Profil für Günter Nawe "Herodot" > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Günter Nawe &#...
Top-Rezensenten Rang: 252
Hilfreiche Bewertungen: 4627

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Günter Nawe "Herodot" (Köln)
(TOP 500 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Die jüdische Kauffrau Glikl (1646 - 1724)
Die jüdische Kauffrau Glikl (1646 - 1724)
von Inge Grolle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid", 4. August 2011
Sie war eine deutsch-jüdische Kauffrau, eine erfolgreiche Unternehmerin und Perlenhändlerin. Sie lebte von 1646 bis 1724, geboren in Hamburg und gestorben in Metz. Sie hieß eigentlich korrekt "Glikl bas Judah Leib" (Tochter des Judah Leib), wurde aber eher bekannt als "Glückl von Hameln", benannt nach dem Herkunftsort ihres Mannes Chajim: Hameln.
Glikl führte ein außergewöhnliches und exemplarisches Leben, über das sie in erster Linie ihren Kindern berichtete _ und durch einen Glücksfall auch der Nachwelt. So liegen sowohl der Urtext ihrer Erinnerungen in westjiddischer Sprache (und hebräischen Schriftzeichen) - in "Weiberdeutsch", wie es etwas despektierlich hieß - vor als auch mehrere Übertragungen. Zuletzt kam dieses Verdienst 1913 Alfred Feilchenfeld zu. Eine Neuausgabe erfolgte 1994, der Fassung von Bertha Pappenheim, eine Nachfahrin der «unbekannten Jüdin» Glikl, durch Viola Roggenkamp.
Dieser außergewöhnlichen Frau hat jetzt Inge Grolle ein "Lebensbild" gewidmet. Die Autorin, sie studierte Geschichte, Germanistik und Romanistik, hat sich durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen einen Namen gemacht. Ihr besonderes Interesse gilt der hamburgischen Sozial- und Frauengeschichte. Ihre Arbeit über die Kauffrau Glikl hat sie entlang der bekannten biografischen Fakten gerschrieben, immer aber in den Konzext von Zeit und Zeitumständen gestellt.
So ist Grolles Buch für den Leser ein faszinierendes Porträt der Glikl von Hameln und gleichzeitig ein spannendes Zeitpanorama. Wie lebte Glikl von Hameln, und wie lebten Juden Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland? In den Erinnerungen der Glikl können wir es nachlesen. Sie hatten geschäftlichen Erfolg, genossen zum Beispiel als «Hofjuden» Anerkennung. Sie waren insgesamt und als Familie im Besonderen gefährdet als Juden und Kaufleute. Es gab Krankheiten wie die Pest. Und es gab religiöse Umbrüche und Irritationen (zum Beispiel das Auftreten dess Sabbatai Zwi), die sich auf das religiöse Leben der Juden auswirkten. Es gab staatliche Restriktionen und persönliche Verfolgungen.
Das alles hat Glikl nicht nur miterlebt, sondern auch aufgeschrieben. Sie, Mutter von 12 Kindern, dreißig Jahre mit Chajim verheiratet, später als selbständige Geschäftsfrau mit internationalen Verbindungen tätig, schildert sehr ausführlich die äußeren Umstände ihres Lebens. Sie gibt aber auch einen Blick in ihre Seelenlage - "Aus vielen Sorgen und Nöten und Herzeleid". Sie, die aufopferungsvolle Frau und Mutter, findet ihren Halt im Glauben an einen Gott, der sie hält, obwohl «sündig», und dem sie sich in jeder Siuation ihres Lebens anvertraut. Dass sie, nach einer zweiten und nicht sehr glücklichen Ehe, verarmt starb, macht ihre persönliche Tragik aus.
Dies alles ist bei Inge Grolle zu lesen. Und mehr. Die jüdischen Sitten und Gebräuche werden uns ebenso nahegebracht wie das Rollenverständnis von Mann und Frau in der jüdischen Lebenswelt - vor allem aber das Selbstverständnis einer jüdischen Frau in der damaligen Zeit.

