Profil für Andreas Wittenburg > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Andreas Wittenburg
Top-Rezensenten Rang: 6.624
Hilfreiche Bewertungen: 4031

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Andreas Wittenburg (Hamburg, Hamburg Deutschland)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Hourglass
Hourglass
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 12,78

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dave Gahan als gereifter Solokünstler, 14. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Hourglass (Audio CD)
Dave Gahan hat eine der schönsten Stimmen des Pop; so inbrünstig und getrieben singt sonst vermutlich nur Bono (wenn man dessen übertriebenen Manierismen abzieht)
Nach den wechselvollen Jahren von Depeche Mode, in denen die Band trotz privater Dramen immer Alben auf hohem Niveau veröffentlicht hat, kommt nun der zweite Ausflug des Sängers.
Auch wenn vielleicht der Wunsch im Vordergrund steht, sich von Martin Gore zu emanzipieren, der innerhalb der Band fast alle Songs geschrieben hat, so schwebt die Ästhetik der Band trotzdem irgendwo über den Stücken - es fließt eben doch Depeche Mode durch seine Adern.
Songs wie "Kingdom" oder "21 Days" wirken aus diesem Grund vertraut. Aber der Sänger traut sich dieses Mal weiter als noch bei "Paper Monsters".

"Deeper And Deeper" ist mit seinen industrielle Elektronik-Eruptionen überraschend aggressiv , während das minimalistische "Insoluble" verstörend intensiv klingt. Ein weiterer Höhepunkt ist "Miracles", das über weiten Ambient-Flächen zu schweben scheint. So entspannt und in sich ruhend klang Gahan noch nie.

Größter Unterschied zu Depeche Mode ist die fehlende Beat-Lastigkeit. Während dort schwere Rhythmen die Stücke vorantreiben, schaffen hier amorphe Soundflächen viel Weite für die unverwechselbare Stimme.
Dieses Mal noch rauher und zwingender als bei den früheren Alben, kann man sich der Präsenz von Gahan kaum entziehen.

Auch wenn der Sänger privat ins Gleichgewicht gekommen sein mag, "Hourglass" ist voller verstörender Brüche und einer emotionalen Rohheit, die im Musikbusiness heute selten zu finden ist. Wer sich so aufrichtig offenbart, dem sollte man zuhören.


The Art of Love & War
The Art of Love & War
Preis: EUR 13,44

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Statt "Neo-Soul" dieses Mal gefällige Durchschnittskost, 14. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: The Art of Love & War (Audio CD)
Da die Musikindustrie mit griffigen Schlagwörtern zur Vermarktung immer schnell bei der Hand ist, wurde Angie Stone schnell unter "Neo Soul" eingestuft, vermutlich, um sie von Hip Hop-orientierter Musik und vom allzu glatten R&B der Mainstream-Diven abzugrenzen.
Gerade deshalb ist es ein wenig schade, dass ihr neues Album allzu gefällig und eingängig daherkommt. Hat sie auf dem Vorgänger "Stone Love" eine große Bandbreite unterschiedlicher Einflüsse und Stimmungen gezeigt, bleibt sie dieses Mal im komfortablen Schleicher-Modus. Das ist keineswegs schlecht, nur leider zu gefällig, und spätestens nach der Hälfte der Songs verschmelzen die Stücke zu einer einzigen großen Maxi-Single.
Schon das erste Stück ist mit seinem leichten Beat, den Klaviereinsprengseln und dem mehrstimmigen Refrain eher Standard als inspirierend. Von dieser Art folgen zu viele Stücke. Dabei geht so viel mehr. Das wunderbare "Go Back To Your Life" zeigt, wie viel eindringlicher sie ohne Watte-Produktion sein kann, und "My People" greift die Disco-Ästhetik der späten Siebziger auf. Richtig schön wird es erst wieder beim gitarrengetragenen "Happy Being Me".

