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ranofer "kk" (kk)

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Fascial Fitness
Fascial Fitness
DVD ~ Dr. Robert Schleip
Preis: EUR 29,90

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst informativ, praktisch hervorragend umsetzbar, 31. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Fascial Fitness (DVD)
Endlich liegt eine Trainings-Form vor, die der Bedeutung des faszialen Netzwerks im menschlichen Körper für die Bewegungsqualität gerecht wird. Sie beruht auf der Fülle neuer Erkenntnisse, die in den letzten Jahren international über das Fasziengewebe gewonnen wurden.

Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Forschung hat Dr.Schleip, der sich seit einigen Jahrzehnten theoretisch und praktisch mit dieser Thematik auseinandersetzt. Als langjähriger Rolfing-Praktiker und Feldenkrais-Lehrer brachte er in die universitäre Arbeit praktische Erfahrungen mit ein.

"Fascial Fitness" präsentiert Theorie und Praxis dieses neuartigen Trainings in verständlicher, aber nicht unzulässig vereinfachender Form und ist didaktisch hervorragend aufgebaut. Dr. Schleip und seine Co-Autorin Divo Müller ("Bodybliss"-Bewegungslehrerin) informieren über die Grundlagen der präsentierten Übungen und leiten ebenso kompetent wir anschaulich zu eigenständigem Training an.

Die DVD ist äußerst hilfreich für Freizeit- und Profi-Sportler, ebenso für alle, die sich einfach körperlich gesund halten wollen. Darüber hat Fascial-Fitness das Potential, bestimmte, heute vorherrschende Trainingsformen in nicht unwesentlichen Aspekten zu ergänzen und teilweise zu korrigieren.


Die Schlange am Firmament. Die Weisheit des alten Ägypten
Die Schlange am Firmament. Die Weisheit des alten Ägypten
von John Anthony West
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trotz einiger Mängel absolut lesenswert, 4. April 2012
Der elsässische Mathematiker und Philosoph Renè Aor Schwaller de Lubicz (1891-1962) war einer derjenigen Ägyptologen, die sich um ein tieferes Verständnis der Symbolwelt des alten Ägypten bemüht haben. Wie gewissenhaft er arbeitete, geht schon aus der Tatsache hervor, daß er fünfzehn (!) Jahre lang den Tempel von Luxor untersuchte, vermaß und darüber gearbeitet hat. Seine Bücher sind leider nur in französischer und z.T. in englischer Sprache verfügbar.

John A. West hat Schwaller de Lubiczs Werke studiert und ist von dessen Stieftochter Lucie Lamy beraten worden. Sein Buch 'Die Schlange am Firmament' möchte die wesentlichsten Aussagen Schwaller de Lubiczs wiedergeben und dessen Forschungsergebnisse weiter untermauern.

Die Kernthesen des Buches sind: 1. Die altägyptische Wissenschaft, Medizin, Mathematik und Astronomie waren weitaus umfassender, als die meisten Ägyptologen wahrhaben wollen. 2. Die Hieroglyphen, die Bauwerke und die darstellende Kunst enthalten verschlüsselte Botschaften, die das spirituell fundierte Wissen der Eingeweihten wiedergeben. Die Schlüssel, welche zu lesen eine außerordentlich komplexe Arbeit ist, sind aus der Sinneswelt genommene Symbole/Bilder und mathematische Verhältnisse. 3. Die ägyptischen Eingeweihten haben ihre Kenntnisse von einer sehr viel älteren Kultur erhalten. Diese ältere Kultur ist Atlantis . 4. Die altägyptische Kultur, vor allem die des Alten Reiches stellt einen kulturellen Höchststand dar in Bezug auf Wissen, Können, Moral und Lebensverhältnissen der Menschen, dem bis heute ein ' von Ausnahmen abgesehen ' stetiger Niedergang folgte. Dementsprechend ist die Überzeugung von einem menschlichen Fortschritt durch die Jahrtausende eine falsche. 5. Die Weisheit des alten Ägypten für uns heutige Menschen nutzbar zu machen, ist eine Überlebensfrage für die Menschheit. Umso verhängnisvoller ist die Tatsache, daß die etablierte Schul-Ägyptologie das Werk Schwaller de Lubiczs durch 'eine Mauer des Schweigens' bzw. durch radikale Abweisung bekämpft.

