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Rezensionen verfasst von
Ruprecht Frieling "Prinz Rupi" (Berlin)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Ebola: Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas
Ebola: Der Kongo - das schwarze Herz Afrikas
Preis: EUR 3,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kenntnisreich und spannend, 8. Dezember 2014
Self-Publisher genießen gegenüber klassischen Verlagen klare Vorteile. Aufgrund ihrer unkomplizierten Produktionstechnik und der äusserst flachen Entscheidungshierachie können sie sich locker ein Jahr Vorsprung verschaffen. Welche Bedeutung dies bei tagesaktuellen Themen hat, beweist Eddy Zack aka Detlef Crucius mit einem Roman, der ein hochbrisantes Thema in den Mittelpunkt stellt: Ebola.

Lars Petersen wird bei seiner Ankunft in Köln unter dem Vorwurf, einen dubiosen Geschäftspartner erschossen zu haben, verhaftet. Offenbar geht es um den illegalen Handel mit Blutdiamanten, die aus Krisengebieten in Schwarzafrika stammen. In einem Gespräch mit seinem Anwalt lässt er die Ereignisse der letzten Zeit Revue passieren.

Der Autor entführt den Leser daraufhin in die Tiefen des afrikanischen Kontinents und beweist dabei eine erstaunliche Orts- und Detailkenntnis. Ihm begegnen Mediziner, die ihren Patienten einen Ebola-Impfstoff verabreichen, die sie mit Diamanten von einem deutschen Pharmadealer beziehen. Schnell stellt sich heraus, dass die entsprechenden Dokumente gefälscht sind und der Bevölkerung ein wirkungsloses Präparat verabreicht wird …

»Ebola« ist ein ebenso kenntnisreicher wie spannend geschriebener Roman, der aber auch die Hilflosigkeit der Betroffenen deutlich macht. Denn die Pharmalobby scheint kein wirkliches Interesse daran zu haben, einen Wirkstoff zu entwickeln, der die neue Seuche in Griff bekommt. Letztlich interessiert die Reichen an Afrika nur das, was an Bodenschätzen ausgebeutet werden kann: Gold, Diamanten, Erdöl, seltene Erden. Dies funktioniert mit vollautomatischer Technik auch auf einem entvölkerten Kontinent. Bittere Erkenntnis des Autoren: »Wer nach Afrika reisen will, sollte sich beeilen. Er trifft sonst keine Menschen mehr an.«


Naked Lunch - Arthaus Collection
Naked Lunch - Arthaus Collection
DVD ~ Peter Weller
Wird angeboten von cook29
Preis: EUR 36,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahnwitzige Visionen, 8. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Naked Lunch - Arthaus Collection (DVD)
1959 erschien »The Naked Lunch« von William Seward Burroughs, die gleichnamige literarische Vorlage für diesen ungewöhnlichen Film. Der Erstling des späteren Erfolgsautors der legendären »Beat Generation« entstand weitgehend unter Drogeneinfluss, während irrer Delirien und auf Entzug. Ohne roten Faden werden Halluzinationen, Albträume, Horrorvisionen und real Erlebtes ineinander verwoben. Passagen, die das Dasein aus der Sicht eines A*********s beschreiben werden abgelöst durch homosexuelle Orgien und Gewaltphantasien. Kein Wunder, dass das Erscheinen des Buches von modernen Autoren wie Norman Mailer enthusiastisch gefeiert wurde, während die Zensur es als »antiamerikanisch« vehement bekämpfte.

Die Verfilmung einer derartigen Vorlage fordert die Regie heraus. Der Kanadier David Cronenberg nahm die Herausforderung an und erzählt die Geschichte des erfolglosen Schriftstellers Bill Lee (Peter Weller), der sich als Kammerjäger inmitten einer abgedrehten Truppe seinen Lebensunterhalt verdient. Das Insektengift jedoch macht schnell süchtig und provoziert wahnwitzige Visionen. So verwandelt sich Lees Schreibmaschine bald in ein hungriges Scheusal aus dem Kabinett eines Hieronymus Bosch, das ihm die Buchstaben förmlich aus der Hand frißt. Der Autor erschießt seine Frau und flieht in das fiktive Gebiet Interzone, wobei er immer wieder von seinem insektenartigen Schreibgerät gezwungen wird, die bizarren Geschehnisse zu dokumentieren.

