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Günter Nawe "Herodot" (Köln)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Robert Musil
Robert Musil
von Werner Frizen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich will zuviel auf einmal!", 20. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Robert Musil (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht wollte Robert Musil (1880 – 1942) wirklich "zuviel auf einmal". Wie sonst lässt sich dieses eigentlich schmale, aber so sehr gewichtige Werk dieses außergewöhnlichen Schriftstellers erklären: der Roman "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß", eine Handvoll Erzählungen, das Drama "Die Schwärmer" und der unvollendet gebliebene, gleichwohl epochale Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Mehr nicht. Und doch so unvergleichlich viel.

Werner Frizen, Literaturwissenschaftler, der vor allem zur klassischen Moderne und zur Gegenwartsliteratur publiziert, hat sich mit Robert Musil und seinem Werk intensiv auseinandergesetzt. Sein kluger und sehr fundierter biographischer Essay setzt Leben und Werk des Robert Musil in einen direkten Zusammenhang. Ereignisse des Lebens werden zur Literatur. So das Erleben des jungen Robert in der Militärschule zum Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“; spätere Frauengeschichten Musils finden sich zum Beispiel in den Novellen "Drei Frauen" wieder und der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" ist letztlich das Lebenswerk eines "Mannes ohne Biographie" - wie Frizen formuliert.

Aus einzelnen Kapiteln - u. a. "Möglichkeitswelten", "Der andere Zustand", "Im Bad des Teufels" und vielen Abbildungen erschließen sich für den Leser Leben und Werk des Schriftstellers Robert Musil.

Werner Frizens ausgezeichnete Arbeit bietet einen guten Einstieg in die immer wieder zu empfehlende Lektüre der Bücher Musils, vor allem auch des Romans "Der Mann ohne Eigenschaften", der ab Januar in Köln in einer Art "Wanderlesung" von Ralf Peters komplett gelesen wird.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 16, 2013 12:41 PM CET


101 Nacht: Aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott nach der Handschrift des Aga Khan Museums
101 Nacht: Aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott nach der Handschrift des Aga Khan Museums
von Claudia Ott
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,95

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine weltliterarische Sensation, 30. November 2012
"Und so, mein Gebieter, geht die Geschichte weiter". Wie also der König, ihr Gebieter, Abend für Abend, nachdem er die schöne und kluge Schahrasad geliebt hat, ihrer Geschichte lauschte, so lesen wir mit wachsender Begeisterung die wunderschönen Erzählungen aus "101 Nacht".

"101 Nacht"? Ja - diese Geschichten sind sozusagen die "kleine Schwester" von "Tausendundeine Nacht". Beide sind miteinander verwandt – und doch jeweils ganz anders. Und - die Erzählungen von "101 Nacht" sind eine weltliterarische Sensation. Entdeckt von Claudia Ott, die sich bereits um eine großartige Ausgabe von "Tausendundeine Nacht" verdient gemacht. Dies aber ist jetzt eine eigene, eine äußerst spannende Geschichte. 2010 fiel der berühmte Arabistin in der Ausstellung "Schätze des Aga Khan Museums - Meisterwerke islamischer Kunst" eine 800 Jahre alte und damit die älteste Handschrift unter dem Titel "Hundertundeine Nacht" auf. Ein Fund, auf den die leidenschaftliche Wissenschaftlerin und Übersetzerin förmlich gewartet hatte.

Wie dies alles vonstatten ging, welche Hindernisse zu überwinden waren, um die Übersetzung zu realisieren, wie sie uns jetzt in einer außergewöhnlichen schönen Ausgabe vorliegt, hat Claudia Ott im Anhang des Buches ausführlich dokumentiert. So auch, dass diese Handschrift im Gegensatz zur großen Schwester nicht aus Orient stammt, sondern aus dem Okzident, sprich: aus Andalusien, dem „arabischen Osten“. Die ganze Geschichte liest sich jedenfalls wie ein literatur-wissenschaftlicher Krimi.