Zu 1: Zwar ist es richtig, daß auch heute noch Wissen und Kultur der alten Ägypter vielfach unterschätzt werden, allerdings wird es von West und/oder Schwaller de Lubicz manchmal überschätzt. So wird undifferenziert 'eine genaue medizinische Kenntnis der Anatomie, Pathologie und Diagnostik' in den medizinischen Papyrii konstatiert (S.47). Ebenso undifferenziert wird behauptet, daß 'die altägyptische Medizin, gemessen am Standard der Schulmedizin, als fortschrittliche zu gelten hat' (S.164). Wir kommen auf den Grund für diese totale Abwertung der Gegenwart zugunsten einer euphorischen Ägypten-'Nostalgie' noch zurück. Geradezu zynisch wirkt die Aussage Wests: 'Auch wenn persönlicher Reichtum...im alten Ägypten offensichtliche Erscheinungen waren..., gelang es den alten Ägyptern doch, während ihrer langen Geschichte das Leben des Volkes einfach und unkompliziert zu halten und einen Großteil ihrer Talente und ihres Reichtums dafür einzusetzen, religiöse Kunst und Bauwerke zu schaffen.' (Hervorhebung von mir)

Zu 2: Der Versuch Schwaller de Lubiczs, die in Schrift, Literatur, Kunst und Architektur Ägyptens enthaltene Symbolik zu entschlüsseln und zu verstehen, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Dieser Aufgabe haben sich nur wenige gestellt und einen Dialog zwischen verschiedenen Auffassungen gibt es bis heute so gut wie nirgends. Deshalb wäre es mehr als billig, Schwaller de Lubicz mit Hinweis auf bestimmte Irrtümer abzuwerten. Dennoch sollen verschiedene Fehler, Unklarheiten und Schwächen nicht verschwiegen werden. Wieso z.B. der Phallus des Osiris , wenn er in einer Darstellung an der Stelle der Nabelschnur sitzt, die Macht des Osiris zur Selbsterneuerung symbolisieren soll, bleibt unklar. Die Behauptung, daß bei Flachbildern die Götter stets mit zwei rechten Händen abgebildet sind, wenn es sich um eine aktive, gebende Geste handelt, und mit zwei linken Händen, wenn die Geste eine passive/nehmende ist (S.25 u. 175), habe ich überprüft und stimmt schlicht nicht. Daß der Tempel in Luxor ein riesiges, steinernes Symbol für die gesamte altägyptische Weisheit und Wissenschaft sei, mag wohl sein, aber die 'Beweisführung' für diese These in Wests Buch ist überwiegend schwach. Allerdings ist nicht immer ganz klar, ob dieser Mangel zu Lasten von Schwaller de Lubicz oder seines 'Berichterstatters' West gehen. Da ich selber nur zwei Bücher Schwaller de Lubicz gelesen habe (die Vorfassung von 'The Temple in Man' und 'Esoterism and Symbol'), konnte ich diese Frage nicht abschließend klären. Unzureichend sind auch die Ausführungen zur spirituellen Zahlensymbolik, die sicherlich in Kunst und Architektur der Ägypter enthalten ist. Für die Zahlen 6, 8 und 9 sind Charakterisierung der Zahlen und die Beispiele dafür einfach nicht ausreichend.

Zu 3: Daß die altägyptische Kultur sich im wesentlichen nicht langsam entwickelt hat, sondern sehr schnell ausgereift in Erscheinung trat, wird von West überzeugend dargelegt. Die Schlußfolgerung liegt auf der Hand: es gab offensichtlich Quellen, aus denen die Schöpfer der altägyptischen Kultur ihr Wissen und Können erhalten haben. Der Versuch Wests/Schwaller de Lubiczs, hier einen direkten (!) Bezug zu Atlantis herzustellen, ist m.E. nicht schlüssig. Und der Versuch, die Sphinx von Gizeh in ihrer Entstehung auf die Zeit des Untergangs von Atlantis (9000 v.Chr.) zurückzudatieren mit Hilfe geologischer Argumente muß wohl als gescheitert angesehen werden. (Wo die 'Skeptiker' recht haben, haben sie recht.) Wer sich darüber kundig machen möchte, woher die Inspirationen der ersten Pharaonen und Eingeweihten stammen, lese besser bei Frank Teichmann nach (s. Buchbesprechung oben).

