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LaFlamande

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Meine schwarze Seele
Meine schwarze Seele
von Nina Simone
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen tragische Figur, 10. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Meine schwarze Seele (Broschiert)
Noch heute, lange nach ihrem Tod, wünscht man sich als Fan und Leserin, man könnte Nina Simone erreichen und ihr ihre Verbitterung nehmen. So eine Ausnahmemusikerin mit so viel Seele und dieser unvergleichlichen Stimme, mit so viel Anerkennung auf der ganzen Welt - und doch ist sie über eine riesengroße Kränkung in ihrer Kindheit nie hinweggekommen. Das hat sie ihr Leben lang behindert, glücklich zu werden, scheint mir. Das ist schon traurig.
Es ist nicht schwer zu glauben, dass Nina Simone an einer bipolaren Störung gelitten haben muss: Einerseits war sie wahnsinnig stolz und überheblich, verächtlich gegenüber ihrem Publikum, aussschweifend und exaltiert, dann wieder selbstmitleidig, suizidal, und jegliche Verantwortung abgebend.
Rührend sind die Kapitel über Simones Kindheit, ihr Verhältnis zu ihrem Vater (wenn auch sehr schöngeschrieben), die Förderung ihres Klavierunterrichts bis zur Ablehnung am Curtis Institut für eine klassische Klavierausbildung. Simone wollte die erste schwarze Konzertpianistin Amerikas werden, das war ihr großer Traum. Ob sie tatsächlich aus rassistischen Gründen abgelehnt wurde oder doch einfach andere Bewerber noch besser waren, sei dahingestellt. Jedenfalls hat sie diese Kränkung nie verwunden. Ihr späterer Erfolg war ihr kein Trost, sie beschreibt ihre Musik als ewig zweitklassig (!) und verachtet das Publikum, das so sehr auf ihren Gesang und Unterhaltung fixiert sei und ihr Klavierspiel überhaupt nicht zu schätzen wisse. Sie betritt die Bühne stets ernsthaft und stoisch wie eine Konzertpianistin und erwartet von den Zuhörern, egal in welcher Spelunke, absolute Ruhe.
Dieser Faden, dass ihr Publikum, ihre Partner, Plattenlabel etc. gar nicht gewusst hätten, mit wem sie es eigentlich zu tun haben, zieht sich durch. Die Plattenindustrie habe sie nur ausgebeutet. Das stimmt mit Sicherheit. Aber Nina Simone hat auch ihr Teil dazu beigetragen, indem sie ungelesen alles unterschrieben, blind ihrem Mann und Manager vertraut und sich nie darum gekümmert hat, Belege für die Steuer zusammenzuhalten. Auch ihr Besitz, ihr Flügel, ihr Hausstand, scheint mit den Jahren auseinanderzufliegen und in der ganzen Welt verstreut. Sie scheint einfach in praktsichen Dingen nicht sehr patent und nachlässig, wenn nicht gar fahrlässig gewesen zu sein. Vor diesem Hintergrund sind ihre ständigen Schuldzuweisungen und ihr Selbstmitleid schon auch etwas nervig.

In ihren Depressionen und ihrer Einsamkeit hat die schwarze Bürgerrechtsbewegung und ihr Anteil daran Nina Simone starken Auftrieb gegeben. Das ist, was ihrem Leben ihrer Aussage nach wieder Sinn verlieh, auch wenn sie aufgrund ihrer ständigen Reisen nicht so stark die Gemeinschaft erleben konnte wie andere Vertreter. Auch dieses Bedauern schien mir ein wenig übertrieben. Später hat Nina Simone viele Jahre in Liberia verbracht und auch dort ein ausschweifendes Leben geführt.

