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Rezensionen verfasst von
Stiftung Buchtest (Hamburg)

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Die amerikanische Nacht: Roman
Die amerikanische Nacht: Roman
von Marisha Pessl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Genie oder Psychopath? Hat ein Horrorfilmer seine Tochter getötet? Für Fans von Klaus Kinski!, 11. November 2013
Leider kann ich für diesen Krimi, dessen Grundidee spannend ist, nur drei Sterne geben, weil der Roman zum Ende hin immer langweiliger und flacher wird.

Zuvor jedoch ist der Plot raffiniert verschachtelt: Ashley, 24, Tochter eines Horrorfilmes aus Manhattan, wird ermordet aufgefunden. Hauptverdächtiger ist kein Geringerer als ihr Vater, der als Genie bzw. Psychopath – er erinnerte mich unwillkürlich an Klaus Kinski – berühmt und berüchtigt ist. Journalist Scott McGrath will ihm den Mord nachweisen, gerät aber ins Schlingern beim Versuch des Beweises, dass Ashley nicht das erste und einzige Opfer ihres mutmaßlich verrückten Vaters ist.

Wie gesagt: Im letzten Drittel flacht der Krimi immer mehr ab – leider!


The Walking Dead - Die komplette dritte Staffel - Uncut [Blu-ray]
The Walking Dead - Die komplette dritte Staffel - Uncut [Blu-ray]
DVD ~ Andrew Lincoln
Preis: EUR 29,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Post-Apokalypse Teil 3: Versagende Alphatiere, innere Kämpfe, Mann gegen Mann und Rassismus in einer künstlichen Kleinstadt, 10. November 2013
Eine brillante Sozialstudie:
"The Walking Dead", Staffel 3, zeigt meisterhaft, wie nach dem anfänglichen Überlebenskampf und dem Lernen von Tötungstechniken innerhalb der eigenen, sozialen Gruppe Spannungen entstehen, die bedrohlich werden für die Überlebenden – denn: nicht nur die Zombies sind todbringend für Rick, Karen, Carl & Co, sondern auch Mitglieder der eigenen, in einem Gefängnis verschanzten Gang.

Für mich ist "The Walking Dead" von Anfang an vergleichbar mit der Idee, dass alle Menschen gleich sind im Tod und im postapokalyptischen Stadium - Kommunismus/Sozialismus gepaart mit der Idee vom Überleben des Stärkeren in der Natur.

Protagonist Rick, ein Ex-Sheriff und Alphatier, steht immer öfter vor Entscheidungen, bei denen es um Leben und Tod geht. Rückblickend betrachtet führte die 1. Staffel die Hauptpersonen ein und machte den Zuschauer mit der postapokalyptischen Welt vertraut, während es in Staffel 2 in Hershell's Farm das Prinzip Abschottung getestet und verworfen wurde. Nein, wer überleben will, muss nicht nur hohe Mauern finden wie der "Gouverneur" in seiner rassistischen Kleinstadt oder Rick und seine Gang in einem Gefängnis, er muss auch immer öfter rational entscheiden, ob lebende Gruppenmitglieder, die bedrohliche Überlebenstheorien erproben, besser erschossen werden sollen oder man erneut versucht, sie mit Gewalt oder Überzeugungskraft für die eigene Theorie des Überlebens zu begeistern.

Rick ist aus meiner Perspektive ein Held, aber auch ein Anti-Held, der lernen muss, das humanistische Annahmen in einer postapokalyptischen Welt gefährlich sind: Als er einen farbigen Mitgefangenen leben lässt, der die Gruppe bedroht, rächt sich das furchtbar – mit dem Tod von Ricks Frau Laurie. Mit großer Intensität wird beleuchtet, wie der versagende Ehemann daraufhin abgleitet in einen Kosmos, der aus Schuldvorwürfen, Moral und Überlebenswillen gipfelt. Natürlich gelingt es Rick, sich aus dieser Gemengelage zu befreien, und wieder zum Herdenführer zu werden, doch als Zuschauer weiß man nun: Der Kampf der Menschen gegeneinander wird härter – und für diese beispielhafte Illustration eines postapokalyptischen Szenarios, das uns die Macher anderer Serien bisher verweigert haben, bekommt The Walking Dead/Staffel 3 von mir fünf Sterne.