Zu 4: In Wests Buch erscheint das alte Ägypten wie der Gipfel menschlicher Entwicklungsmöglichkeiten. Im Kontrast dazu wird unsere moderne westliche Kultur treffend charakterisiert und ihr quasi-religiöser materialistischer Fortschritts-Glauben zu Recht scharf und manchmal richtig witzig kritisiert. Allerdings offenbaren diese Schilderungen auch stets ein fehlendes Verständnis Wests/Schwaller de Lubiczs für die Existenz und das Wie der menschlichen Bewußtseinsentwicklung. Die Entwicklung des analytischen Denkens und der (vorübergehende) Verlust der Beziehung zur geistigen Welt sind keine Betriebsunfälle, sondern ' mit all seinen Vor- und Nachteilen ' eine sinnvolle Etappe der Evolution des Menschen. Analytisches Denken, (materialistische) Wissenschaft und gesellschaftliche Veränderungen dien(t)en der Entwcklung des menschlichen Potentials und seiner Freiheitsfähigkeit. Sie sind insofern durchaus Fortschritt, wenngleich Fortschritt immer auch Verlust bedeutet (ein fort schreiten von etwas). Gefährlich ist/wird es, wenn und insoweit wir uns nicht weiterentwickeln wollen, d.h. 'klar denkend' wieder eine Beziehung zur geistigen Welt erarbeiten wollen. Es wird tatsächlich Zeit, daß wir Fortschritt adäquat beschreiben, nämlich als Fortschritt von Bewußtsein und moralischen Qualitäten.

Zu 5: Daß die gesellschaftliche dominierende Stellung unserer heutigen ' weitgehend materialistischen ' Wissenschaft inklusive der herrschenden Ägyptologie ein Hindernis sind, die altägyptische Weisheit für uns heutige Menschen nutzbar zu machen, und daß die herrschende Ägyptologie nicht einmal ihren eigenen methodischen Ansprüchen genügt, dies erfährt der Leser in Wests Buch auf geradezu peinvolle Art. Die Ignoranz und die menschliche Demütigung, die René Schwaller de Lubicz und seinem Lebenswerk entgegengeschlagen sind, empören nicht nur West. Auf der anderen Seite sollte dieser Sachverhalt diejenigen nicht mutlos machen, denen an einer ernsthaften wirklichkeitsgerechten, d.h. eben auch spirituellen Erforschung und Aufnahme des alten Ägypten gelegen ist.

Es ist nicht nur wünschenswert, sondern überfällig, daß sich endlich ein deutscher Verlag aufrafft, die vorliegenden Werke Schwaller de Lubiczs herauszubringen. Ich habe den Eindruck, daß John A. Wests Buch nicht ausreicht, um sich ein umfassenderes und klares Bild zu machen.

Dennoch, und trotz mancher sachlicher Fehler (man sollte z.B. schon den Unterschied zwischen den menschlichen Seelenanteilen Ba und Ach der alten Ägypter sauber charakterisieren können und nicht in einen Topf werfen) ' trotzdem empfehle ich Wests Buch. Es ist reich an Fakten und brauchbaren Hypothesen. Und nicht zuletzt: man spürt beim Lesen die persönliche Betroffenheit und Begeisterung des Autors.


Die ägyptischen Mysterien: Quellen einer Hochkultur
Die ägyptischen Mysterien: Quellen einer Hochkultur
von Frank Teichmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 76,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverzichtbares Standardwerk, 4. April 2012
Die Publikationen des Ägyptologen Frank Teichmann stellen eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen dar, wenn es um eine sachgerechte Behandlung des spirituellen Ägypten in der Ägyptologie geht. Der Grund ist, daß er neben seinem ägyptologischen Fachwissen über profunde geisteswissenschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen verfügt.

Ausgehend von einer Klärung seiner erkenntnistheoretischen Voraussetzungen, die im besten Sinne interdisziplinär zu nennen sind, widmet sich Teichmann den vorliegenden Phänomenen in Kultur, Religion und Kunst des alten Ägypten. Daraus entwickelt er seine Thesen über die ägyptischen Mysterien. Er nimmt die LeserInnen mit auf eine Entdeckungsreise, bei der seine Sichtweisen und Argumente offen gelegt sind, also den Widerspruch ermöglichen.

Stellenwert, Inhalte und äußere Formen der altägyptischen Einweihung werden eingehend geschildert und durch Textinterpretationen sowie hervorragendes Bildmaterial veranschaulicht und belegt. Darüber hinaus werden die ägyptischen Mysterien In den größeren Zusammenhang der Mysteriengeschichte der Menschheit eingeordnet.

Etwas bedauerlich ist, daß die spirituelle Grundlage der ägyptischen künstlerischen Darstellung der Menschengestalt vom Autor nur am Rande behandelt wird.

