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Rezensionen verfasst von
Andreas Wittenburg (Hamburg, Hamburg Deutschland)
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As I am
As I am
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,99

13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das R&B-Wunder in gemischter Verfassung, 12. November 2007
Rezension bezieht sich auf: As I am (Audio CD)
Alicia Keys wurde nach ihrem Debüt als die große schwarze Nachwuchshoffnung gepriesen wie zuvor nur Lauryn Hill. Sechs Jahre später ist die Sensation verflogen, und es bleibt die Frage, ob sie über den Supertalentbonus hinaus eine verlässliche Musikerin ist, ob sie sich dem Mainstream zuwendet wie Joss Stone, oder auf der Stelle tritt wie Norah Jones.
Zunächst geht alles klar, ihr neues Album beginnt vielversprechend. Der Titelsong schichtet einen perlenden Pianopart und metallische Siebziger-Gitarren über einen seltsamen Maschinenbeat und findet diese einzigartige Mischung aus seligen Siebzigern und modernem R&B-Appeal genauso wie das federnde "I Need You" mit seinem vertrackten Groove.

Der Rest ist durchwachsen. Wo sie lediglich die Sechtziger reanimiert klingt sie zu sehr nach Amy Winehouse (Where Do We go From Here, Wreckless Love). Fährt sie das Tempo runter verfällt sie zu oft in radiofreundliches Futter, z.B. "Go Ahead", dass trotz mehrstimmigen Gesangsätzen die längst abgenutzten Schablonen schwarzer Musik benutzt, oder das schlaff gehauchte "Like You'll Never See Me Again".
Erst, wenn sie den Produktionsballast abwirft entstehen intime Songs wie "Prelude To A Kiss" oder das elegante "Lesson Learned".

Überraschenderweise ist es dieses Mal auch ihre Stimme, die nicht durchweg überzeugt. Immer noch soulig und kraftvoll, fehlt ihr dieses Mal die eindringliche Intensität der ersten Alben. Dazu verfällt sie häufiger als zuvor in Mariah Carey-artiges Gehauche (The Thing About Love, Wreckless Love) und unnötige Manierismen.

Auch die Produktion kann sich dieses Mal nicht recht zwischen analoger Retro-Wärme und Hochglanz-Bling entscheiden.

Keine Frage, ihr Talent ist deutlich hörbar und sie ist meilenweit musikalischer und packender als viele der schwarzen R&B-Püppchen. Trotzdem spürt man die Verführung des Mainstreams und den Hang, bereits Gehörtes zu reproduzieren. Das ist wohl die Last, die ein Sensationstalent tragen muss.

Glücklicherweise ist genug Sensationelles dabei, dass man über die leichten Schwächen hinwegsehen kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2007 11:37 AM CET


Taking chances
Taking chances
Preis: EUR 6,99

15 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Unterschied zwischen Technik und Gefühl, 9. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Taking chances (Audio CD)
Es ist verständlich, dass Celine Dion nach fünf Jahren Las Vegas den Wunsch hat, aus dem Korsett ihrer Monsterkarriere auszubrechen. Dem neuen Album "Taking Chances" sind die beiden neuen Vorgaben Intimität und Modernität deutlich anzuhören.
Leider klingt das Ergebnis nicht nach der selbstbewusster Lässigkeit einer gereiften Künstlerin, sondern nach einem überspannten Versuch, der sich am Ende kaum vom Gewohnten entfernt.
Dabei beginnt sie für ihre Verhältnisse fast intim mit der Hochglanzversion einer Folkballade, doch schon mit dem Heart-Cover "Alone" brüllt sie alle Zwischentöne in Grund und Boden und badet in einer sirupartigen Geigensoße. Auch bei "My Love" gelingt es trotz Gitarre und Flöten nicht, den Metalliclack abzulegen und wirklich authentisch zu klingen. Spätestens nach der fünften Ballade langweilt der immer gleiche Spannungsbogen vom gehauchten Anfang zum schrill gebellten Finale.
Zu simpel sind die Songstrukturen, zu platt die Texte, zu clean ist die Produktion.