Es sind doch einige Aspekte dieser Biographie etwas unrund und nicht ganz ehrlich. So schreibt sie nichts von den andauernden Misshandlungen durch ihren Ehemann, von ihrer Diagnose oder bspw. über ihre Tochter, die die meiste Zeit von Fremden betreut wurde. Sie schreibt immer nur aus ihrer Sicht und sehr allgemein, wie sehr sie unter der Trennung gelitten habe, was das aber mit ihrer Tochter angerichtet hat, lässt sie außen vor. Die Männergeschichten, auf die sich Simone in Liberia eingelassen hat, sind märchenhaft, ja teilweise vollkommen lachhaft, dass sie tatsächlich geglaubt hat, daraus könne etwas Ernstes entstehen, da kommt man als Leser nicht mehr hinterher. Oder es zeigt vielmehr einfach, wie verwirrt und einsam Nina Simone wirklich war. Gefangen in dem Gedanken, man erkenne nicht ihr wahres Talent, man tue ihr Unrecht und sie sei ein Opfer von Rassismus und Ignoranz. Selbst von der Bürgerrechtsbewegung fühlt sie sich verraten, als deren Ziele moderater werden, und sieht keinen Sinn mehr darin, sich zu engagieren. Als ob die Aktivisten freiwillig aufgegeben hätten! Sie bezieht das Ganze nur auf sich und ihren ganz persönlichen Kampf gegen das weiße Establishment. Gesamtgesellschaftlich hat sie sich nicht großartig geschert, etwas zu bewegen, scheint mir, trotz der großartigen, wütenden Protestsongs, die sie verfasst hat.
Angesichts dieser verbrämten Vorstellungen gab es sicher wohlwollende Zeitgenossen, die sie gern mal am Kragen genommen und diese Flausen aus ihr herausgeschüttelt hätten, aber das ist eben das Tragische: Sie wollte gar nicht heraus aus dieser Opferrolle. Wirklich traurig.


Meine schwarze Seele - Erinnerungen
Meine schwarze Seele - Erinnerungen
von Nina Simone
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen tragische Figur, 10. Februar 2016
Noch heute, lange nach ihrem Tod, wünscht man sich als Fan und Leserin, man könnte Nina Simone erreichen und ihr ihre Verbitterung nehmen. So eine Ausnahmemusikerin mit so viel Seele und dieser unvergleichlichen Stimme, mit so viel Anerkennung auf der ganzen Welt - und doch ist sie über eine riesengroße Kränkung in ihrer Kindheit nie hinweggekommen. Das hat sie ihr Leben lang behindert, glücklich zu werden, scheint mir. Das ist schon traurig.
Es ist nicht schwer zu glauben, dass Nina Simone an einer bipolaren Störung gelitten haben muss: Einerseits war sie wahnsinnig stolz und überheblich, verächtlich gegenüber ihrem Publikum, aussschweifend und exaltiert, dann wieder selbstmitleidig, suizidal, und jegliche Verantwortung abgebend.
Rührend sind die Kapitel über Simones Kindheit, ihr Verhältnis zu ihrem Vater (wenn auch sehr schöngeschrieben), die Förderung ihres Klavierunterrichts bis zur Ablehnung am Curtis Institut für eine klassische Klavierausbildung. Simone wollte die erste schwarze Konzertpianistin Amerikas werden, das war ihr großer Traum. Ob sie tatsächlich aus rassistischen Gründen abgelehnt wurde oder doch einfach andere Bewerber noch besser waren, sei dahingestellt. Jedenfalls hat sie diese Kränkung nie verwunden. Ihr späterer Erfolg war ihr kein Trost, sie beschreibt ihre Musik als ewig zweitklassig (!) und verachtet das Publikum, das so sehr auf ihren Gesang und Unterhaltung fixiert sei und ihr Klavierspiel überhaupt nicht zu schätzen wisse. Sie betritt die Bühne stets ernsthaft und stoisch wie eine Konzertpianistin und erwartet von den Zuhörern, egal in welcher Spelunke, absolute Ruhe.
Dieser Faden, dass ihr Publikum, ihre Partner, Plattenlabel etc. gar nicht gewusst hätten, mit wem sie es eigentlich zu tun haben, zieht sich durch. Die Plattenindustrie habe sie nur ausgebeutet. Das stimmt mit Sicherheit. Aber Nina Simone hat auch ihr Teil dazu beigetragen, indem sie ungelesen alles unterschrieben, blind ihrem Mann und Manager vertraut und sich nie darum gekümmert hat, Belege für die Steuer zusammenzuhalten. Auch ihr Besitz, ihr Flügel, ihr Hausstand, scheint mit den Jahren auseinanderzufliegen und in der ganzen Welt verstreut. Sie scheint einfach in praktsichen Dingen nicht sehr patent und nachlässig, wenn nicht gar fahrlässig gewesen zu sein. Vor diesem Hintergrund sind ihre ständigen Schuldzuweisungen und ihr Selbstmitleid schon auch etwas nervig.