Alles in allem: ein Standardwerk, das für ein Verständnis des alten Ägypten unverzichtbar ist.

Frank Teichmanns frühere Publikationen über das alte Ägypten sind übrigens eine wertvolle Ergänzung seiner neuesten Arbeit und seien deshalb hier aufgeführt: Der Mensch und sein Tempel. Ägypten, Stuttgart 1978; Die Kultur der Empfindungsseele, Stuttgart 1990
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Das esoterische Ägypten: Das geheime Wissen der Ägypter und sein Einfluß auf das Abendland
Das esoterische Ägypten: Das geheime Wissen der Ägypter und sein Einfluß auf das Abendland
von Erik Hornung
  Gebundene Ausgabe

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gescheitert, 4. April 2012
Der Untertitel von Hornungs Buch lautet 'Das geheime Wissen der Ägypter und sein Einfluß auf das Abendland'. Damit ist das Vorhaben des Autors gekennzeichnet, die zwei Gegenstände seiner Erörterung sind klar umrissen. Erfüllt das Buch die selbstgesteckten Ziele?

Beginnen wir mit dem Anspruch, das geheime Wissen der Ägypter (die Esoterik des alten Ägypten) wiederzugeben. Ganze dreizehn (!) Seiten nimmt Hornungs Suche nach einer altägyptischen 'hermetischen' Esoterik ein. Nun kann man auch auf dreizehn Seiten Wesentliches und Erhellendes sagen. Das ist aber hier nicht der Fall. Der Autor verbleibt an der Oberfläche des Themas, wie dies mit wenigen Ausnahmen immer der Fall ist, wenn Ägyptologen sich mit der spirituellen/religiösen Seite ihres Forschungsgegenstandes beschäftigen. Das Absurde dieses Verhaltens sei an einem analogen Beispiel veranschaulicht: Jeder kennt das christliche Bild vom Himmel, bei der die Engel und die Heiligen vor Gottes Thron stehen und ihm heilige Gesänge darbringen. Darf eine Erklärung dieses Bildes sich mit der Schilderung des äußeren Inhaltes begnügen und dann behaupten, die christliche Vorstellung des Himmels sei kindlich? Natürlich nicht, denn es handelt sich um ein Bild (!) geistiger Wirklichkeit, das der Welt der sinnlichen Wahrnehmung entnommen ist und das verschiedene symbolische Schichten beinhaltet. Ägyptologen wie Hornung verfahren mit der ägyptischen Welt spiritueller Bilder und Symbole jedoch so, wie es kein ernstzunehmender Religionswissenschaftler mit der christlichen Symbolik tun würde.

Der Grund ist, daß die meisten Ägyptologen andere Wissensgebiete und Erkenntnismethoden als die eigenen nicht zu Rate ziehen. Grundlegende Vorfragen wie die Frage nach der Stellung Ägyptens innerhalb der Bewußtseinsgeschichte der Menschheit , nach dem Unterschied zwischen Esoterik und Exoterik usw. werden nicht geklärt bzw. in die eigenen Überlegungen miteinbezogen. Angesichts dieses grundlegenden Mangels ist Hornungs Behauptung, 'daß die Ägyptologie inzwischen die einzige Disziplin ist, die sich noch mit dem Ganzen einer alten Hochkultur beschäftigt, nicht nur mit ausgewählten Teilen', eine unwahre Behauptung oder Illusion. Es ist heutzutage nicht mehr zu vermeiden, interdisziplinär an die Fragen des eigenen Wissensgebietes heranzugehen, weil zu viele Forschungsergebnisse aus anderen Wissensgebieten vorliegen (Physik, Biologie, Geisteswissenschaft, Körperpädagogik etc.), ohne die auch die Ägyptologie einfach nicht auf der Höhe des gegenwärtigen Diskussionsstandes ist.

Im zweiten (weit umfangreicheren) Teil seines Buches präsentiert der Autor eine Fülle von Material, das die abendländische Rezeption des esoterischen Ägypten durch die Jahrhunderte darstellt. Eine Fleißarbeit, die manch wertvolle Hinweise gibt, die jedoch eigene Nachforschungen nicht überflüssig macht. Denn auf die Schilderungen Hornungs sollte man sich nicht ohne weiteres verlassen. Da wird vieles unverdaut oder falsch wiedergegeben.Ein Beispiel: Die Beschreibung von Sinn und Zweck der Mumifizierung bei Rudolf Steiner (Begründer der Anthroposophie) wird bei Hornung nur stark vereinfacht und damit verzerrt wiedergegeben. Tatsächlich hat Steiner die Mumifizierung unter einer ganzen Reihe unterschiedlicher Aspekte dargestellt.

