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Der Leser (Mainz)

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Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR
Wir haben fast alles falsch gemacht: Die letzten Tage der DDR
von Frank Sieren
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

29 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnd, 28. Juli 2009
Die mit Eloquenz vorgetragenen Gedanken Günter Schabowskis sind hochinteressant. Es gibt kein zweites ehemaliges hochrangiges Politbüromitglied, das die eigenen Fehler und auch persönliche Verantwortung so schonungslos bekennt. Die Realität der Herren Krenz und Co. zeigt, dass es wohl der einfachere Weg ist, sich starrsinnig an die Lebenslüge DDR-Sozialismus zu klammern, statt mit sich selbst wirklich hart ins Gericht zugehen. Wer wie Krenz von "Siegerjustiz" spricht und seine wenigen Jahre Haft im Schongang über Nacht absitzen konnte, hat wohl von Bautzen und Hohenschönhausen, für die er mitverantwortlich war, keinen blassen Schimmer. Nicht so Schabowski. Bei ihm findet man nicht dieses schlimme Selbstmitleid, das die übrige ehemalige Führungsclique der DDR kennzeichnet, die sich gerne als Opfer des gegnerischen Systems zu Märtyrern stilisieren, wo sie doch nur charakterlose Schreibtischtäter waren. Schabowski schont sich nicht, er hat als einiger der DDR-Oberen begriffen, was er angerichtet hat. Allein seine Ausführungen vor Gericht, die im Anhang abgedruckt sind, dokumentieren das Ringen dieses Menschen um eine ehrliche Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, ohne sich selbst zu verleugnen.
Das einzige, was mir nach wie vor unklar bleibt, ist die Motivation Schabowskis bis 1989: Wie konnte ein so kluger Mensch jahrzehntelang zusehen, wie der Staat, für den er an entscheidender Stelle Verabtwortung trug, so vor die Hunde ging, wirtschaftlich wie moralisch? Aber auf diese Frage sucht Schabowski wohl selbst noch eine schlüssige Antwort.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 4, 2014 9:34 AM MEST


Rohstoff. Roman. Jörg-Fauser-Edition Bd. 2
Rohstoff. Roman. Jörg-Fauser-Edition Bd. 2
von Jörg Fauser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutschland hat mehr Rohstoffe, als man denkt!, 11. August 2007
Jörg Fauser, der vor 20 Jahren tödlich verunglückte, hat mit "Rohstoff" einen wirklich fulminanten Roman geschrieben, den man nicht alle Tage in die Finger bekommt. Fauser hat - im Gegensatz zu den vielen Möchtegern-Gegenwartsautoren, die Belanglosigkeiten über ihr genauso belangloses Leben schreiben - tatsächlich etwas erlebt, und zwar nicht wenig. Fauser kann zudem schreiben: Seine Prosa ist präzise, in wenigen Sätzen kann er eine Stimmung erzeugen, die den Leser in ihren Bann zieht. Und Fausers Auffassungen zu den politischen Debatten der 70er Jahre sind regelrecht hellsichtig: Erkenntnisse, die manchen der Zeitgenossen erst heute, wenn überhaupt, dämmern, bringt Fauser auf den Punkt. Eine Kostprobe: Als eines der unzähligen Projekte Harry Gelbs, des Protagonisten, wieder einmal von höherer Stelle, diesmal von einem Rundfunkredakteur, abgelehnt wird, ätzt Gelb: "Ich fand die Frechheit schon fast beeindruckend - direkt aus dem akademischen Elternhaus über das Adorno-Seminar in dieses Kulturbonzenbüro, ein Gesicht, das nicht eine Spur echter Lebenserfahrung zeigte, der ganze Kerl nicht einen Tag im Leben Hunger geschoben und am schärfsten bedroht von seinem Professor, der nach einem Sit-in vielleicht mal geäußert hatte, lassen Sie doch die Faxen, und dann aber einen Mann abkanzeln, der sein Engagement unter Lebensgefahr bewiesen hatte. Das nannte man wohl Chuzpe" (S. 138). Solch furiose Stellen findet man zuhauf. Man fiebert mit Harry Gelb, dem Pechvogel, Hochstapler, Besserwisser, der die Drogensucht, die anfangs dargestellt wird, überwindet, der nicht unterzukriegen ist, obwohl man ihm ständig Knüppel zwischen die Beine wirft. Es stellt sich die Frage, warum Fauser erst langsam wiederentdeckt werden muss - als hätten wir in Deutschland zu viele geniale Autoren der Gegenwartsliteratur!


