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Hamlet
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Regengötter: Thriller
Regengötter: Thriller
von James Lee Burke
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesen! Lesen! Lesen!, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Regengötter: Thriller (Broschiert)
Texas, irgendwo im Nirgendwo, ein Kaff in der Nähe der mexikanischen Grenze. Dort sorgt Sheriff Hackberry Holland für Recht und Ordnung. Obwohl er bereits längst das Rentenalter erreicht hat, denkt er nicht im Traum daran, sich zur Ruhe zu setzen. Erst recht nicht, nachdem der bei der Notrufzentrale anonym eingegangene Anruf ihn zu einer Grube führt, in der er die von Kugeln durchlöcherten Leichname von neun jungen Thailänderinnen findet. Die mit Heroin gefüllten Plastiktütchen, die sich in ihren Bauchräumen befinden, lassen vermuten, dass sie als Drogenkuriere tätig waren.

Sheriff Holland hat schon viel erlebt und durchgemacht, und so erinnert ihn diese Grube an die vielen Massengräber, die er im Koreakrieg gesehen hat. Und es sind keine guten Erinnerungen. Er schwört sich, dass er die Täter dingfest machen wird. Seine Ermittlungen werden allerdings massiv durch die staatlichen Organe von FBI und DEA behindert. Aber der alte Sheriff lässt nicht locker und sticht in ein Wespennest, denn im mexikanischen Grenzgebiet blüht nicht nur der Handel mit Drogen sondern auch mit Menschen, vornehmlich jungen Frauen. Und die mafiösen Strukturen des organisierten Verbrechens sind überall zu finden…

James Lee Burkes „Regengötter“ kann und sollte man nicht mit den üblichen Thriller-Maßstäben messen. Hier liest man nicht in erster Linie an der Handlung entlang, obwohl diese natürlich auch Spannung verspricht. Es sind die grandiosen Naturbeschreibungen und die bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten außergewöhnlichen Hauptfiguren, die den Leser an den Seiten kleben lassen.

Und dann ist da noch der amerikanische Traum, der für die Menschen, die in dieser Einöde leben, schon längst ausgeträumt ist. Wenn sie ihr Stück vom Kuchen oder einfach nur überleben wollen, ist es oft nur ein kleiner Schritt in die Kriminalität. Und James Lee Burke befindet sich in bester Gesellschaft – Cormac McCarthy, Daniel Woodrell oder Elmore Leonards Fernsehserie „Justified“ – wenn es darum geht aufzuzeigen, was perspektivlose Lebensumstände mit den Menschen machen, die in Gebieten leben, die längst von den Oberen vergessen wurden.

Wortgewaltig und ausdrucksstark - Lesen! Lesen! Lesen!


Missing. New York: Roman
Missing. New York: Roman
von Don Winslow
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Schritt in die richtige Richtung, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Missing. New York: Roman (Broschiert)
Nachdem ich den amerikanischen Autor Don Winslow sehr schätze, aber „Vergeltung“, diese dümmliche Superheldengeschichte, die Thriller-Enttäuschung des Jahres 2014 für mich war, bin ich mit einigen Vorbehalten an sein neuestes Buch herangegangen. „Missing. New York“, eine deutsche Erstveröffentlichung, und noch immer nicht im Original erschienen – ein gewisses Misstrauen lässt sich nicht leugnen.

Lincoln, Nebraska, mittlerer Westen. Hauptfigur ist Frank Decker, Polizist mit Leib und Seele und ohne Privatleben. Er ist zwar verheiratet, aber seine Ehe steht kurz vor dem Aus. Schreibtischjob und geregelte Dienstzeiten sind nichts für ihn, ihm geht es in erster Linie darum, seine Fälle zu lösen. So auch, als die siebenjährige Hailey aus dem Vorgarten verschwindet und nicht mehr auftaucht. Decker verspricht ihrer verzweifelten Mutter, das Mädchen zu finden, koste es, was es wolle. Doch die Spuren sind rar.