Das und mehr sollte man wissen, wenn man sich an die Lektüre dieser Geschichten macht, die Schahrasad ihrem Gebieter Nacht für Nacht erzählt. Eingebunden in eine Rahmenerzählung werden die Binnenerzählungen, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, immer wieder auch durch kleine Nebengeschichten unterbrochen - und geben doch ein geschlossenes Ganzes.

Eigenartige Wesen begegnen dem Leser: Lindwürmer und Jungfrauen. Edle Ritter bemühen sich um schöne Frauen, und weniger edle treiben ihr Unwesen. Kalifen und Wesire geben sich die Ehre. Von Abenteuern wird erzählt und von Liebe, Leidenschaft und Tod. Der König ist derjenige, dem all diese Geschichten der schönen Schahrasad zugedacht sind. Bisher hatte er seine Frauen nach der ersten Liebesnacht getötet. Jetzt aber fesseln ihn die fantasievollen Erzählungen der listigen Schahrasad, die um ihr Leben fabuliert. Sie endet ihre Erzählungen jede Nacht an der spannendsten Stelle, so dass der König nicht umhin kann, sie nicht nur nicht zu töten, sondern am nächsten Abend wiederzukommen, denn "so, mein Gebieter, geht die Geschichte weiter".

Am Ende ist Schahrasad schwanger. „Da begnadete der König Schahrasad und ließ sie fortan unter ihren Mädchen und Dienerinnen ein angenehmes Leben führen. Lob sei Gott, dem Herrn der Weltbewohner! Damit ist die Geschichte von Hundertundeiner Nacht zu Ende.“

Leider. Aber man wird dieses Buch immer wieder gern zu Hand nehmen, wird sich bezaubern lassen von der blumenreichen und schönen Sprache, von den wundersamen Geschichten und nicht zuletzt von der herrlichen bibliophilen Ausstattung dieses Buches.


Marcel Proust, Sein Leben in Bildern und Dokumenten
Marcel Proust, Sein Leben in Bildern und Dokumenten
von Patricia Mante-Proust
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum 90. Todestag von Marcel Proust, 25. November 2012
Am 18. November 2012 erscheint aus Anlass des 90. Todestages "Proust in Bildern & Dokumenten", herausgegeben von Patricia Mante-Proust, der Großnichte Prousts, und mit Texten von Mireille Naturel. Eine großformatige, opulente und prächtige Bildbiographie, die sich als eine willkommene Ergänzung jeder Proust-Bibliothek empfiehlt, die Freude am Schauen macht und zum Lesen auffordert.

Das allerdings sei gesagt: Es ist keine kritische Auseinandersetzung mit Leben und Werk dieses einzigartigen Schriftstellers. Wer das sucht, muss zu anderen Büchern greifen. Auch der Bildteil verspricht wenig neue Entdeckungen. Ein sehr ansprechendes Aquarell von Pascal Lecocq ist allerdings zu sehen, das die Herausgeberin mit ihrem Großonkel zeigt. Überhaupt aber ist der Bildteil von ausgezeichneter Qualität und erfreut des Proustianers Herz.

Freude wird der Leser auch an den Texten haben. Die Autorin sucht und versucht einen neuen Zugang zu Leben und Werk des literarischen Genies. Mireille Naturel greift wichtige Themenbereiche Leben und Werk Marcel Proust heraus, um sie dann im Zusammenhang mit Abbildungen und Fotos zu setzen. So schreibt sie über "Die Düfte, Farben und Klänge in der Sprache der Sinne vereint". In "Kaleidoskop eines Lebens" besucht die Literaturwisschaftlerin, die sich mit einer Arbeit über Proust habilitiert hat, Auteuil und Illiers; sie erzählt von "Onkel Adolphe und die Dame in Rosa"; sie führt den Leser zum Kirchturm von Combray und zeigt ihm einmal mehr Pré-Catelan". Es gibt Abschnitte, die sich "Porträts in Worten und Bildern" widmen, die von "Freuden und Tagen" handeln und „Über das Lesen".

