Profil für flo_colonia > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von flo_colonia
Top-Rezensenten Rang: 174.818
Hilfreiche Bewertungen: 95

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
flo_colonia

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Different Shades of Blue
Different Shades of Blue
Preis: EUR 12,97

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Joe is (more than) back, 28. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Different Shades of Blue (Audio CD)
Was für ein Kracher. Der mit Abstand homogenste Bonamassa, ein neuer Bonamassa, und zum allerersten Mal 100% Bonamassa. Bislang enthielten seine Alben meist so zwischen 50 und 100% Coverversionen, diesmal ist alles original.

2009 (bei meiner letzten begeisterten JB-Rezension, seinerzeit The Ballad of John Henry) meinte ich noch, dass es Bonamassa Alben auszeichnen würde, dass sie ein paar Tage brauchen, bis man drin ist und die Stärken erkennt. Ich sah dies als Zeichen dafür, dass Bonamassa nicht einfach nur sein Publikum bedient und die Erwartungen erfüllt, sondern sich immer weiter entwickelt. Diesmal ist es erstmals vollkommen anders: ein einziges Hören reichte aus, schon war ich sicher: that’s it!

Nach 2009 hat er in den Folgejahren in ziemlich regelmäßigen Abständen von 1 Jahr die Studioalben rausgekegelt (bis 2012). Und es trat dann doch etwas Routine ein, immer wieder gab es einzelne Highlights, aber keines der Alben konnte so richtig überzeugen. Das hat meines Erachtens mit dem 4. Mai 2009 zu tun. An dem Tag trat Bonamassa in der Royal Albert Hall auf. Über seinen Vater hatte er als 8-Jähriger ein Video von Cream (mit Eric Clapton) aus den 60er Jahren in der Royal Albert Hall gesehen und beschlossen: One day I wanna play in the Royal Albert Hall. Mit gut 30 hatte sich dieser Traum nicht nur erfüllt, als einer der Gäste auf der Bühne präsentierte sich sogar Eric Clapton himself. Was macht man dann mit dem Rest des Lebens, wenn mit gut 30 der Lebenstraum schon erfüllt ist? Man stagniert halt erst mal was... und liefert naja... keine Massenware, aber doch Routine-Alben ab.

Wobei es ja auch nicht wirklich still wurde um Joe. Während dieser etwas statischen Solozeit gab es mehrere herausragende Projekte mit anderen Musikern. 3 Alben mit Black Country Communion, eine Super Group im besten Sinne des Wortes, nur mit Schwergewichten der Branche bestückt (Glenn Hughes, in den 1970er und 2000er Jahren Bassist von Deep Purple, Dream Theater-Keyboarder Derek Sherinian, der Neffe des Led Zeppelin Drummers John Bonham (Jason Bonham), und natürlich Joe), die die Zuhörer mit fetten, kraftvollen Klängen auf eine Zeitreise zum straighten Rock der 70er Jahre führt, 2 Alben an der Seite von Beth Hart (das erste herausragend, das zweite Grammy-nominiert) sowie Anfang dieses Jahres der Beweis: Bonamassa kann auch Jazz (Rock Candy Funk Party), genauer sehr groovigen Funk-Jazz a la Brecker Brothers. Aber als Bonamassa-Fan blieb mir in den letzten Jahren eine gewisse Gespaltenheit: tolle Qualität in Seitenprojekten, bisschen viel Routine im Kerngeschäft.

Ein Hoffnungsschimmer dann die Tournee 2014. Da waren mir live vor allem zwei Stücke aufgefallen, die jetzt Track 2 und 3 des neuen Albums darstellen. Wobei sie live als Extended-Versionen gespielt werden, genauer: als Jam-Sessions. Diese Tendenz zum Jammen, das heißt, die Abkehr vom Abspielen von Songs als reiner Folge von feststehenden Songstrukturen, die Aufbrechung dieser Strukturen durch ausgedehnte Improvisationspassagen, das war das Element der Konzerte, was mir das Gefühl gab: Joe ist wieder dabei, sich weiterzuentwickeln.

Die spannende Frage war dann also vor Kauf dieser CD: würde er dieses Feeling auf das Album rüberretten? Die Antwort lautet: mehr als das. Das Album kommt ganz ohne Ausreißer nach unten aus, was sehr schwer ist, und es hat einige absolute Highlights. Als Opener (Hey Baby) fungiert eine Hommage an Jimi Hendrix, und schon sind wir bei den beiden Tracks, die mir vom Live-Konzert im Gedächtnis geblieben waren. „Oh Beautiful“ überträgt mit einer Jam-Passage in der Mitte des Stückes das Konzertgefühl aufs Album, eingerahmt ist das Stück vom ohne Musikbegleitung gesungenen Refrain, und außerhalb der Jam-Passagen glänzt es mit einem originellen 6+2/8 Takt. Dann kommt „Love Ain't a Love Song“ recht groovig daher, mit der sehr akzentuiert eingesetzten Bläsergruppe, die für den Rest des Albums in fast allen Stücken eingesetzt wird.