In ihren Depressionen und ihrer Einsamkeit hat die schwarze Bürgerrechtsbewegung und ihr Anteil daran Nina Simone starken Auftrieb gegeben. Das ist, was ihrem Leben ihrer Aussage nach wieder Sinn verlieh, auch wenn sie aufgrund ihrer ständigen Reisen nicht so stark die Gemeinschaft erleben konnte wie andere Vertreter. Auch dieses Bedauern schien mir ein wenig übertrieben. Später hat Nina Simone viele Jahre in Liberia verbracht und auch dort ein ausschweifendes Leben geführt.

Es sind doch einige Aspekte dieser Biographie etwas unrund und nicht ganz ehrlich. So schreibt sie nichts von den andauernden Misshandlungen durch ihren Ehemann, von ihrer Diagnose oder bspw. über ihre Tochter, die die meiste Zeit von Fremden betreut wurde. Sie schreibt immer nur aus ihrer Sicht und sehr allgemein, wie sehr sie unter der Trennung gelitten habe, was das aber mit ihrer Tochter angerichtet hat, lässt sie außen vor. Die Männergeschichten, auf die sich Simone in Liberia eingelassen hat, sind märchenhaft, ja teilweise vollkommen lachhaft, dass sie tatsächlich geglaubt hat, daraus könne etwas Ernstes entstehen, da kommt man als Leser nicht mehr hinterher. Oder es zeigt vielmehr einfach, wie verwirrt und einsam Nina Simone wirklich war. Gefangen in dem Gedanken, man erkenne nicht ihr wahres Talent, man tue ihr Unrecht und sie sei ein Opfer von Rassismus und Ignoranz. Selbst von der Bürgerrechtsbewegung fühlt sie sich verraten, als deren Ziele moderater werden, und sieht keinen Sinn mehr darin, sich zu engagieren. Als ob die Aktivisten freiwillig aufgegeben hätten! Sie bezieht das Ganze nur auf sich und ihren ganz persönlichen Kampf gegen das weiße Establishment. Gesamtgesellschaftlich hat sie sich nicht großartig geschert, etwas zu bewegen, scheint mir, trotz der großartigen, wütenden Protestsongs, die sie verfasst hat.
Angesichts dieser verbrämten Vorstellungen gab es sicher wohlwollende Zeitgenossen, die sie gern mal am Kragen genommen und diese Flausen aus ihr herausgeschüttelt hätten, aber das ist eben das Tragische: Sie wollte gar nicht heraus aus dieser Opferrolle. Wirklich traurig.


Just Kids: Die Geschichte einer Freundschaft
Just Kids: Die Geschichte einer Freundschaft
von Patti Smith
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Walking Women's Lib?!, 10. Februar 2016
Patti Smith beschreibt ihre Ankunft in New York und ihre Anfänge als Künstlerin, vor allem aber ihre Liebe und Freundschaft zu Robert Mapplethorpe. Es ist wahnsinnig interessant, wie Smith in ihre Kindheit eintaucht, wie sie den Zeitgeist eingefangen hat, wie man sich die Stimmung in alternativen Künstlerkreisen in New York Ende der 1960er/Anfang der 1970er vorzustellen hat. Die Episode über ihre Zeit im Chelsea-Hotel ist großartig und eindrücklich und gespickt mit Namen der bekanntesten Musiker, Literaten und Maler.

Am berührendsten ist jedoch, wie sie ihre Freundschaft zu Mapplethorpe beschreibt. Da haben sich zwei gefunden, sich gegenseitig erkannt, ohne Einschränkung akzeptiert und einander beflügelt. Robert Mapplethorpe brauchte lange Jahre, um seine Homosexualität zu entdecken und dazu zu stehen; er hat radikale und pornographische Kunst gemacht, die Patti Smith nicht immer verstand und die sie verstört hat, aber sie hat ihn da durch begleitet und ihn immer genommen, wie er war. Das finde ich eigentlich das Bewundernswerteste an dieser Frau: Man liest in dem ganzen Text nie, wie sie Jemanden verurteilt, sie scheint mir die toleranteste Person, von der ich jemals gehört habe. Dazu sind ihr materielle Dinge vollkommen egal. Beides habe ich ihr geglaubt, und es hat mir unheimlich imponiert.

