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Rezensionen verfasst von
Stiftung Buchtest (Hamburg)

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Doctor Sleep: Roman
Doctor Sleep: Roman
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geister, die ich rief: Kings fantastische Fortsetzung von "Shining", 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Doctor Sleep: Roman (Gebundene Ausgabe)
Danny Torrance, jenes berühmte Kind aus dem gruseligen Overlook-Hotel, das die Gewaltattacken seines aggressiven, paranoiden Vaters Jack überlebt hat, ist endlich der Protagonist einer unbedingt lesenswerten Horror-Fortsetzung von Stephen King. Ich habe dieses Buch in nur einer Nacht verschlungen.

Die Gründe für meine 5-Sterne-Bewertung:
Detailliert und nachvollziehbar skizziert King den Weg Dannys zum Alkoholiker, der traumatisiert ist, weil er einer "Nutte" 70 Dollar gestohlen hat und seither von Visionen geplagt wird. Doch diese Visionen sind nicht nur irgendwelche Schreckensbilder, sondern Manifestationen der Geister aus dem Overlook-Hotel: Ein Geschäftsmann oder die verweste Mrs. Massey aus dem Badezimmer des Overlook. Danny lernt, diese Geistwesen in seinem Inneren einzusperren und sein Shining zu kultivieren bzw. zu bewahren. Er schafft den Sprung zum besseren Menschen, hilft Todkranken in einem Hospiz beim Übergang in eine andere Welt – und wird vor die große Herausforderung gestellt, einem Mädchen namens Abra zu helfen, auf deren Shining es eine brutale Gruppe von Campern abgesehen hat, die durch das Land zieht und "das Böse" symbolisiert. Wie in "Das letzte Gefecht" geht es um den ultimativen Kampf des Guten gegen das Böse, aber auch um die Erkenntnis, dass wir das Gute nicht kennenlernen und schätzen können, wenn wir nicht selbst tief ins Dunkel bzw. den Abgrund geblickt haben, und zwar zuvor.

King schafft es, nachvollziehbar zu erzählen, dass manche Menschen eine besondere Hellsichtigkeit haben - und man ihm das am Ende glaubt. Da ist eine Frau namens Snakebite Andi, die Menschen einschlafen lassen kann, ein Mann namens Grampa Flick, der erahnt, wo andere Menschen sich gerade befinden – oder auch Rose The Hat, die die Anwesenheit höherer Kräfte spüren kann. Gut gefallen hat mir auch die Idee, dass es einen Kater in einem Hospiz gibt, der die Anwesenheit des Todes spürt, und was Sterbende ihrem Sterbebegleiter "Doctor Sleep" alias Dan Torrance in ihren letzten Lebensminuten anvertrauen. King schildert eindrucksvoll das Entweichen der Seele aus dem Mund in Form eines roten Atems, und dass Dan Torrance sieht, welche Menschen erkranken, weil sich Fliegen in und auf ihrem Gesicht versammeln.

All das sind kraftvolle, unvergessliche Bilder, die sich sofort einbrennen im Gedächtnis des Lesers – und die Kraft dieser Bilder/Metaphern hat mich wieder an die ersten Bücher von Stephen King erinnert, auf den ich vor rund 30 Jahren zum ersten Mal aufmerksam geworden bin. Faszinierend!

Dieser Roman nimmt den Leser mit auf eine Heldenreise: Wir dürfen Danny Torrance begleiten, wie er zum Helden wird und eine große Katharsis erlebt.

Einiges im Roman ist vorhersehbar, wenn man King-Kenner ist, aber das tut dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch. Nebenbei erfahren wir, dass Dannys Mum "an zuviel Zigaretten" gestorben ist oder dass der freundliche Küchenchef aus dem Overlook-Hotel, Danny ein Freund für's Leben geworden ist.

Ich empfehle dieses fantastische Buch aus vollster Überzeugung.


