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Rezensionen verfasst von
Hamlet
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Das vegane Kochbuch: Das Original
Das vegane Kochbuch: Das Original
von Sandra Forster
  Broschiert
Preis: EUR 17,99

5.0 von 5 Sternen Ohne erhobenen Zeigefinger, 20. April 2015
„Das vegane Kochbuch“ von Sandra Forster kommt sehr zurückhaltend daher, was mit Sicherheit daran liegt, dass es erstmalig bereits 2009 erschienen ist und vegane Ernährung damals noch nicht so sehr im Trend lag wie heute. Die Autorin ernährt sich seit zehn Jahren vegan, für sie ist es keine Mode, sondern eine Lebenshaltung.

Und obwohl sie keine Ausbildung im Gastronomiebereich absolviert hat, eröffnet sie das erste vegane Restaurant in München und engagiert sich in einem Ausbildungsbetrieb für Jugendliche mit problematischer Biografie, ähnlich dem „Fifteen“ Konzept von Jamie Oliver.

Die eher einfach gehaltenen Rezepte decken alle Bereiche der Ernährung ab. So findet man neben den üblichen Suppen und Salaten auch diverse Nudel- und Gemüsegerichte sowie Desserts. Aber es gibt auch das eine oder andere Rezept für Salsas und Chutneys, gerade jetzt in der kommenden Grillsaison höchst willkommen. Die Beschaffung der Zutaten ist glücklicherweise kein Problem, denn diese sollten in jedem einigermaßen gutsortierten Bio-/Supermarkt verfügbar sein. Positiv ist mir auf alle Fälle die sparsame Verwendung von Soja- und Ersatzprodukten zugunsten vollwertiger Zutaten aufgefallen. Für mich ein großer Pluspunkt!

Ein gewisses Maß an Kocherfahrung sollte man allerdings haben, wenn man sich an die Zubereitung wagt, denn nicht alle Arbeitsschritte sind im Detail ausgeführt. Vieles wird einfach von der Autorin als bekannt vorausgesetzt. Kein Problem, wenn man schon länger regelmäßig kocht, aber durchaus ein Pferdefuß für Anfänger.

Ergänzend zu den Rezepten gibt es einen Textteil, in dem verschiedene Autoren über Aspekte des Lebens schreiben, die den veganen Bereich tangieren. Außerdem findet sich im Anhang eine Übersicht, in der Begriffe erläutert werden, die zum Thema passen, wie Küchentechniken und Rezeptzutaten. Komplettiert wird dies durch die Aufzählung weiterführender Medien sowie durch eine Adressliste, in der Bezugsquellen für vegane Produkte genannt werden.

Sandra Forster ist nicht auf einer Mission und kommt ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Sie will Bewusstsein schaffen und mit ihren Rezepten vielmehr durch Qualität und Geschmack überzeugen. Und das gelingt ihr.


Engelskalt: Thriller
Engelskalt: Thriller
von Samuel Bjørk
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Story - cooles Team, 20. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Engelskalt: Thriller (Broschiert)
Offenbar sind die skandinavischen Musiker ein äußerst kreatives Völkchen, die neben ihren musikalischen auch noch schriftstellerische Fähigkeiten haben – man denke an Jo Nesbø und das Autorenduo Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist aka Erik Axl Sund. Neu im Bunde ist der norwegische Singer-Songwriter Frode Sander Øien, der unter dem Pseudonym Samuel Bjørk mit „Engelskalt“ seinen ersten Thriller geschrieben hat.

Als ein sechsjähriges Mädchen ermordet und zur Schau gestellt in einem Waldstück aufgefunden wird, bekommt Kommissar Holger Munch den Fall übertragen. Das an dem Leichnam befestigte Schild „Ich reise allein“ gibt ihm Rätsel auf. Hilfe erhofft er sich von seiner suspendierten Kollegin Mia Krüger, die durch ihre ungewöhnliche Sicht der Dinge schon so manch aussichtslosen Fall gelöst hat. Um sie aber wieder ins Boot zu holen, muss er auf die einsame Insel Hitra fahren, auf die sie sich nach ihrer Beurlaubung zurückgezogen hat, um sich mit Alkohol und Tabletten auf den Tag ihres Selbstmords vorzubereiten.

