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Rezensionen verfasst von
Hamlet
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Täuscher: Kriminalroman (Krimi/Thriller)
Täuscher: Kriminalroman (Krimi/Thriller)
von Andrea Maria Schenkel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer von der Norm abweicht, macht sich verdächtig ..., 16. September 2013
Mit der Autorin Andrea Maria Schenkel assoziieren wir seit ihrem Erstlingswerk "Tannöd" die Beschreibung, Interpretation und Aufarbeitung von historischen Kriminalfällen, deren Tatort in Bayern liegt. So auch in "Täuscher", ihrem neuesten Buch, dessen Geschichte auch auf einer wahren Begebenheit beruht, nämlich einem Raubmord, der 1922 von Ludwig Eitele in Landshut verübt wurde.

Bei der Autorin heißt der Hauptverdächtige allerdings Hubert Täuscher und ist der nichtsnutzige Sohn eines reichen Bürstenfabrikanten, der mit Clara Ganslmeier, einer für damalige Zeit "alten Jungfer" verlobt ist. Als sowohl Clara als auch ihre Mutter ermordet und ausgeraubt in der Wohnung aufgefunden werden, geraten Täuscher und sein zwielichtiger Freund Luck Schinder unter Verdacht und werden verhaftet. Täuscher beteuert zwar seine Unschuld, wird aber dennoch vor Gericht gestellt und verurteilt.

Andrea Maria Schenkel schildert sehr sachlich und nüchtern, fast schon dokumentarisch, diesen Mordfall und den darauf folgenden Prozess. Wenn sie aber das Verhalten der Landshuter Bevölkerung auf die Geschehnisse in ihrer Stadt beschreibt, hält sie den Kleinbürgern gnadenlos den Spiegel vor. Da gibt es Klatsch und Tratsch, es werden Gerüchte in die Welt gesetzt, die nichts mit der Realität zu tun haben und Beschuldigungen ausgesprochen, die sich nicht beweisen lassen. Jeder hat etwas zu diesem Fall mitzuteilen und hat schon immer gewusst, dass mit diesem Hubert Täuscher etwas nicht stimmt. Anderssein ist gefährlich im Bayern dieser Zeit, denn es stellt tradierte Werte in Frage und nährt das Misstrauen der Landshuter. Und dass so jemand seiner gerechten Strafe zugeführt werden muss, steht außer Frage.

Es wirkt schon sehr authentisch, wenn die Autorin zwischen Dialogen, Zeitungsberichten und Prozessprotokollen hin und her wechselt. Aber gleichzeitig ist dies auch der Punkt, den ich in diesem Roman kritisch sehe, da es praktisch keine Zeitleiste gibt, an der man sich als Leser orientieren kann. Dies lässt den Lesefluss leider immer wieder stocken und bremst die Geschichte aus, vor allem, weil immer wieder Nebensächlichkeiten eingeflochten werden, die weder etwas zur Veranschaulichung des Zeitkolorits noch zu dem Kriminalfall beizutragen haben, sondern lediglich den regionalen Aspekt - meiner Meinung nach völlig unnötigerweise - betonen.

Alles in allem ist Andrea Maria Schenkel dennoch ein interessanter Roman gelungen, der dem Leser eindrucksvoll eine Vorstellung des engen" Klimas in einer bayerischen Kleinstadt vermittelt.


Die letzte Wahrheit: Roman
Die letzte Wahrheit: Roman
von Kimberly McCreight
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verhängnisvolle Beziehungen, 15. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die letzte Wahrheit: Roman (Broschiert)
Die letzte Wahrheit", der erste Roman der amerikanischen Autorin Kimberley McCreight, beschäftigt sich mit einem Thema, das vor allem für diejenigen Leser von Interesse sein dürfte, die heranwachsende Kinder haben.
Kate Baron ist Mutter einer fünfzehnjährigen Tochter, arbeitet als Anwältin und ist alleinerziehend. Während eines wichtigen Meetings erreicht sie der Anruf der Schule, die sie davon in Kenntnis setzt, dass ihre Tochter einen Schulverweis erhalten hat. Tief beunruhigt macht sie sich auf den Weg - aber sie kommt zu spät, denn ihre Tochter Amelia hat sich von dem Dach der Schule in den Tod gestürzt.

