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Rezensionen verfasst von
Nera (Niederösterreich)

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Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman
Die Rache trägt Prada. Der Teufel kehrt zurück: Roman
von Lauren Weisberger
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nett zu lesen aber mehr nicht, 19. Januar 2014
Natürlich freut man sich darauf, eine Fortsetzung über den "Teufel" zu lesen, jedoch kann man darauf lange warten. Es geht nicht wirklich um Miranda Priestley sondern in erster Linie um Andy und ihre etwas eigenartige Gedankenwelt. Ja Miranda Priestley kommt ein- zweimal halbherzig beschrieben vor, bleckt ihre allbekannten Zähne und das wars schon. Den Rest könnte man bezeichnen als "das unscheinbare, langweilige Leben einer jungen erfolgreichen Frau, die in New York lebt". Was noch dazu kommt ist, dass der Charakter von Andy völlig an Sympathie verliert. Da sie offensichtlich davon ausgeht, dass sämtliche Menschen um sie herum Gedanken lesen können, sie deshalb niemanden ihr Wissen und ihre Erfahrungen mitteilt, wird sie immer und immer wieder enttäuscht und stößt mit ihren Trotzreaktionen die Menschen um sie vor den Kopf. Sie erscheint dadurch eher neurotisch und sehr egoistisch. Das Buch fängt gut an wird jedoch immer langweiliger (insbesondere für "Priestley-Fans"). Drei Punkte dennoch für den sehr guten Schreibstil.


Das Erbe: Die Geschichte meiner Südtiroler Familie
Das Erbe: Die Geschichte meiner Südtiroler Familie
von Lilli Gruber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut empfehlenswert, 15. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Frau Gruber, warum haben Sie dieses Buch nicht fertig geschrieben? Dieser Gedanke kam mir, als ich auf der letzten Seite von „Das Erbe“ angekommen war und soll heißen, daß ich noch ewig weiterlesen hätte können. Wie gerne hätte ich erfahren, wie es der sympathischen Familie Tiefenthaler-Rizzoli in den Kriegswirren und darüber hinaus weiter ergangen ist. Aber das Buch endet nun mal mit dem letzten Tagebucheintrag von Rosa Tiefenthaler, der Urgroßmutter der Autorin, um deren Lebensgeschichte sich diese Kombination aus Dokumentation und Roman im Zeitraum 1918 bis 1940 dreht.

Als Österreicherin hat man zwar ohnehin ein besonderes Naheverhältnis zu Südtirol und natürlich kennt man die Historie genügend aus der Schule oder von befreundeten Südtirolern aber die Geschehnisse einmal aus dieser Perspektive und auf Grundlage dieser Zeitdokumente zu erfahren war für mich besonders eindrucksvoll.

Die junge Gutsherrin Rosa Tiefenthaller, die sich mit dem, gegen den Willen des Vaters, hart erkämpften Ehemann Jakob ein heimeliges Familienglück mit sechs Kindern aufbaut, darüber hinaus nie ihre Pflichten der Nächstenliebe vergisst, sieht ihre heile Welt weitläufig zusammenbrechen, als die Heimat Südtirol nach Ende des 1. Weltkrieges plötzlich nicht mehr zu Österreich gehört. Es folgen die bodenlosen Repressionen, die sich seitens Italien über die Südtiroler ergießen und der mühsame Kampf um die Aufrechterhaltung der eigenen Kultur und Sprache. Zu allem Überfluss kommt in diesen ohnehin harten Zeiten Mussolini an die Macht und ausgerechnet im aufstrebenden Adolf Hitler sehen letztendlich viele Südtiroler sowie auch Rosas Familie ihre Chance gekommen, aus der Klammer der italienischen Faschisten zu entkommen. Leider verfällt Rosas jüngste Tochter Hella trotz der warnenden Stimme ihrer Mutter besonders intensiv der verhängnisvollen Macht der Nationalsozialisten.

