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Rezensionen verfasst von
Hamlet
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Im Schatten der Königin: Ein Tudor-Roman
Im Schatten der Königin: Ein Tudor-Roman
von Elizabeth Fremantle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwesternliebe, Schwesternhass, 10. Mai 2016
Die Autorin Elizabeth Fremantle konzentriert sich in ihren historischen Romanen auf eine höchst interessante Epoche der englischen Geschichte. Es ist das Zeitalter der Tudors und der englischen Renaissance, und Fremantle beschreibt in farbenprächtigen Bildern nicht nur das Leben am Hofe, sondern auch ganz besondere Einzelschicksale wie beispielsweise in ihrem Erstling „Spiel der Königin“, in dessen Zentrum Catherine Parr steht, die sechste und letzte Ehefrau Henrys VIII.

In ihrem aktuellen Roman „Im Schatten der Königin“ geht Fremantle weiter in der Chronologie, denn hier dreht sich nun alles um die Töchter der Familie Grey. Jeder, der sich mit der englischen Geschichte der Tudorzeit beschäftigt, kennt das tragische Schicksal der „Neuntagekönigin“ Lady Jane Grey, der protestantischen Nachfolgerin Edward VI. auf Englands Thron, die das Festhalten an ihrem Glauben mit dem Leben bezahlen musste. Auch nach ihrer Hinrichtung sind sowohl ihre Mutter Frances als auch ihre beiden Schwestern Katherine, die herzgesteuerte Schönheit, und Mary, die Intelligente mit körperlichem Makel, am Hofe von Queen Mary zu finden und leben tagtäglich in der Angst, das gleiche Schicksal wie Jane zu erleiden. Als nach dem Tode der „Bloody Mary“ Elisabeth I. den Thron besteigt, entspannt sich die Situation kurzzeitig, aber schon bald müssen die Schwestern schmerzlich feststellen, dass es ihr eigener Wille nichts gilt, sondern dass es immer die Monarchen sind, die schlussendlich das letzte Wort bei Entscheidungen haben.

Es sind drei verschiedene Perspektiven, aus denen die Autorin diese turbulente Jahre erzählen lässt. Zum einen sind das natürlich die beiden Grey-Schwestern Katherine und Mary, zum anderen werden deren Schilderungen durch die Sicht Levinas ergänzt. Diese ist nicht nur eine loyale Freundin der Familie Grey, sondern auch noch eine Porträtmalerin und kommt somit auch mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. Ihre Sichtweise ergänzt die höfischen Details der Adligen mit den Darstellungen des Lebens der „normalen“ Menschen am Hofe. Gleichzeitig ist sie die kommentierende Stimme, die analysiert und zu ergründen versucht.

„Im Schatten der Königin“ ist ein üppiger Roman, in dessen Zentrum zwei ungleiche Schwesternpaare stehen. Einerseits Mary und Elisabeth, in Hass verbunden, andererseits Katherine und Mary, die füreinander durchs Feuer gehen würden. Schwesternliebe, Schwesternhass und Loyalität – auf diesen drei Säulen ruht Fremantles Geschichte, die eng an den historisch belegbaren Tatsachen bleibt. Eine höchst unterhaltsame Geschichtsstunde, allen Lesern wärmstens empfohlen, die sich für die englische Historie interessieren.


Der Anruf: Thriller
Der Anruf: Thriller
von Olen Steinhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Katz und Maus, 9. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Anruf: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Wenn der amerikanische Autor Olen Steinhauer in einem Atemzug mit John le Carré genannt wird, sollte man ihn sich einmal genauer anschauen. Vor allem auch, weil seine Politthriller mit Preisen ausgezeichnet werden und regelmäßig auf der KrimiZeit-Bestenliste zu finden sind. In der Übersetzung liegt bisher die Milo Weaver-Trilogie mit „Der Tourist“, „Last Exit“ und „Die Spinne“ sowie die beiden Stand alones „Die Kairo-Affäre“ und „Der Anruf“ vor.