Vielfalt und Fülle belegt dieser Band sowohl im Bild- als auch im Textteil. Dokumente aus Familienbesitz, eine Unzahl von Fotos, Auszüge aus Briefen und bisher nicht veröffentlichten Manuskriptseiten. Er gibt einen gelungenen Üblick über Lebensstationen Proust und verbindet sie mit bedeutenden Passagen aus seinem Werk.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2012 8:48 PM CET


Italienische Reise - Band 2
Italienische Reise - Band 2
Preis: EUR 0,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, 11. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Italienische Reise - Band 2 (Kindle Edition)
Goethes "Italienische Reise" ist ein Klassiker - und ein "Muss" für jeden Italienreisenden. Dabei ist dieses Buch mehr als nur einfach ein "Reiseführer". Es ist ein Bildungsbuch über Kunst und Kultur, über Literatur und Lebensart. Ein großes literarisches Zeugnis auch einer zweijährigen Reise in das Land von Goethes Sehnsucht und der Sehnsucht vieler vor und nach ihm. Im Hinblick auf die Biographie des Verfassers immer wieder spannend und informativ.
Als Kindle-Buch ein ständiger Begleiter für mich. Ein wunderbares Vademecum.


Italienische Reise - Band 1
Italienische Reise - Band 1
Preis: EUR 0,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, 11. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Italienische Reise - Band 1 (Kindle Edition)
Goethes "Italienische Reise" ist ein Klassiker - und ein "Muss" für jeden Italienreisenden. Dabei ist dieses Buch mehr als nur einfach ein "Reiseführer". Es ist ein Bildungsbuch über Kunst und Kultur, über Literatur und Lebensart. Ein großes literarisches Zeugnis auch einer zweijährigen Reise in das Land von Goethes Sehnsucht und der Sehnsucht vieler vor und nach ihm. Im Hinblick auf die Biographie des Verfassers immer wieder spannend und informativ.


Der Dirigent: Roman
Der Dirigent: Roman
von Sarah Quigley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Macht der Musik, 5. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Dirigent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Neuseeländische Literatur bei der Buchmesse in Frankfurt/Main: Einem neuseeland-fremden Thema hat sich allerdings die in Berlin lebende neuseeländische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Sarah Quigley gewidmet. Ihr Roman „Der Dirigent“ erzählt von Dmitri Schostakowitsch, von seiner berühmten „Siebten Symphonie“, deren Uraufführung im von den Deutschen belagerten Leningrad zu einem dramatischen Ereignis wird. Und damit erzählt Sarah Quigley, sie liebt die Musik und spielt selbst Klavier und Cello, von der Macht und Kraft der Musik – gerade in Zeiten der Unfreiheit, der Barbarei und der Not. Am deutlichsten dargestellt in der Person des Dirigenten Karl Eliasberg, Chef eines wenig bedeutenden Orchesters, dem plötzlich die Uraufführung dieser Symphonie anvertraut wird. Er, der Schostakowitsch zugleich bewundert und hasst, wird seine frierenden und hungernden Musiker zu grandioser Höchstleistung bringen. Ein Roman, der den Leser ein Stück russischer Geschichte erleben lässt und vielleicht ein neues Verständnis für das Werk des großen Komponisten, dessen Symphonie als CD parallel zur Lektüre gehört werden kann, weckt. Gleichzeitig erweist sich Sarah Quigley als hervorragende Erzählerin. Ein Buch, das bewegt und anrührt.


