfängt – das ist Liebe. – S.223

»Der Inhalt«

Nell spürt nichts als Schmerz und wird von ihren Schuldgefühlen tagtäglich aufgefressen. Als ihr bester Freund und ihre große Liebe Kyle vor ihren Augen stirbt, kann sie einfach nicht vergessen, dass sie ihm nicht helfen, ihn nicht retten konnte.

Sie weiß nur, dass sie durch ein paar einfache Worte alles hätte verhindern können.

So leidet sie, still nach außen, laut schreiend in sich selbst. Sie sieht keinen Ausweg aus ihrem Unglück, als ausgerechnet Kyles großer Bruder wieder auftaucht und sie merkt, dass sie mehr mit ihm verbindet, als sie jemals glaubte. Dass sie nicht nur etwas verbindet, sondern dass er ihr helfen könnte, die inneren Qualen loszulassen…

»Gewaltige Brandbeite an Gefühlen«

Der Einstieg in „Falling into you – Für immer wir“ verläuft recht sanft. Vor allen Dingen da der Klappentext schon ein gutes Stück der Geschichte vorweg nimmt. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich ohne den Appetit anregenden Klappentext Jasinda Wilders Werk nie gelesen!

Nachdem (endlich) das Neuland begann, konnte ich mich vor lauter Emotionen kaum noch halten.

Jasinda Wilder bringt äußerst intensiv eine gewaltige Brandbreite der Gefühle zum Vorschein. Diese sind hauptsächlich schmerzhaft, zerstörerisch und leidend behaftet. Teilweise meinte ich, meine eigenen Dämonen, die durch diese Lektüre tatsächlich hin und wieder an die Oberfläche gezerrt wurden, nicht mehr von Fiktion und Realität unterscheiden zu können.

Folglich hat die Autorin es geschafft, mich so authentisch wie nur möglich in das Innenleben ihrer Charaktere blicken zu lassen. Die Charaktere wiederum bestechen durch ihre unendlich erscheinende Tiefe.

Die Handlung mag im Rückblick recht einfach und nicht besonders anspruchsvoll gestrickt sein, die Umsetzung der Figuren ist es dafür umso mehr.

»Gebannt und gefangen?«

Das bedeutet aber auch, dass mir dieser normalerweise doch recht grobe und große Mangel einer zu einfältigen Handlung beim Lesen gar nicht auffiel und er in diesem Fall ganz schön klein wird.

Tatsächlich habe ich es noch nie erlebt, dass mich die schillernden Charakterfacetten einer Story dermaßen bannen und gefangen nehmen konnten, dass ich alles andere um mich herum vergaß, sogar das Markieren von schönen Passagen, erste Gedanken zur Rezension oder auf den Schreibstil, die Handlung etc. zu achten.

»“Ich“ habe mich aufgelöst«

Letztlich war ich Nell, die unter lauten und leisen Qualen litt, dann war ich wieder Colton und dann war anfangs noch irgendwie ich dazwischen, löste mich im Verlauf auf und war dann letztlich eine Mischung aus Nell und Colton. Für ein „Ich“ gab es bei dieser schockierenden Intensität gar keinen Platz mehr.

Das Jasinda Wilder dermaßen viel mit Leidenschaft und Erotik spielen würde, habe ich wahrlich nicht erwartet. Da sie auch dort ehrlich und absolut offen bleibt, fügt sich diese Komponente nahtlos in die anderen Elemente ein; ergänzt sie sogar sehr gut, da so eine beeindruckende Entwicklung dargestellt wird, die einfach zu den beiden Protagonisten dazugehört.

»Eine Mauer des Kitschs«

Zum Ende hin hätte „Falling into you – Für immer wir“ ruhig ein wenig Tempodrosselung vertragen, was das Feurige, das Heiße, das Sexyie und das Leidenschaftliche angeht. Zu viel des Guten, dachte ich mir zwischendurch und empfand die Geschichte dann doch wieder arg an der Mauer des Kitschs entlangschabend und ein paar Brocken mitnehmend.

»Mein Fazit«

Obwohl Jasinda Wilder keinesfalls mit Perfektion in ihrem Roman „Falling into you – Für immer wir“ glänzt, hat sie mich doch Raum und Zeit, sogar mich selbst vergessen und von Kopf bis Fuß in die Geschichte hinein fallen lassen, so dass ich dieses beinahe schon unerträglich intensive Gefühlschaos allen BuchliebhaberInnen ans Herz legen muss.

Eine Geschichte mit Brüchen, Ecken und Kanten, die keine Tabus kennt, weniger Kitsch hätte vertragen können, doch durch die unglaublich tiefgründigen Charaktere alles wieder wett macht.

Hochgradig explosiv und eine Geschichte zum Leiden und Lieben!


Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
Preis: EUR 10,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein melancholisch anmutender Roman, der mich packen konnte., 5. Mai 2014
Zitat: "Ich muss schlucken. Will etwas sagen. Will ihm sagen, wie durcheinander ich seit unserem ersten Treffen bin, will ihm erzählen, wie oft ich an ihn denke, wie sehr ich unsere Gespräche genieße, wie viel mehr ich davon möchte. Aber ich sage nichts. Und ersticke fast an all den Worten, die ich nicht sagen darf." - S. 146

»Der Inhalt«

Annas Schwester Ruth ist tot. 1 Jahr ist es schon her und dennoch hat sie sich selbst in diesem Leben verloren. Anna weiß nichts mehr mit sich anzufangen, spürt sich nicht einmal mehr, so dass es sie auch noch herzlich wenig interessiert.

Per Zufall führt eine Katze sie zu der wunderschönen Statue eines Engels, zu dessen Füßen ein Meer aus weißen Rosen wächst. Anna vermutet eine Geschichte dahinter und ihr Interesse als Künstlerin ist geweckt. Schließlich hat sie früher viel und leidenschaftlich gemalt. Früher… Sie rappelt sich auf und beginnt die Statue zu zeichnen, da läuft ihr der junge Phil über den Weg und Anna spürt eine Anziehungskraft, die ihr solch große Angst einjagt, dass sie zu ertrinken glaubt.

