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Rezensionen verfasst von
Dunkelziffer (Frankfurt)

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The Counselor
The Counselor
DVD ~ Michael Fassbender
Preis: EUR 6,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In guten wie in schlechten Zeiten, 2. August 2014
Rezension bezieht sich auf: The Counselor (DVD)
Diesem Film fehlt leider eine schlüssige Geschichte. Ob dies nun dem Drehbuch von Cormac McCarthy, der Umsetzung von Ridley Scott oder aber anderen Faktoren zuzuschreiben ist, kann ich leider nicht beantworten. Fakt ist, dass alle Zutaten für einen großen Film vorhanden waren - aber das Produkt "The Counselor" lässt mich als Zuschauer etwas ratlos zurück. - Was ist hier schiefgegangen? Lag es bereits am Drehbuch? Lag es am Unvermögen von Ridley Scott (der mich visuell mit "Prometheus" in eine andere Welt katapultierte, aber beim Storyboard auch eher enttäuschte)? Oder lag es an 20th Century Fox, die unbedingt wollten, dass der Film nicht länger als zwei Stunden wird und damit das Gemetzel erst begannen?

Fragen über Fragen. Am Ende entscheidet der Zuschauer - und sein Bauchgefühl. Denn das letzte, was ich im Kino gebrauchen kann, sind Waschzettel. DON'T MAKE ME THINK! Oder mit anderen Worten: "This is just too much reality for a Friday night!"

Ich vergebe (zähneknirschend) 3 Punkte. 5 Punkte, wenn man jede Szene für sich betrachtet. 0 Punkte für die Geschichte, denn die ist nicht vorhanden, schlecht erzählt oder aber - im schlimmsten Fall - im Schnitt verstümmelt.

Am meisten Spaß macht der Film tatsächlich, wenn man ihn losgelöst von der Geschichte sieht. Meine Lieblingsszene ist die, in der die beiden Geparden aus dem Auto herauslaufen und sich selbständig machen. DAS ist Kino! Aber Voraussetzung ist auch ein schlüssiges Storyboard.


The Wolf of Wall Street
The Wolf of Wall Street
DVD ~ Leonardo DiCaprio
Preis: EUR 10,97

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grotesk. Genial. Aber zu lang., 21. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: The Wolf of Wall Street (DVD)
Der Film ist in den ersten zwei Stunden sehr unterhaltsam. Die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen grandios, allen voran Leonardo di Caprio UND Jonah Hill, den ich vorher noch gar nicht kannte. Auch die Geschichte wird überzeugend erzählt. Mit den Abstrichen, die ich aber für das Kino nicht nur gelten lasse, sondern die Kino erst möglich machen. Damit meine ich Überhöhungen, Überzeichnungen und so weiter. Der Schnitt ist auch erstklassig - wie von Schoonmaker fast schon gewohnt.

ABER: Der Film ist zu lang. Ich finde es schon schwierig, das Publikum über 2 oder 2 1/2 Stunden bei der Stange zu halten. Jenseits der 150 min wird es ganz eng. Dabei würde ich gar nicht sagen, dass es die letzte Stunde des Films ist, die zu lang ist - nein. Man hätte dazwischen etwas weglassen müssen, damit es am Schluss eine Einheit gibt. Der Drehbuchautor nennt es plot point, der Zuschauer sieht: hier passiert was besonderes, etwas, was der Geschichte eine Wende gibt. Und genau darauf wartete ich die ganzen letzten 60 Minuten des Films.

Dennoch vier Sterne, weil das absolut pures Kino ist! Da wird nichts dem Zufall überlassen, Top-Darsteller ohne Mätzchen, Top-Schnitt und Top-Score. Kino pur! Kein Sonntag-Abend Tatort-Gedöns.