So erzählt Inge Grolle von der Geschichte und den Geschichten.der Glikl, die uns mit ihren Aufzeichnungen auch ein höchst wichtiges literarisches Zeugnis hinterlassen hat. Und es ist sehr schön, dass die Autorin einige dieser von Glikl erzählten Geschichten an das Ende ihres Buches gestellt hat. Von einer «märchenhaften Atmosphäre altjiddischer Erzählkunst» ist die Rede (I.G.). Und weiter: "Inmitten von Glikls biografischem Bericht ist die sprachliche Suggestion der Geschichten manchmal so stark, dass die dramatischen Ereignisse ihres eigene Lebens fast selbst den Charakter eines alten Exempels annehmen." Dem ist von Seiten des Lesers nichts hinzuzufügen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2011 3:27 PM MEST


Die Witwe Couderc: Ausgewählte Romane
Die Witwe Couderc: Ausgewählte Romane
von Georges Simenon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Geschichte um Liebe und Macht und Schuld, 30. Juli 2011
Es gab sicher für viele Leser in ihrem Leseleben so etwas wie eine "Simenon-Zeit". Da wurden nicht nur die berühmten Maigret-Romane regelrecht verschlungen; auch die Non-Maigrets fanden große - und vor allem literarísche - Aufmerksamkeit.

Nicht ohne Grund "pflegt" daher der Diogenes Verlag seinen Autor Georges Simenon (1903-1989) mit sehr schönen Ausgaben. So jetzt mit einer wunderbaren neuen Übersetzung des Romans "Die Witwe Couderc" durch Hanns Grössel. Geschrieben hatte Georges Simenon diesen Roman bereits 1942. An Frische hat er bis heute jedoch nichts verloren. Und deshalb: Empfohlen zum Entdecken oder Wiederlesen.

Nein,"Die Witwe Couderc" hat es nicht leicht gehabt in ihrem Leben. Die Bäuerin Tati hat mit allen möglichen und unmöglichen Familienverhältnissen zu kämpfen, muss sich mit der Mißgunst der Verwandschaft auseinandersetzen, ihrem greisen Schwiegervater ab und an zu Willen sein und mit den sonstigen Unbilden des Lebens herumschlagen. Nein, leicht hatte sie es nicht.

Da begegnet ihr, der Fünfundvierzigjährigen, der entlassenen Sträfling Jean, 28 Jahre alt. Er hat fünf Jahre gesessen und ist mit seiner Tat und seiner Strafe immer noch nicht im Reinen. Er wird Tati nicht nur eine große Hilfe auf dem Hof und im Stall sein. Sie nimmt ihn auch in ihr Bett. Er wird ihre letzte Liebe sein, sie seine erste. Eine seltsame, eine stille Liebe, eine Liebe für ein neues Leben....?

Was sich hier erst einmal so unaufgeregt liest, ist ein hochkompliziertes Geflecht von seelischen und anderen Verstrickungen. Böse Gerüchte über Tati und Jean machen die Runde. Und bald lernt der attraktive Jean auch noch die leichtlebigen Félicie, lebenshungrig und amoralisch, kennen. Das wiederum führt zu Nachforschungen über sein Vorleben. Ein Spiel von Hoffnungen und Ängsten, von Nähe und Ferne und vielen Erniedrigungen sowohl für Tati als auch für Jean beginnt.

Aus dem beinahe idyllischen Anfang einer - wenn auch etwas außergewöhnlichen - Liebesgeschichte entwickelt Georges Simenon eine Geschichte mit schrecklichem Ausgang. Dazu bedient sich der Autor in für ihn typischer Diktion einer sehr einfachen Sprache, die gerade deshalb höchst kunstvoll ist und die Meisterschaft von Simenon bestätigt.

Meisterlich auch die psychologische Darstellung seiner Personen. Hier die schlichte Bäuerin mit harter Schale und weichem Kern. Ein neuer Anfang soll es sein, wirtschaftlich und persönlich - mit Jean. Das Leben aber ist komplizierter. So ist es bald nicht nur die Eifersucht, die sie plagen wird, von allen Seiten scheint man ihr die Liebe und den Erfolg zu missgönnen.

Und Jean? Er hat einen Menschen erschlagen, ist dafür zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, nur zu fünf Jahre, obwohl auf seine Tat die Todesstrafe stand. Er also, der gar nicht mehr sein dürfte, ist immer noch irgendwie auf der Flucht vor seiner Schuld, versucht sich trotz der seelischen Belastungen in diesem neuen Leben einzurichten. Mit eben dieser Tati, die er in einer schweren Erkrankung aufopferungsvoll pflegt.

Aber gut kann das alles nicht gehen. Als die Polizei nach einer Reihe böser Verleumdungen hinter ihm her ist, weiß er, dass ihn seine Schuld eingeholt hat. Wie zum Beweis dessen wird Jean....

Mit dem Ende dieser Geschichte um das Spiel von Liebe und Macht, von Schuld und Tod möchte ich den Leser gern allein lassen. Spannung bei der Lektüre dieses kleinen literaischen Meisterwerks, dieses faszinierenden Psychodramas, ist allerdings gesichert - von der ersten bis zur letzten Zeile.