»Eine rosige Geschichte über Abschied, Liebe und Schmerz«

„Dornenherz – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ von Jutta Wilke ist ein Roman über zwei jung Frauen, die durch die Zeit hindurch eine Geschichte verbindet. Eine besondere Geschichte, in der eine noch besonderere Rose eine Rolle spielt.

Lebendige Bilder haben mich durch „Dornenherz – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ begleitet, so wortgewaltig sind die Metaphern der Autorin über Verlust und den damit einhergehenden Schmerz, über Liebe, die ebenfalls Glück und Leid hervorrufen kann und über die Turbulenzen, die unseren Alltag gerne mal durcheinander wirbeln.

»Zarte Liebesbande?«

Ich habe mich in die Gedankenwelt der Protagonistin Anna tief hineinfühlen können. Habe mich hilflos und für die Zeit der Lektüre mich ebenso in mir selbst verloren gefühlt.

Obgleich die Geschichte aufgrund ihrer Kürze recht Schnelllebig ist, so ist sie doch von einer reifen Tiefe ausgefüllt, die mich Gänsehaut spüren ließ. Jutta Wilke beschränkt sich auf das Wesentliche, erzeugt dennoch verschiedene Spannungspunkte, welche sie wiederum brisant miteinander verknüpft. Ich sage nur, die Rose ist ein immer wiederkehrendes Element. Ebenso der auf dem (wunderschönen!) Cover abgebildete Engel. Die Liebe mag zwar zarte, aber mindestens drei mal so starke Bande knüpfen!

Atmosphärisch und wunderbar zum Einstimmen sind die kurzen Gedichte vor jedem Kapitel. Meistens ein Rosengedicht, das Zeit zum Innehalten, Nachdenken und in sich hinein horchen gibt.

»Mein Fazit«

Jutta Wilkes „Dornenherz – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ ist eine tiefschürfende Geschichte über Tod, Trauer, Verlust, aber eben auch einem Neuanfang. Eines Wiederentdeckens des Lebens, ein sich erfreuen an den kleinen Dingen und zu erkennen, wie schön das Leben sein kann.

Ein melancholisch anmutender Roman, der mich packen konnte.


Boy Nobody: Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.
Boy Nobody: Ich bin dein Freund. Ich bin dein Mörder.
von Allen Zadoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Ein Roman, der in unsere Zeit gehört, 21. Dezember 2013
»Der Inhalt«

Für diese Mission heißt er Benjamin. Eine Mission, die anders ist, als seine vorangegangenen. Das Töten ist er inzwischen gewöhnt. Sein anonymes Dasein als ‘Niemand’ als ‘Boy Nobody’ auch.

Doch diese Mission stellt ihn auf eine harte Probe. Er hat statt Monaten lediglich fünf Tage Zeit und obwohl er bestens ausgebildet ist und mit vielen Widerständen rechnet, hat er sein größtes Problem nicht einkalkuliert oder gar im Griff.

Seine Gefühle.

Ein Kampf beginnt, bei dem es nur Verlierer geben kann.

»Psychothriller und Puzzle«

“Boy Nobody” ist ein Psychothriller der Superlative.

In einem schnellen Tempo bekomme ich Seite um Seite und Kapitel um kurzes Kapitel alle möglichen Fetzen hingeworfen, die ich zusammenpuzzlen muss. Aber nicht kann, also muss ich weiterlesen. Solange, bis ich “Boy Nobody” beendet habe und feststelle: Ich habe noch nie ein so trauriges Buch gelesen, dass es nicht darauf anlegt traurig zu sein, sondern im Gegenteil. “Boy Nobody” betrachtet alles aus einer ziemlich rationalen und nüchternen Perspektive. Diese Perspektive hängt mit der Erzählweise des Protagonisten zusammen, der eine Ausbildung hinter sich gebracht hat, die ihn wie eine kalte Maschine funktionieren lässt.

»Ernüchternde Erkenntnis«

So traurig wie die Botschaft in “Boy Nobody” ist, so ernüchtert, einsam und kalt lässt es mich zurück.

Nichtsdestotrotz ist die Handlung umso spannender und rasanter. Obwohl im Nachhinein beinahe alles in ein logisches Licht getaucht wird, störte ich mich zwischendurch an einigen Unzulänglichkeiten, besonders den Zeitrahmen betreffend.

Ich empfand es als unrealistisch, dass “unserem” Boy Nobody in einer solch kurzen Zeitspanne dermaßen viele Sachen passieren, die natürlich alle super in sein Konzept passen und nach Plan verlaufen.

Zu schnelle, zu viele Gefühle, die nicht nur von einer Seite auszugehen scheinen.

Gerade das Tempo hat mich bei der Stange gehalten, dennoch sollte dafür nicht auf die Logik verzichtet werden.

»Sprachlich verbesserungswürdig«

Auch die Sprache hat mich nicht immer überzeugen können. Allen Zadoff legt seinem Protagonisten eine zeitgemäße, jugendliche und vor allen Dingen aus Hauptsätzen bestehende Sprache in den Mund und in die Gedanken. Diese ist grundsätzlich nicht verkehrt, doch wenn sich auf diese einfachen Sätze beschränkt wird, sollten manche Informationen nicht fünfach – nur in verschiedenen Variationen – aufgegriffen werden. Das hat mein Leseempfinden gelegentlich gestört, weil ich das Gefühl bekam, der Autor traue mir – traue seinen LeserInnen – kein Denkvermögen zu und betone Wichtiges lieber fünfmal, damit nichts übersehen würde.

»Nichts ist so, wie es scheint«

Ansonsten ist “Boy Nobody” eine rasante Geschichte, die viel Potenzial zum Nachdenken birgt, noch längst nicht abgeschlossen ist und die ich gerne weiterverfolgen werde.

Vor allen Dingen hat sie mich gelehrt, dass nichts so ist, wie es zu Beginn scheint; dass wir Menschen wahre Meister der Schauspielerei sind, unsere Rollen wechseln wie manche ihre Kleider und die Zusammenhänge manchmal größer sind als wir vermuten würden.

»Mein Fazit«

“Boy Nobody” ist ein Jugendthriller, den ich aufgrund seiner deutlichen Brutalität für etwas Ältere einstufen würde. So direkt, wie das Thema Auftragsmorden – quasi eine moderne Form der Assassinen – aufgegriffen wird, sollten Jüngere es nicht in die Hand nehmen.