Ein wunderschönes mit sehr viel Liebe geschriebenes Buch. Äußerst gelungen fand ich auch die Übergänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart am Ende der Kapitel; die Autorin war auf den Spuren der Geschichte unterwegs und besuchte zur Recherche sämtliche Orte, an denen ihre Vorfahren agierten von Südtirol über Innsbruck bis Wien und letztendlich auch den kurzfristigen Verbannungsort von Großtante Hella in Castelluccio Inferiore im tiefsten Süden Italiens. Über die Schilderung der gegenwärtigen Zugreise dorthin musste ich übrigens wirklich herzhaft lachen. Sarkasmus as its best Frau Gruber.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 10, 2015 2:22 PM CET


Wo samstags immer Sonntag ist: Ein deutscher Student in Israel
Wo samstags immer Sonntag ist: Ein deutscher Student in Israel
von Markus Flohr
  Broschiert

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Äußerst empfehlenswert, 16. Juli 2013
Leben in Israel stelle ich mir chaotisch, lustig, seltsam und auch gefährlich vor. Markus Flohr hat diese Vorstellung bestätigt. Als Student aus Deutschland für über ein Jahr nach Israel gezogen, erzählt er auf amüsante Weise seine Erlebnisse. Gleich bei Ankunft in politische Diskussionen verwickelt, immer wieder auf seine Nase angesprochen, die in ihm eigentlich einen Juden vermuten lässt, die Wohngemeinschaft mit zwei ziemlich orthodoxen Mitbewohnern, deren unglaublich viele Regeln man in einem Menschenleben kaum lernen kann – eine Anekdote folgt der nächsten und man kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus.

Selbstironisch berichtet Markus Flohr was passiert, wenn man in einer koscheren Küche die Teller, die nur für Fleisch mit den Tellern, die nur für Milchprodukte bestimmt sind, verwechselt, wenn man sich in eine Israelin verliebt, deren Familie mit der deutschen Wahl so gar nicht einverstanden ist und man daher tief in die Trickkiste greifen muss, um ein Familienessen unbeschadet zu überstehen und das letztendlich schief geht oder man sich mit einem riesengroßen Holzkreuz im Schlepptau in die falsche Gegend von Jerusalem verirrt. Da wird’s dann weniger lustig. Also zum Lesen schon, erleben möchte man selbst sowas nicht.

Ich hab mich bestens unterhalten, habe auch mitgelitten, vor allem in dem Teil, in dem Markus Flohr von den Ausflügen in den akut bombardierten Gazastreifen berichtet, um die Oma seiner Freundin in Sicherheit zu bringen. Ab Ertönen der Warnsirene nur ganz wenige Minuten Zeit haben, um einen Bunker zu erreichen und die Raketen schon um die Ohren zischen hören, lässt einem beim Lesen zeitweise den Atem stocken. Eine bessere und vielschichtigere Darstellung des israelischen Alltags kann man sich kaum wünschen.

Das Buch ist sehr kurzweilig, interessant und wirklich amüsant. Daher schnell ausgelesen und es bleibt große Lust, mehr von Markus Flohr zu lesen.


Tschador. Im geteilten Herzen des Iran
Tschador. Im geteilten Herzen des Iran
von Lilli Gruber
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend!, 15. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was benötigt man, um in den Iran zu reisen, Land und Leute kennen zu lernen und ein sehr gutes Buch darüber zu schreiben? Fundiertes Hintergrundwissen, ein internationales einflussreiches Netzwerk, eine gehörige Portion Mut, ein offenes Herz und ein gesundes Maß an Hartnäckigkeit. Dies alles besitzt die Autorin Lilli Gruber und weiß es gekonnt einzusetzen. Über die Autorin sowie den Inhalt des Buches ist von meinen Vorschreibern schon viel berichtet worden, daher beschränke ich mich auf meinen Gesamteindruck des Buches.

Ich habe mich ehrlich gesagt nie sonderlich für den Iran interessiert, mir wurde das Buch jedoch wärmstens empfohlen und ich bereue den Kauf nicht. „Tschador“ ist ein politik-lastiger Reisebericht, welcher von der Autorin hervorragend um internationale und geschichtliche Zusammenhänge ergänzt wurde.
Bereits ab Ankunft im Iran – der Wahlkampf um die Präsidentenwahlen im Jahre 2005 ist gerade voll im Gange - spricht oder besser gesagt löchert Lilli Gruber jeden wirklich jeden Einwohner der ihr über den Weg läuft, mit persönlichen Fragen um einen umfangreichen Querschnitt an Meinungen, Ängste und Hoffnungen jener Menschen zu sammeln die in diesem für viele von uns so unverständlichen und mystischen Land leben. Darüber hinaus nimmt sie Gesprächstermine mit hochrangigen Persönlichkeiten wahr: eine Menschenrechtlerin, eine erfolgreiche iranische Rennfahrerin, die Tochter von Ayatollah Khomeini, um nur einige zu nennen.

