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Rezensionen verfasst von
richierichards (Hessen)

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Live Killers
Live Killers

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "You buggers can sing higher than I can...", 15. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Live Killers (Audio CD)
Lange hatten Queen gezögert ein Livealbum zu veröffentlichen, da sie befürchteten, dem bombastischen, ausgeklügelten Sound ihrer Studioproduktionen live nicht gerecht zu werden. 1979 war es dann doch endlich so weit, "Live Killers" erschien als Doppel-LP. Leider muss konstatiert werden, dass der Sound tatsächlich nicht über die gewohnte Brillanz verfügt, aber das ist auch schon das einzige (zudem verschmerzliche, da geringe) Manko dieses Jahrhundertwerks, das wie eine Urgewalt über einen kommt. Denn was Queen hier im wahrsten Sinne zelebrieren ist pure Magie, Note für Note. Nie zuvor und nie danach hat mich ein Live-Album derart in seinen Bann geschlagen.

Ich war 11 und hatte im Fernsehen eine Dokumentation über Queen gesehen. Mein großer Bruder überspielte mir daraufhin "Live Killers" von LP auf Kassette - und fortan war das Band aus meinem Mono-Kassettenrecorder bzw. Walkman nicht mehr wegzudenken, bis zur völligen Erschöpfung habe ich es abgenudelt. Schließlich kannte ich jede Note, jede Ansage, jedes Singspiel auswendig. Und war, ganz nebenbei Queen-Fan geworden, was meine Adoleszenz nachhaltig prägen sollte.

"Live Killers" setzt der ersten Bandphase ein gewaltiges Denkmal, kurz bevor sie die bis daher komplett verschmähten Synthesizer für sich entdecken und sich komplett neuerfinden sollten. Wer als Fan erst später durch Hits wie "Radio Gaga" oder "I Want To Break Free" auf die Gruppe aufmerksam wurde, dürfte sich wundern: Hier dominiert die rockig-erdige, rauere Seite der Band, die auf ihre operettenhaften Extravaganzen weitgehend verzichtet und stattdessen ein sattes Hardrock-Programm vom Stapel lässt. Wenn einem gleich zu Beginn die schnelle Version von "We Will Rock You" entgegen schmettert dann grenzt das schon an Punk! In diesem Kielwasser schwimmen auch schweißtreibende Kracher wie "Tie Your Mother Down", "Sheer Heart Attack" oder "Keep Yourself Alive".

Doch einseitig wird die Musik nie. Immer wieder setzt sich Freddie Mercury ans Klavier - etwa bei dem düsteren "Death On Two Legs", dem großartigen "Don't Stop Me Now" oder der bombastischen Hymne "Spread Your Wings". Und natürlich darf auch der größte Klassiker nicht fehlen: "Mustapha, Mustapha!" skandieren die Fans, und Mercury gibt ihnen eine Kostprobe des gleichnamigen Songs vom "Jazz"-Album, bevor er die ersten Töne von "Bohemian Rhapsody" anschlägt. Ein absoluter Gänsehaut-Moment!
Ein Highlight jagt das nächste. Ob Queen einige ihrer größten Hits zu einem atemberaubenden Medley verschmelzen, ein so lässiges wie mitreißendes Akustik-Set einschieben, oder die einzelnen Mitglieder zu Soloausflügen ausbrechen. Das auf stolze 12 Minuten anschwellende "Brighton Rock" gerät zur Spielwiese für Brian May und Roger Taylor - der eine mit seiner Red Special und dem charakteristischen Delay-Effekt, der andere an den Pauken.

"Now I'm Here" nutzt Freddie "Sometimes Vocals" Mercury zu einem Vokalwettstreit mit seinem Publikum, und das singt wie ein Mann aus voller Kehle. "You buggers can sing higher than I can, I tell you", konstatiert der Sänger daraufhin verschmitzt, bevor die Band wieder zu einem neuen Höhenflug einsetzt. Bei "Love Of My Life" übernimmt das Publikum gleich ganze Passagen, dass mir heute wie damals Schauer der Wonne über den Rücken laufen. Überhaupt ist das Publikum von Anfang an Teil der Show, was einen Großteil der unglaublichen Atmosphäre ausmacht.
Immer wieder amüsant auch Brian Mays vergnügliche Bandvorstellung: "On drums and tigerskin trousers, Mr. Rosie Taylor!"
Und wenn sich zum Schluss Band und Publikum vereinen, um mit der "langsamen" Version von "We Will Rock You" die Halle zum Einsturz zu bringen, dann dürfte das niemand kalt lassen, der sich nur ansatzweise für Rockmusik interessiert. "We Are The Champions" heißt die letzte Hymne des Konzerts, und das trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.

Queen zeigen sich als eingeschweißte Einheit mit großer Bühnenpräsenz, die alle Register zu ziehen weiß: Diesen Jungs machte so schnell niemand was vor! Es ist immer wieder unglaublich zu hören, was eben jene Vier mit ihren Instrumenten anzustellen wissen und wie die Begeisterung für ihre Musik auf das Publikum überspringt. Hier wird Musik gelebt - diese Authentizität ist auch nach dreißig Jahren noch spürbar. "Live Killers" gelingt es, die Intensität eines Queen-Konzerts einzufangen und ist daher der schlagende Beweis, warum Queen zu den ganz großen ihrer Zeit gehörten - und zeitlos bleiben.

Pompös, dramatisch, extravagant, authentisch, intensiv, genial und vor allem: einmalig! Das ist die Musik von Queen, und das alles ist dieses überlebensgroße Live-Album. God Save The Queen... wenn ich denn schon nicht selbst dabei sein konnte...
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 10, 2015 3:20 PM MEST


Pandora's Box (Display Box)
Pandora's Box (Display Box)
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 31,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ultimative Werkschau 1966 - 1982, 14. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Pandora's Box (Display Box) (Audio CD)
Wenn schon nicht die Büchse der Pandora, so machen Aerosmith doch ein stattliches Fass auf mit dieser Box, die 1991 auf die Welt losgelassen wurde. Auf 3 CDs präsentieren sie den ultimativen Über- und Einblick in das Schaffen ihrer deutlichen bluesorientierten Sturm- und Drangjahre, also der Frühphase 1973 bis 1982, als sie bei Columbia unter Vertrag waren. Und "Pandora's Box" enthält alles, was das Herz begehrt: Alle großen Hits, wichtige Albumstücke, unveröffentlichtes Material als auch tolle Liveversionen, womit es ihr vortrefflich gelingt, dem Oeuvre der Band gerecht zu werden. Genaugenommen beginnt diese grandiose Werkschau sogar schon 1966 mit "When I Needed You", einer Single der Gruppe Chain Reaction - die erste Veröffentlichung eines noch sehr jungen Steven Tyler.

