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Rezensionen verfasst von
M. C. Kepling

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Midnight in Paris
Midnight in Paris
DVD ~ Owen Wilson
Preis: EUR 5,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Charme von Gegenwart und Vergangenheit, 4. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Midnight in Paris (DVD)
Woody Allens neuester Film zeichnet sich durch etwas aus, das mit Worten schwer zu beschreiben und rational kaum fassbar ist: Charme!

Der romantisch-nostalgisch veranlagte Hollywood-Drehbuchautor Gil Pander, der sich gerade an seinem ersten Roman abarbeitet, befindet sich mit seiner Verlobten Inez auf einer Reise nach Paris. Im Gegensatz zu seiner Verlobten und ihren Freunden fasziniert ihn Paris, es ist die Stadt seiner großen Idole: Hemingway und Fitzgerald, James Joyce und Gertrude Stein, Picasso und Dali. Den Glanz der Vergangenheit will er spüren und erfassen, und als Inspirationsquelle für seinen eigenen Roman nutzbar machen.
Eines Abends setzt er sich von der restlichen Gruppe ab, um im Dämmerlicht des Abends durch die Pariser Gassen zu flanieren. Nach dem Mitternachtsläuten geschieht das Unfassbare: Ein altmodischer Wagen fährt heran und die enthusiastischen Fahrgäste laden ihn mit Nachdruck zu einer Party ein. Die erste Person, die sich ihm vorstellt: Zelda Fitzgerald. Dann ihr Mann: Francis Scott Fitzgerald.
Pander findet sich wieder im Paris der 20er Jahre, im Paris der Partys und literarischen Salons, er diskutiert mit Hemingway und poussiert mit Adriana, der Geliebten Pablo Picassos. Nacht für Nacht macht er sich vom gleichen Ort aus auf die Zeitreise in die Vergangenheit. Er lebt in zwei Welten - bis er erkennt, dass er sich entscheiden muss.

Woody Allen schert sich nicht um eine innere Logik des Geschehens. Mit keiner Silbe wird erklärt, warum und wie all das, was sich dem Protagonisten eröffnet, möglich sein kann. Aber: Nichts ist ist so unwichtig, wie die Frage, ob das alles Sinn macht, was hier passiert. Als Zuschauer wird man gefangen genommen, man taucht ein in diese ungeheuer faszinierende Epoche; die Hinwendung in die Vergangenheit erfolgt nicht mit Melancholie und Wehmut, sondern mit Enthusiasmus. Es macht Spaß, dieses Paris der großen Künstler der legendären "Lost Generation" nach und nach zu erforschen.

Die eigentliche Qualität des Films, wie eingangs erwähnt, ist: Charme. Die Antinomie von Vergangenheit und Gegenwart, die zumeist witzigen Dialoge - ob mit dem pedantischen Freund seiner Verlobten in der Gegenwart oder mit Ernest Hemingway in den 20ern -, die Bilder - Paris im Regen, Paris bei Nacht, Paris als idealisiertes Wunschbild, das es weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart je so gegeben hat -, und all das unterlegt mit der fantastischen Musik insbesondere Cole Porters: Einfach alles gerät zum Faszinosum, mit einer ganz eigenen Anziehungskraft.

Natürlich, wenn man die vielen Anspielungen versteht, wenn ein Bezug zur Kunst jener Zeit bereits besteht, dann macht das alles richtig Spaß. Hemingway, Picasso oder Dali: Das sind vor allem witzige, abgedrehte, ganz eigene Figuren, genau richtig minimal überzeichnet, aber dann doch so, wie man sie sich immer vorgestellt hat.
Aber: Wer noch nichts gelesen hat von Hemingway oder Fitzgerald, der hat trotzdem Spaß. Vielleicht liegt die besondere Qualität des Films sogar darin, dass er eben nicht nur unterhält, sondern vor allem auch anregt, auf emotionaler wie auf intellektueller Ebene. Denn das Eintauchen in jene Welt muss nach den 94 Minuten des Films nicht unbedingt beendet sein: Die Erzählungen und Romane Hemingways und Fitzgeralds, die Kunst Picassos und Dalis, die Musik Cole Porters und Josephine Bakers - all das ist übrig, ist lebendig geblieben, zugänglich für alle und jeden.
Und daneben, das soll zumindest kurz erwähnt werden, ist es vor allem auch ein Film über die Liebe, über das Zeitlose, Zeitungebundene der Liebe. Der Film zeigt die Liebe als das Band, das die Welt zusammenhält und in allen Zeiten schon zusammenhielt - sehr subtil allerdings, frei von jedem Kitsch.

Um eines aber deutlich zu machen: Ja, der Film huldigt der Kunst im Allgemeinen und der Kunst der "Lost Generation" im Speziellen. Ja, es ist ein nostalgischer Film. Zugleich ist es aber auch eine Absage an eine melancholische, übertrieben sehnsuchtsvolle Nostalgie, eine Absage an einen sinnlosen Gegenwartspessimismus und widersinnigen Defätismus.
Nicht erst am Ende wird deutlich, dass der Ausflug in die Vergangenheit zwar faszinierend ist, für die Hauptfigur ebenso wie für uns Zuschauer, aber eben nur deshalb, weil er von der Warte unserer eigenen Zeit aus unternommen wird. Diese Warte zu verlassen, in eine andere Welt zu flüchten also, kommt letztlich nicht in Frage.
Das Ende zeigt Paris im Regen, in herrlichen, charmanten, imposanten Bildern - es ist das idealisierte Paris des 21. Jahrhundert, das jenem des frühen 20. Jahrhunderts in ebenbürtiger Schönheit gegenübersteht.


