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Rezensionen verfasst von
Hamlet
(TOP 500 REZENSENT)   

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Das Gesetz des Sterbens: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 20)
Das Gesetz des Sterbens: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 20)
von Ian Rankin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und alles ist mit allem verbunden..., 19. Mai 2016
Zweimal hat sich der ehemalige Inspektor John Rebus bereits in den Ruhestand verabschiedet. Zwar ohne Abschiedsparty, aber das war glücklicherweise auch nicht notwendig, denn seine ehemaligen Kollegen wissen noch immer, wo sie ihn finden können, wenn sie seine Unterstützung benötigen. Im Zweifel bietet sich da doch immer die Oxford-Bar an, sein zweites Wohnzimmer, auch wenn er auf ärztlichen Rat hin weniger rauchen und trinken sollte. Und diesmal ist seine Unterstützung mehr denn je gefragt.

Aber schön der Reihe nach: Siobhan Clarkes aktueller Fall entwickelt sich von einem missglückten Einbruch zu einer Mordermittlung, als bei der Leiche des ehemaligen Staatsanwaltes Lord Minton ein Zettel mit der Nachricht „Ich bringe dich um für das, was du getan hast“ gefunden wird. Die ehemalige Kollegin von Rebus ist nun auch im Rang eines DI und leitet die Untersuchungen. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Malcolm Fox werden die beiden zu Big Ger Caffertys Haus gerufen. Jemand hat durch das Fenster geschossen, aber Cafferty weigert sich, mit den Polizisten zu reden. Als einzigen Gesprächspartner akzeptiert er nur seinen alten Feind und Weggefährten John Rebus, der daraufhin zum Tatort gebracht wird. Es stellt sich heraus, dass der Edinburgher Unterweltboss die gleiche Mitteilung wie Minton erhalten hat. Tragen hier konkurrierende Gangs aus Glasgow und Edinburgh ihre Revierkämpfe aus, um die alleinige Herrschaft zu erlangen? Clarke braucht alle Hilfe, die sie bekommen kann, und so engagiert sie ihren ehemaligen Chef als Berater in diesem Fall. Eine neue Karriere für John Rebus. Parallel dazu behält Malcolm Fox, der ehemalige Fachmann für interne Ermittlungen, die Glasgower Kollegen im Blick. Diese sind auf das kürzlich in Edinburgh aufgetauchte Vater-Sohn Duo Joe und Dennis Stark aus der Stadt am Clyde angesetzt. Offenbar sind diese beiden nicht nur hinter einem ihrer Kumpane her, der mit einer Wagenladung Drogen spurlos verschwunden ist, sondern möchten auch ihren Einflussbereich ausdehnen.

Es sind komplexe Handlungsstränge, die Ian Rankin in seinem neuen Kriminalroman „Das Gesetz des Sterbens“ (wieder einmal prima übersetzt von Conny Lösch) nach und nach entwickelt und im Verlauf der Handlung souverän miteinander verknüpft. Natürlich die aktuellen Fälle, die die beiden Detectives Clarke und Fox und ihr „Freier Berater“ Rebus bearbeiten, aber auch Ereignisse aus der dunklen Vergangenheit der Stadt, die im Laufe der Ermittlungen plötzlich aufploppen und mit denen niemand gerechnet hat. Und hier wird auch der Bezug zu dem Originaltitel „Even dogs in the wild“ (nach einem Song der schottischen Post Punk Band „The Associates“) deutlich: „Even dogs in the wild will protect and will care for whatever means most to them“. Und wie so oft ist alles mit allem verbunden…

Aber auch das Katz und Maus-Spiel der beiden „alten Männer“, deren Zeit allmählich vorbei ist, hat dieser Story einen besonderen Effekt gegeben. Eine lebenslanger Feindschaft, aber auch die Verbundenheit zweier Weggefährten, die jeder für sich die verschiedensten Herausforderungen im Umgang mit dem jeweils anderen meistern muss, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen.