In seinem neuesten Roman „Der Anruf“, gerade erst im Blessing Berlag erschienen, treffen sich im Jahr 2012 zwei Freunde in einem Restaurant im kalifornischen Carmel-by-the-Sea. Henry Pelham und Celia Favreau, früher nicht nur ein Liebespaar sondern auch Arbeitskollegen bei der CIA. Celia hat dieses Leben vor geraumer Zeit hinter sich gelassen, lebt nun mit Mann und Kindern das Leben einer amerikanischen Vorstadthausfrau. Hanry hingegen ist noch für die Agency tätig, und hat auf deren Geheiß auch das Treffen mit seiner ehemaligen Partnerin arrangiert, denn es gibt interne Ermittlungen zu einem Fall in Wien aus dem Jahr 2006, an dem sie beide beteiligt waren. Terroristen brachten damals einen Airbus mit 120 Passagieren in ihre Gewalt, um Sympathisanten freizupressen. Die Befreiungsaktion der CIA geht gründlich in die Hose, und alle Geiseln kommen dabei ums Leben. Offenbar hat jemand aus dem inneren Kreis der Agency den Entführern den Plan verraten. Unter Berücksichtigung aller Fakten bleiben schlussendlich nur noch wenige Verdächtige übrig, und eine davon ist Celia.

Henry und Celia erzählen im Wechsel ihre Version der missglückten Geiselbefreiung. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden Protagonisten aufführen, wobei die Rollen allerdings nicht klar verteilt sind. Sie umkreisen sich in dem Gespräch, wobei sich das anfängliche Geplänkel zweier Freunde, die sich lange nicht gesehen haben, recht schnell in eine intensive Befragung von Seiten Henrys umkehrt. Doch Celia ist auf der Hut, vermeidet die Fallen, die ihr ehemaliger Partner auslegt, und kontert im richtigen Moment, jederzeit bereit zuzuschlagen. Die Frage ist nur, wer den letzten Trumpf ausspielen wird.

Ausführliche Rückblenden, im Wechsel aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt, verlangen dem Leser einiges an Geduld ab, bis der Autor auf den Punkt kommt. Sehr detailverliebt dreht sich die Unterhaltung seitenlang im Kreis, wobei Celia und Henry ihre jeweiligen emotionalen Befindlichkeiten bis ins Kleinste beschreiben, was ich unglaublich anstrengend und ermüdend fand. Meiner Meinung nach hätte dem Roman etwas weniger Nabelschau und etwas mehr Tempo gut zu Gesicht gestanden. Kann man lesen, muss man aber nicht.


The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte
The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte
von Malin Elmlid
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eating, baking bread, sleeping, making jokes and falling in love, 8. Mai 2016
Brot ist ein elementares Lebensmittel, und mir ging es damit ähnlich wie der schwedischen Globetrotterin und Autorin Malin Elmlid. Seit geraumer Zeit ärgere ich mich darüber, dass fast in jeder Bäckerei das gleiche Angebot vorhanden ist. Brote mit merkwürdigen Phantasienamen, alle ausnahmslos mit dubiosen Backmischungen hergestellt, die Stoffe beinhalten, die man absolut nicht benötigt, um ein gesundes, wohlschmeckendes Ergebnis zu erhalten. Meine Konsequenz daraus war und ist das Selberbacken. Natürlich ist dies mit zeitlichem Aufwand verbunden, aber selbst als Vollzeit-Berufstätige ist das kein Problem, solange die entsprechende Motivation vorhanden ist.

Wasser, Mehl und Salz – drei Zutaten, die immer und überall erhältlich sind, mehr braucht es nicht für ein gutes Brot. Und natürlich etwas Zeit. Und genau damit startet Malin Elmlids Projekt. Mittlerweile ist sie fast rund um die Welt gereist, den Sauerteig im Gepäck. Hat viele interessante Menschenund ihre Geschichten kennengelernt. Backt ihr Brot und tauscht es gegen die verschiedensten Dinge ein. Lernt neue Rezepte kennen. Und teilt ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit uns Lesern/Hobbybäckern auf ihrem Blog „thebreadexchange.com“ und in den Sozialen Netzwerken. Seit neuestem ist nun auch „The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte“ (veröffentlicht bei Prestel) erhältlich, ein Back-Reise-Tagebuch mit vielen schönen Fotografien, in dem man ihre Geschichten und Rezeptanleitungen nachlesen kann.