Schuld: Stories
Schuld: Stories
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

107 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beachtlicher Erzähler, 3. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben.

Das ist spannend. Und unterhaltsam. Aber es ist viel mehr als das. Denn von Schirach erzählt nicht einfach nur kuriose und absurde, in irgendeiner Form spektakuläre Fälle, sondern all seine Geschichten führen uns etwas vor Augen: den oftmals unauflösbaren Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Recht und Rechtsempfinden. Von Schirachs Geschichten führen uns an die Grenzen und in die Grenzbereiche unseres Rechtssystems, dorthin, wo moralisch-sittliches Empfinden und im Gesetz verankerte Gebote, Verbote und Regeln sich konträr gegenüber stehen; dorthin, wo sich die Unzulänglichkeiten unseres Rechtssystems in aller Deutlichkeit offenbaren - und davon ausgehend stellt sich unwillkürlich die Frage nach der Schuld.
Nach der Schuld der Täter, die wegen Verfahrensfehlern oder anwaltlicher Cleverness freisgesprochen werden müssen; und auch nach jener der Anwälte, die dem Täter seinen Freispruch erst ermöglicht haben. Die Erzählungen machen also deutlich, was unser Rechtssystem leisten kann, insbesondere aber auch, was es nicht leisten kann, an welchen Stellen es versagt oder versagen muss.
Alle Geschichten schildern uns diese Problematik, aber jede einzelne tut dies aus einem anderen Blickwinkel. Und einige der Geschichten zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Denn von Schirach ist ein überaus beachtenswerter Erzähler. Das Geheimnis seines Erzählstils heißt Reduktion. Bei allem philosophischen Gehalt seiner Stories beschränkt er sich doch nur auf die wesentlichen Konflikte und Gedanken. Diese schildert er in meist kurzen Hauptsätzen, prägnant und präzise, ohne jede Weitschweifigkeit. Er erspart uns ästhetische Ergüsse, er lässt aus und spart ein, was ihm unnötig erscheint - ohne dass die Geschichten an erzählerischer Dichte verlieren würden. Sein Stil ist leicht und flüssig zu lesen, allerdings keineswegs simpel.
Im Gegenteil, sein raffinierter Lakonismus und seine Schnörkellosigkeit erinnern an keinen Geringeren als Ernest Hemingway, den Meister des sprachlichen Understatements.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2015 11:15 PM CET


Aprilgewitter
Aprilgewitter
von Iny Lorentz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besser als Teil 1, 31. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Aprilgewitter (Taschenbuch)
Iny Lorentz' neuer Roman "Aprilgewitter" ist die Fortsetzung ihres Bestsellers "Dezembersturm" und führt die Protagonistin Lore Huppach und damit auch uns Leser ins Berlin Ende des 19. Jahrhunderts.

Denn in Berlin wollen Lore und Fridolin ihr Glück finden. Fridolin findet Arbeit in einem bedeutenden Bankhaus, und Lore eröffnet mit ihrer Freundin einen Modesalon; und so scheint einer glücklichen Zukunft nichts mehr im Wege zu stehen. Doch in der Damengesellschaft der Großstadt findet Lore keinen Anschluss. Sie wird ignoriert und bekommt die Aversionen und Antipathien der Gesellschaft nur allzu deutlich zu spüren. Gerüchte und Behauptungen werden in die Welt gesetzt - und ganz allmählich scheint sich Lore immer mehr in einem Netz aus Verleumdungen und Diffamierungen zu verfangen.
In dieser Situation stellt sich unwillkürlich die Frage nach Fridolins Treue und Loyalität - zumal er in der Besitzerin des Edelbordells "Le Plaisir" eine alte Bekannte wiedertrifft.

Eins vorneweg: "Aprilgewitter" ist wesentlich besser als sein Vorgänger "Dezembersturm". Sicher, "Dezembersturm" war in einigen Teilen ein durchaus spannendes und sinnliches Auswandererdrama, leicht zu lesen und historisch gut recheriert, aber die mangelnde Tiefe der Charaktere und die teils klischeedurchzogene und überaus vorhersehbare und leider auch kitschige Handlung haben das Lesevergnügen doch erheblich getrübt.
In "Aprilgewitter" ist Lore zwar nach wie vor überaus charakterstark, mutig, entschlusskräftig, handlungsschnell - ein eigentlich perfekter Charakter also, und genau das muss auch kritisiert werden -, die Handlung ist allerdings wesentlich schlüssiger aufgebaut mit glaubhafteren Spannungsmomenten und weniger Kitsch. Nicht alle Charaktere gewinnen an Tiefe, aber sie bleiben lange nicht so blass wie im ersten Teil. Der zweite Teil gewinnt also ein gehöriges Maß an Glaubwürdigkeit, und macht genau deshalb ungleich mehr Spaß als sein Vorgänger.
Die Geschichte hat nur wenige Längen und ist dramaturgisch gut aufgebaut, so dass man mit den einzelnen Charakteren immer mehr mitfiebert und das Buch schließlich, zumal es recht flüssig zu lesen ist, überraschend schnell schon zu Ende gelesen hat.
Zudem gibt der Roman einen fesselnden Einblick hinter die Fassaden der Berliner Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts. Die Verbindung von historischen Fakten und Ereignissen und erzählerischer Fiktion gelingt also ganz ausgezeichnet, und auch deshalb kann man Lorentz' neuen Roman durchaus in eine Reihe stellen mit ihren bisher besten Werken wie "Die Wanderhure" oder "Die Goldhändlerin".
Trotzdem wäre noch mehr Mut bei der Zeichnung der Charaktere durchaus wünschenswert; ein Protagonist mit Fehlern und Schwächen, keine derart klare Trennung zwischen "Guten" und "Bösen", insgesamt noch mehr Authentizität also - all das darf und muss man auch von einem historischen Roman erwarten. Literarische Qualität ist keine Kategorie, die für historische Romane nicht gilt; zumal es mittlerweile einige, auch deutsche Auoren und Autorinnen gibt, die das eindrucksvoll nachgewiesen haben.