Ohne jetzt auf jedes Stück einzeln einzugehen, seien noch folgende hervorgehoben: Track 7 „I Gave Up Everythin’ for You, 'cept the Blues“, ein absolut klassischer Blues; Track 8, der Titelsong, der m.E. absolutes Chart-Potenzial besitzt (mit eingängiger Melodieführung, ohne dabei banal zu sein), Track 10 „Trouble Town“, ein Funky-Reflex, der von Rock-Candy-Funk-Party rübergerettet werden konnte, und Track 11 „So, What Would I Do“, noch einmal eine wundervoll stimmige Ballade zum Abschluss.

Aber um es noch einmal zu betonen: das Album kommt ohne schwächere Songs aus, lässt sich wunderbar in einem durchhören... und bestätigt Bonamassas Stellung als herausragender, führender Blues-Gitarrist der Gegenwart. Kein Aufbruch zu gänzlich neuen Ufern, aber der Ausbruch aus den etwas stereotypen Schleifen seiner Solokarriere nach dem Erreichen des ganz großen Lebensziels, dem Auftritt (mittlerweile den Auftritten) in der Royal Music Hall London. Das erstmals etwas längere Warten (was ja dank zahlreicher anderer Veröffentlichungen kein wirkliches Warten war) auf ein neues Solo-Album war die richtige Maßnahme, um den einsetzenden Kreislauf der Selbstreproduktion zu durchbrechen. Joe hat wieder Fahrt aufgenommen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 1, 2014 7:52 AM MEST


Already Live Ep
Already Live Ep

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen My Favorite Things, 18. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Already Live Ep (Audio CD)
Natürlich gehört Derek Trucks zu meinen "Favorite Guitarists"... daher würde ich aber weder ihn noch das Album als Thing bezeichnen. My Favorite Things ist ein Jazzstandard aus dem Musical The Sound of Music von 1959. Interpretiert von Größen wie Bill Evans, Stanley Jordan, John Coltrane, Dave Brubeck, McCoy Tyner, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Und seit jeher auch von der Derek Trucks Band. Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn diese äußerst versierte Band meist am Ende eines Konzerts praktisch zum Höhepunkt kommt: auf einmal lassen sie den Bluessound hinter sich und entführen die Zuhörer in eine wunderbar leichte Jazz-Jam-Session... mit My Favorite Things. Auf der Live-EP Already Live, die dem 2009er Album Already Free folgte, finden sich Live-Versionen von 2 Songs vom 2009er Album, einem vom 2006er Album, einem Blues-Klassiker - und eben eine mitreißende 17-Minuten-Version von My Favorite Things. Dieser auf (meine ich mal gelesen zu haben) allen Konzerten der Derek Trucks Band gespielte Titel liegt damit erstmals auf einem Album vor, was allein schon Grund genug ist, sie zu erwerben. Ein kleiner Seitenhinweis - bei My Favorite Things fällt mir dann noch ein, dass es auch auf Guitars von McCoy Tyner eine Version dieses Stücks gibt. Dort gespielt vom Banjoisten Bela Fleck, den ich in jüngster Zeit mit wachsender Begeisterung höre. Auch ein Grenzgänger zwischen verschiedenen Musikstilen, den man aber vor allem im Jazz ansiedeln würde (bemerkenswert sein 2007er Album mit Chick Corea), und auf demselben Album ist auch Derek Trucks zu Gast und spielt dort eine wundervolle Interpretation von Greensleeves.

Die musikalischen Grenzgänger gehören ganz gewiss zu meinen Favorite Things, und Derek Trucks liefert hier wie dort den Beweis, ein ganz Großer unter ihnen zu sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 29, 2012 9:41 PM CET