Cronenberg versucht erst gar nicht, Burroughs Werk »nachzuerzählen«. Er wechselt stattdessen die Perspektive und schildert, wie es zum Entstehen des Buches gekommen sein könnte. Dadurch werden die Bezüge zu den Drogenexzessen deutlich und gleichzeitig die irre Welt, durch die der Protagonist stolpert, visualisiert.

Die Verfilmung offeriert ein ausgezeichnetes Horsd'œuvre all denjenigen, die Burroughs Klassiker noch nicht kennen und vielleicht entschlüsseln möchten.


Naked Lunch. Zweitausendeins Edition Film 168
Naked Lunch. Zweitausendeins Edition Film 168
DVD ~ Peter Weller
Wird angeboten von Zweitausendeins
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irre Literaturverfilmung, 8. Dezember 2014
1959 erschien »The Naked Lunch« von William Seward Burroughs, die gleichnamige literarische Vorlage für diesen ungewöhnlichen Film. Der Erstling des späteren Erfolgsautors der legendären »Beat Generation« entstand weitgehend unter Drogeneinfluss, während irrer Delirien und auf Entzug. Ohne roten Faden werden Halluzinationen, Albträume, Horrorvisionen und real Erlebtes ineinander verwoben. Passagen, die das Dasein aus der Sicht eines Ar…s (Begriff für die Amazon-Zensur gekürzt) beschreiben werden abgelöst durch homosexuelle Orgien und Gewaltphantasien. Kein Wunder, dass das Erscheinen des Buches von modernen Autoren wie Norman Mailer enthusiastisch gefeiert wurde, während die Zensur es als »antiamerikanisch« vehement bekämpfte.

Die Verfilmung einer derartigen Vorlage fordert die Regie heraus. Der Kanadier David Cronenberg nahm die Herausforderung an und erzählt die Geschichte des erfolglosen Schriftstellers Bill Lee (Peter Weller), der sich als Kammerjäger inmitten einer abgedrehten Truppe seinen Lebensunterhalt verdient. Das Insektengift jedoch macht schnell süchtig und provoziert wahnwitzige Visionen. So verwandelt sich Lees Schreibmaschine bald in ein hungriges Scheusal aus dem Kabinett eines Hieronymus Bosch, das ihm die Buchstaben förmlich aus der Hand frißt. Der Autor erschießt seine Frau und flieht in das fiktive Gebiet Interzone, wobei er immer wieder von seinem insektenartigen Schreibgerät gezwungen wird, die bizarren Geschehnisse zu dokumentieren.

Cronenberg versucht erst gar nicht, Burroughs Werk »nachzuerzählen«. Er wechselt stattdessen die Perspektive und schildert, wie es zum Entstehen des Buches gekommen sein könnte. Dadurch werden die Bezüge zu den Drogenexzessen deutlich und gleichzeitig die irre Welt, durch die der Protagonist stolpert, visualisiert.

Die Verfilmung offeriert ein ausgezeichnetes Horsd'œuvre all denjenigen, die Burroughs Klassiker noch nicht kennen und vielleicht entschlüsseln möchten.


Grasgeflüster
Grasgeflüster
DVD ~ Brenda Blethyn
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vergnügliche Kiffer-Komödie, 3. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Grasgeflüster (DVD)
Die leidenschaftliche Orchideenzüchterin Grace (Brenda Blethyn) erfährt nach dem Tod ihres Mannes, dass dieser ihr einen Berg Schulden hinterlassen hat. Schon klopfen Banker und Immobilienhaie an ihre Tür, um ihr das schöne alte Haus wegzunehmen. Da kommt sie durch ihren schottischen Gärtner Matthew (Craig Ferguson) auf die absurde Idee, ihren grünen Daumen für die Marihuanazucht zu nutzen.

Bald entsteht im Tropenhaus des Anwesens eine professionelle Drogenplantage, und eine einträgliche Ernte blüht und gedeiht. Die Dorfgemeinschaft nimmt regen Anteil an den verbotenen Aktivitäten der Hobbygärtnerin. Doch schon kommt ein viel größeres Problem auf Grace zu: Wohin mit dem Stoff, wenn man keinen Dealer kennt?