Ein anderes Beispiel: Im Buch wird behauptet, bei den von griechisch-antiken Persönlichkeiten geschilderten Einweihungen in ägyptische Mysterien handele es sich in Wahrheit um hellenistische Mysterien. Begründungen für diese Meinung bringt der Autor freilich nicht. Demgegenüber fragt man sich: Wieso sprechen die Griechen, die die Initiation in Ägypten durchgemacht haben, immer von 'ägyptischen Mysterien', wenn sie doch angeblich eigentlich hellenistische meinen? Und warum reisen sie extra nach Ägypten, um hellenistische Mysterien zu erleben? Und wer hat die angeblich hellenistischen Mysterien nach Ägypten exportiert?

Leider macht Hornung in seinem Buch keine Unterschiede zwischen Esoterik und Pseudoesoterik. Der mögliche Einwand, welche Kriterien denn für eine solche Unterscheidung gelten sollten, sei zu schwierig, gilt nur sehr eingeschränkt. Die innere Kongruenz von esoterischen Strömungen, die praktischen Resultate und die persönliche Authentizität ihrer Vertreter sind Kriterien, die zumindest Annäherungen an diese Unterscheidbarkeit zulassen.

Ein letzter ' wesentlicher Einwand ' gegen die im Buch vorgenommenen Bewertungen: Hornung versucht einen deutlichen Trennungsstrich zwischen hermetischem und pharaonischem Ägypten zu ziehen. Dabei weiß jeder, der sich über beide Gebiete informiert hat, daß es in der Bilderwelt und den Texten des pharaonischen Ägypten eine Fülle von ' später so genannten hermetischen ' Inhalten gibt. Doch dies muß Hornung entgehen, weil er an der Oberfläche von Phänomenen verbleibt und andere Wissensgebiete mit ihren Ergebnissen ignoriert.

Das vorliegende Buch bestätigt leider einen Satz von Erik Iversen: 'Wenn man die Banalität und Langeweile bdenkt, auf die ' mit wenigen Ausnahmen ' das Studium von ägyptischem Denken und Religion reduziert wurde durch Generationen uninspirierter und auch nicht inspirierender Schul-Gelehrsamkeit, dann kann es kaum gefährlicher sein, die Subtilität des ägyptischen mythischen Denkens zu überschätzen als sie zu ignorieren.' (E.Iversen, Canon and Proportions in Egyptian Art, Warminster /UK 1975, S.65)


Warum der alte Glaube neu geboren werden muss: Ein Bischof bezieht Position
Warum der alte Glaube neu geboren werden muss: Ein Bischof bezieht Position
von John Shelby Spong
  Gebundene Ausgabe

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der Abgesang "christlicher" Theologen, 27. Juni 2011
Spong ist ein Beispiel für eine zeitgenössische Theologie, die das Ergebnis von drei grundlegenden Fehlentwicklungen der großen christlichen Konfessionen sind.
Zum einen haben diese sich in den ersten Jahrhunderten n.Chr. zunehmend von allen spirituellen Quellen/Traditionen abgeschnitten, die aus vorchristlicher Zeit stammten und viele vorchristlich formulierte spirituelle Wahrheiten tradiert haben, die man unter dem Namen der Ewigen Philosophie (Philosophia perrennis)kennt. Vertreter dieser Traditionen wurden systematisch als Ketzer verteufelt und ausgegrenzt. Die zweite Fehlenntwicklung war, dass alle spirituellen Strömungen des Westens der letzten 1000 Jahre - einige christlich, andere nicht - , angefangen bei den Hermetikern über die Templer und (ursprünglichen) Rosenkreuzler bis hin zur Anthroposophie entweder ignoriert oder hasserfüllt bekämpft und verleumdet wurden.
Was in den christlichen Kirchen übrigblieb, waren nicht mehr verstandene spirituelle Wahrheiten, die nur noch in Formen dogmatischer Glaubenssätze und/oder kindlicher religiöser Vorstellungen gelehrt wurden und werden.
Die dritte Fehlentwicklung bestand darin, dass die Kirchen geistes- und naturwissenschaftliche Ansätze wie den Goetheanismus, die Anthroposophie und holistische Theoriebildungen der letzten zwanzig Jahre schlicht verschlafen haben, nicht erkannt haben, dass spirituelle Wissenschaft und nicht aufs Materielle reduzierte Naturwissenschaft durchaus als sich ergänzende Aspekte einer ganzheitlichen Weltsicht behandelt werden können. Dies wäre aber nötig gewesen, um im Zeitalter des entwickelten Verstandesdenkens Christentum auf eine neue tragfähige Ebene zu bringen.
Aufgrund dieser hier nur anzudeutenden Fehlentwicklungen hatten und haben die Theologen der Aufklärung und dem Siegeszug einer materialistisch orientierten Naturwissenschaft nichts entgegenzusetzen. Anfangs wurden die Ergebnisse der Wissenschaften bekämpft. Und auch heute halten die meisten Theologen und Kirchenführer an einem ebenso kindlichen wie fundamentalistischen Glauben fest. Daneben gibt es Spong, Drewermann u.a., die kritiklos alle Prämissen und fehlerhaften Schlussfolgerungen materialistischer Naturwissenschaft übernehmen und sich in verschwommene Vorstellungen von Gott und einem "guten Menschen aus Nazareth" (Jesus) flüchten. Es handelt sich nurmehr um eine Pseudo-Spiritualität, da sie keinen Bezug zur geistigen Welt mehr hat.


