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Rezensionen verfasst von
Z. "Z." (H.)

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Das Hotel New Hampshire
Das Hotel New Hampshire
von John Irving
  Sondereinband
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Hotel New Hampshire, 24. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Hotel New Hampshire (Sondereinband)
Die Geschichte der Familie Berry beginnt im Hotel Artbuthnot, in dem sich Win Berry und seine Frau Mary Bates ineinander verlieben; zwar kennen sie sich bereits zuvor, doch finden sie erst hier richtig zueinander. Eine große Hilfe ist ihnen dabei ein Mann namens Freud, der aus Europa nach Amerika geflohen ist und sich dort mit dem Bären State 'o Maine durchzuschlagen versucht.

Hotels und Freud sollen im Leben von Win und Mary auch weiterhin einen großen Einfluss haben. Zunächst ist es ihm zu verdanken, dass sie heiraten: Als Freud nach Europa zurückgeht, müssen sie es ihm versprechen. Kurz nach der Hochzeit bekommen sie das erste Kind - fünf sollten es werden - und gründen in ihrer Heimatstadt das erste Hotel New Hampshire.

Das phantastische Abenteuer beginnt dort und zieht sich durch die Irving-typischen Themen: Bären; ein zweites Hotel New Hampshire in Österreich; eine Tochter, die Schriftstellerin wird, dem Druck jedoch nicht standhalten kann; Prostituierte, die in den Hotels arbeiten; sexuelle Abenteuer (und Albträume); etc.

Irvings Roman, in dem Kummer immer oben schwimmt, ist zweifelsohne toll erzählt und mit interessanten, keinesfalls flachen Charakteren gespickt. Der Plot ist abwechslungsreich und spannend, nimmt für meinen Geschmack jedoch teilweise zu abrupte Wendungen (wie - ohne spoilern zu wollen - auf dem Flug nach Wien) und das Ende wirkte ein wenig flau, wird, meines Erachtens nach, durch den Epilog jedoch wieder gut kompensiert. Auch die Übersetzung wirkt nicht ganz gelungen; Worte wie Jesus Christ werden als Jessas Gott übersetzt und wirken so deplaziert. Mein Lieblingsroman von Irving wird Das Hotel New Hampshire wohl nicht; nichtsdestotrotz handelt es ein tolles Buch, das nicht nur für Fans John Irvings interessant ist, sondern auch von Interessierten ohne eine bisherige Irving-Erfahrung gelesen werden sollte.


Delfinarium: Roman
Delfinarium: Roman
von Michael Weins
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Michael Weins: Delfinarium, 12. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Delfinarium: Roman (Gebundene Ausgabe)
Delfinarium spielt im Alten Land; die Region an der Elbe, die für ihre Apfelbauern bekannt ist, wird von durch die Stadt Hamburg von der Enteignung bedroht: Airbus möchte eine Landebahnverlängerung bauen. Martin hat zu diesem Thema nur bedingt eine Meinung, steht jedoch gewissermaßen zwischen den Stühlen: Seine Freundin Petra, die er seit der Schule kennt, ist gegen die Pläne des Senats; Henry, dessen Frau Martin ins Delfinarium begleitet, ist für die Verlängerung, da er bei Airbus in der Kantine arbeitet. Sicher ist der Airbus-Konflikt nicht maßgeblich für Michael Weins Roman, doch zeigt er das grundlegende Thema auf: Zwischen den Stühlen stehen; nicht wissen, wer man eigentlich sein soll.

Martin heißt eigentlich Daniel und hält sich seit dem Abitur mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sein Vater ist depressiv und Frührenter, seine Mutter lebt nicht mehr - sie hat die mittleren Jahre nicht ertragen. Zu Beginn des Romans hat er seinen ersten Arbeitstag bei Henry und Susann an. Er soll Susann, die seit der Geburt ihres Sohnes nicht mehr spricht, ins Delfinarium begleiten. Schon zu Beginn fühlt sich Daniel zu Susann hingezogen und sieht in seinem Job mehr als den Stundenlohn, den Henry ihm zahlt, doch schafft er es, zumindest das Mindestmaß der notwendigen Distanz zu wahren. Als Henry für ein paar Tage verreisen muss und Daniel bei Susann leben und sich um sie kümmern soll, nimmt die Geschichte jedoch eine starke Wendung. denn nicht nur Daniel scheint einer Verwechslung zu erliegen.

