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Rezensionen verfasst von
pionskora

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Gray Matter
Gray Matter
Wird angeboten von WandelWare UG (haftungsbeschränkt) (inkl.MwSt. Widerrufsbelehrung unter Verkäufer-Hilfen.)
Preis: EUR 9,69

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schaurig-schönes Adventure-Spektakel, 17. November 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Gray Matter (Videospiel)
Was mich an diesem Spiel bereits im Vorfeld fasziniert hat, war die Tatsache, dass die Meinungen von Presse und Spielerbewertungen so weit auseinander gehen. Fast alle Fachzeitschriften loben das Spiel, die meisten Rezensionen von Spielern selbst fallen hingegen sehr kritisch aus. Da Adventures auf Konsolen eine Rarität darstellen, habe ich mir "Gray Matter" aus Liebe zum Genre nun doch besorgt - und wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil.

Ich fange diesmal ausnahmsweise mit den Kritikpunkten an. Viele kritisieren, dass "Gray Matter" an vielen Stellen zu schwer bzw. unlogisch aufgebaut ist. Dem kann ich nur teilweise beipflichten. Insgesamt musste ich drei Mal das Internet als Hilfsmittel zu Rate ziehen, weil ich nicht weiter wusste, jedoch unbedingt bis zum Ende spielen wollte. Das war zwar ärgerlich, ist aber in meinen Augen gerade noch so vertretbar. Dass die Protagonistin sich nicht jederzeit nachvollziehbar verhält bzw. widersprüchliche Aussagen trifft, kommt ebenfalls vereinzelt vor, doch auch das hat den Spielfluss für mich zu keinem Zeitpunkt gestört, sondern mir allerhöchstens ein Stirnrunzeln abgeknöpft. (Zu) lange Ladezeiten sind mir nicht aufgefallen. Ich habe das Spiel auf der Festplatte installiert und die Ladezeiten zu keinem Zeitpunkt als störend empfunden.

Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt, bekommt ein Grusel-Adventure allererster Sahne geboten. Die sehr charismatische Protagonistin, Samantha Everett, landet durch Zufall auf dem Anwesen von Dr. David Styles, einem Neurobiologen mit eher zweifelhaftem Ruf. Durch einen Trick (sie gibt sich als eine andere Person aus) schafft sie es, als Dr. Styles' Assistentin eingestellt zu werden. Als ihr aufgetragen wird, freiwillige Studenten für eines seiner Experimente zu gewinnen, machen sie die Reaktionen auf ihre Anfragen stutzig: Überall erfährt sie Ablehnung, bei dem Namen "Styles" winkt jeder mehr oder minder dankend ab. Samantha wird neugierig und versucht, mehr über die Vergangenheit ihres Arbeitgebers in Erfahrung zu bringen, mit erschreckendem Ergebnis... Doch damit nicht genug: Jedes Mal, wenn Dr. Styles eines seiner Experimente durchführt, passiert etwas Schreckliches (an dieser Stelle will ich nicht präziser werden, Spoileralarm!). Doch je tiefgründiger sie recherchiert, desto morbidere Ausmaße nimmt es an. Hier und da erinnert die ganze Atmosphäre an einen guten Akte-X-Streifen.

Interessant ist der charakterliche Gegensatz beider Hauptfiguren: Samantha ist eher der extrovertierte, neugierige Typ, Dr. Styles hingegen bleibt bis zum Schluss der eher zurückgezogene, wortkarge, introvertierte Mensch. Für Abwechslung und Spannung sorgt zudem, dass man als Spieler beide Figuren spielen kann und somit beide Perspektiven und Ansichten im Detail aufnimmt. Eine weitere Besonderheit ist die Anwendung von Zaubertricks: Samantha trägt ein Zauberbuch bei sich und kann mit dem nötigen Equipment Tricks nutzen, um z.B. Mitmenschen zu manipulieren. Ansonsten folgt das Gameplay dem klassischen Adventure-Muster: Man erkundet viel, führt viele Dialoge, kombiniert Gegenstände und interagiert mit den verschiedensten Dingen. Rätseleinlagen finden man ebenfalls vereinzelt, diese stellen aber zu keinem Zeitpunkt eine richtige Herausforderung dar. Ungünstig ist manchmal, dass man keine konkreten Hinweise dazu findet, was man als nächstes tun muss. Zwar wird über die Karte ersichtlich, an welchen Orten man sich noch umschauen muss, allerdings sind diese meist recht groß. Wer also wirklich mal "hängen" bleibt, hangelt sich entweder wieder durch alle Interaktionsoptionen oder sucht im Internet nach dem richtigen Weg. Hier hätten die Entwickler dem Spieler wesentlich mehr unter die Arme greifen können.

Ja, "Gray Matter" hat Macken und ich hätte liebend gerne 5 Sterne vergeben, doch perfekt ist das Spiel nicht. Dennoch hat mich lange kein Spiel mehr so mitgerissen wie dieses. Die Szenarien, die Synchronisation, die Handlung, der Soundtrack, die Figuren: Alles ist in sich stimmig und gibt ein tolles Gesamtkunstwerk ab. Ich habe immer noch das Titellied im Ohr und es erinnert mich jedes Mal aufs Neue an das Schicksal von Dr. Styles. Die Handlung hält einen durchgehend auf Trab, für mich wurde es zu keinem Zeitpunkt langweilig und gerade zum Ende hin zieht der Spannungsbogen nochmal richtig an. Selten habe ich nach dem Beenden eines Spiels so lange über die Geschichte nachgedacht, wie es bei "Gray Matter" der Fall gewesen ist. Die beiden Protagonisten werden mir noch lange in Erinnerung bleiben; die wenigen Ärgernisse, die mir das Spiel bereitet hat, habe ich hingegen nach kurzer Zeit schon fast wieder vergessen. Ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal. Von mir eine klare Kaufempfehlung.