Und nicht zu vergessen Edinburgh, die heimliche Hauptdarstellerin der Rebus-Krimis. Nicht einmal in Ansätzen „cozy“, sondern immer „noir“, immer „a punch in the gut“, mit ihrer besonderen Atmosphäre. Dunkel, etwas spröde, mit bewegter Vergangenheit und Gegenwart, einfach mitten im Leben. Wie Ian Rankins Krimis!


Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island
Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island
von Chloe Hooper
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

5.0 von 5 Sternen Weit mehr als die Schilderung eines gewaltsamen Todes, 18. Mai 2016
„Der große Mann: Leben und Sterben auf Palm Island“ ist im Original bereits 2008 erschienen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nun ist diese Reportage, dem Verlag Liebeskind sei Dank, endlich auch ihn deutscher Übersetzung erhältlich. Die Geschichte, die die australische Autorin Chloe Hooper darin erzählt, beruht auf einem tatsächlichen Ereignis, ist aber weit mehr als die Schilderung eines gewaltsamen Todes und des nachfolgenden Prozesses.

Der Vorfall trägt sich im November 2004 auf Great Palm Island zu, jener zu Queensland gehörenden Insel, die der Regierung als Abschiebelager und Ghetto für Aborigines dient und als äußerst gewalttätiger Ort bekannt ist. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 90 Prozent, Alkoholismus und Drogensucht ist weit verbreitet, Gewalt in jeglicher Form, Mord und Selbstmord gehören zur Tagesordnung. Es ist quasi ein rechtsfreier Raum.

Auf die ca. 2500 Einwohner kommen eine Handvoll Polizisten unter der Leitung von Christopher Hurley, einem "Großen Mann", allesamt weiß. Hurley gefällt sich in seiner Rolle als Gesetzeshüter und harter Bursche, und so ist es nicht verwunderlich, dass er Respekt einfordert. Den Aborigines gegenüber fühlt er sich überlegen, gefällt sich in seiner Rolle als Gesetzeshüter. Und so jemandem muss man natürlich Respekt entgegenbringen.

Cameron Doomadgee, ein Aborigine, lässt diesen offenbar vermissen, als er in angetrunkenem Zustand kontrolliert wird und daraufhin das Lied „Who let the dogs out“ vor sich hin summt. Er wird verhaftet und auf die Wache transportiert, und eine knappe Stunde später liegt er tot am Boden. Angeblich ist er über eine Stufe gestolpert und hat sich dabei schwer verletzt. Ein blaues Auge, Blutergüsse am ganzen Körper, die Leber in zwei Teile gerissen, diverse gebrochene Rippen und eine Bauchvenenruptur. Zuerst passiert nichts. Erst als die Öffentlichkeit ihrer Empörung Luft macht, sieht sich der Generalstaatsanwalt genötigt zu reagieren und ein Gerichtsverfahren gegen Hurley einzuleiten.

Chloe Hooper erzählt nicht nur die Geschichte von Cameron Doomadgee, sondern zeichnet damit auch das Bild einer Gesellschaft, die sich auf Rassismus gründet. In der einer ganzen Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer Hautfarbe die Identität genommen wird. Die Aborigines werden ins Abseits gedrängt Grundrechte verweigert, Übergriffe werden durch die staatlichen Stellen geduldet, der Willkür ist Tür und Tor geöffnet – ein Leben ohne Perspektive, analog dem Umgang der US-Regierung/-Bürger mit den Afroamerikanern und den Natives. Hooper zeigt das Große im Kleinen, beschreibt eine erschütternde, australische Tragödie. Nachdrücklich empfohlen!


Straße der Wunder
Straße der Wunder
von John Irving
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

4.0 von 5 Sternen Im Labyrinth der Erinnerungen des John Irving, 17. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Straße der Wunder (Gebundene Ausgabe)
Wer mit den Werken John Irvings vertraut ist, wird auch von seinem neuesten Roman „Straße der Wunder“ nicht enttäuscht werden. Virtuos wie immer variiert er die Motive, die wir bereits aus seinen früheren Geschichten kennen. Da gibt es eine dysfunktionale Familie, Kinder mit besonderen Begabungen, schräge Ersatzeltern, einen Zirkus und – natürlich – einen Schriftsteller, diesmal mit Namen Juan Diego.