Weins ist es gelungen einen wirklich interessanten, spannenden Roman zu schreiben, der sich mit der Frage nach der eigenen Identität und der Möglichkeit sich für ein gewisses Leben zu entscheiden befasst - ohne dabei hochtrabend oder abgehoben zu sein. Der leise Ton, mit dem der Roman beginnt und die Lautstärke, die er im Verlauf gewinnt, sorgen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Ein spannendes Buch, dass sicherlich nicht nur für Hamburger interessant sein sollte.


Der Hundertjährige
Der Hundertjährige
von Mircea Eliade
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Hundertjährige, 11. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Hundertjährige (Broschiert)
Elidas Der Hundertjährige fiel mir auf einem Bücherflohmarkt in die Hände. Auch wenn mich der Klappentext nicht sonderlich fesselte ("Ich habe nicht behauptet, es sei eine Tragödie, aber in gewissem Sinne war der Wissensdurst, die Leidenschaft, mit der ich mich den Wissenschaften widmete, tatsächlich verhängisvoll. Mircea Eliade"), nahm ich es trotzdem mit. Zum einen schien es mir aufgrund des eher geringen Umfangs ein gutes Buch für die Bahnfahrt nach Hause zu sein. Zum anderen mag sich die alten, blauen Suhrkamp-Taschenbücher ganz gerne.

Der Hundertjährige beginnt in der Osternacht des Jahres 1938. In jener Nacht wird Dominik, ein etwa siebzig Jahre alter Altphilologe, in Bukarest von einem Blitz getroffen. Selbstredent überleben nur wenige einen solchen Vorfall und falls sie nicht sterben, sind diese Menschen meist für den Rest ihres Lebens mit entsprechenden Wunden gezeichnet. Nicht so Dominik: Auf ihn hat der Blitzeinschlag eine andere Wirkung. Anstatt, wie im Krankenhaus zunächst angenommen wird, an der Schwere seiner Verletzungen zu sterben, überlebt er diesen Vorfall und wird zunehmend verjüngt. Zunächst will ihm niemand glauben Schenken, dass er eigentlich ein alter, gebrechlicher Mann sei. Stattdesseb sehen ihn insbesondere die Krankenschwestern als einen Mann in der Blüte seines Lebens.

Selbstredent ist dieser Vorgang höchst ungewöhnlich und durch den Tag, an dem Dominik von Blitz getroffen wird, stark religiös aufgeladen. Einen weiteren Schwung Bedeutsamkeit wirft Eliade hinein, in dem Dominik eigentlich vorhatte sich aufgrund einer sich immer weiter verstärkenden Demenz umbringen wollte, nun aber mit einer neuen Leistungsfähigkeit ausgestattet ist, die es ihm sogar ermöglicht, im Schlaf zu lernen und ihm Wissen schenkt, dass er vor seinem Unfall nicht besaß. Dominiks neuer Zustand ist nicht nur für das Bukarester Krankenhaus interessant, so dass man sich vornimmt seinen Fall so gut wie möglich geheim zu halten und ihn vor Sicherheitsdiensten etc. zu verstecken. Dominik wird hierdurch ein zweites Leben geschenkt, das ihn hundert Jahre alt werden lässt.

Mir hat Der Hunderjährige zugegebenermaßen nicht besonders gefallen. Sicher, die Idee einer Verjüngung des Menschen durch sehr starke Elektrizität hatte etwas für sich, doch bin ich nicht sonderlich an der religiösen Überfrachtung interessiert, die man von einem Professor für Religionsgeschichte sicherlich erwarten musste. Zudem nimmt der Roman für mich nach Dominiks Entlassung aus dem Krankenhaus eine Wendung, die zunehmend uninteressanter wurde und nur durch den für mich plausiblen Schluss ansatzweise aufgefangen werden konnte.


Weiße Sonntage: Roman
Weiße Sonntage: Roman
von Donata Rigg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weiße Sonntage in der Provinz, 3. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Weiße Sonntage: Roman (Gebundene Ausgabe)
Weiße Sonntage von Donata Rigg fand sich wirklich lange auf meinem Wunschzettel, obgleich ich sie zuvor nicht kannte. Ausschlaggebend war da vor allem, dass der Verlag ihres Romandebüts (Mairisch) wirklich tolle Bücher verlegt und mir generell sehr sympatisch ist. Zum anderen sagte mir die Ankündigung des Titels ebenfalls wirklich sehr zu.