Funny Games
Funny Games
DVD ~ Susanne Lothar
Wird angeboten von music_fun
Preis: EUR 28,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Fettpölsterchen?, 8. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Funny Games (DVD)
Ich mache es kurz: für mich gibt's vier Sterne. Der Film hat mich unterhalten. Ich bin kein Sadist. Somit widerlege ich die Meinung vieler. Spannend: 10 Jahre später dreht der gleiche Regisseur die U.S.-Version davon - nicht minder spannend.
Zurück zu Lück: Ich bevorzuge Ulrich Mühe und die Originalversion.
Warum vergebe ich 4 Sterne und nicht nur einen? Das hat viele Gründe. Michael Haneke ist einer von ihnen. Mühe der andere. Und überhaupt diesen Film zu drehen, ein weiterer Grund (!). Den vierten Stern gibt's für den Regisseur und die Idee, diese unendlich lahme Szene mit dem blutverschmierten Fernseher zu drehen. Bei einer Live-Übertragung der Formel Eins.

Warum vergebe ich keine 5 Sterne? Nun, darüber müssen wir glaube ich nicht sprechen. Wenn doch, dann spiel mir doch bitte das Lied vom Tod!


Out of Sight
Out of Sight
DVD ~ George Clooney
Preis: EUR 3,97

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fließbandware, 14. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Out of Sight (DVD)
Ich habe den Streifen gestern Abend zum ersten Mal gesehen und musste zweimal hinsehen: ist das tatsächlich Clooney? Und die Frau - eine der angesagtesten Sängerinnen der Jahrtausendwende - J-Lo? - Klar, sie waren es. Vor 16 Jahren. Okay. Nun zurück zu Lück. Und dem Regisseur. Wie hieß der noch? Keine Ahnung, aber er hat schon bessere Streifen produziert.

Für mich gibt es in diesem Film - neben der netten Idee - zu viele Durchschnittsdialoge, zu viele Durchschnittsdarsteller. Aber immerhin spannend genug für mich, den Film bis zum Ende zu sehen. Immer noch besser, als deutsche Talk-Shows zu sehen.

Soderbergh! So hieß er! Jetzt fällt's mir wieder ein. Solaris und so. Da gab's auch dramaturgische Durchhänger und völlig fehlbesetzte Rollen. Aber Clooney war noch der beste in Solaris. Diesem Streifen hier fehlt die letzte Konsequenz, die die frühen Filme von Quentin Tarantino auszeichnen. Alleine die minutenlange Szene im Kofferraum hätten sowohl Quentin als auch ich ganz anders gedreht. Das ist einfach zu kuschelig! Und die Dialoge. Sorry, Steven. Nur drei Himbeeren von fünf.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 21, 2014 10:48 PM CET


Bonnie und Clyde
Bonnie und Clyde
DVD ~ Faye Dunaway
Preis: EUR 8,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlos toller Film - Die Perfektion des New Hollywood, 11. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonnie und Clyde (DVD)
Wer mich kennt, weiß, dass ich selten fünf Sterne für einen Film vergebe. Aber bei diesem Streifen würde ich sogar sechs vergeben. Warum? Das hat viele Gründe:

Der Film ist zeitlos. Die Handlung spielt in den 1930er Jahren, spiegelt aber genau das Lebensgefühl der späten sechziger Jahre wieder. Das "alte" Hollywood hatte seit Beginn der 60er Jahre nur noch Hausmannkost geliefert - und nicht begriffen, dass das Fernsehen die größte Konkurrenz geworden war. Sinkende Besucherzahlen in den Kinos waren die Folge. Also musste man sich was einfallen lassen. Nur was? Bonnie & Clyde zum Beispiel. Denn der Film ist:

Der Anfang des New Hollywood. Warum? It's the little differences. Arthur Penn arbeitete mit jungen, damals noch nicht so bekannten Darstellern. Und die laufen echt zu Höchstform auf. Man könnte meinen, Clyde Barrow hätte sich Warren Beatty als Darsteller ausgesucht. Das gleiche gilt aber für Bonnie Parker - sie konnte nur von Faye Dunaway gespielt werden. Und dann gibt's hier natürlich noch den Bruder von Clyde, der vom damals noch unbekannten Gene Hackman gespielt wird. Der Oscar geht dann aber auch zurecht an Estelle Parsons - ihre Performance alleine rechtfertigt es, diesen Film mindestens einmal im Jahr zu sehen.

Burnett Guffey stand hinter der Kamera. Und er stand da nicht nur so rum, sondern machte sich echt Gedanken. Fürs nicht nur so rumstehen bekam er dann auch zurecht einen Oscar.

