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Rezensionen verfasst von
Bluesbrother (Gräfelfing)

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So rollten die Sechziger: Zwischen Mauerbau und Mondlandung
So rollten die Sechziger: Zwischen Mauerbau und Mondlandung
von Alexander Franc Storz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht so gut wie "So rollten die Fünfziger", 12. Februar 2014
Das Konzept der kommentierten privaten Bilder macht Spaß und unterhält. Es lädt dazu ein, in längst vergangenen Zeiten mit den Augen "spazieren zu gehen" und manches zu entdecken, was man vielleicht noch nicht wusste oder schon wieder vergessen hatte. Wobei es in den Sechzigern erstaunlich ist und überrascht, wie gleichförmig und im Grunde langweilig unsere Straßen befahren wurden. VW Käfer, Opel Rekord und Ford Taunus bestimmen das Bild, ein paar Mercedes Ponton und Flosse, Borgward, DKW und BMW noch dazu, dann war's das auch schon fast. Kein Wunder, dass ich als Kind der Sechziger alle Automodelle erkennen und benennen konnte.

Zwei Dinge haben mich aber bei der Lektüre etwas gestört:
Zum einen der stark (ab)wertende und Autokritische Ton, den manche Bildunterschriften tragen, manchmal bemüht süffisant und fast arrogant. Zitat S.21: "... Wir machen einen Spaziergang und fahren dort hin, wo wir einen Spaziergang machen. Ach, die gute Luft! Und danach gibt's Kaffee und Sahnetorte für die Wohlstandsbürger." Zu sehen ist lediglich ein winterlich verschneiter Parkplatz mit 7 (!) Autos, darunter ein Lieferwagen.

Zum anderen schlicht die vielen Fehler. Bei so einem Buch ist es natürlich nicht egal, ob eine viertürige Mercedes Heckflosse als zweitüriges Coupé beschrieben wird (S.79 oben), Nebellampen "Parklichter" genannt werden (S.78), auf einem Foto vom "Sommer 1969" Schnee liegt (S.167) oder ein alter Käfer mit modernen Rückleuchten ausgerüstet wurde, weil er "vielleicht einen Heckschaden hatte" (S. 141), in Wirklichkeit aber alle alten Käfer 1963 auf Blinker umgerüstet werden mussten, weil seine Winker schlicht nicht mehr erlaubt waren. Kleinigkeiten allesamt, doch wenn schon denn schon finde ich. Insgesamt ein bisschen zu viele Ungenauigkeiten nach meinem Geschmack.

Fazit: Tolles Konzept, gute Bilder, aber zu viel "kritische" Meinungen und Ansichten des Autors und im Detail manchmal schlampig.


Einschlägig bekannt
Einschlägig bekannt
von Dominique Manotti
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

4.0 von 5 Sternen Sperriger Realismus, 30. Juli 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Einschlägig bekannt (Broschiert)
Ja, okay, ich bin hier der Meckerer, der immer was auszusetzen hat, wo doch alle so begeistert sind. Doch mich hat "Einschlägig bekannt" nicht ganz überzeugen können, denn Realismus allein macht noch keinen guten Roman, wie ich finde. Mag die Welt auch so sein, wie sie Manotti kenntnisreich und detailliert beschreibt, ist mir persönlich das für eine packende Geschichte zu wenig.

Im einzelnen:
Diesem Roman fehlen echte, tragende Hauptfiguren. Es ist schon mal schwer, der Geschichte zu folgen, da die komplexen, parallel laufenden Handlungsstränge mit ihrer Fülle an Figuren sich nicht so leicht merken lassen. Wer wie ich jeden Tag etwas davon liest, hat es darum schwer immer wieder reinzufinden. Dazu sind die meisten Personen schlicht unsympathisch, Gauner, Lügner, Mörder, dem Leser fehlt passagenweise eine Figur, mit der er sich wenigstens etwas identifizieren kann und die ihm als roter Faden dient. Ein junger Polizist, eine junge Polizistin tauchen zwar auf und mühen sich, aber man weiß nie so recht, ob man sich nun an sie halten darf oder nicht. Im ganzen Buch scheint Heldenverbot zu herrschen.