Mit großem Nachdruck aber dennoch sehr sympathisch und einfühlsam entlockt sie auch den introvertiertesten Gesprächspartnern Meinungen und Denkweisen und rundet die Aussagen oftmals mit kurzen persönlichen Stellungnahmen ab, die auf ihren eigenen Erfahrungen als langjährige Journalistin und ihr umfangreiches Wissen in der internationalen Politik basieren. Nebenbei lässt sie es sich nicht nehmen, ein Fußballmatch zu besuchen, sich unter eine Demonstrationen zu mischen oder sich in eine Moschee schmuggeln zu lassen, um das Ritual einer Gebetsstunde mit eigenen Augen zu sehen. Alles Dinge, die für einen Ausländer christlicher Herkunft teilweise streng verboten und speziell für eine Frau nicht ganz ungefährlich sind.

Sehr amüsant fand ich zwischendurch die Versuche von Lilli Gruber, während ihres Aufenthalts im Iran, trotz erschwerender Auflagen (z.B. das Tragen des Tschadors) ein wenig den eigenen Lebensstil - wie z.B. die tägliche Joggingrunde mit ihrem Ehemann - fortzuführen, die sie dann aber auf Grund der verständnislosen Reaktionen der Einwohner wieder bleiben lässt.

„Tschador“ war für mich sehr interessant zu lesen, bietet umfangreiche Informationen über den Iran, sowohl in politischer als auch in kultureller, landschaftlicher und geschichtlicher Hinsicht und gibt einen sehr lehrreichen Einblick über das – für Frauen besonders schwere - Leben in einem für mich persönlich sehr „fremden“ Staat.

Äußerst positiv beeindruckt von der Autorin Lilli Gruber, freue ich mich auf das von ihr kürzlich auch in Deutsch erschienene Buch „Eredità -Das Erbe“.


Bella Italia: Erlebnisse Eines Auswanderers
Bella Italia: Erlebnisse Eines Auswanderers
von Raffaela Caccialepre
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen gut beschrieben, wie man es nicht machen sollte, 5. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist sehr kurzweilig, der Schreibstil sehr gut und man legt es nur ungern aus der Hand, da man schnell wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht. Soviel zum Positiven. Die Autorin beschreibt anfangs sehr genau die Motivationsgedanken, die sehr viele Auswanderer gen Süden bewegt: raus aus dem eigenen Land mit der langweiligen und engstirnigen Mentalität und rein in das lockere, fantastische „Bella Italia“, in dem es vor Lebensfreude und positiver Energie nur so wimmelt. Und scheitert emotional in den ersten Tagen. Warum? Weil sie meiner Meinung nach dem neuen Land mit genau der Mentalität begegnet, vor der sie doch eigentlich geflüchtet ist: ungeduldig, herablassend, engstirnig und verkrampft und bei der erstbesten Gelegenheit betonend, wie toll und besser dieses und jenes in der Schweiz gehandhabt wird. Wer will im Einwanderland sowas bitte schön hören?

Im Grunde ist dies ja ein häufiges Paradoxum bei gescheiterten Auswanderern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Was mich in diesem Fall allerdings doch sehr wundert, da die Autorin Tochter eines Italieners ist und als Kind sehr viel Zeit bei ihren italienischen Großeltern verbracht hat. Offensichtlich konnte sich von diesen beiden – für eine Einwanderung nach Italien - eigentlich sehr guten Voraussetzungen nicht viel bei der Autorin manifestieren. Bereits in den ersten Tagen im Wunschland, wertet die Autorin typische Vorfälle im italienischen Alltag als minderwertig, unlogisch, unnötig und kontraproduktiv ab (natürlich nicht ohne jederzeit mit der tollen Schweiz zu vergleichen). Die ersten bürokratischen Hürden lösen in ihrem Inneren regelrechte Tobsuchtsanfälle aus. Warum genau, wollten Sie unbedingt nach Italien Frau Caccialepre??