Dieser ist erfolgreich, ein Mann in den besten Jahren, aber mit gesundheitlichen Problemen, die medikamentös behandelt werden. Und genau diese Pillen sind dafür verantwortlich, dass er immer wieder wegdämmert und durch Erinnerungsfetzen mäandert. Vaterlos aufgewachsen in Mexiko am Rande einer Müllkippe, die unendlich viele Schätze in Form von Büchern birgt, die Juan Diego aus dem Abfall klaubt. Gesellschaft leistet ihm seine Schwester Lupe, ein Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten. Sie kann Menschen lesen und in die Zukunft schauen, aber sich nur ihrem Bruder gegenüber verständlich machen, der ihr Ein und Alles ist. Für ihn ist sie sogar bereit, ihr Leben zu riskieren. Aber es gibt noch weitere Menschen, die Juan Diego auf seinem Weg begleiten. Ob das nun der Chef der Mülldeponie, der Lehrer an der Jesuitenschule, der Doktor oder der Missionar ist, der ihn schließlich mit ins gelobte Land Amerika nimmt – sie alle haben Anteil an dem, was aus ihm geworden ist.

Es sind diese Fragen nach Herkunft und Begegnung, die ausnahmslos immer im Zentrum von John Irvings Romanen stehen. So auch in „Straße der Wunder“. Da der Autor mit einer Vielzahl von Personen und Orten arbeitet und durch die Zeiten springt, fabuliert und assoziiert, benötigt der Leser Geduld und Zeit, um in die Geschichte hineinzufinden.

Man mag dem Autor vorhalten, dass er die Themen, die ihn bewegen, schon unzählige Male in den verschiedensten Variationen in seinen Romanen verwendet hat. Das ist durchaus zutreffend, schmälert allerdings nicht deren Unterhaltungswert. Denn die Virtuosität, mit der Irving fabuliert und assoziiert, sucht ihres gleichen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2016 6:41 PM MEST


Inspektor Jury und die Frau in Rot: Ein Inspektor-Jury-Roman 23
Inspektor Jury und die Frau in Rot: Ein Inspektor-Jury-Roman 23
von Martha Grimes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Auf dem Weg zurück zu alter Stärke, 17. Mai 2016
Nach „All die schönen Toten“, dem 2010 erschienenen Kriminalroman mit Inspektor Richard Jury, hatte ich mich eigentlich dafür entschieden, die Reihe nicht mehr weiter zu verfolgen. Die Story war uninspiriert, das Personal lieblos gezeichnet, die Luft war raus. Aber alte Bekannte lässt man nicht so einfach ziehen, und so habe ich mit Interesse die Kritiken nach dem Erscheinen von „Vertigo 42“, so der Originaltitel des vor kurzem in der deutschen Übersetzung erschienenen „Inspektor Jury und die Frau in Rot“, dem 23. Band mit Richard Jury, verfolgt. Nur gut, dass ich meine Meinung revidiert habe, denn offenbar hat die lange Pause der Autorin und somit auch ihrem Werk gut getan.

Jury trifft sich mit Tom Williamsson, dem Bekannten eines Freundes, in der Londoner „Vertigo 42“ Bar (Verbeugung vor Altmeister Hitchcock). Dieser bittet ihn darum, den ungeklärten Todesfall seiner Frau Tess wieder aufzurollen. Diese stürzte infolge einer Schwindelattacke vor vielen Jahren zu Tode, so die offizielle Version. Doch es bleibt ein Rest von Zweifel bei dem Witwer, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist, da seine verstorbene Frau in den tragischen Unfalltod eines Mädchens bei einer Party, die sie für die Nachbarskinder veranstaltet hatte, verwickelt war. Jury übernimmt den Fall, und um sich von den Gegebenheiten vor Ort zu überzeugen, macht er sich auf den Weg nach Devon. Aber nicht, ohne vorher bei seinem alten Freund Melrose Plant auf Ardry End vorbeizuschauen. Und auch dort gibt es einen seltsamen Todesfall. Eine junge Frau, gekleidet in eine rote Designerrobe, wird in der Nähe des Landsitzes am Fuße eines Turms tot aufgefunden. Ein Fall für den Amateurdetektiv Plant, natürlich mit der Unterstützung seines Freundes Jury…

Im vorliegenden Kriminalroman sind es miteinander verwobenen Fälle, wobei die Todesfälle der Vergangenheit ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart zeigen und Richard Jury beschäftigen. Und wie so oft geht es um verhängnisvolle Beziehungen, um Freundschaft, um Liebe und um Hass.