Already Free
Already Free
Preis: EUR 8,97

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kandidat für den Titel: Album des Jahres 2009..., 1. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Already Free (Audio CD)
Dem neuen Album der Derek Trucks Band kann ich nur das größte Lob aussprechen, was mir für ein Album, für eine Performance einfällt: Es ist Musik. Das heißt, die Band hat jegliche stilistische Bindung bzw. Festlegung hinter sich gelassen, spielt einfach nur in der sensationell harmonischen Weise, mit dem blinden Verständnis einer Musikfamilie, die seit Jahren in der gleichen Besetzung zusammenspielt. Bei frühren Alben hätte ich mir noch als Stilbeschreibung "Blues mit ethnologischen Einflüssen und einzelnen Jazzeinsprengseln" zurechtgeschustert... bei diesem Album lässt sich keine Kategorie mehr finden, außer dass die Songs (der eine mehr, der andere weniger, aber ganz ohne Ausreißeer nach unten... was wahnsinnig selten ist) ausnahmslos, durch die Bank wunderbar funktionieren. Manchmal sind sie schneller und fast rockig, manchmal gibt's Anleihen beim Gopsel (Sweet Inspiration), vor allem aber sind sie von einer sprühenden Lebensfreude... und damit doch arg abweichend vom Stereotyp (das ja nicht immer stimmen muss) des Blues - als klagende Musik. Musterbeispiel hierfür ist das lebensbejahende "I Know", in dem es heißt "I know how it feels to be mistreated, I know how it feels to be blue", aber das nicht in einem trauernden-depressiven Ton, sondern in einem absoluten Optimismus, einer Vorfreude auf zwar noch nicht eingetretenes, aber mit Inbrunst erwartetes Glück. Dieser Song ist wie das ganze Album ein einziges Feuerwerk der Lebensfreude. Und das beileibe nicht nur auf textlicher Ebene, sondern auch und vor allem mit der mitreißenden Musik. Allen voran natürlich dank Derek Trucks magischen Fingern an der Gitarre. Von allen Musikern, die ich bislang kennen lernen durfte, halte ich ihn für den größten, mir bislang bekannten Stilisten, den einzigen, dessen unverkennbares, entrücktes, verzauberndes Spiel man am singenden Ton seiner Gitarre nach Bruchteilen von Sekunden überall raushört. Egal ob es bei Buddy Guy oder Eric Clapton ist... und mittlerweile sind es eben nicht mehr nur die Bluesmen, denen die Qualitäten dieses jüngsten der (lt. NY Times) 100 begnadetsten Gitarristen aller Zeiten aufgefallen sind, sondern es hat sich in der Musikszene auch bis in den Jazz hinein rumgesprochen... und so kam Derek kürzlich die Ehre zuteil, auf einem Album des Pianisten Tyner McCoy mitzuwirken (mit Jazz-Veteranen des Formats eines Ron Carter und Jack DeJohnette), für das er eine Reihe von Gitarristen eingeladen hatte, mit denen er dann jeweils einige Stücke Trio+Gitarre einspielte. Neben diesen absoluten Jazzgrößen (zwischen 67 und 72 Jahre alt) wurden Jazzgitarristen der alleresten Kategorie eingeladen, wie Bill Frisell und Marc Ribot (auch schon zwischen 55 und 58 Lenze alt).. und eben der noch nicht einmal 30-jährige Derek Trucks. Ein Ritterschlag sondergleichen, wenn einem eigentlich auch auch noch aus einem anderen Genre stammenden Künstler die Ehre zuteil wird, mit diesen Jazzgrößen zusammen (oder an ihrer Seite) arbeiten zu dürfen... Das sagt m.E. schon sehr viel über das außergewöhnliche, einzigartige Talent dieses wunderbaren Musikers.


The Ballad of John Henry
The Ballad of John Henry
Preis: EUR 12,98

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Erwartung gehabt... und die wurde bei weitem übertroffen..., 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: The Ballad of John Henry (Audio CD)
Seit mindestens drei Studioalben, also seit der Zusammenarbeit mit Kevin Shirley (von dem ein anderer Rezensent hier schon meinte "und wieder eine platte, die kevin shirley versaut hat"... lustig, wie Meinungen doch auseinander gehen können), hat es sich bei mir als Regel durchgesetzt, dass man einen neuen Bonamassa erst mal 7-10 Tage sacken lassen muss, bis man sich definitiv dazu äußern kann. Naja.. definitiv... was ist schon definitiv im Leben. Was ich sagen möchte: Kevin Shirleys Einfluss auf Joe liegt sicherlich darin, dass seither sein Repertoire noch mehr erweitert wurde, nicht mehr nur Bluesrock und Rock Stücke (aus 7 Jahrzehnten) wie auf den Alben zuvor covert, sondern darüber hinaus auch mal bei Leuten wie Tim Curry, Chris Whiteley oder wie auf dem jüngsten Album Tom Waits rumstöbert. Gut, auch früher hat er schon Yes interpretiert... das ist ja nu auch nicht unbedingt Blues pur... aber Kevin Shirley hat seine Bandbreite sicher noch mal erweitert. Und er hat zudem auch seinen Sound-Reichtum erweitert. Da hört man dann schon mal Streicher... oder wie auf diesem neuen Album Bläser... Kurz: man darf auf Überraschungen gespannt sein. Das führt nun sicher dazu, dass der ein oder andere alteingesessene Fan (siehe Kommentare wie: "Ich mochte Joe, als er noch "Cradle Rock" (Rory Gallagher) als Opener gespielt hat. Ob es da ein Omen ist, dass er ein äußerst müde interpretiertes "As the Crow Flies" (ebenfalls von Rory) als Outro gewählt hat?") ein wenig enttäuscht wird. Ich persönlich finde es toll, dass ein Künstler sich nicht auf dem ausruht, was er bislang erreicht hat, dass er versucht, sich weiter zu entwickeln. Dabei wird er mit Sicherheit Fans brüskieren... aber auch andere hinzugewinnen. Aber in jedem Fall besser, als sich immer selbst zu reproduzieren. Aber aus genau diesem Grund muss man die Alben sacken lassen. Die einzige Erwartung, mit der man herangehen sollte, ist die, dass man besser keine Erwartung haben sollte... und diese Nicht-Erwartung wird dann vielleicht übertroffen... wie beim jüngsten Album wieder geschehen, und zwar in noch überzeugender Manier im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Ich war dieses Mal ziemlich skeptisch. Aber dieses Skepsis hat sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet...