Für Cineasten der Hinweis, dass dieser wunderbare Roman 1971 unter dem Titel "La veuve Couderc" (Die Witwe und der Sträfling) als Film in die Kinos kam. Auch er ein psychologische Meisterwerk mit Simone Signoret und Alan Delon in den Hauptrollen.


Prousts Mantel: Die Geschichte einer Leidenschaft
Prousts Mantel: Die Geschichte einer Leidenschaft
von Lorenza Foschini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unvermutete Leidenschaften, 25. Juli 2011
Vor 140 Jahren, am 10. Juli 1871, wurde Marcel Proust, geboren. Das ist zwar kein klassisches Jubiläum, aber immerhin ein Gedenktag. Und den lassen sich echte Proustianer ohnehin nicht entgehen.

So passt es wieder einmal, dass gerade jetzt die deutsche Übersetzung des wundervollen Buches "Prousts Mantel - Die Geschichte einer Leidenschaft" erschienen ist. Die italienische Autorin Lorenza Foschini hat "unvermutete Leidenschaften" entdeckt und aufgedeckt und in einer brillanten, literarisch ambitionierten Reportage aufbereitet.

"Alles, was hier erzählt wird, hat sich tatsächlich ereignet, und die Figuren dieser Geschichte haben reale Vorbilder...", heißt es in der Vorbemerkung. So den Parfümfabrikanten und leidenschaftlichen Büchersammler Jacques Guérin, den eine Blinddarmentzündung zu Robert Proust führt, Chirurg und älterer Bruder von Marcel Proust.

Das hatte Folgen. Durch eben diesen Zufall entdeckt Guérin Gegenstände und Mobilar aus dem Nachlass von Marcel Proust. Einem Nachlass, um den sich weder der Bruder so richtig und die Schwägerin Marthe Dubois-Amiot überhaupt nicht kümmern. Im Gegenteil, Marthe mochte ihren Schwager nicht und möchte den gesamten Nachlass am liebsten verbrennen. Auch darüber und die Hintergründe erzählt dieses Buch.

Für den Parfümfabrikanten beginnt 1929 eine obessesive Suche nach den Erbstücken aus Marcel Prousts Hand und Leben. Manuskripte, Zeichnungen, Autographen, Möbel, Billets und Toilettenartikel - eine abenteuerliche "Recherche", und eine literarische Spurensuche. Der Leser folgt ihr willig und oft mit angehaltenem Atem und teilweise sehr amüsiert. Was nicht zuletzt an der faszinierenden und kenntnisreichen Schilderung von Lorenza Foschini liegt.

Im Mittelpunkt aber steht der Mantel von Marcel Proust. Ein Kleidungsstück, dass dem Proustianer bestens vertraut ist: Und so entdeckt ihn Guérin: "Der Mantel ist ein Zweireiher mit drei Knöpfen in jeder Reihe. Eine Kopfreihe wurde jedoch verschoben, um den Mantel einem dünneren Träger anzupassen... Der Mantel liegt jetzt geöffnet da, zeigt sein Innenfutter, mottenzerfressenen Otternfell...". "Ich kann mich nicht von diesem bedrückenden reglosen Simulacrum losreißen", lässt uns Guérin wissen.

Bereits am Anfang der "Recherche" schreibt Marcel Proust: "....Wenn ich jedenfalls in dieser Weise erwachte und mein Geist geschäftig und erfolglos zu vermitteln versuchte, wo ich war, kreiste in der Finsternis alles um mich her, die Dinge, die Länder, die Jahre."

"Die Dinge" waren es, die auch um Jacques Guérin "kreisten" und ihn - und uns - begeistert haben, und es immer noch tun. Ihm, der sie für die Nachwelt gerettet hat, hat Lorenza Foschini mit diesem Buch ein kleines Denkmal gesetzt.

Im Musée Carnavalet in Paris können wir viele dieser "Dinge" und Requisiten aus dem Fundus der Weltliteratur besichtigen: Möbel aus dem Schlafzimmer Prousts, das Messingbett, in dem ein großer Teil der "Recherche" geschrieben wurde, und und und... Nicht jedoch den berühmten Mantel. Er lässt es nicht mehr zu, ausgestellt zu werden und ruht im Depot des Museums. Vor unserem geistigen Auge ist er jedoch zu sehen - nicht zuletzt dank der Schilderung der Lorenza Foschini.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 25, 2011 8:47 PM MEST


Ernest Hemingway - Sein Leben in Bildern und Dokumenten
Ernest Hemingway - Sein Leben in Bildern und Dokumenten
von Mariel Hemingway
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,95