Gefallen hat mir aber das Thema "Banlieue" und die Vernetzung der Handlung von der obersten Politik über das Karrierestreben einzelner bis zur dumpfen Triebabfuhr ganz unten. Das ist in der Tat meisterlich gemacht. Der Stil dagegen, in dem das geschrieben ist, weniger. Knappe Beschreibungen, mitunter aufzählungshaft wie eine Liste, reduziert auf manchmal nur ein einziges Wort als ganzer Satz, das wirkt mitunter wie ein Stichpunkt-Manuskript, hier hab ich mich gefragt, ob das wirklich eigener Stil ist oder nur ein Trick, sich vor schwierigeren Beschreibungen, die ins kitschige oder abgeschmackte abgleiten könnten, zu drücken. Gefallen hat es mir persönlich nicht sehr. Holzhacken mit Worten.

Das Ende wieder ganz, ganz realistisch: Das Böse triumphiert, die Wenigen, die sich überhaupt dagegen gestemmt haben, scheitern. Dankeschön, das brauche ich, um mich zu entspannen. Denn genau darum lese ich ja eigentlich Romane. Realismus suche ich dafür umso mehr in Zeitungen, Magazinen, im Internet, bei den Fernsehnachrichten.

Fazit: Manotti schreibt kluge Bücher, die ohne Zweifel auch Preise verdient haben, denn sie prangert in ihnen gesellschaftliche Missstände an. Sie hat bisher aber kein Massenpublikum gefunden, weil sie keine Helden liebt. Das wäre dafür aber nötig. Denn an einen Maigret kuschelt man sich so herrlich als Leser an, lässt sich von ihm durch die böse Welt führen und weiß, dass am Ende schon alles gut werden wird. Ganz extrem unrealistisch, aber eine kleine, herrliche Flucht aus dem Alltag.

Manotti Leser sollten also wissen: Keine tolle Hauptfigur, sondern bestenfalls tapfere kleine Rädchen im Getriebe. Komplexe Handlung auf mehreren Ebenen, da ist waches Mitdenken Pflicht genau wie ein gutes Personengedächtnis. Zuallerletzt kein Happy End, keine Erlösung, stattdessen harter Realismus.

Also nichts für jeden Tag. Interessant aber allemal.


3096 Tage
3096 Tage
von Natascha Kampusch
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Monströse Tat, schlichte Worte. Ein wertvolles Zeitdokument., 20. August 2012
Rezension bezieht sich auf: 3096 Tage (Gebundene Ausgabe)
Wie soll man eine monströse Tat mit Worten beschreiben? Nüchtern? Das klingt schnell wenig angemessen. Also dramatisierend, mit neuen Worten, drastisch? Manch einer wird da nur Übertreibung erkennen wollen, gar Wichtigtuerei. Und soll überhaupt alles ausgesprochen werden, auch Details, sexuelle gar, intime? Das wollen viele nicht hören, zu peinlich. Und andere wollen genau das, um sich daran aufzugeilen. Aber wird die Schwere der Tat nicht geringer, wenn manches fehlt?

Natascha Kampusch wagt hier das Unmögliche, sie versucht über acht (ACHT!) absurde Jahre, schrecklich und quälend, zwischen Buchdeckel zu packen. Bewundernswert, denn eigentlich ist es gerade für Opfer kaum möglich, selbst angemessen zu berichten. Denn was ist denn "angemessen"? Wie sollen sie die Angst, die Todesangst, all das hilflose Ausgeliefertsein, das Gefühl verrückt zu werden, vermitteln? Dabei ist Frau Kampusch die einzige, die wirklich weiß, was passierte. Kein anderer kann es ihr abnehmen. Der Täter ist tot und ich finde, gut so. So kann nur sie erzählen, das Opfer, also der Mensch, der wichtig ist.

Dieses Buch ist nicht einfach zu lesen, es ist kein Unterhaltungsroman. Und er wurde sicher nicht nur geschrieben, um Geld zu verdienen, um etwas herauszuschlagen, wie manche in (abstoßenden) Rezensionen vermuten. Hier will das Opfer seine Geschichte behalten dürfen, sie sich nicht wegnehmen lassen von all den Wichtigtuern, Besserwissern und, ja, auch den Ignoranten. Jenen, für die nicht sein darf, was nicht sein soll. Die nicht gestört werden wollen in ihrer Welt, in der ein Priklopil eben ein schüchterner Idiot von nebenan ist, der doch im Grunde keinem was tut.

Dieses Buch lässt keinen unberührt, garantiert. Es ist kein Thriller, kein Krimi, kein Sadomaso Gequatsche. Es ist der Bericht eines Opfers, das diese Tat nur durch Zufall überleben durfte. Man sollte es lesen, unbedingt, aber man sollte dabei stets bedenken, dass unsere Sprache solche Taten kleiner wirken lässt, als sie waren. Und Frau Kampusch nicht alles aussprechen will, was ihr da körperlich und seelisch widerfahren ist.