Doch auch dort, wo sie sich um Innovation bemüht, ist das Ergebnis zwiespältig. Trotz intensiver versuche wird sie keine Gwen Stefani (Eyes On Me), keine Bonnie Tyler (That's Just The Woman In Me), und keine Cher (Can't Fight The Feeling). Spätestens wenn sie bei "Right Next To The Right One" eine Countryballade imitiert, lässt sie jeden Funken Ehrlichkeit hinter sich.

Größtes Problem bleibt die Stimme. Fraglos mit beeindruckendem Volumen und hervorragender Technik ausgestattet, fehlt ihrem Sopran wegen quartzgenauer Phrasierung und soulfreiem Timbre seit jeher die Menschlichkeit.
Umso mehr versucht sie, diese Emotion vorzutäuschen. In den leisen Passagen flimmert das Tremolo, und in den Refrains verhärtet die Stimme zu pseudoeindringlichem Geschrei. Das lässt zwar Wasser gefrieren, aber mein Herz wird nicht berührt. Die Gefühle scheinen nicht echter als ein Chinese, der Elvis imitiert.

Am Ende verrät das Albumcover, gewollt oder ungewollt, alles über die seelenlose Musik. Celine Dion sieht auf dem Cover von "Taking Chances" aus wie ein Android, und auch die Musik scheint nicht von Menschen, sondern von Robotern gemacht zu sein.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 14, 2007 12:34 AM CET


X
X
Preis: EUR 6,90

6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Discoqueen verteidigt ihren Ruf., 7. November 2007
Rezension bezieht sich auf: X (Audio CD)
Wer geglaubt hat, Kylie würde nach ihren persönlichen Schicksalsschlägen gereifter werden oder sogar einen Gang zurückschalten, hat sich getäuscht. Auf ihrem neuen Album "X" lotet sie wieder die gesamte Bandbreite zeitgemäßer Popmusik aus. Über die Jahre von der Disko-Springmaus zur Hightech-Diva herangewachsen, hat dieses Mal eine illustre Schar von Songwritern und Produzenten dabei geholfen, einen Weg zwischen Radiotauglichkeit und künstlerischer Innovation zu finden.

Das sie auf dem Opener wie Gwenn Stefani klingt mag man dabei verzeihen, dass sich wieder einige billige Stampfer aus dem Kaugummiautomaten dazwischengemogelt schon weniger. Songs wie "Like A Drug", "In My Arms" oder "The One" sind zu gradlinig und leichtgewichtig, um im Ohr zu bleiben.

Besser ist sie in atmosphärischen Titeln, wie dem geheimnisvollen "Speakerphone" mit schrägen Stimmeffekten, "Senitized" mit treibendem Geigensample, und dem intimen "Cosmic".
Highlight ist das abgefahrene "Nu-di-ty" mit pulsierenden Synthis, und "Heart Beat Rock", dass ein wenig an die Anfangszeiten von Madonna erinnert. (während "No More Rain" etwas zu frech "Ray Of Light" kopiert.)

Man merkt deutlich, dass Kylie umso besser wird, je weiter sie sich vom Mainstream entfernt. Leider zerreisst der Spagat zwischen avantgardistischen Experimenten und platten Chartklopfern das Album genau in der Mitte. Statt diesem Gemischtwarenladen wünscht man sich ein radikaleres Gespür für neue Trends, anstatt den gängigen Sounds nachzulaufen. Immerhin - Kylie's back.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2008 5:26 PM MEST


On Air
On Air
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 7,49

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Soap hin oder her - Angriff der Klon-Musiker, 2. November 2007
Rezension bezieht sich auf: On Air (Audio CD)
Nach der langen Reihe von Soap-Stars, die eher bemüht als inspiriert ins Musikbusiness eingestiegen sind ist es schwer, unvoreingenommen zu sein, doch selbst, wenn man die Vorgeschichte dieses jungen Herren ignoriert bleibt nur ein bunter Gemischtwarenladen ohne Ziel und Perspektive.