Was mich weiters stört, ist die weitgehend fehlende Wertschätzung der Autorin den Mitmenschen gegenüber. Die handelnden Personen werden beim ersten Aufeinandertreffen durchgehend mit Attributen wie „fett, hässlich, dumm, faul etc .“ belegt. Wenn die Autorin die Vorgehensweise eines Menschen nicht gleich versteht, handelt es sich auf jeden Fall erstmal um einen Vollidiot/eine Vollidiotin. Bella figura sieht anders aus und die oft beschriebene Fassungslosigkeit machte sich bei mir eher über das Verhalten und die Gedanken der Autorin breit als über die durchaus vorhandenen Macken in Italien!

Ich empfehle dieses Buch jedem, der sich einbildet, la dolce vita in Italien sei ein isoliertes Glücksmoment. Man muss stets das Ganze erkennen und verstehen. Wer schon bei den ersten Seiten des Buches zustimmend nickt, hat in Italien wirklich nichts verloren. Bewundernswert finde ich die Tatkraft, in so jungen Jahren einen Traum zu verwirklichen, vielleicht war die Autorin, die durchaus nicht nur unsympathisch rüberkommt, einfach nur zu jung für dieses Abenteuer.

Empfehlen kann ich dieses Buch auf jeden Fall. Sowohl für Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen nach Italien auszuwandern als auch für jene, die gute Unterhaltung suchen.


Alibi
Alibi
von Agatha Christie
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend, amüsant, kurzweilig, 18. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Alibi (Taschenbuch)
Roger Ackroyd ein reicher älterer Herr wird erstochen in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Viele Verdächtige kreisen um den Toten herum. Die verarmte verwitwetete Schwägerin, die von der Großzügigkeit des alten Knauserers abhängig war ebenso wie ihre Tochter Flora, die in Kürze den Stiefsohn des Ermordeten heiraten wollte. Die Liste der Verdächtigen reicht aber weiter, von an diesem Abend anwesenden Besuchern bis zur Dienerschaft. Ein Glück, dass Hercule Poirot seinen eben angetretenen Altersruhesitz in den idyllischen Ort verlegt hat um Kürbisse zu züchten, was ihn allerdings nicht wirklich erfüllt. Mit Freude kommt der Belgier daher der Bitte nach, sich des Falles anzunehmen.

Ich war ein wenig erstaunt, dass dem Leser bereits nach knapp einem Viertel des Buches klar ist, wer der Mörder ist. Somit ist es wie bei Columbo. Man weiß wer es war und wartet auf die Enthüllung der für den unaufmerksamen Laien nicht erkennbaren Unachtsamkeit des Mörders, die zu seiner Entlarvung führt. Aber auch die diversen Lügen aller Beteiligten, deren stückweise Aufdeckung Monsieur Poirot scheinbar eine Weile im Kraus laufen lässt, bieten dem Leser von Beginn an spannende Stunden, denn eines ist dem Detektiv von der ersten Minute an klar: Jeder hat etwas zu verbergen.

Alibi war mein erster Agatha Christie und wird mit Sicherheit nicht mein letzter sein. Leicht zu lesen und sehr kurzweilig, hat man das Buch in maximal zwei Tagen ausgeschmökert, denn man giert förmlich danach zu wissen, wies ausgeht. Ein besonderer Genuss sind natürlich die Dialoge, die Hercule Poirot im Laufe seiner Recherchen führt, denn dass sogar der klügste Dorfbewohner seiner Intelligenz weit unterlegen ist, damit hält der quirrlige kleine Mann natürlich keine Minute über den Berg. Das allerdings so charmant und sympathisch, dass man immer wieder schmunzeln muss.

Insbesondere an Agatha Christie-Einsteiger eine absolute Empfehlung.


