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Rezensionen verfasst von
Hamlet
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Skagboys: Roman
Skagboys: Roman
von Irvine Welsh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Wie sie wurden was sie sind, 2. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Skagboys: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer erinnert sich nicht an "Trainspotting", den schockierenden, 1993 erschienenen Klassiker der Underground-Literatur? "Skagboys" der neue Roman des schottischen Autors Irvine Welsh, ist das dazugehörige Prequel und zeigt die Ursachen und Umstände auf, die die Protagonisten zu dem gemacht haben, was sie dann schlussendlich geworden sind.

Handlungsort ist das Schottland der achtziger Jahre, die Städte Leith und Edinburgh. Die Wirtschaft liegt am Boden, und die Premierministerin Maggie Thatcher, auch bekannt als die "Eiserne Lady" regiert mit harter Hand. Die Einschnitte ins soziale Netz werden immer tiefer und die Politik kümmert sich nur noch um die Besitzenden, die ihren Wohlstand auf Kosten derjenigen vermehren, die eh kaum etwas ihr eigen nennen können. Die Situation der jungen Erwachsenen ist verfahren, es gibt keine Perspektive, und trotz ordentlicher Ausbildung bleibt den meisten am Ende nur die Arbeitslosigkeit und Armut. Warum sich dann anstrengen?

Auch Mark Renton und seine Freunde Sick Boy, Spud und Franco gammeln herum und leben planlos in die Tage hinein, deren Eintönigkeit lediglich durch Alkoholexzesse und den einen oder anderen Joint unterbrochen wird. Ab und zu ein Bruch, damit die harten Drogen wie "Skag" (= Heroin), die allmählich ins Spiel kommen, finanziert werden können. Und damit ist der völlige Absturz dieser Clique bereits vorherbestimmt. Wie es dann mit den Freunden weitergeht, kann man in "Trainspotting" lesen.

"Skagboys" setzt sich aus einer Vielzahl verschiedener Einzelepisoden zusammen, in deren Mittelpunkt die Protagonisten stehen. Teils banal, teils tragisch, aber immer sehr intensiv. Offenbar erinnert sich Irvine Welsh noch gut an diese Zeit, die die Gesellschaft im Vereinigten Königreich nachhaltig geprägt und verändert hat und deren Auswirkungen noch bis in die Gegenwart zu spüren sind.

Der Roman ist mit 830 Seiten sehr umfangreich, und mit Sicherheit ist auch einiges Material eingearbeitet, das nicht unbedingt dem Fortgang der Erzählung dient. Aber der Autor hat sich mit Sicherheit etwas dabei gedacht, denn um den Zeitgeist und die Protagonisten mit all ihren Facetten zu erfassen, sind auch diese Passagen notwendig.

Irvine Welsh behandelt brisante Themen und gibt den gesellschaftlichen Außenseitern und denen, die ganz unten angekommen sind, eine Stimme. Ein beeindruckendes Buch und gleichzeitig ein gesellschaftspolitisches Statement. Eindringlich empfohlen!


Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman
Montags sind die Eichhörnchen traurig: Roman
von Katherine Pancol
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3.0 von 5 Sternen Krokodile, Schildkröten und Eichhörnchen, 2. Februar 2014
Zuerst Krokodile mit gelben Augen, dann Schildkröten, die Walzer tanzen und nun traurige Eichhörnchen - in puncto außergewöhnliche Buchtitel nehmen die Bücher der französischen Autorin Katherine Pancol ohne Frage Spitzenplätze ein.

Mit "Montags sind die Eichhörnchen traurig" schließt Pancol die Trilogie um Josephine und ihre Familie ab, und im Vergleich zu den beiden vorherigen Bänden der Trilogie ist dieser Teil mit über achthundert Seiten der umfangreichste. Was den Inhalt angeht, kann man das aber nicht wirklich behaupten, denn an Handlung wird nicht viel geboten.

Noch einmal werden Josephines Beziehungen zu den diversen Familienmitgliedern und deren Irrungen und Wirrungen im Liebesleben beschrieben. Breiten Raum nimmt vor allem ihr Umgang mit dem tragischen Tod ihrer Schwester Iris, für deren verwitweten Mann Philippe sie tiefe Gefühle hegt, ein. Dazu kommt ein neues Buchprojekt Josephines, wofür sie aber bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie in den Mülltonnen ihres Wohnkomplexes ein altes Tagebuch findet, das offenbar ein junger Mann geschrieben hat, der in den sechziger Jahren nach Paris kommt, keine Ideen hat.