Den Selbstmord ihrer Tochter kann sie sich nicht erklären, hatten sie doch ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Aber als sie dann eine anonyme SMS erhält, deren Inhalt sie zutiefst beunruhigt, macht sie sich daran, die letzten Wochen vor Amelia Tod zu rekonstruieren. Was ist bloß geschehen, dass ihre Tochter keinen anderen Ausweg als den Tod sah?

Die letzte Wahrheit" erzählt eigentlich zwei Geschichten. Zum einen ist da Amelia, ein Teenager in der Pubertät, die sich mit allen hinlänglich bekannten Problemen in diesem Alter herumschlägt, zum anderen Kate Baron, deren Mutter, die als Alleinversorgerin der Kleinfamilie leider nicht so viel Zeit mit ihrer Tochter verbringen kann, wie es notwendig wäre und demzufolge auch Facetten von Amelias Persönlichkeit gar nicht wahrnimmt, die üblicherweise bereits in einem früheren Stadium die Alarmglocken läuten lassen sollten. Richtig Zeit für ihr Kind nimmt sie sich erst dann, als es bereits zu spät ist und sie nach Ursachen für Amelias Verhalten sucht.

Kimberley McCreight wechselt kapitelweise zwischen der Sicht und Suche der Mutter in der Gegenwart und den Erlebnissen und psychischen Befindlichkeiten der Tochter in der Vergangenheit hin und her. Facebook-Einträge, E-Mails und Blogs liefern schockierende Informationen, die die verheerenden Einflüsse von Social Media und Peer Groups auf Jugendliche zeigen, deren Persönlichkeit erst noch im Werden ist, und die sich gegen die gedankenlosen Grausamkeiten ihrer Mitschüler nicht zur Wehr setzen können.

Eine zu Herzen gehende Geschichte, die aufzeigt, wie wichtig eine vertrauensvolle Eltern-Kind-Beziehung ist - sehr empfehlenswert!


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ambitioniertes Vorhaben - gelungen!, 14. September 2013
Dass Juristen mit Sprache umgehen können und von daher beste Voraussetzungen mitbringen, wenn es ums Schreiben geht, wissen wir seit den Romanen Ferdinand von Schirachs. So auch der bislang hierzulande unbekannte Schweizer Autor Joël Dicker, ebenfalls studierter Jurist (obwohl er nie in diesem Beruf gearbeitet hat), der mit seinem Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" im vergangenen Jahr die Bestsellerlisten in Frankreich stürmte und für zahlreiche Literaturpreise nominiert war.

Ist Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" denn nun ein gutes Buch? Die Frage kann ich uneingeschränkt bejahen, vor allem dann, wenn man ein Zitat heranzieht, das der Autor seiner Figur Harry Quebert in den Mund legt: Ein gutes Buch (...) ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat". Und genau so ging es mir, denn obwohl dieser Roman die volle Konzentration des Lesers fordert und ein dicker Wälzer ist, habe ich mich während der Lektüre jederzeit bestens unterhalten gefühlt.

Die Ausgangssituation der Geschichte ist typisch für einen Kriminalroman: Auf dem Grundstück des arrivierten Schriftstellers Harry Quebert wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Die Nachforschungen der Polizei ergeben, dass es sich um Nola Kellergan handelt, mit der Quebert eine geheime Affäre hatte. Und schon steht der Mordverdächtige fest.

Markus Goldmann, ein junger Schriftsteller, eilt seinem Freund zu Hilfe, verspricht er sich doch durch die Ereignisse in Aurora Ideen für einen neuen Roman. Er sieht sich nämlich von seinem Verlag genötigt, nach dem Erfolg seines Debüts schnellstens ein neues Manuskript abzuliefern, hat jedoch seit geraumer Zeit eine Schreibblockade.
In New Hampshire angekommen stellt Goldmann schnell fest, dass ihn in der Kleinstadt an der Ostküste eine Vielzahl dunkler Geheimnisse erwartet und so beginnt er mit seinen Nachforschungen, die schlussendlich nicht nur die Wahrheit über den Fall Harry Quebert ans Licht bringen.