Frank Decker geht jedem noch so abwegigen Hinweis nach, kündigt sogar seinen Job, setzt sich in sein Auto, legt Bruce Springsteen ein und fährt kreuz und quer durch das Land auf der Suche nach Hailey. So gelangt er schließlich nach New York und muss feststellen, dass sich hinter Luxus und Glamour oftmals Teufel in Menschengestallt verbergen.

„Missing. New York“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, in deren Zentrum Frank Decker steht, ein Moralist auf der Suche nach Gerechtigkeit, nur sich und seinem Gewissen verpflichtet. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive, die jeweiligen Kapitel sind kurz und bei der Erzählweise habe ich mich oft an einen anderen Thriller des Autors, nämlich die „Die Sprache des Feuers“ erinnert gefühlt: die abgehackte Satzmelodie, das Tempo und die schnörkellose Sprache erinnern an die früheren Romane des Autors.

Der Plot ist keine intellektuelle Herausforderung, es ist die Schwarz-Weiß Malerei, die überwiegt. Und doch habe ich mich bestens unterhalten gefühlt. Der Protagonist ist zwar relativ einfach gestrickt, aber in seinem Engagement sehr sympathisch. Dazu der trockene Humor, der in den Dialogen immer wieder durchblitzt – ein Typ, mit dem man Pferde stehlen kann.

An die Klasse der früheren Winslows reicht dieser Thriller zwar nicht ganz heran, aber wenn ich ihn damit vergleiche, was sonst noch in den Buchhandlungen zu finden ist, hebt er sich wohltuend von der Masse ab. Ich freue mich auf Frank Deckers nächsten Fall und gebe die Hoffnung nicht auf, dass Don Winslow zu alter Größe zurückfindet.


Die Lügen der Anderen
Die Lügen der Anderen
von Mark Billingham
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Masken des Bösen, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Lügen der Anderen (Gebundene Ausgabe)
Sommer, Sonne, Sarasota – in entspannter Atmosphäre kommen drei englische Paare während des Sommerurlaubs in Florida miteinander in Kontakt. Scheinbar liegen sie auf gleicher Wellenlänge und sind glücklich darüber, Landsleute in der Fremde getroffen zu haben, weshalb sie von da an fast immer die Tage gemeinsam am Pool verbringen.

Nach außen hin wirkt das alles harmonisch, aber bei näherem Hinsehen merkt man, dass eigentlich Jeder gegen Jeden Vorbehalte hat, ganz gleich, ob das nun äußere Merkmale oder Charaktereigenschaften betrifft: Barry ist leicht reizbar, seine Frau Angie äußerst liebenswürdig, Ed ist hinter jedem Rock her, während seine Frau Sue dies offenbar tolerieren muss, einzig die Beziehung zwischen dem ehrgeizigen Filmsternchen Marina und ihrem Mann Dave scheint auf den ersten Blick in Ordnung zu sein.

Der Autor beschreibt die einzelnen Personen und ihr Verhalten sehr detailliert, sodass man auch als Leser eigentlich alle sechs durch die Bank weg unsympathisch und leicht dubios findet. Dieser Eindruck verstärkt sich noch nach dem Verschwinden eines jungen Mädchens aus dem gemeinsamen Hotel.

Zurück in der Heimat reist der Kontakt nicht ab. Man trifft sich reihum und lässt in den Gesprächen die Ereignisse des gemeinsamen Urlaubs Revue passieren. Bis wieder ein Mädchen verschwindet – und diesmal in unmittelbarer Nähe…

Zwei Kontinente und zwei verschwundene und, wie sich später herausstellt, ermordete Mädchen. Zwei Ermittler mit unterschiedlichen Qualifikationen, in England die unerfahrene Polizistin Jenny, in Florida der erfahrene Ermittler Jeffrey. Und sechs Verdächtige, wobei der Leser jedem einzelnen die Morde zutrauen würde.