Anhand der 53-Songs kann man die Karriere der Boston Bad Boys in allen Details mitverfolgen, wobei ich mich wundere, dass die chronologische Anordnung in groben Zügen vorhanden ist, aber immer wieder scheinbar wahllos unterbrochen wird. Das ist aber auch schon das einzige Manko.

Besonderes Interesse ziehen natürlich die Raritäten auf sich. Und diese sind alle absolut hörenswert!
So etwa alternative Versionen von "Movin' Out" und "Major Barbara", oder die unausgearbeiteten Demos von "Cheese Cake" und "Nobody's Fault", die sinnvollerweise ihren endgültigen Versionen voran gestellt sind. "Riff & Roll" stammt aus den 1981er Sessions mit den Lückenfüllern Rick Duffay und Jimmy Crespo an den Gitarren, "Downtown Charlie" ist ein "drunken jam", den Brad Whitford 1978 im Studio ins Rollen brachte.
Hörenswert auch zuvor unveröffentlichte Coverversionen wie Fleetwood Mac's "Rattlesnake Shake" (in der zehnminütigen Version einer Radioübertragung), oder der Beatles-Kracher "Helter Skelter". Dazu kommen einige wirklich interessante Aufnahmen von Jamsessions wie der kurze "Shithouse Shuffle" oder das instrumentale "Krawitham", mit dem sich die Rhythmusgruppe in Schwung hielt, während die Toxic Twins Tyler und Perry während der Aufnahmen zu "Draw The Line" anno `77 mit drogenschwangerer Abwesenheit glänzten. Auf der dritten CD findet sich als unvermerkter Track ein weiteres namenloses und sehr griffiges Instrumental. Von "Draw The Line" und "Last Child" wurden dezente Remixe beigefügt, die nah am Original bleiben, Produktionsdefizite dieser jedoch klanglich ausbügeln können. Alles bereichernde Ergänzungen zu dem Altbekannten.

Die zuvor unveröffentlichten Liveversionen sind allesamt toll, klanglich absolut top und überzeugen mit unbändiger Spielfreude. Da es der Hülle nicht zu entnehmen ist, welche Songs live sind, hier der Überblick:

- Write Me A Letter (Boston 1976)
- Rattlesnake Shake (Cincinatti 1971)
- Walkin' The Dog (Cincinatti 1971)
- Lord Of The Thighs (Texas Jam 1978)
- I Wanna Know Why (Texas Jam 1978)
- Big Ten-Inch Record (Texas Jam 1978)
- Adam's Apple (Indianapolis 1977)
- Kings And Queens (Boston 1978)

Es gibt also einiges zu entdecken zwischen dem Altbekannten. Was die Auswahl der Albumstücke angeht gibt es fast nichts zu bemängeln - fast das ganze "Toys In The Attic" Album ist vertreten. Ich vermisse ansonsten lediglich "Mia" und "Remember (Walking In The Sand)" und bedaure, das ziemlich gute 1982er "Rock And A Hard Place" nur mit einem Song (dem grandiosen "Jailbait") repräsentiert zu sehen. Hier hätte ich mir persönlich "Lightning Strikes" und/oder "Cry Me A River" gewünscht. Aber bei einer Laufzeit von ca. 72 Minuten pro CD hat man wirklich nicht gegeizt. Als Schmankerl hat man übrigens je einen Song der Brad Whitford ("Sharpshooter") und Joe Perry ("South Station Blues") Soloprojekte beigefügt, als beide zeitweise Aerosmith verlassen hatten.

Ein 36-seitiges Booklet gibt Auskunft über die Höhen und Tiefen der Bandgeschichte: In einem mehrseitigen Essay, als auch kurzen Kommentaren der einzelnen Bandmitglieder (die offensichtlich bei der Zusammenstellung direkt beteiligt waren) zu jedem einzelnen Song. Zahlreiche Fotos, eine Handvoll exemplarischer Songtexte (für alle wäre wohl kein Platz gewesen?) und eine Diskographie am Schluss runden das informative Begleitheft ab. Von vorne bis hinten absolut gelungen - DAS Vermächtnis des ersten Kapitels in der langen Geschichte der Bostoner Luftschmiede.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 30, 2012 3:40 PM CET


Bat Out of Hell III: The Monster Is Loose
Bat Out of Hell III: The Monster Is Loose
Wird angeboten von forever_rock-de
Preis: EUR 29,41

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In the Land of the Bombastrock, Meat Loaf is King, 3. Dezember 2009
Da hatte man Marvin Aday schon fast geglaubt, mit dem uninspirierten "Couldn't Have Said It Better" seinen Abschied eingereicht zu haben, da sammelte der dicke Texaner noch einmal seine Kräfte, um seine "Bat Out Of Hell"-Trilogie zu komplettieren und es allen noch einmal so richtig zu zeigen. Und schon die ersten Takte von "The Monster Is Loose" machen klar: Hier ist in der Tat ein Monster, eine Urgewalt entfesselt worden, hier will es einer noch mal richtig wissen.