Mehr als seine eigene Identität hört man die Vorbilder. Das Intro ist 100% Justin, "Stop Right Now" und "Hey" käuen gradlinigen Kneipenrock wieder, und erinnern zu sehr an "Fury In The Slaughterhouse", und "Reason" ist eine klassische Backstreet Boys-Ballade.
Sogar, wenn er Klavier und Geigen auffährt, wie bei "Look On Her Face", kommt statt Intimität gepflegte Langweile auf und man wünscht sich Ronan Keating herbei - der hat wenigestens eine prägnante Stimme.

Das es besser geht zeigt das bittersüße "Borderline", wo er an Sean Lennon erinnert.

Die Texte sind aus der großen Phrasenmaschine gepresst und die Produktion ist um "Echtheit" bemüht, gleitet aber zu häufig in gefälligen Radiopop ab und klingt über weite Strecken wie zu dünner Kaffee.

Das alles taugt sicher als Beschallung von Teenie-Kinderzimmern und als Hintergrund für Fernsehserien - für Musikliebhaber ist es ein Haufen von Deja-Vus, nur das leider die Vorbilder schon dröge und glattgeföhnt sind.
Beim nächsten Mal vielleicht etwas weniger Kalkül und etwas mehr Innovation und echte Gefühle.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2014 11:42 PM MEST


Real Thing:Words & Sound Vol.3
Real Thing:Words & Sound Vol.3
Preis: EUR 20,19

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein weiterer Hoffnungsschimmer für "schwarze" Musik, 2. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Real Thing:Words & Sound Vol.3 (Audio CD)
Jahre, nachdem Eryka Badu und Lauryn Hill aufgebrochen sind, um R&B mit neuen Impulsen zu versorgen, konnte man den Eindruck gewinnen, mit dem Schwarm der Rihannas, Hilarys, Ameries und Beyonces wäre dieser Zweig der schwarzen Musik auf einem kreativen Tiefpunkt angelangt und hätte den zentralen Antrieb verloren: die Seele.
Vielleicht sind es Künstler wie Amy Winehouse, die diese ursprüngliche Kraft wieder in Erinnerung rufen, denn plötzlich hört man Musiker, die sich von den Schablonen der Charts entfernen.
Eine von ihnen ist Jill Scott, die mit "Vol. 3" ihre Trilogie abschliesst. Wieder verarbeitet sie auf sehr persönliche Art das Thema Beziehungen mit all seinen Wirrungen.

Wie auf den Vorgängern zelebriert sie eine delikate Mischung aus luxuriösen Midtemposongs über modernen Beats. Selten wird sie dabei so kraftvoll und fordernd wie im Intro - die meisten Songs schmeicheln sich mit knisternder Sanftheit ins Ohr.
Musikalisch schlägt sie weite Bögen in die besten Zeiten des R&B: reduziert und federnd wie in den Neunzigern (Crown Royal), sämig und schimmernd wie in den Achtzigern (Come See Me) oder soulful wie in den Siebzigern (Ow It Makes You Feel). Mit ihrem facettenreichen Timbre, dass eher aus dem Gospelchor als aus der Chartfabrik zu stammen scheint, hält sie die Songs zusammen.
Höhepunkte sind das zwingende "Ephiphany", dass ein wenig an Ursula Rucker erinnert, der intime "Celibacy Blues" und das schwebende "Breathe".

Einziger Kritikpunkt bleibt die etwas eintönige Stimmung der Songs. Hier hätten einige verschwitzte Stücke mehr Abwechslung gebracht. Dazu ist einiges zu plüschig auf Wohlklang getrimmt (z.B. "Insomnia", "All I").

Trotzdem ist das Album ein Hoffnungsschimmer für den festgefahrenen Karren R&B. Noch einen Hauch mehr Mut zu Avantgarde und rohen Gefühlen, dazu eine rauhere Produktion, und diese Frau könnte helfen, das Genre zu befreien.


Divinidylle
Divinidylle
Preis: EUR 12,26

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr französisch - bittersüßes Album der ewigen Lolita, 31. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Divinidylle (Audio CD)
Als Frau an Johnny Depps Seite bekommt man Aufmerksamkeit - zwangsläufig. So scheint auch bei ihrem neuen Album die bemerkenswerte Information zu sein, dass ihr Lebensgefährte das Cover gemalt hat.
Darüber hinaus hat sie ausserhalb Frankreichs kaum Spuren hinterlassen - von "Joe Le Taxi" und Parfumwerbung abgesehen.