Weiße Sonntage erzählt von Maria, die mit ihrem Lebensgefährten Albert aus der Großstadt in die Provinz zurückkehrt; ihre Zwillingsschwester Martha hat sich das Leben genommen. Für Maria beginnt eine Reise zurück in ihre Kindheit und Jugend, die sie eng mit ihrer Schwester verknüpft. Der Roman beschreibt dabei auf eine wirklich eindringliche Weise, wie Maria mit dem Freitod ihrer Schwester umzugehen versucht, ihre gemeinsame Zeit reflektiert und sich gleichzeitig der neuen, gegenwärtigen Situation stellt.

Donata Riggs Debüt besticht vor allem durch seine Sprachgewandtheit, durch die es der Autorin gelingt, sowohl die düstere Atmosphäre von Marias Situation, als auch die verflochtenen Gedankengänge darzustellen, die in einem Menschen in einer solchen Situation aufkommen mögen. Zudem schafft Donata Rigg es, das Thema des Suizids eines engen Familienmitglieds, auf eine interessante Art neu zu erzählen. Ein wirklich ergreifender Roman, der zwar mit 144 Seiten zunächst kurz wirkt, aber eine unglaubliche Tiefe beinhaltet und sorgfältig gelesen werden sollte. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits.


Tschick
Tschick
von Wolfgang Herrndorf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

37 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wolfgang Herrndorf: Tschick, 28. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Gebundene Ausgabe)
Im Zuge der Leipziger Buchmesse, die dieses Jahr deutlich mehr Zuschauer ziehen konnte als dies im Vorjahr der Fall war, wurde Tschick von Wolfgang Herrndorf lange als Favorit für den Preis der Leipziger Buchmesse gehandelt. Wenngleich Herrndorf den Preis schlußendlich nicht für sich verbuchen konnte, konnte die weitesgehend außerordentlich positive Presse trotzdem mein Interesse wecken.

In Tschick erzählt Wolfgang Herrndorf die Geschichte von Maik, der in die achte Klasse geht und mit einer alkoholkranken Mutter aufwächst, die von seinem Vater mit dessen Sekretärin betrogen wird. Zudem ist er unglücklich in das Mädchen Tatjana verliebt. In diese Gemengelange lernt er Tschick kennen, der über einen langen Marsch durch verschiedene Bildungseinrichtungen auf Maiks Gymnasium kommt. Maik und Tschick haben zunächst nicht viel miteinander zu tun. Doch als die Sommerferien beginnen und Maik nicht zu Tatjanas Geburtstagsfeier eingelanden ist, geknickt nach Hause geht und dort von seinen Eltern alleine gelassen wird (seine Mutter muss in die Entziehungsklinik, sein Vater erzählt von einer Geschäftsreise), beginnt ihr gemeinsames Abenteuer. Nachdem sie auf Tatjanas Feier auftauchen, kommt ihnen der Gedanke, mit Tschicks geklautem Auto eine Reise in die Walachei zu machen.

Herrndorf erzählt in einem Coming-of-Age-Roman von den Problemen des Erwachsenwerdens, von zerrütteten Familien und von fixen Ideen, die einem in diesem Alter kommen können (wer kennt das nicht mehr von sich selbst?). Besonders gelungen ist meines Erachtens nach, dass Wolfgang Herrndorf sich große Mühe gab den Sprachgebrauch eines 14 jährigen zu nutzen und es gleichzeitig lesbar wirken zu lassen. Der Roman wirkt dadurch originalgetreuer auf den Leser und entfaltet gleichzeitig deutlich mehr Wirkung. Zudem ist der Plot, der in Tschick erzählt wird, wirklich interessant, auch wenn er hier und da sicherlich Ecken und Kanten besitzt. Ein netter Roman, den man, passend zur Jahreszeit, zwanglos im Garten lesen kann und der mit 256 Seiten ohne große Längen auskommt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 21, 2012 11:29 AM MEST