Größtes Problem ist das Songwriting. Es fehlt an prägnanten Melodien. Zu ähnlich sind sich Songstruktur und Stimmungen, zu wenig kommt die Künstlerin stimmlich aus sich heraus.
Auch die Produktion vermag der Sängerin kein eigenständiges Profil zu verleihen; sie ist weder richtig altmodisch noch konsequent modern. So landet sie irgendwo zwischen Eryka Badu und Lauryn Hill.

Mit dieser Produktion ist Angie Stone den gelackten Diven a la Beyonce oder Mariah Carey um Lichtjahre voraus. Trotzdem fehlt die Strahlkraft der früheren Alben. Man hört zwar viel "Love", aber etwas mehr "War" hätte nicht geschadet.


System
System
Preis: EUR 7,72

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die ehemalige Pophoffnung im Formtief, 29. November 2007
Rezension bezieht sich auf: System (Audio CD)
Seal musste sich immer gegen den Vorwurf wehren, nur eine weitere Stimme für Trevor Horns Produktionsfantasien zu sein.
Nun sind seit seinem bahnbrechenden Debüt und dem wunderbaren zweiten Album Jahre vergangen, und wehmütig denkt man an "Future Love Paradise", "Killer" und "Bring It On" zurück, denn danach hat er sich mehr und mehr zum Lieferanten von radiofreundlichem Pop entwickelt. In letzter Zeit ist der Sänger eher durch Gesangseinlagen bei Automobilpräsentationen und seine omnipräsente Frau aufgefallen.

Nun steht eine erneute Wandlung an, und wieder geht der Impuls vor allem vom Produzenten aus. Dieses Mal ist es Stuart Price, und das Ergebnis ist ähnlich gradlinig wie Madonnas "Confessions On A Danclefloor".
Von der vielschichtig pulsierenden Rafinesse der frühen Werke bleibt dabei leider kaum etwas übrig - stattdessen wurde dem Sänger ein banales Umpa-Umpa-Dancekorsett übergestülpt.
Schon der Opener enttäuscht mit Simpelakkorden, Stampfrhythmus und seltsam antiquirtem Synthisound. Die Single "Amazing" und "Rolling" klingen wie Madonnatracks mit neuer Gesangspur, und auch "Dumb" scheint mit seiner deplatzierten Akustikgitarre ein Abfallprodukt von "American Life" zu sein.

Bei "Just Like Before" nähert er sich mit schimmernden Gitarren alten Idealen, doch auch hier mangelt es an einer Songidee. So rauschen die Stücke mit austauschbar aufgeblasener Produktion am Ohr vorbei.
Einziger Lichtblick hätte trotz des platten Textes "Wedding Day" werden können, wenn er seine Frau aus dem Spiel als Duettpartnerin gelassen hätte. So bleibt nur der schöne letzte Titel "Immaculate", der an alte Zeiten erinnert.
Selbst Seals eigenständiges Timbre kommt gegen die Produktionssoße nicht an- er klingt matt und angestrengt.

Vielleicht soll diese CD einen Schritt nach vorne zeigen, nur ist dabei alles, was Seal ausgemacht hat, über Bord gekippt worden. Das Ergebnis klingt, als hätten sich alle Beteiligten gelangweilt - das denkbar Schlechteste, was Musik ausstrahlen kann.


Das optimale Leben
Das optimale Leben
Preis: EUR 9,99

24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das (Fräulein)wunder geht weiter, 29. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Das optimale Leben (Audio CD)
Das erste Album von Annett Lousian war wirklich schockierend. Musik für Menschen jenseits der Pubertät - augenzwinkernde deutsche Texte ohne Schlagermurks und grönemeiersches Emo-Geholze, dazu eine internationale Produktion und eine wunderbar französische Leichtigkeit - darf es das geben?
Inzwischen ist das Fräuleinwunder keine Eintagsfliege mehr, und auch auf dem dritten Album macht sie, außer dem blöden Titel, vieles richtig. Wer "Zu nah an den Vorgängern - zu wenig Weiterentwicklung" mäkelt überhört die feine Weiterentwicklung.
Schon im ersten Stück zeigt sich eine südamerikanische Lebendigkeit, die dem vormals etwas zu introvertierten Ton Energie einhaucht. Auch "Er" gewinnt mit Percussions und entspannten Bläsersätzen, und "Rosenkrieg" ist ein astreiner Bossanova.
Noch überraschender ist "Die Wahrheit" mit leichtem Funkappeal, Easy-Listening-Chören und einer Prise Zickigkeit in der Stimme. Plötzlich bekommt die junge Sängerin Biss, wo sie zuvor übertrieben elegisch und erwachsen sein musste. Bei Stücken wie "Ich ...be dich" wird sie sogar ein wenig poppig.