Sydney Bridge Upside Down (Literatur-Literatur)
Sydney Bridge Upside Down (Literatur-Literatur)
von David Ballantyne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kinderspiele Upside Down, 5. November 2012
David Ballantyne ist sicher einer der bedeutendsten Vertreter neuseeländischer Literatur. Und sein Roman "Sindney Bridge Upside Down" einer seiner besten Bücher. Dieser Roman hat den Charakter eines psychologischen Thrillers. Das Buch – bereits 1968 veröffentlicht – liegt jetzt erstmals auf Deutsch vor und dürfte zu den ganz großen literarischen Entdeckungen dieses Buchherbstes gehören. Der Roman spielt in einer abgelegenen Hafenstadt, an einem Schauplatz am Rande der Welt, an dem auch der jungen Ballantyne gelebt hat. Sein Held ist der dreizehnjährige Harry Baird, Typ Tom Sawyer, der, nachdem die Mutter die Familie verlassen hat, mit Vater und Bruder Tage und Wochen voller Einsamkeit verbringt. Mit den wenigen Freunden wird die Landschaft erkundet und ein verlassener Schlachthof, das Wahrzeichen des Ortes Calliope Bay. Bald wird sich heraustellen, dass sich dahinter furchtbare Geheimnisse verbergen. Schreckliche Dinge sind hier passiert. Davon wissen vor allem ein alter Mann und sein Pferd mit dem eigenartigen Namen Sidney Bridge Upside Down. Und noch etwas beschäftigt den Jungen sehr. Seine ältere Cousine Caroline, ein erotisch aufgeladener Babysitter, bricht in seine Welt ein – und damit die Liebe. Ihr ist er verfallen. Obwohl sie für Caroline nur ein oberflächliches Spiel ist, für Harry wird sie zu Obessesion. So ist diese kleine Welt alles andere als heil. Und aus Kinderspielen wird verwirrender, gefährlicher Ernst – mit schrecklichen Konsequenzen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2012 11:44 AM CET


Madame Bovary: Roman
Madame Bovary: Roman
von Elisabeth Edl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,90

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Madame Bovary und die Sitten in der Provinz, 27. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman ist vor rund 150 Jahren eschienen, seither liegen siebenundzwanzig Übersetzungen - u. a. von René Schickele, von Hans Reisiger und Caroline Vollmann - vor. Jetzt gibt es eine neue Übersetzung von "Madame Bovary", diesem Roman schlechthin vor, die - man ist geneigt zu sagen - ultimative Übertragung durch Elisabeth Edl.

Am 19. September 1851 schreibt Gustave Flaubert (1821-1880) das erste Wort eines Romans, der wie kein anderer die Literatur revolutionieren sollte: "Madame Bovary". Dieses Buch - der "Roman aller Romane", wie Theodor W. Adorno formulierte - ist zu einem Mythos geworden. "Madame Bovary" ist der erste moderne Roman. Das gilt für Stil und Konstruktion, das gilt aber und vor allem für seinen Inhalt.

Der Roman erzählt die Geschichte von Emma Bovary, die seit Generationen die Leser begeistert. Emma ist zum Inbegriff der Leidenschaften, der Liebe, der Unmoral, der Träume vom großen Leben in der kleinen Provinz geworden. Diese Madame Bovary ist eine der faszinierendsten Frauengestalten der Weltliteratur. Und: Dieser Roman ist eine exemplarische Darstellung der "Sitten in der Provinz", ihrer Beschränktheiten, ihrer Dummheit - wie der Untertitel gleichsam provozierend lautet; er ist ein außergewöhnliches Zeit- und Sittenbild.

Die schöne Emma Bovary langweilt sich in der Provinz, in dem Nest Yonville-l’Abbaye, und mit ihrem Mann Charles Bovary, einem bescheidenen Landarzt. Sie träumt von großer Leidenschaft und großer Liebe. Sie versucht, ihre Träume zu verwirklichen. Aus ihrer Langeweile bricht sie aus. Sie sucht Liebe und Lust und „Abwechslung“. Und findet sie zum Beispiel bei dem Provinz-Casanova Rodolphe und später beim Kanzlisten Léon. Ehebruch also. Dazu kommen ihre Vergnügungs- und Verschwendungssucht. Doch ihr Glück findet sie nicht. Die Liebschaften erledigen sich wie von selbst. Die Schulden wachsen ihr über den Kopf, Familie ist nicht mehr. Emma Bovary scheitert an sich selbst, an ihren hohen Erwartungen und an den Moralvorstellungen ihrer Zeit. Und sie scheitert nicht zuletzt an an der Gesellschaft in diesem Provinzkaff Yonville, vertreten vor allem durch den Apotheker und Möchte-gern-Aufklärer Homais, durch den bigotten Pfarrer Bournisien, den Kaufmann und Wucherer Lheureux.und die ganze kleinkarierte und selbstgerechte provinzielle Gesellschaft. Am Ende erscheint Emma der Tod durch Gift als die letzte Lösung.