B.B. King & Joan Baez - Live at "Sing Sing"
B.B. King & Joan Baez - Live at "Sing Sing"
DVD ~ B.B. King
Preis: EUR 11,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kultverdächtig, 12. August 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Thanksgiving 1972 und ein legendäres Konzert im legendären Gefängnis Sing Sing. Die Idee zu dem Ganzen hatten damals die beiden Filmemacher David Hoffman und Harry Wiland, die unter Mitarbeit der Insassen eine Dokumentation über den rauen Gefängnisalltag produzierten und dieses Konzert als Abschluss des Projektes auf die Beine stellten. Wie man im Vorwort der DVD zu lesen bekommt, wurde bei zahlreichen Künstlern um einen Auftritt angefragt, jedoch lediglich B.B. King, Joan Baez, The Voices of East Harlem und der Komiker Jimmy Walker sagten zu. Dazu muss man anmerken, dass es bis dahin völlig ausgeschlossen war, ein Live-Konzert in einem Gefängnis, noch dazu vor Schwerverbrechern, abzuhalten. Bis zwei Tage vor dem Konzert war noch gar nicht sicher, ob die Gefängnisleitung zustimmen und die Insassen überhaupt kommen würden. Doch die Gefängnisleitung stimmte zu und die Insassen kamen und zwar mit einer Stimmung, die ihresgleichen sucht.

Neben den Musikdarbietungen bekommt man einen kleinen Einblick in das Innenleben des wohl berüchtigsten Gefängnisses unserer Zeit. Man darf die eine und andere Gefängniszelle begutachten, nimmt teil an den philosophischen Gedanken mancher Insassen und streift einen Zug Gefängnisalltag.

Die Häftlinge selber übernehmen einen Großteil der Vorbereitungsarbeiten, beobachtet von den skeptischen Blicken der Zellenwärter. Nachdem die äußerst angespannte Atmosphäre, verursacht durch die Vorfreude der Menschen, die seit Jahren außer gesiebter Luft und gestreiftem Himmel nur wenig Abwechslung erleben dürfen, ihren Höhepunkt erreicht, hopst eine Gruppe voll sympathischer Halbwüchsiger auf die Bühne und präsentiert als The Voices of East Harlem, den temperamentvollen Song "Right on, be free" kurz gefolgt von "Young, Gifted and Black", eine Mischung aus Soul und Gospel.

Zwischen den Auftritten verbreitet Jimmy Walker mit kurzen Comedy-Einlagen, vorwiegend bestehend aus sarkastischen Witzen über Schwarze und Verbrecher, ausgelassene Fröhlichkeit.

Als Joan Baez die Bühne betritt, wirkt sie ein wenig ängstlich und verunsichert (war sie nicht selbst mal im Gefängnis?), findet aber mit dem Bob Dylan-Song "I shall be released" sofort den Draht zum Publikum. Mit ihrer Schwester Mimi Farina trägt sie danach die wunderschöne Ballade "Viva mi patria Boliva (mi gorazon)" vor, die den latino-stämmigen Insassen eine Mimik ins Gesicht zaubert, die wohl aus einer Mischung von Schmerz, Heimweh und Hoffnung besteht. Zum Abschluss ihres Auftrittes lauscht man "Three Stories", einer country-artigen Ballade über Menschen, die tief gefallen sind. Der Kameraschwenk über die plötzlich sehr in sich gekehrten Gesichter lässt ungefähr erahnen, worüber die hier Gestrandeten in diesen Minuten sinnieren. Das Lied und diese Stimme verursachen auch bei mir Gänsehaut.

Eine kurze Theatereinlage der Insassen, über das Leiden eines vermeintlich Unschuldigen, von seiner Festnahme bis zur Inhaftierung, lässt sich so manchen Wärter verlegen am Kopf kratzen, doch dann kommt er: B.B. King. Was für ein Auftritt, was für eine Stimme. Nach einem kurzen Intro auf seiner E-Gitarre, das mir die Nackenhaare aufstellen läßt, fetzt uns B.B. King "How Blue Can You Get", "Somebody Really Loves You" und "I Think You re Cheating On Me Baby" um die Ohren. Es lebe der Blues!!! Das Publikum weint, flippt, verliert fast die Kontrolle und muss vom Gefängnisdirektor unter Androhung, das Konzert abzubrechen, zur Raison gebracht werden.

Nachdem The Voices of East Harlem mit "Shaker Life" noch einmal jugendliche Lebensfreude verbreiten, wars das leider auch schon. Der Abspann wird passend mit dem nachdenklichen Stück "Sing Sing Ossining" unterlegt.

Auch wenn die Ton- und Bildqualität ihr 34jähriges Alter mehr als erahnen lässt, genießt diese DVD bei mir bereits Kultstatus.