"Aprilgewitter" erzählt also eine spannende Geschichte, gut und intelligent eingebettet in einen historischen Rahmen, hat aber durchaus einige Schwächen.


Remember Me - Lebe den Augenblick
Remember Me - Lebe den Augenblick
DVD ~ Emilie de Ravin
Preis: EUR 6,99

19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angenehm authentisch, 27. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Remember Me - Lebe den Augenblick (DVD)
"Remember Me - Lebe den Augenblick" ist in verschiedener Hinsicht überraschend. Zum einen wäre da der Hauptdarsteller Robert Pattinson, der mit einer imposanten schauspielerischen Leistung eindrucksvoll deutlich macht, dass er nicht auf ewig nur mit dem Status des gutaussehenden Teen-Superstars behaftet sein will und die im Vergleich zu den Twilight-Filmen größeren Freiräume für schauspielerische Akzente durchaus zu nutzen weiß. Und zum anderen ist da das Ende des Films, das zwangsläufig polarisieren muss.

Tyler steht kurz vor seinem 22. Geburtstag. Acht Jahre zuvor nahm sich sein Bruder in genau jenem Alter das Leben. Seinen Tod hat Tyler noch immer nicht überwunden, er ist voller Zorn und Zukunftsangst. Als er nach einer Kneipenschlägerei von einem Polizisten verhaftet wird, will er sich an diesem rächen, indem er seine Tochter Ally zu verführen versucht. Auch Ally hat einen Menschen verloren. Als Kind musste sie mitansehen, wie ihre Mutter erschossen wird. Tyler und Ally lernen sich und ihre Gemeinsamkeiten kennen - und verlieben sich.
Wenn Tylers kleine Schwester in der Schule gemobbt und von ihrem scheinbar gänzlich desinteressierten Vater vollkommen ignoriert wird, dann zeigt sich in Tylers Reaktionen allerdings immer wieder der ganze Schmerz und Zorn, der nach wie vor in ihm steckt.

Der Regisseur Allen Coulter erzählt die ganze Geschichte mit einer durchaus angenehmen Ruhe und Zurückhaltung. Er setzt nicht auf übergroße - zumeist konstruiert wirkende - Momente, sondern enthüllt erst nach und nach die einzelnen Charaktere. Er lässt der Geschichte Zeit und setzt insbesondere die beiden Hauptfiguren gekonnt miteinander in Verbindung. Robert Pattinson und Emilie de Ravin harmonieren dabei hervorragend und verkörpern glaubwürdig ihre jeweiligen Rollen.
Coulter inszeniert die Geschichte zunächst also ohne große Gesten oder pathosbeladene Emotionen, sondern richtet den Fokus völlig auf die Zeichnung der einzelnen Charaktere, ohne dabei an erzählerischer Dichte zu verlieren.
Auch das leise, minimalistische Spiel der Schauspieler und die zunächst im positiven Sinne simpel verlaufende Handlung, die sich komplizierter Verstrickungen nur in Maßen bedient, passen perfekt ins Bild eines authentischen Liebesdramas, dass sich genre-untypisch nicht übermäßig in Sentimentalitäten verliert.
Das prägende Thema des Films ist Verlusterfahrung. Alle Hauptfiguren haben einen geliebten Menschen verloren. Davon wurden sie geprägt, mit dieser Erfahrung müssen sie umgehen. Der Film schildert, wie sie das auf ganz verschiedene Weise tun, und zeigt, wie sich durch eine solche Erfahrung die Beziehung zu anderen Menschen verändern kann.
Was nun überraschen muss, ist das Ende des Films, das an dieser Stelle natürlich nicht näher geschildert wird. Die letzten 10 Minuten stehen der vorher ruhigen Erzählweise kontrastierend gegenüber. Sie polarisieren. Sie beenden den Film abrupt, ohne schlüssige Einbindung in die zuvor geschilderten Vorkommnisse, sie wirken konstruiert. Aber genau so war es schließlich auch in der Realität - unlogisch, unvorhersehbar, überraschend, fast absurd und inszeniert wirkend. Die Handlung wird nicht abgeschlossen, sie kann nicht abgeschlossen werden.
Schade ist nur, dass im Wissen um das Ende der ganze vorherige Teil des Films irgendwie doch an Bedeutung verliert und gewissermaßen zum "Beischmuck" seiner Auflösung wird.