Aber das Hauptaugenmerk der Autorin liegt auf Josephines Tochter Hortense und deren Karriere, die einen breiten Raum der Handlung einnimmt. Allerdings lesen sich gerade diese Passagen eher wie Variationen über das Thema, denn so oder so ähnlich kennen wir das bereits aus der persönlichen Historie der Hauptfigur. Weiterhin gibt es ein Wiedersehen mit Zoe, Shirley, Gary, Junior sowie der unangenehmen Mutter Josephines.

Keine Frage, stilistisch spielt Katherine Pancol in der oberen Liga. Ihr Umgang mit Sprache bedarf absolut keiner Kritik, ebenso wenig wie ihr liebevoller und differenzierter Umgang mit ihren Personen. Ermüdend sind allerdings die langatmigen Reflexionen, die epischen Wiederholungen, die zum Überblättern ganzer Passagen verleiten - und dennoch hat der Leser nicht den Eindruck, er hätte etwas Wesentliches verpasst.


Doctor Sleep: Roman
Doctor Sleep: Roman
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

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5.0 von 5 Sternen Großartiges Kino des Altmeisters, 26. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Doctor Sleep: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie oft fragt man sich, wenn man ein Buch beendet, was mit den Figuren in einigen Jahren sein wird? Nehmen wir einmal "Shining", den Klassiker Stephen Kings, in der der kleine Danny mit seinem Dreirad durch die Flure des Overlook Hotels fährt, während das Böse Besitz von seinem Vater ergreift und dieser allmählich zu einem bösartigen Psychopathen mutiert. Ob der kleine Junge diese Erlebnisse wohl verarbeiten und ein "normales" Erwachsenenleben führen kann? Mit "Doctor Sleep" führt Stephen King "Shining" fort und zeigt uns, was aus Danny geworden ist.

Dieser hat die paranormalen Fähigkeiten, aber auch die Alkoholsucht seines Vaters geerbt, die er aber mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker bezwingt. Und bei seiner Arbeit in einem Hospiz kann er das Shining positiv einsetzen und den Sterbenden als "Doctor Sleep" ihren letzten Gang erleichtern. Parallel dazu sind die Mitglieder der Sekte "Der Wahre Knoten" mit ihrer Anführerin Rose auf den Straßen Amerikas unterwegs, auf der Suche nach Menschen mit diesen besonderen Fähigkeiten, da sie sich von diesen Energien ernähren und damit ihre Lebenszeit ins Unermessliche ausdehnen können. Sie sind hinter Abra her, einem Mädchen, das offenbar mächtige Kräfte besitzt. Und offenbar hat Danny eine besondere Verbindung zu diesem Mädchen, denn sie nimmt telepathisch Kontakt zu ihm auf, und er spürt, dass er eingreifen und ihr zur Hilfe eilen muss.

Ein gewagtes Unternehmen, auf das sich Stephen King mit dieser Fortsetzung einlässt, denn natürlich misst man dieses Buch an dem Vorgänger. Aber es funktioniert, denn der Autor hat seine Leser bereits nach den ersten Seiten wieder am Haken. Schon nach den ersten Zeilen ist die Handlung von "Shining" wieder präsent und man ist begierig zu lesen, was im weiteren Verlauf geschieht.

Natürlich arbeitet King mit bekannten Mustern, und natürlich ist die Handlung im Groben vorhersehbar, aber dennoch mindert dies in keinster Weise die Spannung. Seine Figuren sind so greifbar wie eh und je, die Bedrohung in jeder Zeile so spürbar, dass man sich kaum von der Lektüre losreißen kann.

Ein Pageturner, wie er im Buche steht, den ich in einem Rutsch gelesen habe. Großartiges Kino des Altmeisters!