Es ist aber auch eine Gratwanderung: Ihre Toleranz hat gleichzeitig etwas extrem Naives, wenn es bspw. um ihren Umgang mit ihrer eigenen Obdachlosigkeit, der Drogenkultur um sie herum, ihren Depressionen, verbreiteteter Polygamie und Geschlechtskrankheiten geht. Während ihrer Beziehung hat sie zugelassen, dass Mapplethorpe anschaffen ging. Dass sie "einfach nur Kinder" gewesen seien, ist irgendwie rührend, aber doch mit Anfang 20 nicht mehr ganz zutreffend. Ich bin ehrlich verwundert, wie unkritisch und unengagiert sich Patti Smith hier beschreibt. Ich hatte gedacht, sie sei viel politischer und emanzipierter. Statt dessen hat sie in ihren frühen Jahren ihr eigenes Licht ziemlich unter den Scheffel gestellt, ihre jeweiligen Freunde ausgehlaten und deren Bedürfnisse stets wichtiger genommen als ihre eigenen, und sie schreibt auch nichts von einer Beschäftigung mit Fragen ihrer Zeit, die unbedingt aus ihr herausmussten. Dass sie dennoch als "Frauenbefreiung auf Beinen" (s. Titel meiner Rezension) bezeichnet wurde, ist also scheinbar eher eine Vereinnahmung Patti Smith's durch die Frauenbewegung, die gern gehabt hätte, dass sie das Banner für sie schwingt.
Patti Smith lässt sich aber nicht derart etikettieren. Sie ist einfach total frei in ihrem Denken und schert sich radikal einen Kehricht, was Andere von ihr halten.
Literarisch hat die Biographie Höhen und Tiefen. Die zweite Hälfte ist ganz klar weniger inspiriert, erratischer und mit großen zeitlichen Sprüngen. Leider muss ich sagen, dass man eigentlich keine Biographie, ja wahrscheinlich überhaupt nicht schreiben kann/sollte, wenn man nicht bereit ist, die Hosen ganz herunter zu lassen. Der Leser merkt einfach, wenn Wichtiges verschwiegen oder Dinge zurechtgebogen werden. Dieses Gefühl hatte ich hier.
Trotz aller Einwände haben mich die Geschichte dieser Freundschaft und die junge Frau Patti Smith sehr berührt und ich finde die Biographie auf jeden Fall lesenswert. Man muss kein Fan sein, auch gar nichts über Patti Smith wissen, um dieses Buch zu verstehen, aber natürlich ist man hinterher umso neugieriger, mehr über sie und vor allem ihre Texte zu erfahren. Und über Arthur Rimbaud, ihren persönlichen Helden.


Vor ihren Augen sahen sie Gott. Roman (edition fünf)
Vor ihren Augen sahen sie Gott. Roman (edition fünf)
von Zora Neale Hurston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen The Pursuit of Happiness, 28. Januar 2016
Nach einer Art Erweckungserlebnis als 16-Jährige unter dem blühenden Birnbaum weiß Janie, was sie im Leben sucht: Sie träumt von der Liebe und vom Glück, davon, dass sie funkeln darf in einer pulsierenden Welt. Ein kühner Gedanke als schwarze Frau in ihrer realen Welt aus Unterdrückung und Armut. Um frühe Schwangerschaft und Sitzengelassenwerden zu verhindern, verkuppelt ihre wohlmeinende Großmutter Janie mit Mr. Killicks, der zwar nicht bösartig ist, den Janie aber niemals lieben kann. Sie flieht in eine neue Ehe mit dem ehrgeizigen Joe, der in der schwarzen Gemeinde von Eatonville politisch viel bewegt, Bürgermeister wird, und von Janie ausschließlich Gehorsam und standesgemäßes Verhalten verlangt. Wieder wird sie als Person gar nicht gesehen und fühlt sich in diesem Leben fehl am Platz. Die Ehe nimmt eine Wendung, als Janie anfängt, ihrem Mann zu widersprechen. Ihre Selbstermächtigung ist ihm unheimlich. Über den weiteren Verlauf der Ehe will ich nicht zu viel verraten.
Schließlich folgt Janie dem viel jüngeren Tea Cake, eine Liebe, die man tatsächlich nicht immer versteht, die aber echt ist. Ein Leben in den Everglades beginnt, wo beide eine äußerst einfache Existenz als Bohnenpflücker führen. Ihre Hütte ist jedoch das Zentrum des Geschehens dort, mit vielen Gästen, gemeinsamem Kochen, Musik, Spielen. Ein Hurrikan zerstört die Idylle und Janie kehrt nur mit ihrer Latzhose und ihren Erinnerungen am Leib zurück in ihr Haus nach Eatonville. Sie ist nicht verbittert, weil sie weiß, dass sie das Richtige getan und sich selbst gefunden hat. Janies Rückkehr bildet die Rahmenhandlung zu ihrer Erzählung.