The Ballad of John Henry: Ein kraftvoller Opener, sowohl des letzten Konzerts als auch der CD. Die erste Viertelstunde des Konzerts hab ich als Wirbelsturm erlebt, der einem das Gehirn mal ordentlich durchpustet. Dieses Gefühl rettet Joe hier auf die CD...

Stop!: Schöne Ballade mit interessanten Arrangements und zum ersten Mal Joe mit Bläsern.

Last Kiss: Recht repetitive Songstruktur, die mir beim ersten Hören fast zu langweilig war... mittlerweile mag ich sie, ohne dass sie totale Begeisterung bei mir auslöst... aber die letzten 1,5 Minuten, wenn der Song langsam, schrittweise, Instrument für Instrument ausschleicht... wunderschön...

Jockey Full of Bourbon: DIE NAGELPROBE für mich. Als alter Tom-Waits-Fan, und als Marc-Ribot-Enthusiast. Marc Ribot spielte im Original von Tom die Gitarre, und ich konnte drei Monate nicht schlafen (nein, ist übertrieben), nachdem ich gelesen hatte, dass Joe nun dieses Meisterwerk von Tom covert. Wie sollte das wohl klingen? Nach 30 Sekunden Joe dachte ich: Ist es überhaupt dasselbe Stück? Nach 10 Tagen sage ich: Ein Meisterwerk auf Grundlage eines Meisterwerks. Joe hat den Song genommen und ihn sich zu eigen gemacht, hat etwas komplett Eigenes daraus gemacht. Ein Musterbeispiel für ein Cover, in dem man sich in einen rauchigen Westernsaloon versetzt fühlen darf, wenn man das schlecht gestimmte Klavier hört... Väter der Klamotten meets Power-Rock. Absolut vom Feinsten.

Story of a Quarryman: Ja, auch ich mag am liebsten die harten Riffs, wie so manch einer, der hier schon dem alten Rory-Gallagher-Joe nachweint... und insofern ist Story of a Quarryman in kürzester Zeit zu meinem Zuhör-Favoriten des Albums geworden. Was für eine Power in diesem Song steckt. Dieser über einen Steinbrucharbeiter und der Titelsong über den hämmernden Weichenleger John Henry, diese beiden Songs meinte Joe wohl in erster Linie, als er sagte, er habe mit diesem Album den Leuten ein Denkmal setzen wollen, für die das Leben harte Arbeit ist und die an harte Arbeit glauben....

Lonesome Road Blues: Hmm... vielleicht der Song, dem ich am skeptischsten gegenüber stehe. Klingt ein wenig von sich selbst eingenommen ("all I have is my guitar, I'm just 31 years old today" - wobei ich fairerweise dazu sagen muss, dass ich dem Text nicht in seiner Gänze zugehört hab, vielleicht tue ich ihm ja Unrecht...), aber das stelle ich in Rechnung bei einem Künstler, der immer nach neuen Wegen sucht, dass er auch mal einen nicht so gelungenen Song einstreut... Der ist mir tatsächlich ein wenig zu glatt, zu gerade heraus.

Happier Times: Eine der großen Überraschungen auf der CD. Auf mich macht der Song den Eindruck als würde er ewig dauern, jedenfalls länger als die 6'40'', die er effektiv dauert. Ein immer gleicher Rhythmus, in dem man sich verlieren kann... mit vielen wundervollen Solo-Einsprengseln... und einer Handvoll rhythmisch-dynamischer Explosionen, die die Gleichförmigkeit durchbrechen... um dann wieder zu ihr zurückzukehren... und um in einem Crescendo zu enden. Großartiges Songwriting, ein bleibendes Meisterwerk.

Feelin' Good: Eine gefällige Cover-Version. Eher ruhig, nett zu hören, aber jetzt nicht der Reißer wie die Tracks 2, 5, 7 oder 10....

Funkier Than a Mosquito's Tweeter: Tja, auch hier bleibe ich ein wenig mit offenem Mund stehen. Irgendwie wollten Joe und Kevin Shirley hier für meine Begriff zu viel auf einmal. Kernige Bläser, schön anzuhören, funkige Rhythmen, wie man sie von Joe noch nicht gehört hat... alles in allem ein wenig inhomogen. Aber dennoch, es hat was...

The Great Flood: Auch ein absoluter Höhepunkt, eine langsame, träge, recht depressive Ballade, mit sehr ausladenden Übergängen, die den trägen Charakter noch unterstreichen... aber all dies in sehr stimmiger Weise, mit herrlichen Zwiegesprächen zwischen Joes Gitarre und Saxophon, mit dunkel, warnend klingenden Glocken am Anfang und Ende... machen dieses Stück zu einem weiteren Meisterwerk.