Settlers Creek: Roman von Nixon. Carl (2013) Gebundene Ausgabe
Settlers Creek: Roman von Nixon. Carl (2013) Gebundene Ausgabe
von Nixon. Carl
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Grandios erzählt!, 24. Januar 2014
"Settlers Creek" ist nach dem im Vorjahr in der deutschen Übersetzung erschienenen "Rocking Horse Road" der zweite Roman des neuseeländischen Autors Carl Nixon (plus "Guardians of Mother Earth" - Roman für Jugendliche aus dem Jahr 1997).

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Mark, der neunzehnjährige Adoptivsohn von Box Saxton, wird tot aufgefunden. Er hat Selbstmord begangen. Natürlich soll er im Familiengrab beerdigt werden, aber kurz vor der Beisetzung taucht der Maori Tipene auf, sein leiblicher Vater, der sich noch nie um den Jungen gekümmert hat, und reklamiert den Leichnam für sich, um ihn in dem Grab der Ahnen zu bestatten. Das können und wollen Box und seine Frau natürlich nicht zulassen, woraufhin Tipene sich mit Hilfe von Verwandten der Leiche bemächtigt und quasi entführt. Aber Box gibt nicht klein bei, sondern macht sich auf, seinen toten Sohn zurück nach Hause zu holen.

Auf den ersten Blick lässt sich die Geschichte auf die Streitereien zweier Väter reduzieren, die sich nicht über Begräbnismodalitäten einigen können. Aber es steckt noch wesentlich mehr in dieser Auseinandersetzung, geht es doch auch um die unterschiedlichen Werte und Vorstellungen, die zwei verschiedenen Kulturen haben. Repräsentiert werden diese durch Box Saxton, der von den weißen Siedlern abstammt, und durch den Ureinwohner Tipene, der sich bei wichtigen Entscheidungen noch immer von den spirituellen Traditionen der Maori führen lässt. Es ist diese starke Verbindung zu dem Land ihrer Ahnen, die beide Männer geprägt hat, denn auch Box verbindet bestimmte Erinnerungen und Emotionen mit Orten, die für ihn im Laufe seiner persönlichen Historie wichtig sind/waren. Und die Gewichtung, wessen Gefühle authentischer und wahrhaftiger sind, das steht uns als Leser nicht zu.

Ein weiterer Aspekt in der Beziehung der beiden Männer ist ihre jeweilige materielle Situation. Üblicherweise würde man vermuten, dass Tipene derjenige ist, der am Rande des Existenzminimums lebt, aber weit gefehlt. Er hat sein Leben im Griff und sein Auskommen ist gesichert. Box hingegen, einst erfolgreich als Bauunternehmer und Immobilienmakler, hat bei der Finanzkrise alles verloren und schlägt sich als einfacher Bauarbeiter durch. Und das einzige, was ihm geblieben ist, ist seine Familie und die Erinnerung an frühere Zeiten, die nicht vom Kampf ums Überleben bestimmt waren.

Carl Nixon geht sehr sensibel mit diesen Themen um und erlaubt seinen Lesern einen Blick auf die Innenansicht der beiden Männer, deren Handeln einerseits von der Trauer um den Sohn und andererseits von der Bindung an Traditionen bestimmt ist. So vorsichtig, aber dennoch ausdrucksstark erzählt, dass die Schilderungen dieser großen Emotionen einen bleibenden Eindruck bei dem Leser hinterlassen.


Shakespeares ruhelose Welt
Shakespeares ruhelose Welt
von Neil MacGregor
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

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5.0 von 5 Sternen Einblicke in das Elisabethanische Zeitalter, 24. Januar 2014
Ab 1987 ist Neal MacGregor Direktor der National Gallery in London, einer der bedeutendsten Gemäldegalerien der Welt mit einer herausragenden Sammlung. Im Jahr 2002 übernimmt er den Direktorenposten im Britischen Museum.

Durch die Veröffentlichung seines Buches "Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten" bringt er erstmals sehr erfolgreich Exponate dieses Museums einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein. Mit dem nachfolgenden Band "Shakespeares ruhelose Welt" greift er nun einen Zeitraum der englischen Geschichte heraus, der durch die Verknüpfung mit diesem bedeutenden Dramatiker, der im kommenden April seinen 450. Geburtstag feiern wird, zusätzlich im Fokus des Interesses steht. Dennoch gibt es hier ein großes "Aber", denn wer glaubt, Neues über Shakespeare bzw. den aktuellen Stand der Forschung zu erfahren, wird enttäuscht sein.