Stand Up and Fight (Ltd.Edt.)
Stand Up and Fight (Ltd.Edt.)
Preis: EUR 15,05

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Name ist Programm, 14. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Stand Up and Fight (Ltd.Edt.) (Audio CD)
Die finnischen Mannen (und Akkordeongrazie Netta Skog) von Turisas haben mit ihren bisherigen drei Alben das geschafft, was anderen Bands nach über zehn Alben nicht gelingt: Sie haben sich konsequent weiterentwickelt. War der Sprung von "Battle Metal" zu "The Varangian Way" noch nicht allzu eindeutig hörbar, so ist er es mit "Stand Up And Fight" umso mehr. Mathias Nygard singt fast durchgängig, Growlpassagen werden nur noch häppchenweise serviert. Parallel dazu sind die Einsätze von orchestralen Parts immens gestiegen. Beides zusammen hat zur Folge, dass "Stand Up And Fight" im Vergleich zu seinen Vorgängern an musikalischer Härte eingebüßt hat, was aber kein Nachteil sein muss. Ganz im Gegenteil: Das Album ist mitreißend, heroisch, erinnert stellenweise an Filmmusik und verbreitet hier und da Musicalatmosphäre par excellence. Zudem war Nygard in meinen Augen nie ein wirklich begnadeter Growler (bezogen auf die Konzerte, die Studioaufnahmen fand ich in Ordnung), der cleane Gesang stand ihm bereits auf den ersten Alben wesentlich besser zu Gesicht.

Wirkliche Highlights sind auf dem Album schwer zu benennen, das fällt mir bei anderen Alben wesentlich leichter. Mein persönliches Glanzlicht ist glaube ich "The Great Escape", weil der Titel a) eine tolle Spannungssteigerung hat, in ein famos geniales Ende mündet und b) auch live super ankommt. Zusammen mit "End Of An Empire" sind das die beiden komplexesten Lieder, letzteres erinnert mit über 7 Minuten Laufzeit und einem bombastischen Orchester am Ende an "Miklagard Overture" auf dem Vorgängeralbum und ist nicht minder interessant. Der Opener "The March Of The Varangian Guard" ist eine wahrhaft heroische Hymne und zeigt recht deutlich auf, in welche Richtung der Rest des Albums geht. "Stand Up And Fight" ist der eingängigste Track und war zu Beginn einer meiner Lieblingsstücke; inzwischen finde ich fast alle anderen Titel wesentlich interessanter. Bei "Hunting Pirates" ist es genau umgekehrt: Hieran habe ich erst nach mehreren Hördurchläufen wirklich Gefallen finden können. Grandios ist auch "Take The Day!", einer der besten Titel auf dem Album. Die Strophen sind ruhig, fast schleichend, der Refrain hingegen energiegeladen und mitreißend ohnegleichen. Ganz großes Kino. Die saubere und glasklare Produktion rundet den positiven Gesamteindruck ab.

Man darf durchaus die zu kurze Spieldauer des Albums bemängeln. Ich hätte auch keine Bauchschmerzen mit der doppelten Laufzeit. Allerdings mag ich weder Lückenfüller noch Titel, die ich überspringen muss/möchte. Qualität statt Quantität sozusagen. Ich habe lieber 8 sehr gute Titel als 8 sehr gute und 5 schlechte auf einem Album. Turisas haben sich erneut weiterentwickelt, dennoch ist der Wiedererkennungswert geblieben. Der Gesang, das Akkordeon und vor allem die herausragende Arbeit von Geiger Olli Vänskä verleihen der Band eine Eigenständigkeit, die unter den etlichen Pagan-/Folk-Metal-Bands nicht selbstverständlich ist. Man kann der Band einiges unterstellen, aber nicht, dass sie ihre Hörerschaft in irgendeiner Form langweilen würde. Von mir eine klare Kaufempfehlung.


MagnaCarta 2
MagnaCarta 2
Wird angeboten von aRizingStar
Preis: EUR 58,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feinste JRPG-Kost mit innovativem Kampfsystem, 13. September 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: MagnaCarta 2 (Videospiel)
Ich habe dieses Spiel vor knapp einer Woche beendet und muss sagen, dass ich (fast) vollends begeistert bin. "Magna Carta 2" erfindet das Genre nicht neu, kombiniert jedoch klassische RPG-Elemente mit eigenen Ideen. Hier eine kleine Zusammenfassung meiner Eindrücke, die hoffentlich anderen bei einer Kaufentscheidung helfen wird (dieses Spiel wird nämlich definitiv nicht jedem Rollenspieler zusagen):

