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Rezensionen verfasst von
Mathias Tietke (Berlin)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Amrit - Nectar of immortality
Amrit - Nectar of immortality
DVD ~ Jonas Scheu
Wird angeboten von AV3Distri
Preis: EUR 27,45

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganges, Yogis und die Kumbh Mela in Haridwar 2010, 18. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Amrit - Nectar of immortality (DVD)
Das zentrale Thema des Films ist die Kumbh Mela, die weltgrößte Zusammenkunft von Pilgern, in Haridwar 2010. Allein zum Höhepunkt dieses Festes nahmen 16,6 Millionen Gläubige ein rituelles Bad im Ganges. In eindrucksvollen Bildern und Szenen wird das Geschehen unkommentiert vermittelt. Die Gesichter der Menschen und das farbenfrohe Gewimmel sprechen oft für sich.

Das Filmteam belässt es jedoch nicht bei den Impressionen von Menschenmassen, nackten Yogis und Sadhus hoch zu Ross. Die Bedeutung des religiösen Festes und der Stellenwert des Ganges werden in Interviews mit Menschen, die in dieser Region leben, erklärt. Natürlich geht es dabei auch um die verschiedenen Aspekte der Kumbh Mela. Aber darüber hinaus - und in diesem Punkt unterscheidet sich dieser Film wohltuend von ähnlichen Produktionen - werden zudem persönliche Lebensläufe und ökologische Fehl-Entwicklungen im Himalaya und Gegenmaßnahmen thematisiert.

Auf die mythischen und spirituellen Dimensionen gehen vor allem Siddharta Krishna und Narmada Puri ein, deren Biographie jeweils mit Europa verknüpft ist.
Narmada Puri verließ in den 70er Jahren als Mittzwanzigerin Berlin und zog nach Nord-Indien in den Ort Haridwar, wo sie mit ihrem indischen Guru einen Ashram gründete und drei Kinder zur Welt brachte.
Siddhartha Krishna ist Sohn einer Schweizerin, die ebenfalls in den 70er Jahren nach Nord-Indien zog und einen Yogi heiratete. Die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte Siddhartha Krishna in der Schweiz, kehrte jedoch wieder zurück nach Indien, um die heiligen Schriften des Hinduismus zu studieren. Seinen blinden Vater pflegend, trägt nun das Erbe seines Vaters in Rishikesh weiter, lehrt Sanskrit und Yoga-Philosophie.

Auf die ökologischen Dimensionen und die Notwendigkeit, über Abholzung, Müllentsorgung und Staudammprojekte aufzuklären und gewaltlos Widerstand zu leisten, gehen Dr. G. D. Agrawal, ein Professor für Umweltwissenschaft, und das Ehepaar Sunderlal & Vimla Bahaguna ein, die beide Mitbegründer der Chipko-Bewegung waren.

Sie und noch einige weitere Protagonisten aus dieser Region kommen im Film selbst und - stärker noch - im Bonusmaterial zu Wort, das umfangreicher ist als der Dokumentarfilm selbst.

Die beigefügte Broschüre umfasst 26 Seiten und enthält neben einigen Fotos dreisprachig Informationen zum Ganges, zur Muttergöttin Ganga, zur legendären Kumbh Mela, zur Maha Purna Kumbh Mela in Haridwar sowie vier kurze Porträts zu den oben genannten Personen.

Wer sich für indische Kultur und Philosophie interessiert, findet in diesem von den jungen Schweizern Jonas Scheu und Philipp Eyer mit viel Liebe zum Detail und mit dem klaren Blick für die verschiedenen Facetten des Themas produzierten Film ein durchweg sehens- und hörenswertes Dokument.


Free The Mind (OmU)
Free The Mind (OmU)
DVD ~ Phie Ambo-Nielsen
Preis: EUR 14,99

21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Entwicklung emotionaler Intelligenz; eine Studie & ein Workshop, 15. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Free The Mind (OmU) (DVD)
Im Mittelpunkt der Dokumentation und des umfangreichen Bonusmaterials stehen neben dem US-amerikanischen Hirnforscher Richard Davidson drei Teilnehmer eines siebentägigen Workshops: Rich und Steve, zwei traumatisierte Kriegsveteranen, sowie Will, ein an ADHS erkrankter 5-jähriger Junge.