Aber da der Mensch nicht nur von Brot allein lebt, findet man natürlich auch Rezepte für Aufstriche oder typische, brotlose Gerichte aus den Ländern, die Malin Elmlid bereist hat, immer verknüpft mit besonderen Situationen oder Personen, die dabei ihren Weg gekreuzt und sie nachdrücklich beeindruckt haben. Man kann es nur vermuten, aber ich denke, dass die Autorin ähnliches mit uns im Sinn hat. Sie möchte ihre Erlebnisse mit und teilen, Anstöße geben und inspirieren. Dazu animieren, dass wir uns wieder auf die elementaren Dinge des Lebens besinnen. Wie sie bereits vor einiger Zeit in einem Interview mit der englischen Zeitschrift „The Guardian“ sagte: “Eating, baking bread, sleeping, making jokes and falling in love”.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!


Nadjas Katze: Ein Berndorf-Roman (Berndorf ermittelt, Band 10)
Nadjas Katze: Ein Berndorf-Roman (Berndorf ermittelt, Band 10)
von Ulrich Ritzel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spurensuche im Wald der Erinnerung, 8. Mai 2016
Auch in seinem zehnten Berndorf-Krimi bleibt der Autor Ulrich Ritzel seinem bewährten Konzept treu. Er taucht ein in die deutsche Zeitgeschichte, mischt Fakten mit Fiktion und konstruiert eine vielschichtige, aber dennoch bis ins Detail logische Geschichte, in der sich sein Ermittler der eigenen Vergangenheit stellen muss.

Es beginnt alles mit einem schmalen Heftchen, das die ehemalige Freiburger Studienrätin Nadja Schwertfeger in einem Antiquariat findet. Ihre Passion gilt den vergessenen und unbekannten Schriftstellern. Die Lektüre der „Nachtwache des Soldaten Pietzsch“, so der Titel der Erzählung, verunsichert sie aber zutiefst, denn neben den Geschehnissen in der Nacht des 19. April 1945 in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb ist darin auch von einer speziellen Stoffkatze die Rede. Und genau das gleiche Kuscheltier besitzt die adoptierte Nadja als einzige Erinnerung an ihre leibliche Mutter. Und so beginnt sie mit Hilfe ihrer Freundin Wally nachzuforschen, inwieweit die Erzählung des unbekannten Autors Anderweg einen realen Kern hat. Die Spur führt auf die Schwäbische Alb in das kleine Dorf Wieshülen, aber kaum jemand mag mit ihr über die Ereignisse in den letzten Wochen und Monaten des Zweiten Weltkriegs reden. Man verweist sie an Hans Berndorf, den ehemaligen Ulmer Polizisten, jetzt in Berlin lebend, der ebenfalls dort aufgewachsen ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf Spurensuche, nicht wissend, dass sie sich damit auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen müssen, sondern auch ein dunkles Kapitel des Dorflebens enthüllen werden.

Wie immer nähert sich Ulrich Ritzel behutsam dem eigentlichen Thema seines Kriminalromans, dem Verdrängen und Verschweigen und den Auswirkungen, die dieses Verhalten bis in die Gegenwart nach sich zieht. Sei es nun der Umgang mit den Fremden, den Flüchtlingen und Zwangsarbeitern, die die dörfliche Ruhe stören. Aber auch die strammen Gefolgsleuten Hitlers, die nach Kriegsende ihr Schäflein ins Trockene bringen, geraten in den Fokus. Das Ende eines Krieges, das kein neuer Anfang, sondern ein kollektives Verleugnen von Schuld ist.