Das Buch wurde bei seinem Erscheinen 1857 zum Skandal. Der Autor Gustave Flaubert, der von sich behauptet hat, "Madame Bovary c’est moi", musste sich vor Gericht verantworten: angeklagt der Verletzung der öffentlichen Moral und der Religion. Verherrlicht die Hauptfigur "doch den Ehebruch, singt sie das Hohelied des Ehebruchs, seine Poesie, seine Lüste….", so die Anklage. Flaubert wurde jedoch freigesprochen. Und das Buch beginnt seinen Siegeszug durch die die Zeit und die Weltliteratur.

"Madame Bovary? Das ist ein Buch, das Sie alle zwei Monate lesen können, es ist immer neu". So der französische Schriftsteller Pierre Michon. Recht hat er. Und so lesen wir jetzt "Madame Bovary", erneut. Und zwar in der Übersetzung von Elisabeth Edl. Was aber zeichnet die Übersetzung von Elisabeth Edl, die nicht nur wegen der glanzvollen Übersetzung von Stendhals "Rot und Schwarz" auf sich aufmerksam gemacht hat, aus? In einem Interview hat sie einmal erklärt, welchen Anspruch sie an sich selbst gestellt hat: "Und eigentlich sieht man ja unmittelbar an jedem Satz, welche Rolle Melodie und Rhythmus spielen, wie kunstvoll alles gebaut ist… Diese Kunstgestalt muss eine Übersetzung hörbar machen". Das ist ihr in hohem Maße gelungen.

Vor allem aber galt es, Flauberts extremen Anspruch an sich selbst gerecht zu werden. Gustave Flaubert war äußerst korrekt, stets um den richtigen Ausdruck bemüht - er brüllte seine Sätze, bevor er sie niederschrieb - was seine Wortwahl, was Klang und Rhythmus betraf. Diese Genaugkeit legt auch Elisabeth Edl zugrunde, wie sie im Anhang "Zu Sprache und Übersetzung" überzeugend deutllich macht. Sie behauptet zwar, dass man dem "stilistischen Rang und den ästhetischen Charakter" Flauberts in einer Übersetzung nie nachvollziehen kann, wir als Leser glauben aber gern, dass sie ihm zumindest sehr, sehr nahe gekommen ist.

Ein weiterer Vorzug dieser Neuausgabe ist der fundierte Anmerkungsapparat, sind die Aussagen zur Übersetzung - hier zeigt sich die angesehene Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Edl. Und die erstmalige Veröffentlichung sowohl der Anklageschrift als auch des Plädoyers des Verteidigers und nicht zuletzt Charles Baudelaires Text über "Madame Bovary", beleuchten für den Leser die Hintergründe, die diesen Roman zu dem machen, was er ist. Vor allem aber ist er ein außerordentliches Lesevergnügen.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 12, 2013 8:01 AM MEST


Das grüne Zelt: Roman
Das grüne Zelt: Roman
von Ljudmila Ulitzkaja
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Lieben in Zeiten der Unfreiheit, 18. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Das grüne Zelt: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer die derzeitigen Entwicklungen in Putins Russland verfolgt, sieht sich einer stalin-nostalgischen Bewegung gegenüber. Plötzlich ist wieder von einer "ruhmreichen Vergangenheit" die Rede. Und das Grauen hat kein Ende.

Wie diese "ruhmreiche Vergangenheit" ausgesehen hat, schildert die große russische Autorin Ljudmila Ulitzkaja in ihrem brillanten Roman. Dieses Buch ist nicht nur eine Warnung vor dieser Entwicklung zurück zur Stalinzeit, also ein brisanter politischer Roman; es ist auch von einer literarischen Qualität, wie wir sie selten erleben dürfen. "Das grüne Zelt" vermittelt dem Leser mehr von dieser Zeit, als es Geschichtsbücher könnten.