Während Richard Davidson als Wissenschaftler Vorgänge des Gehirns beschreibt, was mit weißen Figuren auf schwarzem Grund graphisch dargestellt wird, begleitet die Kamera die drei Protagonisten in ihrem Alltag, während der wissenschaftlichen Studie und während des Workshops, der aus Atem- und Yogaübungen besteht, aber auch aus Gesprächsrunden in der Gruppe.

Der Zustand der beiden Kriegsveteranen und des Kindes verbessert sich deutlich, allerdings ist es nicht mit einem Atemzug getan, wie der Untertitel suggeriert. Nein, ein Atemzug kann unser Denken nicht verändern. Neben der Bereitschaft, überhaupt an einem solchen Workshop und an einer wissenschaftlichen Studie teilzunehmen, sind es eine ganze Reihe von Faktoren, die in diesem konkreten Fall zu einer Veränderung bzw. Verbesserung führten. Dazu gehören, neben der dargestellten Übungspraxis, auch die therapeutischen Gespräche und die Zuwendung durch andere Kursteilnehmer, durch die Kursleitung und das Filmteam. Diese Aspekte werden im Film (leider) nicht thematisiert. Unberücksichtigt bleibt zudem die ethisch-philosophische Fragestellung nach Schuld und Verantwortung, wenn ehemalige Verhör-Experten und Bataillionsführer der US-Army nach ihrem Einsatz im Ausland (Irak & Afghanistan) entlastet und wieder fit für den Alltag gemacht werden.

Dass Stress und traumatische Erfahrungen durch Zuwendung, Meditation und Yogaübungen gelindert oder gar überwunden werden können, zeigt der Film anschaulich und exemplarisch. Wer das Thema vertiefen möchte, findet im Bonusmaterial nicht nur Interviews mit der dänischen Filmemacherin und mit dem Hirnforscher Richard Davidson sowie dessen Begegnung mit dem Dalai Lama, sondern auch Yoga- sowie Achtsamkeitsübungen für Kinder.


Grundig SM 7280 Standmixer (Gourmet, 600 Watt, 1,5 l Glasbehälter), schwarz
Grundig SM 7280 Standmixer (Gourmet, 600 Watt, 1,5 l Glasbehälter), schwarz
Preis: EUR 47,99

39 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Achtung: "Gerät nicht in der Badewanne benutzen"..., 6. Juni 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Die Bedienungsanleitung muss jemand verfasst hat, der viel Humor hat.
Neben dem im Titel zitierten Satz gibt es u. a. solche Anweisungen:

"Das Gerät nicht für Zwecke benutzen, für die es nicht bestimmt ist."
- Also die Socken besser per Hand waschen oder in der Waschmaschine,
nicht mit dem Mixer zerhäckseln! Danke für diesen Hinweis!

Empfohlen wird hingegen die Installation einer "Fehlerstrom-Schutzeinrichtung
(RCD) mit einem Bemessungsauslösestrom von nicht mehr als 30mA".
Da mein Strom keine Fehler macht, habe ich mich nicht daran gehalten.

Und sollten sich im Obst oder im Reis-Drink "Knochen und Steine" befinden,
ja, dann entferne ich diese selbstverständlich, bevor ich Smoothie mache.
Aber neben den Kisten mit TNT werde ich das Gerät nicht aufstellen. Danke für
all diese Ratschläge, liebe Grundig-Mitarbeiter!

So weit zur Bedienungsanleitung...

Das Gerät selbst ist robust und klug konzipiert. Der Übergang zu den vier Schaltstufen
ist soft, stufenlos und zugleich kraftvoll. Die Geräuschentwicklung hält sich in Grenzen,
selbst beim Hinzufügen von Eiswürfeln.
Mein Sohn meinte, die Eiswürfel könnten noch nicht gecruncht sein, aber sie waren es
doch - innerhalb von wenigen Sekunden und leise!