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Aber das Leben ist nun einmal anderswo", 14. Juli 2011
"Der alte Mann und das Meer" gehört wohl zu den schönsten Erzählungen, die uns Ernest Hemingway hinterlassen hat. Ansonsten assoziiert man mit dem Namen Hemingway häufig nur Frauen, Alkohol und ein abenteuerliches Leben, dem er am 2. Juli 1961 in Ketchum selbst ein Ende gesetzt hat.
Das war vor 50 Jahren und damit Anlass genug, dieses außergewöhnlichen Autors zu gedenken. Sehr eindrucksvoll tut es die Enkelin Mariel Hemingway als Herausgeberin des fulminanten Bands "Ernest Hemingway in Bildern und Dokumenten".
Im Vorwort schreibt sie: "Ein richtiger Kerl, ein Jäger, ein Hochseeangler, ein Mann der klaren Worte und mein Großvate... Ich bin glücklich, Ernest Hemingways Enkelin zu sein... und ich fühle mich geehrt, ein Teil von ihm zu sein". Von diesem Stolz und von dieser Verehrung für ist viel in diesem Buch zu spüren. Allein die liebevolle und sehr geglückte Auswahl der Fotos, die den Menschen und Autor mit all seinen Facetten zeigen, belegt dies.
Es gab einmal eine Zeit, da war der Literatur-Nobelpreisträger von 1954 - den Preis hat er für den (man möchte sagen: unvergänglichen) Kurzroman "Dar alte Mann und das Meer" erhalten - regelrecht en vogue. Seine großartigen Reportagen als Kriegsberichterstatter vom Spanischen Bürgerkrieg und vom Stierkampf, seine Romane "Fiesta" (1926), "In einem anderen Land"(1929)und "Wem die Stunde schlägt" (1940) waren Bestseller. Wie auch das erst nach seinem Tod erschienene Buch "Paris - ein Fest fürs Leben", in dem Hemingway so brillant von seiner Zeit in Paris (1921-1928) erzählt, von seinen Begegnungen mit Gertrude Stein und anderen Persönlichkeiten aus Kunst und Literatur, von seiner Liebe zu seiner ersten Frau Hadley und von seiner Geliebten und zweiten Frau Pauline Pfeiffer.
Seinen literarischen Ruhm hat Ernest Hemingway jedoch in erster Linie mit seinen Kurzgeschichten errungen, mit denen er fast eine eigene Stilrichtung begründet hat, einen Stil, revolutionär für die Literatur überhaupt, den der Autor von "Schnee auf dem Kilimandscharo", und "Das kurze glücklose Leben des Francis Macomber", um nur zwei Beispiele zu nennen, in Perfektion beherrschte.
Leben und Werk beschreibt in diesem Band Boris Vejdovsky, amerikanischer Literaturwissenschaftler und Mitglied der Hemingway Society. In acht programmatisch benannten Kapiteln zeichnet er den Lebensweg dieses Autors nach. Mit Spannung folgt ihm der Leser von Hemingways Anfängen im amerikanischen Oak Park (1899) über die wunderbare Zeit in Paris, über die Reportagereisen nach Spanien und Italien, die Erkundung der afrikanischen Welt, seinen Kuba-Aufenthalt und so weiter - bis zum freiwilligen Ende in Ketchum am 2. Juli 1961.
Darüber geschrieben hat Hemingway immer "anderswo": "Deshalb fährt er in sein Haus nach Key West, um dort über seine Erlebnisse in Afrika zu schreiben, so wie er, nach einem bereits bekannten Muster, in Paris über Michigan, auf Kuba über Paris, in Florida über Spanien schreiben wird - aber das Leben ist nun einmal anderswo." (Vejdovsky)
Wer also war dieser Ernest Hemingway? Ein Frauenheld (er war viermal verheiratet und hatte unzählige Affären), ein Alkoholiker, ein Abenteurer, Großwildjäger, Stierkämpfer, ein Aufschneider, am Ende gar ein Psychopath? Vejdovsky gelingt es nicht nur, ein hervorragendes Psychogramm eines Machos mit einer sehr empfindsamen Seele zu zeichnen, er räumt vor allem mit vielen Legenden auf, für die Hemingway oft genug selbst verantwortlich war, weil er häufig Literatur und Leben miteinander verwechselt hat. Gerade das aber mag ihn zu einem so großartigen Schriftsteller gemacht haben.
Es macht Freude, den Lebensweg Ernest Hemingways in diesem Buch mitzugehen. Es sind die 300 von Hemingways Enkelin zusammengetragenen, teilweise bisher unbekannten Bilder, die dem Leser diesen Ernest Hemingway näherbringen. Wer selbst einmal im Geburtshaus in Oak Park war oder in Paris und in Spanien den Spuren von Hemingway nachgegangen ist, wird geradezu ein Déjà-vu-Erlebnis haben.
Es ist vor allem aber der großartige biografische Essay von Boris Vejdovsky, den diese Bilder illustrieren. Ein Text, mit dem der Autor nicht nur den Menschen und Schriftsteller Ernest Hemingway "lebendig" werden lässt. Dieser biografische Essay ist auch, wie das gesamte Buch, aus gegebenem Anlass eine wunderbare und würdige Hommage für Ernest Hemingway.


