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Rezensionen verfasst von
Hamlet
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Die Stunde der Entführer: Thriller (Charles Boxer, Band 3)
Die Stunde der Entführer: Thriller (Charles Boxer, Band 3)
von Robert Wilson
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen 5 Tage, 32 Stunden und 6 Entführungen, 29. Juni 2016
32 Stunden, 6 Entführungsopfer und keine Lösegeldforderung. Aber etwas ist faul an der Geschichte. Ein neuer Fall für Charles Boxer, Ex-Polizist, Ex-Militär, der nun eine Non Profit-Organisation betreibt, die vermisste Personen aufspürt – der Mann für die besonders heiklen Fälle.

„Die Stunde der Entführer“ (erschienen bei Goldmann, in der Übersetzung von Kristian Lutze) führt nach „Stirb für mich“ und „Ihr findet mich nie“ die Reihe um und mit Charles Boxer fort. Und diesmal sind es gleich mehrere vermisste Personen, die er aufspüren soll. Zum einen ist Conrad Jensen verschwunden, ein ehemaliger Geheimagent, der in dubiose Geschäfte zwischen privaten Rüstungsfirmen und der US Regierung verwickelt ist und damit offenbar ein Vermögen gemacht hat.

Zeitgleich werden innerhalb von 32 Stunden an verschiedenen Orten in London sechs junge Leute verschiedener Nationalitäten entführt. Die einzigen Merkmale, die sie verbinden, sind ihrer Väter, allesamt viele Milliarden schwer und noch immer in engem Kontakt zu den Regierungen ihrer Heimatländer.

Aber erstaunlicherweise bleiben erst einmal Lösegeldforderungen aus. Die Entführer fordern lediglich einen Zuschuss zu ihren Unkosten, dieser ist allerdings nicht von schlechten Eltern, denn es geht immerhin um 25 Millionen Pfund pro Opfer. Im Gegenzug garantieren sie dafür – nichts! Und da die Sonderermittlungstruppe mit der Situation völlig überfordert ist, kommt Charlie Boxer zum Einsatz, der bald feststellt, dass die beiden Fälle eng zusammenhängen…

Robert Wilson setzt in dem dritten Band der Charles Boxer-Reihe auf Tempo. Das lässt sich schon an dem zeitlichen Rahmen festmachen, in dem er seinen Thriller platziert. Fünf Tage, dann ist der Fall vom Tisch und erledigt. Dem Leser macht er es dabei nicht immer einfach, denn er packt nicht nur unzählige Polit-Themen so ganz nebenbei in die Geschichte, sondern führt auch jede Menge Personen ein. Aber trotz einiger Längen im Mittelteil halten die unerwarteten Wendungen im Handlungsverlauf das Interesse des Lesers gefangen.

Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass es dem Autor ein großes Anliegen ist, seinen Lesern die Komplexität der Welt und die vielfältigen Verflechtungen von Wirtschaft, Kapital und Politik begreiflich zu machen. Das ist ihm zweifelsohne gelungen. Lesen!


Die Gejagten: Ein Jack-Reacher-Roman (Die Jack-Reacher-Romane, Band 18)
Die Gejagten: Ein Jack-Reacher-Roman (Die Jack-Reacher-Romane, Band 18)
von Lee Child
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und Reacher tut, was er tun muss..., 27. Juni 2016
„Never go back“, so lautet der Originaltitel des 18. Jack Reacher Thrillers von Lee Child, der unter dem Titel „Die Gejagten“ in der deutschen Übersetzung (von Wulf Bergner) bei Blanvalet erschienen ist. Und wenn Reacher gewusst hätte, was ihn auf seinem ehemaligen Stützpunkt erwartet, dann hätte er sich auch mit Sicherheit daran gehalten. Oder aber doch nicht? Ist ja nicht so, dass er Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen würde…

Manchmal genügt eine sympathische Stimme, damit auch Jack Reacher irrationale Dinge tut. Genau deshalb reist er von South Dakota nach Virginia, weil er Major Susan Turner kennenlernen möchte, die Frau, der zum einen diese Stimme gehört und die zum anderen mittlerweile seiner alten Special Unit vorsteht. Zu dumm nur, dass er von zwei Rambo-Typen in Empfang genommen wird, die ihm unmissverständlich klar machen, dass er verschwinden soll. Nicht mit Reacher…