Ein vielschichtiges Werk, das Dicker hier geschrieben hat, denn er schildert nicht nur einen Kriminalfall, sondern erzählt gleichzeitig eine Liebesgeschichte. Dazu beschreibt und kommentiert er aktuelle politische Ereignisse und zu guter Letzt hält er dem Literaturbetrieb gleichzeitig einen Spiegel vor. Und diese unterschiedlichen Genre ergeben eine höchst lesenswerte und komplexe Melange mit den verschiedensten Drehungen und Wendungen, so dass das Spannungsniveau sich konstant auf einem hohen Level bewegt.

Joël Dicker wollte einen großen amerikanischen Roman schreiben - ein ambitioniertes Vorhaben, das dem jungen Autor rundum gelungen ist!


Der Bund: Dunkle Götter 2
Der Bund: Dunkle Götter 2
von Michael Manning
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Fortsetzung der Dunkle-Götter-Reihe, 13. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Bund: Dunkle Götter 2 (Broschiert)
Der Bund: Dunkle Götter 2" ist der zweite Band der Fantasy-Reihe um den jungen Mordecai, genannt Mort, den letzten Magier, der nach dem Sieg über den dunklen Lord Devon das Erbe seines Vaters antritt und sich plötzlich mit einer Vielzahl von Aufgaben konfrontiert sieht, wobei er tatkräftigen von Penny, seiner Jugendliebe, und seinen Freunden unterstützt wird. Plötzlich hat er Verantwortung für das Wohlergehen seiner Untertanen zu tragen, denen er nach Möglichkeit ein friedliches Leben und gesichertes Leben bieten möchte. Und dann gilt es natürlich auch noch, das erworbene magische Wissen zu vertiefen und zu erproben. Doch der Frieden währt nicht lange. Seelenfresser lauern auf Opfer, die Truppen der Gegner blasen zum Angriff und seltsame Stimmen versuchen Mort zu manipulieren. Aber dieser setzt sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr und zieht schließlich in die alles entscheidende Schlacht...

Man merkt diesem zweiten Band deutlich an, dass sich Michael Mannings schriftstellerische Fähigkeiten weiterentwickelt haben. Er erzählt flüssiger und wesentlich gewandter als in Das Erwachen", aber wie bereits in dem Vorgänger konzentriert sich die Geschichte auch hier auf den jungen Magier und die altbekannten Figuren aus dem ersten Buch. Und gerade die Beziehung zwischen Mort und Penny bildet den Ankerpunkt der Geschichte und sorgt wieder für spannende Unterhaltung.

Die Figuren auf Seiten der Guten" sind ausnahmslos sehr sympathisch angelegt, jede ist eine Persönlichkeit mit ganz besonderen Eigenheiten. Sehr interessant ist auch die Entwicklung, die Mort in Der Bund" durchläuft. Er wird nicht - Hokuspokus - zum strahlenden Helden, sondern muss etwas dafür tun und auch schmerzende Rückschläge hinnehmen. Aus dem Jungen bzw. dem Jugendlichen wird ein Mann, der sich der Verantwortung stellt und tut, was getan werden muss.

Der Bund: Dunkle Götter 2" kommt insgesamt wesentlich düsterer daher und wirkt erwachsener. Und nicht nur die Protagonisten, sondern die Story als solches hat sich weiterentwickelt - auf den nächsten Teil darf man schon gespannt sein!


San Miguel: Roman
San Miguel: Roman
von T.C. Boyle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger historischer Roman - jenseits von Herz-Schmerz-Romantik, 13. September 2013
Rezension bezieht sich auf: San Miguel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Seit Mitte der neunziger Jahre T.C. Boyles genialer Roman über Kalifornien und seine mexikanischen Einwanderer América" erschienen ist, bin ich ein großer Fan dieses Autors, dessen Bücher immer hervorragend recherchiert sind, vor allem dann, wenn sie sich an historischen Quellen orientieren.

So auch im Falle seines neuesten Werkes San Miguel", in dem der, ausgehend von der Historie der Santa-Barbara-Inseln vor Südkalifornien und Tagebuchaufzeichnungen, auf die Boyle im Zuge seiner Recherchen gestoßen ist, die Schicksale dreier Frauen auf diesem unwirtlichen Eiland schildert.