Die beiden ersten "Bat Out Of Hell"-Alben (1977 und 1993) sind die Säulen von Meat Loafs Nimbus, daran anknüpfen zu wollen ist, gelinde gesagt, ein ehrgeiziges Unterfangen. Das Erfolgskonzept war so simpel wie grandios gewesen: Jim Steinman komponiert, Meat Loaf singt. Doch hatte Steinman mit seiner langsamen Arbeitsweise schon die Veröffentlichung von "Bat Out Of Hell 2" verzögert, so holte sich Meat für seinen dritten Streich eine Riege illustrer Komponisten ins Boot, darunter so prestigeträchtige Namen wie Desmond Child, der auch die Produktion übernahm, oder Diane Warren, die dem gewichtigen Sänger schon früher erfolgreiche Powerballaden auf den Leib maßschneiderte. Steinman bestreitet mit seinen Kompositionen immerhin die Hälfte des Albums; zu spekulieren, wie ein komplettes Album aus seiner Feder anno 2006 klingen würde ist müßig. Immerhin stammen zwei der stärksten Stücke des Albums, "The Monster Is Loose" und "Blind As A Bat", nicht von ihm. Das spricht für das Konzept.

Meat Loafs Stärken waren stets jene epischen, überlebensgroßen Songmonumente voller bombastischem Pathos und theatraler Dramaturgie, deren Laufzeiten und Titel allein nicht selten so gewichtig waren wie die Musik oder ihr Sänger selbst. Auf "Bat Out Of Hell 3" findet sich davon reichlich: Es gelingt Meat Loaf in bewundernswerter Weise sich auf seine Stärken zu besinnen und diese überragend auszuspielen, weshalb sich das Album hinter den beiden Vorgängern keinesfalls verstecken muss, und dabei hatten gerade diese die Messlatte verdammt hoch aufgehängt.
Aber nicht das allein: Die Musik erreicht eine Dichte und Komplexität, eine zwingende Eindringlichkeit, sie schwingt sich auf in neue, ungeahnte Höhen, dass man sich nur verwundert die Ohren reiben kann und beinahe erwartet, aus einem Traum erwachen zu müssen. Ich erinnere mich gut an jenen Abend, als ich die CD zum ersten Mal hörte; wie ich bei jedem, aber auch jedem Lied dachte, "das muss er unbedingt live spielen", wie mir Tränen der Rührung in den Augen standen, wie ich voller Ehrfurcht lauschte. Selten hatte mich Musik derart in ihren Bann gezogen, das war fast zu schön um wahr zu sein. Und jetzt, drei Jahre später, hat sich daran nichts geändert. Das Album ist immer noch so mitreißend und faszinierend wie am ersten Tag, und das zeugt von seiner wahren, zeitlosen Größe.

Über seine 77 Minuten Laufzeit (!) hinweg hält das Album sein hohes Niveau. Schon der Opener "The Monster Is Loose" ist ein Meisterwerk. Ungewohnt heavy rockt sich ein zorniger Meat Loaf durch ein gewaltiges Song-Monstrum, das da anzuknüpfen scheint, wo "Life Is A Lemon" seinerzeit aufhörte, all der Wut und Verzweiflung Gestalt verleiht in einer siebenminütigen emotionalen Achterbahnfahrt. Und kaum hat man sich von diesem Sturm erholt, folgt ein weiteres Highlight, das seinesgleichen sucht. Zart und verletzlich beginnt "Blind As A Bat", das lyrische Thema des gescheiterten Ichs weiter aufgreifend, während sich die die Musik unaufhaltsam steigert und schließlich explodiert in einem orgiastischen Refrain: "Your Love Is Blind, Blind As A Bat" singt da der Chor, und von einer Gänsehaut geschüttelt weiß man: Alles wird gut, egal wo die Reise noch hin führen wird.

Ass auf Ass zieht Meat Loaf im weiteren Verlauf aus dem Ärmel, wobei er dreimal in bester Manier von einer weiblichen Duett-Partnerin unterstützt wird. Davon finde ich die erste Single-Auskopplung "It's All Coming Back To Me Now" mit der hübschen Norwegerin Marion Raven am besten gelungen; überhaupt könnte niemand anders als Meat Loaf das Prinzip "die Schöne und das Biest" so glaubhaft verkörpern - zum Dahinschmelzen.
Schwache Momente gibt es kaum, und wenn einzelne Songs im Vergleich leicht abfallen, dann nur weil die anderen sie in ihrem beinahe überirdischen Glanz überstrahlen. Meat Loaf beherrscht die gesamte Bandbreite musikalischer Dynamik, von den ruhigen Tönen bis zu härterer Kost wie in dem düsteren "In The Land Of The Pig, The Butcher Is King" - und das ist mal wieder "Bat Out Of Hell" in Reinform, während gegen Ende Steinman mit seiner opernhaften Hymne "Seize The Night" noch einmal richtig auftrumpft und Meat Loaf in knapp zehn Minuten alle Register ziehen lässt. Aber da ist man ja schon lange sprachlos.

Natürlich klingt das nicht nach 1977, dies ist das Produkt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung; ein modernes, perfekt produziertes Rockalbum, das auf eigenen Beinen steht, nostalgische Reminiszenzen und Anleihen bei modernen Trends nur insoweit aufgreift, als sie einfach zum Konzept gehören. "Bat Out Of Hell 3" ist so zeitgemäß wie zeitlos. Das ambitionierte Werk eines Ausnahmesängers, der sich das längst selbst gesetzte Denkmal für die Ewigkeit zementiert. Die Melodien nutzen sich nicht ab, und einen besseren Beweis gibt es nicht, dass hier eine Reihe von glücklichen Umständen zusammen kam und etwas schuf, was größer ist als die Summe seiner Teile.

Bringen wir es auf den Punkt: Dieses Album ist grandios, ein epochales Meisterwerk, nein, ich gehe weiter: eine echte Offenbarung, wo ich doch dachte, alle Klassiker der Rockmusik wären schon geschrieben. In der Tat habe ich nur Superlative übrig und kann doch die Musik nicht annähernd in Worte fassen, das muss ich aber zum Glück auch gar nicht: Die spricht nämlich am Besten und eindringlichsten für sich selbst.