Der charmante Film um die Lady und ihre im Drogennebel kichernden ältlichen Freundinnen und eine skurrile Dorfgemeinschaft, die fest zusammenhält, bildet das Thema weiche Drogen auf typisch britische Art und Weise ab. Wer harmlose Kiffer-Komödien mag und über Menschen und ihre Eigenarten in zugespitzten Situationen schmunzeln kann, wird mit »Grasgeflüster« zuverlässig bedient.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 8, 2014 11:17 PM CET


Sterben für Anfänger
Sterben für Anfänger
DVD ~ Matthew MacFadyen
Preis: EUR 7,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nahtod wegen Lachanfall, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Sterben für Anfänger (DVD)
Als begeisterter Anhänger des rabenschwarzen britischen Humors wäre ich bei dieser Komödie aufgrund von Lachanfällen um ein Haar verschieden und mit der einzigen stummen Rolle – einem Leichnam im Eichensarg – in die Ewigen Jagdgründe der Komödianten und Spötter eingegangen. Doch zum Glück habe ich die zum Sterben komische Komödie von Regisseur Frank Oz unbeschadet überstanden und kann sie nun trotz oder gerade wegen der Nahtod-Erfahrung empfehlen.

Gegenstand des Films ist eine Trauerfeier, bei der so ziemlich alles missglückt. Es beginnt damit, dass Cousine Martha ihren Verlobten Simon der versammelten Familie vorstellen will. Doch der hat versehentlich statt einer Beruhigungstablette einen Trip eingeworfen, den ein anderer Trauergast in einer Librium-Flasche versteckt hat. Dieses Fläschchen wird nun zum Running Gag des Films, denn der Brautwerber bleibt nicht der Einzige, der sich dringend beruhigen möchte. In dem wundervollen Tohuwabohu, das bald entsteht, taucht außerdem ein nur 1,30 Meter kleines Männlein auf, das sich anhand pikanter Fotos als Lover des Verstorbenen ausweist und Schweigegeld verlangt, weil er im Testament vergessen wurde.

In dieser Konstellation trifft nun eine absurde Situation auf die nächste, und es wird ein Feuerwerk zwischen Irrwitz und Dada abgefeuert, bei dem die Creme britischer Schauspieler zeigt, was sie kann. Die Geschichte entwickelt sich immer mehr zur Katastrophe. Dabei bricht manch ein verschütteter Zwiespalt zwischen den Verwandten auf und setzt alte Rivalitäten frei.

»Sterben für Anfänger« ist weit entfernt davon, in billigem Klamauk zu münden. Sämtliche Pointen werden dosiert eingesetzt, und eine handfeste Dramaturgie entwickelt das Chaos gemächlich und zelebriert es genüsslich. Wer sich noch an die Filme der britischen Reihe »Carry on« Ist ja irre - Carry on, Vol. 1 [4 DVDs] mit Sydney James und Kenneth Williams aus den Siebzigern erinnert, wer gern Puppenmord: Roman und andere Romane von Tom Sharpe gelesen hat oder Monty Python's Flying Circus - Box (7 DVDs) mag, der findet hier die kongeniale Fortsetzung des Werks dieser großartigen Komödianten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 27, 2014 12:28 PM CET


Event Horizon - Am Rande des Universums
Event Horizon - Am Rande des Universums
DVD ~ Laurence Fishburne
Preis: EUR 6,75

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Melange aus Horror, SF und Psychoschocker, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Event Horizon - Am Rande des Universums (DVD)
Das Grausigste an diesem Film ist die Musik, die hölzern und tumb die Ereignisse umspielt. Das Eindrucksvollste sind die Animationen der verschiedenen Raumstationen, -basen und –schiffe.

Dazwischen spielt sich alles mehr oder weniger splattermäßig ab. Ein Rettungscrew will ein in den Weiten des Raums verschollenes Schiff bergen. Doch dort ist kein menschliches Leben mehr feststellbar. Stattdessen materialisieren sich Ängste und Albträume der Besatzungsmitglieder und ziehen sie in den Untergang.

Im Ergebnis entstand eine Melange aus Horror, SF und Psychoschocker. Kein Hit, aber es gibt weitaus Schlimmeres.