Der Autor erzählt eindringlich und realistisch, nutzt dafür auch historisches Quellenmaterial, das am Ende des Buches aufgeführt wird. Die klassische Frage nach Opfer und Täter in dem fiktionalen Strang seines Kriminalromans wird zur Nebensache, wesentlich interessanter ist die Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ereignissen, denn „…im Wald der Erinnerungen (…) darf man keinen Schritt zur Seite tun. Und das Gebüsch am Wegrand nicht zur Seite schieben. Nicht in diesem Land. Überall liegen noch Skelette herum.“


Männer mit Erfahrung: Roman
Männer mit Erfahrung: Roman
von Castle Freeman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle gegen Blackway, 5. Mai 2016
Alle gegen Blackway, so könnte man die Ausgangslage von Castle Freemans Roman 'Männer mit Erfahrung' beschreiben. Und wer die grünen Hügel von Vermont kennt, kann sich die Szenerie bildlich im Detail vorstellen: ein kleines Dorf mit holzverschalten Häusern, Männer verschiedenen Alters sitzen vor einer Sägemühle in der Sonne, die auch schon bessere Tage gesehen hat und führen launige Gespräche. Träge Langeweile bestimmt die Situation. Willkommene Abwechslung naht in Gestalt einer jungen Frau, Lillian.

Seit ihr Partner sie verlassen hat, wird sie von Blackway, dem 'bad guy' der Gegend gestalkt und bedroht. Und nachdem er nun auch noch ihre Katze getötet hat, fürchtet Lillian um ihr Leben. Da es nur Vermutungen, aber keine handfesten Beweise gibt, kann ihr der Sheriff des Ortes nicht helfen. Er schickt sie zu Whizzer und den Einheimischen, jenen Männern, die sich auskennen, nichts zu tun haben, aber wissen, wie man hier Probleme löst. Dort empfiehlt man ihr, Lester und Nate anzusprechen. Diese beiden könnten helfen, sagt man ihr. Aber als Lilian deren Bekanntschaft macht, beschleichen sie Zweifel. Lester ist ein altes Männlein, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, und Nate ist zwar jung und groß und kräftig, aber eher von geringem Verstand. Und diese beiden glauben, es mit dem Schurken Nr. 1 aufnehmen zu können? Doch ohne viel Federlesens ergreift Lester die Initiative, und so machen sich die drei Gefährten auf in die Wälder, um Blackway zu stellen'

Es ist die klassische Gut gegen Böse Konstellation, die Castle Freeman seinem schmalen Roman zugrunde legt. Eine Jungfer ist in Nöten und die edlen Ritter springen ihr bei, um das Problem zu lösen, wobei diese aus einem tumben Toren mit reichlich Körperkraft und einem schlauen Fuchs bestehen. Im Hintergrund kommentiert und reflektiert der Chor, wie in den griechischen Tragödien, das Geschehen. Das Ganze dann angesiedelt in der wunderbaren, ursprünglichen Landschaft von Vermont, des 'Green Mountain State'.

Ein Thriller, eine Love Story und die Geschichte einer 'Reise' - kein Wort zu viel, immer auf den Punkt, mit einem Augenzwinkern erzählt, sehr weise und mit einem tiefen Verständnis für die menschliche Seele ' eine kleine Kostbarkeit, der ich viele Leser wünsche!


Montana: Roman
Montana: Roman
von Smith Henderson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ohne Netz und doppelten Boden, 3. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Montana: Roman (Gebundene Ausgabe)
Smith Henderson ist ein amerikanischer Autor, der vor seiner Karriere als Schriftsteller in verschiedenen Bereichen gearbeitet und seine Brötchen verdient hat, unter anderem auch als Sozialarbeiter. Diesen beruflichen Hintergrund teilt er mit Pete Snow, dem Protagonisten seines ersten Romans „Montana“ (im Original „Fourth of July Creek“, erschienen 2014), für den er in seinem Heimatland mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde.

Der Roman spielt zwischen 1979 und 1981, der Demokrat Jimmy Carter ist noch Präsident der Vereinigten Staaten, und der Republikaner Ronald Reagan schickt sich an, demnächst im Weißen Haus einzuziehen. Es ist eine Zwischenzeit, eine Periode des Umbruchs, in der Althergebrachtes an Gültigkeit verliert. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst beurteilen, aber in den Tälern und Hügeln von Montana interessiert das niemanden. Die Regierung hat die Menschen dort vergessen, und genau aus diesem Grund wollen diese auch mit den offiziellen staatlichen Stellen nichts zu tun haben. Man ist misstrauisch, lebt lieber nach seinen eigenen Regeln in den Tag hinein, versäuft den letzten Dollar vom ohnehin kargen Wochenlohn. Keine guten Voraussetzungen, um Kinder großzuziehen.