Aber es kommt noch dicker für ihn, denn Major Turner ist verschwunden. An ihrer Stelle wird er von dem neuen Commander Morgan in Empfang genommen, der Reacher sofort mit einem Einberufungsbefehl konfrontiert. Und damit nicht genug, denn es sind offenbar noch zwei Uralt-Verfahren gegen ihn anhängig: eine Mord- und eine Vaterschaftsanklage (an erstes erinnert er sich nicht, aber zweites will er nicht ausschließen). Außerdem findet er heraus, dass Susan Turner unter dem Verdacht der Bestechlichkeit verhaftet wurde und es offenbar Beweise für ihre Schuld in Form eines Kontos auf den Caymans gibt. Reachers Instinkt meldet sich, und ihn beschleicht ein komisches Gefühl. Wer könnte ein Interesse daran haben, sowohl ihn als auch seine Nachfolgerin kaltzustellen?

Wie immer tut Reacher, was er tun muss, nämlich Susan Turner aus der Haft befreien und beweisen, dass die gegen sie und ihn erhobenen Anschuldigungen aus der Luft gegriffen sind und jeder Grundlage entbehren. Und auch wenn seine Gegenspieler mächtig und einflussreich sind, hält das Jack Reacher nicht auf…

„Die Gejagten“ bietet von Anfang bis Ende Hochspannung, eine gelungene, konsequente Fortsetzung der Jack Reacher Reihe. Und wenn ich ein Buch von Lee Child in die Hand nehme, erwarte ich keine hochgeistige Literatur, sondern einen routiniert geschriebenen, actionlastigen Thriller mit einer Hauptfigur, die mir nach mittlerweile achtzehn Bänden ans Herz gewachsen ist. Die Story ist gut geplottet und wie immer bei Child geht auch „Die Gejagten“ von Beginn an hohes Tempo, trotz oder wegen zweier Handlungsstränge, die sich nach und nach zu einer Einheit zusammenfügen. Und überraschenderweise tauchen auch neue Facetten in der Persönlichkeit des Protagonisten auf, die dem Superhero mehr Menschlichkeit verleihen und Neugier wecken, wie es in Band 19 wohl weitergeht.


Die Schwere des Blutes: Thriller
Die Schwere des Blutes: Thriller
von Laura McHugh
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur weil du den Teufel nicht sehen kannst..., 27. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Schwere des Blutes: Thriller (Broschiert)
„Die Schwere des Blutes“ ist der erste Roman/Thriller der amerikanischen Autorin Laura McHugh, die dafür mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Meiner Meinung nach völlig zu Recht, denn sie liefert damit ein höchst spannendes Debüt ab, bei dem sich alles Einzelteile perfekt zu einem (un-)harmonischen Ganzen fügen.

Da wäre als erstes das Setting: In Daniel Woodrells Roman „Winters Knochen“ habe ich zum ersten Mal die Ozarks bewusst wahrgenommen, jenen Landstrich in den Wäldern Missouris, der dem amerikanischen „Poverty belt“ zugerechnet wird. Die Gegend ist dünn besiedelt, es gibt kaum Arbeitsplätze, das Geld ist bei vielen knapp. Um Recht und Gesetz kümmert sich kaum jemand, gelebt wird nach den eigenen Regeln. Und diese Regeln werden von den Männern gemacht, Frauen haben nichts zu sagen. Die Einheimischen bleiben unter sich und beäugen jeden Fremden misstrauisch. Diese Atmosphäre beschreibt Laura McHugh sehr bildhaft und authentisch.

Dann natürlich die Story. Auf den ersten Blick für eine Thrillerhandlung nicht ungewöhnlich. Eine junge Frau sucht nach ihrer spurlos verschwundenen Freundin und klärt währenddessen auch das Rätsel um ihre vermisste Mutter. Aber die Geschichte, die die Autorin aus dieser Ausgangssituation entwickelt, hat es in sich. Familiäre Beziehungen werden beleuchtet, längst Vergangenes wird zurück an die Oberfläche geholt, das komplizierte Beziehungsgeflecht innerhalb des Dorfes beleuchtet: „Es gab so vieles, das es zu verbergen galt, so viele Geheimnisse, die tief unter der Oberfläche verborgen lagen, verwurzelt und weit verzweigt in der Finsternis“.