Der Glasbehälter muss nicht einrasten und demzufolge nicht gedreht werden, einfach
aufsetzen und man kann starten.
Sehr gut ist der am robusten Glasbehälter angebrachte stabile und formschöne Sockel,
so kann man den befüllten Glasbehälter überall abstellen.


Silk'n Flash und Go Permanente Haarentfernung
Silk'n Flash und Go Permanente Haarentfernung
Preis: EUR 205,94

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht schlecht, nicht gut (genug), 6. Juni 2013
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Dem Gerät liegt eine gute Idee zugrunde, aber es wirkt nicht bei jedem.
Es ist einfach in der Handhabung, aber selbst wochenlange Lichtbehandlung
hat keine zufrieden stellende Ergebnisse gezeigt.
Da die Brasilianerinnen und die nette Litauerin im Enthaarungsstudio preiswert
sind, halte ich dies für eine Alternative.

Zugleich scheint es laut positiver Feedbacks bei einigen gut zu wirken
und dies will ich auch nicht in Abrede stellen.

Es kann also gut sein, dass das Gerät gut wirkt, aber es kann auch sein,
dass es keine brauchbaren Effekte hat, so wie ich es erlebt habe.


Yoga Is - A Transformational Journey
Yoga Is - A Transformational Journey
DVD ~ Russell Simmons
Preis: EUR 13,99

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mix aus Egotrip und Übermaß an Statements, 4. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Yoga Is - A Transformational Journey (DVD)
Gleich zu Beginn fällt die gehetzte Stimme aus dem Off auf. Es ist die (synchronisierte) Stimme der Regisseurin Suzanne Bryant, die nach dem Tod ihrer Mutter zu einem Selbstfindungstrip nach und durch Indien aufbricht. Dort trifft sie vor allem amerikanische Landsleute, von denen sie sich die Welt des Yoga erklären lässt. Beispielsweise von Shiva Rea in Kerala.

Von Reise-Impressionen und immer neuen Selbstinszenierungen mit wechselnden Kleidern in Werbeclip-Ästhetik abgesehen, kommen etwa zwanzig prominente YogalehrerInnen der USA zu Wort, die im Sekundentakt erklären, was Yoga bedeutet, was Karma meint und was es mit der Erleuchtung auf sich hat. So zum Beispiel Alan Finger, der meint, man müsse zum Baby werden, dann wäre man erleuchtet.
Ansonsten sieht und hört man Gurmukh, Christy Turlington, Seane Corne, Ana Forrest, Elise Browning Miller, Sharon Gannon, David Life, Erich Schiffman, Krishna Das, Dharma Mittra, Baron Baptiste, Shyam Das, Robert Thurman, etc. pp.

Nach etwa 15 Minuten und somit einem Viertel der Gesamtspielzeit dachte ich vor allem eins: "Hoffentlich ist es bald vorbei!!!"

Die Mischung aus Bibel-TV, Tele-Shopping und MTV nervt von der ersten bis zur letzten Minute. Der Dokumentation mangelt es an Fokussierung und Authentizität. Jet-Set-Yoga-Yuppies erzählen, dass man auch mit wenig auskommen und glücklich sein kann...

Jeder Satz und jede Erklärung muss nochmals illustriert und orchestriert werden. Durch die pausenlose Indoktrination wirkt das Ganze wie eine Gehirnwäsche. Was von den hektisch vorgetragenen Statements hängen bleibt, sind Sätze wie diese:
"Wir im Westen machen das Leben kompliziert."
" Ein Physiker hat mal gesagt: 'Es gibt kein Draußen da draußen'."

Wer mit solchen Sätzen etwas anfangen und zudem Szenen der Selbstfindung einer Frau, die sich gerne zusammen mit Prominenten ablichten lässt, etwas abgewinnen kann, wird an diesem Film eventuell Freude haben. Für alle anderen ist es wohl eher Zeitverschwendung und enervierend.