Und auch das Leben des Protagonisten Peter Snow ist in einem Zustand der Veränderung. Als Sozialarbeiter kümmert er sich um dysfunktionale Familien und die vernachlässigten und misshandelten Kinder in der Gegend. Aber er kann nicht allen helfen, dafür sind es einfach zu viele Fälle. Dazu kommt, dass Snows Persönlichkeit der seiner Klienten gleicht. Einerseits bemüht er sich um Stabilität für diese Familien, andererseits ist seine Familie durch eigenes Fehlverhalten zerbrochen. Seine Frau hat ihn verlassen, und nun scheint er auch noch seine Tochter zu verlieren. Und er ist sich bewusst, dass er mehr mit seinen Klienten gemeinsam hat als ihm lieb ist.

Ich hatte beim Lesen oft den Eindruck, dass sich Snow nur sehr ungern mit seiner eigenen Situation auseinandersetzen möchte und sich deshalb mit Engagement um die problematischen Fälle kümmert, die ihn von Berufs wegen erreichen. Wie beispielsweise Jeremiah Pearl und seine Familie. Fanatisch und fundamentalistisch bis ins Mark, misstrauisch gegenüber jedem und allem. Ihr Leben fernab jeder Zivilisation in den Wäldern wird von Endzeit-Visionen geprägt, ihre Kinder sind sich selbst überlassen, besuchen keine Schule und verwahrlosen. Bis eines Tages Ben, Pearls Sohn, in der Kleinstadt auftaucht und offensichtlich Snows Hilfe bedarf…

Hendersons Roman ist sowohl Country Noir als Gesellschaftsroman. Es sind diese Lebensumstände im ländlichen Montana, die den Menschen kaum eine Perspektive bieten. Es gibt keinen Ausweg. So ist es nicht verwunderlich, dass Pearl der Gesellschaft und ihren Repräsentanten misstraut, sich in die Isolation flüchtet und seltsame Ideen entwickelt. Und auch die Hilfe von außen lindert nur kurzzeitig, weckt Hoffnung, die nur wieder in Enttäuschung endet, was auch Peter Snow völlig klar ist. Es ist ein Leben auf Messers Schneide, ein Tanz am Abgrund, ohne Netz und doppelten Boden. Lesen!


It's teatime, my dear!: Wieder reif für die Insel
It's teatime, my dear!: Wieder reif für die Insel
von Bill Bryson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bryson on tour - England abseits der üblichen Touristenpfade, 30. April 2016
„Reif für die Insel“ war die erste Reisereportage von Bill Bryson, die ich vor vielen Jahren gelesen habe. Bereits damals war ich mit dem Großbritannien-Virus infiziert, und daran hat auch der Lauf der Zeit nichts verändert. Mindestens einmal pro Jahr bin ich auf der „Insel“ unterwegs und deshalb auch mit vielen der von Bryson in seinem neuesten Buch „It’s teatime, my dear: Wieder reif für die Insel“ vorgestellten Lokalitäten vertraut. Vertraut natürlich in dem Sinne, dass ich die Städte/Dörfer/Landstriche kenne, die er bereist, ich schon einmal vor Ort war. Aber der Autor ist immer für eine Überraschung gut, findet er auf seinem Weg doch häufig irgendwelche skurrilen Besonderheiten, an denen der normale Reisende mangels Information vorübergeht.

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das sich Bill Bryson für seine neue Reisereportage vorgenommen hat: die Durchquerung Großbritanniens auf einer Linie von Süd nach Nord, von Bognor Regis in Sussex nach Cape Wrath in den schottischen Highlands. Und so wie es in den Vereinigten Staaten, dem Herkunftsland des Autors, die Mason-Dixon Linie gibt (Trennlinie zwischen den Nord- und Südstaaten), hat Bryson die Idee, seine Reiseroute als die Bryson-Linie in die Reiseliteratur eingehen zu lassen. Die Mason-Dixon Linie benamt er allerdings nicht direkt, sondern geht davon aus, dass der Leser über ein gewisses Maß an Allgemeinbildung verfügt und den Bezug selbst herstellt. Mittlerweile ist Bryson Mitte sechzig, verfügt über einen großen Fundus an nützlichem und nutzlosem Wissen, das er immer wieder bei passenden Gelegenheiten in seine Beschreibungen einfließen lässt und so dem Leser das eine oder andere wissende Lächeln entlockt. Wie beispielsweise auch beim Besuch des Grabmals von George Everest, dem Namensgeber des besagten Mount, der den nach ihm benannten Berg niemals zu Gesicht bekam.