Laura McHugh arbeitet mit Zeitsprüngen und wechselnden Perspektiven, was die Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Aber da die einzelnen Kapitel immer mit dem Namen des jeweiligen Erzählenden gekennzeichnet sind, stellt dies keine besondere Herausforderung dar – im Gegenteil. Der Leser wird so hautnah in die Ereignisse eingebunden und erhält nicht nur ungefilterte Informationen zu den Ereignissen sondern auch Zugang zur Gefühlswelt der Personen, die sich wider besseren Wissens und trotz aller Bemühungen nicht aus den Blutsbanden lösen können: „Ich war eine Dane und würde es auch immer bleiben, mit all den guten und schlechten Eigenschaften; und wie meine Vorfahren würde auch ich die Geheimnisse so lange für mich behalten, bis ich tot war“.

Ein beeindruckender, hochspannender Erstling von einer Autorin, die ich definitiv im Auge behalten werde. Der neue Roman von Laura McHughs ist bereits angekündigt. „Arrowood“ erscheint im Original August 2016.


D.I. Helen Grace: Kalter Ort (Ein Fall für Helen Grace, Band 3)
D.I. Helen Grace: Kalter Ort (Ein Fall für Helen Grace, Band 3)
von Matthew J. Arlidge
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Die Zeit läuft!, 22. Juni 2016
„Kalter Ort“ ist nach „Einer lebt, einer stirbt“ und „Schwarzes Herz“ der dritte Teil der Thrillerreihe, in deren Mittelpunkt Detective Inspector Helen Grace und ihre Kollegen bei der Polizei von Southampton stehen. Die Umbildung des Teams ist noch immer in vollem Gange, bewährte Kollegen sind ausgeschieden, andere sind auf dem Sprung, neue sind hinzugekommen. Und noch immer nutzt Helens Vorgesetzte Cari Harwood jede Gelegenheit, um sie zu schikanieren und bloßzustellen. Bossing in der reinsten Form, welches auch Helens persönliches Umfeld einbezieht, Zwietracht sät und Menschen verletzt, die ihr viel bedeuten.

Aber auch der Fall, an dem sie aktuell mit ihrem Team arbeitet, belastet sie über die Maßen, denn vom Erfolg ihrer Arbeit hängt das Leben einer verschwundenen jungen Frau ab. Ein Serienmörder entführt junge Frauen, hält sie gefangen und foltert sie solange, bis ihm ein neues, potenzielles Opfer ins Auge springt, womit das Schicksal seiner Gefangenen besiegelt ist. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass dieser offenbar nur auf einen bestimmten Frauentyp Jagd macht. Und eine vermisste junge Frau passt genau ins Opferprofil. Die Zeit läuft.

Die Idee, die M. J. Arlidges Thriller zugrunde liegt, ist nicht neu und wurde bereits von einigen seiner Autorenkollegen verarbeitet. Von daher birgt der Plot keinerlei Überraschungen. Selbst die Entlarvung des Täters bewegt sich eher im konventionellen Rahmen und ist für den Leser vorhersehbar. Und dennoch überzeugt der Autor auch mit diesem Thriller. Zum einen ist dies natürlich der Erzählweise geschuldet. Kurze Kapitel aus wechselnden Perspektiven schaffen Nähe zu den Personen, ganz gleich, ob zu den Ermittlern, dem Täter oder den Opfern. Dazu kommen die zahlreichen Cliffhanger, die das Tempo forcieren und das Interesse des Lesers konstant hoch halten. Und alle diejenigen, die bereits Teil 1 und 2 der Reihe gelesen haben, sind wahrscheinlich ebenfalls brennend daran interessiert, wie sich die Beziehungen innerhalb des Teams verändern bzw. welche Geheimnisse D.I. Grace zu verbergen hat. Denn hier hält uns der Autor noch immer an der kurzen Leine und lässt die Informationen nur spärlich fließen.

Und so warte ich voll Ungeduld auf die Fortsetzung der D.I. Helen Grace-Reihe. Ende August erscheint bei Rowohlt „In Flammen“ und Ende November „Letzter Schmerz“, die Bände vier und fünf. Und für die ungeduldigen Leser ist die englische Originalausgabe von Band sechs „Hide and seek“ ab Anfang September im Handel.


