Profil für Medgal > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Medgal
Top-Rezensenten Rang: 2.962.883
Hilfreiche Bewertungen: 102

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Medgal (Berlin)

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
La Boheme (Ga)
La Boheme (Ga)
Preis: EUR 18,97

61 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Neues aus Paris?, 10. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: La Boheme (Ga) (Audio CD)
Unter den Puccini-Opern, die zu seinen Meisterwerken gerechnet werden müssen, erfreut sich wohl keine größerer Beliebtheit als "La Boheme" und wohl keine ist häufiger aufgenommen worden. Das bedeutet aber auch, dass die Konkurrenz entsprechend hart ist. Für diese Aufnahme hat die DG ihr Superduo - Netrebko und Villazon - ins Rennen geschickt und die Leistung beider Sänger rechtfertigt durchaus die Neuaufnahme. Villazon ist ein intensiver, mitleidender Rodolfo. Er hat das Gespür für den Aufbau und das Timing einer Phrase, er beherrscht den für diese Oper wichtigen Wechsel von Parlando- und Ariosopassagen. Gleichwohl ist nicht alles gelungen. Die Töne über dem System klingen nicht immer so strahlend wie sie sollten und werden in der Regel mit viel zu viel Kraft und gefährlich offen gesungen. Eine heikle Phrase in der Arie wie "Talor dal mio forziere" klingt bei ihm so schwierig wie sie ist, weil zu viel Masse in die Höhe gestemmt wird und er den Klang eigentlich nicht so offen halten sollte wie es sich beispielsweise Björling erlauben konnte. Welche Anstrengung ihn eine derartige Exponierung kostet, ist in den folgenden Phrasen zu erleben, die matt und dumpf klingen. Anna Netrebko wird viele enttäuschen, die in der Rolle eine femme fragile und anrührende Zartheit erwarten. Sie ist keine Sängerin der mimischen Verwandlung und bleibt daher immer Netrebko. Bewegend, wie es beispielsweise Albanese, de los Angeles, Callas oder Freni waren, ist sie nie. Aber sie singt mit klangreichem Ton, feiner und fester Linie und kann die Puccinischen Bögen wunderbar entfalten. Die Rolle passt besser zu ihrem vokalen Rüstzeug als Violetta, weil sie hier technisch nicht überfordert ist und auch vom Umfang her kaum an ihre Grenzen gehen muss. In "O soave fanciulla" leuchtet ihr hohes C - auch wenn es kräftig verhallt ist - und Villazon bleibt glücklicherweise auf dem E. Dass ihre Diktion, insbesondere in den Ensemblepassagen, schludrig ist, was einem Porträt die Tiefenschärfe nimmt, oder dass wie immer die Töne unter dem System äußerst schwach klingen, sind Flecken auf der Wiedergabe, die aber meinen Gesamteindruck nicht entscheidend schmälern. Den Rang einer Aufnahme entscheiden manchmal auch die Comprimarii. Den beiden Stars wurden leider nicht die besten Kräfte an die Seite gestellt. Kowaljow als Colline singt mit mal rauhem, mal hohlem Ton und immer zittriger Linie, Cabell als Musetta ist die typische Soubrette, mit der man als Hörer immer in dieser Rolle gequält wird und Daniel als Marcello verfügt über kein charakteristisches Timbre, was besonders in den Duettpassagen mit Villazon den Reiz des Singens sehr beeinträchtigt. Die Zeiten sind offenbar vorbei, in denen diese Rollen mit ersten Sängern besetzt wurden. Es ist eine Binsenweisheit, dass Puccini in die besten Dirigentenhände gehört. Die Aufnahmen unter Berrettoni, Beecham, Karajan haben das bewiesen. De Billy gehört nicht in diesen Kreis. Die Orchesteraktion kommt alles andere als plastisch herüber, das Orchester selbst klingt unidiomatisch, alles wirkt kühl und fade. Einen neuen frischen Blick auf das Werk gewährt uns de Billy also nicht.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 8, 2009 5:51 PM MEST


