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Rezensionen verfasst von
KillingTime (Friedberg, Hessen)

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Gemeinsam sind wir stark! (Die Pegida Hymne)
Gemeinsam sind wir stark! (Die Pegida Hymne)

6 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Lieber zwei Büchsen Paderborner..., 3. Januar 2016
möchte ich den Pegidajüngern raten. Ist auch billig, trotzdem gehaltvoller und bewirkt ähnliches im Kopf. Dann noch ein bißchen brummeln, und man hat völlig das gleiche Klangerlebnis.


Die Udo Honig Story
Die Udo Honig Story
DVD ~ Uwe Ochsenknecht
Preis: EUR 10,97

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Handwerklich ok, doch die Realität schreibt die bessere Geschichte...., 8. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Udo Honig Story (DVD)
Nachdem Sat 1 vor zwei Jahren mit "Der Minister" durch die satirische Verarbeitung eines Skandals einen großen Erfolg hatte, präsentierte der Sender heute mit "Die Udo Honig Story" ein ähnliches Porträt. Hier geht es natürlich um Uli Hoeneß und seinen Spendenskandal. Der Film handelt davon, wie der erfolgreiche Fußballmanager "Udo Honig" ins Gefängnis kommt, dort alle um den Finger wickelt und aus dem Knast nach dem Vorbild seines Fußballvereins "Rot-Weiß" ein erfolgreiches Unternehmen mit u.a. einer Wurstproduktion aufmacht. Nur die Gefängnispsychologin Ataman, die das entscheidende Wort über seinen vorzeitigen Freigang hat, stellt sich ihm in den Weg...
Handwerklich ist dieser Film gut gemacht. Die Rolle des Udo Hoeneß bzw. Honig passt gut für Uwe Ochsenknecht, und das nicht nur wegen leichter physiognomischer Ähnlichkeit; er brilliert als äußerlich gemütlicher, innen gerissener Schlaufuchs und Erfolgsmensch. Auch die anderen Darsteller überzeugen, allen voran Hannes Jaenicke, der in die Rolle des "Franz Kaiser", also Beckenbauer schlüpft. Diesen zeichnet er als vertrottelten alten Fußballhelden, und nur selten wird diese Satire so scharf wie in Jaenickes Interpretation dieser Rolle. Die Rahmenhandlung mit Honig im Dialog mit Gefängnisdirektor, Mitknackis, Ehefrau und Psychologin bildet dabei nur ein Folie, um berühmte Lebensstation aus dem Leben Hoeneß' wie den verschossenen Elfmeter im EM-Finale 1976, seinen Flugzeugabsturz 1982, natürlich die Steuerhinterziehung usw. zu rekapitulieren.
Obwohl es bittersüße Stellen gibt, so wird Honig doch eher als positive Macherfigur gezeichnet. Obwohl das nicht richtig schlecht ist, fehlt mir für eine exzellente Satire die Schärfe. Zu den gleichermaßen unsympathischsten wie komischsten Momenten in Hoeneß' Karriere zählten die, wenn er sich in der Öffentlichkeit als unfehlbarer, dabei auch arroganter und aggressiver, gewissermaßen auch einziger Fußballexperte in Deutschland inszenierte. Zu den bekanntesten Momenten zählten dabei: sein direktes Duell mit Christoph Daum im Aktuellen Sportstudio Ende der 80er, der Kampf gegen Daum als kommenden Bundestrainer (wurde kurz angeschnitten), sein Auftritt auf der Vereinsversammlung nach dem Bau des neuen Stadions (kam ausgiebig vor); die Art, wie er einen Journalisten abbügelte, der den noch ganz jungen Toni Kroos loben wollte. Sieht man sich diese Auftritte auf youtube am Stück an, so muss ich sagen: die fiktionale "Udo Honig Story" ist zwar nicht schlecht, aber sie kommt nicht an den echten Uli ran.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 9, 2015 9:13 AM MEST