Shooter
Shooter
DVD ~ Mark Wahlberg
Wird angeboten von HAM GbR (Preise inkl. Mwst)
Preis: EUR 7,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wilde Baller-Geschichte mit unlogischer Storyline, 28. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Shooter (DVD)
Ein Ex-Marine-Scharfschütze soll US-Geheimdienstbossen helfen, mit seinen Kenntnissen über Präzisionsschüsse einen Anschlag auf den Präsidenten zu vereiteln. Dabei wird er jedoch selbst recht bald zur Zielscheibe der bösen Kräfte, die ihm ein politisches Attentat in die Schuhe schieben wollen.

Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg) wehrt sich gegen diese Intrige und begibt sich auf eine Odyssee, bei der immer wieder sein Überlebenswillen herausgefordert wird und er sein Talent als »Shooter« beweisen darf.

Wilde Baller-Geschichte mit unlogischer Storyline nach dem Muster: Ein Guter kann sich gegen alle zur Wehr setzen und die Welt retten. Insgesamt gut gemachte Unterhaltung für Action-Freunde.

Interessant fand ich die Vorführung einer Maschine, mit der die CIA Selbstmorde erzwingen kann.


Wir können auch anders
Wir können auch anders
DVD ~ Joachim Król

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastisches Roadmovie über die Zeit der Wende, 28. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Wir können auch anders (DVD)
Ein phantastisches Roadmovie über die Zeit der Wende in der untergehenden DDR. Ein westdeutsches Brüderpaar (Joachim Król und Moritz Kipp), beides Analphabeten und nicht gerade die hellsten Kerlchen, rollen mit einem betagten Hanomag Richtung Schwerin, um das Erbe ihrer verstorbenen Großmutter anzutreten: ein Grundstück mit Haus.

Auf ihrer Tour treffen sie auf einen flüchtigen Rotarmisten, der sie als Mitfahrgelegenheit akquiriert. Sie werden von einer Outlaw-Gang bedroht, mit der sie aber dank der Kalaschnikow des Soldaten fertig werden. Sie geraten ins Visier einer unfähigen Polizeitruppe, der sie immer wieder entkommen. Sie nehmen eine Kellnerin (Sophie Rois) als Geisel und stellen am Ziel ihrer Reise fest, dass ihr Grundstück eine baufällige Kate ziert, die nur unter Lebensgefahr betreten werden kann.

Skurrile Gestalten, eine breiter Mecklenburger Zungenschlag und ein typisch norddeutsch-trockener Humor kennzeichnen diesen Film. Dieses kleine Meisterwerk ist auch nach zwanzig Jahren unbedingt sehenswert.


Nothing Has Changed (the Best of David Bowie)
Nothing Has Changed (the Best of David Bowie)
Preis: EUR 11,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstklassiger Überblick, 27. November 2014
Dieses Doppelalbum bietet einen erstklassigen Überblick über Bowies Werk von 1964 bis 2014. Insgesamt 39 Songs wurden digital aufbereitet, um den vollen Bowie-Sound erlebbar zu machen.

Das Potpourri beginnt mit der legendären »Space Oddity« und umfasst bekannte Songs wie »Life on Mars?«, »Ziggy Stardust«, »Rebel Rebel«, »Young Americans«, »Under Pressure«, »Heroes« und viele andere.

Es gibt auch einen neuen Song: »Sue (Or In A Season Of Crime)«, ein düsteres Tongemälde, bei dem Bowie sich von einer freejazzigen Big Band unterstützen lässt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2014 5:31 PM CET


Bekenntnisse eines Literaturagenten: Eine Anleitung zur Karriere als Bestseller-Autor
Bekenntnisse eines Literaturagenten: Eine Anleitung zur Karriere als Bestseller-Autor
Preis: EUR 0,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aufschlussreiche Beichte, 26. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unter dem Pseudonym Werner Schatten schreibt sich ein angeblicher Ex-Cheflektor eines deutschen Großverlages und jetziger Literaturagent seinen beruflichen Frust von der Seele. »Bekenntnisse eines Literaturagenten« heißt seine schriftliche Beichte, die sich zugleich als »Anleitung zur Karriere als Bestseller-Autor« verstanden wissen will.