Alles in allem erzählt "Remember Me" allerdings eine erfreulich authentisch inszenierte dramatische (Liebes-)Geschiche, die sich fern ab von Pathos, Kitsch und Sentimentalitäten bewegt. Tiefgründig gezeichnete Charaktere in Szene gesetzt von guten Schauspielern, glaubhaft transportierte Gefühle - viel mehr kann man von einem guten Film nicht erwarten.


Up in the Air
Up in the Air
DVD ~ George Clooney
Wird angeboten von New*Star*Media
Preis: EUR 9,65

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Tragik-Komödie von beschwingter Leichtigkeit, 17. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Up in the Air (DVD)
George Clooney, ein Frauenschwarm und Charmeur wie er im Buche steht, ist zweifelsfrei eine der sympathischsten Figuren ganz Hollywoods - zunächst und vor allem aber ist er ein herausragender Schauspieler; ein Schauspieler, der es wie kaum ein anderer versteht, alltägliche aber doch irgendwie zwiegespaltene Charaktere darzustellen, dem es wie kaum einem anderen gelingt, selbstsicher-selbstbewusst und (sympathisch-)egoistisch auftretenden Charakteren mit seinem charmanten Lächeln und seiner bisweilen minimalistischen, sachlichen Darstellung gleichsam auch eine gewisse Unsicherheit und innere Unruhe anzuheften.
Das gelang ihm schon zu Beginn seiner Karriere mit der (Kult-)Figur des Doug Ross in der Krankenhausserie "Emergency Room", und das gelingt ihm auch mit der Figur des Ryan Bingham in der Tragikkomödie "Up in the Air".

Ryan Bingham verbringt als Angestellter einer Firma in Omaha sein Leben zu einem Großteil auf Flughäfen und in Flugzeugen. Seine Aufgabe besteht darin, amerikaweit Leute aus ihren Jobs zu entlassen. Fehlt einem Manager der Mut, die Botschaft dem Betroffenen selbst zu überbringen, kommt Bingham zum Zug. Mit der nötigen Härte und Klarheit, aber auch mit Sensibilität und Einfühlsamkeit verkündet er den Betroffenen die Nachricht. Binghams großes Ziel ist es, als siebter Mensch der Welt die Zehn-Millionen-Bonusmeilen-Schallmauer zu durchbrechen. Er liebt es, zu fliegen. Der Flughafen ist sein Terrain. Er vermeidet Bindungen und hasst Verpflichtungen.
In der Geschäftsfrau Alex trifft er schließlich eine Seelenverwandte, die seine Vorstellungen teilt und mit der er - immer wenn es der Terminplan erlaubt - einige gemeinsame Stunden verbringen kann. Als seine Firma allerdings eine Möglichkeit findet, die es ihm und seinen Kollegen ermöglicht, den Job vor Ort in Omaha zu erledigen, ändert sich Binghams Leben über Nacht.
Plötzlich sesshaft geworden, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit den Menschen seiner Umgebung, seiner Familie, auseinanderzusetzen. Seine Schwester heiratet und er selbst verbringt immer mehr Zeit mit Alex - und merkt wie sich nach und nach seine Prioritäten verschieben.

"Up in the Air" ist ein außergewöhnlicher Film; er hat zwar alle Anlagen sowohl eines Familiendramas als auch einer sogenannten "romantic comedy", einer romantischen Komödie, ist im Endeffekt aber weder dem einen noch dem anderen Genre klar zuzuordnen.
Der Film zeigt, wie Binghams Privat- und Berufsleben aus den von ihm geschaffenen Bahnen entgleist, und er seinen Lebensentwurf überdenkt, er zeigt, wie er schließlich bereit ist, sich auf Menschen einzulassen, auf eine Frau und auf seine Familie - das alles aber ohne auch nur ansatzweise ins Kitschige oder Pathetische abzudriften. Mit einer Menge Humor, Leichtigkeit und ohne jede Schwerfälligkeit gelingt dem Film eine Reflexion über das Leben in der heutigen Zeit.
Es ist diese beschwingte Leichtigkeit die schon die vorherigen Filme des Regisseurs, Jason Reirman, ausgezeichnet hat. Wie "Thank you for Smoking" und "Juno" findet auch "Up in the Air" die perfekte Mischung aus Tragik und Humor. So nüchtern die Geschichte als solche eigentlich anmutet, so erfrischend, humorvoll und emotional ist schließlich das Ergebnis, insbesondere auch dank der hervorragenden Darsteller, Anna Kendrick, Vera Farmiga und George Clooney, die für ihre Rollen allesamt eine Oscar-Nominierung erhielten.


Tödliches Kommando - The Hurt Locker (Steelbook)
Tödliches Kommando - The Hurt Locker (Steelbook)
DVD ~ Jeremy Renner
Wird angeboten von Online-Versand-Grafenau GmbH
Preis: EUR 14,99

5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Irrsinn des Krieges, 14. März 2010
"Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge."