Rechnet man aber all das noch in Gedanken hinzu, wird es quälend, unerträglich. Also genau wie die Tat für das Opfer.

Dafür gebührt Frau Kampusch großer Respekt.


Der erste Brezelkäfer
Der erste Brezelkäfer
von Clauspeter Becker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Bilder, aber keine Geschichte in Bildern, 8. Juni 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der erste Brezelkäfer (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Fund! Da gammelt doch tatsächlich noch ein VW Prototyp als Wrack neben einer Scheune vor sich hin, um dann - ganz moderne Zeit - im Internet besprochen und schließlich verkauft zu werden. Hier in Deutschland findet sich ein Sammler und kenntnisreicher Restaurierer, der es schafft, aus den verbliebenen "Brocken" wieder einen Wagen entstehen zu lassen, der dem Original wirklich nahe kommt. So weit, so großartig. Nur warum darf ich das nur lesen, nicht aber sehen? Der Verdacht drängt sich auf, hier wollte man sich dann doch nicht ganz in die Karten gucken lassen. Nach drei dürftigen Bildern des Wagens neben der Scheune ist dann stets nur ein eher komplett wirkender Brezelkäfer zu sehen, der geschweißt und komplettiert wird, um dann am Schluss als außergewöhnlich schön gemachtes Fahrzeug zu glänzen.

Das ist auch das Besondere an diesem Buch: großartige Bilder, toller Druck, feine Grafik.

Doch eine echte Restaurierungsgeschichte wie eigentlich versprochen ist es nicht. Es fehlen alle Bilder des Wracks, wie es hier in Deutschland ankam und als erste Bestandsaufnahme zerlegt wurde. Es fehlen alle Bilder über das Fahrgestell, das komplett erneuert werden musste, den fehlenden Motor, den Ersatz für die Heck- und Frontscheibe. Es fehlt alles, was diesen Käfer anders zeigt als hätte man ihn zwar verrostet, aber eben doch mehr oder weniger vollständig gefunden. Wie gesagt, der Text schildert es anschaulich, nur sehen darf man es nicht. Für einen prächtigen Bildband, bei dem ein Profifotograf eine Restaurierung begleiten durfte, eigentlich ein Witz. Bloß warum?

Hätte das den Mythos des Urkäfers von 1938 zu sehr zerstört? Wurden dann eben doch sehr viele, zu viele?, Teile von anderen, späteren Käfern verwendet, oder wurden zu viele Teile schlicht nachgefertigt? Schwer zu sagen, was der Grund ist. Das Problem solcher Wiederauferstehungen ist ja mitunter die Nachfertigung zu vieler Teile, um später noch von einer Restaurierung sprechen zu können. Bei sehr teuren und nur in geringen Sückzahlen gefertigten Wagen wie dem Mercedes SSK gibt es mittlerweile mehr "restaurierte Originale" als je gebaut wurden. Betrug? Mitnichten. Würde jetzt einer das Fahrgestell und den Motor dieses Brezelkäfers finden und den Rest aus anderen Teilequellen und Nachfertigungen ergänzen, dann liefen schon zwei "gleiche" Prototypen VW 38006 nebeneinander. Wer wäre der Originale und welcher der Nachbau?

Dieses Buch hält nicht, was es verspricht. Für mich als Käfer-Fan, Oldtimer Hobbyrestaurator und Autohistorie-Interessierten letztlich sehr enttäuschend.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2013 2:30 AM CET


So rollten die Fünfziger: Unterwegs im Wirtschaftswunder
So rollten die Fünfziger: Unterwegs im Wirtschaftswunder
von Alexander Franc Storz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Das muss man erst mal schreiben können!, 30. Mai 2012
Ein wunderschönes Bilderbuch durch die automobile Welt des Wirtschaftswunders. Vor allem Alltagssituationen zeigen ein bescheidenes, aber umso stolzeres Leben mit dem ersten eigenen Wagen. Ich persönlich liebe diese Bilder, in denen das Auge umherstreifen und entdecken darf. Was mir an diesem Buch aber besonders auffiel: Die kenntnisreichen Texte, die jedes Bild ergänzen und erklären, die muss man erst mal schreiben können. Respekt! Da Autos und ihre Historie seit meiner Kindheit mein Hobby und meine Leidenschaft sind, verfüge ich durchaus über ein gewisses Faktenwissen und ärgere mich entsprechend, wenn ich Fehler über Fehler entdecke, die sogenannte "Fachbücher" aneinander reihen. Hier aber ist der Autor richtig tief eingestiegen. Bestens recherchiert und verständlich erklärt kann man hier nur lernen und staunen.
Das Buch macht wirklich Freude. Mein Tipp: An einem sonnigen Sonntagnachmittag die Liege in den Garten stellen, Tasse Kaffee holen, Telefon abschalten und dann diesen Bildband in aller Ruhe genießen - perfekt.