Die Geschichte ist zweckmäßig, aber nicht überragend. Man spielt den jungen Juto, der sein Gedächtnis verloren hat und verzweifelt versucht, seine Erinnerungen zurück zu erlangen. Dabei gerät er in einen Krieg, schließt sich einer der sich bekriegenden Parteien an, findet Freunde, erhält häppchenweise seine Erinnerungen zurück und wird zur immer stärkeren Schlüsselfigur. Alles schon mal da gewesen, jedoch punktet das Spiel wie viele andere Japano-RPGs auch mit viel Dramaturgie, teils überdrehten Charakteren und einigen überraschenden Wendungen. "Magna Carta 2" ist durchgängig englischsprachig, jedoch mit deutschen Untertiteln. Es gibt leider nicht viele Zwischensequenzen, die Dialoge zwischen einzelnen Figuren sind demnach auf Dauer etwas öde inszeniert. Die Grafik hat das Rad der Zeit ebenfalls nicht neu erfunden, ist aber mehr als ausreichend. Die Charaktere sind schön gestaltet, die Umgebungsgrafik hingegen stark schwankend zwischen einzelnen Orten. Aus musikalischer Sicht wurde hier alles richtig gemacht, die Musik und auch die Sprachausgabe sind hervorragend gelungen. Dem einen oder anderen wird Jutos Stimme vielleicht bekannt vorkommen, da hier wieder Johnny Yong Bosch zu hören ist, der bereits Rush Sykes aus "The Last Remnant" seine Stimme verliehen hat.

Apropos "The Last Remnant": Was beide Spiele zusätzlich gemeinsam haben, ist das polarisierende Kampfsystem. War das bei "The Last Remnant" in der Tat eine Frage des persönlichen Geschmacks, so muss ich den Kritikern im Falle "Magna Carta 2" unterstellen, sich mit dem Kampfsystem nicht richtig befasst zu haben oder einfach zu anspruchslos zu sein. Man kommt nicht in jedem RPG ans Ziel, indem man einfach auf Gegner eindrischt und das ist auch gut so. In diesem Spiel gibt es eine Art Ladebalken. Nach mehreren Angriffen wird der Balken voll und man kommt in den sogenannten Overdrive-Modus. Wenn sich auch in diesem Modus der Balken füllt (durch kontinuierliches Angreifen), dann gerät man in den "Overheat"-Zustand und der Charakter ist für einige Zeit außer Gefecht gesetzt und bewegungsunfähig. Die Kunst des Kämpfens besteht darin, sogenannte "Chains" (zu deutsch "Ketten") auszuführen. Wenn man sich also im Overdrive-Modus befindet, wirkt man irgendeine Fertigkeit (welche unter den Charakteren unterschiedlich sind) und wechselt danach umgehend die Spielfigur, mit der man dann ebenfalls eine Spezialattacke seiner Wahl ausführt. Wenn das gelingt, verhindert man zum einen den Overheat-Zustand, zum anderen werden die Ladebalken wieder auf Null gesetzt, sodass man ohne Unterbrechung weiterkämpfen kann. Was sich hier möglicherweise sehr kompliziert anhört, ist in der Praxis recht einfach zu erlernen. Man bekommt für alles ein sehr detalliertes Tutorial und kann das Spiel nicht fortsetzen, ohne die einzelnen Übungen mindestens einmal erfolgreich absolviert zu haben. Man kann den Machern von "Magna Carta 2" also nicht unterstellen, dass der Spieler ohne Vorbereitung in komplexe Kämpfe "reingeworfen" wird. Man wird mehr als angemessen darauf vorbereitet. Das einzige, was mich gerade in den ersten Spielstunden ein wenig gestört hat, war die Fülle an Informationen, mit denen man konfrontiert wurde. Sobald man jedoch den Dreh raus hat, macht das Kämpfen auch nach etlichen Stunden noch viel Freude.

Entlohnt wird man zudem mit etlichen, klasse inszenierten Bosskämpfen, die streckenweise sehr fordernd ausfallen. Da jedoch die Speichermöglichkeiten sehr fair gesetzt sind, ist es nie ein Problem, für bestimmte Kämpfe und/oder Missionen nochmal trainieren zu gehen, um die Charaktere aufzuleveln. Das Levelsystem ist nur begrenzt steuerbar. Attribute wie LP, Stärke, Intelligenz etc. werden mit dem Levelaufstieg automatisch verteilt, man erhält jedoch sogenannte SP (= Skillpunkte), die dann auf zwei Skillbäume pro Charakter verteilt werden dürfen. So kann man z.B. bei Juto entscheiden, ob man sich eher auf Einhand- oder Zweihandwaffen spezialisieren möchte, um dadurch Status-Boni oder neue Waffenfertigkeiten zu erlernen. Bei den einigen Charakteren entscheidet sich dadurch auch, ob man diesen als Nah- oder Fernkämpfer einsetzen möchte. Jede Waffe lässt sich zudem über sogenannte Kamonds beliebig upgraden. Kamonds sind juwelenartige Steine, die sich in jede Waffe einbauen lassen und die unterschiedlichsten Upgrades mit sich bringen, von Angriff +1 bis Immunität gegen alle Statusveränderungen. Man hat also genügend Möglichkeiten, seine Charaktere in bestimmte Richtungen zu entwickeln. Erfahrung wird nicht nur durch Kämpfe selbst gesammelt, sondern auch durch die mehr als 100 Nebenmissionen in diesem Spiel. Diese sind zwar nicht sonderlich innovativ (Gegenstand x zu Person y bringen, Gegner a in Höhle b beseitigen etc.), jedoch eine gute Möglichkeit, an Erfahrung, Geld und neue Gegenstände zu kommen. Die Belohnungen für jede Nebenquest werden im Vorfeld aufgezeigt, sodass man für sich entscheiden kann, ob der Aufwand überhaupt gewünscht ist. Die meisten Nebenmissionen lassen sich also ohne weiteres umgehen. Diesen Handlungsspielraum hat man leider nicht bei der Erkundung der Welt: Das Spiel ist größtenteils linear aufgebaut, man kann später zwar an jeden Ort zurückkehren, jedoch gibt es nicht wirklich viel zu entdecken. Gestört hat mich das nicht. Eine 'Open World' wie bei "Fallout 3" oder "Sacred 2" ist bei JRPGs eher untypisch und sollte auch hier nicht erwartet werden.