Paris, ein Fest fürs Leben: A Moveable Feast. Die Urfassung
Paris, ein Fest fürs Leben: A Moveable Feast. Die Urfassung
von Ernest Hemingway
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Fest für den Leser, 3. Juli 2011
Eine wunderbare Neubegenung mit Ernest Hemingway aus Anlass des Gedenkens zu seinem 50. Todestages ist die neue und sehr gelungene Übersetzung des Erinnerungsbuches des Literatur-Nobelpreisträgers "Paris, Ein Fest fürs Leben - A Moveable Feast. Die Urfassung" durch Werner Schmitz. Diese Neuausgabe ist texttreuer und vollständiger als alle bisherigen Ausgaben dieses Buches.

Es war das letzte Buch, das Hemingway vor seinem Tode schrieb, und das erst posthum veröffentlicht wurde. In ihm beschreibt er aus der Rückschau des alten Mannes seine Jahre in Paris (1921-1928). Er erzählt von seinen Begegnungen mit Gertrude Stein und anderen Persönlichkeiten aus Kunst und Literatur, von seiner Liebe zu seiner ersten Frau Hadley und von seiner Geliebten und zweiten Frau Pauline Pfeiffer. Insgesamt ist dieses Buch auch eine wunderbare Erinnerung eine längst vergangene Zeit.

Das Buch hat in der jetzt vorliegenden Urfassung gegenüber der bisherigen Ausgaben eine neue Authentizität und eine überraschende Frische bekommen So wird die Lektüre auch zu "einem Fest" für den Leser.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 24, 2011 3:05 PM MEST


Colonia im Mittelalter: Über das Leben in der Stadt
Colonia im Mittelalter: Über das Leben in der Stadt
von Dieter Breuers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von kleinen Leuten und großen Schlachten, 7. Juni 2011
Für "ein Stück Hund" musste Trude mal wieder dem bestallten Hundeschlächter zu Willen sein, denn die Not war groß und Trude arm. Eines der Schicksale, von denen Dieter Breuers in seinem neuen Buch erzählt. - Trude lebte in Köln. Wie viele andere, mögen sie nun Jan oder Christoph oder wie auch immer heißen und so ganz unterschiedliche Schicksale haben.

Colonia, diese quirligen, höchst lebendige Stadt am Rhein. Das heißt im Mittelalter: große Politik, Schlachtfeld, Wirtschaftsmetropole, Pilgerziel und nicht zuletzt Heimat von Bauern, Handwerkern, Dirnen, geistlichen und weltlichen Herren. Vom Leben in dieser Stadt im 12. und 13. Jahrhundert erzählt Dieter Breuers. Von einer Stadt, die sich von anderen durch Glanz abhebt, aber auch durch Elend; Kunst und Reichtum stehen Dreck und Gestank gegenüber.

Breuers, studierter Historiker und Germanist, gilt nach einer Reihe bedeutender Bücher als ausgewiesener Mittelalter-Experte. Und das aufgrund seines profunden Wissens. So erzählt er Geschichte, wie sie war und wie sie hätte sein können - authentisch, spannend, in der ihm eigenen Art als eine gelungene Mischung von Sachbuch und Roman.

Mit einer Geschichte der Juden in Köln um 1000 n. Chr. beginnt das Buch. Und es endet mit der berühmten Schlacht bei Worringen, die am 5. Juni 1288 auf der Fühlinger Heide geschlagen wurde. Dazwischen liegen große und kleine Ereignisse aus dem Leben der kleinen Leute und der großen Lenker des Geschehens. Im Köln des Mittelalters fand nach heutigem Verständnis europäische Geschichte und Welt- und Kirchenpolitik statt. Und Dieter Breuers versteht es immer wieder, die Dinge miteinander in Beziehung zu setzen.