Nebenbei: Auch das beigefügte Audio- und Zusatzmaterial auf den DVDs ist sehenswert.

Momentan schaue ich die 4. Staffel, peu a peu, auf FOX; und hoffe, dass diese Serie, die für mich – trotz meines hohen Alters – zu den besten der letzten Jahre zählt, noch in eine 5. und 6. und 7. Staffel gehen wird.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2013 9:42 PM CET


Das Maerchen der 672. Nacht
Das Maerchen der 672. Nacht
Wird angeboten von Audible GmbH
Preis: EUR 3,70

5.0 von 5 Sternen Literatur des Fin de siècle: Wenn das Leben zum Albtraum wird – einprägsame Kritik an der Dekadenz, 10. November 2013
Hugo von Hofmannsthal hat das Märchen der 672. Nacht in Anspielung an die 1001. Märchen geschrieben, die auf Schehezerade zurückgehen.

Die Handlung dieser feinen Geschichte:
Ein eitler Kaufmannssohn, dem alles von Dienern und Dienerinnen, die ihm selbst unheimlich sind, abgenommen wird, verirrt sich eines Tages auf dem Weg in die Stadt – als er sich aufmacht, einen Ausflug in die Realität zu unternehmen, und aus seinem Leben, das sich am besten als Stil-Leben bezeichnen lässt, weil es in Dekadenz erstarrt ist, auszubrechen.

Die Konsequenzen sind tödlich:
Der Kaufmannssohn erleidet einen tödlichen Unfall – dem alle Etappen einer subtilen, exzellenten Horrorgeschichte vorangestellt werden.

Für mich gehört "Das Märchen der 672. Nacht" in eine Reihe mit Geschichten wie "Gegen den Strich" von Huysmans oder Oscar Wildes "Das Bildnis des Dorian Gray" und ist ein eindrucksvolles Zeitzeugnis der Literatur der Jahrhundertwende um 1900, als die Menschen Angst vor dem Untergang hatten, in Dekadenz verharrten und Künstlichkeit das reale Leben überlagerte.

Lesenswert, weil spannend und sehr gut geschrieben!


So nah bei dir und doch so fern: Als ich in meinem Körper gefangen war
So nah bei dir und doch so fern: Als ich in meinem Körper gefangen war
von Kate Allatt
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefangen im eigenen Körper, Reflexionen eines "eingesperrten" Gehirns – und ein Offenbarungseid für's britische Pflegesystem, 10. November 2013
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen:

Kate, 39, Ex-Cheerleaderin, Typ: Mitglied in allen wichtigen Highschool-Clubs, jetzt erfolgreich, verwöhnt und "happy" mit einem blonden Hünen sowie drei Kindern, trifft plötzlich der Schlag – im wahrsten Sinne des Wortes. Im heimischen Vorzeige-Wohnzimmer erleidet sie aus heiterem Himmel einen Hirninfarkt. Hilflos, im eigenen Körper gefangen – denn niemand nimmt wahr, dass sie innerlich schreit und sich ängstigt - muss Kate miterleben, wie sie auf eine Intensivstation verlegt wird.

Ein klaustrophobischer, schrecklicher Zustand, der obendrein Fallen und Tücken des Gesundheitsbetriebs offenbart: Auf der Intensivstation fühlt sich Kate "von oben herab" behandelt - etwa wenn die Schwestern fragen: "Wie geht's uns denn heute?", aber gar keine Antwort erwarten; oder Pflegerinnen scheinbar keine Lust haben, der Kranken sofort zu Hilfe zu eilen, nachdem sie per Piepser nach ihnen gerufen hat.