Wer also JRPGs mag und sich nicht vor einem eher anspruchsvollem Kampfsystem scheut, der wird einige spaßige Stunden mit "Magna Carta 2" haben. Zwischen 30 und 60 Stunden Spielzeit ist alles möglich, je nachdem wie schnell man sich mit dem Spiel zurechtfindet und gewillt ist, die Nebenmissionen zu absolvieren. Das Spiel erfüllt in Sachen Storyline, Charaktergestaltung und Gameplay fast alle JRPG-Klischees, im Positiven wie Negativen. Wer also Spiele wie "Eternal Sonata", "Enchanted Arms" oder "Infinite Undiscovery" mag, der wird auch mit diesem Spiel glücklich, wobei "Magna Carta 2" bei den hier genannten Titeln der stärkste ist.


What Lies Beneath (Limited Deluxe Edition)
What Lies Beneath (Limited Deluxe Edition)

103 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Warten hat sich gelohnt, 3. September 2010
Viele haben sie am Ende gesehen, oft hat man Menschen sagen hören, dass sie ohne Nightwish keine Zukunft hätte. Ohne Nightwish würde diese Frau angeblich nicht funktionieren, sie sei nur eines von vielen Zahnrädchen im künstlerischen Schaffen des Mentors Holopainen. Für eine Sängerin ihres Formats hätte sie kaum einen schwierigeren Start haben können. Denn Bekanntheit alleine macht noch lange keinen Erfolg aus. Die ersten Schritte waren zaghaft. Ein schönes Weihnachtsalbum kam zuerst, vorsichtig näherte man sich mit dem Album "My Winter Storm" den Klängen der Vergangenheit und es hat sich langsam aber sicher herauskristallisiert, wo Tarja eigentlich hinwollte: Ein bisschen Rock, ein bisschen Metal, ein bisschen Oper, ein bisschen Filmmusik. Ein bisschen hat am Ende jedoch noch gefehlt. Nicht an Genres, denn die versteht Tarja zu kombinieren wie kaum ein anderer Künstler. Es hat ihr an Mut gefehlt. Die Lieder ihrer Vergangenheit, die ersten Gehversuche als Solokünstlerin waren von mangelndem Selbstbewusstsein geprägt. Frau Turunen traute sich kein Songwriting zu, ihr Erstlingswerk war stark balladesk ausgerichtet (denn darin liegt ihre Stärke, hier kann sie ihr stimmliches Potenzial entfalten und niemand würde hier sagen, die Frau kann keine Balladen komponieren und/oder singen) und die etwas flache Produktion ließ zu wünschen übrig. Maue Gitarren und der fast ausschließliche Fokus auf das Instrument Stimme haben ein märchenhaftes, verträumtes, schönes, eingängiges Erstlingswerk hervorgebracht mit viel Potenzial nach oben. Tarja hat sich mit "What Lies Beneath" aber nicht einfach nur gesteigert; sie ist weit über das Ziel hinausgeschossen und diese Entwicklung ist überraschend, erfreulich und erstaunlich zugleich.

Was ist passiert? Die schöne Finnin glaubt wieder an sich selbst. Bereits im Vorfeld hat sich durch Interviews und Blog-Einträge gezeigt, dass Frau Turunen förmlich von kreativen Ergüssen verschlungen wird. Viele Monate vor der Veröffentlichung hat sie geschwärmt. Sie war glücklicher und ausgeglichener, aber gleichzeitig auch viel beschäftigter als einige Jahre zuvor. Sie hat sich Zeit genommen, sich intensiver mit ihrer eigenen Musik auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist beachtlich. "What Lies Beneath" ist ein Album, was auf der einen Seite sofort ins Ohr geht, auf der anderen Seite jedoch viel zu entdecken gibt. Es ist gitarrenlastiger. Man hat bisher in ihrer Musik keine richtigen Gitarrensoli vorgefunden, hier sind sie endlich. Tarjas Stimme ist durch die Studiobearbeitung nicht mehr so künstlich glattgebügelt wie auf der "My Winter Storm", ihr Gesang kommt nun endlich näher an die Passion und Qualität ihres Live-Gesangs heran. Die Texte sind ergreifender, intelligenter und emotionaler als alles, was man vorher aus dem Hause Turunen zu lesen oder hören bekam. Das Album weckt mehr Emotionen, die Aufnahmen sind druckvoller und haben trotz der härteren Ausrichtung ihren hymnischen Charakter nicht verloren. Endlich hat Tarja mit "Crimson Deep" (einem der absoluten Highlights auf diesem Album) ein episches Meisterwerk geschaffen, welches in meinen Augen der eindeutigste Beweis für die herausragende musikalische Entwicklung dieser Ausnahmekünstlerin ist. Dieser Titel ist für sich allein schon qualitativ hochwertiger als all das, was der letzte Turunen-Silberling hervorgebracht hat. Tarjas ältere Stücke sind fast Standardkost im Vergleich zu dem, was dem geneigten Hörer hier serviert wird: Ein fulminanter Leckerbissen jagt den nächsten.