So, wenn er von der Auseinandersetzung der Stadt mit ihrem Erzbischof erzählt, in der die Ulrepforte eine wichtige Rolle spielt. Von einem Kinderkreuzzug, der in Köln ausgerufen wurde. Vom Dom natürlich erzählt Breuers und von der Doimbauhütte. Und was hat es eigentlich mit den 11.000 Jungfrauen auf sich? Die größte Stadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation hat unendliche viele Facetten. Wichtige und bedeutende lernen wir hier kennen.

"Colonia im Mittelalter" ist ein herrliches Buch zum Schmöckern, zum Entdecken für alle, die sich dieser Stadt verbunden fühlen, und für die, die über ihre Geschichte einfach nur mehr wissen wollen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 17, 2011 2:47 PM MEST


Zu viel Glück: Zehn Erzählungen
Zu viel Glück: Zehn Erzählungen
von Alice Munro
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

49 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich wurde erwachsen und alt, 7. Juni 2011
Glück ist eine sehr verletzliche Sache. Und "Zu viel Glück" besonders. So bewegen sich auch die unvergleichlich schönen Erzählungen der kanadischen Schriftstellerin Alice Munro auf einem sehr schmalen Grad zwischen dem, was Glück ist und irgendwann das Gegenteil davon. Nachzuprüfen in dem neuen Buch von Alice Munro: "Zu viel Glück".

Das Zimmermädchen Doree in der Erzählung "Dimensionen" musste es erfahren. Regelmäßig besucht sie ihren Mann in einer psychiatrischen Anstalt. Ist es Liebe, die sie zu langen Busfahrten veranlasst oder Fürsorge für ihren Mann...? Plötzlich aber kippt die Geschichte. Ihr Ehemann ist der Mörder ihrer drei gemeinsamen Kinder. Und die Besuche eine beinahe krankhafte psychische Abhängigkeit. Erst als Doree ein junges Unfallopfer wiederbelebt, kann sie sich aus dieser Abhängigkeit befreien.

Alice Munro, sie wird am 10. Juli 80 Jahre alt und regelmäßig als Nobelpreisanwärterin gehandelt, hat die Kunst der Story zu höchster Vollendung getrieben. Sie gilt als die beste Erzählerin weltweit. Dieses Attribut hat sie sich durch viele Erzählungen, viele Bücher erschrieben. Erzählungen, die ín einem oft lakonischen, unauffälligen Duktus daherkommen. Und die Story gerade und ohne Umwege auf den Punkt bringen.

Alice Munro erzählt fast teilnahmslos und ohne zu moralisieren von der jungen Frau, die sich dazu hergibt, einem alten Lustgreis nackt englische Gedichte vorzulesen. Auch diese junge Frau ist wie die vielen Frauen in Munros Erzählungen "auf dem Weg zu Taten, deren sie sich bisher nicht für fähig gehalten hätte".

Die Erzählung "Manche Frauen" beginnt mit dem dem Satz "Es verwundert mich mnachmal, wie alt ich bin". Und sie endet mit dem erstaunlichen Satz: "Ich wurde erwachsen und alt." Zwischen diesen beiden Sätzen erzählt sich die Geschichte auf sehr subtile und psychologisch raffinierte Weise: von der Aushilfspflegerin eines leukämiekranken Mannes und einer Masseurin, die dessen alte Mutter betreut und sich gleichzeitig dem Kranken auf seltsame Weise annähert. Die Munro konzentriert sich auf eine einzelne Episode und erfasst doch gleichzeitig einen ganzen Kosmos menschlicher Befindlichkeiten.

Es sind die Fragen nach der Vergänglichkeit der Zeit, es sind Lebensfragen, die von der Munro - letztlich aber vom Leser beantwortet werden müssen. Und das macht die Stories von Alice Munro so spannende und aufregend.

Nicht ganz glücklich wird der Leser mit der Titelgeschichte "Zu viel Glück". Sie spielt im Gegensatz zu allen anderen Erzählungen nicht in Kanada, sondern in Europa; und nicht im 20. Jahrhundert, sondern im 19. Jahrhundert. Auch handelt es sich um einen historischen Stoff, um die Geschichte einer russischen Mathematikerin und Schriftstellerin, die als erste Frau eine Professur erhält. Zu viel Glück - an dem sie scheitert. Dieser Erzählung fehlt etwas der typisch Munro'sche Ton und der ihr eigenen Fähigkeit zur Verknappung.