Schatten skizziert sein buntes Leben an der Uni und im Beruf. Von Pharmazie über Wirtschaftschinesisch und Agrartechnologie rutschte er schließlich halbherzig zur Germanistik. Nach Studienabschluss absolvierte er diverse Praktika, kochte Kaffee und bediente den Kopierer. Sein Vater verschaffte ihm schließlich einen Job in einem großen ostdeutschen Verlag, wo er aus der Buchhaltung ins Lektorat aufstieg. Die Tätigkeit als Lektor musste er machen, weil er »für andere Berufe leider keinerlei Begabung oder Neigung zeigte«.

Da es ihm einerlei war, ob er Versicherungen, Kühlschränke oder Bücher verkaufen sollte, und nur der sichtbare Erfolg auf dem Lohnzettel zählte, machte er schnell Karriere. Mit sicherem Gespür freundete er sich mit Nachrichtensprechern, TV-Moderatoren, Gangster-Rappern und Großkriminellen samt ihrer Sprösslinge an und vermittelte lukrative Buchverträge.

Nach einem Jahr wurde er bereits Cheflektor, der alles andere gern tat, als sich mit Texten zu beschäftigen, zumal dies verlangte, »die komplizierte deutsche Rechtschreibung und Grammatik zu beherrschen«. Wichtigste Aufgabe im Business sei »die Pflege der Kontakte zu all jenen, von denen man entweder abhängig ist, oder aus denen man künftig noch Kapital schlagen kann«. Diese Kontakte kamen dem Autor nach dem Zusammenbruch seines Verlages und der Verselbstständigung als Literaturagent zugute.

Wie Literaturagenten Manuskripte bewerten

In einer Beschreibung seiner aktuellen Tätigkeit, die auf Ehrenwort »repräsentativ ist für alle Vertreter meines Berufs«, schildert er den Umgang mit den zehn bis zwanzig täglich unaufgefordert eintrudelnden Manuskripten: Praktikanten katalogisieren das Material und durchforsten es stichprobenartig nach Eignung. »Manuskripte, die komplett durch das Raster fallen, also zu intelligent geschrieben sind oder zu wenig intelligent, die zu gut formuliert sind oder zu schlecht, bei denen die Figuren zu komplex dargestellt werden oder zu einfach, die zu politisch sind oder zu unpolitisch«, erhalten eine Standardabsage.

Bei den restlichen Werken prüft der Agent »die Zusammenfassungen gründlich, allen voran den Namen und die Biographie des Autoren, das Thema und die mit diesen drei Kritierien unlösbar verbundene Vermarktungsfähigkeit«. Ein weitaus gewichtigeres Argument als jede Lesepbrobe stelle die Person des Verfassers dar.

Helene Hegemann und der Niedergang der Literatur

Mittels dieser Methode durfte Schatten »viele begnadete deutsche Literatur-Talente auf ihrem Weg an die Spitzen der deutschen Belletristik-Charts begleiten«. Darunter waren »Großkriminelle, begabte Serienvergewaltiger, ehemalige Porno-Darstellerinnen, Politiker, verzogene Töchter von Berliner Theater-Intendanten mit Profilneurose« und viele andere.

Letztere haben es ihm übrigens besonders angetan. So betreute er eine »Künstlerin der Gattung Extraklasse, eine große literarische Begabung, die man wohlweislich bereits mit 5 Jahren von der Schule genommen hat … damit sie … an einem jeden lieben langen Tag im Café sitzen … die Nächte in heruntergekommenen Diskotheken verleben … und auf schmutzigen Damentoiletten romantische Erfahrungen sammeln durfte«. Diese junge Lady wurde von einem »belesenen Kritiker« sogar als »neuer Mozart am deutschen Kulturhimmel bezeichnet«.

Fake oder Augenzeugenbericht?

Dank dieser zarten Hinweise fällt es leicht, in Schattens erfolgreich vermitteltem »Talent« Helene Hegemann und ihr aus Blogbeiträgen zusammengestümpertes Opus »Axolotl Roadkill« auszumachen, das 2010 im Ullstein-Verlag erschien und trotz des Entsetzens der Fachwelt zum Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Warum »Werner Schatten« nicht aus seinem eigenen Schatten hervortritt und unter Klarnamen publiziert, bleibt hingegen ein Geheimnis.