In einem andern Land
In einem andern Land
von Ernest Hemingway
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine missglückte Übersetzung?, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: In einem andern Land (Taschenbuch)
Ernest Hemingways Romane sind immer so eine Sache. Natürlich bin ich mir der Wichtigkeit seiner Bücher bewusst, aber bislang hat mich trotzdem keiner so richtig überzeugt. Woran dies liegt weiß ich nicht, da sie sich eigentlich immer mit Themen auseinandersetzen, die mir wichtig und interessant erscheinen - und einen Nobelpreis bekommt man ja auch nicht ohne weiteres. Nichtsdestotrotz habe ich nun endlich In einem andern Land gelesen, obwohl ich es auch den zuvor genannten Gründen bisher immer vor mir her geschoben hatte.

Der Roman spielt im ersten Weltkrieg. Der Ich-Erzähler Frederic Henry, zuvor ein amerikanischer Architekturstudent in Rom, hat sich der italienischen Armee angeschlossen und kämpft an der italienisch-östereichischen Front. Dort, zwischen Krankheiten und endlosen Tagen, lernt er Catherine Barkley kennen, die eine schottische Krankenschwester ist, und verliebt sich in sie. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, bis er bei einem Einsatz stark verletzt wird und in ein Lazaret eingeliefert wird. Auch Catherine wird dorthin verlegt, so dass sie ihre geheime Beziehung weiterführen können.

Kurz bevor Frederic aufgrund seiner Genesung wieder an die Front muss, ist Catherine schwanger. Für die beiden, anders als für viele andere Paare in Kriegszeiten, ist dies sicherlich ein Grund zusammenzubleiben, obwohl Catherine ihm unentwegt zusagt, dass er sich um nichts sorgen solle. Frederic gelangt an die Front und soll dort aufgrund eines Rückzugs von der Feldpolizei erschossen werden. Ihm gelingt die Flucht und damit die Rückkehr zu Catherine. Wenngleich sie glücklich sind, dass sie endlich wieder beisammen sind, sind sie sich doch bewusst, dass Frederic ständig als Deserteur gefangen genommen werden könnte. Es dauert deshalb nicht lang, bis sie in die Schweiz fliehen, wo sie sich in Sicherheit sehen - doch dort sehen die beiden Catherines Tod, sowie dem Tod ihres Kindes entgegen.

Ich hatte oft gehört, dass Hemingsways In einem andern Land ein wirklich toller Roman ist, der treffsicher und mitreißend von der Sinnlosigkeit des Massensterbens in Kriegen und dem Lichtblick der Liebe in schwierigen Zeiten erzählt. Beide Themen werden in dem Roman zweifellos angesprochen, doch die große Empathie stellte sich bei mir nicht ein. Woran dies liegt kann ich nicht genau sagen, denn eigentlich mag ich diese Art des Romans und halte sie für wichtige Bücher. Meine Vermutung ist aber, dass es an der Übersetzung liegt, die ich schon bei Der alte Mann und das Meer wirklich furchtbar fand, weshalb ich mir das Buch wohl noch auf englisch zulegen werde. Dazu würde ich möglichen Lesern ebenfalls raten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 24, 2013 11:29 AM MEST


Das Buch Fritze
Das Buch Fritze
von Friedmar Apel
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein schönes Debüt, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Fritze (Taschenbuch)
Das Buch Fritze berichtet in zwölf Episoden aus Fritzes Leben, die auf Aufzeichnungen von Fritze basieren, aber von einem Ich-Erzähler widergegeben werden, dem Leser aber unbekannt bleibt. Fritze, der eigentlich Friedrich heißt und von seiner Oma wahlweise auch Karlchen oder Kasper genannt wird, wächst als uneheliches Kind in der DDR auf, das von seinen Eltern bei den Großeltern gelassen wurde. Seine Kindheit verbringt er im behüteten Eichsfeld, soll aber noch vor seiner Einschulung in den Westen gehen. Er will nicht, nicht in den Westen und schon garnicht in die Schule.

Als er "rübermacht", beginnt Fritzes Abstieg. Zwar ist er äußerst intelligent, hat eine hohe mathematische Begabung und liest sehr viel, doch schafft er es nie beide Füße auf den Boden zu bekommen und fällt jedes Mal umso tiefer, je höher er hinausmöchte: Der Versuch das Abitur zu machen scheitert an diffusen Drogengeschäften, die Übernahme der väterlichen Firma ebenfalls, genau wie seine Ehe.