Natürlich gibt es auch die tiefschürfenden Balladen ("Wenn man sich nicht mehr liebt", "Ende Dezember"), und einige Songs gehen etwas zu glatt runter ("Die sein", "Dings").

Vor allem sind es wieder die konsensfähigen Texte von Frank Ramond, die zwischen gefällig und provokativ sämtliche Facetten des modernen Großstädters reflektiert. Auch dieses Mal wird vor allem liebevoll das Männerbild mit all seinen Klischees zerlegt.
Nur selten sind die Wortspiele etwas zu sehr auf künstlerisch gebürstet und lassen die Selbstverständlichkeit des Debüts vermissen.

Vor allem die Produktion wagt sich dieses Mal hörbar aus der Chansonecke heraus, zeigt dabei mehr Facetten und grenzt die Stücke stärker von einander ab.

Das Album zeigt eine Künstlerin, deren hoher Wiedererkennungswert auch nach dem dritten Album noch funktioniert. Für den ganz großen Wurf wünscht man ihr noch rauhere Arrangements, eine Messerspitze Elektronik oder die Wucht einer Bigband.
Bis dahin darf das Wunder weitergehen.


As I am
As I am
Preis: EUR 8,53

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das R&B-Wunder in gemischter Verfassung, 12. November 2007
Rezension bezieht sich auf: As I am (Audio CD)
Alicia Keys wurde nach ihrem Debüt als die große schwarze Nachwuchshoffnung gepriesen wie zuvor nur Lauryn Hill. Sechs Jahre später ist die Sensation verflogen, und es bleibt die Frage, ob sie über den Supertalentbonus hinaus eine verlässliche Musikerin ist, ob sie sich dem Mainstream zuwendet wie Joss Stone, oder auf der Stelle tritt wie Norah Jones.
Zunächst geht alles klar, ihr neues Album beginnt vielversprechend. Der Titelsong schichtet einen perlenden Pianopart und metallische Siebziger-Gitarren über einen seltsamen Maschinenbeat und findet diese einzigartige Mischung aus seligen Siebzigern und modernem R&B-Appeal genauso wie das federnde "I Need You" mit seinem vertrackten Groove.

Der Rest ist durchwachsen. Wo sie lediglich die Sechtziger reanimiert klingt sie zu sehr nach Amy Winehouse (Where Do We go From Here, Wreckless Love). Fährt sie das Tempo runter verfällt sie zu oft in radiofreundliches Futter, z.B. "Go Ahead", dass trotz mehrstimmigen Gesangsätzen die längst abgenutzten Schablonen schwarzer Musik benutzt, oder das schlaff gehauchte "Like You'll Never See Me Again".
Erst, wenn sie den Produktionsballast abwirft entstehen intime Songs wie "Prelude To A Kiss" oder das elegante "Lesson Learned".

Überraschenderweise ist es dieses Mal auch ihre Stimme, die nicht durchweg überzeugt. Immer noch soulig und kraftvoll, fehlt ihr dieses Mal die eindringliche Intensität der ersten Alben. Dazu verfällt sie häufiger als zuvor in Mariah Carey-artiges Gehauche (The Thing About Love, Wreckless Love) und unnötige Manierismen.

Auch die Produktion kann sich dieses Mal nicht recht zwischen analoger Retro-Wärme und Hochglanz-Bling entscheiden.