Wahn: Stories
Wahn: Stories
von Christof Kessler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie sich unser Charakter verändert, wenn wir Hirntumore oder Krankheiten haben!, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Wahn: Stories (Gebundene Ausgabe)
Unbedingt lesenswert! Christof Kessler ist Neurologe, der erst spät ein Werk geschrieben hat über Charakterveränderungen, die auf Gehirn- und sonstigen körperlichen Veränderungen bzw. Krankheiten basieren. Jeder seiner zwölf erlebten Fälle ist spannend und fesselnd. Ein stinknormaler Lagerarbeiter, der sich nichts zu Schulde hat kommen lassen und trotzdem plötzlich überall von der Mafia gejagt wird? Eine Frau, die sich keine Gesichter merken kann - weil sie sie nicht erkennt? Oder ein Mann, dessen Parkinson-Medikament überdosiert ist und der nun Menschen sieht, wo keine sind, sich aber nicht von ihnen gestört fühlt? Mein Fazit: Ein lesenswerter, unterhaltsamer Erzählband mit 12 erstaunlichen Krankheiten. Stephen-King-Fans haben gewiss ihre Freude daran – und Fans von WissenschaftsCrime sowieso! Werde ich weiter empfehlen!


Dem Tod auf der Spur
Dem Tod auf der Spur
von Michael Tsokos
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen! Lehrreich, fesselnd, süchtig machend!, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Dem Tod auf der Spur (Taschenbuch)
Blättern, blättern, weiterblättern... Ich konnte nicht mehr aufhören mit dem Verschlingen der spannenden Fallbeschreibungen des Berliner Rechtsmediziners Dr. Michael Tsokos. Aufmerksam geworden bin ich auf ihn, weil ich in einem Interview gelesen hatte, dass Tsokos mein Lieblings-"Tatort"-Ermittlerteam, Boerne und Thiele alias Liefers und Prahl, berät bei ihren Obduktionen. Also, rasch "Dem Tod auf der Spur" gekauft und mit Tsokos gechillt… Der Clou des "Anatomie-Thrillers" ist der Aufbau der Storys. Denn der sorgt für Drive! Nach einer Leichenbeschreibung (stets detailliert, z.B. die wochenlange Paranoia eines jungen DJ's vor dem Ertrinken) rollt Dr. Tsokos die Story wie einen Krimi auf. Wurde der Tote unter Wasser gedrückt? Ist er freiwillig in die Spree spaziert? Wurde er gar anders getötet und dann ins kalte Nass geworfen? Und was im Körper verrät dem "Detektiv der Leichen" all das und noch viel mehr oftmals Unerwartetes! Warum bekommen weibliche Leichen in der Anatomie einen U-Schnitt und männliche Tote einen Y-Schnitt? Kaufen, lesen, gruseln, lernen!


Die Kameliendame: Roman
Die Kameliendame: Roman
von Alexandre (Sohn) Dumas
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

5.0 von 5 Sternen Madame, Reifröcke, Sex und Schwindsucht: Vom Glanz und Elend der Kurtisanen in der Romantik, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Kameliendame: Roman (Taschenbuch)
Alexandre Dumas, weltberühmter Poet, verfällt einer Kurtisane, die ihn ebenfalls liebt – und muss doch hilflos zusehen, wie sie untergeht dank einer Intrige, die sein eigener Vater initiiert hat. "Die Kameliendame" ist ein beeindruckendes Stück französischer Kulturgeschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, aus mehreren Gründen: Der Roman beschreibt eindringlich, wie ein junges Bauernmädel mit rosigen Wangen peu à peu zur gefragtesten Mätresse in Paris wird; welche Liebesakte sie vollzieht; warum Geld für sie überlebenswichtig ist; wie kompliziert eine nicht-standesgemäße Liebe ist; warum sie sterben muss – und wie illusionär der Blick junger Pariserinnen auf die gealterte Kurtisane ist, die ihre Kräfte verlassen. Ebenfalls empfehlenswert: "Die Kameliendame" mit der französischen 1-A-Schauspielerin Isabelle Huppert als Alphonsine Plessis auf DVD!