Doch nicht nur "Crimson Deep" weiß zu überzeugen. Nebst diesem Titel ist der Opener "Anteroom Of Death" mein persönliches Glanzlicht auf dem Album. Der Titel ist mit Worten schwer zu umschreiben. Für Tarjas Verhältnisse ist dies wohl der gewagteste, experimentellste, verrückteste und abwechslungsreichste Track, den sie bisher aufgenommen hat. Schnelle und langsame Passagen wechseln sich ab, Choräle mit männlichem Gesang und Hintergrundmusik, die Zirkusatmosphäre wecken, runden den eigensinnigen Eindruck ab. Durch und durch gelungen und ein Beleg dafür, dass Tarja zukünftig ruhig öfter experimentelle Versuche wagen sollte. In meinen Augen ist dies der bisher stärkste Titel ihrer Karriere. Noch mehr Leckerbissen gefällig? Man nehme "In For A Kill". Was sie immer wieder sehr charismatisch als James-Bond-Hommage auf ihren Konzerten ankündigt, entpuppt sich auch in der Studioaufnahme als musikalischer Kracher. Schwindelerregend schöne Tonlagen von Tarja kombiniert mit orchestralen Elementen und druckvollen Instrumentalarrangements. Ein Traum für jeden Musikliebhaber, der auch nur annähernd etwas mit Tarjas inzwischen unvergleichlicher Musik anfangen kann. Doch auch Titel wie das mitreißende "Falling Awake" (man beachte hier auch den wirklich wunderschönen Text dazu), oder "Naiad" (ich werde nie verstehen, warum dieser grandiose Titel es "nur" auf die Bonus-CD geschafft hat) unterstreichen die Vielschichtigkeit und Genialität dieser Künstlerin. Über das Whitesnake-Cover "Still Of The Night" werden auch diesmal sicher viele herziehen, so wie damals bei "Poison" von Alice Cooper (was ich als Studioaufnahme auch nicht sonderlich gelungen fand), aber in diesem Fall ist die Coverversion in meinen Augen weniger "verwerflich". Zum Einen hat Tarja mit "What Lies Beneath" ein zu 100% eigenständiges Werk abgeliefert und unter Beweis gestellt, dass ihre künstlerischen Fertigkeiten alleine überzeugen können; zum Anderen ist "Still Of The Night" nicht auf dem regulären Album enthalten, sondern nur auf der Bonus-CD. Dies verbessert den Gesamteindruck erheblich, zumal "Poison" auf dem Vorgängeralbum ziemlich deplatziert wirkte. Apropos Gesamteindruck: Auch die Aufmachung dieser CD ist eine wahre Augenweide, das Booklet wunderschön und mehr als passend zur Musik. Wer sich visuell von der "neuen" Tarja bezirzen lassen möchte, kann sich auch das Video zur ersten Singleauskopplung "I Feel Immortal" ansehen, einem eher ruhigeren Titel mit einer fast magischen Anziehungskraft, die auch ihren anderen Balladen zu Eigen ist. Die stärkste Ballade auf dem Album ist in meinen Augen "Rivers Of Lust".

Man darf mir unterstellen, dass diese Rezension zu unkritisch ausgefallen ist. Aber ich vergleiche Tarja nicht mit Nightwish und ich möchte auch nicht, dass sie wie Nightwish klingt. Sie hat sich als eigenständige Künstlerin etabliert und der Vergleich hinkt inzwischen gewaltig. Die Menschen, die mit der "My Winter Storm" nicht glücklich gewesen sind, sollten "What Lies Beneath" eine Chance geben. Wer danach sagt, er könne mit Tarjas Musik nichts anfangen, der wird es wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren nicht tun können. Tarjas musikalische Qualitäten sollte man an diesem Album festmachen, nicht an dem Vorgänger. Hier war sie aktiv am Schaffensprozess beteiligt und das hört man. Ich bin überglücklich, dass sie ihren eigenen, unverwechselbaren Stil gefunden hat. Tarja hat einen großen Sprung nach vorne gemacht und das einzige, was dieses musikalische Goldstück derzeit noch übertreffen kann, sind ihre Live-Konzerte.

Danke Tarja für dieses mehr als beeindruckende Musikerlebnis.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 23, 2010 6:20 PM CET


Bevor der Abend kommt: Roman
Bevor der Abend kommt: Roman
von Joy Fielding
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Spannung, wo hast du dich versteckt?, 9. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Bevor der Abend kommt: Roman (Taschenbuch)
Gleich vorweg: Wer zum ersten Mal etwas von Joy Fielding lesen möchte, der sollte lieber zu einem anderen Werk greifen. Fast jedes ihrer Bücher ist aufregender als "Bevor der Abend kommt" und man sollte ihre literarischen Qualitäten nicht an diesem Buch messen.