Ponderation: Über das Verhältnis von Skulptur und Schwerkraft
Ponderation: Über das Verhältnis von Skulptur und Schwerkraft
von Wolfgang von Wangenheim
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen In jeder Hinsicht völlig unzulänglich, 15. Juni 2010
Von Wangenheim geht der Frage nach, wie in der darstellenden Kunst die Schwerkraft zum Mittel der bildhauerischen Kunst wird, wie Skulpturen die Auseinandersetzung des menschlichen Körpers mit der Schwerkraft zur Darstellung bringen. Er benutzt dazu Beispiele angefangen von den alten Ägyptern über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die Neuzeit hinein.
Das Buch ist beruht jedoch zum großen Teil auf falschen Voraussetzungen, wird dem Thema überhaupt nicht gerecht und ist voller sachlicher Fehler.

Zu den Voraussetzungen: Es beginnt schon bei dem Begriff der "Ponderation". Darunter versteht man - laut Duden - "die gleichmäßige Verteilung des Gewichts der Körpermasse auf die stützenden Giedmaßen". Nun kann man dieses Gewicht aber entweder so verteilen, dass die Balance optimal ist, d.h. möglichst wenig Konflikte zwischen Schwerkraft und Stützkraft entstehen, oder aber so verteilen, dass die Balance zwar noch ausreichend ist, jedoch vielerlei Kompensationen notwendig werden, damit der Körper der Schwerkraft nicht erliegt. Diese Unterscheidung trifft der Autor jedoch nicht, sondern sieht nur die zweite Variante als Ponderation des menschlichen Leibes an, für die eine ungleiche Gewichtung der Beine (Stand- und Spielbein) mit zweifacher leichter Biegung des Rumpfes und kontralateralen Kippungen von Schulter- und Beckengürtel kennzeichnend sind.

Von dieser Voraussetzung ausgehend kann er seinem Thema nicht gerecht werden, sondern beschreibt und beurteilt viele bildhauerischen Menschendarstellungen in völlig unzutreffender Weise. Die altägyptischen stehenden Figuren verdienen für von Wangenheim die Bezeichnung Ponderation noch gar nicht und sind "steif". Die griechischen Skulpturen hingegen führen mit Stand- und Spielbein ein "in sich ruhendes" Stehen als zentrales Motiv der Bildhauerkunst überhaupt erst in die Kunst ein. Tatsächlich ist es jedoch genau umgekehrt: die altägyptischen Rundbilder zeigen den Menschen um seine vertikale innere Achse herum organisiert im größtmöglichen ökonomischen Gleichgewicht, während die griechischen Bildhauer ästhetisierend "verspielt" diese Ökonomie weitgehend aufgeben.
Viele Analysen von Kunstwerken sind bar jeder Kenntnis von den Gesetzmäßigkeiten menschlicher Bewegung (Nutzung des Bodens als Widerlager, Verhältnis Boden-Raum, Stützkraft-Schwerkraft, Druckspannung versus Zugspannung usw.).
Von Wangenheims Fehlinterpretationen kommen dadurch zustande, dass er offenbar weder Standardwerke wie "Die Menschen sind erwacht, du hast sie aufgerichtet. Körperstruktur und Menschenbild in der Kunst des alten Ägypten, in der griechischen Antike und heute" von Hans G. Brecklinghaus kennt noch sich vertraut gemacht hat mit modernen Körpertherapien wie "Rolfing-Strukturelle Integration", die ein eigenständiges Wissensgebiet über die Zusammenhänge von menschlicher Körperstruktur, Haltung und Bewegung in der Schwerkraft darstellen. Ein Blick über den kunsthistorischen Tellerrand hinaus in die Lebenswirklichkeit hinein hätte den Autor vor diesen fundamentalen Fehleinschätzungen bewahren können.