Gewalt: Die dunkle Seite der Antike
Gewalt: Die dunkle Seite der Antike
von Martin Zimmermann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragende Reflexion über antike Geschichtsschreibung, 30. Juli 2015
Die griechischen Tyrannen, der "Cäsarenwahnsinn" eines Caligula, Nero oder Commodus - antike Gewaltherrscher und die Geschichte, die sich um sie ranken, üben bis heute auf Geschichtsinteressierte eine Faszination aus, die oft die "hellen" Seiten der antiken Geschichte, die positiven Aspekte überstrahlt.
Das Buch des Althistorikers Martin Zimmermann beschäftigt sich dabei weniger mit Gewalt im physischen Sinne; d.h. es geht ihm nur bedingt darum, ob etwa die Alltagsgewalt in der Antike höher war oder die Gewalt zu anderen Verhaltensweisen des Individuums geführt hat. Vielmehr ist es ein Werk über die Gewaltdarstellung, also wie vor allem die Geschichtsschreiber Gewalt empfunden und geschildert haben, insbesondere im Zusammenhang mit den antiken Politikern und Herrschern.
Zimmermann zeigt sich dabei als exzellenter Kenner selbst der obskursten historiografischen Werke. Aus seiner Sicht formt die Gewaltdarstellung eine literarische, gewissermaßen kulturevolutionäre Tradition, die sich über einen Zeitraum von etwa einem Jahrtausend entwickelte. Dabei geht es, so verstehe ich ihn, um eine "Tyrannenerzählung", also die Verbindung abscheulichster Taten mit Herrschern, die mit den Perserkriegen im 5. Jahrhundert v. Chr. begann, sich mit der Geschichtsschreibung um die Tyrannen vor allem der griechischen Kolonien, den römischen Politikern und Cäsaren fortsetzte und schließlich in den Leidensgeschichten der christlichen Märtyrer kulminierte. Zimmerman bezeugt, dass es dabei den Geschichtsschreibern häufig um eine besonders spektakuläre Inszenierung der Qualen der Opfer und der abseitigen Seiten der Herrscher ging, und das die einzelnen Geschichten immer wieder von späteren Generationen aufgegriffen, zum Teil anderen Personen zugedichtet wurden. Eine solche Anekdote ist etwa die des bronzenen Stiers des Phalaris von Akragas, den dieser Tyrann sich bauen ließ. Im Innern soll er seine seine Opfer geröstet haben, die dann unter schrecklichen, "stierhaften" Schreien starben.
Die Beweisführungen sind überzeugend; sie führen aber auch dazu, dass man sich fragt, was man den antiken Historiografen überhaupt glauben kann. Die Gewalterzählungen haben zwar häufig eine politische Funktion, aber ebenso können sie einfach literarisch-rhetorische Übungen sein. Zimmermann stellt sogar in Zweifel, dass die zeitgenössische Leserschaft die Gewalterzählungen für glaubhaft hielt.
Kleinere Schwächen hat das Buch für mich dort, wo sich Zimmermann mit der tatsächlichen Gewalt beschäftigt. Angesichts der ständigen Kriege, archäoanthropologischer Befunde und der Tatsache, dass auch die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht so ausgebildet war wie in vielen modernen Staaten, halte ich sogar eine seiner Aussagen für zweifelhaft, nämlich, dass die Bewohner des Römischen Reiches mit Gewalt nur selten in Berührung kamen. Schade auch, dass er sich mit der inszenierten Gewalt in Form von Box- oder Ringwettkämpfen, Gladiatorenkämpfen oder Tierhetzen nur wenig beschäftigt, wenigstens die Kunst, z.b. in Form assyrischer und babylonischer Reliefs, gelegentlich berücksichtigt. Aber auch ohne dieses ist es ein faszinierendes Buch, dass zudem einen komplizierten Sachverhalt sehr anschaulich schildert.