Martha Grimes schreibt britische Cozy-Krimis in Reinkultur à la Agatha Christie, die sie mit den entsprechenden „Zutaten“ entsprechend aufpeppt. Exzentrische Figuren, der typische schräge Humor, die englischen Rituale – dies alles macht aus dem vorliegenden Roman eine höchst unterhaltsame Lektüre, bei der der Leser auch die eine oder andere Ungereimtheit im Handlungsaufbau verzeiht. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Autorin zukünftig nicht nur mit den bekannten Versatzstücken arbeitet, sondern auch neue Ideen einbringt, damit ein frischer Wind durch ihre Krimis weht. Denn irgendwann ist auch das erfolgreichste Pferd tot geritten.


Im Schatten der Königin: Ein Tudor-Roman
Im Schatten der Königin: Ein Tudor-Roman
von Elizabeth Fremantle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwesternliebe, Schwesternhass, 10. Mai 2016
Die Autorin Elizabeth Fremantle konzentriert sich in ihren historischen Romanen auf eine höchst interessante Epoche der englischen Geschichte. Es ist das Zeitalter der Tudors und der englischen Renaissance, und Fremantle beschreibt in farbenprächtigen Bildern nicht nur das Leben am Hofe, sondern auch ganz besondere Einzelschicksale wie beispielsweise in ihrem Erstling „Spiel der Königin“, in dessen Zentrum Catherine Parr steht, die sechste und letzte Ehefrau Henrys VIII.

In ihrem aktuellen Roman „Im Schatten der Königin“ geht Fremantle weiter in der Chronologie, denn hier dreht sich nun alles um die Töchter der Familie Grey. Jeder, der sich mit der englischen Geschichte der Tudorzeit beschäftigt, kennt das tragische Schicksal der „Neuntagekönigin“ Lady Jane Grey, der protestantischen Nachfolgerin Edward VI. auf Englands Thron, die das Festhalten an ihrem Glauben mit dem Leben bezahlen musste. Auch nach ihrer Hinrichtung sind sowohl ihre Mutter Frances als auch ihre beiden Schwestern Katherine, die herzgesteuerte Schönheit, und Mary, die Intelligente mit körperlichem Makel, am Hofe von Queen Mary zu finden und leben tagtäglich in der Angst, das gleiche Schicksal wie Jane zu erleiden. Als nach dem Tode der „Bloody Mary“ Elisabeth I. den Thron besteigt, entspannt sich die Situation kurzzeitig, aber schon bald müssen die Schwestern schmerzlich feststellen, dass es ihr eigener Wille nichts gilt, sondern dass es immer die Monarchen sind, die schlussendlich das letzte Wort bei Entscheidungen haben.

Es sind drei verschiedene Perspektiven, aus denen die Autorin diese turbulente Jahre erzählen lässt. Zum einen sind das natürlich die beiden Grey-Schwestern Katherine und Mary, zum anderen werden deren Schilderungen durch die Sicht Levinas ergänzt. Diese ist nicht nur eine loyale Freundin der Familie Grey, sondern auch noch eine Porträtmalerin und kommt somit auch mit den unterschiedlichsten Menschen in Kontakt. Ihre Sichtweise ergänzt die höfischen Details der Adligen mit den Darstellungen des Lebens der „normalen“ Menschen am Hofe. Gleichzeitig ist sie die kommentierende Stimme, die analysiert und zu ergründen versucht.