Protagonistin ist diesmal Cindy Carver, eine etwas überforderte Mutter, die von heute auf morgen in einem Alptraum landet: Ihre junge, bildhübsche Tochter Julia verschwindet spurlos. Die Gründe für ihr Verschwinden sind bisweilen unklar. Cindy sinniert viel über das schlechte Mutter-Tochter-Verhältnis, kämpft tagtäglich mit Selbstvorwürfen und geht psychisch daran zugrunde, dass die Tage ins Land streichen, während ihre Tochter nicht auffindbar ist. Parallel dazu darf man sich in typischer Fielding-Manier auch mit anderen familiären Problemen von Frau Carver befassen: Ihr kompliziertes Verhältnis zu ihrer anderen, jüngeren Tochter; die gescheiterte erste Ehe und der Groll darüber, dass der Exmann eine ziemlich unsympathische Neue an Land gezogen hat.

Das Buch zieht sich wie ein zäher Kaugummi durch die Gedankenwelt und Ängste der Protagonistin, nur um am Ende in einem mehr als unspektakulären Ende ihren Ausklang zu finden. Joy Fielding kann es definitiv besser.


Eva go home
Eva go home
von Désirée Nick
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

15 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das war wohl Nicks, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Eva go home (Taschenbuch)
Die meisten begeisterten Leser werden eine Menge Zeit vor dem Fernseher verbringen und mit Sicherheit etliche Berichterstattungen verfolgt haben, bei denen empört die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen wurden. "Ist denn die Eva bekloppt? Ich bin doch als Frau nicht dazu geboren, Kinder zu gebären und vorm Herd zu stehen! Wie kann die blöde Kuh sowas behaupten? Und dann lobt die auch noch die Familienpolitik der Nazis! Ist das denn zu fassen? Kein Wunder, dass der Kerner die rausgeschmissen hat! Ich als intelligente Frau lasse mir sowas nicht bieten, ich bleibe doch nicht mein Leben lang arbeitslos und befasse mich mit Familiengründung, die spinnt doch total." Willkommen auf Ebene BILD-Niveau. Die Manipulation der großen Medienberichterstatter in Deutschland hat so wunderbar funktioniert, dass es sogar Menschen gibt, die dieses Buch für gut befinden. Hier ist sogar die Rede von "Meisterwerk" und einer "hochintelligenten" Autorin.

Das Erfolgsrezept hat zwei Zutaten: Erste wurde soeben benannt. Hätte Eva Herman mit ihrem "Eva-Prinzip" nicht so viel öffentliche Aufregung verursacht, würde sich niemand für dieses Buch interessieren. Es wäre unter anderen Umständen wahrscheinlich nicht einmal geschrieben worden. Da unsere Gesellschaft heutzutage kaum noch werteorientiert denkt und lebt, hätte allein die angesprochene Thematik im "Eva-Prinzip" keine Sau interessiert. Aufgehorcht hat die Masse erst, als Herman wegen ihrer vermeintlich politischen Parallelen zum Dritten Reich ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt wurde. Vom allgegenwärtigen Entsetzen der sich künstlich echauffierenden Frauen profitiert natürlich eine ähnlich minderbemittelte Autorin wie Désirée Nick. Gleich und gleich gesellt sich gern, könnte man als fieser Mensch behaupten. Wo wir auch schon beim zweiten, erfolgsrelevanten Punkt wären: Die Autorin. Hätte das Buch die gleiche Anzahl an Käufern erlangt, wenn Max Mustermann das Buch geschrieben hätte? Wohl kaum. Nick springt hier auf einen Zug auf und brüstet sich damit, dem gängigen Medienecho hinterher zu tanzen und Dinge oberflächlich zu kommentieren bzw. kritisieren, die ihrer eigenen Interpretation des "Eva-Prinzips" entspringen. Das ganze erinnert mich ein wenig an alte Talkshow-Szenen: Eine schlanke Frau behauptet, sie könnte sich mit Übergewicht nie wohlfühlen. Eine korpulente Frau erhebt sich entrüstet aus dem Publikum und brüllt "Wir Dicken haben wenigstens Spaß am Leben und sehen nicht aus wie eine Hungerharke!", während das Publikum in tosenden Beifall ausbricht. Wo da jetzt die Parallele zu Eva Herman und Désirée Nick ist, müsste offensichtlich sein. Wenn nicht, dann lesen Sie lieber die 5-Sterne-Rezensionen.

Dank diesem Buch kann sich nun erneut jede selbsternannte Emanze auf die Schulter klopfen und sich darin bestätigt sehen, wie haushoch überlegen man der Nazi-Eva hinsichtlich des geistigen Reifegrades ist. Vielleicht sollte jedoch auch irgendwann einmal in Erwägung gezogen werden, Eva Hermans Buch zu lesen. Denn wenn ein Buchkonzept darauf basiert, ein anderes Buch mehr oder weniger konstruktiv zu bemängeln, dann sollte man das Original gelesen haben, um den Wert der Kritik beurteilen zu können. Ich warte jetzt noch auf Bücher wie "Pamela Andersons Hommage an natürliche Schönheit" und "Bushidos Passion für Heavy Metal". Vielleicht schreibt Désirée Nick ja auch irgendwann mal ein intelligentes, zum Nachdenken anregendes Buch.