Keine Frage, ihr Talent ist deutlich hörbar und sie ist meilenweit musikalischer und packender als viele der schwarzen R&B-Püppchen. Trotzdem spürt man die Verführung des Mainstreams und den Hang, bereits Gehörtes zu reproduzieren. Das ist wohl die Last, die ein Sensationstalent tragen muss.

Glücklicherweise ist genug Sensationelles dabei, dass man über die leichten Schwächen hinwegsehen kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2007 11:37 AM CET


Taking chances
Taking chances
Preis: EUR 9,99

15 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Unterschied zwischen Technik und Gefühl, 9. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Taking chances (Audio CD)
Es ist verständlich, dass Celine Dion nach fünf Jahren Las Vegas den Wunsch hat, aus dem Korsett ihrer Monsterkarriere auszubrechen. Dem neuen Album "Taking Chances" sind die beiden neuen Vorgaben Intimität und Modernität deutlich anzuhören.
Leider klingt das Ergebnis nicht nach der selbstbewusster Lässigkeit einer gereiften Künstlerin, sondern nach einem überspannten Versuch, der sich am Ende kaum vom Gewohnten entfernt.
Dabei beginnt sie für ihre Verhältnisse fast intim mit der Hochglanzversion einer Folkballade, doch schon mit dem Heart-Cover "Alone" brüllt sie alle Zwischentöne in Grund und Boden und badet in einer sirupartigen Geigensoße. Auch bei "My Love" gelingt es trotz Gitarre und Flöten nicht, den Metalliclack abzulegen und wirklich authentisch zu klingen. Spätestens nach der fünften Ballade langweilt der immer gleiche Spannungsbogen vom gehauchten Anfang zum schrill gebellten Finale.
Zu simpel sind die Songstrukturen, zu platt die Texte, zu clean ist die Produktion.

Doch auch dort, wo sie sich um Innovation bemüht, ist das Ergebnis zwiespältig. Trotz intensiver versuche wird sie keine Gwen Stefani (Eyes On Me), keine Bonnie Tyler (That's Just The Woman In Me), und keine Cher (Can't Fight The Feeling). Spätestens wenn sie bei "Right Next To The Right One" eine Countryballade imitiert, lässt sie jeden Funken Ehrlichkeit hinter sich.

Größtes Problem bleibt die Stimme. Fraglos mit beeindruckendem Volumen und hervorragender Technik ausgestattet, fehlt ihrem Sopran wegen quartzgenauer Phrasierung und soulfreiem Timbre seit jeher die Menschlichkeit.
Umso mehr versucht sie, diese Emotion vorzutäuschen. In den leisen Passagen flimmert das Tremolo, und in den Refrains verhärtet die Stimme zu pseudoeindringlichem Geschrei. Das lässt zwar Wasser gefrieren, aber mein Herz wird nicht berührt. Die Gefühle scheinen nicht echter als ein Chinese, der Elvis imitiert.

Am Ende verrät das Albumcover, gewollt oder ungewollt, alles über die seelenlose Musik. Celine Dion sieht auf dem Cover von "Taking Chances" aus wie ein Android, und auch die Musik scheint nicht von Menschen, sondern von Robotern gemacht zu sein.


X
X
Preis: EUR 7,35

6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Discoqueen verteidigt ihren Ruf., 7. November 2007
Rezension bezieht sich auf: X (Audio CD)
Wer geglaubt hat, Kylie würde nach ihren persönlichen Schicksalsschlägen gereifter werden oder sogar einen Gang zurückschalten, hat sich getäuscht. Auf ihrem neuen Album "X" lotet sie wieder die gesamte Bandbreite zeitgemäßer Popmusik aus. Über die Jahre von der Disko-Springmaus zur Hightech-Diva herangewachsen, hat dieses Mal eine illustre Schar von Songwritern und Produzenten dabei geholfen, einen Weg zwischen Radiotauglichkeit und künstlerischer Innovation zu finden.