Dabei verbirgt sich hinter dem etwas angestrengten Wortspiel "Divinidyll" ein angenehmes Album, dass im wesentlichen den Stil von "Bliss" fortsetzt, ohne dessen ungeschliffene Kraft und Poesie zu erreichen.
Wieder erzeugt ihre Melange aus Chanson und Indiegeschrammel diese spezielle französische Atmosphäre, die in den letzten Jahren mit "Nouvelle Vaugue" und "Benjamin Biolay" wieder so schick geworden ist.

Dabei startet sie mit "Divine idylle" auf dem falschen Fuß - dünnflüssiger Pop-Singsang mit billigen Achtzigersynthies. Spätestens mit "Les Piles" findet sie dann ihren Platz zwischen entspanntem Sechtziger-Rock und erinnert fast ein wenig an Loud Reed, und auch "Dés que j'te vois" und "L'incendie" haben den Charme eines verschlafenen Morgens. In den ruhigen Stücken wie "Junior Suite" wird sie überraschend intim und erinnert in "Le revenants" sogar an die minimalistische Coolness von Carla Bruni.

Ihre Stimme ist gleichzeitig Kapital und Hindernis. Einerseits hat sie auch mit 34 noch dieses unverwechselbar, etwas verschlafene Lolita-Timbre, andererseits ist ihre Stimme wenig wandlungsfähig und zeigt weniger Wucht und emotionale Tiefe, als die zum Teil rauen Arrangements eigentlich bräuchten.

Das Album atmet die Beiläufigkeit einer Künstlerin, für die Musik ein Luxushobby ist. Das ist nicht für die Ewigkeit, reicht aber für einige kostbare Momente - und das ist doch schon was ...


Blackout
Blackout
Preis: EUR 5,49

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Achtung, Britney greift von hinten an, 29. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Blackout (Audio CD)
Es fällt schwer, das Album von Britney zu hören, ohne an die vielen Entgleisungen zu denken, die ihre Karriere überlagern. Sogar die unbestreitbare Qualität der ersten Single "Gimme More" war hinter dem katastrophalen Auftritt kaum auszumachen.
Nun ist das Album auf dem Markt und selbst die hämischsten Kritiker werden für einen Moment verstummen - hört man doch wieder das unbestreitbare Talent der Sängerin, die besten Songwriter und Produzenten einzukaufen.
Besser als viele andere Künstlerin schafft sie es, scheinbar unverzichtbare Achtzigerzitate mit einem Hightechappeal zu vermählen, der ein wenig an Missy Elliott erinnert, und schält sich aus ihrem Püppchen-Image. Dass dabei nicht jeder Song zündet und die dünnen Synthies inzwischen ein wenig überstrapaziert sind lässt sich verschmerzen.
Schon nach dem schwer groovenden Opener geht sie in "Piece Of Me" über einem metallischen Beat überraschend offen mit ihren Problemen um, und "Heaven On Earth" erinnert ein wenig an Blondie.
Dazwischen sind auch einige Songs ohne richtige Songidee, z.B. "Radar", oder das arg überspannte "Toy Soldier". Von den früher obligatorischen Zuckerballaden gibt es zum Glück keine, trotzdem hätte man dem Album etwas mehr Bandbreite in den Stimmungen gewünscht. Hintereinander weg klingt vieles zu ähnlich.

Höhepunkt des Albums sind das entspannt fließende "Why Should I Be Sad", das aufgeheizte "Perfect Lover" und das verdrehte "Hot As Ice".

Die Produktion folgt der neuen Ästhetik und setzt statt dem geschmeidigen Luxussound der Neunziger auf betont billigen New-Wave-Sound mit bratzigen Analogsynthies und drahtigen Beats, verfängt sich aber zu oft in Videospiel-Gefiepse und übertriebenen Stimmverfremdungen.

Insgesamt fehlt dem Album die konsequente Wucht von "In the Zone", aber dieses Album zeigt, dass Britney Spears viele Leben hat und vermutlich noch die eine oder andere Überraschung bereit hält.