Über weite Strecken ist das Buch höchst amüsant zu lesen, es gibt aber auch Abschnitte, die stark von Brysons kulturpessimistischen Gedanken geprägt und mit Sicherheit Alter und Erfahrung geschuldet sind. Besonders beeindruckt haben mich die Passagen, in denen er seinem Respekt vor dem kulturellen und schützenswerten Erbe Großbritanniens sowie den wunderbaren Landschaften Ausdruck verleiht. Enttäuschend ist nur, dass der Norden kaum Erwähnung in Brysons Reisenotizen findet. Ein paar Seiten über Durham mit seiner wunderbaren Kathedrale und schwuppdiwupp, schon sind wir auf der Fahrt in die schottischen Highlands und dem Endpunkt der Reise. Ein paar launige Bemerkungen über die Schotten, die er offenbar nicht mag, und das war’s dann auch schon. Schade!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Brysons Reisenotizen eine kurzweilige Lektüre sind und auch für den Kenner noch die eine oder andere Überraschung bereithalten. Die Auswahl der Stationen ist natürlich subjektiv, von daher kann es nicht ausbleiben, dass Kenner manche Orte vermissen werden. Aber all diejenigen, die England (denn darauf beschränkt sich der Autor) abseits seiner Metropolen kennenlernen möchten, sollten hier zugreifen, da sie von Bryson mit Informationen versorgt werden, die in kaum einem Reiseführer zu finden sind.


Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges
Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges
von Johann Hari
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Denkanstöße, 27. April 2016
Diverse Autoren, allen voran Don Winslow, beschäftigen sich seit langer Zeit mit dem „war on drugs“. Ihre intensive Recherche sowie die literarische Aufbereitung der Fakten lassen aber nur die Spitze des Eisbergs erahnen, die diesem Thema immanent ist.

Anders in Johann Haris Sachbuch „Drogen. Die Geschichte eines langen Krieges“. Der britische Journalist, mehrfach für seine Reportagen ausgezeichnet, hat sich auf Spurensuche begeben und ein Sachbuch geschrieben, das sowohl informative als auch spannende Einblicke in diese brisante Thematik gewährt.

Zum besseren Verständnis hat der Autor seine Reportage in zwei Teile gegliedert. Er stattet mit einem Ausflug in die Historie, und wie so oft muss man, um die Gegenwart verstehen zu können, in die Vergangenheit schauen, denn die Grundlagen für den „war on drugs“ wurden bereits vor vielen Jahrzehnten gelegt. Das ist der Ausgangspunkt von Haris Betrachtungsweise, der mit einem Rückblick, beginnend Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach dem Ende der Prohibition, das Thema unter die Lupe nimmt. Stellvertretend für die verschiedenen Schwerpunkte Fahndung/DEA, Profiteure/Kartelle und Opfer/Süchtige greift er drei Repräsentanten heraus: Harry Anslinger, Arnold Rothstein und Billie Holiday.

Anslinger, der Hardliner und Chef des Federal Bureau of Narcotics, bringt den Stein ins Rollen. Unter seiner Leitung wird massiv gegen Dealer und Konsumenten, aber auch gegen die Staaten vorgegangen, die seinen gnadenlosen Kurs nicht unterstützen. Seine Kompromisslosigkeit in Bezug auf Drogen diente offenbar zahlreichen US-Präsidenten als Maßstab in der Drogenpolitik. Rothstein steht stellvertretend für die Drahtzieher des organisierten Verbrechens, die Kartelle, die mit roher Gewalt und schmutzigem Geld auch politisch Einfluss nehmen. Und schließlich Billie Holiday, die afroamerikanische Jazzsängerin, die stellvertretend für die Konsumenten und Opfer einer verfehlten Drogenpolitik steht, die diskriminiert, kriminalisiert und ins gesellschaftliche Abseits drängt.