Hundert Herzen: Roman (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
Hundert Herzen: Roman (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
von William Kowalski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Life is a battlefield, 20. Juni 2016
Der amerikanische Autor William Kowalski schreibt Familiengeschichten, aber es sind nicht diese idealtypischen Familien, die wir so oft in der Literatur vorgestellt bekommen. Vor Jahren habe ich seine Romane um und mit Billy Mann verschlungen („Eddies Bastard“ und „Das Leben brennt wie grüner Chili“) und war von der lässigen Fabulierfreude dieses Autors höchst angetan. Und auch sein neuer Roman „Hundert Herzen“ (in der Übersetzung von Jürgen Bürger), ausgezeichnet mit dem Thomas Raddall Atlantic Fiction Award 2014, ist in dieser Tradition geschrieben.

Es ist ein wichtiges Thema, mit dem sich Kowalski auseinandersetzt. Was macht der Einsatz in Kriegsgebieten mit denen, die weit entfernt von zuhause für abstrakte Ziele kämpfen? Kampf für die Freiheit am Hindukusch? Bullshit, sie kämpfen für nichts und niemanden, und nicht nur jeder Beteiligte, sondern auch jeder Außenstehende weiß das. Und was geschieht in den Familien, wenn die Soldaten wieder zurück in der Heimat sind? Alles eitel Freud‘ und Sonnenschein?

Diese Illusion hat Jeremy Merkin verloren, im Gegensatz zu vielen seiner Gefährten und Mitsoldaten ein Überlebender. Fast noch ein Kind, ist er nach Afghanistan in den Krieg gezogen. Mittlerweile ist er Mitte zwanzig und seit längerem wieder zuhause in Elysium, Kalifornien. Wie früher lebt er bei und mit seiner dysfunktionalen Großfamilie: den Großeltern Helen und Al, seiner Mutter Rita, Tante Jeanie und deren Sohn Henry. Was sich nach außen als ein Stück Normalität darstellt, ist leider nur ein äußerst instabiles Gebilde, denn die physischen und psychischen Wunden, die ein Krieg verursacht, gehen tief. Schuldgefühle, körperliche Schmerzen und Panikattacken gilt es auszuhalten, und das geht manchmal nur mit Marihuana, oder wie bei seinem Großvater Al, dem Vietnamveteran, mit Alkohol. Denn auch dieser kämpft seit vielen Jahren mit Dämonen, ist aber immer bemüht, dies vor seiner Familie zu verbergen. Auch wenn es offensichtlich ist, dass der Krieg seine Persönlichkeit zerstört hat.

Kowalski beschreibt seine Personen mit viel Wärme und großer Sympathie. Die Dialoge sind lebendig und humorvoll, auch wenn einem in der einen oder anderen Situation das Lachen im Halse stecken bleibt. Großvater und Enkelsohn, diese beiden Charaktere stehen im Zentrum des Geschehens. Und indem der Autor zwischen Als und Jeremys Perspektive hin und her springt, führt er dem Leser direkt die Auswirkungen vor Augen, die die Vergangenheit in der Gegenwart zeigt. Und so bleibt es auch nicht aus, dass Verborgenes ans Licht kommt und die Sichtweise der Protagonisten verändert, denn jeder ist zugleich Opfer als auch Täter und muss lernen, mit diesem Wissen zu leben.


Fremdes Land: Roman
Fremdes Land: Roman
von James Lee Burke
  Broschiert
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen This is the ballad of the black gold, they call it Texas tea..., 6. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Fremdes Land: Roman (Broschiert)
Mit seinem neuesten Roman über den Holland-Clan „Fremdes Land“ hat James Lee Burke ein texanisches Epos geschrieben, in dessen Zentrum ein Mann mit reinem Herzen steht, Weldon Avery Holland. Es ist gleichzeitig aber auch ein Aspekt der Burkeschen Familiengeschichte, die er hier verarbeitet, denn gewidmet ist dieses Buch Weldon Benbow „Buddy“ Mallette, Burkes Cousin, dessen Lebensgeschichte die Inspiration für die Hauptfigur lieferte, wie der Autor in einem Interview bemerkte.

Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise, und Weldon Avery Holland lebt mit seiner mental instabilen Mutter bei seinem Großvater, einem harten Knochen und früheren Texas Ranger, der für die Verhaftung des Outlaws John Wesley Hardin verantwortlich zeichnet. Der Landstrich wird zwar immer wieder von Sandstürmen heimgesucht wird, aber sie haben ihr Auskommen. Für den Heranwachsenden verlaufen die Tage monoton, die Perspektiven sind rar. Das tägliche Einerlei wird lediglich einmal durch einen Zwischenstopp des Gangsterpärchens Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow unterbrochen. Die pubertären Schwärmereien und die Faszination des Jungen für die Gangsterbraut Bonnie werden ihn über die Jahre begleiten.

Zehn Jahre später, nach einem Studienabschluss an der Texas A&M, ist Weldon auf Seiten der Amerikaner an der Ardennenoffensive beteiligt, und seine Erlebnisse während dieser Zeit festigen seinen Begriff von Moral und Ehre. Er rettet seinen verschütteten Kameraden Hershel Pine und macht sich mit diesem auf den Weg, heraus aus den feindlichen Linien der Deutschen. In einem verlassenen Konzentrationslager der Nationalsozialisten retten sie aus den Leichenbergen die einzige Überlebende, Rosita Lowenstein, eine junge Sozialistin jüdischen Glaubens, die daraufhin mit ihnen weiterzieht. Noch ahnt Weldon Holland nicht, welchen Einfluss Hershel und Rosita auf sein weiteres Leben haben werden: Rosita wird seine Ehefrau und Hershel sein Geschäftspartner. Zurück in Texas besorgen sich die beiden das nötige Startkapital für ihre neu gegründete Firma und steigen in das boomende Ölgeschäft ein. Aber die alteingesessenen Ölbarone mögen es so gar nicht, wenn Neulinge ihre Pfade kreuzen, und dazu kommen auch immer wieder Rückschläge und falsche Entscheidungen, die die junge Firma in finanzielle Schwierigkeiten und Abhängigkeiten von dubiosen Geldgebern bringen. Nicht zu vergessen die privaten Probleme Hershels, dessen Gattin Linda Gail, ein Mädchen vom Lande mit hochfliegenden Ambitionen, rücksichtslos ihre eigenen Pläne verfolgt. Weldons Feinde wissen genau um seine Schwachstellen, und so gerät auch noch Rosita aufgrund ihres politischen Hintergrunds in das Visier der Kommunistenjäger. Und dennoch, zu keinem Zeitpunkt stellt er seine persönliche Moral in Frage…

„Fremdes Land“ ist der erste Roman Burkes, der mich mit zwiespältigen Gefühlen zurücklässt. Natürlich ist es wieder eine Geschichte von Gut und Böse, aber diesmal hat der Autor meiner Meinung nach eindeutig zu dick aufgetragen. Wenn er Rositas Schenkel als „lange goldene Karpfen“ beschreibt und den Liebesakt mit einem Sonett von Petrarca vergleicht, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Er zitiert Shakespeare, bezieht sich auf Homer, das Rolandslied und Chaucers „Canterbury Tales“. Und das alles nur um aufzuzeigen, dass sich der Gute gegen das Böse behaupten muss, um die Menschen zu schützen, die ihm etwas bedeuten.

Aber glücklicherweise spielt Burke in „Fremdes Land“ auch seine Stärken aus, wenn er die historischen Fakten des texanischen Ölbooms in seine Story einarbeitet. Diese Beschreibungen sind ausgesprochen bildhaft und lebendig, fangen die Stimmung und das Wesentliche dieser Periode ein und erwecken mit ihren detailreichen Zeichnungen diese besondere Zeit des Aufbruchs zum Leben. Natürlich passen auch die stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen und die bis ins Letzte stimmigen Charakterisierungen der Hauptfiguren perfekt zu der Story, ganz gleich, ob liebenswert und sympathisch oder nicht. Und das versöhnt am Ende dann doch noch, auch wenn mich die beiden Vorgänger des Holland-Zyklus, „Regengötter“ und „Glut und Asche“, weitaus mehr überzeugen konnten.