"It was so long ago, but it's all coming back to me now..."
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 15, 2010 6:45 PM MEST


Tourism
Tourism
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 7,92

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Touralbum der Extraklasse, 30. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Tourism (Audio CD)
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere trug der Erfolg ihres dritten Albums die zu internationalen Superstars avancierten Schweden Roxette zum "Joyride" um die ganze Welt. Und dieser Stimulus scheint Pers und Maries Kreativität ganz schön beflügelt zu haben, denn wo auch immer sie waren, sie schrieben eifrig Songs und nahmen diese auf, egal ob gerade ein Studio in der Nähe war oder die Bandmaschine einfach im Hotelzimmer aufgebaut wurde. Herausgekommen ist ein Touralbum in der Tradition von U2s "Rattle & Hum", ein facettenreiches Dokument, das den Geist dieses Höhenfluges stimmungsvoll einfängt. Klanglich sind alle Aufnahmen top - vor allem die Stücke, die nicht aus einem Studio stammen überzeugen voll und ganz, da sie ohne jeden Schnörkel auskommen und somit eine unheimliche Intensität erreichen.

Es finden sich energiegeladene Liveversionen ihrer großen Hits "The Look" und "Joyride", aber auch eine emotionale Aufnahme von "Things Will Never Be The Same", das nur von einer Akustikgitarre und zweistimmigen Gesang getragen wird. "It Must Have Been Love" kommt als Symbiose aus Gänsehaut verursachender Live-Aufnahme und bluesiger Neueinspielung mit Mundharmonika: Das neue Gewand steht dem Song ausgezeichnet und befreit ihn von jedem Kitsch-Verdacht.

Hört man, wie frenetisch Roxette auf den Liveaufnahmen bejubelt werden, so kann es einerseits erstaunen, andererseits als logische Konsequenz gesehen werden, dass bei den neuen Stücken hauptsächlich ruhige Töne überwiegen, nachdenkliche Texte, zarte Melodien. Vermehrt kommen Akustikgitarren und Klavier zum Einsatz. Highlights sind für mich die Neuaufnahme eines Songs vom ersten Album, "So Far Away", das das Original in seiner Eindringlichkeit weit hinter sich lässt, sowie das gefühlvolle "Never Is A Long Time". Und dann gibt es da natürlich das rockige "How Do You Do!", sicherlich eine der herausragenden Nummern nicht nur auf diesem Album, sondern im gesamten Repertoires des Duos. Weitere Volltreffer sind das groovende "Cinnamon Street" oder das flotte "Fingertips". Überhaupt sind Ausfälle nicht zu verzeichnen, Roxette überzeugen auf durchgängig hohem Niveau. Nie waren sie eindringlicher, aber auch verletzlicher. Und das macht "Tourism" so authentisch.

Touralben von diesem Schlag sollte es öfters geben!


Roxette Hits
Roxette Hits
Preis: EUR 14,98

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überflüssig, 30. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Roxette Hits (Audio CD)
Es ist verständlich, dass Roxette (oder die Plattenfirma?) das 20jährige Bandjubiläum nutzen, um mit einer Best Of auf sich aufmerksam zu machen. Dummerweise ist diese total überflsüssig geraten, gibt es doch bereits drei Hit-Zusammenstellungen, die die Karriere der Schweden rundum abdecken. Die beiden neuen Stücke "One Wish" und "Reveal" sind der einzige Kaufanreiz, haben aber keineswegs das Niveau der Klassiker, wirken wie aussortierte Übrigbleibsel einer früheren Session. Sie sollten daher als Kaufargument nur für Fans, nicht für Neueinsteiger dienen. Außerdem rauben sie Platz für weitere, unverzichtbare Stücke. Wo sind etwa "Vulnerable", "June Afternoon" oder "You Don't Understand Me"?

Überhaupt ist das Repertoire der Schweden mittlerweile so umfangreich, dass es unmöglich ist, alle wichtigen Hits auf einer CD zu versammeln. Daher sollte man vielleicht zu den Alternativen greifen. Wem es den tiefen Griff ins Portemonnaie wert ist, erhält mit der parallel erschienenen "Roxbox" auf 4 CDs und 2 DVDs alle wichtigen Singles, Albumstücke und eine schöne Auswahl an B-Seiten, Demos und Outtakes, dazu ein Unplugged-Konzert und alle Videos.

Weniger kostspielig, aber ebenso abgerundet, sind die beiden sich ergänzenden Zusammenstellungen "The Ballad Hits" und "The Pop Hits2, erschienen 2002 bzw. 2003. Die für mich nach wie vor beste Zusammenstellung ist die 1995 erschienene "Don't Bore Us, Get To The Chorus", wenn auch hier logischerweise die beiden Alben "Have A Nice Day" (1999) und "Room Service" (2001) nicht berücksichtigt sind.

Alle diese genannten Alternativen sind unbedingt empfehlenswert, "Roxette Hits" jedoch ist ein Ärgernis. Die hier enthaltene Musik ist natürlich top, aber die fehlenden Klassiker und schwachen Bonustracks müssen sich in der Gesamtwertung widerspiegeln, daher drei Sterne Abzug.


Roxbox 86-06
Roxbox 86-06

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön aufbereitete Werkschau, aber für wen?, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Roxbox 86-06 (Audio CD)
Bei solchen Boxsets drängt sich mir immer die Frage nach der Zielgruppe auf, so auch hier: Für wen ist die "Roxbox" gedacht? Neueinsteiger, die schon immer einmal "It Must Have Been Love" auf CD haben wollten, greifen wahrscheinlich lieber zur parallel erschienenen "Roxette Hits" Einzel-CD, und Fans haben Dreiviertel der hier enthaltenen Songs sowieso schon im Regal, möglicherweise auch doppelt. Was die Raritäten angeht denke ich, der Hardcore-Fan wird auch hier die meisten schon besitzen, zumal manche als B-Seiten bereits veröffentlicht wurden. Und die beiden neuen Stücke "One Wish" und "Reveal" sind ja auch auf der Einzel-CD enthalten.

Klar, dass Roxette ihr 20jähriges Jubiläum feiern wollten und sich aufgrund ihrer längeren Abstinenz mit neuer Single und neuer Best Of wieder ins Gespräch bringen wollten, da bietet sich ein Boxset geradezu an. Und das ist allein optisch schön aufbereitet und kommt zudem mit einem 70-seitigen Buch, das in Wort und Bild die Karriere des schwedischen Popduos appetitanregend nacherzählt. Die Songs sind der Soundtrack einer unvergleichlichen Karriere - eine Retrospektive, über vier CDs und zwei DVDs verteilt, mit allen Hits in chronologischer Reihenfolge, guten Albumstücken und einigen Raritäten: B-Seiten, Demos, Outtakes. Für jemanden wie mich genau richtig, der sich immer für die Band interessiert hat, ohne sie in alle Tiefen zu erforschen.