Es beginnt mit Marantha Waters, die im Jahre 1888 mit ihrem Mann Will und der Adoptivtochter Edith auf San Miguel ankommt, getrieben von dem Glauben an ein besseres Leben und der Hoffnung, dass die Meeresluft die Schwindsucht, an der sie erkrankt ist, heilen wird. Der Leser ahnt schon bei der Schilderung der Ankunft, dass sich diese Wünsche nicht erfüllen werden, denn die Insel ist Ödland, auf dem es außer Schafen und einer heruntergekommenen Behausung nichts gibt. Und so zerstört dieses entbehrungsreiche Leben schlussendlich nicht nur die Ehe, sondern auch das Leben von Marantha.

Edith, die adoptierte Tochter, wird sechzehnjährig nach dem Tod der Mutter von ihrem tyrannischen Vater gezwungen, das Internat auf dem Festland zu verlassen und nach San Miguel zurückzukehren. Dort soll sie als Dienstmagd für den Vater und die Arbeiter der Schaffarm putzen, waschen und kochen - nicht gerade das, was sich eine junge Frau von dem Leben erhofft. Sie hasst ihr Leben auf der Insel und greift in ihrer Verzweiflung nach jeder sich bietenden Möglichkeit, um dieser Hölle zu entfliehen.

1930 kommen Elise und Herbie Lester voller Optimismus nach San Miguel. Dem Ehepaar werden zwei Töchter geboren und anfänglich scheint in ihrem neuen Leben alles im Lot zu sein. Aber auch sie müssen bald feststellen, dass man nicht nur von Luft und Liebe leben kann. Und als im Zuge des Zweiten Weltkriegs Soldaten auf der Insel stationiert werden, spitzt sich die Lage zu.

Meisterhaft versteht es T.C. Boyle die Stimmung dieses kargen Lebensraumes zu beschreiben, in dem Träume zerschellen und Leben zerstört werden. Fast schon im Stil einer Sozialreportage schildert er das tägliche Leben seiner Protagonisten sowie die allmähliche Veränderung ihrer Persönlichkeit. Fast könnte man glauben, dass jeder, der auf San Miguel ankommt, dem Untergang geweiht ist und die Insel ihren Tribut in Form von Leben fordert.

Ein großartiger historischer Roman, der mit den in diesem Genre üblichen Herz-Schmerz-Schmonzetten, nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hat!


Feuerteufel: Roman
Feuerteufel: Roman
von Ninni Schulman
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jeder könnte der Täter sein ..., 9. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Feuerteufel: Roman (Taschenbuch)
Nach "Das Mädchen im Schnee", dem Debüt der Autorin, das in Schweden die Bestsellerlisten stürmte, ist "Feuerteufel" der zweite Kriminalroman der Schwedin Ninni Schulman:

Es ist Spätsommer, die Ferien sind vorbei und ein Brandstifter treibt in Värmland sein Unwesen. Es beginnt in der kleinen Gemeinde Hagfors, dort brennt ein Haus bis auf den Grund nieder und dessen Bewohner können den Flammen nicht entkommen. Es vergehen nur ein paar Tage, bis dem Rettungsdienst der nächste Brand gemeldet wird. Angst und Schrecken breiten sich wie das sprichwörtliche Lauffeuer aus, denn an jedem Brandort wird ein Blatt Papier mit einer identischen Botschaft gefunden, was vermuten lässt, dass hier ein Rachefeldzug im Gange ist. Die Polizei steht vor einer großen Herausforderung und eröffnet die Jagd auf den Feuerteufel.

In Feuerteufel" gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, denn aus dem Vorgängerband tauchen erfreulicherweise im Laufe der Ermittlungen einige bekannten Personen wie Magdalena, Petter, Christer Berglund und Petra Wilander wieder auf.

Die Story dieses Kriminalromans ist nicht sehr kompliziert, unübersichtlich wird es lediglich durch die Vielzahl der Personen, die die Autorin mit ihren jeweiligen Eigenheiten präsentiert. Nahezu jeder Einwohner des Ortes scheint verdächtig, wenn man ihn und seine Handlungen aus dem entsprechenden Blickwinkel betrachtet. Leider aber nicht wie an der Schnur, sondern kreuz und quer, präsentiert Frau Schulman die diversesten Mütter, Ex-Männer und problematischen Teenager, Scheidungen, Drogen, Sachbeschädigungungen - alles, wirklich alles ist präsent und trägt in der Menge an Daten leider zur allgemeinen Verwirrung bei.