Die Maske des roten Todes: Und andere phantastische Fahrten
Die Maske des roten Todes: Und andere phantastische Fahrten
von Theodor Etzel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Party People" & der Tod: Als die Cholera ans Burgtor klopft, stirbt der Ego-Prinz. "Memento mori"!, 28. Oktober 2013
Hohe Burgmauern sollen Prinz Prospero und seine in einem Schloss verschanzte Upper-Class-Gesellschaft vor der im Land wütenden Cholera schützen – doch der "Rote Tod" dringt in seine edlen Gemächer ein, als die dekadente Gesellschaft einen Maskenball feiert, und rafft einen jeden dahin. Mit dieser Horror-Kurzgeschichte gelingen Poe - mindestens - drei Dinge: Er verarbeitet den Tod seiner engsten Liebsten und Angehörigen, die von Tuberkulose und Pest dahingerafft wurden; er kritisiert die Dekadenz und den Egoismus der oberen Zehntausend seiner Zeit – und er kleidet alles in farbenprächtige, anschauliche und ja, auch überaus schaurige Bilder. Jeweils zur vollen Stunde lässt der Schlag der Uhr die Party-People an den Tod denken ("Memento mori"), doch natürlich geht der Karneval weiter – bis der mächtige, reiche, eitle und egoistische Prinz daselbst durch seine Gemächer gejagt wird – vom weißen durchs gelbe Zimmer, vom grünen durch den blauen Salon, bis er zuletzt im violetten und roten Raum in die Ecke gedrängt wird wie eine gefangene Ratte. Mein Fazit: Ein Horror- und Sittengemälde, das jeden in den Bann schlägt.


Der Tod des Iwan Iljitsch: Erzählung
Der Tod des Iwan Iljitsch: Erzählung
von Leo N Tolstoi
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Der Tod ist ein schwarzer Sack: Die Agonie eines Tolstoi-Helden in den 80ern des 19. Jahrhunderts, 28. Oktober 2013
Ein dreitägiger Todeskampf aus der Perspektive eines Sterbenden – das klingt nicht nur eindringlich, das ist packend, fesselnd und schrecklich, vor allem, weil der Protagonist, Iwan Iljitsch, im Alter von nur 45 Jahren an einer mysteriösen Krankheit stirbt, die kein Arzt diagnostizieren kann – und die Auf's und Ab's seines Sterbens minutiös skizziert werden. Marcel Reich-Ranicki hat dieses Buch zum Thema Sterben 2012 in einem "Focus"-Interview empfohlen, daraufhin habe ich es mir gekauft und an einem Samstagnachmittag verschlungen. Besonders lehrreich: Die russische Oberschicht wusste im Jahr 1886 nicht mit dem Tod umzugehen – die Familie verdrängt das Thema, erschrickt, weicht beiseite vom Totenbett, flieht in die Oper, entfremdet sich vom Sterbenden, lässt ihn und den imaginären "schwarzen Sack", in den er sich mehr und mehr gewaltsam hineingepresst fühlt, allein. Allein mit einem gesunden Dienstboten, angesichts der Sterbende noch trauriger wird über den bevorstehenden Verlust des Lebens. Natürlich ist "Der Tod des Iwan Iljitsch" auch eine Kritik an der russischen Gesellschaft der damaligen Zeit – eine Kritik an ihrer Oberflächlichkeit und ihrer Ignoranz gegenüber dem Schwachen und Fremden. Obwohl schon weit über 100 Jahre alt, hat die Novelle nichts an Bedeutsamkeit und Aktualität verloren, im Gegenteil: In vielem erkennt man den Umgang unserer zeitgenössischen Gesellschaft mit dem Tabu Sterben wieder – und fragt sich: Wie hätte man besser mit dem Siechtum und dem Sterben umgehen können? Das macht Tolstoi's Werk lesenwert und lehrreich.


Madame Bovary: Sitten der Provinz
Madame Bovary: Sitten der Provinz
von Gustave Flaubert
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen L'amour? C'est moi! Affären, Arsen und "Amour fou": Ein Sittenbild der französischen Provinz 1856, 28. Oktober 2013
Eigentlich könnte Madame Bovary glücklich sein: Ein gut beschäftigter Landarzt heiratet die "Dorfschönheit", sie ist angesehen und wird geliebt. Dennoch: Als wolle es das Schicksal, reiht sich Madame ein in die lange Liste berühmter Ehebrecherinnen der Weltliteratur – von "Effi Briest" über die Protagonistin in Goethes "Wahlverwandtschaften" bis hin zu "Anna Karenina". Warum? Weil sie einen Traum träumt, den die Damen aus "Sex and the City" bis hin zu "Bridget Jones" im 21. Jahrhundert ebenfalls ausleben – den Traum von der großen unsterblichen Liebe, der sich im Jahr 1856 jedoch als eine gefährliche Illusion entpuppt. Eiskalt lassen ihre Liebhaber Leon und Rodolphe die immer mehr von Depressionen und Schulden geplagte Emma Bovary fallen – bis sie nur noch einen Ausweg sieht: den Griff zum tödlichen Rattengift, das mit Arsen versetzt ist. Ihre Lebens- und Leidensgeschichte bis dahin könnte mancher zeitgenössischer "Märchenprinzessin" eine Lehre sein: "Beachte die Folgen des Fremdgehens!" Denn Emma wird von der "Liebe" angezogen wie die Motte vom Licht, und verbrennt, als sie erkennt, einen fatalen Fehler begangen zu haben. Ihre Katharsis, sie kommt zu spät. Eine lesenswerte Ehebruchsgeschichte. Flaubert at its best.


Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman
Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman
von Thomas Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Dallas" und "Denver-Clan" in Lübeck – die Mechanismen des Aufstiegs und Untergangs einer Familie, 28. Oktober 2013
Alles fängt so schön an: Familie Buddenbrook ist auf dem Gipfel des Erfolgs, der Lübecker Clan sticht Konkurrenten aus, die Tochter des Hauses hält die vorwitzige Nase hoch, der Urgroßvater klopft ihr auf die Schultern. Feste jagen Feste, der Sparstrumpf wird immer voller, man kungelt um Mitgiften und biedert sich bei der Kirche an. Auf große Häuser folgen noch größere, und doch: würde sich Familie Buddenbrook aus der Vogelperspektive betrachten, würde ihr auffallen, dass alle Mitglieder schlechte Zähne haben – ein früher Hinweis auf den Tod des Senators, der spät im Roman nach einer misslungenen Zahn-OP sterben wird. Warum ich Zähne erwähne? Thomas Mann lehrt seine Leser, dass einer Familie, die opportunistisch ist und am Alten festhält, der Biss fehlt – der Biss, um gegen eingetütete Eheschließungen aufzubegehren; der Biss, um frömmelnden Priester, die ihr Geldsäcklein aufhalten, an der Haustür abzuwehren; der Biss, eine gebärfreudige Blumenfrau zu heiraten statt eine bleiche reiche Kaufmannstochter aus Amsterdam, mit deren Exotik man sich so gern schmücken will. Und ja, auch der Biss, "nein" zu sagen, sich die Perücke vom Kopf zu reißen, ehrlich zu sein und aufrichtig statt strategisch und manipulativ und konservativ und die Güter beschützend und dem Luxus verfallen sowie dem Anstand und der Fassade. Eine radikale Gesellschaftskritik, die jedem zu denken geben sollte, ist sie doch noch immer gültig – nicht allein zwischen den Jahren 1835 und 1877. Familie Buddenbrock – das ist ein Clan, der lernunfähig ist. Und so heißt es ganz am Ende: "Es ist, wie es ist." Fügsamkeit statt Kreativität – die "Buddenbrooks" lehren, wie man alles falsch macht. Manns imposantes Werk habe ich bereits zweimal gelesen. Es ist ein richtig dicker Wälzer, in dem sich mit der eigenen, steigenden Lebenserfahrung immer mehr Neues und Verstecktes entdecken lässt. Das macht es zu einem meiner Lieblingsbücher.


Zwischen Nacht und Dunkel: Novellen
Zwischen Nacht und Dunkel: Novellen
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Albträume, Serienmörder, Flüche und tödliche Rache: Vier meisterhafte Novellen vom "King of Horror", 28. Oktober 2013
Tief im Brunnen liegt eine Leiche – vor der eigenen Haustür. Dass der toten, ungeliebten Ehefrau Ratten das Gesicht zernagen und dieses den Mörder immer unnachgiebiger im Schlaf verfolgt, ist nur eine meisterhafte Idee vom "King of Horror", Stephen King. Jede der vier in "Zwischen Nacht und Dunkel" vorgestellten Novellen verbindet das gleiche Erzählmotiv: Horror, der sich in Gewissensbissen manifestiert. King variiert seine Lieblingsstoffe mannigfaltig: Eine Schriftstellerin wird missbraucht (man denke an "Shining" und "Misery"), ein Mann tauscht seinen Krebs mit dem besten Freund (eine Hommage an "Der Fluch") und eine brave Ehefrau entdeckt, dass ihr Gatte seit Jahren ein heimliches Doppelleben führt – und ein Serienmörder ist. Strukturell erinnert "Zwischen Nacht und Dunkel" an "Frühling, Sommer, Herbst und Tod" – jenem Erzählband, dem "Stand by me" entsprang, sind es doch auch hier vier Erzählungen. Die beste in diesem Band ist eindeutig die Geschichte der Frauenleiche im tiefen Brunnen – sie entfaltet einen Sog, der einen atemlos weiterlesen lässt und die Lust auf die drei Folge-Erzählungen steigert. Seit der Lektüre von "Zwischen Nacht und Dunkel" freue ich mich noch mehr und unbändig auf "Doctor Sleep" – die angekündigte Fortsetzung von "Shining".