Das Buch Fritze ist eine schöne Tragikomödie, die streckenweise zum Lachen einlädt und doch eine traurige Stimmung verbreitet. Als Leser fühlt man mit Fritze, wünscht ihm bei jedem Versuch das Beste und ist doch melancholisch niedergeschlagen, wenn er es wiedereinmal verbockt. Friedmar Apels Roman ist zudem auch sprachlich wirklich ansprechend und eine wirklich lohnenswerte Lektüre.


Hamburger Lesehefte, Nr.35, Michael Kohlhaas
Hamburger Lesehefte, Nr.35, Michael Kohlhaas

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Michael Kohlhaas: Die Streitschrift für den Rechtsstaat, 22. Januar 2011
Michael Kohlhaas stand schon etwas länger auf meiner Leseliste; dass ich nun endlich dazu gekommen bin Heinrich von Kleists Novelle zu lesen liegt zum einen an der Uni, zum anderen am Kleist-Jahr und auch an der Classics-Challenge, an der ich dieses Jahr teilnehme. Auch wenn ich vorgreife: Ich finde, dass sich die Lektüre gelohnt hat.

In Michael Kohlhaas erzählt Heinrich von Kleist die Geschichte eines Rosshändlers aus Brandenburg, dem seine Pferde abgenommen werden, als er sich auf dem Weg nach Sachsen befindet. Er soll einen Passierschein bezahlen, von der er bislang nichts wusste (und der scheinbar nicht existiert) und die er nicht bezahlen kann. Sie lassen ihn passieren, allerdings nur unter der Prämisse, dass er seine Pferde bei ihnen lässt und diese wiederbekommt, sobald er den Passierschein bezahlen kann. Michael Kohlhaas lässt sich auf diesen Handel ein.

Als er erneut bei den Menschen erscheint, die seine Pferde in Gewahrsam haben, trifft ihn der Schlag: Sie sind völlig abgemagert und von seinem Knecht, den er bei den Pferden lies, ist ebenfalls keine Spur. Er verlangt eine Kompensation für den Verlust, der er nun erlitten hat, doch seine Forderung ist vergebens. Überdies wird seine Klage bezüglich dieses Unrechts abgewiesen. Für Michael Kohlhaas ist dies die unerhörte Begebenheit, die ihn dazu bringt, sein Haus zu verkaufen, seine Familie wegzuschicken und einen Krieg gegen die Obrigkeit zu beginnen, der ihn dazu bringt Städte anzuzünden, bis er erhört wird.

Heinrich von Kleists Novelle ist die Geschichte eines bitter enttäuschten, rechtsschaffenden Mannes, der keinen Ausweg zu sehen scheint, als über das Begehen von Verbrechen die Verbrechen, die ihm angetan wurden, zu sühnen. Sie ist jedoch auch die Geschichte des Machtmissbrauchs durch die Obrigkeit und eine Streitschrift für die Rechtsstaatlichkeit und insofern auch heute lesenswert. Empfehlung meinerseits.


Nachglühen
Nachglühen
von Jan Böttcher
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gelungener Roman!, 6. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Nachglühen (Gebundene Ausgabe)
In Nachglühen erzählt Jan Böttcher die Geschichte von Jens und Jo, die beide in einem kleinen Dorf im Grenzsperrgebiet an der Elbe groß geworden sind. Beide kehrten nach dem Fall der Mauer der DDR den Rücken zu. Jens schlug sich nach einem Aufenthalt im DDR-Knast zunächst orientierungslos durch und wurde schlussendlich in Göttingen Zeitungsredakteur, Jo hingegen wurde Polizist in Hamburg.

Siebzehn Jahre nach dem Fall der Mauer kommen sie beide wieder in das Dorf an der Elbe zurück: Jo arbeitet zwar weiterhin in Hamburg, verbringt jedoch viel Zeit im ehemaligen Grenzsperrgebiet um seinen Großvater zu pflegen und seinem Vater, einem ehemaligen SED-Kreisleiter, bei seiner Vogelobservation zu unterstützen. Jens hat zusammen mit seiner Frau Anne das Lokal seiner Eltern übernommen, versucht sich daran eine Art Familientradition aufrecht zu erhalten.