Spätestens an dieser Stelle erhebt sich die Frage, ob der Verfasser der »Satire« tatsächlich derjenige ist, der zu behaupten er vorgibt. Denkbar wäre auch, dass es sich um einen erfolglosen Autor handelt, dessen Werk abgelehnt wurde und der nun einen Rachefeldzug unternimmt. Seine Argumentation ist mir allerdings wiederholt bei Verlagen begegnet und zwar vor allem in deren Geschäftsführungen. Da regiert eine junge Managergeneration, die Betriebswirtschaft studiert hat und über Drehmomente und Umschlaggeschwindigkeit redet, wenn es um Bücher geht. Literatur im klassischen Sinne kommt nicht mehr vor.

Verkaufszahlen entscheiden über Erfolg

Ob Faker oder Augenzeuge, der Verfasser des Pamphlets weiß jedenfalls, worauf es deutschen Verlagen bei einem Manuskript ankommt: Das sind die Verkaufszahlen. Und die sind wiederum abhängig von der Biographie des Verfassers und seiner entsprechenden Vermarktungsfähigkeit in den Medien.

Mit beißendem Spott schreibt der Autor in seiner Betrachtung, er sei »sehr froh, dass wir uns in Deutschland seit einigen Jahrzehnten erfolgreich dem allgemeinen, seit Jahrtausenden währenden internationalen Trend entziehen, demnach Bücher humorvoll und interessant geschrieben sein und eine Geschichte enthalten müssen …«.

Es sei vielmehr so, dass sich manche deutsche Buchverlage nur noch über Wasser hielten, weil sie für teures Geld ausländische Rechte einkauften. Dies wiederum gründe »in der Sturheit der deutschen Leserschaft, die sich immer noch für niveaulose, primitive Publikationen mit Handlung, Humor und Spannung begeistert, anstatt endlich dem Geschmack unserer intellektuellen, anspruchsvollen deutschen Lektoren zu folgen und sich der Selbstbestätigungsliteratur unserer Prominenten zuzuwenden«.

Self-Publisher unterlaufen Zensur der Lektorate

In diesem geistigen Klima sei es wahrlich kein Wunder, »dass die deutschen Verlage vermehrt rote Zahlen schreiben, und die Leser ihr vermeintliches Heil in den von den hilflosen, unbeachteten deutschen Autoren selbst veröffentlichten E-Books suchen, womit sie die geistige Zensur durch die deutschen Lektorate jedoch dreist unterlaufen«.

Der erfolgsorientierten Buchindustrie, so der Verfasser, gehe es schon lange nicht mehr darum, »einen relevanten Beitrag zur kulturellen Weiterentwicklung des Landes zu leisten, der Bildung breiter Massen der Gesellschaft zu dienen oder kontroverse Standpunkte einzunehmen«.
Diese »biederen, konservativen, primitiven Kritierien für ein gelungenes Buch« seinen nicht mehr von Bedeutung. Verlage seien Wirtschaftsunternehmen, die den gängigen Regeln einer globalisierten Weltwirtschaft gehorchen. Literaturagenten seien in diesem Sinne »outgesourcte Lektoren, intellektuelle Leiharbeiter, deren finanzielles Überleben einzig vom Markterfolg der von ihnen vertriebenen Publikatonen abhängt«.

Literaturmarkt in der Hand schreibender TV-Köche

Autor Schatten ist kein Meister des geschliffenen Wortes. Sein kostenlos erhältlicher Text liest sich wie der Versuch, eine bitterböse Satire auf den Literaturbetrieb zu verfassen. Geliefert wurde ein rabenschwarzer Text mit höchst eigenwilliger Interpunktion und fehlerhafter Grammatik, der enorm viel Frustration, Verbitterung und Hass atmet.

Ob er mit der Veröffentlichung seine Kollegen zu Begeisterungsstürmen hinreißt, darf bezweifelt werden. Kritikern des Literaturmarktes bestätigt er indes, dass sich der ausschließlich den Gesetzen der Geldmaschinerie unterworfene deutschsprachige Literaturbetrieb inzwischen fest in den Händen schreibender Fernsehköche und TV-Moderatoren befindet. Ob die Entwicklung der durch das E-Book geförderten Self-Publisher-Szene daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Buchaffinen Menschen hingegen dürften die Haare zu Berge stehen.


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