Mit diesem Zitat von Chris Hedges, Kriegs-Korrespondent der New York Times, beginnt einer einer der erschütterndsten und intensivsten Kriegsfilme seit langer Zeit.
Auf der Grundlage des Drehbuchs von Mark Boal, der als Journalist Ende 2004 selbst für mehrere Wochen eine US-Einheit in Bagdad begleitet hatte, schuf Regisseurin Kathryn Bigelow mit "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" einen nervenzerfetzenden Film, der mit ungemein physischer Wucht auf den Zuschauer einwirkt, der eine Stimmung kreiert, die den Zuschauer zutiefst beunruhigt, die ihn immer wieder den Atem anhalten lässt.

Irak 2004: Ein aus nur drei Mann bestehendes Team des Explosive Ordnance Disposal (EOD) der US-Armee ist für die Räumung von Bomben zuständig. Nach dem Tod des Vorgesetzten, Sergeant Thompson, soll Sergeant William James ihn ersetzten. James ist ein Draufgänger, das genaue Gegenteil seines Vorgängers. Unkommunikativ und mit hoher Risikobereitschaft erledigt er seine Arbeit, gefährdet dabei allerdings nicht nur sich selbst, sondern auch seine Teammitglieder, Sergeant Sanborn und Specialist Eldridge. Dadurch entstehen Spannungen. Sanborn und Eldridge wollen in erster Linie überleben und zählen rückwärts die Tage bis zum Ende ihres Dienstes, für James allerdings ist der Krieg eine Droge, er genießt die Gefahr und braucht das Adrenalin. Er ist süchtig.

Der Film verdeutlicht von der ersten Sekunde an, welch einer immens hohen psychischen Belastung die Soldaten ausgesetzt sind an einem Ort, der Entspannung nur selten zulässt. Genau dieses Gefühl der ständigen Gefahr überträgt sich auf den Zuschauer, denn trotz handwerklich brillant gemachter und inszenierter Action-Szenen lebt der Film primär von seiner Intensität, von den Stimmungen, die er erzeugt. Jeder Kampfeinsatz ist eine physische, aber eben auch psychische Belastung für die Soldaten. Der Zuschauer spürt genau das, und mit jedem Entschärfungsszenarium entsteht von neuem eine innere Anspannung, ein Gefühl der Beunruhigung. Denn immer wieder gerät die Gruppe auf ihren Einsätzen in Situationen, die sie kaum oder fast gar nicht kontollieren kann. Das sind dann die Momente - meistens in auf den ersten Blick ganz ruhigen, fast stillen Situationen, die allerdings getragen sind von der Erwartung, dass jetzt gleich etwas passieren könnte - in denen die Spannung nach oben schnellt. Es ist das Gefühl der Unberechenbarkeit und Unkontrollierbarkeit, das die Soldaten belastet und das auch den Zuschauer erfasst.
"Tödliches Kommando - The Hurt Locker" ist vor allem auch eine Charakterstudie der gezeigten Soldaten, die mit der Situation, in der sie sich befinden, zurecht kommen müssen. Jeder tut dies auf seine Weise, der eine leidet unter permanenter Todesangst und nimmt psychologische Hilfe in Anspruch, der andere, etwa Sergeant James, ist längst süchtig nach dem "Rausch des Kampfes", von dem am Anfang des Films bereits die Rede war.
Bigelow rückt also die psychische Belastung der Soldaten und deren Verhalten unter besagter Belastung in den Mittelpunkt, und kombiniert das - wie erwähnt - mit punktuell gesetzten und perfekt inszenierten Action-Szenen.

Dabei fällt der Film allerdings kein harsches Urteil, schlägt sich auf keine Seite, sondern bleibt politisch gänzlich neutral. Trotzdem oder auch gerade deshalb ist "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" natürlich alles andere als Irakkriegspropaganda. Politische Motive werden hier nicht erörtert. Sehr subtil zeigt uns der Film jedoch, wie sich die Extremsituation Krieg auf die menschliche Psyche auswirken kann, und verdeutlicht damit auch den Aberwitz, den Irrsinn und Unsinn des Krieges im Generellen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 17, 2010 12:13 AM CET


Inglourious Basterds
Inglourious Basterds
DVD ~ Brad Pitt
Preis: EUR 5,00

12 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend und fesselnd, 11. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Inglourious Basterds (DVD)
Tarantino-Filme sind immer auch spezielle Filme, sind immer etwas verrückt oder abgedreht, haben ihren eigenen Stil und ihre eigene Dramaturgie - ganz gleich ob "Reservoir Dogs", "Kill Bill" oder "Pulp Fiction".
"Inglourious Basterds" ist ein typischer Tarantino-Film, keine Frage. Tarantino geht seine eigenen Wege.
Mitnutenlang stellt er uns beispielsweise Figuren vor, die dann plötzlich allesamt tot sind. Das sind ganze Filmsequenzen, die eigentlich die Handlung nicht vorantreiben. Aber Tarantino schert sich nicht um eine schlüssig aufgebaute Dramaturgie. Im Gegenteil, er zeigt uns alles, was er für interessant hält, stellt uns mit Liebe zum Detail Figuren vor, um sie kurz danach schon erschießen zu lassen.
Auch die historische Realität tangiert ihn schlichtweg überhaupt nicht, er erzählt eine Geschichte, so wie er sie haben will, ohne sich von Grenzen jedweder Art einschränken zu lassen; und seien es die Grenzen des "guten Geschmacks" oder der historischen Realität.
Das alles ist typisch für Tarantino, und nicht immer muss und kann das auch funktionieren. Nicht jedem kann diese Art von Film gefallen.