Der wilde Kontinent: Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950
Der wilde Kontinent: Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950
von Keith Lowe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch, dem etwas die Tiefe fehlt..., 30. Januar 2015
Der britische Historiker Keith Lowe versucht sich hier an einer Gesamtschau der von Chaos und Anarchie geprägten Nachkriegsjahre in Europa, wobei besonders Frankreich, Italien, Deutschland, Ostmitteleuropa und der Balkan betrachtet werden. Eine solche Gesamtschau ist überfällig, denn die Epoche unmittelbar nach Kriegsende wird immer noch sehr aus dem nationalen Blickwinkel betrachtet. So ist etwa hierzulande wenig bekannt, dass die Befreiung Griechenlands von den deutschen Truppen 1944 nahtlos in einen Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und den durch britische und amerikanische Truppen unterstützten Royalisten überging. Dieser war nahezu genauso blutig wie die Besatzungszeit.
Lowe gliedert die große Stoffülle in mehrere Themenkomplexe, wie Hunger, Rache, Vertreibung usw. Diese zeigen, dass der Krieg in Europa vor allem für die Zivilbevölkerung mit dem 8. Mai 1945 nicht abgeschlossen war, denn es folgten in den verschiedenen Ländern unterschiedlich lange Phasen von Gesetzlosigkeit, Rachejustiz und Vertreibung. Lowe setzt in seinen Schilderungen sehr stark auf Einzelbeispiel aus Zeitzeugenberichten. Obwohl die Nachkriegszeit noch viel Anlass für neue Forschungen bietet, enthält das Buch für Leute, die sich mit der Epoche beschäftigt haben, weniger neues. Dies ist für die Breitenwirkung insofern zu verschmerzen, als das Ereignisse wie die Vertreibung mehrerer Millionen Deutscher aus den Ostgebieten schon wieder in Vergessenheit geraten, obwohl sie von eminenter Bedeutung für das heutige Gesicht der Bundesrepublik hatten. Ein Problem sehe ich eher darin, dass es Lowe in seinen Analysen an Tiefe mangelt, wodurch sich das Buch über Strecken als Aufzählung einzelner Verbrechensakte in ganz Europa liest. Löblich ist dabei, dass er einen strikt humanitären Ansatz verfolgt und nicht versucht, die Verbrechen aneinander aufzurechnen. Zu sehr verliert er aber häufig die Vorgeschichte vor 1945 aus dem Blick, was ich an zwei Beispielen erläutern möchte: Die ausführliche Schilderung der Politik vor allem in Osteuropa, "ethnisch homogene" Gesellschaften zu erzeugen, was in Massenvertreibungen und Massakern an Minderheiten endete, vernachlässigt z.B., dass diese Politik in den deutsch und sowjetisch besetzten Gebieten schon Ende der 1930er Jahre begann, sich zunehmend steigerte und dann regelrecht zu einer Kettenreaktion führte. An anderer Stelle wird die Sowjetisierung Rumäniens geschildert. Auch hier fehlt der Blick über die nationale Geschichte hinaus - in diesem Fall z.b., das die kommunistische Übernahme in den der sowjetischen Einflusszone zugeschlagenen Ländern bereits während der Jahre 1943-1945 minutiös vorbereitet wurde. In dieser Hinsicht muss ich sagen, dass ich schon etliche spannendere Bücher über die Nachkriegszeit gelesen habe, etwa Wolfgang Leonhards autobiografisches Meisterwerk "Die Revolution entlässt ihre Kinder" über die Kommunisten in der sowjetisch besetzten Zone.


Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (dtv Literatur)
Wenn das Schlachten vorbei ist: Roman (dtv Literatur)
von T. C. Boyle
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein solider Boyle...., 19. November 2014
In diesem T.C. Boyle-Roman stehen sich die pedantische Naturschützerin und PR-Frau Alma Boyd Takesue und der fanatische Tierschützer, Technikladenbesitzer und arrogante Milionär Dave LaJoy gegenüber. Streitobjekt der beiden ist der Versuch Takesues und der Naturschutzbehörden, Ratten und Schweine auf einer kleinen Inselgruppe westlich der kalifornischen Küste auszurotten, die wiederum Tiere gefährden, die nur auf den Inseln existieren. Eigentlich eine interessante Grundkonstellation, in der Boyle einmal mehr als der große Kritiker des liberalen Lebensstils in den USA glänzen könnte (aus liberaler Sicht, wohlgemerkt!). Doch anders als in früheren Büchern versteht er es diesmal nicht so gut, die Idee auszuarbeiten. Ein Problem ist sicherlich, dass Boyle, der gerne Charakter als "grau" mit Stärken und Schwächen anlegt, hier die Sympathien ausnahmsweise ganz klar zuordnet: Alma ist nur etwas farblos, doch Dave LaJoy ist ein Bilderbuch-Bösewicht von fast komischem Format. Er schnauzt Kellner, Handwerker und Untergebene an, ist jähzornig, in entscheidenden Momenten aber feige und eigentlich durch und durch ein Schwein. Die Charakterzeichnung stört die Handlung und die interessante philosophische Grundfrage, ob es richtig ist, ein Lebewesen auszurotten, damit ein anderes überleben kann, weil LaJoy eine so unsympathische Figur ist, dass man ihn einfach scheitern sehen möchte.
Von dieser Ausnahme abgesehen, ähnelt das Buch sehr den anderen Büchern von Boyle, u.a. darin, dass sehr ausufernd die Atmosphäre und Gesellschaft der beschriebenen Orte dargestellt wird, dass Geschichte als ein zyklischer Prozess betrachtet wird (hier verbindet Boyle über mehrere Generationen Parallelen von Schiffsunglücken, gestrandeten Personen und Eindringlingen, menschlichen wie tierischen), das alles etwas kulturpessimistisch ist. Schon mal nicht schlecht und grundsätzlich hat für mich die Erzählweise den Charme der anderen Büchern von Boyle, aber ähnlich wie beim Konflikt der Hauptpersonen, so nehmen hier auch die Nebenhandlungen viel weg von der Grundidee. Wenn man Boyle mag und (wie ich) alles von ihm lesen möchte, ist das Buch schon in Ordnung, wenn man ihn noch nicht kennt, würde ich eher "Grün ist die Hoffnung", "World's End" (das Ähnlichkeiten mit diesem Roman aufweist), "América" oder "Riven Rock" empfehlen.


Mordsfreunde - Nach dem gleichnamigen Roman von Nele Neuhaus
Mordsfreunde - Nach dem gleichnamigen Roman von Nele Neuhaus
DVD ~ Tim Bergmann
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine leichte Verbesserung..., 26. Oktober 2014
Nach den katastrophal schlappen und biederen ersten Taunus-Krimis darf jetzt der erfahrene TV-Regisseur Marcus O. Rosenmüller in den Ring (leider nicht sein ebenfalls bayrischer Namensvetter Marcus H. von "Wer früher stirbt, ist länger tot, dann könnte es interessant werden). Ohnehin schaue ich die Dinger nur noch wegen des Lokalkolorits, und immerhin: das bekommt Rosenmüller im Gegensatz zu seinen Vorgängern hin. Während es dort den Machern nicht recht gelang, die Spezifika der Region herauszuarbeiten (und das, obwohl alles im Taunus gedreht wurde), sind hier der Opel-Zoo und vor allem die Burg Königstein mit ihren schummrigen Gängen und Bastionen, in der sich die Handlung abspielt, schön in Szene gesetzt. Der Rest ist wie eh und je: Tim Bergmann und Felicitas Woll, die beide in der Vergangenheit schon besseres ablieferten, spielen hölzern. Anders als bei anderen Krimi-Reihen wurde bisher noch darauf verzichtet, wenigstens ein paar der besseren Charakterdarsteller als Schurken einzusetzen. Den Drehbuchautoren wiederum misslingt es, die auch nicht so starken Nele Neuhaus-Vorlagen (die auf klassisches "Wer war es" zählt, nur meist mit zahlreichen Verdächtigen) auch nur ein kleines bißchen spannend zu inszenieren.


Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle
Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle
von Heribert Schwan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf dem Niveau einer Anekdotensammlung..., 25. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gleich für viel Wirbel hat die Vorankündigung dieses Buchs von Heribert Schwan gesorgt. Der Grund der Veröffentlichung - so die Schwan-Version - war ein groß angelegtes Interviewprojekt. 200 Tonbänder entstanden in gemeinsamen Gesprächen, die auf Intervention der Kohl-Ehefrau Maike Richter in diesem Jahr beschlagnahmt wurden. Es wird sicherlich noch einige Jahre Rechtsstreitigkeiten um das Buch und die Bänder geben. Schwan verfügt allerdings über Transkripte, die er dann für dieses Werk nutzte.
Es entstand ein sehr unterhaltendes Buch, vor allem für Kohl-Gegner, denn das Bild des unsympathischen Autokraten und Bimbesfürsten aus der Pfalz wird hier noch einmal mit Kohls eigenen Worten zementiert. Von den tiefergehenden Ausführungen zur Publikationsgeschichte abgesehen, gliedert sich das Buch in lose Kapitel über Kohls Verhältnis z.B. zu den Parteigenossen, politischen Gegner, seiner Frau Hannelore, den Journalisten oder den Bundespräsidenten. Der rote Faden in den Ausführungen ist eine doppelte Abrechnung: die Interviews entstanden 2001/2002, als Kohl nach seiner Verwicklung in die CDU-Spendenaffäre kalt gestellt wurde. Seine Ausführungen, so wie es Schwan darstellt, hatten daher die Funktion einer sehr nachtragenden Bilanz. Und dann natürlich 2014, die Abrechnung Schwans mit der Familie Kohl. Der erfahrene Journalist spielt auf der ganzen Klaviatur der Boshaftigkeiten, vom vergifteten Lob bis zur offenen Anfeindung (hier vor allem gegenüber Maike Richter). Das ist teils sehr unterhaltsam, teils aber auch weit übertrieben, wenn Schwan kaum eines der Kohl-Zitate aus den Protokollen unbewertet lässt.
Und das führt auch weiter zum hauptsächlichen Problem: leider ist das Buch auch flach. Schwan erwähnt mehrfach, was für einen hohen zeitgeschichtlichen Wert die Protokolle haben, doch stellt er das inhaltlich wenig heraus. Im Zeitraffer wird abgehandelt, was Kohl zu Freunden und Feinden zu sagen hat. Tiefergehende Analysen finden sich jedoch kaum. Fraglos scheinen die Bänder vieles zu Charakter und Außendarstellung des Altkanzlers im biografischen Sinne zu ergeben, zudem kein anderer Kanzler vergleichsweise ausbordend Selbstauskünfte gegeben hat. Ob sie jedoch im historisch-politischen Sinne bahnbrechendes enthalten, ist aus Sicht des Buches noch zweifelhaft. Die stark gehüteten Geheimnisse hat Kohl auch Schwan nicht erzählt, wie mehrfach anklingt; noch findet sich auch nichts bahnbrechendes zu den großen politischen Ereignissen.
Ein Geschmäckle bleibt bei diesem Buch. Die Veröffentlichung vor der Buchmesse, dem 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls und dem Weihnachtsgeschäft ist eben auch strategisch gut platziert. Das Buch ist auf keinen Fall uninteressant, aber man hat doch das Gefühl, dass Schwan, wenn er wirklich gewollt hätte, auch etwas Substantielleres aus den Protokollen hätte machen können.


Dear Boy - Das explosive Leben des Keith Moon
Dear Boy - Das explosive Leben des Keith Moon
von Tony Fletcher
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

2.0 von 5 Sternen Viel zu prätentiös, 20. Oktober 2014
Der Autor Tony Fletcher, ein britischer Musikjournalist, weiß alles über Keith Moon und The Who. Im Falle der Biografie Keiths Moons erweist sich dieses Wissen eher als Bumerang - denn leider schreibt Fletcher in dieser Biografie auch wirklich jedes Detail auf, dass er weiß. Für eingefleischte Fans muss das toll sein. Für jemanden wie mich, der sich einfach nur mal ein bißchen über diesen charismatischen Drummer und die "härteste" Rockband der 60er informieren möchte, ist sie aus meiner Sicht zu ausgewalzt. Bevor es endlich losgeht mit Moons Musikerkarriere, muss man sich Dutzende von Seiten über seine Kindheit und Jugend quälen, wo er als Schüler gejobbt hat, einigen soziohistorischen Überlegungen zu dem Viertel, wo er aufwuchs etc.
Dazu schreibt Fletcher leider auch in einem sehr bildungsbürgerlichen Stil, der nicht so recht zu Sex, drugs, rock n' roll passen will.