Stattdessen erfährt der Leser anhand der vorgestellten Gegenstände viele interessante Einzelheiten über das Leben im Elisabethanischen Zeitalter, seien es nun kulturelle, politische oder gesellschaftliche Aspekte, die uns MacGregor nahe bringt. Es ist der Höhepunkt der Renaissance sowie der englischen Literatur, und hier schließt sich der Kreis wieder, denn kaum ein anderer Dichter als Master William wirkt hier als Repräsentant und Chronist dieser Zeit, der die unterschiedlichsten Facetten des gesellschaftlichen Lebens in seinen Stücken verarbeitet.

Zwanzig verschiedene Gegenstände sind es, auf die der Autor sein Augenmerk richtet, und mit deren Hilfe er diese spannungsreiche und unruhige Epoche vor den Augen seiner Leser auferstehen lässt. Zusätzlich gibt es die passenden Fotografien zu den Objekten, die das Geschriebene zusätzlich veranschaulichen. MacGregor stellt zusätzlich, dem Titel geschuldete Bezüge zu Shakespeares Stücken her, in denen er zusätzliche Informationen zum zeitlichen Kontext gibt.

Eine wahre Fundgrube für jeden historisch interessierten Leser und ein wunderschönes Buch, in dem man immer wieder blättern kann. Und durch die verschiedenen Bereiche, die angesprochen werden, fordert es fast schon dazu auf, sich intensiver mit den angesprochenen Themen und den Werken des Dramatikers zu beschäftigen.


Der Ruf des Kuckucks: Roman
Der Ruf des Kuckucks: Roman
von Robert Galbraith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassischer englischer Kriminalroman, 17. Januar 2014
"Der Ruf des Kuckucks" ist der zweite Roman von Joanne K. Rowling in ihrer Nach-Fantasy-Ära. Ursprünglich unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht, wollte die Autorin damit eventuell ausloten, ob es für sie auch möglich ist, durch die Presse als Schriftsteller(in) "neutral" und jenseits der erfolgreichen Harry Potter-Reihe bewertet zu werden und wie das Urteil dann ausfällt. Da allerdings durch eine Indiskretion das Pseudonym vorzeitig gelüftet wurde, kann man dieses Vorhaben leider als gescheitert betrachten, denn fast in jeder Rezension, die ich bisher zum "Kuckuck" gelesen habe, werden Vergleiche mit den Harry Potter-Büchern angestellt. Dies ist allerdings meiner Meinung nach nicht zulässig, bedient die Autorin doch hier zwei völlig unterschiedliche Genres. Vergleichen kann man aber die Qualität von J. K. Rowling hier und dort als Erzählerin, und hier hält "Der Ruf des Kuckucks" jedem Vergleich mit ihrer Jugendbuch-Reihe stand.

Der Winter hat London fest im Griff, als das Top-Model Lula Landry auf dem verschneiten Balkon ihrer Penthouse-Wohnung im Nobelviertel Mayfair ausrutscht und in die Tiefe stürzt. Die Polizei untersucht den Vorfall und kommt zu dem Ergebnis, dass Fremdeinwirkung ausgeschlossen werden kann und es entweder ein tragischer Unfall oder Selbstmord war. Damit will sich der Landrys Bruder John Bristow aber nicht zufriedengeben und bitten den Privatdetektiv Cormoran Strike, Nachforschungen anzustellen und die Wahrheit zu enthüllen. Unterstützt von seiner Aushilfssekretärin Robin macht er sich an die Arbeit und taucht in die Welt der Reichen, Schönen und Verlogenen ein.

Joanne K. Rowling hat mit "Der Ruf des Kuckucks" einen Kriminalroman geschrieben, der fast schon klassisch wirkt, denn gerade in der Anfangssequenz, wenn sie ihre Protagonisten und die Ausgangssituation vorstellt, hat man den Eindruck in einem Noir-Klassiker mit Dickens-Personal und Christie-Flair gelandet zu sein. Und je tiefer man in das Geschehen einsteigt, desto klarer treten die Stärken dieses Romans zutage, die in den detailliert gezeichneten Personen und der intelligent angelegten Geschichte liegen.

