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Rezensionen verfasst von
Bernhard Hofacker (Winterthur, Zürich Schweiz)

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Im Krebsgang: Eine Novelle
Im Krebsgang: Eine Novelle
von Günter Grass
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literarisch wertvoll, 22. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Im Krebsgang: Eine Novelle (Taschenbuch)
Günter Grass schildert auf literarisch hohem Niveau den Untergang des Kraft-durch-Freude Passagierschiffes Wilhelm Gustloff, wobei er die gesamte Geschichte des Schiffes facettenreich aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Um vorwärts zu kommen muss er dabei wie ein Krebs immer wieder ausholen und in die Vergangenheit zurückgreifen, weshalb er seine Novelle „Im Krebsgang“ getauft hat.

Im Kern geht es darum, dass der aus Schwerin stammende Nationalsozialist Wilhelm Gustloff, der an einer Tuberkulose litt, seine Lungenkrankheit in der Höhenluft von Davos auskurieren konnte und wegen des guten Klimas sein weiteres Leben in der Schweiz verbrachte. Dort wurde er am 4. Februar 1936 von dem Juden David Frankfurter erschossen, woraufhin er als Märtyrer und Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung in seiner Heimatstadt Schwerin feierlich beerdigt und das soeben fertiggestellte Kraft-durch-Freude Passagierschiff auf seinen Namen getauft wurde. Anfang 1945 wurde die Wilhelm Gustloff schliesslich, als sie von Gotenhafen mit 6000 – 9000 Flüchtlingen, darunter auch verwundeten Soldaten der Kurlandfront, tausend U-Bootmatrosen, dreihundertundsiebzig Marinehelferinnen und Bedienungsmannschaften eilig aufmontierter Flakgeschütze, auslief, von dem russischen U-Boot-Kommandanten Alexander Marinesko mit drei Torpedos versenkt. Unter den Opfern befanden sich über 4000 Säuglinge, Kinder und Jugendliche, die in der eisigen Ostsee ertranken. Marinesko wurde aufgrund dieser Grosstat nach seinem Tode der Orden „Held der Sowjetunion“ verliehen.

Obwohl es sich um die grösste Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt mit den meisten Opfern handelte, ist die Wilhelm Gustloff bei weitem nicht so bekannt geworden, wie die Titanic. Vermutlich hängt dies mit der braunen Vergangenheit seines Herkunftslandes zusammen und mit der Tatsache, dass die Leiden der Deutschen lange nicht betrauert werden durften.
Schade ist nur, dass der Autor bezüglich seiner eigenen Vergangenheit als SS-Soldat eine Amnesie hatte und dies erst sehr spät ans Tageslicht gekommen ist. Einerseits fällt es mir deshalb schwer, ihm sein engagiertes Plädoyer gegen den Rechtsradikalismus abzunehmen, andererseits möchte ich als Nachgeborener mir darüber kein Urteil anmassen, zumal ich nicht weiss, wie ich mich damals verhalten hätte. Ich gebe dem Buch wegen der meisterhaften Verarbeitung des Stoffes auf jeden Fall 5 Sterne.


Berlin 1945 - Das Ende
Berlin 1945 - Das Ende
von Antony Beevor
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erschütterndes Dokument !, 13. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Berlin 1945 - Das Ende (Broschiert)
Dies ist ein in Romanform geschriebenes, sehr spannendes Geschichtsbuch. Der Inhalt ist aber so schrecklich, dass die Realität jeden Kriminalroman und jede Fiktion übertrifft. Ich konnte das Buch nicht am Stück lesen, sondern musste immer wieder Verdauungspausen einlegen und war des öfteren den Tränen nahe. Wenn irgendwo schon einmal die Apokalypse stattgefunden hat, dann war dies vor meiner Zeit von 1941 - 1945 zwischen Berlin und Moskau.
Es gelingt Beevor, ein objektives Bild der Kriegsereignisse und der Leiden des deutschen Volkes zu schildern, obwohl sein Land ja auch unter der Naziherrschaft gelitten hat.

In der ersten Hälfte des Buches, bis ca. S. 250, geht es noch nicht um Berlin, sondern hauptsächlich darum, wie das deutsche Reich an seinen Ostgrenzen von der 6,7 Mio. Mann starken roten Armee sukkzessive überrollt wurde. Besonders schlimm waren die Kämpfe in Danzig, Posen und Breslau. Auch für einen Nachgeborenen sind die grossen Gebietsverluste sehr schmerzhaft.