Hurstons Sprache ist überaus poetisch, die Dialoge authentischer Slang der einfachen Schwarzen in ihrer Gemeinde, mit herausragendem Sprachgefühl ins Deutsche übertragen. Als wichtiger Vertreterin der Harlem Renaissance haben ihr Manche vorgeworfen, sie befasse sich zu wenig mit dem Emanzipationskampf der Schwarzen. Dabei ist sie den Anliegen der Schwarzen zu ihrer Zeit überhaupt nicht entfremdet, sondern im Gegenteil, ganz nah dran, das wird schon auf den ersten Seiten deutlich:
"Es war die Zeit, wo man zuhört und sich erzählt. Die da saßen, waren den lieben, langen Tag zungenlose, augenlose, ohrenlose Nutzgegenstände gewesen. Mulis und anderes Viehzeug hatte in ihren Bälgen gesteckt. Jetzt aber war die Sonne fort und der bossman mit, und die Bälge fühlten sich stark und als Menschen. Sie wurden stimmgewaltig wie sonst was."

In dieser Geschichte ist das aber eben nur das Setting, und das Wichtigste Hurstons ureigene Agenda: ihre Selbstverwirklichung als Frau.


Das größere Wunder: Roman (dtv Literatur)
Das größere Wunder: Roman (dtv Literatur)
von Thomas Glavinic
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen enttäuschende Kletterpartie, 26. Januar 2016
Ich bin ganz fassungslos über den Erfolg dieses überaus schwachen und dabei so hochgelobten Romans. Gut, man muss sich auf das Genre einlassen: Es ist ein Märchen. Ich war darauf nicht vorbereitet und kam daher mit all diesen magischen Zufällen nicht klar: Jonas wird durch Adoption aus unglückseliger Kindheit errettet und in ein Leben voller Freiheit, Förderung, Inspiration und vor allem: ohne Geldsorgen erhoben. Darüber hinaus ist er einfach ein Wunderkind, das alle Sprachen spricht, alle körperlichen Herausforderungen meistert, telepathische Kräfte hat... Geschenkt, nehmen wir das mal so hin.
Glavinic's Grundgedanke: Was würde Einer machen, dem sich eine solche Chance im Leben böte? Die Antwort: Jonas reist nach Mailand, nach Südamerika, nach Japan und zurück, an einem Tag, die Woche darauf wieder, so viel ist noch keiner in einem Roman ohne Ergebnis gereist, und es sind bloße Aufzählungen, das nervt.
Jonas' Rastlosigkeit und die Erzählung seiner Irrfahrten wird kontrastiert mit Kapiteln über seinen Aufstieg auf dem Mount Everest. Die Einblicke in das längst professionelle Business des Bergsteigens selbst in diesen extremen Höhen ist noch das Spannendste an dem Roman. Aber dann lese ich doch lieber ein Sachbuch.
Und dann dachte ich: Das sollte doch ein Liebesroman sein? Die Liebesgeschichte spielt aber eigentlich eine sehr untergeordnete Rolle. Es ist ein Zerwürfnis, das Jonas auf den Berg und in die Todeszone treibt - eine ziemlich radikale Maßnahme, wo man doch die Gründe für das Zerwürfnis kaum nachvollziehen konnte. Naja, das Ende will ich nicht verraten, aber ich finde es eine Frechheit, wie ein so schwach konstruierter, auch so schlecht geschriebener Roman so gehypt werden darf.