Die Katze: Roman
Die Katze: Roman
von Joy Fielding
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Klassisches Fielding-Buch ohne Überraschungen, 11. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Katze: Roman (Taschenbuch)
Die erfolgreiche Journalistin Charley Webb möchte ihrer bis dato gut verlaufenen Karriere einen weiteren Auftrieb geben, indem sie einen offensichtlich äußerst lukratives Auftrag annimmt: Die zu Tode verurteilte Kindermörderin Jill Rohmer möchte ihr Leben literarisch festhalten lassen. Welch Zufall, dass sie ein großer Fan von Charleys Kolumne ist und ihr aus dem Gefängnis einen Brief zukommen lässt, der dieses verlockende Angebot beinhaltet. Während Charley bereits Ruhm und Reichtum wittert, bekommt sie plötzlich merkwürdige E-Mails, die unterschwellig andeuten, dass ihre beiden Kinder in Gefahr seien. Die wesentliche Spannung des Buches wird durch die Frage erzeugt, wie und ob Jill Rohmer darin verwickelt ist bzw. inwiefern ihre grausamen Morde an unschuldigen Kindern eine Bedrohung für Charleys eigenes Fleisch und Blut darstellen.

Dies ist das erste Buch von Joy Fielding, bei dem ich das Ende vorausgesehen habe. Normalerweise konstruiert die Autorin in ihren Büchern mehrere Charaktere, die als potenzielle Übeltäter in Frage kommen, hier ist die Auswahl jedoch stark eingegrenzt. Darüber hinaus ist das Buch etwas kurz geraten. Die Idee ist gut, andere Bücher der Autorin machen es dem Leser jedoch einfacher, Zugang zu den Protagonisten zu bekommen. Frau Webb ist recht detailliert umrissen, die anderen Figuren wirken hingegen ein bisschen farblos. Nichtsdestotrotz ist "Die Katze" ein spannenendes, wenn auch eher kurz gehaltenes Stück Unterhaltung. Fielding-Neulinge könnten großen Gefallen daran finden, wer jedoch andere Bücher von ihr gelesen hat (z.B. "Lauf, Jane, lauf!" oder "Zähl nicht die Stunden"), der weiß, dass sie es besser kann.


Das Opfer: Psychothriller
Das Opfer: Psychothriller
von John Katzenbach
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Alptraum eines Stalking-Opfers, 20. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Opfer: Psychothriller (Gebundene Ausgabe)
Die junge und hübsche Studentin Ashley Freeman verbringt eine Nacht mit Michael O'Connell und ahnt nicht, dass ihr dieser Spaß schon bald zum Verhängnis wird. Was für Ashley ein Abend ohne Bedeutung war, hat in Michael Gefühle ausgelöst, die Ashley und ihre ganze Familie in große Gefahr bringen. Ashley ahnt zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Michael für die Liebe zu ihr über Leichen geht - im wahrsten Sinne des Wortes. Als dann auch noch das Leben von Ashleys Familie von heute auf morgen von unglücklichen Ereignissen überschattet wird, schmiedet die Familie einen gefährlichen Plan, welcher droht, am Ende mehr als nur ein Opfer zu fordern.

Was zu Beginn des Buches noch sehr zäh vor sich hin plätschert, nimmt zum Ende hin rasant an Tempo zu. Am Anfang erfährt man in recht langen und ausschweifenden Einführungen einen Einblick in das Leben der Protagonisten mitsamt ihrer Vergangenheit. Ashleys Eltern leben getrennt, ihr Vater Scott ist angesehener Professor, die Mutter Sally Rechtsanwältin. Die Ehe der beiden scheiterte daran, dass Sally das sexuelle Ufer gewechselt hat und sich ein neues Leben mit ihrer Lebensgefährtin Hope aufbauen wollte, was Scott nie wirklich verzeihen bzw. verarbeiten konnte. Erst der Stalking-Vorfall bringt die zerrüttete Familie langsam wieder zusammen, sodass die ehemals verfeindeten Parteien immer stärker an einem Strang ziehen. Was zu Beginn den einen oder anderen dazu veranlassen wird, das Buch beiseite zu legen, wird den anderen mit einem gelungenen Abschluss belohnen. Das Ende des Buches ist gut und spannend aufgebaut, man hat als Leser nicht die geringste Ahnung, ob der Plan gelingt.

Das Thema Stalking wird hier auf emotionaler Ebene sehr gut nachvollziehbar dargestellt. Die Verzweiflung der Protagonisten ist regelrecht greifbar und man sieht sich hier und da mit der Frage konfrontiert, wie man sich selbst in solch einer Situation verhalten sollte. Die hilflosen Eltern werden von der Polizei nicht ernst genommen, die Rechtslage zu diesem Thema ist schwierig zu durchschauen. Da keine Hilfe von Außen zu erwarten ist, helfen sich die Betreffenden mit allen möglichen Versuchen selbst weiter. Die Methoden der Opfer sind authentisch, ebenso die emotionalen Belastungen. Merkwürdig hingegen ist die Tatsache, dass jemand wie O'Connell trotz niedrigem Bildungsstand in der Lage ist, alle möglichen Computer zu hacken. Was den Lesefluss in meinen Augen ein wenig gestört hat, waren die Gesprächsmitschnitte zum Ende eines jeden Kapitels. Inhaltlich wird man hier Zeuge, wie ein Reporter versucht, die ganze tragische Geschichte von Ashley und ihrer Familie zu rekapitulieren, um am Ende ein Buch darüber schreiben zu können. Diesen Punkt hätte man getrost weglassen können, zumal es das streckenweise sowieso schon recht träge Buch noch mehr in die Länge gezogen hat.