Munch kann sie zur Rückkehr überreden, und gemeinsam mit Gabriel, dem neuen Teammitglied und ausgewiesenen Computerfreak, beginnen sie ihre Ermittlungen. Schnell wird ihnen klar, dass noch weitere Opfer folgen werden, wenn sie nicht zügig zu Ergebnissen kommen. Womit sie aber nicht rechnen ist der Umstand, dass jemand aus ihrem Team in diese Sache hineingezogen wird…

Samuel Bjørk hat in seinem Erstling alles richtig gemacht: Zu Beginn ein kleines Häppchen, damit der Leser ahnen kann, was auf ihn zukommt. Darauf folgt eine detaillierte Einführung seiner Hauptfiguren, die die verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit erfasst, aber nicht langatmig ist. Danach beschreibt er die Ermittlungsarbeit, legt Spuren, die oft genug in einer Sackgasse enden und eine Neuinterpretation erforderlich machen. Aber es gibt auch Erfolge zu verzeichnen, sodass sich nach und nach das Bild verdichtet und der Fall zufriedenstellend gelöst wird.

Eine spannende Geschichte und ein cooles Team – davon möchte ich mehr lesen. Samuel Bjørk ist definitiv ein Autor, den man sich merken sollte!


Die Entführung der Delia Wright: Roman
Die Entführung der Delia Wright: Roman
von Lyndsay Faye
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neues von den ungleichen Brüdern, 16. April 2015
Nach ihrem Umzug nach New York hat sich die amerikanische Autorin Lyndsay Faye für die Stadtgeschichte ihres neuen Wohnorts interessiert und in diesem Zuge auch die Entwicklung des New York Police Departments unter die Lupe genommen. Bisher sind dabei zwei spannende historische Kriminalromane herausgekommen, die sich zum einen mit diesen Anfangsjahren der New Yorker Copper beschäftigen, zum anderen aber auch einen Blick auf das Leben in diesem Moloch werfen.

Nach „Der Teufel von New York“ liegt nun auch der Nachfolgeband „Die Entführung der Deliah Wright“ vor, in dessen Zentrum wiederum die beiden Brüder Valentine und Timothy Wilde zu finden sind, die allerdings auf verschiedenen Seiten stehen. Timothy ist der Gute, „Copper“ der ersten Stunde mit hohen moralischen Grundsätzen. Valentine hingegen ist gewissenlos und nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit, obwohl er ranghöher als sein Bruder ist. Durch seine politischen Aktivitäten ist er in diverse dubiose Geschäfte verstrickt. Sie sind wie Feuer und Wasser, und so ist es kein Wunder, dass es zwischen den Brüdern immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen kommt.

Als am Abend des Valentinstages die Blumenverkäuferin Lucy Adams völlig verstört im Hauptquartier der New Yorker Polizei auftaucht, nimmt sich Timothy ihrer an. Ihr kleiner Sohn und ihre Schwester Deliah sind spurlos verschwunden, und der junge Polizist macht sich auf die Suche nach ihnen. Bei seinen Nachforschungen fördert er Unglaubliches zu Tage. Menschenhändler sind auf der Jagd, die in den Nordstaaten freie schwarze Bürger zuerst entführen und anschließend in die Südstaaten transportieren. Dort verkaufen sie diese dann in die Sklaverei. Schockierend, aber noch schockierender ist die Tatsache, dass diese Verbrecher offenbar von korrupten Politikern geschützt werden…

Es ist ein Schmelztiegel, dieses New York des Jahres 1846, das Lyndsay Faye in „Die Entführung der Deliah Wright“ zum Leben erweckt. Einwanderer aus aller Herren Länder, aber vor allem aus Irland, suchen ihren Platz in einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen an seiner Hautfarbe festmacht. Politiker und Verbrecher machen gemeinsame Sache, solange es sich nur finanziell auszahlt. Ehrliche Bürger und Polizisten wie Timothy kämpfen tagtäglich einen schier aussichtslosen Kampf gegen Gier, Korruption und Gewalt.