"Inglourious Basterds" allerdings ist wenn auch kein Meisterwerk, so doch ein ungemein faszinierender Film. Er erreicht den Zuschauer schnell, er fesselt ihn von der ersten Szene an. Natürlich ist der Film effektvoll inszeniert und auch die Mehrzahl insbesondere der deutschen und französischen Darsteller weiß zu überzeugen, aber ein wesentlicher Grund dafür ist die Figur des Hans Landa und die Darstellung besagten Charakters durch Christoph Waltz.
Man käme beim Betrachten des Films dabei nicht auf die Idee, dass Waltz Landa gut darstellen, ihn gut "spielen" würde; nein, Waltz ist Landa, er versinkt mit seiner Figur in einer Art und Weise, dass man völlig vergisst, dass hier nur ein Schauspieler am Werk ist.
SS-Standartenführer Hans Landa wird "Judenjäger" genannt, er ist ein widerlicher Sardist und Zyniker, ist hochintelligent, mitunter smart und charmant, ein Detektiv und Menschendurchschauer, ein brillanter Analytiker. Seine Waffe ist das Wort; mit Rhetorik, Gestik und Mimik enttarnt er seine Gegenüber. Vor allem aber handelt er willkürlich, er ist nicht getrieben von irgendeiner Ideologie, sondern macht einzig und allein das, wozu er Lust hat. Nur scheinbar der Inbegriff des Nazi-Schergen, lässt ihn die Nazi-Ideologie eigentlich völlig kalt. Als Mitglied der SS jedoch kann er alles das tun, was ihn zu befriedigen scheint. Er schüchtert Menschen ein und genießt es, die Angst in ihren Augen zu lesen, er lebt seinen Sardismus voll aus. Bei jeder Szene von Landa hält man den Atem an, ohne konkrete Erwartung, was er tun könnte, ohne den Charakter vollständig entschlüsseln zu können.
Das macht ihn unberechenbar. Und das macht auch den Film unberechenbar. Und auch deshalb entsteht ein so ungemein hohes Maß an Spannung, das man bei diesem unkonventionellen, tarantinoesken Handlungs- und Dramaturgieaufbau eigentlich kaum erwarten würde. Aber es funktioniert, und damit funktioniert auch der Film.

Jede Geschichte, die erzählt wird, ist fiktiv - das ist Tarantinos Überzeugung. Natürlich ist der Film historisch nicht authentisch, natürlich ist die Geschichte unrealistisch, völlig absurd sogar. Aber es ist die Realität des Kinos, an die Tarantino seit jeher glaubt. Wichtig ist nur, dass eine Geschichte und die Umsetzung der Geschichte gut sind, dass die im Film geschaffene Realität überzeugt, fasziniert und fesselt.
Und "Inglourious Basterds" gelingt all das in weiten Teilen. Der Film schafft denkwürdige Szenen und noch denkwürdigere Charaktere. Aldo Raine oder Hans Landa beispielsweise wird man nicht so schnell wieder vergessen. Den ganzen Film wird man nicht so schnell wieder vergessen.


Invictus - Unbezwungen
Invictus - Unbezwungen
DVD ~ Morgan Freeman
Preis: EUR 5,00

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Invictus - Unbezwungen, 8. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Invictus - Unbezwungen (DVD)
Was für uns Deutschen das "Wunder von Bern" im Jahre 1954 bedeutete, das war für Südafrika die Rugby-Weltmeisterschaft im Jahre 1995 in Johannesburg. "Invictus - Unbezwungen" erzählt uns die mitreißende Geschichte dieses Turnieres, verknüpft mit einem Ausschnitt aus dem Leben Nelson Mandelas und aus der Geschichte Südafrikas.

Nachdem Nelson Mandela zum Präsidenten von Südafrika gewählt wurde, ist es seine wichtigste Aufgabe, das zerissene Land zu versöhnen und den Übergang von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Südafrika zu initiieren. Niemanden will er dabei ausschließen, auch nicht jene Weißen, die zuvor noch als Stützpfeiler der Apartheid fungierten, die Rassenhass und Rassentrennung propagierten. Vergebung und Versöhnung werden zum Programm seiner Politik.
Eine große Chance, die Versöhnung des Landes voranzutreiben, sieht er in der 1995 in Südafrika stattfindenden Rugby-Weltmeisterschaft. Das südafrikanische Rugby-Team, die sogenannte Sprinboks, ist unter den Schwarzen verhasst und gilt als Team der Weißen. Mandela allerdings erkennt die Integrationkraft des Sports und unterstützt das Team mit all seiner Kraft. Und als Südafrika schließich sensationell im Finale steht, befindet sich plötzlich ein ganzes Land im Freudenstaumel.