John Belushi, Überdosis
John Belushi, Überdosis
von Bob Woodward
  Broschiert

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu lang, zu viele Details. Aber ein Stück Kulturgeschichte., 23. Mai 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: John Belushi, Überdosis (Broschiert)
Der Niedergang eines großen Komikers, noch bevor er eigentlich wirklich Zeit hatte zu reifen und sich zu entwickeln. Und die gnadenlose Niederschrift dessen, was Drogen mit einem Menschen machen können. Vor allem Kokain. Am Ende verliert man jede Kontrolle und fantasiert sich die eigene Überlegenheit nur noch zusammen. John Belushi wurde schnell zum Wrack, zum rücksichtslosen Kokain-Junkie, der alle terrorisierte, die mit ihm zu tun hatten.
Traurig, tragisch, aber auch ein selbstverschuldeter früher Tod.
Leider ist dieses Buch zu lang und mitunter eher eine Dokumentation, die möglichst faktenreich vor allem die letzten Jahre aufzeichnen will. Für mich als Leser ist vieles unnötig redundant und damit mühsam zu lesen.
Aber er war ja ein Bluesbrother und ich liebe diesen Film noch immer. Klar, siehe mein Rezensentenname.
Danni hat's besser hingekriegt als Du, John. Wenigstens einer.
Ich werf ne Sonnenbrille und nen schwarzen Hut auf Dein Grab.


Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend
Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend
von Andreas Altmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig. Punkt., 23. Mai 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Es ist sehr schwer, eine absurde, gewaltätige, ja aberwitzig bösartige Wirklichkeit wiederzugeben, wenn sie doch so gar nicht dem Bild entsprechen will, das sich viele - vielleicht die meisten - von der Welt machen, die ja auch eine möglichst heile Welt sein soll. So findet der Traumatisierte später kaum Zuhörer und wird allzuleicht als einer hingestellt, der übertreibt oder sich am Ende gar nur wichtig macht. Gerade von Literatur erwarten Leser (die ja auch Käufer und Kunden sind, also bezahlen) am liebsten Erbauliches und bitte eben NICHT die Wirklichkeit, vor allem nicht jene, die man sich gar nicht vorstellen will.
Darum ist dieses Buch wichtig.
Mich hat es wie nur wenige Bücher vorher sehr berührt und in Bann geschlagen. Doch wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass hier jemand erzählt, der auch in gewisser Weise von mir erzählt, meiner Kindheit, die doch völlig anders verlief. Aber die mir bis heute diese tiefe Entwurzelung bescherte, dieses Unwertgefühl, das sich anderen eigentlich kaum vermitteln lässt, weil sie es nicht verstehen. Wer sich auf so ein Buch einlässt, begegnet einem echten Leben, mit allem Drum und Dran, da spricht es mal einer aus, was viele nicht hören wollen, weil es ihr Eiapopeia-Weltbild nicht erträgt.
Danke, Herr Altmann, einfach großartig.
Und was für ein Sieg, dass Sie es überlebt haben ohne am Ende vor die Hunde zu gehen oder gar selbst noch zum Täter zu werden.


Citroën 2CV: Alle Modelle von 1948 bis 1990
Citroën 2CV: Alle Modelle von 1948 bis 1990
von Ingo Meier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kultbuch zu einem der seltsamsten Autos aller Zeiten, 7. Februar 2012
Eigentlich habe ich Citroens Ente nie gemocht und persönlich wollte ich mir die letzten 40 Jahre auch wirklich nie eine kaufen. Denn da gab es wahrlich Alternativen. In meiner Kindheit war die Ente im Autoquartett die absolute Loserkarte, 9 PS?, ja geht's noch?, danach kommt nur Pedalantrieb. Doch als Autofan, der sich gerne mit Oldtimern und ihrer Zeitgeschichte befasst, fand ich dieses sehr schön beschriebene und bebilderte Buch eine absolute Entdeckung und Bereicherung. Endlich wird die Entstehung und Entwicklung der Ente weniger von der philosophischen (die Ente als linksintelektuelles Satement), als der technischen Seite beschrieben, die Bilder - private und offizielle - lassen viel Raum und Möglichkeiten zum Selbstentdecken. Extremer noch als VW beim Käfer geizte Citroen mit Änderungen und wertete damit jede Kleinigkeit extrem auf. Ich glaube, die Ente jetzt ein wenig besser verstanden zu haben, sie auch im Kontext ihrer Zeit als das zu erkennen, was sie wohl war: eine möglichst einfache Fahrmaschine, bei der der Verzicht zur Kunstform erhoben wurde. Ähnlich vielleicht dem heutigen Tata Nano.