All dies beschreibt die Autorin verpackt in einen ebenso spannenden wie informativen Kriminalroman, der auch ein gesellschaftliches Panorama des Alltagslebens in New York Mitte des 19. Jahrhunderts beschreibt. Lesen!


Eat: Das kleine Buch der Fast-Food-Küche
Eat: Das kleine Buch der Fast-Food-Küche
von Nigel Slater
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Bewährtes vom Küchenphilosophen, 16. April 2015
Wer kennt das nicht? Man kommt hungrig nach einem langen Arbeitstag nach Hause und möchte etwas Leckeres essen. Nach Sandwich oder Pizza-Service steht einem nicht der Sinn, also selbst kochen. Für solche Fälle empfiehlt es sich, Eat: Das kleine Buch der Fast-Food-Küche" des englischen Food-Journalisten Nigel Slater zur Hand zu haben. 2013 von der Zeitschrift The Times" als Kochbuch des Jahres ausgezeichnet, ist es eine Komplettüberarbeitung und Ergänzung des bereits vor über zwanzig Jahren erschienenen Real Fast Food" von Slater. Die im handlichen DIN A5-Format erschienene Rezeptsammlung birgt eine Fülle der unterschiedlichsten Gerichte, bei denen sich der zeitliche Aufwand in Grenzen hält. Und das Ergebnis hat mit dem, was üblicherweise mit dem Begriff Fast Food verbunden wird, nichts gemeinsam!

Nach einer Einleitung im Slater-Stil kann es losgehen. In elf Kapiteln stellt der Autor seine Rezepte vor. Die Gliederung ist unüblich und reicht von Aus der Hand" über Unter einer Kruste" bis hin zu Im Dessertschälchen". Bei jedem Rezept folgt einigen einleitenden Sätzen die Auflistung der Zutaten. Exakte Mengenangaben fehlen, diese werden in den jeweiligen Beschreibungen, die fast schon im essayistischen Stil gehalten sind, präzisiert. Es gibt auch Fotos, die allerdings so klein sind, dass sie als Inspirationsquelle und Appetitanreger ausfallen.

Die Realisierung der Rezepte geht leicht von der Hand, und die Zutaten nach der Slaterschen Küchenphilosophie nur als Vorschläge zu verstehen. Von daher ist es unproblematisch, wenn eine exotische Zutat nicht zur Hand ist, denn diese kann man nach Lust und Laune, und den persönlichen Vorlieben entsprechend, ersetzen. Mengenangaben findet man allerdings nur im Rezept, nicht in der vorangestellten Auflistung, sodass man zuerst lesen muss, bevor man anfängt zu kochen.

Sehr hilfreich ist das Register, das die Rezeptsammlung auch nach Zutaten und Zubereitungsarten gliedert. Eine gute Idee, da man vor dem Kochen seine Vorräte checken und dann entscheiden kann, was man daraus macht.

Eat" ist ein schönes Kochbuch mit unkomplizierten Rezepten - bodenständig und inspirierend.


Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation
Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation
von Michael Pollan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kochen und Kultur, 14. April 2015
Was Michael Pollan sagt, wird gehört. So sieht es zumindest das Time Magazine, das den Professor für Journalistik und schreibenden Mitarbeiter der New York Times 2010 unter die hundert einflussreichsten Menschen der Welt gewählt hat. Es sind die Schnittstellen zwischen Natur und Kultur, die Pollan interessieren und die er in seinen populärwissenschaftlichen Sachbüchern genauer unter die Lupe nimmt. Und wenn man sich seine Veröffentlichungen anschaut, kann man folgern, dass ihm ganz besonders das Thema Ernährung am Herzen liegt.

Den ersten Kontakt mit Michael Pollans Food-Philosophie hatte ich bei der Lektüre seines Buches Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte. Goldene Regeln für gute Ernährung". Die Vorbehalte gegen die industrielle Verarbeitung unserer Lebensmittel, die in diesem Titel durchscheinen, teile ich, weshalb mich auch seine neueste Veröffentlichung Kochen: Eine Naturgeschichte der Transformation" sehr interessiert hat.