"Invictus - Unbezwungen" ist zweifellos ein überaus sehenswerter Film, nicht zuletzt auch dank der herausragenden Schauspielleistungen.
Morgan Freeman gelingt es von der ersten bis zur letzten Sekunde Nelson Mandela überzeugend zu poträtieren und die innere Ruhe, die Güte, Menschlichkeit und Weisheit, aber auch das Charisma Mandelas beeindruckend und glaubwürdig auf die Leinwand zu transportieren. Und auch Matt Damon glänzt in der Rolle des Rugby-Spielers Francois Pienaars. Angenehm zurückhaltend, bisweilen fast unsicher gibt er den Kapitän der Springboks, ohne - wie schon in unzähligen, selbst guten Sportdramas gesehen - die emotionalen Momente auf dem Spielfeld mit einem Übermaß an Kitsch und Pathos ins Unangenehme zu verzerren.
Sicher ist das auch ein Verdienst des Regisseurs, Clint Eastwood. Wie man es mittlerweile von ihm gewohnt ist, gelingt es ihm hier zum wiederholten Male, eine Geschichte mit der ihm eigenen ruhigen, wenig effektvoll, aber doch mitreißend inszenierten Erzählweise dramaturgisch so perfekt aufzubauen, dass es ihr auch an der nötigen Spannung und Unterhaltsamkeit nicht mangelt.
Zu kritisieren ist hier lediglich, dass die Versöhnung zwischen Weißen und Schwarzen im Film doch etwas schnell, eigentlich unerklärlich schnell verläuft. Der tiefe Hass, die Kluft und die Zerissenheit des Landes Anfang der 1990er Jahre werden im Film kaum deutlich gemacht, und auch die Probleme und Rückschläge von Mandelas Versöhnungsversuchen werden nicht gezeigt. Das ist durchaus ärgerlich, denn indem Eastwood all dies zu schildern vermeidet oder vergisst, können die geschilderten Vorgänge lediglich als geschöntes und naives Abbild dieser Zeit fungieren. Die Realität sah anders aus. Und Clint Eastwoods wäre durchaus fähig gewesen, diese Zeit differenzierter darzustellen, ohne dabei die Essenz seiner Geschichte, die Essenz dessen, was er sagen will, aus den Augen zu verlieren oder gar zu beschädigen.
Alles in allem ist "Invictus" allerdings ein guter, sehenswerter, mitreißender Film mit herausragenden Darstellern, der trotz weniger Schwächen überzeugt.


Tausend strahlende Sonnen
Tausend strahlende Sonnen
von Khaled Hosseini
  Taschenbuch

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine bewegende Geschichte, 29. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Tausend strahlende Sonnen (Taschenbuch)
Khaled Hosseinis "Tausend strahlende Sonnen" erzählt die Geschichte zweier Leidensgenossinnen, Miriam und Laila, die zu Freundinnen werden, die Geschichte zweier Freundinnen, die ihrem gemeinsamen Leid die Stärke ihrer gemeinsamen Freundschaft entgegenstellen, die aufbegehren gegen ihren Ehemann Raschid, gegen Gewalt und Unterdrückung, und sich gemeinsam dem Leben im krisengebeutelten Kabul stellen. Die Entstehung einer tiefen Freundschaft in der Stunde der größten Not, und die Kraft und Stärke, die sich aus einer solchen Freunschaft heraus entwickeln können, sind also die eigentlichen Themen des Buches.

Die Geschichte von Miriam und Laila wird dabei verknüpft mit der Geschichte einer Stadt: Kabul, und der Geschichte eines Landes: Afghanistan. Afghanistan, der Binnenstaat an der Schnittstelle von Zentral- und Südasien, ist für uns Westeuropäer gemeinhin nichts anderes als eine fremde Welt. Hosseini poträtiert diese fremde Welt aus verschiedenen Perspektiven, er gibt uns einen Einblick in die Gesellschaft und die Kultur dieser Welt, schildert Sitten und Bräuche, den Facettenreichtum und die Vielfalt Afghanistans, verweist immer wieder aber auch auf das Leid und die Not des Landes, auf das Schicksal der Opfer und Unterdrückten, und erzählt von Grausamkeiten und Reaktionärem, kurz um: er entwirft ein ausgewogenes, polyperspektivisches, bisweilen buntes, aber auch erschütterndes Bild eines uns fremden Landes.
Dieses Land wird uns sicher fremd bleiben und vielleicht noch fremder werden, die Lektüre des Romans wird uns kaum dazu bringen, es zu verstehen - das ist auch nicht die Intention des Autors -, zumindest aber wird man verschiedene Eindrücke gewinnen und sich ein Bild davon machen können, was uns so fremd erscheint und womöglich auch, warum es uns fremd erscheint.

Vor diesem Hintergrund nun nimmt die Geschichte von Miriam und Laila und damit die Geschichte ihrer Freundschaft ihren Lauf; vor diesem Hintergrund, d.h. nicht zuletzt auch Hunger, Krieg, Angst, Unterdrückung und Gewalt. All dem müssen sich die beiden Frauen entgegenstellen, ohne dass sie dieser Aufgabe zunächst gewachsen wären. Erst ihre Freundschaft gibt ihnen die Fähigkeit, zu hoffen, und letztlich die Stärke, über sich hinauszuwachsen und an sich selbst zu glauben. Trotzdem kann und wird es natürlich nicht gelingen, kurzerhand alle Angst in Zuversicht zu verwandeln, für alle Probleme Lösungen zu finden und Widerstände problemlos nur durch guten Willen zu überwinden - dazu ist die Herangehensweise des Autors an die Thematik schlichtweg zu realistisch und seine Geschichte zu authentisch.
Doch genau dies tut der Geschichte ungemein gut und hilft dem Roman, ein eigenes Gesicht zu gewinnen und sich aus der Vielzahl ähnlich angelegter Bücher hervorzuheben. Diese Geschichte, ebenso bewegend und ergreifend wie glaubwürdig und authentisch, garniert mit der meisterhaften Erzählkunst Khaled Hosseinis, macht "Tausend strahlende Sonnen" womöglich zu etwas Einzigartigem, einem Novum, sicher aber zu etwas Besonderem, einem unbedingt lesenswerten Roman.