Nichtsdestotrotz ist "Das Opfer" ein spannender Thriller mit einem aufregenden Thema. Definitiv lesenswert.


Am seidenen Faden: Roman
Am seidenen Faden: Roman
von Joy Fielding
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwar kein Thriller, aber dennoch lesenswert, 1. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Am seidenen Faden: Roman (Taschenbuch)
Kate Sinclair ist Familientherapeutin, doch die größten Sorgen hat sie mit ihrer eigenen Familie: Die Ehe mit ihrem Mann macht sie nicht glücklich, ihre sich in der Pubertät befindende Tochter Sara macht nichts als Ärger, ihre Mutter weist immer stärkere Anzeichen von Demenz auf und Kate selbst, auf ihr fünfzigstes Lebensjahr zusteuernd, weiß nicht wirklich, was sie eigentlich will. Soweit erstmal ein typisches Joy Fielding-Szenario.

Der sogenannte "Thrill" soll nun dadurch entstehen, dass Kates Schwester, die ziemlich oberflächliche Jo Lynn, sich in einen mutmaßlichen Mörder verliebt, der etliche Frauen auf dem Gewissen haben soll. Obwohl er von der Presse und von den Staatsanwälten als kaltblütiger Psychopath bezeichnet wird, steht Jo Lynn zu ihm, wohnt jeder Gerichtsverhandlung bei und versucht ihr Umfeld von der Unschuld ihres Liebsten zu überzeugen. Diese "Liebes"-Geschichte ist ziemlich unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen, da man bis zum Ende nicht weiß, warum Jo Lynn sich überhaupt so stark für ihn einsetzt, sodass einem als Leser nichts anderes übrig bleibt, als sie für extrem dumm zu halten.

"Am seidenen Faden" ist wie die meisten anderen Fielding-Romane so aufgebaut, dass fast das gesamte Buch eher harmlos verläuft und am Ende der große Knall kommt. Zwar ist das gelungene Ende hier etwas kurz ausgefallen, dafür liest es sich bis dahin nicht schwer. Joy Fielding schreibt keine klassischen Thriller, sondern thematisiert meist Familienkonflikte und kombiniert dies mit Krimi- oder eben Thriller-Elementen. Dieses Buch ist genau so eine Kreuzung und die Formel geht trotz nerviger Darsteller dennoch auf. Wer die Autorin in Höchstform genießen möchte, sollte dann aber doch lieber zu "Lauf, Jane, lauf!" greifen oder zu "Zähl nicht die Stunden", wer es inhaltlich etwas zartbesaiteter ausgerichtet mag.


In der Schwebe: Roman
In der Schwebe: Roman
von Tess Gerritsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tess Gerritsen brilliert auch ohne Rizzoli, 1. März 2010
Rezension bezieht sich auf: In der Schwebe: Roman (Taschenbuch)
Bezogen auf den Buchrücken hätte ich mir das Buch wahrscheinlich nie zugelegt. Raumfahrt-Thematik? Eigentlich absolut nicht mein Fall. Da die Autorin jedoch bisweilen eher hochkarätige Bücher geschrieben hat, dachte ich mir, dass ein Blick nicht schaden könnte. Und ich bin mehr als positiv überrascht worden. Die medizinische Forscherin Emma Watson wird im All auf ihrer Weltraumstation mit einer merkwürdigen Krankheit konfrontiert, die nach und nach ihr Team befällt und zum qualvollen Tod führt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, sowohl die NASA als auch die überlebenden Forscher stehen vor einem Rätsel. Mit jeder Sekunde verstreicht Emmas Chance zu überleben.

Die Handlung klingt im ersten Moment nicht sonderlich aufregend, wird jedoch durch den fesselnden Schreibstil der Autorin zum regelrechten Melodrama. "In der Schwebe" glänzt mit fundierten Kenntnissen aus dem Bereich der Raumfahrt und kombiniert dieses Thema mit den Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten vor allem junger Astronauten. Das Leben der Protagonistin Emma wird hier, wie in anderen Gerritsen-Büchern auch, sehr detailliert beschrieben. Man wird Zeuge der angehenden Scheidung Emmas von ihrem Mann, verfolgt die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen ihr und ihrem Raumfahrtkollegen und lernt gleichzeitig eine Menge über die Tätigkeiten und Verantwortungen eines Astronauten im Dienste der Wissenschaft. Dies ist mit Abstand das stärkste Werk von Tess Gerritsen abseits der Rizzoli-Isles-Reihe. Wer in anderen Büchern der Autorin eher die blutig-grausigen Spektakel zu schätzen wusste, der wird mit "In der Schwebe" ebenfalls glücklich werden, auch wenn dies aus der Inhaltsbeschreibung nicht primär deutlich wird, da in diesem Buch ausnahmsweise mal kein Psychopath irgendwelche Frauen bestialisch tötet. Hier ist es eine Krankheit. Einziger Unterschied: Hier fließt das Blut nicht in Strömen; es schwebt.


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