Stalag 17
Stalag 17
DVD ~ William Holden
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 5,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schade, dass ihn kaum einer kennt!, 18. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Stalag 17 (DVD)
Warum dieser Film von Billy Wilder in unseren Breiten relativ unbekannt ist, versteht wohl keiner, der ihn gesehen hat. Stalag 17 ist während des 2. Weltkrieges ein Gefangenenlager, in dem hauptsächlich amerikanische GIs interniert sind. Die Jungs versuchen sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen (wobei hier wahrscheinlich die Realität ein wenig abgeflacht wurde, was aber den Filmgenuss in keinster Weise beeinträchtigt) und hecken immer wieder Fluchtversuche aus, die allesamt kläglichst scheitern. Auch sonstige harmlosere Aktionen werden immer wieder innerhalb kürzester Zeit durch die Deutschen unterbunden. Bald wird klar, dass ein Verräter unter ihnen weilt. Diesen zu finden und handlungsunfähig zu machen ist nun Ziel Nummer Eins. Dabei läuft den Männern die Zeit davon, gilt es doch, einen der ihren vor den tödlichen Fängen der SS zu retten, wobei es wichtig ist, dass jeder seinen ihm zugeteilten Part zuverlässig durchführt und nichts nach außen dringt.

Der Film ist nicht nur unheimlich spannend, er ist ebenso mit einer wohldosierten Menge an Humor gewürzt, ohne die eher triste Situation im Lager zu sehr ins Lächerliche zu ziehen.

Der trockene Zynismus, mit dem der Hauptverdächtige (William Holden, der für diese Leistung damals den Oscar erhielt) den Repressalien seiner Barackengenossen begegnet, ist allein bemerkenswert. Zwei Drittel des Films hab ich mir die Frage stellen dürfen, ob diese augenscheinliche Gelassenheit daher rührt, weil er ohnehin unter dem Schutz der Deutschen steht und jederzeit abspringen kann oder weil er fest an eine höhere Gerechtigkeit glaubt, die seine Unschuld früher oder später ans Licht bringen wird. Das Finale des Films ist mehr als beeindruckend! Durch die Synchronisation geht leider der Wortwitz der aberwitzigen Dialoge zwischen den deutschen Wärtern und den amerikanischen GIs verloren, daher unbedingt mit englischer Tonspur anschauen!


Indigo: Women of Song [11trx]
Indigo: Women of Song [11trx]
Wird angeboten von music-network
Preis: EUR 9,90

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Highlight, in jeder Hinsicht!, 17. Juli 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Indigo: Women of Song [11trx] (Audio CD)
Selten war ich so auf eine CD gespannt wie auf Indigo. Altbekannte Lieder neu interpretiert, von einer Sängerin, die ich seit meiner Kindheit gerne höre, von der man aber in letzter Zeit leider nur die aufgewärmten alten, trotzdem nicht minder geliebten, Hits immer wieder neu auf CD gepresst, erhalten konnte. Seit Gaia bildet Indigo endlich ein weiteres besonderes Highlight im Schaffen von ONJ. Ihre Stimme hat sich auf interessante Weise weitergebildet und hat dennoch kein bisschen von der ihr so ganz eigenen besonderen Wärme, mit der kaum eine andere Sängerin je mithalten konnte, eingebüßt. Indigo als Hintergrundmusik, an einem kalten Winterabend oder während einem besonderen Abendessen, verfehlt mit Sicherheit nicht an stimmungsvoller Wirkung. Ausnahmslos gut ausgewählte Stücke, die auch Nichtfans nachweislich in ONJs Bann ziehen. Einzige Ausnahme bildet das Lied >Where have all the flowers gone<, das ONJ zwar mit ihrer ganz speziellen Intonation wiedergibt, jedoch beim Passus >long time passing< eher wirkt, als würden ihr diese Worte Schmerzen bereiten, welche sich von Strophe zu Strophe steigern. Hier wurde wohl auf Quantität denn auf Qualität im Stimmvolumen gesetzt; schade. Dies tut aber dem Genuss dieser CD keinen Abbruch. Beigelegt ist auch ein recht liebevoll gestaltetes Booklet, mit persönlichen Gedanken Olivias zu jedem Lied. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Konzertreihe mit diesem Repertoire, im von ihr recht vernachlässigten Europa, ein Megaerfolg werden könnte. Liebe Olivia, lass den Amis ihr geliebtes Xanadu, Dein wahres musikalisches Zuhause heute, ist eindeutig der Swing und Jazz!


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