Der größere Teil der Welt
Der größere Teil der Welt
von Jennifer Egan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

3.0 von 5 Sternen Marcel Proust auf der dunklen Seite des Mondes, 25. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jennifer Eagan beschreibt in 13 Kapiteln mit jeweils eigenem Stil, eigener Stimmung und eigenen Protagonisten, die jedoch alle etwas miteinander zu tun haben, bestimmte Stationen in deren Leben. Dabei springt sie in der Zeit ungefähr zwischen dem Ende der 1960er und dem Jahr 2020. Sie selbst vergleicht ihre Kapitel mit den einzelnen Stücken eines Konzeptalbums, die, so verschieden sie auch sind, ein Gesamtkunstwerk ergeben.
Wenn wir überhaupt von Hauptfiguren sprechen möchten, so wären dies der Musikproduzent Bennie Salazaar und seine zeitweilige Assistentin Sasha. Weitere Personen sind Musiker, Freunde aus der Jugendzeit, Frauen und Exfreunde/Innen, PR-Strateginnen und schließlich die nächste Generation, die Kinder dieser Personen. Die wichtigste Rolle neben diesen Figuren spielen die Zeit und die Musik.
Der Roman veranschaulicht, wie bestimmte Menschen sich ein Leben lang in neuen Konstellationen zusammenfinden können, wie Pausen entstehen, in denen der Eine abgehängt wird, während ein Anderer sich weiterentwickelt, und wie unterschiedlich diese Konstellationen und Synkopen vom Einzelnen erlebt werden. Zeiten ändern sich, werdeb immer schnelllebiger, und auch hier schafft der Eine es, mit dem Zeitgeist zu gehen, während der Andere irgendwann nur noch hinterherhinkt und sich fragt, wann das passiert ist, wann er/sie den Anschluss verloren hat. Bei Jedem hinterlässt die Zeit andere Spuren. Jennifer Egan präsentiert diese Ideen originell und hält souverän die Fäden in der Hand, während der Leser manchmal versucht ist, ein Schaubild anzulegen, um den Überblick zu behalten.
Mich persönlich hat der Roman als Thesenroman schon sehr angesprochen, aber die einzelnen Kapitel habe ich doch sehr unterschiedlich genossen. Viele Kapitel fand ich deprimierend und nichtssagend (3-6), andere dagegen eindringlich und anrührend (7,8,11,13). Nur ist es eben ein Roman und die Kapitel schwer unabhängig voneinander lesbar.
Am besten hat mir die Episode mit Dolly und dem Diktator gefallen, da ich sie am vielschichtigsten fand: unmoralisch und verdorben, dabei ironisch und beißend, das menschliche Verhalten in ihr zugleich abstoßend und anrührend.
Insgesamt hat mir der Roman aber doch zu wenig Substanz, von daher nur drei Punkte.


Feuer brennt nicht: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Feuer brennt nicht: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Ralf Rothmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Der Kotzbrocken hat Talent!, 22. Januar 2016
Auch wenn mich die Story nicht ganz überzeugt hat, muss ich zugeben: Jeder Satz ist hier gestochen, jedes Wort beweist Sprachgefühl.
Es handelt sich um dreierlei: einen Liebesroman, einen Roman über das Schreiben und einen über Berlin zu Wendezeiten. Der Protagonist Wolf als zugezogener "Wessi" in Berlin-Pankow spürt neugierig einem DDR-Lebensgefühl nach; er ist zwar naiv, aber durchaus auch selbstkritisch. Als Schriftsteller ist er eitel und launisch, gibt aber fantastische Einsichten über das Schreiben und Lesen preis. In beiden Rollen überzeugte mich ein Gefühl der Ehrlichkeit. Als Liebhaber ist Wolf jedoch einfach nur ein Kotzbrocken. Wohlwissend, dass er ein Kotzbrocken ist und nicht willens, sich zu ändern. Wie das Unglück dieses Liebespaares aufgelöst wird, war mir viel zu einfach, auch wenn es sprachlich eine der schönsten Passagen des ganzen Romans darstellt.
Ein streitbarer Roman. Er scheint sehr autobiographisch geprägt. Das wäre mutig, denn Rothmann stellt Wolf wahrlich nicht im besten Licht dar, aber das Bekennende wiederum wäre ihm anzurechnen. Ich weiß, man sollte nicht naiv Autor-Ich und Erzähler-Ich verwechseln, aber das fällt hier extrem schwer. - Interessant. Macht Lust auf mehr.