Kochen ist für Pollan ein essentieller Bestandteil der menschlichen Entwicklung, und er nähert sich diesem Thema über die vier Elemente des Lebens: Feuer, Wasser, Luft, Erde und ihren Einsatz bei der Nahrungszubereitung. Um tiefer in die Materie einzutauchen, sucht er sich Küchenmeister, deren Techniken auf diesen Säulen ruhen. Die Verarbeitung von Fleisch durch Grillen (Feuer) und Schmoren (Wasser), die Herstellung des täglichen Brotes (Luft) sowie die Fermentierung/Vergärung von Feldfrüchten (Erde) durch den Einsatz von Bakterien. Diese Grundtechniken werden ausführlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und vermitteln dem interessierten Leser ein fundiertes theoretisches Wissen.

Zu jeder Technik gibt es ein Rezept (und das bei einer Gesamtseitenzahl von knapp 500 Seiten), aber Pollans Kochen" ist ja auch kein Rezeptbuch, sondern eher eine Mischung aus Philosophie, Historie, Naturwissenschaft und Kulturwissenschaft. Dem Autor liegt vor allem daran, seinen Lesern Informationen an die Hand zu geben, um Interesse an den Lebens"mitteln und den Hintergründen bei deren Zubereitung zu wecken und dadurch den bewussten Umgang damit zu fördern.

Und da mittlerweile Kochsendungen im TV Hochkonjunktur haben und noch immer steigende Zuschauerzahlen vermelden, sollte es für diese Thematik wahrlich genügend Interessenten geben. Michael Pollans "Kochen" ist ein Grundlagenwerk für jeden Koch und jeden Esser - nachdrücklich empfohlen!


Die Magie der kleinen Dinge: Roman
Die Magie der kleinen Dinge: Roman
von Jessie Burton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Bild von Vermeer, 13. April 2015
Welche Möglichkeiten hat eine junge Frau im 17. Jahrhundert, wenn der Vater gestorben ist und vor seinem Tod noch das Familienvermögen durchgebracht hat? Wenn die Familie beschließt, sie mit einem Mann zu verheiraten, der mehr als doppelt so alt wie sie selbst, dafür aber vermögend ist? Richtig vermutet – keine. Ob sie will oder nicht, sie muss sich den Entscheidungen beugen, die andere für sie getroffen haben.

So ergeht es der achtzehnjährigen Petronella Oortman, Hauptfigur in „Die Magie der kleinen Dinge“, dem Erstling der englischen Autorin Jessie Burton. „Nella“, wie sie genannt wird, ist ein naives Mädchen vom Land aus einer verarmten Familie, die mit dem wohlhabenden Amsterdamer Kaufmann Johannes Brandt, verheiratet wird. Die Ehe ist eine Notwendigkeit für den Händler und hat mit Liebe nicht das Geringste zu tun.

Es ist ein freudloses Leben, das Nella nach ihrer Hochzeit in Amsterdam erwartet. Der Ehemann glänzt im Wesentlichen durch Abwesenheit, den Alltag im Herrenhaus organisiert seine verknöcherte, strenge Schwester Marin. Die einzige Abwechslung bietet ihr das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes, eine Nachbildung ihres neuen Heims im Miniaturformat, ein Puppenhaus, das sie auf seine Kosten nach ihren Wünschen ausgestalten darf. Die entsprechenden Lieferungen kommen von einem Miniaturisten, der offenbar bestens mit den Geheimnissen der einzelnen Familienmitglieder vertraut ist und Nella nach und nach intime Informationen über ihre neue Familie liefert…

Jessie Burton erweckt einen längst vergangene Epoche zum Leben, denn beim Lesen drängen sich sofort die Bilder der bekannten niederländischen Maler des 16. und 17. Jahrhunderts auf: Vermeer und Brueghel, deren Darstellungen des Alltags hat sie in Worte umgesetzt.