„Im Schatten der Königin“ ist ein üppiger Roman, in dessen Zentrum zwei ungleiche Schwesternpaare stehen. Einerseits Mary und Elisabeth, in Hass verbunden, andererseits Katherine und Mary, die füreinander durchs Feuer gehen würden. Schwesternliebe, Schwesternhass und Loyalität – auf diesen drei Säulen ruht Fremantles Geschichte, die eng an den historisch belegbaren Tatsachen bleibt. Eine höchst unterhaltsame Geschichtsstunde, allen Lesern wärmstens empfohlen, die sich für die englische Historie interessieren.


Der Anruf: Thriller
Der Anruf: Thriller
von Olen Steinhauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Katz und Maus, 9. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Anruf: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Wenn der amerikanische Autor Olen Steinhauer in einem Atemzug mit John le Carré genannt wird, sollte man ihn sich einmal genauer anschauen. Vor allem auch, weil seine Politthriller mit Preisen ausgezeichnet werden und regelmäßig auf der KrimiZeit-Bestenliste zu finden sind. In der Übersetzung liegt bisher die Milo Weaver-Trilogie mit „Der Tourist“, „Last Exit“ und „Die Spinne“ sowie die beiden Stand alones „Die Kairo-Affäre“ und „Der Anruf“ vor.

In seinem neuesten Roman „Der Anruf“, gerade erst im Blessing Berlag erschienen, treffen sich im Jahr 2012 zwei Freunde in einem Restaurant im kalifornischen Carmel-by-the-Sea. Henry Pelham und Celia Favreau, früher nicht nur ein Liebespaar sondern auch Arbeitskollegen bei der CIA. Celia hat dieses Leben vor geraumer Zeit hinter sich gelassen, lebt nun mit Mann und Kindern das Leben einer amerikanischen Vorstadthausfrau. Hanry hingegen ist noch für die Agency tätig, und hat auf deren Geheiß auch das Treffen mit seiner ehemaligen Partnerin arrangiert, denn es gibt interne Ermittlungen zu einem Fall in Wien aus dem Jahr 2006, an dem sie beide beteiligt waren. Terroristen brachten damals einen Airbus mit 120 Passagieren in ihre Gewalt, um Sympathisanten freizupressen. Die Befreiungsaktion der CIA geht gründlich in die Hose, und alle Geiseln kommen dabei ums Leben. Offenbar hat jemand aus dem inneren Kreis der Agency den Entführern den Plan verraten. Unter Berücksichtigung aller Fakten bleiben schlussendlich nur noch wenige Verdächtige übrig, und eine davon ist Celia.

Henry und Celia erzählen im Wechsel ihre Version der missglückten Geiselbefreiung. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden Protagonisten aufführen, wobei die Rollen allerdings nicht klar verteilt sind. Sie umkreisen sich in dem Gespräch, wobei sich das anfängliche Geplänkel zweier Freunde, die sich lange nicht gesehen haben, recht schnell in eine intensive Befragung von Seiten Henrys umkehrt. Doch Celia ist auf der Hut, vermeidet die Fallen, die ihr ehemaliger Partner auslegt, und kontert im richtigen Moment, jederzeit bereit zuzuschlagen. Die Frage ist nur, wer den letzten Trumpf ausspielen wird.

Ausführliche Rückblenden, im Wechsel aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt, verlangen dem Leser einiges an Geduld ab, bis der Autor auf den Punkt kommt. Sehr detailverliebt dreht sich die Unterhaltung seitenlang im Kreis, wobei Celia und Henry ihre jeweiligen emotionalen Befindlichkeiten bis ins Kleinste beschreiben, was ich unglaublich anstrengend und ermüdend fand. Meiner Meinung nach hätte dem Roman etwas weniger Nabelschau und etwas mehr Tempo gut zu Gesicht gestanden. Kann man lesen, muss man aber nicht.