Orte des seelischen Rückzugs: Pathologische Organisationen bei psychotischen, neurotischen und Borderline-Patienten
Orte des seelischen Rückzugs: Pathologische Organisationen bei psychotischen, neurotischen und Borderline-Patienten
von John Steiner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Analytiker-Interna und Analytiker-Probleme, 2. Juni 2013
In dieser vierten Auflage des bereits 1993 in London erschienenen Buches, das 1998 in deutscher Übersetzung vorlag, geht es vor allem um die Innenansichten des Psychoanalytikers John Steiner in Bezug auf dessen Tätigkeitsfeld.

In elf Kapiteln beschreibt Steiner jenen Teil seines Arbeitsalltags, der von Problemen bzw. Konflikten mit Patientinnen geprägt ist. Ganz konkret werden die Beispiele jeweils in dem Abschnitt "Klinisches Material" beschrieben.

Der Hinweis auf Borderline-Patienten im Untertitel des Buches ist insofern irritierend, da es kaum um die Borderline-Spezifik geht und zudem in einer ganz anderen Deutung als dem allgemeinen Verständnis: Steiner stellt die "Depressive und die Paranoid-schizoide Position" gegenüber und bezeichnet den Ort des Rückzugs als "Borderline-Position". Verlässt der Patient den Rückzug, so wird er "mit Ängsten aus jeder der beiden Grundpositionen konfrontiert" (Seite 31).

Neben den eigenen Erfahrungen mit PatientInnen in seiner Praxis als Psychoanalytiker in London bezieht sich Steiner sehr oft auf Freud und zitiert diesen auch häufig. Andere Präferenzen sind W. R. Bion, B. Joseph, O. F. Kernberg, M. Klein, H. A. Rosenfeld und H. Segal, auf die ebenfalls häufig Bezug genommen wird.

Im Kern geht es in dem vorliegenden Buch um die Hindernisse in der Analyse, für die Steiner auch einen selektiven und kommentierten Literaturüberblick im Buch gibt. (Seite 69 ff.)
Dies dürfte primär bzw. fast ausschließlich für KollegInnen relevant sein, die ähnliche Erfahrungen mit PatientInnen machen und sich orientieren möchten, wie man mit dem Rückzug von PatientInnen umgeht und mit deren wahnhaften Überzeugungen.

Mitunter benennt Steiner die Problemstellung lediglich, ohne konkrete Lösungsansätze aufzuzeigen. Er nennt beispielsweise das Ziel ("das beschädigte Ich wiederherstellen", "eine zerstörte Welt rekonstituieren") und zitiert dazu Freud: "Der Weltuntergang ist die Projektion dieser innerlichen Katastrophe; seine subjektive ist untergegangen,... (...) Was wir für die Krankheitsproduktion halten, die Wahnbildung, ist in Wirklichkeit der Heilungsversuch, die Rekonstruktion."

Solche und ähnliche Passagen bieten auch für den Nicht-Psychoanalytiker interessante Erkenntnisse. Es hilft, Menschen besser zu verstehen, die sich in eine Wahn-Welt zurückziehen.
John Steiner beschreibt diese Wahnwelt sehr plausibel in drei Sätzen:
"Psychotische Persönlichkeitsorganisationen spiegeln den extremen Charakter der Erfahrungen wider, mit denen der psychotische Patient zu kämpfen hat. Sie gründen auf intensiver Angst, deren Bewältigung drastische Maßnahmen erfordert. So muß mit Hilfe omnipotenter Kräfte ein Rückzug hergestellt werden, der auf psychotische Weise und unter Mißachtung der Realität organisiert ist." (Seite 101)

Allgemeine Empfehlungen, wie ein Analytiker mit der Problematik des Rückzugs umgehen sollte, finden sich im letzten Kapitel, in dem es um "Probleme des psychoanalytischen Technik" geht. Dort bringt Steiner auch das Beispiel einer 40jährigen Akademikerin und deren 14jähriger Tochter, die sich beide in eine Phantasiewelt zurückzogen und ein äußerst gestörtes Verhalten an den Tag legten, was letztlich zu einer äußerst schwierigen und komplexen Kommunikation und Rollenaufteilung zwischen Patientin und Analytiker führte.