Und dann ist da natürlich noch ein Drehbuch. Und das ging durch die Hände von François Truffaut und Jean-Luc "Week-End" Godard. Um schließlich bei Warren Beatty zu landen, der mit Arthur Penn diesen Film realisieren wird. 1967.

Und dann kommt der Punkt, den ich unbedingt noch erwähnen möchte - in meinen Augen DER Grund, warum der Film so erfolgreich, zeitlos, nett und beliebt ist: Das Gangsterpärchen ist middle-class. Zu deutsch: Bürgerlich. Diese Bürgerlichkeit ist neu im Gangster-Milieu von Hollywood. Und genau das ist der geniale Kunstgriff in diesem Film: Die Stars verkörpern Menschen wie du und ich. Jeder kann der Mörder sein. Jeder kann diese Geschichte erleben. Eine Cola trinken oder im Kugelhagel sterben. -

Wo Humphrey Bogart Jahre vorher für die spürbare Schwere der schwarzen Serie stand, da steigen 1967 Warren Beatty und Faye Dunaway in einen Wagen, der ihnen nicht gehört. Das macht nichts - es zählt nur die Leichtigkeit. Gewicht wird nicht am verschossenen Blei gemessen, sondern an den genialen Ideen, die diesen Film auszeichnen. Und diese sind unzählbar.

Wem dieser Film nicht gefällt, der wird wahrscheinlich auch "Taxi Driver" hassen.

Wenn ich zwei Filme auf eine einsame Insel mitnehmen würde, dann wäre es definitiv "Bonnie und Clyde" und "Taxi Driver". Vielleicht auch noch ein paar andere. Martin Scorsese würde wahrscheinlich auch genau diese Filme mitnehmen. Alt und gebrechlich ist er noch nicht. Sicherlich würde er auch noch ein Paket Spaghetti mitnehmen. Aber das ist eine andere Geschichte.


Der Schwarze Falke
Der Schwarze Falke
DVD ~ John Wayne

1 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nur einen Stern für den schwarzen Falken made in USA, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Schwarze Falke (DVD)
Zunächst zum Genre: Western. Ich liebe das Genre. Ich denke an "Spiel mir das Lied vom Tod" oder an "Zwölf Uhr mittags". Es bietet den Regisseuren eine tolle Plattform, um Geschichten zu erzählen und den Mythos des Archetypen auszugraben. In der Neuzeit denke ich da auch gerne an Robert Rodriguez. Der belebt den Pulp regelmäßig neu.

Nun sind viele Jahre ins Land gegangen und ich beschäftige mich mit einem Streifen aus der grauen Vorzeit. Damals, als man noch Western drehte. In Amerika. Oder im Monument Valley.

Und damit zu John Ford: Ja, ich erlaube es ihm, im heiligen Land er Indianer zu drehen, ist ok - aber dann diese Bilder handlungsmäßig in Texas zu platzieren, finde ich eine Frechheit. Und eine Dummheit zugleich: Nirgendwo in Texas sieht es aus wie im Monument Valley.

Über John Wayne möchte ich hier kein Wort verlieren. Er spielt so wie immer. Studiosystem halt. Hollywood halt.

Was mich überraschte: Martin Scorcese, Jean-Luc Godard und Steven Spielberg erwähnen diesen Streifen in ihren noch nicht erschienenen Memoiren.

Ich kann leider nur einen Stern vergeben. Sorry an den Überflieger und taxifahrenden Scorcese, den ET-1982-Builder Spielberg und Monsieur "Week-End" Jean-Luc Godard.

Ein unendlich langweiliger Film. Und ein Regisseur, der zu sehr verliebt war in das Monument Valley. Das sollte er doch lieber den amerikanischen Uhreinwohnern überlassen und ganz gelassen und cool abtreten. Finde ich.
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2014 1:32 AM CET


Desperado [Special Edition]
Desperado [Special Edition]
DVD ~ Antonio Banderas
Preis: EUR 10,97

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen L’Oréal oder: Für eine handvoll verschwendetes Zelluloid, 16. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Desperado [Special Edition] (DVD)
Ich hatte filmisch einiges nachzuholen aus den 90ern. Zum Beispiel die ersten Gehversuche von Robert Rodriguez - den ich echt bewundere, weil er ja vieles selber macht: angefangen vom Drehbuch, über die Regie, Produktion und FX bis hin zum Schnitt und dem Score. Vieles handmade in Texas. Hut ab! Nach "Planet Terror" und "Machete" war es Zeit für mich, mich mit seinen Frühwerken zu beschäftigen. Nachdem mich die siebentausend-Dollar-Produktion "El Mariachi" sehr begeistert hatte, schmiss ich die nächste DVD in den Player: "Desperado".