Hervorzuheben ist der Realismus der Geschichte. Es wird nichts geschönt oder auch nur ansatzweise romantisiert oder durch Verklärung verharmlost.

Allen Zadoffs Serienauftakt habe ich unfreiwillig in nur einem Stück verschlungen und es nicht bereut.

Ein Roman, der in unsere Zeit gehört und dem ich trotz kleiner Mängel viele LeserInnen wünsche!


Morgans Erwachen
Morgans Erwachen
von Alex Epstein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Tief berührend und fesselnd!, 15. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Morgans Erwachen (Gebundene Ausgabe)
»Der Inhalt«

Frühmittelalterliches Britannien:

Ihr Name ist Anna und sie ist noch ein junges Mädchen, als sie im Traum beobachtet, wie ihr Vater Gorlois in der Schlacht hinterhältig getötet wird. Der Mörder ihres Vaters macht sich ihre Mutter Ygraine zu eigen, so dass Anna fliehen muss.

Sie wird über das Meer geschickt, ausgestattet mit dem neuen Namen Morgan. Sie gelangt nach Irland, ein Land, das ihr fremd und vertraut zugleich ist.

Jahrelang überlebt sie, lernt die Hoffnung, die Sehnsucht und die Liebe kennen und weiß dennoch: Sie lebt für nur ein Ziel: Sie will ihre Eltern rächen und den Mann töten, der ihr das Leben in Britannien nahm: Uther.

Doch wie kann sie gehen, wenn sie ihre Liebe gefunden hat und weiß, dass sie erneut ein Leben aufgeben muss, das sie hätte haben können?

»Tief berührend und fesselnd«

“Morgans Erwachen” von Alex Epstein hat mich tief berühren und durchgängig fesseln können.

Diesem Roman wohnt eine große Sehnsucht inne, die durch verschiedene Konflikte, jedoch vordergründig durch die Gedanken und Taten der Protagonistin Morgan transportiert werden.

Alex Epstein beschreibt bravourös die malerischen Landschaften Irlands, geht darüber hinaus und schildert, was in der Erde liegt, unter den Menschen. Welchen Zauber und welche Magie die Erde beherbergen kann. So magisch, wie der Plot durch Morgans Taten teilweise anmutet, so magisch gestaltete sich für mich auch das Lesen.

Voller Begeisterung habe ich mitverfolgt, wie Morgan ihre “Zauberkräfte” bzw. ihre Verbindung zur Erde entdeckte und in sich entfesselte.

»Glaubenskonflikte«

“Morgans Erwachen” zieht nicht nur einen wunderschönen Bogen zwischen den persönlichen Gefühlen der Protagonistin, die primär von Rache genährt werden, sondern auch einen der Religionen.

Epstein gibt getreu wieder, wie sich Menschen einer bestimmten Glaubensrichtung fremden Glaubensrichtungen annähern. Meistens begegnet man diesen mit Skepsis und Misstrauen, im frühmittelalterlichen Zeitalter begegnet man anders denkenden Menschen sogar mit dem Tod.

Propheten, Druiden, Römer, Christen, Heiden, Hexen, all das thematisiert Alex Epstein und zwar auf eine Art und Weise, die mich selbst zum Nachdenken anregte und mir half, Religion noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

»Starke Identifikationsmöglichkeiten mit den Figuren«

Ich habe selten kraftvollere Worte und Verflechtungen derer genießen dürfen.

Während von der Schönheit des Krieges die Rede ist, sträuben sich mir eigentlich die Nackenhaare, doch dieser Autor lässt mich diese Betrachtung nachvollziehen und ich bin erstaunt, welch grausamen Taten tatsächlich manchmal etwas Schönes innewohnen kann.

Alex Epsteins Schilderungen habe ich sogar als dermaßen intensiv empfunden, das ich stellenweise

fürchtete, dieser Intensität nicht mehr gewachsen zu sein…

Überhaupt war es so, als wäre ich Morgan gewesen, wäre als Anna in Britannien geboren worden, um dann über das Meer zu kommen – mit einem neuen Namen – in der rauen Wildnis Irlands zu leben und mich in einer fremden Kultur zurechtzufinden.

Das ist ein großartiges Kompliment für den Autor, wenn ich mich als Leserin so fühlte, als sei ich dort gewesen.

»Mein Fazit«

Zwischen Rache, Liebe, Glaube und Hoffnung. Zwischen Krieg, Gewalt, Blut und Tod. Zwischen Natur, Schönheit, Magie und Stärke.

“Morgans Erwachen” bewegt sich auf vielerlei Ebenen, die ich als Leserin mitfühlend verfolgte; und nur jedem nahelegen kann, die Reise, die Morgan antritt, ebenfalls anzutreten und sich entführen zu lassen, in eine Geschichte, aus der so viel Liebe, Gefühl und Poesie spricht, dass es mir das Herz zerreißen möchte.


Assassino
Assassino
von Gerd Ruebenstrunk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

2.0 von 5 Sternen Vergeudetes Potenzial in enttäuschender Umsetzung!, 30. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Assassino (Gebundene Ausgabe)
»Inhalt«

Kati und Chris besitzen einen hohen IQ, so dass es nicht verwunderlich ist, dass sie im Auftrag von Katis Vater auf der Suche nach der s.g. Fibelscheibe sind. Blöderweise sind sie nicht die einzigen, die sich für dieses Objekt interessieren. Blut säumt den Weg, den sie gehen müssen, um die Fibelscheibe zu lokalisieren.
Leichter werden die Dinge mit dem Auftauchen des mysteriösen Ilyas nicht gerade. Er scheint sich an nichts zu erinnern und wirkt wie aus einer anderen Zeit gefallen.
Während Kati und Chris sich diesen Herausforderungen stellen, offenbaren sich zunehmend die Zusammenhänge zwischen der Fibelscheibe und dem Jungen, Ilyas.
Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.