Der König tanzt [VHS]
Der König tanzt [VHS]
VHS

15 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Herrscher à la Hollywood, 26. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Der König tanzt [VHS] (Videokassette)
Der Film ist kurzweilig, farbenprächtig und spannend. Doch ob die Beziehung zwischen Ludwig XIV. und Lully tatsächlich eine solche Dimension erlangte, darf bezweifelt werden. Die seit "Amadeus" scheinbar unumgängliche Todfeindschaft zweier Künstler wird auch hier bemüht, ohne originell zu sein. Nach Ansicht des Films fragt man sich indes, ob Ludwig XIV. noch zu etwas anderem Zeit hatte als zu Tanz, Theater und Musik. Der Film leidet darunter, daß ein Ausschnitt des Lebens Ludwigs XIV. und eine Person am Hofe derart überbewertet werden, daß die Glaubwürdigkeit schwindet. Daß Ludwig XIV. Politik als lästige Beigabe eines Herrscherlebens empfand, das doch eigentlich der Kunst zugewandt war, dürfte in den Bereich der Legende zu verweisen sein. Etwas weniger dramatische Knalleffekte hätten dem Film gut getan, etwas mehr Historizität ebenso. Warum mußte ein französischer Regisseur nur Hollywood kopieren?


Als ich sterblich war: Erzählungen
Als ich sterblich war: Erzählungen
von Javier Marías
  Gebundene Ausgabe

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fulminante Erzählungen, dürftige Übersetzung, 30. August 2001
Dem vorigen Rezensenten ist voll und ganz zuzustimmen: sehr schöne und raffinierte Geschichten, deren Qualität durch die teilweise sehr fragwürdige Übersetzung verliert. Manchmal wird scheinbar so wörtlich übersetzt, daß Wendungen herauskommen, die ich im Deutschen so noch nie gehört habe. Zudem sollte jeder Laie wissen, daß Real Madrid nicht bei einer Europameisterschaft mitspielt, sondern im Europapokal. Was herauskommt, wenn Intellektuelle Bücher übersetzen, die von Fußball handeln, darf man in der ganzen Lächerlichkeit in Marías Fußballband "Alle unsere frühen Schlachten" bestaunen.


Schwarzer Rücken der Zeit
Schwarzer Rücken der Zeit
von Javier Marías
  Gebundene Ausgabe

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viel Marías, zu wenig Handlung, 30. August 2001
Wer die furiosen Romane "Mein Herz so weiß" und "Morgen in der Schlacht denk an mich" kennt, wird vom neuesten Roman des Spaniers ein wenig enttäuscht sein. Allzu konstruiert wirkt das Bemühen des Autors, Autobiographisches und Fiktives zu verweben, man wartet ständig auf den eigentlichen Plot des Romans, der irgendwann zu Ende ist, ohne daß man so genau weiß, wozu man ihn gelesen hat. Wie immer sind einzelne Passagen glänzende Prosa, dann und wann rauscht ein brillanter Gedanke wie eine Sternschnuppe am Leser vorbei, aber das, was bei den vorangegangenen Romanen so verblüffte, die ausgeklügelte Handlung, in die Marías' Gedanken gebettet waren, sie schafft die Gratwanderung zwischen Fiktion und Autobiographischem nicht: Es bleibt schwerlich zusammenhängendes Konstrukt, Handlung ohne roten Faden. Der Bogen der Selbstreflexion des Autors wurde hier auf Kosten einer zusammenhängenden Handlung überspannt, kurz: zu viel Marías, zu wenig Handlung.


Elementarteilchen
Elementarteilchen
von Michel Houellebecq
  Taschenbuch

22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Leseerlebnis ersten Ranges, 23. August 2001
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Michel Houellebecq gelingt es auf mitreißende Weise, die verschiedenen Perspektiven der beiden Protagonisten in je verschiedener Erzählform auszugestalten. Das Groteske der von der Konsumgesellschaft getriebenen Menschen kann man trefflicher kaum formulieren: mal lakonisch mit Hang zu wissenschaftlicher Präzision (Michel), mal beißend-aggressiv (Bruno). Und dabei zerfließt der Autor weder in Gefühlsduselei, noch wirkt der mitunter aggressive Ton, zumal wenn es um die überbordenden sexuellen Phantasien und deren Verwirklichung geht, effektheischend. Er muß sein, um den obsessiven Charakter der immer grenzenloseren Selbstverwirklichung bloßzulegen. Daß Houellebecq mitunter Rechtslastigkeit und Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird, weil er die Abtreibung schonungslos thematisiert und auch keine sonstigen Tabus kennt, zeigt nur, wie nötig seine harsche Kritik ist. Wer den Wettlauf um Selbstbestätigung und Sex verliert, ist reif für den Psychiater - siehe Bruno-, und wer sich ganz in die abstrakte Welt der Naturwissenschaft flüchtet - siehe Michel -, wird zum gefühllosen Rechner. Sieht man sich die Welt der Beckers und Drews an, die unser Fernsehprogramm nicht müde wird, in immer neuen unappetitlichen Stellungen zu ertappen, so scheint Houellebecqus Roman nicht ganz Fiktion zu sein. Sprachlich wie inhaltlich ein Meisterwerk, eine geniale Konstruktion der Schau auf das Leben zweier Brüder, mit Rückblicken, die sich immer näher an die Jetztzeit herantasten und sogar in die Zukunft weisen. Der Roman sucht seinesgleichen im deutschen Sprachraum! Dagegen wirken deutsche Romane à la Grass ("Ein weites Feld") wie sozialdemokratische Gewerkschaftspostillen: oberlehrerhaft, verkrampft, ohne Esprit. Ein Houellebecq täte der deutschen Romanlandschaft gut, sehr gut sogar.