Das tausendfache Budget stand ihm zur Verfügung. Und herausgekommen ist ein langweiliger Streifen. Der gar nicht mal langweilig, sondern sehr amüsant beginnt: eine Bar in Mexico, im Hintergrund die lässigen Klänge der Dire Straits und Steve Buscemi in Hochform. Das macht Appetit auf mehr und ich lehne mich zurück und genieße die Dialoge.

Dann die Ankunft des Mariachi in Santa Cecilia. Nach 21 Minuten taucht Mr. Tarantino auf und bestellt zwei Bier in einer Bar. Der Mariachi bringt einem kleinen Jungen mittlerweile das Gitarrespielen bei. Zurück in der Bar Mr. Tarantino mit seiner Story der Wette. So weit, so gut.

Minute 30: Antonio Banderas räumt in der Bar auf und tötet alle. Die Szene ist noch ganz witzig und hat sicherlich die Wachowskis-Geschwister inspiriert in Sachen Stop-Motion bei einer Schießerei im Weltraum. Ich sage nur: "What is the matrix?"

Dann geht's langsam bergab. Salma Hayek verarztet den verwundeten Antonio in ihrer gefakten Buchhandlung. Und dann gibt's Großaufnahmen des schönen L’Oréal-Girls Salma Hayek und des schauspielerisch sehr beschränkten Schönlings Antonio Banderas. Später gibt's dann noch die obligatorische Sex-Szene von den beiden (die Amis lockt das in die Kinos) und dann fiel dem Regisseur nicht mehr viel ein. Es gibt hanebüchene Stunts im Übermaß, Feuer aus dem Computer und viele coole Typen, die ihre Waffen beherrschen. Ob Wurfmesser, Pistolen oder Gewehre - spielt keine Rolle. Hauptsache viele Explosionen. Und viel Langeweile. Je unverwundbarer die Figuren, desto langweiliger eine Schießerei.

Quintessenz: von Rodriguez einfach ein paar Filme überspringen. 2005 wurde es mit "Sin City" ein wenig besser, und - hmmm, ja - seit "Machete" ist er ja wieder ganz der Alte. Und neue.

Machete kills!

Heißt es. Einen Stern für diesen Streifen. Verdient hätte er vielleicht einen halben. Wenn ich ehrlich bin. Who cares. About Wurfmesser.

Desperado: never again!


El Mariachi / Desperado
El Mariachi / Desperado
DVD ~ Antonio Banderas
Preis: EUR 9,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für eine handvoll Dollar, 12. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: El Mariachi / Desperado (DVD)
Südlich von Austin und San Antonio - ja, und auch südlich der Grenze, da gibt es ein Land. Da leben die Mexikaner. Und zwar genau so, wie in diesem Film. Möchte man meinen.

Mit 7.000 Dollar würde man heute jeden auslachen. - Gut, dass das noch nicht Geschichte ist. Denn ich möchte jeden sehen, der für 7.000 Dollar Briefmarken kauft.

In der Nähe von Austin hat Mr. Rodriguez sein eigenes Filmimperium aufgebaut. Mit allem, was es braucht: Dunkelkammer, Computer - und vielen Leuten, die Spaß an der Sache haben. Und eher in ihrem letzten Leben von Hollywood gehört haben.

Back on topic: Die Story ist einfach, aber ehrlich. Es gibt keine falschen Tricks, die Schnitte sind toll, auch die Kamera und auch all die anderen Ideen, die so in diesen einfach gemachten Film einfließen.

Manchmal sind es auch die kleinen Dinge: zum Beispiel die kleine Schildkröte, die öfter zu sehen ist. So etwas mag ich!