Der wahre Horror jedoch, spielt sich im Kopf der "Gefangenen" ab:
Kate fürchtet sich nicht nur, dass die lebenserhaltenden Maschinen, an die sie angeschlossen ist, abgestellt werden könnten; nein, ein paar Mal pro Woche reisst auch die Sauerstoffverbindung wegen einer defekten Maschine, die niemand repariert, ab – jeweils für bis zu 10 Sekunden. Nie zuvor hat die Enddreißigern sich so ausgeliefert gefühlt, und erkannt, dass ihr Leben am seidenen Faden hängt und vom "Wohlwollen" bzw. richtigen Reagieren anderer Menschen abhängt.

Erschwerend kommt hinzu, dass niemand ahnt, dass sie wach ist – und: kein einziger Arzt (!) kommt auf die Idee, zu testen, ob die Wachkomapatientin auf "Ja"- bzw. "Nein"-Fragen reagiert, die man ihr stellen könnte, um nach dem Prinzip "einmal blinzeln bedeutet ja", "zweimal blinzeln bedeutet nein" zu verfahren. Erst Kätes Ehemann kommt auf diese absolut naheliegende Idee, allerdings erst nach Wochen!!!

Mitunter hatte ich wirklich den Eindruck, dass es mit dieser Autorin eine "Glitzer"-Tussi "erwischt" hat, die nun berichtet, wie ihr perfektes Leben – scheinbar hat sie sich nur selten zuvor überhaupt mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigt – auseinander bricht. Ihr Ehemann fragt allen Ernstes rund 20 Ärzte, ob es seine drei Kinder psychisch verkraften, die Mutter auf der Intensivstation zu besuchen – und auch das erst nach mehreren Wochen. Kates Umfeld (Familie und Angehörige) wirkt auf mich insgesamt geistig beschränkt, als hätte es sich zuvor nicht ernsthaft mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass irgendwann mal ein Mitglied aus ihrer direkten Lebenswelt erkranken oder gar sterben könne und wie man sich dann verhält; auch wenn Freunde und Familie es mit Liebe, Geduld und großer Nähe ausgleichen, was mir sehr gut gefallen hat.

Den Weg der Autorin zur Wiedergenesung habe ich mit großer Freude verfolgt, und hoffe, dass die "Wodkarekordtrinkerin in Jugendzeiten" und "Frau, die sich ärgert, dass ihr Mann während ihrer langen Krankheit ihr Auto verkauft" und "Mutter, die braungebrannt aus einem Kurzurlaub zurückkehrt, wo sie sich zwei Tage dem Jetset zugehörig fühlte", eine Katharsis erlebt – und das Wissen um die Schattenseiten des Lebens auch etwas nachhaltig Gutes sein kann, nach dem Motto: "Um die Schönheit des Lebens schätzen zu können, sollte man ruhig einmal in den Abgrund geblickt haben zuvor."

Kate Allatt wünsche ich von Herzen alles Gute.


Traumsammler: Roman
Traumsammler: Roman
von Khaled Hosseini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Leben in Afghanistan, eine unsterbliche Geschwisterliebe – und stille, kluge, fein formulierte Einsichten, 9. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Traumsammler: Roman (Gebundene Ausgabe)
Khaled Hosseini erzählt in "Traumsammler" die berührende Geschichte von Abdullah (10) und Pari (3). Die Geschwister, einander verbunden in inniger Liebe, sind Halbwaisen, weil ihre Mutter gestorben ist und der Vater sein Glück an der Seite einer neuen Frau sucht, mit der er eine Familie gegründet hat.

Inmitten großer Armut und eines drohenden Winters wird erzählt, wie sich Vater und Geschwister nach Kabul aufmachen, der Hauptstadt Afghanistans. Nach einer wahren Odyssee durch die Wüste erfährt die dreijährige Pari, dass ihr Vater sie bei einer begüterten Familie unterbringen will.