Das Gesetz des Sterbens: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 20)
Das Gesetz des Sterbens: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 20)
von Ian Rankin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und alles ist mit allem verbunden..., 19. Mai 2016
Zweimal hat sich der ehemalige Inspektor John Rebus bereits in den Ruhestand verabschiedet. Zwar ohne Abschiedsparty, aber das war glücklicherweise auch nicht notwendig, denn seine ehemaligen Kollegen wissen noch immer, wo sie ihn finden können, wenn sie seine Unterstützung benötigen. Im Zweifel bietet sich da doch immer die Oxford-Bar an, sein zweites Wohnzimmer, auch wenn er auf ärztlichen Rat hin weniger rauchen und trinken sollte. Und diesmal ist seine Unterstützung mehr denn je gefragt.

Aber schön der Reihe nach: Siobhan Clarkes aktueller Fall entwickelt sich von einem missglückten Einbruch zu einer Mordermittlung, als bei der Leiche des ehemaligen Staatsanwaltes Lord Minton ein Zettel mit der Nachricht „Ich bringe dich um für das, was du getan hast“ gefunden wird. Die ehemalige Kollegin von Rebus ist nun auch im Rang eines DI und leitet die Untersuchungen. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Malcolm Fox werden die beiden zu Big Ger Caffertys Haus gerufen. Jemand hat durch das Fenster geschossen, aber Cafferty weigert sich, mit den Polizisten zu reden. Als einzigen Gesprächspartner akzeptiert er nur seinen alten Feind und Weggefährten John Rebus, der daraufhin zum Tatort gebracht wird. Es stellt sich heraus, dass der Edinburgher Unterweltboss die gleiche Mitteilung wie Minton erhalten hat. Tragen hier konkurrierende Gangs aus Glasgow und Edinburgh ihre Revierkämpfe aus, um die alleinige Herrschaft zu erlangen? Clarke braucht alle Hilfe, die sie bekommen kann, und so engagiert sie ihren ehemaligen Chef als Berater in diesem Fall. Eine neue Karriere für John Rebus. Parallel dazu behält Malcolm Fox, der ehemalige Fachmann für interne Ermittlungen, die Glasgower Kollegen im Blick. Diese sind auf das kürzlich in Edinburgh aufgetauchte Vater-Sohn Duo Joe und Dennis Stark aus der Stadt am Clyde angesetzt. Offenbar sind diese beiden nicht nur hinter einem ihrer Kumpane her, der mit einer Wagenladung Drogen spurlos verschwunden ist, sondern möchten auch ihren Einflussbereich ausdehnen.

Es sind komplexe Handlungsstränge, die Ian Rankin in seinem neuen Kriminalroman „Das Gesetz des Sterbens“ (wieder einmal prima übersetzt von Conny Lösch) nach und nach entwickelt und im Verlauf der Handlung souverän miteinander verknüpft. Natürlich die aktuellen Fälle, die die beiden Detectives Clarke und Fox und ihr „Freier Berater“ Rebus bearbeiten, aber auch Ereignisse aus der dunklen Vergangenheit der Stadt, die im Laufe der Ermittlungen plötzlich aufploppen und mit denen niemand gerechnet hat. Und hier wird auch der Bezug zu dem Originaltitel „Even dogs in the wild“ (nach einem Song der schottischen Post Punk Band „The Associates“) deutlich: „Even dogs in the wild will protect and will care for whatever means most to them“. Und wie so oft ist alles mit allem verbunden…

Aber auch das Katz und Maus-Spiel der beiden „alten Männer“, deren Zeit allmählich vorbei ist, hat dieser Story einen besonderen Effekt gegeben. Eine lebenslanger Feindschaft, aber auch die Verbundenheit zweier Weggefährten, die jeder für sich die verschiedensten Herausforderungen im Umgang mit dem jeweils anderen meistern muss, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen.

Und nicht zu vergessen Edinburgh, die heimliche Hauptdarstellerin der Rebus-Krimis. Nicht einmal in Ansätzen „cozy“, sondern immer „noir“, immer „a punch in the gut“, mit ihrer besonderen Atmosphäre. Dunkel, etwas spröde, mit bewegter Vergangenheit und Gegenwart, einfach mitten im Leben. Wie Ian Rankins Krimis!


Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island
Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island
von Chloe Hooper
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weit mehr als die Schilderung eines gewaltsamen Todes, 18. Mai 2016
„Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island“ ist im Original bereits 2008 erschienen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nun ist diese Reportage, dem Verlag Liebeskind sei Dank, endlich auch ihn deutscher Übersetzung erhältlich. Die Geschichte, die die australische Autorin Chloe Hooper darin erzählt, beruht auf einem tatsächlichen Ereignis, ist aber weit mehr als die Schilderung eines gewaltsamen Todes und des nachfolgenden Prozesses.