Romantic Arias
Romantic Arias
Preis: EUR 12,98

29 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Desaster, 9. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Romantic Arias (Audio CD)
Wenn die PR-Maschine rollt, heißt das noch lange nicht, dass auch viel Substanz dahinter sein muss. Mit dieser Veröffentlichung hat Jonas Kaufmann weder sich noch uns einen Gefallen getan. Zugegeben, er verfügt über eine Stimme, die durchaus Qualitäten besitzt, die leider hier nicht zum Tragen kommen. Vom Klang her ist es eine dunkel timbrierte, attraktiv klingende Tenorstimme, die allerdings in der Höhe deutlich begrenzt ist, zumal er auch teilweise den Klang der Bruststimme in die Höhe treibt. Die Textur der Stimme ist eher körnig und sorgt dafür, dass sie zuweilen heiser klingt und auch nicht frei ist von kehligen Einfärbungen.
Kaufmann ist durchaus ein Sänger mit vokaler Phantasie und offenbar vom Wunsch beseelt, dramatische Charaktere auf die Klangbühne zu bringen. Das Programm stand unter dem Vorsatz, die Vielseitigkeit des Sängers herauszustellen. Aber hier scheitert der Sänger auf ganzer Linie. Die CD ist ein Sammelsurium der Opernliteratur des 19.Jahrhunderts. Schön, dass ein Sänger versucht, alles zu singen, doch sollte er es auch können. Die Grundlage für ein Singen in verschiedenen Stilen ist stilistische Sicherheit, und genau die ist bei Kaufmann nicht gegeben. Die französischen Arien geraten durch seinen Zugriff zu komischen Großartigkeiten, weit entfernt von jener plastischen Artikulation, die einst zu den Tugenden des französischen Singens gehörte. Kaufmann hat für alle Arien einen Einheitszugriff entwickelt, der die kompositorischen Unterschiede verwischt und beispielsweise Faust zu einem Verismo-Helden macht, was er gerade nicht ist. Hinzu kommt die Tendenz des Sängers zum krassen Übersingen, als ob er ständig den vokalen Kraftprotz herauskehren müßte. Als wäre all das nicht genug, hat er deutliche vokaltechnische Probleme. Die Pianofunktion der Stimme ist nicht in Ordnung. Allenfalls in der mittleren Lage hat das Piano klangliche Substanz, ansonsten produziert er nur hohle Klänge, oder, weniger freundlich formuliert, bloße heiße Luft. Zudem hat er eine unangenehme Tendenz, die Vokale zu verfärben, besonders krass in den Traviata-Ausschnitten. Der Schlußton der Cabaletta macht ein anderes Problem deutlich. Er ist nicht höhensicher. Das hohe C wird erkämpft und rutscht ihm fast weg - schlecht gebrüllt, Löwe! Nach Anhören dieser miserabel konziperten CD fragt man sich, wie so etwas möglich war. Recitals sollen die Stärken von Sängern herausstellen und nicht die Schwächen auf so gnadenlose Weise offenbaren. Kaufmann produziert hier Klänge, die die Studiotür nie hätten passieren dürfen und einem guten Produzenten auch aufgefallen wären. Das Orchester spielt wie eine drittklassige Provinzkapelle und so gibt es leider überhaupt keine Freude im Winter dieses Mißvergnügens. Bleibt zu hoffen, dass Decca ihm das nächste Mal bessere Partner gibt und ihn Musik singen läßt, die zu seinem stimmlichen Apparat passen, aber diese Einspielung deutet eher darauf hin, dass er verheizt werden soll.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2012 8:26 PM CET