Shining
Shining
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein Hotel, drei Menschen, ein Mörder. Ein sozialkritischer Spiegel der US-Durchschnittsfamilie – mit schockierendem Horror, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Shining (Taschenbuch)
Wie um alles in der Welt schafft es Stephen King, ein Buch nach dem anderen zu schreiben?

Diese Frage habe ich mir seit langem gestellt, angesichts der Berücksichtigung, wie schnell er in die Tasten haut. Eigentlich kein gutes Zeichen für einen Autoren – Fließbandproduktion, damit assoziiere ich normalerweise Rosamunde Pilcher (aber vielleicht tue ich der Dame Unrecht).

Wie auch immer: Anlässlich der baldigen Neuerscheinung von "Doctor Sleep", das ich schon lesen durfte und jedem King-Fan ans Herz lege, denn es geht um die Story des erwachsenen, alkoholsüchtigen Dan Torrance und den Geistern, die er in seinem Hirn einsperrt, habe ich mir zuvor noch einmal "Shining" in einer Nacht durchgelesen.

Die Romanversion bietet viel mehr als Stanley Kubricks Verfilmung:
Es geht um Sozialkritik, um eine US-Durchschnittsfamilie mit typischen Problemen (Vater trinkt, fast ist "man" "White Trash") und ihren täglichen Überlebenskampf, der eigentlich schon genug Horror ist. Doch dann kommt das verführerische Angebot, das Overlook-Hotel über den Winter zu betreuen – in absoluter Isoliertheit. Diese Isoliertheit kristallisiert die Probleme der Familie heraus: Man ist auf sich gestellt mit seinen Alltagssorgen, niemand kann einem helfen, der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören, müsste aus dem gewalttätigen Protagonisten heraus kommen und wachsen – aber dem ist nicht so, und so nimmt das Unheil in "Shining" seinen Lauf. Es ist ein düsteres Unheil mit einem Haus voller toter Seelen und der schrecklichen Miss Massey, die verwesend in einer gammeligen Badewanne sitzt in einem der schrecklich leeren Hotelzimmer – um den armen, kleinen Danny, das Einzelkind, heimzusuchen. Was die Isoliertheit amerikanischer Einzelkinder aus ihren Seelen macht, lässt sich in "Doctor Sleep" trefflich weiterlesen, aber dazu erst bald mehr.

Natürlich ist die tote Miss nicht die einzige arme Seele, die in einem Luxushotel wie dem großen Overlook ums Leben gekommen ist – man denke nur an all die ermordeten Mafiabosse und Politiker, an all die Ehebruchsgeschichten und Seitensprünge, eben an all das, was sich in einem Hotel als Spiegelbild eines Landes wiederfindent. Sie erinnern sich doch noch an Uwe Barschel in der Wanne? Ja, sowas gibt es auch hierzulande…

So gerät King das Overlook-Hotel zu einer gut gelungenen Metapher für den amerikanischen Alltagshorror. Die Torrances – sie sind ein Symbol für Süchte und Probleme einer amerikanischen Familie. Die Torrances im Overlook-Hotel – das ist spannende Sozialkritik von einem hervorragenden Autoren namens Stephen King der Fließbandproduktion betreibt und uns Lesern einen Horrorroman feilbietet und uns dann durch die Hintertür kommend erklärt, was schief läuft in einer zeitgenössischen Parallelgesellschaft in einem anderen, vermeintlich kultivierten Land wie den USA.

Deshalb: Absolut lesenswert, und, wie gesagt: Viel besser als die Kubrick-Verfilmung.


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