From the Valley: Wunderschönes akustisches Solostück. Ein solches darf auf keinem Joe-Album fehlen, häufig enden sie so...

aber diesmal endet es fetziger mit:
As the Crow Flies: Nach Eric Sardinas schon der zweite Bluesgitarrist, der auf seinem jüngsten Album mit diesem Klassiker von Tony Joe White schließt (der sicher in der Version von Rory Gallagher bekannter ist). Die Klänge, die er der Gitarre dabei manchmal entreißt, gehen einfach unter die Haut...

Unter dem Strich stehen gleich mehrere Meisterwerke und auf jeden Fall deutlich mehr bleibende Stücke als beim Vorgänger Sloe Gin, der ja nun auch nicht von schlechten Eltern war. Ein wenig von sich selbst eingenommen klingt Joe ja schon, wenn er im Begleitheft schreibt "I really feel this is my strongest work to date". Aber eigentlich mus sich sagen: Er hat Recht... es ist sein vielseitigstes, reifstes Album bislang, und das Zitat spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein. An einigen Punkten begeht er zwar auch kleinere Irrwege, aber wenn er dafür so großartige Songs liefert wie Happier Times und The Great Flood, wie das auch als Song-Doppel gut funkionierende Jockey Full of Bourbon/Story of a Quarryman dann darf er auch gerne noch mal den ein oder anderen Irrweg gehen... Joe ist der Größte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 16, 2010 11:49 PM CET


Magnification
Magnification
Preis: EUR 19,99

5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tja..., 21. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Magnification (Audio CD)
Zunächst einmal zu meinem Hintergrund: ich höre vorzugsweise gerne Jazz, Blues, Klassik, Rock und Blues. Fand immer, dass Genesis die genialste Rockband aller Zeiten war (bis zum Ausscheiden von Steve Hackett, und erst recht bis zum Ausscheiden von Peter Gabriel in der klassischen Phase). Aber mir war immer klar, dass ich dabei Yes außen vor lasse... also hab ich mir vor ner Woche mal von einem Bekannten sämtliche CDs ausgeliehen. Und in dieser Woche chronologisch angehört. Klar geworden ist mir dabei, dass Yes in ihrer klassischen Phase bis 1974 sicher Werke produziert haben, an deren musikalische Komplexität keine andere Band herankommen dürfte. Auch nicht Genesis, auch nicht mit Supper's Ready... das dennoch (vorerst) mein absoluter Favorit bleibt. Aber alles, was bei Yes nach 1974 kam, konnte das vorherige Niveau meines Erachtens nicht mehr annähernd erreichen. Das wird mir nach und nach alles immer banaler, immer selbstrepepetitiver. Es gibt nur noch wenige Ausnahmen, dazu gehören einige Stücke auf Drama von 1980, und vor allem die häufig gewürdigte Talk von 1994. Aber dieses Album hier schlägt für meinen Geschmack allem bisher Dagewesenen den Boden aus. Wie gesagt, ich höre gerne Klassik.... aber hier von einer Symbiose von Klassik und Rock zu sprechen, erscheint mir doch als ziemlicher Euphemismus. Um anspruchsvolle klassische Musik zu produzieren, bedarf es schon etwas mehr als nur ein paar Streicher und Bläser. Sonst könnte ja auch der "Mandolinenmetzger aus Maastricht" (eines meiner Lieblings-Harald-Schmidt-Zitate), Andre Rieu, für sich in Anspruch nehmen, klassische Musik zu produzieren. Und auf dem Niveau befinden wir uns auf diesem Album. Nur bisschen Rumgezupfe oder mal ne Querflöte zwischendurch zur Untermalung... ist eher peinlich als genial, reine Effekthascherei. Da waren Deep Purple mit ihrem Konzert für Band und Orchester in den 70ern schon weiter... da fällt mir übrigens ein großartige Anspieltipp ein, wenn man mal E-Gitarre und Symphonieorchester zusammen hören möchte: mal beim früheren Scorpions Gitarristen Uli Jon Roth reinhören.. vor allem das Album Metamorphosis, das eine Interpretation von Vivaldis 4 Jahreszeiten enthält, wo die Violine durch E-Gitarre ersetzt ist... abgesehen von peinlichen italienischsprachigen Einleitungen zu den einzelnen Jahreszeiten hat man da eine Einspielung, die den Vergleich mit klassischen Einspielungen mit Orchester und Violine locker standhält. Ein glasklarer Gitarrenklang... aber was Yes hier abliefern, geht für mich auf keine Kuhhaut.

Kleine Korrektur: Gegen Ende doch noch ein Titel (Dreamtime), der mal zeigt, dass das Konzept eigentlich hätte funktionieren können. Auch hier wirken mir die Bläser manchmal zu James-Bond-Soundtrack-haft. Aber hier gelingt es mal, Gitarre, Gesang und Orchester zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen, und das Orchester verkommt nicht nur zum banalen Hintergrund wenig inspirierter Stücke.