Sempre Libera
Sempre Libera
Preis: EUR 11,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Warum?, 3. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Sempre Libera (Audio CD)
Diese CD ist mit geradezu hymnischen Kritiken überschüttet worden, denen ich mich einfach nicht anschließen kann. Keine einzige Aufnahme ist ohne gravierende Fehler und da hier nicht der Platz ist, alles im Detail zu kommentieren, werde ich mich auf die offensichtlichen beschränken.
La Traviata: hier scheint mir schon ihre Phrasierung und das pacing der Phrasen problematisch zu sein, so dass ich die ganze Zeit eigentlich nicht weiß, wo sie mit ihrer Konzeption, wenn sie denn eine hat, hin möchte. Hinzu kommt, dass sie bei hohen Tönen ihren Ton allzu weit öffnet, was böse Folgen haben kann, wenn sie damit nicht aufhört. Die tiefen Noten sind selten mehr als ein Hauch, worauf ich noch zurückkommen werde. Skalen sind schlecht definiert, besonders die aufsteigenden, die Triller kaum vorhanden.
La Sonnambula: für mich einer der beiden Tiefpunkte der CD. "Ah!Non credea" ist für viele Sängerinnen ein Problem. Netrebkos Stimme klingt zu dunkel für die Musik, wie eine nach Italien verirrte Erda, abgesehen davon, dass man aufgrund ihrer bewölkten Tongebung fast kein Wort versteht. Technisch hätte sie bei der Ausführung auf einen guten alten Trick zurückgreifen sollen und selbst bei den tiefen Passagen von einer hohen vokalen Plazierung aus singen sollen und müssen. Im Rondo endlich werden ihre technischen Grenzen evident: bereits angesprochen, dass weder Skalen noch Triller ihre Sache sind, aber auch die Staccati sind nicht das, was sie sein sollten. Sie müssen einzeln und leicht gesungen, ausgestoßen werden, während sie bei ihr Hammerschlägen gleichen. Offenbar hat sie große Probleme mit dem raschen Öffnen und Schließen des Kehlkopfs.
Nochmals zurück zur Artikulation: schlechte Artikulation ist eigentlich unentschuldbar. Und ihre Textbehandlung ist bestenfalls als passiv zu bezeichnen. Dafür gibt es Gründe: zum einen scheint sie einen leichten Sigmatismus zu haben, der sie übervorsichtig macht, zum anderen scheint mir, sind die Vokale nicht ganz korrekt plaziert - und das muss dringend verbessert werden!
Lucia: Warum? Wie kann man eine Sängerin, die sich schon durch die technischen Schwierigkeiten der Traviata müht, durch diese Musik jagen? Eine schlimme marketingorientierte Fehlentscheidung.
Otello: ihre Aufnahme ist relativ gut, sicherlich auch, weil die Desdemona eine der technisch anspruchsloseren Rollen ist. Aber auch hier stört mich einfach das Fehlen guter tiefer Noten. Die meisten Arien enthalten irgendwelche tiefen Töne, die es hervorzubringen gilt, und es ist nicht angenehm, wenn immer wieder die Linie nicht ganz sauber ist, weil eine Sängerin das tiefe C nicht singen kann.
Um zusammenzufassen: die CD ist eine herbe Enttäuschung, vor allen Dingen,weil Netrebko sich im falschen Repertoire bewegt. Sie hat eine sehr gute und klangschöne Stimme, aber nicht die Technik und den Ton, um sich in diesen Rollen zu behaupten. Sie braucht Rollen, in denen sie lange Bögen singen und sich ihre Stimme entfalten kann. Ich denke, über kurz oder lang, wird sie sich im Fach des lirico spinto wiederfinden - oder zumindest sollte sie das, weil dies Rollen wären, die zu ihrem vokalen Apparat besser passen als das, was sie uns hier angeboten hat.


Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman (suhrkamp taschenbuch)
Große Stimmen: Von Enrico Caruso bis Jessye Norman (suhrkamp taschenbuch)
von Jens Malte Fischer
  Taschenbuch