Bücher dieser Qualität wünschte ich mir häufiger. Sehr zu empfehlen!

PS: Das Buch ist übrigens schuld, dass ich mir plötzlich vorstellen könnte, eine Ente zu besitzen. Zum ersten Mal im Leben. Eine alte Kastenente wäre es wohl.


Crime: Roman
Crime: Roman
von Irvine Welsh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Inspector Koksnase macht Urlaub, 19. Januar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Crime: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hier ist er wieder, der zeitgemäße Polizist als gebrochene Person mit tausend Ängsten, Süchten, Sehnsüchten. Ziemlich lange her inzwischen, dass Männer auch einfach nur harte Kerle sein durften, die der Gerechtigkeit zum Sieg verhalfen. Doch Irvine Welsh hat mit seiner Figur Ray Lennox meiner Ansicht nach überzogen. Der fortdauernde, ausufernde Konsum von Koks, Alkohol und Tabletten wirkt unglaubwürdig und ermüdet, ja langweilt. Man möchte den handelnden Figuren am liebsten zurufen: jetzt kommt endlich mal in die Pötte, Jungs!, so fade redundant wird hier geschnieft und geschluckt, gejammert und sich erinnert an Zeiten, in denen man geschnieft und geschluckt hatte.

Ganz nebenbei gehts auch noch um Kindsmissbrauch, um Vergewaltigung und Kinderpornographie, wobei sich Rays Alleingang zur Errettung der Tochter einer Barbekanntschaft ziemlich lahmarschig dahinläppert. Passend dazu fährt er einen VW Polo durchs schicke Florida. Autor Welshs Kernkompetenz scheint eher bei den Drogen zu liegen als bei Krimiplots. Eines der wenigen dicken Bücher, durch die ich mich durchgekämpft habe, um kurz vor Schluss doch noch aufzugeben. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert. Für einen harten Thriller eigentlich der Super-GAU. Trotzdem drei Punkte für ein paar nette Figuren, die durch Florida stolpern und nicht recht zu wissen scheinen, was sie da überhaupt sollen.

Vielleicht hat man ja erst Spaß an dem Buch, wenn man selbst sich was reinschüttet oder ne Linie schnupft.


Schoßgebete: Roman
Schoßgebete: Roman
von Charlotte Roche
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zeit, erwachsen zu werden, Frau Roche, 18. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Schoßgebete: Roman (Broschiert)
Eher munter geschriebene Aufklärungsgeschichte im Stil "Mein schönstes Ferienerlebnis" für all jene, für die Sex noch eine weitgehend unbekannte Insel weit draußen im Meer ist, die sie zu gerne mal genauer erkunden wollen, sich aber irgendwie nicht trauen. Keine Ahnung, ob das noch ein großer Markt ist. Immerhin fehlt es nicht an Praxistipps ("das kommt gut, das eher nicht"), so könnte sich ein gewisser Nutzwert des ganzen einstellen, auch bei den Selbstreflexionen ("ich habe mich nie selbst befriedigt") mag sich mancher erkennen und aufatmen, Gott! Ich bin nicht allein. Die Autorin war fleißig, auch gesellschaftliche Kritik wird eingestreut ("Für die Feministinnen darf es keinen vaginalen Orgasmus geben") oder sie offenbart uns schonungslos gar autobiographische (?) Mutterprobleme ("meine Mutter wollte mich asexuell, stellt euch nur vor").

Schön und gut, für diese tapfere Fleißarbeit im falschen Gewand eines Romans vergebe ich die einzig mögliche Note: befriedigend. Allerdings nicht im körperlichen Sinne, da ist es eher ein Schlafmittel oder ein Anreiz, sich auch mal wieder ein Buch über die gotische Baukunst oder ähnlich sexuell ferne Themen zu suchen.

Herr im Himmel, Frau Roche, Sie haben Mann und Kind, so jung sind Sie auch nicht mehr, werden Sie endlich erwachsen.


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