Das sie auf dem Opener wie Gwenn Stefani klingt mag man dabei verzeihen, dass sich wieder einige billige Stampfer aus dem Kaugummiautomaten dazwischengemogelt schon weniger. Songs wie "Like A Drug", "In My Arms" oder "The One" sind zu gradlinig und leichtgewichtig, um im Ohr zu bleiben.

Besser ist sie in atmosphärischen Titeln, wie dem geheimnisvollen "Speakerphone" mit schrägen Stimmeffekten, "Senitized" mit treibendem Geigensample, und dem intimen "Cosmic".
Highlight ist das abgefahrene "Nu-di-ty" mit pulsierenden Synthis, und "Heart Beat Rock", dass ein wenig an die Anfangszeiten von Madonna erinnert. (während "No More Rain" etwas zu frech "Ray Of Light" kopiert.)

Man merkt deutlich, dass Kylie umso besser wird, je weiter sie sich vom Mainstream entfernt. Leider zerreisst der Spagat zwischen avantgardistischen Experimenten und platten Chartklopfern das Album genau in der Mitte. Statt diesem Gemischtwarenladen wünscht man sich ein radikaleres Gespür für neue Trends, anstatt den gängigen Sounds nachzulaufen. Immerhin - Kylie's back.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2008 5:26 PM MEST


On Air
On Air
Wird angeboten von Beats and More
Preis: EUR 3,97

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Soap hin oder her - Angriff der Klon-Musiker, 2. November 2007
Rezension bezieht sich auf: On Air (Audio CD)
Nach der langen Reihe von Soap-Stars, die eher bemüht als inspiriert ins Musikbusiness eingestiegen sind ist es schwer, unvoreingenommen zu sein, doch selbst, wenn man die Vorgeschichte dieses jungen Herren ignoriert bleibt nur ein bunter Gemischtwarenladen ohne Ziel und Perspektive.

Mehr als seine eigene Identität hört man die Vorbilder. Das Intro ist 100% Justin, "Stop Right Now" und "Hey" käuen gradlinigen Kneipenrock wieder, und erinnern zu sehr an "Fury In The Slaughterhouse", und "Reason" ist eine klassische Backstreet Boys-Ballade.
Sogar, wenn er Klavier und Geigen auffährt, wie bei "Look On Her Face", kommt statt Intimität gepflegte Langweile auf und man wünscht sich Ronan Keating herbei - der hat wenigestens eine prägnante Stimme.

Das es besser geht zeigt das bittersüße "Borderline", wo er an Sean Lennon erinnert.

Die Texte sind aus der großen Phrasenmaschine gepresst und die Produktion ist um "Echtheit" bemüht, gleitet aber zu häufig in gefälligen Radiopop ab und klingt über weite Strecken wie zu dünner Kaffee.

Das alles taugt sicher als Beschallung von Teenie-Kinderzimmern und als Hintergrund für Fernsehserien - für Musikliebhaber ist es ein Haufen von Deja-Vus, nur das leider die Vorbilder schon dröge und glattgeföhnt sind.
Beim nächsten Mal vielleicht etwas weniger Kalkül und etwas mehr Innovation und echte Gefühle.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2014 11:42 PM MEST


Real Thing:Words & Sound Vol.3
Real Thing:Words & Sound Vol.3
Preis: EUR 16,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein weiterer Hoffnungsschimmer für "schwarze" Musik, 2. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Real Thing:Words & Sound Vol.3 (Audio CD)
Jahre, nachdem Eryka Badu und Lauryn Hill aufgebrochen sind, um R&B mit neuen Impulsen zu versorgen, konnte man den Eindruck gewinnen, mit dem Schwarm der Rihannas, Hilarys, Ameries und Beyonces wäre dieser Zweig der schwarzen Musik auf einem kreativen Tiefpunkt angelangt und hätte den zentralen Antrieb verloren: die Seele.
Vielleicht sind es Künstler wie Amy Winehouse, die diese ursprüngliche Kraft wieder in Erinnerung rufen, denn plötzlich hört man Musiker, die sich von den Schablonen der Charts entfernen.
Eine von ihnen ist Jill Scott, die mit "Vol. 3" ihre Trilogie abschliesst. Wieder verarbeitet sie auf sehr persönliche Art das Thema Beziehungen mit all seinen Wirrungen.