ER - Emergency Room, Staffel 15 [3 DVDs]
ER - Emergency Room, Staffel 15 [3 DVDs]
DVD ~ Anthony Edwards

60 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ER, 1994 bis 2009 - Das würdige Ende einer tollen Zeit - Sternstunden des Fernsehens, 17. Januar 2010
Chicago, im Volksmund "the windy city", das ist die große Stadt am Südwestufer des Michigansees im Bundesstaat Illinois, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, die Stadt des Lincoln Parks und der legendären Chicago Bulls - nicht zuletzt aber war es über lange Jahre hinweg die Stadt von Mark Greene und Peter Benton, von John Carter und Susan Lewis, von Doug Ross und Elizabeth Corday, von Carol Hathaway, Abby Lockhart und vielen mehr; es war die Stadt des berümten "County General Hospital", eines (fiktiven) in Chicago gelegenen Krankenhauses, in dem die Ärzte und Schwestern der Notaufnahme und (Notfall-)Chirurgie, die geheimen, anonymen Helden der Stadt, tagtäglich und Nacht für Nacht ihrer Arbeit nachgehen.

Millionen von Zuschauern rund um den Globus haben sie dabei über 15 Jahre lang beobachtet, haben beobachtet, wie all die menschlich und allzu menschlich gezeichneten Charaktere Unmenschliches zu leisten vermochten, immer wieder aber auch an ihre Grenzen stießen. Und die Zuschauer waren gefesselt von der Intensität einer Fernsehserie, die die Grenzen ihres Genres schon mit dem Auftaktfilm im Jahre 1994 überwunden hatte, um dem Medium Fernsehen einige seiner unvergesslichen Höhepunkte zu bescheren.
"Emergency Room" zeigte die Banalität des Alltags in einem Großstadtkrankenhaus - authentisch, humorvoll, hektisch, laut oder ruhig - lieferte immer wieder aber auch wahrhaft epische Momente, dramatisch-tragische Episoden und Szenen, an die man sich als Zuschauer auch noch nach Jahren erinnern wird, wenn man an ER zurückdenkt - an die ganz eigene Atmosphäre dieser Serie, die mit Worten schwer zu beschreiben ist, und an all die verschiedenen Charaktere, die ER erst mit Leben erfüllt haben; an Doug Ross, wie er verzweifelt um das Leben eines Kindes kämpft und dabei sämtliche Vorschriften missachtet, an Peter Benton - hochtalentiert und in die Chirurgie verliebt - wie er am Operationstisch steht und unter höchstem Zeitdruck chirurgische Eingriffe vornimmt, wie er dem schwer verletzten John Carter das Leben rettet und ihm später beim Kampf gegen seine Drogensucht beisteht, an Susan Lewis, die Mark Greene aus dem abfahrenden Zug zuruft, dass sie ihn liebt, an John Carter, wie er sich das erste mal seinen Arztkittel überstreift oder an den unvergessenen Mark Greene, den langjährigen Leiter der Notfallstation, der verzweifelt gegen seine Krankheit ankämpft - unvergessliche Momente einer unvergesslichen Serie.

Wenn einige immer wieder heraustellen, dass das Niveau der ersten 8 Staffeln in den letzten Staffeln - fast ohne die komplette Urbesetzung - nicht mehr ganz gehalten werden konnte, dann haben sie möglicherweise nicht ganz Unrecht.
Mit Staffel 15 allerdings findet die Serie ein würdiges Ende und ist erneut eine starke Staffel gelungen, die Handlungsschnelligkeit und Authentizität, Humor und Dramatik, Unterhaltsamkeit und Tiefgang in der ER-typischen Perfektion zu verbinden versteht und dabei an viele Momente der letzten 14 Staffeln zurückerinnert.
So sieht man alte, wohlbekannte Gesichter wieder; John Carter und seinen einstigen Mentor Peter Benton, Susan Lewis, Kerry Weaver und für kurze Momente Doug Ross, wir sehen Elizabeth Corday und erinnern uns an ihren verstorbenen Mann Mark Greene. Ganz klar, dass das für den treuen ER-Fan nochmal tolle Folgen sind, eine Reminiszenz an die "große" Zeit von ER gewissermaßen, und mitunter auch eine emotional ergreifende Angelegenheit.

'Was liegt an?', hieß es hunderte Male, während die Ärzte sich an ihre Arbeit machten, und wenn diese Frage schließlich das letzte Mal gestellt wird, wenn etwas endet, das man über lange Jahre hinweg begleitet und verfolgt hat, dann neigt man dazu, wehmütig zu werden.
Schwerer noch sollte allerdings die Freude wiegen, die Freude über eine fantastische letzte Staffel und eine ergreifende letzte Episode, die Freude über das würdige Ende einer großartigen Fernsehserie - 331 Folgen ER, das waren große Momente, Sternstunden des Fernsehens!


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