»Verloren in wirren, parallelen Erzählungen, die plötzlich Hauptschauplätze sind.«

Mit dem Buch “Assassino” von Gerd Ruebenstrunk bin ich vorne und hinten nicht warm geworden.
Die ersten Seiten überraschten mich positiv, dieser Eindruck verflüchtigte sich allerdings nach nur wenigen Seiten. Die Figuren wurden immer unglaubwürdiger, nervender, widersprüchlicher und wenig lesenswert. Anfangs nahm ich an, dass der Plot früher oder später wieder Fahrt aufnehmen würde, ging relativ unkritisch an die weiteren Kapitel heran, was sich nach spätestens der Hälfte komplett änderte.
Viele Handlungsstränge und parallele Erzählungen führen auf einen vermeindlich großen Showdown hin, der natürlich einiges auflöst, aber nicht so brillant oder packend daherkommt, wie ich es mir gewünscht hätte.
Gerd Ruebenstrunk hat in meinen Augen nie so ganz die Prioritäten seiner Figuren festlegen können. Mal ist die Suche nach der Fibelscheibe – die gleichzeitig der Auslöser und die Grundlage für “alles” ist - am wichtigsten, dann tritt sie in den Hintergrund und es wird über Details in einer undurchsichtigen Bruderschaften aus der Vergangenheit gefachsimpelt.

»Vergeudetes Potenzial und Kleinigkeiten, die zu Störfaktoren heranwachsen.«

Eine Verbindung zu diesen Bruderschaften oder auch Auftragsmördern - genannt Assassinen - gibt es durch die Figur Ilyas, jedoch ist das darin enthaltene Potenzial kaum ausgeschöpft worden. Verbindungen und Übergänge, Zusammenhänge und Entwicklungen verkümmern im Laufe des Lesens immer wieder erneut auf halbem Wege.
Meistens sind es nur Kleinigkeiten und normalerweise stören mich Kleinigkeiten nicht weiter. Bei “Assassino” summierten sich die Kleinigkeiten vielfach und mutierten, gespickt von kleinen Logikfehlern, zu großen Störfaktoren, die mich den Lesespaß kosteten. Einige Situationen wirkten extrem künstlich und auch die Handlungen zwischen den Figuren gestellt und unnatürlich. “Gab es da eine Liste, die der Autor abgehakt hat, bevor er sich dem nächsten Abschnitt zuwenden konnte?”, habe ich mich ein ums andere Mal gefragt.

»Lesetief und Abbruch-Gedanken!«

Nein, Gerd Ruebenstrunk konnte mich mit “Assassino”, im Gegensatz zu “Rebellen der Ewigkeit” nicht überzeugen. Das Buch balancierte knapp an dem Punkt, an dem ich Bücher gerne abbrechen würde. Wäre es nicht für eine Leserunde gewesen, hätte ich dies vielleicht sogar getan, denn so bin ich in ein kleines Lesetief geschlittert.
“Assassino” besitzt positive Ansätze, die ich ein einziges Mal prima umgesetzt sah.
Eine Hauptfigur schildert unter Hypnose seine Geschichte. Während dieser (zu seltenen) Momente war ich gefesselt und hätte mich über eine Vertiefung in dieser Richtung gefreut.
Stattdessen bleibt die Handlung relativ offen und eine Fortsetzung ist zu erwarten, auf die ich getrost verzichten kann!

»Mein Fazit«

“Assassino” ist eine Geschichte mit viel Potenzial, das zu cirka achtzig Prozent in den Sand gesetzt wird. Ich kann kaum ein positives Haar an diesem Buch lassen. Trotz wunderschöner Gestaltung in schimmernder metallic-Optik, weiß der Inhalt in wenig schimmernder Manier einen bitteren Nachgeschmack zu hinterlassen. Durststrecken, Charaktere, mit denen ich nicht warm wurde, Ungereimtheiten und kaum Spannung, verleideten mir das Lesen, trotz flüssigem Schreibstil.
Vielleicht waren meine Ansprüche zu hoch und meine Erwartungen für ein reiferes Buch gingen in eine zu verkehrte Richtung.
Mag sein, dass jüngere LeserInnen mit “Assassino” mehr Vergnügen haben als ich, doch ich werde keine Empfehlung aussprechen.
Eventuell klappt es mit meinem nächsten Gerd Ruebenstrunk-Buch besser!


Frostiges Paradies
Frostiges Paradies
von Kate Harrison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich mal wieder ein Buch, bei dem der Einstieg auf Anhieb passte!, 17. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Frostiges Paradies (Gebundene Ausgabe)
»Inhalt«

Alice hat ihre große Schwester Meggie immer geliebt. Obwohl Meggie immer die Schönere, die Begabtere und am Ende sogar ein berühmter Promi war. Doch wie wichtig ihre Schwester Alice gewesen ist, registriert sie erst, als es zu spät ist. Meggie wird tot aufgefunden. Ermordet. Erstickt.
Von diesem Moment an ist Alice’ Welt zerstört. Ihre Eltern gehen auf zu verschiedene Art und Weisen mit ihrer Trauer um und geraten darüber ständig in Streit. Alice hat einfach nur Kummer und weiß nicht, wie sie ins Leben zurückfinden soll.
Dann erhält sie plötzlich komische E-Mails, die eine Einladung von Meggie versandte Einladung zum Strand beinhalten.
Alice betrachtet diese virtuellen Einladungen mit Skepsis. Doch irgendwie kann sie es auch nicht als totalen Unsinn abtun. Schließlich hat nur Meggie gewisse Dinge gewusst und wer sonst hätte sie so einladen können? Also folgt Alice der Einladung und entdeckt eine Welt, von der sie nicht weiß, ob sie nicht lieber unentdeckt geblieben wäre.