Mark Billingham kennt man hierzulande durch seine Krimireihe mit Tom Thorne, die mittlerweile bereits elf Bände umfasst. Obwohl Thorne einen kurzen Auftritt hat, ist „Die Lügen der Anderen“ davon unabhängig, ein Stand alone. In diesem psychologisch aufs höchste ausgefeilten Thriller zeigt der englische Autor sein ganzes Können. Verschiedene Perspektiven, Täuschungen und unerwartete Wendungen machen dieses Buch zu einem spannenden und tiefgründigen Lesevergnügen. Sehr empfehlenswert!


Die seltsame Berufung des Mr Heming
Die seltsame Berufung des Mr Heming
von Phil Hogan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen Psychogramm eines Voyeurs, 6. Januar 2015
Mal ehrlich, wie würde es Ihnen gefallen, wenn jemand einen Schlüssel zu Ihrer Wohnung hätte und sich regelmäßig während Ihrer Abwesenheit Zutritt verschaffen würde? Wenn man Ihre Schränke durchwühlen und Ihren Kühlschrank plündern würde? Wären Sie verwundert, wenn eine defekte Glühbirne plötzlich wieder hell strahlen würde oder würde Ihnen das gar nicht auffallen?

Diese Dinge passieren den Kunden des Immobilienmaklers William Heming, dem Protagonisten in „Die seltsame Berufung des Mr Heming“, dem ersten in deutscher Übersetzung erschienen Roman des britischen Autors Phil Hogan. Dieser Mr Heming ist davon besessen, in das Leben seiner Kunden einzutauchen und behält deshalb von jedem Objekt, das er vermittelt, einen Satz Zweitschlüssel zurück, der ihm uneingeschränkten Zugang zu deren Häusern und Wohnungen ermöglicht. Anfangs glaubt man noch daran, dass dieses Verhalten lediglich eine eher harmlose Schrulle ist, aber mit zunehmender Dauer wächst sich dies zu einer krankhaften Besessenheit aus, die ihren Höhepunkt erreicht als …. aber halt, ich möchte hier keine Details verraten.

Phil Hogan spielt mit den Lesern und deren Erwartungen. Empfindet man zu Beginn fast noch Mitleid mit Mr Heming, diesem einsamen Mann, der ein Leben aus zweiter Hand lebt, mehren sich mit dem Fortgang der Handlung die Zweifel, bis man am Ende den Protagonisten als das sieht, was er ist.

Durch die Schilderung der Geschehnisse aus der Perspektive der Hauptfigur ist man zwar jederzeit nahe an den Ereignissen, bekommt diese allerdings dadurch auch immer gefiltert präsentiert. Heming sucht nach Verständnis, und in Rückblenden in seine Kindheit und Jugend erhält der Leser zumindest eine Ahnung, warum er so wurde, wie er nun ist.

Skurrilität und schwarzer Humor bestimmen diesen Roman, aber dennoch ist dies meiner Meinung nur auf den ersten Blick eine Krimi-Komödie. Vielmehr lässt uns „Die seltsame Berufung des Mr Heming“ einen Blick in die Seele eines besessenen Voyeurs werfen. Gruselig!


Die Tuchvilla: Roman
Die Tuchvilla: Roman
von Anne Jacobs
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aneinanderreihung von Banalitäten, 5. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Tuchvilla: Roman (Taschenbuch)
Die Welt ist im Umbruch. Es ist die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der das politische Europa in seinen Grundfesten erschüttern wird. Aber auch das gesellschaftliche Gefüge verändert sich durch die fortschreitende Industrialisierung, die sich auch in Deutschland zunehmend durchsetzt. Diejenigen, die die Zeichen der Zeit erkennen und auf diesen rasenden Zug aufspringen, vergrößern ihr Vermögen immens und gewinnen dadurch auch an Macht und Einfluss. Für die Lohnarbeiter und Besitzlosen hingegen wird es immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Johann Melzer gehört zu denen, die es durch die Tuchfabrikation zu beträchtlichem Wohlstand gebracht haben. Er ist ein Selfmade-Man, ein Emporkömmling, nicht mit silbernen Löffeln im Mund geboren, aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit seiner Familie lebt er in Augsburg, dem damaligen Textilzentrum in Süddeutschland. In dessen Haushalt werden immer wieder Dienstboten benötigt, und so findet auch die junge Waise Marie dort eine Anstellung als Küchenmagd.