"Die Literatur ist das Einzige, was dem Menschen hilft, zu überleben, sich mit seiner Zeit zu versöhnen." Davon ist der Lehrer Viktor Juljewitsch Schengeli überzeugt - und auch davon, dass, wer Tolstoi und Puschkin zu lesen versteht, den Unannehmlichkeiten und Anforderungen des Lebens erfolgreich begegnen kann. Diese Überzeugung versucht er, seinen Schülern, dem Juden Micha, dem sanften Sanja und dem dürren Ilja, weiterzugeben. Er wird sie zu Menschen „erziehen“, die gelernt haben, frei zu denken und danach zu handeln - Irrtümer und Verfehlungen eingeschlossen.

Ljudmila Ulitzkaja beschreibt die Freundschaft ihrer drei Protagonisten, die ein Leben lang halten sollte. Und sie beschreibt sie vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte in einem Land, das "sein eigenes irrwitziges Leben führt" - also der stalinistischen Ära, die mit dem Tode des Diktators 1953 noch längst nicht ihr Ende gefunden hat, sondern Nachwirkungen bis in die 90er Jahre zeigt. In dieser Zeit spielt der Roman, der auf höchst subtile Weise die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und die Mechanismen der Macht darstellt, denen sich die jungen Leute ausgesetzt sehen - mit all den Abscheulichkeiten, mit Enttäuschungen und Entbehrungen. Sich darin zurechtzufinden, aber auch dagegen aufzubegehren, ist Sache der jungen Menschen.

Das führt zwangsläufig zum Dissidententum. So wird Ilja als Fotograf zum Dokumentaristen des Untergrunds, Micha, seines Zeichens Literaturwissenschaftler und Dichter, sitzt häufig im Gefängnis. Und Sanja, hochbegabter Musiker, kann wegen einer ihm zugefügten Verletzung nicht mehr Klavierspielen. Es sind sanftmütige Menschen, mutig und musisch. Sie sind auch keine Helden im klassischen Sinne und deshalb nicht immer heldenhaft. Der eine und andere scheitert - als Mitwisser, als Feigling, als Verräter.

Unterstützt werden die jungen Männer von ihren klugen und begabten Freundinnen Olga, Tamara und Galja, denen sie in großer Liebe verbunden sind. Olga, eine zentrale Figur und eine alles in allem starke Frau in diesem Roman, tippt verbotene Manuskripte ab, die dann vervielfältig werden. Es schlägt die Geburtsstunde des Untergrundverlags "Samisdat". Olga wird später mit der Enttäuschung fertig werden müssen, dass ihr geliebter Mann Ilja mit dem KGB zusammenarbeitet, sie verläßt und emigriert. Sie erkrankt an Krebs, wird religiös und zerbricht am Ende. Tamara ist ist nicht nur schön und unabhängig, sie ist auch etwas mystisch veranlagt. Und Galja, die so gern ein Kind haben möchte, muss erleben, dass ihr Mann sich als Spitzel betätigt.

Ihre Geschichte und ihre Geschichten erzählt Ljudmila Ulitzkaja. Und sie stehen alle auch in Zusammenhang mit realen Figuren dieser Zeit in der Sowjetunion. So treten, wenn in Nebenrollen, auf: Andrej Sacharow, der Dichter Josef Brodsky und der Schriftsteller Andrej Sinjawski. Und letztlich bringt Ljudmila Ulitzkaja auch ihre eigenen Erfahrungen ein. Die Autorin, 1945 geboren, entstammt einer jüdischen Familie, hatte unter antisemitischen Anfeindungen zu leiden und erlebte das dikatorische System hautnah. So ist sie als Autorin mit ihren Büchern „Maschas Glück“, „Ergebenst, eurer Schurik“, mit „Daniel Stein“ und nicht zuletzt mit dem neuen Roman „Das grüne Zelt“ zur „Stimme Russlands“ geworden.

Dieser Roman handelt von Politik und Gesellschaft, von Musik und Literatur und vom Leben und Lieben in Zeiten der Unfreiheit. Alles kommt zusammen unter einem „grünen Zelt“, von dem Olga einst geträumt hat. Höchst Privates steht neben Offiziellem, und die erzählten Geschichten werden zur Geschichte einer aufregenden, einer furchtbaren Epoche.


