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Rezensionen verfasst von
Florian Blaschke "Almagest" (München)
(REAL NAME)   

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What Lies Beneath (Limited Deluxe Edition)
What Lies Beneath (Limited Deluxe Edition)

13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bombastrock mit Divengesang und Pfiff, 24. September 2010
Für die Uneingeweihten: Tarja ist eine klassisch ausgebildete Sopransängerin aus Finnland, die sich als charismatische Frontdame von Nightwish einen Namen gemacht hat.

"What Lies Beneath" ist ihr zweites Solowerk (das Weihnachtsalbum von 2006 nicht mitgezählt) und erstmalig hat sie Produktion und Songwriting ganz in die eigenen Hände genommen. (Zumindest war sie an der Komposition aller Stücke beteiligt, was zuvor nicht der Fall war.) Das Ergebnis ist ein ausgereiftes Album im Rock/Klassik-Crossover-Bereich mit hervorragendem Sound: Audiophile Hörer können beruhigt werden, denn eine derartige Dynamikkompression, wie sie im Zuge des Lautheitswettrennens den Hörgenuß oft stark beeinträchtigt, fehlt hier zum Glück. Auch kompositorisch sind genügend Ideen und Abwechslung vorhanden, um den Longplayer auch auf mittlere und lange Sicht interessant zu machen.

Tatsächlich sind manche der Stücke so komplex, daß sie sich beim erstmaligen oder beiläufigen Konsum gar nicht richtig entfalten können. Diverse kleine Details erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören, und die Liedtexte sind vieldeutig und anregend genug, um den geneigten Hörer auf Dauer bei der Stange zu halten. Es handelt sich also um keine Wegwerfkost oder Schnellfraß für zwischendurch, sondern durchdachte Konstruktionen, die aufmerksames Hinhören lohnen. Ohrwurmpotential haben die meisten Stücke dennoch reichlich - und übrigens auch einen coolen Groove. Fast schon überflüssig zu erwähnen, daß Tarja eine herausragende Interpretin mit einem wundervollen Timbre ist, die hier technisch anspruchsvolle Passagen, die an Opernarien erinnern, mit ihrer kraftvollen Stimme scheinbar mühelos bewältigt, aber auch populärere Töne bietet und ein breites Ausdrucksspektrum abdeckt. (Übrigens hat sie die Klavierpassagen selbst eingespielt.)

Nicht nur die stilistische Breite ist beeindruckend und macht es kaum möglich, den Longplayer in eine der gängigen Kategorien einzuordnen. Auch die von den Stücken vermittelten Stimmungen und Gefühle sind überaus vielfältig. Dennoch ist ein eigenständiger, typischer Sound hier zu erkennen. Die E-Gitarrenparts sind meist in einem modernen Stil à la Rammstein gehalten, auf "Crimson Deep" hingegen fast schon doomig.

Somit ist die Scheibe, die viele unterschiedliche Geschmäcker ansprechen dürfte, uneingeschränkt empfehlenswert.

Für Einsteiger in diese Art von Musik ist das Album auf jeden Fall geeignet; doch könnte der freche und ziemlich exzentrische Opener "Anteroom of Death" (Vergleiche mit "Zirkusmetal", Diablo Swing Orchestra und Bohemian Rhapsody sind gar nicht so abwegig), auf dem van Canto interessante Chorparts anstelle des üblichen Rakkatakka abliefern, unter Umständen möglicherweise verwirrend oder gar verstörend wirken. Wer befürchtet, diesen nervlich womöglich nicht zu verkraften, möchte ihn anfangs vielleicht vorsichtshalber überspringen ... ;-)

Die Bonus-CD ist für Einsteiger möglicherweise weniger wichtig und eher verzichtbar. Wenn Geld eine Rolle spielt, möchte der Leser, der nicht bereits Fan ist, im Zweifelsfall vielleicht doch nur die Standardversion erwerben.

Anders als bei einer Reihe von symphonisch/orchestral orientierten Metalbands ist auf "What Lies Beneath" nicht mit Grunzgesang zu rechnen. Lediglich in "Dark Star" sind einige Brüller zu hören, doch so stark in den Hintergrund gemischt, daß sie kaum unangenehm auffallen dürften.