Zur Familie Melzer gehören neben Alicia, Johanns Gemahlin, die aus einem verarmten Adelsgeschlecht stammt, drei erwachsene Kinder, die sich nur zeitweise zuhause aufhalten: Kitty, das Nesthäkchen, die ohne Standesdünkel den Kontakt zu Marie sucht, Elisabeth, unglücklich in ihrer Liebschaft mit einem schneidigen Leutnant, und Paul, ein Bruder Leichtfuß, der der Küchenmagd den Kopf verdreht. Und dann gibt es noch das Rätsel um Maries Herkunft, die offenbar in irgendeiner Weise mit der Familie ihres Arbeitgebers verbunden ist…

Hier sieht man bereits, dass die Autorin jede Menge Klischees in ihrem Plot verbrät und die Möglichkeiten, die ihr das überaus spannende zeitliche Setting bietet, nur am Rande nutzt. Im Wesentlichen geht es um die banalen Probleme der Bewohner der Tuchvilla und die Geheimnisse, die der Patriarch fein säuberlich unter dem Deckel hält. Eine unglaubliche Menge Füllmaterial (nichtssagende Beschreibungen) bläht die eher magere und vorhersehbare Geschichte auf langatmige 700 Seiten auf, die die wirklich interessanten Aspekte dieser Zeit leider nur am Rande streift.

„Die Tuchvilla“ ist ein typischer Frauenroman, leichte Unterhaltungslektüre. Falls die Leserinnen eine in weiten Teilen vorhersehbare Familiengeschichte mit dazugehörigen Geheimnissen erwarten, werden sie hier gut bedient. Mir war das dann doch zu banal.


Tödliches Bayern: Kriminalfälle aus zwei Jahrhunderten
Tödliches Bayern: Kriminalfälle aus zwei Jahrhunderten
von Robert Hültner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Historie, 20. Dezember 2014
Für sein neues Buch „Tödliches Bayern: Kriminalfälle aus zwei Jahrhunderten“ hat Robert Hültner tief in den Archiven gegraben. Es sind acht historische Kriminalfälle aus dem Zeitraum zwischen 1807 und 2004, die der mehrfach ausgezeichnete Autor der Inspektor Kajetan-Romane ausgewählt und beschrieben hat. Allerdings beschränkt er sich nicht nur auf die reine Schilderung der Verbrechen, sondern schmückt diese dort, wo es ihm angebracht erscheint, glücklicherweise sehr unaufdringlich mit den entsprechenden literarischen Stilmitteln aus.

Die Motive der Täter unterscheiden sich von Fall zu Fall: Liebe und Leidenschaft, Hass und Gier, aber schlussendlich geht es eigentlich immer darum, die eigene Existenz zu sichern. Ob das nun der Pfarrer aus einfachsten Verhältnissen ist, der nicht gewillt ist, die Konsequenzen für sein Verhalten zu tragen und deshalb ohne Skrupel sein Liebchen beseitigt, oder das Dienstmädchen, das eine Anzeige das Leben kostet – all diese Geschichten sind sehr spannend im Kontext des jeweiligen gesellschaftlichen Umfelds zu lesen.