Der zweite Teil widmet sich der Betrachtung der gegenwärtigen Situation. Fast vier Jahre lang hat Johann Hari weltweit recherchiert (USA, Europa und Lateinamerika) und die verschiedensten Gesprächspartner aus allen gesellschaftlichen Schichten zu diesem Thema befragt und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Länder mit einer liberalen Drogenpolitik – heißt beispielsweise Legalisierung von Marihuana und kontrollierte Abgabe entsprechender Substitutionsmedikamente – haben weit weniger Probleme mit Beschaffungskriminalität als solche, die einen gnadenlos harten Kurs fahren. Des Weiteren funktioniert dort auch das Zusammenleben problemloser, da die Rauschmittelkonsumenten nicht ausgegrenzt und kriminalisiert werden.

Langer Rede kurzer Sinn: die Drogenpolitik muss umdenken und nach praktikablen Alternativen suchen, um dem Problem Herr zu werden. Aber das ist nicht von heute auf morgen zu realisieren, sondern benötigt einen zeitlich weiter gesteckten Rahmen. Johann Haris Reportage „Drogen. Die Geschichte eines langen Krieges“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit der Drogenproblematik und gibt wichtige Denkanstöße. Bleibt zu hoffen, dass es auch von den Verantwortlichen gelesen wird.


Unterleuten: Roman
Unterleuten: Roman
von Juli Zeh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Vom Leben auf dem Lande, 25. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Unterleuten: Roman (Gebundene Ausgabe)
Unterleuten ist ein fiktiver Ort in Brandenburg und der Titel des neuen Romans von Juli Zeh. Die mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin seziert mit klarem Blick eine dörfliche Gemeinschaft im Osten Deutschlands nach der Wende. Möglicherweise hat Zeh hier auch eigene Erfahrungen verarbeitet, lebt sie doch seit geraumer Zeit im Havelland.

Die Bewohner von Unterleuten haben wechselhafte Zeiten hinter sich. Zumindest ein Teil von ihnen. Bezahlte Arbeit war und ist knapp, im Wesentlichen leben sie von den Erträgen ihres Grund und Bodens. Die Enteignungen im Zuge der Zwangskollektivierung in den sechziger Jahren haben sie weggesteckt, ebenso die Umverteilungen nach der Wende. Natürlich gibt es innerhalb des Dorfes Gewinner und Verlierer, und die daraus entstandenen Animositäten prägen den Umgang miteinander. Und dann sind da noch die Zugezogenen, Stadtflüchtlinge aus Berlin, die in Unterleuten ihren Traum vom Landleben verwirklichen möchten. Konflikte mit den Alteingesessenen sind hier schon fast vorprogrammiert. Es geht um Rivalitäten, um Intrigen, um Wendegewinner und Altkommunisten, um Abhängigkeiten finanzieller und emotionaler Natur, um Liebe und Hass. Und um einen projektierten Windpark und somit natürlich um Geld.

Es sind sehr unterschiedliche Charaktere, die die Handlung tragen: Jule und Gerhard, sie eine Übermutter in Reinkultur, er ein verkrachter Soziologe, der nun als Vogelwart die seltene Spezies der Kampfläufer in der Unterleutner Heide schützt und sämtliche Bebauungswünsche der Einwohner durch Einsprüche blockiert. Linda, von ihrem Partner insgeheim „Rossfrau“ genannt, eine willensstarke Pferdeflüsterin aus Berlin, die sich und ihren Vierbeiner in der Villa Kunterbunt ein neues Heim schaffen möchte. Grombowski, Großgrundbesitzer und Geschäftsführer der Ökologica, schon zu DDR-Zeiten auf der Siegerstraße, der skrupellos in der Wahl seiner Mittel ist. Kron, ein kämpferischer Altkommunist, vom Leben gezeichnet und seiner Behinderung gehandicapt. Und Schaller, ein Typ raue Schale, weicher Kern, der begnadete Mechaniker und Nachbar von Jule und Gerhard, die ihn nur „das Tier“ nennen - meine Lieblingsfigur.