Vielleicht hätte man die Anzahl der Verdächtigen verringern sollen, denn der Lesefluss wird durch ständiges Rückblättern immer wieder gehemmt, was natürlich auch zu Lasten der Spannung geht. Aber auch die Glaubwürdigkeit der Geschichte leidet darunter, denn ich habe mich während der Lektüre immer wieder gefragt, ob in Värmland tatsächlich nur Sonderlinge mit seltsamen Angewohnheiten leben, die sich von dem Täter kaum unterscheiden.

Typisch skandinavisch in Schulmans "Feuerteufel" ist dieser Hauch von Melancholie, der über allem liegt, diese unterschwellige Traurigkeit, die bei fast allen beteiligten Personen zu finden ist, da jeder von ihnen Unverarbeitetes im Gepäck mit sich herumträgt. Aber das kennen wir ja auch bereits aus anderen Schweden-Krimis ...


Wenn die Wale an Land gehen
Wenn die Wale an Land gehen
von Kathrin Aehnlich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grau gegen Bunt, 6. September 2013
Mein Interesse an dem neuen Roman von Kathrin Aehnlich Wenn die Wale an Land gehen" wurde spätestens dann geweckt, als ich das Reiseziel der Protagonistin gesehen habe - New York. Wie wird wohl jemand den Aufenthalt in der schillernden Metropole am Hudson empfinden, der die prägenden Jahre seines Lebens in der DDR zugebracht hat, einem Land, mit dem ich immer die Farbe Grau assoziiert habe?

Roswitha Sonntag hat gerade eine Scheidung hinter sich gebracht und beschließt, nach einer hingeworfenen Bemerkung ihres Ex-Ehemannes, einen Ausflug in die Vergangenheit zu unternehmen und ihre Jugendliebe Mick, der in New York lebt, zu besuchen. Mit ihm an ihrer Seite hat sie die Studienzeit verbracht und die kleinen Fluchten aus dem sozialistischen Alltag unternommen, wobei immer die Kultur in Form von Film, Musik und Schauspiel das Element der Freiheit verkörpert. Von der Obrigkeit werden diese Unternehmungen nur eine gewisse Zeit geduldet, bis sich schließlich die Stasi für die Studenten interessiert und Nachforschungen anstellt. Roswitha resigniert und beugt sich, Mick rebelliert und flüchtet ins Land des Klassenfeindes.

Um sowohl die Konstanten als auch die Veränderungen in der Biografie der Hautfigur aufzuzeigen, wechselt die Autorin gekonnt zwischen den Zeiten und damit auch den Orten hin und her. Sie zeigt uns die Vergangenheit der achtziger Jahre im Osten, einerseits geprägt von Unterdrückung und Langeweile, andererseits aber auch die kleinen Rebellionen gegen den verordneten Mief, wenn die Studenten beispielsweise ihre Rock-Oper aufführen und mit der Musik der verhassten Amerikaner unterlegen. In der Gegenwart überquert Roswitha einen Ozean und macht sich, ohne konkrete Informationen und Anhaltspunkte in New York auf die Suche nach Mick und ihrer verlorenen Jugend. Und immer und überall schafft Musik die Verbindungen.

Ich gehe davon aus, dass Kathrin Aehnlichs Sozialisation einige Gemeinsamkeiten mit der ihrer Protagonistin hat, denn sie schildert nicht nur die Zustände in der DDR und den sozialistischen Alltag, sondern auch die Emotionen der Mitglieder der Studentenclique sehr intensiv und anschaulich. Aber auch die Empfindungen, mit denen sich Roswitha Sonntag in New York konfrontiert sieht, beschreibt sie äußerst eindrucksvoll.

Wenn die Wale an Land gehen" ist ein leises, ein nachdenkliches Buch, das aber unter der Oberfläche sehr optimistisch ist und seinen Lesern die Botschaft vermittelt, dass Träume keine Schäume sind, sondern trotz vieler Widrigkeiten Realität werden können, wenn man ihnen nur die Gelegenheit dazu gibt.