Und genau hier liegt auch die Stärke Hültners, dessen klarer, gradliniger Stil in Kombination mit den regionalen Besonderheiten und den Zwängen, denen die jeweiligen Hauptfiguren ausgesetzt sind, eine perfekte Mischung ergibt. Es sind die einfachen Existenzen, die Besitzlosen, die auf der Strecke bleiben, und denen die Sympathie des Lesers gilt.

Immer spannend, teilweise erschütternd – ursprünglich und regional und keine Werbung für den Fremdenverkehrsverband. Empfehlenswert!


Brötchen, Baguettes und Weizenbrote nach traditionellen Rezepturen: Meine feine Frühstücksbäckerei
Brötchen, Baguettes und Weizenbrote nach traditionellen Rezepturen: Meine feine Frühstücksbäckerei
von Gerhard Kellner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut Ding will Weile haben, 20. Dezember 2014
Jeder Hobbybäcker, der sich im Internet auf die Suche nach klassischen Brot- und Brötchenrezepten begibt, wird unweigerlich über den Ketex-Blog von Gerhard Kellner stolpern. Alternativ dazu kann man natürlich auch eines seiner beiden Backbücher in die Hand nehmen, denn nach dem 2012 veröffentlichten „Rustikale Brote aus deutschen Landen“ steht nun auch mit dem aktuellen „Brötchen, Baguettes und Weizenbrote“ eine weitere Rezeptsammlung zur Verfügung, die sich bewusst für die traditionelle Backweise mit kalter Sauerteigführung einsetzt.

Sollten Sie Backwaren aus hellem Mehl bevorzugen, werden Sie mit Sicherheit fündig, denn Kellner arbeitet mit seinen Rezepten sämtliche Gebiete ab: Croissants, Hörnchen sowie die vielen verschiedenen Brötchensorten aus den deutschen Regionen. Aber auch diverse Brotsorten sind zu finden, wobei der Bogen hier von klassischem Toast über Baguette bis hin zu Fladenbroten mit und ohne Olivenöl reicht. Wer dies alles nicht mag, kann aber auch auf süße Stuten ausweichen.

Jedes einzelne Rezept setzt sich aus einer Vielzahl von Zutaten zusammen, die in sehr gewöhnungsbedürftigen Mengen verwendet werden und mit einer normalen Küchenwaage nicht abzuwiegen sind, da sie sich oft im einstelligen Grammbereich bewegen. Unter der Zugabe von selbst angesetztem Sauerteig muss der Teig lange geführt werden, und gerade die langen Gehzeiten machen aufwendige Planungs-, Vorbereitungs- und Zubereitungszeiten notwendig.

Mit schnell mal Brötchen zum Abendessen backen wird es also nichts, was auch mein Kritikpunkt an diesem Back-Buch ist, denn spontane Zubereitungen sind hier leider nicht möglich. Dazu kommt der immense Zeitaufwand, der für die Realisierung dieser Rezepte notwendig ist, den ich als Berufstätige einfach nicht leisten kann und will. Das beginnt bereits bei der Beschaffung der Zutaten und setzt sich bei den ewig langen Standzeiten des Teigs fort.

Aus meiner Sicht leider nur für Hobbybäcker empfehlenswert, die frei und ohne äußere Zwänge über ihre Zeit verfügen können!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2015 9:50 AM MEST


Die Sterntaler-Verschwörung
Die Sterntaler-Verschwörung
von Jan Seghers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politische Ränkespiele, schmutzige Klüngeleien, Machtgier und Korruption, 15. Dezember 2014
Was im Bereich der deutschen Kriminalromane mit politischem Einschlag Horst Eckert für Düsseldorf und NRW, ist Jan Seghers (Pseudonym des Journalisten Matthias Altenburg) für Frankfurt/M. und Hessen. Mittlerweile sind zehn Jahre seit Veröffentlichung von „Ein allzu schönes Mädchen“, dem ersten Buch der Reihe, in der sich alles um die Fälle von Kommissar Robert Marthaler, dem melancholischen Musikliebhaber, dreht. So auch in dem gerade erst erschienenen „Die Sterntaler-Verschwörung“, in dem der Autor reale politische Ereignisse mit einer spannenden Krimihandlung verbindet.