Egal: vier Sterne für einen Sternekoch unter den Köchen. Früher hießen die Köche Coppola oder Hill oder Friedkin. Heute ist jeder auf Diät. Jeder auf einer anderen. Das macht wenig Spaß. Um so mehr Spaß macht es, mit den Verantwortlichen zu twittern. In dem Fall mit Robert Rodriguez.

Machete: kill! kill! kill!

Großartiges Kino. Toller Schnitt, toller Soundtrack und - hmmm. Ich weiß gerade nicht. Aber jedenfalls besser als alles, was uns die ARD oder das ZDF Abend für Abend zu bieten haben.


Leaving Babylon
Leaving Babylon
Preis: EUR 19,98

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gleis eins: bitte einsteigen!, 28. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Leaving Babylon (Audio CD)
Seit knapp 15 Jahren gehört Covenant zu meinen persönlichen Top 10. Es vergehen durchaus mal mehrere Jahre, bis die Schweden wieder eine neue CD veröffentlichen. Fünf Jahre gingen zwischen "Skyshaper" und "Modern Ruin" ins Land. Um so überraschter war ich, dass die Halbwertszeit das Warten um die Hälfte reduzierte und der neue Silberling bereits nach zweieinhalb Jahren in den Läden steht. Hier meine Bewertung der einzelnen Titel:

1. Leaving Babylon

Sehr komprimiert und etwas noise-lastig beginnt der Opener des neuen Albums der Schweden. Eskil Simonssons Stimme wird immer wieder von offiziellen Stimmen aus der Welt der Angestellten und Beamten unterbrochen. Monotonie pur - Monarchie und Alltag. Aber ohne Fehlfarben. Ich sage mal: drei Sterne.

2. Prime Movers

Durchdesigned bis in die letzte Ecke startet der zweite Song von Covenant. Ich war voller Erwartungen und wurde bereits nach wenigen Takten eher enttäuscht. Das ist so Standard-Programm. Electro-Patterns, die die Schweden schon seit 1995 im Programm haben. An sich nichts Schlechtes - aber auch nicht wirklich etwas Neues. Von daher: zwei Sterne.

3. For our Time

Uncut Diamond. Roh und ungeschliffen startet der Song mit der tollen Stimme von Eskil Simonsson. Allerdings nimmt der Song im Lauf der Zeit kaum Fahrt auf, sondern verliert sich in erstaunlich langweiligen Lyrics und mausert sich überhaupt nicht. Ein Lückenfüller und für mich enttäuschend: nur einen Stern.

4. Thy Kingdom Come

Cembalo-Intro mit interessanten Sounds aus der Electro-Schublade. Und kaum einen Wimpernschlag später ist man voll drin: in der Welt von Covenant in Reinkultur. Alles ist bekannt und vertraut, aber trotzdem angenehm. Wie nach Industrie-Standard. Ich lehne mich zurück und denke: es ist so viel Zeit vergangen. People come, people go. Toll. Fünf Sterne.

5. I Walk Slow

Sanfte Gitarrenklänge nach einigem Noise und Rückkoppelungsgeheul können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Song eher so BETA-Status hat. Für mich entwickelt er kaum Spannung - alles bleibt auf dem gleichen Level. Eher schwach - von daher: nur einen Stern.

6. Ignorance & Bliss

Yeah! Endlich! Endlich genau das, worauf ich gewartet habe! Der Arpeggiator tut pflichtbewusst seinen Dienst, der Fairlight verlängert die Nullen und Einsen zu einem orchestralen Chor - und schon nach einem Bruchteil von Sekunden bin ich live dabei. Nicht alles ist neu, was glänzt, aber der Song macht Spaß und Laune. Zumindest eine zeitlang. Bei 01:41 gibt's einen seltsam-versöhnlichen Einschub, der überhaupt nicht zum bisherigen Verlauf passt. Wo bin ich hier gelandet? In einem Aufzug? Ist das amerikanische Aufzugs-Musik? Ich musste an OMD in ihren besten oder schlechtesten Zeiten denken. So toll der Song begonnen hat, so unglaublich flach endet er. Schade - das hätte eine richtig große Sache werden können. Tut mir leid - nur drei Sterne.