Diesem Stück hat das Album jetzt zu verdanken, dass es doch noch einen 2. Stern bekommt... Ich wollte mit einer Provokation schließen "Da hör ich mir lieber die Scorpions mit den Berliner Philharmonikern an"... aber naja... da sind wir auf nem ähnlichen Niveau... bisschen besser vielleicht. Aber Uli Jon Roth mit seinen Vier Jahreszeiten, den hör ich mir jetzt mal an...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2013 9:52 PM CET


10days Out-Blues from the Backroads
10days Out-Blues from the Backroads
Preis: EUR 20,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Album des Jahres, 24. Dezember 2007
Eigentlich ist den bisher veröffentlichten Rezensionen nichts mehr hinzuzufügen... Die durchgängige Bewertung mit 5 Sternen sagt eigentlich auch schon alles. Und eigentlich gibt's für dieses Album gar nicht so viele Sterne, wie es verdient hätte... mindestens mal 5 Sterne plus einen Bonus-Stern für "pädagogisch besonders wertvoll" :-).

Ich entdeckte Kenny Wayne vor etwas mehr als einem Jahr, und mein erster Kontakt war das Debütalbum "Ledbetter Heights". Ein wahrer Kracher. Mit einer enthusiastischen persönlichen Widmung und Würdigung der Sex-Machine James Brown auf dem Klappentext ausgestattet, zog Kenny W. 1997 aus, in die Fußstapfen des viel zu früh von uns gegangenen Stevie Ray Vaughan zu treten. Die Nähe zum großen Texaner ist unüberhörbar, und so ist Shepherd vermutlich der Musiker, der am häufigsten mit dem Attribut "einzig würdiger Nachfolger von SRV" betitelt wurde.

Die Begeisterung über die Entdeckung dieses Schatzes wich schnell der Ernüchterung, nachdem ich dann auf der Website Kennys jüngstes Video gesehen hatte. Bei "Alive" von seinem seinerzeit letzten Album "The Place You're In" von 2004 gebährdet er sich eher wie ein Klein-Bon-Jovi, der Mädels bis 20 imponieren will. Wie er das macht, ist nach wie vor gelungen, als jemand, der auch dem Heavy-Genre etwas abgewinnen kann, hab ich auch an der Musik Spaß, aber wenn ein Künstler mit einem Album startet, das Erwartungen an einen neuen Stevie Ray wach werden lässt, dann bleibt doch ein schaler Geschmack der Enttäuschung zurück, denn an dieses Niveau konnte er zuletzt nicht mehr anknüpfen.

Um so größer die Überraschung im Februar/März dieses Jahres: Als ich einem Freund anhand des Videos auf der Homepage zeigen wollte, wo die einstige Hoffnung des Blues-Genres mittlerweile angekommen war, lief mir gleich ein Schauer den Rücken runter: ein neues Album, und das Stück, das auf der Homepage als Apetizer ertönt, das groovt gleich mal aus allen Poren. Ein echter Reißer: 5 Minuten Lektüre und Video gucken auf der Homepage überzeugten mich gleich: Kenny is back, er hat den Weg in den Schoß des Blues zurückgefunden, ja mehr noch, er ist weiter zurückgekehrt als jemals zuvor, er hat die Wurzeln des Blues aufgespürt und ist gemeinsam mit einer Filmcrew und den Double Trouble (der Rhythmus-Sektion von Stevie Ray Vaughan) ausgezogen, einige sehr bekannte und weniger bekannte Gesichter des Delta-Blues aufzusuchen und mit ihnen gemeinsam vor der Kamera zu jammen. Neben dem bereits erwähnten Tina Marie (das auf der Website zu hören ist) mit dem blinden kanadischen Gitarristen Bryan Lee (der mittlerweile selbst einer meiner Favoriten geworden ist), dem Junior-Gast auf dieser CD/DVD (ist ja auch noch keine 60) sind meine CD- und DVD-Anspieltipps das akustischen Duette mit Buddy Fleet (Honky Tonk vor dem Grab der Folk- und Blues-Legende Huddy "Leadbelly" Ledbetter) und der Seniorin (mit 93 Jahren) der CD, Etta Baker (in ihrer Küche, aus der sie die Filmcrew mit dem sympathischen Versprechen entlässt, dass sie sie beim nächsten Besuch in einem aufgeräumteren und würdigeren Rahmen empfangen würde - ein Versprechen, dem sie nicht mehr nachkommen können wird, da Etta Baker zu den Musikern gehört, die das Erscheinen von Film und CD nicht mehr erleben sollten) und nicht zuletzt das Duett auf der elektrischen Gitarre mit dem großen B.B. King mit dessen Klassiker The Thrill is Gone. Und natürlich die Auftritte mit den überlebenden Musikern der Bands von Howlin' Wolf und Muddy Waters... und eigentlich alle Titel durch die Bank. Das ist eben auch das Faszinierende dieser CD/DVD: wir erleben Koryphäen des Blues-Genres, die größtenteils nicht mehr aktiv am Konzertleben teilnehmen, noch einmal in ihrer ganzen Vitalität, die ihnen die Musik erhalten hat, im Dialog mit einem aufstrebenden Jung-Gitarristen, der sich aber in sehr unprätenzioser Weise zurückhält und zurücknimmt (und damit gegenüber dem letzten doch etwas manieristischen Studio-Album deutlich an Format gewinnt). Dieses Kleinod, das ich von Anfang an das "Buena Vista Social Club des Blues" genannt habe (auch wenn hier kein namhafter Regisseur beteiligt ist), ist für mich das Blues-Album des Jahres. Und vermutlich auch für viele andere, ich möchte mal die Prognose wagen, dass es in den Jahresrückblicken eine nicht unbedeutende Position einnehmen wird...