Für die zeitliche Einordnung: Es geht zurück ins Jahr 2008 - ein dramatisches Jahr für die hessische CDU, die bei den Landtagswahlen eine herbe Schlappe einstecken muss und 12 Prozent der Stimmen verliert. Im engen Kreis des noch amtierenden Ministerpräsidenten werden bereits Intrigen gesponnen, um eine Regierung aus SPD und Grünen um jeden Preis zu verhindern, denn es geht nicht nur um politische Macht, sondern auch um große Summen Geld.

Robert Marthaler kommt ins Spiel, als er auf die Bitte einer Freundin hin nach dem Verbleib einer Journalistin sucht, die offenbar an einer großen Enthüllungsstory arbeitet, aber plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Er findet sie schließlich in einem Hotel, getötet durch einen gezielten Schuss ins Auge. Doch er wird sofort ausgebremst, denn das LKA schaltet sich umgehend in diesen Fall ein und übernimmt offiziell die Ermittlungen. Marthalers Misstrauen ist geweckt, denn offenbar gibt es Kräfte, die auch vor kaltblütigem Mord nicht zurückschrecken, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht.

„Die Sterntaler-Verschwörung“ ist ein politischer Kriminalroman, der aber nicht dröge und trocken daherkommt, sondern äußerst spannend aufgebaut ist. Politische Ränkespiele, schmutzige Klüngeleien, Machtgier und Korruption - diverse Nebenschauplätze lockern das Thema auf und bringen Tempo in die Handlung. Dabei stört es auch nicht sonderlich, dass der Autor vereinzelt mit Klischees arbeitet. Natürlich ist dadurch eine gewisse Vorhersehbarkeit gegeben, was aber durch die interessante und stimmige Charakterisierung der Personen bis in die kleinste Nebenrolle aufgewogen wird.

Ein hochspannender, intelligenter deutscher Krimi, glücklicherweise ohne Regionalaspekt – klare Leseempfehlung meinerseits!


Märzgefallene: Gereon Raths fünfter Fall
Märzgefallene: Gereon Raths fünfter Fall
von Volker Kutscher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zeiten ändern sich, 10. Dezember 2014
Es ist doch immer wieder erfreulich, dass es noch deutsche Autoren gibt, die abseits von Metzelmorden qualitativ hochwertige Kriminalromane schreiben – Volker Kutscher ist einer davon. Seine Reihe um den Berliner Kommissar Gereon Rath umfasst mittlerweile mit dem vor kurzem erschienenen „Märzgefallene“ fünf Bände und zeichnet sich vor allem durch die historische Genauigkeit aus.

Wir schreiben das Jahr 1933, der Reichstag brennt. Die Nationalsozialisten sind noch nicht lange an der Macht, aber haben bereits sämtliche Schlüsselstellen mit linientreuen Mitgliedern besetzt. Diesen Umstrukturierungen des neuen Polizeipräsidenten fällt auch Raths ehemaliger Vorgesetzter Wilhelm Böhm, der unbequeme Querkopf, zum Opfer, weshalb ihm dessen letzter Fall übertragen wird.

Ein Obdachloser ist ermordet worden, ein ehemaliger Soldat, der 1917 an der Operation Alberich in Nordfrankreich teilgenommen hat und bei der es noch immer zahlreiche ungeklärte Fragen gibt. Licht ins Dunkel könnte der Roman „Märzgefallene“ bringe, den der ehemaliger Leutnant von Roddeck geschrieben hat und der nun kurz vor der Veröffentlichung steht. Aber offenbar möchte jemand genau dies um jeden Preis verhindern.