Der Vorfall trägt sich im November 2004 auf Great Palm Island zu, jener zu Queensland gehörenden Insel, die der Regierung als Abschiebelager und Ghetto für Aborigines dient und als äußerst gewalttätiger Ort bekannt ist. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 90 Prozent, Alkoholismus und Drogensucht ist weit verbreitet, Gewalt in jeglicher Form, Mord und Selbstmord gehören zur Tagesordnung. Es ist quasi ein rechtsfreier Raum.

Auf die ca. 2500 Einwohner kommen eine Handvoll Polizisten unter der Leitung von Christopher Hurley, einem "Großen Mann", allesamt weiß. Hurley gefällt sich in seiner Rolle als Gesetzeshüter und harter Bursche, und so ist es nicht verwunderlich, dass er Respekt einfordert. Den Aborigines gegenüber fühlt er sich überlegen, gefällt sich in seiner Rolle als Gesetzeshüter. Und so jemandem muss man natürlich Respekt entgegenbringen.

Cameron Doomadgee, ein Aborigine, lässt diesen offenbar vermissen, als er in angetrunkenem Zustand kontrolliert wird und daraufhin das Lied „Who let the dogs out“ vor sich hin summt. Er wird verhaftet und auf die Wache transportiert, und eine knappe Stunde später liegt er tot am Boden. Angeblich ist er über eine Stufe gestolpert und hat sich dabei schwer verletzt. Ein blaues Auge, Blutergüsse am ganzen Körper, die Leber in zwei Teile gerissen, diverse gebrochene Rippen und eine Bauchvenenruptur. Zuerst passiert nichts. Erst als die Öffentlichkeit ihrer Empörung Luft macht, sieht sich der Generalstaatsanwalt genötigt zu reagieren und ein Gerichtsverfahren gegen Hurley einzuleiten.

Chloe Hooper erzählt nicht nur die Geschichte von Cameron Doomadgee, sondern zeichnet damit auch das Bild einer Gesellschaft, die sich auf Rassismus gründet. In der einer ganzen Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer Hautfarbe die Identität genommen wird. Die Aborigines werden ins Abseits gedrängt Grundrechte verweigert, Übergriffe werden durch die staatlichen Stellen geduldet, der Willkür ist Tür und Tor geöffnet – ein Leben ohne Perspektive, analog dem Umgang der US-Regierung/-Bürger mit den Afroamerikanern und den Natives. Hooper zeigt das Große im Kleinen, beschreibt eine erschütternde, australische Tragödie. Nachdrücklich empfohlen!


Straße der Wunder
Straße der Wunder
von John Irving
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

4.0 von 5 Sternen Im Labyrinth der Erinnerungen des John Irving, 17. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Straße der Wunder (Gebundene Ausgabe)
Wer mit den Werken John Irvings vertraut ist, wird auch von seinem neuesten Roman „Straße der Wunder“ nicht enttäuscht werden. Virtuos wie immer variiert er die Motive, die wir bereits aus seinen früheren Geschichten kennen. Da gibt es eine dysfunktionale Familie, Kinder mit besonderen Begabungen, schräge Ersatzeltern, einen Zirkus und – natürlich – einen Schriftsteller, diesmal mit Namen Juan Diego.

Dieser ist erfolgreich, ein Mann in den besten Jahren, aber mit gesundheitlichen Problemen, die medikamentös behandelt werden. Und genau diese Pillen sind dafür verantwortlich, dass er immer wieder wegdämmert und durch Erinnerungsfetzen mäandert. Vaterlos aufgewachsen in Mexiko am Rande einer Müllkippe, die unendlich viele Schätze in Form von Büchern birgt, die Juan Diego aus dem Abfall klaubt. Gesellschaft leistet ihm seine Schwester Lupe, ein Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Sie kann Menschen lesen und in die Zukunft schauen, aber sich nur ihrem Bruder gegenüber verständlich machen, der ihr Ein und Alles ist. Für ihn ist sie sogar bereit, ihr Leben zu riskieren. Aber es gibt noch weitere Menschen, die Juan Diego auf seinem Weg begleiten. Ob das nun der Chef der Mülldeponie, der Lehrer an der Jesuitenschule, der Doktor oder der Missionar ist, der ihn schließlich mit ins gelobte Land Amerika nimmt – sie alle haben Anteil an dem, was aus ihm geworden ist.