Alle meine Wünsche (Frauenromane)
Alle meine Wünsche (Frauenromane)
von Grégoire Delacourt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die einzige Insel in ihrem Schmerz, 12. September 2012
Rührend? Irgendwie ja - rührend ist diese kleine Geschichte, die Grégoire Delacourt in seinem Roman "Alle meine Wünsche" erzählt. Rührend, aber nicht rührselig. Und ein wunderbares kleines Kammerstück über die Liebe – und wie sie in Gefahr gerät.

Das Leben von Jocelyne und ihrem Ehemann Jocelyn verläuft in ruhigen Bahnen. Sie hat sich mit ihrem kleinen Kurzwarenladen, in dem sie Hosenknöpfe, Pailletten und Bänder verkauft, ihre Welt geschaffen. Mit ihrem Blog hat sie darüber hinaus Zuspruch und Anerkennung erfahren. Andern (Haus-)Frauen schenkt sie mit ihren guten Ratschlägen Abwechslung und Lebensfreude.

Und die Familie? Zwei Kinder, die gut geraten sind, und der etwas ungehobelte Mann Jocelyn, den sie liebt. Auch wenn es in dieser Ehe schon einmal Risse gab, als sie ihr drittes Kind verloren hat. Die Dinge haben sich also eingependelt. Davon erzählt die Protagonistin in diesem Roman. Und von den Träumen, ihrem Mann, ein Angestellter mit Aufstiegschancen - ihm also, erstaunlicherweise nicht sich - "alle" Wünsche erfüllen zu können: einen Porsche, eine Kreuzfahrt und eine besondere Armbanduhr. Ein einfaches, zufriedenes Leben. Ein Leben, das durch einen dummen Zufall aus den Fugen gerät.

Grégoire Delacourt, 1960 geboren, Werbetexter und Autor hat bereits mit seinem ersten Roman "L’Ecrivain de la famille" Aufsehen erregt und Literaturpreise gewonnen. Und auch "Alle meine Wünsche" wurde in Frankreich zum Bestseller. Mit dem Paar Jocelyne und Jocelyn sind ihm herrliche Figuren gelungen, die vor allem dadurch Authentizität gewinnen, dass Delancourt von ihnen auf sehr schlichte Weise erzählt - und sein Buch gerade deshalb literarischen Ansprüchen gerecht wird. Delacourt versteht es, Gefühle und Empfindungen zu schildern, ohne kitschig zu werden.

Jocelyne hatte sich also arrangiert mit dem kleinen Glück und den kleinen Enttäuschungen, die das Leben nun mal zu bieten hat. Bis sie Lotto spielt und - gewinnt. Einen Millionengewinn, der sie allerdings eher erschreckt als glücklich macht. Und so wandert der Scheck, von dem niemand etwas weiß, in einen ihrer alten Schuhe. Jocelyne ist zufrieden mit den Möglichkeiten, die ihr der neue Reichtum bietet, ohne sie zu nutzen.

Bis sie eines Tage entdeckt, dass der Scheck weg ist - und mit ihm ihr Mann. Angeblich bei einem Seminar, mit dem eine Beförderung verbunden sein soll. Nichts von dem ist wahr. Verrat an ihrer Liebe, Enttäuschung und Wut - und der Beginn eines neuen Lebens für Jocelyne. Ihren Kurzwarenladen hat sie aufgegeben Dafür "entdeckt" sie sich neu - in ihrer Verbundenheit mit ihrer Tochter, mit einem neuen Mann, "meinen Vittorio Gassmann... die einzige Insel in meinem Schmerz", im Zusammenleben mit ihrem dementen Vater. Dennoch: "Ich werde geliebt. Aber ich liebe nicht mehr".

Ein trauriges Resumee - und eine schönes, ein etwas trauriges Buch, eine kleine literarische Kostbarkeit.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 18, 2012 10:54 PM MEST


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