S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl
S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl
Wird angeboten von ToBi`s Computer (DER LADEN MIT DEN FAIREN PREISEN!)
Preis: EUR 5,39

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Originelles Szenario verschenkt viele seiner Möglichkeiten, 27. Oktober 2007
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Das Problem mit den heutigen Spielen ist, dass sie jahrelang in der Entwicklung sind. Zeit für einschlägige Magazine, ausgiebig und in höchsten Tönen von den unglaublichen Features der zukünftigen Überhämmer zu schwärmen. Leider erfüllen die Spiele ihre Erwartungen häufig nicht, und vieles stellt sich als Marketing heraus. So wie bei Stalker.
War zunächst die Rede von einer völlig freien lebendigen Spielwelt, einer rollenspielartigen Charakterentwicklung und eigenständig agierenden NPCs, so ist am Ende ein sehr guter, atmosphärisch dichter aber ziemlich konventioneller Shooter entstanden.

Zunächst begeistert jedoch das originelle Setting aus den gleichnamigen Romanen. Statt Weltkriegsgeböller oder Alien-Invasionen ist das Problem hier selbstgemacht - die Kernschmelze in Tschernobyl. Auf dem Weg zum Kern der Katastrophe erlebt der Spieler eine Vielzahl von Situationen, löst Aufträge und erforscht die karge Landschaft.

Die Graphik überrascht mit einer realistischen Darstellung des Verfalls - Rost und verrotetes Holz gelingen sehr gut, und bleibt durch abwechslungsreiche Schauplätze interessant. Im Gegensatz dazu wirken Menschen etwas eckig und ungelenk. Trotz des Detailreichtums und der zum Teil großen Areale bleibt das Spiel sogar auf mittelschnellen Rechner
spielbar.

Die freie Spielwelt ist ein nur zum Teil eingelöstes Versprechen. Die Außenareale sind zum Teil abrupt durch Zäune begrenzt, oder man läuft gegen unsichtbare Wände, und die als eigenständig angekündigten Gegner agieren zum größtenteil schematisch und geskriptet. Auch wenn die Geschichte spannend fortgeführt wird, sind viele Aufträge nach dem Schema "Gehe zu Punkt A, beseitige die Gegner und hole Person oder Gegenstand B". Auch der eigene Charakter bleibt eher undeutlich und trägt wenig zur Identifikation bei.
Der Schwierigkeitsgrad liegt generell ziemlich hoch. Die Waffen sind äußerst realistisch und die Gegner agieren im Kampf sehr dynamisch, weichen aus und gehen in Deckung.

Leider hatte das Spiel zu Beginn einige Probleme mit Bugs, die erst nach mehreren Patches behoben waren.

Stalker überrascht durch viele Ideen und ein mutiges Setting abseits des Gewohnten. Leider wurde zuviel von einem freien und individuellen Spielerlebnis a la "GTA" versprochen, und hier haben sich die Entwickler übernommen. Trotz der jahrelangen Entwicklungszeit wirkt das Spiel nicht ganz bis zu Ende gedacht, und viel von dem Potential verpufft.

Es bleibt ein sehr guter, aber hinter der Oberfläche ziemlich undifferenzierter Shooter mit mehr Geballer als Grips.


Cover Me
Cover Me
Wird angeboten von la-era
Preis: EUR 12,99

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nena sucht nach musikalischem Profil, 18. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Cover Me (Audio CD)
Seltsam, wie konsequent sich Nena um neues Material drückt. Vielleicht, weil ihr Frauenzeitschriftspop in den Neunzigern nicht sehr erfolgreich war. Zum Glück verkauften sich die Remakes ihrer alten Hits wie geschnitten Brot.
Nun hat sie gemacht, was Alle machen- ein Coveralbum mit Songs, die ihr "etwas bedeuten". Damit das nicht zu sehr Kraut und Rüben wird, wurde alles in den typischen Nena-Stil gegossen. Trotzdem irrt sie auf der Suche nach eigenem musikalischen Profil zwischen den Klassikern umher, die ihr überwiegend zu groß sind.
Die Songauswahl ist vorhersehbar. Etwas Bowie, einige Klassiker von Dylan, Neil Young und Joni Mitchell, dazu etwas Deutschrock/Pop.