Es ist zu beachten, daß das Album - was nicht überraschen sollte - Tarjas Gesang ins Zentrum stellt, somit stark auf diesen ausgerichtet und um ihn herumkonstruiert ist. Die instrumentalen Parts sind dementsprechend nicht außergewöhnlich spektakulär, doch ist vor allem der Beitrag des Schlagzeugers Mike Terrana (seinem Renommee in der Hardrock-/Metalszene entsprechend) beachtenswert. Auch Doug Wimbish und Gastdrummer Will Calhoun (die die Rhythmussektion von Living Colour bilden) tragen zum Gelingen des Albums bei. Tatsächlich bilden die Rhythmusparts hier ein auffällig starkes Rückgrat, während instrumentale Leadmelodien seltener sind als man vielleicht (aus Hardrock-/Metalsicht) erwarten würde. (Mein Eindruck ist, daß die Kritik in manchen Rezensionen mit diesem Umstand zu tun hat, aber die Klasse der Kompositionen ist davon nicht berührt, und ich sehe auch die Notwendigkeit eines weiteren Songwriters nicht ein; die Musik ist durchaus so gedacht, wie sie hier vorliegt, der Rest ist Geschmackssache.) Trotz der instrumentalen Zurückhaltung ist die Professionalität und Musikalität aller Beteiligten spürbar; die Ergebnisse klingen runder als auf dem Vorgängeralbum, sicher auch deshalb, weil hier endlich eine eingespielte Band am Werk ist und nicht nur Sessionmusiker.

Doch trifft die Aussage, daß die Instrumentalisten sich eher in Zurückhaltung üben, nicht ausnahmslos zu. Für Gitarrenfans interessant ist - hauptsächlich - der Gastbeitrag von Joe Satriani in "Falling Awake". Auch ausgefallenere Instrumente bekommt man mitunter zu hören.

Treuen Fans, aber speziell auch Freunden unkonventionellerer Stücke und vielleicht auch Klassikliebhabern ist auf jeden Fall die "Limited Edition" ans Herz zu legen, da diese mit "We Are" einen düsteren, progressiven Track und mit "Naiad" einen weiteren, im orchestralen Stil, ganz ohne E-Gitarren und Schlagzeug, gehaltenen Longtrack enthält, der die Geschichte um die titelgebende Figur (eine Najade ist in der griechischen Mythologie eigentlich eine Wassernymphe) aus "The Archive of Lost Dreams" weitererzählt.

Außerdem bekommt man noch "Still of the Night", auf der Tarja, unterstützt von ihren beiden Brüdern, eine bombastische, mit Orchester und Chor aufgepeppte Interpretation des Whitesnake-Klassikers vorlegt, die einfach Spaß macht. Hardrock-/Metal-Puristen, die das Original im Ohr haben, mag diese Version sich zu sehr davon unterscheiden, aber das kann man auch anders sehen; ich finde schräge und unerwartete Coverversionen viel interessanter als "werktreue". Da andererseits unter Metalfans auf "hart" getrimmte Coverversionen von "mainstreamigeren" Songs oft gerade besonders beliebt sind, kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, daß hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Nebenbei: Auch das Nightwish-Cover von Gary Moore wird bis heute von Metalfans schlecht gemacht, dabei ist es nun wirklich Note für Note am Original und auch von der Stimmung her gleichartig. Ein musikalisch sehr beschlagener (auch was Classic Rock betrifft) Freund, der "Still of the Night" zufällig nicht kannte (er bevorzugt eher die 60er und 70er, insofern verzeihlich), war von selbst gar nicht auf die Idee gekommen, der Song könnte nicht von Tarja sein, was klar gegen die Behauptung spricht, er würde sich mit ihrem Stil beißen. (Amüsant die Beobachtung, daß diese Kritik auffällig häufig ausgerechnet von Leuten kommt, die von den "schwedischen" Versionen der Nightwish-Klassiker begeistert sind ;-) )

Das finale Zuckerl ist ein vierzehnminütiges Making-of-Video, das einen sympathischen Einblick in die Produktion des Albums gibt. Achtung: Auf dem DVD-Player wird das Video nur dann laufen, wenn das Gerät Daten-CDs unterstützt; ansonsten einfach auf dem PC ansehen - man kann sich das Video sogar einfach auf die Festplatte kopieren. Kleiner Tip: Im Netz ist mittlerweile ein weiteres Video aufgetaucht, das 52 Minuten dauert. Einfach nach "Making of WLB" suchen.

Noch ein kleiner Nachtrag, da ich eines ganz vergessen hatte, zu erwähnen: Nämlich das überaus stilvolle Booklet mit seinem von Schwarz und Weiß dominierten Farbschema und den trotz gedrängten Druckes (anscheinend wollte das Label verhindern, daß das Booklet zu dick wird) gut lesbaren Songtexten, in einem Layout, das an antike Inschriften erinnert, mit interessanten Fotos, die die Sängerin in mehreren unterschiedlichen Kostümen zeigen und einzelne Songs illustrieren. Schick.


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