Unschuld
Unschuld
von Jonathan Franzen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt..., 22. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Unschuld (Gebundene Ausgabe)
... hat sich JF mit den Thesen seines neuesten Romans. Natürlich ist er ein Könner und nichts in diesem Roman geschieht ohne Absicht. Er weiß natürlich, dass ein Amerikaner, der über die DDR schreibt und diesen überkandidelten Vergleich zwischen dem totalitären DDR-Regime und dem totalitären Charakter des Internets wagt, sich möglicherweise lächerlich macht. Er weiß, dass diese Anhäufung von Protagonisten mit massiven Problemen und extrem schwierigen Familienverhältnissen ziemlich extrem ist. Er übertreibt die Wiederholung von Motiven wie den Darmleiden geplagter Mütter, eine männliche Fixierung auf den Schwanz und sein Eigenleben; er überhäuft uns mit Informationen und zum Teil auch überflüssigen Episoden (Andreas Wolfs leiblicher Vater? das ganze Leila-Kapitel?, das Filmprojekt Anabels? der Mondphasensex?). Es ist nur verwirrend, da der Roman einerseits so welthaltig ist, es geht um reale Dinge wie Angst vor Atomwaffen, Enthüllungsjournalismus, Diktatur, Internet usw., andererseits politisch oder gesellschaftlich wenig relevant ist. Da war ich am Anfang etwas in die Irre geleitet. Die Ironie anzuerkennen, macht es leichter. Es ist gut geschriebene Unterhaltung für Fans, mit einigen brillianten Passagen.
Aber für meinen Geschmack reicht keiner seiner Folgeromane an "Die Korrekturen" heran. Franzen hat einfach Glück, dass er dieses Zeitgeistgefühl hat, so wahnsinnig schnell Stories konstruieren und schreiben kann und einen gewissen Witz mitbringt. Mit diesem Paket hat er doch echt ausgesorgt.


Die bekannte Welt: Roman (dtv Literatur)
Die bekannte Welt: Roman (dtv Literatur)
von Edward P. Jones
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen gottgleiche Perspektive auf menschliche Abgründe, 22. Januar 2016
Der Roman gleicht den virtuosen Wandteppichen einer entkommenen Sklavin, welche er am Ende beschreibt: Aus gottlgleicher Perspektive ist darauf alles abgebildet, was es über das Leben auf der Pflanzung eines schwarzen Masters zu wissen gibt - und mehr.
Jones hat in Vorbereitung dieses Romans jedes Detail über die Sklaverei in Manchester County zwischen 1840-60 recherchiert, und sich dann entschlossen, ein rein fiktives Werk zu schreiben. Er hat sich mit diesem Wissenshintergrund in jede denkbare Konstellation dieser Zeit eingefühlt und breitet in unvergleichlicher Weise ein Panorama über Freiheitsentzug, Demütigung, gestohlene Identitäten, Schuld, Kollaboration und Instrumentalisierung, ausgesprochene und unausgesprochene Verhaltenskodizes usw. vor uns aus.

Ein humanistischer Roman mit einer klugen Struktur, überaus intensiven Momenten und vielen Analyseebenen.


Neun Erzählungen
Neun Erzählungen
von Jerome D. Salinger
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen über den Verlust der Unschuld, 28. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Neun Erzählungen (Taschenbuch)
Sehr interessante, tiefe, rätselhafte Erzählungen, die man immer wieder lesen und neu entdecken kann! Immer geht es um Motive der (kindlichen) Unschuld vs. die Erwachsenenwelt, um das Eindringen des Krieges in das Leben Einzelner, um die Isolation eines durch Krieg Traumatisierten vs. den American Way of Life, um Logik vs. Intuition und um zenbuddhistische Philosophie und Fragen rund um Immaterialismus, Wiedergeburt, Vergänglichkeit, Gott-Bewusstsein. Sehr zu empfehlen!
Genial ist die Geschichte "Teddy" mit einem unvergleichlichen, hochspannenden Zoom am Ende.


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