Die Wohlgesinnten: Roman
Die Wohlgesinnten: Roman
von Jonathan Littell
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein uneinheitlicher Eindruck, 20. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Wohlgesinnten: Roman (Taschenbuch)
Littells gewaltiger Roman soll Innenansichten in die SS, in den Holocaust und die Männer, die ihn ausübten, bieten. Es ist nicht der erste Roman über den Nationalsozialismus, der in der Täterperspektive spielt - einer der prägnantesten Vorläufer ist "Der Tod ist mein Beruf" über das Leben von Rudolf Höß, geschrieben vom französischen Schriftsteller Robert Merle. Ich finde schon, dass Littell einen neuen Zugang zu diesem Thema findet, in dem er einen Angehörigen des Sicherheitsdienstes (SD) der SS porträtiert. Das macht das Buch auf jeden Fall lesenswert.
Der SD erfüllte zwar auch wichtige geheimdienstliche Aufgaben, fungierte aber fast auch wie eine Kaderschmiede, wo sich junge, ehrgeizige, und intellektuelle Nationalsozialisten trafen, während des Krieges hohe Führungsaufgaben in anderen Teilen der SS erlangten. Während einige von ihnen nach 1945 wegen Beteiligung am Holocaust und anderen Verbrechen hingerichtet wurden, waren andere, wie Reinhard Höhn als einflussreicher Wirtschaftsberater, wendig genug, um auch in der frühen Bundesrepublik Kariiere zu machen.
Ein solcher Mann ist der (fiktive) Maximilian von der Aue, der zu Beginn des Buches in eine der "Einsatzgruppen", eine für die Jagd auf Juden bestimmte Einheit, versetzt wird. Aue wird als überzeugter Nationalsozialist seit der Jugend mit französischen Wurzeln geschildert, aber auch als Intellektueller. Er ist schockiert von den Greueln, an denen er beteiligt ist (u.a. der Massenerschießung von Babyi Jar), aber hat keine grundsätzlichen moralischen Skrupel wegen der Judenvernichtung. Allein dieser Zugang macht das Buch sehr interessant; es gab weiß Gott genügend NS-Täter, die es schafften, den Nachkriegsprozessen zu entgehen, und aber keine grundsätzlichen Skrupel wegen dem, was sie während des NS getan hatten, verspürten. Dazu hat "Die Wohlgesinnten" Züge eines akribisch recherchierten Tatsachenromans. Es gibt kaum eine führende SS-Persönlichkeit, die hier nicht vorkommt.
So lernt man hier auch viel über diese seltsame, brutale und monomanische Organisation.
Auch wenn hier von mir eine absolute Leseempfehlung ergeht, so hat dieses Buch trotz seiner Originalität auch viele Schwächen.
Die größte ist für mich, dass es viel zu lang ist, und man merkt, wie Littell auf den späteren Seiten das Projekt entgleitet. Die ersten Geschehnisse in den Jahren 1941/1942 sind noch sehr packend geschildert, später wirkt es dann oft so, dass Aue von seinem Autor an den nächsten wichtigen Schauplatz geschickt wird, damit noch ein paar historische Ereignisse und Figuren porträtiert werden. Witzigerweise gesteht Aue als "Ich-Erzähler" des Romans an einer Stelle sogar ein, wenn er zeitrafferartig den Holocaust in Ungarn 1944 referiert.
Zwischendrin enthält das Buch einige sehr langatmige Passagen über den bürokratischen Hickhack innerhalb der SS, wobei diese durchaus als Stilmittel gewertet werden können.