An dieser Romanstelle folgt ein harter, psychologischer Cut/Schnitt: Die Geschwister werden getrennt – und Pari fühlt sich zeitlebens, als sei ihre Seele nur noch halb vorhanden, als sei ihr ein Stück ihrer Selbst amputiert worden – obwohl sie die Wahrheit über ihre leiblichen und ihre Adoptiveltern nicht kennt.

Über 50 Jahre erzählt dieser eindrucksvolle Roman mit jedem Kapitel und jeder neu eingeführten Person eine neue Lebensgeschichte - ein buntes Konglomerat verschiedenster Menschen und ihrer Schicksale, gekonnt umklammert von der Geschichte der Suche der Geschwister nacheinander.

Und, strukturell ganz wichtig: Ähnlich wie die Autoren des brillanten Film-Epos Cloud Atlas schafft es auch Khaled Hosseini, die verschiedenen Lebensgeschichten, die zunächst scheinbar planlos nebeneinander erzählt werden, miteinander zu verweben zu einem großen sinnvollen Ganzen, aus einzelnen Schicksalen entsteht ein Mosaik des Lebens, brüchig, fragil, aber doch eine Einheit.

Dabei werden - mit jeder Buchseite und jedem neu aufgenommenen Erzählfaden – immer neue Emotionen im Leser geweckt, gekonnt unterfüttert von kulturellen Details, Sitten, Gebräuchen und Kultureigenheiten Afghanistans (wobei der Roman insgesamt über Afghanistan hinausgeht und man mit den handelnden Personen fast um die ganze Welt reist).

Mein Gesamtfazit lautet:
Ein wichtiger Roman, der vermeintlich stillen, aber zugleich raumfüllenden Lesespaß bietet, dabei viele kluge, fein formulierte Einsichten und Erkenntnisse mitliefert und den Leser am Ende mit einem einzigen Gefühl zurücklässt – dem Gefühl, für den Kauf dieses Buchs reich belohnt worden zu sein.


Eine Handvoll Worte
Eine Handvoll Worte
von Jojo Moyes
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine brillante Analyse der "Psychologie der Liebe" – und ihrer Schattenseiten, 8. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Eine Handvoll Worte (Broschiert)
Gibt es eine romantische Liebe? Gibt es nur eine große Liebe - oder mehrere? Wie lange kann man einen Menschen lieben? Was passiert, wenn die Liebe aufhört? Wie viel Schrecken muss man durchleiden, bis man sich von der großen Liebe trennt? Was ist in der Liebe erlaubt? Wie viel Qual bringt das schönste Gefühl der Welt mit sich?

Mit diesem Buch hat es die Autorin geschafft, nicht nur die oben erwähnten Fragen zu beantworten und zu beleuchten, sondern es gelingt ihr auch, mit ihrer doppelt-verschachelten, cleveren Erzählung die Leser doppelt zum Nachdenken zu bringen.

Ich gebe zu, dass mir "Ein ganzes halbes Jahr" nicht so gut gefallen hat, wohl aber dieses einzigartige Buch, das viele Fragen aufwirft und Antworten provoziert, die sich nach dem Lesen jeder selbst - ganz individuell - zu beantworten versucht.


Kudamm 216: Erbsünde - Krimi
Kudamm 216: Erbsünde - Krimi
Preis: EUR 2,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend wie ein Spitzen-"Tatort": Westberlin, eine Reporterin auf Mörderjagd - und drei sehr gute Spannungsbögen, 30. Oktober 2013
Eigentlich reichen fünf Sterne nicht aus für diesen spannenden Westberliner Krimi im Journalistenmilieu…

Nika Lubitsch hat früher, so ein stern-Artikel aus dem letzten Jahr, selbst erfolgreich als PR-Dame gearbeitet. Dass hier eine Fachfrau einen Krimi im Journalistenmilieu angesiedelt hat, merkt man in und zwischen jeder Zeile. Aber ich will dieses Buch noch stärker über den grünen Klee loben, denn: Lubitsch gelingt es, gleich drei Spannungsbögen gekonnt und meisterlich miteinander zu verweben, und man blättert und blättert und plötzlich ist dieses spannende Buch - leider - zu Ende!