"Der Ruf des Kuckucks" ist ein Krimi, auf den der Leser sich einlassen muss und der sich nicht für die schnelle, an der Handlung entlang lesende Lektüre eignet. Die Autorin ist nicht auf reißerische Effekte mit Ekelfaktor aus, sondern vertraut glücklicherweise auf ihr Erzähltalent. Und sie tut gut daran, denn die Art und Weise, in der sie ihren Protagonisten Cormoran Strike schlussendlich die im Laufe seiner Ermittlung gesammelten Informationen zusammenfügen, die Lügen entlarven und so den Fall Lula Landry auflösen lässt, ist schon äußerst gekonnt und erfordert einiges Geschick.

Mich hat Robert Galbraiths aka Joanne K. Rowlings Buch auf alle Fälle überzeugt, und der nächste Fall von Cormoran Strike und seiner patenten Assistentin Robin Ellacott ist bereits fest eingeplant!


Bienensterben
Bienensterben
von Lisa O'Donnell
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Coming-of-age in Glasgow, 14. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Bienensterben (Broschiert)
"Bienensterben" ist der erste Roman der Autorin Lisa O'Donnell, die in den USA bisher vor allem als Verfasserin von Drehbüchern, die mit Auszeichnungen bedacht wurden, bekannt ist.

Es ist Heiligabend in Glasgow, als die beiden Schwestern Marnie und Nelly im Garten ein großes Loch ausheben. Darin wollen sie ihre toten Eltern begraben, da der Verwesungsgeruch der beiden Leichname sich mittlerweile im gesamten Haus ausbreitet und kaum mehr auszuhalten ist. Ihre Trauer über deren Tod hält sich in Grenzen, denn die beiden Junkies und Alkoholiker, Mutter Isabel und Vater Eugene, waren für die Mädchen nicht unbedingt das, was man sich unter liebenden und fürsorglichen Eltern vorstellt.

Marnie und Nelly sind von frühester Kindheit an aufeinander fixiert und kümmern sich umeinander. Mittlerweile sind die beiden Geschwister fünfzehn und zwölf Jahre alt und so verschieden, wie zwei Menschen nur sein können: Marnie, frühreif, temperamentvoll und abgebrüht, ergreift die Initiative, Nelly, hochbegabt, naiv, sensibel, vielleicht auch autistisch, unterstützt ihre große Schwester. Und dann gibt es da noch Lennie, den wegen seiner sexuellen Orientierung geächteten Nachbarn, der die beiden schließlich unterstützt und sich um sie kümmert. Und bei ihm lernen die Mädchen erstmals ein von Regeln, Liebe und Fürsorge geprägtes Familienleben kennen. Aber auch das scheint nicht von Dauer zu sein...

Eine beeindruckende und über weite Strecken erschütternde Geschichte vom Erwachsenwerden, die Lisa O'Donnell in "Bienensterben" erzählt. Marnie und Nelly stehen exemplarisch für jene Kinder, die ohne Liebe und in Armut aufwachsen, von ihren Eltern vernachlässigt und sich selbst überlassen werden, aber mit Eigeninitiative und dank der Hilfe einer guten Seele, in diesem Falle Lennie, es schaffen, sich aus diesem Sumpf zu befreien.

O'Donnell lässt die drei Hauptfiguren des Romans, Marnie, Nelly und Lennie, die Ereignisse aus ihrer eigenen Sicht erzählen und kommentieren, wobei die jeweiligen Kapitel relativ kurz gehalten sind. Aber trotz der ernsthaften Thematik schafft es die Autorin, besonders durch den lockeren Tonfall der beiden Mädchen, diese eher schwere Kost für den Leser leichter verdaulich zu machen.

Ein wunderbares, zu Herzen gehendes Buch, dem ich viele Leser wünsche!


Germania: Roman
Germania: Roman
von Harald Gilbers
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein jüdischer Kommissar ermittelt im Dritten Reich, 12. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Germania: Roman (Taschenbuch)
"Germania" ist ein Begriff, der von den Nationalsozialisten geprägt und von Hitler und Speer für ihr Projekt der architektonischen Umgestaltung der Reichshauptstadt Berlins in die Hauptstadt des großgermanischen Reichs verwendet wurde.