»Ein idyllisches Strandparadies mit einigen Frostbeulen«

Endlich mal wieder ein Buch, bei dem der Einstieg auf Anhieb passte. Kurze Kapitel, spannende Gedankengänge und ein Inhalt, der sowohl ernst zu nehmen ist als auch Entwicklungspotenzial besitzt. Ich verspürte sofort einen Sog, dem ich mich bis zum Ende nicht widersetzen konnte. Kate Harrison überzeugt mit einer jungen Protagonistin, die zwischen Trauer und Gefühlschaos in etwas sehr Ungewöhnliches eingeführt wird. Ein virtuelles Strandparadies, an dem sie ihre ermordete Schwester Meggie wiedertreffen und sehen kann. Ein idyllisches und äußerst angenehmes Strandflair, das nach einigen Seiten die ersten Frostschauer garantiert, wird auf ca. 300 Seiten langsam entblättert. Dabei wird den LeserInnen so einiges Spanisch vorkommen, während sie auf mysteriösen Pfaden tiefer und tiefer geführt werden. Kate Harrison hat diese Idee prickelnd umgesetzt und einen guten Mix aus Fiktion in der virtuellen Strandwelt geschaffen und zugleich genug Realität hineingenommen, um den Strand nicht zu lächerlich wirken zu lassen. Beide “Welten” komplementieren das Gesamtbild der Protagonistin und steuern auf ein Ass im Ärmel zu, das uns hoffentlich spätestens im dritten Teil beglückt.

»Absichtliche Grenzverwischungen«

“Soul Beach I – Frostiges Paradies” ist außerdem ein recht freakiges und abgefahrenes Buch. Alleine die Idee dieses virtuellen Strandes, der in all seiner Farbenpracht und Schönheit beschrieben und ausgeführt wird. Da vergaß ich manchmal, dass er doch eigentlich ziemlich unrealistisch sein müsste. Genauso erging es auch der Protagonistin Alice, die sich immer wieder in Erinnerung rief, dass sie den Strand über den Bildschirm ihres Laptops sieht und dort jede ihrer Bewegungen mit der Maus steuert. Das hat Grenzverwischungen zur Folge, die sicherlich beabsichtigt sind und mich ebenfalls noch Großes hoffen lassen!

»Das i-Tüpfelchen«

Quasi aus dem “Off” ist immer wieder eine (noch) unbekannte Perspektive eingeschoben, die definitiv Meggies Mörder ist und kleine Motivationen für seinen Mord preisgibt, dabei jedoch genauso viele Fragen aufwirft, wie er durch seine Sichtweise soeben geklärt hat. Eine delikate, pikante und geniale Methode, die mich drängte, immerfort weiterzulesen.

»Zu wenig Auswahlmöglichkeiten, zu wenig geklärte Hintergründe«

Weniger rund fand ich die Entwicklungen rund um den Mordfall dieses Buches. Bisher sind zu wenig Personen eingeführt worden, die in Frage kommen.
Das hat meine Neugierde verringert und meine aktiven Grübeleien rund um das Geschehen gedämpft. Bisher gibt es kaum Optionen und ich fürchte, dass der Mörder noch nicht einmal eingeführt wurde.
Auch die Hintergründe des Strandes hätte ich gerne schon etwas genauer erläutert bekommen. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint mir das Grundgerüst von “Soul Beach I – Frostiges Paradies” ziemlich suspekt. Obwohl Kate Harrison das Meiste bestens umsetzte, sind Enttäuschungen über die Hintergründe nicht auszuschließen.

»Mein Fazit«

Kate Harrison legt mit ihrem Auftakt zur “Soul Beach”-Trilogie einen gut Start hin, indem sie mit einem temporeichen Aufbau überzeugt und beständig das Gefühl sät, da würde später einmal DAS ganz Große folgen.
Ich habe die eher schwermütige Grundstimmung genossen, die von gelegentlichen Lichtstrahlen am Strand durchbrochen wird und dann direkt einem überaus frostigen Klima weicht.
Mysterien, Spannung und Gruselheiten geben sich in einem ständigen Wechsel die Hand und werden viele LeserInnen einfangen, die Reihe fortzusetzen.
Keine schlechte Idee, denn auch ich bin begeistert!


Warte auf mich: Roman
Warte auf mich: Roman
von Philipp Andersen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wäre wenn... Sie dieses Buch lesen und es eines der besten wäre, die Sie je in den Händen hielten?, 3. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Warte auf mich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Für immer und niemals – die Geschichte einer unmöglichen Liebe.

»Inhalt«

Die Autorin Miriam findet diesen schnöden, alten Autor Philipp Andersen eigentlich ziemlich arrogant und nervend. Wie ein Gockel plustert er sich immer auf und gibt Lesungen im belehrendem Tonfall.

Doch dann sitzen sie während eines Verlagsjubiläums plötzlich nebeneinander und lassen ihre Hände sprechen.

Ohne großartig darüber nachzudenken, lädt Miriam ihn in ihr Hotelzimmer ein und verflucht sich im nächsten Moment auch schon wieder dafür. Als er dann tatsächlich erscheint, ahnen beide noch nicht, dass für sie eine schmerzhafte und geradezu unbegrenzte Liebe erwachsen soll. Eine Liebe, die sich unmöglich gestaltet, denn Philipp steht als langjährig verheirateter Mann und Vater einer Tochter mit beiden Beinen im Leben, während Miriam als geschiedene Frau ein Männer-Desaster nach dem anderen durchlebt…

»Sensationell! – Wo sind die Taschentücher?«

“Warte auf mich” ist ein sensationeller Roman. Wie können es zwei Menschen schaffen, dermaßen von der Muse geküsst zu sein, um die Höhen und Tiefen einer Liebe so wortgewandt, treffend, poetisch und schmerzhaft schön in Worte zu kleiden?

Miriam Bach und Philipp Andersen erzählen keine normale Liebesgeschichte. Eine heimliche und eigentlich verbotene Liebe, die sich richtiger nicht anfühlen könnte und die LeserInnen damit von Abgrund zu Abgrund ziehen.

“Warte auf mich” gestaltet sich durch einen “Ping-Pong”-Perspektivenwechsel oder auch den Aufbau der Dialogform, wie es im Roman erwähnt wird, als äußerst spannend, abwechselnd und pochend realistisch.

“Warte auf mich” wird also abwechselnd aus Philipp Andersens und Miriam Bachs Sichtweise vorangetrieben, deren Schreibstil trotz einiger Unterschiedlichkeiten perfekt miteinander harmonieren und es mir ermöglichten, der Handlung wie im Fieber zu folgen.