Deja Voodoo
Deja Voodoo
Wird angeboten von schnuppie83
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lanze, 22. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Deja Voodoo (Audio CD)
Eine solche (nämlich eine Lanze) möchte ich an dieser Stelle mal für diese Scheibe brechen. Das Echo auf dieser Seite ist ja durchaus geteilt. Votes zwischen 2 und 5 Sterne. Auf amazon gibts auch noch einen zweiten Eintrag für diese CD, dort aber gibts zwei Bewertungen von jeweils 5 Sterne. Und einer der Rezensenten schreibt zu Recht, diese Scheibe würde sich durchaus von den vorherigen unterscheiden. Möglicherweise ist hierin der Knackpunkt zu sehen, nämlich hinsichtlich Erwartungen und deren Einhaltung oder Enttäuschung... Mittlerweile sind seit dem Erscheinen von Deja Voodoo zwei Jahre.. und zwei weitere Studio-Veröffentlichungen des Maulesels vergangen. Und just in diesem Jahr hat die Band um Warren Haynes mit Mighty High eines mal wieder unter Beweis gestellt: dass man ihr nicht vorwerfen kann, stilistisch auf der Stelle zu treten. Wobei der diesjährige Ausflug in die Dub-/Reggae-Gefilde die Fangemeinde noch deutlicher spaltet als dieses Album hier vor 2 Jahren. Was auch klar ist, weil man Mighty High nicht als organische Weiterentwicklung des Stils betrachten kann, sondern fast schon als Stilbruch - fast ein Schlag ins Gesicht für die Erwartungen der Hörerschaft. Ich würde sagen, dass man mir nicht nicht vorwerfen kann, nicht offen zu sein, was meine Hörgewohnheiten anbelangt, ich höre Jazz, Rock, Blues, Rap, Alternative, Klassik, eigentlich alles querbeet, aber ich habe Ansprüche daran, dass Musikkünstler innerhalb ihres Genres originell arbeiten und womöglich Stilelemente verschiedener Genres zu einem neuen verbinden. Von daher wäre ich theoretisch ein prädestinierter Hörer für die 2007er Scheibe. Aber ich kann diesem Stil-Mix nicht mehr folgen, finde ich nicht gelungen. Dass die Spannbreite der Votes zu diesem neuen Album (2007, Mighty High) auf amazon noch breiter und das Echo noch gespaltener ausfällt als zu diesem hier, verwundert dann nicht mehr allzu sehr..

Doch an dieser Stelle soll's ja nicht um Mighty High gehen, sondern um Deja Voodoo. Wenn ich bei Mighty High mich eher denjenigen anschließe, die ein wenig verdattert zurückbleiben, bin ich bei Deja Voodoo der gegenteiligen Ansicht, dass ihnen hier das bislang reifste Album gelungen ist. Wie aus einem Guss perlen sich die Songs aneinander. Sind dabei immer von einem bluesigen, erdigen Feeling getragen und dennoch vielschichtiger und abwechslungsreicher als frühere Studioproduktionen. Die Erfahrung der großartigen Deep End und vor allem Deepest End Liveproduktionen wirkt hier noch nachhaltig nach. Und nicht zuletzt wegen der Hinzunahme eines Keyboarders weist die Musik mehr denn je Ähnlichkeiten mit dem Progrock der 70er Jahre auf. Insbesondere mein Favorit nach den ersten drei Mal HÖren - das 11-Minuten-Stück Silent Scream - klingt wie ein Genesis-Tribute vom Allerfeinsten. Und zwar am allermeisten noch nach der 4-köpfigen Genesis Besetzung von 1976 (nach dem Ausscheiden von Peter Gabriel, aber noch mit Steve Hackett), mit der sie die beiden Alben A Trick of the Tail und Wind & Wuthering einspielten. Es sollte sich als der Abgesang einer der größten Rockgruppen aller Zeiten erweisen, eine Zwischenphase zwischen der zunehmenden (bühnenuntauglich gwordenen) Verkopfung und Theatralisierung mit Peter Gabriel (die aber mit The Lamb Lies Down on Broadway eine absolute Ikone der Musikgeschichte hervorbrachte) und dem Abstieg zum massenwirksamen Poprock in den 80er Jahren. Den Geist dieser Musik atmet das Deja Voodoo Album von Gov't Mule (siehe da, mit zufällig genau derselben Besetzung: Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug), und obwohl ich die Mule-Scheibe jetzt erst drei Mal gehört habe, bin ich mir sicher, dass sie auf alle Zeiten einen ähnlichen Kult-Status einnehmen wird wie die beiden 76er Genesis-Alben. Ihre bislang reifste Studioproduktion, auch nicht erreicht von den beiden Folgealben High & Mighty und Mighty High (letzteres ist Lichtjahre davon entfernt...). Eine 1-A-Ergänzung zu den eher Jam- und teilweise sogar Jazz-(siehe Sco-Mule) orientierten Livespektakeln der herausragenden Deep/Deepest End Phase. Sozusagen (wenn man die Entwicklung seither ansieht) ein absolut würdiger Studio-Abschluss dieser Phase, die mit Sicherheit in die Musikgeschichte eingehen wird...