Die Autorin lässt in ihrem umfangreichen Roman einen auktorialen Erzähler die Geschehnisse aus den wechselnden Perspektiven der Unterleutner schildern. Die einzelnen Kapitel sind jeweils mit dem Namen des Protagonisten überschrieben, sodass die Zuordnung sehr einfach ist. Der Leser entwickelt Nähe zu diesen Menschen, aber kaum Sympathien, da (fast) jeder in Unterleuten seine eigenen Ziele verfolgt.

Sie geizt auch nicht mit spitzen Bemerkungen zur politischen Situation in diesem unserem Lande, aber immer in dem passenden Kontext. Natürlich kann sie das eine oder andere Klischee nicht vermeiden, wenn Stadt und Land aufeinandertreffen. Aber darüber kann und sollte man großzügig hinwegsehen, es fällt auch kaum ins Gewicht. Juli Zeh hat mit „Unterleuten“ einen Gesellschaftsroman geschrieben, wie man es in erster Linie von den amerikanischen Autoren kennt. Mir fällt hier spontan Jonathan Franzen ein. Ein großer Wurf von einer der besten Autorinnen, die wir momentan in Deutschland haben – Lesen!


Fleisch: Warenkunde & Techniken. 80 Rezepte. Mit Grill-Spezial.
Fleisch: Warenkunde & Techniken. 80 Rezepte. Mit Grill-Spezial.
von Stefan Wiertz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genießen ausdrücklich erlaubt!, 18. April 2016
Stefan Wiertz ist der Kopf des Kreativnetzwerks Gusto Group. Er bezeichnet sich selbst als „Genussnomade“ d.h. heißt, er ist jederzeit offen für neue Erfahrungen Impulse und setzt diese auch dementsprechend um. In Zeiten des um sich greifenden Veganismus ist er mutig und veröffentlicht ein neues Kochbuch mit dem Titel „Fleisch“. Allerdings macht er in seinem Vorwort bereits klar, worum es ihm geht: Fleisch ja, aber nicht immer. Und wenn, dann sollte es ausschließlich von bester Qualität und nicht das abgepackte Schnitzel aus der Kühltruhe des Discounters sein. Der Idealfall wäre hier natürlich der Einkauf beim regionalen Erzeuger – wir haben das Glück, dass ein Bauer im Nachbarort freilaufende Angus-Rinder und Duroc-Schweine züchtet und deren Fleisch ab Hof verkauft.

Die ersten zwanzig Seiten widmen sich den Basics: welche Fleischsorten gibt es, wie bereitet man sie optimal zu, welche Garmethoden gibt es, welches Handwerkszeug wird benötigt. Und dann geht es auch schon an und um die Rezepte, gegliedert nach den verschiedenen Fleischarten: Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Wild sowie diverse Geflügel. Die Zubereitung wird jeweils schrittweise und gut untergliedert beschrieben und ist mit der benötigten Zeitangabe versehen, die benötigten werden Zutaten separat aufgelistet und zusätzlich gibt es noch einen besonderen Tipp, entweder zu einem ausgefallenen Gewürz oder einer Beilage, die das Gericht perfekt ergänzt. Abgerundet wird das ganze durch sehr schöne Fotos, die das (angestrebte) Endergebnis zeigen. Ergänzt wird das Ganze durch ein Extrakapitel „Beilagen, Saucen und Fonds“ und einem Spezialkapitel, das sich ausführlich mit Grillen beschäftigt.

Der zeitliche Aufwand hält sich bei allen Rezepten im Rahmen und variiert zwischen fünfzehn Minuten für Kurzgebratenem und neunzig Minuten für Schmorgerichte. Allerdings muss angemerkt werden, dass das Kochbuch sich nur bedingt für die Alltagsküche eignet, denn es sind nicht unbedingt die preiswertesten Stücke, die Stefan Wiertz für seine Rezeptvorschläge benötigt. Wenn man sich allerdings ab und an etwas Besonderes gönnen möchte, wird man hier fündig z.B. mit pochierten Olivenrouladen, Presa Iberica oder Festtagskapaun.

Ein sehr schönes Kochbuch, gleichermaßen für Kochanfänger als auch Fortgeschrittene geeignet – auf gutes Gelingen!


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