Steiners Fazit am Ende des Buches lautet: "Analytische Arbeit mit Borderline- und psychotischen Patienten, welche derartig technische Probleme bieten, geht stets langsam voran und ist oft entmutigend, kann aber zu bedeutsamen Entwicklungen führen." (Seite 211)


Die Heilkraft innerer Krisen: Emotionen annehmen, ausleben - und heilen
Die Heilkraft innerer Krisen: Emotionen annehmen, ausleben - und heilen
von Dr. med. Daniel Dufour
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Simplifizierendes Gut-Böse-Schema, 17. Mai 2013
Während Mediziner wie Prof. Dobos und Prof. Willich sich um ein ergänzendes Miteinander von Schulmedizin und Naturheilkunde bemühen, setzt Dr. Dufour mit diesem Buch auf Konfrontation.

Dufour folgt einem einfachen Muster und wiederholt vieles wieder und wieder, was auch für jene, die seiner Auffassung folgen mögen, ermüdend sein muss.

Gut ist es nach Dufour, sich selbst ganz doll lieb zu haben. Schlecht ist es, gegen Krankheiten anzukämpfen.
Das Reflektieren des eigenen Gefühlsleben ist gut, schlecht hingegen sind Schulmedizin und die "dominierende und intolerante Wissenschaft".
Aber auch den Tod findet Dafour "gut", denn er ist, wie der Autor schreibt, nur ein Übergang "in eine neuen Zustand des >Seins<". Er beschreibt den Tod als einen weiteren Moment im (überstrapazierten) "Hier und Jetzt", und er betont, dass der Tod nicht nur völlig harmonisch erlebt werden kann, sondern er wäre "oft die Befreiung von der Last der materiellen Zwänge, die größte Loslösung, in gewisser Weise die Freiheit!"

Im Sinne des "Ganzheitlichen", wie es der Autor versteht, braucht es keine "Kämpfe gegen vulgäre Viren, Bakterien oder andere Angreifer".

In den nicht überprüfbaren Beispielen aus seiner Praxis beschreibt Dufour dann Fälle, wo eine Frau sich ihres Beziehungskonflikts bewusst wird und schwupps - schon löst sich die Schilddrüsenunterfunktion von selbst auf. Ein Mann mit Prostatakrebs reflektiert die Gründe seiner Schuldgefühle und schon verschwindet der Tumor...

Solche Fälle mag es geben. Aber Spannungen, Probleme und ernsthafte Erkrankungen resultieren nicht immer nur aus nicht intakten Beziehungen! Die Ursachen von Krankheiten und deren Behandlung lässt sich nicht pauschal auf emotionale Konflikte reduzieren. Allzu oft klingen die Beispiele nach Eigenlob plus Eigenwerbung.

Davon abgesehen, fordert Dufour zwei völlig konträre Maßnahmen zur Gesundung: Einerseits sollen wir uns ganz auf das "Hier und Jetzt" konzentrieren und den Moment leben, andererseits ist zur Lösung von psychosomatischen Konflikten und gravierenden gesundheitlichen Problemen das Reflektieren vergangener Traumata und Begebenheiten notwendig, um durch die Erkenntnis, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist, entspannter und gesünder in die Zukunft blicken zu können. Ein ausgewogenes Verhältnis von Erinnern, Gegenwartsbezogenheit und eine Zukunftsperspektive wäre die Alternative, nicht dieser säuglingshafte Reflex: "Immer Hier und Jetzt".