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträglich subjektiv und eitel, 31. August 2007
Dieses Buch wurde meiner Meinung nach von den meisten Kommentatoren überbewertet. Zu krampfhaft geriet der Versuch, sich von Kestings Buch abzusetzen, ohne sich wirklich von diesem überlangen Schatten befreien zu können. Zunächst stört mich das allzu umgangssprachliche Deutsch, das das Lesen nicht leichter, sondern unangenehmer,weil zu kumpelhaft, macht, dadurch eine Nähe zum Leser suggerierend, die ich als unangenehm und anmaßend empfinde. Das Glossar, das ja schwierige Begriffe erklären soll, ist ein Desaster, werden doch die Fachausdrücke haarsträubend ungenau behandelt, wobei die Definitionen eher Fischers Phantasie zu entspringen scheinen als den einschlägigen Lexika zu folgen - was Fischer wirklich dringend zu empfehlen gewesen wäre.
Und dann seine Auskünfte und Meinungen zu den behandelten Sängern! Teilweise unnötig scharf formuliert, um sich um jeden Preis von Jürgen Kesting abzusetzen. Dass er dabei vor persönlichen Beleidigungen nicht zurückschreckt, solange die Sänger nur tot sind, läßt tief blicken. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf sein Kapitel über Maria Callas. Man muß sie nicht bewundern, man kann und muß sie kritisieren, aber müssen wir wirklich in einem Buch, das einen zumindest pseudo- wissenschaftlichen Anspruch erhebt, die rhetorische Frage erdulden, wie Callas sich wohl gefühlt haben mag, falls es wahr sein sollte, dass sie ein Kind tot geboren hat, wenn sie auf der Bühne den Tod ihrer Kinder als Medea herbeizuführen hatte? Hat das etwas mit musikalischer Kritik zu tun, oder ist hier ein Kritiker völlig hemmungslos und frönt seiner Abneigung und seiner Verachtung?
Ich könnte mit solchen Beispielen endlos fortfahren, halte das aber für sinnlos. Das ganze Buch plätschert ziellos vor sich hin, hat keine wirklich zwingende thematische Struktur und bringt den Leser in seinem Erkenntnisstreben nicht wirklich weiter.
Den einen Stern habe ich deshalb vergeben, weil es, so weit ich sehen kann, das einzige greifbare Buch zu diesem Thema ist - und das ist nun wirklich keine Qualität des Buches selbst.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2014 12:40 PM MEST


Lucia di Lammermoor-Il Dolce S
Lucia di Lammermoor-Il Dolce S

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gang in den Wahnsinn, 25. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Lucia di Lammermoor-Il Dolce S (Audio CD)
Diese CD verdient unbedingt höchste Aufmerksamkeit, gehört sie doch zu den überwältigendsten Zeugnissen von Callas' Stimme in ihrer Glanzzeit. Wie der Titel schon besagt, enthält die CD vier Mitschnitte der Wahnsinnsszene aus "Lucia", alle aufgenommen im Juni 1952 in Mexico City. Callas sang drei Aufführungen und war am ersten Abend immerhin noch energiegeladen genug, die gesamte Szene zu wiederholen, um das Publikum zufriedenzustellen. Nicht einmal Callas selbst hat diese Musik später wieder so reich und mit unglaublichem tonlichen Gewicht singen können. In dieser Hinsicht sei besonders Track 4, der Mitschnitt aus der dritten und letzten Aufführung, empfohlen. Waren die hohen Es' in der prima noch ein wenig scharf geraten, kommen sie hier geradezu mit majestätischer Kraft. Callas singt mit energischer Projektion und heftiger Attacke. Und der Teufelstanz der Ornamente, seien es Skalen, Arpeggien, Triller oder Staccati wird mit Bravour ausgeführt und bestanden. Diese Mitschnitte machen auch deutlich, dass Callas eine der wichtigen Forderungen des Bel Canto spielend erfüllt, nämlich der nach Spontaneität und einem mitkomponierenden Gestalten der Partie,sie variiert nämlich die Verzierungen in Arie, Kadenz und Cabaletta zwischen den einzelnen Aufführungen, wobei wieder auf den vierten Track verwiesen sei, als Dokument der wohl technisch schwierigsten Wahnsinnsszene, die sie sich selbst je abverlangt und zugetraut hat. Wer also wissen will, wozu die Diva fähig war und sie angefeuert durch die Atmosphäre einer Live- Aufführung erleben will, dem sei diese CD dringend ans Herz gelegt.
Nur eine Warnung zum Schluss: wie ausgeführt sind es Mitschnitte aus Live- Aufführungen, die technisch desolat sind. Ein "easy listening" ist nicht möglich und man sollte ein wenig mit derartigen Aufnahmen vertraut sein, um diese CD richtig schätzen zu können.


Seite: 1