Sloe Gin
Sloe Gin
Preis: EUR 12,98

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bonamassa halt...., 16. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Sloe Gin (Audio CD)
Also, ich kann durchaus die Blues-Hardliner verstehen, die von diesem Album enttäuscht sind. Das geht mir bis zu einem gewissen Grad genauso. Ich habe Joe im März dieses Jahres live gesehen, und das war das zündende Moment, von dem Moment dauerte es nicht lange, und ich hatte sämtliche CDs. Meinem persönlichen Musikegschmack kommen dabei die Alben von 2002 bis 2004 auch noch am ehesten entgegen: harter Bluesrock vom Feinsten, Powertrio-Musik, die einen vom Stuhl reißt. Mein uneingeholter Favorit dabei immer noch vom ersten Album, das ich je hörte: Pain and Sorrow von So It's Like That (2002): 9 Minuten Gitarrensolo in der Tradition der Gitarrenvirtuosen der 70er a la Rory Gallagher zu einem treibenden, fast schon funky zu nennenden Rhythmus. Dem Wechsel zum Produzenten der Led Zeppelin ab dem 2006e Album You and Me (nun auch bei Sloe Gin) steh ich persönlich auch ein wenig zwiespältig gegenüber, die Tendenz zur Untermalung mit bombastisch klingenden Streicherbegleitungen ist jetzt auch nicht ungedingt das, was ich am allerliebsten höre. Aber ich erkenne gerade das auch als absolutes Qualiätsmerkmal von Joe an: bei den letzten drei Alben (Had to Cry Today von 2004, obwohl das noch mit der alten Besetzung und im alten Stil gehalten ist - You and Me - und eben Sloe Gin) ging es mir jedes Mal so, dass ich nicht nur beim ersten Hören leicht irritiert war. Weil Joe eben nicht die Erwartungen seiner größer werdenden Fangemeinde einfach nur bedient, sondern sich weiterentwickelt. Im Einzelfall dann eben auch mal weg von dem, was ich (und viele Blues-Hardliner) am meisten an ihm schätzen. Und was dann häufig als Wechsel zum Mainstream ausgelegt wird. Es ist mir aber auch bei allen Alben dann nach mehrfachem Hören so gegangen, dass ich mich in sie hineingehört habe und die Songs zu schätzen begonnen habe, die einem Stil entsprechen, wie ich ihn normalerweise nicht höre. So gehören einige der langsameren und eingängigeren Sachen auf You and Me (wie Asking Around For You) mittlerweile zu meinen absoluten Favoriten. Und nach 1 Woche Sloe Gin kann mal selbiges auch schon vom Titelsong des neuen Albums sagen....

Was Bonamassa wie keinen anderen auszeichnet ist der bewusste Umgang mit der Musikgeschichte der letzten 50 Jahre. Das Gros seiner Songs sind Interpretationen von Rory Gallagher, Jeff Beck (mit Rod Stewart), John Lee Hooker, Albert Collins (wie dynamisch flott dessen Travellin' South bei Bonamassa klingt... kaum wiederzuerkennen), Blind Faith, John Mayall, Led Zeppelin, Otis Rush, Sonny Boy Williamson und vielen andere, und er macht dabei auch nicht vor Genregrenzen halt, interpretiert auch einen Ry Cooder. Daher sollte man immer bedenken: Joe Bonamassa ist sicher ein Aushängeschild des Blues, engagiert sich in dieser Sparte - lässt sich aber nicht auf sie beschränken. Ein vielseitiger Künstler, der sich intensiv mit der Musik und ihrer Geschichte auseinandersetzt und den offenen Rezipienten daher auch dazu einlädt, neue Bereich der Musik kennenzulernen...

und obendrein eben auch noch ein begnadeter Gitarrist, das natürlich an allererster Stelle.

Egal, ob mich das Album jetzt komplett oder mit Abstrichen überzeugt, ich hab mich zu 5 und nicht zu 4 Sternen entschlossen, allein schon weils Joe Bonamassa ist. Und weil er uns Interpretationen wie die von Whitleys "Ball Peen Hammer" und Tim Currys "Sloe Gin" schenkt...


Seite: 1