In dem gleichnamigen historischen Kriminalroman von Harald Gilbers bezeichnet dies den Handlungsort, der Handlungszeitraum erstreckt sich von Anfang Mai bis Ende Juni 1944. Es sind die letzten Wochen des Dritten Reichs und die Berliner leiden unter den Bombenangriffen, die bereits weite Teile der Stadt zerstört und unzählige Opfer gefordert haben. Die jüdische Bevölkerung sieht sich aber einer weit größeren Gefahr ausgesetzt, denn jeder einzelne von ihnen muss tagtäglich mit der Verhaftung und der nachfolgenden Deportation in eines der zahlreichen Konzentrationslager rechnen.

So auch der ehemalige jüdische Kommissar Richard Oppenheimer, der, obwohl äußerst erfolgreich in seinem Beruf, wegen seiner Herkunft aus dem Polizeidienst entlassen wurde und seine Ängste nur noch mithilfe von Barbituraten in Schach halten kann. Zur gleichen Zeit wird Berlin von einem Serienmörder heimgesucht, der seine weiblichen Opfer brutal abschlachtet und deren Leichname der Öffentlichkeit an Kriegerdenkmälern präsentiert. Die einzige Gemeinsamkeit, die diese Frauen haben, sind ihre Verbindungen zur NSDAP. Mit dem Fall betraut ist SS-Hauptsturmführer Vogler, der bei seinen Ermittlungen aber auf der Stelle tritt und deshalb Oppenheimer um Mithilfe ersucht. Mit zwiespältigen Gefühlen stimmt er zu und macht sich an die Aufklärung der Mordserie.

In seinem Erstling "Germania" präsentiert der Autor Harald Gilbers seinen Lesern einen hochspannenden Kriminalfall, der sich wohltuend von der Masse der üblichen Serienmörder-Kriminalromane abhebt. Das liegt zum einen an dem bis ins Detail ausgefeilten Handlungsverlauf, zum anderen aber, und das scheint mir hier entscheidend, an der Art und Weise, in der hier der historische Hintergrund präsentiert wird.

Gilbers beschreibt die Atmosphäre der letzten Kriegstage in dieser geschundenen Stadt sehr anschaulich und präzise, verliert sich aber nicht in Einzelheiten, deren Zweck lediglich darin besteht, die Seiten zu füllen. Jeder Satz hat seine Berechtigung orientiert sich nahe an den historischen Fakten, die der Autor offenbar sehr genau recherchiert hat. Sehr wohltuend ist es auch, dass er auf die voyeuristischen Beschreibungen der Mordfälle verzichtet und durchgängig die klare und unaufgeregte Erzählweise beibehält.

Der Schluss der Geschichte lässt die Vermutung zu, dass es noch weitere Fälle mit Richard Oppenheimer geben könnte - ich würde mich auf alle Fälle darüber freuen!


9 Stunden Angst: Thriller
9 Stunden Angst: Thriller
von Max Kinnings
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ... und das Wasser steigt unaufhaltsam, 12. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: 9 Stunden Angst: Thriller (Taschenbuch)
Die Londoner U-Bahn ist DAS Fortbewegungsmittel der Wahl in den ständig verstopften Straßen dieser Metropole. Da im Durchschnitt täglich ca. 3,5 Millionen Menschen dieses Verkehrsmittel täglich benutzen, ist es eigentlich verwunderlich, dass es nicht mehr Romane gibt, in deren Zentrum die "Tube" (engl. für Röhre) steht.

In "9 Stunden Angst", dem Thriller des britischen Autors Max Kinnings, zwingen religiöse Fanatiker einen Zugführer, indem sie seine Frau und seine Kinder als Geiseln nehmen, zur Kooperation. Sie kapern einen vollbesetzten Zug der Northern Line, lassen ihn in einem Tunnel anhalten und sprengen dort einen Flusslauf. Die einzige Forderung der Geiselnehmer ist die, dass die gesamte Welt dem Sterben der Tube-Passagiere zuschauen soll, während das Wasser in die Wagons eindringt und der Pegel unaufhaltsam ansteigt. Die letzte Trumpfkarte, die die Metropolitan Police im Ärmel hat, ist der blinde DCI Ed Mallory, dessen Sensibilität gerade durch diese körperliche Einschränkung legendär ist, und der sich jetzt in die Verhandlungen einschaltet, um die Katastrophe abzuwenden.