Ich habe zwar alle Alben der Schweden, aber mir zum Beispiel "The Ballad Hits" nie gekauft, und habe somit nicht die seinerzeit dafür neu aufgenommenen Stücke wie "A Thing About You". Überhaupt werden mit dieser Box alle drei vorher erschienenen Best Of-Zusammenstellungen überflüssig, hier sind jeweils alle Bonusstücke von "Don't Bore Us, Get To The Chorus", "The Ballad Hits" und "The Pop Hits" enthalten. Die, ich wiederhole mich, der Fan bzw. geneigte Käufer bereits besitzt.
Was mich betrifft habe ich hier insgesamt 23 mir zuvor unbekannte Stücke gefunden, was eine nicht allzu schlechte Ausbeute ist. Dazu die beiden DVDs mit dem ansehnlichen Unplugged-Konzert und allen Videos der Bandgeschichte, immerhin stolze 37 an der Zahl! Aber auch die gab es doch vor ein paar Jahren schon mal auf DVD... Schön in seiner Vollständigkeit und für mich lohnenswert, für den Fan eine unnötige Wiederholung. Hier hätte man sich eine schöne Dokumentation vorstellen können, oder seltene Liveaufnahmen, Fernsehauftritte und dergleichen.

Im Prinzip feiert diese Werkschau in erster Linie sich selbst. Die Lieder sind in chronologischer Reihenfolge angeordnet, und an den richtigen Stellen gespickt mit den bereits erwähnten Raritäten. Die kommen jedoch keineswegs vollständig daher, wenn man mit den Bonustracks der kürzlich erschienen remasterten Ausgaben der Studioalben vergleicht, hier hat man die nicht Archiven nicht umfassend geplündert, die "Roxbox" präsentiert also nur eine Auswahl des bisher Unveröffentlichten. Aber gerade für den ganz tiefen, umfassenden Griff in die Trickkiste wäre so eine Box doch prädestiniert. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Dennoch, das Konzept geht auf, die Musik ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, und untermauert, dass Roxette trotz ihrem Ruf als Singles-Band noch eine Menge mehr auf dem Kasten hat. Die Demos sind allesamt sehr reizvoll und keineswegs Ausschussprodukte, viele können locker mit dem Niveau der offiziellen Alben mithalten. "Happy Together" gefällt mir sogar besser als so manches auf dem durchwachsenen "Have A Nice Day". Das Demo von "7Twenty7" zeigt dass der Song ursprünglich als Rocksongs mit treibenden Gitarren gedacht war und gefällt mir um einiges besser als die Version, die man vom Album kennt.
Bei der Songsauswahl hätte ich jedoch einige Änderungsvorschläge: Wenn man schon die besten Albumtitel präsentieren will, wo sind dann "So Far Away", "Cinnamon Street" oder das geniale "I Love The Sound Of Crashing Guitars"?

Die optimale Zielperson wäre also jemand, der sich wenig mit Roxette auskennt bzw. wenig oder nichts von ihnen besitzt, sich aber gleichzeitig so dolle für die Band interessiert, dass es ihm/ihr die Anschaffung dieser Box und den stolzen Preis wert wäre. Dann bekommt man allerdings einen guten Gegenwert. Da ich aber vermute, dass es von diesen Leuten nicht allzu viele gibt, bleibt diese Box ein Schmuckstück ohne klar definiertes Ziel.

Für mich dennoch eine Fundgrube und daher 4 Sterne.


Stiff Upper Lip
Stiff Upper Lip
Preis: EUR 6,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im eigenen Schatten ruhend, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Stiff Upper Lip (Audio CD)
Wieder einmal hatte man also 5 Jahre auf ein Lebenszeichen der Australier warten müssen. Und dieses Lebenszeichen hieß "Stiff Upper Lip", meine erste Neuveröffentlichung als Fan. Drei Jahre zuvor war ich auf den Geschmack gekommen, inzwischen war ich 17, und AC/DC spielten in meiner Adoleszenz immer noch eine große Rolle, auch wenn sie sich neben einer großen Bandbreite neu hinzugekommener Bands behaupten mussten. Wie viele im Freundeskreis konnte ich das neue AC/DC-Album kaum abwarten, vor allem, da es eine Welttournee mit sich bringen würde und damit die Gelegenheit, den ältesten Schuljungen der Welt endlich live zu erleben. Schon das Cover deutete an: Alles beim Alten, der ikonisierte Angus Young mal wieder, diesmal als Statue. Das Heft jedoch eine Enttäuschung: Keine Songtexte! Und wie sich herausstellen sollte, würde es auch die Musik schwerhaben, an den Vorgänger "Ballbreaker" heranzukommen, was bis heute mein AC/DC-Lieblingsalbum ist, teils zu aus nostalgischen Gründen, teils aufgrund der hohen kompositorischen Qualität.

Produziert von George Young klang das Album zumindest schon mal, als mache man da weiter, wo man mit "Ballbreaker" aufgehört hatte. Von "Produktion" kann eigentlich auch keine Rede sein: Der schnörkellose, staubtrockene Sound vermittelt eher den Eindruck, als habe man einfach im Proberaum die Bandmaschinen mitlaufen lassen, im besten Sinne. Der Titelsong hat dann auch gleich das Zeug zum Klassiker, verschmitzt und clever, AC/DC in Bestform. Was folgt ist, um es kurz zu machen, ein Haufen durchschnittlicher Songs, die hauptsächlich vom Charme der Band und ihrer langen Geschichte getragen werden. Herausragendes Material ist immer mal wieder in Ansätzen vorhanden, wobei "Safe In New York City" sich angenehm vom Rest abhebt, und sich mit "Satellite Blues" oder "Can't Stop Rock'n'Roll" durchaus mehr als nur gute Ansätze einfinden.