Aber sie schaut nicht nur auf Äußeres, sondern geht auch bei der Beschreibung der calvinistisch geprägten Gesellschaft in die Tiefe. Auffällig ist die Verbissenheit, mit der jeder Funke Lebensfreude im Keim erstickt werden soll. Aber es gibt immer Möglichkeiten, die unzähligen Verbote zu unterlaufen, und hier ist „Die Magie der kleinen Dinge“ auch ein stückweit ein Emanzipationsroman, der das allmähliche „Erwachen“ der Protagonistin beschreibt. Inwieweit dies allerdings in diesem zeitlichen Kontext tatsächlich möglich war, und nicht nur dem Wunschdenken der Autorin entsprungen ist, sei dahingestellt. Auf alle Fälle wird dadurch der positive Eindruck in keinster Weise geschmälert.


Schamane: Roman
Schamane: Roman
von Kim Stanley Robinson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5.0 von 5 Sternen Eine faszinierende Geschichte aus der Steinzeit, 9. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Schamane: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kim Stanley Robinson wurde vor allem durch seine Science Fiction Romane bekannt. In seinem neuesten Roman „Schamane“ stößt er nun nicht in zukünftige Welten vor, sondern taucht in die Anfänge des „modernen Menschen“ ab. Den zeitlichen Rahmen bildet das Jungpaläolithikum (ca. 30.000 v. Chr.), die Neandertaler werden allmählich von den Cro-Magnon-Menschen abgelöst, der Handlungsort liegt irgendwo in Europa. Vielleicht in der Dordogne, wo man noch heute die Höhlen von Lascaux mit ihren außergewöhnlichen Höhlenmalereien besichtigen und eine vage Vorstellung vom Leben in diesen Zeiten bekommen kann (sehr empfehlenswert!).

Hauptfigur ist ein Junge, zwölf Jahre alt und elternlos. Sein Name ist „Eistaucher“, und er lebt bei der Heilerin und dem Schamanen des Stammes, dessen Amt er eines Tages übernehmen soll. Dazu bedarf es bestimmter Fähigkeiten und Talente, die sowohl getestet als auch geschult werden müssen. Zu diesem Zweck muss sich Eistaucher einem Initiationsritus unterziehen: er muss hinaus in die Wildnis, die das Lager des Stammes umgibt. Dort muss er ohne Hilfe überleben und sich gegen die Gefahren behaupten, aber gleichfalls auch eins mit der Natur werden - die australischen Aborigines würden es „den Traumpfad gehen“ nennen…

Das ist die Ausgangssituation in Kim Stanley Robinsons „Schamane“, der fast schon ein populärwissenschaftliches Sachbuch in der Form eines historischen Romans ist und die Lebensbedingungen der europäischen Steinzeit beschreibt. Am Einzelschicksal von Eistaucher zeigt er nicht nur die Entwicklung eines Individuums, sondern auch die Veränderungen innerhalb einer Stammesgesellschaft. Und das macht der Autor äußerst bildhaft und mit unzähligen Informationen gespickt, die den interessierten Leser animieren, Teilaspekte herauszugreifen, um diese zu überprüfen und gegebenenfalls zu ergänzen.

Die eher ruhige, unaufgeregte Erzählweise stört in diesem Falle nicht, sondern passt zu den Schilderungen. So entsteht ein atmosphärisch dichtes, stimmiges Gesamtwerk über eine ungeheuer spannende Epoche in der Menschheitsgeschichte. Lesen!


Die Königin der Orchard Street: Roman
Die Königin der Orchard Street: Roman
von Susan Jane Gilman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine amerikanische Karriere, 8. April 2015
Wer im Zuge eines New York-Aufenthaltes die Möglichkeit hatte, das „Tenement Museum“ zu besuchen, bekommt eindringlich die Lebensbedingungen der Einwanderer zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor Augen geführt. Es befindet sich in der Orchard Street, dem Zentrum der Lower East Side, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Anlaufpunkt für Immigranten aus aller Herren Länder war. So auch für unzählige jüdische Familien, die dem entbehrungsreichen Leben in Russland entfliehen, um in Amerika ihr Glück zu machen und ein Auskommen für sich und ihre Familie zu erwirtschaften.

Die Amerikanerin Susan Jane Gilman, Sachbuchautorin und Journalistin, beschreibt in ihrem ersten Roman „Die Königin der Orchard Street“ die Geschichte eines Mädchens, für das der amerikanische Traum Wirklichkeit wurde.