Oft bedient der Autor gängige Klischees. Er gibt mitunter sinnvolle Denkimpulse, aber er vereinfacht häufig komplexe Sachverhalte. Vom Vorwort bis zum "Harmonie"-Schlusskapitel polarisiert Dr. med. Dofour, anstatt sich stark zu machen für eine Versöhnung zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde, denn beides hat seine Berechtigung und ist partiell limitiert.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 6, 2014 1:47 PM MEST


Ethisch Essen mit Fleisch: Eine Streitschrift über nachhaltige und ethische Ernährung mit Fleisch und die Missverständnisse und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise
Ethisch Essen mit Fleisch: Eine Streitschrift über nachhaltige und ethische Ernährung mit Fleisch und die Missverständnisse und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise
von Lierre Keith
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

79 von 132 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Anachronistisch und zynisch, 16. Mai 2013
Gleich zu Beginn des erstens Kapitels, in dem die Autorin versucht, ihre Streitschrift zu rechtfertigen, schreibt sie:
"Mein Leben soll ein Schlachtruf sein, ein Kriegsschauplatz,..."
Folgerichtig ist auch dieses Buch ein Schlachtruf und eine Art Kriegsschauplatz. Allerdings sind die verschossenen Pfeile stumpf und die verbalen Geschosse allesamt Rohrkrepierer. Dies trifft auf alle fünf Kapitel zu: 1. Warum dieses Buch? 2. Moralische Vegetarier 3. Politische Vegetarier 4. Gesundheitlich motivierte Vegetarier 5. Die Welt retten.

Im zweiten Kapitel, in dem von moralischen Vegetariern die Rede ist, steht (hervorgehoben und auf grüner Grundierung):
"Wir alle - Apfelbäume und Silberlachse, Regenwürmer und Trauerseeschwalben - sind erst Jäger und dann Opfer. 'Leben oder Tod?' ist nicht die Frage, die uns retten wird."

Lierre Keith schreibt von "krassem Anthropozismus" und bezieht das auf das Argument, einen Apfel zu essen wäre okay. Aus ihrer Sicht ist es das nicht, denn dies wäre 1. Ausbeutung, 2. ein Akt des Tötens 3. gibt es keine Einverständniserklärung seitens des Apfelbaums 4. existieren in der Natur eigentlich gar keine Äpfel, weil sie gezüchtet wurden, und die Vorfahren der domestizierten Früchte waren allesamt ungenießbar...
Ergo ist die Ernte und der Verzehr von Äpfeln gemeiner Massenmord.

Ja, die Autorin meint das ernst. Und so sinnfrei und paranoid, wie die hier zitierten Sätze, so sinnfrei und paranoid ist der Rest des Buches. Hierfür noch ein paar Beispiele:

"Mein Garten wollte Tiere essen, auch wenn ich es nicht wollte." (Seite 27)

"Die Archäologen müssen mit den Pharmakologen sprechen. (...) Affen und Hunde lieben Opiumrauch. Schimpansen überwinden ihre Angst vor dem Feuer, um Zigaretten zu rauchen." (Seite 39)

Aber - was will sie den LeserInnen damit sagen? Und was ist ihr Fazit am Ende des "moralischen" Kapitels? Die Autorin plädiert dort für etwas Fließendes, für einen lebendigen Fluss und - "wir sind die Schiffer, die sich auf ihm niederlassen [sic!] und darauf warten, dass wir von den Fischen gegessen und heimgebracht werden." (Seite 86)
Aha...

Keinen Deut besser ist das Kapitel über die gesundheitlichen Aspekte.
Darin behauptet die Autorin, dass Getreide essen, diverse Probleme verursachen würde. Da ihr bewusst ist, dass sie mit ihren unsinnigen und unwissenschaftlichen Behauptungen einer Minderheit angehört, schreibt sie von der "unbarmherzigen Hetze des medizinischen Establishments". (Seite 154)

Nein, die Autorin ist keine Medizinerin. Und sie ist auch keine Wissenschaftlerin. Der Verlag beschreibt sie als radikale feministische Aktivistin und Kleinbäuerin. Insofern kann man ihr zumindest nachsehen, dass sie mit medizinischen Studien und Veröffentlichungen von renommierten Medizinern wie Prof. Dr. Colin Campell, Dr. John A. McDogall, Dr. Caldwell B. Esselstyn Jr. und Dr. Terry Mason nicht vertraut ist. Wissenschaftliche Studien und fundierte Veröffentlichungen, in denen es um gesunde Ernährung und tierisches Eiweiß geht, sind laut Autorin lediglich "Hetze des medizinischen Establishments."
Angesichts dieser Formulierung wird auch klar, weshalb Lierre Keith so viele gesundheitliche Probleme hat, von denen sie ausführlich im Buch berichtet.