Wie auf den Vorgängern zelebriert sie eine delikate Mischung aus luxuriösen Midtemposongs über modernen Beats. Selten wird sie dabei so kraftvoll und fordernd wie im Intro - die meisten Songs schmeicheln sich mit knisternder Sanftheit ins Ohr.
Musikalisch schlägt sie weite Bögen in die besten Zeiten des R&B: reduziert und federnd wie in den Neunzigern (Crown Royal), sämig und schimmernd wie in den Achtzigern (Come See Me) oder soulful wie in den Siebzigern (Ow It Makes You Feel). Mit ihrem facettenreichen Timbre, dass eher aus dem Gospelchor als aus der Chartfabrik zu stammen scheint, hält sie die Songs zusammen.
Höhepunkte sind das zwingende "Ephiphany", dass ein wenig an Ursula Rucker erinnert, der intime "Celibacy Blues" und das schwebende "Breathe".

Einziger Kritikpunkt bleibt die etwas eintönige Stimmung der Songs. Hier hätten einige verschwitzte Stücke mehr Abwechslung gebracht. Dazu ist einiges zu plüschig auf Wohlklang getrimmt (z.B. "Insomnia", "All I").

Trotzdem ist das Album ein Hoffnungsschimmer für den festgefahrenen Karren R&B. Noch einen Hauch mehr Mut zu Avantgarde und rohen Gefühlen, dazu eine rauhere Produktion, und diese Frau könnte helfen, das Genre zu befreien.


Divinidylle
Divinidylle
Preis: EUR 17,02

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr französisch - bittersüßes Album der ewigen Lolita, 31. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Divinidylle (Audio CD)
Als Frau an Johnny Depps Seite bekommt man Aufmerksamkeit - zwangsläufig. So scheint auch bei ihrem neuen Album die bemerkenswerte Information zu sein, dass ihr Lebensgefährte das Cover gemalt hat.
Darüber hinaus hat sie ausserhalb Frankreichs kaum Spuren hinterlassen - von "Joe Le Taxi" und Parfumwerbung abgesehen.

Dabei verbirgt sich hinter dem etwas angestrengten Wortspiel "Divinidyll" ein angenehmes Album, dass im wesentlichen den Stil von "Bliss" fortsetzt, ohne dessen ungeschliffene Kraft und Poesie zu erreichen.
Wieder erzeugt ihre Melange aus Chanson und Indiegeschrammel diese spezielle französische Atmosphäre, die in den letzten Jahren mit "Nouvelle Vaugue" und "Benjamin Biolay" wieder so schick geworden ist.

Dabei startet sie mit "Divine idylle" auf dem falschen Fuß - dünnflüssiger Pop-Singsang mit billigen Achtzigersynthies. Spätestens mit "Les Piles" findet sie dann ihren Platz zwischen entspanntem Sechtziger-Rock und erinnert fast ein wenig an Loud Reed, und auch "Dés que j'te vois" und "L'incendie" haben den Charme eines verschlafenen Morgens. In den ruhigen Stücken wie "Junior Suite" wird sie überraschend intim und erinnert in "Le revenants" sogar an die minimalistische Coolness von Carla Bruni.

Ihre Stimme ist gleichzeitig Kapital und Hindernis. Einerseits hat sie auch mit 34 noch dieses unverwechselbar, etwas verschlafene Lolita-Timbre, andererseits ist ihre Stimme wenig wandlungsfähig und zeigt weniger Wucht und emotionale Tiefe, als die zum Teil rauen Arrangements eigentlich bräuchten.

Das Album atmet die Beiläufigkeit einer Künstlerin, für die Musik ein Luxushobby ist. Das ist nicht für die Ewigkeit, reicht aber für einige kostbare Momente - und das ist doch schon was ...


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20