Trotz dieser kleinen kritischen Einschränkung sind diese Erzählungen durchweg zu loben - und zu empfehlen.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2013 4:03 PM MEST


Matthias Claudius: Eine Biographie (Biografien)
Matthias Claudius: Eine Biographie (Biografien)
von Annelen Kranefuss
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,00

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesamtschau von Person, Werk und Zeit, 31. Mai 2011
"Denn dieses scheint die Hauptaufgabe der Biographie zu sein, den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen, und zu zeigen, inwiefern ihm das Ganze widerstrebt, inwiefern es ihn begünstigt, wie er sich eine Welt- und Menschenansicht daraus gebildet ...", so Goethe.

Nichts anderes hat Annelen Kranefuss mit der jetzt vorliegende Biografie über Matthias Claudius getan. Eine Biografie, die das Zeug hat, zum Standardwerk zu werden. Es ist die erste umfassende Biografie seit über siebzig Jahren, die sich dieses Mannes annimmt, der als Journalist, als Dichter und Theologe, als homme de lettres und als Redakteur des "Wandsbecker Bothen" Literaturgeschichte geschrieben hat.

Der Dichter des "Abendlied" - "Der Mond ist aufgegangen..." - hat nur ein schmales Werk hinterlassen. Dass dieser Claudius mehr war - Annelen Kranefuss zeigt es uns mit einer sehr geglückten Gesamtschau von Person, Werk und Zeit.

Die Autorin, langjährige Kulturredakteurin beim Westdeutschen Rundfunk in Köln, hat Germanistik, Anglistik und Theologie studiert. Aus ihrer Dissertation über Matthias Claudius ist die großartige Biografie über den "bekannten Unbekannten" entstanden. Sachlich, aber auch leidenschaftlich und mit viel Sympathie für Claudius ist Annelen Kranefuss akribisch seinen Lebensspuren gefolgt.

Sie macht überzeugend deutlich, wie Claudius "seine Rolle im Laufe seines Lebens ausfüllt, wie er mit ihr spielt, sie in Literatur und Publizistik verwandelt, auch das macht seine Gestalt in der Geschichte der Literatur und Kulturgeschichte aus". Dabei räumt Annelen Kranefuss mit einigen Legenden auf. So, dass Claudius sein Studium in Jena abgebrochen habe. "Claudius verlässt die Universität... mit dem 'guten Titel étudiant en droit'", weiß die Autorin. Sie weiß aber auch, dass es immer noch weiße Flecken in der Biografie des Dichters gibt. Zum Beispiel die drei Jahre im Reinfelder Elternhaus (1765-1768).

In Reinfeld wird Matthias Claudius am 15. August 1740 geboren. Nach dem Studium in Jena wird Wandsbek zu seinem Lebensmittelpunkt. Er wird Redakteur des "Wandsbecker Bothen", kommt mit den Aufklärern Herder und Lessing und anderen Berühmtheiten der 1775 erscheint "ASMUS omnia sua SECUM portans oder Sämmtliche Werke Werke des Wandsbecker Bothen". Dieser Vorläufer des späteren Feuilletons sollte das Werk werden, das Claudius beliebt und berühmt macht. Matthias Claudius stirbt am 21. Januar 1815.

Claudius hat gegen Klischees angeschrieben, einen eigenen Stil kreiert - "originell und unverwechselbar". Er stand an der Schwelle zwischen Tradition und Moderne. Hinter der bewusst zur Schau getragenen Naivität verbarg sich eine komplexe Persönlichkeit. Er war im Kleinen groß - und verkörperte wie kaum ein anderer die Einheit von Schriftsteller und Person. Annelen Kranefuss hat ihn und sein Werk in den historischen Kontext gestellt. Sie ist damit Goethes Anforderung an eine Biografie im besten Sinne gerecht geworden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2011 11:42 AM MEST


Mikis Theodorakis: Ein Leben in Bildern (inkl. 1 DVD und 2 CD's)
Mikis Theodorakis: Ein Leben in Bildern (inkl. 1 DVD und 2 CD's)
von Asteris Kutulas
  Taschenbuch
Preis: EUR 55,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelebte Musik - Mikis Theodorakis, 30. Mai 2011
Welch ein Mann - welche ein Buch. Asteris Kutulas hat mit dem herrlichen Band - eine brillante Komposition aus Bild und Text - dem großartigen Komponisten, dem Demokraten, dem Menschen Mikis Theodorakis aus Anlass seines 85. Geburtstags 2010 ein Denkmal gesetzt. Und uns, den Lesern, den Liebhabern der Musik von Mikis Theodorakis ein wunderbares Geschenk gemacht. Von "gelebter Musik" ist an irgendeiner Stelle die Rede. Hier ist sie hör-, les- und sichtbar.