Die Ex-Veganerin Lierre Keith ist derart von Wut und Hass gegen jene getrieben, die weiterhin auf getötete bzw. geschlachtete Tiere als Nahrung verzichten und dafür überzeugende Argumente liefern, dass sie vehement und polemisch gegen Vegetarier zu Felde zieht.
Sie selbst gibt als Grund dafür ihre degenerative und schmerzhafte Gelenkerkrankung an, die nach zwei Jahren veganer Ernährung auftrat. Nach sechs Wochen veganer Ernährung war sie angeblich unterzuckert, nach drei veganen Monaten hörte sie auf zu menstruieren, ihre Haut soll sich geschuppt haben und sie konnte nicht mehr schlafen... Aber - sie gibt zugleich zu, dass sie einer "altehrwürdigen Reihe depressiver Alkoholiker" entstammt. Doch - Schuld an ihrem ganzen Dilemma wäre (angeblich) ihre vegane Ernährung und - alle Vegetarier, die sie kennt, wurden (angeblich) krank.

Nicht nur ungenießbar, sondern voller Gift ist dieses Buch. Es endet mit der grotesken Behauptung, der Vegetarismus würde in eine Sackgasse führen: "Das Leben muss töten und wir sind alle nur durch den toten Körper eines anderen möglich. (...) Die Nahrungsmittel, die uns nach Ansicht der Vegetarier retten werden, zerstören die Welt."

Genug von dieser sinnfreien "Streitschrift" und dem öden "Zündstoff" darin. Dieses Buch gehört in den blauen Recylingcontainer...

Nachtrag
Wer wissen möchte, wofür die Autorin plädiert, sollte sich Dokumentarfilme wie "Earthlings" oder "Tierhaltung und Konsum" oder "Wände aus Glas" anschauen...
Kommentar Kommentare (59) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 4, 2014 6:44 PM MEST


vegan genial: aufregend anders kochen
vegan genial: aufregend anders kochen
von Josita Hartanto
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

124 von 128 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 100x besser als die Hausmannskost von Tim Mälzer, 14. Mai 2013
Die gängigen Klischees und Vorurteile gegenüber veganer bzw. vegetarischer Ernährung lösen sich zunehmend auf. In diesem Kontext ist es gut und richtig, dass es auch immer mehr entsprechende Kochbücher gibt.

Das vorliegende, großformatige Kochbuch mit großartigen und ganzseitigen Fotos stammt von der gelernten Köchin Josita Hartanto, die im "Lucky Leek" das Sagen hat, einem veganen Restaurant in Berlin. Ihr Anspruch ist es, eine neue Küche zu schaffen, also keine veganen Varianten von Großmutters Rezepten und auch nicht die x-te Variante von Brokkoliauflauf oder veganer Bolognese.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert: 1. Suppen & Vorspeisen 2. Hauptgerichte 3. Snacks & kleine Sattmacher 4. Desserts.
Vorab werden in einem Glossar und in einer kurzen Abhandlung über die notwendige Ausrüstung und nützliche Vorräte die Grundlagen erklärt.

Zum Spektrum der Zutaten gehören neben diversem Gemüse und Obst sowie Gewürzen u. a. Agavendicksaft und Apfelsaft, Kokos- und Sojamilch, Tempeh und Tofu. Die äußerst sparsam eingesetzten exotischen Zutaten sind Agartine, Nori- und Bananenblätter sowie Tamarindenpaste.

Zu jedem Rezept, das stets auf der linken Buchseite abgedruckt ist, gibt es auf der rechten Seite ein großformatiges Foto. Somit hat man die Anleitung mit den separat aufgeführten Zutaten und die Inspiration für das Anrichten stets im Blick.