Der Schlaf und der Tod: Thriller
Der Schlaf und der Tod: Thriller
von A. J. Kazinski
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Philosophisch und langatmig, 6. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Schlaf und der Tod: Thriller (Broschiert)
Der Schlaf und der Tod" ist nach Die Auerwählten" die zweite Gemeinschaftsproduktion der beiden dänischen Autoren Anders Ronnow Klarlund und Jacob Weinreich.

Auf einer Eisenbahnbrücke steht mitten in der Nacht Dicte van Hauen, Primaballerina des Königlichen Ballets, sie ist unbekleidet und will sich in die Tiefe stürzen. Kommissar Niels Bentzon, ausgebildet für solche Krisensitationen, wird zur Unterstützung der Kollegen vor Ort angefordert, kann aber den Selbstmord der jungen Frau nicht verhindern. Was hat sie bloß in diese ausweglose Situation getrieben?

Die nachfolgenden Untersuchungen des Leichnams ergeben, dass die Tote Wasser in den Lungen hat und im Blut sind diverse Drogen zu finden, aber das ist noch nicht alles - auf ihrem Brustkorb sieht man Male, wie sie nur ein Defibrillator verursacht. Bentzon bezweifelt den Selbstmord und nimmt die Ermittlungen auf.

Leben, Tod, die Zwischenwelt" und das Jenseits, das sind die Themen, die diesen Thriller bestimmen. Und fast jede Person, die in irgendeiner Weise an diesem Fall beteiligt ist, hat ihre ureigensten Erfahrungen damit gemacht. Ob das nun eine Tote ist, die mittels Wiederbelebung zurück ins Leben geholt wurde, oder ein Ehemann, der den gewaltsamen Tod seiner Frau nicht verkraften kann, weil deren Mörder nicht entlarvt wurde - sie alle sind Grenzgänger.

Was geschieht mit uns nach dem Tod? Gibt es so etwas wie eine Seele tatsächlich? Wenn ja, wohin verschwindet diese? Und kann ein Nahtoter, nachdem er ins Leben zurückgeholt wird, Auskünfte über die andere Seite" geben?
Diese Fragen bestimmen den Großteil der Handlung, und die dazugehörigen Ausführungen sind eher im philosophischen, denn im Thrillerbereich anzusiedeln. Und dennoch bleiben Ethik und Moral außen vor, denn jeder verfolgt mit Besessenheit seine eigenen Ziele und ist dafür auch bereit, über Leichen zu gehen.

Der Schlaf und der Tod" firmiert zwar als Thriller, aber diese Zuordnung ist meiner Meinung nach problematisch - für mich ist es eher ein Drama in Romanform. Zwar gibt es einen aufzuklärenden Mord, aber selbst die Suche nach dem Täter wird immer wieder von den philosophischen Nahtod-Betrachtungen überlagert.

Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich mir wesentlich mehr von diesem Buch versprochen, zumal die beiden Autoren üblicherweise im Film- und TV-Geschäft tätig sind und eigentlich wissen sollten, wie eine spannende Story anzulegen ist. Mir war die Geschichte auf alle Fälle zu langatmig und zu spannungsarm erzählt.


London
London
von Miroslav Sasek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen London für Kinder - vor fünf Jahrzehnten, 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: London (Gebundene Ausgabe)
"London" ist die Faksimile-Ausgabe des 1959 im Original erschienenen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Bilderbuchs des 1980 verstorbenen Autors/Illustrators Miroslav Sasek. Ursprünglich als Reiseführer für Kinder konzipiert, dürfte das Buch heute eher Erwachsene ansprechen, die eine nostalgische Affinität zu dieser Metropole haben.

Sofort ins Auge fallen natürlich die großflächigen und farbenprächtigen Illustrationen, wobei sich Sasek nicht nur auf die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Buckingham Palace, Tower und Big Ben beschränkt, sondern in seinen Bildern ebenfalls Personengruppen, die man so nur in London findet - man denke nur an den Bobby und die Wachen am Tower - sowie typisch britische Eigenheiten wie den Nachtmittagstee und das disziplinierte Schlangestehen präsentiert.

Sasek verarbeitet seine eigenen Impressionen, sei es nun das Wetter oder aber die Geschäftigkeit in den Straßen der Metropole und vermittelt so dem Leser das Gefühl, mitten im Zentrum zu sein. Die jeweiligen Texte zu den Bildern sind kurz gehalten und dennoch informativ, leicht verständlich und meist mit einem Augenzwinkern humorvoll geschrieben, sodass die Lektüre des Buches auch einem London-Kenner großes Vergnügen bereitet.