»Lesefieber im neuen Sonnensystem zweier Menschen!«

Warum wie im Fieber? – Weil “Warte auf mich” neben dem andersartigen Konzept, auch inhaltlich etwas komplett Neues bietet; unglaublich erfrischend und trotz Kummer und Schmerz immer wieder witzig und lächelnd daherkommt. Weil es mit einer guten Portion Verrücktheit gewürzt ist und den Einblick in ein ganzes eigenes Sonnensystem gibt. Das Sonnensystem zweier Menschen, die sich nur noch umeinander drehen, sich so nah stehen, wie man sich nur nahe stehen kann und trotzdem von einem ganzen Universum aus Gründen und Barrieren getrennt werden.

Die Figuren, die in ebenjenem Dialogstil aus der Ich-Perspektive erzählen, gewähren ihren LeserInnen tiefe Eindrücke von ihrem Seelenleben. Das hatte etwas gänsehautförderndes an sich, dem ich nicht widerstehen konnte, so dass ich den beiden Figuren Seite um Seite, Kapitel um Kapitel stärker in den Teufelskreis folgte, der bis zu richtigen Herzrasereien und einem ausgewachsenem Gefühlschaos führt.

»Der Roman im Roman, eingerahmt von einer glaubwürdigen “Meta”-Ebene.«

Gefallen hat mir besonders die Ebene des Romans im Roman. Es wird einfach nicht deutlich, was nun wirklich Roman ist und was nicht. Zusätzlich wird die eigentliche Geschichte von einer weiteren “Meta”-Ebene eingerahmt, die dem Ganzen eine noch größere Glaubwürdigkeit verleiht und den Rahmen feststeckt, indem die Handlung geschieht.

Das Autorenduo vermittelt die Kostbarkeit des Augenblicks und berichtet, dass sie mehr hatten, als die meisten je haben werden, trotz Schwierigkeiten, Widersprüchlichkeiten und Einsamkeit.

Ich habe mich beim Lesen der einzelnen Wörter beinahe tatsächlich wie gestreichelt gefühlt, weil “Warte auf mich” mein Innerstes berührte und bis zum Ende mit dem Fakt spielt, wie viel Realität oder lediglich erdachter Romanstoff in ihm steckt.

»Perfektion, die sprachlos zurücklässt«

Welch größeres Kompliment kann es geben, als dass jemand die Geschichte für möglicherweise real hält und sich deswegen durchs Netz klickt und Hinweisen nachgeht, um genau das abzuklären?

In “Warte auf mich” steckt solch eine Perfektion, die mich nun ziemlich sprachlos zurücklässt, so dass mir keine Lobpreisungen mehr zum genialen Plot, dieser Idee und unbeschreiblich gefühlvollen Umsetzung einfallen wollen.

»Mein Fazit«

“Warte auf mich” ist DER Roman, auf den ihr gewartet habt, wenn ihr gerne Liebesgeschichten lest, die einen Wahrheitsgehalt nicht vermissen lassen und nicht nur zu rührseligen Tränen verleiten. Eine Geschichte, die Lebensbejahend, Mut schöpfend und ein poetischer Diamant ist. Eine Geschichte, deren Figuren mit ihren Fehlern lebten und sagten, dass man nicht in der Absicht lebt, Leid zu vermeiden, sondern um zu leben und dazu gehören auch (Leid verursachende) Fehler.

Ich kann Philipp Andersens und Miriam Bachs Roman jedem ans Herz legen, denn er ist an Authentizität und Impulsivität kaum zu überbieten.


Simpel: Gelesen von Martin Baltscheit, 4 CDs, Digifile, ca. 4 Std. 45 Min.
Simpel: Gelesen von Martin Baltscheit, 4 CDs, Digifile, ca. 4 Std. 45 Min.
von Marie-Aude Murail
  Audio CD
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Ein I-D-I-O-T?? - Nein, nur das beste Hörbuch, das ich jemals hörte..., 18. Mai 2013
»Inhalt«

Colbert braucht für sich und seinen Bruder Simpel zwei WG-Zimmer. Bei der Tante können sie nicht mehr wohnen, denn Simpel hält sie für eine böse Hexe und will ständig seinen Verolver und sein Messer ziehen. Aber sie sind neu in Paris, weil Colbert nun dort die Schule besucht und sich weigert, Simpel in einer Anstalt verschimmeln zu lassen. Das macht es nicht einfacher, andere von sich und Simpel zu überzeugen, wenn der über 20-jährige überall Monsieur Hasehase an den verdreckten Ohren herauszieht, Playmobil spielen möchte und ohne Scheu die peinlichsten Fragen stellt. Doch dann stellen sie sich in einer WG vor, die vielversprechend scheint und eventuell könnten sie dort ein zu Hause finden. Allerdings fangen damit die Probleme erst so richtig an…

»Das mit Abstand beste Hörbuch!«

Ich habe schon viele gute und tolle Hörbücher gehört. Meistens ist jedoch entweder die Geschichte nicht vollständig zufriedenstellend oder die Umsetzung und Darbietung der SprecherInnen.

“Simpel”, gelesen von Martin Baltscheit, ist das mit Abstand beste Hörbuch, das ich bisher gehört habe. Die Autorin hat ein sensibles Thema aufgegriffen, es gekonnt sowohl mit Humor als auch Ernsthaftigkeit umgesetzt und Fäden gesponnen, die in einen undurchschaubaren Ausgang führen. Ein an sich schon geniales Buch, würde ich behaupten und denken, dass dies nicht mehr zu steigern wäre. Doch ich habe noch nie der Stimme Martin Baltscheits gelauscht.
Hörbuch "Simpel"

Wie soll ich eine Leseperformance und Umsetzung beschreiben, wenn sie wirkt, als sei es schon gar keine Aufnahme mehr?

Wenn der Sprecher den Figuren – die alleine von den Beschreibungen Marie-Aude Murails ausgefeilt und vielschichtig sind – ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt und ihnen regelrecht eine Seele einhaucht, die mich glauben machte, die liebevoll geschilderte WG warte nur um die nächste Ecke auf mich?

Das Resultat ist ernüchternd: Ich kann es einfach nicht. Ich kann das nicht umschreiben. Ich kann lediglich darauf hinweisen, dass ich noch nie ein dermaßen atemberaubendes Hörbuch wie “Simpel” gehört habe und die Zeit extrem genossen habe.