Malka Treynovsky durchläuft im Jahr 1913 als Sechsjährige mit ihrer Familie die Prozeduren auf Ellis Island, die jeder Einwanderer erdulden muss. Ihre Familie findet Unterschlupf in der Orchard Street und hofft auf die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Aber noch ist von den gebratenen Tauben, die einem in Amerika in den Mund fliegen, weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen bestimmt nagender Hunger und Verzweiflung den Alltag. Die Mutter ist kaltherzig, der Vater macht sich eines Tages aus dem Staub, und Malka lebt quasi auf der Straße, wo sie sich mehr schlecht als recht durchschlägt. Bis zu dem Tag, als ihr das Pferd des italienischen Eismanns Mr Dinello bei einem Unfall Hüfte und Bein zertrümmert…

Was auf den ersten Blick eine Katastrophe scheint, entpuppt sich für Malka als großes Glück, denn das schlechte Gewissen des Unfallverursachers führt dazu, dass er sie quasi adoptiert und als Familienmitglied aufnimmt. Ihre Lebensumstände verändern sich kaum, auch in dieser Familie ist die Armut allgegenwärtig. Aber sie hält die Augen offen und lernt. Lernt, wie man Eiscreme herstellt, womit der Grundstein für ihr späteres Imperium gelegt ist.

Als alte Frau muss Malka, die mittlerweile ihren Namen in Lilian Dunkel geändert hat und als Amerikas Eiscreme-Königin bekannt ist, sich vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten. Und sie blickt zurück auf ihr Leben, reflektiert, wie und warum sie an diesen Punkt gekommen ist, an dem sie sich jetzt befindet…

Es ist ein Schicksal, wie es wahrscheinlich Tausende in Amerika gibt, an dem uns die Autorin mit ihrem Roman teilhaben lässt. Wenn man sich das entbehrungsreiche Leben der Protagonistin anschaut kann man gut verstehen, warum sie so wurde, wie sie jetzt ist. Sie ist nicht sympathisch, das ganz gewiss nicht, aber sie hat es aus eigener Kraft nach oben geschafft. Und dafür gebührt ihr Hochachtung.

Wer sich für die Geschichte der Einwanderer in den USA interessiert, sollte diesen Roman lesen. Und falls er einmal nach New York kommt, das „Tenement Museum“ in der Lower East Side besuchen.


Wer im Dunkeln bleibt: Roman (Die Kincaid-James-Romane, Band 16)
Wer im Dunkeln bleibt: Roman (Die Kincaid-James-Romane, Band 16)
von Deborah Crombie
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch Autoren dürfen ausgetretene Pfade verlassen!, 8. April 2015
Die Bombenexplosion in einem der größten Londoner Bahnhöfe St Pancras ist der Ausgangspunkt für „Wer im Dunkeln bleibt“, dem sechzehnten Band der Gemma James/Duncan Kincaid-Reihe der amerikanischen Autorin Deborah Crombie, die wie Elizabeth George die Handlungsorte ihrer Krimis in England angesiedelt hat. Und wie diese beschränkt sie sich nicht nur auf die Schilderung des Kriminalfalls und dessen Aufklärung, sondern legt ebenso großes Augenmerk auf die Beschreibung der persönlichen Situation ihrer Protagonisten. Etliche Leser bemängeln dies, nehmen doch die Schilderungen des Familienlebens mittlerweile großen Raum in diesen Romanen ein. Allerdings steht auf dem Cover unter dem Titel auch nicht Krimi, sondern Roman, weshalb ich davon ausgehe, dass man als Fan der Reihe eigentlich weiß, was einem erwartet, wenn man ein Buch von Crombie in die Hand nimmt. Und ja, auch Autoren dürfen ausgetretene Pfade verlassen und Neues ausprobieren.

Nach seiner Versetzung nach Camden muss sich DS Duncan Kincaid mit einem Bombenanschlag auf einem der größten Londoner Bahnhöfe St Pancras beschäftigen. Und es geht hierbei nicht nur um Sachschaden, denn bei der Explosion gibt es mehrere Opfer. Es gilt zu untersuchen, ob die Gruppe um Ryan March, der sich unter den Toten befindet, für den Anschlag verantwortlich ist, oder ob das Attentat einen terroristischen Hintergrund hat. Aber vielleicht war es ja auch ein Mordanschlag aus persönlichen Gründen?