Ergänzend dazu gibt es einen ausführlichen Anhang, in dem auf die einzelnen Illustrationen Bezug genommen und aufgezeigt wird, inwieweit sich mittlerweile Veränderungen ergeben haben, wobei sich dies glücklicherweise nicht nur auf städtebauliche Aspekte beschränkt.

Den praktischen Nutzen würde ich allerdings für dieses Buch geringer einschätzen, da es sich zum einen, bedingt durch das Großformat, nicht als Reiseführer eignet, zum anderen gibt es mittlerweile viele, gerade für das Reisen mit Kindern, attraktivere Ziele, die natürlich wegen des Zeitpunkts des ursprünglichen Erscheinungsjahres, nicht erwähnt werden können. Heutzutage finden Kinder Harry Potter oder das London Eye wahrscheinlich interessanter als das Roosevelt-Denkmal auf dem Grosvenor Square, geschweige denn, dass sie wissen, wer dieser Roosevelt war.

Natürlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert, aber die wesentlichen Dinge, die für den Autor bereits 1959 bemerkenswert waren, sind glücklicherweise gleich geblieben. Sasek fängt mit seinen Bildern die Atmosphäre der Stadt ein: liebenswert, bunt, mit vielen unterschiedlichen Facetten - genau das macht den Charme nicht nur dieser Metropole, sondern auch dieses Buches aus.


Ich will vergelten: Thriller
Ich will vergelten: Thriller
von Mari Hannah
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Spannender Whodunit mit Lokalkolorit, 2. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Ich will vergelten: Thriller (Taschenbuch)
"Ich will vergelten" ist nach Sein Zorn komme über uns" der zweite Kriminalroman der Serie um DCI Kate Daniels, Ermittlerin bei der Mordkommission in Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands.

Gerade erst aus dem Genesungsurlaub zurückgekehrt wird DCI Daniels zu dem Fundort einer Leiche gerufen. Am Fuße des Hadrianswalls liegt eine junge Frau mit High Heels und Cocktailkleid - nicht gerade die typische Wanderkleidung - die jeden einzelnen Knochen im Leib gebrochen hat. Erste Untersuchungen ergeben, dass sie noch am Leben war, als sie aus großer Höhe, vermutlich aus einem Flugzeug, herab geworfen wurde.

Als kurze Zeit später der Geschäftsmann Adam Finch die Entführung seiner Tochter Jessica anzeigt sowie einen Erpresserbrief vorlegt, scheint zumindest die Identität der Toten geklärt. Aber das stellt sich als Irrtum heraus, und so beginnt zum einen die fieberhafte Suche nach der Entführten, zum anderen gilt es natürlich, die Identität der Toten zu klären.

Wäre "Ich will vergelten" ein deutscher Kriminalroman, würde man ihn mit dem Etikett "Regional" versehen, denn die detaillierte Beschreibungen der ländlichen Gegend von Northumberland gibt der Handlung eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Story ist auf die Person von DCI Kate Daniels zugeschnitten, eine Hauptfigur, die man sich mit ihrem Team perfekt in einer BBC-Serie vorstellen kann. Daniels ist kompetent, hat keine Allüren, steht mit beiden Beinen auf dem Boden und wird von Vorgesetzten wie Kollegen gleichermaßen geschätzt - eine rundum sympathische Protagonistin, die aber auch Ecken und Kanten hat.

Mari Hannah hat als Bewährungshelferin eng mit der Polizei zusammengearbeitet d.h. sie kennt die Arbeitsweise und die inneren Mechanismen der Polizei, wenn es darum geht, einen Mordfall zu untersuchen oder eine Entführung aufzuklären. Das wirkt sich sehr positiv sowohl auf die Geschichte als auch auf die Personen aus, die zu jedem Zeitpunkt glaubhaft und realistisch wirken.

Ein spannender Krimi, in dem es weder übertriebene Gewaltdarstellungen noch kaputte Ermittler gibt, der aber mit jeder Menge Lokalkolorit aufwartet - genau das, was man als Leser von einem eher traditionell angelegten englischen Whodunit erwartet.


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