Im Verlauf der Kriegsereignisse wird wiederholt deutlich, dass die rote Armee eine plündernde, mordende, brandschatzende und vergewaltigende Armee mit einem unstillbaren Rachedurst gewesen ist, und dass es sich bei den Eroberungen keinesfalls um eine Befreiung, sondern um eine erneute Knechtschaft der dort lebenden Menschen handelte. Fast gewinnt man den Eindruck, dass die Rotarmisten nicht nach Hause zurückkehren durften, ohne mehrere deutsche Frauen mehrfach vergewaltigt zu haben. Hier scheint sich das von den Nazis propagierte Bild von den Horden und Untermenschen aus dem Osten förmlich zu betätigen und die rote Armee hat mit ihrem Verhalten nichts dafür getan, um dieses Bild zu korrigieren.

Dennoch darf bei der Lektüre die Kausalität der Geschichte nicht ausser Acht gelassen werden, wenn man dem historischen Gesamtkontext gerecht werden möchte. Beevor nimmt dazu auf wenigen Seiten im letzten Kapitel klar Stellung (S. 467). Schlesslich war es das deutsche Reich, das den Hitler-Stalin-Pakt gebrochen, die Sowjetunion überfallen und in Osteuropa mit dem industrialisierten Massenmord die schlimmsten Verbrechen der Menschheit begangen hat.Alleine die Sowjetunion hat im zweiten Weltkrieg 20 Millionen Menschen verloren und damit die Hauptlast des Krieges getragen. Man täte gut daran, sich im Vorfeld darüber zu informieren.


Sein und Zeit
Sein und Zeit
von Martin Heidegger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

4 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Enttäuschend, 9. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Sein und Zeit (Gebundene Ausgabe)
Heidegger glaubte in "Sein und Zeit", wenn er das Dasein ergründe, könne er an die wahre Natur des Seins rühren. Aber wenn er einige seiner Grundgedanken einführt wie "In-der-Welt-Sein, Geworfenheit, Zuhandensein, Angst, Ueberdruss, Sorge und Gewissen",stellen wir ganz gegen unsere Erwartung fest, dass dieser äusserst gewissenhafte Denker diese Begriffe ziemlich unversehens und leichthin einführt, ohne sie genügend zu erklären und zu begründen. Mit einem gewissen Unbehagen wird man den Eindruck nicht los, er sei zufällig über sie gestolpert und habe sie dabei aufgelesen. Zu dieser offensichtlich ziemlich zufälligen Auswahl kommt hinzu, dass er für mein Empfinden andere wichtige Begriffe sträflich übersieht, wie "Zeugenbewusstsein, Sympathie, Liebe, ästhetisches Empfinden, Anhänglichkeit, Eigeninteresse, Hass und Habgier"; all das erörtert er nicht. Nach dem Durcharbeiten von "Sein und Zeit" fühlte ich mich in meinem Anliegen, das Dasein besser zu verstehen, keinen Schritt weiter. Wegen der vertrackten Sprache sind nur Kopfschmerzen zurückgeblieben.


Zen-Training: Praxis, Methoden, Hintergründe (HERDER spektrum)
Zen-Training: Praxis, Methoden, Hintergründe (HERDER spektrum)
von Katsuki Sekida
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fundiert und praxisnah !, 9. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist ein tiefgründiges, von einem Grossmeister der Vermittlung kompakt geschriebenes Praxis- und Lehrbuch nicht nur über Zen, sondern auch über Meditation und den tiefen Sinn des Lebens im Allgemeinen. Der Autor schreibt von sich, dass er 30 Jahre gebraucht habe, bis er das Gefühl hatte, vom Zen ein bisschen verstanden zu haben, weil es ihm an organisierter Methode und Theorie gefehlt hatte (S.262). Diese Lücke hat er nun mit diesem Buch vollumfänglich geschlossen.