Gemma James kümmert sich derweil um den Fall eines zwölfjährigen Mädchens, das entführt, missbraucht und schließlich ermordet aufgefunden wurde. Es gibt einen dringend der Tat Verdächtigen, und Gemma ist auf der Suche nach Motiven, um diesen festzunageln und den Fall wasserdicht zu machen…

Daneben nehmen sich die häuslichen Probleme ihrer Kinder, die verzweifelt versuchen, ein Heim für eine heimatlose Katze samt deren Jungen zu finden, doch äußerst banal aus.

Wie bereits eingangs erwähnt, schafft es Deborah Crombie einmal mehr, die perfekte Balance zwischen Verbrechen und Familiengeschichte zu finden und dadurch ihre Protagonisten menschlich zu zeichnen. Deren Leben definiert sich eben nicht nur durch ihr berufliches Engagement, sondern auch durch die Verantwortungen, die sie in ihrem persönlichen Bereich übernommen haben.

Eine Leseempfehlung für diejenigen, die es lieber unblutig mögen und auf Serienkiller-Gemetzel zugunsten detaillierter und atmosphärischer Schilderungen verzichten können.


A Tavola!: Die echte Cucina Italiana für zu Hause
A Tavola!: Die echte Cucina Italiana für zu Hause
von Christian Henze
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr leckere und unkomplizierte Rezepte, 8. April 2015
Von Christian Henze, dem bayerischen Sternekoch, gibt es mittlerweile zahlreiche Kochbücher. Seine Schwerpunkte liegen zum einen auf der Zubereitung regionaler Spezialitäten, zum anderen hat er aber auch ein Faible für die mediterrane Küche. Zu letzterem passt „A Tavola“ aus dem Südwest Verlag, in dem Henze die echte „Cucina Italiana“ in deutsche Küchen bringt. Dabei setzt er um, was viele Hobbyköche aus dem Italienurlaub kennen dürfen: typische Produkte der jeweiligen Region auf unkomplizierte Art zubereitet, sodass am Ende ein ehrliches, wohlschmeckendes Gericht auf dem Tisch steht.

Die Gliederung des Kochbuchs orientiert sich an der üblichen Speisefolge, in der die Italiener essen: Vorspeisen, Zwischengang, Hauptgericht, Dessert. Henze unterteilt in Antipasti, Pasta, Pizza (wobei dies eher ein Zugeständnis an die deutschen Gaumen ist, da in Italien meist als Resteverwertung verwendet), Verdure, Pesce, Carne, Dolci.

Die Zutatenliste der einzelnen Rezepte ist übersichtlich und in jedem gutsortierten Supermarkt erhältlich. Und da es mittlerweile auch außerhalb der Großstädte Lebensmittelläden gibt, die typisch italienische Produkte führen, sollte es auch möglich sein beispielsweise Salsicce (rohe Bratwürste mit Fenchelsamen gewürzt) zu bekommen. Aber dort, wo es kritisch sein könnte, bietet Henze jeweils Alternativen an, die den Geschmack des Gerichts nur unwesentlich verändern.

Die Rezepte werden auf farbigen Doppelseiten präsentiert, wobei eine Seite für die Beschreibung, die andere für appetitanregende Fotos des Gerichts verwendet wird. Was mich allerdings stört, ist die Dauerpräsenz des Kochs auf den Fotografien zur Einleitung der jeweiligen Kapitel. In einem Kochbuch sollte das Essen und nicht der Koch im Mittelpunkt stehen. Wenn man aber darüber hinwegsieht, ist „A Tavola“ eine alltagstaugliche Rezeptsammlung unkomplizierter Gerichte, die Abwechslung und den Geschmack Italiens auf den Tisch bringt.
Zum Nachkochen empfehle ich Hähnchensaltimbocca mit Zitronenkartoffeln, gegrilltes Fischfilet mit Kartoffelpüree Toskana und den Schokoladenkuchen mit Amarettosahne – geht schnell und ist richtig lecker!


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