Viele Kritiker scheinen Probleme mit den sexualneurotischen Zügen der Hauptfigur Aue zu haben. Ich sehe das weniger als inhaltlichen Makel an (zudem die SS abnorme Charaktere anzuziehen schien, man schaue sich die Biografien von Himmler selbst, aber auch Menschen wie Oskar Dirlewanger, Theodor Eicke, oder, in harmloserer Ausprägung, Karl Maria Wiligut und Otto Rahn, an). Nur ist mir leider zuviel davon drin im Buch.
Als wesentlich störender und unpassender finde ich die surrealen Elemente. Dies gilt vor allem für eine der fiktiven Figuren, Mandelbrod, einen Industriellen und Gönner Aues. Dieser ist grotesk fett, so dass er sich nur mit einer Art elektrischem Sessel bewegen kann, besitzt eine Leibwache aus drei SS-Frauen und es wird angedeutet, dass er sogar Himmler beeinflussen könne. Diese Figur, die einer der (...) Schurken in den Captain America-Comics hätte sein können, stört die sonstige, ernsthafte und teilrealistische Atmosphäre extrem. Dies gilt auch für manche der enorm ausgewalzten Traumsequenzen und einige kleinere Szenen.
Insgesamt brauchte ich sehr lange, um den Wälzer durchzuarbeiten. Ich denke, dieser Roman wäre noch stärker, wenn Littell etwas stringenter gearbeitet hätte.


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35 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Mogelpackung... qualitativ wie quantitativ, 28. September 2014
Was das quantitative betrifft, muss man sagen, dass ein größerer Teil der Texte in diesem Buch, z.B. "Das Schlachten hat begonnen" oder der "Idealstaat", ohnehin schon teilweise über ein Jahr vorher auf der Wegseite "Achse des Guten" nachzulesen war und auch heute noch ist. Und zwar kostenfrei. Die 17,80 € kann man daher gehaltvoller anlegen, z.B. in zwei Kästen Bier.
Was uns zur Qualität des Textes bringt. Pirincci bewegt sich für mich zwischen Kitsch, Vulgarität, Naivität. Ich glaube, viele schätzen vor allem seine Angriffslustigkeit, z.B. wenn er alle Grünen aus dem Land werfen will. Dies kreide ich ihm auch nicht an. In dieser GroKo-Gesellschaft könnte es mir in der politischen Debatte ruhig etwas schärfer zugehen; es könnten auch mal wieder die Konservativen schärfer angegriffen werden.
Aber ich finde, ein politischer Publizist sollte selbst etwas zu bieten haben. Und da kritisiere ich bei Pirincci vor allem zwei Punkte:

1. Bei einem ganz Strauß unsympathischer Züge stört mich vor allem anderen seine extreme Ablehnung des Sozialstaats. Ich weiß nicht, ob vielen seiner Fans so klar ist, dass er ihnen, wenn er das Sagen hätte, z.B. die Rente am liebsten ersatzlos streichen würde. Er frönt einem Libertarianismus amerikanischer Prägung und zwar in einer Weise, die ihn selbst gegenüber den hinterwäldlerischsten "Tea Party"-Leuten primitiv aussehen lässt.
Pirinccis Rezept in seinem "Idealstaat": alle Sozialleistungen abschaffen, den Staat um 90 % reduzieren, als "Ersatz" sollen alle schaffen bis sie tot umfallen und möglichst viele Kinder zeugen, die sie im Alter versorgen. Diese Passagen sind von krachender Naivität, weil bekanntermaßen genau dieses Modell ja so gut funktioniert in Ländern wie zum Beispiel Somalia.

2. Wie viele Publizisten des konservativen Lagers sorgt sich Pirincci angeblich um Deutschlands Zukunft, vor allem um die Zukunft der deutschen Kultur. Dies nehme ich z.B. Sarrazin, der auch schon viel Käse produziert hat, partiell noch ab. Da kann man sich noch wirklich gut den biederen Preußenverehrer vorstellen, der Angst davor hat, dass an deutschen Schulen in hundert Jahren kein Schiller gelesen wird. Pirincci nehme ich es nicht ab. Politisch steht er, wie gesagt, mehr für "Tea Party"-ianismus. Aber auch, was seine kulturellen Vorlieben betrifft, so scheint er keine besonders hohe Affinität für die deutsche Kultur zu haben, sondern findet BeeGees und Hollywood-Streifen ganz toll. Dagegen ist auch nix zu sagen (obwohl, die BeeGees....), allerdings sollte einfach mehr Format dahinter sein, wenn jemand alldeutscher Kultur-, Zukunfts- und Tugendwart sein möchte.
Kommentar Kommentare (26) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2014 8:58 AM CET


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