Die Produktion springt ohne erkennbares Konzept zwischen glattem Stadionrock, Weichspülerpop und angedunkeltem Elektropop herum.
Leider sind die Arrangements trotz der scheinbaren Vielfalt größtenteils austauschbar und wenig wagemutig, und bei einigen Stücken ("Ich werde dich lieben, "Children Of The Revolution" "Sexy Boy") ist ihr Anspruch größer als ihr Können, und die Stücke verkommen zur Parodie.
Stimmlich kann sie nur die ruhigeren Stücke tragen - zu eintönig und nölig ist ihr Kindertimbre. So verlieren vor allem die rockigen Stücke viel von ihrer Kraft.
Auch die Texte bereiten ihr Schwierigkeiten. Die eingedeutschten Lyrics klingen ungelenk, und bei den englischen Texten stört ihre schlechte Aussprache.

Trotzdem gelingt ihr einiges ganz gut. "Eiszeit" behält die Borstigkeit des Originals, "Ein Lied" hat eine beherrschte Energie, und ihr "Starman" hat glamouröse Power.

Wieder zeigen sich die Klippen eines Coveralbums. Verlässt man sich auf Songs, die es bereits zum Klassiker geschafft haben, kommt der Interpretation umso mehr Gewicht zu. Hier scheitert Nena sowohl stimmlich, als auch bei der einfallslosen Songauswahl.
Am Ende packt einen ein Impuls, der nicht im Sinne der Künstlerin sein wird: die Originale zu hören, an die keine der Neuinterpretationen heran reicht.


In Our Nature
In Our Nature
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 15,06

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eindringlicher Folk zum wegdriften, 17. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: In Our Nature (Audio CD)
Vielleicht ist es eine trotzige Reaktion auf die gelackten Produktionen in den Charts, dass der Folk zurück ist, oder es ist seine zeitlose Gültigkeit.
Auch Jose Gonzales braucht nicht viel für seine dichten Klangbilder, und es erstaunt, welche Bandbreite von Stimmungen er mit so wenig Mitteln erzielt. Dabei klingt er weder so schokoladenpuddingglücklich wie Jack Johnson, noch so gefühlsbeladen wie Damien Rice.
Das mag auch an seinem größten Kapital, seiner Stimme, liegen. Geradeheraus, wehmütig, und aus tausenden heraus zu erkennen, hat er beispielsweise die letzte CD von "Zero 7" veredelt.
Auch auf diesem Album beglückt er mit seinen schnörkellosen Stücken, bis auf "Cycling Trivialities" sämtlich um die drei Minuten kurz. Ein besonderer Reiz entsteht aus dem weichen Timbre der Stimme, das keine harten Konsonanten zu kennen scheint, und dem kantigen, rhythmusbetonten Gitarrenspiel, dass ein wenig an Joni Mitchell erinnert.
Kritiker mögen mäkeln, diese Musik hätte sich seit den Sechzigern kaum weiterentwickelt hat und dass der Künstler im wesentlichen die Stilmittel des Vorgängers "Veneers" fortführt, und doch tragen die eindringlichen Songs den Hörer fort.
Zwischen dem zart gezupften "How Low" und dem drängenden "Killing For Love" entfaltet er seine Vielseitigkeit. Wo nötig, wird der Sound mit Schlaginstrumenten oder zweiten Stimmen ein wenig verstärkt. Sogar das Cover von "Teardrops" fügt sich nahtlos in seinen Klangkosmos.

Die Produktion tut alles, um möglichst "unproduziert" zu klingen. Leider sind die Gitarren zum Teil sehr dominant abgemischt, wodurch die Stimme manchmal zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird.

Das man beim Hören an "Simon And Garfunkel", "Kings Of Convenience" und sogar "Joao Gilberto" erinnert wird sei ausdrücklich als Kompliment verstanden. Wie sie zeigt auch Gonzales, wie viel Kraft in der Ruhe liegen kann.


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