»Monsieur Hasehase als heimlicher Protagonist der Geschichte?«

Die Geschichte an sich beleuchtet das Zusammenleben zweier Brüder, die auf sich allein gestellt, versuchen, ihr Leben zu regeln. Dabei muss der Jüngere, noch Minderjährige, auf seinen eigentlich großen Bruder aufpassen, weil dieser geistig auf dem Stand eines vielleicht 3-jährigen Kindes ist. Daher kommt es, dass ich den Abenteuern von Simpels Kuscheltier Monsieur Hasehase lauschte, durch den sich Simpel zumeist ausdrückt und bei gewissen Stellen schon mitrufen konnte, wenn es bspw. Hieß:

“Guck, guuuuuuck…”, “Was ist das?” “Nein, WER ist das… Das ist Monsieur Hasehase!!!”

Die Geschichte ist nicht unbedingt so simpel, wie es der Titel vermuten lässt und durchdringt bemerkenswert elegant eine Tiefe, die sich erst mit der Zeit entblättert und das Witzige mit dem Traurigen verbindet. Denn Simpel ist alles andere, als ein “I-D-I-O-T”, wie es zu Beginn in der Zitatewolke ansonsten gedeutet werden könnte…

»Mein Fazit«

Sowohl Marie-Aude Murail als auch Martin Baltscheit haben ein lebendiges Bild in meinem Kopf gezeichnet und mich einige genussvolle Stunden erleben lassen, die ich gerne noch einmal durchleben würde und mit “Simpel” sicherlich auch tun werde. Die Figuren sind mir sehr ans Herz gewachsen und es fällt mir schwer, mich von ihnen zu verabschieden. Wer gerne klugen Geschichten lauscht oder sich ins Neuland der Hörbücher wagt, kann mit “Simpel” in gar keinem Fall etwas verkehrt machen.

Ein TOP-Hörbuch, das nichts außer spannenden Minuten zu bieten hat und Lust auf mehr bietet! Meine Empfehlung, die ich mit viel Respekt und Bewunderung vor der Autorin und dem Sprecher ausspreche.


Du liebst mich nicht
Du liebst mich nicht
von Edeet Ravel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tief bewegend, ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Du liebst mich nicht (Taschenbuch)
Zitat:
"Ich verspürte einen übermächtigen Wunsch, ihn zu berühren – es war ein körperliches Verlangen wie Hunger oder Durst."
S. 187, „Du liebst mich nicht“ – Edeet Ravel © cbt

»Der Inhalt«

Für ein paar Wochen sind die Freundinnen Chloe und Angie in Griechenland als freiwillige Helferinnen. Kurz bevor sie abreisen, dürfen sie die Gegend auf eigene Faust erkunden. Doch sie streiten sich und Chloe zieht eines morgens alleine los, um ihre Freundin nicht zu wecken. Zunächst geht alles gut, bis sie sich mit verbundenen Augen in einer Limousine wiederfindet und ein Fremder ihr befiehlt, sich umzuziehen. Sie bekommt alles nur am Rande mit, doch per Auto und Flugzeug wird sie irgendwohin verschleppt. Sie steht Todesängste aus und fürchtet das Schlimmste. Ihr Entführer scheint gelegentlich ganz nett zu sein, doch sie weiß, dass dies nur eine Maske ist. Aber manchmal, da ertappt sie sich dabei, wie sie ihn länger anstarrt als schicklich ist und eine Anziehung von ihm ausgeht, der sie nicht widerstehen kann…

»Intensiv! Tiefes und berauschendes Abtauchen garantiert«

In “Du liebst mich nicht” bin ich so richtig, richtig tief abgetaucht. Ein Grund dafür, warum ich es in nur einem Stück verschlang und mich mit dem Zuklappen der Buchdeckel zunächst ziemlich orientierungslos fühlte. So versunken und gefangen war ich von dem durch und durch fesselnden Szenario, das die Autorin Edeet Ravel in ihrem Roman kreiert.

Der durchweg packende Rausch entsteht durch die interessante Geschichtsidee, die unglaublich intensiv umgesetzt wurde und mir daher sehr nahe ging.

Dieses wiederum wird durch den brillanten Aufbau von “Du liebst mich nicht” erzeugt. Als Leserin werde ich – genauso wie die Protagonistin Chloe – in eine neue und unbekannte Situation geworfen, mit der ich klarkommen musste oder eben nicht. Dadurch wuchs ich eng mit Chloe zusammen und fühlte dermaßen stark mit ihr mit, als wären es meine eigenen Gefühle.

»Ein gelungener Rundumblick«

Bei Entführungsgeschichten kann oft die Problematik einer einseitigen Handlung entstehen, was Edeet Ravel geschickt – auch durch ihren famosen Aufbau – umging, indem ich, zeitgleich und zusätzlich zu Chloes Bericht in der Ich-Form, Zeitungsartikel, Facebookeinträge und Tagebuchseiten mitverfolgte. Dieser Rundumblick verleiht “Du liebst mich nicht” eine größere Tiefe und lässt die Ereignisse insgesamt realer erscheinen.

Es erscheint anormal, wie so echt, ehrlich und wahr wirkende Gefühle zwischendes Entführer und Opfer- entstehen können. Doch wer behauptet, dass das s.g. Stockholm-Syndrom wirklich nachvollziehbar wäre? Edeet Ravel hat nichtsdestotrotz eine realistische Beziehung in der Geschichte verwoben, die Hilflosigkeit, Verlangen und viel, viel Menschlichkeit ausdrückt.

»Ein dunkler Sog, Herzklopfen und mehr als Unterhaltungswert«

Als ich “Du liebst mich nicht” zum ersten Mal sah, ahnte ich, dass sich dahinter eine packende Geschichte verbergen könnte, die am Ende tatsächlich meinen Erwartungen mehr als gerecht wurde. Generell lese ich solche Themen gerne, weil sie die Möglichkeiten bieten, sich komplett in sie hineinfallen zu lassen, sie Herzklopfen garantieren und meistens über den bloßen Unterhaltungswert hinaus an Abgründen balancieren und mit vielen Ebenen spielen.

So verwundert es mich auch nicht weiter, dass ich mich von den Seiten nicht mehr zu lösen vermochte und dem gigantischen Sog gnadenlos verfiel.