Generation Golf: Eine Inspektion (Allemand)
Generation Golf: Eine Inspektion (Allemand)
von Florian Illies
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Generation Golf, im Rückspiegel gesehen, 17. Juli 2001
Oft denkt man sich: Genau so war es, und genau die Typen, die Illies zeigt, sind uns allen begegnet, in der Schule, in der Uni, im Fernsehen. Wer dem Autor Oberflächlichkeit vorwirft, hat von dem Buch gar nichts kapiert: Eine oberflächliche - und das ist nicht abwertend gemeint - Generation kann auch nur durch solche Oberflächlichkeiten charakterisiert werden, aber es ist gerade die Abkehr von den Lebenslügen der 68er, die die Generation Golf ehrlicher macht. Es will niemand außer einigen Fossilien, die sich an Gleise ketten, mehr die Welt retten, und das ist gut so. Pragmatismus ist angesagt, auch wenn das weniger prosaisch ist als die Biographie eines ehemaligen Straßenkämpfers, der zum Außenminister in Maßanzügen emporsteigt. Wer als Jugendsünden einzig falsche Kleiderwahl vorweisen kann und sich in seiner Gesellschaft gemütlich einrichtet, ist mir dennoch lieber als jemand, der so verlogen ist wie die 68er: erst die Revolution und dann der Rotwein. Kann es sein, daß die Verlogenheit der Vorgängergeneration erst die "Generation Golf" hervorgebracht hat, die gesehen hat, wie lächerlich die 68er ihren Marsch durch die Institutionen beendet haben, alles über Bord werfend, was ehemals auf ihren Fahnen stand, um das Stück vom großen Kuchen abzubekommen? Lieber Generation Golf als Generation Schröder: Vom Rollkragen-Juso-Vorsitzenden zum Brioni-Havanna-Kanzler, diesen Lernprozeß hat die Generation Golf nicht nötig.


Schlimmer geht's nicht
Schlimmer geht's nicht
von Ray Loriga
  Broschiert

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Literatur geht so nicht, 7. August 2000
Rezension bezieht sich auf: Schlimmer geht's nicht (Broschiert)
Eigentlich hört es sich gut an, wenn man von einem Autor behauptet, er spreche die Sprache der Jugend. Doch wer würde das Gestammel und die Kraftmeierei eines 20jährigen schon als Literatur bezeichnen, eine Sprache, bei der man am allerwenigsten Zusammenhängendes findet, bei der mehr oder weniger wirre Gedanken aufblitzen, um vom nächsten gedanklichen Amoklauf abgelöst zu werden. Allzusehr kokettiert der Autor zudem mit Schicksalhaftem, und warum genau der Protagonist am Ende vorhat, seinen erfolgreichen Kollegen umzubringen, weiß man nicht so recht. Loriga versucht, die Kunstlosigkeit seiner Sprache zur Kunst zu erheben, doch durch den Stakkato-Ton und die Beliebigkeit des Erzählten wie des Erzählens vermittlelt sich dem Leser gerade kein Eindruck jener Jugendkultur im Madrid der 90er. Man erfährt eigentlich gar nichts, was den Begriff Atmosphäre verdiente, nichts von der Umgebung des Helden, den wir als Abkömmling reicher Eltern sowieso nicht richtig ins Herz schließen mögen, und auch nichts über die Gründe von dessen Abgleiten in den Nihilismus, der auch den 127-Seiten-Roman dominiert: Es ist nach der Lektüre so, als hätte man gar nichts gelesen. Deshalb liest sich der Roman auch so schnell. Fast-Food für die McDonald's-Generation, Erfolg garantiert.


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