Hinzu kommen jede Menge kulturhistorischer Irrtümer. So behauptet er, der Sinn von Skulpturen liege von alters her darin, die sterbliche Gestalt des Menschen dauerhaft zu sichern, also psychologisch mit der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens fertig zu werden. Hier erliegt der Autor der heute so beliebten Vorgehensweise, eigene aus der materialistischen Weltanschauung erwachsende seelische Nöte auf vergangene - spirituell begründete - Kulturen zu projizieren. Tatsächlich war Kunst ursprünglich eine Angelegenheit des spirituell-religiösen Kultes. In archaischen und antiken Kulturen bis in die Römerzeit hinein war die künstlerische Menschendarstellung im wesentlichen Ausdruck des spirituell geprägten Menschenbildes und hatte in dieser Hinsicht viele Bedeutungsebenen. Die Funktion der Kunst war schwerpunktmäßig eine magische oder eine dem Kultus dienende. Daneben diente sie - zunehmend - auch profanen Zwecken, aber auch hier viel differenzierter motiviert als von Wangenheim es beschreibt. Seine geistesgeschichtlichen Ausführungen sind dünn belegt, er arbeitet mit unvollständigen Zitaten und verfälschenden Wortübersetzungen. So übersetzt er z.B. das lateinische Wort "religio" mit "richtige Haltung gegenüber Eltern und Ahnen". Tatsächlich bedeutet das Wort "Rückbindung" an die geistige Welt (Kleiner Stowasser, lat-deutsch).
Am spannenden Thema: Wie spiegelt sich das Menschenbild einer Kulturepoche in der künstlerischen Darstellung des Menschen zwischen Schwere und Leichte, zwischen "Himmel und Erde"?, an diesem Thema ist der Autor weitgehend vorbeigegangen oder - dort, wo er es versucht hat - komplett gescheitert.

Ein Stern ist noch zu viel. Das Buch kann man getrost vergessen.


The Johnny Cash Children's Album
The Johnny Cash Children's Album
Preis: EUR 13,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Entdeckung, 19. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: The Johnny Cash Children's Album (Audio CD)
Dieses Album habe ich erst vor kurzem entdeckt und bin begeistert. Es ist ein kleines Juwel in der Sammlung von CDs des Meisters. Einfühlsam, anrührend, lebendig, humorvoll, nachdenklich - alles Qualitäten dieser Songs für Kinder (und Erwachsene). Fast bedauert man, dass der Text englisch ist, es wäre ein tolles Geschenk für unsere Kinder, die aber im Alter von sagen wir sechs bis zwölf in der Regel natürlich noch nicht genügend englische Sprachkenntnisse haben.


Elf Minuten. Roman
Elf Minuten. Roman
von Paulo Coelho
  Gebundene Ausgabe

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältiger Eindruck, 2. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Elf Minuten. Roman (Gebundene Ausgabe)
Über den Inhalt haben sich schon viele ausgelassen, das kann ich mir schenken. Das Buch ist einerseits hochinteressant, weil es voller Anregungen ist, neu und anders über Sexualität und sein Verhältnis zur Liebe nachzudenken. Ausserdem versucht Coelho, sich dem Phänomen sado-masochistischer Empfindungen aus verschiedenen Sichtweisen zu nähern. Insofern ist das Buch sehr empfehlenswert.

Ausgesprochen ärgerlich sind erzählerische Schwächen des Buches. Im ersten Teil macht der Autor nicht wirklich plausibel, wieso ein paar pubertäre Liebesenttäuschungen Maria zu einer totalen Resignation in Bezug auf die Liebe bringen, was sie ja dann schlussendlich in die Prostitution führt. Im der zweiten Buchhälfte wimmelt es nur so von erzählerischen Ungereimtheiten und Widersprüchen. Um nur zwei Beispiele zu erwähnen: da heisst es in einem ersten Teilsatz, Maria habe Angst, im zweiten Teilsatz fürchtet sie sich nicht. Da wähnt sich Maria am Ende ihrer Karriere als Prostituierte absolut sexerfahren und eine Seite später erfährt sie vom G-Punkt, von dem sie vorher keinerlei Kenntnisse hatte. Nur am Rande: Coelhos Recherchen zur Prostitution scheinen älteren Datums zu sein. Denn im Gegensatz zu vor sagen wir zwanzig Jahren sind "tabuloser Sex", "Küssen und Kuschelsex" und und und durchaus im "Angebot" vieler Prostituierter. Aber das nur nebenbei.