Die geniale Auswahl reicht von "Rote Beete im Haselnussmantel mit Feldsalat und Himbeerdressing" (Vorspeise) bis zum "Ingwer-Dattel-Panna-Cotta". Von den Hauptgerichten habe ich bereits "Kohlrabischnitzel mit Wasabi-Kartoffelsalat" und "Zucchini-Involtini mit Tomatensugo" ausprobiert (siehe Kunden-Fotos).
Beides war sowohl optisch als auch geschmacklich großartig, wobei ich die Füllung für die gerollten Zucchinischeiben komplett püriert habe, was das Rollen der Zucchinischeiben erleichterte.

Als nächstes sind "Auberginenschnitzel mit Radieschen und Blumenkohlpüree" sowie "Kartoffelplätzchen mit Chicoree und Birne" an der Reihe...


Zukunftsmenü: Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können
Zukunftsmenü: Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können
von Sarah Wiener
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wege aus dem Dilemma. Analysen, Alternativen und Rezepte, 11. Mai 2013
Sarah Wiener hat sich intensiv mit der Herkunft und Beschaffenheit unserer Lebensmittel befasst.
Und sie fragt - ganz zu Recht: "Hat uns die Nahrungsmittelindustrie mit ihrer die heile Welt versprechenden Werbung den gesunden Menschenverstand vernebelt?"

Ja, das hat sie wohl, zumindest bei sehr vielen Verbrauchern und Anbietern. Als Toscani 1997 schrieb "Die Werbung ist ein lächelndes Aas", so trifft dies in Bezug auf Nahrungsmittel und auf welch verlogene Art sie beworben werden, ganz besonders zu.

In vier Teilen und jeweils aufgelockert durch Tischgespräche, die Sarah Wiener mit relevanten Experten führte (vom Bio-Bauer bis zum Tierarzt und Umweltmediziner), blickt Sarah Wiener über den Tellerrand, auf zunehmende Unverträglichkeiten von Nahrung wie "Milch", die zumeist nur noch eine sterile weiße Brühe ist, auf die Unmengen von Plastik, die verschiedenen Bio-Siegel und - natürlich - auf das Kochen und Genießen lernen.

Leidenschaftlich und überzeugend beschreibt und belegt die Autorin die desolaten Zustände bei der Erzeugung und dem Verkauf von Lebensmitteln, bei denen es sich viel zu oft um "plastikverpackte Fertigprodukte, die uns und die Natur krank machen" handelt.

Ja: "Wir sollten unsere Gier zügeln..."!

Doch Sarah Wiener belässt es nicht bei solchen Appellen, sie gibt auch sehr konkrete Anregungen, wie wir aus dieser Sackgasse heraus kommen können. Ihre persönliche Lösung ist nicht der Verzicht, sondern die Wertschätzung von Qualität und Vielfalt und das Genießen dieser Qualität und Vielfalt.

Wir müssen uns nicht mit ewig gleich schmeckenden Tiefkühlpizzen, chemisch aufgepeppten Kadaversegmenten und drei Apfelsorten abspeisen lassen. Wir können uns auch für gesunde und gehaltvolle Nahrung entscheiden und/oder diese einfordern.

Die verschiedenen Aspekte dieses Themas, beschreibt Sarah Wiener fundiert und kurzweilig, sie liefert interessante Hintergrundinformationen und individuelle Möglichkeiten, etwas zu ändern an dem Dilemma.

Der einzige Part, in dem sie nicht überzeugt, ist die Vorliebe für das angeblich "kostbarste Lebensmittel": Fleisch. Die Massentierhaltung findet sie gruselig und ekelerregend, aber Lebewesen als hochwertiges Schlachtvieh einzustufen, von dem sich vortrefflich Zunge, Lunge, Leber, Füße und der ganze Rest verwenden lassen, ist weder unter gesundheitlicher noch unter ethischer Perspektive nachvollziehbar. In diesem Punkt ist die Gewohnheit und persönliche Vorliebe offensichtlich stärker als die Vernunft und das Mitgefühl.

Trotz dieses Einwandes und dem Übermaß an Rezepten, in denen es um Kutteln, Kalbszunge und Hackfleisch geht, ist die Intention dieses Buches, die Welt, in der wir leben, zu einem besseren Ort zu machen, bedenkens- und unterstützenswert.


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