Privat ist Gereon Rath mit erfreulicheren Dingen beschäftigt, steht doch seine Hochzeit mit Charlotte „Charly“ Ritter ins Haus. Aber die politischen Veränderungen werfen ihre Schatten auch ins Private, denn Charly ist wesentlich weitsichtiger als ihr Verlobter und sieht die Gefahren der nationalsozialistischen Herrschaft sehr deutlich, während Rath mit seiner unglaublichen Naivität die Veränderungen um sich herum kaum wahrnehmen will.

Reichstagsbrand, Kommunistenhatz, Bespitzelung und die SA-Hilfstruppe, die sich, obwohl nicht qualifiziert, massiv qua ihrer politischen Zugehörigkeit in die Polizeiarbeit einmischt.

„Märzgefallene“ ist mehr als ein spannender Kriminalroman. Wie bereits in den Vorgängerbänden schafft es Volker Kutscher, das Berlin der damaligen Zeit durch seine exakten Beschreibungen vor den Augen des Lesers auferstehen zu lassen. Man spürt auf jeder Seite die bedrohliche Stimmung, die sich allmählich ausbreitet, das Klima der Angst und die Verunsicherungen der Menschen. Die Zeiten ändern sich, allerdings nicht zum Guten.

Allen Lesern empfohlen, die Kriminalromane mit historischem Hintergrund schätzen.


Punk is Dad
Punk is Dad
von Roddy Doyle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Facetten des Lebens, 10. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Punk is Dad (Gebundene Ausgabe)
Jimmy Rabbitte ist Anfang zwanzig, als er in dem Roman des irischen Autors Roddy Doyle (und nicht zu vergessen die Verfilmung mit Robert Arkins unter der Regie von Alan Parker – ein Highlight unter den Musikfilmen) im wahrsten Sinne des Wortes mit seinen „Commitments“ die Bühne betritt und mit dieser weißen Soulband Dublin rockt.

Mittlerweile ist ein Vierteljahrhundert vergangen und Jimmy ist sesshaft geworden. Noch immer ist er im Musikbusiness tätig, und die Boomjahre der irischen Wirtschaft haben es gut mit ihm gemeint. Und obwohl in der Zwischenzeit die Konjunktur den Bach runtergegangen ist, ist er mit seinen äußeren Lebensumständen fast zufrieden. Das familiäre Umfeld stimmt, seine Ehe ist glücklich und er lebt mit seiner Frau und den vier Kindern in dem (fiktiven) Dubliner Vorort Barrytown. Wenn da nur der Krebs nicht wäre, der in seinen Eingeweiden wühlt.

Wer nun glaubt, dass Roddy Doyles neuer Roman „Punk is Dad“ ins tragische abgleitet, täuscht sich. Natürlich nimmt die Erkrankung des Protagonisten Raum ein, allerdings weniger, dessen Seelenzustände betreffenden als vielmehr die physischen Auswirkungen, die sie auf Rabbite und seine unmittelbare Umgebung haben. Aber es ist nicht nur die Krankheit, die ihm zu schaffen macht – die eigenen Alterserscheinungen, die nicht realisierten Projekte und dann noch die wirtschaftliche Situation seines Heimatlands sind ebenso belastend für ihn.

Die Handlungsorte, die sozial Benachteiligten und ihre Probleme, dazu der dialoglastige Stil und der trockene, schwarze Humor – das sind die Kennzeichen, die die Romane des irischen Autors auszeichnet. Ob Teenagerschwangerschaft oder Arbeitslosigkeit, Doyle nimmt diesen Themen durch seine Art des Schreibens die Spitze. Total absurde Situationen wechseln sich mit hochphilosophischen Gesprächen ab, die alle Facetten des Lebens beleuchten.

„Punk is Dad“ wurde 2013 mit dem Irish Book Award als bester Roman ausgezeichnet und ist eine bewegende Lektüre, die wunderbar leicht daherkommt. Lesen!


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