Aber so richtig zünden will das Album nur in seinen rar gestreuten besten Momenten, irgendetwas fehlt dem Gros der Songs, um sie zu direkten Nachfolgern früherer Großtaten zu machen. Es ist, als ruhe man sich ein wenig im eigenen Schatten aus. AC/DC werden immer wieder für ihre Kontinuität und Verlässlichkeit gelobt, in der Tat, sie haben sich keinem Zeitgeist unterworfen und musizieren hier so selbstsicher ihre Retro-Schiene, dass man neidisch werden könnte. Aber man merkt eben auch: So richtig beweisen müssen oder wollen die alten Haudegen sich nicht mehr. Lieber begnügt man sich mit dem Recyceln alter Ideen, so wie "Damned" zum dreisten Selbstklau wird und das Riff von "Ballbreaker" 1:1-übernimmt, nur in gedrosseltem Tempo. Was man sich bewahrt hat ist eine ansteckende Spielfreude, und das ist die halbe Miete.

Es ist in der Tat herrlich, wie AC/DC dem Zeitgeist trotzen, aber wenn die Frage aufkommt, ob man sich damit nicht begnügen sollte, muss ich leider erwidern: Man sollte mehr erwarten dürfen, von einer so großen und genredefinierenden Band. Natürlich ist "Stiff Upper Lip" keineswegs schlecht, es hat seine Momente und kann einen streckenweise zum Mitgrooven bewegen, aber im Vergleich zu den Vorgängern eben doch ein gewisser kreativer Abstieg, dabei hatte man mit "Ballbreaker" doch eindrucksvoll demonstriert, was noch in den alten Knochen steckte. 8 Jahre später auf "Black Ice" herrscht nun nur noch zelebrierte Langeweile, dagegen ist "Stiff Upper Lip" wie ein charmanter alter Herr, der mit seinen Schoten aus früheren Tagen, in denen alles besser war, auch den jungen Rotznasen wenigstens für ein paar Momente noch eins vormachen kann, aber auf Dauer schwer um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer kämpfen muss. Charmant auf jeden Fall, aber auch irgendwie ohne allzu viel Relevanz.

Ich sah AC/DC im Oktober 2000 in der Frankfurter Festhalle, ließ mir von Brian Johnson die Hand abschlagen und erinnere mich noch genau wie ich während des Konzertes dachte: "Das ist ja wirklich so geil!" (Wie auf all den Live-Videos, die ich gesehen hatte). Und dafür danke ich AC/DC, auch wenn sie - bezeichnenderweise - nur drei Nummern aus diesem, ihrem damals aktuellem Album spielten. Ich vergebe ganz knapp vier Sterne, eben für den unwiderbringlichen Charme.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 7, 2010 10:53 PM MEST


Black Ice
Black Ice
Preis: EUR 6,66

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eingefroren, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Black Ice (Audio CD)
Diesmal betrug das Interregnum stolze 8 Jahre, wer hätte noch ernsthaft damit gerechnet, dass das lang angekündigte Album, das mal "Electrify", mal "Runaway Train" heißen sollte, doch noch das Licht der Welt erblicken würde. Was hatte Brian Johnson nicht alles versprochen im Vorfeld, von "den besten Songs, die Angus und Malcolm je geschrieben haben" war da die Rede. Die Erwartungen waren hoch. Und wurden, was mich betrifft, nicht erfüllt.

Schon die Vorabsingle "Rock'n'Roll Train" ließ Böses ahnen. Zwar unverwechselbar AC/DC, auch nicht wirklich schlecht, aber dennoch wenig überzeugend, unausgereift. Interessanterweise ist in dem Lied nur vom "Runaway Train" die Rede, man könnte meinen, der Titel wurde im Nachhinein geändert, nach dem Motto: Ein AC/DC-Songtitel, in dem "Rock'n'Roll" vorkommt, kann nur ein guter Song sein. Das ebenfalls vorab auf der mypsace-Seite der Band veröffentlichte, sehr kurz gehaltene "War Machine" erschien da schon hoffnungsvoller. Um es auf den Punkt zu bringen: Es gehört zu den wenigen Highlights eines Albums, das überwiegend auf ausgetretenen Pfaden seltsam uninspiriert vor sich hin tuckert, wie der betitelte Zug, unfähig von den Gleisen, der eingeschlagenen Marschrichtung abzuweichen. Zu keinem Zeitpunkt hebt das Album ab, alles war schon mal da, nur besser. Das starke "Ballbreaker" (1995) und das etwas schwächelnde "Stiff Upper Lip" (2000) scheinen Lichtjahre entfernt zu sein, unerreichbar für Lokomotivführer Angus, dem langsam die Kraft auszugehen scheint, Kohlen nachzulegen. Ich verlange ja auch gar nicht das Unmögliche, ich kenne jedes Album von AC/DC - und gerade deshalb weiß ich, dass mehr in den Jungs steckt, als nur die althergebrachten Markenzeichen in einen Topf zu schütten, einmal umzurühren, um dann kleine unkomplizierte, wartungsarme Dreiminutenstampfer ohne Zündstoff herauszuziehen.

Einzig "Rock'n'Roll Dream" sticht erfrischend hervor, da haben die alten Haudegen doch tatsächlich nach "Love Song" und "Ride On" mal wieder eine langsame Nummer aufgenommen. Und die ist auch richtig gut, und sei es nur, weil sie nicht klingt wie der Rest. Nicht wie der Rest klingt übrigens auch "Anything Goes" - oha! Man hat diesmal sogar die AC/DC-Version eines Popsongs aufgenommen. Schielt hier jemand auf die Charts? Aber wie so oft: Der Song fängt an und hört nach drei Minuten sonstwas wieder auf, ohne dass sonderlich viel Nennenswertes passiert wäre. Beliebigkeit ist das Wort, mit dem sich "Black Ice" auf den Punkt bringen lassen würde. Apropos, der Titelsong gefällt mir ganz gut, warum weiß ich auch nicht. Denn auch er bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ganz nett, aber kein großer Rocksong. Begrüßenswert, dass Angus auf "Stormy May Day" die Slide-Gitarre auspackt, aber das allein reicht noch nicht für einen Song mit Substanz.