Es sind diese Fragen nach Herkunft und Begegnung, die ausnahmslos immer im Zentrum von John Irvings Romanen stehen. So auch in „Straße der Wunder“. Da der Autor mit einer Vielzahl von Personen und Orten arbeitet und durch die Zeiten springt, fabuliert und assoziiert, benötigt der Leser Geduld und Zeit, um in die Geschichte hineinzufinden.

Man mag dem Autor vorhalten, dass er die Themen, die ihn bewegen, schon unzählige Male in den verschiedensten Variationen in seinen Romanen verwendet hat. Das ist durchaus zutreffend, schmälert allerdings nicht deren Unterhaltungswert. Denn die Virtuosität, mit der Irving fabuliert und assoziiert, sucht ihres gleichen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2016 6:41 PM MEST


Inspektor Jury und die Frau in Rot: Ein Inspektor-Jury-Roman 23
Inspektor Jury und die Frau in Rot: Ein Inspektor-Jury-Roman 23
von Martha Grimes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Auf dem Weg zurück zu alter Stärke, 17. Mai 2016
Nach „All die schönen Toten“, dem 2010 erschienenen Kriminalroman mit Inspektor Richard Jury, hatte ich mich eigentlich dafür entschieden, die Reihe nicht mehr weiter zu verfolgen. Die Story war uninspiriert, das Personal lieblos gezeichnet, die Luft war raus. Aber alte Bekannte lässt man nicht so einfach ziehen, und so habe ich mit Interesse die Kritiken nach dem Erscheinen von „Vertigo 42“, so der Originaltitel des vor kurzem in der deutschen Übersetzung erschienenen „Inspektor Jury und die Frau in Rot“, dem 23. Band mit Richard Jury, verfolgt. Nur gut, dass ich meine Meinung revidiert habe, denn offenbar hat die lange Pause der Autorin und somit auch ihrem Werk gut getan.

Jury trifft sich mit Tom Williamsson, dem Bekannten eines Freundes, in der Londoner „Vertigo 42“ Bar (Verbeugung vor Altmeister Hitchcock). Dieser bittet ihn darum, den ungeklärten Todesfall seiner Frau Tess wieder aufzurollen. Diese stürzte infolge einer Schwindelattacke vor vielen Jahren zu Tode, so die offizielle Version. Doch es bleibt ein Rest von Zweifel bei dem Witwer, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist, da seine verstorbene Frau in den tragischen Unfalltod eines Mädchens bei einer Party, die sie für die Nachbarskinder veranstaltet hatte, verwickelt war. Jury übernimmt den Fall, und um sich von den Gegebenheiten vor Ort zu überzeugen, macht er sich auf den Weg nach Devon. Aber nicht, ohne vorher bei seinem alten Freund Melrose Plant auf Ardry End vorbeizuschauen. Und auch dort gibt es einen seltsamen Todesfall. Eine junge Frau, gekleidet in eine rote Designerrobe, wird in der Nähe des Landsitzes am Fuße eines Turms tot aufgefunden. Ein Fall für den Amateurdetektiv Plant, natürlich mit der Unterstützung seines Freundes Jury…

Im vorliegenden Kriminalroman sind es miteinander verwobenen Fälle, wobei die Todesfälle der Vergangenheit ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart zeigen und Richard Jury beschäftigen. Und wie so oft geht es um verhängnisvolle Beziehungen, um Freundschaft, um Liebe und um Hass.

Martha Grimes schreibt britische Cozy-Krimis in Reinkultur à la Agatha Christie, die sie mit den entsprechenden „Zutaten“ entsprechend aufpeppt. Exzentrische Figuren, der typische schräge Humor, die englischen Rituale – dies alles macht aus dem vorliegenden Roman eine höchst unterhaltsame Lektüre, bei der der Leser auch die eine oder andere Ungereimtheit im Handlungsaufbau verzeiht. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Autorin zukünftig nicht nur mit den bekannten Versatzstücken arbeitet, sondern auch neue Ideen einbringt, damit ein frischer Wind durch ihre Krimis weht. Denn irgendwann ist auch das erfolgreichste Pferd tot geritten.


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