The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte
The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte
von Malin Elmlid
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eating, baking bread, sleeping, making jokes and falling in love, 8. Mai 2016
Brot ist ein elementares Lebensmittel, und mir ging es damit ähnlich wie der schwedischen Globetrotterin und Autorin Malin Elmlid. Seit geraumer Zeit ärgere ich mich darüber, dass fast in jeder Bäckerei das gleiche Angebot vorhanden ist. Brote mit merkwürdigen Phantasienamen, alle ausnahmslos mit dubiosen Backmischungen hergestellt, die Stoffe beinhalten, die man absolut nicht benötigt, um ein gesundes, wohlschmeckendes Ergebnis zu erhalten. Meine Konsequenz daraus war und ist das Selberbacken. Natürlich ist dies mit zeitlichem Aufwand verbunden, aber selbst als Vollzeit-Berufstätige ist das kein Problem, solange die entsprechende Motivation vorhanden ist.

Wasser, Mehl und Salz – drei Zutaten, die immer und überall erhältlich sind, mehr braucht es nicht für ein gutes Brot. Und natürlich etwas Zeit. Und genau damit startet Malin Elmlids Projekt. Mittlerweile ist sie fast rund um die Welt gereist, den Sauerteig im Gepäck. Hat viele interessante Menschenund ihre Geschichten kennengelernt. Backt ihr Brot und tauscht es gegen die verschiedensten Dinge ein. Lernt neue Rezepte kennen. Und teilt ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit uns Lesern/Hobbybäckern auf ihrem Blog „thebreadexchange.com“ und in den Sozialen Netzwerken. Seit neuestem ist nun auch „The Bread Exchange: Vom Reisen und Tauschen mit einem Sauerteig im Gepäck - Geschichten und Rezepte“ (veröffentlicht bei Prestel) erhältlich, ein Back-Reise-Tagebuch mit vielen schönen Fotografien, in dem man ihre Geschichten und Rezeptanleitungen nachlesen kann.

Aber da der Mensch nicht nur von Brot allein lebt, findet man natürlich auch Rezepte für Aufstriche oder typische, brotlose Gerichte aus den Ländern, die Malin Elmlid bereist hat, immer verknüpft mit besonderen Situationen oder Personen, die dabei ihren Weg gekreuzt und sie nachdrücklich beeindruckt haben. Man kann es nur vermuten, aber ich denke, dass die Autorin ähnliches mit uns im Sinn hat. Sie möchte ihre Erlebnisse mit und teilen, Anstöße geben und inspirieren. Dazu animieren, dass wir uns wieder auf die elementaren Dinge des Lebens besinnen. Wie sie bereits vor einiger Zeit in einem Interview mit der englischen Zeitschrift „The Guardian“ sagte: “Eating, baking bread, sleeping, making jokes and falling in love”.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!


Nadjas Katze: Ein Berndorf-Roman (Berndorf ermittelt, Band 10)
Nadjas Katze: Ein Berndorf-Roman (Berndorf ermittelt, Band 10)
von Ulrich Ritzel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spurensuche im Wald der Erinnerung, 8. Mai 2016
Auch in seinem zehnten Berndorf-Krimi bleibt der Autor Ulrich Ritzel seinem bewährten Konzept treu. Er taucht ein in die deutsche Zeitgeschichte, mischt Fakten mit Fiktion und konstruiert eine vielschichtige, aber dennoch bis ins Detail logische Geschichte, in der sich sein Ermittler der eigenen Vergangenheit stellen muss.

Es beginnt alles mit einem schmalen Heftchen, das die ehemalige Freiburger Studienrätin Nadja Schwertfeger in einem Antiquariat findet. Ihre Passion gilt den vergessenen und unbekannten Schriftstellern. Die Lektüre der „Nachtwache des Soldaten Pietzsch“, so der Titel der Erzählung, verunsichert sie aber zutiefst, denn neben den Geschehnissen in der Nacht des 19. April 1945 in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb ist darin auch von einer speziellen Stoffkatze die Rede. Und genau das gleiche Kuscheltier besitzt die adoptierte Nadja als einzige Erinnerung an ihre leibliche Mutter. Und so beginnt sie mit Hilfe ihrer Freundin Wally nachzuforschen, inwieweit die Erzählung des unbekannten Autors Anderweg einen realen Kern hat. Die Spur führt auf die Schwäbische Alb in das kleine Dorf Wieshülen, aber kaum jemand mag mit ihr über die Ereignisse in den letzten Wochen und Monaten des Zweiten Weltkriegs reden. Man verweist sie an Hans Berndorf, den ehemaligen Ulmer Polizisten, jetzt in Berlin lebend, der ebenfalls dort aufgewachsen ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf Spurensuche, nicht wissend, dass sie sich damit auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen müssen, sondern auch ein dunkles Kapitel des Dorflebens enthüllen werden.