So wirkt das Album, als sei die Band in ihrem titelgebenden Eis selbst eingefroren, als sei das Erfolgsrezept für ein AC/DC-Album ein 4/4-Takt, eine Gibson SG und drei Akkorde auf selbiger, dazu ein paar nichtssagende Textzeilen über Weiber, Saufen und Rock'n'Roll von Brian Johnssons Reibeisenorgan. Aber der Eingeweihte weiß, dass die Band mehr kann. Die Zutaten sind alle vorhanden, aber man traut sich nicht, aus dem Korsett des auf die Spitze getriebenen Simplizismus auszubrechen. Und hier messe ich die Band an ihren eigenen Vorgaben und konstatiere mit Bedauern, dass mehr hätte drin sein müssen für acht Jahre Kreativpause. Ich hab mir dann auch kein Ticket für die Tour gekauft. Vielleicht ist das etwas zu hart bewertet, aber nun hatte das Album ein Jahr zu reifen, und es überzeugt mich immer noch nicht.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 15, 2010 9:09 PM CET


Stiff Upper Lip
Stiff Upper Lip

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im eigenen Schatten ruhend, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Stiff Upper Lip (Audio CD)
Wieder einmal hatte man also 5 Jahre auf ein Lebenszeichen der Australier warten müssen. Und dieses Lebenszeichen hieß "Stiff Upper Lip", meine erste Neuveröffentlichung als Fan. Drei Jahre zuvor war ich auf den Geschmack gekommen, inzwischen war ich 17, und AC/DC spielten in meiner Adoleszenz immer noch eine große Rolle, auch wenn sie sich neben einer großen Bandbreite neu hinzugekommener Bands behaupten mussten. Wie viele im Freundeskreis konnte ich das neue AC/DC-Album kaum abwarten, vor allem, da es eine Welttournee mit sich bringen würde und damit die Gelegenheit, den ältesten Schuljungen der Welt endlich live zu erleben. Schon das Cover deutete an: Alles beim Alten, der ikonisierte Angus Young mal wieder, diesmal als Statue. Das Heft jedoch eine Enttäuschung: Keine Songtexte! Und wie sich herausstellen sollte, würde es auch die Musik schwerhaben, an den Vorgänger "Ballbreaker" heranzukommen, was bis heute mein AC/DC-Lieblingsalbum ist, teils zu aus nostalgischen Gründen, teils aufgrund der hohen kompositorischen Qualität.

Produziert von George Young klang das Album zumindest schon mal, als mache man da weiter, wo man mit "Ballbreaker" aufgehört hatte. Von "Produktion" kann eigentlich auch keine Rede sein: Der schnörkellose, staubtrockene Sound vermittelt eher den Eindruck, als habe man einfach im Proberaum die Bandmaschinen mitlaufen lassen, im besten Sinne. Der Titelsong hat dann auch gleich das Zeug zum Klassiker, verschmitzt und clever, AC/DC in Bestform. Was folgt ist, um es kurz zu machen, ein Haufen durchschnittlicher Songs, die hauptsächlich vom Charme der Band und ihrer langen Geschichte getragen werden. Herausragendes Material ist immer mal wieder in Ansätzen vorhanden, wobei "Safe In New York City" sich angenehm vom Rest abhebt, und sich mit "Satellite Blues" oder "Can't Stop Rock'n'Roll" durchaus mehr als nur gute Ansätze einfinden.

Aber so richtig zünden will das Album nur in seinen rar gestreuten besten Momenten, irgendetwas fehlt dem Gros der Songs, um sie zu direkten Nachfolgern früherer Großtaten zu machen. Es ist, als ruhe man sich ein wenig im eigenen Schatten aus. AC/DC werden immer wieder für ihre Kontinuität und Verlässlichkeit gelobt, in der Tat, sie haben sich keinem Zeitgeist unterworfen und musizieren hier so selbstsicher ihre Retro-Schiene, dass man neidisch werden könnte. Aber man merkt eben auch: So richtig beweisen müssen oder wollen die alten Haudegen sich nicht mehr. Lieber begnügt man sich mit dem Recyceln alter Ideen, so wie "Damned" zum dreisten Selbstklau wird und das Riff von "Ballbreaker" 1:1-übernimmt, nur in gedrosseltem Tempo. Was man sich bewahrt hat ist eine ansteckende Spielfreude, und das ist die halbe Miete.

Es ist in der Tat herrlich, wie AC/DC dem Zeitgeist trotzen, aber wenn die Frage aufkommt, ob man sich damit nicht begnügen sollte, muss ich leider erwidern: Man sollte mehr erwarten dürfen, von einer so großen und genredefinierenden Band. Natürlich ist "Stiff Upper Lip" keineswegs schlecht, es hat seine Momente und kann einen streckenweise zum Mitgrooven bewegen, aber im Vergleich zu den Vorgängern eben doch ein gewisser kreativer Abstieg, dabei hatte man mit "Ballbreaker" doch eindrucksvoll demonstriert, was noch in den alten Knochen steckte. 8 Jahre später auf "Black Ice" herrscht nun nur noch zelebrierte Langeweile, dagegen ist "Stiff Upper Lip" wie ein charmanter alter Herr, der mit seinen Schoten aus früheren Tagen, in denen alles besser war, auch den jungen Rotznasen wenigstens für ein paar Momente noch eins vormachen kann, aber auf Dauer schwer um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer kämpfen muss. Charmant auf jeden Fall, aber auch irgendwie ohne allzu viel Relevanz.

Ich sah AC/DC im Oktober 2000 in der Frankfurter Festhalle, ließ mir von Brian Johnson die Hand abschlagen und erinnere mich noch genau wie ich während des Konzertes dachte: "Das ist ja wirklich so geil!" (Wie auf all den Live-Videos, die ich gesehen hatte). Und dafür danke ich AC/DC, auch wenn sie - bezeichnenderweise - nur drei Nummern aus diesem, ihrem damals aktuellem Album spielten. Ich vergebe ganz knapp vier Sterne, eben für den unwiderbringlichen Charme.