Im Aufbau geht er dabei vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen, beginnend mit der Sitzhaltung über die Atemphysiologie zur Erkenntnistheorie, vor. Im Gegensatz zu anderer Zen-Literatur fällt auf, dass der Verfasser gleich zu Anfang seines Buches den Begriff der Erleuchtung, Einheit" verwendet und ihn in die drei Hauptkategorien Samadhi, Kensho und Satori einteilt, zu denen es dann noch weitere Abstufungen gibt. Für Sekida ist das Eintreten in den Samadhi absolut notwendig, da dies die Läuterung des Bewusstseins darstellt (S. 256). Das allumfassende Gewahrwerden der Läuterung des eigenen Geistes nennt man dann Kensho (S.111). Beim Satori wird einem auf einen Schlag eine erschöpfende und tiefe Erfahrung zuteil, eine explosionsartige Erleuchtung (S.278). Sehr beeindruckt haben mich dann die Kapitel Erfahrungen des Kensho", in dem Fallbeispiele von Zen-Schülern beschrieben werden, die das Kensho erlangt haben und das Kapitel "Eine persönliche Schilderung", in dem der Autor seinen eigenen Zen-Weg beschreibt. Den Versuch, etwas mit Worten eigentlich nicht Fassbares wie Samadhi, Kensho oder Satori zu schildern, habe ich in der von mir gelesenen Zen- und Meditationsliteratur bisher so nicht gefunden. Die Erleuchtungserfahrung, die die ganze Abhandlung durchzieht, wird im weiteren Verlauf auch gegen Drogenerfahrungen und Psychosen abgegrenzt. Last but not least nimmt Sekida ausführlich Stellung zu den westlichen Existenzphilosophen M. Heidegger und E. Husserl, die seiner Meinung nach nicht zu einem wirklichen Verständnis von Sein/Existenz vorgedrungen sind und den Sucher frustriert zurücklassen.

Für problematisch halte ich die Einstellung Sekidas, dass der Samadhi unbedingt erlangt werden muss, denn ich bin mir nicht sicher, ob jedermann den Samadhi erreichen kann. Dazu bedarf es einer grossen psychischen Stabilität und Standfestigkeit. Wenn wir versuchen, Erleuchtung zu erlangen, kann dies eine schwere Bürde für unseren Geist sein und er wird dann nicht klar genug sein, um die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, meint Shunryu Suzuki in seinem wunderbaren Buch "Zen-Geist, Anfänger-Geist", das die genaue Gegenposition zu Sekida einnimmt. Sekida lässt allerdings auch keinen Zweifel daran, dass es sich beim Zen um einen viele Jahre dauernden Weg voller Schweiss und Tränen (S. 203) handelt und deshalb gibt es so wenige Erleuchtete. Denn die Erreichung des Ganzen erfordert den Einsatz des Ganzen und mit ein wenig Meditation nach Feierabend wird man wohl nicht dorthin gelangen.Ich persönlich bin auf meiner langen Reise noch keinem Erleuchteten begegnet und falls jemand eine(n) solche(n) Meister kennen sollte, bei dem ich in die Lehre gehen könnte, wäre ich für eine Rückmeldung sehr dankbar. Für das Buch gebe ich 5 Sterne. Dixit: Ein Suchender !
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ADVAITA: Vom Glück, mit sich und der Welt eins zu sein. Philosophie und Praxis einer universalen spirituellen Lehre
ADVAITA: Vom Glück, mit sich und der Welt eins zu sein. Philosophie und Praxis einer universalen spirituellen Lehre
von Christian Salvesen
  Gebundene Ausgabe

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Advaita, jetzt oder nie !, 25. Juli 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Salvesen`s Buch über Advaita eignet sich sowohl für den Einsteiger als fundierte Einführung, als auch für fortgeschrittene Erleuchtete, da es die Entstehung der "Einheitsphilosophie" in seiner ganzen Bandbreite auslotet und mit der westlichen Bewusstseins- bzw. Erkenntnisphilosophie vergleicht, was auf dem Buchmarkt zu diesem Thema einmalig sein dürfte. Er geht auf die für Vedanta wichtigen, grundlegenden indischen Schriften ein, erklärt die Bedeutung der Veden, Upanischaden,der Bhagavad- und der weniger bekannten Ashtavakra-Gita, garniert das Ganze mit spannenden Anekdoten, Fabeln und Metaphern daraus, spannt schliesslich den Bogen aus der Vergangenheit zur gegenwärtigen Satsang-Szene und informiert den Leser über weiterführende Literatur, Internet-Adressen und stellt die wichtigsten Satsang-Lehrer in einer Kurzbiographie vor. Das Buch ist ein echter Leckerbissen und macht Lust auf Mehr !!


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