Wie immer nähert sich Ulrich Ritzel behutsam dem eigentlichen Thema seines Kriminalromans, dem Verdrängen und Verschweigen und den Auswirkungen, die dieses Verhalten bis in die Gegenwart nach sich zieht. Sei es nun der Umgang mit den Fremden, den Flüchtlingen und Zwangsarbeitern, die die dörfliche Ruhe stören. Aber auch die strammen Gefolgsleuten Hitlers, die nach Kriegsende ihr Schäflein ins Trockene bringen, geraten in den Fokus. Das Ende eines Krieges, das kein neuer Anfang, sondern ein kollektives Verleugnen von Schuld ist.

Der Autor erzählt eindringlich und realistisch, nutzt dafür auch historisches Quellenmaterial, das am Ende des Buches aufgeführt wird. Die klassische Frage nach Opfer und Täter in dem fiktionalen Strang seines Kriminalromans wird zur Nebensache, wesentlich interessanter ist die Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ereignissen, denn „…im Wald der Erinnerungen (…) darf man keinen Schritt zur Seite tun. Und das Gebüsch am Wegrand nicht zur Seite schieben. Nicht in diesem Land. Überall liegen noch Skelette herum.“


Männer mit Erfahrung: Roman
Männer mit Erfahrung: Roman
von Castle Freeman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

5.0 von 5 Sternen Alle gegen Blackway, 5. Mai 2016
Alle gegen Blackway, so könnte man die Ausgangslage von Castle Freemans Roman 'Männer mit Erfahrung' beschreiben. Und wer die grünen Hügel von Vermont kennt, kann sich die Szenerie bildlich im Detail vorstellen: ein kleines Dorf mit holzverschalten Häusern, Männer verschiedenen Alters sitzen vor einer Sägemühle in der Sonne, die auch schon bessere Tage gesehen hat und führen launige Gespräche. Träge Langeweile bestimmt die Situation. Willkommene Abwechslung naht in Gestalt einer jungen Frau, Lillian.

Seit ihr Partner sie verlassen hat, wird sie von Blackway, dem 'bad guy' der Gegend gestalkt und bedroht. Und nachdem er nun auch noch ihre Katze getötet hat, fürchtet Lillian um ihr Leben. Da es nur Vermutungen, aber keine handfesten Beweise gibt, kann ihr der Sheriff des Ortes nicht helfen. Er schickt sie zu Whizzer und den Einheimischen, jenen Männern, die sich auskennen, nichts zu tun haben, aber wissen, wie man hier Probleme löst. Dort empfiehlt man ihr, Lester und Nate anzusprechen. Diese beiden könnten helfen, sagt man ihr. Aber als Lilian deren Bekanntschaft macht, beschleichen sie Zweifel. Lester ist ein altes Männlein, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, und Nate ist zwar jung und groß und kräftig, aber eher von geringem Verstand. Und diese beiden glauben, es mit dem Schurken Nr. 1 aufnehmen zu können? Doch ohne viel Federlesens ergreift Lester die Initiative, und so machen sich die drei Gefährten auf in die Wälder, um Blackway zu stellen'

Es ist die klassische Gut gegen Böse Konstellation, die Castle Freeman seinem schmalen Roman zugrunde legt. Eine Jungfer ist in Nöten und die edlen Ritter springen ihr bei, um das Problem zu lösen, wobei diese aus einem tumben Toren mit reichlich Körperkraft und einem schlauen Fuchs bestehen. Im Hintergrund kommentiert und reflektiert der Chor, wie in den griechischen Tragödien, das Geschehen. Das Ganze dann angesiedelt in der wunderbaren, ursprünglichen Landschaft von Vermont, des 'Green Mountain State'.