Ballbreaker
Ballbreaker
Preis: EUR 6,99

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Burning Alive - Die große Kunst des Simplizismus, 27. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Ballbreaker (Audio CD)
Damit fing alles an. Ich war 13, sollte später in jenem Sommer 1997 meine erste Band gründen, und ein Kumpel hatte "Ballbreaker". Die ersten Takte von "Hard As A Rock" ertönten aus dem Lautsprecher, dazu die coolen Comics im Booklet, und ich war AC/DC verfallen. Von irgendwoher tauchte zeitgleich "If You Want Blood" auf (wie schwer es doch manchmal ist, jene seltsam verschlungenen Pfade im Nachhinein nachzuvollziehen, die doch so prägend sind für junge Adoleszenten), jener raue Konzertmitschnitt mit Bon Scott - und so hatte ich beide Kapitel der Band mit einem Streich kennengelernt. Im Eiltempo, wie in einem Wettrüsten, legten ich und mein Kumpel uns den Backkatalog der Australier zu, und jedes neue Album, das wir uns zulegten, wurde wie eine Offenbarung gefeiert. In der Tat waren AC/DC eine der ersten Bands, die ich mir selbst erschlossen, erobert habe. Was für eine schöne, unbeschwerte Zeit.

Etliche Jahre, unzählige Live-Videos und DVDs, grottenschlechte als auch passable Bootlegs und zwei besuchte Konzerte (inkl. Händeschütteln mit Brian Johnson) später, kann ich "Ballbreaker" nun in Gesamtkontext einordnen, wobei ich nicht umhin kann, das Werk auch heute noch mit leicht verklärtem Blick zu betrachten. Und so will ich hier gar nicht behaupten, es sei das beste Album der Australier, aber es ist auf jeden Fall jenes, was mir bis heute am besten gefällt. AC/DC Originalität nachsagen zu wollen grenzt an ein Bubenstück, aber in diesem Falle drängt sich mir dieses Prädikat auf. Und auch wenn ich mich bemühe, objektiv zu bleiben, so muss ich feststellen, dass kaum das Songwriting von Angus & Malcom je so ausgefeilt, so dramaturgisch inszeniert, so vielseitig war, wie hier - zumindest in der Brian Johnson Ära.

Für die Band war es nach dem sensationellen Erfolg mit dem geglätteten "The Razor's Edge" fünf Jahre zuvor und ausgedehnter Welttournee ein Schritt zurück zu den eigenen Wurzeln - zumal Phil Rudd, Schlagzeuger der Urbesetzung, nach über zehn Jahren Abstinenz mit seinen Kippen und seinen zerfurchten Totenkopfgrinsen wieder auf den Schemel hinter der Bassdrum und den zwei Hängetoms zurückkehrte. Rick Rubin als Produzent tat ein übriges, der Band einen raueren, erdigeren Sound zu verpassen - die Zeiten der Kommerzanbiederung à la "Moneytalks" waren vorbei, hier wurde knochentrockener Bluesrock in Reinform betrieben, ohne Sperenzien. Aber doch mit dem gewissen Etwas, das jedem Song einen eigenen Charakter, ein eigenes Gesicht verleiht - und das will bei AC/DC - bei aller Liebe - schon was heißen. Vor allem wenn man mit den über großen Strecken sehr einfallslosen Nachfolgern "Stiff Upper Lip" und besonders "Black Ice" vergleicht, dann wird deutlich, welche kreative Kraft hier anno 1995 am Werke war.

Damals wie heute besticht jeder Song durch seinen ganz eigenen Reiz. Da ist das düster-treibende "The Furor", der trockene Blues über den "Boogie Man", das hymnenhafte "Hail Caesar", der schweißtreibende Titelsong, der beeindruckend demonstriert, was man mit einem Zweiakkordriff anstellen kann. Das können so nur AC/DC, das ist die ganz große Kunst des Simplizismus. Am besten gefällt mir nach wie vor der Song, den ich aus der ganzen Bandgeschichte am liebsten mag: "Burning Alive", mit seinem dramatischen Aufbau und dem grandiosen Refrain. Der besteht im Prinzip wie so oft auch nur aus zwei Worten, nämlich "Burning" und "Alive", aber irgendwie haftet ihm etwas ungleich Majestätisches, Erhabenes und Erhebendes an. An sich sind die Zutaten also die gleichen wie immer bei AC/DC, vom songdienlichen und nie überkandidelten Getrommel Phil Rudds, über Brian Johnsons Hustenreizgesang und Angus Youngs Soloeskapaden auf der Basis von Malcolms - diesmal staubtrockener - Rhythmusspur, aber ich höre mehr: Ein Feuer, eine Leidenschaft, und eben einen Ideenreichtum, die aus den einzelnen Komponenten mehr machen als die Summe seiner Zutaten.

Es zeigt, zu was AC/DC-Songs in der Lage sind, wenn man ihnen Raum gibt sich zu entfalten, hier werden verschiedene Stimmungen ausprobiert, wobei die musikalischen Zutaten eine ungeahnte Effektivität entfalten, allein die Gitarrenfigur im Refrain von "Whisky On The Rocks" - kleine Ursache, große Wirkung. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen - aber wenn man "Black Ice" hört, wo jede gute Idee vom störrischen 4/4-Takt, drei Akkorden und einem 3 bis 4-Minuten-Korsett unterdrückt wird und im langweiligen Einheitsbrei versinkt, dann muss ich wohl einsehen, dass "Ballbreaker" die letzte Großtat von AC/DC war. Auf jeden Fall ein rundum gelungenes, in sich stimmiges Album, das mit "Hard As A Rock" einen großen Klassiker (den letzten?) der Bandgeschichte hervorgebracht hat. Es gibt keinen wirklichen Tiefpunkt auf "Ballbreaker", keinen Ausrutscher, aber jede Menge Spielfreude, Dynamik, und, ja, im Kontext gesehen muss ich sagen: Originalität, so dass es nun doch heraus muss: Ja, "Ballbreaker" ist das beste Album mit Brian Johnson.

Zumindest für mich.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 2, 2013 6:45 PM CET


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