Bereits früh wird dem Leser klar, dass zwischen den beiden eine Art Rivalität herrscht, etwas vorgefallen ist, dass bis heute nicht geklärt zu sein scheint und dass die beiden innerhalb des Romans einander geraten werden müssen. Worum es sich handelt wird dem Leser jedoch lange Zeit vorenthalten. Nichteinmal Anne, Jens Frau, scheint zu wissen was damals geschehen ist - und gelangt so zwischen die Fronten.

Jan Böttcher berichtet auf eine intelligente Weise die Geschichte zweier ehemaliger Freunde, die mit ihrer alten Heimat am Deich im Grenzsperrgebiet, mit ihrer Rückkehr in den Osten und ihrer damaligen Freundschaft hadern; ein Umstand, durch den Anne sich von ihrem Mann distanziert und sich zugleich Jo zuwendet. Sein Roman ist, vielleicht gerade weil der Grund des Zerwürfnisses und Jens' großer Probleme so lange verborgen bleibt, durchgehend spannend und interessant, stilistisch sicher geschrieben und auf jeden Fall zu empfehlen.


1Q84. Buch 1&2: Roman
1Q84. Buch 1&2: Roman
von Haruki Murakami
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tolle Spannung über 1021 Seiten, 5. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: 1Q84. Buch 1&2: Roman (Gebundene Ausgabe)
Viel wurde im Vorfeld der neuen Murakami-Veröffentlichung geschrieben und von nicht wenigen wurde Murakami bereits (erneut) als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Im Oktober war es dann soweit: 1Q84, mit über 1000 Seiten und einem Gewicht von einem Kilo sicherlich das umfangreichste Werk des Japaners, war endlich erhältlich. Das im DuMont-Verlang erschienene Buch enthält jedoch nur Band 1 und 2 des dreiteiligen Romans; auf den dritten Teil müssen die Leser sich bis zum Herbst gedulden.

In seinem neuen Roman führt Murakami seine Leser in das Jahr 1984 zurück und erzählt auf eine interessante Weise die Geschichte von Aomane, einer Fitnesstrainerin und Serienmörderin, die ihre Opfer - allesamt Sexual- und Gewaltverbrecher - unbemerkt mit einem kleinen Eispick tötet und Tengo, einem Nachhilfelehrer für Mathematik und angehenden Schriftsteller. Beide kennen sich seit ihrer frühesten Kindheit, haben sich jedoch zuletzt gesehen, als sie beide zehn Jahre alt waren. Zwar sind seitdem etwa 20 Jahre vergangen, vergessen konnten sie einander jedoch nie: Seit Aomane Tengos Hand in der Schule in ihre legte und fest zudrückte, sind sie ineinander verliebt; Aomane ist dies bereits damals bewusst, doch Tengo erschließt sich dies erst im Laufe des Romans.

Beide verstricken sich innerhalb des Romans, dessen Erzähler die Geschichte in abwechselnden Kapiteln aus ihrer und seiner Perspektive erzählt, zunehmend in eine Paralellwelt - 1Q84 - in der die Little People großen Einfluss auf die Begebenheiten der Welt haben und zwei Monde am Himmel stehen. Murakami schafft es, dass die beiden Handlungstränge, die zunächst völlig unabhängig voneinander bestehen, sich zunehmend zusammenfügen. Wenngleich Aomane und Tengo sich nach über 1000 Seiten zwar noch wiedergetroffen, aber viel spannendes erlebt haben, schmälert dies der Spannung des Romans keinesfalls; vielmehr macht es Lust auf mehr.

Murakamis neuer Roman ist wirklich unterhaltsam, teils sogar mitreißend und auf jeden Fall ein spannendes Buch im Sinne des magischen Realismus, dessen Umfang keinenfalls abschrecken sollte. Es ließt sich, vielleicht auch gerade durch die betont einfach gehaltene Sprache innerhalb des Romans, wirklich sehr gut und ist sicher nicht nur für Fans des Japaners eignet, sondern auch anderen Lesern zu empfehlen. Einen fahlen Beigeschmack hinterlässt lediglich, dass die Leser nun bis zum Herbst warten sollen, bis der dritte Teil erscheint.


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