Ein Thriller, eine Love Story und die Geschichte einer 'Reise' - kein Wort zu viel, immer auf den Punkt, mit einem Augenzwinkern erzählt, sehr weise und mit einem tiefen Verständnis für die menschliche Seele ' eine kleine Kostbarkeit, der ich viele Leser wünsche!


Montana: Roman
Montana: Roman
von Smith Henderson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ohne Netz und doppelten Boden, 3. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Montana: Roman (Gebundene Ausgabe)
Smith Henderson ist ein amerikanischer Autor, der vor seiner Karriere als Schriftsteller in verschiedenen Bereichen gearbeitet und seine Brötchen verdient hat, unter anderem auch als Sozialarbeiter. Diesen beruflichen Hintergrund teilt er mit Pete Snow, dem Protagonisten seines ersten Romans „Montana“ (im Original „Fourth of July Creek“, erschienen 2014), für den er in seinem Heimatland mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht wurde.

Der Roman spielt zwischen 1979 und 1981, der Demokrat Jimmy Carter ist noch Präsident der Vereinigten Staaten, und der Republikaner Ronald Reagan schickt sich an, demnächst im Weißen Haus einzuziehen. Es ist eine Zwischenzeit, eine Periode des Umbruchs, in der Althergebrachtes an Gültigkeit verliert. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst beurteilen, aber in den Tälern und Hügeln von Montana interessiert das niemanden. Die Regierung hat die Menschen dort vergessen, und genau aus diesem Grund wollen diese auch mit den offiziellen staatlichen Stellen nichts zu tun haben. Man ist misstrauisch, lebt lieber nach seinen eigenen Regeln in den Tag hinein, versäuft den letzten Dollar vom ohnehin kargen Wochenlohn. Keine guten Voraussetzungen, um Kinder großzuziehen.

Und auch das Leben des Protagonisten Peter Snow ist in einem Zustand der Veränderung. Als Sozialarbeiter kümmert er sich um dysfunktionale Familien und die vernachlässigten und misshandelten Kinder in der Gegend. Aber er kann nicht allen helfen, dafür sind es einfach zu viele Fälle. Dazu kommt, dass Snows Persönlichkeit der seiner Klienten gleicht. Einerseits bemüht er sich um Stabilität für diese Familien, andererseits ist seine Familie durch eigenes Fehlverhalten zerbrochen. Seine Frau hat ihn verlassen, und nun scheint er auch noch seine Tochter zu verlieren. Und er ist sich bewusst, dass er mehr mit seinen Klienten gemeinsam hat als ihm lieb ist.

Ich hatte beim Lesen oft den Eindruck, dass sich Snow nur sehr ungern mit seiner eigenen Situation auseinandersetzen möchte und sich deshalb mit Engagement um die problematischen Fälle kümmert, die ihn von Berufs wegen erreichen. Wie beispielsweise Jeremiah Pearl und seine Familie. Fanatisch und fundamentalistisch bis ins Mark, misstrauisch gegenüber jedem und allem. Ihr Leben fernab jeder Zivilisation in den Wäldern wird von Endzeit-Visionen geprägt, ihre Kinder sind sich selbst überlassen, besuchen keine Schule und verwahrlosen. Bis eines Tages Ben, Pearls Sohn, in der Kleinstadt auftaucht und offensichtlich Snows Hilfe bedarf…

Hendersons Roman ist sowohl Country Noir als Gesellschaftsroman. Es sind diese Lebensumstände im ländlichen Montana, die den Menschen kaum eine Perspektive bieten. Es gibt keinen Ausweg. So ist es nicht verwunderlich, dass Pearl der Gesellschaft und ihren Repräsentanten misstraut, sich in die Isolation flüchtet und seltsame Ideen entwickelt. Und auch die Hilfe von außen lindert nur kurzzeitig, weckt Hoffnung, die nur wieder in Enttäuschung endet, was auch Peter Snow völlig klar ist. Es ist ein Leben auf Messers Schneide, ein Tanz am Abgrund, ohne Netz und doppelten Boden. Lesen!


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