Der Autor lässt die verschiedenen Beteiligten die Ereignisse aus ihrer jeweiligen Sicht schildern, sodass sich ganz allmählich ein stimmiges Bild der Geschehnisse ergibt: da sind zum einen die fundamentalistischen Geiselnehmer Tommy und Belle, verblendet und den eigenen Tod in Kauf nehmend, der klaustrophobische Zugführer George Wakeham, der um die Sicherheit seiner Familie fürchtet, und dann natürliche der blinde Verhandlungsführer DCI Mallory - alle haben mit ihren persönlichen Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen.

Die Geschichte bezieht sowohl ihre Spannung als auch ihr Tempo gerade durch die unterschiedlichen Perspektiven und verdichtet sich mit zunehmendem Handlungsverlauf. Kinnings schildert die bedrohliche Situation, der die Geiseln durch das allmähliche Steigen des Wasserpegels ausgesetzt sind, ihre Hilflosigkeit, sehr anschaulich, ebenso die Zweifel des Unterhändlers, diese Angelegenheit zu einem guten Abschluss zu bringen. Und diese beklemmende Atmosphäre legt sich wie Blei über die gesamte Lektüre, vor allem dann, wenn man selbst schon öfter mit der Tube unterwegs war und die Örtlichkeiten kennt.

Ein spannender Thriller, der sich wegen der Thematik nur bedingt zur Lektüre in öffentlichen Verkehrsmitteln, speziell der U-Bahn, eignet.


Schattenkind: Kriminalroman (Yngvar-Stubø-Reihe)
Schattenkind: Kriminalroman (Yngvar-Stubø-Reihe)
von Anne Holt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hartes Thema, sensibel behandelt!, 10. Januar 2014
"Schattenkind", der fünften Band der Yngvar Stubø-Reihe der norwegischen Krimi-Autorin und ehemaligen Justizministerin Anne Holt, beginnt am 22. Juli 2011. Es ist der Tag, an dem Norwegen bis ins Mark erschüttert wird, denn der Explosion im Zentrum von Oslo folgt der schreckliche Amoklauf auf der Insel Utøya.

Während die gesamte Osloer Polizei, darunter auch Kommissar Yngvar Stubø, diese nationale Katastrophe untersucht, passiert im Freundeskreis seiner Frau, der Inger Johanne ein folgenschwerer Unfall. Der achtjährige Sohn von Ellen und Jon ist nach dem Sturz von einer Trittleiter gestorben. Im Laufe der Untersuchung tauchen Ungereimtheiten auf und das persönliche Umfeld der Familie macht seltsame Andeutungen, weshalb Inger Johanne Vik, die von Haus aus Kriminalpsychologin ist, gemeinsam mit dem jungen Polizisten Holme die verzweifelten Eltern genauer unter die Lupe nimmt. Und was sie dabei zutage fördert, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren.

Anne Holt stellt in "Schattenkind" zwei tragische Ereignisse in den Mittelpunkt ihrer Handlung. Zum einen ist da diese nationale Tragödie, die auf Utøya passiert und 69 Menschen das Leben kostet, zum anderen schaut sie sich sehr genau eine normale Familie an, die ihr Kind vermeintlich durch einen tragischen Unfall verliert. Im ersten Fall ist die Möglichkeit der gesellschaftlichen Einflussnahme gering, anders sieht es im Fall des toten Achtjährigen aus. Hier hätte das soziale Umfeld, wenn die Warnzeichen richtig eingeordnet worden wären, Sanders Tod verhindern können.

Ein hartes Thema, das die Autorin hier aufgreift und sehr sensibel behandelt. Sie benötigt keine Schockeffekte und keine drastische Sprache, sondern schildert klar und nüchtern, aber dennoch nicht minder eindringlich, die Ereignisse, die in dieser augenscheinlich ganz normalen Familie ablaufen. Holt schaut genau hin, analysiert das Verhalten der Beteiligten, und zeigt die Brüche auf, die schließlich dazu führen, dass ein achtjähriger Junge sein Leben verliert.

Ein beeindruckender und natürlich wegen der Thematik auch sehr düsterer skandinavischer Kriminalroman - sehr empfehlenswert!


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