Aber: Der nächste Lubitsch-Thriller ist bereits angekündigt, und darauf freue nicht nur ich mich.

Was mich interessieren würde, ist, wie lange Nika Lubitsch eigentlich braucht, um ein solch spannendes Buch zu schreiben - und wie lange sie recherchiert. Und: Wo sich neue Interviews mit ihr lesen lassen, denn allmählich bin ich neugierig geworden auf immer mehr.

Wirklich toll, eine Glanzleistung. Alles Gute, liebe Nika!


Der 7. Tag
Der 7. Tag
von Nika Lubitsch
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein mörderisches Puzzle, das 10 Sterne verdient. Chapeau!, 30. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der 7. Tag (Taschenbuch)
Nika Lubitsch. Diesen Namen muss man sich merken, steht er doch für beste Krimiunterhaltung.

Die Story: Ein Ehepaar, zugehörig zur Upper-Class, in der Champagner in Strömen fließt, wird aus dem Garten Eden vertrieben, als ein schrecklicher Mord geschieht – und sich die schöne Gattin plötzlich, vermeintlich unschuldig, auf der Anklagebank in einem spektakulären Schauprozess wiederfindet, durch den sie alles, wirklich alles, zu verlieren droht.

Und was dann?

Eine grandiose Volte: Die feine Dame lässt zu, sich zu einem Bauernopfer machen zu lassen. Warum, fragt sich der unschuldige Leser – und wird auf spannendste Weise auf die Folter gespannt. Denn: Dass Sybille, die Angeklagte, nur Zeit schinden will, um ein mörderisches Puzzle zusammenzusetzen, indem ihr die traurigste Rolle zugeschrieben wird, enthüllt die Meisterin der Worte, Nika Lubitsch, gekonnt nach und nach, und spannt uns Leser auf die Folter.

Zum Stil: Nika Lubitsch würde ich persönlich gern beim Flechten zusehen – beim Flechten der Handlungsstränge, die aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, nach und nach dem tiefen, bösen Sinn dieses lesenswerten Krimis enthüllen. Chapeau.

Am Ende, ja, was bleibt am Ende? Ein faszinierter Leser, der nun "Das 5. Gebot" lesen wird.


Krabat: Roman
Krabat: Roman
von Otfried Preußler
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krabat: Zauberlehrlinge, Schwarze Magie und die Kraft der Liebe – ein bemerkenswertes Jugendbuch für alle Generationen, 30. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Krabat: Roman (Taschenbuch)
"Krabat" habe ich bestimmt viermal gelesen. Diese Buchausgabe ist nicht nur optisch ein schönes Exemplar, sondern auch wegen des Großformats und der prachtvollen Illustrationen, die das Geschehen auf der einsamen Mühle lebendig, anschaulich sowie magisch wirken lassen. Die Lausitz in Zeiten des Großen Nordischen Kriegs: Das bitterarme Waisenkind Krabat zieht allein durch die Welt, als ihn plötzlich, eines Nachts kurz vor Silvester, in einem Traum eine Stimme zu einer alten Mühle am Dorfrand lockt. Krabat folgt dem Sirenengesang – mit vorerst schrecklichen Folgen. Rasch reiht er sich ein in die Schar von Mühlenjungen, die von einem bösen Meister, der dem Tod/Teufel dient, neben der täglichen schweren Arbeit in die Kunst der Schwarzen Magie unterrichtet werden. Höhepunkt dieser Kunst ist die Verwandlung Krabats in einen schwarzen Raben. Tatsächlich hat das Böse in diesem Buch zwei Gesichter: Einerseits erscheint der Müller als ein Diener einer höheren, bösen Macht; andererseits muss er sich selbst – stets in der Silvesternacht – regenerieren, und bekommt durch den Opfertod eines seiner Knechte neue Kraft und neue Stärke. Kurz blitzen die Verlockungen der Schwarzen Magie auf, etwa, wenn der Müller seinen Jungs vom Pumphutt erzählt, der Gutes mit Schwarzer Kunst verbreitet und den Armen mit dem Geld der Reichen hilft. Insgesamt jedoch ist der Müller das personifizierte Böse: Er opfert nicht nur seine Knechte, sondern verbietet ihnen auch die Liebe – so darf Krabat die schöne Ostersängerin Kantorka nicht lieben. Ab diesem Zeitpunkt offenbart Otfried Preußlers auf einer Sage basierendes Buch seinen Lehrcharakter: Die Liebe ist stärker als böse Gedanken, stärker als böse Taten, ja, sie kann sogar den Tod ausstechen – und genau das geschieht in einer dramatischen Wendung im letzten, zugespitzten Kapitel dieses unglaublich konstruktiv geschriebenen, und doch sprachlich einfach verständlich daherkommenden Buches.