7. Last Dance

Das "Monochrome" der Neuzeit. Oder war es "Call the ships to port"? Egal - ein starker Song. Mit dem ja eigentlich kaum jemand gerechnet hat - in diesem Sommer. Von Covenant. Aber egal - mir gefällt er nicht so gut. Aber das ist ja Geschmacksache. Objektiv betrachtet ist er toll - von daher: fünf Sterne.

8. Auto (Circulation)

Hier haben wir auch wieder die "Ahs" und "Ohs" aus dem Fairlight, die man ja schon seit "West End Girls" der Pet Shop Boys kennt. Ein Beweis, dass auch Dinge, die fast dreißig Jahre alt sind, heute immer noch gut klingen können. - Das aber eher als Ausflug in die Geschichte der Elektronik. Und der Musik. - Der Song ist etwas bemüht, aber durchaus nicht schlecht. Nur kommt er kaum in Fahrt - plätschert eher so vor sich hin. Objektiv betrachtet. Subjektiv mag ich ihn - vier Sterne! Typisch Covenant eben.

9. Not To Be Here

Seltsamer Lückenfüller. Ich würde am liebsten keinen Stern vergeben. Also: einen Stern. Sorry, boys!

10. Unnamed

Der Song beginnt aseptisch wie einst bei Kraftwerk oder Tangerine Dream. Und setzt so auch seinen Weg fort. Verzerrte, verlangsamte Stimmen untermalen das Hochmoor. Etwas überrascht war ich schon, dass Covenant die Hörerinnen und Hörer so kraftlos in die Ewigkeit entlassen. Aber wahrscheinlich ist das dann einfach so. Bis zum nächsten Flug zum Mond. Oder Mars. Oder wohin auch immer. Gibt hier nur einen Stern.

Drei Sterne für die CD. Ich freue mich auf den nächsten Live-Act der Sound-Tüftler aus Schweden. Live sind sie unschlagbar mit ihrem Repertoire an Songs. Stalker - let's go!


Abend der Gaukler (Ingmar Bergmann)
Abend der Gaukler (Ingmar Bergmann)
DVD ~ Harriet Andersson
Wird angeboten von docu-films
Preis: EUR 14,98

4.0 von 5 Sternen Am Anfang etwas zäh, aber dann wieder ein richtiger Bergman, 20. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Abend der Gaukler (Ingmar Bergmann) (DVD)
Technische Qualität der DVD und Filmkritik:

Ton
Ich vermisse die Original-Tonspur nicht, finde es aber schon ein Manko für andere Zuschauer und technisch bei einer DVD ja nun wirklich kein Problem mehr. Nun kenne ich den Originalfilm nicht und weiß nicht, inwieweit die Tonspur im Lauf der Zeit gelitten hat oder ob bestimmte Aspekte des Tons von Bergman so beabsichtigt waren, wie sie auf mich wirkten. In Szenen ohne Musik und Sprache hört man beispielsweise oft gar nichts - auch keine Geräusche. Das finde ich irritierend. Die (Zirkus-)Musik ist sehr penetrant und stark von hohen Frequenzen gezeichnet, so dass sie fast in den Ohren schmerzt, was womöglich beabsichtigt war im Hinblick auf die Handlung.

Bild & Handlung
Ich musste mich durch die ersten 20 Minuten des Filmes kämpfen. Sehr kontrastreiche, fast schon übersteuerte Bilder, manchmal auch sehr dunkel in Kombination mit einer langen Zeit, bevor der erste Satz gesprochen wird, fand ich etwas zäh. Danach aber wird das Bild etwas weicher, und auch handlungsmäßig nimmt der Film Fahrt auf und hat mich bis zum Schluss gefesselt. Die menschlichen Themen, die Bergman hier anspricht, sind wie so oft zeitlos und nicht an eine bestimmte Epoche gebunden. Sehr gut und für die damalige Zeit ungewöhnlich modern fand ich die Dialoge, gerade in Kombination mit der tollen Kameraarbeit von Sven Nykvist. Die Gegenüberstellung von Ängsten und Hoffnungen habe ich einer ähnlichen Intensität bisher nur in den Filmen Fassbinders gesehen. Und darin sind sich die beiden Regisseure vielleicht ähnlich: indem der Kampf um das eigene Ego ihre Filme wohl erst möglich gemacht hat.


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