Zu gerne würde ich einiges über den/die Entführer schreiben, doch ich werde nichts verraten und muss darüber leider Stillschweigen bewahren.

Düstere “Machtworte” lassen sich in Edeet Ravels Roman ebenfalls finden. Unterschwellige Manipulation, irritierende Elemente und die einzige Gewissheit am Ende, dass ich nicht mehr weiß, was ich nun glauben soll und was nicht. Einfach überwältigend.

»Mein Fazit«

Vergesst den Alltag und lasst euch im wahrsten Sinne des Wortes in eine bombastische Geschichte entführen, die auf ihrem Pfad gespickt ist mit intensiven Gefühlen, dunklen Gedanken und verführerischen Augenblicken. Eine Geschichte, die über das normale “Ich” hinausgeht und mich mit schier unerträglicher Nachdenklichkeit und Spannung zurückließ.

“Du liebst mich nicht” ist das perfekte Buch für eine Nacht oder einen Tag, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass man es auch nur einen Moment zur Seite legen möchte! Eine Delikatesse, die manche eventuell mit Vorsicht genießen sollten. Brillant, brillant, brillant!


Weil du fehlst
Weil du fehlst
von Jana Frey
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen »Zwischen Ohnmachts- und Glücksgefühlen, meine absolute Leseempfehlung!«, 8. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Weil du fehlst (Gebundene Ausgabe)
Zitat:

Ich legte meinen Mund auf seinen und hielt mich an seinem warmen, festen Nacken fest.

Seine Lippen fühlten sich rau an.

S. 142, „Weil du fehlst“ – Jana Frey © KJB

»Der Inhalt«

Überall ist diese Wolke. Schwarz, drohend und unheilvoll. Bereit, Kassandra zu verschlingen. Dabei möchte Kassandra doch endlich Wurzeln schlagen können, ohne die Angst, gewaltsam aus der Erde gerissen zu werden. Ohne die Angst, dass ihre Mutter schon wieder umzieht und sie sich von den nächsten geliebten Menschen trennen muss. Seit dem Tod ihres Vaters ist ihre Mutter getrieben von einer regelrechten Umzugssucht, die Kassandra verrät, dass in der Vergangenheit ein Geheimnis liegt, das ihr Leben verändern könnte.

»Das gewisse Etwas, vereint mit nur allen wünschenswerten Komponenten, die es so gibt!«

“Weil du fehlst” von Jana Frey ist ein phänomenal schön geschriebenes Buch, das durch seinen außergewöhnlichen Schreibstil hervorsticht und eine Geschichte bereithält, die mit allerlei Wendungen zu überzeugen weiß.

“Weil du fehlst” besitzt das gewisse Etwas. Es baut eine feine Spannung auf, kreiert eine Atmosphäre, bei der mir sofort auffiel, dass da irgendetwas nicht stimmt und jongliert nicht zuletzt mit Figuren, in die ich mich gut eindenken konnte und die durch die Beschreibungen leben. Beschreibungen, die der Hauptfigur Kassandra in den Mund gelegt werden, die aus der Ich-Form und in einem – wie bereits angemerkt – ungewöhnlichen Schreibstil ihre Sicht auf die Dinge schildert; von ihrem besonderen Leben erzählt, das so einige Umzüge beinhaltet und von ihrem düsteren Problem, das sich immer drückender – nicht nur auf sie – sondern auch auf mich als Leserin niederlegte.

»Zwischen Ohnmachts- und Glücksgefühlen«

Fesselnd war ebenjenes Problem, das Kassandra zu ihrem Geheimnis machte. Es ist eine schwarze Wolke, die sich auf sie stürzt und von der sie glaubt, dass sie sie vernichten möchte. Bisher nur in ihren Träumen von der Wolke heimgesucht, wird Kassandra nun auch am Tag von ihr überfallen und erleidet Ohnmachtsanfälle. Zwischenzeitlich ist dies von Jana Frey so geschickt eingefädelt, dass ich mir unsicher war, ob diese „Wolke“ nicht gar ein fantastisches Element darstellt oder lediglich der Einbildung Kassandras entspringt. Doch es folgt der Punkt, an dem man bereits vor der Auflösung ahnt, dass ein traumatisches Ereignis hinter alledem steckt. Das Lesen wirkt hierbei so, als würde man Kassandras originale Aufzeichnungen lesen, die sehr variieren und vom E-Mail-Austausch mit ihrem Brieffreund Achmed, bis zu eigenen Beschreibungen und Listen reichen. Diese Faktoren brachten mir die Protagonistin noch näher.

»Facettenreiche Vielfältigkeit und eine nachdenklich stimmende Thematik«

Am grandiosesten habe ich sowohl die Auflösung empfunden, die glücklicherweise nicht bis zum Ende auf sich warten lässt, als auch das, was dann folgen soll. Jana Frey hat eine meiner Lieblingsthematiken aufgegriffen, die nicht im Klappentext erwähnt wird. Das ist gut, denn ansonsten würde den LeserInnen eine große Spannung genommen. Aus diesem Grunde werde ich sie aber ebenfalls nicht verraten. Ich sage dazu nur so viel: „Weil du fehlst“ ist extrem facettenreich und enthüllt seine Vielseitigkeit erst mit der Zeit und das in einem dermaßen gekonnten Tempo, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und zwischen Erstaunen, Trauer, Fröhlichkeit, Unglauben und Nachdenklichkeit schwankte.

»Mein Fazit«

„Weil du fehlst“ ist ein jugendgerechtes Buch, das eine schwierige Thematik – die der Traumata und in diesem Fall dem damit einhergehendem Verlust – aufgreift und dennoch Pfade einschlägt, mit denen ich nicht rechnete. Mehr denn je wussten diese Pfade zu fesseln und bewiesen, dass Jana Freys Werk es mehr als wert ist, gelesen und genossen zu werden. Eine spannende Lektüre, die zum Nachdenken anregt, für Unterhaltung sorgt, in erster Linie aber prickelnd zu lesen ist. Ein Pageturner, der durch seine ruhige Seite überzeugt, getreu dem Motto „Stille Wasser sind tief“.

Meine wärmste Empfehlung!


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