Fazit: als Literatur eher schwach ist das Buch dennoch lesenswert, denn man kann tatsächlich neue unverbrauchte Gedanken und Ideen zur Sexualität finden.


Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft
Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft
von Imre von der Heydt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

28 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informativ und gut geschrieben, 16. Februar 2006
Dieses Buch war überfällig. Es ist zwar in Teilen angreifbar und (im guten Sinne) einseitig, aber es setzt ein Gegengewicht gegen die nur noch hysterisch zu nennende Hexenjagd auf das Rauchen. Das Buch klärt über die Zusammenhänge dieser Kampagnen auf. In der Tat ist es mehr als verdächtig, wie sehr eine Koalition von Misanthropen, sterilen Gesundheitsfanatikern und ehrenwert Motivierten sich in den letzten Jahren auf einen wohlfeilen Pappkameraden eingeschossen hat. Gesundheit wird nur noch materialistisch über die Inhaltsstoffe von irgendwas definiert, biografisch-seelische Faktoren von Krankheit und Gesundheit werden weitgehend ausgeblendet. Auf diesen Klotz gehört ein (zugegebenermaßen) grober Keil. Denn natürlich blendet auch dieses Buch einiges aus, was die Gesundheitsgefährdung durch Rauchen angeht. Ein sowohl inhaltlich wie von der Schreibweise her empfehlenswertes Buch.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2007 11:08 AM CET


Der andere Rudolf Steiner: Augenzeugenberichte, Interviews, Karikaturen
Der andere Rudolf Steiner: Augenzeugenberichte, Interviews, Karikaturen
von Wolfgang G. Vögele
  Gebundene Ausgabe

31 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielschichtiges und facettenreiches Bild von Steiner, 10. April 2005
Vögele hat Äußerungen (teilweise prominenter) Zeitgenossen, die Rudolf Steiner begegnet sind, sowie Zeitungsartikel über und Interviews mit Steiner sowie Karikaturen und Satiren über den Begründer der Anthroposophie in einem Buch vereint. Die Beiträge werden jeweils in ihren Entstehungskontext gestellt und die Autoren werden kurz vorgestellt.
Es wird beim Lesen deutlich, wie unterschiedlich und kontrovers Gegner, "Neutrale" und Anhänger Steiners diese bedeutende Persönlichkeit erlebt haben. Dabei ist die Grenzlinie zwischen Anerkennung und Verachtung, zwischen Sympathie und Antipathie durchaus nicht immer identisch mit der Unterscheidung zwischen Anhängern und Gegnern. Es gibt da viele Zwischentöne.
Das Buch ist eine überfällige Ergänzung zur bisherigen Literatur über Steiner und bereitet sowohl Anthroposophen wie Skeptikern viele Überraschungen. Leser aus beiden Lagern kommen nicht umhin, Einseitigkeiten und Voreingenommenheiten in ihrer Einschätzung Steiners zu korrigieren oder zumindest in Frage zu stellen.
Der Herausgeber präsentiert kein Resümee, vielmehr mutet er dem Leser die Anstrengung der eigenen Urteilskraft zu.
Dabei ist dieses Buch durchaus auch erheiternd, weil es so manche witzige Begebenheit und köstliche Charakterisierungen menschlicher Eigenschaften wiedergibt.
Apropos Charakterisierung: So mancher Zeitgenosse, der da zu Worte kommt, gibt (unfreiwillig) mehr über sich selber preis als über das Objekt seiner Kritik oder Verehrung. Überhaupt erfährt man nicht nur viel Neues über Steiner, sondern auch manch Interessantes über Personen wie Schweitzer, Einstein, Heuss, Hesse und viele andere.
Ich warte gespannt auf einen vom Herausgeber in Aussicht gestellten weiteren Band mit schriftlichen Äußerungen von Nicht-Augenzeugen aber Auch-Zeitgenossen über diesen bemerkenswerten Menschen.


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