"Krabat" ist ein düsteres Horrormärchen für junge und alte Leser – und für alle, die an die Liebe glauben und wissen, dass die vollkommene Liebe den wenigsten in den Schoß fällt.


Doctor Sleep: A Novel
Doctor Sleep: A Novel
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

5.0 von 5 Sternen Die Geister, die ich rief: Kings fantastische Fortsetzung von "Shining", 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Doctor Sleep: A Novel (Gebundene Ausgabe)
Danny Torrance, jenes berühmte Kind aus dem gruseligen Overlook-Hotel, das die Gewaltattacken seines aggressiven, paranoiden Vaters Jack überlebt hat, ist endlich der Protagonist einer unbedingt lesenswerten Horror-Fortsetzung von Stephen King. Ich habe dieses Buch in nur einer Nacht verschlungen.

Die Gründe für meine 5-Sterne-Bewertung:
Detailliert und nachvollziehbar skizziert King den Weg Dannys zum Alkoholiker, der traumatisiert ist, weil er einer "Nutte" 70 Dollar gestohlen hat und seither von Visionen geplagt wird. Doch diese Visionen sind nicht nur irgendwelche Schreckensbilder, sondern Manifestationen der Geister aus dem Overlook-Hotel: Ein Geschäftsmann oder die verweste Mrs. Massey aus dem Badezimmer des Overlook. Danny lernt, diese Geistwesen in seinem Inneren einzusperren und sein Shining zu kultivieren bzw. zu bewahren. Er schafft den Sprung zum besseren Menschen, hilft Todkranken in einem Hospiz beim Übergang in eine andere Welt – und wird vor die große Herausforderung gestellt, einem Mädchen namens Abra zu helfen, auf deren Shining es eine brutale Gruppe von Campern abgesehen hat, die durch das Land zieht und "das Böse" symbolisiert. Wie in "Das letzte Gefecht" geht es um den ultimativen Kampf des Guten gegen das Böse, aber auch um die Erkenntnis, dass wir das Gute nicht kennenlernen und schätzen können, wenn wir nicht selbst tief ins Dunkel bzw. den Abgrund geblickt haben, und zwar zuvor.

Dieser Roman nimmt den Leser mit auf eine Heldenreise: Wir dürfen Danny Torrance begleiten, wie er zum Helden wird und eine große Katharsis erlebt.

Einiges im Roman ist vorhersehbar, wenn man King-Kenner ist, aber das tut dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch. Nebenbei erfahren wir, dass Dannys Mum "an zuviel Zigaretten" gestorben ist oder dass der freundliche Küchenchef aus dem Overlook-Hotel, Danny ein Freund für's Leben geworden ist.

Ich empfehle dieses fantastische Buch aus vollster Überzeugung.


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