Anhand bisher unbekannten Materials, nicht zuletzt aber durch das ausführliche Interview, das Kutulas mit Mikis Theodorakis, wird uns diese Persönlichkeit näher gebracht, Leben und Werk verdeutlicht. Besonders hinzuweisen ist auf die beiden CDs: "Private Recordings", die einen musikalischen Überblick geben, und die CD "Ein Leben in 19 Musikstücken" - ein, wenn man ao will - kleiner, eber eindringlicher Querschnitt durch das Schaffen des Komponisten. Dazu eine Bonus-DVD mit dem "Canto General" nach FGedichten des chilenischen Dichters Pablo Neruda.

Großartig - und empfehlenswert


Julia und Der Schattenmann
Julia und Der Schattenmann
von Barbara Schaeffer-Hegel
  Gebundene Ausgabe

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "andere Geschichten", 23. Mai 2011
Es ist ein spätes Debüt, dass die Autorin mit den Erzählungen "Julia und Der Schattenmann" vorlegt; Geschichten teilweise vor dem Hintergrund der Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts - von der Nachkriegszeit bis ins Heute.
Es sind Erzählungen, die sicher auch etwas mit der Autorin, mit ihrem eigenen Erleben zu tun haben. Der oft sehr persönliche Ton ihrer Texte belegt dies. Barbara Schaeffer-Hegel war von 1980 bis 2002 Professorin für Erziehungs-Wissenschaften an der TU Berlin. Studiert hat sie Politik-Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Romanistik. Außerdem hat sie feministische Grundlagenforschung betrieben.
Von all dem scheint etwas durch in diesen sehr sensiblen Erzählungen, in deren Mittelpunkt vorwiegend Frauen stehen. In der Ich-Erzählung "Margitta und der Schattenmann" geht es um die Begegnung einer jungen Frau mit einem jungen Mann, der erfahren musste, dass sein geliebter Onkel ein Naziverbrecher war. An diesem Wissen ging nicht nur die Beziehung zu Margitta kaputt; Henry selbst ging daran zugrunde.

Verletzliche Wesen allesamt, die Figuren Autorin. Und deshalb jederzeit gefährdet. Und trotzdem oft standhaft die Brüche ihrer Biografien aushaltend. Ihre Traumata führen zu zu traurigen und häufig dramatischen Erlebnissen. Und es ist die Fähigkeit von Schaeffer-Hegel, ihrer Sensibilität und ihrer einfach und schnörkellose Sprache, die den Leser nicht nur faszinieren, sondern auch innerlich teilhaben lassen.

In der längsten Erzählung dieses Bandes "Julia und die Liebe oder Die Reise nach Ronchamp" wird die Protagonistin von einer Liebe befallen, die Julia zur Frau macht - "wenngleich nicht ganz in dem Sinne, den man gemeinhin mit diesem Ausdruck verbindet". Sie bekam ihre Periode nicht - bis...! "Der Hormonstoß kam mit Pele' Seit die Gefühle für Pele sich Julias bemächtigt hatten, blutete sie -. wie es sich gehört - in regelmäßigen monatlichen Abständen. Jungfrau blieb sie dennoch. Denn - so Pele: "Es wäre unverantwortlich, Julia an seine fragwürdige Existenz zu binden." Für Julia brach eine Welt zusammen. Pele war homosexuell.

Alle späteren Beziehungen Julias litten unter diesem Trauma der so vermeintlich grundlosen Trennung von Pele - sei es zu Bechmann mit den vielen Freundinnen, sei es zu Christof, der jüdischer Herkunft war und darunter zu leiden hatte. Und immer noch war Julia Jungfrau. Auch mit Kurt gab es Probleme - auch wenn sie durch ihn endlich zur Frau werden sollte.

Wunderbar hat Schaeffer-Hegel die seelischen Verletzungen, aber auch die immer wieder aufkommenden Sehnsüchte und Hoffnungen der jungen Frau und die scheinbare Unmöglichkeit der Liebe beschrieben. Am Ende aber'

"Die Liebe aber sollte Julia erst Jahre später kennen lernen. Als sie die Hoffnung schon längst aufgegeben hatte und schon verheiratet war. Die Liebe war über alle Maßen herrlicher, betörender - sie war unermesslich viel köstlicher als Julia je geahnt hätte. Sie war aber auch grausamer und vernichtender als Julia eigentlich ertragen konnte. Und hätte sie beinahe das Leben gekostet. "...aber das ist eine andere Geschichte."

"Andere Geschichten" also erzählt die Autorin noch. Von einer außergewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung, von einem großen und einem kleinen Tod. Und mehr. "Geschichten, die das Leben schrieb", und die uns von Barbara Schaeffer-Hegel auf sehr schöne Weise "nacherzählt" worden sind.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20